Unser Jahresprojekt 2019: Erfolge und Visionen

Unser Jahresprojekt 2019 fördert ein Kinderzentrum und einen Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mitte Juni war Ergest Biti, unser Leiter vor Ort, bei uns zu Gast. Im Interview berichtet er von Erfolgen und Visionen.

Helping Hands e.V. (HH): Das Kinderzentrum läuft jetzt einige Jahre. Konntet ihr schon einen Unterschied bei den Kindern sehen?

Gesti (G): Auf jeden Fall. Bevor sie zu uns kamen, konnten einige Kinder nicht mal schreiben. Aber jetzt haben sie richtig gute Noten. Sie brauchten einfach nur ein bisschen Unterstützung, jemand, der sich um sie kümmert und ihnen die Hausaufgaben erklärt. Und wir möchten den Kindern gute Werte beibringen. Nur ein Beispiel: In Albanien werfen die meisten Kinder ihren Müll einfach auf die Straße. Aber unsere Kids machen das nicht mehr – sie heben eher mal den Müll von anderen auf.

HH: Habt ihr auch Kontakte zu den Eltern?

G: Das ist uns ganz wichtig. Im Kinderzentrum haben wir ein monatliches Treffen mit allen Eltern. Wir reden auch mit ihnen über ihre Probleme, geben Rat und helfen, wo wir können, und sie vertrauen uns. Im Kindergarten trifft die Leiterin sich einmal pro Woche mit den Eltern.

HH: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wie werdet ihr die finanziellen Mittel aus unserem Jahresprojekt einsetzen?

G: Zuerst einmal werden wir noch einen weiteren Erzieher für den Kindergarten einstellen. Der Kindergarten ist erst ein Jahr alt, aber läuft schon sehr gut. Einige der Kinder sind aus wohlhabenden Familien, wo der Vater Geschäftsmann ist o.ä. Aber von Anfang an haben wir uns zum Ziel gesetzt, auch Kindern aus sozialschwachen Familien den Kindergartenbesuch kostenlos zu ermöglichen. Pro 10 Kindern geben wir ein volles Stipendium, pro 5 Kindern ein halbes. Derzeit haben wir bei 25 Kindern 3 Kinder mit vollem und 5 mit halbem Stipendium. Damit möchten wir die Familien vor Ort unterstützen. Weil immer mehr Kinder dazukommen, brauchen wir noch einen Erzieher, der eine weitere Gruppe übernehmen kann. Um das möglich zu machen, hilft es uns sehr, wenn fürs erste Jahr das Gehalt aus Spenden bezahlt wird, sodass wir weiter ein paar Kindern einen kostenlos Platz anbieten können und trotzdem der Kindergarten dann so schnell wie möglich finanziell selbsttragend wird. Durch die Einnahmen im Kindergarten kann dann zeitnah auch das Kinderzentrum finanziell unabhängig werden.

HH: Das ist ein tolles Ziel! Was plant ihr sonst noch an neuen Aktivitäten?

G: In Kürze sind Sommerferien, und wir möchten sehr gerne ein Camp für die Kinder vom Kinderzentrum veranstalten. Das kostet so etwa 500 Euro. Im September möchten wir auch wieder Bücher und Schulmaterial verteilen, da die meisten Familien sich das nicht leisten können. Und wir planen auch, in der Zukunft sehr viel mehr in die Schulung von Lehrern zu investieren. Dieses Jahr hatten wir das zum ersten Mal, es ging um Kinderschutz. Das möchten wir jetzt einmal pro Jahr anbieten – eine dreitägige Schulung zu verschiedenen Themen, Zeit für Austausch und auch ein bisschen Entspannung.
Und schließlich – das ist ein großer Bedarf – brauchen wir dringend neue Räumlichkeiten für das Kinderzentrum. Im Moment können wir keine weiteren Anmeldungen annehmen, weil unsere Räume zu klein sind. Aber viele Familien aus dem Ort bitten uns, ihre Kinder aufzunehmen. Wenn wir größere Räumlichkeiten mieten könnten, wäre das sehr hilfreich. Es gibt auch ein Gebäude, das wir im Blick haben, das müsste dann allerdings noch renoviert werden, um es fürs Kinderzentrum zu nutzen.

Weitere Infos zum Jahresprojekt finden Sie auf unserer Website.

Ein Herz für Piluwa

Stundenlang sind wir durch den Dschungel gefahren, durch kleine emsige Städte, über breite staubige Flussbetten, durch die nur ein Rinnsal fließt, vorbei an Wäldern mit blühenden, herrlich duftenden Bäumen. Nachdem der Bus uns endlich ausgespuckt hat – an einer verlassenen Wegkreuzung mitten im Irgendwo – geht es noch per Auto-Rikscha ein Stück durch den Urwald. Als die ersten Gebäude auftauchen, sind wir auch schon da: in Piluwa, das hier wie ein abgelegenes Dorf aussieht, sich aber weiter südlich in eine größere Stadt ausweitet, und an unserem Kinderzentrum, vor dem etwa vierzig lachende, fröhliche Kinder erwartungsvoll nach den Besuchern Ausschau halten, die Hände voller Blüten und kleiner Sträuße, die sie als Willkommensgruß auf dem Schulweg selbst gepflückt haben. Denn so ein Besuch aus dem fernen Kathmandu, das ist doch immer mal etwas anderes als Alltag. Da machen die Aufgaben, bei denen die beiden Lehrer Hilfe leisten, gleich irgendwie mehr Spaß, und wenn man Glück hat, dann haben die Besucher eine tolle neue Spielidee dabei, oder vielleicht auch mal was gutes Süßes zum Naschen.

Letzteres haben wir zwar nicht, aber nachdem die Kinder nach den Aufgaben zum gemeinsamen Spielen in den Hof gestürmt sind, haben sie auch schon im Handumdrehen ein gutes altbewährtes paXan-Spiel  gemeistert und sind mit Begeisterung dabei. Vierzig zufriedene, leuchtende Gesichter, die im Schein der untergehenden Sonne eine Hoffnung ausstrahlen, die für viele Morgen reicht. „Die Kinder lieben dieses Kinderzentrum“, erzählt uns ein örtlicher Leiter. „Sie kommen oft schon eine Stunde früher hierher, lange bevor das Programm anfängt, weil sie einfach lieber hier sind als woanders!“

Noch kein ganzes Jahr ist das Kinderzentrum in Piluwa alt – im Juni 2018 wurde es mit einer Einzelspende über Helping Hands e.V. begonnen. Die Kinder kommen aus den ca. 20 ärmsten Familien des Dorfes, die meisten aus ethnischen Randgruppen, und ihre Eltern arbeiten hart, um wenigstens ein bisschen zu verdienen: indem sie ein winziges Stück Land bewirtschaften oder auch als Tagelöhner anheuern – zum Beispiel beim Straßen- und Kanalbau oder im trockenen Flussbett, von wo sie Sand schleppen, damit Ziegel gebrannt werden können. Das Geld reicht nie – kaum für Lebensmittel, und schon gar nicht für „Luxusgüter“ wie Hefte, Stifte oder Schultasche. Im Kinderzentrum erhalten die etwa vierzig 5- bis 11-jährigen Kinder daher nicht nur Hausaufgabenhilfe, Talentförderung und Zeit zum gemeinsamen Spielen, sondern auch einen nahrhaften Snack und nötiges Schulmaterial. Schon in nur weniger als einem Jahr hat das Kinderzentrum einen sichtbaren Unterschied gemacht.

„Vorher haben die Kinder sich nachmittags nur auf der Straße rumgetrieben, aber jetzt kommen sie ganz regelmäßig zum Kinderzentrum“, berichten die beiden Lehrer. „Die Nachhilfe hat in den schulischen Leistungen schon eine Menge Wirkung gezeigt. Und die Eltern sind auch sehr dankbar, weil sie die Veränderung in ihren Kindern sehen können, und weil sie sich keine Sorgen machen brauchen, wo die Kinder sich herumtreiben, während die Eltern noch arbeiten müssen.“ Viele der Eltern sind selbst Analphabeten und könnten ihrem Nachwuchs die nötige akademische Unterstützung gar nicht bieten. Das Kinderzentrum gibt ihnen Hoffnung, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft erwartet als die eigene.

Aber Piluwa wäre ja kein Helping Hands Kinderzentrum, wenn die positiven Effekte nur in ferner Zukunft lägen oder sich ausschließlich in ein paar besseren Schulnoten widerspiegeln. Hier geht es darum, ein ganzes Dorf nachhaltig zu verändern! Und da gibt es für Piluwa eine große Vision.

Während die Kinder sich im Zentrum durch schulische und soziale Bildung eine gute Grundlage für späteren beruflichen Erfolg erarbeiten, wird zeitgleich auch ihr Zuhause Schritt für Schritt verwandelt. In Selbsthilfegruppen lernen und üben Mütter wirtschaftliche Prinzipien, Eltern besuchen Schulungen und gründen kleine Unternehmen. Familien erhalten Hühner, Ziegen und Büffel für Viehzucht; in Gemeinschaftsgärten werden nahrhafte Lebensmittel für Familien und Kinderzentrum angebaut. Das wird auf die Nachbarn ausgeweitet, Kooperativen werden gebildet, die schließlich das Management dieser und anderer Projekte übernehmen – zum Beispiel Zugang zu sauberem Wasser – und sich um die weitere Entwicklung ihres Dorfes kümmern: unabhängig, örtlich verantwortet, nachhaltig.

„Damit könnte das Kinderzentrum in Piluwa schon in wenigen Jahren finanziell selbsttragend sein“, meint der Leiter unseres Partners in Nepal. Ein utopisches Szenario, in Wirklichkeit nicht umsetzbar? Doch – denn weiter nördlich, in einem anderen Projekt unseres Partners, hat es schon geklappt, und nun ist Piluwa an der Reihe. Das verstehen wir unter wirkungsvoller Hilfe und nachhaltiger Veränderung!

An der Wand des Kinderzentrums in Piluwa ist ein Herz aufgeklebt, zusammengesetzt aus vielen einzelnen Herzen. Ein Herz für Kinder? Ein Herz für Piluwa? Vermutlich beides – aber es offenbart auch eine Realität: Veränderung entsteht nicht dadurch, dass ein Partner aus der Ferne eine To-Do-Liste schickt. Veränderung entsteht, wenn viele einzelne Herzen gemeinsam für die gleiche Sache schlagen – Kinder, Lehrer, Eltern, Nachbarn: die Heimat zu einem wirklich lebenswerten Ort zu machen und zusammen ein Morgen zu schaffen, auf das es sich zu hoffen lohnt.

 

© 2019 Dorothea Gschwandtner/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Jahresprojekt 2019: Kindergarten Kombinat

Ali ist fünf – also das Alter, in dem man mit Modellautos spielt, sich für Teddybären noch nicht zu alt ist, und vielleicht schon vom Fahrradfahren träumt. Aber Ali hatte ganz andere Sorgen. Den ganzen Tag kümmerte er sich um seinen kleinen Bruder. Gar nicht so einfach, denn der kleine Bruder hat Down-Syndrom und ist erst ein Jahr alt. Die Mutter wollte ihn eigentlich gar nicht zur Welt bringen. Vier Jungs hatte sie ja schon, und alle von unterschiedlichen Männern. Das ist nicht ungewöhnlich, wenn man als Prostituierte arbeitet. Fünf Jungs, kein Vater – da muss ein Fünfjähriger schon mal an etwas anderes denken als Modellautos und Fahrradfahren.

