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Einfach nur herrlich

Umfassendes Dorfentwicklungsprojekt in Khotang, Nepal, schafft Veränderung

Einfach nur herrlich: einen Tag lang wandern, Sonnenschein und frische Luft genießen, die Aussicht bestaunen, Flora und Fauna erforschen, sich mal so richtig verausgaben, und am Ende des Tages zur Belohnung eine heiße Dusche, ein ausgiebiges Abendessen und dann ab ins weiche Bett.

Oder noch besser: auf kleinen, steilen Trampelpfaden tausend Höhenmeter überwinden, unter Bananenstauden und riesigen Weihnachtssternen hindurchwandern, auf den Fluss im Tal zurückblicken, der am Mt. Everest entspringt, und auf der Anhöhe dem majestätischen Panorama des Himalajas gegenüberstehen.

Die Kinder und Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram tun das jeden Tag.

Aber auf sie wartet keine heiße Dusche – weiter oben nicht mal fließend Wasser – und kein weiches Bett, auch kein ausgiebiges Essen: nicht immer genug, um satt zu werden. Und sie wandern auch nicht zur Erholung und nicht zum Sport. Für die Kinder ist es der Schulweg – etwas kürzer in der Grundschule, in höheren Klassen auch mal ein oder zwei Stunden zu Fuß, morgens früh, wenn der Nebel sich noch in Schwaden um den Dschungel schlingt, und abends spät, wenn die Dämmerung bereits ins Tal gekrochen ist. Und das für Unterricht, in dem sie nichts lernen und der ihnen kaum Optionen für die Zukunft bietet! Für die Eltern ist es mal der Weg zur Arbeit, öfter zum Markt, gelegentlich auch zur kleinen Gesundheitsstation, in der es nur die allergrundlegendste medizinische Hilfe gibt.

Idyllisch mag ihre Heimat sein, aber das Leben ist sehr hart. Tagtäglich mühen die Menschen sich ab mit Gärten und kleinen Feldern und etwas Vieh, aber der Boden ist trocken, felsig und steil, daher gibt er nicht viel her. Für ertragreicheren Ackerbau fehlen ihnen die Kenntnisse; mit Viehzucht kennen sie sich zwar aus, doch erhalten sie durch fehlende Marktmöglichkeiten nur dürftige Preise für ihre Tiere. Somit können sie ihre Familien nur etwa die Hälfte des Jahres vom eigenen Ertrag ernähren, manche sogar nur vier Monate. Den Rest des Jahres nehmen sie Kredite auf, meist zu hohen Zinsen, und verschulden sich mehr und mehr. Viele verlassen ihr Zuhause und suchen anderswo ihr Glück – oft vergeblich.

Doch das darf sich ändern!

Im Oktober konnte in sechs Dörfern im Khotang-Bezirk in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt beginnen. Für die Kinder bedeutet das regelmäßige Unterstützung in Kinderzentren, sodass ihnen der Schulbesuch tatsächlich eine Chance für die Zukunft bietet. Für die Erwachsenen bedeutet es Förderung im Ackerbau, Viehzucht und Kleinsthandel sowie der Aufbau eines funktionierenden Marktsystems, sodass sie bis Projektende das ganze Jahr über ihre Familie ausreichend versorgen können, ohne Kredite aufnehmen zu müssen. Zudem werden durch Selbsthilfegruppen und eine Kooperative lokale Strukturen geschaffen, sodass die Menschen die sozioökonomische Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand nehmen und weit übers Projektende hinaus positive Änderungen erreichen. Bis April 2025 soll das Projekt laufen, das zu 75% vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird.

Und die Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram haben Hoffnung.

Ende November haben wir sie besucht.

Früh morgens von Jayaram am Dudhkoshi-Fluss steil den Hang hinauf nach Gurdum und Jhapa, wo über ein Drittel der Projektfamilien wohnen. Während wir über die Klippen klettern und dabei mächtig schnaufen, erinnert sich Ramila, eine Kollegin des örtlichen Partners, an ihre Kindheit. Jeden Tag ist sie diesen Pfad gelaufen – bis Klasse 5 eine Stunde Fußweg, bis Klasse 8 dann zwei oder drei Stunden, die letzten beiden Jahre konnte sie nur am Wochenende heimkommen, nach sechs Stunden Fußmarsch. „Oft habe ich einen Sack Reis auf dem Rücken mit hier hoch geschleppt, auf dem Heimweg von der Schule. Was sollten wir auch tun? Unser einziger Markt ist im Tal in Jayaram.“

Weit oben auf dem ersten Hügel, ein Stück von Ramilas Zuhause entfernt, treffen wir Anissa, die gerade ihrem Großvater das Frühstück serviert – die Eltern sind schon längst unterwegs, um zu arbeiten. Anissa besucht die 4. Klasse in der Grundschule in Gurdum und freut sich schon auf das Kinderzentrum, das im Januar dort beginnen wird. „Ich möchte mal Sängerin werden“, verrät sie uns. Tirpasing, der Großvater, wiegt den Kopf hin und her, als wir ihn auf das Projekt ansprechen. „Ich bin alt, ich kann mich nicht an alles erinnern, ich weiß nicht, was kommen wird – aber eins weiß ich: Ich habe Hoffnung!“

