Ein starkes Fundament für die Zukunft

Ermutigende Ergebnisse aus Projektbesuch im integrativen Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal

„Wir haben eine Vision für die Zukunft: gut ausgebildete Kinder, eine starke Selbsthilfegruppe, finanzielle Unabhängigkeit … wir möchten unser Wissen mit den Nachbardörfern teilen und unsere Kinder lehren, andere zu fördern und diese Tradition des gegenseitigen Unterstützens  weiterzuleben.“

„Wir schaffen jetzt das Fundament dafür … Schritt für Schritt wollen wir unser Dorf leiten, dass wir gemeinsam stark werden und das Programm eigenständig weiterführen können.“

Zwei Jahre ist es her, dass die Leiter der Selbsthilfegruppe im Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals diese Vision mit uns teilten. Seit Anfang 2021 fördern wir dort ein integratives Kinderzentrum, das bessere Bildung für die Kinder und ein geregeltes Einkommen für die Familien ermöglicht. Im November waren wir erneut vor Ort um zu sehen, wie sich das Fundament entwickelt hat. Und uns begeistert, war wir beobachten können:

Um sieben Uhr morgens kommen die Kinder ins Kinderzentrum gerannt, quetschen sich auf die Bänke, lachen, blicken erwartungsvoll auf die Lehrerin, die die Anwesenheitsliste durchgeht. Fast alle sind da – fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Da hing noch die Frage im Raum, ob die Dorfschule nicht schließen wird wie so viele andere kleine Dorfschulen in Nepal – stundenlang hätten die Kinder dann laufen müssen, viele hätten ihre Bildung wohl abgebrochen. Das Gegenteil ist passiert: Die Schülerzahl ist so angestiegen, dass die Regierung der Schule weitere Lehrer zur Verfügung gestellt hat. Die Förderung im Kinderzentrum hat hier den entscheidenden Unterschied gemacht.

Auf dem Weg durchs Dorf begegnen uns einige Personen mit Milchkannen, die die Milch ihrer durchs Projekt erhaltenen Kühe zur Sammelstelle bringen – die paar hundert Rupien, die sie dabei verdienen, mussten sie sich früher von Kreditinstituten mit hohem Zinssatz ausleihen. Ob Viehzucht mit Kühen, Ziegen oder Schweinen, kleine Läden, Schreinereien oder ähnliches – alle Familien betonen, dass sie sich jetzt die meisten alltäglichen Dinge leisten und sogar für die weiterführende Bildung ihrer Kinder aufkommen können; früher war das für die ärmeren Familien unerschwinglich.

Haus um Haus besuchen wir, bestaunen Gemüsegärten und Ställe, hören von Herausforderungen und freuen uns über Erfolge – und in den Gesprächen wird klar, dass die meisten Haushalte verstanden haben:  Wenn ich mein kleines Unternehmen oder meine Viehzucht weiterentwickeln möchte, dann muss ich vom täglichen Einkommen einen Betrag sparen und sinnvoll investieren. Vor Projektbeginn war Sparen hier ein Fremdwort! Aber so können auch Rückschläge ausgeglichen werden, und die Familien wissen, wie sie ihre Lage in Zukunft eigenständig verbessern können.

Besonders beeindruckt ein Besuch bei Tejan, dem Schriftführer der Selbsthilfegruppe, der seine Vision selbst tatkräftig umsetzt. Nur eine Kuh hat er durchs Projekt erhalten, zusammen mit Schulungen zu verbesserter Viehzucht und Gemüseanbau. Die Einnahmen vom Milchverkauf und das Gelernte hat er so geschickt investiert und umgesetzt, dass er nun fünf Kühe und Kälber hat, außerdem eine Ziegenzucht und sieben große Plastik-Gewächshäuser für Gemüse und Obst. Um seine Farm auszuweiten, hat er Land von seinen Brüdern gemietet. Und er hat noch große Pläne: Eine Fisch- und Bienenzucht möchte er aufbauen, mehr Obst und Gemüse sowie Kardamom anbauen, die Ställe verbessern und seine kleine Farm als integrierte Landwirtschaft nachhaltig gestalten.

„Ich möchte ein Vorbild für andere sein“, erklärt er. „Wenn ich es gut mache, dann können andere das sehen und es auch besser machen. Am besten lernt man ja von guten Beispielen.“

Ein Fundament schaffen für die Zukunft – Tejan arbeitet eifrig daran. Für sein Dorf, aber natürlich auch für seine Familie. Seinen zwei Söhnen, jetzt 11 und 13 Jahre alt, möchte er eine gute Ausbildung ermöglichen. „Ich tue das ja alles auch für meine Kinder“, betont er. „Wenn sie mal etwas Besseres sein möchten, dann werde ich versuchen, ihnen das zu ermöglichen. Meine Hoffnung ist, dass sie sich zu guten und erfolgreichen Männern entwickeln.

Aber was ich mir am meisten wünsche: dass sie nach der Ausbildung wieder hier ins Dorf zurückkommen. Dass sie nicht ins Ausland gehen wie so viele andere. Ich habe noch so viele Pläne, die kann ich gar nicht alle allein umsetzen. Wenn meine Söhne zurückkommen und mit mir gemeinsam die Farm weiter ausbauen – das wäre mein Traum.“

Zum Abschluss treffen wir uns wieder mit dem Komitee der Selbsthilfegruppe; Tejan ist natürlich auch dabei. Ein enorm ermutigendes Gespräch! „Früher“, erzählt Tejan, „waren viele Dorfbewohner sehr negativ eingestellt. Hier können wir ja doch nichts erreichen, meinten sie. Aber jetzt haben sie ihre Meinung geändert, jetzt entwickelt sich was! Und unsere Nachbarn, die sehen das und lernen von unserem Beispiel.“

„Besonders wichtig ist das Kinderzentrum“, betonen die Mütter, „jetzt wollen die Kinder alle in die Schule gehen! Und ihre Noten sind besser, sie haben mehr Chancen – früher, da konnten nur die reichen Familien ihren Kindern eine ordentliche Bildung ermöglichen. Aber jetzt ist es egal, ob man arm oder reich ist – alle Kinder haben die gleiche Chance!“

Ohne Zweifel: Das Fundament festigt sich, die Vision nimmt Form an. Kann auch die finanzielle Unabhängigkeit erreicht werden? Dafür sind noch ein paar weitere Schritte nötig; unter anderem sollte ein kleines gemeinschaftliches Unternehmen aufgebaut werden, aus dessen Einkommen die Selbsthilfegruppe das Kinderzentrum vollumfänglich weiterführen kann. Aber die wichtigsten Grundlagen sind gelegt, um die begonnenen positiven Veränderungen aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln … ein starkes Fundament für die Zukunft.

