paXan 2019 Armenien

Tolles Team, tolles Projekt, tolle Menschen, tolles Land (ich hoffe ich habe nichts Tolles vergessen) – so in etwa lässt sich paXan Armenien 2019 zusammenfassen.

Zu siebt machten wir uns auf den Weg nach Jerewan, der Hauptstadt von Armenien, und wurden herzlich von den Menschen der dortigen Gemeinde begrüßt, mit denen wir eine Woche lang zusammenarbeiten durften. Unsere zwei großen Aufgaben bestanden darin, bei einer Ferienkinderwoche auszuhelfen und den Hof in einen Platz zum Verweilen und Spielen für die Kinder umzugestalten.

Gleich nach unserer Ankunft am späten Nachmittag stellten wir überrascht fest, dass alles Baumaterial schon da war, und legten direkt los, dieses von der Straße zur Baustelle zu tragen. Insgesamt waren es sechs gefüllte Paletten mit roten und grauen Pflastersteinen. Auch Nachbarskinder halfen spontan mit und die Sprachbarriere war vergessen. So lernten wir von Tag Eins die Nachbarn kennen, die die Woche über interessiert unsere Fortschritte beobachteten.

Um den Spielebereich pflastern zu können, wurde zunächst ein Bett aus einem Kies-, Sand- und Zement-Gemisch (so macht man das in Armenien scheinbar) hergestellt. Während die einen die Grundlage für die Pflastersteine vorbereiteten, räumten die anderen das Grundstück auf, entfernten Gestrüpp und fällten einen verdorrten Baum. Außerdem kamen die Damen im Team auf die Idee, den Spielebereich durch ein kindergerechtes Wandbild farbenfroher zu gestalten.

Vormittags fand während der Woche die Kinderwoche mit bis zu 80 Kindern statt, die von den Teens und jungen Erwachsenen federführend vorbereitet und durchgeführt wurde. Es war begeisternd zu sehen, mit wie viel Freude und Energie die Mitarbeiter durchs Programm leiteten. Uns als paXan-Team fiel hier eine vergleichsweise kleine Aufgabe zu. Wir betreuten die Kinder bei Bastelarbeiten und spielten Spiele mit ihnen – die Löwenmasken als auch das Plumpsackspiel waren dabei die Highlights.

Nachmittags arbeiteten wir bei sehr hohen Temperaturen weiter an unseren Pflastersteinen oder Gemälde und wurden richtig kreativ, uns Schattenvorrichtungen zu bauen, um uns zumindest etwas vor der kräftigen Sonne zu schützen. Trotz Hitze und gesundheitlicher Herausforderungen war die Stimmung im Team durchweg positiv und sorgte für ein wirklich schönes Miteinander.

Neben der Arbeit sind es Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die uns ins Erinnerung bleiben. Seien es die zwei bis drei Frauen, die uns kulinarisch verwöhnten und zeigten, was armenische Gastfreundschaft heißt, die Kinder, die eifrig ihre Englischkenntnisse auspackten, oder die Männer, die uns geduldig die Kunst des armenischen Pflasterns beibrachten.

Gegen Ende unserer Zeit lies es das Projektgeld zu, dass wir einen Basketballkorb und Bälle anschafften. Die Freude war groß und der Korb im Nu von den Kindern eingeweiht. Auch das Wandbild fand regen Anklang. So waren wir amüsiert zu erfahren, dass Familien aus der Nachbarschaft bereits Fototermine vor dem Gemälde vereinbarten.

Neben der eigentlichen Arbeit und dem Projekt hat ein paXan-Team aber auch immer weitere Dimensionen. Eine davon ist der Bildungsaspekt, und so beschäftigten wir uns während unserer Zeit dort auch mit der Geschichte des Landes, der Kultur, dem Essen, den Herausforderungen der Menschen dort und vielem mehr. Jeden Abend sprachen wir als Team über die Erfahrungen des Tages und konnten so das Erlebte reflektieren.

Im Nachhinein wünschen wir uns, dass der Spielebereich wirklich in der Gegend zu einem Ort wird, wo Kinder und Jugendliche einen sicheren Platz vorfinden, an dem sie toben und spielen können, wo sie aber auch jemanden vorfinden, der ihnen zuhört und einfach für sie da ist.

