Wirkungsbeobachtung: Small Business Schulungsprogramm der Arche in Kenia

„Ich komme aus einem Umfeld, wo Männer viele Frauen heiraten dürfen. Ich war die zweite Frau meines Mannes. Dann heiratete er eine andere und ließ mich allein – mit sechs Kindern. Ich musste einen Weg finden, für sie zu sorgen. Die Arche-Schule half mir mit der Bildung meiner Kinder, während ich auf der Straße um Essen bettelte und um Geld für die Miete.

Das „Small Business Programm“ der Arche ermöglichte mir dann, ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Noch ist mein kleines Unternehmen nicht völlig selbsttragend, und die Sprachbarriere macht es nicht einfacher, denn ich bin Somali und verstehe kein Swahili. Aber durch Hilfe mit der Übersetzung und wöchentliche Besuche von Janet, der Koordinatorin, hat sich mein Geschäft schon so weit entwickelt, dass ich etwa die Hälfte der Schulkosten meiner Kinder tragen kann, die Miete für ein kleines Zimmer bezahlen und Essen kaufen. Und mein Geschäft entwickelt sich kontinuierlich weiter, dank Janets Mentoring!“ (R.W.)

Von Mai 2024 bis April 2025 führte die Arche-Schule mit unserer Förderung ein Kleinstunternehmen-Programm für die erste Gruppe von Frauen im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, durch. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier.

Das Programm wurde vor Ort kontinuierlich evaluiert und von uns eng begleitet. Aus den Wirkungsbeobachtungen ergaben sich einige Anpassungen bereits während der Projektlaufzeit sowie Erkenntnisse für die nächste Gruppe, die im Juni 2025 mit dem Programm begann.

Zu den Beobachtungen bzw. Erkenntnissen und Anpassungen gehörte unter anderem:

  • Nach der ersten Schulung schlug die Leiterin vor, eine weitere Schulung ins Programm mit aufzunehmen. Sie erkannte, dass die Teilnehmerinnen sehr schwierige Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben (Missbrauch, Naturkatastrophen, Opfer politischer Gewalt u.v.m.) und von den Traumata noch stark betroffen sind, wodurch auch ihre Geschäfte beeinträchtigt werden. Damit die Frauen besser im Alltag zurechtkommen, ihre Geschäfte gut weiterführen und adäquat mit Kunden umgehen können, empfahl die Schulungsleiterin ein „Mental Wellness Training“.

-> Die zusätzliche Schulung wurde im Herbst für die erste Gruppe sehr erfolgreich durchgeführt und in die Planung für die nächste Gruppe aufgenommen.

  • Nach einiger Zeit wurde offensichtlich, dass die Frauen noch mehr Grundkenntnisse in der Buchführung brauchen. Dies wurde durch regelmäßige „Refresher“-Schulungen und in wöchentlichen Besuchen gefördert.

-> Auch für die neue Gruppe wurde sichergestellt, dass wöchentliche Monitoring-Besuche bei allen Geschäftsfrauen stattfinden, da diese Praxis maßgeblich zum Erfolg des Projektes beigetragen hat.

  • Alle Frauen erhielten ein Startkapital und begannen zeitnah, dies aus ihrem Profit zurückzuzahlen. Dies funktionierte in der ersten Gruppe gut, trotzdem betonte die Koordinatorin, dass mehr Variation beim Startkapital sinnvoll ist, da die Frauen sehr unterschiedliche Fähigkeiten und die Geschäfte sehr verschiedenen Umfang haben. Es wird zur Herausforderung, wenn die Teilnehmer ihre Fähigkeit über- oder unterschätzen.

-> Auf diese Tatsache soll in der nächsten Gruppe noch stärker geachtet werden. Alle Frauen müssen einen Businessplan abgeben (wurde bereits in der ersten Gruppe so gehandhabt), der noch stärker geprüft und detailliertes Feedback gegeben werden sollte.

  • Im Umfeld der Arche-Schule bzw. im Kariobangi-Slum sind sowohl Analphabetismus als auch die Sprachbarriere tägliche Herausforderungen; einige Frauen kommen aus geflüchteten oder eingewanderten Familien und sprechen kein Swahili. Das war sowohl in den Schulungen als auch im Followup ein Problem.

-> Für die Übersetzung wurden die Kinder zur Hilfe geholt (vor allem an Wochenenden). Es wurde stärkerer Fokus auf korrekte Beschilderung der Ware gelegt; darin wurden die Frauen unterstützt von Freunden und Nachbarn, die lesen und schreiben können. In der nächsten Gruppe muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmerinnen schon früh gute Bepreisung und Beschilderung lernen.

  • Während der Laufzeit fanden starke politisch-motivierte Unruhen im Kariobangi-Slum und anderen Teilen Kenias statt. Dadurch waren die Geschäfte der Frauen beeinträchtigt; einerseits bestand die Gefahr der Plünderung oder Zerstörung, andererseits konnten verderbliche Waren nicht verkauft werden. Das Leitungsteam half den Frauen, ihre Waren zu diversifizieren, sodass dieses Risiko minimiert wurde, und empfahl ihnen, während der Unruhen die Läden geschlossen zu halten. Die meisten Geschäfte überstanden die Zeit ohne größere Schäden; einer Frau wurde das Haus zerstört, und die anderen Frauen legten zusammen und gaben ihr einen Kredit aus der Gruppe, um ihr den Neustart zu ermöglichen.

-> Ratschläge für das richtige Verhalten in ähnlichen Situationen wird als Schulungsinhalt auch für spätere Gruppen aufgenommen.

  • Zu Projektende wurde deutlich, dass einige Frauen noch immer Unterstützung bei der Kalkulation der Kosten und Bepreisung der Ware benötigen. Wenn die Ware falsch beschriftet ist, können außerdem Verluste entstehen. Zusätzlich brauchen die Frauen mehr Unterstützung dabei, ihre Angebote an die Marktnachfrage anzupassen.

-> Für die Frauen wird weiter regelmäßiges Mentoring angeboten. Dies erfolgt im Rahmen der Monitoring-Besuche für die nächste Gruppe.

  • Insgesamt wurde im Verlauf des Projektes klar, dass die regelmäßigen Besuche mit Mentoring und Monitoring grundlegend für den Erfolg sind und zwischen Koordinatorin und Teilnehmerinnen eine gute Beziehung aufgebaut werden sollte.

-> Aus diesem Grund traf die Koordinatorin sich bereits einige Zeit vor Schulungsbeginn wöchentlich mit der neuen Gruppe für 2025, um Beziehungen aufzubauen, die geschäftlichen Kapazitäten der Teilnehmer zu bewerten und die Frauen zum Sparen zu animieren.

Wirkungsbeobachtung: Umfassende Dorfentwicklung in Khotang, Nepal

Seit Herbst 2021 unterstützen wir mit Förderung der Bundesregierung (BMZ) im Bezirk Khotang in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt. Dieses Projekt wird eng von uns begleitet und  jedes Jahr in einer etwa zehntägigen Projektbetreuungsreise das gesamte Projektgebiet und zahlreiche Haushalte besucht (etwa 25% aller Haushalte pro Reise); zusätzlich finden umfassende Gespräche mit dem Projektpersonal vor Ort sowie mit dem Personal unseres Partners im Hauptbüro statt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Beobachtungen und Gespräche ist, den Projektverlauf zu evaluieren und aufgrund der Beobachtungen Angleichungen vorzunehmen, sodass die Projektziele besser erreicht werden können.

Folgend sind einige Beispiele von Beobachtungen und Erkenntnissen sowie die Umsetzung der daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Gemüsegärten
2022 wurde beobachtet, dass nur wenige Familien das Gelernte aus den Schulungen umgesetzt hatten. Daraufhin beschloss der Partner vor Ort, jeden Haushalt zweimal pro Monat zu besuchen und sie besonders zu ermutigen, ihre Gärten gemäß der verbesserten Methoden anzulegen. 2023 konnte hier schon eine deutliche Änderung beobachtet werden; inzwischen sind viele Gärten ordentlich angelegt und bringen höheren Ertrag.

Bewässerung
In fünf von neun Gebieten der sechs Dörfer ist die Bewässerung kein Problem; jedoch ist in den Dörfern bzw. Gebieten Upper Bahuntar, Ninglam, Jhapa und Kurle durchgehender Zugang zu Wasser eine große Herausforderung. Verschiedene Lösungen wurden hier ausprobiert: Die Haushalte werden ermutigt, die Wasserspeicher-Teiche abzudecken, damit weniger Wasser verdunstet; dies wird erst teilweise umgesetzt (allerdings ist ein zusätzliches Problem hier, dass in abgedeckten Teichen eher Dengue-Mücken brüten, daher sollten nur Teiche abgedeckt werden, in denen auch Fische gehalten werden). Außerdem werden die Haushalte weiterhin ermutigt, Abwasser nicht wegzukippen, sondern für Beete zu benutzen. Zusätzlich wurden im Rahmen eines Änderungsantrags für Jhapa, Upper Bahuntar und Ninglam größere Regentonnen als Wasserspeicher genehmigt, die im Sommer 2024 verteilt wurden; inwiefern dadurch das Bewässerungsproblem gelöst ist, wird sich noch zeigen. Für Kurle wird derzeit ein Wasserleitsystem von einem nahegelegenen Bach installiert.

Sicherheitsaspekte
2022 wurde beobachtet, dass die Wasserspeicher-Teiche besonders für kleine Kinder und Tiere eine große Gefahr bilden, da sie nicht umzäunt sind. Die Haushalte wurden ermutigt, solch einen Zaun zu installieren; bis Herbst 2023 hatten etwa 25% der Haushalte ihre Teiche und Gemüsegärten umzäunt. Ein weiteres Sicherheitsthema, das 2022 angesprochen wurde, war Bewusstsein über Erdbeben, Feuer, Erdrutsche u.ä. Der Partner hat dieses Thema in den Unterricht der Kinderzentren mit aufgenommen und wird es noch vermehrt in Selbsthilfegruppen und Hausbesuchen ansprechen.

Müllentsorgung
Auch dieses Thema wurde 2022 angesprochen, da es bisher wenig Bewusstsein für Müllentsorgung gibt. Seitdem wurde folgendes umgesetzt: in den Kinderzentren wird adäquate Müllentsorgung gelehrt; in Hausbesuchen wird das Thema angesprochen; das Projektpersonal geht mit gutem Beispiel voran. Noch umgesetzt werden soll: in den Kinderzentren oder an zentraler Stelle sollte eine große Tonne als Sammelstelle errichtet werden (und mit der Kommunalverwaltung geklärt, wie diese Tonne geleert wird); das Thema der kommunalen Müllentsorgung soll mit Selbsthilfegruppen und lokalen Führungspersönlichkeiten erörtert werden.

Verbesserte Viehzucht
Im Bereich der Viehzucht wurden verschiedene aus Beobachtungen abgeleitete Maßnahmen bereits umgesetzt. Einerseits hatten bisher wenige Haushalte begonnen, bessere Rassen zu züchten; dieses Thema wurde angesprochen und inzwischen haben zahlreiche Haushalte Zuchttiere gekauft (dies geschieht allerdings langsamer in größeren Höhenlagen, da die Zuchttiere dort das Klima nicht vertragen – daher werden hier Kreuzungen vorgenommen). Eine Überlegung, Ziegen nicht nur für Fleischproduktion, sondern auch für Milch und Käse zu nutzen, wurde aus kulturellen Gründen abgelehnt. Eine Herausforderung in 2022 war die Gesundheit der Tiere und technisches Monitoring bzw. Zugang zu einem Tierarzt. Dies wird nun von einem als Tierarzt ausgebildeten Projektteilnehmer ehrenamtlich übernommen; im Rahmen des Änderungsantrags konnten außerdem pro Selbsthilfegruppe ein Gerät für Kastration gekauft werden. Zusätzlich haben vermehrt Familien ihre Tiere versichert; dies soll noch weiter in Hausbesuchen angesprochen werden, da durch plötzliche Erkrankungen wie Schweinepest oder Unfälle immer noch einige Haushalte ihr Vieh verlieren (die Versicherung zahlt 90% des Wertes).

Unterricht in den Kinderzentren
Verschiedene Aspekte wurden 2022 angesprochen: z.B. kreativer Unterricht und bessere Materialien, Classroom Management, Sauberhalten von Büchern, Taschen, Kleidung etc. Einige dieser Aspekte wurden in einer mehrtägigen Schulung für alle Kinderzentren-Lehrer unseres Partners in Nepal im Januar 2024 angesprochen, an der auch das relevante Projektpersonal aus Khotang teilnahm.

