Erdbeben in Syrien, Türkei, Libanon

„Unsere Kinder sind völlig traumatisiert. Seit der Explosion vor zwei Jahren haben sie Angst, und jetzt dieses Erdbeben – die meisten Kinder konnten heute Nacht nicht schlafen. Und letzte Nacht, nach dem Erdbeben, haben viele ihre Häuser in Panik verlassen und drei Stunden unter einer Brücke gehockt, und das bei diesem stürmischen Wetter! In der Schule waren sie ständig den Tränen nahe.“

Das verheerende Erdbeben, das in der Türkei und Nord-Syrien früh am Montagmorgen mehrere Tausend Todesopfer gekostet hat, hat im Libanon zwar weniger Zerstörung angerichtet. Aber es hat traumatische Erinnerungen neu hervorgeholt, vor allem bei den Kindern. Und in der katastrophalen wirtschaftlichen Situation wissen die verzweifelten Familien nicht, wie sie zum Beispiel von den Beben zerbrochene Scheiben ersetzen sollen.

Die Lehrer und Mitarbeiter der NES-Schule in Beirut, die wir seit vielen Jahren fördern, kümmern sich um die 338 Schulkinder und versuchen zu helfen, wo sie können. D. Gschwandtner, Internationale Geschäftsführerin von Helping Hands e.V., war zur Zeit des Erdbebens in Beirut. Sie berichtet:

„Das Beben war sehr deutlich zu spüren, und wurde gefolgt von mehreren Stunden mit starken Gewitterstürmen – viele Straßen sind völlig überflutet. Zwar haben wir bisher nur von einem Gebäude gehört, das eingestürzt ist, aber in Beirut sind wegen der Explosion noch viele Häuser beschädigt und rissig; in manchen Stadtteilen sind die Gebäude auch sehr alt. Viele Menschen haben große Angst. Unsere Schulkinder und die Kollegen vor Ort haben in den letzten Jahren so viel durchgemacht – die Explosion, Corona, eine zerbrechende Wirtschaft, in der eine Tankfüllung so viel kostet wie das Monatsgehalt eines Lehrers. Und jetzt auch noch ein Erdbeben!

Trotzdem bin ich begeistert davon, wie die Kollegen an der NES-Schule mit der Situation umgehen. Sie geben nicht auf, arbeiten unermüdlich von früh bis spät und bringen große Opfer, um sich um diese Kinder zu kümmern und ihnen einen festen Halt zu geben, und vor allem eine gute Schulbildung. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich in der Schule bin, was für eine liebevolle, fürsorgliche Atmosphäre hier herrscht und wie die Lehrer sich um die Kinder sorgen, nicht wie Schüler, die sie unterrichten müssen, sondern fast wie ihre eigenen Kinder.“

Natürlich ist die momentane Lage in Syrien und der Türkei noch viel dramatischer; vor allem in Syrien, die auf keine funktionierende Wirtschaft zurückgreifen können. Derzeit prüfen wir, wie in diesen Gebieten geholfen werden kann; bisher ist die Kommunikation noch schwierig. Aber auch die Kinder und Familien im Libanon sollten nicht vergessen werden.

Wenn Sie den Menschen in Syrien, im Libanon und der Türkei eine helfende Hand reichen wollen, spenden Sie bitte mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

 

Fotos (von privat): links: NES-Schüler in der Woche vor dem Erdbeben; rechts: Ein Gebäude, das in Bekaa, Libanon, eingestürzt ist.

Chancen in der Krise

Update aus der Ukraine

Über ein halbes Jahr dauert der Krieg in der Ukraine nun an. Millionen sind geflüchtet, aber viele Millionen harren noch immer aus in einem Land, in dem das tägliche Überleben keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Und die, die ihre Heimat verlassen haben, sind oft hin- und hergerissen: fortbleiben, dort, wo es sicher ist, oder heimgehen, dorthin, wo sie vielleicht gebraucht werden?

Im August konnten wir Vladimir und Sylvia treffen, die die Arbeit unseres Partners in der Ukraine leiten und derzeit von Polen aus ihren Dienst fortsetzen – zum Beispiel auch, Geflüchtete zu besuchen und sie zu ermutigen.

Unzählige Geschichten haben sie schon gehört, Geschichten von Trennung und Sorge, von Freundschaft und unerwartetem Willkommen, von Hoffnungslosigkeit und von neuem Mut. Und dann sind da natürlich die täglichen Bilder aus der Ukraine: Bilder der Zerstörung, ganze Städte in Trümmern, vernichtete Infrastruktur. „Es wird vielleicht dreißig Jahre dauern, um alles wiederherzustellen“, vermutet Vladimir. Und noch ist der Krieg nicht vorbei!

Aber die Krise bietet auch neue Möglichkeiten. „Wir sehen das wirklich auch als Chance“, betont Sylvia, „eine Chance, nach dem Krieg verschiedene Dienste in einem besseren Format neu aufzubauen.“

Dazu gehören zum Beispiel die Rehazentren für Drogen- und Alkoholabhängige, die Helping Hands schon in der Vergangenheit unterstützt hat. Oder eine Art Ausbildungszentrum, in dem diese Menschen einen Beruf erlernen oder ein kleines Unternehmen aufbauen können, um unabhängig zu werden.