Anne Magin und Christoph Nick für das paXan-Team Armenien

Vorsicht Baustelle!

Achtung: Der Umzug unserer Website ist zwar vollständig vollzogen, aber es stehen noch einige Kartons unausgepackt herum. Also falls die eine oder andere Zimmerecke noch nicht ganz fertig eingeräumt wirkt: Sehen Sie bitte in ein paar Tagen nochmal nach!

„Hurra, ich bin jetzt ein Schulkind!“

„Hurra, ich bin jetzt ein Schulkind!“ So werden in den nächsten Wochen viele tausende Kinder in Deutschland jubeln. Und so – in diversen anderen Sprachen – jubeln tausende Kinder in den Kinderzentren unserer Partner weltweit. Für viele von ihnen ist es gar nicht so selbstverständlich, dass sie in die Schule gehen können.
Aber ob selbstverständlich oder nicht – so ein erster Schultag ist doch in jedem Kinderleben ein Abenteuer, und nicht das kleinste! Das erste Mal mit dem Schulranzen – und am Einschulungstag natürlich auch mit Schultüte – unterwegs sein, das ist schon was ganz Besonderes. Das wird gefeiert!
Aber alleine feiern ist blöd, und deshalb haben sich die Schulanfänger im Kindergarten Friedrichstal in Bad Orb (Hessen) etwas ganz Besonderes ausgedacht. Eine Zeitlang haben sie Geld gesammelt, sind dann zusammen einkaufen gegangen, und haben schließlich alles ordentlich verpackt: Eine ganze Menge „School Packs“ sind so zusammengekommen.
Denn das ist einer der Gründe, weshalb viele Kinder aus bedürftigen Familien in unseren Partnerländern eben nicht zur Schule gehen: weil sie sich das Schulmaterial nicht leisten können. Aber daran soll es nicht liegen!
Daher verschicken wir gerne in unserem jährlichen Transport so viele School Packs wie möglich. Gut, sie sind nicht in Schultüten-Form: Aber die Freude darüber ist ebenso groß! Und nicht nur Freude, auch Erleichterung, bei den Eltern, die ihr geringes Gehalt nun für anderes Wichtiges ausgeben können, und bei den Kindern, die im Unterricht richtig mitmachen können: Denn ohne Schreibmaterial lernt sich auch das Schreiben so schlecht. Und manchmal ist so ein School Pack auch einfach „nur“ ein richtig schönes Geschenk.
Wenn die Kinder des Kindergartens Friedrichstal in knapp zwei Wochen eingeschult werden, dann ist nicht nur in Bad Orb die Freude groß: weil die Schulanfänger schon jetzt gelernt haben, ihre Freude mit anderen zu teilen.
Denn auch darum geht es bei dem, was wir „Entwicklungshilfe“ nennen könnten, oder auch: „Wirkungsvoll helfen, nachhaltig verändern“ … ob durch School Packs, Patenschaft oder Spende für ein Kinderzentrum: Freude zu teilen, weil ein Kind das erleben darf, was wir als „ganz normales Leben“ kennen: mit gefüllter Schultasche in die Schule gehen und lernen, dieser Welt mit Zuversicht und Selbstbewusstsein zu begegnen.
Weitere Infos auf unserer Website.

Unser Jahresprojekt 2019: Erfolge und Visionen

Unser Jahresprojekt 2019 fördert ein Kinderzentrum und einen Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mitte Juni war Ergest Biti, unser Leiter vor Ort, bei uns zu Gast. Im Interview berichtet er von Erfolgen und Visionen.

Helping Hands e.V. (HH): Das Kinderzentrum läuft jetzt einige Jahre. Konntet ihr schon einen Unterschied bei den Kindern sehen?

Gesti (G): Auf jeden Fall. Bevor sie zu uns kamen, konnten einige Kinder nicht mal schreiben. Aber jetzt haben sie richtig gute Noten. Sie brauchten einfach nur ein bisschen Unterstützung, jemand, der sich um sie kümmert und ihnen die Hausaufgaben erklärt. Und wir möchten den Kindern gute Werte beibringen. Nur ein Beispiel: In Albanien werfen die meisten Kinder ihren Müll einfach auf die Straße. Aber unsere Kids machen das nicht mehr – sie heben eher mal den Müll von anderen auf.