Als Mitarbeiter unseres örtlichen Partners die Familie kennenlernten, war die Mutter gerade im Krankenhaus, um ihr jüngstes Kind abtreiben zu lassen. Glücklicherweise konnte sie umgestimmt werden. Die älteren Jungs sind jetzt im Kinderzentrum, für den Kleinsten konnte ein kostenloser Platz bei der albanischen Stiftung für Kinder mit Down-Syndrom organisiert werden, und Ali, der Vierte, besucht den Kindergarten. Dort kann er endlich mit Modellautos spielen, und auch mit den Teddybären hat er sich angefreundet. Noch besser: Im Kindergarten gibt es Jungs in seinem Alter, mit denen er unbekümmert spielen kann. Mittags bekommt er auch eine nahrhafte Mahlzeit. Als die Leiterin des Kindergartens ihn fragte, warum er immer so viel isst, sagte er nur: “Zuhause gibt es nichts zu essen.”

„AM-EL“ heißt der Kindergarten in Kombinat, am Rande Tiranas: das heißt so viel wie „sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen“. Hoffnung für Kinder wie Ali – oder Delin und Anila, Bruder und Schwester aus einer Roma-Familie. Der Vater ist arbeitslos, die Mutter arbeitet auf der Haupt-Müllkippe Tiranas und sortiert den ganzen Tag stinkendes Plastik. Die beiden älteren Geschwister gingen nicht zur Schule, als unsere einheimischen Mitarbeiter sie trafen. Jetzt besuchen sie das Kinderzentrum, und Delin und Anila kommen zum Kindergarten. Das ist doch besser als Müllkippe!

Im April 2018 wurde der Kindergarten in Kombinat gegründet – trotz einiger Herausforderungen, “aber es hat sich gelohnt”, betont der Leiter unseres Partners in Kombinat. “Es hat sich gelohnt, weil wir sehen können, wie so viele Kinder und Familien durch diesen Kindergarten positiv beeinflusst werden. Unser Kindergarten soll Familien gute Werte vermitteln und den Kindern beibringen, wie sie ein Leben voll Freude und Hoffnung leben können. In unserem Teil der Welt wirkt es manchmal, als ob es keine Hoffnung mehr gibt. Aber wir können beobachten, wie die Familien, die ihre Kinder hierher bringen, viel fröhlicher und dankbarer sind.” Und der Kindergarten ist ja auch nicht nur ein Betrieb – von den 22 Kindern, die derzeit angemeldet sind, kommen drei aus schwierigen sozialen Verhältnissen und besuchen den Kindergarten kostenlos: Ali, Delin und Anila.

Der Kindergarten ist von Montag bis Samstag von 7.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Kinder (2–5 Jahre alt) beginnen mit Frühstück, dann machen sie in drei Altersgruppen ein paar Aufgaben und Aktivitäten, die bestimmte Fertigkeiten fördern, und spielen gemeinsam. Um 12 gibt es Mittagessen; danach gehen ein paar Kinder nach Hause, die anderen machen bis 15 Uhr Mittagsschlaf und spielen dann bis 17 Uhr. Jeden Tag gibt es auch für alle Gruppen eine besondere Unterrichtsstunde, die von Ehrenamtlichen angeboten wird: zweimal Musik, einmal Tanz und dreimal Englisch.

Ein normales Kindergartenprogramm? Für Ali, Delin und Anila ist es ein Tagesablauf, von dem sie vorher nur träumen konnten. Und der ihnen jetzt das schenkt, was sie so dringend benötigen: Freude für Heute, und Hoffnung, dass Morgen ebenso schön wird.

Jahresprojekt 2019: Kinderzentrum Kombinat

Die Köchin wunderte sich. Gezim, der sonst sein Mittagessen immer hungrig in sich hineinschaufelte, hatte nur ein paar Löffel voll gegessen und saß nun nachdenklich vor seinem Teller. Plötzlich stand er auf und kam zur Köchin herüber. “Darf ich mein Essen mit nach Hause nehmen?” – “Aber warum?”, wollte die Köchin wissen. “Weshalb willst du nicht hier essen?” – Gezim blickte ihr fest in die Augen. “Weil mein Bruder daheim nichts zu essen hat. Ich möchte mein Essen für ihn mitnehmen.”

An dem Tag ging Gezim mit genügend Essen für die ganze Familie nach Hause. Aber dieser Tag war kein Einzelfall, und Gezim ist nicht das einzige Kind im Kinderzentrum, bei dem es daheim nichts zu essen gibt. Da ist zum Beispiel auch Elira, die Älteste von vier Kindern. Sie ist erst 11 aber kümmert sich um ihre zwei Schwestern im Alter von 2 und 6 und ihren siebenjährigen Bruder. Ihre Mutter arbeitet als Putzfrau und Straßenfegerin und ist von morgens bis abends unterwegs. Ihr Gehalt reicht so grade eben für die Miete und oft ist einfach nichts mehr für Lebensmittel übrig – daher ist die warme Mahlzeit im Kinderzentrum für die Kinder meist die einzige am Tag.

Die 32 Kinder, die derzeit im Kinderzentrum angemeldet sind, haben alle ähnliche Geschichten. Manche haben gar keine Eltern, oder nur ein Elternteil. Viele sind aus Roma-Familien oder anderen Randgruppen, und die Eltern interessiert es gar nicht, wo ihre Kinder den ganzen Tag verbringen. Fast alle sind aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Ohne das Kinderzentrum würden alle diese Kinder überhaupt nicht zur Schule gehen – weil sie sich dort nicht sicher fühlen, weil sie kein Geld für Schulmaterial und ähnliches haben, weil sie diskriminiert werden, oder eben weil sich einfach niemand darum kümmert.

Seit es das Kinderzentrum gibt, haben diese Kinder aus Randgruppen wieder Mut, die Schule zu besuchen. Das Kinderzentrum ist von 9.00 bis 16.00 Uhr geöffnet; morgens um 9 Uhr kommen die Kinder, die nachmittags Schule haben; die zweite Gruppe kommt um 13 Uhr und bleibt bis vier. Eine Lehrerin und zwei Ehrenamtliche helfen den Kindern bei den Hausaufgaben und geben Nachhilfe wo nötig. Die letzte halbe Stunde ist für „persönliche Angelegenheiten“ reserviert; zum Beispiel lernen die Kinder, wie man sich richtig die Hände wäscht und Zähne putzt – Dinge, die ihnen zuhause nicht beigebracht werden. Um 12 bzw. 13 Uhr gibt es Mittagessen für alle Kinder: Gezim, Elira und ihre Geschwister freuen sich immer besonders darauf.

Natürlich wird im Kinderzentrum auch gespielt, und etwa alle drei Monate machen alle gemeinsam einen Ausflug, damit die Kinder auch mal etwas anderes sehen und unbekümmert zusammen Spaß haben können. Meist erhalten sie im Kinderzentrum auch Schulmaterial oder Bücher, die sie für die Schule brauchen aber nicht bezahlen können, und ab und zu werden die Familien bei medizinischen Kosten unterstützt – zum Beispiel für die zwölfjährige Endrita, die vor kurzem wegen einer Zyste operiert werden musste, und deren Eltern um Hilfe baten.

Das zeigt, welchen Einfluss das Kinderzentrum auch aufs Umfeld hat: Die Familien vertrauen den Mitarbeitern und fühlen sich wohl, wenn sie ins Zentrum kommen – gar nicht so selbstverständlich bei Randgruppen, die ihr Leben lang diskriminiert werden und daher meist sehr misstrauisch sind. Auch andere Familien in Kombinat haben bemerkt, wie viel Unterschied das Kinderzentrum schon gemacht hat, und sind sehr dankbar dafür. Der Direktor der Schule, die die meisten Kinder besuchen, ist ebenfalls enorm dankbar und sehr offen dafür, mit den Mitarbeitern des Kinderzentrums in allem zu kooperieren, obwohl das in Albanien ungewöhnlich ist.

Vor allem aber wissen Gezim, Elira, Endrita und alle anderen Kinder, dass sie im Kinderzentrum einen Ort haben, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen können, und in den Mitarbeitern Menschen, die sie lieben und wertschätzen und sich mit ehrlicher Hingabe um sie kümmern. Und diese Überzeugung, geliebt und wertvoll zu sein, spiegelt sich nicht nur in ihren Schulnoten wider: Man sieht es in ihrem geänderten Verhalten, in der Begeisterung, mit der sie ins Kinderzentrum kommen, und in den zuversichtlichen, strahlenden Gesichtern, wenn sie die Mitarbeiter begrüßen.

“Wir sind so dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Kindern zu dienen,” schreibt der Leiter des Zentrums, “ihnen Freude zu bringen, und Hoffnung, und sie zu lehren, wie sie ihr Leben mit Integrität meistern können.”

Unser Jahresprojekt 2019

Wozu Schule, wenn man ohnehin im Unterricht nicht mitkommt? Wenn man dort nur Ablehnung erfährt? Wo man doch auf der Straße wenigstens ab und zu etwas zu essen finden kann? Und die Eltern sich gar nicht darum scheren, wo man den ganzen Tag verbringt … wenn man überhaupt Eltern hat? – Straße oder Schulbank? Das entscheiden Kinder aus Randgruppen in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, täglich neu.

Für Samuel aus Kombinat, einem Stadtteil am Rande Tiranas, ist die Antwort klar: Natürlich Schulbank! Im Kinderzentrum erhalten er und andere Kinder das, was ihnen sonst gefehlt hat: Hilfe bei den Hausaufgaben, individuelle Aufmerksamkeit, das Wissen, geliebt und wertvoll zu sein. Auch eine nahrhafte Mahlzeit bekommen die Kinder – für viele die einzige am Tag.

Seit Frühjahr 2018 gibt es auch einen Kindergarten, damit schon die Kleinsten einen Ort haben, an dem sie geborgen sind und gute Werte lernen. Damit die Projekte möglichst bald finanziell unabhängig werden, ist noch Unterstützung nötig. Straße oder Schulbank? Helfen Sie mit, dass Kinder wie Samuel weiterhin die richtige Antwort wissen!

Für das Jahresprojekt strebt Helping Hands Gesamtspendeneinnahmen von 17.500 Euro an. Alle Spenden kommen zu 100% Kinderzentrum und Kindergarten in Albanien zugute. Bitte überweisen Sie Ihre Spende mit Vermerk „Jahresprojekt 2019“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Die PROJEKTE

Unser Hauptanliegen ist, dass die Kinderprojekte in Kombinat möglichst bald finanziell unabhängig werden; daran arbeiten wir gemeinsam mit Ergest, dem örtlichen Leiter. Unter anderem wird in diesem Zusammenhang noch anfängliche Unterstützung für ein zusätzliches Lehrergehalt benötigt.

