paXan 2018 Belarus:
Nicht unverändert

paXan 2018 Belarus

Es war der Moment, in dem unsere Freunde zum ersten Mal ihre neue Werkstatt benutzen durften, der uns wohl am meisten in Erinnerung bleiben wird: die Freude auf ihren Gesichtern, diese Zufriedenheit, der Stolz, dass sie nun endlich selbst sägen, schmirgeln und schrauben konnten. Eine Woche lang hatten sie sich im Hintergrund gehalten, hatten geduldig gewartet, während Werkstatt und Gartenraum langsam entstanden, immer mal interessiert aber diskret hereingelugt, was die deutschen Besucher so alles schufen.

Und auch für uns als paXan-Team war dieser Montag ein ganz besonderer Tag. Acht Arbeitstage lang hatten wir zu Siebt – mit gelegentlicher weißrussischer, russischer und italienischer Unterstützung – in Kooperation mit einem staatlichen Sozialzentrum in Minsk an drei Projekten gearbeitet. In einem Gebäude des Sozialzentrums durften wir für Menschen mit Behinderung eine Holzwerkstatt einrichten, in der jetzt Vogelhäuschen zum Verkauf hergestellt werden, sowie einen „Gartenraum“ gestalten, der einerseits als gemütlicher Raum der Entspannung dient und andererseits mit vier portablen Hochbeeten und Anzucht aus Samen auch zum Erwerb beiträgt. Zeitgleich wurde in einem anderen Gebäude des Sozialzentrums ein Kinderraum kleinkindersicher renoviert und mit einem beeindruckenden Wandgemälde verziert. Und zusätzlich fand in diesem Gebäude nachmittags noch unser traditionelles Kinderprogramm statt: Von Montag bis Freitag spielten, sangen, erzählten, bastelten und lachten wir mit bis zu 25 Kindern aus sozialschwachen Familien, von denen einige wohl noch nie solch ein Ferienprogramm miterlebt hatten und nun begeistert auf den Kinderclub warten, der im September hier beginnen soll.

Es war kein leichter Weg bis zu diesem Montagmorgen im Sozialzentrum in Minsk. Unzählige Hürden jeglicher, aber vor allem visatechnischer, Art mussten überwunden werden, bis das Team überhaupt mehr oder weniger vollständig in Weißrussland angekommen war. Dann folgte ein typischer paXan-Einsatz: wenig Schlaf, ca. 15 Arbeitsstunden pro Tag, kaum Pausen, kulinarische Abenteuer, unerwartete Herausforderungen mit kreativen Lösungsansätzen (neu in diesem Jahr war zum Beispiel die erfolgreiche Rattenjagd), aber auch viel gute Gemeinschaft und lange Gespräche, vollster Einsatz der individuellen Begabungen, Lachanfälle zu später Stunde, neue Freundschaften und sehr, sehr viele Erinnerungen, Eindrücke, Erfahrungen, Erkenntnisse … sodass sich sicherlich kein Teilnehmer unverändert auf den Heimweg machte.

Aber vorher kam ja noch der Montag, den wir uns freigehalten hatten, um uns dem zu widmen, was paXan vor allem ausmacht: Zeit mit Menschen zu verbringen und auch denen echte Wertschätzung zu vermitteln, die sonst vielleicht nicht so wertgeachtet werden. Am Vormittag öffneten wir die fertige Werkstatt für die Menschen mit Behinderung, die in diesem Sozialzentrum ihre Wochentage verbringen, und halfen ihnen beim Erforschen der verschiedenen Arbeitsstationen, die wir arbeitssicherheitsgerecht eingerichtet hatten. Dass uns dabei vier Fernsehsender filmten und unser Einsatz unter anderem abends in den „National News“ erschien, sollte nur am Rande erwähnt werden. Bis zur Mittagszeit waren Kameras, Reporter und Aufregung verschwunden und wir konnten den Nachmittag ganz in Ruhe mit den Menschen mit Behinderung verbringen: beim Basteln von Rhythmusinstrumenten, einem Rhythmus-Workshop, ein bisschen Tanzen, Geburtstag feiern und Basteln mit Ton. Zwischendrin ruhte sich der eine oder andere im Gartenraum aus und freute sich über das frische Grün in Hochbeeten und Mini-Wintergarten. Und es sind diese Stunden, die wir als paXan-Team besonders mit nach Hause nahmen: ein paar entspannte Stunden, in denen die Menschen im Mittelpunkt standen und wir aus ihrem fröhlichen Lachen und ihren dankbaren und zufriedenen Mienen dieselbe Wertschätzung erfahren durften, die wir ihnen durch diesen paXan-Einsatz vermitteln wollten.

 

© 2018 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Weihnachtsfreude 2017

661 Weihnachtspäckchen machten sich Anfang Dezember in zwei LKWs von Gelnhausen in Mittelhessen auf den langen Weg ins rumänische Siebenbürgen und in die bulgarischen Berge. Nur wenige Tage später trafen sie dort ein, und die Weihnachtspäckchen wurden mit derselben Begeisterung von fleißigen Helfern entladen wie in den Vorjahren.

Ein Kollege in Rumänien berichtet über die Verteilung in einer Roma-Siedlung:

“Wir hatten eine wirklich gesegnete Zeit dabei, die Päckchen zu verteilen – in jedem einzelnen Haus, das wir betreten haben. Manche weinten Tränen der Freude und Dankbarkeit. Viele Menschen, denen wir ein Päckchen gaben, sind sehr einsam. Ich glaube, dass für einige von ihnen dieses Päckchen das einzige ist, was sie diesen Weihnachten erhalten werden. Im Namen dieser Menschen möchte ich mich ganz herzlich bei euch bedanken!”

Und unsere Kollegin in Bulgarien erzählt:

Penka (Name geändert) ist neun Jahre alt und lebt in Vidrare, einem Dorf in den bulgarischen Bergen. Als Baby wurde sie tief im Wald ausgesetzt; niemand weiß, wer ihre biologischen Eltern sind. Eine Familie, die dort im Wald wohnte, fand das kleine Mädchen und nahm sie mit nach Hause, obwohl sie selbst sehr arm sind. Die Behörden halfen ihnen, alles Gesetzliche zu regeln, und Penka wurde ein Teil der Familie.
Als das Mädchen älter wurde, merkte ihre Adoptivfamilie, dass sie einige Schwierigkeiten hatte und sich geistig und körperlich nicht so gut entwickelte. Aber weil sie Penka liebten, kümmerten sie sich weiter um das Kind, anstatt sie in ein Heim zu geben. Mit 5 Jahren, als Penka begann, den Kindergarten in Vidrare zu besuchen, war sie hyperaktiv und konnte noch überhaupt nicht sprechen. Aber ab diesem Moment wurde alles anders für sie! Denn im Kindergarten wurde sie von einer sonderpädagogischen Lehrerin individuell betreut und erhielt auch andere fachkundige Hilfe. Jetzt ist Penka in der zweiten Klasse; das Sprechen hat sie längst gelernt.
Der Bürgermeister von Vidrare setzte sich dafür ein, dass Penkas Familie aus den Bergen in ein Haus im Dorf ziehen konnte, für das sie keine Miete zahlen müssen. Andere Dorfbewohner halfen der Familie, genügend Holz für den Winter zu sammeln. Das ist eine große Hilfe – und dank der Unterstützung des Bürgermeisters konnte die Mutter sogar eine Arbeitsstelle finden. Trotzdem ist die Familie weiterhin sehr arm und hat kaum etwas übrig; für Geschenke und auch manche notwendige Dinge reicht es nicht. Deshalb freute die Familie sich ganz besonders über das Weihnachtspäckchen! Penkas Mutter sagte:
“Alles in diesem Päckchen war so dringend notwendig! Ich würde nie Vitamine kaufen, auch wenn ich weiß, dass sie nötig sind. Und ich würde nicht mal im Traum dran denken, Gummibärchen zu kaufen, weil sie so sehr teuer sind. Durch dieses Päckchen war unser Weihnachtsfest ganz außergewöhnlich! Es macht mich so glücklich zu wissen, dass es in einem weit entfernten Land Menschen gibt, die an uns denken. Vielen, vielen herzlichen Dank!!!”

Seit etlichen Jahren entsendet Helping Hands allweihnachtlich Hilfstransporte nach Rumänien und Bulgarien. Die Weihnachtspäckchen, gefüllt mit allerlei Lebensmitteln und Hygieneartikeln, werden an bedürftige Kinder, Familien und ältere Menschen verteilt und sind oft das einzige Geschenk, das diese Menschen erhalten. Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche Einzelpersonen und Familien im Main-Kinzig-Kreis und ganz Deutschland an der Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Im Namen aller Beschenkten bedanken wir uns für diesen Einsatz!

Wirkungsbeobachtung: Arche Kenia

Vor sechs Jahren unterstützte Helping Hands e.V. das erste Mal die „Arche“ Schule im Kariobangi-Elendsviertel in Nairobi, Kenia, durch ein Weihnachtsprojekt; auch die Kreisrealschule in Gelnhausen beteiligte sich im folgenden Sommer mit einem Benefizkonzert an diesem Projekt. Damals war die Arche Schule gerade dabei, ihr Programm bis zum Ende der Grundschule (Klasse 8) auszuweiten; ein neues Schulgebäude machte dies möglich.

Inzwischen ist die Schule noch weiter gewachsen und bietet 360 Schülern (Stand Oktober 2017) aus etwa 150 Familien eine sehr gute Grundschulbildung; zusätzlich besuchen 25–30 Erwachsene Abendkurse. Die Schule umfasst die Vorschule (ab 4 Jahren), Kindergarten und Grundschule (Jahrgangsstufe 1 bis 8). Für Schüler der „High School“ gibt es ein Patenschaftsprogramm; in diesem Jahr graduierten die ersten ehemaligen Arche-Kinder von der High School.

