Video zum paXan Einsatz in Südafrika 2025

Als paXan-Team haben wir für das Bonani Kinderzentrum im Ostkap Südafrikas einen Zaun gebaut: ein Zaun, der den Kindern Schutz bieten soll, der dem Kinderzentrum ein klar abgegrenztes Gelände gibt und die Eigentumsverhältnisse klärt und der die ständig durchstapfenden Schaf-, Ziegen- und Rinderherden zum Umweg ums Grundstück zwingen wird.

Hier erfährst du noch ein bisschen mehr über den Einsatz.

Und hier noch mehr über das Bonani Kinderzentrum.

Du wärst nächstes Jahr gerne dabei? Dann bleib hier auf dem Laufenden.

Der Schein trügt nicht

Klare Erfolge im Dorfentwicklungsprojekt in Khotang, Nepal

Wie auf einer Postkarte thront das aus hellem Stein erbaute Haus auf seiner Hügelkuppe, inmitten eines Meeres aus grünen Feldern, dahinter die blauen Bergrücken. So richtig idyllisch sieht es aus, als ob es für einen Reiseführer posiert. Aber ob der Schein trügt?

Vor drei Jahren hätte Khamraj, der das Häuschen aus lokal gesammelten Steinen selbst erbaut hat, diesen Eindruck wohl schnell berichtigt. Mit elf Personen im Haushalt – Großeltern, Eltern, vier Kinder und Bruder mit Schwägerin – und so wenig Ernte, dass der Ertrag für kaum vier Monate im Jahr reichte, hieß es immer wieder: hungern, oder noch einen weiteren Kredit zu hohem Zinssatz aufnehmen.

Aber heute ist das alles anders. Nach drei Jahren Schulungen und Input durch unser Projekt hat sich Khamraj eine richtige kleine Farm aufgebaut. Dazu gehören Kühe, Ziegen, Schweine und Hühner, alle in ordentlichen Ställen und gut gezüchtet. Ein eingezäunter Garten liefert Gemüse für die Familie, auf den Feldern wachsen grüne Bohnen, die für einen sehr guten Preis verkauft werden können. Zusätzlich verdient er noch ein Einkommen durch Holzschneiden.

„Es ist ein riesiger Unterschied zu vorher!“, betont Khamraj. „Vier Ziegen habe ich vom Projekt bekommen, jetzt habe ich acht. Durch den Verkauf kann ich meine Schweinezucht vergrößern. Eine Hühnerfarm will ich auch aufbauen. Es hat sich wirklich viel verändert! Vor allem weiß ich jetzt, wie ich Viehzucht, Ackerbau und andere Einkommensaktivitäten selber weiterentwickeln kann. Das habe ich alles durchs Projekt gelernt!“

Sorgsam erbaute Ställe, perfekt angelegte Gärten und Felder, ein sauberer Hof mit Hygiene-Station und ordentlichem Toilettenhäuschen, zur Krönung noch ein paar Blümchen – so richtig verheißungsvoll sieht es aus. Und der Schein trügt nicht!

Das umfassende Dorfentwicklungsprojekt im Bezirk Khotang, Nepal, begann im Herbst 2021 und läuft noch bis Ende April 2025. Es ist begeisternd zu sehen, was sich gerade auch im letzten Jahr dort alles verändert hat! Die 200 Projekt-Familien haben eine ganz neue Perspektive auf ihren Alltag und ihre Zukunft entwickelt. Noch vor kurzer Zeit mussten sie auch für alltägliche Ausgaben Kredite mit hohem Zinssatz aufnehmen und hatten keine rechte Vorstellung davon, wie sie ihre Viehzucht, den Ackerbau oder Kleinsthandel wie einen Dorfladen durch sinnvolle Investitionen weiterentwickeln können.

Aber jetzt haben Khamraj und seine Nachbarn klare Pläne und Ziele. Sie wissen, wie sie ihre Unternehmen selbst kontinuierlich verbessern und aufbauen können. Die alltäglichen Dinge können sie sich jetzt leisten; sogar für die weiterführende Bildung ihrer Kinder können die meisten etwas zurücklegen. Wenn sie einen Kredit brauchen, holen sie sich den zu einem angemessenen Zinssatz aus ihrer Selbsthilfegruppe. Das hat dazu geführt, dass es inzwischen in diesem Gebiet von Khotang keine Kredithaie bzw. Institutionen mit schlechtem Zinssatz mehr gibt!

Und auch wenn die finanzielle Förderung durchs Projekt zu Ende ist, geht es in Khotang weiter. Im Herbst 2024 haben die Projekt-Familien eine Kooperative gegründet, die große Ziele hat. Unter anderem sind die Mitglieder bereits dabei, ein funktionierendes Marktsystem aufzubauen, sodass die Haushalte nicht nur genug produzieren, sondern ihren Ertrag auch für angemessene Preise verkaufen können.

„Durch den Verkauf ihrer Produkte wird sich jeder Haushalt selbst versorgen können – alle werden so sein“, erklärt einer der Männer im Leitungsgremium bei ihrem ersten Treffen. Voll Zuversicht sind die Frauen und Männer, dass sie auch nach Projektende die Maßnahmen selbstverantwortlich weiterführen werden. „Gemeinsam schaffen wir das! Auch wenn wir nicht wissen, was die Zukunft für uns bereithält – gemeinsam können wir die Herausforderungen bewältigen und uns weiterentwickeln.“

Ein starkes Fundament für die Zukunft

Ermutigende Ergebnisse aus Projektbesuch im integrativen Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal

„Wir haben eine Vision für die Zukunft: gut ausgebildete Kinder, eine starke Selbsthilfegruppe, finanzielle Unabhängigkeit … wir möchten unser Wissen mit den Nachbardörfern teilen und unsere Kinder lehren, andere zu fördern und diese Tradition des gegenseitigen Unterstützens  weiterzuleben.“

„Wir schaffen jetzt das Fundament dafür … Schritt für Schritt wollen wir unser Dorf leiten, dass wir gemeinsam stark werden und das Programm eigenständig weiterführen können.“

Zwei Jahre ist es her, dass die Leiter der Selbsthilfegruppe im Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals diese Vision mit uns teilten. Seit Anfang 2021 fördern wir dort ein integratives Kinderzentrum, das bessere Bildung für die Kinder und ein geregeltes Einkommen für die Familien ermöglicht. Im November waren wir erneut vor Ort um zu sehen, wie sich das Fundament entwickelt hat. Und uns begeistert, war wir beobachten können:

Um sieben Uhr morgens kommen die Kinder ins Kinderzentrum gerannt, quetschen sich auf die Bänke, lachen, blicken erwartungsvoll auf die Lehrerin, die die Anwesenheitsliste durchgeht. Fast alle sind da – fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Da hing noch die Frage im Raum, ob die Dorfschule nicht schließen wird wie so viele andere kleine Dorfschulen in Nepal – stundenlang hätten die Kinder dann laufen müssen, viele hätten ihre Bildung wohl abgebrochen. Das Gegenteil ist passiert: Die Schülerzahl ist so angestiegen, dass die Regierung der Schule weitere Lehrer zur Verfügung gestellt hat. Die Förderung im Kinderzentrum hat hier den entscheidenden Unterschied gemacht.

Auf dem Weg durchs Dorf begegnen uns einige Personen mit Milchkannen, die die Milch ihrer durchs Projekt erhaltenen Kühe zur Sammelstelle bringen – die paar hundert Rupien, die sie dabei verdienen, mussten sie sich früher von Kreditinstituten mit hohem Zinssatz ausleihen. Ob Viehzucht mit Kühen, Ziegen oder Schweinen, kleine Läden, Schreinereien oder ähnliches – alle Familien betonen, dass sie sich jetzt die meisten alltäglichen Dinge leisten und sogar für die weiterführende Bildung ihrer Kinder aufkommen können; früher war das für die ärmeren Familien unerschwinglich.

