Ayana will Ärztin werden

Im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, erhalten Schüler in der Arche-Schule eine echte Chance

Während Familien in Deutschland sich so langsam auf die Sommerferien freuen, sind die Arche-Schulkinder und ihre Lehrer in Kenia noch so richtig im Stress. Denn durch die Lockdowns hatten sie zweieinhalb Trimester („Terms“) Unterricht verpasst; das versucht die Schulbehörde alles wieder aufzuholen und hat pro Jahr ein weiteres Trimester eingeschoben und alles etwas gestaucht, sodass mehr Lernmaterial in weniger Zeit vermittelt werden soll. Dadurch begann das neue Schuljahr nicht im Januar, sondern im April, soll aber trotzdem bis Anfang November fertig sein – mit nur zweimal einer Woche Ferien. Ganz schön anstrengend!

Trotzdem sind alle froh, dass sie endlich wieder „normal“ in die Schule gehen dürfen. Anfangs noch mit Maske und Abstand – dafür wurden in den Schulhof der Arche Container gestellt, um mehr Raum zu haben; die Masken – für jede Klasse eine andere Farbe – wurden nachmittags in der Schule gewaschen und aufgehängt, sodass sie am nächsten Morgen wieder neu benutzt werden konnten. Inzwischen ist der Unterricht wieder ohne Maske möglich und in den gewohnten Klassenräumen. Nur die Zelte und Container stehen noch, da die Schule weitere 100 Kinder aus dem Kariobangi-Slum aufgenommen hat.

Im März gab es endlich wieder eine Absolvierungsfeier – welch ein Fest! Die Achtklässler freuten sich, dass sie nach den schweren Prüfungen so richtig feiern konnten; die Kindergartenkinder, die nun in die 1. Klasse aufrücken, marschierten stolz in ihren Roben auf die Bühne, die unter einem großen Zelt auf der neugepflasterten Straße vor der Schule aufgebaut worden war. Auch die Klassenfahrt der 8. Klasse in den Nairobi Nationalpark konnte wieder stattfinden – die Achtklässler des letzten Jahres wurden mit eingeladen – sowie die Freizeit, zu der traditionell alle „Highschooler“ eingeladen sind.

Aber auch wenn alle froh sind, dass der Unterricht wieder regulär stattfindet – das bringt auch Sorgen mit sich. Denn die Eltern konnten schon für drei „Terms“ kaum das Schulgeld aufbringen, für vier ist das den meisten geradezu unmöglich. Das Leben in den Slums wurde durch die Pandemie noch mehr zum Überlebenskampf, denn der Großteil der ohnehin dürftigen Einnahmequellen brach weg. Keine Touristen bedeutet keine Käufer für Schnitzereien und Handarbeiten auf den Massai-Märkten, keine Jobs in Hotels, kaum Abnehmer für Agrarprodukte … „Manche Familien sind so am Ende“, beschreibt unser örtlicher Partner die Lage.

Vor einigen Monaten haben wir das Helping Hands Patenschaftsprogramm auf die Arche-Schule in Nairobi ausgeweitet und die ersten Patenschaften vermittelt. Und gerade jetzt gibt es noch so viele Kinder und Familien, die dringend Unterstützung brauchen!

Eine davon ist Ayana*. Sie wohnt bei ihrer Tante und Onkel und drei älteren Cousinen. Geboren wurde sie in Äthiopien, wo ihre Mutter noch lebt. Doch nachdem der Vater starb, wurde die junge Mutter gezwungen, einen viel älteren Mann zu heiraten. Der mochte Ayana nicht und zwang die Tante, sie nach Kenia mitzunehmen.

Seit einigen Jahren besucht Ayana nun die Arche-Schule. Sie ist eine sehr gute Schülerin und hat vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften hervorragende Noten – Ärztin möchte sie einmal werden. „Wir sind guter Zuversicht“, sagt Bentina, ihre Schulleiterin, „dass sie diesen Traum auch verwirklichen kann, wenn sie weiter so gut lernt!“ Auch im sozialen Bereich zeichnet sie sich aus; bei Lehrern und Kameraden ist sie sehr beliebt und wurde zur Leiterin der Schülervertretung gewählt. Ihre Stärken sind besonders Schauspiel und Debatte; „sie kann Diskussionsgruppen sehr gut leiten, und zeigt wirkliche Reife in allen Bereichen“, lobt Bentina.

Doch wie bei vielen anderen Schülern steht Ayanas Familie vor großen Herausforderungen. Bentina berichtet: „Sie leben in einer Mietswohnung mit zwei Zimmern. Mit dem wenigen Geld, das ihr Onkel als Gelegenheitsarbeiter verdient, kann er kaum die Schulgebühren für seine eigenen Kinder bezahlen, die Grundbedürfnisse befriedigen und außerdem noch für Ayana sorgen.

Als Arche-Schulteam haben wir uns die Zeit genommen, die Familie zu Hause zu besuchen. Wir haben gesehen, in welch schlimmem Zustand die Familie ist. Sie können sich nicht mal jeden Tag eine Mahlzeit leisten. Deshalb sind wir überzeugt, dass Ayana wirklich Unterstützung für ihre Schulbildung braucht!“

Bald wird Ayana in eine Highschool außerhalb des Kariobangi-Slums aufrücken und ihrem Traum, einmal Ärztin zu werden, einen Schritt näher kommen – aber nur, wenn sich eine Möglichkeit findet, die hohen Schulgebühren zu begleichen. Und hunderte jüngere Kinder, die noch einige Jahre an der Arche-Schule vor sich haben, hoffen ebenso auf die Chance, ihren Traum für eine gute Schulbildung und einen „richtigen“ Beruf zu verwirklichen.

Wenn Sie durch eine Patenschaft dazu beitragen möchten, dass Ayana und ihre Kameraden und Kameradinnen diese Chance erhalten, dann kontaktieren Sie uns bitte oder füllen das Online-Formular aus (bei Region „Afrika“ wählen). Natürlich hilft auch eine einmalige oder monatliche Spende – dann bitte in der Online-Spende „Arche-Schule (Kenia)“ auswählen oder mit diesem Vermerk auf das Konto von Helping Hands e.V. überweisen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

 

* Name geändert

Genug Geld ist nicht alles

Das Schechem-Home auf den Philippinen schenkt Kindern und Familien die Chance auf einen Neuanfang

Danilo* lebt seit einiger Zeit im „Schechem Home“. Anfangs machte der Elfjährige den Mitarbeitern viel Sorgen. Nicht nur hatte er Schwierigkeiten sich zu konzentrieren oder überhaupt mal stillzuhalten, er griff auch die anderen Kinder an, boxte sie oder brüllte Schimpfwörter. Wenn er spielte, handelten seine Spiele immer von Krieg und Totschlag.