HH: Habt ihr auch Kontakte zu den Eltern?

G: Das ist uns ganz wichtig. Im Kinderzentrum haben wir ein monatliches Treffen mit allen Eltern. Wir reden auch mit ihnen über ihre Probleme, geben Rat und helfen, wo wir können, und sie vertrauen uns. Im Kindergarten trifft die Leiterin sich einmal pro Woche mit den Eltern.

HH: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wie werdet ihr die finanziellen Mittel aus unserem Jahresprojekt einsetzen?

G: Zuerst einmal werden wir noch einen weiteren Erzieher für den Kindergarten einstellen. Der Kindergarten ist erst ein Jahr alt, aber läuft schon sehr gut. Einige der Kinder sind aus wohlhabenden Familien, wo der Vater Geschäftsmann ist o.ä. Aber von Anfang an haben wir uns zum Ziel gesetzt, auch Kindern aus sozialschwachen Familien den Kindergartenbesuch kostenlos zu ermöglichen. Pro 10 Kindern geben wir ein volles Stipendium, pro 5 Kindern ein halbes. Derzeit haben wir bei 25 Kindern 3 Kinder mit vollem und 5 mit halbem Stipendium. Damit möchten wir die Familien vor Ort unterstützen. Weil immer mehr Kinder dazukommen, brauchen wir noch einen Erzieher, der eine weitere Gruppe übernehmen kann. Um das möglich zu machen, hilft es uns sehr, wenn fürs erste Jahr das Gehalt aus Spenden bezahlt wird, sodass wir weiter ein paar Kindern einen kostenlos Platz anbieten können und trotzdem der Kindergarten dann so schnell wie möglich finanziell selbsttragend wird. Durch die Einnahmen im Kindergarten kann dann zeitnah auch das Kinderzentrum finanziell unabhängig werden.

HH: Das ist ein tolles Ziel! Was plant ihr sonst noch an neuen Aktivitäten?

G: In Kürze sind Sommerferien, und wir möchten sehr gerne ein Camp für die Kinder vom Kinderzentrum veranstalten. Das kostet so etwa 500 Euro. Im September möchten wir auch wieder Bücher und Schulmaterial verteilen, da die meisten Familien sich das nicht leisten können. Und wir planen auch, in der Zukunft sehr viel mehr in die Schulung von Lehrern zu investieren. Dieses Jahr hatten wir das zum ersten Mal, es ging um Kinderschutz. Das möchten wir jetzt einmal pro Jahr anbieten – eine dreitägige Schulung zu verschiedenen Themen, Zeit für Austausch und auch ein bisschen Entspannung.
Und schließlich – das ist ein großer Bedarf – brauchen wir dringend neue Räumlichkeiten für das Kinderzentrum. Im Moment können wir keine weiteren Anmeldungen annehmen, weil unsere Räume zu klein sind. Aber viele Familien aus dem Ort bitten uns, ihre Kinder aufzunehmen. Wenn wir größere Räumlichkeiten mieten könnten, wäre das sehr hilfreich. Es gibt auch ein Gebäude, das wir im Blick haben, das müsste dann allerdings noch renoviert werden, um es fürs Kinderzentrum zu nutzen.

Weitere Infos zum Jahresprojekt finden Sie auf unserer Website.

Joggathons 2019

Ein Rekordergebnis erzielten die Berliner Joggathon-Teilnehmer am 26. Mai: 88 Läufer legten in 715 Runden insgesamt 676,39 Kilometer zurück und erliefen mit der Unterstützung von 263 Sponsoren eine Summe von 14.440,11 Euro; die Spenden fördern die paXan-Projekte in Armenien und Georgien sowie ein Sozialwerk in Berlin. In Gelnhausen liefen ebenfalls am 26. Mai 41 Teilnehmer gemeinsam 327,6 Kilometer in insgesamt 819 Runden und erzielten ein Ergebnis von bisher 2.800 Euro für unser Jahresprojekt 2019 in Albanien. Ein riesiges Dankeschön an alle, die zu diesem tollen Erfolg beigetragen haben!

