Der entscheidende Schritt

STEP-Bildungsprogramm im Libanon verändert Kinderleben nachhaltig

„Diese Kinder, sie kommen alle aus zerrütteten Familien. Sie haben kein Geld, sie haben nichts. Einige sind Waisenkinder; fast alle Familien sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Die Hälfte kam erst kürzlich aus Syrien. Diese Kinder sind enorm traumatisiert; die meisten mussten mit ansehen, wie Menschen vor ihren Augen getötet wurden.

Und wenn sie dann hier angekommen sind … keiner weiß so recht, wie sie überleben. Das Familieneinkommen reicht meist kaum für die Miete; deshalb wohnen oft zwei oder drei Familien gemeinsam in einer Wohnung. Kleidung können sie sich nicht wirklich leisten; viele Kinder haben keine Winterjacke, nicht einmal Socken!“

Vor über zehn Jahren wurde das „STEP“ Bildungsprogramm für syrische Kinder im Libanon gegründet, die aus verschiedenen Gründen – meist fehlenden Papieren – keine staatliche Schule besuchen können. Seit 2019 wird es als Nachmittagsprogramm an der NES-Schule in Beirut angeboten; acht zertifizierte Lehrer unterrichten Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse in den Fächern Arabisch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Sport und Religion nach offiziellem Lehrplan. Derzeit besuchen 168 Kinder das Programm – und zahlreiche weitere stehen auf der Warteliste.

„Für mich ist das STEP Programm wie eine Mission“, erklärt Jerome, STEP-Koordinator. „Ich sehe diese Kinder, die nichts haben, die keine Perspektive haben – aber wir sehen auch die Veränderung in ihrem Leben, sozial, emotional, akademisch. Das Umfeld der Kinder außerhalb der Schule ist hart. Manche sind Waisen, viele müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Wir haben gelernt, sie ganzheitlich zu fördern – und ihre zweite Familie zu sein!“

Das ist die Realität vieler Kinder im STEP-Programm: den ganzen Vormittag arbeiten, um Geld zu verdienen, beim Frisör, im Straßencafé, in Gemüseläden … und dann am Nachmittag von 15 Uhr bis 18.30 Uhr Schulunterricht, danach noch Hausaufgaben oder mehr Arbeit. Ein Fünftklässler schuftet von 6 Uhr morgens bis 14.30 Uhr in einem Gemüseladen und verrichtet dort die ganze harte Arbeit: für einen Dollar pro Tag. Seine gesamte Familie – mindestens fünf Personen – ist von seinem Gehalt abhängig. Von der Arbeit aus kommt er direkt in die Schule.

„Dieser Junge ist ein Mathegenie, der Klassenbeste“, berichtet Sophia, Educational Coordinator für STEP. „Und es ist meine Entscheidung, wie ich reagiere: Ich kann mit ihm schimpfen, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, oder ich kann anerkennen, dass er den ganzen Tag hart gearbeitet hat und ihm zehn Minuten Zeit geben, um seine Aufgaben zu machen. Auf diese Art hat er sich in allen Fächern enorm verbessert!“

Jedem einzelnen Kind eine gerechte Chance zu ermöglichen und einen sicheren Zufluchtsort zu schenken – das ist die Mission des STEP-Teams. Dazu gehört auch die Förderung individueller Talente: wie der Junge, der seinem Vater den ganzen Tag in einem Straßencafé hilft und nebenher Zeichnungen macht, die er dann in der Schule verkauft; im vergangenen Dezember arrangierte die Schule eine Ausstellung für ihn, um sein kleines „Gewerbe“ zu unterstützen.

Aber dazu gehört ebenso, den Kindern ein wenig Licht in ihrem Alltag zu schenken. „Diese Kinder haben nichts – sie wissen nicht mal, was es bedeutet, Spaß zu haben. STEP ist alles, was sie haben! Deshalb versuchen wir auch ein paar besondere Aktivitäten für sie anzubieten – zum Beispiel kreative Projekte im Unterricht, ein Fußballturnier, etwas Besonderes an Feiertagen, kleine Geschenke zu Weihnachten. Einmal hatten wir eine Hüpfburg, die Kinder konnten es kaum fassen, sie spielten und spielten … das wird ihnen für immer in Erinnerung bleiben. Ihr Alltag ist ansonsten so traurig!“

Seit Frühjahr 2025 kann im Rahmen des neuen NES-Therapieprogramms auch für STEP-Schüler psychologische Beratung und personalisierte Traumatherapie angeboten werden. Denn bei diesen Kindern ist der Bedarf besonders groß. Sarah, die Schultherapeutin, kümmert sich intensiv um die Kinder und freut sich über jeden großen oder kleinen Erfolg. Auch mit dem Jungen, der im Gemüseladen arbeitet, hat sie viel Zeit verbracht. „Anfangs konnte er niemandem so wirklich in die Augen schauen, er saß immer mit hängendem Kopf da … aber jetzt hat sich seine Perspektive völlig verändert, er lässt sich nicht mehr zum Opfer machen, es geht ihm wirklich viel besser!“

Aber das STEP-Team möchte nicht nur für die Gegenwart der Kinder ein Hoffnungslicht sein, sondern auch für ihre Zukunft eine echte Perspektive schenken. Dafür kann, nach jahrelanger Vorarbeit, in diesem Jahr ein entscheidender Schritt gemacht werden. Zum ersten Mal wird eine 6. Klasse angeboten – und zum ersten Mal können diese Sechstklässler am Ende des Schuljahrs auf eine Berufsschule wechseln. Dort können sie aus verschiedenen Ausbildungszweigen wählen und einen Beruf erlernen, mit dem sie dann ein adäquates Einkommen verdienen.