Weitere einmalige Investitionen, die für Kindergarten und Kinderzentrum notwendig bzw. hilfreich sind, können je nach Spendenlage getätigt werden: Küchenutensilien, Überwachungskameras (das ist nach neuem albanischem Gesetz Pflicht), Computer für Informatik-Unterricht im Kinderzentrum, Waschmaschine für den Kindergarten.

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Wirkungsbeobachtung: Arche Kenia

Vor sechs Jahren unterstützte Helping Hands e.V. das erste Mal die „Arche“ Schule im Kariobangi-Elendsviertel in Nairobi, Kenia, durch ein Weihnachtsprojekt; auch die Kreisrealschule in Gelnhausen beteiligte sich im folgenden Sommer mit einem Benefizkonzert an diesem Projekt. Damals war die Arche Schule gerade dabei, ihr Programm bis zum Ende der Grundschule (Klasse 8) auszuweiten; ein neues Schulgebäude machte dies möglich.

Inzwischen ist die Schule noch weiter gewachsen und bietet 360 Schülern (Stand Oktober 2017) aus etwa 150 Familien eine sehr gute Grundschulbildung; zusätzlich besuchen 25–30 Erwachsene Abendkurse. Die Schule umfasst die Vorschule (ab 4 Jahren), Kindergarten und Grundschule (Jahrgangsstufe 1 bis 8). Für Schüler der „High School“ gibt es ein Patenschaftsprogramm; in diesem Jahr graduierten die ersten ehemaligen Arche-Kinder von der High School.

Die Schule ist im Viertel sehr gut angesehen und hat die Unterstützung der Dorfältesten, die die Eltern des Viertels ermutigen, ihre Kinder dort zur Schule zu schicken und selbst an Abendkursen teilzunehmen, und die sich mit Ratschlägen einbringen und auch mal bei Bauarbeiten selbst mit anpacken. Die Schülerzahl ist stetig am Wachsen und zahlreiche Eltern würden ihre Kinder noch gerne in der Arche anmelden; leider ist der Platz derzeit begrenzt.

Seit 17 Jahren dient die Arche Schule dem Kariobangi-Slum, indem sie Bildung möglich macht, Zukunftsperspektiven eröffnet, Hoffnung schenkt. In diesen Jahren gab es aber auch viele Heraus­forderungen zu meistern, Gelerntes wurde verarbeitet und Schulprogramme angeglichen, um wirklich allen Bedürfnissen gerecht zu werden; manches ist für die Zukunft noch geplant. Folgend ist eine Zusammenfassung der Erkenntnisse sowie Veränderungen und Entwicklungen, die dazu beigetragen haben, dass die Arche Schule heute einen echten Unterschied im Elendsviertel bewirken kann.

 

Entwicklung der Kinder: Lage der Schule und Lernumfeld

Einige Dinge waren schon von Anfang an klar, u.a. durch Erfahrungen und Gespräche, bevor das Projekt begonnen wurde. Zum Beispiel war es sehr wichtig für die Familien im Kariobangi-Viertel, dass die Schule von Kenianern gegründet und geleitet wurde und nicht von Ausländern. Noch wichtiger aber war, dass das Schulgebäude direkt im Viertel steht, denn viele Familien wollten aus religiösen Gründen ihre Töchter nicht in eine außerhalb gelegene Schule schicken; außerdem konnten die meisten sich den Bus oder andere Verkehrsmittel zu einer entfernteren Schule nicht leisten. Daher begann die Schule mit 60 Schülern in einem kleinen Gebäude mitten im Slum.

Natürlich beeinflusst das Lernumfeld den Lernerfolg der Kinder stark: Das konnte auch die Arche Schule leicht feststellen. Das erste Gebäude war klein, mit fünf engen Räumen und einem winzigen Schulhof, und bot bald kaum mehr genug Platz für alle Schüler. 2010 konnte das Grundstück nebenan gekauft werden (das ursprüngliche Gebäude wird derzeit weiterhin für die Vorschule gemietet) und der Bau eines eigenen Schulgebäudes begann. Bereits 2011 war das Erdgeschoss fertig, sodass die Schule auf die Klassen 6–8 erweitert werden konnte. 2012 war dann auch der zweite Stock fertiggestellt, sodass jede Klasse ein eigenes Klassenzimmer hatte. Bis 2013 hatte die Schule ein fertiges drittes Stockwerk, eine Mauer um den Compound für zusätzliche Sicherheit und ein neues Tor für einen „finished look“: der Stolz vieler Eltern, die ihre Kinder in eine so neu aussehende Schule schicken konnten.

Das 2015 endgültig eingeweihte Schulgebäude besteht jetzt aus 8 Klassenräumen, einer Bücherei, einem Lehrerzimmer und zwei Räumen für die Nähschule und einem weiteren Projekt. Bei der Regierung ist die Arche registriert als eine Schule mit gutem akademischen Erfolg und mit großen, gut gelüfteten Klassenzimmern; 2015 wurde die Schule als „Examination Center“ ausgewählt, wo Kinder aus anderen privaten Schulen in der Gegend ihr Abschlussexamen der Grundschule ablegen.

Es wird weiterhin daran gearbeitet, das Lernumfeld zu verbessern. Neue Schulbänke (u.a. über Helping Hands gefördert) tragen dazu bei, dass die Kinder nicht mehr zu eng sitzen müssen und so besser lernen. Die Pflasterung des Schulhofes (Frühjahr 2017) macht Sport und Spiel sauberer und sicherer; ein neuer Basketballplatz sorgt für Spaß und Aufregung in den Pausen. Im Sommer 2017 berichtete die Arche: “Nicht nur die Kinder genießen nun den schönen neuen Schulhof. Wenn am Spätnachmittag die Eltern kommen, um die Kinder abzuholen, versammeln sie sich erst einmal für eine gemütliche Runde auf den neuen Zementbänken und genießen das saubere, einladende Umfeld. Selbst die Väter suchen vermehrt den Austausch mit den Lehrern.”

Die Arche-Bücherei ist inzwischen mit einigen Büchern ausgestattet, die von Freiwilligen katalogisiert wurden; noch mehr Bücher, besonders auch für ältere Kinder, sollen angeschafft werden. Für Computerkurse stehen mehrere Computer zur Verfügung. Eine Herausforderung bilden noch die Lehrbücher. Zwar wurden 2012 durch Vermittlung des Bildungsministeriums von einer englischen Organisation Schulbücher für die Klassen 1–8 gespendet, da aber die kenianische Regierung häufig den Lehrplan ändert, werden alle drei bis vier Jahre neue Lehrbücher benötigt. Derzeit benutzen im Durchschnitt drei Kinder ein Schulbuch gemeinsam.

 

Entwicklung der Kinder: Lehrplan

Lesen, Schreiben, Rechnen … für eine umfassende – und im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähige – Schulbildung reicht es nicht aus, nur die grundlegendsten Kenntnisse zu vermitteln. Kreativität, soziale Fähigkeiten, zeitgemäße Technik-Kenntnisse, Sport und Spiel – diese Dinge sind für die körperliche, soziale und geistige Entwicklung der Kinder ebenso wichtig wie Rechtschreibung und Mathematik. Das erkannte die Arche Schule und führte über die vergangenen Jahre einige neue Fächer und Aktivitäten in den Lehrplan ein.

So steht zum Beispiel seit 2013 regelmäßiger Musikunterricht auf dem Stundenplan, in dem auch traditionelle afrikanische Musik und Instrumente hervorgehoben werden. Die Kinder lieben diesen Unterricht und Talente werden entdeckt und gefördert. Singen und Musizieren ist ein wichtiger Aspekt der afrikanischen Kultur, und so nehmen die Eltern immer begeistert an den Aufführungen der Kinder an Schulfesten teil, wodurch auch Beziehungen zwischen Lehrern und Eltern gefördert werden.

2016 wurde ein Spielzimmer für die jüngeren Kinder eingerichtet; die Spielsachen, Autos, Puppen und Stofftiere wurden aus Deutschland gespendet. Jetzt gibt es wöchentlich bestimmte „Spielzeiten“. Für die Kinder, die solches Spielzeug sonst nur aus „teuren“ Läden kennen, sind diese Zeiten ein wichtiger Bestandteil ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung. Die Leiterin schreibt: “Sobald die Kleinen das Spielzimmer betreten, fühlen sie sich wie im Paradies”.

Die „Lesestunden“, die die Arche schon seit einiger Zeit anbietet, werden auch von ehemaligen Schülern gerne genutzt. Durch neue Bücher soll noch eine stärkere Lesekultur gefördert werden, vor allem auch während der Ferien. Dabei sollen besonders auch solche Bücher angeschafft werden, die positive Werte vermitteln und deren Geschichten hilfreich für die Kinder sind.

Seit Kurzem sind Computerkurse im kenianischen Lehrplan Pflicht. Im September 2016 begann die Arche Schule zweimal pro Woche Computerunterricht für die Klassen 5 bis 8; die Kinder nehmen mit großer Begeisterung daran teil. Dafür wurden fünf Laptops an die Schule gespendet; seit dem Schuljahr 2017 hat ein kompetenter und beliebter kenianischer IT-Lehrer den Unterricht übernommen. Geplant ist, noch mehr Computer zu kaufen, damit die Kurse auf die 4. Klasse sowie auf High-School-Absolventen ausgeweitet werden können, die nicht sofort auf die Uni gehen können. Neben weiteren Computern werden dafür auch die wichtigsten Software-Programme, ein Internetanschluss und ein Projektor benötigt.

Dass regelmäßiger Sport und Bewegung unverzichtbar sind für die Gesundheit und körperliche Entwicklung der Kinder, war den Leitern der Arche Schule wohl von Anfang an klar. Jedoch war zuerst nur wenig Platz dafür vorhanden, sodass Sportunterricht teilweise auf der Straße stattfand. Seit die Schule ins neue Gebäude umgezogen ist, stand zwar ein größerer Schulhof zur Verfügung, der aber leider keinen festen Untergrund hatte. Im Frühjahr 2017 konnte der Schulhof dann endlich gepflastert werden und ein befestigter Basketballplatz wurde eingerichtet und wird fleißig und begeistert genutzt. Auch die akrobatischen Kunststücke, die vor einiger Zeit von Ehrenamtlichen inspiriert wurden, werden nun erneut ausgebaut.

Darüber hinaus hat die Schulleitung aber auch erkannt, dass sportlicher Wettbewerb und die damit verbundene Spannung und Gemeinschaft positiv zur sozialen und psychischen Entwicklung der Kinder beiträgt, und möchte sich auch um mehr Verbindung zu anderen Schulen bemühen. Deshalb soll das Sportprogramm an der Arche Schule jetzt noch weiter ausgebaut und auch ein schuleigenes Fußballteam ins Leben gerufen werden, das dann gegen andere Schulen antreten kann.

 

Entwicklung der Kinder: Psychosoziale Aspekte

Die Arche Schule wurde gegründet in einer Gegend, wo Gewalt und Kriminalität den Alltag definieren. Die Kinder sind einen sehr rauen Umgang und harten Lebensstil gewöhnt; viele Jugendliche suchen in Gangs die Anerkennung, die sie zuhause nicht finden. Im Evaluierungsbericht 2014 zog die Schulleitung das Fazit, dass es wegen dieser schwierigen Lage im Elendsviertel besonders wichtig ist, dass die Kinder nicht nur eine gute Schulbildung erhalten, sondern ihnen auch gute moralische und ethische Werte vermittelt werden, damit das Leben der Jugendlichen nachhaltig verändert werden kann. Hier besitzt die Schule ein riesiges Potential und eine einzigartige Chance, einen langfristigen Unterschied in diesem Elendsviertel zu machen.

