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Schüler zeigen Solidarität

Nach verheerender Explosion in Beirut engagieren sich zahlreiche NES-Schüler und Absolventen für ihre Stadt

„Die letzten Tage waren sehr hektisch. Direkt nach der Explosion haben wir uns erst mal darum bemüht, in der Schule den Schutt und die Glasscherben wegzuräumen. Viele unserer Schüler und Ehemaligen sind mit anderen Jugendlichen in die besonders zerstörten Stadtgebiete gegangen und haben dort bei allem und jedem geholfen. Sie haben Gästehäuser hergerichtet, sodass Familien, die ihre Wohnungen verloren haben, dort unterkommen konnten. Dann haben sie geholfen, zwei zerstörte Krankenhäuser aufzuräumen und zu säubern. Zusätzlich haben sie in Ashrafieh zwölf beschädigte Wohnungen und Häuser aufgeräumt und gereinigt. Später haben sie noch sieben Tage lang täglich 225 Mittagsmahlzeiten zubereitet und verteilt, und für betroffene Familien auch Ventilatoren gekauft. Unser befreundetes Hilfswerk, Life Agape Ministry, gibt weiterhin warme Mahlzeiten aus.“ Heute (25.8.) wird außerdem eine „mobile Klinik“ für Verletzte angeboten; auch dabei helfen einige Schüler. „Wir sind sehr stolz darauf, wie unsere Schüler sich engagieren!“

Das ist die NES-Schule in Beirut, Libanon: Dort lernen die Schüler nicht nur Arabisch, Chemie und Mathematik, sondern Nächstenliebe und Solidarität, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern über die eigene Not hinaus auch die Not der anderen zu sehen und zu lindern. Viele der NES-Schüler kommen ohnehin aus sehr schwierigen Verhältnissen – Flüchtlingsfamilien, Gastarbeiter, Waisenkinder – aber selbst die wenigen, deren Familien es vorher einigermaßen gut ging, bekommen die anhaltende Wirtschaftskrise am eigenen Leib zu spüren, denn ein großer Teil der Mittelklasse rutscht immer mehr in die Armut ab. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen? – waren viele Schüler und Absolventen sofort bereit, sich für ihre betroffenen Nachbarn und ihre gemarterte Stadt einzusetzen.

Bei der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut am 4. August kamen knapp 200 Menschen um, mehr als 6000 wurden verwundet. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot, denn u.a. vernichtete die Detonation 85% der Getreidevorräte (Oxfam). Zudem sind ganze Stadtteile zerstört – viele Bewohner sprechen davon, dass die Explosion mehr Schaden angerichtet hat als 15 Jahre Bürgerkrieg – und daher sind nun etwa 300.000 Menschen obdachlos. Zusätzlich haben viele noch bewohnbare Wohnungen große Schäden erlitten.

„Als Schule helfen wir im Moment vor allem unseren Lehrern und Schülern, die Schäden in ihren Wohnungen zu reparieren. Wir arbeiten mit verschiedenen Handarbeitern zusammen, Schreinern und so, die wir zu den Familien schicken, denen wir helfen möchten, und die wir dann bezahlen.“

Die Schäden dieser Art können, zumindest mit der nötigen finanziellen Unterstützung, beseitigt werden. Aber was ist mit den emotionalen Schäden?

Die Explosion hat für viele Libanesen nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern ihr letztes Fünkchen Hoffnung zerstört. Verheerende Waldbrände vor knapp einem Jahr, dann wochenlange Straßenproteste, die schlimmste Wirtschaftskrise, die das Land je durchlebt hat, eine drastisch fallende Währung und massive Arbeitslosigkeit, dann noch Corona und schließlich dieser katastrophale Schlag – die Bevölkerung ist völlig traumatisiert. Wie lange wird es dauern, bis das Land sich erholt, selbst wenn die politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen überwunden werden können?

Genau hier macht die NES-Schule so einen wichtigen Unterschied. Auf der einen Seite kümmern sie sich natürlich gerade jetzt um die Schüler, die besonders betroffen sind, wie die Schulleiterin beschreibt: „Wir bemühen uns darum, die verletzten Schüler emotional zu unterstützen. Wir wechseln uns ab, die Schüler zu besuchen, vor allem die, die auch ihr Zuhause verloren haben.

Wir möchten weiterhin ein Licht sein für Menschen, die in Not sind!“

Dieses Licht ist die NES schon seit über 50 Jahren. Kinder, die in anderen Schulen diskriminiert oder sozial ausgegrenzt werden, finden hier einen Ort, an dem sie angenommen und wertgeschätzt sind. Besonders solche Kinder, die an anderen Schulen teilweise gar keinen Platz bekommen würden – Kinder aus Flüchtlings- oder Gastarbeiterfamilien, die auch in dieser Krise ganz besonders hart getroffen sind – können hier in sicherer und herzlicher Atmosphäre eine gute Schulbildung genießen. Das relativ neue „Therapiezentrum“ mit Psychologe und Sprachtherapeut hilft enorm, traumatisierten Kindern die nötige Hilfestellung zu geben, damit sie ihr Trauma verarbeiten und ihren Schulalltag erfolgreich meistern können. Und gerade dieses Jahr, in dem praktisch alle Kinder in Beirut gewissermaßen unter Trauma leiden, ist die Schule als „Oase des Friedens im Chaos“ ein unbeschreiblich wichtiger Anker im durcheinandergewirbelten Leben der NES-Schüler.

Ursprünglich sollten am 1. September die Einführung für die Lehrer beginnen und Mitte September der reguläre Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Da aufgrund der Explosion dutzende Krankenhäuser und Kliniken zerstört wurden und die Corona-Fälle stark angestiegen sind, wurde bis mindestens zum 4. September ein weiterer Lockdown verhängt. Ob demnach der Unterricht im Klassenraum starten kann oder für den Übergang weiter online unterrichtet wird, ist noch unklar – jedenfalls besteht die Hoffnung, dass in Kürze wieder normaler Präsenzunterricht stattfinden kann. Die Reparaturarbeiten an der Schule laufen noch, sind aber hoffentlich bis Mitte September abgeschlossen.

Die Schüler und Angestellten der NES – Berichten zufolge die ganze libanesische Bevölkerung – zeichnen sich in dieser schwierigen Lage durch außerordentliche Solidarität aus. Auch wir können unseren Freunden im Libanon ein Zeichen der Solidarität und der Ermutigung senden. Das geht am besten durch den NES-Studienfond, der maßgeblich dazu beiträgt, dass möglichst viele Schüler weiter ihre „Oase des Friedens“ besuchen können. Das geht auch durch Patenschaften für einzelne Schüler, oder eine Spende mit Vermerk „Beirut Explosion“ (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394). Oder Sie schreiben eine ermutigende Nachricht für unsere Kollegen und die Kinder im Libanon (am besten auf Englisch – aber gerne auch auf Deutsch – an: webmaster@helpinghandsev.org). Danke, dass Sie den Kindern und ihren Familien in dieser Zeit besonders zur Seite stehen!

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