Haus um Haus besuchen wir, bestaunen Gemüsegärten und Ställe, hören von Herausforderungen und freuen uns über Erfolge – und in den Gesprächen wird klar, dass die meisten Haushalte verstanden haben:  Wenn ich mein kleines Unternehmen oder meine Viehzucht weiterentwickeln möchte, dann muss ich vom täglichen Einkommen einen Betrag sparen und sinnvoll investieren. Vor Projektbeginn war Sparen hier ein Fremdwort! Aber so können auch Rückschläge ausgeglichen werden, und die Familien wissen, wie sie ihre Lage in Zukunft eigenständig verbessern können.

Besonders beeindruckt ein Besuch bei Tejan, dem Schriftführer der Selbsthilfegruppe, der seine Vision selbst tatkräftig umsetzt. Nur eine Kuh hat er durchs Projekt erhalten, zusammen mit Schulungen zu verbesserter Viehzucht und Gemüseanbau. Die Einnahmen vom Milchverkauf und das Gelernte hat er so geschickt investiert und umgesetzt, dass er nun fünf Kühe und Kälber hat, außerdem eine Ziegenzucht und sieben große Plastik-Gewächshäuser für Gemüse und Obst. Um seine Farm auszuweiten, hat er Land von seinen Brüdern gemietet. Und er hat noch große Pläne: Eine Fisch- und Bienenzucht möchte er aufbauen, mehr Obst und Gemüse sowie Kardamom anbauen, die Ställe verbessern und seine kleine Farm als integrierte Landwirtschaft nachhaltig gestalten.

„Ich möchte ein Vorbild für andere sein“, erklärt er. „Wenn ich es gut mache, dann können andere das sehen und es auch besser machen. Am besten lernt man ja von guten Beispielen.“

Ein Fundament schaffen für die Zukunft – Tejan arbeitet eifrig daran. Für sein Dorf, aber natürlich auch für seine Familie. Seinen zwei Söhnen, jetzt 11 und 13 Jahre alt, möchte er eine gute Ausbildung ermöglichen. „Ich tue das ja alles auch für meine Kinder“, betont er. „Wenn sie mal etwas Besseres sein möchten, dann werde ich versuchen, ihnen das zu ermöglichen. Meine Hoffnung ist, dass sie sich zu guten und erfolgreichen Männern entwickeln.

Aber was ich mir am meisten wünsche: dass sie nach der Ausbildung wieder hier ins Dorf zurückkommen. Dass sie nicht ins Ausland gehen wie so viele andere. Ich habe noch so viele Pläne, die kann ich gar nicht alle allein umsetzen. Wenn meine Söhne zurückkommen und mit mir gemeinsam die Farm weiter ausbauen – das wäre mein Traum.“

Zum Abschluss treffen wir uns wieder mit dem Komitee der Selbsthilfegruppe; Tejan ist natürlich auch dabei. Ein enorm ermutigendes Gespräch! „Früher“, erzählt Tejan, „waren viele Dorfbewohner sehr negativ eingestellt. Hier können wir ja doch nichts erreichen, meinten sie. Aber jetzt haben sie ihre Meinung geändert, jetzt entwickelt sich was! Und unsere Nachbarn, die sehen das und lernen von unserem Beispiel.“

„Besonders wichtig ist das Kinderzentrum“, betonen die Mütter, „jetzt wollen die Kinder alle in die Schule gehen! Und ihre Noten sind besser, sie haben mehr Chancen – früher, da konnten nur die reichen Familien ihren Kindern eine ordentliche Bildung ermöglichen. Aber jetzt ist es egal, ob man arm oder reich ist – alle Kinder haben die gleiche Chance!“

Ohne Zweifel: Das Fundament festigt sich, die Vision nimmt Form an. Kann auch die finanzielle Unabhängigkeit erreicht werden? Dafür sind noch ein paar weitere Schritte nötig; unter anderem sollte ein kleines gemeinschaftliches Unternehmen aufgebaut werden, aus dessen Einkommen die Selbsthilfegruppe das Kinderzentrum vollumfänglich weiterführen kann. Aber die wichtigsten Grundlagen sind gelegt, um die begonnenen positiven Veränderungen aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln … ein starkes Fundament für die Zukunft.

 

Lesen Sie auch die früheren Beiträge zu diesem Kinderzentrum.

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass das Fundament in Ghalegaun noch weiter gefestigt wird, dann spenden Sie mit Vermerk „Integrative Kinderzentren Nepal“ (zum allgemeinen Online-Spendenformular; zum Formular für Integrative Kinderzentren).

Wir schaffen das!

Ermutigende Erfolgsgeschichten aus dem Großprojekt in Mongla, Bangladesch

Ein weiteres Jahr ist vergangen in Mongla im südwestlichen Küstengebiet von Bangladesch, und wir stehen wieder am Flussufer. Dasselbe Flussufer wie vor ein, vor zwei Jahren – und eben doch nicht dasselbe. Wieder hat der Fluss mehrere Meter Land gefressen. Die Familien, die mal ein ordentliches Stück Land viele Gehminuten vom Fluss entfernt hatten, wohnen jetzt am Ufer und schauen zu, wie das Wasser Monat für Monat ihr Land verschlingt, bis nichts mehr übrig ist.

Und trotzdem – die Menschen geben nicht auf. Sichern beim Sturm ihre Hütten, züchten Hühner und Ziegen, lernen neue Fertigkeiten, sodass sie auch noch ein Einkommen verdienen können, wenn Fischteiche und Gemüsegärten im Fluss verschwunden sind.

Um ausreichende Vorsorgemaßnahmen für den Katastrophenfall und eine funktionierende Anpassung an die geänderten klimatischen Bedingungen – darum geht es in diesem Großprojekt, das wir seit Herbst 2021 mit finanzieller Förderung der Bundesregierung hier in Mongla unterstützen, und das jetzt in die Endphase läuft. Dabei wurden die Maßnahmen im Frühjahr ordentlich auf die Probe gestellt: Wirbelsturm „Remal“ hat gezeigt, was bei der Katastrophenvorsorge funktioniert und was noch verbesserungswürdig ist.

Die Berichte, die wir hören, als wir im Rahmen einer Projektreise in Mongla von Haus zu Haus ziehen, machen Mut. Da ist zum Beispiel Minoti, deren Hühner- und Entenzucht wir letztes Jahr bestaunen durften. Diese Geflügelzucht hat sie ausgebaut, dann mit ihrem Einkommen und einem Darlehen aus der Selbsthilfegruppe eine Kuh gekauft, inzwischen hat sie schon vier Kühe, die in einem ordentlichen Stall untergebracht sind. Minoti ist Witwe, aber mit ihrem Einkommen kann sie nun ihre zwei Kinder gut versorgen. Im Wirbelsturm hat sie fast nichts verloren – ihr Vieh hatte sie in Sicherheit gebracht, das Haus ordentlich gesichert; nur ein kleines Stück Dach musste sie erneuern und den Garten neu aussäen. Sogar das in dieser Gegend ewig-präsente Trinkwasserproblem hat sie gelöst, indem sie sich hinter die Hütte einen großen, betonierten Wasserspeicher gebaut hat. Minoti – fleißig, innovativ, motiviert, freundlich und selbstständig – ist eine große Ermutigung für ihre Nachbarn und Freunde, denn nichts motiviert so sehr wie ein gutes Beispiel!

Leider gibt es auch viele, die im Sturm sehr viel verloren haben, teils weil sie nicht genügend Vorsorgemaßnahmen umgesetzt hatten, manchmal auch einfach, weil sie an der falschen Stelle wohnen. Aber auch hier werden in Gesprächen zwei Dinge deutlich: einerseits, dass den Menschen bewusst ist, welche Nachbarn besser vorbereitet waren, und sie das nachahmen möchten, und andererseits, dass zwar viel Hab und Gut verloren ging, das erlernte Wissen aber weiterhin besteht – die Mehrzahl der Personen, die Viehzucht oder kleine Unternehmen im Zyklon verloren haben, haben bereits neu begonnen oder planen es noch vor Ende des Jahres.