Die Schule ist im Viertel sehr gut angesehen und hat die Unterstützung der Dorfältesten, die die Eltern des Viertels ermutigen, ihre Kinder dort zur Schule zu schicken und selbst an Abendkursen teilzunehmen, und die sich mit Ratschlägen einbringen und auch mal bei Bauarbeiten selbst mit anpacken. Die Schülerzahl ist stetig am Wachsen und zahlreiche Eltern würden ihre Kinder noch gerne in der Arche anmelden; leider ist der Platz derzeit begrenzt.

Seit 17 Jahren dient die Arche Schule dem Kariobangi-Slum, indem sie Bildung möglich macht, Zukunftsperspektiven eröffnet, Hoffnung schenkt. In diesen Jahren gab es aber auch viele Heraus­forderungen zu meistern, Gelerntes wurde verarbeitet und Schulprogramme angeglichen, um wirklich allen Bedürfnissen gerecht zu werden; manches ist für die Zukunft noch geplant. Folgend ist eine Zusammenfassung der Erkenntnisse sowie Veränderungen und Entwicklungen, die dazu beigetragen haben, dass die Arche Schule heute einen echten Unterschied im Elendsviertel bewirken kann.

 

Entwicklung der Kinder: Lage der Schule und Lernumfeld

Einige Dinge waren schon von Anfang an klar, u.a. durch Erfahrungen und Gespräche, bevor das Projekt begonnen wurde. Zum Beispiel war es sehr wichtig für die Familien im Kariobangi-Viertel, dass die Schule von Kenianern gegründet und geleitet wurde und nicht von Ausländern. Noch wichtiger aber war, dass das Schulgebäude direkt im Viertel steht, denn viele Familien wollten aus religiösen Gründen ihre Töchter nicht in eine außerhalb gelegene Schule schicken; außerdem konnten die meisten sich den Bus oder andere Verkehrsmittel zu einer entfernteren Schule nicht leisten. Daher begann die Schule mit 60 Schülern in einem kleinen Gebäude mitten im Slum.

Natürlich beeinflusst das Lernumfeld den Lernerfolg der Kinder stark: Das konnte auch die Arche Schule leicht feststellen. Das erste Gebäude war klein, mit fünf engen Räumen und einem winzigen Schulhof, und bot bald kaum mehr genug Platz für alle Schüler. 2010 konnte das Grundstück nebenan gekauft werden (das ursprüngliche Gebäude wird derzeit weiterhin für die Vorschule gemietet) und der Bau eines eigenen Schulgebäudes begann. Bereits 2011 war das Erdgeschoss fertig, sodass die Schule auf die Klassen 6–8 erweitert werden konnte. 2012 war dann auch der zweite Stock fertiggestellt, sodass jede Klasse ein eigenes Klassenzimmer hatte. Bis 2013 hatte die Schule ein fertiges drittes Stockwerk, eine Mauer um den Compound für zusätzliche Sicherheit und ein neues Tor für einen „finished look“: der Stolz vieler Eltern, die ihre Kinder in eine so neu aussehende Schule schicken konnten.

Das 2015 endgültig eingeweihte Schulgebäude besteht jetzt aus 8 Klassenräumen, einer Bücherei, einem Lehrerzimmer und zwei Räumen für die Nähschule und einem weiteren Projekt. Bei der Regierung ist die Arche registriert als eine Schule mit gutem akademischen Erfolg und mit großen, gut gelüfteten Klassenzimmern; 2015 wurde die Schule als „Examination Center“ ausgewählt, wo Kinder aus anderen privaten Schulen in der Gegend ihr Abschlussexamen der Grundschule ablegen.

Es wird weiterhin daran gearbeitet, das Lernumfeld zu verbessern. Neue Schulbänke (u.a. über Helping Hands gefördert) tragen dazu bei, dass die Kinder nicht mehr zu eng sitzen müssen und so besser lernen. Die Pflasterung des Schulhofes (Frühjahr 2017) macht Sport und Spiel sauberer und sicherer; ein neuer Basketballplatz sorgt für Spaß und Aufregung in den Pausen. Im Sommer 2017 berichtete die Arche: “Nicht nur die Kinder genießen nun den schönen neuen Schulhof. Wenn am Spätnachmittag die Eltern kommen, um die Kinder abzuholen, versammeln sie sich erst einmal für eine gemütliche Runde auf den neuen Zementbänken und genießen das saubere, einladende Umfeld. Selbst die Väter suchen vermehrt den Austausch mit den Lehrern.”

Die Arche-Bücherei ist inzwischen mit einigen Büchern ausgestattet, die von Freiwilligen katalogisiert wurden; noch mehr Bücher, besonders auch für ältere Kinder, sollen angeschafft werden. Für Computerkurse stehen mehrere Computer zur Verfügung. Eine Herausforderung bilden noch die Lehrbücher. Zwar wurden 2012 durch Vermittlung des Bildungsministeriums von einer englischen Organisation Schulbücher für die Klassen 1–8 gespendet, da aber die kenianische Regierung häufig den Lehrplan ändert, werden alle drei bis vier Jahre neue Lehrbücher benötigt. Derzeit benutzen im Durchschnitt drei Kinder ein Schulbuch gemeinsam.

 

Entwicklung der Kinder: Lehrplan

Lesen, Schreiben, Rechnen … für eine umfassende – und im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähige – Schulbildung reicht es nicht aus, nur die grundlegendsten Kenntnisse zu vermitteln. Kreativität, soziale Fähigkeiten, zeitgemäße Technik-Kenntnisse, Sport und Spiel – diese Dinge sind für die körperliche, soziale und geistige Entwicklung der Kinder ebenso wichtig wie Rechtschreibung und Mathematik. Das erkannte die Arche Schule und führte über die vergangenen Jahre einige neue Fächer und Aktivitäten in den Lehrplan ein.

So steht zum Beispiel seit 2013 regelmäßiger Musikunterricht auf dem Stundenplan, in dem auch traditionelle afrikanische Musik und Instrumente hervorgehoben werden. Die Kinder lieben diesen Unterricht und Talente werden entdeckt und gefördert. Singen und Musizieren ist ein wichtiger Aspekt der afrikanischen Kultur, und so nehmen die Eltern immer begeistert an den Aufführungen der Kinder an Schulfesten teil, wodurch auch Beziehungen zwischen Lehrern und Eltern gefördert werden.

2016 wurde ein Spielzimmer für die jüngeren Kinder eingerichtet; die Spielsachen, Autos, Puppen und Stofftiere wurden aus Deutschland gespendet. Jetzt gibt es wöchentlich bestimmte „Spielzeiten“. Für die Kinder, die solches Spielzeug sonst nur aus „teuren“ Läden kennen, sind diese Zeiten ein wichtiger Bestandteil ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Die Leiterin schreibt: “Sobald die Kleinen das Spielzimmer betreten, fühlen sie sich wie im Paradies”.

Die „Lesestunden“, die die Arche schon seit einiger Zeit anbietet, werden auch von ehemaligen Schülern gerne genutzt. Durch neue Bücher soll noch eine stärkere Lesekultur gefördert werden, vor allem auch während der Ferien. Dabei sollen besonders auch solche Bücher angeschafft werden, die positive Werte vermitteln und deren Geschichten hilfreich für die Kinder sind.

Seit Kurzem sind Computerkurse im kenianischen Lehrplan Pflicht. Im September 2016 begann die Arche Schule zweimal pro Woche Computerunterricht für die Klassen 5 bis 8; die Kinder nehmen mit großer Begeisterung daran teil. Dafür wurden fünf Laptops an die Schule gespendet; seit dem Schuljahr 2017 hat ein kompetenter und beliebter kenianischer IT-Lehrer den Unterricht übernommen. Geplant ist, noch mehr Computer zu kaufen, damit die Kurse auf die 4. Klasse sowie auf High-School-Absolventen ausgeweitet werden können, die nicht sofort auf die Uni gehen können. Neben weiteren Computern werden dafür auch die wichtigsten Software-Programme, ein Internetanschluss und ein Projektor benötigt.

Dass regelmäßiger Sport und Bewegung unverzichtbar sind für die Gesundheit und körperliche Entwicklung der Kinder, war den Leitern der Arche Schule wohl von Anfang an klar. Jedoch war zuerst nur wenig Platz dafür vorhanden, sodass Sportunterricht teilweise auf der Straße stattfand. Seit die Schule ins neue Gebäude umgezogen ist, stand zwar ein größerer Schulhof zur Verfügung, der aber leider keinen festen Untergrund hatte. Im Frühjahr 2017 konnte der Schulhof dann endlich gepflastert werden und ein befestigter Basketballplatz wurde eingerichtet und wird fleißig und begeistert genutzt. Auch die akrobatischen Kunststücke, die vor einiger Zeit von Ehrenamtlichen inspiriert wurden, werden nun erneut ausgebaut.

Darüber hinaus hat die Schulleitung aber auch erkannt, dass sportlicher Wettbewerb und die damit verbundene Spannung und Gemeinschaft positiv zur sozialen und psychischen Entwicklung der Kinder beiträgt, und möchte sich auch um mehr Verbindung zu anderen Schulen bemühen. Deshalb soll das Sportprogramm an der Arche Schule jetzt noch weiter ausgebaut und auch ein schuleigenes Fußballteam ins Leben gerufen werden, das dann gegen andere Schulen antreten kann.