Über die Jahre hinweg haben die Lehrer sich mehr und mehr in das Leben ihrer Schüler investiert. Sie verbringen jetzt sehr viel Zeit mit den Kindern und schenken ihnen viel positive Aufmerksamkeit. In der Schule bieten sie für alle Kinder Seelsorge und Counselling an sowie individuelle Beratung für Kinder, wenn sie in die Pubertät kommen; dadurch haben sich die Noten in allen Jahrgängen verbessert. Zusätzlich machen die Lehrer Hausbesuche und kümmern sich um die Familien, zum Beispiel bei medizinischen Notfällen oder anderen Familienträgodien, indem sie ermutigen, Trost spenden und auch praktisch helfen.

Die Eltern sind sehr zufrieden mit der Entwicklung ihrer Kinder und loben die Schule wegen der fröhlichen Atmosphäre und der guten Disziplin, die sie in ihren Kindern sehen können. Die Arche Schule ist für viele Schüler viel mehr als ein Ort des Lernens. Sogar die Mütter sagen, dass ihre Kinder sich in der Schule mehr zuhause fühlen als daheim. Andere haben gar kein Zuhause, sondern sind Waisen oder leben bei Großeltern oder entfernten Verwandten: Die Arche ist für sie ein wirklicher Zufluchtsort.

 

Bedürfnisse der Arche-Absolventen

Aber was geschieht mit den Kindern, wenn sie von der Arche Schule absolviert haben? Natürlich ist der Traum aller Beteiligten, früher oder später auch eine High School an die Arche anzugliedern. Dafür müsste zum Beispiel das Nebengebäude gekauft und erweitert werden, das derzeit für die Vorschule gemietet wird. Doch bis dieser Traum zur Wirklichkeit werden kann, musste eine andere Lösung gefunden werden.

Denn nachdem die ersten Kinder vor fünf Jahren von der Grundschule absolviert hatten, erkannte die Arche Schule ein Problem. Zwar hatten die Kinder eine gute Grundschulbildung erhalten und die meisten auch das Examen erfolgreich bestanden. Aber die wenigsten oder keine der Familien konnten sich eine High School oder die Fahrtkosten dorthin leisten, die in Kenia zudem oft in Form eines Internats angeboten wird. Die Schulgebühren liegen bei rund 50 USD im Monat; in vielen Familien ist das bereits das gesamte Monatseinkommen der Familie.

Eine Zeitlang kamen die Absolventen – von denen viele im Examen sehr gut abgeschnitten hatten – jeden Tag in die Arche Schule und lasen in der Bücherei und manche saßen da und weinten, weil sie ihre Schulbildung nicht fortsetzen konnten. Die Lehrer hatten Mitleid mit ihnen und legten Spenden aus ihrem kleinen Gehalt zusammen, um ein paar Kindern durchs erste Semester zu helfen. Danach wurde durch Freunde der Schule ein Patenschaftsprogramm eingeführt, in dem Spender, meist aus Deutschland, für High-School-Schüler die Gebühren übernehmen. Derzeit sind etwa 20 Kinder im Programm – viele von ihnen sind Waisen – und die ersten Schüler haben jetzt nach vier Jahren von der High School graduiert und dürfen nun ein Universitätsstudium beginnen.

Obwohl schon die ersten 8-Klässler das Examen sehr gut bestanden hatten, hat sich der Durchschnitt in den letzten Jahren noch verbessert. Inzwischen bestehen fast alle das Examen; 2017 war die Arche „Spitzenreiter“ der umliegenden Schulen und der beste Absolvent aus 80 Schulen war ein Arche-Schüler. Das macht auch Eindruck über das Kariobangi-Viertel hinaus: Die beste Schülerin erhielt ein Stipendium einer Großfirma, ein anderer wurde ebenfalls lokal gesponsert. Die Hoffnung ist, dass die Resultate weiterhin so gut sind und noch mehr Schüler sich für lokale Stipendien (von kenianischen Organisationen) qualifizieren. Zusätzlich soll das Patenschaftsprogramm so weit ausgebaut werden, dass alle Arche-Absolventen die High School besuchen können.

Aufgrund der Erfolge im Counselling und der Erkenntnis, dass hier noch ein großer Bedarf besteht, wurde während der letzten Jahre ein Mentoringprogramm für 8-Klässler und High-Schoolers entwickelt. Eine Lehrerin investiert sich besonders in die 8-Klässler, lehrt sie in kleineren Gruppen „life skills“ und bereitet sie auf ein Leben nach der Arche Schule und im Internat vor (z.B. Gruppendruck, andere Moralvorstellungen etc.). Die Jugendlichen genießen diese Zeit enorm und sprechen sehr offen über brisante Themen wie Geschlechterrollen, Freundschaften, Liebe, Sex, Pornographie u.ä.

Für Ehemalige und High-Schoolers wird ein solches Mentoringprogramm während der Ferien angeboten, um ihnen bei den Herausforderungen in ihren neuen Schulen zu helfen, Fragen zu beantworten, sie zum fokussierten Lernen zu ermutigen und eine Zeit des gegenseitigen Austauschs zu ermöglichen. Auch darüber hinaus kommen die Ehemaligen und High-Schoolers regelmäßig zur Arche Schule zurück, um die Bücherei zu benutzen, Gemeinschaft zu haben oder sich Rat zu holen. Einige der älteren Kinder sind wirklich gereift und haben angefangen, sich um jüngere Schüler zu kümmern, ihnen Vorbild zu sein und in ihren Herausforderungen zu helfen. Darin werden sie auch geschult; zum Beispiel wurde 2016 ein Leadership-Kurs für die Klassen 7 und 8 und Ehemalige durchgeführt.

Seit zwei Jahren konnten auch einige Jugendliche an Feriencamps anderer Organisationen teilnehmen. Dies ist eine sehr wichtige Zeit für die Kinder, in der sie sich sozial, mental und geistlich weiterentwickeln und lernen, ihre individuellen Fähigkeiten zum Wohl aller einzusetzen. Die Leiter der Camps sind beeindruckt, wie reif die Arche Kinder sind, wie gut sie leiten und sich sozial anpassen können.

Damit ist die Arche Schule auf einem guten Weg, eines ihrer wichtigsten Ziele zu erreichen: eine grundlegende Veränderung des Kariobangi-Viertels, weg von Kriminalität und Gangmentalität und hin zu einem verantwortungsvollen Lebensstil; ein Viertel voller Kinder und Jugendliche, die sich darum bemühen, ihren Familien zu helfen, und sich in verantwortungsbewusste Erwachsene entwickeln, die in ihrem Umfeld und in ganz Kenia einen Unterschied machen können.

 

Bedürfnisse der Eltern

In Nairobi wächst die Mittelklasse, sodass die Kluft zwischen Arm und Reich sich ausweitet und die Hoffnungslosigkeit in den niedrigeren Klassen zunimmt. Vor allem der Analphabetismus ist bei den Erwachsenen ein großes Problem, aber auch fehlende berufliche Fertigkeiten. Frauen bleiben meist zuhause, verdienen sich ggfs. mit Gemüseverkauf ein geringes Einkommen.

Um das Kariobangi-Elendsviertel nachhaltig zu verändern und den Kindern auch ein besseres familiäres und soziales Umfeld und daher eine größere Chance auf eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen, hat die Arche Schule schon früh Lese-, Schreib- und Mathekurse für Erwachsene angeboten. Derzeit besuchen etwa 30 Männer und Frauen regelmäßig diesen Unterricht; einige von ihnen haben ein Programm begonnen, um ihre Grundschulbildung nachzuholen und das offizielle Examen dafür zu absolvieren.

Eltern werden auch in Business Skills unterrichtet, sodass sie mehr Jobperspektiven haben und die wirtschaftliche Lage ihrer Familie verbessern können. Dafür wurde u.a. eine Nähschule ins Leben gerufen, in der jeweils 10–12 Frauen für 2–3 Jahre lernen und am Ende ein offiziell anerkanntes Examen ablegen, das ihnen ermöglicht, eine Anstellung zu finden oder ihr eigenes Geschäft zu eröffnen. In der Nähschule wird auch traditionelle afrikanische Stickerei unterrichtet.

Die berufliche Bildung wird einerseits für Jugendliche angeboten, um die Gang-Mentalität zu durchbrechen und ihnen echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Auf der anderen Seite ist Berufsausbildung auch für Eltern da, denn die Arche Schulleitung hofft, dass dadurch in naher Zukunft mehr Eltern die Schulgebühren ihrer Kinder selbst zahlen können. Derzeit steht die Schule bei 33% lokaler Finanzierung, was verglichen mit 10% vor wenigen Jahren eine großartige Leistung ist. Jedoch hat sich die Hoffnung, dass sich durch die steigende Schülerzahl auch die Einnahmen durch Schulgebühren stark erhöhen würde, nicht so erfüllt wie gehofft, da noch viele Eltern unter der Armutsgrenze leben. Hier ist also noch einiges an Handlungsbedarf nötig.

Es wird angestrebt, dass sich die lokale Finanzierung innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 60% erhöht. Das endgültige Ziel ist, dass die Schule finanziell völlig selbsttragend wird. Derzeit sind die höchsten Kostenfaktoren die Miete des Nachbargebäudes, in dem die Vorschule beherbergt ist, die Gehälter der Lehrer, die neuen Schulbücher-Sets, die alle zwei Jahre erforderlich sind, und die Schulmahlzeit, die vom kenianischen Bildungsministerium vorgeschrieben ist.

 

Bedürfnisse der Lehrer

Und schließlich haben auch die Lehrer Bedürfnisse, sowohl um „gute“ als auch physisch und psychisch gesunde Lehrer zu sein. Deshalb werden sie seit einigen Jahren darin unterstützt, sich in verschiedenen Kursen weiterzubilden. Die stellvertretende Schulleiterin absolvierte kürzlich mit einem Grad (vier Jahre) in Education und Counselling an der Nairobi University und kann nun die Arche Schule vor dem Bildungsministerium vertreten.

