Wir haben ein neues Projekt zur Ernährungssicherung im Süden Madagaskars gestartet.
Mehrere Stunden zu Fuß, über staubige Pfade, den Wasserkanister auf dem Kopf – das ist für viele Familien in Betaola und Ankilimaro Alltag, sobald die Trockenzeit beginnt. In Ankilimaro sind es bis zu vier Stunden Fußweg, um überhaupt an eine der wenigen Quellen zu gelangen, die dann noch Wasser führen. Und auch diese drohen zunehmend zu versiegen. Selbst wer den weiten Weg auf sich nimmt, hat sein Ziel damit oft nur zur Hälfte erreicht. Denn das Wasser, das die Menschen nach Hause tragen, macht sie häufig krank.
Der Grund dafür ist Bilharziose, eine Wurminfektion, die sich über verseuchte Gewässer verbreitet und von Bauchschmerzen bis zu ernsthaften Organschäden reichen kann. In Betaola führt zwar ein Kanal Wasser aus einem nahegelegenen Fluss bis ins Dorf – doch genau dieses Wasser ist mit den Erregern belastet und wird trotzdem zum Trinken, Kochen und Waschen genutzt, weil es keine Alternative gibt. Im benachbarten Ankilimaro gibt es nicht einmal das: Wer hier lebt, holt sein Wasser aus Betaola oder noch weiter enfernt. Wird jemand krank, bleibt oft nur der weite Weg in die nächstgelegene Stadt Andranovory, um überhaupt behandelt zu werden.
Lucien ist Anfang 20, alleinerziehend, ihr Vater ist gestorben, der Vater ihres Sohnes hat sich nach der Schwangerschaft von ihr abgewandt. Seither sorgt sie allein für sich und ihr Kind. „Eine der größten Herausforderungen bei uns ist der fehlende Zugang zu sauberem Wasser, weil viele Quellen mit Bilharziose verseucht sind“, betont sie. Für sie ist das neue Gemüseanbau-Projekt vor allem eines: eine Möglichkeit, die Ernährung ihrer Familie zu sichern und ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
Betaola und Ankilimaro liegen nur wenige Kilometer von Andranovory entfernt, wo wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Association Precious in den vergangenen Jahren bereits ein Projekt zur Ernährungssicherung erfolgreich umgesetzt haben. Was wir dort gelernt haben, fließt nun direkt in die neue Arbeit ein – und macht zugleich deutlich, wie zentral eine funktionierende Wasserversorgung für den Erfolg ist. In Andranovory war es am Ende eine zwölf Kilometer lange, gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung verlegte Wasserleitung, die den entscheidenden Unterschied gemacht hat.
Für Betaola und Ankilimaro liegt inzwischen sogar schon ein konkreter technischer Plan vor: Nahe der Grundschule von Betaola soll ein Wasseraufbereitungsbecken entstehen, das Flusswasser über ein Absetzbecken und einen langsamen Sandfilter reinigt und so gezielt vor Bilharziose schützt. Von dort aus soll eine rund 2,5 Kilometer lange Leitung auch Ankilimaro versorgen. Was noch fehlt, ist die Finanzierung: Für den Bau des Beckens, die Verlegung der Leitung durch einen Klempner aus Tana und den Transport von Material werden umgerechnet knapp 6.500 Euro benötigt; davon fehlen noch 4.500 Euro. Der Plan liegt also längst auf dem Tisch – jetzt kommt es darauf an, ihn auch umsetzen zu können.
Die ersten Erfolge
Die meisten der rund 116 Familien, mit denen wir hier arbeiten, bewirtschaften kein eigenes Land, sondern Flächen eines Großgrundbesitzers – und geben dafür die Hälfte ihrer Ernte ab. Was bleibt, reicht oft nur für drei bis vier Monate im Jahr. Danach beginnt der Kreislauf aus Leihen und Zurückzahlen mit Zinsen von Neuem. Angebaut wird bislang fast ausschließlich Mais, zweimal täglich, Jahr für Jahr. Doch jetzt wollen die rund 700 bis 800 Menschen sich auf etwas Neues einlassen. Seit Mai lernen sie in Schulungen, wie sie mit Kompost, erhöhten Beeten und biologischem Pflanzenschutz nach traditioneller madagassischer Methode („Ady Gasy“) ihr eigenes Gemüse anbauen können.
Bereits jetzt hat mehr als die Hälfte der Familien in Betaola mit dem Anbau begonnen, in Ankilimaro – wo der Weg zur nächsten Schulung länger und der Alltag noch stärker vom Wassermangel bestimmt ist – sind es deutlich weniger. Wer dabei ist, hat oft schon jetzt Chinakohl, Karotten oder Zucchini geerntet, teils sogar zum Verkauf. Besonders der Chinakohl, der schon nach fünf bis sechs Wochen erntereif ist, ist bei den Familien beliebt geworden, weil er schnell zeigt: Es funktioniert.
Genau dieses Sichtbarwerden erster Erfolge ist es, was aus unserer Erfahrung in Andranovory den größten Unterschied macht – und was jetzt auch in Betaola und Ankilimaro wachsen soll. Damit daraus mehr wird als ein erster zaghafter Anfang, braucht es weiterhin enge Begleitung, angepasste Schulungen und vor allem die rund 4.500 Euro, die noch fehlen, um das geplante Wasseraufbereitungsbecken tatsächlich zu bauen.
Wenn auch Sie die Familien in Betaola und Ankilimaro auf diesem Weg unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ernährungssicherung Madagaskar“.

