Der erste Schritt

Auch NES-Schüler sind von den Erdbeben betroffen

In Nordsyrien und der Türkei schwindet die Hoffnung auf Wunder unter den Trümmern. Fast 44.000 Todesopfer wurden inzwischen geborgen. Die Überlebenden kämpfen mit Hunger und Kälte, Krankheit und Schmerz. Manche Hilfsgütertransporte erreichen die betroffenen Gebiete, andere werden an der Grenze zurückgewiesen. Die Verzweiflung wächst.

Und auch außerhalb der am stärksten betroffenen Gebiete leiden Menschen unter den Folgen des Erdbebens. Viele der Schüler an der NES, unserem Partner in Beirut, wohnen in alten Gebäuden, die durch die Hafen-Explosion im August 2020 stark beschädigt wurden. Die Beben, die auch im Libanon alles erschütterten, haben diese Häuser noch unsicherer gemacht; mindestens eine Familie musste bei Verwandten unterkommen, weil ihr Gebäude nun einsturzgefährdet ist. Und auch die Schule selbst ist betroffen, da sie in Hafennähe liegt.

Ein neues Trauma

Aber am schlimmsten ist das wiederholte Trauma. Sara, Psychotherapeutin der NES-Schule, beschreibt:

„Seit der Explosion haben wir uns intensiv um die Kinder gekümmert, um das Trauma zu verarbeiten – die meisten Kinder leiden unter PTBS. Dann kam das Erdbeben und hat alles wieder hervorgeholt und ein neues Trauma ausgelöst.

Ein großes Problem ist, dass die Eltern selbst nicht gelernt haben, mit ihrer Angst umzugehen und ihre Gefühle auszudrücken. Aber natürlich spüren die Kinder die Angst ihrer Eltern. Die Tage nach dem Erdbeben saßen sie alle daheim, die Eltern waren ständig nervös, hatten Pass, Geld, Schlüssel bereit, um zu fliehen; der Fernseher war durchgehend an und die Kinder sahen die Zerstörung und wie Menschen aus den Trümmern gezogen wurden. Zuhause sollte ein sicherer Ort sein, aber die Kinder sehen, wie viel Angst ihre Eltern haben und nicht wissen, was sie tun sollen, das macht es für die Kinder noch schlimmer; sie sehen die Anspannung und können es nicht verarbeiten. Nachts können sie nicht schlafen, sie liegen da und warten, unentwegt, dass etwas noch Schlimmeres passiert.“

Wenn man die ersten Nächte nach den Beben durch Beirut fuhr, sah man an Straßenecken, unter Brücken, auf Parkplätzen zahlreiche Gruppen von Menschen, in Decken gehüllt gegen die Kälte, die Angst hatten, in ihren Wohnungen zu schlafen. Und noch immer sind Nachbeben in Beirut zu spüren, die dafür sorgen, dass die Angst tagtäglich präsent bleibt. Für viele Familien bringt das auch Erinnerungen hoch an Flucht und Furcht im Bürgerkrieg.

Die syrischen Schüler leiden am meisten

„Bei den syrischen Schülern sind die Auswirkungen stärker, das können wir sehen“, erläutert Sara. „In Syrien mussten sie schon einmal in ihren Schlafanzügen aus dem Haus rennen und sehen, wie es einstürzte, dann kamen sie in den Libanon und fühlten sich sicher, aber dann die Explosion, wieder mussten sie rennen, dann das Erdbeben, und wieder sind sie in ihren Schlafanzügen und rennen … Das Schlimme ist, dass die Eltern auch nicht wissen, wie sie auf die Angst ihrer Kinder reagieren sollen. Viele der Kinder haben Panikattacken, und die Eltern wissen nicht, wie sie damit umgehen können.“

Und es ist durchaus nicht nur eine Erinnerung, unter der die Kinder leiden. Einige Schüler der NES haben in den Erdbeben nahe Verwandte verloren – die meisten in Syrien, manche als Flüchtlinge in der Türkei. Raia* aus der 9. Klasse ist vor Jahren aus Syrien geflohen; in der Explosion starb ihr Schwager, seine Leiche wurde nie gefunden. Jetzt trauert sie über den Verlust von Onkel, Tanten und Cousins in Syrien. Maryam*, ebenfalls in der 9. Klasse, schreibt:

„Wir können nicht lernen, wir können kein Buch öffnen wegen dem Trauma, viele von uns schlafen nachts nicht, viele können nicht in ihrem Haus bleiben, weil das Gebäude so alt ist, manche von uns haben Familie in Syrien verloren, diese Zeit ist schrecklich für uns.“

Die NES: Eine Oase des Friedens

Und auch jetzt ist die NES-Schule eine Oase des Friedens im Chaos. Sie bietet den Kindern ein sicheres, fürsorgliches Umfeld, wo sie sich so angenommen fühlen, wie sie sind – mit all ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen. Sara, die Psychotherapeutin, Nissrine, die Krankenschwester, Josette, Verantwortliche für die Schüler, aber auch die Lehrer sind stets für die Kinder da, hören zu, geben Rat, unterstützen, wo sie können. Die Schüler sind sehr dankbar dafür und kommen selbst, um nach Rat zu fragen – „das ist sehr wichtig“, sagt Sara, „der erste Schritt zu einer besseren Zukunft.“

In den nächsten Wochen wird das Personal der NES-Schule sich intensiv darum kümmern, den Kindern wieder neuen Halt zu geben. Einerseits geschieht das durch regulären Schulunterricht, der in der derzeitigen verheerenden Wirtschaftskrise im Libanon alles andere als selbstverständlich ist. Andererseits steht – wieder einmal – Trauma-Seelsorge auf dem Programm, für die Kinder, aber auch für die Eltern. Darüber hinaus ist geplant, Kinder und Familien besser auf Katastrophen vorzubereiten, um gegen die ständige Angst und das Gefühl der Ohnmacht anzukämpfen. Zu diesen Präventionsmaßnahmen gehört auch, dass das Schulgebäude strukturell überprüft und ggf. saniert wird.

Der erste Schritt

Natürlich stehen für uns im Rahmen der Erdbeben-Not- und Wiederaufbauhilfe besonders die Menschen in Nordsyrien im Fokus, da dort noch am wenigsten Hilfe angekommen ist. Doch wenn möglich möchten wir auch im Libanon Maßnahmen zur langfristigen Heilung und Prävention fördern. Denn jedes Kind, das selbstbewusst und ohne Angst ins Morgen schauen kann, ist ein Schritt zu einer besseren Zukunft.

Wenn Sie uns und unsere Kollegen in Beirut darin unterstützen möchten, sowohl an der NES-Schule als auch in Nordsyrien Hoffnung für ein besseres Morgen zu schenken, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Hier hören und sehen Sie in einem Video-Bericht von der NES, wie die Erdbeben die Schüler betroffen haben.

Ein wichtiger Schritt zur langfristigen Heilung

Das Schechem-Home auf den Philippinen kümmert sich um Opfer von sexueller Ausbeutung

Das erste, was mir auffällt, als wir Amys* Familie besuchen, ist das strahlende Lächeln von Tala*, der zwölfjährigen Schwester.

Nicht der desolate Zustand der Bretterhütte, die Mutter, Schwester und kleiner Bruder ihr Zuhause nennen.

Nicht das karge Innere mit dem brüchigen Holzboden, im Dämmerlicht eine echte Stolperfalle.

Nicht die rostigen Nägel, die überall hervorstehen und die nackten Füße der Kinder bedrohen.

Auch nicht der stinkende Bach, neben dem die Hütte kauert; in der Trockenzeit gefährlich für Kleinkinder, in der Regenzeit eine Gefahr für alle – „sie leben im Bach“ beschreiben es die Sozialarbeiter, weil das Gewässer regelmäßig die Umgebung überschwemmt.

Nein: Das erste, was auffällt, als die Sozialarbeiter, eine Bekannte und ich Amys Familie besuchen, ist Talas strahlendes Lächeln. Und der fragende Blick auf dem Gesicht des zweijährigen Bruders. Und das hoffnungsvolle Leuchten in den Augen der Mutter.

Wie es Amy geht, möchte sie wissen, und ob sie weiter ihre Schulaufgaben macht. Das können wir ihr versichern: Alle Kinder im „Schechem-Home“ setzen ihre Schulbildung fort. Und dann drückt sie Jayson, dem Familien-Sozialarbeiter, ein Kleid in die Hand, etwas verlegen erklärt sie, dass sie es „Second-Hand“ gekauft hat – „für Amy zum Geburtstag“. Den hatten wir gestern in der Schechem-Familie mit einem leckeren Mittagessen gefeiert; 15 Jahre ist sie jetzt alt.

Im Juni kam Amy das erste Mal zu Schechem. Sie wurde, wie alle anderen Kinder auch, von der Polizei gebracht. Denn nach intensiver Forschung von International Justice Mission und den lokalen Behörden in dieser Region der Philippinen war Amy als Opfer von OSEC (sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet) erkannt worden. Die Sicherheitskräfte befreiten sie und ein weiteres Mädchen aus dieser Situation und brachten sie zu Schechem. Nach zwei Wochen liefen die Kinder davon und kamen nach Hause, aber die Mutter hatte Angst und informierte die Behörden. So kam Amy ins Schechem-Home zurück.

Die letzten Monate waren nicht einfach. Das Schechem-Home ist ein „Assessment Center“, ein Ort, an dem Kinder, die aus OSEC-Situationen befreit wurden, über mehrere Monate hinweg intensiv psychotherapeutisch und medizinisch betreut werden. Ziel ist, dass die Kinder Fertigkeiten erlernen, mit ihrem Trauma und den Erfahrungen umzugehen, sodass langfristig Heilung stattfinden kann. Gleichzeitig prüfen die Sozialarbeiter, wann und ob die Kinder bei anderen Familienmitgliedern reintegriert werden können oder erst einmal in eine längerfristige Einrichtung wechseln sollten.