„Ich finde es einfach großartig, was jetzt möglich ist“, betont Sophia. „Bisher hatten diese Kinder keine Zukunft, viele endeten auf der Straße, haben unter den Brücken Taschentücher verkauft … und diese Kinder haben so viel Potential! Doch jetzt können sie lernen, was sie möchten: Ingenieur, Modedesigner, Buchhalter, egal was! Sie erhalten ein Zertifikat und können einen guten Job finden. Hier bei STEP bekommen sie die Grundlagen, die sie benötigen, und später haben sie einen richtigen Beruf – das verändert ihr Leben nachhaltig, es ist einfach toll!“

Auch Marlene, Schulleiterin der NES, ist begeistert über diese neue Entwicklung: „Das ist das Wichtigste: dass sie ihre Ausbildung weiterführen können. Vor allem für die Mädchen – viele Eltern wollen sie einfach nur verheiraten. Wir arbeiten intensiv durch Schulungen und Einzelberatung daran, dass Eltern verstehen, wie wichtig Bildung für ihre Töchter ist.“

Der erste entscheidende Schritt in eine Zukunft, die den Teufelskreis von Armut und Perspektivlosigkeit durchbricht: Das ist das „STEP“-Programm der NES im Libanon. Und dafür setzt sich das STEP-Team mit viel Energie und Hingabe ein, denn „wenn wir ihr Potential sehen, dann können wir richtig in sie investieren, dann kann sich ihr Leben um 100% verändern!“, bekräftigt Bildungskoordinatorin Sophia. „Es ist ja meine Entscheidung, wie ich die Kinder behandle – und ich bin so froh, dass ich mich entscheiden darf, einen wirklichen Unterschied in ihrem Leben zu machen!“

 

Helping Hands e.V. hat das STEP-Programm seit seiner Gründung 2014 umfassend gefördert; momentan vor allem durch Patenschaften und Schulpäckchen. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass noch mehr Kinder aus Flüchtlingsfamilien im Libanon den entscheidenden Schritt in eine bessere Zukunft machen können, dann spenden Sie bitte mit dem Vermerk „STEP Libanon“ (zur Online-Spende).

Kein Alltag voller Angst

Therapieprogramm an NES-Schule in Beirut bewirkt bemerkenswerte Veränderungen

Es ist bereits bitterer Alltag geworden in Beirut: das stetige Summen der Überwachungsdrohnen des Nachbarstaates, Explosionen in West-Beirut, Nachrichten über Angriffe und Gegenangriffe im Süden. Auch in dem Stadtteil, in dem sich die NES-Schule befindet, sind diese Geräusche des Krieges deutlich zu hören – für viele der Kinder und Familien eine tagtägliche Erinnerung an das Trauma, das sie durchlebt haben.

Da sind zum Beispiel die Kinder, die mit ihren Familien in West-Beirut lebten, als es regelmäßig bombardiert wurde. Ihre Häuser sind zerstört und die Familien haben sich eine Bleibe in der Nähe der Schule gesucht. Trotzdem können die Kinder nachts oft nicht schlafen; die Erinnerung an das Erlebte sitzt zu tief.

Und dann sind da Kinder wie die Zwillingsbrüder Damien* und Eric*, die, wie viele andere, mit ihren Familien aus dem Süden fliehen mussten und früh im letzten Schuljahr plötzlich vor der Tür der NES-Schule standen. Die Zweitklässler – voller Angst und Trauma der Bombenangriffe und erlebten Konflikte – waren sichtlich erleichtert, dass sie endlich in einer sicheren Umgebung waren.

Auch die Eltern leiden – und mit ihnen wiederum ihre Kinder. Etwa die Hälfte der Schüler in der NES und im STEP-Nachmittagsprogramm stammt aus syrischen Flüchtlingsfamilien. Zwar wurden viele der Kinder erst in Beirut geboren. Doch ihre Eltern haben das Trauma aus Syrien mitgebracht, und durch die aktuellen Ereignisse wird es immer wieder neu aufgewühlt. Eine Mutter brach in einer Gruppentherapie in Tränen aus und beschrieb ihre Reaktion beim größten Angriff vor einem Jahr, der in Beirut zu spüren war wie ein Erdbeben: „Ich saß auf dem Boden und weinte, denn plötzlich war ich wieder das junge Mädchen in Syrien, voller Angst vor den Bombenangriffen … mein kleines Kind kam zu mir und musste mich trösten, so eine schlechte Mutter bin ich!“

Um diesen Kindern und ihren Familien emotionale Heilung und eine angstfreie Zukunft zu ermöglichen – ihnen, und den vielen anderen, die extreme Wirtschaftskrise, Pandemie, Hafenexplosion und Erdbeben durchlebt haben – hat die NES-Schule im Frühjahr das Therapieprogramm begonnen, das wir als unser Jahresprojekt 2025 fördern. Schulungen und Gruppenangebote für Kinder, Eltern und Lehrer werden ergänzt durch Einzelgespräche mit Sarah, der Schulpsychologin; auch die syrische Mutter kam zwei Monate lang jeden Tag zu ihr und sie sprachen intensiv darüber, wir ihr Trauma ihren Alltag bestimmte.

Und schon nach kurzer Zeit hat das Programm einen großen Unterschied gemacht. Kinder und Eltern haben gelernt, ihre Gefühle bewusst einzugestehen und in Worte zu fassen, ihre Bedürfnisse klar zu benennen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und aktiv ihre emotionale Gesundheit zu fördern. Lehrer und Eltern haben zusätzlich gelernt, mit ihren Gefühlen und Erfahrungen so umzugehen, dass die Kinder davon ermutigt, nicht verängstigt werden. Die junge Mutter aus Syrien weiß nun, dass es völlig in Ordnung ist, solche Emotionen zu haben, dass sie darüber auch mit ihren Kindern sprechen darf, und deshalb keine schlechte Mutter ist!

Auch die Zwillingsbrüder Damien und Eric haben von der heilenden Atmosphäre und dem Therapieprogramm profitiert: „Von dem Moment an, als sie die Schule betraten, begann der Heilungsprozess. Sie gewöhnten sich schnell an die neue Umgebung, konnten wieder strukturiert lernen, wurden emotional, sozial und geistlich gefördert … Die Veränderung war bemerkenswert. Die Zwillinge holten nicht nur ihren Rückstand auf, sondern übertrafen sogar ihre Mitschüler. Die NES-Schule brachte ihnen den nötigen Frieden und die Heilung, um ihre Liebe zum Lernen – und zum Leben selbst – wieder zu entfachen.“

Nach einer erfolgreichen Pilotphase im Frühjahr hat die NES das Therapieprogramm fürs neue Schuljahr Ende September in geringerem Umfang gestartet. Noch fehlen die Mittel, das Programm fürs ganze Schuljahr bzw. in vollem Umfang umzusetzen. Die Kinder, Familien und Personal der NES-Schule in Beirut sind für jede Unterstützung dankbar! Bitte überweisen Sie mit Vermerk „NES Therapie“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

* Namen geändert. Das Foto zeigt eine gestellte Situation mit der Therapeutin.