Ein Herz für Piluwa

Stundenlang sind wir durch den Dschungel gefahren, durch kleine emsige Städte, über breite staubige Flussbetten, durch die nur ein Rinnsal fließt, vorbei an Wäldern mit blühenden, herrlich duftenden Bäumen. Nachdem der Bus uns endlich ausgespuckt hat – an einer verlassenen Wegkreuzung mitten im Irgendwo – geht es noch per Auto-Rikscha ein Stück durch den Urwald. Als die ersten Gebäude auftauchen, sind wir auch schon da: in Piluwa, das hier wie ein abgelegenes Dorf aussieht, sich aber weiter südlich in eine größere Stadt ausweitet, und an unserem Kinderzentrum, vor dem etwa vierzig lachende, fröhliche Kinder erwartungsvoll nach den Besuchern Ausschau halten, die Hände voller Blüten und kleiner Sträuße, die sie als Willkommensgruß auf dem Schulweg selbst gepflückt haben. Denn so ein Besuch aus dem fernen Kathmandu, das ist doch immer mal etwas anderes als Alltag. Da machen die Aufgaben, bei denen die beiden Lehrer Hilfe leisten, gleich irgendwie mehr Spaß, und wenn man Glück hat, dann haben die Besucher eine tolle neue Spielidee dabei, oder vielleicht auch mal was gutes Süßes zum Naschen.

Letzteres haben wir zwar nicht, aber nachdem die Kinder nach den Aufgaben zum gemeinsamen Spielen in den Hof gestürmt sind, haben sie auch schon im Handumdrehen ein gutes altbewährtes paXan-Spiel  gemeistert und sind mit Begeisterung dabei. Vierzig zufriedene, leuchtende Gesichter, die im Schein der untergehenden Sonne eine Hoffnung ausstrahlen, die für viele Morgen reicht. „Die Kinder lieben dieses Kinderzentrum“, erzählt uns ein örtlicher Leiter. „Sie kommen oft schon eine Stunde früher hierher, lange bevor das Programm anfängt, weil sie einfach lieber hier sind als woanders!“

Noch kein ganzes Jahr ist das Kinderzentrum in Piluwa alt – im Juni 2018 wurde es mit einer Einzelspende über Helping Hands e.V. begonnen. Die Kinder kommen aus den ca. 20 ärmsten Familien des Dorfes, die meisten aus ethnischen Randgruppen, und ihre Eltern arbeiten hart, um wenigstens ein bisschen zu verdienen: indem sie ein winziges Stück Land bewirtschaften oder auch als Tagelöhner anheuern – zum Beispiel beim Straßen- und Kanalbau oder im trockenen Flussbett, von wo sie Sand schleppen, damit Ziegel gebrannt werden können. Das Geld reicht nie – kaum für Lebensmittel, und schon gar nicht für „Luxusgüter“ wie Hefte, Stifte oder Schultasche. Im Kinderzentrum erhalten die etwa vierzig 5- bis 11-jährigen Kinder daher nicht nur Hausaufgabenhilfe, Talentförderung und Zeit zum gemeinsamen Spielen, sondern auch einen nahrhaften Snack und nötiges Schulmaterial. Schon in nur weniger als einem Jahr hat das Kinderzentrum einen sichtbaren Unterschied gemacht.

„Vorher haben die Kinder sich nachmittags nur auf der Straße rumgetrieben, aber jetzt kommen sie ganz regelmäßig zum Kinderzentrum“, berichten die beiden Lehrer. „Die Nachhilfe hat in den schulischen Leistungen schon eine Menge Wirkung gezeigt. Und die Eltern sind auch sehr dankbar, weil sie die Veränderung in ihren Kindern sehen können, und weil sie sich keine Sorgen machen brauchen, wo die Kinder sich herumtreiben, während die Eltern noch arbeiten müssen.“ Viele der Eltern sind selbst Analphabeten und könnten ihrem Nachwuchs die nötige akademische Unterstützung gar nicht bieten. Das Kinderzentrum gibt ihnen Hoffnung, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft erwartet als die eigene.