 

Lesen Sie auch die früheren Beiträge zu diesem Kinderzentrum.

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass das Fundament in Ghalegaun noch weiter gefestigt wird, dann spenden Sie mit Vermerk „Integrative Kinderzentren Nepal“ (zum allgemeinen Online-Spendenformular; zum Formular für Integrative Kinderzentren).

Zehn Jahre Zufluchtsort

Kinderzentrum Kombinat in Albanien blickt auf vergangenes Schuljahr zurück

„Als wir letztes Jahr nach den Sommerferien das Kinderzentrum wieder eröffnet haben, waren die Kinder so glücklich. Endlich wieder was zu tun! Endlich wieder ein Ort, an dem sie bleiben dürfen! Wir haben ihnen geholfen, ihre Schulbücher zu besorgen und einzubinden, damit sie länger halten. Das machen die Kinder richtig gerne! Schulmaterial und Taschen haben sie auch bekommen. Und dann haben wir mit ihnen geübt, was sie im letzten Schuljahr gelernt haben.“

Zehn Jahre ist es her, dass ein paXan-Team in Kombinat, Albanien, ein Kinderprogramm durchführte, durch das im folgenden Jahr das Kinderzentrum Kombinat entstand. Zehn Jahre, in denen Kindern aus den bedürftigsten Familien dieses sozialschwachen Vorortes von Tirana durch Hausaufgabenhilfe, Schulmaterial und weitere Aktivitäten eine ordentliche Bildung ermöglicht wurde. Zehn Jahre, in denen die Kinder einen Ort hatten, an dem sie sich geliebt und angenommen fühlen, ein Zufluchtsort, wo jemand auf sie wartet, der sie kennt und sieht. Die meisten dieser Kinder sind jetzt Jugendliche oder junge Erwachsene, und es sind ihre kleinen Geschwister, die sich nach den langen Ferien so sehr den Start des Kinderzentrums herbei ersehnen. Denn auch nach zehn Jahren ist das Kinderzentrum Kombinat weiterhin ein Zufluchtsort für zahlreiche Kinder des Ortes.

Gesti, lokaler Pastor und Gründer des Kinderzentrums, blickt auf das Schuljahr 2023-24 zurück:

„Im September kamen zwei unserer jüngsten Kinder zum ersten Mal in die Schule. Sie waren aufgeregt und etwas ängstlich, aber wir sind mit ihnen zur Schule gegangen, und das hat ihnen geholfen.

Wir haben auch ein paar neue Gesichter im Zentrum. Mit dem Rathaus haben wir eine gute Beziehung aufgebaut, und sie besuchen uns regelmäßig; wir sprechen über die Herausforderungen der Kinder und sie laden uns zu ihren Treffen ein. Im Herbst hatten die Sozialarbeiter uns gebeten, vier weitere Kinder aufzunehmen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen – das zeigt, dass wir immer bekannter werden im Ort und sie für unseren Dienst dankbar sind.

Es war gar nicht so einfach, diese Kinder zu integrieren – zwei Mädchen, zum Beispiel, kommen aus einer Roma-Familie, die Eltern sind Analphabeten und haben die Kinder immer alleine zuhause behalten. Dadurch hatten sie früher gar keinen Kontakt zu anderen Kindern, und waren anfangs sehr schüchtern und distanziert. Aber jetzt haben sie sich total verändert, sie fühlen sich geliebt und umsorgt, und wollen die ganze Zeit nur im Kinderzentrum bleiben.

Die Schulen, mit denen wir kooperieren, unterrichten weiterhin in zwei Schichten, daher haben wir im Kinderzentrum zwei Gruppen, eine vormittags und eine nachmittags, insgesamt 34 Kinder. Wir sind so dankbar für den tollen Einsatz unserer Mitarbeiter – Lehrerin Vera und ihre liebevolle Hingabe für die Kinder – Eda, die sich mit um die Familien kümmert– die Jugendlichen aus der Gemeinde, die ihre Zeit investieren um zu helfen – und natürlich Mama Vera, die jeden Tag mit viel Liebe die warmen Mahlzeiten kocht. Die Kinder sind so glücklich über das Essen und holen sich mit Begeisterung einen dritten oder vierten Teller voll; manchmal lächeln wir darüber, aber dann erinnern wir uns, dass das für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag ist.

Das letzte Schuljahr war voller besonderer Aktivitäten. Dieses Jahr konnten wir den Besuch einer mobilen Zahnarztklinik organisieren – das war dringend nötig – und kümmern uns um die medizinische Versorgung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie Diabetes. Wir haben die Geburtstage der Kinder gefeiert und natürlich Weihnachten und Ostern – die Weihnachtsfeier gemeinsam mit den Eltern ist für die Kinder der Höhepunkt des Jahres! Im Sommer hatten wir noch ein Ferienprogramm; besonders die Wasserspiele haben die Kinder genossen.

Wir freuen uns so, den Fortschritt im Leben der Kinder zu beobachten und von Eltern und Lehrern die guten Berichte zu hören! Am Ende des Schuljahres haben die Kinder Zeugnisse bekommen und wir haben mit ihnen die tollen Ergebnisse gefeiert. Manche der Kinder sind die besten in ihrer Klasse – was für einen Unterschied macht es doch, wenn Kinder einen Ort haben, an dem sie geliebt werden und sich jemand um sie kümmert!

Jetzt sind wir ins neue Schuljahr gestartet. Ein Schuljahr, das viele Herausforderungen bringen wird, und viele wundervolle Momente. Danke, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet!“

 

Das Kinderzentrum in Kombinat finanziert sich unter anderem durch Patenschaften. Wenn Sie ein Kind in diesem Kinderzentrum unterstützen möchten, dann wählen Sie bitte auf dem Patenschaftsformular als Region „Osteuropa“. Selbstverständlich können Sie das Kinderzentrum auch durch eine Spende unterstützen; dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende „Kinderzentrum Kombinat (Albanien)“.

Wir schaffen das!