 

Entwicklung der Kinder: Psychosoziale Aspekte

Die Arche Schule wurde gegründet in einer Gegend, wo Gewalt und Kriminalität den Alltag definieren. Die Kinder sind einen sehr rauen Umgang und harten Lebensstil gewöhnt; viele Jugendliche suchen in Gangs die Anerkennung, die sie zuhause nicht finden. Im Evaluierungsbericht 2014 zog die Schulleitung das Fazit, dass es wegen dieser schwierigen Lage im Elendsviertel besonders wichtig ist, dass die Kinder nicht nur eine gute Schulbildung erhalten, sondern ihnen auch gute moralische und ethische Werte vermittelt werden, damit das Leben der Jugendlichen nachhaltig verändert werden kann. Hier besitzt die Schule ein riesiges Potential und eine einzigartige Chance, einen langfristigen Unterschied in diesem Elendsviertel zu machen.

Über die Jahre hinweg haben die Lehrer sich mehr und mehr in das Leben ihrer Schüler investiert. Sie verbringen jetzt sehr viel Zeit mit den Kindern und schenken ihnen viel positive Aufmerksamkeit. In der Schule bieten sie für alle Kinder Seelsorge und Counselling an sowie individuelle Beratung für Kinder, wenn sie in die Pubertät kommen; dadurch haben sich die Noten in allen Jahrgängen verbessert. Zusätzlich machen die Lehrer Hausbesuche und kümmern sich um die Familien, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen oder anderen Familienträgodien, indem sie ermutigen, Trost spenden und auch praktisch helfen.

Die Eltern sind sehr zufrieden mit der Entwicklung ihrer Kinder und loben die Schule wegen der fröhlichen Atmosphäre und der guten Disziplin, die sie in ihren Kindern sehen können. Die Arche Schule ist für viele Schüler viel mehr als ein Ort des Lernens. Sogar die Mütter sagen, dass ihre Kinder sich in der Schule mehr zuhause fühlen als daheim. Andere haben gar kein Zuhause, sondern sind Waisen oder leben bei Großeltern oder entfernten Verwandten: Die Arche ist für sie ein wirklicher Zufluchtsort.

 

Bedürfnisse der Arche-Absolventen

Aber was geschieht mit den Kindern, wenn sie von der Arche Schule absolviert haben? Natürlich ist der Traum aller Beteiligten, früher oder später auch eine High School an die Arche anzugliedern. Dafür müsste zum Beispiel das Nebengebäude gekauft und erweitert werden, das derzeit für die Vorschule gemietet wird. Doch bis dieser Traum zur Wirklichkeit werden kann, musste eine andere Lösung gefunden werden.

Denn nachdem die ersten Kinder vor fünf Jahren von der Grundschule absolviert hatten, erkannte die Arche Schule ein Problem. Zwar hatten die Kinder eine gute Grundschulbildung erhalten und die meisten auch das Examen erfolgreich bestanden. Aber die wenigsten oder keine der Familien konnten sich eine High School oder die Fahrtkosten dorthin leisten, die in Kenia zudem oft in Form eines Internats angeboten wird. Die Schulgebühren liegen bei rund 50 USD im Monat; in vielen Familien ist das bereits das gesamte Monatseinkommen der Familie.

Eine Zeitlang kamen die Absolventen – von denen viele im Examen sehr gut abgeschnitten hatten – jeden Tag in die Arche Schule und lasen in der Bücherei und manche saßen da und weinten, weil sie ihre Schulbildung nicht fortsetzen konnten. Die Lehrer hatten Mitleid mit ihnen und legten Spenden aus ihrem kleinen Gehalt zusammen, um ein paar Kindern durchs erste Semester zu helfen. Danach wurde durch Freunde der Schule ein Patenschaftsprogramm eingeführt, in dem Spender, meist aus Deutschland, für High-School-Schüler die Gebühren übernehmen. Derzeit sind etwa 20 Kinder im Programm – viele von ihnen sind Waisen – und die ersten Schüler haben jetzt nach vier Jahren von der High School graduiert und dürfen nun ein Universitätsstudium beginnen.

Obwohl schon die ersten 8-Klässler das Examen sehr gut bestanden hatten, hat sich der Durchschnitt in den letzten Jahren noch verbessert. Inzwischen bestehen fast alle das Examen; 2017 war die Arche „Spitzenreiter“ der umliegenden Schulen und der beste Absolvent aus 80 Schulen war ein Arche-Schüler. Das macht auch Eindruck über das Kariobangi-Viertel hinaus: Die beste Schülerin erhielt ein Stipendium einer Großfirma, ein anderer wurde ebenfalls lokal gesponsert. Die Hoffnung ist, dass die Resultate weiterhin so gut sind und noch mehr Schüler sich für lokale Stipendien (von kenianischen Organisationen) qualifizieren. Zusätzlich soll das Patenschaftsprogramm so weit ausgebaut werden, dass alle Arche-Absolventen die High School besuchen können.

Aufgrund der Erfolge im Counselling und der Erkenntnis, dass hier noch ein großer Bedarf besteht, wurde während der letzten Jahre ein Mentoringprogramm für 8-Klässler und High-Schoolers entwickelt. Eine Lehrerin investiert sich besonders in die 8-Klässler, lehrt sie in kleineren Gruppen „life skills“ und bereitet sie auf ein Leben nach der Arche Schule und im Internat vor (z.B. Gruppendruck, andere Moralvorstellungen etc.). Die Jugendlichen genießen diese Zeit enorm und sprechen sehr offen über brisante Themen wie Geschlechterrollen, Freundschaften, Liebe, Sex, Pornographie u.ä.

Für Ehemalige und High-Schoolers wird ein solches Mentoringprogramm während der Ferien angeboten, um ihnen bei den Herausforderungen in ihren neuen Schulen zu helfen, Fragen zu beantworten, sie zum fokussierten Lernen zu ermutigen und eine Zeit des gegenseitigen Austauschs zu ermöglichen. Auch darüber hinaus kommen die Ehemaligen und High-Schoolers regelmäßig zur Arche Schule zurück, um die Bücherei zu benutzen, Gemeinschaft zu haben oder sich Rat zu holen. Einige der älteren Kinder sind wirklich gereift und haben angefangen, sich um jüngere Schüler zu kümmern, ihnen Vorbild zu sein und in ihren Herausforderungen zu helfen. Darin werden sie auch geschult; zum Beispiel wurde 2016 ein Leadership-Kurs für die Klassen 7 und 8 und Ehemalige durchgeführt.

Seit zwei Jahren konnten auch einige Jugendliche an Feriencamps anderer Organisationen teilnehmen. Dies ist eine sehr wichtige Zeit für die Kinder, in der sie sich sozial, mental und geistlich weiterentwickeln und lernen, ihre individuellen Fähigkeiten zum Wohl aller einzusetzen. Die Leiter der Camps sind beeindruckt, wie reif die Arche Kinder sind, wie gut sie leiten und sich sozial anpassen können.

Damit ist die Arche Schule auf einem guten Weg, eines ihrer wichtigsten Ziele zu erreichen: eine grundlegende Veränderung des Kariobangi-Viertels, weg von Kriminalität und Gangmentalität und hin zu einem verantwortungsvollen Lebensstil; ein Viertel voller Kinder und Jugendliche, die sich darum bemühen, ihren Familien zu helfen, und sich in verantwortungsbewusste Erwachsene entwickeln, die in ihrem Umfeld und in ganz Kenia einen Unterschied machen können.

 

Bedürfnisse der Eltern

In Nairobi wächst die Mittelklasse, sodass die Kluft zwischen Arm und Reich sich ausweitet und die Hoffnungslosigkeit in den niedrigeren Klassen zunimmt. Vor allem der Analphabetismus ist bei den Erwachsenen ein großes Problem, aber auch fehlende berufliche Fertigkeiten. Frauen bleiben meist zuhause, verdienen sich ggfs. mit Gemüseverkauf ein geringes Einkommen.

Um das Kariobangi-Elendsviertel nachhaltig zu verändern und den Kindern auch ein besseres familiäres und soziales Umfeld und daher eine größere Chance auf eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen, hat die Arche Schule schon früh Lese-, Schreib- und Mathekurse für Erwachsene angeboten. Derzeit besuchen etwa 30 Männer und Frauen regelmäßig diesen Unterricht; einige von ihnen haben ein Programm begonnen, um ihre Grundschulbildung nachzuholen und das offizielle Examen dafür zu absolvieren.

Eltern werden auch in Business Skills unterrichtet, sodass sie mehr Jobperspektiven haben und die wirtschaftliche Lage ihrer Familie verbessern können. Dafür wurde u.a. eine Nähschule ins Leben gerufen, in der jeweils 10–12 Frauen für 2–3 Jahre lernen und am Ende ein offiziell anerkanntes Examen ablegen, das ihnen ermöglicht, eine Anstellung zu finden oder ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. In der Nähschule wird auch traditionelle afrikanische Stickerei unterrichtet.

Die berufliche Bildung wird einerseits für Jugendliche angeboten, um die Gang-Mentalität zu durchbrechen und ihnen echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Auf der anderen Seite ist Berufsausbildung auch für Eltern da, denn die Arche Schulleitung hofft, dass dadurch in naher Zukunft mehr Eltern die Schulgebühren ihrer Kinder selbst zahlen können. Derzeit steht die Schule bei 33% lokaler Finanzierung, was verglichen mit 10% vor wenigen Jahren eine großartige Leistung ist. Jedoch hat sich die Hoffnung, dass sich durch die steigende Schülerzahl auch die Einnahmen durch Schulgebühren stark erhöhen würde, nicht so erfüllt wie gehofft, da noch viele Eltern unter der Armutsgrenze leben. Hier ist also noch einiges an Handlungsbedarf nötig.