Und immer wieder treffen wir auf beeindruckende Beispiele von Innovation, Kreativität und ersten großen Erfolgen.

Labuni aus Chandpai hat im Rahmen des Projektes ein „Market Development Training“ besucht; jetzt verkauft sie mit ihrer Häkelgruppe inzwischen über Facebook bis nach Dhaka; ein Händler exportiert ihre Ware sogar. Ihre kreativen Ideen sorgen dafür, dass die Nachfrage nicht abnimmt. 25 Frauen verdienen so durch Häkeln ein Einkommen, und Labuni sucht ständig nach weiteren, weil sie so viele Aufträge bekommt; u.a. bietet sie auch Kurse an, sodass weitere Frauen die Fertigkeiten erlernen können.

Protap in Chila hat seine Krabbenzucht so erfolgreich ausgebaut, dass er jetzt monatlich 30.000 Taka (ca. 250 EUR) netto verdient; letztes Jahr waren es noch 20.000 Taka; ohne den Zyklon hätte er vermutlich schon 35.000 Taka erreicht. Auch seine Ware wird ins Ausland exportiert. Früher konnte er durch Fischzucht seine sechsköpfige Familie so gerade eben ernähren. Seit er im Projekt die Schulungen zur Krabbenzucht mitgemacht hat und umgestiegen ist, geht es ihnen richtig gut; ein ordentliches Haus konnte er bauen, und hat sogar etwas Erspartes auf der Bank.

Tohomina, eine der Ärmsten in der Zielgruppe, strahlt übers ganze Gesicht, als wir zu Besuch kommen. Letztes Jahr ging es ihr noch richtig schlecht, die Hütte war am Zerfallen, das magere Einkommen reichte für nichts. Aber dank der stetigen Bemühungen des Projektteams wohnt Tohomina mit Mann und zwei kleinen Kindern jetzt in einer ordentlichen Hütte – die Nachbarn halfen ihr beim Bau – die auch beim Zyklon stehenblieb. Gemüse und Geflügelzucht liefen gut bis zum Sturm, aber trotz der Verluste ist Tohomina jetzt voller Zuversicht; man kann ja schließlich immer wieder neu anfangen, wenn man die nötigen Kenntnisse hat.

Am letzten Nachmittag lernen wir noch Rituparna kennen, die hervorragend Englisch kann und deren künstlerische Fähigkeiten uns sprachlos machen: u.a. selbst entworfener Schmuck und individuell bemalte Taschen von einer Qualität, die auch auf dem deutschen Markt problemlos verkauft werden könnten. Bisher hat sich Rituparna ihren eigenen Markt noch nicht so richtig erschlossen; sie verkauft zwar über Facebook, aber die Einnahmen sind im Vergleich zur Qualität gering. Doch ein enormes Potential schlummert hier – und wieder sind wir beeindruckt, dass Rituparna dabei nicht sich selbst im Blick hat, sondern sich vor allem bessere Chancen für die Mädchen wünscht, denen sie ihre Künste weitervermittelt.

Schlussendlich ist eine der Erkenntnisse unseres Besuches: Mit der richtigen Kenntnisvermittlung und langfristiger Begleitung  und Ermutigung können vor allem die Grundlagen verändert werden, sodass Menschen auch bei Rückschlägen oder in schwierigen Situationen nicht aufgeben, sondern mit Zuversicht weitermachen oder Neues beginnen, denn sie wissen: Wir können das schaffen, denn wir haben es schon einmal geschafft!

 

Dieser Reisebericht konzentrierte sich auf den Aspekt des Projektes, der zum Ziel hat, den Familien alternative Einkommensmöglichkeiten zu vermitteln, sodass sie trotz Katastrophen und Klimawandel ihre Familien ernähren können. Ein weiterer Bericht wird sich spezifisch auf die verschiedenen Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge auf Haushalt- und Dorfebene beziehen.

Hier finden Sie ein kurzes Erklär-Video zu diesem Projekt.

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

Ein Leuchtturm im Ozean des Elends

Wie die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia Kinderleben nachhaltig verändert

Wir stehen in einem winzigen, dunklen Raum, in der hintersten Ecke eines kleinen Compounds, zu dem von der staubigen Nebenstraße des Slums eine klapprige Blechtür führt. Die Kammer ist fast völlig ausgefüllt von einem Bett; auch ein kleiner Gaskocher hat noch Platz. Übers Bett und den schmutzigen Boden quer verteilt liegen Kleidungsstücke, leere Tüten, mal hier ein Heft und da ein Schuh.

Auf dem Bett sitzt Kiah*, blickt uns verwirrt an, als wir das Zimmer betreten. Ihr Jüngster hockt neben ihr und isst aus einer Plastiktüte; alle anderen sind in der Schule.

Geduldig stellt Bentina, die Schulleiterin, ein paar Fragen an die junge Mutter, erkundigt sich nach ihrem Ergehen, gibt einige Ratschläge. Sie weiß: Noch bis vor kurzem ging es Kiah und ihren Kindern viel schlechter. Da lebten sie noch auf der Straße, bis sich das Schulpersonal ihrer annahm und ihnen einen Wohnraum verschaffte.

Kiah leidet seit ihrer Kindheit an einer geistigen Behinderung. Deshalb landete sie auf der Straße, nahm Drogen. Es kam, wie es kommen musste: Sie wurde schwanger. Inzwischen hat sie vier Kinder; wer die Väter sind, weiß keiner.

Aber wer kümmert sich denn um die Kinder, nachdem die Mutter es offensichtlich selbst nicht kann?

„Wir kümmern uns“, antwortet Bentina schlicht. „In der Arche-Schule bekommen sie all ihre Mahlzeiten; wir schauen regelmäßig nach der Familie und sorgen für alles, was sie brauchen. Durch die Patenschaften ist auch ihr Schulgeld gedeckt.“

Und noch mehr bekommen Kiahs Kinder hier: Liebe und Fürsorge. Zeit und ein offenes Ohr. Wertschätzung und Respekt. Für sie ist die Arche-Schule ihr Zuhause.

Seit 25 Jahren ein „Leuchtturm“

Und sie sind nicht die einzigen, auf die das zutrifft! Im letzten Vierteljahrhundert hat die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia hunderte von Kinderleben nachhaltig verändert. Das liegt nicht zuletzt an der Vision von Bentina und Bernard, dem leitenden Ehepaar, und dem großartigen Kollegium an der Schule. Auch die Community selbst hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Arche-Schule zu einem Leuchtturm im Ozean des Elends geworden ist.

Vor 25 Jahren waren Bentina und Bernard in Kibera, dem gigantischen Elendsviertel am Rande Nairobis, tätig, als sie gebeten wurden, in Kariobangi Kurse für Erwachsenenbildung anzubieten. Schon nach kurzer Zeit sagten die Männer und Frauen in den Kursen: „Wir kommen hierher um zu lernen, aber unsere Kinder sitzen zuhause und lernen nichts. Könnt ihr nicht vormittags unsere Kinder unterrichten, und uns nur abends?“

So begann 1999 auf Bitte der Familien die Arche-Schule – und bis heute sieht es die Community als „ihre Schule“ an, sorgt für Sicherheit trotz des gefährlichen Umfelds, löst religiöse Konflikte, engagiert sich in Gremien, hilft ehrenamtlich bei Renovierungsarbeiten, kümmert sich „um jedes Kind auf der Straße, das einen roten Arche-Pulli trägt“. Vom Kindergarten mit einer Handvoll Kindern wuchs die Arche über die Jahre zu einer vollen Schule mit mehreren Gebäuden und 450 Schülern bis zur 8. Klasse. Durch eine  kürzliche landesweite Umstellung des Schulsystems kann das bald bis zur 9. Klasse und einem Schulabschluss auf Niveau einer mittleren Reife ausgeweitet werden; derzeit wartet die Schule noch auf die endgültige Genehmigung für diesen Schritt.