Feedback und Beteiligung der Zielgruppe
Die Zielgruppe sollte die Möglichkeit haben, sich voll an der Projektkonzeption zu beteiligen und jederzeit ihr Feedback zu Maßnahmen und dem weiteren Projektverlauf geben zu können. Ursprünglich war die Idee, an verschiedenen Orten einen „Beschwerdebriefkasten“ aufzuhängen, in denen die Projektteilnehmer ihr Feedback einwerfen können. Stattdessen wurde eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der alle Haushalte Kommentare hinterlassen können, sowie eine Messenger-Gruppe für die Selbsthilfegruppenleiter. Darüber hinaus haben die meisten Projektteilnehmer die Handynummer des Projektpersonals und können sich jederzeit mit Fragen und Anregungen an sie wenden.

Das Projekt in Khotang geht nun ins letzte Projektjahr; im Rahmen einer Projektreise im November 2024 wird weiter beobachtet, welche Wirkungen erzielt wurden und wo noch Angleichungen notwendig sind.

Wirkungsbeobachtung: Integrative Kinderzentren in Nepal, 2. Jahr

Integrative Kinderzentren fördern die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und verbessern die wirtschaftliche Situation der Familien nachhaltig. Durch gestärkte Selbsthilfestrukturen können die Maßnahmen langfristig vor Ort eigenverantwortlich weitergeführt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind kontinuierliche Evaluierungen des Projektfortschritts notwendig, damit Maßnahmen angeglichen und erforderliche Schritte eingeleitet werden können. Dieses Monitoring wird einerseits durch unseren örtlichen Partner durchgeführt; andererseits ermöglichen regelmäßige Projektbesuche (mind. einmal pro Jahr) von Helping Hands Mitarbeitern, dass Änderungen besprochen und zeitnah umgesetzt werden können.

Beim Projektbesuch Ende 2022 im integrativen Kinderzentrum in Ithung/Ghalegaun, Nepal, wurden u.a. folgende erforderlichen Schritte festgestellt:

Im Kinderzentrum

Es wurde beobachtet, dass die erlernte Hygiene (hier: Händewaschen vor dem Essen) direkt im Kinderzentrum nicht umgesetzt wurde. Außerdem ist die Müllentsorgung ein großes Problem.

->> Ab sofort soll das Händewaschen im Kinderzentrum besonders hervorgehoben werden. Für die Müllentsorgung werden große Mülltonnen auf dem Schulhof aufgestellt und Mitarbeiter kontaktieren die örtlichen Behörden, dass der Müll auch abgeholt wird. In Hausbesuchen und im Kinderzentrum soll dieses Thema ebenfalls konkret behandelt werden.

Da der Unterricht oft in größeren Gruppen stattfindet, sind nicht alle Inhalte altersgerecht.

->> Soweit möglich, sollen die Kinder in kleinere Gruppen unterteilt und mehr Fokus auf altersgerechte Materialien gelegt werden. Falls das aufgrund von Personalmangel nicht möglich ist, können einzelne Altersgruppen einer stillen Aufgabe nachgehen, während andere Gruppen unterrichtet werden. Die Mitarbeiter der Kinderzentren bemühen sich darüber hinaus, noch mehr Ehrenamtliche für die Zentren zu gewinnen, ggf. können auch ältere Kinder den jüngeren helfen (dafür sollten sie geschult werden).

Es fehlt insgesamt an Material, vor allem an kreativem Material.

->> Die Lehrer werden ermutigt, sich bei NCM Nepal zu melden, wenn sie etwas benötigen. NCM Nepal bemüht sich, mehr allgemeines Material zur Verfügung zu stellen; ggf. können Lehrer darin geschult werden, selbst kreatives Material herzustellen. Ein erster Schritt ist, dass NCM Nepal mit den Lehrern spricht um herauszufinden, welches Material benötigt wird.

Manche Lehrer bzw. Ehrenamtliche könnten sich in folgenden Bereichen verbessern: Classroom Management, Aufmerksamkeit für alle Kinder, kreative Aufgaben für „Leerlauf“-Abschnitte (z.B. wenn der Lehrer die Hausaufgaben der anderen Kinder nachschaut), Lehrmethoden, Korrektur und konstruktives Feedback zu Aufgaben.

->> NCM Nepal hat beschlossen, regelmäßige Schulungen für Lehrer aller von NCM Nepal geförderten Kinderzentren anzubieten. Wenigstens einmal pro Jahr sollen die Lehrer zusammenkommen und Inhalte lernen sowie Zeit für Austausch haben, um voneinander zu lernen. Eine solche Lehrerschulung hat bereits stattgefunden.

In den Selbsthilfegruppen

In Gesprächen mit den Familien wurde festgestellt, dass die meisten die Selbsthilfegruppe nur als eine Spar- und Kreditgruppe betrachten und den weiterführenden Aspekt der Bevollmächtigung und Stärkung von örtlichen Selbsthilfestrukturen nicht verstanden haben.

->> Helping Hands wird dazu Material ausarbeiten und mit NCM Nepal durcharbeiten, sodass dieser Aspekt des Projektes angepasst werden kann.

Da die Projekte jetzt ins dritte Jahr gehen, wurde lokal der Wunsch geäußert, dass die Selbsthilfegruppen offiziell registriert werden und dadurch verschiedene Rechte in Anspruch nehmen können.

->> Dieser Schritt wurde bereits durchgeführt. Zusätzlich werden die lokalen Leiter angehalten, andere Dorfbewohner dazu zu ermutigen, weitere Selbsthilfegruppen zu gründen und das Gelernte der ursprünglichen Gruppen umzusetzen.

Einkommensaktivitäten

Damit die durchs Projekt neu begonnenen Einkommensaktivitäten tatsächlich ein besseres Einkommen erzielen, braucht die Zielgruppe verschiedene Schulungen, z.B. in verbesserter Viehzucht etc. Zusätzlich sollte regelmäßig technisches Monitoring stattfinden.

->> NCM Nepal wird einen Plan zusammenstellen, welche Schulungen benötigt werden und welche Kosten damit verbunden sind. In diesem Rahmen wird auch geprüft, wie und wie oft technisches Monitoring durchgeführt werden kann. In einem der beiden Dörfer gibt es bereits ein „Monitoring Team“, ggf. wird das auch im zweiten Dorf eingeführt.

Für den Verkauf von Vieh müssen bessere Märkte erschlossen werden.

->> Die Leiter der Selbsthilfegruppen sollten in Marktmanagement geschult werden und darin unterstützt, selbst bessere Märkte zu finden. Ggf. kann hier mit einem anderen Projekt koordiniert werden, das derzeit in dieser Gegend stattfindet und ähnliche Herausforderungen hat.

Es ist unbedingt erforderlich, dass jeder Haushalt einen „Business Plan“ entwirft und kontinuierlich evaluiert. Derzeit hat die Zielgruppe keine Vorstellung davon, welche Schritte und Investitionen notwendig sind, um ein bestimmtes (wirtschaftliches) Ziel zu erreichen.

->> Helping Hands erstellt Material, um das Konzept eines „Business Plan“ zu erklären, und stellt dieses den NCM Nepal Mitarbeitern zur Verfügung, die sich dann um entsprechende Schulung aller Haushalte in den Projekten kümmern.

 

Die Umsetzung dieser aus der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse wird beim nächsten Projektbesuch im Oktober 2023 überprüft und weitere Maßnahmen besprochen.

 

„Vor Ort hat sich schon einiges verändert“

Franzi Huth berichtet aus Nepal

Ankunft und erste Eindrücke

An einem sonnigen Dienstagnachmittag erreichen wir nach einer sechsstündigen Fahrt endlich Tuwachung, eine ländliche Gemeinde im Osten Nepals. Die Gegend liegt inmitten einer bergigen Landschaft, wie sie in vielen Regionen des Landes zu finden ist. Das kleine “Zentrum”, das eher als idyllische Siedlung bezeichnet werden kann, ist umgeben von Bergen und Wäldern, die wiederum mehrere kleine Dörfer beheimaten. Wir erreichen das Zentrum über eine etwas wackelige Brücke, die die einzige Zufahrtsmöglichkeit nach Tuwachung darstellt. Sie führt über einen reißenden Fluss, der die Gemeinde vom Rest der Region trennt.

Besucht ist die Gegend nur sehr selten, in erster Linie wird sie als Zwischenstopp für durchreisende Touristen genutzt, was an den kleinen Cafés sowie dem Hostel direkt am Ortseingang unschwer zu erkennen ist. Zudem befinden sich einige kleinere Shops, die Ähnlichkeiten zu Kiosks in deutschen Städten aufweisen, direkt an der Hauptstraße.

Die Umgebung wirkt wie einem Landschaftskalender entsprungen, die idyllische Brücke über dem Fluss und die umliegenden Berge und Wälder machen die malerische Kulisse perfekt. Trotzdem kann sie über die Armut, die schnell und überall deutlich erkennbar wird, nicht hinwegtäuschen. Die notdürftig gezimmerten Hütten, provisorisch wirkende Ställe und die spärlich gekleideten Kinder zeigen ein deutliches Bild von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation in Tuwachung.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur in diesen doch sehr ländlichen, abgeschiedenen Dörfern beschränkt sich das Arbeitsangebot fast vollständig auf lokale Landwirtschaft. Somit widmen sich die meisten der Dorfbewohner dem Anbau von Getreide und Gemüse oder auch dem Züchten von Nutztieren. Letztere sind in den Dörfern an jeder Ecke zu finden, neben den unübersehbaren Büffeln und Ziegen läuft einem auch schnell mal eine Henne mit ihren Küken oder eine Gänsefamilie über den Weg. Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden zu einem großen Teil selbst verbraucht, untereinander wird oft getauscht. Wer ein paar Hühner hält, kann beispielsweise Eier abgeben und bekommt dafür Mais, Hirse oder Kartoffeln. Darüber hinaus berichten viele Bewohner von ihrem Wunsch, ihre Produkte auch in Kathmandu zu verkaufen, wo sich lokale Erzeugnisse großer Beliebtheit erfreuen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich dessen angenommen und möchte mit sogenannten Income-Generating-Activities (IGAs) helfen, doch dazu später mehr. Zunächst einmal ein allgemeiner Blick auf die Bevölkerung: Diese besteht fast ausschließlich aus Hindus, die zudem der gleichen Kaste angehören. Somit kommt es in Tuwachung – im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Nepals – nur sehr selten zu religiösen Konflikten. Auffallend ist darüber hinaus die Demografie und die große Menge an Kindern, die in den Dörfern leben. In so ziemlich jedem Haushalt leben mehrere, die meisten von ihnen noch ziemlich jung.

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit dem BMZ

Wie bereits angedeutet, fördert das BMZ unterschiedliche Projekte in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. Die in erster Linie finanzielle Unterstützung erfolgt in der Regel nach erfolgreicher Bewerbung einer deutschen Organisation, bzw. eines Vereins. Im Fall von Tuwachung war dieser Verein Helping Hands e. V., der die Dorfgemeinschaft erfolgreich für ein potenzielles Entwicklungsprojekt vorschlug und dafür Fördergelder des Ministeriums erhielt. Die finanzielle Unterstützung kann ganz unterschiedlich eingesetzt werden, in Tuwachung werden davon unter anderem beispielsweise Nutztiere gekauft, um ausgewählten Haushalten eigenständiges Wirtschaften zu ermöglichen, getreu dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe”. Auch ein Wasserauffangbecken wurde auf Kosten des Projekts eingerichtet, um die Bewässerung der Felder auch in Dürrezeiten zu sichern. Zudem nahm sich die Kooperation des dürftigen Gesundheitssystems vor Ort an und beschloss unter anderem, Entwurmungskuren an die Bevölkerung – insbesondere an Kinder – zu verteilen. Diese Kuren sind relativ kostengünstig und einfach zu beschaffen, haben jedoch eine verhältnismäßig große Wirkung für die Gesundheit der Bewohner. Bereits 2008 wurde ihr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis im Rahmen des Kopenhagener Konsens betont und wird seit jeher als beliebtes Ernährungsprogramm in Projekten des Globalen Südens eingesetzt.

Bisher kleinere Teilerfolge

Seitdem das Projekt in Kooperation mit dem BMZ vor einem Jahr startete, hat sich vor Ort einiges verändert. Bereits jetzt deuten sich erste Erfolge der Zusammenarbeit an. So zum Beispiel sehen einige Bewohner einem Rückgang in der Kinderarbeit, die noch heute vermehrt in vielen ländlichen Gebieten Nepals auftritt. Das Projekt unterstützt die lokale Schulbildung finanziell, indem es die Schulgebühren sowie verschiedene Materialien wie Schulranzen, Blöcke oder Stifte zur Verfügung stellt. Die Wirkung dessen ist bereits jetzt erkennbar: Kinder besuchen die Schule nun deutlich länger als noch vor einem Jahr, als der Großteil der Schüler nach der 6. oder 7. Klasse die Schule abbrechen und in der Landwirtschaft arbeiten musste. Heute sieht das Ganze anders aus: Über 90% der 12–15-Jährigen besuchen die lokale Schule, die meisten von ihnen streben darüber hinaus eine Einschreibung in der nächstgelegenen High School an. Die positive Entwicklung ist vermutlich nicht zuletzt auf die Bemühungen des Projekts zurückzuführen, das Familien die Bedeutung von Bildung nahebringt und sie finanziell in diesem Vorhaben unterstützt.