Ermutigende Erfolgsgeschichten aus dem Großprojekt in Mongla, Bangladesch

Ein weiteres Jahr ist vergangen in Mongla im südwestlichen Küstengebiet von Bangladesch, und wir stehen wieder am Flussufer. Dasselbe Flussufer wie vor ein, vor zwei Jahren – und eben doch nicht dasselbe. Wieder hat der Fluss mehrere Meter Land gefressen. Die Familien, die mal ein ordentliches Stück Land viele Gehminuten vom Fluss entfernt hatten, wohnen jetzt am Ufer und schauen zu, wie das Wasser Monat für Monat ihr Land verschlingt, bis nichts mehr übrig ist.

Und trotzdem – die Menschen geben nicht auf. Sichern beim Sturm ihre Hütten, züchten Hühner und Ziegen, lernen neue Fertigkeiten, sodass sie auch noch ein Einkommen verdienen können, wenn Fischteiche und Gemüsegärten im Fluss verschwunden sind.

Um ausreichende Vorsorgemaßnahmen für den Katastrophenfall und eine funktionierende Anpassung an die geänderten klimatischen Bedingungen – darum geht es in diesem Großprojekt, das wir seit Herbst 2021 mit finanzieller Förderung der Bundesregierung hier in Mongla unterstützen, und das jetzt in die Endphase läuft. Dabei wurden die Maßnahmen im Frühjahr ordentlich auf die Probe gestellt: Wirbelsturm „Remal“ hat gezeigt, was bei der Katastrophenvorsorge funktioniert und was noch verbesserungswürdig ist.

Die Berichte, die wir hören, als wir im Rahmen einer Projektreise in Mongla von Haus zu Haus ziehen, machen Mut. Da ist zum Beispiel Minoti, deren Hühner- und Entenzucht wir letztes Jahr bestaunen durften. Diese Geflügelzucht hat sie ausgebaut, dann mit ihrem Einkommen und einem Darlehen aus der Selbsthilfegruppe eine Kuh gekauft, inzwischen hat sie schon vier Kühe, die in einem ordentlichen Stall untergebracht sind. Minoti ist Witwe, aber mit ihrem Einkommen kann sie nun ihre zwei Kinder gut versorgen. Im Wirbelsturm hat sie fast nichts verloren – ihr Vieh hatte sie in Sicherheit gebracht, das Haus ordentlich gesichert; nur ein kleines Stück Dach musste sie erneuern und den Garten neu aussäen. Sogar das in dieser Gegend ewig-präsente Trinkwasserproblem hat sie gelöst, indem sie sich hinter die Hütte einen großen, betonierten Wasserspeicher gebaut hat. Minoti – fleißig, innovativ, motiviert, freundlich und selbstständig – ist eine große Ermutigung für ihre Nachbarn und Freunde, denn nichts motiviert so sehr wie ein gutes Beispiel!

Leider gibt es auch viele, die im Sturm sehr viel verloren haben, teils weil sie nicht genügend Vorsorgemaßnahmen umgesetzt hatten, manchmal auch einfach, weil sie an der falschen Stelle wohnen. Aber auch hier werden in Gesprächen zwei Dinge deutlich: einerseits, dass den Menschen bewusst ist, welche Nachbarn besser vorbereitet waren, und sie das nachahmen möchten, und andererseits, dass zwar viel Hab und Gut verloren ging, das erlernte Wissen aber weiterhin besteht – die Mehrzahl der Personen, die Viehzucht oder kleine Unternehmen im Zyklon verloren haben, haben bereits neu begonnen oder planen es noch vor Ende des Jahres.

Und immer wieder treffen wir auf beeindruckende Beispiele von Innovation, Kreativität und ersten großen Erfolgen.

Labuni aus Chandpai hat im Rahmen des Projektes ein „Market Development Training“ besucht; jetzt verkauft sie mit ihrer Häkelgruppe inzwischen über Facebook bis nach Dhaka; ein Händler exportiert ihre Ware sogar. Ihre kreativen Ideen sorgen dafür, dass die Nachfrage nicht abnimmt. 25 Frauen verdienen so durch Häkeln ein Einkommen, und Labuni sucht ständig nach weiteren, weil sie so viele Aufträge bekommt; u.a. bietet sie auch Kurse an, sodass weitere Frauen die Fertigkeiten erlernen können.

Protap in Chila hat seine Krabbenzucht so erfolgreich ausgebaut, dass er jetzt monatlich 30.000 Taka (ca. 250 EUR) netto verdient; letztes Jahr waren es noch 20.000 Taka; ohne den Zyklon hätte er vermutlich schon 35.000 Taka erreicht. Auch seine Ware wird ins Ausland exportiert. Früher konnte er durch Fischzucht seine sechsköpfige Familie so gerade eben ernähren. Seit er im Projekt die Schulungen zur Krabbenzucht mitgemacht hat und umgestiegen ist, geht es ihnen richtig gut; ein ordentliches Haus konnte er bauen, und hat sogar etwas Erspartes auf der Bank.

Tohomina, eine der Ärmsten in der Zielgruppe, strahlt übers ganze Gesicht, als wir zu Besuch kommen. Letztes Jahr ging es ihr noch richtig schlecht, die Hütte war am Zerfallen, das magere Einkommen reichte für nichts. Aber dank der stetigen Bemühungen des Projektteams wohnt Tohomina mit Mann und zwei kleinen Kindern jetzt in einer ordentlichen Hütte – die Nachbarn halfen ihr beim Bau – die auch beim Zyklon stehenblieb. Gemüse und Geflügelzucht liefen gut bis zum Sturm, aber trotz der Verluste ist Tohomina jetzt voller Zuversicht; man kann ja schließlich immer wieder neu anfangen, wenn man die nötigen Kenntnisse hat.

Am letzten Nachmittag lernen wir noch Rituparna kennen, die hervorragend Englisch kann und deren künstlerische Fähigkeiten uns sprachlos machen: u.a. selbst entworfener Schmuck und individuell bemalte Taschen von einer Qualität, die auch auf dem deutschen Markt problemlos verkauft werden könnten. Bisher hat sich Rituparna ihren eigenen Markt noch nicht so richtig erschlossen; sie verkauft zwar über Facebook, aber die Einnahmen sind im Vergleich zur Qualität gering. Doch ein enormes Potential schlummert hier – und wieder sind wir beeindruckt, dass Rituparna dabei nicht sich selbst im Blick hat, sondern sich vor allem bessere Chancen für die Mädchen wünscht, denen sie ihre Künste weitervermittelt.

Schlussendlich ist eine der Erkenntnisse unseres Besuches: Mit der richtigen Kenntnisvermittlung und langfristiger Begleitung  und Ermutigung können vor allem die Grundlagen verändert werden, sodass Menschen auch bei Rückschlägen oder in schwierigen Situationen nicht aufgeben, sondern mit Zuversicht weitermachen oder Neues beginnen, denn sie wissen: Wir können das schaffen, denn wir haben es schon einmal geschafft!