Es wird angestrebt, dass sich die lokale Finanzierung innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 60% erhöht. Das endgültige Ziel ist, dass die Schule finanziell völlig selbsttragend wird. Derzeit sind die höchsten Kostenfaktoren die Miete des Nachbargebäudes, in dem die Vorschule beherbergt ist, die Gehälter der Lehrer, die neuen Schulbücher-Sets, die alle zwei Jahre erforderlich sind, und die Schulmahlzeit, die vom kenianischen Bildungsministerium vorgeschrieben ist.

 

Bedürfnisse der Lehrer

Und schließlich haben auch die Lehrer Bedürfnisse, sowohl um „gute“ als auch physisch und psychisch gesunde Lehrer zu sein. Deshalb werden sie seit einigen Jahren darin unterstützt, sich in verschiedenen Kursen weiterzubilden. Die stellvertretende Schulleiterin absolvierte kürzlich mit einem Grad (vier Jahre) in Education und Counselling an der Nairobi University und kann nun die Arche Schule vor dem Bildungsministerium vertreten.

Da die Schülerzahl stetig am Wachsen ist und dadurch auch die Klassen größer sind (in unteren Klassen teilweise bis zu 30 Kinder, ab der 5. Klasse nur 20–25), wird viel mehr Energie, Vorbereitungszeit und Kreativität von den Lehrern benötigt, sodass sie am Schuljahresende in der Regel sehr erschöpft sind. Um dem ein wenig vorzubeugen, wurde im Frühjahr 2016 ein wöchentliches Treffen während der Mittagspause eingeführt, in dem die Lehrer ermutigt und in ihren Herausforderungen unterstützt werden und Zeit für Austausch besteht.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Dieser Bericht basiert auf Projekt-Updates und Evaluierungsberichten der Arche Schule aus den vergangenen Jahren. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Kinderprogramme in Südasien

Kinderentwicklungsprogramme stehen schon seit vielen Jahren im Zentrum der Arbeit von Helping Hands e.V. Sogenannte „Kinderzentren“ werden in zahlreichen Ländern unterstützt und sind oft auch eine Komponente anderer Entwicklungsprojekte, um diese wirklich nachhaltig zu machen. Dabei hat sich das Konzept der Kinderzentren bzw. Kinderentwicklungsprogramme über die Jahre hinweg stark verändert, da aus Wirkungsbeobachtungen wichtige Schlüsse gezogen und in den nächsten Projekten umgesetzt wurden. Wenn wir heute von „Kinderzentren“ sprechen, meinen wir damit das Konzept der „Child-Focussed Community Development“ (CFCDP), also auf Kinder ausgerichtete Dorfentwicklungsprogramme, ein sehr nachhaltiges, ganzheitliches Konzept, das wirkliche Veränderung schafft. In Südasien wurde zuerst auf dieses Modell umgestiegen, da die Erfahrungen zeigten, dass das „CFCDP“ erheblich erfolgversprechender ist als die Kinderprogramme, mit denen vor 20 Jahren dort begonnen wurde. Die Prinzipien, die in Südasien durch langjährige Wirkungsbeobachtung herausgearbeitet wurden, werden heute auch in Kinderentwicklungsprogrammen in anderen Ländern angewandt; so zum Beispiel in dem unter Mitarbeit von Helping Hands gegründeten Kinderzentrum in Albanien.

Über diese Entwicklung und die langjährigen Erfahrungen in Südasien berichtet unser 1. Vorsitzender Dr. Hermann Gschwandtner:

“Unser heutiges Konzept für Kinderentwicklungsprogramme hat einen langen Weg hinter sich. Die Ergebnisse der ersten Projekte führten dazu, die Programme immer neu zu überdenken und zu verbessern. Zudem hat die Zusammenarbeit in einem internationalen Netzwerk und die Zusammenarbeit bzw. Gespräche mit anderen internationalen und nationalen Partnern zu weiteren Erkenntnissen und Verbesserungen geführt.

Die Arbeit begann mit medizinischer Hilfe für werdende und junge Mütter. Die mangelnde Ausbildung und daraus folgende Armut der Familien führte bei aller medizinischen Hilfe zu teilweise dramatischer Unterernährung. Deshalb wurde ein Programm für Erwachsenenbildung und praktische Ausbildung von Frauen begonnen, da Frauen normalerweise ihre Einnahmen eher für das Wohl der Familie einsetzen. Auf diese Weise war eine Grundlage für erfolgreiche Kinderentwicklungsprogramme gelegt.

Südasien wird oft von natürlichen Katastrophen heimgesucht. Eine internationale Partnerorganisation bot ihre Unterstützung an und ging auch einen zweiten Schritt für langfristige Hilfe gegen die Unterernährung. Zugleich stellte eine Stiftung Geld zur Verfügung, um ein erfolgreiches Programm für „Nutritional Rehabilitation“ vor allem mit Kindern aufzubauen und zu testen. Die Lernerfolge und Ergebnisse all dieser Projekte flossen zusammen, um ein einigermaßen erfolgreiches Konzept für Kinderentwicklungsprogramme aufzubauen. Aufgrund des Gelernten ergaben sich folgende Grundprinzipien:

Bildung: Ohne eine ordentliche Ausbildung haben die Kinder keine Zukunft außer der, von den Hilfen anderer abhängig zu sein (z.B. Staat, internationale Hilfsorganisationen etc.).
Gesundheit: In vielen unterentwickelten Ländern stirbt ein großer Teil der Kinder, ehe sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Dies führt nicht nur zu einer extrem hohen Geburtenrate (Kinder sind die „Altersversicherung“ der Eltern), sondern auch zu einer sehr niedrigen Gesamtlebensdauer. Im Übrigen ist der Lernerfolg der Überlebenden sehr niedrig, da sie unterernährt und oft krank sind.
Wirtschaftliches Umfeld: Wer in einem extrem armen Umfeld aufwächst, hat nicht nur Probleme gesund zu sein und einen Lernerfolg zu erzielen, sondern alle wohlgemeinten Schritte sind langfristig zum Misserfolg verdammt. Deshalb muss den Eltern (besonders den Frauen) die Chance eröffnet werden, finanziell besser zu stehen.
Soziales Umfeld: Meist hat die Armut einen sozialen Hintergrund. So werden z.B. in Südasien Millionen in Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse gezwungen, die einer Sklavenarbeit gleichen. Daneben gibt es vielfach Kinderheiraten (13-14 Jahre), auch wenn dies staatlich verboten ist. Dieser Teil des Programms hilft den Kindern und ihren Eltern, dies zu erkennen und dagegen gemeinsam anzugehen.
Geistliches/Geistiges Umfeld: Jedes Kinderprogramm besteht in einem staatlichen und kulturellen Kontext, der berücksichtigt werden sollte. Zudem sind oft Abhängigkeiten vorhanden, die überwunden werden müssen, wenn ein Kinderentwicklungsprogramm von bleibendem Erfolg gekrönt sein soll (Bsp. Gedanken wie „abhängig zu sein ist meine Bestimmung“; „wahrscheinlich habe ich mich in einem früheren Leben schlecht benommen und muss deshalb jetzt leiden“ etc.). Anders ausgedrückt, viele Probleme bestehen zunächst im Denken und müssen bei der Gesamtarbeit berücksichtigt werden.

Natürlich können die Grundprinzipien zu verschiedenen Formen von Kinderentwicklungsprogrammen führen. Deshalb muss immer wieder überprüft werden, ob die Grundprinzipien sinnvoll und erfolgreich umgesetzt werden und wo verbessert werden kann bzw. muss. Da in verschiedenen Ländern verschiedene Partner bei der Umsetzung helfen, werden neben den jährlichen Treffen der Leiter aus verschiedenen Ländern regelmäßige Berichte erwartet (jedes Quartal, jährlich). Zudem werden regelmäßig vergleichende Untersuchungen durchgeführt und die leitenden Mitarbeiter auf internationale Schulungen geschickt; mehreren von ihnen wurde ermöglicht, einen Magister für Child Development zu erwerben. All dies trägt dazu bei, dass die Kinderentwicklungsprogramme Schritt für Schritt verbessert wird und den Kindern, Familien und Dorfgemeinschaften besser dienen.

All dies hat einen Zeitraum von 20 Jahren eingenommen. Verglichen mit dem, was vor 15 oder gar 20 Jahren geschah, wird man einen Unterschied wie Tag und Nacht feststellen. Heute sind viele Kinder, Familien und Dorfgemeinschaften verwandelt und sie schauen mit Zuversicht in die Zukunft.

Ein Hinweis zum Schluss: Da sich die politischen, sozialen und schulischen Gegebenheiten von Land zu Land unterscheiden, sind die Kinderentwicklungsprogramme nicht identisch, sondern werden an diese Lage angeglichen, um ihr am besten gerecht zu werden. Finanziell gesehen werden keinesfalls alle Kinder durch Einzel-Sponsoren abgedeckt, sondern es gibt z.B. auch Einzelpersonen, Organisationen, Kirchengemeinden, Jugendgruppen, etc., die ganze Zentren auf einmal unterstützen.”

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2017 Portugal:
Café paXan in Porto

paXan 2017 Portugal

Damit hatte Pastor Timóteo nicht gerechnet: dass die Deutschen seine ganze Kirche auf den Kopf stellen würden. Wie ein kleiner Orkan brachen sie über ihn herein, und nach ein paar Tagen zuckte Timóteo nur noch lachend mit den Schultern: “Ich dachte vorher, ihr wärt ein älteres, ernstes Team. Aber ihr seid ja ein junges verrücktes!”

Ein kleines Café wollte Timóteo einrichten im Vorraum seiner Gemeinde in Porto. Denn gemeinsam einen Kaffee trinken, reden und lachen – in Portugal ist das die Art und Weise, wie sich „Gemeinschaft“ bildet. Und auch den Obdachlosen und bedürftigen Familien, denen die Gemeinde seit vielen Jahren dient, sollte im Café ein Ort geboten werden, wo sie nicht nur Almosen bekommen, sondern sich wohlfühlen können und Respekt und Wertschätzung erfahren.