„Wer wird uns helfen?“

Verheerende Monsun-Regenfälle in Nepal bedrohen die Existenz unserer Kinderzentren-Familien

„Ich hatte einen Traum, dass diese Kardamom-Farm das Leben meiner Familie verändern würde. Dass ich meinen Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen kann. Aber mein Traum ist mit dem Monsunregen und Erdrutsch hinweggefegt worden. Jetzt habe ich große Sorge, dass wir sogar unsere Heimat verlassen müssen.“ (Vater von Pavitra*, Schülerin im Ghalegaun Kinderzentrum)

Während die deutschen Medien größtenteils von gestrandeten Touristen auf dem Mt. Everest berichteten, ereilte Tausende von Familien im Osten Nepals ein viel dramatischeres Schicksal. Unglaublich heftige Regenfälle – mehr als doppelt so viel Wasser wie bei „extrem stark“ eingestuften Regenfällen – lösten verheerende Erdrutsche aus. Im Bezirk Ilam kamen dabei Dutzende von Menschen ums Leben, auch im angrenzenden Bezirk Pachthar gab es zahlreiche Todesfälle. Viele verloren fast alles, was sie besitzen. Die Infrastruktur ist weitestgehend zerstört und die Bezirke dadurch vom Rest des Landes abgeschnitten; viele Ernten sind vollständig vernichtet, inmitten der Haupt-Erntesaison ein herber Verlust.

Unser integratives Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun liegt mitten im am stärksten betroffenen Gebiet.

Und dabei hatte sich dort schon so viel positiv verändert in den letzten Jahren! Kinder haben durch das Kinderzentrum eine echte Chance auf gute Bildung. Familien haben sich kleine Gewerbe aufgebaut, Gärten und Felder angelegt, ihre Viehzucht optimiert und so nach und nach ihr Einkommen so sehr verbessert, dass sie greifbare Hoffnung für die Zukunft gefasst haben.

In einer einzigen Nacht wurden Träume zerstört und Hoffnung zunichte gemacht.

Es war der 4. Oktober, und das Dorf Ghalegaun feierte Dashain, ein zweiwöchiges Fest, das wichtigste im nepalesischen Jahr. Viele Felder waren reif für die Ernte; nach dem Fest sollte die Arbeit losgehen. Doch mitten in der Nacht kam das Unwetter.

„Um Mitternacht waren die Regenfälle so schrecklich, ich konnte mein Land nicht retten“, berichtet Pavitras Vater. „Wir hatten auch Angst, dass unser Zuhause mit weggerissen wird. Im Dunkeln, im Regen sind wir aus dem Haus gerannt, um uns zu retten. Wenn es weiter so regnet, dann wird noch alles den Hügel hinabgerissen.

Ich hatte einen Kredit von der Bank aufgenommen, um diese Kardamom-Farm anzupflanzen. Sie war reif für die Ernte, nach Dashain wollten wir beginnen; mit dem Erlös wollte ich auch den Kredit abbezahlen. Aber der Regen hat die ganze Farm in den Fluss gespült. Hunderttausend Rupien sind jetzt verloren. Ich hatte noch so viele Pläne – ich wollte mehr anpflanzen, Ställe für eine Kuh und Ziegen bauen, ich wollte meiner Familie ein Zuhause bauen, weil wir noch bei Verwandten wohnen. Jetzt habe ich Angst, dass die Bank kommt und ihr Geld fordert, und mir mein Land nimmt, und ich mit meiner Familie meine Heimat verlassen muss.“

Glücklicherweise gab es in den Dörfern Ghalegaun und Ithung keine Todesfälle. Aber Pavitras Familie ist nicht die einzige in unserem integrativen Kinderzentrum, die große Verluste erlitten hat. Das Haus einer Familie ist komplett zerstört, sie sind bei Verwandten untergekommen. Drei weitere Häuser sind stark beschädigt, aber die Familien wohnen trotz der Gefahr weiter darin, weil sie keine andere Option haben. Mehrere Familien haben ihre Ställe verloren, und fast alle Familien haben ihre Ernte und Teile ihrer Grundstücke verloren. In Ithung ist außerdem das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet, potentiell einsturzgefährdet, falls die starken Regenfälle andauern. Darüber hinaus ist sicheres Trinkwasser ein großes Problem, weil alle Leitungen beschädigt sind – ein enormes Gesundheitsrisiko, vor allem für die Kinder.

Nun stehen die Familien vor großen Herausforderungen. Ranjana, deren Haus zerstört wurde, fasst ihre Sorge in Worte:

„Ich habe kein Haus, keine Betten und keine Decken. Der Winter steht vor der Tür, wie soll ich meine Kinder vor der Kälte schützen? Meine Kinder haben ihre Schuluniformen, Bücher und anderes Material verloren, wie sollen sie nun zur Schule gehen? Ich habe meine Lebensmittelvorräte verloren, wie sollen wir überleben? Bis jetzt hat uns noch keiner von der Regierung besucht, wer wird uns helfen? Ich habe wegen der medizinischen Behandlung meines Kindes vor einigen Monaten einen Kredit aufgenommen. Ich hatte vor, die Raten nach Dashain zu bezahlen, aber nun kommen noch mehr Probleme hinzu.“

Die Familien in Ghalegaun leiden unter enormer emotionaler und finanzieller Belastung. Die positiven Entwicklungen der letzten Jahre durch das integrative Kinderzentrum hatten ihnen viel Hoffnung gegeben, dass sie ihren Kindern tatsächlich eine gute Zukunft ermöglichen können. Aber jetzt wagen viele nicht mehr, an diesen Traum zu glauben.

Wir möchten unsere Familien in Ghalegaun in dieser Lage nicht allein lassen!

Vier Jahre haben wir mit den Kindern und Familien in Ithung und Ghalegaun Seite an Seite an ihrer Zukunft mitgewirkt. Und diese Zukunft ist weiterhin greifbar! Wir möchten vor allem die Haushalte, die ihre Ernte, Felder oder Ställe verloren haben, beim Neuanfang unterstützen. Dafür brauchen wir Ihre helfenden Hände!