Eine ganz besondere Atmosphäre

Die Eltern aus Kariobangi sind unglaublich dankbar, dass sie ihre Kinder an die Arche-Schule schicken können. Denn die zeichnet sich nicht nur durch eine gute Schulbildung aus, sondern eine so herzliche, respektvolle Atmosphäre, dass sie wahrlich wie ein Leuchtturm aus dem rauen Umfeld des Slums hervorsticht.

„In den öffentlichen Schulen werden die Kinder heute noch geschlagen und angeschrien“, erklärt Bentina. „Und wenn nicht, dann gibt es keinerlei Disziplin. An der Arche machen wir das anders – das lernt jeder neue Lehrer gleich als erstes. Und es funktioniert! Die Eltern sagen, dass die Arche Kinder viel besseres Benehmen haben als andere. Manchmal schicken die Behörden schwierige Kinder von anderen Schulen zu uns, weil sie sich hier am ehesten Erfolg versprechen.“

Wenn man in der Arche den Unterricht besucht, merkt man diese Atmosphäre sofort. Kein Lehrer muss die Stimme erheben, alle gehen geduldig und liebevoll auf die Schüler ein, trotz teils völlig überfüllten Klassenräumen. Aber die Kinder nutzen das nicht aus, sondern halten sich an – teilweise selbst aufgestellte – Regeln und danken den Lehrern durch Gehorsam und einer Disziplin, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Auch untereinander achten die Kinder aufeinander, kümmern sich um solche, die im Unterricht nicht so gut mitkommen. Und wenn nachmittags die Schule aus ist, merkt man, dass die meisten Kinder lieber dableiben würden.

Investition in die Zukunft

„Die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin“ – immer wieder höre ich diesen Satz von Absolventen, von denen fast jeden Tag welche an der Schule vorbeikommen um Hallo zu sagen, oder auch, um ehrenamtlich in den Kindergartenklassen und der Bibliothek mitzuhelfen. Einer davon ist Shakur*.

Shakur ist heute 20 Jahre alt und hat vor einigen Jahren von der Arche absolviert und dann, dank eines Stipendiums, das die Arche für Highschooler organisiert, den offiziellen High School Schulabschluss geschafft. Jetzt wartet er auf die notwendigen Dokumente, um im September eine Berufsausbildung zu beginnen. Als er vorbeikommt und mal wieder im Büro seiner Schulleiterin sitzen darf, strahlt er übers ganze Gesicht – genau so, als ob er nach Hause gekommen ist und endlich seine Familie wiedersieht. Und Bentina heißt ihn wie einen lieben Sohn willkommen, hört ihm zu, ermutigt ihn.

„Das Leben da draußen ist nicht einfach“, gibt Shakur zu. „Alle Jungs in meinem Alter sind drogenabhängig, haben die Schule abgebrochen, die Mädels sind schwanger. Ich bin der einzige, der anders ist, der einzige, der einen Schulabschluss hat. Und ich bin so froh darüber!“

Voll Zuversicht strahlt er seine Schulleiterin an, dann blickt er kurz aus dem Fenster. „Ich vermisse die Arche. Einige meiner Geschwister sind noch hier. Ich möchte ein Vorbild für sie sein. Ich bin so dankbar für die Arche – die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin!“

Dorothea Gschwandtner

 

Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch unserer Geschäftsführung im Februar 2024. Als Helping Hands e.V. unterstützen wir die Arche Schule seit mind. 15 Jahren; u.a. durch Einzelprojekte wie die Fertigstellung des derzeitigen Schulgebäudes mit Inventar, Lehrerausbildung, Hygienestationen u.v.m. Seit 2022 vermitteln wir Patenschaften für Kinder an der Arche-Schule, denn vor allem seit Corona können sich viele Familien nicht das gesamte Schulgeld leisten. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

Derzeit sind wir in Gesprächen mit der Schulleitung, um ein umfassenderes Angebot für Familien zu erarbeiten und durch Schulungen und Investition in Kleinstunternehmen die wirtschaftliche Lage der Familien nachhaltig zu verbessern. Dazu folgen in den nächsten Wochen noch weitere Informationen.

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

Wenn der Fluss die Zukunft frisst

Erste Erfolge und weitere Herausforderungen im Großprojekt in Mongla im südwestlichen Küstengebiet von Bangladesch

Wir stehen am Flussufer, neben uns bricht der Boden jäh ab; ein paar Wurzeln geben noch etwas Halt. Darunter zerrt das salzige Flusswasser an der Erde, so recht wohl fühlt man sich dabei nicht.

Vor einem Jahr standen wir schon einmal hier. Oder genauer gesagt: Wir standen fünf Meter weiter draußen, da, wo sich jetzt die graubraunen Wassermassen wälzen.

Damals – also: vor einem Jahr – war das Ufer etwa einen Meter von Sukantas Türschwelle entfernt. Jetzt steht er auf einem matschigen Vorsprung, der ins Wasser herausragt: „Hier war meine Hütte“, erklärt er, „– das hinterste Ende meiner Hütte.“ Schon vor Monaten musste er umziehen, seine armselige Behausung ein paar Meter weiter innen neu errichten. Aber da wird er wohl auch nicht lange bleiben können; zu schnell frisst der Fluss das Land. Hinter seiner Hütte ist ein kleiner Kanal, weiter kann er also nicht. Wenn der Fluss auch die jetzige Heimat verschluckt hat, dann weiß Sukanta nicht mehr, wohin; er, seine Frau und die zwei Kinder. Eigenes Land hat er nicht.

Aber auch die, die ihr eigenes Land besitzen, sind nicht viel besser dran. Alia und Ranis Familien müssen Jahr für Jahr zuschauen, wie der Fluss ihr Land verschlingt. Immer wieder werden die Hütten versetzt, Gärten neu angelegt, Fischteiche anderswo gegraben.  „Wenn wir am Fußweg angekommen sind, dann geht es nicht mehr weiter – dann haben wir kein Zuhause mehr und keinen Boden, wo wir etwas anpflanzen oder Tierzucht betreiben können.“

Wenn das passiert, dann bleiben ihnen nicht mehr viele Optionen offen. Und vielleicht werden sie aus Verzweiflung den gleichen Weg wählen wie so viele andere: jeden Tag mit dem Kahn den Nebenfluss überqueren und in der Bekleidungsfabrik arbeiten – harte Arbeit, acht Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche, für knapp 60 Euro im Monat. Keiner wünscht sich das – aber für viele ist es die einzige Möglichkeit, sich überhaupt Essen für die Familie leisten zu können.

Im Herbst 2021 haben wir mit unserem örtlichen Partner hier in Mongla ein Projekt begonnen, das einigen dieser Entwicklungen entgegenwirken soll. Zwar kann nicht die gesamte Länge des Flussufers stabilisiert werden; an dieser Aufgabe scheitert ja schon die Regierung vor Ort. Aber den Familien helfen, besser auf Katastrophen vorbereitet zu sein, ihre Landwirtschaft und Viehzucht an die geänderten klimatischen Gegebenheiten – u.a. auch die Versalzung des Grundwassers – anzupassen oder alternative Optionen zum Einkommenserwerb erschließen, wo Acker- bzw. Gartenbau nicht möglich sind: Das sind Aufgaben, denen wir uns gestellt haben, gemeinsam mit dem Projektpersonal vor Ort und mit finanzieller Förderung der Bundesregierung.