Aber so ein Café muss ja schließlich auch einladend und gemütlich sein! Also machte sich das paXan-Team nach drei Tagen Kinderprogramm und Tischlerwerkstatt in Braga (aber das ist eine andere Geschichte …) am Donnerstag in Porto mit fröhlichem Schwung und viel Hingabe ans Werk. Zuerst einmal wurde eine Bedarfsanalyse durchgeführt, der Vorraum entleert, alles abgeklebt und Ikea-Expedition Eins und Zwei gestartet. Am Freitag folgte gleich Ikea-Expedition Drei, während im Café schon mal eifrig die Schränke der Theke zusammengebaut wurden, die Wände gestrichen und teils mit Schieferplatten gekachelt und diverse Deko-Elemente vorbereitet wurden. Samstagfrüh konnte man schon einen gewissen Zeitdruck spüren, der, in produktive Energie umgewandelt, für einen zweiten Anstrich, Verlegung der Rohre, diverse andere Arbeiten und die vierte Ikea-Expedition ausreichte. Pünktlich zur Abendessenszeit stand dann auch die *fast* fertige Theke und wurde schon mal gründlich bestaunt: Denn am Samstagabend hatte die Gemeinde einige Obdachlose zu einem Dinner eingeladen, das vom paXan-Team serviert wurde.

Nach einem nicht ganz erholsamen Sonntag und fünf Stunden Schlaf warf sich das Team dann trotzdem am Montagmorgen mit unverändertem Elan in den letzten Marathonarbeitstag. Fünfzehn Stunden später (der letzte Zug nach Braga fährt um 1.15 Uhr :)) war es dann geschafft: alle Bauarbeiten abgeschlossen, die fünfte und letzte Ikea-Expedition glücklich beendet, das Café geputzt, gemütlich eingerichtet und einladend dekoriert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Bei einem letzten Besuch am Mittwochvormittag durfte dann auch jeder noch einen ersten Kaffee, Latte Macchiato, Espresso oder Tee genießen und das paXan-Café wurde gebührend eingeweiht – sogar schon mit dem ersten „externen“ Gast.

Und damit war auch dieser paXan-Einsatz ein voller Erfolg. Nicht nur, weil das Projekt rechtzeitig fertiggestellt wurde und alle zufrieden auf die erledigte Arbeit schauen können. Sondern auch, weil wir als Team zusammengewachsen sind – ein Team, in dem jeder sein (oder ihr) Äußerstes gegeben und dabei alle sich gegenseitig unterstützt und ermutigt haben, sodass gemeinsam das Ziel erreicht wurde; ein Team, in dem jeder sich angenommen und wertgeschätzt fühlen durfte und jeder auf jeden geachtet hat; ein Team, in dem alle Gaben und Talente zur Geltung gekommen sind und daher alle auf Augenhöhe miteinander umgehen konnten; und schließlich auch ein Team, das viel zusammen gelacht, genossen, gelitten und gelernt hat: kurz gesagt, ein Team, mit dem man die Welt auf den Kopf stellen kann!

Und der Einsatz war nicht zuletzt deshalb ein Erfolg, weil an jedem Tag, in jedem Arbeitsschritt und jedem Schweißtropfen das mitgeklungen ist, was paXan ausmacht: echte Wertschätzung zu vermitteln: den anderen im Team gegenüber, den Mitarbeitern in Braga und Porto, und den ausgegrenzten und oft vergessenen Menschen, denen das Café und unsere Arbeit dienen wird.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2017 Tansania

paXan 2017 Tansania

Das paXan-Team Tansania reiste vom 29. Juli bis 12. August 2017 nach Daressalam. Nelli Bangert berichtet:

Harry. Dieser kleine afrikanische Junge, der mich immer wieder so breit angestrahlt hat, wenn ich ihm begegnet bin. Dieser Junge, der mir geholfen hat, den vielen Müll im Außenbereich der Kirche aufzuräumen. Der manchmal einfach so neben mir saß und sich an mich gekuschelt hat. Der so herzlich gelacht hat. Der mich begleitet hat, wenn ich dann zu unserem Hotel gegangen bin. Harry.

Er war eine Person neben den vielen anderen, die ich auf meinem zweiwöchigen paXan-Einsatz mit 13 weiteren Jungerwachsenen in Tansania kennenlernen durfte – und wohl nie vergessen werde. Er behält einen Platz in meinem Herzen. Neben ihm haben wir natürlich noch so viel mehr Kinder kennengelernt. Jeden Tag brauchte es nur ein kleines Lied und schon versammelte sich ganz rasch eine große Gruppe von Kindern um uns herum und sangen lauthals mit, tanzten mit uns und genossen die Zeit. Immer wieder starteten wir dann auch Sessions speziell für die Kids und bastelten mit ihnen, sangen, tanzten und erzählten ihnen biblische Geschichten. Die Kinder dankten unseren Einsatz mit lautem Lachen und strahlenden Augen – einfach nur schön.

Aber sie liebten uns auch einfach und waren quasi auf der Suche nach uns „Weißen“. Allein schon die blonde Haarfarbe einiger Mädels und eben auch die weiße Hautfarbe zogen die Kinder förmlich an. Irgendwie war ihnen klar, dass wir mit ihnen Zeit verbringen wollten. Auch wenn es auf der einen Seite irgendwie schade ist, dass die Hautfarbe zunächst so vordergründig steht, so ist es auf der anderen Seite doch auch eine Chance: Es brauchte nicht groß eine Aktion, um Kinder auf das Programm aufmerksam zu machen. Die Aufmerksamkeit war allein schon vom „fremden Aussehen“ gegeben. Manchmal allerdings ist es auch ein Nachteil. Nämlich dann, wenn sich innerhalb weniger Minuten im ganzen Dorf herumspricht, dass die Weißen beim Fußballturnier verloren haben. 😀

Neben der Zeit mit den Kindern waren viele aus dem Team auch bei den Leiterschaftsschulungen involviert, die an zwei Orten angeboten wurden. Dafür kamen viele Jugendleiter und Jugendliche zusammen, um miteinander zu lernen und Zeit zu verbringen. Durch Vorträge, Gruppenarbeiten und weitere kreative Elemente wurden sie herausgefordert, ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten in Leiterschaft aber auch im persönlichen Leben wahrzunehmen und sich mit vollem Einsatz zu investieren. Natürlich wurden diese langen Workshop-Tage immer wieder durch Musik und Tanz unterbrochen. Denn was wäre ein Tag ohne Musik? Für unsere afrikanischen Freunde vermutlich kein schöner und gelungener Tag. 🙂 Diese Workshop-Tage waren auch Tage der Begegnung und Ermutigung. Denn es tut doch so gut zu wissen, dass wir als Kirche eine große Familie sind und an einem Strang ziehen.

Für mich waren es ganz bedeutende Momente, wenn im Gespräch die Grenzen der Kulturen gefallen sind und man nicht mehr die scheinbaren Unterschiede sah, sondern vielmehr das Herz des Gesprächspartners. Da sind jetzt nicht mehr länger die afrikanischen Frauen Jenny, Lucia, Mary und Pauline, die arm sind und eine andere Hautfarbe haben und keine Zalando-Pakete bekommen. Nein, da sind meine Freundinnen Jenny, Lucia, Mary und Pauline, die sich gerne schön kleiden, gerne mit Freundinnen lachen und plaudern, Träume haben, Sehnsüchte, mal einen guten und mal einen schlechten Tag haben, Ermutigung brauchen und Ermutigung weitergeben, mit mir ins Nagelstudio gehen und tolle Frisuren machen. Für mich waren es die schönsten Momente, wenn man Herzensbegegnungen hatte und einfach am Leben der anderen teilhaben konnte. Ungeschminkt, unfrisiert – echt.

Und dann gab es die Tage, an denen wir als Team auch mal handwerklich waren und gemeinsam mit unseren afrikanischen Freunden die Kirche innen und außen gestrichen haben. Und im Krankenhaus vor Ort geputzt und aufgeräumt haben. Da war der Spaß vorprogrammiert und es macht auch viel mit der Gruppe: Alle arbeiten gemeinsam für dieselbe Sache. Ganz egal ob Deutscher oder Tansanier – alle packen zusammen an und machen gemeinsam einen Unterschied. Irgendwo wird gesungen, irgendwo wird herzlich gelacht, geschrubbt, gestrichen, aufgeräumt, geputzt, gemalt. Und so dauerte es auch nicht lange, bis das Krankenhaus sauber und die Kirche gestrichen und geputzt war. Natürlich war es auch immer wieder spannend zu sehen, dass alles, was wir als Team gemacht haben, eine Außenwirkung auf das Dorf hatte. Es war halt viel los in der Kirche und das haben auch alle Nachbarn der Gemeinde mitbekommen. Und wer weiß – vielleicht kommt demnächst jemand auch dadurch in die Gemeinde?

Gerade der Abschied am Ende zeigte, wie sehr man einander ins Herz geschlossen hat – man wollte gar nicht mehr weg und irgendwie ist Tansania für unser Team auch Heimat geworden. Die Dankbarkeit und die Freude unserer lieben afrikanischen Freunde lag spürbar in der Luft. Sie haben offensichtlich stark von diesen beiden Wochen profitiert und da hat vermutlich jeder von ihnen ganz eigene Gedanken und Erlebnisse, die seine ganz persönlichen Highlights sind. Aber auch jeder aus dem Team ist persönlich durch diesen paXan-Einsatz gewachsen. Vielleicht durch die Tatsache, dass man seine europäische Komfort-Zone verlassen hat, in einer ganz neuen Kultur und auch Temperatur zurechtkommen musste, mit Krankheiten und Magenproblemen zu kämpfen hatte, in ganz neue Aufgaben reingegangen ist und getrennt war von der Familie und lieben Freunden. Oder auch einfach durch neue Erkenntnisse, persönliche unvergessliche Momente und neuen Freunden in Tansania.