Doch nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern können von den Bildungsprogrammen des Ministeriums profitieren: In sogenannten “Self Help Groups” (SHGs) schließen sie sich mit jeweils 24 weiteren Dorfbewohnern zusammen, um gemeinsam zu sparen. Monatlich wird ein kleiner Teil des – zugegebenermaßen zumeist bescheidenen – Einkommens gespart und anschließend an ein ausgewähltes SHG-Mitglied ausgezahlt. Meistens wird das Geld, ähnlich wie ein Kredit, als Startkapital verwendet, um beispielsweise einen kleinen Shop zu eröffnen oder Tiere für die Landwirtschaft zu kaufen. Im Laufe der nächsten Monate wird das Geld Stück für Stück an die Gruppe zurückgezahlt, inklusive Zinsen. Ziel ist hierbei, den einzelnen Gruppenmitgliedern den Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und somit – ganz im Sinne der “Hilfe zur Selbsthilfe“ – ein Stück weit finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein klassischer Mikrokredit, unterscheidet sich von diesem einerseits durch seine Informalität, vor allem aber darin, dass die Gruppenmitglieder nicht von einem Kreditinstitut in Abhängigkeit gebracht werden, sondern die Gruppengelder selbstbestimmt verwalten und damit auch das Potenzial entfalten, die weitere Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand zu nehmen.

Ergänzt werden die SHGs mit sogenannten „Income Generating Activities” (IGAs), die in erster Linie aus Schulungen im Umgang mit Finanzen bestehen. Was zunächst aufwändig und umfangreich klingt, wird in der Praxis relativ einfach umgesetzt: Ein Experte aus der Finanzbranche (hierbei ist es den Initiatoren besonders wichtig, dass es sich um einen „local“, also einen Nepalesen, handelt) besucht auf Kosten des Projekts das Dorf und unterrichtet interessierte Bewohner in Grundlagen der Haus- und Betriebswirtschaft. Somit lernen sie, einen eigenen Laden möglichst effizient zu führen oder landwirtschaftliche Erzeugnisse gewinnbringend zu verkaufen. Insbesondere jetzt, wo einige Dorfbewohner den Wunsch äußern, ihr Gemüse und Getreide in Kathmandu zu verkaufen, könnten die IGAs eine entscheidende Unterstützung darstellen.

Langfristige Wirkung schwer absehbar

Bei all den positiven ersten Eindrücken muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Projekt – Stand heute – erst ca. ein Jahr alt ist. Im Oktober 2021 wurde es quasi inmitten der Corona-Pandemie etabliert. Diese nahm zwar auf den ersten Blick keinen großen Einfluss darauf, trotzdem zeigt sie uns, wie fragil die globale Entwicklung ist und wie schnell entsprechende Fortschritte verloren gehen können. Dies wurde während der letzten zweieinhalb Jahre nicht nur in verschiedenen Gegenden Nepals, sondern auch in vielen weiteren Regionen dieser Welt spürbar deutlich. Aufgrund dessen sind die sich abzeichnenden Erfolge zunächst einmal mit Vorsicht zu genießen. Die langfristigen Auswirkungen des Projekts vor Ort sind derzeit einfach noch nicht abschließend feststellbar, dies wird letztlich die Zeit zeigen.

Jedoch sind das Programm und die Unterstützung des BMZ durchaus jetzt schon als sinnvoll zu betrachten, und zwar nicht nur aufgrund der einzelnen Fortschritte individueller Bewohner. Die wirtschaftliche und somit auch gesellschaftliche Situation vor Ort ist noch immer prekär: Derzeit leben etwa drei Viertel der örtlichen Bevölkerung unterhalb der offiziellen, nepalesischen Armutsgrenze. Hierfür gibt es einen einleuchtenden Erklärungsansatz: das heimische Bildungswesen. Bildung wurde in den vergangenen Jahren oft vernachlässigt, da Schüler als unterstützende Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt wurden. Nun sind Schulbesuche jedoch innerhalb eines Jahres sichtbar angestiegen, was vermutlich nicht zuletzt auf die finanzielle Unterstützung des Projekts zurückzuführen ist. Doch das Projekt unterstützt Familien noch auf einem weiteren Weg: Indem Eltern mit Hilfe der IGAs die Bedeutsamkeit von Bildung und Schulabschlüssen für den Austritt aus der Armut nähergebracht wird, wächst deren Eigeninteresse an einem möglichst ausgeprägten Bildungsweg für ihre Kinder.

Noch bleibt einiges zu tun

Trotz bisheriger Anstrengungen und sichtbarer Erfolge bleibt noch vieles offen. Ein Spaziergang durch die umliegenden Dörfer legt insbesondere ein Problem unmissverständlich dar: der regionale Umgang mit Abfall, der keinen größeren Gegensatz zu unserer typisch deutschen Mülltrennung aufweisen könnte. Überall liegen leere Plastikwasserflaschen, Müllbeutel und Verpackungsreste auf dem Boden, kreuz und quer auf den Feldwegen und im umliegenden Gestrüpp.

Doch nicht nur immer größer werdende Müllberge stellen ein (potenzielles) Problem für die Gemeinde dar. Darüber hinaus fehlt es in vielen Haushalten noch immer an Elektrizität, was natürlich in erster Linie auf die mangelnde Infrastruktur in der ländlichen Gemeinde zurückzuführen ist. Was für die Bewohner tagsüber nur bedingt ein Hindernis darstellt, wird abends, nach Anbruch der Dunkelheit, durchaus problematisch. Die fehlende Elektrizität führt zum Mangel an elektrischem Licht, vom Internet ganz zu schweigen. Obwohl das BMZ immer wieder die Bedeutsamkeit von Bildung für nachhaltige Entwicklung betont, scheint dies doch ein bedeutsames Hindernis für das Lesen und Lernen zu sein.

Ein weiteres Problem zeigt sich schnell bei einer Führung durch eines der Dörfer, nur wenige Kilometer außerhalb des Gemeindezentrums. Stolz zeigen uns die Bewohner ein eher provisorisch wirkendes Wasserauffangbecken, das das Projekt ihnen bereitstellt. Hierin wird Regenwasser gesammelt, um während der Dürreperioden, die in der Gegend häufig auftreten, Wasser zur notwendigsten Versorgung verfügbar zu haben. Schnell wird jedoch klar, dass diese Becken nicht einmal annähernd genug Wasser sammeln können, um die umliegenden Agrarflächen zu bewirtschaften. Die Region ist jedoch abhängig von effizienter Landwirtschaft und ihrer Erzeugnisse.

Bei unserem Besuch in Tuwachung wird also schnell klar, noch bleibt einiges zu tun. Das Projekt in Kooperation mit dem BMZ ist auf insgesamt dreieinhalb Jahre angesetzt, eines davon ist bereits vergangen. Die bisherige Entwicklung bestätigt den Erfolg der bisherigen Herangehensweise, Universallösung aller Probleme vor Ort ist sie jedoch nicht. Inwieweit die Unterstützung des Ministeriums nachhaltige Entwicklung für die Region und positive Veränderungen für ihre Bewohner bringt, wird sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre abschließend zeigen.

 

Franzi Huth absolvierte im Rahmen ihres Master-Studiengangs in Development Studies von August bis Oktober 2022 ein Praktikum bei unserem Partner NCM Nepal. Dabei konnte sie auch zwei von Helping Hands geförderte Projekte besuchen und evaluieren.

Anmerkung: Das beschriebene Projekt in Tuwachung liegt im Bezirk Khotang; in früheren Berichten zu diesem Projekt wurde diese Ortsangabe verwendet.

 

„Auf einem guten Weg“ – Wirkungsbeobachtung in Srimongol, Bangladesch

Taramoni sitzt in ihrem wellblechgedeckten Lädchen am Straßenrand, von der Decke hängen kleine Tüten mit Chips, Keksen und in Einzelportionen eingeschweißtes Shampoo; auch Zahnbürsten, Süßigkeiten und diverse Getreidesorten hat sie im Angebot. Aber wenn gerade keine Kunden ihre Aufmerksamkeit verlangen, dann sitzt Taramoni nicht etwa untätig herum. In jeder freien Minute summt die Nähmaschine, die vorm Tresen auf ihre fleißigen Hände wartet. Und so kommen Kunden auch mal, um statt der Packung Kekse eine neue Hose für den Sohn zu bestellen. Sehr zufrieden und selbstbewusst wirkt Taramoni, und auf die Frage, ob ihr Multi-Tasking-Job ihr Spaß macht, antwortet sie mit einem begeisterten JA!

„Vorher saß ich einfach nur zuhause rum, hatte nichts zu tun“, erklärt sie uns dann. Vorher – das war, bevor sie im Projekt unseres Partners verschiedene Schulungen besuchte. „Nachdem ich die Schulungen erhalten hatte, merkte ich, dass ich durchaus etwas tun konnte und nicht zuhause bleiben brauchte! Erst hab ich eine kleine portable Teestube angefangen und damit Geld verdient. Bald konnte ich diesen Laden eröffnen. Dann fiel mir auf, dass ich ja noch Zeit übrig hatte, und hab mir selber Nähen beigebracht, und mein Vater hat mir eine Nähmaschine geschenkt.

Jetzt habe ich gleich zwei Jobs: den Laden und die Schneiderei. Deshalb habe ich auch die Teestube aufgegeben: denn hier im Laden kann ich beide Jobs machen und meine Nähmaschine hier hinstellen, wo die Kunden sie sehen. Das ist meine Strategie, um noch mehr Kunden zu werben.“

Im hinteren Teil des Ladens, etwas verdeckt hinter langen Girlanden aus über Fäden aufgehängten Chipstüten, baumeln ein paar Stoffe. Taramoni deutet in die etwas überfüllten Ecken ihres Shops. „Ich hoffe, dass ich bald genug verdient habe, um meinen Laden zu vergrößern. Dann kann ich ihn in zwei Teile aufteilen – einen für die Lebensmittel, einen für die Schneiderei. Dort könnte ich dann mehr Stoffe zeigen und verschiedene Kleidungsstücke zum anschauen oder anprobieren. Im Moment ist das noch alles da hinten –“ und sie zeigt in einen etwas düsteren Raum, der zur Hintertür des Ladens führt.

„Aber es hat sich schon sehr viel verändert zu früher. Ich verkaufe zwar nicht immer gleich viel, aber die meisten Tage habe ich ein durchschnittliches Einkommen von 400 Taka (ca. 4 Euro). Damit kann ich meine gesamte Familie versorgen. Mein Mann arbeitet jetzt in einer Apotheke, aber er war lange arbeitslos, und wir mussten nur mit meinem Geld auskommen. Jetzt geht es uns viel besser, und wenn ich mich mit meinen Nachbarn vergleiche, dann geht es uns richtig gut.“

Am Straßenrand vor dem Lädchen spielen einige Kinder – zwei davon, ein 10-jähriges Mädchen und ein 6-jähriger Junge, gehören zu Taramoni. „Ich wäre glücklich, wenn meine Tochter später mal Krankenschwester wird. Und für meinen Sohn wünsche ich mir, dass er eine Apotheke leitet – nicht als Angestellter, wie sein Vater, sondern als Inhaber.“

Keine ganz kleinen Träume in einem Land, wo der soziale Aufstieg für viele nur ein schöner Wunsch bleibt. Aber Taramoni glaubt man sofort, dass sie diese Ziele für ihre Kinder auch erreichen kann.

 

Taramoni ist eine von ca. 3000 Frauen, die im Rahmen eines Großprojektes in Srimongol im Nordosten Bangladeschs geschult wurde. Das Projekt, das zu ca. 80% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wurde, konzentrierte sich auf ca. 10.000 Familien (etwa 50.000 Personen), die für ihr Einkommen vornehmlich auf Arbeit in den Teeplantagen oder als Tagelöhner angewiesen waren und damit zur bedürftigsten Bevölkerungsgruppe gehörten; Ziel war, durch den Bau eines Schulungszentrums und einer Schule sowie ein umfassendes Schulungsprogramm die wirtschaftliche Lage der Familien und die Bildung der Kinder langfristig zu verbessern.

Heute, zehn Jahre nach Projektbeginn, sind die Erfolge deutlich sichtbar.