Nach knapp zwei Jahren konnten schon in einigen Bereichen Erfolge verzeichnet werden; davon konnte sich unsere Geschäftsführung bei einem Projektbesucht Anfang September überzeugen. Dazu gehört zum Beispiel:

Frauen haben sich in Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen und lernen dort, ihre Hoffnungen und Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen

Die Frauen sparen regelmäßig einen kleinen Betrag, aus dem Gesamtersparnis geben sie sich gegenseitig kleine Kredite, mit denen sie Kleinstunternehmen aufbauen: zum Beispiel eine Entenzucht, Hühner oder Schweine

In verschiedenen Schulungen haben sie außerdem weitere Fertigkeiten erlernt, mit denen sie ein Einkommen verdienen können: zum Beispiel sind hier viele Frauen fleißig am Häkeln! Dafür muss allerdings auch noch ein Markt erschlossen werden, damit die Handarbeiten zu einem angemessenen Preis verkauft werden können

Einige Familien haben nach entsprechenden Schulungen ihre Einkommensaktivitäten umgestellt: zum Beispiel ist Krabbenzucht für die veränderten Wasserbedingungen viel passender

Verschiedene Bauern haben, ebenfalls nach entsprechenden Schulungen, ihren Gemüseanbau so umgestellt, dass er mit dem neuen Klima besser zurechtkommt, außerdem ökologisch nachhaltiger und ertragreicher ist. Dafür haben sie auch passenderes Saatgut erhalten. Sie stellen ihren eigenen Kompost her – mit Kompostwürmern funktioniert das besonders gut und es kann noch Kompost verkauft werden – haben ihre Beete erhöht, um sie vor Flutwasser zu schützen, sammeln ihr eigenes Saatgut und verhindern mit natürlichen Mitteln, dass die Ernte von Schädlingen gefressen wird.

Zusätzlich können Familien in Chandpai jetzt Wasser von einer eben neu errichteten Wasseraufbereitungsanlage holen – das trägt enorm zur besseren Hygiene und Gesundheit bei

Und dann ist natürlich auch alles für den nächsten Tropensturm vorbereitet: die Katastrophen-Komitees der Dörfer haben einen Notfallplan erstellt und sind mit Megaphon, Taschenlampen, Schwimmwesten und ähnlichem ausgestattet.

Nur ein paar Minuten Fußweg von Sukantas Hütte entfernt besuchen wir Israfil. Stolz zeigt er uns seinen Gemüseanbau – auf jedem freien Quadratmeter wächst irgendetwas: Gurken, Chili, Tomaten, Kürbisse. Das äußerste Beet ist dem Flussufer gefährlich nahe. „Fünf Meter Land hat mir der Fluss im letzten Jahr geraubt!“, berichtet er und zeigt raus aufs strömende Wasser. „Aber jetzt reicht es! Ich werde das Ufer hier befestigen, mit einer Schutzmauer aus Bambusstäben sollte das doch zu schaffen sein. Diesen Garten nimmt der Fluss mir nicht!“ Seit er im Rahmen des Projektes verschiedene Schulungen für verbesserten Gemüseanbau besucht hat, produziert er genug, um auch etwas zu verkaufen; 60 Taka pro Kilo bekommt er dafür. „Nur das Wasser holen, das ist noch ein Problem – einen Kilometer muss ich die Kanister schleppen, um salzfreies Wasser zum gießen zu bekommen. Das hat meine Schulter kaputt gemacht.“

Trotzdem ist er guter Dinge; man kann ja nicht erwarten, dass gleich alles auf einmal besser wird. Die stetige Unterstützung und Beratung durch das Projektpersonal hat ihm viel Hoffnung gegeben: Gemeinsam ist doch jede Herausforderung zu meistern! Da mag der Fluss weiter das Ufer fressen – die Zukunft, die kann er Israfil und Sukanta, Alia und Rani nicht nehmen.

 

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

Wem die Zukunft gehört

Reisebericht aus Khotang, Nepal

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“ (Eleanor Roosevelt)

So einfach ist es zwar meist nicht. Aber für Dorjeman nimmt diese Zukunft Form an. Denn Dorjeman hat einen Traum. Ein Traum, der auf den ersten Blick vielleicht lächerlich wirkt:

Das winzige Dorf Kurle, in dem Dorjeman lebt, ist nicht für Träume gemacht. Idyllisch mag es sein, so zwischen den nepalesischen „Hügeln“ gelegen, aber völlig abgeschieden – auf dem Weg hierher sind wir mehrere Stunden entlang schmaler Bergpfade geklettert. Strom gibt es keinen und die beruflichen Chancen sind mager. Schulkinder müssen ab der 5. Klasse entweder bei Verwandten unterkommen oder sieben bis acht Stunden zu Fuß laufen, täglich. Und es ist extrem trocken; obwohl das Dorf direkt am Sunkoshi-Fluss liegt, wirken die Felder eher wie Wüste, hier und da halten monströse Kakteen Wache über das verdorrte Gras.

Und hier möchte Dorjeman ein Marktzentrum etablieren? Denn das ist sein Traum: „Wir wollen hier einen Markt aufbauen, denn an diesem Punkt treffen drei Bezirke aufeinander. Und auf der anderen Seite des Flusses sind große Dörfer – seit zwei Jahren haben wir ja die Brücke. Wenn wir einen Markt schaffen, dann werden die Leute kommen und hier kaufen.“

Dorjemans Traum ist nicht nur Wunschdenken, sondern das erhoffte Ziel von harter Arbeit. Denn einiges hat sich schon getan in Kurle! Ende 2021, als das von Helping Hands und der deutschen Bundesregierung geförderte Dorfentwicklungsprogramm im Khotang-Bezirk begann, wurden auch in Kurle sieben Haushalte ausgewählt, an dem Projekt teilzunehmen. Mitte 2022 erhielten sie Zuchttiere, um ihr Einkommen zu verbessern.

Aber gemeinsam ist besser! In Kurle schlossen sich vier Haushalte zusammen, um gemeinsam eine Schweinefarm zu eröffnen – „Es ist nicht so einfach, alleine ein großes Unternehmen aufzubauen“, erklärt Dorjeman, „also haben wir beschlossen, uns zusammenzutun.“ Als die Schweine kamen, hatten Dorjeman, Babita, Sandip und Krishna bereits einen ziemlich beeindruckenden Stall für die Tiere gemauert. Siebzehn Schweine halten sie jetzt dort, in allen erdenklichen Formen und Farben, groß und klein, weiß, braun, schwarz, gefleckt … und in erstaunlich sauberer und artgerechter Umgebung. Ums Füttern und Sorgen kümmern sie sich abwechselnd; wenn ein Schwein verkauft wird, teilen sie sich den Gewinn.

Und das ist noch nicht alles! Denn ein Markt, auf dem nur Schweine verkauft werden, ist doch eher begrenzt. Deshalb hat Dorjeman noch viele andere gute Ideen. „Wir wollen auch eine Agro-Farm aufbauen und Gemüse für den Markt hinzufügen“, sagt er. Dafür zeigt er uns seine Gemüsefelder. Dort wachsen Tomaten üppig in einem adaptierten Folientunnel; auch Bananen, Salat, Rettich, Okra und Kürbisse kann er derzeit anbieten.

Zwar ist bisher die Bewässerung noch ein Problem. Obwohl der Fluss so nahe ist, ist die Gegend extrem trocken. Wiederholte Male wurde den Bewohnern ein Wasseranschluss per Rohr versprochen, aber nie umgesetzt; eine Pumpe für Flusswasser gibt es auch nicht. Doch im Rahmen unseres Projektes wurde allen teilnehmenden Haushalten eine Plastikplane für einen Teich gegeben, um Regenwasser und Abwasser zu sammeln. Das hilft schon sehr, denn im Teich können sich Verunreinigungen absetzen, sodass das Wasser sogar für eine Sprinkleranlage genutzt werden kann. Und als Folge unseres Besuches soll Rohranschluss an einen knapp zwei Kilometer entfernten Bach hergestellt werden, wodurch alle Haushalte mit genügend Wasser versorgt werden können. „Träume für unser Dorf?“, sagen sie, als wir fragen. „Ganz einfach: Strom, und ausreichende Bewässerung.“

Neben dem Gemüseanbau hat Dorjeman auch eine Hühnerfarm etabliert. In einem Stall tummeln sich 60 fünf-Tage-alte Küken, daneben stolzieren etwas ältere Masthähnchen herum. Bereits nach 45 Tagen können sie verkauft werden und bringen knapp 3 Euro pro Kilo ein.