„Wir möchten auch in die neue Generation investieren, durch Bildung und ähnliches“, fügt Vladimir hinzu. „Das ist Teil unserer Vision für den Wiederaufbau. Und wir dürfen die Senioren nicht vergessen. Sie gehörten schon vor der Krise zu den gefährdeten Bevölkerungsgruppen, aber jetzt sind sie noch viel schlimmer dran.

Ein weiterer Fokus sollte auf Familien sein. Dieser Krieg hat sie hart getroffen – die Trennung, physische Trennung aber auch in anderen Bereichen, die Kinder leiden unter Kriegsneurose – wir müssen darauf vorbereitet sein, ihnen zu helfen, ich bin noch nicht sicher wie genau, aber vor allem psychisch und geistlich. Gebäude sind da erst mal nebensächlich! Wir müssen auf die Traumata eingehen, und ganz wichtig: Versöhnungsarbeit leisten. Und dabei sollten wir nicht warten, bis der Krieg vorüber ist. Soweit möglich müssen wir jetzt schon aktiv werden!“

Das ist natürlich gar nicht so einfach. In der Ukraine konzentriert die Hilfe sich derzeit noch auf dringend benötigte Lebensmittel und Hygieneartikel. Aber außerhalb sind schon viele gute Initiativen angestoßen worden.

Eine davon ist das „Sweet Surrender“ Café in Poznań, Polen. Vor fast zwanzig Jahren hat Helping Hands dieses Sozialprojekt unterstützt. Zwischenzeitlich war es geschlossen, doch jetzt wurde es wiedereröffnet als ein Gemeinschaftshaus für Flüchtlinge aus der Ukraine; zu den Angestellten gehören Ukrainer und Polen. Zuerst ging es darum, den Menschen dabei zu helfen, richtig anzukommen und sich einzuleben. Jetzt werden unter der Woche verschiedene Programme angeboten: In vier Sprachkursen und zwei Gesprächs-Clubs können Polnisch und Englisch gelernt werden; Frauen treffen sich einmal pro Woche für eine Kaffeestunde; Kinder und Jugendliche spielen, lernen und lachen gemeinsam in wöchentlichen Clubs, in denen sie auch polnische Jugendliche kennenlernen können; seit kurzem wird Kunst-Therapie angeboten, um u.a. Trauma zu verarbeiten. Auch Musikunterricht, Spielabende, Kochkurse und Gruppentherapie gehören zum Programm.

„Die Leiter konzentrieren sich darauf, herauszufinden, was die Ukrainer im Moment brauchen“, erklärt Sylvia. „Sie leisten wirklich gute Arbeit und bieten den Menschen einen sicheren Raum, in dem sie nicht nur Zeit verbringen, sondern auch wachsen können.“

Und Vladimir fasst zusammen: „Was die Menschen mit am wichtigsten brauchen, ist das Gefühl, dass sie nicht alleine sind.“

 

Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Nicht mehr bei Null anfangen

Familien in Mongla im südwestlichen Küstengebiets Bangladesch kämpfen gegen die Folgen des Klimawandels

„Sehen Sie, hier, wo es feucht ist, bis dahin kommt das Wasser, wenn die Flut ihren höchsten Pegel erreicht hat.“

Wir stehen vor einer armseligen Hütte, errichtet aus getrockneten Gräsern und Palmblättern, der Boden festgetretene Erde. Ein altes Fischernetz ist über das Strohdach gespannt, damit in dem oft heftigen Wind nichts davonweht. An der Außenwand stehen ein paar Töpfe und Eimer, an Seilen flattern Kleider zum Trocknen. Keine zwei Meter vor der Türschwelle wird der Lehmboden auf einmal feucht: die Hochwasserkante, die den Hüttenbewohnern kaum genug Raum bietet, bei Flut ihren Eingang zu erreichen. Einen Meter weiter bricht das Flussufer jäh ab – mürbe, vom Wasser ausgefressen, nur ein paar Wurzeln halten den Lehm zusammen. Dahinter erstreckt sich, nach ein paar Metern Schlamm, der Pashur-Fluss, breit wie ein See, bedrohlich wie das Meer selbst.

„Früher war mein Haus da draußen“, erklärt Sukanta, dem die Hütte gehört, und er zeigt einige Bootslängen auf den offenen Fluss hinaus, wo sich das trübe Wasser träge im Wind kräuselt. „Aber das Flussufer ist immer weiter eingebrochen, also hab ich die Hütte weiter ins Land gebaut. Das war vor ein paar Jahren – da war der Fluss noch weit weg von hier.“

Warum er denn überhaupt hier baut, fragen wir.

„Ich besitze kein Land“, sagt er. „Ich habe keine andere Wahl.“

Ein Häuschen direkt am Flussufer, wo die sanft anrollenden Wellen einen abends in den Schlaf flüstern  – wie idyllisch klingt das in unseren Ohren! Für die Menschen in Chila und Chandpai im Bezirk Mongla im südwestlichen Bangladesch ist es eher lebensbedrohlich.

Denn da sind nicht nur die immer weiter ins Land drückenden Wellen aus der Bucht von Bengalen, die die Flussufer zerfressen wie Säure. Seit der Klimawandel weltweit das Wetter verrückt macht, werden Gebiete wie Mongla immer häufiger von verheerenden Wirbelstürmen heimgesucht, die nicht nur sintflutartigen Regen und orkanstarken Wind mit sich bringen, sondern auch baumhohe Flutwellen, denen Hütten wie die von Sukanta nicht standhalten können.