Auch wenn die Reise zu Ende ist – die Eindrücke werden wohl noch lange in mir nachhallen. Sie haben mein Denken stückweise auf den Kopf gestellt und mich geprägt. Bin sehr dankbar für die Zeit. Bin sehr dankbar für Tansania.

 

© 2017 Nelli Bangert/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Bildungsprogramme im Libanon

Seit über 50 Jahren besteht die „Nazarene Evangelical School“ in Beirut, Libanon. In den vergangenen Jahren wurden die Aktivitäten der Schule allgemein, vor allem auch im Bereich der Bildung von Flüchtlingskindern, sowie einzelne Kinder durch Patenschaften von Helping Hands unterstützt. In einem Gespräch mit der Direktorin wurden folgende Wirkungsbeobachtungen sowie die Umsetzung der aus den Ergebnissen der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse herausgearbeitet.

Kreative Lehrmethoden

Im Gespräch mit Eltern und Kindern wurde festgestellt, dass die Anforderungen an die Kinder zu hoch angesetzt waren. Schon kleine Kinder mussten mit schweren Taschen in die Schule kommen und zusätzlich zu 8 Stunden Schulunterricht noch 4 Stunden Hausaufgaben bewältigen. Gemeinsam mit den Lehrern wurde beraten, wie dies geändert werden könnte. Daraufhin wurden zahlreiche kreative Aktivitäten in den Lehrplan eingebaut. Außerdem wurde festgesetzt, dass Hausaufgaben maximal drei Stunden dauern sollten; die Schulleitung überprüft regelmäßig die Unterrichtspläne der Lehrer und streicht ggfs. Aufgaben, wenn diese ein angemessenes Maß übersteigen.

Nach diesen Maßnahmen wurde festgestellt, dass interessanterweise nach der Reduzierung der Hausaufgaben deutlich mehr Kinder die Fächer erfolgreich abschließen können. Im vergangenen Jahr konnten nur sehr wenige Kinder (nur 1-2%) die Examen nicht bestehen.

Zusätzlich zu den kreativen Lehrmethoden wird seit einiger Zeit auch mehr Betonung auf kritisches Denken und Analyse und weniger auf Auswendiglernen gelegt. Das hat nach Aussage der Lehrer einen erstaunlichen Unterschied gemacht. Die Kinder sind nun fähig zu analysieren, und wenn sie sich an etwas nicht genau erinnern können, ist es ihnen möglich, es in eigenen Worten zu umschreiben. Diese Konzentration auf kritisches Denken schon in der Schule ist außerhalb Deutschlands durchaus nicht üblich.

Lehrerfortbildung

Um das Niveau des Unterrichts noch zu erhöhen und Lehrer zu motivieren und zu unterstützen werden seit Ende des Schuljahrs 2014-2015 regelmäßig zahlreiche Workshops für Lehrer angeboten; Themen sind zum Beispiel verschiedene Lernstile oder „student-centred classrooms“. Das hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, da es die Lehrer stark motiviert und sie viele hilfreiche Tipps und Methoden für den Unterricht erhalten. Diese Änderung entstand maßgeblich unter der Leitung der neuen Ausbildungs-Koordinatorin (education coordinator), die vor zwei Jahren eingestellt wurde und einen Doktortitel in „School Management and Interaction“ hat.

Ebenfalls eingeführt wurde ein sogenanntes „peer coaching“, wo Lehrer gegenseitig ihren Unterricht besuchen und ihren Kollegen Ratschläge und Unterstützung anbieten. Jeden Monat treffen sich alle Lehrer für ca. drei Stunden für eine Evaluierung in Gruppen.

Ganzheitliche Entwicklung

Bereits 2012 wurde eine maßgebliche Änderung im Schulalltag eingeführt, die die Entwicklung der Kinder sehr positiv beeinflusst. Ursprünglich konzentrierte die Schule sich nur auf die akademische Ausbildung der Kinder. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Kinder, die oft aus bedürftigen Verhältnissen kommen, viele weitere Bedürfnisse haben, die ihren schulischen Erfolg beeinträchtigen. Nach der Teilnahme an einer Konferenz über holistische Kinderentwicklung in Singapur im September 2012 setzte die Schulleiterin einige der dort gelernten Erkenntnisse um, um diese Herausforderung anzugehen. Dafür wurde eine tiefergehende Evaluierung angesetzt und ein zusätzlicher „Student Supervisor“ eingestellt, der sich besonders um die nicht-akademischen Bedürfnisse der Kinder kümmert.

Das beinhaltet viele unterschiedliche Bereiche. Zum Beispiel kümmert die Schule sich nun auch um die Gesundheit und Hygiene der Kinder. Ein Arzt kommt jede Woche, um medizinische Checkups durchzuführen. Auch werden zahlreiche Workshops für Eltern angeboten, z.B. über Erziehungsmethoden, Hygiene, nahrhaftes Essen u.v.m. Seit dem vergangenen Jahr wurden Cola, Schokolade u.ä. auf dem Schulgelände verboten (stattdessen werden Nüsse, Kekse usw. verkauft); die Lehrer konnten nach der Reduzierung der Zuckeraufnahme einen positiven Unterschied im Verhalten der Kinder erkennen.

Seit diesem Jahr hilft ein ausgebildeter Psychologe bei der Beratung und trifft sich auch mit Eltern; gerade weil derzeit etwa ein Drittel der Schulkinder syrische oder irakische Flüchtlingskinder sind, ist dieser Dienst sehr wichtig und hat schon einen großen Unterschied gemacht. Drei der Lehrer bzw. Leitungspersonen sind darüber hinaus als Schulseelsorger ausgebildet. Die Schulleitung hofft, in naher Zukunft noch einen weiteren Psychologen sowie einen Sprachtherapeuten anzustellen.

Die Eltern sind sehr erfreut über diese Veränderungen. Kürzlich hat sich auch ein Eltern-Komitee gebildet, das sehr aktiv ist und sich vorteilhaft in der Schule einbringt.

 

Nur einige Kilometer von der „NES“ entfernt findet das „STEP“ Bildungsprogramm statt, das im Frühjahr 2014 begann und seitdem wiederholt von Helping Hands finanziell unterstützt wurde. STEP bietet Unterricht an für syrische und irakische Flüchtlingskinder, die nicht in eine „normale“ libanesische Schule gehen können. In einem Gespräch mit dem Leiter des Programms wurden folgende Wirkungsbeobachtungen sowie die Umsetzung der aus den Ergebnissen der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse herausgearbeitet.

Einbindung der Eltern

Es wurde festgestellt, dass Kinder im Unterricht deutlich erfolgreicher sind, wenn die Eltern selbst bei der Bildung ihrer Kinder involviert sind. Daher wurde zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe für jede Klasse eingerichtet, wo gepostet wird, welche Hausaufgaben die Kinder haben, sodass die Eltern sich zuhause darum kümmern können, dass ihr Kind für den nächsten Schultag vorbereitet ist.

Eine gute Kommunikation mit den Eltern wirkt sich auch positiv auf das Verhalten der Kinder und die Disziplin im Unterricht aus. Obwohl die äußeren Gegebenheiten nicht ideal sind, kommen die Kinder sehr gerne zum Unterricht.

Motivation und Expertise der Lehrer

Über einige Zeit hinweg wurde beobachtet, dass die Disziplin im Unterricht ein Problem ist und gelegentlich auch die Motivation und Bildung der Lehrer die Ergebnisse negativ beeinflusst. Seitdem bemüht sich die Leitung einerseits darum, in allen Fächern für dieses Fach ausgebildete Lehrer einzustellen (was nicht immer ganz einfach ist, da das STEP Bildungsprogramm nicht die gleiche Jobsicherheit bieten kann wie eine reguläre Schule). Andererseits wird nun schon im Interviewprozess sehr stark auf die Motivation der Lehrer geachtet und die eingestellten Lehrer regelmäßig motiviert und unterstützt. Zusätzlich wurden den Lehrern viele Ratschläge und Hilfen für die Disziplin im Unterricht gegeben, um diese Situation zu verbessern; dieser Punkt wird zu jedem Schuljahrsende neu evaluiert.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Gartenprojekt Haiti

Im Januar 2010 zerstörte ein verheerendes Erdbeben große Teile Haitis. Helping Hands unterstützte den örtlichen Partner damals besonders in der längerfristigen Wiederaufbauhilfe. Dazu gehörte ein Gartenprojekt mit mehreren „community gardens“ in der Gegend um Barreau Michel; einer der Ziele des Projektes war es, den Bergbewohnern Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, sodass Migration reduziert werden kann. Das Projekt wurde später noch ausgeweitet und umfasste 290 bedürftige Familien in Barreau Michel und Leogane, denen u.a. durch Schulungen, Verteilung von Werkzeugen und Saatgut Nahrungssicherheit ermöglicht werden sollte; außerdem erhielten einige Familien Ziegen und Hühner für Zucht. Das Projekt beinhaltete auch Umweltmaßnahmen (u.a. Wiederaufforstung) und das Formen einer Kooperative (ähnlich wie Selbsthilfegruppen).

Das Projekt hat der Zielgruppe Hoffnung geschenkt und sie gelehrt, eigene Entscheidungen zu treffen. Neben dem erlernten Wissen wurden auch Beziehungen gestärkt. Der örtliche Partner wird als Entität von transformativer Entwicklung angesehen. In zwei Berichten von 2013 und 2014 berichtete der örtliche Partner über die Wirkungen und Umsetzung der Erkenntnisse.