Wenn Sie gemeinsam mit uns weiter in eine hoffnungsvolle Zukunft für die Kinder und Familien in Ithung und Ghalegaun investieren möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Nepal Katastrophenhilfe“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende). Alternativ können Sie auch eine Patenschaft für ein Kind in diesem Kinderzentrum übernehmen (im Online-Patenschaftsformular „Nepal Kinderzentren“ wählen).

Eine Geschichte mit Happy End?

Lunathi, Leiter des Bonani-Kinderzentrums in Südafrika, erzählt

„Als meine Oma starb, da dachte ich: Mein Leben ist zu Ende. Sonst hatte ich ja niemand! Ich war mir sicher: Jetzt hab ich keine Zukunft mehr.“

Elf Jahre alt war Lunathi damals – elf Jahre Kummer, Scham, und Einsamkeit. Die Mutter war kurz nach seiner Geburt verschwunden, der Vater schon immer stark alkoholabhängig – und das ganze Dorf wusste von ihrer Schande. In dem kleinen Kalinyanga nahe Engcobo im Ostkap Südafrikas waren die Chancen für Kinder aus ärmeren Haushalten ohnehin sehr gering. Für einen Jungen ohne Familie war von vornherein klar: Ich kann ja doch nichts aus meinem Leben machen.

Zwar kümmerte die Großmutter sich um den verlassenen Enkel, aber da waren auch noch die zahlreichen Cousins und Cousinen, Onkels und Tanten, die ihre Aufmerksamkeit forderten und dem kleinen Neffen nicht gerade ein Gefühl der Geborgenheit vermittelten.

„Ich wuchs in einem sehr gefährdeten Umfeld auf“, erinnert sich Lunathi. „Ich fühlte mich nie sicher – denn ich hatte ja keine Eltern, die einen Ort der Sicherheit für mich schaffen, die mir das Gefühl geben, geliebt zu sein.

Als meine Oma dann auch noch starb, da wusste ich nicht mehr weiter. Wozu sollte ich überhaupt weiterleben? Ich wurde stark depressiv; ich hatte keine Perspektive mehr.“

Für ein paar Jahre nahmen verschiedene Dorffamilien den heimatlosen Jungen bei sich auf, doch nirgendwo fühlte er sich so recht daheim. Bis Mama Ayanda, eine leitende Person im Dorf, dem inzwischen Vierzehnjährigen ein Obdach bot.

Das war für Lunathi die entscheidende Wendung. Denn Mama Ayanda – mit ihrer liebevollen, fürsorglichen Art, mit ihrem unerschütterlichen Glauben an das Potential vor allem auch in den Personen, die die Gesellschaft schon abgeschrieben hat – Mama Ayanda gab dem einsamen Teenager nicht nur eine Bleibe, sondern war ihm eine Mutter und schenkte ihm eine echte Heimat.

„Ich bin so dankbar für alle, die mir eine Zuflucht gaben, die mir einen sicheren Ort schenkten. Ich habe wieder gelernt zu träumen, ich konnte wieder eine Zukunft sehn.“

Allen ursprünglichen Erwartungen zum Trotz schaffte Lunathi den Absprung. Er beendete seine Ausbildung, fand Freunde, die ihm in Kapstadt einen Neustart ermöglichten, engagierte sich dort viele Jahre in einem karitativen Werk, besuchte Weiterbildungen für den Umgang mit Kindern aus gefährdetem Umfeld, baute sich ein neues Leben in der Großstadt auf.

Eine Geschichte mit Happy End?

Ja – aber ein Happy End, das nicht nur der Hauptfigur eine glückliche Zukunft verspricht!

Denn nach einigen erfolgreichen Jahren in Kapstadt entschloss Lunathi sich, in sein Heimatdorf zurückzukehren.

„Ich wusste: Da sind so viele Kinder in meinem Dorf, denen es genauso geht wie mir damals, die aufwachsen ohne Sicherheit, ohne Menschen, die sie liebhaben, und denen oft das Nötigste fehlt. Ich wollte, dass sie die gleiche Chance bekommen, die ich erhalten habe. Ich wollte, dass wir für diese Kinder einen Ort schaffen, wo sie sicher sind.“

Für die Kinder in Kalinyanga hat sich seit Lunathis Kindheit nichts gebessert. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, viele der ärmeren Familien leben größtenteils von der mageren staatlichen Rente der Großeltern – oft mehr als zehn oder fünfzehn Personen pro Haushalt. Zahlreiche junge Mädchen sehen ihre Zukunftschance darin, schnell ein paar Kinder in die Welt zu setzen, um dann vom ebenfalls nicht üppigen staatlichen Kindergeld ihre eigenen Wünsche nach Konsumgütern und Entertainment zu befriedigen – für die Grundbedürfnisse der Kinder bleibt kaum etwas übrig. Hunderte von Kindern wachsen auf mit der Überzeugung, dass sie nicht gewollt und nicht geliebt sind. Bei ungenügender Ernährung, mangelhafter Hygiene und fehlenden Ressourcen für den Schulbesuch ist ihre Chance auf eine gesunde Entwicklung gleich Null.

Um das zu ändern, dafür kehrte Lunathi nach Kalinyanga zurück. Gemeinsam mit Mama Ayanda gründete er das „Bonani“ Kinderzentrum. Was als Suppenküche für mangelernährte Kinder begann, wurde bald auf ein Bildungsprogramm ausgeweitet.

„Die Kinder kommen nach der Schule zu uns und bekommen erst mal eine nahrhafte warme Mahlzeit. Dann machen sie ihre Hausaufgaben und wir helfen ihnen dabei. Wir haben auch andere Programme, die ihre Gaben und Fertigkeiten fördern – zum Beispiel Tanz und Musik. Und vor allem ist Bonani einfach ein Ort, wo die Kinder hinkommen können und spielen und sich sicher und geborgen fühlen dürfen.

Unsere Vision ist dieser sichere Ort für die Kinder, wo wir sie auch in ihrer Bildung und gesundem Wachstum fördern können; ein Ort, an dem sie geliebt sind und wo sie selbstbewusst auf ihre Zukunft blicken können, auf ihre Träume – darin möchten wir sie unterstützen.