Da ist neben Taramoni zum Beispiel auch Menoka, die aus ihrem großen Gemüsegarten – natürlich mit eigenem Saatgut angelegt und ökologisch gedüngt – und Viehzucht nicht nur ein zusätzliches Einkommen erzielt, sondern sich durch das nahrhafte Essen ihre Gesundheit und die ihrer Familie deutlich verbessert hat. Inzwischen hat sie genügend Geld gespart, dass sie einen kleinen Laden eröffnen kann, wenn die Kinder groß genug sind. „Das wichtigste ist, dass meine Kinder eine gute Ausbildung erhalten“, betont sie.

Oder Sujata, die keine Kinder hat und mit ihrem Mann und Schwager in einer Lehmhütte wohnt. Die beiden Männer arbeiten in den Teeplantagen, sechs Tage in der Woche, und verdienen im Monat zu zweit nur etwa so viel, wie Sujata alleine durch ihre Viehzucht erzielt – sieben Kühe hat sie, drei Ziegen und einige Hühner, davon verkauft sie Milch, Eier, Huhn und Öko-Dünger. All das hat sie im Projekt gelernt. Und sie hat noch Ziele und Träume: Ihre Viehzucht möchte sie ausweiten und schließlich ein richtiges Haus bauen, aus Beton und Wellblech, nicht nur Lehm. Außerdem würde sie sich weitere Schulungen wünschen – im Schulungszentrum finden weiterhin regelmäßig Schulungen für die Zielgruppe statt –, zum Beispiel in der Herstellung von „Vermi-Compost“ (mit Kompostwürmern). Dann könnte sie ihr Einkommen zeitnah steigern und ihr Traum vom Haus sich umso schneller erfüllen.

Dass die Schulungen einen Unterschied im Leben einzelner Familien gemacht haben, ist nicht zu übersehen. Abgesehen vom gesteigerten Einkommen berichten die Frauen, wie sich auch sonst ihre Lebensweise geändert hat: Sie sind bessere Eltern, achten stärker auf Gesundheit, bereiten nahrhaftes Essen zu, wissen um gute Hygiene und sorgen dafür, dass der ganze Haushalt die Prinzipien umsetzt. Sie haben auch gelernt, mit Geld umzugehen und – ganz grundlegend für eine langfristige Veränderung: einen gewissen Betrag zu sparen, damit für Notfälle Geld da ist, aber vor allem auch, um sich weiterzuentwickeln, ein Geschäft zu vergrößern, etwas neues dazuzulernen, nicht dort stehen zu bleiben, wo sie vorher waren.

Das meiste, was Taramoni, Menoka, Sujata und die anderen Frauen in Srimongol gelernt haben, wurde ihnen im Rahmen einer Selbsthilfegruppe weitergegeben. „Was ich jetzt habe“, erklärt Sujata, „all das hab ich in der Selbsthilfegruppe gelernt. Ich habe wirklich von dieser Gruppe profitiert!“ In den Gruppen lernten die Frauen sparen, erhielten Kredite für ihre Kleinstunternehmen, besuchten Schulungen über Gemüsegärten, Viehzucht und verschiedenste Erwerbstätigkeiten gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus der Gruppe.

Leider ist heute keine dieser drei Gruppen mehr aktiv. Die einen waren plötzlich zu beschäftigt, hatten nicht genug Zeit, um sich zusammenzusetzen und Probleme gemeinsam zu diskutieren, entwickelten sich auch in den Interessen immer mehr auseinander. Eine andere Gruppe lief für einige Jahre, aber dann gab es einen Konflikt, und es war keiner da, der helfen konnte, diesen Konflikt zu lösen. Die dritte Gruppe hatte sogar gemeinsam ein Einkommensprojekt gestartet und machte ziemlich guten Gewinn, doch es gab keine Einheit in der Gruppe und einzelne Mitglieder fühlten sich nicht mit ihrer Meinung wertgeschätzt; die Gruppe brach auseinander.

Im Gespräch mit unserem Partner vor Ort lassen sich einige Erkenntnisse daraus ableiten.

Auf der einen Seite zeigen diese Beispiele den Wert der Schulungen und des gemeinsamen Lernens. Denn auch wenn die Gruppen der drei Frauen nicht mehr bestehen, so setzen sie doch weiter das Gelernte um, nicht nur in den Erwerbstätigkeiten, sondern auch in Aspekten des täglichen Lebens. Und: Alle drei Frauen sparen weiter und wissen, dass sie nun aus eigener Kraft die nächsten Schritte in ihren Unternehmen gehen können. Eine andere Gruppe im Projektgebiet formte sich kürzlich neu in Eigeninitiative, nachdem sie eine Weile inaktiv war – weil die Frauen sich daran erinnerten, dass das gemeinsame Sparen und gemeinsame Lernen der beste Weg ist, sich positiv weiterzuentwickeln und nicht von Kredithaien abhängig zu werden.

Auf der anderen Seite wird durch die Situation aber auch deutlich, dass zwei Jahre als Projektlaufzeit zu kurz sind, um Selbsthilfegruppen nachhaltig auf eigene Beine zu stellen – und auch, dass Projekte nach gründlicher Recherche noch intensiver an die lokale Situation angepasst werden müssen. Denn in Satkhira und Jessore im Südwesten Bangladeschs, wo ein paar Jahre vorher ein vom BMZ gefördertes ebenfalls zweijähriges Schulungsprojekt beendet wurde, hatten die Frauen sich schon wenige Jahre später zu Kooperativen zusammengeschlossen (einen Bericht dazu finden Sie hier) – dort hatten die Menschen einfach eine andere Einstellung. Zusätzlich wurde dort aber auch nur kurze Zeit nach Projektende ein Folgeprojekt mit anderem Fokus begonnen, das mit den gleichen Selbsthilfegruppen zusammenarbeitete – dadurch war genug Personal vor Ort, das die Gruppen weiter begleiten und helfen konnte, etwaige Konflikte zu lösen.

Inzwischen wurde auch in Srimongol ein solches Folgeprojekt gestartet (nicht von Helping Hands finanziert), das sich vor allem auf Gesundheitsthemen konzentriert. Dadurch ist wieder mehr Kontakt mit der Zielgruppe, inaktive Gruppen können reaktiviert und neue gebildet werden.

Eine davon besteht aus 17 Teenagern – alles Mädchen im Alter von 12 bis 17. Die Gruppe haben sie gegründet, um sich gegenseitig zu beschützen, um gemeinsam zu lernen, gute Entscheidungen zu treffen, ihre Probleme zu lösen und ihre Träume zu verwirklichen. Und Träume, die haben sie ebenso wie Taramoni, Menoka und Sujata. „Mein Traum ist, Polizistin zu werden und meiner Nation zu dienen“, erzählt eine der jungen Frauen. „Hier ist Drogensucht ein Problem, ich möchte daran arbeiten, sie auszurotten“, meint ein Mädchen mit Überzeugung; eine andere erklärt, „Ich will die Dorfbewohner über Kinderehe aufklären und diese Praxis in unserem Dorf stoppen.“

Gemeinsam, das wissen sie, können sie einen Unterschied machen. Ihre größte Herausforderung ist die Bildung – „denn unsere Eltern interessieren sich nicht dafür, Mädchen auszubilden – in unseren Dörfern gibt es den Aberglauben dass Frauen nicht gebildet sein sollen, sondern zuhause bleiben. … Aber wenn wir uns selbst weiterbilden, können wir eine bessere Zukunft für unsere Familie schaffen, sodass die nächste Generation besser ausgebildet und wohlhabender sein wird. Wenn wir selbst gebildet sind, können wir andere unterrichten, sodass sie von uns lernen und Wissen erhalten können.“

Gemeinsam lernen, gemeinsam aktiv werden, sich selbst weiterbilden und Wissen an andere weitergeben – das sind grundlegende Elemente, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen und gemeinsam eine bessere Zukunft zu schaffen. Manchmal, wie eine Frau in der reaktivierten Selbsthilfegruppe vermutet, dauert das halt ein bisschen länger: allmählich, Schritt für Schritt ändert sich das Leben. Und Taramoni, Menoka, Sujata, aber auch die jungen Mädchen in der neuen Gruppe, sind bereits auf einem guten Weg.

 

Das Projekt in Srimongol wurde im März 2022 von unserer internationalen Geschäftsführung besucht und evaluiert.

Wirkungsbeobachtung: „STEP“ in Beirut, Libanon

Erst stehen sie noch etwas schüchtern am Eingang, umklammern die Hände ihrer Eltern und schauen mit großen Augen auf das unbekannte Schulgebäude – aber dann ist auch schon für die ersten das Eis gebrochen und sie rennen begeistert auf den Schulhof hinaus: So viel wunderbarer Platz zum Spielen! Leider wird es kurz darauf schon Ernst: Die Spielbegeisterung muss für die Pause aufgehoben werden, denn der Unterricht geht los. Noch ist alles neu – dort, wo sonst neun Klassen, einheitlich in Schuluniform gekleidet, schöne ordentliche Reihen bilden, stehen an diesem Nachmittag kunterbunte  wirre Schlangen, die vor Aufregung gar nicht zur Ruhe kommen können. Macht nichts! Das Aufreihen werden die Kinder bald lernen, und Schuluniformen sind auch schon bestellt. Jetzt heißt es erst einmal, die Kinder willkommen zu heißen, eine einladende Atmosphäre zu schaffen und zu vermitteln, dass Schule auch mit Disziplin so richtig Spaß machen kann!

Dieser Dienstag ist ein großes Ereignis im Leben der knapp 100 Kinder: für viele das erste Mal, oder zumindest das erste Mal seit langem, dass sie in eine „richtige“ Schule gehen. Wegen Bürgerkrieg und Flucht haben die Kinder so viel Unterricht verpasst, dass sie in regulären Schulen nicht registriert werden können. Seit  Sommer 2014 gibt es für solche Kinder in Beirut ein besonderes Programm, genannt „STEP“, das ihnen etwas Unterricht bietet und sich um ihre sozialen Bedürfnisse kümmert, allerdings eine reguläre Schule nicht vollständig ersetzt.

An diesem Dienstag im November 2019 ist es nicht nur Mrs Caroline, die Leiterin von STEP, die die Kinder begrüßt. Auch Miss Marlene, die Schulleiterin der NES-Schule in Beirut, lächelt den Schülern entgegen. „Das sind alles Kinder, die in keine andere Schule gehen könnten“, erklärt sie später. „In den öffentlichen Schulen ist kein Platz für sie. Vor allem jetzt, wo durch die Wirtschaftskrise immer mehr Libanesen in öffentliche Schulen wechseln – für Syrer ist da kein Platz. Vielleicht können wir einige bald in die NES aufnehmen – mal sehen. Wir müssen das erst beobachten.“

Das war ursprünglich der Gedanke des STEP-Programms: dass Kinder durch Nachhilfeunterricht das verpasste Lernen genügend aufholen können, um dann in einer „richtigen“ Schule einen Schulplatz bekommen zu können. Leider zeigte die Erfahrung, dass das nicht so einfach war. Zwar erfüllte das STEP-Programm eine wichtige Rolle im Leben der Kinder, die sonst wohl untätig zuhause oder auf der Straße herumgesessen wären, jedoch schaffte es bisher kein Kind, tatsächlich in eine „normale Schule“ zu wechseln.

Im Herbst 2019 wurde also das Programm sorgfältig evaluiert und völlig neu strukturiert. Was konnte aus den Erfahrungen gelernt werden, und was wird jetzt anders gemacht?

1) Da STEP in einem Kirchengebäude stattfand, waren die Räumlichkeiten problematisch. Der Raum für die Kindergartenkinder war deutlich zu klein. Die anderen Klassen wurden im Kirchsaal unterrichtet, dafür wurden jeweils Raumteiler aufgestellt. Das bedeutete, dass der Unterricht in Kreativität und Aktivitäten stark eingeschränkt war; die Kinder saßen bloß um runde Tische und konnten sich nicht durch den Raum bewegen. Das war vor allem für jüngere Schüler sehr schwierig und ihrem Lernstil nicht angebracht.

2) Die Kinder wurden in drei gemischten Klassen unterrichtet – nicht nach Jahrgangsstufe, sondern nach Fach. Dadurch waren zum Beispiel in einer Klasse Schüler im Alter von 7, 10, 13, 15 Jahren; das verursachte einige Probleme, da sie durch den Altersunterschied oft in Streit geritten oder nicht genügend Rücksicht nahmen.

3) Nur drei Fächer wurden angeboten: Arabisch, Englisch und Mathematik.

4) Es gab keine ordentliche Fläche für die Pause, für Spiel oder Sport; nur der überdachte Eingangsbereich vor dem Kirchsaal.

5) Die Lehrer hatten keinen Raum, in dem sie ihren Unterricht vorbereiten konnten.