„Im letzten schlimmen Zyklon, dem Amphan, ist alles zusammengestürzt und fortgeschwemmt worden“, berichtet Sukanta. „Aber ich bin das gewöhnt – 33 Jahre bin ich jetzt alt, und ich kann mich erinnern, dass es seit meiner Kindheit bei jedem Wirbelsturm so war … und ich hab viele Wirbelstürme erlebt!“

Wie die anderen Menschen dieser Gegend hat Sukanta eine beeindruckende Unbeugsamkeit – den Mut, wieder und wieder neu anzufangen, auch wenn man alles verloren hat. Trotzdem – für seine Familie wünscht er sich etwas anderes, für seine Frau und die zwei Söhne, 9 Jahre und 9 Monate alt.

„Als beim letzten Wirbelsturm die Warnsignale kamen, hab ich sie geschnappt und zum nächstgelegenen Zyklon-Schutzraum gebracht“, erinnert er sich. „Dann bin ich zu unserer Hütte zurückgerannt, um auf unsere Sachen aufzupassen. Ich dachte nicht, dass das Wasser so weit kommen würde. Trotzdem habe ich vorsichtshalber alles in Päckchen verpackt – wir haben ja nicht viel. Als das Wasser dann doch kam, hab ich alles zur Straße geschleppt und da aufgestapelt. Und dann ist das Haus zusammengebrochen.“

Die Straße – eigentlich verdient sie diesen Namen nicht. Ein paar Ziegel und festgetretener Lehm, oben auf dem brüchigen Damm, gerade breit genug, dass zwei Motorräder aneinander vorbeikommen. Bei Überschwemmungen leben oft ganze Familien tage- oder gar wochenlang auf diesem schmalen Streifen Erde, während rechts und links das Wasser schwappt und man sich nie ganz sicher ist, ob es diese letzte Zuflucht nicht auch noch unter sich begräbt.

„Ich hatte Glück.“ Sukanta ist mit seiner Geschichte noch nicht fertig. „Es ist hier zwar alles weggeschwemmt worden, aber nur ein kurzes Stück. Nach dem Wirbelsturm, als das Wasser zurückgegangen war, konnte ich die Einzelteile wieder einsammeln – Holzpfosten und so. Dann hab ich erstmal eine provisorische Unterkunft gebaut, wo wir als Familie wohnen konnten. Und danach haben wir Nachbarn uns alle gegenseitig geholfen, unsere Häuser wiederaufzubauen. Das machen wir immer so.“

Den Mut, nach solch einer Katastrophe wieder bei Null anzufangen – das haben die Menschen in Mongla jedenfalls. Aber das muss nicht sein! Sicherlich – den Klimawandel und die daraus resultierenden Naturkatastrophen können Sukanta und seine Nachbarn nicht stoppen; hier sind andere gefragt, ihren Teil dazu beizutragen. Aber durch die richtigen Vorsorgemaßnahmen können Familien und Kommunen dafür sorgen, dass der Schaden nicht so groß ausfällt. Und durch Bewusstseinsbildung in bestimmten Bereichen und ein erhöhtes Einkommen können Menschen „Resilienz“ aufbauen, sodass sie und ihr Eigentum weniger gefährdet sind und nach der nächsten Katastrophe eben nicht ganz unten bei Null anfangen müssen.

„Mein größter Wunsch ist, dass ich ein besseres Haus für meine Familie an einem sicheren Ort bauen kann“, sagt Sukanta. „Aber dafür verdiene ich nicht genug.“ Als Fischer auf dem Fluss arbeitet er, an sich schon ein harter Job mit geringem Ertrag, aber neue Verordnungen der Regierung machen die Arbeit immer schwerer. Manchmal fischt er nachts, um der Küstenwache zu entkommen, aber das ist gefährlich. „Wenn ich nur die Möglichkeit bekommen würde durch dieses Projekt, von dem ihr redet, ein höheres Einkommen zu verdienen – das würde mir und meiner Familie immens helfen.“

Den mehr als 5000 bedürftigsten Familien in Chila und Chandpai ein besseres und vor allem durchgehendes Einkommen zu ermöglichen … sie darin zu unterstützen, ihre Lebensgrundlagen an die Klimawandelsituation anzupassen … ihre Haushalte und Dörfer so auf Katastrophen vorzubereiten, dass möglichst wenig an Menschenleben oder Hab und Gut verlorengeht … sie zu motivieren und auszurüsten, sodass sie ihre sozioökonomische Entwicklung selbst in die Hand nehmen können – das sind nur ein paar der Ziele, die sich unsere Kollegen für das Klimawandel-Projekt in Mongla gesteckt haben. Seit Oktober 2021 engagiert sich unser Partner in diesem umfassenden Projekt, das noch bis Frühjahr 2025 andauern wird. Und schon jetzt zeichnet sich die Hoffnung auf den Gesichtern der Projektteilnehmer ab.

Geht dein älterer Sohn zur Schule? fragen wir noch, bevor wir uns von Sukanta verabschieden.

„Ja“, sagt er nur. Aber man liest sie in seinem Gesicht: all die Träume, die er für seine Söhne hegt, die hoffnungsvollen Erwartungen – dass sie ihr Leben nicht damit zubringen werden, vor dem heranrückenden Flussufer zu fliehen, dass sie Notlagen zuversichtlich ins Auge schauen können, weil sie nicht nur den Mut, sondern auch die Ressourcen haben, dort weiterzumachen, wo der Sturm sie unterbrochen hat: und dass sie dann nicht mehr bei Null anfangen müssen.