Da die Schülerzahl stetig am Wachsen ist und dadurch auch die Klassen größer sind (in unteren Klassen teilweise bis zu 30 Kinder, ab der 5. Klasse nur 20–25), wird viel mehr Energie, Vorbereitungszeit und Kreativität von den Lehrern benötigt, sodass sie am Schuljahresende in der Regel sehr erschöpft sind. Um dem ein wenig vorzubeugen, wurde im Frühjahr 2016 ein wöchentliches Treffen während der Mittagspause eingeführt, in dem die Lehrer ermutigt und in ihren Herausforderungen unterstützt werden und Zeit für Austausch besteht.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Dieser Bericht basiert auf Projekt-Updates und Evaluierungsberichten der Arche Schule aus den vergangenen Jahren. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Kinderprogramme in Südasien

Kinderentwicklungsprogramme stehen schon seit vielen Jahren im Zentrum der Arbeit von Helping Hands e.V. Sogenannte „Kinderzentren“ werden in zahlreichen Ländern unterstützt und sind oft auch eine Komponente anderer Entwicklungsprojekte, um diese wirklich nachhaltig zu machen. Dabei hat sich das Konzept der Kinderzentren bzw. Kinderentwicklungsprogramme über die Jahre hinweg stark verändert, da aus Wirkungsbeobachtungen wichtige Schlüsse gezogen und in den nächsten Projekten umgesetzt wurden. Wenn wir heute von „Kinderzentren“ sprechen, meinen wir damit das Konzept der „Child-Focussed Community Development“ (CFCDP), also auf Kinder ausgerichtete Dorfentwicklungsprogramme, ein sehr nachhaltiges, ganzheitliches Konzept, das wirkliche Veränderung schafft. In Südasien wurde zuerst auf dieses Modell umgestiegen, da die Erfahrungen zeigten, dass das „CFCDP“ erheblich erfolgversprechender ist als die Kinderprogramme, mit denen vor 20 Jahren dort begonnen wurde. Die Prinzipien, die in Südasien durch langjährige Wirkungsbeobachtung herausgearbeitet wurden, werden heute auch in Kinderentwicklungsprogrammen in anderen Ländern angewandt; so zum Beispiel in dem unter Mitarbeit von Helping Hands gegründeten Kinderzentrum in Albanien.

Über diese Entwicklung und die langjährigen Erfahrungen in Südasien berichtet unser 1. Vorsitzender Dr. Hermann Gschwandtner:

“Unser heutiges Konzept für Kinderentwicklungsprogramme hat einen langen Weg hinter sich. Die Ergebnisse der ersten Projekte führten dazu, die Programme immer neu zu überdenken und zu verbessern. Zudem hat die Zusammenarbeit in einem internationalen Netzwerk und die Zusammenarbeit bzw. Gespräche mit anderen internationalen und nationalen Partnern zu weiteren Erkenntnissen und Verbesserungen geführt.

Die Arbeit begann mit medizinischer Hilfe für werdende und junge Mütter. Die mangelnde Ausbildung und daraus folgende Armut der Familien führte bei aller medizinischen Hilfe zu teilweise dramatischer Unterernährung. Deshalb wurde ein Programm für Erwachsenenbildung und praktische Ausbildung von Frauen begonnen, da Frauen normalerweise ihre Einnahmen eher für das Wohl der Familie einsetzen. Auf diese Weise war eine Grundlage für erfolgreiche Kinderentwicklungsprogramme gelegt.

Südasien wird oft von natürlichen Katastrophen heimgesucht. Eine internationale Partnerorganisation bot ihre Unterstützung an und ging auch einen zweiten Schritt für langfristige Hilfe gegen die Unterernährung. Zugleich stellte eine Stiftung Geld zur Verfügung, um ein erfolgreiches Programm für „Nutritional Rehabilitation“ vor allem mit Kindern aufzubauen und zu testen. Die Lernerfolge und Ergebnisse all dieser Projekte flossen zusammen, um ein einigermaßen erfolgreiches Konzept für Kinderentwicklungsprogramme aufzubauen. Aufgrund des Gelernten ergaben sich folgende Grundprinzipien:

Bildung: Ohne eine ordentliche Ausbildung haben die Kinder keine Zukunft außer der, von den Hilfen anderer abhängig zu sein (z.B. Staat, internationale Hilfsorganisationen etc.).
Gesundheit: In vielen unterentwickelten Ländern stirbt ein großer Teil der Kinder, ehe sie das fünfte Lebensjahr erreichen. Dies führt nicht nur zu einer extrem hohen Geburtenrate (Kinder sind die „Altersversicherung“ der Eltern), sondern auch zu einer sehr niedrigen Gesamtlebensdauer. Im Übrigen ist der Lernerfolg der Überlebenden sehr niedrig, da sie unterernährt und oft krank sind.
Wirtschaftliches Umfeld: Wer in einem extrem armen Umfeld aufwächst, hat nicht nur Probleme gesund zu sein und einen Lernerfolg zu erzielen, sondern alle wohlgemeinten Schritte sind langfristig zum Misserfolg verdammt. Deshalb muss den Eltern (besonders den Frauen) die Chance eröffnet werden, finanziell besser zu stehen.
Soziales Umfeld: Meist hat die Armut einen sozialen Hintergrund. So werden z.B. in Südasien Millionen in Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnisse gezwungen, die einer Sklavenarbeit gleichen. Daneben gibt es vielfach Kinderheiraten (13-14 Jahre), auch wenn dies staatlich verboten ist. Dieser Teil des Programms hilft den Kindern und ihren Eltern, dies zu erkennen und dagegen gemeinsam anzugehen.
Geistliches/Geistiges Umfeld: Jedes Kinderprogramm besteht in einem staatlichen und kulturellen Kontext, der berücksichtigt werden sollte. Zudem sind oft Abhängigkeiten vorhanden, die überwunden werden müssen, wenn ein Kinderentwicklungsprogramm von bleibendem Erfolg gekrönt sein soll (Bsp. Gedanken wie „abhängig zu sein ist meine Bestimmung“; „wahrscheinlich habe ich mich in einem früheren Leben schlecht benommen und muss deshalb jetzt leiden“ etc.). Anders ausgedrückt, viele Probleme bestehen zunächst im Denken und müssen bei der Gesamtarbeit berücksichtigt werden.

Natürlich können die Grundprinzipien zu verschiedenen Formen von Kinderentwicklungsprogrammen führen. Deshalb muss immer wieder überprüft werden, ob die Grundprinzipien sinnvoll und erfolgreich umgesetzt werden und wo verbessert werden kann bzw. muss. Da in verschiedenen Ländern verschiedene Partner bei der Umsetzung helfen, werden neben den jährlichen Treffen der Leiter aus verschiedenen Ländern regelmäßige Berichte erwartet (jedes Quartal, jährlich). Zudem werden regelmäßig vergleichende Untersuchungen durchgeführt und die leitenden Mitarbeiter auf internationale Schulungen geschickt; mehreren von ihnen wurde ermöglicht, einen Magister für Child Development zu erwerben. All dies trägt dazu bei, dass die Kinderentwicklungsprogramme Schritt für Schritt verbessert wird und den Kindern, Familien und Dorfgemeinschaften besser dienen.

All dies hat einen Zeitraum von 20 Jahren eingenommen. Verglichen mit dem, was vor 15 oder gar 20 Jahren geschah, wird man einen Unterschied wie Tag und Nacht feststellen. Heute sind viele Kinder, Familien und Dorfgemeinschaften verwandelt und sie schauen mit Zuversicht in die Zukunft.

Ein Hinweis zum Schluss: Da sich die politischen, sozialen und schulischen Gegebenheiten von Land zu Land unterscheiden, sind die Kinderentwicklungsprogramme nicht identisch, sondern werden an diese Lage angeglichen, um ihr am besten gerecht zu werden. Finanziell gesehen werden keinesfalls alle Kinder durch Einzel-Sponsoren abgedeckt, sondern es gibt z.B. auch Einzelpersonen, Organisationen, Kirchengemeinden, Jugendgruppen, etc., die ganze Zentren auf einmal unterstützen.”

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Bildungsprogramme im Libanon

Seit über 50 Jahren besteht die „Nazarene Evangelical School“ in Beirut, Libanon. In den vergangenen Jahren wurden die Aktivitäten der Schule allgemein, vor allem auch im Bereich der Bildung von Flüchtlingskindern, sowie einzelne Kinder durch Patenschaften von Helping Hands unterstützt. In einem Gespräch mit der Direktorin wurden folgende Wirkungsbeobachtungen sowie die Umsetzung der aus den Ergebnissen der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse herausgearbeitet.

Kreative Lehrmethoden

Im Gespräch mit Eltern und Kindern wurde festgestellt, dass die Anforderungen an die Kinder zu hoch angesetzt waren. Schon kleine Kinder mussten mit schweren Taschen in die Schule kommen und zusätzlich zu 8 Stunden Schulunterricht noch 4 Stunden Hausaufgaben bewältigen. Gemeinsam mit den Lehrern wurde beraten, wie dies geändert werden könnte. Daraufhin wurden zahlreiche kreative Aktivitäten in den Lehrplan eingebaut. Außerdem wurde festgesetzt, dass Hausaufgaben maximal drei Stunden dauern sollten; die Schulleitung überprüft regelmäßig die Unterrichtspläne der Lehrer und streicht ggfs. Aufgaben, wenn diese ein angemessenes Maß übersteigen.

Nach diesen Maßnahmen wurde festgestellt, dass interessanterweise nach der Reduzierung der Hausaufgaben deutlich mehr Kinder die Fächer erfolgreich abschließen können. Im vergangenen Jahr konnten nur sehr wenige Kinder (nur 1-2%) die Examen nicht bestehen.

Zusätzlich zu den kreativen Lehrmethoden wird seit einiger Zeit auch mehr Betonung auf kritisches Denken und Analyse und weniger auf Auswendiglernen gelegt. Das hat nach Aussage der Lehrer einen erstaunlichen Unterschied gemacht. Die Kinder sind nun fähig zu analysieren, und wenn sie sich an etwas nicht genau erinnern können, ist es ihnen möglich, es in eigenen Worten zu umschreiben. Diese Konzentration auf kritisches Denken schon in der Schule ist außerhalb Deutschlands durchaus nicht üblich.

Lehrerfortbildung

Um das Niveau des Unterrichts noch zu erhöhen und Lehrer zu motivieren und zu unterstützen werden seit Ende des Schuljahrs 2014-2015 regelmäßig zahlreiche Workshops für Lehrer angeboten; Themen sind zum Beispiel verschiedene Lernstile oder „student-centred classrooms“. Das hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, da es die Lehrer stark motiviert und sie viele hilfreiche Tipps und Methoden für den Unterricht erhalten. Diese Änderung entstand maßgeblich unter der Leitung der neuen Ausbildungs-Koordinatorin (education coordinator), die vor zwei Jahren eingestellt wurde und einen Doktortitel in „School Management and Interaction“ hat.

Ebenfalls eingeführt wurde ein sogenanntes „peer coaching“, wo Lehrer gegenseitig ihren Unterricht besuchen und ihren Kollegen Ratschläge und Unterstützung anbieten. Jeden Monat treffen sich alle Lehrer für ca. drei Stunden für eine Evaluierung in Gruppen.

Ganzheitliche Entwicklung

Bereits 2012 wurde eine maßgebliche Änderung im Schulalltag eingeführt, die die Entwicklung der Kinder sehr positiv beeinflusst. Ursprünglich konzentrierte die Schule sich nur auf die akademische Ausbildung der Kinder. Es wurde jedoch festgestellt, dass die Kinder, die oft aus bedürftigen Verhältnissen kommen, viele weitere Bedürfnisse haben, die ihren schulischen Erfolg beeinträchtigen. Nach der Teilnahme an einer Konferenz über holistische Kinderentwicklung in Singapur im September 2012 setzte die Schulleiterin einige der dort gelernten Erkenntnisse um, um diese Herausforderung anzugehen. Dafür wurde eine tiefergehende Evaluierung angesetzt und ein zusätzlicher „Student Supervisor“ eingestellt, der sich besonders um die nicht-akademischen Bedürfnisse der Kinder kümmert.