6) Manchen Lehrern, die auch selbst Flüchtlinge waren, fehlte die nötige Qualifizierung, um neben Arabisch auch Englisch, Mathe oder andere Fächer zu unterrichten.

7) Es gab keine Noten – keine Examen oder Klausuren, keine Fortschrittsberichte für die Eltern.

8) Durch die engen Räumlichkeiten und die stark altersgemischten Klassen gab es einige Probleme mit der Disziplin u.ä. unter den Schülern. Durch den „lockeren Rahmen“ nahmen sowohl Schüler als auch Eltern das Programm auch nicht so wirklich ernst – es war eben keine „richtige“ Schule.

Das Leitungsteam von STEP hatte bereits überlegt, in größere Räumlichkeiten umzuziehen. Im vergangenen Jahr baten sie ihre Kollegen von der NES, das Programm zu evaluieren und Änderungen vorzuschlagen. „Als wir die Evaluierung durchführten, stellten wir fest, dass das Programm nicht wirklich so funktioniert wie erhofft“, berichtet Miss Marlene. „Wenn es so weitergeht, dann werden wenige Schüler je in eine normale Schule wechseln können.“

Da die NES kürzlich die offizielle Erlaubnis erhalten hatte, ihre maximale Schülerzahl durch Nachmittagsunterricht zu erhöhen, war es ihnen möglich, ihre Räumlichkeiten für STEP zu öffnen. Da STEP als Nachmittagsprogramm der NES auch offiziell anerkannt ist, bietet das die Möglichkeit, qualifizierende STEP-Schüler beim Bildungsministerium zu registrieren, als ob sie eine reguläre Schule besuchen. Dafür muss die NES eng mit STEP zusammenarbeiten und das Programm regelmäßig evaluieren. Die Leitung bleibt in der Hand von Mrs Caroline, der STEP-Direktorin, aber die Schulleitung der NES überprüft das Programm und gibt Rat wo nötig.

Am 5. November 2019 fand STEP das erste Mal im Schulgebäude der NES statt – durch die Straßenproteste und damit verbundenen Schulschließungen etwas später als geplant.

Was also hat sich geändert?

1) In den Klassenräumen ist deutlich mehr Platz. Die Lehrer sind sehr froh darüber, da die Räume viel mehr Möglichkeiten bieten, den Unterricht ansprechend zu gestalten – sie können unterschiedliche Aktivitäten mit den Kindern machen und sogar die Monitore (für PowerPoint, Videos etc.) in den Klassenräumen nutzen.

2) Die Klassen sind gemäß der Jahrgangsstufe eingeteilt; teilweise lernen noch Kinder verschiedenen Alters zusammen (was sich nicht gänzlich vermeiden lässt, da die Kinder aufgrund der Flucht unterschiedlich viele Jahre Schule verpasst haben), aber die Situation hat sich stark gebessert.

3) Unterricht in allen Fächern wird angeboten, wie in einer regulären Schule. Die Lehrer unterrichten nach dem offiziellen libanesischen Lehrplan, haben alle nötigen Ressourcen und benutzen anerkannte Englischbücher, Mathebücher usw.

4) Die Kinder haben auf dem Schulhof der NES endlich richtig Platz zum Spielen und die größere Fläche kann auch für Aktivitäten im Unterricht genutzt werden.

5) Die Lehrer können das Lehrerzimmer der NES nutzen, um ihren Unterricht vorzubereiten.

6) Derzeit unterrichten 7 Lehrer und Lehrerinnen bei STEP; die Schulleiterin überprüft sorgfältig, dass alle Lehrer die nötigen Qualifizierungen haben. Zwei hatten bereits vorher bei STEP unterrichtet, zwei sind NES-Lehrer und drei Lehrer wurden neu eingestellt (mit Graden in Psychologie und Literatur); mindestens eine Lehrerin ist selbst syrischer Flüchtling.

7) Die Kinder werden regulär benotet, erhalten Zeugnisse und es gibt Elternabende.

8) Durch die neuen Räumlichkeiten hat sich auch die Disziplin enorm verbessert. Schüler und Eltern und auch die Lehrer nehmen den Unterricht jetzt ernst. Die Kinder hoffen sehr, möglichst bald in reguläre NES-Schulklassen wechseln zu können: „Davon träumen sie alle, die Kinder und die Eltern“, sagt Miss Marlene. Regelmäßige Evaluierungen sind geplant, um zu entscheiden, welche Schüler sich genügend verbessert haben, sodass sie in die NES wechseln bzw. offiziell registriert werden können.

In den alten Räumlichkeiten konnten im STEP-Programm nur 40–45 Kinder aufgenommen werden; seit STEP in der NES stattfindet wurde die Zahl auf 100 erhöht. Im November 2019 begannen 98 Kinder den Unterricht im Kindergarten und den Klassen 1 bis 5. Alle stammen aus muslimischen syrischen Flüchtlingsfamilien; die meisten der christlichen irakischen Flüchtlinge, die bisher das Programm besuchten, konnten bereits Visa für westliche Länder erhalten und sind ausgereist. Trotz unterschiedlichem religiösem Hintergrund (Sunniten, Schiiten, Kurden usw.) lernen die Kinder harmonisch miteinander.

Am Ende der ersten Woche ist Mrs Caroline sehr zufrieden. „Die Lehrer sind sehr erfreut über die Änderungen“, berichtet sie, „sie sagen es ist viel entspannter und sie können mehr Unterrichtsstoff bewältigen. Die Disziplin hat sich verbessert, die Schüler haben mehr Platz. Es läuft alles sehr gut!“

 

Ein Schulplatz im (neuen) STEP-Programm kostet ca. 1.100 Euro pro Kind pro Jahr, davon zahlen ca. 250 Euro die Eltern selbst. Der Gesamtbetrag beinhaltet neben den Lehrergehältern und laufenden Kosten (Strom etc.) auch Bücher, Schulmaterial und Schuluniform sowie Versicherung und die Anfahrt per Schulbus.

Sie können ein Kind im STEP-Programm unterstützen, indem Sie mit Vermerk „STEP“ für die Schulgebühren spenden (850 Euro pro Kind pro Jahr) oder eine Patenschaft übernehmen.

 

Wirkungsbeobachtung: Arche Kenia

Vor sechs Jahren unterstützte Helping Hands e.V. das erste Mal die „Arche“ Schule im Kariobangi-Elendsviertel in Nairobi, Kenia, durch ein Weihnachtsprojekt; auch die Kreisrealschule in Gelnhausen beteiligte sich im folgenden Sommer mit einem Benefizkonzert an diesem Projekt. Damals war die Arche Schule gerade dabei, ihr Programm bis zum Ende der Grundschule (Klasse 8) auszuweiten; ein neues Schulgebäude machte dies möglich.

Inzwischen ist die Schule noch weiter gewachsen und bietet 360 Schülern (Stand Oktober 2017) aus etwa 150 Familien eine sehr gute Grundschulbildung; zusätzlich besuchen 25–30 Erwachsene Abendkurse. Die Schule umfasst die Vorschule (ab 4 Jahren), Kindergarten und Grundschule (Jahrgangsstufe 1 bis 8). Für Schüler der „High School“ gibt es ein Patenschaftsprogramm; in diesem Jahr graduierten die ersten ehemaligen Arche-Kinder von der High School.

Die Schule ist im Viertel sehr gut angesehen und hat die Unterstützung der Dorfältesten, die die Eltern des Viertels ermutigen, ihre Kinder dort zur Schule zu schicken und selbst an Abendkursen teilzunehmen, und die sich mit Ratschlägen einbringen und auch mal bei Bauarbeiten selbst mit anpacken. Die Schülerzahl ist stetig am Wachsen und zahlreiche Eltern würden ihre Kinder noch gerne in der Arche anmelden; leider ist der Platz derzeit begrenzt.

Seit 17 Jahren dient die Arche Schule dem Kariobangi-Slum, indem sie Bildung möglich macht, Zukunftsperspektiven eröffnet, Hoffnung schenkt. In diesen Jahren gab es aber auch viele Heraus­forderungen zu meistern, Gelerntes wurde verarbeitet und Schulprogramme angeglichen, um wirklich allen Bedürfnissen gerecht zu werden; manches ist für die Zukunft noch geplant. Folgend ist eine Zusammenfassung der Erkenntnisse sowie Veränderungen und Entwicklungen, die dazu beigetragen haben, dass die Arche Schule heute einen echten Unterschied im Elendsviertel bewirken kann.

 

Entwicklung der Kinder: Lage der Schule und Lernumfeld

Einige Dinge waren schon von Anfang an klar, u.a. durch Erfahrungen und Gespräche, bevor das Projekt begonnen wurde. Zum Beispiel war es sehr wichtig für die Familien im Kariobangi-Viertel, dass die Schule von Kenianern gegründet und geleitet wurde und nicht von Ausländern. Noch wichtiger aber war, dass das Schulgebäude direkt im Viertel steht, denn viele Familien wollten aus religiösen Gründen ihre Töchter nicht in eine außerhalb gelegene Schule schicken; außerdem konnten die meisten sich den Bus oder andere Verkehrsmittel zu einer entfernteren Schule nicht leisten. Daher begann die Schule mit 60 Schülern in einem kleinen Gebäude mitten im Slum.

Natürlich beeinflusst das Lernumfeld den Lernerfolg der Kinder stark: Das konnte auch die Arche Schule leicht feststellen. Das erste Gebäude war klein, mit fünf engen Räumen und einem winzigen Schulhof, und bot bald kaum mehr genug Platz für alle Schüler. 2010 konnte das Grundstück nebenan gekauft werden (das ursprüngliche Gebäude wird derzeit weiterhin für die Vorschule gemietet) und der Bau eines eigenen Schulgebäudes begann. Bereits 2011 war das Erdgeschoss fertig, sodass die Schule auf die Klassen 6–8 erweitert werden konnte. 2012 war dann auch der zweite Stock fertiggestellt, sodass jede Klasse ein eigenes Klassenzimmer hatte. Bis 2013 hatte die Schule ein fertiges drittes Stockwerk, eine Mauer um den Compound für zusätzliche Sicherheit und ein neues Tor für einen „finished look“: der Stolz vieler Eltern, die ihre Kinder in eine so neu aussehende Schule schicken konnten.

Das 2015 endgültig eingeweihte Schulgebäude besteht jetzt aus 8 Klassenräumen, einer Bücherei, einem Lehrerzimmer und zwei Räumen für die Nähschule und einem weiteren Projekt. Bei der Regierung ist die Arche registriert als eine Schule mit gutem akademischen Erfolg und mit großen, gut gelüfteten Klassenzimmern; 2015 wurde die Schule als „Examination Center“ ausgewählt, wo Kinder aus anderen privaten Schulen in der Gegend ihr Abschlussexamen der Grundschule ablegen.

Es wird weiterhin daran gearbeitet, das Lernumfeld zu verbessern. Neue Schulbänke (u.a. über Helping Hands gefördert) tragen dazu bei, dass die Kinder nicht mehr zu eng sitzen müssen und so besser lernen. Die Pflasterung des Schulhofes (Frühjahr 2017) macht Sport und Spiel sauberer und sicherer; ein neuer Basketballplatz sorgt für Spaß und Aufregung in den Pausen. Im Sommer 2017 berichtete die Arche: “Nicht nur die Kinder genießen nun den schönen neuen Schulhof. Wenn am Spätnachmittag die Eltern kommen, um die Kinder abzuholen, versammeln sie sich erst einmal für eine gemütliche Runde auf den neuen Zementbänken und genießen das saubere, einladende Umfeld. Selbst die Väter suchen vermehrt den Austausch mit den Lehrern.”

Die Arche-Bücherei ist inzwischen mit einigen Büchern ausgestattet, die von Freiwilligen katalogisiert wurden; noch mehr Bücher, besonders auch für ältere Kinder, sollen angeschafft werden. Für Computerkurse stehen mehrere Computer zur Verfügung. Eine Herausforderung bilden noch die Lehrbücher. Zwar wurden 2012 durch Vermittlung des Bildungsministeriums von einer englischen Organisation Schulbücher für die Klassen 1–8 gespendet, da aber die kenianische Regierung häufig den Lehrplan ändert, werden alle drei bis vier Jahre neue Lehrbücher benötigt. Derzeit benutzen im Durchschnitt drei Kinder ein Schulbuch gemeinsam.

 

Entwicklung der Kinder: Lehrplan

Lesen, Schreiben, Rechnen … für eine umfassende – und im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähige – Schulbildung reicht es nicht aus, nur die grundlegendsten Kenntnisse zu vermitteln. Kreativität, soziale Fähigkeiten, zeitgemäße Technik-Kenntnisse, Sport und Spiel – diese Dinge sind für die körperliche, soziale und geistige Entwicklung der Kinder ebenso wichtig wie Rechtschreibung und Mathematik. Das erkannte die Arche Schule und führte über die vergangenen Jahre einige neue Fächer und Aktivitäten in den Lehrplan ein.