 

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

Hoffnung für Unterwegs – in Polen

Augenzeugenbericht einer Flüchtenden aus der Ukraine in Polen

„Wer hätte gedacht, dass mindestens 4 Millionen ukrainische Flüchtlinge, insgesamt 7 Millionen Menschen, aus ihrer Heimat vertrieben werden?

Ich bin eine von ihnen. Stellt euch das vor.

Diese Woche hatten wir erneut Gelegenheit, Flüchtlingen an der Grenze zu Przemyśl zu helfen. Unser dortiges Team von Nazarene Compassionate Ministries ist etwas geschrumpft, aber eine Kerngruppe ist geblieben. Der Zustrom von Flüchtlingen hält an, und so bleibt NCM vor Ort.

Viele der Flüchtlinge sind verängstigt, erschöpft, verwirrt und besorgt. Es ist nicht leicht, die Grenze zu überqueren. Sie wissen, dass sie irgendwie in Sicherheit sind, aber die Angst bleibt.

Für viele war es eine lange Reise. Die Menschen brauchen viele Tage, um die Grenze zu erreichen, und sobald sie sie überquert haben, müssen sie sich in einem völlig neuen Land zurechtfinden. Zunächst müssen sie die Passkontrolle passieren und einen unbekannten Bahnhof durchqueren, während in ihren Ohren eine fremde Sprache klingt. Dann müssen sie den Bahnsteig verlassen und den Hauptbahnhof finden, um ein Zug- oder Busticket für ihr nächstes Ziel zu kaufen. Die meisten von ihnen sind Frauen, Kinder und Großmütter. Ich habe mindestens zwei ältere Frauen in den Achtzigern gesehen, die allein unterwegs waren und sich mit einer Handtasche und einer kleinen Tasche durchschlugen. Wie absolut mutig von ihnen, denke ich mir. Andere kommen mit großen Koffern und Taschen, die sie nicht die vielen Treppen hinauf und hinunter tragen können, sodass Freiwillige ihnen zu Hilfe eilen.

Wie viele Koffer, Taschen mit gerissenen Gurten und Haustierkoffer habe ich getragen! Die Menschen sind so benommen und gestresst. Sie haben Fragen und zögern, sie zu stellen, aber sie starren auf unsere gelben Westen. „добрий вечір!“ („Guten Abend!“), sage ich mit einem Lächeln. Und eine Welle der Erleichterung macht sich breit. „Ich muss…“, sagen sie. Einige musste herausfinden, wie sie zur Hauptbahnhofshalle kommen. Ein anderer brauchte eine kostenlose polnische Telefonkarte. Eine weitere Person wollte wissen, wie sie einen Bus in eine andere Stadt in Polen finden konnte. Andere brauchten eine Unterkunft für die Nacht.

Mittendrin sind die Menschen, die nach ihren Freunden oder Familienangehörigen suchen, die gerade ankommen. „Wann kommt der Zug aus Kiew an?“ Eine Frage, die wir nicht mit Gewissheit beantworten können, weil der Zug immer zu einer anderen Zeit ankommt. Und natürlich fragen auch viele: „Wo muss ich hin, um den Zug nach Kiew zu nehmen?“ In dieser Schlange stehen viele Männer, Journalisten und Amerikaner. Unter den ehrenamtlichen Helfern traf ich einen Mann aus Oregon, der erst vor zwei Wochen mit seiner Freundin angereist war und seitdem auf jede erdenkliche Weise hilft. Ein anderer junger Mann, den ich traf, kam allein aus Kanada. Er hat einen 9-Personen-Bus gemietet und fährt die Leute kostenlos herum. Gestern Abend füllte er seinen Wagen mit Menschen, die nach Krakau wollten. Es dauerte keine 20 Minuten, und schon waren sie weg.

Eine Flüchtlingsfamilie, der ich begegnete, hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt. Sie waren mit uns im Zug auf dem Weg nach Norden. Eine Großmutter, ihre Tochter und eine Enkelin in ihren Zwanzigern. Sie stammten aus Kharkiv, einem der am stärksten betroffenen Gebiete. Die Großmutter weinte ständig und dachte an ihren 40-jährigen Sohn, den sie zurücklassen mussten. Sie versuchte immer wieder, ihn anzurufen, aber er war den ganzen Tag nicht ans Telefon gegangen. Ihre Wohnung war völlig zerstört. Sie waren auf dem Weg nach Berlin.

Sie erzählten uns, dass der Zug aus Kharkiv, der normalerweise nicht mehr als 15 Waggons hat, bei der Evakuierung mindestens 30 hatte. Der Zug war so voll, dass in jedem Abteil, in dem normalerweise nur vier Personen Platz haben, bis zu 17 Personen saßen. Die Menschen standen überall verstreut auf dem Gang. Man wollte unbedingt so viele Menschen wie möglich unterbringen, und so fingen die Fahrgäste an, ihr eigenes Gepäck oder ihre Taschen aus dem Fenster zu werfen, nur um ein weiteres Kind oder eine weitere Person unterzubringen. Stellt euch das vor!

Die junge Frau erzählte uns, dass eine ihrer Freundinnen mit ihren Eltern geflohen war und sie es bis nach Österreich geschafft hatten. Als sie angekommen waren, erlitt der Vater der Freundin einen Nervenzusammenbruch.  Ich stellte mir vor, was er in der Ukraine durchgemacht haben muss: die Bombardierungen, die Luftschutzbunker, den Hunger, und dann die Flucht, der Weg über die Grenze, in einen überfüllten Zug steigen, ein neues Land nach dem anderen, eine neue Stadt nach der anderen, die langen Zugfahrten, und die ganze Zeit weiter und weiter weg von zu Hause. Er ist ein weiteres Opfer des Krieges.