Diese Entscheidung fällt nicht leicht. In den meisten Fällen sind die Eltern – vornehmlich die Mütter – die Schuldigen, und die Sicherheit der Kinder kann nicht gewährleistet werden. Und manchmal haben die Familien einfach nicht die Mittel, um für ihre Kinder zu sorgen. Das ist auch der Fall bei Amy. Ihre Mutter war in dem Verbrechen nicht involviert. Aber sie hat kein Einkommen – und weniger als 20 Euro pro Monat erhält sie vom Staat für sich und die beiden Kinder. Ihr Mann ist im Gefängnis wegen Drogenmissbrauchs. Derzeit unterstützt die Großmutter ihre Tochter und deren Kinder; sie arbeitet als Straßenfegerin bei der Kommune.

Deshalb wird Amy in den nächsten Tagen vorerst in ein Kinderheim umziehen, in dem sie ganzheitlich gefördert wird und auch ihre Schulbildung fortsetzen kann. Dass sie überhaupt inzwischen bereit ist für diesen Schritt ist der liebevollen Fürsorge des Schechem-Personals zu verdanken.

„Als Amy zu uns kam, war sie extrem traumatisiert“, erinnert sich Analyn, die Direktorin von Schechem. „Sie hat viel Schlimmes erlebt – nicht nur ihre eigene ‚Befreiung‘ von der Polizei, sondern sie musste auch mit anschauen, wie ihr Vater verhaftet wurde, und hat viel Gewalt in ihrer Familie mitbekommen. Am Anfang hat sie ständig geweint und Wutausbrüche bekommen. Sie war einfach völlig durcheinander. Aber mit der Zeit hat sie gelernt, mit ihrer Wut und ihrer Traurigkeit umzugehen. Sie schreibt viel in ihr Tagebuch. Sie weiß jetzt, was sie tun kann, um für ihr emotionales Gleichgewicht zu sorgen. Natürlich kann solch ein Trauma in nur wenigen Monaten nicht völlig heilen. Aber Amy steht ihren Gefühlen nicht mehr hilflos gegenüber – sie hat die nötigen ‚Fertigkeiten‘ erlernt, um damit umzugehen. Und sie möchte jetzt auch unbedingt einen guten Schulabschluss machen.“

Das Besondere an Schechem ist: Es ist nicht nur ein „Assessment Center“, sondern ein Zuhause, wie eine große Familie, in der sich alle um einander kümmern. Und das hat mindestens so heilende Wirkung wie die vielen Therapiestunden beim Psychologen und den Sozialarbeitern. Auch für Amy hat es einen großen Unterschied gemacht.

Zwar ist sie immer noch eher zurückhaltend. Manchmal sitzt sie etwas abseits, und auf ihrem Gesicht liegt ein Schatten, ein Schatten der Erinnerung, den alle Therapiestunden nicht wegwischen können. Dann setzt sie sich auch mal mit Grace, der Sozialarbeiterin im Heim, in einer Ecke des Grundstücks zusammen und hat ein langes, ernstes Gespräch.

Aber dann ist sie auch wieder mittendrin, beim Spielen und Basteln, beim Kochen und Waschen im Heim. Manchmal ertönt ihr Lachen, hell, fröhlich, unbeschwert. Oder sie kommt ganz unerwartet und gibt mir eine feste Umarmung, und dann lächelt sie, ein strahlendes Lächeln, ein Lächeln, das mir bekannt vorkommt: Es ist das Lächeln von Tala, ihrer Schwester.

 

Das Schechem-Home ist ein wichtiges Bindeglied in den einzelnen Entwicklungsschritten, die ein Kind durchlaufen muss, um aus einer OSEC-Situation zurück zu einem gesunden, sicheren und erfüllten Leben zu gelangen. Das Zentrum finanziert sich ausschließlich durch Spenden; für 2023 wird noch viel Unterstützung benötigt. Wenn Sie das Heim darin unterstützen möchten, Kindern wie Amy die notwendige Förderung und Geborgenheit zu geben, dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende das Projekt „Jahresprojekt 2022 Schechem-Home (Philippinen)“.

 Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch der internationalen Geschäftsführerin im Dezember 2022. Die Namen der Kinder wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert (*).

„So möchten wir es unsern Kindern beibringen“

Integratives Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal, fördert „Tradition der Unterstützung anderer“

„Das ist eine wirklich große Veränderung für uns!“ Phulmaia steht in ihrem Gemüsegarten, zeigt stolz auf die üppig wachsenden Pflanzen, ihr Gesicht strahlt. „Vorher wussten wir gar nicht, wie man Gemüse richtig anbaut, und wir hatten nie genug – von den Nachbarn mussten wir was erbetteln. Jetzt haben wir mehr als genug Gemüse für die ganze Familie!“

Vor einem Jahr standen wir schon einmal in Phulmaias Garten; da hatte sie gerade eine Schulung zum Gemüseanbau besucht und den Garten ganz neu angelegt. Und schon damals war sie mächtig stolz auf ihren Acker! In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert:

Im Rahmen des Projektes, das Helping Hands e.V. in dem kleinen Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals gemeinsam mit dem örtlichen Partner NCM Nepal durchführt, werden, neben den Bildungszentren für Kinder, auch deren Familien gefördert, um das Einkommen und die Ernährungssicherheit zu verbessern. Wie genau diese Förderung eingesetzt wird, können die Familien selbst entscheiden.

Phulmaia und ihr Mann haben eine etwas ausgefallenere Lösung gefunden als die meisten Familien: Mehrere Schreinerwerkzeuge und Geräte haben sie gekauft. Denn Phulmaias Mann hat viel Erfahrung im Schreinerhandwerk, aber ohne die nötigen Werkzeuge bekam er selten Aufträge. Das ist jetzt anders: Durchschnittlich jeden zweiten Tag kann er an einem Möbelstück arbeiten oder beim Hausbau mithelfen. Damit verdient er ein für lokale Verhältnisse recht adäquates Einkommen. Gemeinsam mit den gesteigerten Erträgen aus Ackerbau und Viehzucht im kleinen Rahmen kann die Familie damit die wichtigsten Ausgaben im Haushalt begleichen.

Und noch anderes hat sich verändert:

In der Selbsthilfegruppe, in der jede teilnehmende Familie vertreten ist, findet ein reger Austausch statt. „Das ist wirklich hilfreich für uns, dass wir uns so gegenseitig bei verschiedenen Themen Rat geben können“, erklärt Phulmaia. „Wir arbeiten wirklich gut zusammen. Und wenn ich selbst etwas beitrage, dann hören die anderen mir zu und ich werde ernst genommen.“

Und dann ist da natürlich noch das Kinderzentrum, in dem ihr neunjähriger Sohn Jay die nötige Förderung bekommt, um einen ordentlichen Bildungsstand zu erreichen. „Das ist für uns so eine große Erleichterung! Ich wünsche mir ja, dass Jay eine gute Ausbildung bekommt und dass er einfach ein guter Mensch wird!“ Jay, den wir kurz vorher auf dem Weg zur Schule getroffen haben, macht den Eindruck, dass das durchaus ein erfüllbarer Wunsch ist: Wie seine Mutter strahlt er Freude und Zufriedenheit aus. Das Leben ist doch so schön!

Aber es hat auch Schattenseiten. Daran erinnern uns Bal Bahadur und Mattimaya, Phulmaias Eltern, die ein paar Minuten entfernt wohnen. Auch sie nehmen am Projekt teil, denn sie kümmern sich um zwei ihrer Enkeltöchter. Die Mutter ging vor einiger Zeit als Gastarbeiter ins Ausland und es besteht kein Kontakt mehr – leider keine Seltenheit in Nepal. Der Vater lebt als Gastarbeiter in der Großstadt und kümmert sich auch nicht um die Kinder.

Trotzdem sind die Großeltern zuversichtlich. Ihre Enkelinnen werden im Kinderzentrum nachhaltig gefördert. Und mit dem Startkapital, das durch das Projekt zur Verfügung gestellt wurde, hat das Ehepaar einen kleinen Laden aufgebaut. Das läuft inzwischen sehr gut; das Einkommen hilft, die Familie zu versorgen. „Wir hoffen, dass wir den Laden noch weiter ausbauen können“, erzählen sie, „sodass wir die traditionellen Jobs wie Ackerbau aufgeben können und Vollzeit-Ladenbesitzer sind. Wir werden ja jeden Tag älter … aber trotzdem hoffen wir, dass wir unsere Enkelinnen zu guten Bürgern machen können, dass sie gut gebildet sind und finanziell unabhängig!“

Vor knapp zwei Jahren hat das Projekt in Ghalegaun begonnen und jede Familie hat einiges zu berichten: darüber, was sich verändert hat, aber auch, welche Hoffnung für die Zukunft sie noch hegen. Im November haben wir einige von ihnen besucht:

Asha hat eine Kuh bekommen und verkauft nun die Milch. Sie hofft, das Milchgeschäft noch zu erweitern, damit sie in ihre eigene Hütte umziehen kann – derzeit wohnt sie noch bei Verwandten. Ihre zwei Töchter besuchen das Kinderzentrum, der Sohn ist erst ein Jahr alt. „Früher haben meine Mädchen in einigen Fächern versagt, aber jetzt haben sie überall gute Noten. Und ihre persönliche Hygiene hat sich auch verbessert!“

Nisha ist gut beschäftigt: Neben dem kleinen Laden hat sie auch eine Schweinezucht begonnen. Wenn die Schweine verkauft sind, möchte sie mit einem Teil des Erlöses den Laden erweitern. Denn sie hat eine rege Kundschaft: Weiter unten im Dorf gibt es keinen Laden mehr. Deshalb kommen alle zu ihr, um Öl und Mehl, Seife und Waschpulver, Kekse und Chips oder Getränke zu kaufen. In Schulungen hat sie gelernt, wie sie für ihre Kinder nahrhafte Mahlzeiten zubereitet – einmal pro Woche kocht sie nun „Jaulo“, ein besonders nahrhaftes Rezept mit lokalen Zutaten.