 

Dieser Reisebericht konzentrierte sich auf den Aspekt des Projektes, der zum Ziel hat, den Familien alternative Einkommensmöglichkeiten zu vermitteln, sodass sie trotz Katastrophen und Klimawandel ihre Familien ernähren können. Ein weiterer Bericht wird sich spezifisch auf die verschiedenen Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge auf Haushalt- und Dorfebene beziehen.

Hier finden Sie ein kurzes Erklär-Video zu diesem Projekt.

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

„Es ist eine riesige Verantwortung“

Team der NES-Schule in Beirut reflektiert über erste Schulwoche

„Ich bin so glücklich, dass ich wieder in der Schule sein kann!“ Der Fünftklässlerin Jenny* kann man die Begeisterung anhören, als am 8. Oktober an der NES-Schule in Beirut wieder der Unterricht beginnt. „Ich hab die Schule ja schon früher gemocht, aber jetzt – jetzt liebe ich sie! Das Internet ist im Libanon so schlecht, da lernt man online einfach nichts. Und hier kann ich alle meine Freunde sehn, und neue kennenlernen! Ich bin ja so froh, dass die Schule wieder offen ist!“

Tägliche Angriffe, Bombeneinschläge die gesamte Nacht hindurch … da ist jeder neue Schultag ein kleines Wunder. Inzwischen konnten alle Klassen mit dem neuen Schuljahr beginnen. Dabei gehörte zum Programm der ersten Tage nicht nur die fröhlichen „Back-to-School“ Aktivitäten, sondern auch ernstere Themen. Zum Beispiel besuchte die Psychotherapeutin der Schule jede Klasse einzeln und sprach darüber, wie man mit schwierigen Zeiten und Stress umgehen kann, ohne dass es in Trauma umschlägt, lehrte gesunde Bewältigungsstrategien und bot den Schülern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken. „Ziel ist es, dass die Kinder den richtigen Fokus behalten können und die nötigen Widerstandskräfte aufbauen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen“, erklärt Schulleiterin Marlene M.

Eine ganze Woche schon hat das NES-Team durchgehalten, die „alten“ Schüler willkommen geheißen, neue Schüler integriert und Kind-um-Kind Lösungen in ihren individuellen familiären Herausforderungen gesucht. Aber das NES-Team ist sich auch des Risikos bewusst:

„Es ist eine riesige Verantwortung, die Kinder hier zu haben“, betont Josette M., die an der NES-Schule für das soziale und emotionale Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist. „Ich bin froh um jeden Tag, an dem die Kinder nach Hause gehen, ohne dass wir von Bomben und Luftangriffen unterbrochen wurden.

Natürlich mache ich mir Sorgen um die Kinder! Die meisten haben in den Angriffen geliebte Menschen verloren, oder haben zumindest Verwandte, die verletzt wurden. Ich kann den Schmerz in ihren Augen sehen, die Trauer, die Angst … Alles ist voller Traurigkeit, überall.

Aber trotzdem – ich bin so dankbar, dass wir die Schule öffnen konnten! Es ist wie eine Oase für die Kinder. Hier können sie lernen und spielen und Freude im Alltag finden und die schrecklichen Kriegsnachrichten eine Weile vergessen.“

Deshalb arbeitet das NES-Team weiterhin unermüdlich daran, so viele Kinder wie möglich in dieser „Oase“ willkommen zu heißen. Wenn Sie dabei mithelfen möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Weitere Infos zur NES-Schule bzw. dem Studienfond finden Sie auf dieser Seite.

 

* Name geändert

Schule im Libanon nimmt Unterricht wieder auf

Ein Schulhof voller Kinder die lachen und lärmen, Körbe werfen, Tore schießen oder ihr Pausenbrot genießen, in der Ecke tuscheln oder schnell die letzte Hausaufgabe erledigen – so sollte der Alltag in der NES-Schule in Beirut aussehen. Und das ist ab heute wieder Realität!

Trotz der extrem angespannten Lage im Libanon hat sich unser Partner vor Ort entschlossen, den Unterricht wieder aufzunehmen. Vorerst für die Klassen 4 bis 9; im Laufe der Woche kommen Kindergarten und der Rest der Grundschule dazu, und nächste Woche kann hoffentlich das STEP-Nachmittagsprogramm beginnen.

Seit zehn Jahren werden in diesem Programm Kinder unterrichtet, deren Familien vor einem anderen Krieg flüchten mussten. „Aber ein paar der syrischen Familien sind jetzt in die Heimat zurückgekehrt“, berichtet Schulleiterin Marlene. „Wir wollen so viele geflüchtete Kinder wie möglich im Nachmittagsprogramm aufnehmen, Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften oder die bei Verwandten untergekommen sind, und sie hier unterrichten – sonst sitzen sie alle nur rum und haben nichts zu tun und verpassen ihre Bildung.“

Das alles ist eine große Herausforderung – aber die NES ist auf Herausforderungen gut vorbereitet. „Unsere Psychotherapeutin lehrt die Kinder, wie sie mit ihrer Angst zurechtkommen und wie sie reagieren sollen, wenn sie die Bomben hören. Alle unsere Lehrer haben gestern an einer speziellen Schulung vom Roten Kreuz teilgenommen. Wir machen auch Evakuierungsübungen mit den Kindern, sodass alle im Notfall genau wissen, was zu tun ist. Und wir prüfen für jedes Kind individuell, was wir tun können, um ihnen am besten zu helfen.“

Natürlich ist die Angst allgegenwärtig; jede Nacht wird vom Bombenlärm zerrissen, oft bis 4 oder 5 Uhr morgens. Aber das hält die Familien der NES nicht davon ab, ihren Nachbarn zu helfen. Eltern und Kinder sammeln Kleider, Schuhe und Matratzen für geflüchtete Familien, helfen dabei, Essenspakete und warme Mahlzeiten auf den Straßen zu verteilen und Hygienematerial weiterzugeben.