Einer von 7 Millionen Vertriebenen.“

 

Dieser Bericht wurde von Sylvia Cortez geschrieben, die gemeinsam mit ihrem Mann die Arbeit unseres Partners in der Ukraine leitet und derzeit von Polen aus ihren Dienst fortsetzt. Der Bericht (mit Foto) wurde von unserer Partnerorganisation Nazarene Compassionate Ministries am 22. April veröffentlicht (https://ncm.org/blog/hopeforthejourneyinpoland).

 

Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Ein Name, eine Geschichte, eine Zukunft

Unser Partner in Rumänien schenkt Menschen aus der Ukraine Zuflucht

Menschen, die vor Krieg, Not und Terror flüchten – sie werden schnell zu „dem Flüchtlingsstrom“ oder zu „zwei Millionen Vertriebenen“ oder zu „der leidenden Zivilbevölkerung“. Aber jeder und jede einzelne von ihnen hat einen Namen, eine Heimat, eine Geschichte und eine Zukunft.

In Bukarest konnten Mitarbeiter unseres örtlichen Partners seit dem 25. Februar bisher 98 dieser Einzelpersonen kennenlernen. In zwei Wohnungen bieten sie Unterkunft für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und auf Durchreise sind in eine neue Heimat. Sie stellen ihnen alles Nötige zur Verfügung: ein sicheres und komfortables Obdach, Lebensmittel und Kleidung, Medikamente und Hygieneartikel. Sie helfen ihnen, Zug- oder Flugtickets zu kaufen, COVID-Tests zu bezahlen, von und zum Bahnhof oder Flughafen zu kommen und sich in Bukarest zurechtzufinden. Die, die in Rumänien bleiben möchten, unterstützen sie darin, die Ämter erfolgreich zu navigieren und eine langfristige Bleibe und einen Job zu finden.

Vor allem aber schenken sie den Menschen ein offenes Ohr, zeigen ihnen Liebe und Fürsorge, lachen und weinen mit ihnen, hören auf ihre Geschichten und interessieren sich für ihre Zukunft – und vergessen ihre Namen nicht. Mihaela*, eine unserer einheimischen Kolleginnen in Bukarest, hat uns von ein paar ihrer neuen Freunde erzählt.

Irina* kam mit ihren zwei kleinen Kindern und ihrer besten Freundin und deren Tochter nach Bukarest, nachdem sie aus Kharkov fliehen mussten – ohne ihre Männer, von denen sie sich in Kharkov verabschieden mussten und die sie nicht einmal bis zur Grenze begleiten konnten.

„Ich konnte gleich sehen, wie sehr sie sich bemühte, stark zu bleiben und sich nicht von ihren Gefühlen überwältigen zu lassen“, erinnert sich Mihaela .

Die Freundin wollte mit ihrer Tochter nach Spanien weiter; Irina plante, mit ihren Kindern in Italien bei Freunden Zuflucht zu suchen. Mihaela half ihr, geeignete Flugtickets zu finden. 400 Euro hatte Irina dafür; das reichte für die drei Tickets, nicht aber für die Gepäckgebühren.

„Das einzige Gepäck, dass sie für sich selbst und ihre zwei Kinder hatte, waren eine kleine Tasche und ein Rucksack mit Dokumenten“, beschreibt Mihaela. Als Irina die Gepäckgebühren sah, meinte sie: „Das kann ich mir nicht leisten, da muss ich das Gepäck wohl hierlassen.“ Aber das war alles, was sie besaß!

Mihaela hatte bereits beschlossen, dass sie das Ticket samt Gepäck selbst bezahlen wollte. Als Irina die Rechnung in rumänischen Lei sah und nach dem Eurowert fragte, winkte Mihaela ab: Es ist alles schon bezahlt.

„Das war der Moment, in dem sie die Fassung verlor und anfing zu weinen. Sie schaute mich an und sie sagte, ‚Es tut mir leid, ich weiß, ich muss für meine Kinder stark sein, aber ich kann das nicht mehr. 400 Euro ist das ganze Geld, was ich für mich und die Kinder hatte.‘ Sie konnte gar nicht aufhören zu weinen. ‚Seit ich in Rumänien angekommen bin, wurde ich einfach überwältigt von der ganzen Liebe‘, sagte sie, ‚ich weiß gar nicht was tun mit all dieser Liebe!'“

Inzwischen ist Irina mit ihren Kindern sicher in Italien angekommen und wohnt bei Freunden.

Maria*, 36 Jahre alt, wollte mit ihrer älteren Mutter und ihrem 16-jährigen Sohn aus Kharkov fliehen, als die Bombenangriffe begannen. Im Chaos der Flucht wurden sie vom Sohn getrennt, konnten ihn auch telefonisch nicht erreichen. In einem Konvoi erreichten sie die rumänische Grenze, kamen in Bukarest an – Maria außer sich vor Sorge, weil sie nicht wusste, wo ihr Sohn war.