So steht zum Beispiel seit 2013 regelmäßiger Musikunterricht auf dem Stundenplan, in dem auch traditionelle afrikanische Musik und Instrumente hervorgehoben werden. Die Kinder lieben diesen Unterricht und Talente werden entdeckt und gefördert. Singen und Musizieren ist ein wichtiger Aspekt der afrikanischen Kultur, und so nehmen die Eltern immer begeistert an den Aufführungen der Kinder an Schulfesten teil, wodurch auch Beziehungen zwischen Lehrern und Eltern gefördert werden.

2016 wurde ein Spielzimmer für die jüngeren Kinder eingerichtet; die Spielsachen, Autos, Puppen und Stofftiere wurden aus Deutschland gespendet. Jetzt gibt es wöchentlich bestimmte „Spielzeiten“. Für die Kinder, die solches Spielzeug sonst nur aus „teuren“ Läden kennen, sind diese Zeiten ein wichtiger Bestandteil ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Die Leiterin schreibt: “Sobald die Kleinen das Spielzimmer betreten, fühlen sie sich wie im Paradies”.

Die „Lesestunden“, die die Arche schon seit einiger Zeit anbietet, werden auch von ehemaligen Schülern gerne genutzt. Durch neue Bücher soll noch eine stärkere Lesekultur gefördert werden, vor allem auch während der Ferien. Dabei sollen besonders auch solche Bücher angeschafft werden, die positive Werte vermitteln und deren Geschichten hilfreich für die Kinder sind.

Seit Kurzem sind Computerkurse im kenianischen Lehrplan Pflicht. Im September 2016 begann die Arche Schule zweimal pro Woche Computerunterricht für die Klassen 5 bis 8; die Kinder nehmen mit großer Begeisterung daran teil. Dafür wurden fünf Laptops an die Schule gespendet; seit dem Schuljahr 2017 hat ein kompetenter und beliebter kenianischer IT-Lehrer den Unterricht übernommen. Geplant ist, noch mehr Computer zu kaufen, damit die Kurse auf die 4. Klasse sowie auf High-School-Absolventen ausgeweitet werden können, die nicht sofort auf die Uni gehen können. Neben weiteren Computern werden dafür auch die wichtigsten Software-Programme, ein Internetanschluss und ein Projektor benötigt.

Dass regelmäßiger Sport und Bewegung unverzichtbar sind für die Gesundheit und körperliche Entwicklung der Kinder, war den Leitern der Arche Schule wohl von Anfang an klar. Jedoch war zuerst nur wenig Platz dafür vorhanden, sodass Sportunterricht teilweise auf der Straße stattfand. Seit die Schule ins neue Gebäude umgezogen ist, stand zwar ein größerer Schulhof zur Verfügung, der aber leider keinen festen Untergrund hatte. Im Frühjahr 2017 konnte der Schulhof dann endlich gepflastert werden und ein befestigter Basketballplatz wurde eingerichtet und wird fleißig und begeistert genutzt. Auch die akrobatischen Kunststücke, die vor einiger Zeit von Ehrenamtlichen inspiriert wurden, werden nun erneut ausgebaut.

Darüber hinaus hat die Schulleitung aber auch erkannt, dass sportlicher Wettbewerb und die damit verbundene Spannung und Gemeinschaft positiv zur sozialen und psychischen Entwicklung der Kinder beiträgt, und möchte sich auch um mehr Verbindung zu anderen Schulen bemühen. Deshalb soll das Sportprogramm an der Arche Schule jetzt noch weiter ausgebaut und auch ein schuleigenes Fußballteam ins Leben gerufen werden, das dann gegen andere Schulen antreten kann.

 

Entwicklung der Kinder: Psychosoziale Aspekte

Die Arche Schule wurde gegründet in einer Gegend, wo Gewalt und Kriminalität den Alltag definieren. Die Kinder sind einen sehr rauen Umgang und harten Lebensstil gewöhnt; viele Jugendliche suchen in Gangs die Anerkennung, die sie zuhause nicht finden. Im Evaluierungsbericht 2014 zog die Schulleitung das Fazit, dass es wegen dieser schwierigen Lage im Elendsviertel besonders wichtig ist, dass die Kinder nicht nur eine gute Schulbildung erhalten, sondern ihnen auch gute moralische und ethische Werte vermittelt werden, damit das Leben der Jugendlichen nachhaltig verändert werden kann. Hier besitzt die Schule ein riesiges Potential und eine einzigartige Chance, einen langfristigen Unterschied in diesem Elendsviertel zu machen.

Über die Jahre hinweg haben die Lehrer sich mehr und mehr in das Leben ihrer Schüler investiert. Sie verbringen jetzt sehr viel Zeit mit den Kindern und schenken ihnen viel positive Aufmerksamkeit. In der Schule bieten sie für alle Kinder Seelsorge und Counselling an sowie individuelle Beratung für Kinder, wenn sie in die Pubertät kommen; dadurch haben sich die Noten in allen Jahrgängen verbessert. Zusätzlich machen die Lehrer Hausbesuche und kümmern sich um die Familien, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen oder anderen Familienträgodien, indem sie ermutigen, Trost spenden und auch praktisch helfen.

Die Eltern sind sehr zufrieden mit der Entwicklung ihrer Kinder und loben die Schule wegen der fröhlichen Atmosphäre und der guten Disziplin, die sie in ihren Kindern sehen können. Die Arche Schule ist für viele Schüler viel mehr als ein Ort des Lernens. Sogar die Mütter sagen, dass ihre Kinder sich in der Schule mehr zuhause fühlen als daheim. Andere haben gar kein Zuhause, sondern sind Waisen oder leben bei Großeltern oder entfernten Verwandten: Die Arche ist für sie ein wirklicher Zufluchtsort.

 

Bedürfnisse der Arche-Absolventen

Aber was geschieht mit den Kindern, wenn sie von der Arche Schule absolviert haben? Natürlich ist der Traum aller Beteiligten, früher oder später auch eine High School an die Arche anzugliedern. Dafür müsste zum Beispiel das Nebengebäude gekauft und erweitert werden, das derzeit für die Vorschule gemietet wird. Doch bis dieser Traum zur Wirklichkeit werden kann, musste eine andere Lösung gefunden werden.

Denn nachdem die ersten Kinder vor fünf Jahren von der Grundschule absolviert hatten, erkannte die Arche Schule ein Problem. Zwar hatten die Kinder eine gute Grundschulbildung erhalten und die meisten auch das Examen erfolgreich bestanden. Aber die wenigsten oder keine der Familien konnten sich eine High School oder die Fahrtkosten dorthin leisten, die in Kenia zudem oft in Form eines Internats angeboten wird. Die Schulgebühren liegen bei rund 50 USD im Monat; in vielen Familien ist das bereits das gesamte Monatseinkommen der Familie.

Eine Zeitlang kamen die Absolventen – von denen viele im Examen sehr gut abgeschnitten hatten – jeden Tag in die Arche Schule und lasen in der Bücherei und manche saßen da und weinten, weil sie ihre Schulbildung nicht fortsetzen konnten. Die Lehrer hatten Mitleid mit ihnen und legten Spenden aus ihrem kleinen Gehalt zusammen, um ein paar Kindern durchs erste Semester zu helfen. Danach wurde durch Freunde der Schule ein Patenschaftsprogramm eingeführt, in dem Spender, meist aus Deutschland, für High-School-Schüler die Gebühren übernehmen. Derzeit sind etwa 20 Kinder im Programm – viele von ihnen sind Waisen – und die ersten Schüler haben jetzt nach vier Jahren von der High School graduiert und dürfen nun ein Universitätsstudium beginnen.

Obwohl schon die ersten 8-Klässler das Examen sehr gut bestanden hatten, hat sich der Durchschnitt in den letzten Jahren noch verbessert. Inzwischen bestehen fast alle das Examen; 2017 war die Arche „Spitzenreiter“ der umliegenden Schulen und der beste Absolvent aus 80 Schulen war ein Arche-Schüler. Das macht auch Eindruck über das Kariobangi-Viertel hinaus: Die beste Schülerin erhielt ein Stipendium einer Großfirma, ein anderer wurde ebenfalls lokal gesponsert. Die Hoffnung ist, dass die Resultate weiterhin so gut sind und noch mehr Schüler sich für lokale Stipendien (von kenianischen Organisationen) qualifizieren. Zusätzlich soll das Patenschaftsprogramm so weit ausgebaut werden, dass alle Arche-Absolventen die High School besuchen können.

Aufgrund der Erfolge im Counselling und der Erkenntnis, dass hier noch ein großer Bedarf besteht, wurde während der letzten Jahre ein Mentoringprogramm für 8-Klässler und High-Schoolers entwickelt. Eine Lehrerin investiert sich besonders in die 8-Klässler, lehrt sie in kleineren Gruppen „life skills“ und bereitet sie auf ein Leben nach der Arche Schule und im Internat vor (z.B. Gruppendruck, andere Moralvorstellungen etc.). Die Jugendlichen genießen diese Zeit enorm und sprechen sehr offen über brisante Themen wie Geschlechterrollen, Freundschaften, Liebe, Sex, Pornographie u.ä.

Für Ehemalige und High-Schoolers wird ein solches Mentoringprogramm während der Ferien angeboten, um ihnen bei den Herausforderungen in ihren neuen Schulen zu helfen, Fragen zu beantworten, sie zum fokussierten Lernen zu ermutigen und eine Zeit des gegenseitigen Austauschs zu ermöglichen. Auch darüber hinaus kommen die Ehemaligen und High-Schoolers regelmäßig zur Arche Schule zurück, um die Bücherei zu benutzen, Gemeinschaft zu haben oder sich Rat zu holen. Einige der älteren Kinder sind wirklich gereift und haben angefangen, sich um jüngere Schüler zu kümmern, ihnen Vorbild zu sein und in ihren Herausforderungen zu helfen. Darin werden sie auch geschult; zum Beispiel wurde 2016 ein Leadership-Kurs für die Klassen 7 und 8 und Ehemalige durchgeführt.

Seit zwei Jahren konnten auch einige Jugendliche an Feriencamps anderer Organisationen teilnehmen. Dies ist eine sehr wichtige Zeit für die Kinder, in der sie sich sozial, mental und geistlich weiterentwickeln und lernen, ihre individuellen Fähigkeiten zum Wohl aller einzusetzen. Die Leiter der Camps sind beeindruckt, wie reif die Arche Kinder sind, wie gut sie leiten und sich sozial anpassen können.

Damit ist die Arche Schule auf einem guten Weg, eines ihrer wichtigsten Ziele zu erreichen: eine grundlegende Veränderung des Kariobangi-Viertels, weg von Kriminalität und Gangmentalität und hin zu einem verantwortungsvollen Lebensstil; ein Viertel voller Kinder und Jugendliche, die sich darum bemühen, ihren Familien zu helfen, und sich in verantwortungsbewusste Erwachsene entwickeln, die in ihrem Umfeld und in ganz Kenia einen Unterschied machen können.

 

Bedürfnisse der Eltern

In Nairobi wächst die Mittelklasse, sodass die Kluft zwischen Arm und Reich sich ausweitet und die Hoffnungslosigkeit in den niedrigeren Klassen zunimmt. Vor allem der Analphabetismus ist bei den Erwachsenen ein großes Problem, aber auch fehlende berufliche Fertigkeiten. Frauen bleiben meist zuhause, verdienen sich ggfs. mit Gemüseverkauf ein geringes Einkommen.

Um das Kariobangi-Elendsviertel nachhaltig zu verändern und den Kindern auch ein besseres familiäres und soziales Umfeld und daher eine größere Chance auf eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen, hat die Arche Schule schon früh Lese-, Schreib- und Mathekurse für Erwachsene angeboten. Derzeit besuchen etwa 30 Männer und Frauen regelmäßig diesen Unterricht; einige von ihnen haben ein Programm begonnen, um ihre Grundschulbildung nachzuholen und das offizielle Examen dafür zu absolvieren.

Eltern werden auch in Business Skills unterrichtet, sodass sie mehr Jobperspektiven haben und die wirtschaftliche Lage ihrer Familie verbessern können. Dafür wurde u.a. eine Nähschule ins Leben gerufen, in der jeweils 10–12 Frauen für 2–3 Jahre lernen und am Ende ein offiziell anerkanntes Examen ablegen, das ihnen ermöglicht, eine Anstellung zu finden oder ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. In der Nähschule wird auch traditionelle afrikanische Stickerei unterrichtet.