Leider wächst auch unter den „regulären“ NES-Familien die Not. „In vielen unserer Familien hat der Vater durch die Bombenangriffe den Job verloren“, erklärt Marlene. „Sie bekommen keinen Pfennig mehr. Einige sind zu uns gekommen und wollten ihre Kinder aus der Schule nehmen, weil sie kein Schulgeld bezahlen können, aber wir haben ihnen gesagt, ihre Kinder sollen bleiben! Gestern sagte ein Vater zu uns, ‚wisst ihr, wir haben nicht einmal Brot‘. Deshalb helfen wir auch mit Essenspaketen.“

Wenn in der NES-Schule die Pause vorüber ist, herrscht wieder Stille auf dem Schulhof. Eine trügerische Stille? Nein – denn die Klassenzimmer sind voller Leben. Voller Kinder, die leben und lernen wollen, und für die jeder neue Schultag ein Geschenk ist.

 

Wenn Sie mithelfen möchten, dass Kinder im Libanon auch in dieser Kriegssituation weiterhin Bildung erhalten und einen Zufluchtsort haben, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Weitere Infos zur NES-Schule bzw. dem Studienfond finden Sie auf dieser Seite.

„Dort ist nichts mehr, nichts!“

Krieg im Libanon betrifft auch NES-Schule in Beirut

„Die aktuelle Lage … es ist einfach nur verrückt. Wir wissen nicht, wie das noch weitergeht!“

Mitte September ist die Zeit, an der die NES-Schule in Beirut das neue Schuljahr beginnt. Auch in Krisenzeiten, trotz der Unsicherheit – ob Revolution, Pandemie, Wirtschaftskrise oder Erdbeben. Auch in diesem Jahr, der Furcht zum Trotz. Ganze vier Tage konnte Unterricht stattfinden. Dann begann die Bombardierung der libanesischen Hauptstadt.

„Es ist wie im Erdbeben“, berichtet Marlene, Schulleiterin der NES. „Unvorstellbar! In Dahiyeh, entlang der Straße zum Flughafen, sind die Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Und im Süden, die Dörfer – die christlichen genauso wie die muslimischen – sind alle völlig zerstört, dort ist nichts mehr, nichts!“

In nur wenigen Tagen sind tausende Zivilisten getötet worden, darunter Hunderte von Kindern; über eine Million mussten bereits fliehen, das sind 20% der Bevölkerung. Viele kommen bei Verwandten unter, andere finden in den staatlichen Schulen eine Unterkunft – wenn sie Glück haben.

„Tausende von Menschen sind auf der Straße, leben in ihren Autos. Und die Syrer, sie werden in den staatlichen Unterkünften abgewiesen und haben keine andere Wahl, als auf der Straße zu schlafen, es bricht einem wirklich das Herz! Und jetzt wird es Herbst, es fängt an zu regnen. Deshalb verteilen wir jeden Tag warme Mahlzeiten an die Familien auf den Straßen. Wir haben auch Matratzen und Kissen verteilt an die Familien, die Verwandte aufgenommen haben, oft zwei oder drei Familien; da leben jetzt teilweise 15 bis 20 Personen in einer kleinen Wohnung.“

Aber über aller Hilfsbereitschaft schwebt unaufhörlich die Angst. Die schreckliche Furcht, dass die Geflüchteten vielleicht der Hisbollah angehören und man damit selbst Zielscheibe der nächsten Bombardierung wird. Auf diese Art wurden schon Hunderte von Unbeteiligten zu Opfern. Daher trauen die meisten Menschen sich nicht, Fremden eine Zuflucht zu bieten.

„Es ist eine sehr kritische Zeit. Es ist wirklich sehr, sehr gefährlich. Wir müssen sehr weise sein. Natürlich helfen wir, so viel wir können, wie auch immer wir können.“

Und da hat die NES-Schule schon einen Plan: Im „STEP“ Nachmittagsprogramm sollen möglichst viele Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften aufgenommen werden. „Damit ihre Bildung nicht so lange unterbrochen wird“, erklärt Marlene. „Denn selbst wenn es einen Waffenstillstand gibt, können diese Familien erst in vielen Monaten die Flüchtlingsunterkünfte verlassen, denn sie haben keine Häuser mehr, in ihren Dörfern ist ja alles dem Erdboden gleich, da ist nichts mehr übrig.“

Bisher ist zwar noch nicht klar, wann die Schulen wieder öffnen dürfen. Aber sobald vom Bildungsministerium die Erlaubnis kommt, ist die NES bereit:

„Wir überlegen, in zwei Schichten zu öffnen. Es ist zu riskant, 360 Kinder auf einmal in der Schule zu haben. Aber wenn wir in zwei Schichten unterrichten, dann sind es nur die Hälfte Kinder, wenn dann etwas passiert, können wir schnell genug evakuieren.“

Eine Herausforderung bleibt: In dieser Situation ist keine Familie in der Lage, auch nur einen geringen Betrag fürs Schulgeld zu bezahlen – vor allem nicht die Familien, die noch für ein Dutzend geflüchtete Verwandte alle Ausgaben begleichen müssen, und schon gar nicht die geflüchteten Familien selbst. Noch weiß die Schulleiterin nicht, wie sie Ende des Monats die Gehälter der Lehrer bezahlen soll. Aber weder für sie noch für das restliche Personal an der NES ist das ein Grund, aufzugeben oder die Hoffnung zu verlieren.

„Das ist eins, was wir tun können: Bildung anbieten; unsere Schule tagsüber öffnen und Kindern die Möglichkeit zum Lernen geben.“

Und weiterhin, auch in dieser neuen Katastrophe, eine Oase des Friedens sein.

 

Wenn Sie mithelfen möchten, dass Kinder im Libanon auch in dieser Kriegssituation weiterhin Bildung erhalten und einen Zufluchtsort haben, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Neue Zusammenarbeit mit dem Bonani Hope Center in Südafrika

Seit knapp 10 Jahren hat Lunathi eine Vision. Er möchte, dass Kinder in seinem Heimatdorf Khalinyanga – einem kleinen, ärmlichen Dorf im ländlichen Ostkap Südafrikas – besser aufwachsen können als er. Besser heißt in seinem Fall ohne Hunger, Missbrauchserfahrungen und frühen Kontakt zu Drogen. Aber dafür mit richtiger Schulbildung, ausgewogener Ernährung und einem Ort, an dem man einfach Kind sein kann.