Und das hat Gründe. Viele Jahre lebte Danilo ständig unter Angst, fühlte sich nie sicher. Vor allem seine Mutter misshandelte ihn, oft auch der Vater. „Wenn ich daran denke, bin ich ganz traurig“, sagt er, „und ich vermisse meine Tante, die mir immer geholfen hat. Ich mach mir Sorgen um sie, dass meine Eltern sie vielleicht bedrohen.“

Danilo ist eines der Kinder, die aus einer OSEC-Situation (online sexual exploitation of children) befreit und ins Schechem-Home in Manila, Philippinen, gebracht wurden. Dort hat er für eine Zeitlang eine Heimat und eine neue Familie gefunden. Über mehrere Monate hinweg wird ihm durch verschiedene Therapien geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Und das hat schon einen großen Unterschied gemacht. Zwar fängt er immer noch ab und zu eine Rauferei an oder zieht sich in eine Ecke zurück, um zu weinen – so ein Trauma ist eben nicht in ein paar Therapiestunden beseitigt. Aber meist ist er freundlich und ausgeglichen, und auch seine Spiele drehen sich nun um ein positives Thema, wie der Therapeut berichtet: „Meist geht es nun um seine Erfahrungen, nachdem er und seine Geschwister nach Schechem gebracht wurden – also um eine Zeit, in der er viel Freude erfahren durfte. Er kann jetzt seine Geschichte viel befreiter erzählen.“

Auch um andere Bedürfnisse kümmert sich Schechem: zum Beispiel lernen die Kinder bessere Hygiene und Ordnung und werden im akademischen Bereich gefördert. „Ich habe hier lesen und schreiben gelernt“, erzählt Danilo, „das konnte ich nämlich vorher noch nicht.“

Zurzeit wohnen 12 „befreite“ Kinder zwischen 0 und 17 Jahren im Schechem-Home; regelmäßig kommen neue hinzu. Neben allen Grundbedürfnissen inklusive Schulbildung stehen vor allem auch ihre psychosozialen Bedürfnisse im Mittelpunkt, und für jedes Kind wird ein individuelles Therapieprogramm ausgearbeitet. Dazu gehört unter anderem eine wöchentliche Einzeltherapiestunde, tägliche Förderung durch die Hauseltern sowie einmal pro Woche eine spielbasierte kognitive Therapie in der Gruppe. Auch andere Aktivitäten haben heilende Funktion: zum Beispiel pflanzen vier Geschwister gerne Gemüse in dem kleinen Garten des Hauses und freuen sich gemeinsam darüber, wie das Gemüse wächst, wodurch sich ihre Geschwisterbeziehung deutlich verbessert hat, denn vorher waren sie sich eher fremd.

Bevor es für ein Kind Zeit wird, das Schechem-Home zu verlassen, wird intensiv geprüft, welche Situation für das Kind am sichersten und förderlichsten ist. Manchmal muss ein Kind mit starken psychischen Einschränkungen in eine längerfristige Einrichtung für weitere therapeutische Behandlung überwiesen werden. Oft können andere Verwandte gefunden werden, zum Beispiel Großeltern, Onkel und Tanten, oder auch eine Pflegefamilie, die dem Kind ein sicheres Zuhause bieten.

Und immer wieder können die Kinder auch nach Hause zurück, weil die Eltern gelernt haben, ihr Kind richtig zu schützen. „Wir dachten, genügend Geld zu verdienen, damit alle unsere Kinder versorgt sind, ist das einzig wirklich wichtige für unsere Kinder“, erklärt eine Familie, die an Schulungen von Schechem teilgenommen hat. „Aber jetzt wissen wir, dass Sicherheit für die Kinder genauso wichtig ist. Dass wir als Familie zusammenhalten und mehr auf die Gefühle der Kinder achten und sie unterstützen. Genug Geld für den Lebensunterhalt zu haben ist nicht das einzige, was zählt!“

Auch die Familie von Andrea* ist bereit für einen Neuanfang. Vor einigen Wochen kamen sie in Schechem zu Besuch, machten verschiedene therapeutische Aufgaben zusammen und führten viele Gespräche, um die Familiensituation zu klären. Als Andrea von ihrem Vater die allererste Umarmung bekam, brach sie in Tränen aus.

Wo Danilos Zuhause in Zukunft sein wird, ist noch nicht geklärt. Aber dank Schechem hat er gelernt, mit traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen umzugehen, und geht mit viel mehr Selbstbewusstsein und „Life Skills“ in seine Teenager-Jahre und in eine Zukunft, die nicht maßgeblich von den negativen Aspekten seiner Vergangenheit geprägt sein muss.

 

Das Schechem-Home ist unser Jahresprojekt 2022. Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Jahresprojekt 2022“ oder „Schechem Home“ (hier geht’s zur Online-Spende).

* Name geändert

Nicht mehr bei Null anfangen

Familien in Mongla im südwestlichen Küstengebiets Bangladesch kämpfen gegen die Folgen des Klimawandels

„Sehen Sie, hier, wo es feucht ist, bis dahin kommt das Wasser, wenn die Flut ihren höchsten Pegel erreicht hat.“

Wir stehen vor einer armseligen Hütte, errichtet aus getrockneten Gräsern und Palmblättern, der Boden festgetretene Erde. Ein altes Fischernetz ist über das Strohdach gespannt, damit in dem oft heftigen Wind nichts davonweht. An der Außenwand stehen ein paar Töpfe und Eimer, an Seilen flattern Kleider zum Trocknen. Keine zwei Meter vor der Türschwelle wird der Lehmboden auf einmal feucht: die Hochwasserkante, die den Hüttenbewohnern kaum genug Raum bietet, bei Flut ihren Eingang zu erreichen. Einen Meter weiter bricht das Flussufer jäh ab – mürbe, vom Wasser ausgefressen, nur ein paar Wurzeln halten den Lehm zusammen. Dahinter erstreckt sich, nach ein paar Metern Schlamm, der Pashur-Fluss, breit wie ein See, bedrohlich wie das Meer selbst.

„Früher war mein Haus da draußen“, erklärt Sukanta, dem die Hütte gehört, und er zeigt einige Bootslängen auf den offenen Fluss hinaus, wo sich das trübe Wasser träge im Wind kräuselt. „Aber das Flussufer ist immer weiter eingebrochen, also hab ich die Hütte weiter ins Land gebaut. Das war vor ein paar Jahren – da war der Fluss noch weit weg von hier.“

Warum er denn überhaupt hier baut, fragen wir.