Die berufliche Bildung wird einerseits für Jugendliche angeboten, um die Gang-Mentalität zu durchbrechen und ihnen echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Auf der anderen Seite ist Berufsausbildung auch für Eltern da, denn die Arche Schulleitung hofft, dass dadurch in naher Zukunft mehr Eltern die Schulgebühren ihrer Kinder selbst zahlen können. Derzeit steht die Schule bei 33% lokaler Finanzierung, was verglichen mit 10% vor wenigen Jahren eine großartige Leistung ist. Jedoch hat sich die Hoffnung, dass sich durch die steigende Schülerzahl auch die Einnahmen durch Schulgebühren stark erhöhen würde, nicht so erfüllt wie gehofft, da noch viele Eltern unter der Armutsgrenze leben. Hier ist also noch einiges an Handlungsbedarf nötig.

Es wird angestrebt, dass sich die lokale Finanzierung innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 60% erhöht. Das endgültige Ziel ist, dass die Schule finanziell völlig selbsttragend wird. Derzeit sind die höchsten Kostenfaktoren die Miete des Nachbargebäudes, in dem die Vorschule beherbergt ist, die Gehälter der Lehrer, die neuen Schulbücher-Sets, die alle zwei Jahre erforderlich sind, und die Schulmahlzeit, die vom kenianischen Bildungsministerium vorgeschrieben ist.

 

Bedürfnisse der Lehrer

Und schließlich haben auch die Lehrer Bedürfnisse, sowohl um „gute“ als auch physisch und psychisch gesunde Lehrer zu sein. Deshalb werden sie seit einigen Jahren darin unterstützt, sich in verschiedenen Kursen weiterzubilden. Die stellvertretende Schulleiterin absolvierte kürzlich mit einem Grad (vier Jahre) in Education und Counselling an der Nairobi University und kann nun die Arche Schule vor dem Bildungsministerium vertreten.

Da die Schülerzahl stetig am Wachsen ist und dadurch auch die Klassen größer sind (in unteren Klassen teilweise bis zu 30 Kinder, ab der 5. Klasse nur 20–25), wird viel mehr Energie, Vorbereitungszeit und Kreativität von den Lehrern benötigt, sodass sie am Schuljahresende in der Regel sehr erschöpft sind. Um dem ein wenig vorzubeugen, wurde im Frühjahr 2016 ein wöchentliches Treffen während der Mittagspause eingeführt, in dem die Lehrer ermutigt und in ihren Herausforderungen unterstützt werden und Zeit für Austausch besteht.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Dieser Bericht basiert auf Projekt-Updates und Evaluierungsberichten der Arche Schule aus den vergangenen Jahren. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Kinderprogramme in Südasien

Kinderentwicklungsprogramme stehen schon seit vielen Jahren im Zentrum der Arbeit von Helping Hands e.V. Sogenannte „Kinderzentren“ werden in zahlreichen Ländern unterstützt und sind oft auch eine Komponente anderer Entwicklungsprojekte, um diese wirklich nachhaltig zu machen. Dabei hat sich das Konzept der Kinderzentren bzw. Kinderentwicklungsprogramme über die Jahre hinweg stark verändert, da aus Wirkungsbeobachtungen wichtige Schlüsse gezogen und in den nächsten Projekten umgesetzt wurden. Wenn wir heute von „Kinderzentren“ sprechen, meinen wir damit das Konzept der „Child-Focussed Community Development“ (CFCDP), also auf Kinder ausgerichtete Dorfentwicklungsprogramme, ein sehr nachhaltiges, ganzheitliches Konzept, das wirkliche Veränderung schafft. In Südasien wurde zuerst auf dieses Modell umgestiegen, da die Erfahrungen zeigten, dass das „CFCDP“ erheblich erfolgversprechender ist als die Kinderprogramme, mit denen vor 20 Jahren dort begonnen wurde. Die Prinzipien, die in Südasien durch langjährige Wirkungsbeobachtung herausgearbeitet wurden, werden heute auch in Kinderentwicklungsprogrammen in anderen Ländern angewandt; so zum Beispiel in dem unter Mitarbeit von Helping Hands gegründeten Kinderzentrum in Albanien.

Über diese Entwicklung und die langjährigen Erfahrungen in Südasien berichtet unser 1. Vorsitzender Dr. Hermann Gschwandtner:

“Unser heutiges Konzept für Kinderentwicklungsprogramme hat einen langen Weg hinter sich. Die Ergebnisse der ersten Projekte führten dazu, die Programme immer neu zu überdenken und zu verbessern. Zudem hat die Zusammenarbeit in einem internationalen Netzwerk und die Zusammenarbeit bzw. Gespräche mit anderen internationalen und nationalen Partnern zu weiteren Erkenntnissen und Verbesserungen geführt.

Die Arbeit begann mit medizinischer Hilfe für werdende und junge Mütter. Die mangelnde Ausbildung und daraus folgende Armut der Familien führte bei aller medizinischen Hilfe zu teilweise dramatischer Unterernährung. Deshalb wurde ein Programm für Erwachsenenbildung und praktische Ausbildung von Frauen begonnen, da Frauen normalerweise ihre Einnahmen eher für das Wohl der Familie einsetzen. Auf diese Weise war eine Grundlage für erfolgreiche Kinderentwicklungsprogramme gelegt.

Südasien wird oft von natürlichen Katastrophen heimgesucht. Eine internationale Partnerorganisation bot ihre Unterstützung an und ging auch einen zweiten Schritt für langfristige Hilfe gegen die Unterernährung. Zugleich stellte eine Stiftung Geld zur Verfügung, um ein erfolgreiches Programm für „Nutritional Rehabilitation“ vor allem mit Kindern aufzubauen und zu testen. Die Lernerfolge und Ergebnisse all dieser Projekte flossen zusammen, um ein einigermaßen erfolgreiches Konzept für Kinderentwicklungsprogramme aufzubauen. Aufgrund des Gelernten ergaben sich folgende Grundprinzipien:

Bildung: Ohne eine ordentliche Ausbildung haben die Kinder keine Zukunft außer der, von den Hilfen anderer abhängig zu sein (z.B. Staat, internationale Hilfsorganisationen etc.).
Gesundheit: In vielen unterentwickelten Ländern stirbt ein großer Teil der Kinder, ehe sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Dies führt nicht nur zu einer extrem hohen Geburtenrate (Kinder sind die „Altersversicherung“ der Eltern), sondern auch zu einer sehr niedrigen Gesamtlebensdauer. Im Übrigen ist der Lernerfolg der Überlebenden sehr niedrig, da sie unterernährt und oft krank sind.
Wirtschaftliches Umfeld: Wer in einem extrem armen Umfeld aufwächst, hat nicht nur Probleme gesund zu sein und einen Lernerfolg zu erzielen, sondern alle wohlgemeinten Schritte sind langfristig zum Misserfolg verdammt. Deshalb muss den Eltern (besonders den Frauen) die Chance eröffnet werden, finanziell besser zu stehen.
Soziales Umfeld: Meist hat die Armut einen sozialen Hintergrund. So werden z.B. in Südasien Millionen in Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse gezwungen, die einer Sklavenarbeit gleichen. Daneben gibt es vielfach Kinderheiraten (13-14 Jahre), auch wenn dies staatlich verboten ist. Dieser Teil des Programms hilft den Kindern und ihren Eltern, dies zu erkennen und dagegen gemeinsam anzugehen.
Geistliches/Geistiges Umfeld: Jedes Kinderprogramm besteht in einem staatlichen und kulturellen Kontext, der berücksichtigt werden sollte. Zudem sind oft Abhängigkeiten vorhanden, die überwunden werden müssen, wenn ein Kinderentwicklungsprogramm von bleibendem Erfolg gekrönt sein soll (Bsp. Gedanken wie „abhängig zu sein ist meine Bestimmung“; „wahrscheinlich habe ich mich in einem früheren Leben schlecht benommen und muss deshalb jetzt leiden“ etc.). Anders ausgedrückt, viele Probleme bestehen zunächst im Denken und müssen bei der Gesamtarbeit berücksichtigt werden.

Natürlich können die Grundprinzipien zu verschiedenen Formen von Kinderentwicklungsprogrammen führen. Deshalb muss immer wieder überprüft werden, ob die Grundprinzipien sinnvoll und erfolgreich umgesetzt werden und wo verbessert werden kann bzw. muss. Da in verschiedenen Ländern verschiedene Partner bei der Umsetzung helfen, werden neben den jährlichen Treffen der Leiter aus verschiedenen Ländern regelmäßige Berichte erwartet (jedes Quartal, jährlich). Zudem werden regelmäßig vergleichende Untersuchungen durchgeführt und die leitenden Mitarbeiter auf internationale Schulungen geschickt; mehreren von ihnen wurde ermöglicht, einen Magister für Child Development zu erwerben. All dies trägt dazu bei, dass die Kinderentwicklungsprogramme Schritt für Schritt verbessert wird und den Kindern, Familien und Dorfgemeinschaften besser dienen.

All dies hat einen Zeitraum von 20 Jahren eingenommen. Verglichen mit dem, was vor 15 oder gar 20 Jahren geschah, wird man einen Unterschied wie Tag und Nacht feststellen. Heute sind viele Kinder, Familien und Dorfgemeinschaften verwandelt und sie schauen mit Zuversicht in die Zukunft.

Ein Hinweis zum Schluss: Da sich die politischen, sozialen und schulischen Gegebenheiten von Land zu Land unterscheiden, sind die Kinderentwicklungsprogramme nicht identisch, sondern werden an diese Lage angeglichen, um ihr am besten gerecht zu werden. Finanziell gesehen werden keinesfalls alle Kinder durch Einzel-Sponsoren abgedeckt, sondern es gibt z.B. auch Einzelpersonen, Organisationen, Kirchengemeinden, Jugendgruppen, etc., die ganze Zentren auf einmal unterstützen.”

 

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Wirkungsbeobachtung: Bildungsprogramme im Libanon

Seit über 50 Jahren besteht die „Nazarene Evangelical School“ in Beirut, Libanon. In den vergangenen Jahren wurden die Aktivitäten der Schule allgemein, vor allem auch im Bereich der Bildung von Flüchtlingskindern, sowie einzelne Kinder durch Patenschaften von Helping Hands unterstützt. In einem Gespräch mit der Direktorin wurden folgende Wirkungsbeobachtungen sowie die Umsetzung der aus den Ergebnissen der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse herausgearbeitet.

Kreative Lehrmethoden

Im Gespräch mit Eltern und Kindern wurde festgestellt, dass die Anforderungen an die Kinder zu hoch angesetzt waren. Schon kleine Kinder mussten mit schweren Taschen in die Schule kommen und zusätzlich zu 8 Stunden Schulunterricht noch 4 Stunden Hausaufgaben bewältigen. Gemeinsam mit den Lehrern wurde beraten, wie dies geändert werden könnte. Daraufhin wurden zahlreiche kreative Aktivitäten in den Lehrplan eingebaut. Außerdem wurde festgesetzt, dass Hausaufgaben maximal drei Stunden dauern sollten; die Schulleitung überprüft regelmäßig die Unterrichtspläne der Lehrer und streicht ggfs. Aufgaben, wenn diese ein angemessenes Maß übersteigen.

Nach diesen Maßnahmen wurde festgestellt, dass interessanterweise nach der Reduzierung der Hausaufgaben deutlich mehr Kinder die Fächer erfolgreich abschließen können. Im vergangenen Jahr konnten nur sehr wenige Kinder (nur 1-2%) die Examen nicht bestehen.

Zusätzlich zu den kreativen Lehrmethoden wird seit einiger Zeit auch mehr Betonung auf kritisches Denken und Analyse und weniger auf Auswendiglernen gelegt. Das hat nach Aussage der Lehrer einen erstaunlichen Unterschied gemacht. Die Kinder sind nun fähig zu analysieren, und wenn sie sich an etwas nicht genau erinnern können, ist es ihnen möglich, es in eigenen Worten zu umschreiben. Diese Konzentration auf kritisches Denken schon in der Schule ist außerhalb Deutschlands durchaus nicht üblich.

Lehrerfortbildung

Um das Niveau des Unterrichts noch zu erhöhen und Lehrer zu motivieren und zu unterstützen werden seit Ende des Schuljahrs 2014-2015 regelmäßig zahlreiche Workshops für Lehrer angeboten; Themen sind zum Beispiel verschiedene Lernstile oder „student-centred classrooms“. Das hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, da es die Lehrer stark motiviert und sie viele hilfreiche Tipps und Methoden für den Unterricht erhalten. Diese Änderung entstand maßgeblich unter der Leitung der neuen Ausbildungs-Koordinatorin (education coordinator), die vor zwei Jahren eingestellt wurde und einen Doktortitel in „School Management and Interaction“ hat.