Ambar Bikram, ein schüchterner, wortkarger Mann, ist als Waise aufgewachsen. Er kann nicht lesen und schreiben und hat bisher nur Tagelöhnerarbeit geleistet. Aber jetzt hat er Hoffnung: Im Juli hat er eine Kuh bekommen; der Verkauf der Milch macht schon einen deutlichen finanziellen Unterschied. Dazu möchte er einen Zuchtbullen kaufen und das Geschäft ausbauen. Dann kann er seinen vier Töchtern mehr bieten, als er selber hatte: „Binu, meine Jüngste, besucht das Kinderzentrum. Ich wünsche mir, dass sie eine gute Bürgerin wird, wohlhabend, mit guten Kenntnissen und einer ordentlichen Ausbildung. Mal sehen, wie ich das schaffe und finanziell tragen kann.“

Sunita hat sich für eine Ziegenzucht entschieden. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hofft sie, diese Zucht größer auszubauen und dafür auch weitere Schulungen zu besuchen. Über die Selbsthilfegruppe wurde eine Zuchtziege gekauft; das hilft den Mitgliedern der Gruppe, ihre eigenen Tiere besser zu züchten, sodass sie sie für höhere Preise verkaufen können.

Dil Bahadur, mit dem wir sprechen, weil seine Frau Manmaya gerade Futter für die neue Kuh sammelt, ist froh, dass er mit dem Einkommen vom Milchverkauf seine Darlehen abbezahlen kann. „Das sollten wir in sechs Monaten schaffen“, meint er, „dann sparen wir noch etwas länger und können dann hoffentlich ein halbes Jahr später eine weitere Kuh kaufen. So sieben oder acht Kühe in unserer Farm, das wäre toll.“ Von den vier Kindern ist nur der Jüngste im Kinderzentrum. „Wir haben große Träume für ihn – dass er Arzt wird, oder vielleicht Ingenieur. Dafür haben wir natürlich nicht das nötige Geld, daher möchten wir ihm einfach eine gute Ausbildung ermöglichen – so viel eben, wie wir können.“

Kabita und Suman haben einen Laden eröffnet, sehr günstig nahe der Schule gelegen. Deshalb kochen sie auch sechsmal pro Woche die nahrhafte Mahlzeit fürs Kinderzentrum; bei Feierlichkeiten im Dorf verkaufen sie Snacks und Tee. Natürlich haben auch sie viele Ideen, wie sie das Geschäft noch erweitern können. Dabei geht es ihnen vor allem darum, für die Ausbildung der Kinder genug zu verdienen: Die älteste Tochter ist bereits im Internat für die Oberstufe; das kostet Geld. „Wir möchten, dass sie unabhängig werden“, sagt Suman. „Das ist herausfordernd, weil gute Bildung teuer ist.“ Doch in Sachen Bildung macht das Kinderzentrum schon einen entscheidenden Unterschied: „Früher wollten die Dorfkinder nicht so recht in die Schule gehen“, erinnert Kabita sich. „Aber das Kinderzentrum finden sie toll. Und sie bestehen darauf, dass sie hingehen dürfen, auch wenn die Eltern stattdessen Arbeit für sie hätten.“

Und dann ist da noch Shanti, die wir ebenfalls schon im November 2021 getroffen haben. Ihr Garten läuft hervorragend – oft gibt sie Gemüse an Nachbarn ab, weil die Familie genug hat. Die gekaufte Kuh gibt relativ viel Milch – momentan etwas weniger, weil es kalt geworden ist – und vom Erlös kann Shanti ganz gut die Haushaltsausgaben begleichen: Kleidung, weitere Lebensmittel und anderes. Natürlich möchte sie noch einiges verbessern: mehr Kühe kaufen, mit einem „Tunnel“ aus Plastikplane auch im Winter Gemüse anbauen können, die Bildung der Kinder weiter fördern. Auch Shanti selbst hat einiges gelernt in mehreren Schulungen, „das versuche ich, in allen Aspekten umzusetzen und das neue Wissen einzusetzen!“

Und wie Phulmaia strahlt sie Freude und Zufriedenheit aus, und auch eine große Portion Zuversicht: „Ich hoffe, diese Aktivitäten gehen noch ein paar Jahre weiter“, erwähnt sie zum Schluss, „das wäre sehr hilfreich, denn dann können wir es alles selbst weiterführen.“

Unterstützt werden die Projektfamilien in diesem Plan vom Komitee der Selbsthilfegruppe, bestehend aus Vorstand und vier weiteren Mitgliedern. Obwohl diese Personen alle selbst Projektteilnehmer sind, setzen sie sich unermüdlich ehrenamtlich ein, um die Maßnahmen zum Erfolg zu bringen. Zahlreiche Schulungen haben sie schon koordiniert und machen täglich Hausbesuche um zu sehen und zu ermutigen, ob das Gelernte auch umgesetzt wird und wo nötig weiteren Input zu geben. Bisher scheint das sehr gut zu funktionieren: „Die meisten setzen die Schulungen um“, berichten die drei Mitglieder des Vorstands, mit denen wir uns an einem Nachmittag zusammensetzen, „und wenn nicht, dann besuchen wir sie und ermutigen, das Wissen, das sie in den Schulungen erhalten haben, auch einzusetzen.“ Für die Selbsthilfegruppe haben sie gemeinsam Regeln erstellt; eventuelle Konflikte löst das Komitee. „Wir besprechen auch, welche Aktivitäten gut laufen oder nicht so gut, und dann konzentrieren wir uns auf die guten.“

Natürlich wird das alles innerhalb der Gruppe abgesprochen, denn Selbsthilfegruppen funktionieren gerade dann gut, wenn die Mitglieder sich gemeinsam für die Zukunft einsetzen. „Wenn wir alle gut zusammenarbeiten, dann können wir die Gruppe zum Wohlstand führen!“, betont der Schriftführer. „Denn wir wollen das Programm natürlich weiterführen! Dafür bilden wir jetzt eine Grundlage: durch Zinsen in der Gruppe, Erwerbstätigkeiten in den Haushalten. Wir als Vorstand sind bereit, unser Dorf auf diesem Weg zu leiten.“

„Wir haben eine Vision“, erklärt der 1. Vorsitzende. „Die Vision, dass unsere Kinder gut ausgebildet sind und die Selbsthilfegruppe stark ist und finanziell und an Wissen gewonnen hat. Dass wir finanziell selbsttragend sind und unser Wissen auch an andere Dörfer weitergeben!“ Und der Kassierer fügt noch hinzu:

„So wie ihr, Helping Hands und NCM Nepal, uns jetzt unterstützt, so möchten wir es unseren Kindern beibringen: dass auch sie andere unterstützen und eine echte ‚Tradition der Unterstützung‘ anderer Menschen und anderer Dörfer entsteht.“

 

Das integrative Kinderzentrum wurde im Januar 2021 in den Dörfern Ithung und Ghalegaun nahe Phidim im östlichen Nepal begonnen. Berichte zum Bildungsaspekt des Kinderzentrums sowie zu den Maßnahmen in Ithung folgen in Kürze.

Um das integrative Kinderzentrum bis zur finanziellen Unabhängigkeit zu begleiten, benötigen wir noch dringend finanzielle Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „integrative Kinderzentren Nepal“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).

Nur noch 5%!

Schulen in Vidrare und Tarnava, Bulgarien, feiern Erfolge

Welch ein Erfolg!

Seit zwanzig Jahren arbeitet unser örtlicher Partner in Bulgarien mit der Dorfschule in Vidrare zusammen. Damals lag der Anteil der Kinder, die die Schule abbrechen, bei 60%. Die meisten Kinder kommen aus sehr schwierigen Verhältnissen, leiden unter großer Armut, werden von zuhause kaum gefördert, manche leben in den Bergen um Vidrare und müssen schon vor der Schule bei der Arbeit helfen.

Nach zwanzig Jahren unermüdlichen Einsatzes – u.a. durch Beratung, individuelle Förderung und viele, viele Hausbesuche – ist die Schulabbruchrate im letzten Schuljahr auf 5% gesunken. Die Schulleitung hofft, diesen Prozentsatz im kommenden Schuljahr auf 0% zu senken.

Derzeit ist die Schule in Vidrare ein Zuhause für 50 Roma-Kinder der Klassen 4 bis 7, die aus fünf verschiedenen Orten kommen. Die Schule bietet Essen für alle und Unterkunft für diejenigen, die aus anderen Dörfern kommen. Außerdem gibt es zusätzliche Hilfe für die gefährdeten Familien, einschließlich psychologischer Beratung und sozialer Unterstützung. Während der Covid-19-Pandemie wurde die Schule zu einer Drehscheibe für die Sammlung und Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung aus der gesamten Region für die Bedürftigen.

Seit einigen Jahren kümmert sich Zhana, Leiterin unseres örtlichen Partners, auch um eine zweite Schule in der Region, in der Kleinstadt Tarnava nahe der rumänischen Grenze. Sie berichtet:

„Die Schule in Tarnava hat Schüler aus zwei Dörfern – Tarnava und Altimir – und hat insgesamt 160 Kinder. 90 Prozent von ihnen stammen aus Roma-Familien. Das Leben der Schule ist eng mit dem Dorfleben verbunden. Die Kinder werden in alle Aktivitäten der Gemeinschaft einbezogen, was dazu beiträgt, ihre Begabungen und Talente zu entdecken und zu entwickeln und ein gutes Selbstwertgefühl aufzubauen. Die meisten Schüler leben in zwei getrennten Roma-Vierteln, und die Teilnahme am Gemeinschaftsleben ist der Ort, an dem sich beide Kulturen (die der Roma und die der Bulgaren) begegnen, wo sie Erfahrungen sammeln und sich gegenseitig wertschätzen lernen.