Aber Piluwa wäre ja kein Helping Hands Kinderzentrum, wenn die positiven Effekte nur in ferner Zukunft lägen oder sich ausschließlich in ein paar besseren Schulnoten widerspiegeln. Hier geht es darum, ein ganzes Dorf nachhaltig zu verändern! Und da gibt es für Piluwa eine große Vision.

Während die Kinder sich im Zentrum durch schulische und soziale Bildung eine gute Grundlage für späteren beruflichen Erfolg erarbeiten, wird zeitgleich auch ihr Zuhause Schritt für Schritt verwandelt. In Selbsthilfegruppen lernen und üben Mütter wirtschaftliche Prinzipien, Eltern besuchen Schulungen und gründen kleine Unternehmen. Familien erhalten Hühner, Ziegen und Büffel für Viehzucht; in Gemeinschaftsgärten werden nahrhafte Lebensmittel für Familien und Kinderzentrum angebaut. Das wird auf die Nachbarn ausgeweitet, Kooperativen werden gebildet, die schließlich das Management dieser und anderer Projekte übernehmen – zum Beispiel Zugang zu sauberem Wasser – und sich um die weitere Entwicklung ihres Dorfes kümmern: unabhängig, örtlich verantwortet, nachhaltig.

„Damit könnte das Kinderzentrum in Piluwa schon in wenigen Jahren finanziell selbsttragend sein“, meint der Leiter unseres Partners in Nepal. Ein utopisches Szenario, in Wirklichkeit nicht umsetzbar? Doch – denn weiter nördlich, in einem anderen Projekt unseres Partners, hat es schon geklappt, und nun ist Piluwa an der Reihe. Das verstehen wir unter wirkungsvoller Hilfe und nachhaltiger Veränderung!

An der Wand des Kinderzentrums in Piluwa ist ein Herz aufgeklebt, zusammengesetzt aus vielen einzelnen Herzen. Ein Herz für Kinder? Ein Herz für Piluwa? Vermutlich beides – aber es offenbart auch eine Realität: Veränderung entsteht nicht dadurch, dass ein Partner aus der Ferne eine To-Do-Liste schickt. Veränderung entsteht, wenn viele einzelne Herzen gemeinsam für die gleiche Sache schlagen – Kinder, Lehrer, Eltern, Nachbarn: die Heimat zu einem wirklich lebenswerten Ort zu machen und zusammen ein Morgen zu schaffen, auf das es sich zu hoffen lohnt.

 

© 2019 Dorothea Gschwandtner/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Jahresprojekt 2019: Kindergarten Kombinat

Ali ist fünf – also das Alter, in dem man mit Modellautos spielt, sich für Teddybären noch nicht zu alt ist, und vielleicht schon vom Fahrradfahren träumt. Aber Ali hatte ganz andere Sorgen. Den ganzen Tag kümmerte er sich um seinen kleinen Bruder. Gar nicht so einfach, denn der kleine Bruder hat Down-Syndrom und ist erst ein Jahr alt. Die Mutter wollte ihn eigentlich gar nicht zur Welt bringen. Vier Jungs hatte sie ja schon, und alle von unterschiedlichen Männern. Das ist nicht ungewöhnlich, wenn man als Prostituierte arbeitet. Fünf Jungs, kein Vater – da muss ein Fünfjähriger schon mal an etwas anderes denken als Modellautos und Fahrradfahren.

Als Mitarbeiter unseres örtlichen Partners die Familie kennenlernten, war die Mutter gerade im Krankenhaus, um ihr jüngstes Kind abtreiben zu lassen. Glücklicherweise konnte sie umgestimmt werden. Die älteren Jungs sind jetzt im Kinderzentrum, für den Kleinsten konnte ein kostenloser Platz bei der albanischen Stiftung für Kinder mit Down-Syndrom organisiert werden, und Ali, der Vierte, besucht den Kindergarten. Dort kann er endlich mit Modellautos spielen, und auch mit den Teddybären hat er sich angefreundet. Noch besser: Im Kindergarten gibt es Jungs in seinem Alter, mit denen er unbekümmert spielen kann. Mittags bekommt er auch eine nahrhafte Mahlzeit. Als die Leiterin des Kindergartens ihn fragte, warum er immer so viel isst, sagte er nur: “Zuhause gibt es nichts zu essen.”