„Ich besitze kein Land“, sagt er. „Ich habe keine andere Wahl.“

Ein Häuschen direkt am Flussufer, wo die sanft anrollenden Wellen einen abends in den Schlaf flüstern  – wie idyllisch klingt das in unseren Ohren! Für die Menschen in Chila und Chandpai im Bezirk Mongla im südwestlichen Bangladesch ist es eher lebensbedrohlich.

Denn da sind nicht nur die immer weiter ins Land drückenden Wellen aus der Bucht von Bengalen, die die Flussufer zerfressen wie Säure. Seit der Klimawandel weltweit das Wetter verrückt macht, werden Gebiete wie Mongla immer häufiger von verheerenden Wirbelstürmen heimgesucht, die nicht nur sintflutartigen Regen und orkanstarken Wind mit sich bringen, sondern auch baumhohe Flutwellen, denen Hütten wie die von Sukanta nicht standhalten können.

„Im letzten schlimmen Zyklon, dem Amphan, ist alles zusammengestürzt und fortgeschwemmt worden“, berichtet Sukanta. „Aber ich bin das gewöhnt – 33 Jahre bin ich jetzt alt, und ich kann mich erinnern, dass es seit meiner Kindheit bei jedem Wirbelsturm so war … und ich hab viele Wirbelstürme erlebt!“

Wie die anderen Menschen dieser Gegend hat Sukanta eine beeindruckende Unbeugsamkeit – den Mut, wieder und wieder neu anzufangen, auch wenn man alles verloren hat. Trotzdem – für seine Familie wünscht er sich etwas anderes, für seine Frau und die zwei Söhne, 9 Jahre und 9 Monate alt.

„Als beim letzten Wirbelsturm die Warnsignale kamen, hab ich sie geschnappt und zum nächstgelegenen Zyklon-Schutzraum gebracht“, erinnert er sich. „Dann bin ich zu unserer Hütte zurückgerannt, um auf unsere Sachen aufzupassen. Ich dachte nicht, dass das Wasser so weit kommen würde. Trotzdem habe ich vorsichtshalber alles in Päckchen verpackt – wir haben ja nicht viel. Als das Wasser dann doch kam, hab ich alles zur Straße geschleppt und da aufgestapelt. Und dann ist das Haus zusammengebrochen.“

Die Straße – eigentlich verdient sie diesen Namen nicht. Ein paar Ziegel und festgetretener Lehm, oben auf dem brüchigen Damm, gerade breit genug, dass zwei Motorräder aneinander vorbeikommen. Bei Überschwemmungen leben oft ganze Familien tage- oder gar wochenlang auf diesem schmalen Streifen Erde, während rechts und links das Wasser schwappt und man sich nie ganz sicher ist, ob es diese letzte Zuflucht nicht auch noch unter sich begräbt.

„Ich hatte Glück.“ Sukanta ist mit seiner Geschichte noch nicht fertig. „Es ist hier zwar alles weggeschwemmt worden, aber nur ein kurzes Stück. Nach dem Wirbelsturm, als das Wasser zurückgegangen war, konnte ich die Einzelteile wieder einsammeln – Holzpfosten und so. Dann hab ich erstmal eine provisorische Unterkunft gebaut, wo wir als Familie wohnen konnten. Und danach haben wir Nachbarn uns alle gegenseitig geholfen, unsere Häuser wiederaufzubauen. Das machen wir immer so.“

Den Mut, nach solch einer Katastrophe wieder bei Null anzufangen – das haben die Menschen in Mongla jedenfalls. Aber das muss nicht sein! Sicherlich – den Klimawandel und die daraus resultierenden Naturkatastrophen können Sukanta und seine Nachbarn nicht stoppen; hier sind andere gefragt, ihren Teil dazu beizutragen. Aber durch die richtigen Vorsorgemaßnahmen können Familien und Kommunen dafür sorgen, dass der Schaden nicht so groß ausfällt. Und durch Bewusstseinsbildung in bestimmten Bereichen und ein erhöhtes Einkommen können Menschen „Resilienz“ aufbauen, sodass sie und ihr Eigentum weniger gefährdet sind und nach der nächsten Katastrophe eben nicht ganz unten bei Null anfangen müssen.

„Mein größter Wunsch ist, dass ich ein besseres Haus für meine Familie an einem sicheren Ort bauen kann“, sagt Sukanta. „Aber dafür verdiene ich nicht genug.“ Als Fischer auf dem Fluss arbeitet er, an sich schon ein harter Job mit geringem Ertrag, aber neue Verordnungen der Regierung machen die Arbeit immer schwerer. Manchmal fischt er nachts, um der Küstenwache zu entkommen, aber das ist gefährlich. „Wenn ich nur die Möglichkeit bekommen würde durch dieses Projekt, von dem ihr redet, ein höheres Einkommen zu verdienen – das würde mir und meiner Familie immens helfen.“

Den mehr als 5000 bedürftigsten Familien in Chila und Chandpai ein besseres und vor allem durchgehendes Einkommen zu ermöglichen … sie darin zu unterstützen, ihre Lebensgrundlagen an die Klimawandelsituation anzupassen … ihre Haushalte und Dörfer so auf Katastrophen vorzubereiten, dass möglichst wenig an Menschenleben oder Hab und Gut verlorengeht … sie zu motivieren und auszurüsten, sodass sie ihre sozioökonomische Entwicklung selbst in die Hand nehmen können – das sind nur ein paar der Ziele, die sich unsere Kollegen für das Klimawandel-Projekt in Mongla gesteckt haben. Seit Oktober 2021 engagiert sich unser Partner in diesem umfassenden Projekt, das noch bis Frühjahr 2025 andauern wird. Und schon jetzt zeichnet sich die Hoffnung auf den Gesichtern der Projektteilnehmer ab.

Geht dein älterer Sohn zur Schule? fragen wir noch, bevor wir uns von Sukanta verabschieden.

„Ja“, sagt er nur. Aber man liest sie in seinem Gesicht: all die Träume, die er für seine Söhne hegt, die hoffnungsvollen Erwartungen – dass sie ihr Leben nicht damit zubringen werden, vor dem heranrückenden Flussufer zu fliehen, dass sie Notlagen zuversichtlich ins Auge schauen können, weil sie nicht nur den Mut, sondern auch die Ressourcen haben, dort weiterzumachen, wo der Sturm sie unterbrochen hat: und dass sie dann nicht mehr bei Null anfangen müssen.

 

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

Hoffnung für Unterwegs – in Polen

Augenzeugenbericht einer Flüchtenden aus der Ukraine in Polen

„Wer hätte gedacht, dass mindestens 4 Millionen ukrainische Flüchtlinge, insgesamt 7 Millionen Menschen, aus ihrer Heimat vertrieben werden?

Ich bin eine von ihnen. Stellt euch das vor.