Das beinhaltet viele unterschiedliche Bereiche. Zum Beispiel kümmert die Schule sich nun auch um die Gesundheit und Hygiene der Kinder. Ein Arzt kommt jede Woche, um medizinische Checkups durchzuführen. Auch werden zahlreiche Workshops für Eltern angeboten, z.B. über Erziehungsmethoden, Hygiene, nahrhaftes Essen u.v.m. Seit dem vergangenen Jahr wurden Cola, Schokolade u.ä. auf dem Schulgelände verboten (stattdessen werden Nüsse, Kekse usw. verkauft); die Lehrer konnten nach der Reduzierung der Zuckeraufnahme einen positiven Unterschied im Verhalten der Kinder erkennen.

Seit diesem Jahr hilft ein ausgebildeter Psychologe bei der Beratung und trifft sich auch mit Eltern; gerade weil derzeit etwa ein Drittel der Schulkinder syrische oder irakische Flüchtlingskinder sind, ist dieser Dienst sehr wichtig und hat schon einen großen Unterschied gemacht. Drei der Lehrer bzw. Leitungspersonen sind darüber hinaus als Schulseelsorger ausgebildet. Die Schulleitung hofft, in naher Zukunft noch einen weiteren Psychologen sowie einen Sprachtherapeuten anzustellen.

Die Eltern sind sehr erfreut über diese Veränderungen. Kürzlich hat sich auch ein Eltern-Komitee gebildet, das sehr aktiv ist und sich vorteilhaft in der Schule einbringt.

 

Nur einige Kilometer von der „NES“ entfernt findet das „STEP“ Bildungsprogramm statt, das im Frühjahr 2014 begann und seitdem wiederholt von Helping Hands finanziell unterstützt wurde. STEP bietet Unterricht an für syrische und irakische Flüchtlingskinder, die nicht in eine „normale“ libanesische Schule gehen können. In einem Gespräch mit dem Leiter des Programms wurden folgende Wirkungsbeobachtungen sowie die Umsetzung der aus den Ergebnissen der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse herausgearbeitet.

Einbindung der Eltern

Es wurde festgestellt, dass Kinder im Unterricht deutlich erfolgreicher sind, wenn die Eltern selbst bei der Bildung ihrer Kinder involviert sind. Daher wurde zum Beispiel eine WhatsApp-Gruppe für jede Klasse eingerichtet, wo gepostet wird, welche Hausaufgaben die Kinder haben, sodass die Eltern sich zuhause darum kümmern können, dass ihr Kind für den nächsten Schultag vorbereitet ist.

Eine gute Kommunikation mit den Eltern wirkt sich auch positiv auf das Verhalten der Kinder und die Disziplin im Unterricht aus. Obwohl die äußeren Gegebenheiten nicht ideal sind, kommen die Kinder sehr gerne zum Unterricht.

Motivation und Expertise der Lehrer

Über einige Zeit hinweg wurde beobachtet, dass die Disziplin im Unterricht ein Problem ist und gelegentlich auch die Motivation und Bildung der Lehrer die Ergebnisse negativ beeinflusst. Seitdem bemüht sich die Leitung einerseits darum, in allen Fächern für dieses Fach ausgebildete Lehrer einzustellen (was nicht immer ganz einfach ist, da das STEP Bildungsprogramm nicht die gleiche Jobsicherheit bieten kann wie eine reguläre Schule). Andererseits wird nun schon im Interviewprozess sehr stark auf die Motivation der Lehrer geachtet und die eingestellten Lehrer regelmäßig motiviert und unterstützt. Zusätzlich wurden den Lehrern viele Ratschläge und Hilfen für die Disziplin im Unterricht gegeben, um diese Situation zu verbessern; dieser Punkt wird zu jedem Schuljahrsende neu evaluiert.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Wirkungsbeobachtung: Gartenprojekt Haiti

Im Januar 2010 zerstörte ein verheerendes Erdbeben große Teile Haitis. Helping Hands unterstützte den örtlichen Partner damals besonders in der längerfristigen Wiederaufbauhilfe. Dazu gehörte ein Gartenprojekt mit mehreren „community gardens“ in der Gegend um Barreau Michel; einer der Ziele des Projektes war es, den Bergbewohnern Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, sodass Migration reduziert werden kann. Das Projekt wurde später noch ausgeweitet und umfasste 290 bedürftige Familien in Barreau Michel und Leogane, denen u.a. durch Schulungen, Verteilung von Werkzeugen und Saatgut Nahrungssicherheit ermöglicht werden sollte; außerdem erhielten einige Familien Ziegen und Hühner für Zucht. Das Projekt beinhaltete auch Umweltmaßnahmen (u.a. Wiederaufforstung) und das Formen einer Kooperative (ähnlich wie Selbsthilfegruppen).

Das Projekt hat der Zielgruppe Hoffnung geschenkt und sie gelehrt, eigene Entscheidungen zu treffen. Neben dem erlernten Wissen wurden auch Beziehungen gestärkt. Der örtliche Partner wird als Entität von transformativer Entwicklung angesehen. In zwei Berichten von 2013 und 2014 berichtete der örtliche Partner über die Wirkungen und Umsetzung der Erkenntnisse.

Bildungsstand der Zielgruppe

Schulungen müssen an den Bildungsstand der Teilnehmer angepasst werden. Zahlreiche Teilnehmer waren Analphabeten. Daher wurden Lehrinhalte teilweise vereinfacht und eine starke praktische Komponente eingebaut. Für manche war es schwierig, die traditionellen Techniken des Pflanzens und Gärtnerns an neue Erkenntnisse anzupassen. Neue Erkenntnisse beinhalteten vor allem auch umweltfreundliche Techniken – Kompostherstellung, weniger Benutzung von Holzkohle, Bau von Stützmauern (u.a. um Erdrutsche zu vermeiden), Erhaltung des Bodens (soil preservation), Sauberhaltung des Trinkwassers bzw. der Wasserstellen (besonders wichtig, da die Choleraepidemie noch nicht völlig eingedämmt war), etc.

Kultur der Zielgruppe

Die Schulungen und Arbeitsweise müssen an die Kultur der Teilnehmer angepasst werden und darin anknüpfen. In Haiti ist es normal, mit Familienmitgliedern und guten Freunden zu teilen. Durch die Schulungen und die Kooperative jedoch wurde eine neue Mentalität vermittelt, in der auch mit den Nachbarn bzw. anderen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft geteilt wird, nach dem Prinzip: Wenn ich eine Ziege erhalte, gebe ich eine Ziege an meinen Nachbarn weiter; wenn ich zwei Dosen Saatgut erhalte, gebe ich zwei Dosen Saatgut an meinen Nachbarn weiter. Die Teilnehmer haben verstanden, dass es dabei nicht nur darum geht, Güter weiterzugeben, sondern besonders auch erlerntes Wissen.

Das Projekt nutzte die bereits kulturell vorgegebene Kultur des Teilens und weitete sie auf die Dorfgemeinschaft aus; dadurch wurde auch Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und zukunftsorientiertes Denken gestärkt, da die Familien nicht nur für sich selbst z.B. gut für ihre Ziegen sorgten, sondern auch, weil sie dem Nächsten eine Ziege weitergeben wollten. In der Zukunft möchte der örtliche Partner die Umsetzung der Projektvorhaben noch besser kontextualisieren, vor allem auch, da viele Mitglieder der Zielgruppe ihre Bedürfnisse selbst gar nicht richtig artikulieren konnten. Auf der anderen Seite konnte das Projekt und die Schulungen auch die Weltanschauung der Teilnehmer erweitern und neue kulturelle Erkenntnisse liefern.

Es wurde auch beobachtet, dass sich durch das Projekt die Rolle der Frau in der Gesellschaft verbesserte und die Mitglieder der Zielgruppe verstanden, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind und die Frau eine wichtige Rolle spielt, sowohl in der Dorfgemeinschaft als auch in der Ehe. In diesem Zusammenhang lernten die Teilnehmer auch, wie sie mit Konflikten besser umgehen können.

Äußere Faktoren

Der örtliche Partner erkannte, dass der Erfolg eines Projektes dieser Art von einigen äußeren Faktoren abhängig ist. Zum Beispiel kamen im Wirbelsturm im Herbst 2012 einige Ziegen um und mussten ersetzt werden. In Leogane wurde das Saatgut zu spät ausgegeben, sodass die Pflanzen nicht genügend Wasser bekamen und die Ernte nicht so gut war. Für viele Familien war auch der Zugang zu Wasserquellen schwierig: In Barreau Michel z.B. müssen einige Familien zwei Stunden laufen, um Wasser zu holen; das beeinträchtigte den Gartenbau und die Ernte war nicht so groß. Darüber hinaus waren mehrere Familien bzw. Dörfer sehr weit draußen und isoliert. Die Familien nahmen trotz einer Stunde Fußmarsch an den Schulungen teil, jedoch konnte man einen deutlichen Unterschied im Denken und im Bildungs- und Gesundheitsstatus der Familien aus isolierten Gebieten erkennen; diese Unterschiede in der Armutsstufe und im Denken bildeten eine Herausforderung für die Schulungsleiter.

Unerwartete Resultate

Zu den unerwarteten Resultaten des Projektes gehörte u.a., dass die Familien in Barreau Michel eine Kooperative gründeten (das war ursprünglich nicht im Projektantrag vorgesehen). Die Kooperative tat sich zusammen und verkaufte Kaffee-Saatgut und kaufte vom Erlös drei Schweine, um sie zu züchten. Außerdem spendeten die Familien 40 Dosen Mais-Saatgut an die Kooperative, die wiederum 35 Dosen an bedürftige Familien weitergab und den Rest im Modellgarten anpflanzte. Weiter war geplant, 80 Dosen Saatgut zu verkaufen, um die nötigen Utensilien für eine Bäckerei zu kaufen. In Leogane wurden zudem in Initiative der Dorfbewohner entschieden, Leitungspersonen aus der Dorfgemeinschaft zu wählen, um die Weitergabe der Ziegen zu koordinieren.

Umsetzung der Erkenntnisse

Als Umsetzung der Wirkungsbeobachtungen wurde u.a. in einer Verlängerung des Projektes geplant, Schulungen in Katastrophenvorsorge anzubieten, die Zielgruppe und Kooperative öfter zu besuchen (ein besseres System fürs Monitoring zu entwickeln), im Modellgarten Bäume anzupflanzen und weitere Ziegen zu kaufen/verteilen (es wurde festgestellt, dass die Konzentration auf wenigere Familien und dafür mehr Ziegen bzw. Hühner pro Familie besser gewesen wäre, damit diese Familien wirklich finanziell unabhängig werden können). Außerdem möchte der örtliche Partner in der Zukunft die Meinungen und Kapazitäten der Zielgruppe noch viel stärker in die Planung mit einbinden.