Die Hühnerfarm hat Dorjeman auf eigene Kosten aufgebaut, nachdem er entsprechende Schulungen im Projekt besucht hat. Denn die Projektteilnehmer lernen nicht nur, wie sie ihre gewählte Viehzucht ertragreicher betreiben können, sondern erhalten Wissen zu jeglicher lokal relevanter Viehzucht sowie Gemüseanbau. Und das macht enorm viel aus!

„Bevor das Projekt angefangen hat, hatte ich gar keine Kenntnisse – ich hatte noch nie Schulungen besucht, nur eben etwas Erfahrung“, berichtet Dorjeman. „Die Schulungen sind sehr nützlich für mich. Zum Beispiel hatte ich vorher Tomaten angepflanzt, und sie sind alle eingegangen. Nach der Schulung hab ich sie nochmal anders gepflanzt und jetzt wachsen sie sehr gut! Alles, was wir lernen, ist hilfreich – wie ich mich richtig um das Vieh kümmere, das beste Futter; ich kann die Tiere jetzt sogar selbst behandeln, wenn sie krank sind. Vor dem Projekt hatte ich keine Ahnung über Viehzucht, Landwirtschaft, Gemüseanbau – aber jetzt weiß ich, wie all das erfolgreich umgesetzt werden kann!“

Eine ordentliche Portion Innovation, Fleiß, Kompetenz und Zuversicht – das ist der Stoff, aus dem Dorjemans Träume gemacht sind. Träume, die er auch eines Tages mit seinem zweijährigen Sohn teilen möchte – Jumsang heißt der Kleine, das bedeutet, „Sei bereit!“ Dorjemans Hoffnung für seinen Sohn ist so klar, wie sie einfach ist: „Wenn ich in diesen Gewerben gute Arbeit leiste, wird mein Sohn auch in das Geschäft einsteigen.“

Und auch das ist ja ein Ziel des Projektes: Dörfer so zu entwickeln, dass die Menschen vor Ort genügend zum Leben erwirtschaften können und nicht darauf angewiesen sind, für Gastarbeit ins Ausland zu gehen. Und natürlich auch, die Dörfer langfristig und nachhaltig zu entwickeln – nicht nur für ein paar Jahre, sondern für Generationen.

Dorjeman glaubt nicht nur an die Schönheit seiner Träume. Er setzt sie auch um – für Kurle und Khotang, und vor allem für die Zukunft – für seine Zukunft und für die Zukunft seines Sohnes Jumsang.

 

Das umfassende Dorfentwicklungsprojekt im Bezirk Khotang in Nepal wurde im Herbst 2021 begonnen und wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Der Bericht basiert auf einem Besuch unserer internationalen Geschäftsführerin im November 2022.

Um den finanziellen Eigenanteil des Projektes zu begleichen, benötigen wir noch Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „Nepal Khotang“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).

Ein wichtiger Schritt zur langfristigen Heilung

Das Schechem-Home auf den Philippinen kümmert sich um Opfer von sexueller Ausbeutung

Das erste, was mir auffällt, als wir Amys* Familie besuchen, ist das strahlende Lächeln von Tala*, der zwölfjährigen Schwester.

Nicht der desolate Zustand der Bretterhütte, die Mutter, Schwester und kleiner Bruder ihr Zuhause nennen.

Nicht das karge Innere mit dem brüchigen Holzboden, im Dämmerlicht eine echte Stolperfalle.

Nicht die rostigen Nägel, die überall hervorstehen und die nackten Füße der Kinder bedrohen.

Auch nicht der stinkende Bach, neben dem die Hütte kauert; in der Trockenzeit gefährlich für Kleinkinder, in der Regenzeit eine Gefahr für alle – „sie leben im Bach“ beschreiben es die Sozialarbeiter, weil das Gewässer regelmäßig die Umgebung überschwemmt.

Nein: Das erste, was auffällt, als die Sozialarbeiter, eine Bekannte und ich Amys Familie besuchen, ist Talas strahlendes Lächeln. Und der fragende Blick auf dem Gesicht des zweijährigen Bruders. Und das hoffnungsvolle Leuchten in den Augen der Mutter.

Wie es Amy geht, möchte sie wissen, und ob sie weiter ihre Schulaufgaben macht. Das können wir ihr versichern: Alle Kinder im „Schechem-Home“ setzen ihre Schulbildung fort. Und dann drückt sie Jayson, dem Familien-Sozialarbeiter, ein Kleid in die Hand, etwas verlegen erklärt sie, dass sie es „Second-Hand“ gekauft hat – „für Amy zum Geburtstag“. Den hatten wir gestern in der Schechem-Familie mit einem leckeren Mittagessen gefeiert; 15 Jahre ist sie jetzt alt.

Im Juni kam Amy das erste Mal zu Schechem. Sie wurde, wie alle anderen Kinder auch, von der Polizei gebracht. Denn nach intensiver Forschung von International Justice Mission und den lokalen Behörden in dieser Region der Philippinen war Amy als Opfer von OSEC (sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet) erkannt worden. Die Sicherheitskräfte befreiten sie und ein weiteres Mädchen aus dieser Situation und brachten sie zu Schechem. Nach zwei Wochen liefen die Kinder davon und kamen nach Hause, aber die Mutter hatte Angst und informierte die Behörden. So kam Amy ins Schechem-Home zurück.

Die letzten Monate waren nicht einfach. Das Schechem-Home ist ein „Assessment Center“, ein Ort, an dem Kinder, die aus OSEC-Situationen befreit wurden, über mehrere Monate hinweg intensiv psychotherapeutisch und medizinisch betreut werden. Ziel ist, dass die Kinder Fertigkeiten erlernen, mit ihrem Trauma und den Erfahrungen umzugehen, sodass langfristig Heilung stattfinden kann. Gleichzeitig prüfen die Sozialarbeiter, wann und ob die Kinder bei anderen Familienmitgliedern reintegriert werden können oder erst einmal in eine längerfristige Einrichtung wechseln sollten.

Diese Entscheidung fällt nicht leicht. In den meisten Fällen sind die Eltern – vornehmlich die Mütter – die Schuldigen, und die Sicherheit der Kinder kann nicht gewährleistet werden. Und manchmal haben die Familien einfach nicht die Mittel, um für ihre Kinder zu sorgen. Das ist auch der Fall bei Amy. Ihre Mutter war in dem Verbrechen nicht involviert. Aber sie hat kein Einkommen – und weniger als 20 Euro pro Monat erhält sie vom Staat für sich und die beiden Kinder. Ihr Mann ist im Gefängnis wegen Drogenmissbrauchs. Derzeit unterstützt die Großmutter ihre Tochter und deren Kinder; sie arbeitet als Straßenfegerin bei der Kommune.

Deshalb wird Amy in den nächsten Tagen vorerst in ein Kinderheim umziehen, in dem sie ganzheitlich gefördert wird und auch ihre Schulbildung fortsetzen kann. Dass sie überhaupt inzwischen bereit ist für diesen Schritt ist der liebevollen Fürsorge des Schechem-Personals zu verdanken.