„AM-EL“ heißt der Kindergarten in Kombinat, am Rande Tiranas: das heißt so viel wie „sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen“. Hoffnung für Kinder wie Ali – oder Delin und Anila, Bruder und Schwester aus einer Roma-Familie. Der Vater ist arbeitslos, die Mutter arbeitet auf der Haupt-Müllkippe Tiranas und sortiert den ganzen Tag stinkendes Plastik. Die beiden älteren Geschwister gingen nicht zur Schule, als unsere einheimischen Mitarbeiter sie trafen. Jetzt besuchen sie das Kinderzentrum, und Delin und Anila kommen zum Kindergarten. Das ist doch besser als Müllkippe!

Im April 2018 wurde der Kindergarten in Kombinat gegründet – trotz einiger Herausforderungen, “aber es hat sich gelohnt”, betont der Leiter unseres Partners in Kombinat. “Es hat sich gelohnt, weil wir sehen können, wie so viele Kinder und Familien durch diesen Kindergarten positiv beeinflusst werden. Unser Kindergarten soll Familien gute Werte vermitteln und den Kindern beibringen, wie sie ein Leben voll Freude und Hoffnung leben können. In unserem Teil der Welt wirkt es manchmal, als ob es keine Hoffnung mehr gibt. Aber wir können beobachten, wie die Familien, die ihre Kinder hierher bringen, viel fröhlicher und dankbarer sind.” Und der Kindergarten ist ja auch nicht nur ein Betrieb – von den 22 Kindern, die derzeit angemeldet sind, kommen drei aus schwierigen sozialen Verhältnissen und besuchen den Kindergarten kostenlos: Ali, Delin und Anila.

Der Kindergarten ist von Montag bis Samstag von 7.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Kinder (2–5 Jahre alt) beginnen mit Frühstück, dann machen sie in drei Altersgruppen ein paar Aufgaben und Aktivitäten, die bestimmte Fertigkeiten fördern, und spielen gemeinsam. Um 12 gibt es Mittagessen; danach gehen ein paar Kinder nach Hause, die anderen machen bis 15 Uhr Mittagsschlaf und spielen dann bis 17 Uhr. Jeden Tag gibt es auch für alle Gruppen eine besondere Unterrichtsstunde, die von Ehrenamtlichen angeboten wird: zweimal Musik, einmal Tanz und dreimal Englisch.

Ein normales Kindergartenprogramm? Für Ali, Delin und Anila ist es ein Tagesablauf, von dem sie vorher nur träumen konnten. Und der ihnen jetzt das schenkt, was sie so dringend benötigen: Freude für Heute, und Hoffnung, dass Morgen ebenso schön wird.

Jahresprojekt 2019: Kinderzentrum Kombinat

Die Köchin wunderte sich. Gezim, der sonst sein Mittagessen immer hungrig in sich hineinschaufelte, hatte nur ein paar Löffel voll gegessen und saß nun nachdenklich vor seinem Teller. Plötzlich stand er auf und kam zur Köchin herüber. “Darf ich mein Essen mit nach Hause nehmen?” – “Aber warum?”, wollte die Köchin wissen. “Weshalb willst du nicht hier essen?” – Gezim blickte ihr fest in die Augen. “Weil mein Bruder daheim nichts zu essen hat. Ich möchte mein Essen für ihn mitnehmen.”

An dem Tag ging Gezim mit genügend Essen für die ganze Familie nach Hause. Aber dieser Tag war kein Einzelfall, und Gezim ist nicht das einzige Kind im Kinderzentrum, bei dem es daheim nichts zu essen gibt. Da ist zum Beispiel auch Elira, die Älteste von vier Kindern. Sie ist erst 11 aber kümmert sich um ihre zwei Schwestern im Alter von 2 und 6 und ihren siebenjährigen Bruder. Ihre Mutter arbeitet als Putzfrau und Straßenfegerin und ist von morgens bis abends unterwegs. Ihr Gehalt reicht so grade eben für die Miete und oft ist einfach nichts mehr für Lebensmittel übrig – daher ist die warme Mahlzeit im Kinderzentrum für die Kinder meist die einzige am Tag.