Die Schule bietet Frühstück und Mittagessen für alle Kinder an. Außerdem bietet die Schule den Kindern auch viele Möglichkeiten für Aktivitäten nach der Schule, wie z. B. den „Young Lady“-Club, traditionelle und moderne Tänze, den Schachclub, den Souvenirclub, den „Young Chefs“-Club usw.  Die Schule bietet auch zusätzliche Klassen für die bulgarische Sprache und Mathematik an. Wie der Direktor der Schule erklärt hat, ist es sein Ziel, „Kindern die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial unabhängig von ihrer aktuellen Situation zu entwickeln.“

Viele der Absolventen setzen ihre Ausbildung fort, und in den letzten Jahren haben viele von ihnen ein Hochschulstudium abgeschlossen. Zwei von ihnen sind jetzt Lehrer an der Schule.“

An diesen großartigen Entwicklungen durften auch Sie beteiligt sein! Durch Ihre Spenden über Helping Hands konnten über die Jahre schon viele kleine oder größere Projekte an beiden Schulen gefördert werden.

Die finanzielle Unterstützung im Rahmen des letzten Weihnachtstransportes wurde für das Heizungsprogramm in den Grundschulen in Vidrare und Tarnava verwendet. Die Spende wurde auf beide Schulen aufgeteilt und für den Kauf von Paletten (Tarnava) und Propan (Vidrare) für die Heizungsanlagen der Schulen verwendet.

Zhana schreibt:  „Beide Gemeinden, in Vidrare und Tarnava, möchten Ihnen für Ihre Hilfe und Ihr Engagement in ihrem Leben danken. Wir sind davon überzeugt, dass alle Bemühungen, Kindern zu helfen und sie zu unterstützen, nicht nur eine Investition in die Zukunft sind.  Wir sehen bereits jetzt verschiedene Gemeinschaften, die sich gegenseitig akzeptieren und versuchen, einander zu verstehen, und die auch zusammen leben. Wir danken Ihnen für Ihre Investition und Ihr großzügiges Herz!

 

Foto: Schüler in Vidrare bei einer kulturellen Veranstaltung.

Ayana will Ärztin werden

Im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, erhalten Schüler in der Arche-Schule eine echte Chance

Während Familien in Deutschland sich so langsam auf die Sommerferien freuen, sind die Arche-Schulkinder und ihre Lehrer in Kenia noch so richtig im Stress. Denn durch die Lockdowns hatten sie zweieinhalb Trimester („Terms“) Unterricht verpasst; das versucht die Schulbehörde alles wieder aufzuholen und hat pro Jahr ein weiteres Trimester eingeschoben und alles etwas gestaucht, sodass mehr Lernmaterial in weniger Zeit vermittelt werden soll. Dadurch begann das neue Schuljahr nicht im Januar, sondern im April, soll aber trotzdem bis Anfang November fertig sein – mit nur zweimal einer Woche Ferien. Ganz schön anstrengend!

Trotzdem sind alle froh, dass sie endlich wieder „normal“ in die Schule gehen dürfen. Anfangs noch mit Maske und Abstand – dafür wurden in den Schulhof der Arche Container gestellt, um mehr Raum zu haben; die Masken – für jede Klasse eine andere Farbe – wurden nachmittags in der Schule gewaschen und aufgehängt, sodass sie am nächsten Morgen wieder neu benutzt werden konnten. Inzwischen ist der Unterricht wieder ohne Maske möglich und in den gewohnten Klassenräumen. Nur die Zelte und Container stehen noch, da die Schule weitere 100 Kinder aus dem Kariobangi-Slum aufgenommen hat.

Im März gab es endlich wieder eine Absolvierungsfeier – welch ein Fest! Die Achtklässler freuten sich, dass sie nach den schweren Prüfungen so richtig feiern konnten; die Kindergartenkinder, die nun in die 1. Klasse aufrücken, marschierten stolz in ihren Roben auf die Bühne, die unter einem großen Zelt auf der neugepflasterten Straße vor der Schule aufgebaut worden war. Auch die Klassenfahrt der 8. Klasse in den Nairobi Nationalpark konnte wieder stattfinden – die Achtklässler des letzten Jahres wurden mit eingeladen – sowie die Freizeit, zu der traditionell alle „Highschooler“ eingeladen sind.

Aber auch wenn alle froh sind, dass der Unterricht wieder regulär stattfindet – das bringt auch Sorgen mit sich. Denn die Eltern konnten schon für drei „Terms“ kaum das Schulgeld aufbringen, für vier ist das den meisten geradezu unmöglich. Das Leben in den Slums wurde durch die Pandemie noch mehr zum Überlebenskampf, denn der Großteil der ohnehin dürftigen Einnahmequellen brach weg. Keine Touristen bedeutet keine Käufer für Schnitzereien und Handarbeiten auf den Massai-Märkten, keine Jobs in Hotels, kaum Abnehmer für Agrarprodukte … „Manche Familien sind so am Ende“, beschreibt unser örtlicher Partner die Lage.

Vor einigen Monaten haben wir das Helping Hands Patenschaftsprogramm auf die Arche-Schule in Nairobi ausgeweitet und die ersten Patenschaften vermittelt. Und gerade jetzt gibt es noch so viele Kinder und Familien, die dringend Unterstützung brauchen!

Eine davon ist Ayana*. Sie wohnt bei ihrer Tante und Onkel und drei älteren Cousinen. Geboren wurde sie in Äthiopien, wo ihre Mutter noch lebt. Doch nachdem der Vater starb, wurde die junge Mutter gezwungen, einen viel älteren Mann zu heiraten. Der mochte Ayana nicht und zwang die Tante, sie nach Kenia mitzunehmen.

Seit einigen Jahren besucht Ayana nun die Arche-Schule. Sie ist eine sehr gute Schülerin und hat vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften hervorragende Noten – Ärztin möchte sie einmal werden. „Wir sind guter Zuversicht“, sagt Bentina, ihre Schulleiterin, „dass sie diesen Traum auch verwirklichen kann, wenn sie weiter so gut lernt!“ Auch im sozialen Bereich zeichnet sie sich aus; bei Lehrern und Kameraden ist sie sehr beliebt und wurde zur Leiterin der Schülervertretung gewählt. Ihre Stärken sind besonders Schauspiel und Debatte; „sie kann Diskussionsgruppen sehr gut leiten, und zeigt wirkliche Reife in allen Bereichen“, lobt Bentina.

Doch wie bei vielen anderen Schülern steht Ayanas Familie vor großen Herausforderungen. Bentina berichtet: „Sie leben in einer Mietswohnung mit zwei Zimmern. Mit dem wenigen Geld, das ihr Onkel als Gelegenheitsarbeiter verdient, kann er kaum die Schulgebühren für seine eigenen Kinder bezahlen, die Grundbedürfnisse befriedigen und außerdem noch für Ayana sorgen.

Als Arche-Schulteam haben wir uns die Zeit genommen, die Familie zu Hause zu besuchen. Wir haben gesehen, in welch schlimmem Zustand die Familie ist. Sie können sich nicht mal jeden Tag eine Mahlzeit leisten. Deshalb sind wir überzeugt, dass Ayana wirklich Unterstützung für ihre Schulbildung braucht!“

Bald wird Ayana in eine Highschool außerhalb des Kariobangi-Slums aufrücken und ihrem Traum, einmal Ärztin zu werden, einen Schritt näher kommen – aber nur, wenn sich eine Möglichkeit findet, die hohen Schulgebühren zu begleichen. Und hunderte jüngere Kinder, die noch einige Jahre an der Arche-Schule vor sich haben, hoffen ebenso auf die Chance, ihren Traum für eine gute Schulbildung und einen „richtigen“ Beruf zu verwirklichen.

Wenn Sie durch eine Patenschaft dazu beitragen möchten, dass Ayana und ihre Kameraden und Kameradinnen diese Chance erhalten, dann kontaktieren Sie uns bitte oder füllen das Online-Formular aus (bei Region „Afrika“ wählen). Natürlich hilft auch eine einmalige oder monatliche Spende – dann bitte in der Online-Spende „Arche-Schule (Kenia)“ auswählen oder mit diesem Vermerk auf das Konto von Helping Hands e.V. überweisen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

 

* Name geändert

Genug Geld ist nicht alles

Das Schechem-Home auf den Philippinen schenkt Kindern und Familien die Chance auf einen Neuanfang

Danilo* lebt seit einiger Zeit im „Schechem Home“. Anfangs machte der Elfjährige den Mitarbeitern viel Sorgen. Nicht nur hatte er Schwierigkeiten sich zu konzentrieren oder überhaupt mal stillzuhalten, er griff auch die anderen Kinder an, boxte sie oder brüllte Schimpfwörter. Wenn er spielte, handelten seine Spiele immer von Krieg und Totschlag.