Bildungsstand der Zielgruppe

Schulungen müssen an den Bildungsstand der Teilnehmer angepasst werden. Zahlreiche Teilnehmer waren Analphabeten. Daher wurden Lehrinhalte teilweise vereinfacht und eine starke praktische Komponente eingebaut. Für manche war es schwierig, die traditionellen Techniken des Pflanzens und Gärtnerns an neue Erkenntnisse anzupassen. Neue Erkenntnisse beinhalteten vor allem auch umweltfreundliche Techniken – Kompostherstellung, weniger Benutzung von Holzkohle, Bau von Stützmauern (u.a. um Erdrutsche zu vermeiden), Erhaltung des Bodens (soil preservation), Sauberhaltung des Trinkwassers bzw. der Wasserstellen (besonders wichtig, da die Choleraepidemie noch nicht völlig eingedämmt war), etc.

Kultur der Zielgruppe

Die Schulungen und Arbeitsweise müssen an die Kultur der Teilnehmer angepasst werden und darin anknüpfen. In Haiti ist es normal, mit Familienmitgliedern und guten Freunden zu teilen. Durch die Schulungen und die Kooperative jedoch wurde eine neue Mentalität vermittelt, in der auch mit den Nachbarn bzw. anderen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft geteilt wird, nach dem Prinzip: Wenn ich eine Ziege erhalte, gebe ich eine Ziege an meinen Nachbarn weiter; wenn ich zwei Dosen Saatgut erhalte, gebe ich zwei Dosen Saatgut an meinen Nachbarn weiter. Die Teilnehmer haben verstanden, dass es dabei nicht nur darum geht, Güter weiterzugeben, sondern besonders auch erlerntes Wissen.

Das Projekt nutzte die bereits kulturell vorgegebene Kultur des Teilens und weitete sie auf die Dorfgemeinschaft aus; dadurch wurde auch Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und zukunftsorientiertes Denken gestärkt, da die Familien nicht nur für sich selbst z.B. gut für ihre Ziegen sorgten, sondern auch, weil sie dem Nächsten eine Ziege weitergeben wollten. In der Zukunft möchte der örtliche Partner die Umsetzung der Projektvorhaben noch besser kontextualisieren, vor allem auch, da viele Mitglieder der Zielgruppe ihre Bedürfnisse selbst gar nicht richtig artikulieren konnten. Auf der anderen Seite konnte das Projekt und die Schulungen auch die Weltanschauung der Teilnehmer erweitern und neue kulturelle Erkenntnisse liefern.

Es wurde auch beobachtet, dass sich durch das Projekt die Rolle der Frau in der Gesellschaft verbesserte und die Mitglieder der Zielgruppe verstanden, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind und die Frau eine wichtige Rolle spielt, sowohl in der Dorfgemeinschaft als auch in der Ehe. In diesem Zusammenhang lernten die Teilnehmer auch, wie sie mit Konflikten besser umgehen können.

Äußere Faktoren

Der örtliche Partner erkannte, dass der Erfolg eines Projektes dieser Art von einigen äußeren Faktoren abhängig ist. Zum Beispiel kamen im Wirbelsturm im Herbst 2012 einige Ziegen um und mussten ersetzt werden. In Leogane wurde das Saatgut zu spät ausgegeben, sodass die Pflanzen nicht genügend Wasser bekamen und die Ernte nicht so gut war. Für viele Familien war auch der Zugang zu Wasserquellen schwierig: In Barreau Michel z.B. müssen einige Familien zwei Stunden laufen, um Wasser zu holen; das beeinträchtigte den Gartenbau und die Ernte war nicht so groß. Darüber hinaus waren mehrere Familien bzw. Dörfer sehr weit draußen und isoliert. Die Familien nahmen trotz einer Stunde Fußmarsch an den Schulungen teil, jedoch konnte man einen deutlichen Unterschied im Denken und im Bildungs- und Gesundheitsstatus der Familien aus isolierten Gebieten erkennen; diese Unterschiede in der Armutsstufe und im Denken bildeten eine Herausforderung für die Schulungsleiter.

Unerwartete Resultate

Zu den unerwarteten Resultaten des Projektes gehörte u.a., dass die Familien in Barreau Michel eine Kooperative gründeten (das war ursprünglich nicht im Projektantrag vorgesehen). Die Kooperative tat sich zusammen und verkaufte Kaffee-Saatgut und kaufte vom Erlös drei Schweine, um sie zu züchten. Außerdem spendeten die Familien 40 Dosen Mais-Saatgut an die Kooperative, die wiederum 35 Dosen an bedürftige Familien weitergab und den Rest im Modellgarten anpflanzte. Weiter war geplant, 80 Dosen Saatgut zu verkaufen, um die nötigen Utensilien für eine Bäckerei zu kaufen. In Leogane wurden zudem in Initiative der Dorfbewohner entschieden, Leitungspersonen aus der Dorfgemeinschaft zu wählen, um die Weitergabe der Ziegen zu koordinieren.

Umsetzung der Erkenntnisse

Als Umsetzung der Wirkungsbeobachtungen wurde u.a. in einer Verlängerung des Projektes geplant, Schulungen in Katastrophenvorsorge anzubieten, die Zielgruppe und Kooperative öfter zu besuchen (ein besseres System fürs Monitoring zu entwickeln), im Modellgarten Bäume anzupflanzen und weitere Ziegen zu kaufen/verteilen (es wurde festgestellt, dass die Konzentration auf wenigere Familien und dafür mehr Ziegen bzw. Hühner pro Familie besser gewesen wäre, damit diese Familien wirklich finanziell unabhängig werden können). Außerdem möchte der örtliche Partner in der Zukunft die Meinungen und Kapazitäten der Zielgruppe noch viel stärker in die Planung mit einbinden.

Einige Kommentare der Zielgruppe:

“Wir leben besser als vorher. Wir wurden geschult, wir haben Ziegen, Saatgut und eine Maismühle. Wir möchten an unsere Nachbarn weitergeben.” (Flerius, Mitglied der Kooperative in Barreau Michel)

“Jetzt kennen wir viele Techniken für Gärten und Saatgut. Ich weiß nun, dass ich als Frau alles tun kann, was ein Mann tut, und mit ihm gleichberechtigt bin.” (Eva aus Leogane)

“Wir haben Ziegen. Es wird eine neue Zielgruppe geben. Wir erwarten, dass alle Familien in unserem Dorf irgendwann Ziegen haben. Die Menschen haben untereinander jetzt bessere Beziehungen. Unsere Gärten sind besser.” (Louise aus Leogane)

“Wir wissen jetzt, wie wir uns am besten um die Umwelt kümmern können. Wir sind als Gruppe stark; und wir lehren in den Familien.” (Jean-Louis aus Leogane)

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2016 Moldawien:
Ein Abend Leben

paXan 2016 Moldawien

Sie kauern am Fuß der Brücke, die über die Eisenbahngleise führt; kaum heben sie den Blick, wenn auf den Stufen Schritte erklingen, murmeln ein paar Worte und starren in ihre Hand, die ein paar wenige Münzen enthält. Andere sitzen im Hof hinter dem Obdachlosenheim, suchen unter Bäumen und in einer kleinen wackeligen Laube etwas Schutz vor der sengenden Hitze und warten darauf, dass der lange, leere Tag sich zu Ende neigt.

Ihre Gesellschaft hat sie längst vergessen. Im Obdachlosenheim erhalten sie ein Abendessen auf Blechtellern und einen Schlafplatz, wenn nötig medizinische Versorgung – weniger, als man einem Haustier bieten würde. Kaum einer sieht sie als Menschen an; kaum einer gönnt ihnen etwas, das sich „Leben“ nennen könnte. Sie wirken wie Statisten – Inventar des Bühnenbilds, vor dem sich der Alltag im Moldawien des einundzwanzigsten Jahrhunderts abspielt.

Aber jeder dieser Menschen hat einen Namen. Jeder hat eine Geschichte, eine Gegenwart – und eine Zukunft. Vitali Adolphowitsch, der mit seinem Kumpel, kriegsversehrter Veteran aus dem Afghanistan-Krieg, an der Brücke ausharrt und uns mit schwachen Handbewegungen verdeutlicht, dass man ihn in der Sowjetunion schon längst „beseitigt“ hätte. Marina, die liebevoll alle Pflanzen im Obdachlosenheim gießt und uns von ihrem Sohn erzählt, der auf dem Land Gemüse verkauft. Lucia, die immer ein Lächeln auf dem Gesicht hat und von einer Reise nach Italien träumt. Oder Valeri der Physiker, dem von einer Schweizer Firma sein Patent gestohlen wurde und der nun vor dem Obdachlosenheim in der Sonne sitzt und auf Schmierzetteln neue Automotoren entwickelt.

Einige dieser besonderen Menschen dürfen wir bei unserem paXan-Einsatz in Moldawien kennenlernen. Und ihnen das schenken, was ihre Gesellschaft und auch oft ihre Familien ihnen schon lange verwehrt: das Wissen, wertvolle und geliebte Menschen zu sein.

Es ist Samstagabend im Obdachlosenheim in Chişinău, Moldawien. Eine Woche lang hat unser paXan-Team aus 11 Jungerwachsenen sich mit ganzer Energie eingesetzt. Im ersten Stock wurden in drei Räumen Decken, Wände und Fensterbänke abgeschmirgelt, gespachtelt und in leuchtendem Rehabilitations-Gelb frisch gestrichen sowie in zwei Räumen und im Flur neuer PVC-Boden verlegt. Der Speisesaal im Erdgeschoss hat währenddessen eine Grundsanierung erhalten: Die Wand bei der Essensausgabe ist nun gefliest, vier neue Fenster sind eingesetzt und verputzt, alles ist frisch gestrichen, mit Leisten verziert und zum Schluss noch einmal ordentlich gesäubert. Jetzt erstrahlt der Raum in neuem Glanz und wartet darauf, in Kürze von Sergej und Irina, unseren „Kollegen“ vor Ort, als Räumlichkeit für verschiedene Dienste für die Menschen im Heim genutzt zu werden.