Unser Ziel ist aber auch, die ganze Dorfgemeinschaft positiv zu entwickeln, sodass die Eltern selbst gut für ihre Kinder sorgen können. Wir möchten die Familien stärken, ihr Bewusstsein für Themen wie angemessene Ernährung öffnen, wir möchten für Eltern Einkommensmöglichkeiten schaffen. Im Endeffekt sollen die Kinder sich überall sicher fühlen können – bei uns im Bonani-Zentrum, aber auch daheim bei ihren Familien.“

Eine Geschichte mit „Happy End“ für die Kinder in Kalinyanga?

Ja, denn an diesen vielen kleinen Erfolgsgeschichten von jungen Menschen, die geliebt und wertgeschätzt aufwachsen und eine greifbare Chance für die Zukunft haben – daran arbeiten Lunathi und Mama Ayanda mit ihrem kleinen Team von Mitarbeitern und mit einer Liebe und Hingabe, die zum Mitmachen begeistert.

Seit letztem Jahr dürfen wir sie als Helping Hands Team darin unterstützen. Beim paXan-Einsatz 2025 konnten zwei unserer Mitarbeiter sich vor Ort vom Bonani-Projekt überzeugen und die Kinder in Kalinyanga persönlich kennenlernen. Und jedes einzelne dieser Kinder hat eine Zukunft!

Damit diese Zukunft wirklich greifbar wird, suchen wir noch dringend Patenschaften für Kinder im Bonani-Kinderzentrum. Wenn Sie ein Teil dieser „Geschichte mit Happy End“ sein möchten, dann wählen Sie im Online-Patenschaftsformular bitte die Option „Südafrika: Bonani Kinderzentrum“ oder überweisen mit dem Verwendungszweck „Bonani Kinderzentrum“. Weitere Infos (auch Online-Spende) zum Projekt finden Sie auf dieser Seite.

Eine Aula für die Ashrafieh-Schule in Amman

Schule in Jordanien ist dankbar für neuen Raum zur Charakterförderung

„Wir möchten eine Schule sein, die eine verantwortungsbewusste Generation ausbildet – Kinder bzw. Erwachsene, die Verantwortung übernehmen für sich selbst, aber auch für ihr Umfeld. Eine Generation, die das Gelernte weitergibt an andere, und die den Herausforderungen des Lebens gewachsen ist. Wir möchten ein gutes Lernumfeld schaffen für die Kinder, wir möchten Charakter stärken, wir möchten wie eine Familie sein, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen und das Leben miteinander teilen.“ (Rektorin)

Die Schule in Amman, Jordanien, befindet sich in Ashrafieh, einem der sozialschwächsten Gebiete der Stadt. Vor 70 Jahren wurde die Schule für armenische Flüchtlinge gegründet; heute lernen dort syrische, irakische, ägyptische und jemenitische Kinder gemeinsam mit jordanischen Schülern. Das ist in Jordanien nicht selbstverständlich, da in staatlichen Schulen Flüchtlings- bzw. Migrantenkinder stark abgegrenzt werden und nicht mit einheimischen Kindern lernen dürfen. Doch in der Schule in Ashrafieh lernen diese Kinder gemeinsam wie in einer Familie.

„Rashidi* war früher an einer öffentlichen Schule. Dort hat er sehr gelitten und ist ständig gemobbt worden. Als er zu uns kam, war ihm zuerst gar nicht bewusst, dass er jetzt an einem sicheren Ort ist. Unsere Lehrer kümmerten sich sehr um ihn und ermutigten ihn, sodass er im Unterricht gut aufholte und auch erkennen konnte: Hier bin ich zuhause, hier bin ich angenommen. Das hat sein Verhalten sehr positiv verändert.“

Selbst muslimische Familien senden ihre Kinder am liebsten hierher, weil sie in dieser Schule ein sicheres und respektvolles Umfeld erfahren. Für die meisten ist das Schulgeld eine große Herausforderung, denn als Tagelöhner oder Bauarbeiter reicht ihr Einkommen nur gerade für Miete, Nebenkosten und Lebensmittel; deshalb werden die Schulgebühren möglichst niedrig gehalten. Davon lassen sich gerade so die Lehrergehälter bezahlen; für dringende Renovierungen oder notwendige Umbauten müssen andere Gelder generiert werden.

Dank der großzügigen Unterstützung des Berliner Joggathons konnte im vergangenen Sommer ein wichtiger Umbau an der Schule vorgenommen werden. Bisher stand in den alten Schulgebäuden kein Raum zur Verfügung, in dem sich mehr als 20 oder 30 Personen auf einmal versammeln oder größere Treffen stattfinden konnten. Um diesen Raum zu schaffen, wurde eine Dachterrasse gefestigt, ummauert, renoviert und so als Versammlungsraum bzw. Aula ausgebaut. Dort können nun 80 bis 100 Personen zusammenkommen.

Die Aula wurde im vergangenen Schuljahr schon eifrig genutzt: für wöchentliche Lehrertreffen, Workshops, Feierlichkeiten, Elternabende,  Wahlfächer und Schülerversammlungen.

„Die Aula spielt eine entscheidende Rolle dabei, die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler durch verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen zu fördern“, drückt die Rektorin ihre Dankbarkeit aus. „Ihre multifunktionale Nutzung hat die Beziehungen innerhalb der Schulgemeinschaft gestärkt und die Kommunikation zwischen Schülern, Eltern und Mitarbeitern verbessert.“

 

Helping Hands e.V. fördert die Ashrafieh-Schule in Amman seit vielen Jahren, vornehmlich durch Kinderpatenschaften. Das Aula-Projekt wurde ermöglicht durch Spenden aus dem Berliner Joggathon 2023 – ein herzliches Dankeschön an alle, die sich daran beteiligt haben!

„Für mich ist die Arche-Schule ein Licht“

Eine Mutter berichtet, wie die Arche-Schule in Kenia das Leben ihrer Familie verändert hat

„Ich heiße Kamila* und bin kenianische Staatsbürgerin, aber ursprünglich komme ich aus Äthiopien. Als ich die Arche-Schule kennenlernte, hatten meine Kinder bereits zwei Jahre keine Schule besucht. Wir hatten eine sehr schmerzhafte Trennung hinter uns. Ich war immer Hausfrau und hatte mich voll und ganz auf meinen Mann verlassen. Nach der Trennung waren wir obdachlos. Viele Tage lang flehte ich völlig unbekannte Menschen an, uns für nur eine Nacht aufzunehmen.