Die 32 Kinder, die derzeit im Kinderzentrum angemeldet sind, haben alle ähnliche Geschichten. Manche haben gar keine Eltern, oder nur ein Elternteil. Viele sind aus Roma-Familien oder anderen Randgruppen, und die Eltern interessiert es gar nicht, wo ihre Kinder den ganzen Tag verbringen. Fast alle sind aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Ohne das Kinderzentrum würden alle diese Kinder überhaupt nicht zur Schule gehen – weil sie sich dort nicht sicher fühlen, weil sie kein Geld für Schulmaterial und ähnliches haben, weil sie diskriminiert werden, oder eben weil sich einfach niemand darum kümmert.

Seit es das Kinderzentrum gibt, haben diese Kinder aus Randgruppen wieder Mut, die Schule zu besuchen. Das Kinderzentrum ist von 9.00 bis 16.00 Uhr geöffnet; morgens um 9 Uhr kommen die Kinder, die nachmittags Schule haben; die zweite Gruppe kommt um 13 Uhr und bleibt bis vier. Eine Lehrerin und zwei Ehrenamtliche helfen den Kindern bei den Hausaufgaben und geben Nachhilfe wo nötig. Die letzte halbe Stunde ist für „persönliche Angelegenheiten“ reserviert; zum Beispiel lernen die Kinder, wie man sich richtig die Hände wäscht und Zähne putzt – Dinge, die ihnen zuhause nicht beigebracht werden. Um 12 bzw. 13 Uhr gibt es Mittagessen für alle Kinder: Gezim, Elira und ihre Geschwister freuen sich immer besonders darauf.

Natürlich wird im Kinderzentrum auch gespielt, und etwa alle drei Monate machen alle gemeinsam einen Ausflug, damit die Kinder auch mal etwas anderes sehen und unbekümmert zusammen Spaß haben können. Meist erhalten sie im Kinderzentrum auch Schulmaterial oder Bücher, die sie für die Schule brauchen aber nicht bezahlen können, und ab und zu werden die Familien bei medizinischen Kosten unterstützt – zum Beispiel für die zwölfjährige Endrita, die vor kurzem wegen einer Zyste operiert werden musste, und deren Eltern um Hilfe baten.

Das zeigt, welchen Einfluss das Kinderzentrum auch aufs Umfeld hat: Die Familien vertrauen den Mitarbeitern und fühlen sich wohl, wenn sie ins Zentrum kommen – gar nicht so selbstverständlich bei Randgruppen, die ihr Leben lang diskriminiert werden und daher meist sehr misstrauisch sind. Auch andere Familien in Kombinat haben bemerkt, wie viel Unterschied das Kinderzentrum schon gemacht hat, und sind sehr dankbar dafür. Der Direktor der Schule, die die meisten Kinder besuchen, ist ebenfalls enorm dankbar und sehr offen dafür, mit den Mitarbeitern des Kinderzentrums in allem zu kooperieren, obwohl das in Albanien ungewöhnlich ist.

Vor allem aber wissen Gezim, Elira, Endrita und alle anderen Kinder, dass sie im Kinderzentrum einen Ort haben, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen können, und in den Mitarbeitern Menschen, die sie lieben und wertschätzen und sich mit ehrlicher Hingabe um sie kümmern. Und diese Überzeugung, geliebt und wertvoll zu sein, spiegelt sich nicht nur in ihren Schulnoten wider: Man sieht es in ihrem geänderten Verhalten, in der Begeisterung, mit der sie ins Kinderzentrum kommen, und in den zuversichtlichen, strahlenden Gesichtern, wenn sie die Mitarbeiter begrüßen.

“Wir sind so dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Kindern zu dienen,” schreibt der Leiter des Zentrums, “ihnen Freude zu bringen, und Hoffnung, und sie zu lehren, wie sie ihr Leben mit Integrität meistern können.”

Unser Jahresprojekt 2019

Wozu Schule, wenn man ohnehin im Unterricht nicht mitkommt? Wenn man dort nur Ablehnung erfährt? Wo man doch auf der Straße wenigstens ab und zu etwas zu essen finden kann? Und die Eltern sich gar nicht darum scheren, wo man den ganzen Tag verbringt … wenn man überhaupt Eltern hat? – Straße oder Schulbank? Das entscheiden Kinder aus Randgruppen in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, täglich neu.