Diese Woche hatten wir erneut Gelegenheit, Flüchtlingen an der Grenze zu Przemyśl zu helfen. Unser dortiges Team von Nazarene Compassionate Ministries ist etwas geschrumpft, aber eine Kerngruppe ist geblieben. Der Zustrom von Flüchtlingen hält an, und so bleibt NCM vor Ort.

Viele der Flüchtlinge sind verängstigt, erschöpft, verwirrt und besorgt. Es ist nicht leicht, die Grenze zu überqueren. Sie wissen, dass sie irgendwie in Sicherheit sind, aber die Angst bleibt.

Für viele war es eine lange Reise. Die Menschen brauchen viele Tage, um die Grenze zu erreichen, und sobald sie sie überquert haben, müssen sie sich in einem völlig neuen Land zurechtfinden. Zunächst müssen sie die Passkontrolle passieren und einen unbekannten Bahnhof durchqueren, während in ihren Ohren eine fremde Sprache klingt. Dann müssen sie den Bahnsteig verlassen und den Hauptbahnhof finden, um ein Zug- oder Busticket für ihr nächstes Ziel zu kaufen. Die meisten von ihnen sind Frauen, Kinder und Großmütter. Ich habe mindestens zwei ältere Frauen in den Achtzigern gesehen, die allein unterwegs waren und sich mit einer Handtasche und einer kleinen Tasche durchschlugen. Wie absolut mutig von ihnen, denke ich mir. Andere kommen mit großen Koffern und Taschen, die sie nicht die vielen Treppen hinauf und hinunter tragen können, sodass Freiwillige ihnen zu Hilfe eilen.

Wie viele Koffer, Taschen mit gerissenen Gurten und Haustierkoffer habe ich getragen! Die Menschen sind so benommen und gestresst. Sie haben Fragen und zögern, sie zu stellen, aber sie starren auf unsere gelben Westen. „добрий вечір!“ („Guten Abend!“), sage ich mit einem Lächeln. Und eine Welle der Erleichterung macht sich breit. „Ich muss…“, sagen sie. Einige musste herausfinden, wie sie zur Hauptbahnhofshalle kommen. Ein anderer brauchte eine kostenlose polnische Telefonkarte. Eine weitere Person wollte wissen, wie sie einen Bus in eine andere Stadt in Polen finden konnte. Andere brauchten eine Unterkunft für die Nacht.

Mittendrin sind die Menschen, die nach ihren Freunden oder Familienangehörigen suchen, die gerade ankommen. „Wann kommt der Zug aus Kiew an?“ Eine Frage, die wir nicht mit Gewissheit beantworten können, weil der Zug immer zu einer anderen Zeit ankommt. Und natürlich fragen auch viele: „Wo muss ich hin, um den Zug nach Kiew zu nehmen?“ In dieser Schlange stehen viele Männer, Journalisten und Amerikaner. Unter den ehrenamtlichen Helfern traf ich einen Mann aus Oregon, der erst vor zwei Wochen mit seiner Freundin angereist war und seitdem auf jede erdenkliche Weise hilft. Ein anderer junger Mann, den ich traf, kam allein aus Kanada. Er hat einen 9-Personen-Bus gemietet und fährt die Leute kostenlos herum. Gestern Abend füllte er seinen Wagen mit Menschen, die nach Krakau wollten. Es dauerte keine 20 Minuten, und schon waren sie weg.

Eine Flüchtlingsfamilie, der ich begegnete, hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt. Sie waren mit uns im Zug auf dem Weg nach Norden. Eine Großmutter, ihre Tochter und eine Enkelin in ihren Zwanzigern. Sie stammten aus Kharkiv, einem der am stärksten betroffenen Gebiete. Die Großmutter weinte ständig und dachte an ihren 40-jährigen Sohn, den sie zurücklassen mussten. Sie versuchte immer wieder, ihn anzurufen, aber er war den ganzen Tag nicht ans Telefon gegangen. Ihre Wohnung war völlig zerstört. Sie waren auf dem Weg nach Berlin.

Sie erzählten uns, dass der Zug aus Kharkiv, der normalerweise nicht mehr als 15 Waggons hat, bei der Evakuierung mindestens 30 hatte. Der Zug war so voll, dass in jedem Abteil, in dem normalerweise nur vier Personen Platz haben, bis zu 17 Personen saßen. Die Menschen standen überall verstreut auf dem Gang. Man wollte unbedingt so viele Menschen wie möglich unterbringen, und so fingen die Fahrgäste an, ihr eigenes Gepäck oder ihre Taschen aus dem Fenster zu werfen, nur um ein weiteres Kind oder eine weitere Person unterzubringen. Stellt euch das vor!

Die junge Frau erzählte uns, dass eine ihrer Freundinnen mit ihren Eltern geflohen war und sie es bis nach Österreich geschafft hatten. Als sie angekommen waren, erlitt der Vater der Freundin einen Nervenzusammenbruch.  Ich stellte mir vor, was er in der Ukraine durchgemacht haben muss: die Bombardierungen, die Luftschutzbunker, den Hunger, und dann die Flucht, der Weg über die Grenze, in einen überfüllten Zug steigen, ein neues Land nach dem anderen, eine neue Stadt nach der anderen, die langen Zugfahrten, und die ganze Zeit weiter und weiter weg von zu Hause. Er ist ein weiteres Opfer des Krieges.

Einer von 7 Millionen Vertriebenen.“

 

Dieser Bericht wurde von Sylvia Cortez geschrieben, die gemeinsam mit ihrem Mann die Arbeit unseres Partners in der Ukraine leitet und derzeit von Polen aus ihren Dienst fortsetzt. Der Bericht (mit Foto) wurde von unserer Partnerorganisation Nazarene Compassionate Ministries am 22. April veröffentlicht (https://ncm.org/blog/hopeforthejourneyinpoland).

 

Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Ein Name, eine Geschichte, eine Zukunft

Unser Partner in Rumänien schenkt Menschen aus der Ukraine Zuflucht

Menschen, die vor Krieg, Not und Terror flüchten – sie werden schnell zu „dem Flüchtlingsstrom“ oder zu „zwei Millionen Vertriebenen“ oder zu „der leidenden Zivilbevölkerung“. Aber jeder und jede einzelne von ihnen hat einen Namen, eine Heimat, eine Geschichte und eine Zukunft.