Einige Höhenmeter weiter lernen wir Gombhir Bahadur und seine Familie kennen. Er hatte kürzlich einen Unfall und kann zurzeit nicht arbeiten, weder auf dem Feld noch sonstwo. Aber über das Projekt hat er sich schon gut informiert. „Ich bin sehr glücklich, dass meine zwei Töchter im Jayaram Kinderzentrum gefördert werden und meine beiden Enkel, die noch klein sind, bald das Gurdum Kinderzentrum besuchen“, erzählt er uns in der Rai-Sprache, die nur wenige von uns verstehen. „Ich bin Bauer und sehr froh über die Veränderungen, die auf uns zukommen. Ich hoffe, dass meine Ziegenzucht durch das Projekt deutlich verbessert werden kann.“

Wir laufen an der Schule in Gurdum vorbei, wo der Unterricht heute noch nicht begonnen hat. Ein Klassenzimmer ist vom Erdbeben noch stark beschädigt, dafür ist die Aussicht herrlich – in der Ferne ist die Bergkette des Himalajas überm Hügelrand erschienen. „Zurzeit kommen nicht so viele Kinder hierher“, erklärt Ramila, „weil sie das Gefühl haben, dass sie ohnehin nichts lernen. Aber durch das Kinderzentrum wird das anders – dann wird sich auch der Schulbesuch stark verbessern.“

An einem Haus halten wir an und bekommen ein typisches lokales Frühstück serviert: geröstete Maiskörner und Sojabohnen. Während wir im Hof sitzen, kommen ein paar Nachbarn vorbei und werden spontan zum Frühstück eingeladen. Hinter unseren Gastgebern stehen zwei blaue Fässer: Ihr Wasser müssen sie im Tal kaufen und mit einem Traktor hochtransportieren lassen, denn auf ihrer Höhe gibt es bereits kein Wasser mehr.

Bevor wir das Gebiet von Gurdum verlassen und nach Jhapa weiterwandern, treffen wir noch Banita, die gerade ihre Ziege füttert. Was sie für Erwartungen ans Projekt hat?, fragen wir sie.

„Das ist ein sehr gutes Programm, weil unsere Kinder in ihrer Schulbildung unterstützt werden. Das ist das erste Mal, dass in unserem Dorf so ein Projekt stattfindet! Wir haben viel Hoffnung, dass es einiges positiv verändern wird. Wir sind ganz begeistert über dieses Projekt!“

Banita nimmt ihre kleinste Tochter auf den Arm; die zweite versteckt sich scheu hinterm Gebäude, die älteste ist in der Schule. Ihr Mann gesellt sich dazu, auch sein Blick ist voll Zuversicht. Was sie sich für ihre Töchter erhoffen?, fragen wir weiter.

„Darüber haben wir noch gar nicht so wirklich nachgedacht“, geben sie zu, „weil sie bisher nur so eine schlechte Bildung erhalten. Aber wir wären sehr glücklich, wenn unsere älteste Tochter die Chance hat, Krankenschwester zu werden!“

Nach einem weiteren längeren Fußmarsch erreichen wir Jhapa, dem höchsten Dorf. Hier ist die Hügelkuppe abgeflacht, sodass mehr Ackerbau möglich ist. Aber es gibt keine Wasserquelle, somit kann bisher nur im Sommer, in der Regenzeit, Getreide und Gemüse angebaut werden. Und der einzige Markt ist in Jayaram – anderthalb bis zwei Stunden hin, drei bis vier Stunden zurück.

Bevor wir uns – nach einer kurzen Verschnaufpause am höchsten Punkt, mit Blick auf den Mt. Everest – auf den Rückweg ins Tal machen, besuchen wir noch Maghmaya und Hitusari. Maghmaya freut sich über die landwirtschaftliche Unterstützung und möchte eine Schweinezucht aufbauen. „Und wir sind so dankbar über dieses Programm, weil unsere Kinder in ihrer Schulbildung gefördert werden!“

Hitusari lebt mit ihren drei Kindern in einem kleinen Steinhäuschen. Auch sie möchte in eine Schweinezucht investieren. „Ich bin so froh über dieses Projekt, und ganz aufgeregt, was es uns bringen wird. Ich freue mich auch darauf, in der Selbsthilfegruppe etwas Geld sparen zu können. Besonders diesen Aspekt finde ich toll!“ Mit ihrer Schwester und dem kleinen Neffen steht sie vor ihrer Hütte und schaut uns nach, im Gesicht ein erwartungsvolles Lächeln.

Als wir nach Dunkelwerden wieder im Projektbüro in Jayaram ankommen, wartet zwar ein gutes Essen auf uns, aber keine heiße Dusche und kein allzu weiches Bett. Trotzdem ist es einfach nur herrlich: einen Tag lang wandern und sich mal so richtig verausgaben, und als Belohnung: Menschen kennenlernen, an deren Leben wir ein paar Jahre lang teilhaben dürfen, ihre Heimat sehen, ihre Träume teilen, ihre Hoffnung spüren.

 

Für dieses Projekt muss Helping Hands e.V. mit einem Eigenanteil von 10% aufkommen (ca. 35.000 EUR). Wenn Sie die Kinder und Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram unterstützen möchten, dann wählen Sie bitte „Khotang (Nepal)“ auf unserem Online-Spendenformular.

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