Nach einem langen Prozess der Ausbildung und des Planens, Netzwerkens und Träumens ist er heute Mitgründer des Bonani Drop in Center. Einem integrativen Kinderzentrum, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, solch ein sicherer Hafen für die Kinder aus der Gegend zu sein. Momentan bekommen dort knapp 100 Kinder eine Mahlzeit, werden beim Lernen unterstütz und mit den nötigen Schulmaterialen ausgestattet. Medizinische Versorgung und Tanz- und Sportangebote tragen zu einer ganzheitlichen Förderung der Kinder bei. In all dem legt das Team von Bonani großen Wert auf die Stärkung der Familien, sodass die Eltern dazu bevollmächtigt werden, sich selbst um ihre Kinder kümmern zu können. Der tägliche Zulauf an neuen Kindern, die von immer weiter weg zu Bonani kommen, zeigt den großen Bedarf für nachhaltige Veränderung in der Region.

Wir sind dankbar ab sofort an Lunathis Vision mitwirken zu dürfen. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Lebensrealität der Kinder wirkungsvoll zum Besseren zu verändern. Dafür soll in Zukunft vor allem noch die Arbeit mit den Familien weiter gestärkt werden. Ganz praktisch spiegelt sich dass in Seelsorge, Beratung und Erziehungsprogrammen sowie Schulungen zu Finanzmanagement und dem Aufbau kleiner Geschäfte wider.

Wir freuen uns über die gemeinsame Zusammenarbeit mit Lunathi und seinem Team und sind gespannt, was die Zukunft für Khalinyanga bereithält.

Wirkungsbeobachtung: Umfassende Dorfentwicklung in Khotang, Nepal

Seit Herbst 2021 unterstützen wir mit Förderung der Bundesregierung (BMZ) im Bezirk Khotang in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt. Dieses Projekt wird eng von uns begleitet und  jedes Jahr in einer etwa zehntägigen Projektbetreuungsreise das gesamte Projektgebiet und zahlreiche Haushalte besucht (etwa 25% aller Haushalte pro Reise); zusätzlich finden umfassende Gespräche mit dem Projektpersonal vor Ort sowie mit dem Personal unseres Partners im Hauptbüro statt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Beobachtungen und Gespräche ist, den Projektverlauf zu evaluieren und aufgrund der Beobachtungen Angleichungen vorzunehmen, sodass die Projektziele besser erreicht werden können.

Folgend sind einige Beispiele von Beobachtungen und Erkenntnissen sowie die Umsetzung der daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Gemüsegärten
2022 wurde beobachtet, dass nur wenige Familien das Gelernte aus den Schulungen umgesetzt hatten. Daraufhin beschloss der Partner vor Ort, jeden Haushalt zweimal pro Monat zu besuchen und sie besonders zu ermutigen, ihre Gärten gemäß der verbesserten Methoden anzulegen. 2023 konnte hier schon eine deutliche Änderung beobachtet werden; inzwischen sind viele Gärten ordentlich angelegt und bringen höheren Ertrag.

Bewässerung
In fünf von neun Gebieten der sechs Dörfer ist die Bewässerung kein Problem; jedoch ist in den Dörfern bzw. Gebieten Upper Bahuntar, Ninglam, Jhapa und Kurle durchgehender Zugang zu Wasser eine große Herausforderung. Verschiedene Lösungen wurden hier ausprobiert: Die Haushalte werden ermutigt, die Wasserspeicher-Teiche abzudecken, damit weniger Wasser verdunstet; dies wird erst teilweise umgesetzt (allerdings ist ein zusätzliches Problem hier, dass in abgedeckten Teichen eher Dengue-Mücken brüten, daher sollten nur Teiche abgedeckt werden, in denen auch Fische gehalten werden). Außerdem werden die Haushalte weiterhin ermutigt, Abwasser nicht wegzukippen, sondern für Beete zu benutzen. Zusätzlich wurden im Rahmen eines Änderungsantrags für Jhapa, Upper Bahuntar und Ninglam größere Regentonnen als Wasserspeicher genehmigt, die im Sommer 2024 verteilt wurden; inwiefern dadurch das Bewässerungsproblem gelöst ist, wird sich noch zeigen. Für Kurle wird derzeit ein Wasserleitsystem von einem nahegelegenen Bach installiert.

Sicherheitsaspekte
2022 wurde beobachtet, dass die Wasserspeicher-Teiche besonders für kleine Kinder und Tiere eine große Gefahr bilden, da sie nicht umzäunt sind. Die Haushalte wurden ermutigt, solch einen Zaun zu installieren; bis Herbst 2023 hatten etwa 25% der Haushalte ihre Teiche und Gemüsegärten umzäunt. Ein weiteres Sicherheitsthema, das 2022 angesprochen wurde, war Bewusstsein über Erdbeben, Feuer, Erdrutsche u.ä. Der Partner hat dieses Thema in den Unterricht der Kinderzentren mit aufgenommen und wird es noch vermehrt in Selbsthilfegruppen und Hausbesuchen ansprechen.

Müllentsorgung
Auch dieses Thema wurde 2022 angesprochen, da es bisher wenig Bewusstsein für Müllentsorgung gibt. Seitdem wurde folgendes umgesetzt: in den Kinderzentren wird adäquate Müllentsorgung gelehrt; in Hausbesuchen wird das Thema angesprochen; das Projektpersonal geht mit gutem Beispiel voran. Noch umgesetzt werden soll: in den Kinderzentren oder an zentraler Stelle sollte eine große Tonne als Sammelstelle errichtet werden (und mit der Kommunalverwaltung geklärt, wie diese Tonne geleert wird); das Thema der kommunalen Müllentsorgung soll mit Selbsthilfegruppen und lokalen Führungspersönlichkeiten erörtert werden.

Verbesserte Viehzucht
Im Bereich der Viehzucht wurden verschiedene aus Beobachtungen abgeleitete Maßnahmen bereits umgesetzt. Einerseits hatten bisher wenige Haushalte begonnen, bessere Rassen zu züchten; dieses Thema wurde angesprochen und inzwischen haben zahlreiche Haushalte Zuchttiere gekauft (dies geschieht allerdings langsamer in größeren Höhenlagen, da die Zuchttiere dort das Klima nicht vertragen – daher werden hier Kreuzungen vorgenommen). Eine Überlegung, Ziegen nicht nur für Fleischproduktion, sondern auch für Milch und Käse zu nutzen, wurde aus kulturellen Gründen abgelehnt. Eine Herausforderung in 2022 war die Gesundheit der Tiere und technisches Monitoring bzw. Zugang zu einem Tierarzt. Dies wird nun von einem als Tierarzt ausgebildeten Projektteilnehmer ehrenamtlich übernommen; im Rahmen des Änderungsantrags konnten außerdem pro Selbsthilfegruppe ein Gerät für Kastration gekauft werden. Zusätzlich haben vermehrt Familien ihre Tiere versichert; dies soll noch weiter in Hausbesuchen angesprochen werden, da durch plötzliche Erkrankungen wie Schweinepest oder Unfälle immer noch einige Haushalte ihr Vieh verlieren (die Versicherung zahlt 90% des Wertes).