In Bukarest konnten Mitarbeiter unseres örtlichen Partners seit dem 25. Februar bisher 98 dieser Einzelpersonen kennenlernen. In zwei Wohnungen bieten sie Unterkunft für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und auf Durchreise sind in eine neue Heimat. Sie stellen ihnen alles Nötige zur Verfügung: ein sicheres und komfortables Obdach, Lebensmittel und Kleidung, Medikamente und Hygieneartikel. Sie helfen ihnen, Zug- oder Flugtickets zu kaufen, COVID-Tests zu bezahlen, von und zum Bahnhof oder Flughafen zu kommen und sich in Bukarest zurechtzufinden. Die, die in Rumänien bleiben möchten, unterstützen sie darin, die Ämter erfolgreich zu navigieren und eine langfristige Bleibe und einen Job zu finden.

Vor allem aber schenken sie den Menschen ein offenes Ohr, zeigen ihnen Liebe und Fürsorge, lachen und weinen mit ihnen, hören auf ihre Geschichten und interessieren sich für ihre Zukunft – und vergessen ihre Namen nicht. Mihaela*, eine unserer einheimischen Kolleginnen in Bukarest, hat uns von ein paar ihrer neuen Freunde erzählt.

Irina* kam mit ihren zwei kleinen Kindern und ihrer besten Freundin und deren Tochter nach Bukarest, nachdem sie aus Kharkov fliehen mussten – ohne ihre Männer, von denen sie sich in Kharkov verabschieden mussten und die sie nicht einmal bis zur Grenze begleiten konnten.

„Ich konnte gleich sehen, wie sehr sie sich bemühte, stark zu bleiben und sich nicht von ihren Gefühlen überwältigen zu lassen“, erinnert sich Mihaela .

Die Freundin wollte mit ihrer Tochter nach Spanien weiter; Irina plante, mit ihren Kindern in Italien bei Freunden Zuflucht zu suchen. Mihaela half ihr, geeignete Flugtickets zu finden. 400 Euro hatte Irina dafür; das reichte für die drei Tickets, nicht aber für die Gepäckgebühren.

„Das einzige Gepäck, dass sie für sich selbst und ihre zwei Kinder hatte, waren eine kleine Tasche und ein Rucksack mit Dokumenten“, beschreibt Mihaela. Als Irina die Gepäckgebühren sah, meinte sie: „Das kann ich mir nicht leisten, da muss ich das Gepäck wohl hierlassen.“ Aber das war alles, was sie besaß!

Mihaela hatte bereits beschlossen, dass sie das Ticket samt Gepäck selbst bezahlen wollte. Als Irina die Rechnung in rumänischen Lei sah und nach dem Eurowert fragte, winkte Mihaela ab: Es ist alles schon bezahlt.

„Das war der Moment, in dem sie die Fassung verlor und anfing zu weinen. Sie schaute mich an und sie sagte, ‚Es tut mir leid, ich weiß, ich muss für meine Kinder stark sein, aber ich kann das nicht mehr. 400 Euro ist das ganze Geld, was ich für mich und die Kinder hatte.‘ Sie konnte gar nicht aufhören zu weinen. ‚Seit ich in Rumänien angekommen bin, wurde ich einfach überwältigt von der ganzen Liebe‘, sagte sie, ‚ich weiß gar nicht was tun mit all dieser Liebe!'“

Inzwischen ist Irina mit ihren Kindern sicher in Italien angekommen und wohnt bei Freunden.

Maria*, 36 Jahre alt, wollte mit ihrer älteren Mutter und ihrem 16-jährigen Sohn aus Kharkov fliehen, als die Bombenangriffe begannen. Im Chaos der Flucht wurden sie vom Sohn getrennt, konnten ihn auch telefonisch nicht erreichen. In einem Konvoi erreichten sie die rumänische Grenze, kamen in Bukarest an – Maria außer sich vor Sorge, weil sie nicht wusste, wo ihr Sohn war.

Also nahm Mihaela Kontakt auf mit Kollegen in der Ukraine, die nicht ruhten, bis sie den Jungen gefunden und einen Ort mit Internetverbindung erreicht hatten, damit er mit der Mutter sprechen konnte. In einem Konvoi kam auch er an die rumänische Grenze. Dort nahm ihn ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in Empfang, setze ihn in einen Bus nach Bukarest, wo er wiederum von einem Mitarbeiter abgeholt wurde, der ihn zur Mutter und Großmutter brachte. „Vielen, vielen Dank, meine großherzigen rumänischen Freunde“, schrieb Maria an Mihaela, „ich halte jetzt endlich meinen Sohn im Arm!“

Maria, ihr Sohn und ihre Mutter sind jetzt in Deutschland bei Freunden untergebracht.

Aber Zuflucht finden nicht nur die, die aus der Ukraine flüchten – sondern auch solche, die dorthin zurückkehren. Für zwei Nächte waren fünf Männer in einer der Unterkünften in Bukarest zu Gast. Sie arbeiteten im Ausland, als der Krieg begann, gaben sofort ihre Jobs auf und setzten sich in einen Zug nach Bukarest, um von dort weiter in die Ukraine zu reisen.

„Diese Männer hatten all ihre Familien, Frauen, Kinder, Eltern, Geschwister, in Kharkov“, beschreibt Mihaela. „Und als sie hörten, dass die Stadt bombardiert wurde und sie keinen Kontakt zu ihren Familien bekamen, wurden sie fast verrückt vor Sorge.“ Doch trotz der Furcht und Unsicherheit drückten die Männer auch eine tiefe Dankbarkeit aus. Als sie in der Unterkunft ankamen und erfuhren, dass sie für ein solch komfortables Zimmer nichts bezahlen brauchten, waren sie sprachlos und zwei begannen zu weinen.

Nach zwei Tagen fanden sie Zugtickets in die Ukraine und Mihaela kam, um sich zu verabschieden. „Einer der Männer kam zu mir, und die Tränen liefen seine Wangen hinunter. ‚Wir werden uns wahrscheinlich nie wiedersehen‘, sagte er, ‚ich gehe in die Heimat, mit all meinen Freunden, und wenn wir unsere Familien finden, dann werden wir sicherstellen, dass sie hierherkommen, und wir hoffen, dass ihr ihnen so viel Liebe zeigt, wie ihr uns gezeigt habt!'“

Jeder Mensch, der aus der Ukraine flüchtet, hat eine Geschichte – und eine Zukunft. Damit es eine Zukunft mit Hoffnung ist, dafür setzen wir und unsere Partner in Rumänien und Moldawien, Ungarn und Polen ein. Das geht nur mit Ihrer Hilfe! Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

(Foto © NCM Romania. Unterkunft in Bukarest.) * Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Erschöpft. Traumatisiert. Entwurzelt.“

„Die Menschen sind erschöpft. Ungeduscht. Traumatisiert. Sie sind entwurzelt, unentwegt unterwegs, die Informationen sind unzureichend und verwirrend, den meisten fällt es schwer, eine Entscheidung zu treffen. Viele lassen sich einfach so vom Flüchtlingsstrom mittreiben. Meist sind es Frauen und Kinder – die Männer müssen ja dableiben.“

Seit drei Wochen sind die Mitarbeiter unserer örtlichen Partner in Polen, Ungarn und Moldawien unermüdlich im Einsatz an den Grenzen. Sie heißen Geflüchtete willkommen, helfen ihnen, sich durch das Chaos an Informationen durchzuwühlen, leiten sie an sichere Orte weiter. Fast ständig klingeln die Handys, wird koordiniert, ermutigt, zugehört, vermittelt, getröstet.