Und das hat Gründe. Viele Jahre lebte Danilo ständig unter Angst, fühlte sich nie sicher. Vor allem seine Mutter misshandelte ihn, oft auch der Vater. „Wenn ich daran denke, bin ich ganz traurig“, sagt er, „und ich vermisse meine Tante, die mir immer geholfen hat. Ich mach mir Sorgen um sie, dass meine Eltern sie vielleicht bedrohen.“

Danilo ist eines der Kinder, die aus einer OSEC-Situation (online sexual exploitation of children) befreit und ins Schechem-Home in Manila, Philippinen, gebracht wurden. Dort hat er für eine Zeitlang eine Heimat und eine neue Familie gefunden. Über mehrere Monate hinweg wird ihm durch verschiedene Therapien geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Und das hat schon einen großen Unterschied gemacht. Zwar fängt er immer noch ab und zu eine Rauferei an oder zieht sich in eine Ecke zurück, um zu weinen – so ein Trauma ist eben nicht in ein paar Therapiestunden beseitigt. Aber meist ist er freundlich und ausgeglichen, und auch seine Spiele drehen sich nun um ein positives Thema, wie der Therapeut berichtet: „Meist geht es nun um seine Erfahrungen, nachdem er und seine Geschwister nach Schechem gebracht wurden – also um eine Zeit, in der er viel Freude erfahren durfte. Er kann jetzt seine Geschichte viel befreiter erzählen.“

Auch um andere Bedürfnisse kümmert sich Schechem: zum Beispiel lernen die Kinder bessere Hygiene und Ordnung und werden im akademischen Bereich gefördert. „Ich habe hier lesen und schreiben gelernt“, erzählt Danilo, „das konnte ich nämlich vorher noch nicht.“

Zurzeit wohnen 12 „befreite“ Kinder zwischen 0 und 17 Jahren im Schechem-Home; regelmäßig kommen neue hinzu. Neben allen Grundbedürfnissen inklusive Schulbildung stehen vor allem auch ihre psychosozialen Bedürfnisse im Mittelpunkt, und für jedes Kind wird ein individuelles Therapieprogramm ausgearbeitet. Dazu gehört unter anderem eine wöchentliche Einzeltherapiestunde, tägliche Förderung durch die Hauseltern sowie einmal pro Woche eine spielbasierte kognitive Therapie in der Gruppe. Auch andere Aktivitäten haben heilende Funktion: zum Beispiel pflanzen vier Geschwister gerne Gemüse in dem kleinen Garten des Hauses und freuen sich gemeinsam darüber, wie das Gemüse wächst, wodurch sich ihre Geschwisterbeziehung deutlich verbessert hat, denn vorher waren sie sich eher fremd.

Bevor es für ein Kind Zeit wird, das Schechem-Home zu verlassen, wird intensiv geprüft, welche Situation für das Kind am sichersten und förderlichsten ist. Manchmal muss ein Kind mit starken psychischen Einschränkungen in eine längerfristige Einrichtung für weitere therapeutische Behandlung überwiesen werden. Oft können andere Verwandte gefunden werden, zum Beispiel Großeltern, Onkel und Tanten, oder auch eine Pflegefamilie, die dem Kind ein sicheres Zuhause bieten.

Und immer wieder können die Kinder auch nach Hause zurück, weil die Eltern gelernt haben, ihr Kind richtig zu schützen. „Wir dachten, genügend Geld zu verdienen, damit alle unsere Kinder versorgt sind, ist das einzig wirklich wichtige für unsere Kinder“, erklärt eine Familie, die an Schulungen von Schechem teilgenommen hat. „Aber jetzt wissen wir, dass Sicherheit für die Kinder genauso wichtig ist. Dass wir als Familie zusammenhalten und mehr auf die Gefühle der Kinder achten und sie unterstützen. Genug Geld für den Lebensunterhalt zu haben ist nicht das einzige, was zählt!“

Auch die Familie von Andrea* ist bereit für einen Neuanfang. Vor einigen Wochen kamen sie in Schechem zu Besuch, machten verschiedene therapeutische Aufgaben zusammen und führten viele Gespräche, um die Familiensituation zu klären. Als Andrea von ihrem Vater die allererste Umarmung bekam, brach sie in Tränen aus.

Wo Danilos Zuhause in Zukunft sein wird, ist noch nicht geklärt. Aber dank Schechem hat er gelernt, mit traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen umzugehen, und geht mit viel mehr Selbstbewusstsein und „Life Skills“ in seine Teenager-Jahre und in eine Zukunft, die nicht maßgeblich von den negativen Aspekten seiner Vergangenheit geprägt sein muss.

 

Das Schechem-Home ist unser Jahresprojekt 2022. Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Jahresprojekt 2022“ oder „Schechem Home“ (hier geht’s zur Online-Spende).

* Name geändert

Träume sind nicht nur Luftschlösser

In den Bergdörfern Ithung und Ghalegaun, Nepal, ist das erste Jahr des „integrativen Kinderzentrums“ erfolgreich beendet

Die höchsten Berge der Welt sind gar nicht so einfach zu finden. Meist verbergen sie sich hinter einem weißen Wolkenschleier, so dicht, dass das Gebirge wie ausradiert wirkt. An anderen Tagen ragen nur die majestätischen Spitzen des Himalayas aus den Wolken hervor. Wie Traumschlösser schweben sie dann hoch über dem Horizont, unerreichbar, weit weg von der Wirklichkeit. Manchmal spiegeln sie sich in einem kleinen, glasklaren See oben auf der Hügelkuppe, zum Anfassen nahe und doch so unendlich fern.

So täuschend nah und doch unerreichbar – so erscheinen den Menschen, die hier wohnen, oft ihre Träume. Der Traum, dass ihre Kinder eine gute Schulbildung erhalten. Der Traum, dass im Winter der Hunger nicht mehr nagt. Der Traum, dass ihre Familie eine bessere Zukunft hat, dass Hoffnung nicht nur Hoffnung bleibt.

„Hoffnung“ – das ist der Appell, der mir als erstes begegnet, als wir im November das Bergdorf Ithung besuchen. Gleich in der vordersten Reihe steht er und lächelt schüchtern , streckt mir einen selbstgepflückten Blumenstrauß entgegen: der kleine Junge im grauen Pulli und schwarzer Mütze, die Buchstaben H-O-P-E beherzt auf seine Stirn geschrieben. Später, als wir im Kinderzentrum in Kreisen auf dem Boden sitzen, die Kinder ihre Heimat mit Buntstiften auf Weihnachtskarten malen, da grinst er mich schon etwas kühner an, als ob er fragen möchte, was ich denn meine zu seiner Hoffnung, ob es wohl nur eine Hoffnung bleibt?

Seit einem Jahr gibt es das Kinderzentrum, das mein „Hoffnungsjunge“ besucht. Ein Jahr voller Anfechtungen und Verzweiflung. Ein Jahr, in dem die Pandemie auch das kleine Bergdorf erreichte und Menschen, alt und jung, hinwegraffte. Aber auch ein Jahr, in dem vieles besser wurde!

„Meine Tochter hatte ziemlich Probleme in der Schule“, erinnert sich Dhan Bahadur, ein Kleinbauer und Tagelöhner aus Ithung. „Ich konnte ihr nicht helfen – ich war ja selbst nie in der Schule, weil wir zu arm waren! Aber seit Kanchan ins Kinderzentrum geht, haben sich ihre schulischen Leistungen enorm verbessert. In der letzten Prüfung war sie richtig gut. Und jetzt verbringt sie viel Zeit mit ihren Schulaufgaben – die kann sie nun alleine machen, aber die Lehrer im Zentrum helfen ihr natürlich, wenn es schwierig wird.“

Eine gute Schulbildung für die Kinder – das ist einer der größten Träume vieler Familien, mit dem auch viele weitere Träume verknüpft sind. Doch bittere Armut ist hier oft die Wolkenwand, die gute Bildung und eine bessere Zukunft zu Luftschlössern macht: Ohne Geld für Schulmaterial und notwendige Hausaufgabenhilfe haben die meisten Schüler keine Chance, gehen oft einfach gar nicht zur Schule, weil sie sich schämen. Hier macht das Kinderzentrum einen deutlichen Unterschied.

Dafür ist Dhan Kumari besonders dankbar: für das Schulmaterial und die Nachhilfe, die ihrer Tochter ermöglicht, beim Lernen wirkliche Fortschritte zu machen. „Jedes Mal wenn ich sehe, wie Kriti mit einem Lächeln auf dem Gesicht zur Schule geht, ist mein Herz erfüllt von Freude!“

Kriti besucht das Kinderzentrum im Dorf Ghalegaun, eine knappe Stunde steil den Hügel bergab. Am nächsten Morgen sind wir dort zu Besuch, werden mit der Nationalhymne und traditionellen Tänzen willkommen geheißen, dürfen dann das Schulmaterial verteilen, das die Kinder jedes Quartal erhalten.

Während die Kinder ein nahrhaftes Frühstück genießen, schauen wir nebenan bei der Selbsthilfegruppe vorbei, die sich regelmäßig trifft. Denn Ithung und Ghalegaun bilden zusammen ein integratives Kinderzentrum, also ein Zentrum, in dem nicht nur die Kinder Unterstützung für die Schule erfahren, sondern Familien durch Spar- und Kreditprogramme und diverse Einkommensprojekte eine echte Chance geboten wird, ihren wirtschaftlichen Status nachhaltig zu verbessern.

Die umfassenderen Maßnahmen sind erst fürs zweite Jahr geplant. Aber schon jetzt sind erste Früchte erkennbar: zum Beispiel das gesparte Kapital in den beiden Selbsthilfegruppen in Ithung und Ghalegaun, das in Einkommensprojekte investiert wird, und die Gemüsegärten, die in Ghalegaun zahlreichen Familien nahrhafte Lebensmittel spenden werden. Nach unserem Besuch in der Selbsthilfegruppe dürfen wir einige dieser Gärten besichtigen.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagt Phulmaia and schaut stolz auf das üppige Grün, das sie umgibt – vorschriftsmäßig eingezäunt, zum Schutz vor fresslustigen Tieren. „Wir wussten ja gar nicht, wie man richtig Gemüse anbaut. Aber seit wir extra geschult wurden, klappt es viel besser. In meinem Garten wächst jetzt das Gemüse sehr schön und das macht mich glücklich!“

Ein paar Gärten weiter oben zeigt Shanti, was sie alles an „Wintergemüse“ angebaut hat – in sauberen Reihen, wie bei der Schulung gelernt. Noch sind die Pflanzen ganz klein, die Schulung ist ja erst ein paar Wochen her. „Das sind Erbsen, Rettich, Zwiebeln und Koriander. Da drüben ist noch Kohl, Kopfsalat und Blumenkohl. Wir haben zwar schon früher einen kleinen Garten gehabt, aber nicht in diesem Umfang. Da können wir verkaufen, was unsere Familie nicht isst!“

Am Nachmittag sind wir noch einmal im Kinderzentrum in Ithung zu Gast – auch dort werden Schulhefte, Stifte und Schuluniformen verteilt. Zwischendrin zeigen die Kinder Tänze und Lieder; die Eltern, die zu diesem Programm eingeladen wurden, schauen stolz und begeistert zu. Eine der Tänzerinnen, in ein türkisfarbenes traditionelles Kostüm gekleidet, geht nach vorne, um sich zu bedanken.