Unterricht in den Kinderzentren
Verschiedene Aspekte wurden 2022 angesprochen: z.B. kreativer Unterricht und bessere Materialien, Classroom Management, Sauberhalten von Büchern, Taschen, Kleidung etc. Einige dieser Aspekte wurden in einer mehrtägigen Schulung für alle Kinderzentren-Lehrer unseres Partners in Nepal im Januar 2024 angesprochen, an der auch das relevante Projektpersonal aus Khotang teilnahm.

Feedback und Beteiligung der Zielgruppe
Die Zielgruppe sollte die Möglichkeit haben, sich voll an der Projektkonzeption zu beteiligen und jederzeit ihr Feedback zu Maßnahmen und dem weiteren Projektverlauf geben zu können. Ursprünglich war die Idee, an verschiedenen Orten einen „Beschwerdebriefkasten“ aufzuhängen, in denen die Projektteilnehmer ihr Feedback einwerfen können. Stattdessen wurde eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der alle Haushalte Kommentare hinterlassen können, sowie eine Messenger-Gruppe für die Selbsthilfegruppenleiter. Darüber hinaus haben die meisten Projektteilnehmer die Handynummer des Projektpersonals und können sich jederzeit mit Fragen und Anregungen an sie wenden.

Das Projekt in Khotang geht nun ins letzte Projektjahr; im Rahmen einer Projektreise im November 2024 wird weiter beobachtet, welche Wirkungen erzielt wurden und wo noch Angleichungen notwendig sind.

Piluwas Zukunft nimmt Form an

Integratives Kinderzentrum jetzt im vierten Jahr

„Das ist meine Kuh ‚Mali‘ – und ich bin ihre Mutter!“ Roti Maya lacht übers ganze Gesicht, während sie ihrer Kuh über den breiten Rücken streicht. „Sie versteht alles, was ich sage. Wenn sie brüllt und ich ihren Namen rufe, dann beruhigt sie sich. Ich liebe sie sehr!“ Sie hebt einige Blätter auf, entfernt die harten Stiele, hält dem Tier das Grün hin. „Durch unser Projekt hatte ich acht junge Büffel bekommen. Einen hat leider ein Tiger gerissen. Aber die anderen hab ich großgezogen und verkauft, und dann diese Milchkuh und drei Ziegen gekauft.“ Ein oder zwei Liter Milch spart sie täglich für ihre Kinder auf, der Rest wird verkauft. Mit diesem Einkommen kann Roti Maya eine gute Ausbildung für die Kinder bezahlen; bald ist auch genügend gespart für eine zweite Kuh. „Die hab ich auch schon kennengelernt, und bald gehört sie mir!“ erzählt Roti Maya lachend.

Ein geregeltes Einkommen, Ertrag von Viehzucht und Küchengärten für eine bessere Ernährung, eine ordentliche Ausbildung für die Kinder – das sind nur ein paar der Ziele des integrativen Kinderzentrums in Piluwa in der südlichen Ebene Nepals. Dabei beinhaltet die Förderung der Kinder neben Hausaufgabenhilfe auch das nötige Schulmaterial, nahrhafte Mahlzeiten, Hygiene und alles was sie sonst noch brauchen, um sich ganzheitlich positiv zu entwickeln. Die Förderung der Familien hat zum Ziel, dass das Einkommen so verbessert wird, dass sie langfristig für ihre Kinder besser sorgen können – durch Selbsthilfegruppen, verbesserten Gemüseanbau, verbesserte Viehzucht oder alternative Einkommenserwerbe: wie zum Beispiel der kleine Laden von Chandramaya, in dem die Großmutter so ziemlich alles anbietet, was man hier im Alltag braucht, von Puffreis über Zahnbürsten bis hin zu Batterien.

Inzwischen ist das Projekt im vierten Jahr, und daher konnten schon viele Veränderungen beobachtet werden. Wenn man von Haus zu Haus geht, Läden und Teestuben erkundet, Ziegen, Büffel und Schweine trifft und vor allem viele motivierte Mütter, Großmütter und Väter kennenlernt, dann besteht bald kein Zweifel: Piluwas Zukunft nimmt Form an!

Das gilt auch für Samjhana. Als ihr Mann sie verließ, wusste Samjhana nicht, wie sie alleine für ihren kleinen Sohn und die Eltern sorgen sollte. Sie begann, mit einer kleinen fahrbaren Teestube aus Holz ein geringes Einkommen zu verdienen. Das ging ein paar Jahre so. In der Selbsthilfegruppe fand sie viel Unterstützung und erhielt schließlich aus der Gruppe ein Darlehen zu einem guten Zinssatz. Mit diesem Geld und dem Einkommen aus der Teestube konnte sie ein richtiges kleines Haus aus Beton bauen, dass sie als Gasthaus führt; „Hotel“ nennt sie es. Jetzt kann sie jeden Tag einen kleinen Betrag sparen, und hat noch große Pläne für die Zukunft: „Dieses Geschäft macht mir viel Spaß. Ich möchte das Hotel noch erweitern und eine weitere kleine Hütte mit Gästezimmern bauen und Übernachtungen anbieten. Und natürlich möchte ich sparen für die Ausbildung meines Sohnes, und auch für Gesundheitsvorsorge.“ Mit ihrem Einkommen kann sie Sohn und Eltern gut ernähren. „Ich wünsche mir, dass es für meinen Sohn mal einfacher sein wird als für mich. Ich bin überzeugt, dass er sich zu einem guten Menschen entwickeln und viel erreichen wird.“

Direkt gegenüber von Samjhanas Gasthaus ist das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet. Jeden Morgen und jeden Nachmittag erschallt die Gegend von Kinderlachen – die meisten Kinder kommen zweimal am Tag, so wohl fühlen sie sich hier. Die zwei Lehrer kümmern sich hingebungsvoll um jedes Kind; inzwischen kommen auch einige ältere Kinder, die bereits vom Kinderzentrum „graduiert“ haben, um ehrenamtlich zu helfen. „Wir müssen unsere Kinder nie daran erinnern, dass jetzt Zeit fürs Kinderzentrum ist“, berichten die Eltern. „Sie gehen alle automatisch hin, weil sie so gerne dort sind!“ Und das liegt sicherlich nicht nur an der nahrhaften Mahlzeit, die die Kinder dort bekommen. „Das Kinderzentrum ist ein sicherer Ort für sie, ein Zufluchtsort“, erklärt ein Lehrer. „Und die Eltern sind auch sehr froh zu wissen, dass die Kinder hier sind und sich um sie gekümmert wird.“

Alle Familien, die zum Piluwa Kinderzentrum gehören, sind sich einig: Diese tolle Sache muss weitergehen! Aber wie? Kontinuierliche Förderung von außerhalb ist weder nachhaltig noch wünschenswert, da ein zentrales Ziel des Projektes ist, die Unabhängigkeit und Eigeninitiative der Menschen zu stärken. Deshalb sind integrative Kinderzentren von Anfang an darauf ausgelegt, früher oder später – je nach lokaler Situation – finanziell und strukturell selbsttragend zu werden.