Ebenfalls eingeführt wurde ein sogenanntes „peer coaching“, wo Lehrer gegenseitig ihren Unterricht besuchen und ihren Kollegen Ratschläge und Unterstützung anbieten. Jeden Monat treffen sich alle Lehrer für ca. drei Stunden für eine Evaluierung in Gruppen.

Ganzheitliche Entwicklung

Bereits 2012 wurde eine maßgebliche Änderung im Schulalltag eingeführt, die die Entwicklung der Kinder sehr positiv beeinflusst. Ursprünglich konzentrierte die Schule sich nur auf die akademische Ausbildung der Kinder. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Kinder, die oft aus bedürftigen Verhältnissen kommen, viele weitere Bedürfnisse haben, die ihren schulischen Erfolg beeinträchtigen. Nach der Teilnahme an einer Konferenz über holistische Kinderentwicklung in Singapur im September 2012 setzte die Schulleiterin einige der dort gelernten Erkenntnisse um, um diese Herausforderung anzugehen. Dafür wurde eine tiefergehende Evaluierung angesetzt und ein zusätzlicher „Student Supervisor“ eingestellt, der sich besonders um die nicht-akademischen Bedürfnisse der Kinder kümmert.

Das beinhaltet viele unterschiedliche Bereiche. Zum Beispiel kümmert die Schule sich nun auch um die Gesundheit und Hygiene der Kinder. Ein Arzt kommt jede Woche, um medizinische Checkups durchzuführen. Auch werden zahlreiche Workshops für Eltern angeboten, z.B. über Erziehungsmethoden, Hygiene, nahrhaftes Essen u.v.m. Seit dem vergangenen Jahr wurden Cola, Schokolade u.ä. auf dem Schulgelände verboten (stattdessen werden Nüsse, Kekse usw. verkauft); die Lehrer konnten nach der Reduzierung der Zuckeraufnahme einen positiven Unterschied im Verhalten der Kinder erkennen.

Seit diesem Jahr hilft ein ausgebildeter Psychologe bei der Beratung und trifft sich auch mit Eltern; gerade weil derzeit etwa ein Drittel der Schulkinder syrische oder irakische Flüchtlingskinder sind, ist dieser Dienst sehr wichtig und hat schon einen großen Unterschied gemacht. Drei der Lehrer bzw. Leitungspersonen sind darüber hinaus als Schulseelsorger ausgebildet. Die Schulleitung hofft, in naher Zukunft noch einen weiteren Psychologen sowie einen Sprachtherapeuten anzustellen.

Die Eltern sind sehr erfreut über diese Veränderungen. Kürzlich hat sich auch ein Eltern-Komitee gebildet, das sehr aktiv ist und sich vorteilhaft in der Schule einbringt.

 

Nur einige Kilometer von der „NES“ entfernt findet das „STEP“ Bildungsprogramm statt, das im Frühjahr 2014 begann und seitdem wiederholt von Helping Hands finanziell unterstützt wurde. STEP bietet Unterricht an für syrische und irakische Flüchtlingskinder, die nicht in eine „normale“ libanesische Schule gehen können. In einem Gespräch mit dem Leiter des Programms wurden folgende Wirkungsbeobachtungen sowie die Umsetzung der aus den Ergebnissen der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse herausgearbeitet.

Einbindung der Eltern

Es wurde festgestellt, dass Kinder im Unterricht deutlich erfolgreicher sind, wenn die Eltern selbst bei der Bildung ihrer Kinder involviert sind. Daher wurde zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe für jede Klasse eingerichtet, wo gepostet wird, welche Hausaufgaben die Kinder haben, sodass die Eltern sich zuhause darum kümmern können, dass ihr Kind für den nächsten Schultag vorbereitet ist.

Eine gute Kommunikation mit den Eltern wirkt sich auch positiv auf das Verhalten der Kinder und die Disziplin im Unterricht aus. Obwohl die äußeren Gegebenheiten nicht ideal sind, kommen die Kinder sehr gerne zum Unterricht.

Motivation und Expertise der Lehrer

Über einige Zeit hinweg wurde beobachtet, dass die Disziplin im Unterricht ein Problem ist und gelegentlich auch die Motivation und Bildung der Lehrer die Ergebnisse negativ beeinflusst. Seitdem bemüht sich die Leitung einerseits darum, in allen Fächern für dieses Fach ausgebildete Lehrer einzustellen (was nicht immer ganz einfach ist, da das STEP Bildungsprogramm nicht die gleiche Jobsicherheit bieten kann wie eine reguläre Schule). Andererseits wird nun schon im Interviewprozess sehr stark auf die Motivation der Lehrer geachtet und die eingestellten Lehrer regelmäßig motiviert und unterstützt. Zusätzlich wurden den Lehrern viele Ratschläge und Hilfen für die Disziplin im Unterricht gegeben, um diese Situation zu verbessern; dieser Punkt wird zu jedem Schuljahrsende neu evaluiert.

 

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Wirkungsbeobachtung: Gartenprojekt Haiti

Im Januar 2010 zerstörte ein verheerendes Erdbeben große Teile Haitis. Helping Hands unterstützte den örtlichen Partner damals besonders in der längerfristigen Wiederaufbauhilfe. Dazu gehörte ein Gartenprojekt mit mehreren „community gardens“ in der Gegend um Barreau Michel; einer der Ziele des Projektes war es, den Bergbewohnern Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, sodass Migration reduziert werden kann. Das Projekt wurde später noch ausgeweitet und umfasste 290 bedürftige Familien in Barreau Michel und Leogane, denen u.a. durch Schulungen, Verteilung von Werkzeugen und Saatgut Nahrungssicherheit ermöglicht werden sollte; außerdem erhielten einige Familien Ziegen und Hühner für Zucht. Das Projekt beinhaltete auch Umweltmaßnahmen (u.a. Wiederaufforstung) und das Formen einer Kooperative (ähnlich wie Selbsthilfegruppen).

Das Projekt hat der Zielgruppe Hoffnung geschenkt und sie gelehrt, eigene Entscheidungen zu treffen. Neben dem erlernten Wissen wurden auch Beziehungen gestärkt. Der örtliche Partner wird als Entität von transformativer Entwicklung angesehen. In zwei Berichten von 2013 und 2014 berichtete der örtliche Partner über die Wirkungen und Umsetzung der Erkenntnisse.

Bildungsstand der Zielgruppe

Schulungen müssen an den Bildungsstand der Teilnehmer angepasst werden. Zahlreiche Teilnehmer waren Analphabeten. Daher wurden Lehrinhalte teilweise vereinfacht und eine starke praktische Komponente eingebaut. Für manche war es schwierig, die traditionellen Techniken des Pflanzens und Gärtnerns an neue Erkenntnisse anzupassen. Neue Erkenntnisse beinhalteten vor allem auch umweltfreundliche Techniken – Kompostherstellung, weniger Benutzung von Holzkohle, Bau von Stützmauern (u.a. um Erdrutsche zu vermeiden), Erhaltung des Bodens (soil preservation), Sauberhaltung des Trinkwassers bzw. der Wasserstellen (besonders wichtig, da die Choleraepidemie noch nicht völlig eingedämmt war), etc.

Kultur der Zielgruppe

Die Schulungen und Arbeitsweise müssen an die Kultur der Teilnehmer angepasst werden und darin anknüpfen. In Haiti ist es normal, mit Familienmitgliedern und guten Freunden zu teilen. Durch die Schulungen und die Kooperative jedoch wurde eine neue Mentalität vermittelt, in der auch mit den Nachbarn bzw. anderen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft geteilt wird, nach dem Prinzip: Wenn ich eine Ziege erhalte, gebe ich eine Ziege an meinen Nachbarn weiter; wenn ich zwei Dosen Saatgut erhalte, gebe ich zwei Dosen Saatgut an meinen Nachbarn weiter. Die Teilnehmer haben verstanden, dass es dabei nicht nur darum geht, Güter weiterzugeben, sondern besonders auch erlerntes Wissen.

Das Projekt nutzte die bereits kulturell vorgegebene Kultur des Teilens und weitete sie auf die Dorfgemeinschaft aus; dadurch wurde auch Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und zukunftsorientiertes Denken gestärkt, da die Familien nicht nur für sich selbst z.B. gut für ihre Ziegen sorgten, sondern auch, weil sie dem Nächsten eine Ziege weitergeben wollten. In der Zukunft möchte der örtliche Partner die Umsetzung der Projektvorhaben noch besser kontextualisieren, vor allem auch, da viele Mitglieder der Zielgruppe ihre Bedürfnisse selbst gar nicht richtig artikulieren konnten. Auf der anderen Seite konnte das Projekt und die Schulungen auch die Weltanschauung der Teilnehmer erweitern und neue kulturelle Erkenntnisse liefern.

Es wurde auch beobachtet, dass sich durch das Projekt die Rolle der Frau in der Gesellschaft verbesserte und die Mitglieder der Zielgruppe verstanden, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind und die Frau eine wichtige Rolle spielt, sowohl in der Dorfgemeinschaft als auch in der Ehe. In diesem Zusammenhang lernten die Teilnehmer auch, wie sie mit Konflikten besser umgehen können.

Äußere Faktoren

Der örtliche Partner erkannte, dass der Erfolg eines Projektes dieser Art von einigen äußeren Faktoren abhängig ist. Zum Beispiel kamen im Wirbelsturm im Herbst 2012 einige Ziegen um und mussten ersetzt werden. In Leogane wurde das Saatgut zu spät ausgegeben, sodass die Pflanzen nicht genügend Wasser bekamen und die Ernte nicht so gut war. Für viele Familien war auch der Zugang zu Wasserquellen schwierig: In Barreau Michel z.B. müssen einige Familien zwei Stunden laufen, um Wasser zu holen; das beeinträchtigte den Gartenbau und die Ernte war nicht so groß. Darüber hinaus waren mehrere Familien bzw. Dörfer sehr weit draußen und isoliert. Die Familien nahmen trotz einer Stunde Fußmarsch an den Schulungen teil, jedoch konnte man einen deutlichen Unterschied im Denken und im Bildungs- und Gesundheitsstatus der Familien aus isolierten Gebieten erkennen; diese Unterschiede in der Armutsstufe und im Denken bildeten eine Herausforderung für die Schulungsleiter.

Unerwartete Resultate

Zu den unerwarteten Resultaten des Projektes gehörte u.a., dass die Familien in Barreau Michel eine Kooperative gründeten (das war ursprünglich nicht im Projektantrag vorgesehen). Die Kooperative tat sich zusammen und verkaufte Kaffee-Saatgut und kaufte vom Erlös drei Schweine, um sie zu züchten. Außerdem spendeten die Familien 40 Dosen Mais-Saatgut an die Kooperative, die wiederum 35 Dosen an bedürftige Familien weitergab und den Rest im Modellgarten anpflanzte. Weiter war geplant, 80 Dosen Saatgut zu verkaufen, um die nötigen Utensilien für eine Bäckerei zu kaufen. In Leogane wurden zudem in Initiative der Dorfbewohner entschieden, Leitungspersonen aus der Dorfgemeinschaft zu wählen, um die Weitergabe der Ziegen zu koordinieren.

Umsetzung der Erkenntnisse

Als Umsetzung der Wirkungsbeobachtungen wurde u.a. in einer Verlängerung des Projektes geplant, Schulungen in Katastrophenvorsorge anzubieten, die Zielgruppe und Kooperative öfter zu besuchen (ein besseres System fürs Monitoring zu entwickeln), im Modellgarten Bäume anzupflanzen und weitere Ziegen zu kaufen/verteilen (es wurde festgestellt, dass die Konzentration auf wenigere Familien und dafür mehr Ziegen bzw. Hühner pro Familie besser gewesen wäre, damit diese Familien wirklich finanziell unabhängig werden können). Außerdem möchte der örtliche Partner in der Zukunft die Meinungen und Kapazitäten der Zielgruppe noch viel stärker in die Planung mit einbinden.

Einige Kommentare der Zielgruppe:

“Wir leben besser als vorher. Wir wurden geschult, wir haben Ziegen, Saatgut und eine Maismühle. Wir möchten an unsere Nachbarn weitergeben.” (Flerius, Mitglied der Kooperative in Barreau Michel)

“Jetzt kennen wir viele Techniken für Gärten und Saatgut. Ich weiß nun, dass ich als Frau alles tun kann, was ein Mann tut, und mit ihm gleichberechtigt bin.” (Eva aus Leogane)

“Wir haben Ziegen. Es wird eine neue Zielgruppe geben. Wir erwarten, dass alle Familien in unserem Dorf irgendwann Ziegen haben. Die Menschen haben untereinander jetzt bessere Beziehungen. Unsere Gärten sind besser.” (Louise aus Leogane)

“Wir wissen jetzt, wie wir uns am besten um die Umwelt kümmern können. Wir sind als Gruppe stark; und wir lehren in den Familien.” (Jean-Louis aus Leogane)

 

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