„Als Amy zu uns kam, war sie extrem traumatisiert“, erinnert sich Analyn, die Direktorin von Schechem. „Sie hat viel Schlimmes erlebt – nicht nur ihre eigene ‚Befreiung‘ von der Polizei, sondern sie musste auch mit anschauen, wie ihr Vater verhaftet wurde, und hat viel Gewalt in ihrer Familie mitbekommen. Am Anfang hat sie ständig geweint und Wutausbrüche bekommen. Sie war einfach völlig durcheinander. Aber mit der Zeit hat sie gelernt, mit ihrer Wut und ihrer Traurigkeit umzugehen. Sie schreibt viel in ihr Tagebuch. Sie weiß jetzt, was sie tun kann, um für ihr emotionales Gleichgewicht zu sorgen. Natürlich kann solch ein Trauma in nur wenigen Monaten nicht völlig heilen. Aber Amy steht ihren Gefühlen nicht mehr hilflos gegenüber – sie hat die nötigen ‚Fertigkeiten‘ erlernt, um damit umzugehen. Und sie möchte jetzt auch unbedingt einen guten Schulabschluss machen.“

Das Besondere an Schechem ist: Es ist nicht nur ein „Assessment Center“, sondern ein Zuhause, wie eine große Familie, in der sich alle um einander kümmern. Und das hat mindestens so heilende Wirkung wie die vielen Therapiestunden beim Psychologen und den Sozialarbeitern. Auch für Amy hat es einen großen Unterschied gemacht.

Zwar ist sie immer noch eher zurückhaltend. Manchmal sitzt sie etwas abseits, und auf ihrem Gesicht liegt ein Schatten, ein Schatten der Erinnerung, den alle Therapiestunden nicht wegwischen können. Dann setzt sie sich auch mal mit Grace, der Sozialarbeiterin im Heim, in einer Ecke des Grundstücks zusammen und hat ein langes, ernstes Gespräch.

Aber dann ist sie auch wieder mittendrin, beim Spielen und Basteln, beim Kochen und Waschen im Heim. Manchmal ertönt ihr Lachen, hell, fröhlich, unbeschwert. Oder sie kommt ganz unerwartet und gibt mir eine feste Umarmung, und dann lächelt sie, ein strahlendes Lächeln, ein Lächeln, das mir bekannt vorkommt: Es ist das Lächeln von Tala, ihrer Schwester.

 

Das Schechem-Home ist ein wichtiges Bindeglied in den einzelnen Entwicklungsschritten, die ein Kind durchlaufen muss, um aus einer OSEC-Situation zurück zu einem gesunden, sicheren und erfüllten Leben zu gelangen. Das Zentrum finanziert sich ausschließlich durch Spenden; für 2023 wird noch viel Unterstützung benötigt. Wenn Sie das Heim darin unterstützen möchten, Kindern wie Amy die notwendige Förderung und Geborgenheit zu geben, dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende das Projekt „Jahresprojekt 2022 Schechem-Home (Philippinen)“.

 Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch der internationalen Geschäftsführerin im Dezember 2022. Die Namen der Kinder wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert (*).

„So möchten wir es unsern Kindern beibringen“

Integratives Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal, fördert „Tradition der Unterstützung anderer“

„Das ist eine wirklich große Veränderung für uns!“ Phulmaia steht in ihrem Gemüsegarten, zeigt stolz auf die üppig wachsenden Pflanzen, ihr Gesicht strahlt. „Vorher wussten wir gar nicht, wie man Gemüse richtig anbaut, und wir hatten nie genug – von den Nachbarn mussten wir was erbetteln. Jetzt haben wir mehr als genug Gemüse für die ganze Familie!“

Vor einem Jahr standen wir schon einmal in Phulmaias Garten; da hatte sie gerade eine Schulung zum Gemüseanbau besucht und den Garten ganz neu angelegt. Und schon damals war sie mächtig stolz auf ihren Acker! In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert:

Im Rahmen des Projektes, das Helping Hands e.V. in dem kleinen Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals gemeinsam mit dem örtlichen Partner NCM Nepal durchführt, werden, neben den Bildungszentren für Kinder, auch deren Familien gefördert, um das Einkommen und die Ernährungssicherheit zu verbessern. Wie genau diese Förderung eingesetzt wird, können die Familien selbst entscheiden.

Phulmaia und ihr Mann haben eine etwas ausgefallenere Lösung gefunden als die meisten Familien: Mehrere Schreinerwerkzeuge und Geräte haben sie gekauft. Denn Phulmaias Mann hat viel Erfahrung im Schreinerhandwerk, aber ohne die nötigen Werkzeuge bekam er selten Aufträge. Das ist jetzt anders: Durchschnittlich jeden zweiten Tag kann er an einem Möbelstück arbeiten oder beim Hausbau mithelfen. Damit verdient er ein für lokale Verhältnisse recht adäquates Einkommen. Gemeinsam mit den gesteigerten Erträgen aus Ackerbau und Viehzucht im kleinen Rahmen kann die Familie damit die wichtigsten Ausgaben im Haushalt begleichen.

Und noch anderes hat sich verändert:

In der Selbsthilfegruppe, in der jede teilnehmende Familie vertreten ist, findet ein reger Austausch statt. „Das ist wirklich hilfreich für uns, dass wir uns so gegenseitig bei verschiedenen Themen Rat geben können“, erklärt Phulmaia. „Wir arbeiten wirklich gut zusammen. Und wenn ich selbst etwas beitrage, dann hören die anderen mir zu und ich werde ernst genommen.“

Und dann ist da natürlich noch das Kinderzentrum, in dem ihr neunjähriger Sohn Jay die nötige Förderung bekommt, um einen ordentlichen Bildungsstand zu erreichen. „Das ist für uns so eine große Erleichterung! Ich wünsche mir ja, dass Jay eine gute Ausbildung bekommt und dass er einfach ein guter Mensch wird!“ Jay, den wir kurz vorher auf dem Weg zur Schule getroffen haben, macht den Eindruck, dass das durchaus ein erfüllbarer Wunsch ist: Wie seine Mutter strahlt er Freude und Zufriedenheit aus. Das Leben ist doch so schön!

Aber es hat auch Schattenseiten. Daran erinnern uns Bal Bahadur und Mattimaya, Phulmaias Eltern, die ein paar Minuten entfernt wohnen. Auch sie nehmen am Projekt teil, denn sie kümmern sich um zwei ihrer Enkeltöchter. Die Mutter ging vor einiger Zeit als Gastarbeiter ins Ausland und es besteht kein Kontakt mehr – leider keine Seltenheit in Nepal. Der Vater lebt als Gastarbeiter in der Großstadt und kümmert sich auch nicht um die Kinder.

Trotzdem sind die Großeltern zuversichtlich. Ihre Enkelinnen werden im Kinderzentrum nachhaltig gefördert. Und mit dem Startkapital, das durch das Projekt zur Verfügung gestellt wurde, hat das Ehepaar einen kleinen Laden aufgebaut. Das läuft inzwischen sehr gut; das Einkommen hilft, die Familie zu versorgen. „Wir hoffen, dass wir den Laden noch weiter ausbauen können“, erzählen sie, „sodass wir die traditionellen Jobs wie Ackerbau aufgeben können und Vollzeit-Ladenbesitzer sind. Wir werden ja jeden Tag älter … aber trotzdem hoffen wir, dass wir unsere Enkelinnen zu guten Bürgern machen können, dass sie gut gebildet sind und finanziell unabhängig!“

Vor knapp zwei Jahren hat das Projekt in Ghalegaun begonnen und jede Familie hat einiges zu berichten: darüber, was sich verändert hat, aber auch, welche Hoffnung für die Zukunft sie noch hegen. Im November haben wir einige von ihnen besucht:

Asha hat eine Kuh bekommen und verkauft nun die Milch. Sie hofft, das Milchgeschäft noch zu erweitern, damit sie in ihre eigene Hütte umziehen kann – derzeit wohnt sie noch bei Verwandten. Ihre zwei Töchter besuchen das Kinderzentrum, der Sohn ist erst ein Jahr alt. „Früher haben meine Mädchen in einigen Fächern versagt, aber jetzt haben sie überall gute Noten. Und ihre persönliche Hygiene hat sich auch verbessert!“

Nisha ist gut beschäftigt: Neben dem kleinen Laden hat sie auch eine Schweinezucht begonnen. Wenn die Schweine verkauft sind, möchte sie mit einem Teil des Erlöses den Laden erweitern. Denn sie hat eine rege Kundschaft: Weiter unten im Dorf gibt es keinen Laden mehr. Deshalb kommen alle zu ihr, um Öl und Mehl, Seife und Waschpulver, Kekse und Chips oder Getränke zu kaufen. In Schulungen hat sie gelernt, wie sie für ihre Kinder nahrhafte Mahlzeiten zubereitet – einmal pro Woche kocht sie nun „Jaulo“, ein besonders nahrhaftes Rezept mit lokalen Zutaten.