Also nahm Mihaela Kontakt auf mit Kollegen in der Ukraine, die nicht ruhten, bis sie den Jungen gefunden und einen Ort mit Internetverbindung erreicht hatten, damit er mit der Mutter sprechen konnte. In einem Konvoi kam auch er an die rumänische Grenze. Dort nahm ihn ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in Empfang, setze ihn in einen Bus nach Bukarest, wo er wiederum von einem Mitarbeiter abgeholt wurde, der ihn zur Mutter und Großmutter brachte. „Vielen, vielen Dank, meine großherzigen rumänischen Freunde“, schrieb Maria an Mihaela, „ich halte jetzt endlich meinen Sohn im Arm!“

Maria, ihr Sohn und ihre Mutter sind jetzt in Deutschland bei Freunden untergebracht.

Aber Zuflucht finden nicht nur die, die aus der Ukraine flüchten – sondern auch solche, die dorthin zurückkehren. Für zwei Nächte waren fünf Männer in einer der Unterkünften in Bukarest zu Gast. Sie arbeiteten im Ausland, als der Krieg begann, gaben sofort ihre Jobs auf und setzten sich in einen Zug nach Bukarest, um von dort weiter in die Ukraine zu reisen.

„Diese Männer hatten all ihre Familien, Frauen, Kinder, Eltern, Geschwister, in Kharkov“, beschreibt Mihaela. „Und als sie hörten, dass die Stadt bombardiert wurde und sie keinen Kontakt zu ihren Familien bekamen, wurden sie fast verrückt vor Sorge.“ Doch trotz der Furcht und Unsicherheit drückten die Männer auch eine tiefe Dankbarkeit aus. Als sie in der Unterkunft ankamen und erfuhren, dass sie für ein solch komfortables Zimmer nichts bezahlen brauchten, waren sie sprachlos und zwei begannen zu weinen.

Nach zwei Tagen fanden sie Zugtickets in die Ukraine und Mihaela kam, um sich zu verabschieden. „Einer der Männer kam zu mir, und die Tränen liefen seine Wangen hinunter. ‚Wir werden uns wahrscheinlich nie wiedersehen‘, sagte er, ‚ich gehe in die Heimat, mit all meinen Freunden, und wenn wir unsere Familien finden, dann werden wir sicherstellen, dass sie hierherkommen, und wir hoffen, dass ihr ihnen so viel Liebe zeigt, wie ihr uns gezeigt habt!'“

Jeder Mensch, der aus der Ukraine flüchtet, hat eine Geschichte – und eine Zukunft. Damit es eine Zukunft mit Hoffnung ist, dafür setzen wir und unsere Partner in Rumänien und Moldawien, Ungarn und Polen ein. Das geht nur mit Ihrer Hilfe! Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

(Foto © NCM Romania. Unterkunft in Bukarest.) * Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Erschöpft. Traumatisiert. Entwurzelt.“

„Die Menschen sind erschöpft. Ungeduscht. Traumatisiert. Sie sind entwurzelt, unentwegt unterwegs, die Informationen sind unzureichend und verwirrend, den meisten fällt es schwer, eine Entscheidung zu treffen. Viele lassen sich einfach so vom Flüchtlingsstrom mittreiben. Meist sind es Frauen und Kinder – die Männer müssen ja dableiben.“

Seit drei Wochen sind die Mitarbeiter unserer örtlichen Partner in Polen, Ungarn und Moldawien unermüdlich im Einsatz an den Grenzen. Sie heißen Geflüchtete willkommen, helfen ihnen, sich durch das Chaos an Informationen durchzuwühlen, leiten sie an sichere Orte weiter. Fast ständig klingeln die Handys, wird koordiniert, ermutigt, zugehört, vermittelt, getröstet.

Manche der Flüchtenden kommen zu Fuß, andere mit dem Zug. Manche schleppen ihr wichtigstes Hab und Gut in Tüten und Taschen mit, andere konnten kaum etwas retten. Manche haben Pässe, andere nicht. Manche wissen genau, wo sie hinwollen – meist zu Freunden oder Verwandten in anderen Ländern – und haben das Geld, um dort hinzukommen, andere kommen ohne Kontakte, ohne Pläne, mit wenig Geld und keiner Ahnung, was der nächste Schritt sein könnte. Und wieder andere gehören zu Randgruppen und Minderheiten: Menschen, die schon immer weniger Chancen hatten, die vielleicht schon ein oder mehrere Male in ihrem Leben flüchten mussten, die auch jetzt scheinbar weniger willkommen sind als andere. Sie leiden am meisten.

Mehrere Millionen sind inzwischen auf der Flucht. Die meisten flüchten nach Polen, viele andere nach Ungarn, nach Rumänien und Moldawien. Unsere Partner bemühen sich, ihnen zu helfen:

In Ungarn sind die Mitarbeiter seit Beginn der Krise auf beiden Seiten der Grenze aktiv. Unter anderem werden Notunterkünfte angeboten und logistische Hilfe geleistet.

In Polen wird zurzeit ein sogenannter „sicherer Ort“ direkt an der Grenze nahe des Bahnhofs eingerichtet, in dem Familien etwas ausruhen können, die Kinder spielen, die Mütter ihre Handys laden, und vor allem auch eine Dusche nehmen und in saubere Kleidung wechseln. Auch ist ein Zentrum geplant, in dem sich verschiedene Helfer an der Grenze austauschen können und ihre Aktionen besser koordinieren, sodass allen sinnvoll geholfen wird.