„Meine Familie hat es nicht so einfach“, erzählt sie. „Wir sind sehr arm. Meine Mutter hat seit langer Zeit gesundheitliche Probleme und ihre Medizin und Arztbesuche kosten viel Geld. Meine Eltern arbeiten auf dem Feld, und das Einkommen reicht gerade für Essen und Kleidung. Eine meiner beiden Schwestern ist deshalb nach Dubai gereist, um dort zu arbeiten. Aber auch ihr Gehalt reicht nicht aus, um die medizinischen Kosten und unsere Schulden beim Vermieter zu bezahlen.

Deshalb bin ich so froh über das Kinderzentrum! Dadurch hat sich für mich einiges geändert. Ich habe schon so viel gelernt! Das Kinderzentrum kümmert sich um meine Schulbildung, und wir lernen noch so viel anderes, zum Beispiel Kunst oder Hygiene, was allen gut tut. Die Lehrerin besucht uns oft zuhause um zu schauen, ob alles okay ist. Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn sie kommt! Das Kinderzentrum ist ein guter Ort für eine Schülerin wie mich. Vielen Dank!“

Auch der Junge mit der Hoffnungsmütze ist wieder dabei, heute in einem roten Jackett, das etwas zu groß für ihn ist, die Mütze mit der frohen Botschaft leicht verrutscht. Während die Eltern noch im Kreis sitzen und die Lehrerin mit Fragen löchern, wartet er mit den anderen Kindern, fröhlich plaudernd, in einer Ecke des Raumes. Die geschenkten Schulhefte und Stifte hält er fest im Arm – ein kostbares Gut, quasi eine Stufe auf der Treppe zum Traumschloss.

Mein Blick schweift über die Schülergruppe, die Eltern, die anderen Dorfbewohner, die dazugekommen sind. Wie viele von ihnen mussten Mütter oder Väter, Brüder, Schwestern oder Kinder zu Gastarbeit in der Ferne verabschieden, weil sie dachten, dass es zuhause keine Zukunft gibt? „Das integrative Kinderzentrum bietet euch viele Chancen – aber ihr müsst sie nutzen!“, ermutigt die Lehrerin die versammelten Eltern. In ihren Gesichtern spiegelt sich Hoffnung und eine Zuversicht, dass es tatsächlich auch für sie eine Zukunft gibt.

Draußen ist es inzwischen stockdunkel, es ist schließlich Winter. Noch weiß keiner, ob am nächsten Tag der Himmel klar sein wird, die Berge scharf und ungetrübt am Horizont locken oder sich hinter den Wolken des Alltags verstecken. Doch dass ihre Träume keine Luftschlösser bleiben müssen – das ahnen die Familien in Ithung und Ghalegaun bereits jetzt.

 

Das integrative Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun hatten wir, gemeinsam mit dem integrativen Kinderzentrum in Piluwa, als unser Jahresprojekt 2021 gewählt. Einen ausführlichen Rückblick über die Aktivitäten des vergangenen Jahres finden Sie in diesem Beitrag.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spendern, die mit uns diese wichtigen Projekte unterstützt haben! Beide Zentren haben nun mit dem zweiten Jahr begonnen, in dem besonders die Einkommensprojekte (inklusive Viehzucht und Landwirtschaft) für Familien gefördert werden.

In insgesamt ca. fünf Jahren werden die Kinderzentren finanziell selbsttragend sein (im dritten und vierten Jahr nur Teilförderung). Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns, unseren Partner in Nepal und die Familien in Piluwa, Ithung und Ghalegaun dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen! Spenden Sie bitte mit Vermerk „integrative Kinderzentren Nepal“.

 

Jahresprojekt 2021 Rückblick

Integratives Kinderzentrum in Ithung/Ghalegaun – Erstes Projektjahr

37 Kinder aus 27 Familien und 38 Kinder aus 34 Familien besuchen das integrative Kinderzentrum an den zwei Standorten in Ithung und Ghalegaun. Dabei wurden gemeinsam mit Dorfvertretern die bedürftigsten Familien ausgewählt.

Als „COVID-19-crisis response“ wurde bereits im Dezember 2020 an beiden Orten je ein Wassertank mit Waschbecken eingerichtet und Schulungen durchgeführt, sodass die Kinder durchgehend Zugang zu sauberem Wasser haben und das, was sie über Hygiene lernen, tatsächlich auch umsetzen können. Die Anlagen werden auch von den Dorffamilien benutzt.

Die beiden Standorte des Kinderzentrums wurden dann im Januar 2021 feierlich eröffnet und jedes Kind erhielt als Weihnachtsgeschenk eine warme Winterjacke. Trotz der Pandemie konnten im ersten Jahr die meisten Aktivitäten zur ganzheitlichen Entwicklung der Kinder durchgeführt werden.

Von Mai bis Anfang September befand sich Nepal im Lockdown. In dieser Zeit konnten keine größeren Präsenzveranstaltungen stattfinden; stattdessen besuchten die Lehrer die Familien (unter Sicherheitsvorkehrungen), gaben u.a. Informationen zur Pandemie weiter, halfen den Kindern individuell bei ihren Schulaufgaben und ermutigten die Familien. Auch in „normalen“ Monaten machen die Lehrer regelmäßige Hausbesuche bei den Familien.

Die 75 Kinder erhalten fünfmal pro Woche von zwei Lehrern und einigen Ehrenamtlichen Nachhilfeunterricht bzw. Hausaufgabenhilfe in den Zentren (6 -9 Uhr morgens in Ghalegaun; nachmittags nach der Schule in Ithung). Für Examen werden sie separat vorbereitet, u.a. durch „Test-Examen“, und Kinder mit Lernschwächen erhalten zusätzliche Förderung. Die Lehrer treffen sich regelmäßig mit den Eltern, um über den Lernfortschritt ihrer Kinder zu sprechen.

„Die Kinder haben viel besser abgeschnitten als bei früheren Prüfungen. Die Dorfbewohner haben kein Geld und keine Zeit, um sich um die Bildung ihrer Kinder zu kümmern, da sie alle aus armen Familien stammen, den ganzen Tag arbeiten und oft selbst keine Schule besucht haben. Die schulische Entwicklung der Kinder hatte für sie keine Priorität, daher gingen früher die Kinder auch nicht regelmäßig zur Schule. Seit es das Kinderzentrum gibt, hat sich auch der Schulbesuch stark verbessert. Der Nachhilfeunterricht hat das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt und ihren Bildungsstand verbessert. Dank dieser Förderung freuen sich die Eltern und auch die Lehrer der Schule über die Fortschritte der Kinder.“

Ein- bis zweimal pro Woche gibt es besondere Aktivitäten wie zum Beispiel Malen und Zeichnen, Handschrift, Dichten und Briefe schreiben, Musik (Gesang) und Tanz; auch gelegentlich Rätsel- oder Aufsatzwettbewerbe und Ausflüge. Zudem wird durch Geschichten (u.a. Biographien von Persönlichkeiten wie Mutter Theresa, Jesus, nationale Gründerhelden usw.) und Veranstaltungen und kulturellen Programmen zu Feiertagen wie dem Weltumwelttag, Tag der Kinder, Weihnachten u.ä. die soziale, kulturelle, moralisch-ethische und geistliche Entwicklung der Kinder gefördert.

„In diesem Quartal wurden einige Programme für die soziale und kulturelle Entwicklung der Kinder organisiert. Anlässlich des Internationalen Kindertages wurde über die Rechte, die soziale Bedeutung und die Verantwortung von Kindern gesprochen. Die Kinder führten Tänze und Gesänge auf. Es wurden Gedichte und Aufsätze über Kinderrechte und soziale Verantwortung vorgetragen.

Die Kinder haben auch gelernt, wie wichtig es ist, die natürlichen Ressourcen zu erhalten. Zudem haben sie an lokalen Festen und Zeremonien teilgenommen wie zum Tag der Reisaussaat, damit die Kinder mit ihren lokalen kulturellen Ritualen vertraut sind. Sie haben über menschliche Werte und Selbsteinschätzung gelernt. Im Rahmen des Weihnachtsprogramms wurden, zusätzlich zu einem Weihnachtsgeschenk für jedes Kind, Preise an die ehrlichsten und regelmäßigsten Schüler vergeben.“

Einmal pro Quartal wird an alle Kinder Schulmaterial (Hefte, Stifte, Buntstifte, Utensilien) verteilt; ebenfalls erhalten die Kinder Schuluniformen. Zum Weihnachtsfest 2021 bekam jedes Kind eine Wintermütze und Socken als Weihnachtsgeschenk.

„Bevor das Kinderzentrum begann, hatten die Kinder, weil die Familien so arm sind, nie genug Schulmaterial, sodass sie wenig Interesse am Lesen, Schreiben und am Schulbesuch hatten. Aber seit bei uns das Schulmaterial verteilt wurde, ist die Begeisterung, zur Schule zu gehen und Hausaufgaben zu machen, viel größer als zuvor! Auch als die Schulen wegen der Pandemie geschlossen waren, konnten die Kinder dank des Schulmaterials zuhause weiter lernen und lesen und schreiben.“

Die Kinder lernen grundlegende Dinge über persönliche Hygiene und Gesundheit (z.B. Händewaschen, Zähneputzen, etc.) und erhalten notwendige Hygieneartikel; die Lehrer schauen in Hausbesuchen, ob das Gelernte umgesetzt wird. Ein Gesundheitshelfer kontrolliert regelmäßig die Gesundheit der Kinder (besonders Ernährungsstatus, Wachstum, Entwurmung; ebenfalls gab es in Zusammenarbeit mit der örtlichen Gesundheitsstation ein Checkup vom Augenarzt).