Ambar Bikram, ein schüchterner, wortkarger Mann, ist als Waise aufgewachsen. Er kann nicht lesen und schreiben und hat bisher nur Tagelöhnerarbeit geleistet. Aber jetzt hat er Hoffnung: Im Juli hat er eine Kuh bekommen; der Verkauf der Milch macht schon einen deutlichen finanziellen Unterschied. Dazu möchte er einen Zuchtbullen kaufen und das Geschäft ausbauen. Dann kann er seinen vier Töchtern mehr bieten, als er selber hatte: „Binu, meine Jüngste, besucht das Kinderzentrum. Ich wünsche mir, dass sie eine gute Bürgerin wird, wohlhabend, mit guten Kenntnissen und einer ordentlichen Ausbildung. Mal sehen, wie ich das schaffe und finanziell tragen kann.“

Sunita hat sich für eine Ziegenzucht entschieden. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hofft sie, diese Zucht größer auszubauen und dafür auch weitere Schulungen zu besuchen. Über die Selbsthilfegruppe wurde eine Zuchtziege gekauft; das hilft den Mitgliedern der Gruppe, ihre eigenen Tiere besser zu züchten, sodass sie sie für höhere Preise verkaufen können.

Dil Bahadur, mit dem wir sprechen, weil seine Frau Manmaya gerade Futter für die neue Kuh sammelt, ist froh, dass er mit dem Einkommen vom Milchverkauf seine Darlehen abbezahlen kann. „Das sollten wir in sechs Monaten schaffen“, meint er, „dann sparen wir noch etwas länger und können dann hoffentlich ein halbes Jahr später eine weitere Kuh kaufen. So sieben oder acht Kühe in unserer Farm, das wäre toll.“ Von den vier Kindern ist nur der Jüngste im Kinderzentrum. „Wir haben große Träume für ihn – dass er Arzt wird, oder vielleicht Ingenieur. Dafür haben wir natürlich nicht das nötige Geld, daher möchten wir ihm einfach eine gute Ausbildung ermöglichen – so viel eben, wie wir können.“

Kabita und Suman haben einen Laden eröffnet, sehr günstig nahe der Schule gelegen. Deshalb kochen sie auch sechsmal pro Woche die nahrhafte Mahlzeit fürs Kinderzentrum; bei Feierlichkeiten im Dorf verkaufen sie Snacks und Tee. Natürlich haben auch sie viele Ideen, wie sie das Geschäft noch erweitern können. Dabei geht es ihnen vor allem darum, für die Ausbildung der Kinder genug zu verdienen: Die älteste Tochter ist bereits im Internat für die Oberstufe; das kostet Geld. „Wir möchten, dass sie unabhängig werden“, sagt Suman. „Das ist herausfordernd, weil gute Bildung teuer ist.“ Doch in Sachen Bildung macht das Kinderzentrum schon einen entscheidenden Unterschied: „Früher wollten die Dorfkinder nicht so recht in die Schule gehen“, erinnert Kabita sich. „Aber das Kinderzentrum finden sie toll. Und sie bestehen darauf, dass sie hingehen dürfen, auch wenn die Eltern stattdessen Arbeit für sie hätten.“

Und dann ist da noch Shanti, die wir ebenfalls schon im November 2021 getroffen haben. Ihr Garten läuft hervorragend – oft gibt sie Gemüse an Nachbarn ab, weil die Familie genug hat. Die gekaufte Kuh gibt relativ viel Milch – momentan etwas weniger, weil es kalt geworden ist – und vom Erlös kann Shanti ganz gut die Haushaltsausgaben begleichen: Kleidung, weitere Lebensmittel und anderes. Natürlich möchte sie noch einiges verbessern: mehr Kühe kaufen, mit einem „Tunnel“ aus Plastikplane auch im Winter Gemüse anbauen können, die Bildung der Kinder weiter fördern. Auch Shanti selbst hat einiges gelernt in mehreren Schulungen, „das versuche ich, in allen Aspekten umzusetzen und das neue Wissen einzusetzen!“

Und wie Phulmaia strahlt sie Freude und Zufriedenheit aus, und auch eine große Portion Zuversicht: „Ich hoffe, diese Aktivitäten gehen noch ein paar Jahre weiter“, erwähnt sie zum Schluss, „das wäre sehr hilfreich, denn dann können wir es alles selbst weiterführen.“

Unterstützt werden die Projektfamilien in diesem Plan vom Komitee der Selbsthilfegruppe, bestehend aus Vorstand und vier weiteren Mitgliedern. Obwohl diese Personen alle selbst Projektteilnehmer sind, setzen sie sich unermüdlich ehrenamtlich ein, um die Maßnahmen zum Erfolg zu bringen. Zahlreiche Schulungen haben sie schon koordiniert und machen täglich Hausbesuche um zu sehen und zu ermutigen, ob das Gelernte auch umgesetzt wird und wo nötig weiteren Input zu geben. Bisher scheint das sehr gut zu funktionieren: „Die meisten setzen die Schulungen um“, berichten die drei Mitglieder des Vorstands, mit denen wir uns an einem Nachmittag zusammensetzen, „und wenn nicht, dann besuchen wir sie und ermutigen, das Wissen, das sie in den Schulungen erhalten haben, auch einzusetzen.“ Für die Selbsthilfegruppe haben sie gemeinsam Regeln erstellt; eventuelle Konflikte löst das Komitee. „Wir besprechen auch, welche Aktivitäten gut laufen oder nicht so gut, und dann konzentrieren wir uns auf die guten.“

Natürlich wird das alles innerhalb der Gruppe abgesprochen, denn Selbsthilfegruppen funktionieren gerade dann gut, wenn die Mitglieder sich gemeinsam für die Zukunft einsetzen. „Wenn wir alle gut zusammenarbeiten, dann können wir die Gruppe zum Wohlstand führen!“, betont der Schriftführer. „Denn wir wollen das Programm natürlich weiterführen! Dafür bilden wir jetzt eine Grundlage: durch Zinsen in der Gruppe, Erwerbstätigkeiten in den Haushalten. Wir als Vorstand sind bereit, unser Dorf auf diesem Weg zu leiten.“

„Wir haben eine Vision“, erklärt der 1. Vorsitzende. „Die Vision, dass unsere Kinder gut ausgebildet sind und die Selbsthilfegruppe stark ist und finanziell und an Wissen gewonnen hat. Dass wir finanziell selbsttragend sind und unser Wissen auch an andere Dörfer weitergeben!“ Und der Kassierer fügt noch hinzu:

„So wie ihr, Helping Hands und NCM Nepal, uns jetzt unterstützt, so möchten wir es unseren Kindern beibringen: dass auch sie andere unterstützen und eine echte ‚Tradition der Unterstützung‘ anderer Menschen und anderer Dörfer entsteht.“

 

Das integrative Kinderzentrum wurde im Januar 2021 in den Dörfern Ithung und Ghalegaun nahe Phidim im östlichen Nepal begonnen. Berichte zum Bildungsaspekt des Kinderzentrums sowie zu den Maßnahmen in Ithung folgen in Kürze.

Um das integrative Kinderzentrum bis zur finanziellen Unabhängigkeit zu begleiten, benötigen wir noch dringend finanzielle Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „integrative Kinderzentren Nepal“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).