In die Arche-Schule hat mich Gott geführt. Eine Freundin erzählte mir davon. Sie sagte dass es eine gute Schule ist, und so hatte ich den Mut, dort hinzugehen. Ich flehte die Lehrer an und gab zu, dass ich kein Schulgeld bezahlen konnte, aber mich so sehr nach Hilfe sehnte. Die Lehrer prüften meine Situation und erkannten, wie schlimm es uns ging. Sie waren so einfühlsam! Sie haben mir ein kleines Zimmer gemietet, in dem ich und meine Kinder unterkamen. Zu der Zeit hatte ich nicht einmal eine Decke, um meine Kinder zuzudecken. Aber ich war so ermutigt, endlich einen sicheren Zufluchtsort zu haben!

Meine drei Kinder sind jetzt seit fünf Jahren in der Arche-Schule. Und letztes Jahr hat die Schule mir geholfen, mit ein wenig Startkapital ein kleines Geschäft zu gründen. Da habe ich gemerkt, dass dieser Gott ein Gott ist, der Wunder tut!

Ich habe einen kleinen Laden eröffnet und der Erlös hilft mir, genug Nahrung für meine Kinder zu kaufen. Jetzt fangen auch meine Kinder an, wirklich eine Zukunft zu sehen. Die Arche-Lehrer sind für mich und meine Kinder wie Familie. Sie unterstützen uns auf so viele Weise – sozial, emotional, geistlich … und natürlich auch meine Kinder auf ihrem Bildungsweg.

Für mich als Mutter, aber auch als Mitglied der örtlichen Gemeinschaft, ist die Arche-Schule ein Licht: das Licht unseres Stadtteils, der Menschen hier, und das Licht meiner Familie. Und das sehe nicht nur ich so: Über viele Jahre haben viele Menschen betont, wie wichtig die Arbeit der Arche-Schule ist und welch großen Einfluss und positive Veränderung sie in unserem Umfeld bewirkt.“

 

Kamila ist eine von zwölf Frauen, die 2024 an unserem neuen Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für Mütter teilnahm – einen ausführlichen Bericht lesen Sie hier. (Das Foto zeigt eine andere Frau aus diesem Schulungsprogramm.)

Die Arche-Schule unterstützten wir als Helping Hands e.V. seit über 15 Jahren – u.a. durch Patenschaften für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht vollständig leisten können. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

 

*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

Ein Schritt in Richtung Heilung

Therapieprogramm an der NES-Schule in Beirut durchläuft erfolgreich erste Phase

„Ich weiß gar nicht genau, wie ich mich fühle – nur traurig und verwirrt bin ich die ganze Zeit.“ Charbel*, ein Siebtklässler an der NES-Schule in Beirut, Libanon, wohnt direkt neben einer Gegend, die von häufigen Bombenangriffen betroffen ist. Er hat eine schreckliche Zeit hinter sich. Aber das Schlimmste dabei: Er fühlte sich mit seiner Angst und seinen Fragen völlig allein. „Meine Eltern zeigen ihre Gefühle nicht, es ist, als ob sie weit entfernt von mir sind.“

Charbel machte einen wichtigen Schritt: In einer Pause suchte er den Raum der Schul-Therapeutin auf und kam mit seinen Fragen zu ihr. Sara, ausgebildete Psychologin, arbeitet seit 2022 als Therapeutin an der NES-Schule und hat schon einige traumatische Ereignisse mit den Kindern durchgearbeitet. Der Beginn der Bombenangriffe im Herbst 2024 hat die Traumata noch verschärft. Deshalb hat die NES-Schule ein umfassendes Therapieprogramm entworfen, das nach Ostern in eine zweimonatige Testphase startete. Seitdem arbeitet Sara noch konzentrierter mit den Schulklassen und mit einzelnen Kindern zusammen. Charbel konnte sie helfen, seine Emotionen zu erkennen, zu akzeptieren und auszusprechen und gesunde Wege zu finden, mit negativen Gefühlen und Trauma umzugehen.

„Seit mehr als drei Jahren arbeite ich als Psychologin an der NES, und ich sehe die direkten und indirekten Auswirkungen des Krieges auf unsere Schüler und ihre Familien: ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit, Hilflosigkeit und emotionalen Betäubung,“ berichtet Sara. „Viele Eltern und Kinder fühlen sich überfordert, weil sie keine Kontrolle über ihre Lebensumstände haben, oder sie ertrinken in toxischer Positivität – dem Druck, hoffnungsvoll zu bleiben, während sie echte Ängste und Trauer unterdrücken.“

Besonders stark betroffen sind die etwa hundertfünfzig Kinder aus geflüchteten Familien, die an der NES in einem Nachmittagsprogramm unterrichtet werden. Für sie wurde ein spezielles Programm entwickelt, das u.a. in wöchentlicher Einzel- und Gruppentherapie grundlegende Aspekte der psychischen Gesundheit fördert. „Viele dieser Kinder – manche sind erst 12 Jahre alt – sind mit Erwachsenen-Pflichten belastet; viele müssen arbeiten, um Eltern und jüngere Geschwister zu unterstützen. Überhaupt ihre Gefühle zuzulassen oder einzugestehen fühlt sich für sie ‚verboten‘ an.“ Das Programm bietet den Kindern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken – oft zum ersten Mal – und Vertrauen aufzubauen.