Durch regelmäßigen Sport und Spiel wird die körperliche Fitness der Kinder trainiert. Dafür wurden auch Sportgeräte angeschafft (für drinnen und draußen). Jeder Tag endet in einem gemeinsamen Spiel und Freitag ist „Sport-Tag“.

„Die Kinder hatten viel Spaß dabei, mit ihren Freunden die verschiedenen Spiele im Zentrum zu spielen.“

An allen fünf Wochentagen erhalten die Kinder während der Pause eine kleine nahrhafte Mahlzeit. Dafür werden regionale Bioprodukte verwendet und kein „Junk Food“ toleriert. Den meisten Eltern fehlen die Kenntnisse über nahrhafte Lebensmittel oder ausgewogene Ernährung; daher ist geplant, die Mütter in Schulungen über nahrhafte Ernährung aufzuklären, sodass sie dies selbst in ihren Familien umsetzen können.

In beiden Dörfern wurde bisher je eine Selbsthilfegruppe gegründet, die eine Satzung aufgestellt und Spar- und Darlehensprogramme initiiert haben; darin sind in Ithung 27 Haushalte involviert und in Ghalegaun 34. Die Gruppen treffen sich regelmäßig, nehmen an Schulungen teil und diskutieren Dorfangelegenheiten. In Ithung spart jeder Haushalt NPR 300 pro Monat, in Ghalegaun NPR 100; dies wurde sogar während des Lockdowns weitergeführt. Bis Jahresende hatten beide Gruppen zusammen NPR 157.400 (ca. EUR 1.200) gespart; dieses Kapital wird in kleinen Darlehen zu niedrigen Zinsraten abwechselnd an Mitglieder der Gruppen ausgegeben und in Einkommensprojekte („income generating activities“) investiert.

Schulungen bzw. bewusstseinsbildende Veranstaltungen und Diskussionen in den Gruppen wurden z.B. zu den folgenden Themen durchgeführt: Hygiene und sanitäre Einrichtungen, Alkoholabhängigkeit und andere soziale Probleme, Bevollmächtigung von Frauen, Selbstständigkeit. Die Selbsthilfegruppen fungieren auch als das Management-Komitee des Kinderzentrums und unterstützen die verschiedenen Aktivitäten, die an beiden Standorten stattfinden.

„Bevor das Programm begann, standen alle alleine da. Sie mussten ihre Probleme einzeln lösen, was schwieriger ist als in einer Gruppe. Nun haben sie eine gute Plattform für Diskussionen, Wissensaustausch und gegenseitige Hilfe. Jetzt wissen sie, wie wichtig es ist, gemeinsam in einer Gruppe zu arbeiten, um Erfolg zu erzielen! Durch die Selbsthilfegruppen und später die Kooperative hoffen sie, ihren wirtschaftlichen Status und die ganze Dorfgemeinschaft zu verbessern.“

Um eine ausgewogene und nahrhafte Ernährung in den Haushalten zu gewährleisten, wurden Schulungen zum Anbau von Wintergemüse angeboten und Saatgut verteilt. Dies fand im Herbst in Ghalegaun statt; die Schulung in Ithung musste aufgrund des Lockdowns verschoben wurden (da es deutlich höher liegt, herrscht hier ein anderes Klima und für den Anbau von Wintergemüse war es zu spät). Zahlreiche Familien haben ihre eigenen Gemüsegärten angelegt und können teilweise bereits daraus ernten. Die Hoffnung ist, dass somit auch die Mangelernährung der Kinder verringert oder beseitigt werden kann. Gemüse, das nicht von der Familie verzehrt wird, wird verkauft und trägt zum Familieneinkommen bei.

 

Das integrative Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun hatten wir, gemeinsam mit dem integrativen Kinderzentrum in Piluwa (Bericht folgt), als unser Jahresprojekt 2021 gewählt. Der Rückblick basiert auf Berichten von unserem örtlichen Partner. Einen Reisebericht von November 2021 finden Sie in diesem Beitrag.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spendern, die mit uns diese wichtigen Projekte unterstützt haben! Beide Zentren haben nun mit dem zweiten Jahr begonnen, in dem besonders die Einkommensprojekte (inklusive Viehzucht und Landwirtschaft) für Familien gefördert werden.

In insgesamt ca. fünf Jahren werden die Kinderzentren finanziell selbsttragend sein (im dritten und vierten Jahr nur Teilförderung). Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns, unseren Partner in Nepal und die Familien in Piluwa, Ithung und Ghalegaun dabei unterstützen, dieses Ziel zu erreichen! Spenden Sie bitte mit Vermerk „integrative Kinderzentren Nepal“.

Einfach nur herrlich

Umfassendes Dorfentwicklungsprojekt in Khotang, Nepal, schafft Veränderung

Einfach nur herrlich: einen Tag lang wandern, Sonnenschein und frische Luft genießen, die Aussicht bestaunen, Flora und Fauna erforschen, sich mal so richtig verausgaben, und am Ende des Tages zur Belohnung eine heiße Dusche, ein ausgiebiges Abendessen und dann ab ins weiche Bett.

Oder noch besser: auf kleinen, steilen Trampelpfaden tausend Höhenmeter überwinden, unter Bananenstauden und riesigen Weihnachtssternen hindurchwandern, auf den Fluss im Tal zurückblicken, der am Mt. Everest entspringt, und auf der Anhöhe dem majestätischen Panorama des Himalajas gegenüberstehen.

Die Kinder und Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram tun das jeden Tag.

Aber auf sie wartet keine heiße Dusche – weiter oben nicht mal fließend Wasser – und kein weiches Bett, auch kein ausgiebiges Essen: nicht immer genug, um satt zu werden. Und sie wandern auch nicht zur Erholung und nicht zum Sport. Für die Kinder ist es der Schulweg – etwas kürzer in der Grundschule, in höheren Klassen auch mal ein oder zwei Stunden zu Fuß, morgens früh, wenn der Nebel sich noch in Schwaden um den Dschungel schlingt, und abends spät, wenn die Dämmerung bereits ins Tal gekrochen ist. Und das für Unterricht, in dem sie nichts lernen und der ihnen kaum Optionen für die Zukunft bietet! Für die Eltern ist es mal der Weg zur Arbeit, öfter zum Markt, gelegentlich auch zur kleinen Gesundheitsstation, in der es nur die allergrundlegendste medizinische Hilfe gibt.

Idyllisch mag ihre Heimat sein, aber das Leben ist sehr hart. Tagtäglich mühen die Menschen sich ab mit Gärten und kleinen Feldern und etwas Vieh, aber der Boden ist trocken, felsig und steil, daher gibt er nicht viel her. Für ertragreicheren Ackerbau fehlen ihnen die Kenntnisse; mit Viehzucht kennen sie sich zwar aus, doch erhalten sie durch fehlende Marktmöglichkeiten nur dürftige Preise für ihre Tiere. Somit können sie ihre Familien nur etwa die Hälfte des Jahres vom eigenen Ertrag ernähren, manche sogar nur vier Monate. Den Rest des Jahres nehmen sie Kredite auf, meist zu hohen Zinsen, und verschulden sich mehr und mehr. Viele verlassen ihr Zuhause und suchen anderswo ihr Glück – oft vergeblich.

Doch das darf sich ändern!

Im Oktober konnte in sechs Dörfern im Khotang-Bezirk in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt beginnen. Für die Kinder bedeutet das regelmäßige Unterstützung in Kinderzentren, sodass ihnen der Schulbesuch tatsächlich eine Chance für die Zukunft bietet. Für die Erwachsenen bedeutet es Förderung im Ackerbau, Viehzucht und Kleinsthandel sowie der Aufbau eines funktionierenden Marktsystems, sodass sie bis Projektende das ganze Jahr über ihre Familie ausreichend versorgen können, ohne Kredite aufnehmen zu müssen. Zudem werden durch Selbsthilfegruppen und eine Kooperative lokale Strukturen geschaffen, sodass die Menschen die sozioökonomische Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand nehmen und weit übers Projektende hinaus positive Änderungen erreichen. Bis April 2025 soll das Projekt laufen, das zu 75% vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird.

Und die Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram haben Hoffnung.

Ende November haben wir sie besucht.