Manche der Flüchtenden kommen zu Fuß, andere mit dem Zug. Manche schleppen ihr wichtigstes Hab und Gut in Tüten und Taschen mit, andere konnten kaum etwas retten. Manche haben Pässe, andere nicht. Manche wissen genau, wo sie hinwollen – meist zu Freunden oder Verwandten in anderen Ländern – und haben das Geld, um dort hinzukommen, andere kommen ohne Kontakte, ohne Pläne, mit wenig Geld und keiner Ahnung, was der nächste Schritt sein könnte. Und wieder andere gehören zu Randgruppen und Minderheiten: Menschen, die schon immer weniger Chancen hatten, die vielleicht schon ein oder mehrere Male in ihrem Leben flüchten mussten, die auch jetzt scheinbar weniger willkommen sind als andere. Sie leiden am meisten.

Mehrere Millionen sind inzwischen auf der Flucht. Die meisten flüchten nach Polen, viele andere nach Ungarn, nach Rumänien und Moldawien. Unsere Partner bemühen sich, ihnen zu helfen:

In Ungarn sind die Mitarbeiter seit Beginn der Krise auf beiden Seiten der Grenze aktiv. Unter anderem werden Notunterkünfte angeboten und logistische Hilfe geleistet.

In Polen wird zurzeit ein sogenannter „sicherer Ort“ direkt an der Grenze nahe des Bahnhofs eingerichtet, in dem Familien etwas ausruhen können, die Kinder spielen, die Mütter ihre Handys laden, und vor allem auch eine Dusche nehmen und in saubere Kleidung wechseln. Auch ist ein Zentrum geplant, in dem sich verschiedene Helfer an der Grenze austauschen können und ihre Aktionen besser koordinieren, sodass allen sinnvoll geholfen wird.

In Rumänien sind ehrenamtliche Helfer vor Ort seit dem 27. Februar damit beschäftigt, Geflüchteten in Bukarest eine Unterkunft anzubieten, bevor sie weiterreisen. An zwei Orten wurden mehrere Zimmer mit Stockbetten und allem Nötigen ausgestattet, um die Menschen willkommen zu heißen. Fahrdienste, warme Mahlzeiten, Telefonkarten, Medizin, Zug- und Flugtickets und viele Stunden des Zuhörens und der Ermutigung gehören mit zur Gastfreundschaft, die den Besuchern geschenkt wird. Viele dutzende Familien und Einzelpersonen konnten hier schon Zuflucht finden; manche bleiben ein oder zwei Nächte, andere eine ganze Woche.

Und auch in Moldawien, wo der Leiter unseres Partners selbst Ukrainer ist, wird ganz selbstverständlich geholfen: Sie halten stetigen Kontakt zu Bekannten und Verwandten in der Ukraine, fahren zur Grenze, um Menschen abzuholen, öffnen ihre Häuser, um Familien mit Unterkunft und Verpflegung zu versorgen und ihnen eine Zuflucht zu bieten – aber sie weinen und trauern auch gemeinsam, geben Trost und ein offenes Ohr, und feiern die überwältigende Hilfsbereitschaft ihrer moldawischen Nachbarn.

Noch weiß keiner, wie die Krise sich weiterentwickeln wird. Aber eines ist sicher: Die Menschen, die in der Ukraine geblieben sind und die, die flüchten konnten, brauchen langfristig unsere Unterstützung! Daher möchten wir uns besonders auch darauf konzentrieren, mit unseren Partnern langfristige Projekte zu erarbeiten, die den Menschen nachhaltig helfen und eine wirkliche Perspektive für die Zukunft bieten.

Dabei ist neben langfristiger Integration in Deutschland und anderen Ländern vor allem auch Trauma-Seelsorge in der Ukraine und in Nachbarländern angedacht. Familien, die Männer oder andere Familienangehörige im Krieg verloren haben, werden besondere Unterstützung benötigen. Zudem ist, sobald dies möglich werden sollte, Wiederaufbauarbeit in der Ukraine angedacht; dies könnte zum Beispiel dadurch umgesetzt werden, dass bereits bestehende Projekte unserer Partner – wie die 6 Kinderzentren und 2 Rehabilitationszentren, die Helping Hands schon in der Vergangenheit gefördert haben – bei einem Neuanfang unterstützt werden.

Das geht nur mit Ihrer Hilfe! Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

(Foto © NCM Moldova. An der moldawisch-ukrainischen Grenze.)

Die glücklichsten Kinder der Welt

Weihnachtsfreude in Albanien, Rumänien und Bulgarien

„Wir sind so dankbar, dass ihr an die Menschen hier in Albanien gedacht habt. Wir sind dankbar, dass ihr mit euren Gaben hunderten von Kindern und Erwachsenen Freude geschenkt habt!“

Weihnachtspäckchen schenken Weihnachtsfreude! 603 Weihnachtspäckchen konnten wir im Dezember 2021 nach Albanien und Rumänien schicken; der Transport nach Albanien enthielt auch etliche Kartons mit Schulmaterial (inklusive 56 Schulpäckchen) sowie selbst­gestrickten Socken, Schals und Mützen.

Aus Rumänien, wo 88 ältere Menschen in Sighişoara ein Päckchen erhielten, erreichte uns dieses Dankeschön der 76-jährigen Doamna:

„Ich möchte all den treuen Menschen danken, die es schaffen, uns diese wunder­baren Pakete zu schicken, die mir große Freude bereiten, denn ich kann mir keinen guten Kaffee, keine Schoko­lade, keine Vitamine und keine Hand­creme leisten. Ich habe eine schwierige Familien­situation, weil einer der Jungen krank ist und nicht arbeiten kann. Mit diesem Paket kann ich den Menschen in meiner Umgebung eine Freude machen. Ich fühle mich verwöhnt und wichtig! Ich bin froh, dass jemand an mich denkt und danke Ihnen von ganzem Herzen für das Geschenk, das ich erhalten habe. Gott segne Sie!!!“

Und aus Albanien berichtet Gesti, der Leiter unseres örtlichen Partners:

Heutzutage ist es bei uns für die Kinder sehr schwer, die Liebe und Fürsorge zu bekommen, die sie brauchen. Wir leben in einer sehr harten Gegend, in der die meisten Menschen ums Überleben kämpfen. Daher sehen wir es als Team als sehr wichtig an, den Kindern, denen wir dienen, etwas Freude zu bringen. Wir sind so glücklich, dass wir in dieser Weihnachtszeit einige hundert Menschen treffen und sie glücklich machen und ihnen eine Freude bereiten konnten!