Einige Kommentare der Zielgruppe:

“Wir leben besser als vorher. Wir wurden geschult, wir haben Ziegen, Saatgut und eine Maismühle. Wir möchten an unsere Nachbarn weitergeben.” (Flerius, Mitglied der Kooperative in Barreau Michel)

“Jetzt kennen wir viele Techniken für Gärten und Saatgut. Ich weiß nun, dass ich als Frau alles tun kann, was ein Mann tut, und mit ihm gleichberechtigt bin.” (Eva aus Leogane)

“Wir haben Ziegen. Es wird eine neue Zielgruppe geben. Wir erwarten, dass alle Familien in unserem Dorf irgendwann Ziegen haben. Die Menschen haben untereinander jetzt bessere Beziehungen. Unsere Gärten sind besser.” (Louise aus Leogane)

“Wir wissen jetzt, wie wir uns am besten um die Umwelt kümmern können. Wir sind als Gruppe stark; und wir lehren in den Familien.” (Jean-Louis aus Leogane)

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Kinderzentren sind nicht nur was für Kinder

Sri Lanka: Viele kennen die Insel im Indischen Ozean nur als Urlaubsparadies mit herrlichen Stränden oder als malerisches Setting eines Kolonialzeitromans über Teeplantagenbesitzer. Andere erinnern sich an den fast dreißig Jahre andauernden Bürgerkrieg, der große Teile des Nordens und Ostens verwüstete und Hunderttausenden das Leben kostete, oder an die verheerende Zerstörung durch den Tsunami an Weihnachten 2004.

Sri Lanka trägt alle diese Gesichter – atemberaubende Landschaften und natürliche Schönheit, Frohsinn und Lebensmut, aber auch tiefe Armut, Ausbeutung, Angst und noch längst nicht verheilte Wunden der Vergangenheit. Besonders in den Teeplantagen und den ehemaligen Bürgerkriegsgebieten ist die Bevölkerung sehr bedürftig und kann sich meist nicht selbst aus den Stricken von Armut und Ausbeutung befreien. Um Armut zu bekämpfen, Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und Menschen eine wirkliche Perspektive für die Zukunft zu geben, hat NCM Lanka, Helping Hands‘ örtlicher Partner, in derzeit 38 Orten Kinderzentren bzw. auf Kinder ausgerichtete Dorfentwicklungsprogramme begonnen, in denen 4253 Kindern eine Zukunft geschenkt wird.

Einige dieser Kinderzentren unterstützt Helping Hands direkt durch Patenschaften oder hat sie in der Vergangenheit durch größere Spenden, teilweise als Anschubfinanzierung, gefördert. Ende 2015 waren das sieben Kinderzentren: Chettikkulam (165 Kinder), Manthuwil (111 Kinder) und Umayal Puram (45 Kinder) in ehemaligen Bürgerkriegsgebieten im Norden; Trincomalee (89 Kinder) und Vandaramulai (100 Kinder) in ehemaligen Bürgerkriegsgebieten im Osten; Dimbulla (349 Kinder) in den Teeplantagen der zentralen Bergregion und Unawatuna (40 Kinder) in einer bedürftigen Gegend im Süden.

Folgend sind einige Auszüge aus Berichten über diese Kinderzentren, die unser örtlicher Partner („NCML“) uns jedes Quartal sendet (die Berichte sind aus dem Englischen übersetzt). Diese Berichte betonen besonders auch eine Tatsache: Kinderzentren sind nicht nur etwas für Kinder: Auch ihre Familien und das ganze Dorf profitieren davon.

 

Über die „liebevolle Atmosphäre“ in den Kinderzentren (Bericht vom Sommer 2015)

Die Examen des zweiten Halbjahrs sind eben vorbei. Als NCML sich über die Fortschritte der Kinder in den Kinderzentren erkundigte, wurde uns berichtet, dass die Kinder sehr gut abgeschnitten haben. Die Lehrer und Schulleiter sind überzeugt, dass diese guten Resultate ausschließlich auf den Nachmittagsunterricht im Kinderzentrum zurückzuführen sind. “Die Lehrer unterrichten gut und auch die tägliche Mahlzeit, die die Kinder in den Kinderzentren bekommen, hat zum Wachstum beigetragen”, sagten sie.

Ein weiterer Grund für diesen Erfolg ist die liebevolle Atmosphäre in den Kinderzentren. Den Lehrern und Helfern wird nahegelegt, immer freundlich, liebevoll und fürsorglich mit den Kindern umzugehen, auch in sehr schwierigen Situationen. Sie sollen die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder in Betracht ziehen.

NCML ist sich bewusst, dass das alles gar nicht so einfach ist. Deshalb bietet NCML auch gelegentlich Programme für die Lehrer und Helfer an. Etwa einmal im Quartal sind alle sogenannten „Caregivers“ eingeladen, ein oder zwei Nächte im Gästehaus des Hauptbüros von NCM Lanka zu verbringen. Dort werden dann auch Programme angeboten, die ihnen helfen, vom Stress und Druck zu entspannen. Das hat sehr positive Ergebnisse erzielt. Die Atmosphäre in den Kinderzentren ist sehr kinderfreundlich und die Kinder genießen ihre Zeit dort sehr; sie schließen neue Freundschaften und kreativere Methoden des Unterrichtens helfen ihnen, sich positiv zu entwickeln.

 

Örtliche Selbstbeteiligung: Schulmahlzeit und Selbsthilfegruppe in Unawatuna (Bericht vom Sommer 2015)

Auf einem winzigen Hügel beim Strand von Unawatuna befindet sich eine kleine Schule. Hier besuchen 40 Kinder die Klassen 1 bis 5. NCML begann vor einem Jahr, die Schule zu unterstützen. In Sri Lanka geschieht es oft, dass eine Schule mit geringer Schülerzahl von der Regierung geschlossen wird und die Kinder andere Schulen im Umkreis besuchen müssen. Das ist nicht einfach für die Kinder, da die anderen Schulen weiter entfernt sind als ihre Dorfschule. Wir hatten gehofft, dass durch unsere eingeleiteten Maßnahmen der Wert der Ausbildung gesteigert wird und so weitere Kinder dazukommen würden und die Schule nicht geschlossen wird. Das ist jetzt etwas über ein Jahr her und die Schule ist weiterhin geöffnet. Es gab bisher keinerlei Warnungen seitens der Regierung bezüglich einer Schließung.

Im Frühjahr waren die Eltern zu zwei wichtigen Informationsabenden eingeladen. Zuerst sprachen wir mit ihnen über die Fortschritte, die ihre Kinder bisher gemacht hatten. In einem zweiten Treffen ging es um die Einführung einer Schulmahlzeit und die Beteiligung der Eltern an diesem Projekt.

Es ist erstaunlich, wie kooperativ die Eltern des Unawatuna Kinderzentrums sind. Über die Einführung einer Schulmahlzeit waren sie begeistert. Wir betonten, dass wir ein hohes Maß an örtlicher Selbstbeteiligung benötigen, um diese Schulmahlzeit langfristig anzubieten. Die Reaktion der Eltern war überwältigend. Sie bildeten umgehend ein Komitee, um dieses Programm zu unterstützen. Sie sammelten Geld und kümmerten sich erst mal um die Speisekammer. Dann richteten sie eine kleine Küche ein, sodass die Mahlzeit direkt in der Schule zubereitet werden kann. Dazu sammelten sie noch Gelder, um die Küchenutensilien zu kaufen. Jetzt hat die Schule in Unawatuna ihre eigene Küche mit genügend Utensilien, um für eine größere Versammlung Essen zuzubereiten.

Zusätzlich wurde ein Terminplan erstellt, bei dem die Mütter abwechselnd an der Reihe sind, um bei der Zubereitung der Schulmahlzeit zu helfen. Bisher haben sich alle Mütter an die Liste gehalten und erscheinen wie geplant, um ihre Pflicht zu erfüllen. NCML spendet die nötigen Nahrungsmittel und die Mahlzeit wird hygienisch in der Schule zubereitet und vor dem Nachmittagsunterricht an die Kinder serviert. Auch dabei helfen die Eltern. Es ist bemerkenswert, wie sehr die Eltern die Ausbildung und Entwicklung ihrer Kinder unterstützen.

Kürzlich wurde auch eine Selbsthilfegruppe begonnen. Die Gruppe ist zwar noch in den Startlöchern, sodass noch keine tiefgreifenden Aktivitäten stattgefunden haben. Aber die Gruppe hat sich bereits ein paar Mal getroffen, ein Komitee gewählt und sich auf die Grundregeln geeinigt. Die jungen Frauen sind sehr erfreut und aufgeregt. Wir planen, gemeinsam mit der örtlichen Abteilung für Landwirtschaft die Frauen in Gartenbau und Gemüsezucht sowie anderen Programmen für den Lebensunterhalt zu schulen, die auch das Einkommen der Familien steigern wird. Wir sind zuversichtlich über den Erfolg dieser Gruppe, da sich schon eine starke Teamfähigkeit und Zusammenhalt herausgebildet hat.

 

Dimbulla Kinderzentrum: Größter Erfolg seit 20 Jahren (Bericht aus unserem E-Newsletter November 2014; freie Übersetzung des Berichts von NCM Lanka im Herbst 2014)

Dimbulla in Sri Lankas Bergregion ist bekannt für den guten Tee, der dort geerntet wird – aber auch für die Armut, Ausbeutung und Perspektivlosigkeit der Familien, die auf den Teeplantagen arbeiten und dort unter bedürftigsten Verhältnissen leben. Im Sommer 2012 besuchte ein paXan-Team diesen Ort und führte dort unter anderem ein Ferienprogramm für die Kinder durch. Als Folge dieses Einsatzes konnte im Herbst 2012 ein Kinderzentrum für die Kinder in Dimbulla eröffnet werden, das seit Januar 2013 in der örtlichen Schule stattfindet, der größten in dieser Gegend. Von den 349 Kindern, die im Kinderzentrum Ergänzungsunterricht und weitere Hilfe erhalten, werden einige durch Patenschaften aus Deutschland unterstützt.

Diese örtliche Schule besteht seit über fünfzig Jahren und bemüht sich, trotz knapper Ressourcen den Kindern aus Dimbulla und umliegenden Dörfern eine ausreichende Ausbildung zu bieten. Aber obwohl die Aussicht aus den Fenstern der Schule – auf malerische Teegärten so weit das Auge reicht – atemberaubend sein mag, die Aussicht der Schüler auf eine bessere Zukunft ohne Armut ist gering. Kein einziges Kind hatte in den letzten zwanzig Jahren das Examen bestanden, das in Sri Lanka landesweit alle Schüler der 5. Klasse absolvieren müssen und das somit einen Messwert für das akademische Niveau der Schule bietet.

In diesem Jahr hat sich das geändert. Von den 20 Fünftklässlern, die diesen Sommer das Examen absolvierten, erreichten 17 eine Punktzahl über 100 – bereits eine großartige Leistung für diese Schule – und drei Schüler bestanden die Prüfung (mit über 157 Pkt.); sie erhalten nun ein Stipendium für eine von ihnen frei wählbare weiterführende Schule und somit eine echte Chance auf eine gute Ausbildung und deutlich bessere Berufschancen.