Doch es sind nicht nur die Kinder, die Hilfe brauchen. Deshalb bezieht das Therapieprogramm auch Lehrer und vor allem Eltern mit ein. „Viele Betreuungspersonen sind sich ihrer eigenen emotionalen Wunden und unverarbeiteten Traumata nicht bewusst“, erläutert Sara. „Dieser Mangel an Bewusstsein beeinträchtigt oft ihre Fähigkeit, ihre Kinder emotional zu unterstützen, und kann unbeabsichtigt Ängste, Furcht oder Distanziertheit auf die Kinder übertragen.“

In verschiedenen Schulungen und Selbsthilfegruppen lernen Eltern und Lehrer, mit ihren eigenen Ängsten umzugehen und auf die Gefühle der Kinder richtig zu reagieren: „Mir war nicht klar, wie sehr meine eigenen Gefühle mein Kind beeinflussen“, gaben Teilnehmer zu. Dabei kamen bei vielen Eltern tiefere emotionale Wunden zu Tage, die oft noch aus früheren Kriegen und Konflikten stammten. Nach einer Weile begannen die Eltern, ihre Ängste, Herausforderungen und Verwundbarkeit offen anzusprechen – und merkten dadurch, dass sie nicht allein sind: „Mir war nicht bewusst, dass andere Eltern auch sowas durchmachen“, betonten mehrere Teilnehmer. Sara ist über die bisherigen Ergebnisse zuversichtlich: „Die Eltern verstehen langsam aber sicher, dass ehrliche Anerkennung von Gefühlen eine Form der Stärke ist und nicht der Schwäche, und sie bauen eine kleine, aber bedeutsame Gemeinschaft der gegenseitigen Unterstützung auf.“

Den Eltern und Lehrern die Mittel an die Hand geben, auf Traumata richtig einzugehen, und den Kindern helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu steuern, gesunde Beziehungen aufzubauen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen – das sind die Ziele dieser Testphase des Therapieprogramms an der NES-Schule. Damit wird Resilienz gestärkt und das soziale Gefüge der ganzen Schulgemeinschaft positiv beeinflusst. Ein sicheres Lernumfeld, gesundes emotionales Bewusstsein, Stabilität, Hoffnung … all das befähigt Kinder und Erwachsene, persönliche und externe Krisen erfolgreich zu bewältigen.

Für manche ist das noch ein langer Weg – zum Beispiel für Layla*. Layla ist 12 und hat keine Eltern. Sie lebt in einer mildtätigen Einrichtung und besucht an der NES das Nachmittagsprogramm. Während der Gruppentherapie sollte sie im Rahmen eines Spiels ein Beispiel erwähnen, in welchen Situationen sie sich geliebt fühlt. Ihre Antwort: „Ich kann mich an keinen Moment erinnern, wo ich Liebe gefühlt habe.“ Sara lud sie ein, später in ihr Büro zu kommen, und so begann ein heilender Prozess: „Diese Aussage fasst alles zusammen, was Layla in sich vergraben hatte. Sie erzählte mir von schrecklichen Erfahrungen, dass sie mehrmals versucht hatte davonzulaufen, sich selbst verletzen wollte, wie schwer es ihr fällt, ihre Gefühle auszudrücken, wie allein sie sich die meiste Zeit fühlt.

Seitdem treffen wir uns regelmäßig. Wir finden Wege, wie sie ihren Schmerz ausdrücken kann; sie lernt, dass sie um Hilfe bitten darf, dass ihre Gefühle zählen, dass sie und ihre Geschichte wertvoll sind. Der Weg vor ihr ist noch holprig … aber jedes Mal, wenn sie kommt und ein wenig mehr von sich selbst mitteilt, ist es ein Schritt zur Heilung.“

Ein Schritt in Richtung Heilung – das soll auch diese Testphase des Therapieprogramms sein. Die Testphase endet mit dem laufenden Schuljahr Mitte Juni. „Die ersten Wochen haben ein klares Ergebnis gezeigt“, schlussfolgert Sara, „nämlich den dringenden Bedarf an strukturierter Unterstützung für die psychische Gesundheit der Kinder, und dass Heilung mit sicheren Räumen, offenem Dialog und den richtigen ‚Werkzeugen‘ beginnt.

Die Veränderungen, die wir schon nach kurzer Zeit beobachten können, zeigen deutlich, dass Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind – vor allem in Krisenzeiten. Natürlich sind wir nicht perfekt – aber wir sind fest entschlossen, jeden Tag unser Bestes zu geben, um unsere Mission als ganzheitliche Schule zu erfüllen, die Herz, Verstand und Zukunft jedes einzelnen Schülers und jeder Familie fördert.“

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Kinder und Familien im Libanon sich psychisch gesund entwickeln und mit neuer Hoffnung in die Zukunft blicken können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „NES Therapieprogramm“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

*Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Jeden Tag aufs Neue Wunder“ oder „Andriy und die Gitarre“

Kinderheim Mistoditey schenkt seit letztem Sommer wieder in Kiew Kindern einen Zufluchtsort und eine Zukunft

Als Anastasiya* vom Sozialamt in einem Krankenhaus gefunden wurde, war sie schon über einen Monat allein – keiner hatte je nach ihr gefragt. In „Mistoditey“ fand die Sechsjährige ein neues Zuhause und die Zuneigung, nach der sie sich sehnt.

Die Brüder Viktor* (11) und Borys* (7) lebten auf einer Müllkippe, in verheerenden Umständen, ohne Wärme, Zuflucht, grundlegendste Fürsorge. All das erhalten sie nun in Mistoditey.

Der zwölfjährige Andriy* kannte nur instabile Verhältnisse, daher hatte er jegliches Vertrauen in andere und sich selbst verloren und konnte kaum kommunizieren. In Mistoditey durfte er einen neuen Anfang machen.

Vier Schicksale unter Tausenden, denen derzeit in der Ukraine das Nötigste für eine sichere Kindheit fehlt. Vier wertvolle Kinder, die seit Juli 2024 im Heim „Mistoditey“ in Kiew einen Zufluchtsort und eine neue Heimat gefunden haben. Erst seit letztem Sommer ist das wieder möglich – denn nach Kriegsbeginn musste das Heim selbst Zuflucht suchen, die die damals zwanzig Kinder mit zehn Mitarbeitern im Lindenhof bei Aschaffenburg fanden. Über zwei Jahre engagierten sich dutzende ehrenamtliche Helfer in Kahl, Alzenau und aus ganz Deutschland, um den Kindern und Erwachsenen eine Heimat fern der Heimat zu schenken.