Wenn wir in die Dörfer fahren, die nur etwa 20 Minuten von der Hauptstadt Tirana entfernt sind, sind wir so traurig zu sehen, wie bedürftig die Menschen dort sind. Die Kinder starren uns an in der Hoffnung, dass wir ihnen etwas bringen, das sie glücklich macht, oder auch etwas zu essen, wenn sie vielleicht schon eine Weile nichts mehr gegessen haben. Es ist schwer vorstellbar, dass wir im 21. Jahrhundert diese Art von Problemen haben. Aber wir sind so dankbar, dass einige deutsche Geschwister uns dabei geholfen haben, in dieser Weihnachtszeit Geschenke und Weihnachtsfreude zu überbringen.

Wir besuchten die Schule in Pezë und trafen uns mit dem Direktor, ein Mann um die 50, studiert und gut ausgebildet, aber ohne Hoffnung. „Ich habe ein bisschen geforscht im letzten Jahr“, sagte er, „und herausgefunden, dass die meisten Familien in diesem Dorf mit weniger als 2 Dollar pro Tag überleben. Diese Päckchen für die Familien sind also ein großer Segen für sie!“ Also haben wir 160 Päckchen an die Schüler in Pezë verteilt.

Wir brachten die Päckchen in die Klassenzimmer und wollten mit ihnen Hoffnung schenken. Einer der Jungs bekam sein Päckchen und war so glücklich, dass er anfing, das Päckchen zu küssen und mit ihm zu sprechen: „Ich liebe dich, ich liebe dich!“ Das hat mich wirklich berührt und ich bin hingegangen und habe ihn umarmt. Wir sagten allen Kindern, dass diese Päckchen mit einer großen Liebe von Freunden aus Deutschland kommen.

Auf der Rückfahrt nach Tirana hielten wir an der Schule in Sharrë, die so klein ist und so wenige Lehrer hat, dass mehrere Klassen in einem Raum unterrichtet werden. Als wir dort anhielten, unterbrach der Direktor den Unterricht und schickte alle Kinder vor das Schulgebäude. Ich werde nie ihre Gesichter vergessen, als sie die Päckchen erhielten. Sie sahen aus wie die glücklichsten Kinder der Welt. Eines der glücklichen Kinder sagte: „Ich hab noch nie ein Geschenk bekommen, weil meine Eltern mir nichts schenken.“

Diese Päckchen, auch wenn sie nur eine Kleinigkeit sind, haben eine große Wirkung auf die Kinder und Familien! In unserem Kinderzentrum organisierten wir eine besondere Weihnachtsfeier für alle Kinder und Eltern. Nach der Feier haben wir die Päckchen an die Kinder verteilt und sie damit glücklich gemacht. Auch in einem Waisenhaus in Tirana konnten wir Päckchen verschenken. Wir haben bei unserem Besuch Kinder mitgebracht und sie haben miteinander gespielt; so haben die Päckchen auch dazu beigetragen, dass die Kinder, die es wirklich nötig haben, mit anderen Kindern in ihrem Alter Zeit verbringen konnten und Liebe spürten. Es war eine tolle Zeit!

Wir besuchten auch ein Kinderkrankenhaus, wo besonders Kinder aus ländlichen Familien sind, die sich kein gutes Krankenhaus leisten können. Das war eine sehr schwierige Situation, und wir waren wirklich berührt, als wir die Kinder und ihre Mütter kennenlernten! Eine Mutter fragte, ob in den Paketen auch etwas zu essen sei, da das Krankenhaus nur für die Kinder etwas anbietet. Als wir die Päckchen an die Kinder verteilten, waren sie sehr glücklich und die Mütter waren noch glücklicher als die Kinder.

Aus Spenden für den Weihnachtstransport konnte in Albanien auch ein ganz besonderes Weihnachtsfestmahl für die Kinder und Familien unseres Kinderzentrums in Kombinat bezahlt werden – bereits zum vierten Mal.

„Es ist eine Zeit, die nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern lieben. Die Kinder beginnen zwei Wochen vor der Weihnachtsfeier mit den Vorbereitungen, basteln Einladungen und laden dann ihre Eltern ein, an ihrer Feier teilzunehmen. Wir wollen, dass die Kinder das Gefühl haben, dass es ihre Einladung für die Eltern zu diesem besonderen Essen ist! Sie sind alle begeistert, weil es eine besondere Zeit ist und sie alle auch Geschenke bekommen.“

Insgesamt 65 Personen kamen ins Restaurant, setzten sich an die reichgedeckten und schön geschmückten Tische und fühlten sich willkommen. „Es war ein sehr schönes Essen mit Fleisch und anderen guten Speisen, die alle genossen. Lehrerin Vera begrüßte zu Beginn alle und sagte ein paar gute Worte, damit sich alle wohlfühlten. Einige Kinder sagten auch ein Dankeschön, und dann konnte man sehen, wie alle glücklich waren, sich auf das Essen konzentrierten und miteinander sprachen.“ Später gab es noch eine große Torte und ein Geschenk für jedes einzelne Kind. „Die Kinder waren so glücklich, dass sie alle vergaßen, im Restaurant zu sein, und vor lauter Freude laut zu jubeln begannen. Es war eine Zeit, die sie alle genossen und von der sie noch lange gesprochen haben.“

 

Nach Bulgarien haben wir in diesem Transport keine Päckchen gesendet. Denn im Dezember schrieb Zhana, Leiterin unseres örtlichen Partners:

„Die Corona-Krise hat so viel Trauer und Chaos in unseren Dörfern verursacht, aber sie bot den Menschen auch die Möglichkeit, mit ihren bedürftigen Nachbarn zu teilen. Was wir in den letzten anderthalb Jahren erleben, ist eine beispiellose Reaktion auf die Krisen. Mit Freude sehen wir, dass Christen und Nichtchristen mehr und mehr Verantwortung übernehmen, um sich um Menschen in Not zu kümmern. Wir können den Herrn für diese Entwicklung nur loben, denn das ist es, wofür wir jahrelang gebetet und wovon wir geträumt haben. Das Ergebnis ist, dass wir in der Lage sind, die unmittelbaren Bedürfnisse der bedürftigen Menschen unter uns zu erfüllen. Und das alles begann mit euren Päckchen und Gaben über so viele Jahre hinweg! Wir beobachten diese wunderbare Entwicklung in allen Dörfern, in denen wir den Menschen dienen.“

Stattdessen werden mit Spenden aus dem Weihnachtstransport die Schulen in Vidrare und Tarnava unterstützt, die mit einem sehr geringen Budget auskommen müssen und es sich daher kaum leisten können, das Gebäude genügend zu heizen oder gar eine Schulmahlzeit anzubieten – doch die Kinder sind von 9.00 bis 16.30 Uhr im Unterricht! Daher werden derzeit mit unseren Spenden die Heizkosten unterstützt und für jedes Kind eine warme Mahlzeit bereitgestellt.