In Rumänien sind ehrenamtliche Helfer vor Ort seit dem 27. Februar damit beschäftigt, Geflüchteten in Bukarest eine Unterkunft anzubieten, bevor sie weiterreisen. An zwei Orten wurden mehrere Zimmer mit Stockbetten und allem Nötigen ausgestattet, um die Menschen willkommen zu heißen. Fahrdienste, warme Mahlzeiten, Telefonkarten, Medizin, Zug- und Flugtickets und viele Stunden des Zuhörens und der Ermutigung gehören mit zur Gastfreundschaft, die den Besuchern geschenkt wird. Viele dutzende Familien und Einzelpersonen konnten hier schon Zuflucht finden; manche bleiben ein oder zwei Nächte, andere eine ganze Woche.

Und auch in Moldawien, wo der Leiter unseres Partners selbst Ukrainer ist, wird ganz selbstverständlich geholfen: Sie halten stetigen Kontakt zu Bekannten und Verwandten in der Ukraine, fahren zur Grenze, um Menschen abzuholen, öffnen ihre Häuser, um Familien mit Unterkunft und Verpflegung zu versorgen und ihnen eine Zuflucht zu bieten – aber sie weinen und trauern auch gemeinsam, geben Trost und ein offenes Ohr, und feiern die überwältigende Hilfsbereitschaft ihrer moldawischen Nachbarn.

Noch weiß keiner, wie die Krise sich weiterentwickeln wird. Aber eines ist sicher: Die Menschen, die in der Ukraine geblieben sind und die, die flüchten konnten, brauchen langfristig unsere Unterstützung! Daher möchten wir uns besonders auch darauf konzentrieren, mit unseren Partnern langfristige Projekte zu erarbeiten, die den Menschen nachhaltig helfen und eine wirkliche Perspektive für die Zukunft bieten.

Dabei ist neben langfristiger Integration in Deutschland und anderen Ländern vor allem auch Trauma-Seelsorge in der Ukraine und in Nachbarländern angedacht. Familien, die Männer oder andere Familienangehörige im Krieg verloren haben, werden besondere Unterstützung benötigen. Zudem ist, sobald dies möglich werden sollte, Wiederaufbauarbeit in der Ukraine angedacht; dies könnte zum Beispiel dadurch umgesetzt werden, dass bereits bestehende Projekte unserer Partner – wie die 6 Kinderzentren und 2 Rehabilitationszentren, die Helping Hands schon in der Vergangenheit gefördert haben – bei einem Neuanfang unterstützt werden.

Das geht nur mit Ihrer Hilfe! Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

(Foto © NCM Moldova. An der moldawisch-ukrainischen Grenze.)

Ruhe im Chaos

Bereits über eine Million Menschen sind aus der Ukraine geflohen. Unsere örtlichen Partner kümmern sich in der Ukraine selbst sowie in Polen und Ungarn, Rumänien und Moldawien um die Betroffenen. Dabei verteilen in der Ukraine Einheimische Lebensmittel und Hygieneartikel, transportieren Flüchtende oder geben ihnen Unterkunft. An den Grenzen helfen zahlreiche Ehrenamtliche beim Übersetzen und Koordinieren, verteilen Wasser, bereiten warme Mahlzeiten zu oder nehmen Flüchtende bei sich zuhause auf.

Aus Ungarn berichtete der Leiter unserer Partnerorganisation nur drei Tage nach Beginn der Krise (Beitrag lesen).

Und der Direktor unseres Partners in Polen beschreibt: „Hier ist alles ziemlich chaotisch. Natürlich ändert sich die Situation von Augenblick zu Augenblick. Aber wir nehmen Menschen in Przyemysl in Empfang und leiten sie in unsere Zentren in Krakau und Posen weiter. Dort können sie sich erst mal ausruhen und beruhigen. Danach können sie sich entscheiden, wohin sie wollen. Auch viele andere Polen setzen sich für die Flüchtlinge ein.

Wir wollen nun ein Zentrum auf der polnischen Seite einrichten, um den Ankommenden erste Hilfe zu geben. Zudem sind wir in Kontakt mit dem Bürgermeister des nächsten ukrainischen Ortes. Dort herrscht absolutes Chaos. Wir wollen ihm helfen, den Flüchtlingen beizustehen, während sie darauf warten, die Grenze zu überqueren. Das sind natürlich nur kurzfristige Maßnahmen. Für uns heißt das Motto derzeit ‚Flexibilität‘. Zudem müssen wir schon jetzt überlegen, wie wir den Leuten langfristig helfen. Denn je länger dies dauert, desto schlimmer wird es.“

Wir haben in den letzten Jahren in der Ukraine und in allen Nachbarländern Entwicklungsprojekte gefördert sowie früher auch Lebensmittel und Medikamente geliefert. Jetzt möchten wir durch bestehende Kontakte den betroffenen Menschen langfristig helfen und in der Krise nicht nur Linderung, sondern auch eine Perspektive für die Zukunft schenken.

Die Geflüchteten, die örtlichen Partner und wir sind dankbar für jede Unterstützung! Sie können hier unter Stichwort „Ukraine-Krise“ wirkungsvoll helfen oder auf unser Konto bei der Kreissparkasse Gelnhausen überweisen (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394).

 

Foto © NCM Int. Das Bild zeigt Helfer unseres Partners in Polen an der polnisch-ukrainischen Grenze.

Ungarn hilft

In den letzten Tagen sind Hunderttausende aus der Ukraine in die Nachbarländer geflohen: nach Ungarn und Rumänien, Polen und Moldawien.