Für Samuel aus Kombinat, einem Stadtteil am Rande Tiranas, ist die Antwort klar: Natürlich Schulbank! Im Kinderzentrum erhalten er und andere Kinder das, was ihnen sonst gefehlt hat: Hilfe bei den Hausaufgaben, individuelle Aufmerksamkeit, das Wissen, geliebt und wertvoll zu sein. Auch eine nahrhafte Mahlzeit bekommen die Kinder – für viele die einzige am Tag.

Seit Frühjahr 2018 gibt es auch einen Kindergarten, damit schon die Kleinsten einen Ort haben, an dem sie geborgen sind und gute Werte lernen. Damit die Projekte möglichst bald finanziell unabhängig werden, ist noch Unterstützung nötig. Straße oder Schulbank? Helfen Sie mit, dass Kinder wie Samuel weiterhin die richtige Antwort wissen!

Für das Jahresprojekt strebt Helping Hands Gesamtspendeneinnahmen von 17.500 Euro an. Alle Spenden kommen zu 100% Kinderzentrum und Kindergarten in Albanien zugute. Bitte überweisen Sie Ihre Spende mit Vermerk „Jahresprojekt 2019“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Die PROJEKTE

Unser Hauptanliegen ist, dass die Kinderprojekte in Kombinat möglichst bald finanziell unabhängig werden; daran arbeiten wir gemeinsam mit Ergest, dem örtlichen Leiter. Unter anderem wird in diesem Zusammenhang noch anfängliche Unterstützung für ein zusätzliches Lehrergehalt benötigt.

Weitere einmalige Investitionen, die für Kindergarten und Kinderzentrum notwendig bzw. hilfreich sind, können je nach Spendenlage getätigt werden: Küchenutensilien, Überwachungskameras (das ist nach neuem albanischem Gesetz Pflicht), Computer für Informatik-Unterricht im Kinderzentrum, Waschmaschine für den Kindergarten.

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paXan 2018 Kosovo

paXan 2018 Kosovo

Kann man mit nur vier jungen Leuten überhaupt irgendetwas bewegen? Diese Frage stellte sich das zweite paXan-Team 2018, bevor es Ende August in den Kosovo aufbrach.

„Ja!“ heißt die überzeugte Antwort auf diese Frage – und für diesen Einsatz war es sogar die ideale Gruppengröße. Denn besonders die gemeinsame Arbeit und Unterstützung der einheimischen Mitarbeiter stand hier im Vordergrund. Und auch das Miteinander- und Voneinander-Lernen war ein wichtiger Aspekt des Einsatzes.

In einem Dorf, das zum Regierungsbezirk von Suhareka gehört und am Rande eines Nationalparks südlich der Hauptstadt Prishtina liegt, baute das Team für die öffentliche Schule ein neues Toilettenhäuschen. Bis dahin teilten sich die über 100 Schüler zwei Toiletten – eine für Mädchen und eine für Jungs. Das Team verlegte die Wasserleitung frostsicher im Boden und half dann hauptsächlich beim Mauern und Steineschleppen. Zwar konnten sie das Bauprojekt innerhalb der Einsatzwoche nicht komplett abschließen – Beton muss schließlich auch irgendwann trocknen –; dies wird jetzt aber von den Bauarbeitern und Mitarbeitern vor Ort erledigt.

Auch das Lernen und Offen-Sein-Für-Anderes ist ein wichtiger Aspekt von paXan. Deshalb freute das Team sich auch über die Chance, kosovarische Familien zu besuchen, denen unser örtlicher Partner Gewächshäuser zur Verfügung gestellt hatte – die Republik Kosovo ist derzeit das ärmste Land des Balkans; etwa ein Drittel der Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Auch lernte das Team sehr viel über die Komplexität des Balkans und die besonderen Herausforderungen zwischen Serbien, Albanien und Kosovo, sowie über die Versöhnungsarbeit, die einheimische Mitarbeiter unseres Partners hier leisten.

Für das paXan-Team berichtete Christoph Nick.