Und da ist Piluwa schon auf einem sehr guten Weg! Denn das Projektteam, die Leitungsteams der beiden Selbsthilfegruppen und auch die Familien sind sehr motiviert, das Projekt langfristig selbst weiterzuführen. „Wir werden uns gegenseitig helfen und selbst unsere Bedürfnisse erfüllen und werden keine Unterstützung von anderen mehr brauchen!“, betont eine Mutter. „Unsere Kinder werden sehr talentiert und ehrlich sein und für ihre Familie und Dorfgemeinschaft Verantwortung übernehmen – das ist mein Traum!“

Und die Leiterin der Selbsthilfegruppe ergänzt: „Ich träume, dass wir nicht nur keine Unterstützung von anderen mehr brauchen, sondern dass stattdessen wir anderen Unterstützung geben können, und dass durch uns und unsere Gruppen vielen Menschen geholfen werden kann!“

Eine etwas zu idealisierte Vision der Zukunft? Vielleicht. Aber genau diese Zukunft nimmt in Piluwa Form an.

 

Lesen Sie auch die früheren Beiträge zu diesem Kinderzentrum:
Ein Herz für Piluwa
Eine Zukunft für Piluwa

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Piluwas Zukunft noch weiter Form annimmt, dann spenden Sie mit Vermerk „Integrative Kinderzentren Nepal“ (zum allgemeinen Online-Spendenformular; zum Formular für Integrative Kinderzentren).

Oase des Friedens im Nahen Osten

Chaos, Unsicherheit, Angst vor Morgen – diese Herausforderungen ist die NES-Schule in Beirut gewöhnt. Der Bürgerkrieg ist vielen noch präsent, und seit einigen Jahren geht es Schlag auf Schlag: Flüchtlingskrise, religiöse Konflikte, Revolution, katastrophale Wirtschaftskrise, dann noch die Pandemie, Explosion im Hafen, das Erdbeben … und seit vergangenem Oktober die tägliche Angst, dass der Krieg im Nahen Osten sich auf den gesamten Libanon ausweiten könnte. Hunderttausende geben auf und verlassen das Land.

Doch die NES-Schule bleibt, als eine Oase des Friedens im Chaos. 339 Mädchen und Jungs aus 17 Nationen fanden hier in diesem Schuljahr eine Zuflucht – für viele die einzige Chance auf eine Schulbildung. Und die NES bietet ihnen nicht nur eine gute Bildung und einen Ort, an dem sie akzeptiert und wertgeschätzt sind. Sie schenkt den Kindern auch einen geregelten Alltag; gerade in der derzeitigen Unsicherheit macht das einen bedeutenden Unterschied für die psychische Gesundheit. Von Basketball- und Fußballturnieren in den Pausen, kleine Belohnungssysteme für gutes Verhalten, Clubs und spezielle Kurse, bis hin zum Ausflug ins Museum: Die Lehrer lassen sich immer neue kreative Aktivitäten einfallen, um den Kindern einen positiven Alltag zu bereiten und gleichzeitig wichtige Fertigkeiten zu lehren.

Trotzdem wird auch die Not nicht ignoriert. Viele Kinder haben in ihrem jungen Leben schon Schreckliches erlebt; das Chaos und die Furcht der letzten Jahre belasten alle. Im schuleigenen Therapiezentrum finden die Schüler ein offenes Ohr, können Traumata langfristig behandelt werden; auch die Eltern finden hier Rat und Unterstützung.

Ein täglicher Kampf für viele Familien ist, ausreichend Lebensmittel zu kaufen. Auch hier kümmert sich die NES: Schon seit längerer Zeit werden einige Familien mit Essensmarken unterstützt; seit Januar erhalten dank einer lokalen NPO alle Grundschüler ein ausreichendes Frühstück. Die schuleigene Krankenschwester sorgt dafür, dass kein Kind hungrig bleiben muss.

Auch keine bürokratische Hürde ist dem Personal der NES zu hoch, um ihren Schülern einen guten Abschluss zu ermöglichen. Denn oft fehlen Kindern aus Flüchtlings- oder Gastarbeiterfamilien die nötigen Papiere, um offiziell zu absolvieren. Die Schulleiterin und ihr Team investieren Tage und Wochen, bis sie auch noch in der kompliziertesten Situation das nötige Zertifikat erkämpfen können. So konnten im Juni alle 20 Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse graduieren.

Und noch weitere Schritte hat die NES-Schule geplant, um für möglichst viele Kinder eine Oase des Friedens zu sein: Im Frühjahr absolvierten zwei Mitarbeiterinnen eine Ausbildung für Inklusion, sodass die Schule zukünftig mehr Kinder mit Behinderung oder Lernschwierigkeiten aufnehmen kann. Eine spezielle Akkreditierung soll vereinfachen, dass der Abschluss international anerkannt wird. Fürs kommende Schuljahr ist ein Programm geplant, dass Selbstbewusstsein und Resilienz der Kinder fördert. Und die Hoffnung bleibt, dass ein weiteres Grundstück gekauft und die Schule erweitert werden kann, denn bereits im Mai waren alle Schulplätze für kommenden Oktober vergeben, und täglich rufen zahlreiche Eltern an, die hoffen, dass ihr Kind eine Chance an der Schule bekommt.

Im Schuljahr 2023-24 förderten wir mit dem „NES Studienfond“ 32 Kinder aus 25 sozialschwachen Familien. Der Bedarf fürs kommende Schuljahr ist noch gestiegen. Sie können Kindern im Libanon eine gute Schulbildung und einen sicheren Zufluchtsort ermöglichen, indem Sie für den „NES Studienfond“ spenden an: Helping Hands e.V., IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).