„Danke für deine Nachfrage in diesem Durcheinander“, schreibt der Leiter unserer Partnerorganisation in Ungarn. „Wir helfen den Flüchtlingen bereits, da sie ziemlich hilflos sind. Wir haben ein Team zusammengestellt, das auf der ungarischen Seite hilft. Aber wir waren auch schon drüben in der Ukraine und helfen dort. Die Bankautomaten in der Gegend funktionieren nicht mehr, sodass die Leute für unsere Hilfe sehr dankbar sind. Jetzt planen wir Luftmatratzen, Bettzeug und Lebensmittel zu kaufen, um den Leuten Notunterkünfte anzubieten.“

Mehrere der Gemeinden in der Gegend setzen sich ein. Jetzt treffen sich die Leiter, um die nächsten Schritte zu planen. Zunächst geht es um Soforthilfe, doch weitere Maßnahmen sind nötig.

Wenn Sie den Menschen in der Ukraine und Nachbarländern eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Unsere Partner in Ukraine und Umgebung

Die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine erschüttern uns alle. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit Partnern in der Ukraine und in den Nachbarländern zusammen, die auf vielfältige Weise Menschen am Rand der Gesellschaft unterstützen, zum Beispiel Obdachlose, Menschen mit Behinderung, Drogen- und Alkoholabhängige und Menschen, denen es wirtschaftlich schlechter geht. In der Ukraine haben wir u.a. in der Vergangenheit mehrere Rehabilitationszentren gefördert; in den Nachbarstaaten waren paXan-Jungerwachsenenteams mit praktischer Hilfe vor Ort. Jetzt sind wir besonders gefordert, unsere Partner zu unterstützen!

Unsere einheimischen Kollegen bleiben im Kontakt und arbeiten daran, den Menschen Hilfeleistung zu geben, die von der Gewalt unmittelbar betroffen sind bzw. aus ihrer Heimat fliehen müssen. Sie berichten, dass viele in unterirdischen Zufluchtsstätten schlafen und die Situation sich kontinuierlich verschärft.

Und natürlich ist nach jeder Katastrophe ein Wiederaufbau nötig. Dafür wollen wir bereit sein! Wir sind dankbar für jede Spende mit Vermerk „Ukraine-Krise“ (gerne online oder per Überweisung an IBAN DE56 5075 0094 0000 022394).

Sobald wir weitere Infos von unseren Partnern erhalten, werden weitere Beiträge ergänzt. Das Foto wurde heute früh (25. Februar) von einem Kollegen in Kiev gemacht.

Fatale Fluten und tödliche Trockenheit in Madagaskar

„Regenzeit“ – eigentlich sollte dieses Wort Hoffnung erwecken: auf fruchtbares Land, gefüllte Brunnen, grüne Wälder. Aber vor allem in Zeiten des Klimawandels bringt die Regenzeit oft mehr Zerstörung und Leid. So wie derzeit in Madagaskar: Dort gab es nach einem heftigen Sturm „Ana“ und zwei Wochen Regen starke Überschwemmungen und Landrutsche; am Wochenende traf ein weiterer Tropensturm „Batsirai“ die Insel. Vier bis sechs Zyklone werden noch vor Ende März, dem Ende der Regenzeit, erwartet.

Und bereits jetzt sind die Auswirkungen verheerend. Gebäude sind eingestürzt, Brücken beschädigt, Straßen unpassierbar, Schulen überflutet. Etwa 130.000 Menschen waren nach „Ana“ betroffen, Dutzende sind gestorben und 72.000 haben ihr Zuhause verloren, davon ca. 20.000 in der Hauptstadt Antananarivo. „Batsirai“ hat weitere 55.000 Menschen heimatlos gemacht und die Verwüstung ausgeweitet.

Unser Kollege vor Ort berichtet:

„Die Menschen sagen, dass sie Lebensmittel und Kleidung verloren haben, sogar die Ernte auf ihren Feldern, die sie nicht rechtzeitig abernten konnten. Manche leben in Zelten, andere in einem Stadion der Regierung, bunt gemischt, und das während der Pandemie; wir wissen nicht, wie es weitergehen soll.

Wir benötigen Essen, Decken, um die Menschen warm zu halten, und Matratzen. An einigen Orten werden Matratzen nur schwangeren Frauen gegeben, die anderen schlafen auf dem Boden. Als NCM Madagaskar hoffen wir, dass wir den Menschen hier helfen können, mit Matratzen, Decken und Lebensmitteln.“

Etwa tausend Kilometer weiter südlich haben die Menschen ganz andere Probleme. Hier im Ambovombe-Bezirk ist die Regenzeit seit Jahren ausgeblieben – die Folge ist extreme Dürre und die schlimmste Hungersnot, die das Land je erlebt hat. Aber auch in „normalen“ Jahren ist Wasser ein großes Problem. Die Frauen laufen oft viele Meilen zu einem Flüsschen oder Brunnen, um kleine Mengen Wasser zu bekommen. Das hat unter anderem zur Folge, dass 70% der Mädchen die Schule abbrechen, weil sie Wasser holen müssen. Auch Hygiene und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme sind eine große Herausforderung. Unser örtlicher Partner möchte sich daher in sechs Dörfern (ca. 4.200 Haushalte) für zuverlässige, gesunde und für Frauen sichere Wasserversorgung einsetzen. Wir sind derzeit im Gespräch, wie das am besten umgesetzt werden und Helping Hands sich daran beteiligen kann.

Wenn Sie den betroffenen Familien in Madagaskar eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Madagaskar“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.