Das Prüfungsergebnis ist ein riesiger Erfolg für die Lehrer in Dimbulla, die das ganze Jahr über viel Zeit und Energie investiert haben. “Seit das Kinderzentrum hier begonnen hat, konnten wir enorme Fortschritte beobachten”, betonte der Schulleiter in einem Gespräch. “Es hat einen großen Unterschied gemacht, dass die Lehrer jetzt mehr Zeit mit einzelnen Kindern verbringen und wirklich auf ihre Bedürfnisse eingehen können.”

Die Schule ist sehr stolz auf ihre drei Stipendiaten: alles Kinder von Teepflückern, die die Kosten für die notwendige Vorbereitung auf das Examen nie selbst hätten bezahlen können. Dass ihre Kinder eine gute Schulbildung erhalten und sich so aus dem Teufelskreis der Armut befreien können, der die meisten Familien auf den Teeplantagen gefangen hält, das ist der Traum vieler Eltern hier. Dank des Kinderzentrums darf dieser Traum nun für drei Familien Wirklichkeit werden.

 

Besserer Lebensstandard durch Hühnerzucht in Umayal Puram (Bericht vom Winter 2014/2015)

Das Dorf Umayal Puram liegt weit verstreut auf dem schmalen Stück Land, das die nördliche Halbinsel mit Sri Lanka verbindet. Durch diese Lage wurde der Ort vom Bürgerkrieg besonders hart getroffen und von beiden Seiten bekriegt. Viele der Ortsbewohner verbrachten Jahre damit, sich im Dschungel zu verstecken und später in Flüchtlingslagern zu leben. Nachdem die Menschen nach Ende des Bürgerkriegs vor einigen Jahren in ihr Heimatdorf zurückkehrten, war nichts mehr übrig, mit dem sie ihr Leben neu hätten beginnen können – nur ödes Land, trocken und für die Landwirtschaft unbrauchbar. An vielen Orten hat sich das bis heute nicht geändert. Aber in den letzten Jahren hat die Regierung auch viel in die Verbesserung der Infrastruktur investiert; neue Straßen wurden gebaut, die Häuser zumindest an den Hauptstraßen wurden mit Strom versorgt und andere Besserungen sind in Vorbereitung.

Auch NCML hat Projekte begonnen, um den Familien in Umayal Puram beim Neuanfang zu helfen. Im Rahmen des örtlichen NCM Lanka Kinderzentrums wurde, wie in anderen Kinderzentren auch, eine Selbsthilfegruppe gebildet, zu der derzeit 13 Frauen und Witwen des Dorfes gehören. Sie haben sich bisher fünfmal getroffen und wichtige Bedürfnisse ihrer Dorfgemeinschaft diskutiert. Durch die Selbsthilfegruppe hat NCML 28 extrem arme Familien für zusätzliche Unterstützung ausgewählt. Dabei geht es erst einmal darum sicherzustellen, dass die Menschen genügend zu essen haben. Die meisten Haushalte haben weniger als zwei Mahlzeiten pro Tag, und das ist nicht so einfach zu ändern. Als erste Phase im Kampf gegen den Hunger hat NCML in allen Dörfern, in denen es Kinderzentren gibt, ein sogenanntes „Livelihood Program“ geplant, ein Programm zur Sicherstellung des Lebensunterhalts.

Die 28 ausgewählten Familien in Umayal Puram besuchten zwei Schulungen über Hühnerzucht, wo sie unter anderem auch lernten, auf die Gesundheit und Sicherheit der Hühner zu achten, um Verlust zu vermeiden und die Produktivität zu erhöhen. Hühnerzucht ist ein sehr beliebtes Nebeneinkommen in Sri Lanka, da es niedrige Kosten hat und wirtschaftlich sehr effizient ist – die Vögel picken auf den Feldern und vermehren sich schnell. Eine Henne legt dort im Durchschnitt 13–15 Eier und kann in der Regel 9–11 Eier ausbrüten. Manche Hennen brüten zweimal im Jahr oder öfter, sodass ein Paar sich im Jahr auf 22 Hühner erhöhen kann. Wenn die Familie das, was sie nicht verzehrt, auf dem Markt verkauft, kann sie bis zu einem Dollar pro Tag zu ihrem normalen Einkommen dazu verdienen.

Die Familien beteiligten sich selbst an der Vorbereitung des Projekts, unter anderem dadurch, dass jede Familie für den Bau ihres eigenen Hühnerstalls verantwortlich war. Außerdem werden 10% des monatlichen Einkommens an die Selbsthilfegruppe zurückgegeben.

Das Kinderzentrum profitiert auch in dem Sinne von diesem Projekt, dass das erhöhte Einkommen und gesünderes Essen den Kindern helfen wird, im Unterricht besser mitzukommen. Nach einem guten Frühstück am Morgen können sie sich am Unterricht besser beteiligen; auch werden weniger Fehltage erwartet, was zweifellos ihrer akademischen Entwicklung zugutekommt. Dadurch können die Lehrer sich vermehrt auf Kinder mit Lernschwächen konzentrieren. Und natürlich reduziert der bessere Zugang zu nahrhaftem Essen auch die Mangelernährung.

 

„Straßenbau“ in Chettikkulam: Mission Accomplished (Bericht vom Winter 2014/2015)

Da Kinderzentren im Grunde eine besondere Art von Dorfentwicklungsprogramm sind, führt NCML in diesem Zusammenhang sogenannte „Area Development Programs“ durch, die in enger Zusammenarbeit mit den Dorfbewohnern geschehen.

Die Schule in Chettikkulam hatte ein Problem: Ein Stück des Weges direkt hinter der Schule war während der Regenzeit regelmäßig überflutet. Ungefähr 30 Kinder konnten dadurch in der Regenzeit nur zur Schule und zum Kinderzentrum kommen, wenn sie einen langen Umweg in Kauf nahmen – das Ergebnis war, dass viele Kinder einfach gar nicht kamen. Aber das ist natürlich keine Lösung. Die Stadtverwaltung wurde zwar wiederholt um Hilfe gebeten, aber es änderte sich nichts: Die 30 Familien, für die dieser Pfad der einzige direkte Weg in die Stadt ist, hatten eben Pech.

Aufgrund der guten Arbeit, die NCML während der letzten Jahre in dieser Gegend geleistet hat, haben die Dorfbewohner großen Respekt vor ihnen. Sie waren sich sicher: NCML hat immer eine Antwort auf unsere Probleme. Also sprachen sie mit den örtlichen NCML Mitarbeitern und baten um Hilfe.

Die einfachste Lösung für dieses Problem war, das Wasser unter der Straße hindurch zu leiten. Die NCML Mitarbeiter kauften zwei Kanäle, die lang genug waren, um unter dem Weg hindurch zu reichen. Dann forderten sie die Erwachsenen des Dorfes dazu auf, ihnen bei der Installation zu helfen. Ungefähr 20 Männer kamen, um ihr Dorf in dieser Sache zu unterstützen. Nach einem Tag harter Arbeit waren die beiden Kanäle gelegt und mit Zement und Erde bedeckt.

Im Dezember begann der Regen. Normalerweise hätten die Menschen sich schon längst andere Wege gesucht. Aber dieses Jahr hat der Regen keinen negativen Einfluss auf die Familien, die diese Straße benutzen. Das Wasser sammelt sich nicht auf dem Weg. Es fließt durch den Kanal und die Menschen und Fahrzeuge können ohne Behinderung zur Stadt und wieder zurück kommen. Auch die Kinder kommen jetzt weiterhin regelmäßig zur Schule. Und ihre Eltern brauchen sich keine Sorge mehr machen, dass die kleinsten Kinder in der früher überfluteten Straße ertrinken könnten.

 

Hände waschen – gar nicht so einfach! (Bericht vom Frühjahr 2016; freie Übersetzung)

Während der letzten Jahre hat NCM Lanka immer wieder versucht, den Kindern in Kinderzentren beizubringen, dass man sich ordentlich die Hände waschen muss, bevor man isst und nachdem man auf Toilette war, um Krankheiten zu vermeiden und Bakterien nicht zu verbreiten. Die Kinder haben zwar schnell verstanden, warum das wichtig ist und wie man sich die Hände so wäscht, dass sie auch wirklich sauber sind – trotzdem setzten nur wenige Kinder dies wirklich in die Tat um. Der Hauptgrund dafür war die Zugänglichkeit zu Wasser. In städtischen Gebieten, wo die Schulen besser ausgestattet sind, ist das zwar kein Problem. Aber in den Dorfschulen, in denen NCMLs Kinderzentren stattfinden, bekommt man Wasser in der Regel nur aus einem offenen Brunnen, der 60–70 Meter entfernt ist von den Toiletten und Klassenzimmer. Die Kinder müssen sich das Wasser in einem Plastikbehälter oder Eimer holen, und damit ist es nicht einfach, die Hände ordentlich zu waschen, jedenfalls nicht beide Hände mit Seife.

Um dieses Problem zu lösen, setzte NCM Lanka sich erst einmal ein Ziel: dass bis zum Jahresende in 60% der Fälle die Kinder ihre Hände richtig waschen und bessere Hygiene haben. Zuerst einmal redeten die Mitarbeiter mit den Kindern darüber und erklärten ihnen noch einmal, wie wichtig diese Hygiene ist, und sprachen auch mit den Lehrern und Schulleitern darüber.

NCM Lanka bemüht sich in allen Aspekten der Kinderzentren darum, dass Aktivitäten kindergerecht sind und auch Lerninhalte so gestaltet werden, dass sie für Kinder am besten zu verinnerlichen sind. „Bildung durch Spiele“ ist ein gutes Beispiel dafür. Die Kinder gehen unter anderem auch deshalb gerne zum Kinderzentrum, weil sie dort viel Spaß haben.

In diesem Sinne also machten die Mitarbeiter von NCML sich Gedanken, wie sie Händewaschen zu einer interessanten Aktivität für die Kinder machen könnten, die sich dann irgendwann zu einer Gewohnheit entwickelt. Sie hatten schon beobachtet, dass Wasserspiele für die Kinder immer sehr attraktiv sind. Es ging also darum, ein Programm zu entwickeln, dass sowohl für die Kinder interessant ist, als auch die grundlegenden Ziele erreicht.

Da es kein sauberes fließendes Wasser auf den Schulhöfen gibt, führte NCM Lanka nahe der Toiletten und im Bereich der Klassenzimmer sogenannte „Tippy Taps“ ein. Dabei wird Wasser in einen größeren Behälter gefüllt, der durch einen mit dem Fuß betätigten Hebel gekippt wird, sodass die Kinder beide Hände frei haben, um sich ordentlich mit Seife die Hände zu waschen. Die Tippy Taps machen den Kindern Spaß und NCM Lanka hofft, dass sie so ermutigt werden, die Hände nach der Toilette und vor dem Essen ordentlich zu waschen.

Wie erwähnt hatte NCML schon vorher versucht, den Kindern richtiges Händewaschen beizubringen, aber ohne vollen Erfolg. Da die Tippy Taps in den Schulen, in denen sie bereits installiert wurden, bisher gut genutzt werden, plant NCML, bis Ende Mai in allen Schulen Tippy Taps zu installieren, sodass das Ziel von 60% Erfolg beim Händewaschen bis Dezember erreicht werden kann.

 

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