Früh morgens von Jayaram am Dudhkoshi-Fluss steil den Hang hinauf nach Gurdum und Jhapa, wo über ein Drittel der Projektfamilien wohnen. Während wir über die Klippen klettern und dabei mächtig schnaufen, erinnert sich Ramila, eine Kollegin des örtlichen Partners, an ihre Kindheit. Jeden Tag ist sie diesen Pfad gelaufen – bis Klasse 5 eine Stunde Fußweg, bis Klasse 8 dann zwei oder drei Stunden, die letzten beiden Jahre konnte sie nur am Wochenende heimkommen, nach sechs Stunden Fußmarsch. „Oft habe ich einen Sack Reis auf dem Rücken mit hier hoch geschleppt, auf dem Heimweg von der Schule. Was sollten wir auch tun? Unser einziger Markt ist im Tal in Jayaram.“

Weit oben auf dem ersten Hügel, ein Stück von Ramilas Zuhause entfernt, treffen wir Anissa, die gerade ihrem Großvater das Frühstück serviert – die Eltern sind schon längst unterwegs, um zu arbeiten. Anissa besucht die 4. Klasse in der Grundschule in Gurdum und freut sich schon auf das Kinderzentrum, das im Januar dort beginnen wird. „Ich möchte mal Sängerin werden“, verrät sie uns. Tirpasing, der Großvater, wiegt den Kopf hin und her, als wir ihn auf das Projekt ansprechen. „Ich bin alt, ich kann mich nicht an alles erinnern, ich weiß nicht, was kommen wird – aber eins weiß ich: Ich habe Hoffnung!“

Einige Höhenmeter weiter lernen wir Gombhir Bahadur und seine Familie kennen. Er hatte kürzlich einen Unfall und kann zurzeit nicht arbeiten, weder auf dem Feld noch sonstwo. Aber über das Projekt hat er sich schon gut informiert. „Ich bin sehr glücklich, dass meine zwei Töchter im Jayaram Kinderzentrum gefördert werden und meine beiden Enkel, die noch klein sind, bald das Gurdum Kinderzentrum besuchen“, erzählt er uns in der Rai-Sprache, die nur wenige von uns verstehen. „Ich bin Bauer und sehr froh über die Veränderungen, die auf uns zukommen. Ich hoffe, dass meine Ziegenzucht durch das Projekt deutlich verbessert werden kann.“

Wir laufen an der Schule in Gurdum vorbei, wo der Unterricht heute noch nicht begonnen hat. Ein Klassenzimmer ist vom Erdbeben noch stark beschädigt, dafür ist die Aussicht herrlich – in der Ferne ist die Bergkette des Himalajas überm Hügelrand erschienen. „Zurzeit kommen nicht so viele Kinder hierher“, erklärt Ramila, „weil sie das Gefühl haben, dass sie ohnehin nichts lernen. Aber durch das Kinderzentrum wird das anders – dann wird sich auch der Schulbesuch stark verbessern.“

An einem Haus halten wir an und bekommen ein typisches lokales Frühstück serviert: geröstete Maiskörner und Sojabohnen. Während wir im Hof sitzen, kommen ein paar Nachbarn vorbei und werden spontan zum Frühstück eingeladen. Hinter unseren Gastgebern stehen zwei blaue Fässer: Ihr Wasser müssen sie im Tal kaufen und mit einem Traktor hochtransportieren lassen, denn auf ihrer Höhe gibt es bereits kein Wasser mehr.

Bevor wir das Gebiet von Gurdum verlassen und nach Jhapa weiterwandern, treffen wir noch Banita, die gerade ihre Ziege füttert. Was sie für Erwartungen ans Projekt hat?, fragen wir sie.

„Das ist ein sehr gutes Programm, weil unsere Kinder in ihrer Schulbildung unterstützt werden. Das ist das erste Mal, dass in unserem Dorf so ein Projekt stattfindet! Wir haben viel Hoffnung, dass es einiges positiv verändern wird. Wir sind ganz begeistert über dieses Projekt!“

Banita nimmt ihre kleinste Tochter auf den Arm; die zweite versteckt sich scheu hinterm Gebäude, die älteste ist in der Schule. Ihr Mann gesellt sich dazu, auch sein Blick ist voll Zuversicht. Was sie sich für ihre Töchter erhoffen?, fragen wir weiter.

„Darüber haben wir noch gar nicht so wirklich nachgedacht“, geben sie zu, „weil sie bisher nur so eine schlechte Bildung erhalten. Aber wir wären sehr glücklich, wenn unsere älteste Tochter die Chance hat, Krankenschwester zu werden!“

Nach einem weiteren längeren Fußmarsch erreichen wir Jhapa, dem höchsten Dorf. Hier ist die Hügelkuppe abgeflacht, sodass mehr Ackerbau möglich ist. Aber es gibt keine Wasserquelle, somit kann bisher nur im Sommer, in der Regenzeit, Getreide und Gemüse angebaut werden. Und der einzige Markt ist in Jayaram – anderthalb bis zwei Stunden hin, drei bis vier Stunden zurück.

Bevor wir uns – nach einer kurzen Verschnaufpause am höchsten Punkt, mit Blick auf den Mt. Everest – auf den Rückweg ins Tal machen, besuchen wir noch Maghmaya und Hitusari. Maghmaya freut sich über die landwirtschaftliche Unterstützung und möchte eine Schweinezucht aufbauen. „Und wir sind so dankbar über dieses Programm, weil unsere Kinder in ihrer Schulbildung gefördert werden!“

Hitusari lebt mit ihren drei Kindern in einem kleinen Steinhäuschen. Auch sie möchte in eine Schweinezucht investieren. „Ich bin so froh über dieses Projekt, und ganz aufgeregt, was es uns bringen wird. Ich freue mich auch darauf, in der Selbsthilfegruppe etwas Geld sparen zu können. Besonders diesen Aspekt finde ich toll!“ Mit ihrer Schwester und dem kleinen Neffen steht sie vor ihrer Hütte und schaut uns nach, im Gesicht ein erwartungsvolles Lächeln.

Als wir nach Dunkelwerden wieder im Projektbüro in Jayaram ankommen, wartet zwar ein gutes Essen auf uns, aber keine heiße Dusche und kein allzu weiches Bett. Trotzdem ist es einfach nur herrlich: einen Tag lang wandern und sich mal so richtig verausgaben, und als Belohnung: Menschen kennenlernen, an deren Leben wir ein paar Jahre lang teilhaben dürfen, ihre Heimat sehen, ihre Träume teilen, ihre Hoffnung spüren.

 

Für dieses Projekt muss Helping Hands e.V. mit einem Eigenanteil von 10% aufkommen (ca. 35.000 EUR). Wenn Sie die Kinder und Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram unterstützen möchten, dann wählen Sie bitte „Khotang (Nepal)“ auf unserem Online-Spendenformular.

Ein ganz normaler Schultag

NES-Schule in Beirut, Libanon, hat mehr Schüler als je zuvor

Ein ganz normaler Schultag! Am Vormittag Französisch und Mathe, nach der großen Pause die erste Klassenarbeit in Arabisch. Dann ein bisschen Sportunterricht, und nach der zweiten Pause dürfen die Klassen 4 bis 9 noch im Hof bleiben: Denn jetzt wird der Schulsprecher gewählt. Die Kandidaten halten eine kurze Rede, ihre Mitschüler applaudieren, klar zeichnet sich der Klassensprecher der 9. Klasse als Spitzenkandidat hervor. Dann stellen die Kinder sich klassenweise an zwei bunten Stellwänden an, hinter denen sie ganz anonym ihre Stimme abgeben dürfen. Die Fünftklässler jubeln, als die Glocke ertönt: Eine gesamte Schulstunde hat die Wahl gedauert!

Ein ganz normaler Schultag? Zugegeben: Es wird nicht jeden Tag ein Schulsprecher gewählt. Aber regelmäßiger Unterricht, der einem mal mehr, mal weniger Spaß macht, ab und zu eine Klassenarbeit, Spiel und Spaß in den Pausen, Freunde zum Lachen, sich Streiten und Wieder-Vertragen, Lehrer, die am Fortschritt ihrer Schützlinge interessiert sind – all das gehört zum Schulalltag dazu. Und genau das ist, was sich viele Kinder im Libanon Morgen für Morgen wünschen: einfach einen ganz normalen Schultag!

Aber wie so vieles im Libanon ist auch das nicht selbstverständlich. Dort müssen die Kinder nicht nur das Trauma von monatelangen Lockdowns, Gewalt auf der Straße und der verheerenden Explosion im vergangenen Jahr verarbeiten. Jeder Tag bringt eine neue Krise, keiner weiß, was Morgen droht, das Land versinkt im Chaos und die Erwachsenen haben schon längst aufgegeben, sich über den wirtschaftlichen Untergang aufzuregen – es hilft ja doch nichts.

Und wie immer ist die NES-Schule in Beirut eine Oase des Friedens im Chaos: oder noch viel mehr denn je. 327 Schüler hat die Schule dieses Schuljahr aufgenommen, mehr als irgendein anderes Jahr seit dem Bürgerkrieg – die Klassenräume platzen aus allen Nähten. Und jeden Tag kommen weitere Eltern und flehen die Schulleiterin an, ihren Kindern einen Schulplatz zu gewähren. Die öffentlichen Schulen sind im Streik und haben den Schulbetrieb noch immer nicht aufgenommen. Und überhaupt könnten viele der NES-Schüler gar keine staatliche Schule besuchen oder wären dort extremer Ausgrenzung ausgesetzt – zum Beispiel die 133 syrischen Kinder, aber auch die 62 Kinder von Gastarbeitern aus Äthiopien und Ägypten, Nigeria, dem Sudan und der Elfenbeinküste, aus Sri Lanka, Indien und Bangladesch, aus China und Korea, Palästina und Irak.

Ein ganz normaler Schultag: Für die Kinder im Libanon ist die NES ein Anker im Sturm, ein Ort der Zuflucht, der Geborgenheit. Wenn man mit ihnen auf dem Schulhof steht, ihr unbekümmertes Lachen hört, im Getöse der großen Pause dem Fußball ausweicht, beim Klassenfoto-Schießen zusammen Spaß hat und ihnen nach der 7. Stunde nachwinkt, wenn sie am Schultor von Eltern oder Schulbus abgeholt werden, dann kann man beinahe vergessen, dass ihre Welt am Auseinanderbrechen ist.

Und selbst wenn die Wirtschaftskrise früher oder später überwunden sein sollte, wird die Bevölkerung, von der inzwischen 75% unter der Armutsgrenze lebt, noch lange brauchen, bis sich ihre Lage stabilisiert hat. Deshalb möchten wir mit unserem NES-Studienfond auch vorsorgen: damit jedes neue Schuljahr für so viele Kinder wie möglich mit einem ganz normalen Schulalltag beginnen kann. Wenn Sie für den NES Studienfond spenden möchten, dann wählen Sie bitte „NES Studienfond (Libanon)“ auf unserem Online-Spendenformular.

(Weitere Infos zur derzeitigen Lage im Libanon finden Sie im Blog-Artikel von Anfang Oktober.)