„Unser Ziel ist es, den Familien zu helfen und dafür zu sorgen, dass kein Kind mit leerem Magen nach Hause geht und in der Schule nicht friert. Mit eurer großzügigen Spende bringt ihr eine große Erleichterung für unsere Schulen hier, die versuchen, so gut es geht die Kinder unter den derzeitigen unsicheren Umständen angemessen zu versorgen.“

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die durch Päckchen oder Spenden zu dieser Weihnachtsaktion beigetragen und es uns ermöglicht haben, in Albanien, Rumänien und Bulgarien Weihnachtsfreude weiterzugeben!

Ruhe im Chaos

Bereits über eine Million Menschen sind aus der Ukraine geflohen. Unsere örtlichen Partner kümmern sich in der Ukraine selbst sowie in Polen und Ungarn, Rumänien und Moldawien um die Betroffenen. Dabei verteilen in der Ukraine Einheimische Lebensmittel und Hygieneartikel, transportieren Flüchtende oder geben ihnen Unterkunft. An den Grenzen helfen zahlreiche Ehrenamtliche beim Übersetzen und Koordinieren, verteilen Wasser, bereiten warme Mahlzeiten zu oder nehmen Flüchtende bei sich zuhause auf.

Aus Ungarn berichtete der Leiter unserer Partnerorganisation nur drei Tage nach Beginn der Krise (Beitrag lesen).

Und der Direktor unseres Partners in Polen beschreibt: „Hier ist alles ziemlich chaotisch. Natürlich ändert sich die Situation von Augenblick zu Augenblick. Aber wir nehmen Menschen in Przyemysl in Empfang und leiten sie in unsere Zentren in Krakau und Posen weiter. Dort können sie sich erst mal ausruhen und beruhigen. Danach können sie sich entscheiden, wohin sie wollen. Auch viele andere Polen setzen sich für die Flüchtlinge ein.

Wir wollen nun ein Zentrum auf der polnischen Seite einrichten, um den Ankommenden erste Hilfe zu geben. Zudem sind wir in Kontakt mit dem Bürgermeister des nächsten ukrainischen Ortes. Dort herrscht absolutes Chaos. Wir wollen ihm helfen, den Flüchtlingen beizustehen, während sie darauf warten, die Grenze zu überqueren. Das sind natürlich nur kurzfristige Maßnahmen. Für uns heißt das Motto derzeit ‚Flexibilität‘. Zudem müssen wir schon jetzt überlegen, wie wir den Leuten langfristig helfen. Denn je länger dies dauert, desto schlimmer wird es.“

Wir haben in den letzten Jahren in der Ukraine und in allen Nachbarländern Entwicklungsprojekte gefördert sowie früher auch Lebensmittel und Medikamente geliefert. Jetzt möchten wir durch bestehende Kontakte den betroffenen Menschen langfristig helfen und in der Krise nicht nur Linderung, sondern auch eine Perspektive für die Zukunft schenken.

Die Geflüchteten, die örtlichen Partner und wir sind dankbar für jede Unterstützung! Sie können hier unter Stichwort „Ukraine-Krise“ wirkungsvoll helfen oder auf unser Konto bei der Kreissparkasse Gelnhausen überweisen (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394).

 

Foto © NCM Int. Das Bild zeigt Helfer unseres Partners in Polen an der polnisch-ukrainischen Grenze.

Ungarn hilft

In den letzten Tagen sind Hunderttausende aus der Ukraine in die Nachbarländer geflohen: nach Ungarn und Rumänien, Polen und Moldawien.

„Danke für deine Nachfrage in diesem Durcheinander“, schreibt der Leiter unserer Partnerorganisation in Ungarn. „Wir helfen den Flüchtlingen bereits, da sie ziemlich hilflos sind. Wir haben ein Team zusammengestellt, das auf der ungarischen Seite hilft. Aber wir waren auch schon drüben in der Ukraine und helfen dort. Die Bankautomaten in der Gegend funktionieren nicht mehr, sodass die Leute für unsere Hilfe sehr dankbar sind. Jetzt planen wir Luftmatratzen, Bettzeug und Lebensmittel zu kaufen, um den Leuten Notunterkünfte anzubieten.“

Mehrere der Gemeinden in der Gegend setzen sich ein. Jetzt treffen sich die Leiter, um die nächsten Schritte zu planen. Zunächst geht es um Soforthilfe, doch weitere Maßnahmen sind nötig.

Wenn Sie den Menschen in der Ukraine und Nachbarländern eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Unsere Partner in Ukraine und Umgebung

Die Bilder und Nachrichten aus der Ukraine erschüttern uns alle. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit Partnern in der Ukraine und in den Nachbarländern zusammen, die auf vielfältige Weise Menschen am Rand der Gesellschaft unterstützen, zum Beispiel Obdachlose, Menschen mit Behinderung, Drogen- und Alkoholabhängige und Menschen, denen es wirtschaftlich schlechter geht. In der Ukraine haben wir u.a. in der Vergangenheit mehrere Rehabilitationszentren gefördert; in den Nachbarstaaten waren paXan-Jungerwachsenenteams mit praktischer Hilfe vor Ort. Jetzt sind wir besonders gefordert, unsere Partner zu unterstützen!

Unsere einheimischen Kollegen bleiben im Kontakt und arbeiten daran, den Menschen Hilfeleistung zu geben, die von der Gewalt unmittelbar betroffen sind bzw. aus ihrer Heimat fliehen müssen. Sie berichten, dass viele in unterirdischen Zufluchtsstätten schlafen und die Situation sich kontinuierlich verschärft.

Und natürlich ist nach jeder Katastrophe ein Wiederaufbau nötig. Dafür wollen wir bereit sein! Wir sind dankbar für jede Spende mit Vermerk „Ukraine-Krise“ (gerne online oder per Überweisung an IBAN DE56 5075 0094 0000 022394).

Sobald wir weitere Infos von unseren Partnern erhalten, werden weitere Beiträge ergänzt. Das Foto wurde heute früh (25. Februar) von einem Kollegen in Kiev gemacht.