Aber noch ist es nicht so weit. Heute steht ein anderer Höhepunkt auf dem Programm. Viele Stunden haben wir uns darauf vorbereitet: ein hektischer Einkauf im moldauischen Supermarkt (durchaus eine Herausforderung, wenn man die Etiketten nicht lesen kann), drei Stunden Vorbereitung eines vortrefflichen Drei-Gänge-Menüs von unserem Chefkoch Dean, unterstützt durch das fleißige Küchenteam, während das Service-Team den frisch renovierten Speisesaal in ein Fünf-Sterne-Restaurant verwandelt hat: mit Tischdecken, Läufern, Servietten, Kerzen und Blumen liebevoll verzierte Tische, akkurat nach Knigge gedeckt mit ausgeliehenem Porzellan und Weingläsern, in denen selbstverständlich kein Alkohol serviert werden wird. Jetzt ist es kurz nach Acht; die Kerzen sind entzündet, sanfte Geigenmusik füllt den Raum und Küchen- und Service-Team stehen bereit.

Die Tür öffnet sich. Die erste Frau tritt ein. Ihr Lächeln zerfließt in sprachloses Erstaunen, das nach wenigen Augenblicken in ein noch strahlenderes Lächeln zerbricht. Weitere Frauen folgen, blicken ungläubig auf die Tische, durch den Raum, bleiben erst einmal fassungslos stehen. Erst nach ein paar Minuten trauen sie sich, ihre Plätze an den Tafeln einzunehmen, sitzen dann dort und raunen einander zu. Einer Frau rinnen die Tränen über das Gesicht.

Die Männer schreiten etwas forscher in den Speisesaal, scharen sich gemeinsam um einen Tisch und schauen uns erwartungsvoll an. Nach ein paar einladenden Worten von Simon, übersetzt von Irina, kann das Dinner beginnen. Den ersten Gang servieren wir noch an eher stillen Tischen. Aber schon bald löst das gute Essen die Zungen unserer Gäste. Fröhliche Unterhaltung füllt den Raum, während die Frauen und Männer das Essen genießen. An anderen Tagen wird die Abendmahlzeit sonst eher stumm eingenommen. Aber heute Abend erhellt eine zuversichtliche Gemeinschaft den Speisesaal, die das flackernde Kerzenlicht in den strahlenden Augen unserer Gäste noch übertrifft.

Auf die Vorspeise folgt der Hauptgang: Schweinebraten in Soße mit Gemüse. Eine Frau hilft ihrer Tischnachbarin, deren Hand verkrümmt ist, beim Schneiden des einmaligen Schmauses. Auch Solidarität und Hilfsbereitschaft sind Eigenschaften, die manchmal durch Not und Leid verkümmern – aber an diesem Abend erfahren die Obdachlosen so viel Liebe, dass sie großzügig davon weitergeben können. Bis das Dessert serviert wird, hat eine warme, herzliche Atmosphäre den Raum durchdrungen.

Lucia, die wir schon am Dienstagabend kennenlernen durften, als wir den Frauen des Heims eine Maniküre anboten, fasst ihre Freude und Dankbarkeit in Worte: “Ihr habt gesagt, dass ihr für den Samstagabend etwas Besonderes für uns geplant habt. Aber so etwas hatten wir nicht erwartet!” Und auch die anderen sind überwältigt: “So etwas hat noch nie jemand für uns getan. Wir werden es auch bestimmt nie wieder erleben – aber diesen einen Abend durften wir haben!”

Nach dem Dinner sitzen die Frauen noch lange in ihren Zimmern auf den Betten und reden aufgeregt über das Unerwartete, das Außerordentliche, das ihnen gerade widerfahren ist. Mit dabei ist eine ältere Frau, die sich bisher immer stumm und verschlossen im Hintergrund hielt und an nichts Interesse zeigte. Aber heute ist sie wie verwandelt: Freudig spricht sie mit ihren Zimmerkameradinnen, erzählt und hört zu und weiß plötzlich, dass diese Frauen wertvoll sind, wie auch sie selbst wertvoll ist.

Währenddessen sitzen wir als Team im nun leeren Speisesaal und lassen uns die Überreste des Dinners schmecken – müde und erschöpft, aber zufrieden und glücklich. Denn wir wissen, dass unser Einsatz absolut erfolgreich war. Für Irina und Sergej konnten wir eine Tür öffnen und Verbindungen knüpfen, die ihnen ermöglichen, mit den Obdachlosen nachhaltige Arbeit zu beginnen. Viele dieser Menschen sind alkoholabhängig, und daher möchte Sergej Anfang 2017 ein Rehabilitationszentrum gründen, von denen es in Moldawien – dem Land mit der höchsten Alkoholabhängigkeit weltweit – fast keine gibt. Darüber hinaus haben wir es geschafft, diesen Frauen und Männern, die ihre Gesellschaft kaum als Menschen akzeptiert, durch unsere Arbeit und das Dinner echte Wertschätzung zu vermitteln. Ein Abend, den sie nie vergessen werden: Für uns wäre das vielleicht nicht viel. Für diese Menschen aber ist es inmitten von Ohnmacht und Wertlosigkeit ein Abend Leben.

 

© 2016 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2016 Philippinen

paXan 2016 Philippinen

paXan 2016 auf den Philippinen glich in so mancher Hinsicht einer kleinen Expedition, da wir unsere Zeit auf der schönen Hauptinsel in einer doch recht abgeschiedenen Gegend in der „Mountain Province“ verbrachten. So stand nach Ankunft in Manila erst einmal noch eine eigentlich fünfstündige Busfahrt an, die unsere Fahrerin aber innerhalb von vier Stunden zurücklegte (gut, dass es dunkel war). Schließlich kamen wir am Philippine Nazarene College (PNC) in Baguio an. Nach etwas Rast fuhren wir am nächsten Tag erneut zwei Stunden mit Vans in eine weitere Stadt, wo wir unseren Proviant für die nächsten Tage einkauften – einschließlich drei Säcken Reis und fünf lebenden Hühnern (so sind sie besser haltbar). Nachdem wir alle Einkäufe erledigt hatten, hieß es Aufsteigen auf die Ladefläche eines Gemüselasters, der uns in weiteren zwei Stunden über Schotterpisten nach Dengao, einem kleinen Bergdorf von etwa 150–200 Einwohnern, brachte.

Hier verbrachten wir die nächste Woche, in der wir gemeinsam mit den Menschen dort die Schule innen und außen (inklusive der Wellbleche auf dem Dach) und die Gemeinde (Dorfkirche) innen und außen strichen. Da die Gemeinde der größte Raum des Dorfes ist, wird sie neben Gottesdiensten auch für Schulunterricht und Versammlungen genutzt.

Da es im Dorf nur sehr wenige halbwegs hygienische Toiletten gab (um genau zu sein: eine), bauten wir auch noch zwei weitere Toiletten – eine für Herren und eine für Damen. Dies war auch insofern wichtig, da die Schule bisher keine Toiletten besaß. Und natürlich gab es auch wieder ein Programm mit den Kindern des Dorfes, die uns alle damit überraschten, wie schnell sie Deutsch lernten.

Aufgrund der täglichen Regenfälle am Nachmittag konnten wir leider das Toilettenhaus nicht mehr ganz fertigstellen, aber wir sind zuversichtlich, dass die Dorfmänner dies auch noch alleine meistern werden.

Nach einer Woche ging es dann mit einem kurzen Sightseeing-Stopp in Sagada zurück zum PNC nach Baguio. Hier mussten wir uns dann schon von zwei Teilnehmern verabschieden, die etwas früher zurückreisten. Der Rest des Teams verbrachte die restlichen Tage damit, einen Konferenzraum des Colleges zu streichen. Dieser sollte in neuem Glanz erstrahlen, da er in Zukunft auch für externe Gruppen für Sitzungen etc. vermietet werden soll und die Schule dadurch hofft, eine neue Einnahmequelle zu erschließen.

Dieser Einsatz war wahrscheinlich von allen paXan-Teams bisher der Einsatz, bei dem die Einheimischen am meisten im Projekt involviert waren. Besonders die Männer waren maßgeblich am Bau der Toilette beteiligt – wir halfen lediglich. Und es waren Männer, die harte Arbeit auf den Feldern gewohnt sind und daher auch tatsächlich ordentlich anpacken konnten. Wie schon auch in den vergangenen Jahren musste man sich also die Frage stellen: „Warum dorthin reisen?“

Gegen Ende des Einsatzes erhielten wir dieses Mal eine sehr interessante Antwort. Erst an einem unserer letzten Tage in Dengao wurde uns erzählt, dass die Dorfbewohner vor unserer Ankunft extra eine traditionelle Zeremonie abgehalten hatten, um sich vor uns und unserem schlechten Einfluss zu schützen. Dazu muss gesagt werden, dass in der Vergangenheit das Vertrauen der Menschen von westlichen Besuchern missbraucht wurde. So kam es auch, dass wir besonders beobachtet wurden.

Warum also dorthin reisen: um zu zeigen, dass man „diesen Christen“ durchaus vertrauen kann und sie vorbehaltlos helfen wollen, ohne eine weitere Agenda zu haben. Und von dem zu urteilen, was uns die Menschen dort zum Abschied gesagt haben, ist diese Botschaft durchaus angekommen.

Christoph Nick