Nachdem im vergangenen Sommer dann alle Kinder entweder in ihre Familien zurückgekehrt oder neue Familien gefunden hatten, entschied die Leitung von Mistoditey sich, der Bitte der ukrainischen Behörden zu folgen und die Arbeit direkt in Kiew wieder aufzunehmen – denn aufgrund des Krieges ist die Not größer als je zuvor! Durch die treue Unterstützung zahlreicher Spender für das „Lindenhof-Projekt“ wurde der Neubeginn in Kiew zur Realität. Liliya, die Leiterin, betont:

„Dank eurer Unterstützung konnten wir nicht nur trotz des Krieges die Arbeit im Heim wieder beginnen und neue Kinder aufnehmen, sondern ihnen auch ein echtes Zuhause bieten. Ihr leistet nicht nur materielle Hilfe: Dank eurer Unterstützung wissen ukrainische Kinder, dass sie nicht allein auf der Welt sind. Jeder Euro gibt ihnen den Glauben an das Gute zurück, schenkt ihnen eine Kindheit, von der sie geträumt haben, und schafft Stabilität in den unsichersten Zeiten.“

Anastasiya und Andriy, Viktor und Borys sind vier der jeweils bis zu 15 Kinder, die in Mistoditey die Chance für einen Neubeginn erhalten. Das Heim kümmert sich umfassend um ihre grundlegenden Bedürfnisse – ausgewogene Mahlzeiten mit Milch- und Fleischprodukten, frischem Obst und Gemüse, ausreichende Wärme auch in der Winterzeit, grundlegende Gesundheitsfürsorge wie Zahnarztbesuche sowie spezielle Behandlung bei chronischen Erkrankungen. Dadurch haben sich Gewicht und Essgewohnheiten aller Kinder stabilisiert.

„Jeder Aspekt ihres Wohlbefindens ist ein Zeugnis eures Engagements“, berichtet Liliya. „Dank eurer Hilfe können wir Lebensmittel, Nebenkosten, Pflege und alle anderen grundlegenden Bedürfnisse bezahlen. Eure Spende ist nicht einfach Geld – es ist tägliche Wärme, Nahrung, Licht, Trost, Fürsorge. Es ist Leben – erfüllt von Sinn und Hoffnung.“

Mistoditey kümmert sich aber nicht nur um die Grundbedürfnisse, auch die kognitive und psychische Entwicklung der Kinder wird maßgeblich gefördert. Jedes Kind nimmt an einem auf ihn oder sie zugeschnittenen Therapieprogramm teil. Das Heim kooperiert mit inklusiven Einrichtungen, sodass alle Kinder eine qualitativ hochwertige Schulbildung erhalten. Mithilfe von Ehrenamtlichen bietet das Heim eine Vielzahl von Kreativ-Workshops an – zum Beispiel Kunst und Musik, Gedichte und Geschichten, Tanz und Töpferei. Außerdem wird gemeinsam gespielt, gekocht und saubergemacht, Geburtstage besonders gestaltet und Erfolge gefeiert.

Alles Dinge, die in funktionierenden Familien eigentlich selbstverständlich sind … für die Kinder in Mistoditey ist es das, wovon sie schon immer geträumt haben: eine normale Kindheit, ein stabiles Zuhause, Liebe, Fürsorge und Aufmerksamkeit. Und den Unterschied kann man sehen!

Anastasiya hat herausgefunden, dass sie Geschichten liebt – und nicht nur die, die sie in den Büchern lesen kann! Jetzt setzt sich das vorher schüchterne, zurückgezogene Mädchen gerne zu ihren „Geschwistern“, liest den jüngeren vor und schafft mit viel Phantasie ihre eigenen Geschichten, die sie mit Begeisterung erzählt. Ihre Stimme, voller Wärme und Freude, ist ein Symbol ihrer Heilung geworden.

Viktor hat sich unglaublich entwickelt, seit er nicht  mehr auf der Müllkippe ums Überleben kämpft. Er ist ruhig und höflich, der Beste in seiner Klasse, gewinnt Preise und zeigt ein außerordentliches Talent im Zeichnen und Töpfern. Auch darin macht Mistoditey einen riesigen Unterschied: Es stellt das Selbstwertgefühl der Kinder wieder her und hilft ihnen, die Gaben zu entdecken, die schon immer in ihnen steckten.

Das gilt auch für Andriy. Verschlossen, verunsichert – so kam er ins Heim. Doch von Anfang an hörte er ganz genau hin, wenn jemand Gitarre spielte. Der Musiklehrer ermutigte ihn, es mal selbst auszuprobieren. Welch eine Veränderung! Jetzt musiziert Andriy ständig, komponiert eigene Melodien, leitet das Musikteam und hilft den anderen Kindern im Musikunterricht. „Wenn ich spiele“, sagt er, „dann fühle ich mich stark. Die Gitarre ist wie meine Stimme; durch die Musik kann ich Dinge ausdrücken, die ich mit Worten nicht sagen kann.“ Jetzt träumt Andriy davon, Musiker zu werden. Sein Selbstvertrauen ist gewachsen, und seine Erfolge inspirieren andere Kinder, ihre Ängste zu überwinden.

Als Andriy im März in eine andere Einrichtung wechselte, wo auch seine berufliche Bildung gefördert wird, schrieb er an jeden einzelnen Mitarbeiter einen ausführlichen Brief, in dem er sein Herz öffnete und erzählte, wie er sich durch Mistoditey verändert hatte – wie ein einst verschlossener, trauriger Junge zu einem offenen, liebenswürdigen, mit Dankbarkeit erfüllten Menschen wurde.

Das sind Geschichten, die „nachhaltiger Veränderung“ ein Gesicht geben – aber es sind eben nicht nur Geschichten, sondern wertvolle Kinder, die nun eine Heimat und eine Zukunft haben:

„Wir sind so dankbar für eure Unterstützung! Dank euch ist unser Zentrum zu einem Ort geworden, an dem Kinder ihr Leben wieder aufbauen, neue Möglichkeiten entdecken und wieder zu träumen beginnen. Gemeinsam mit euch bewirken wir jeden Tag aufs Neue Wunder!“

 

Vor Kriegsbeginn finanzierte sich Mistoditey vollständig aus lokalen Spenden. Seit Herbst 2024 konnten wir das Heim aus Spenden fürs Lindenhof-Projekt in ihren monatlichen Ausgaben unterstützen. Da lokale Unterstützer aufgrund der derzeitigen Situation inzwischen fast alle die Förderung einstellen mussten, ist der weitere Betrieb des Zentrums über die Jahresmitte hinaus sehr fraglich. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass traumatisierte und heimatlose Kinder in der Ukraine weiterhin einen Zufluchtsort bei Mistoditey finden können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Mistoditey“ oder „Lindenhof“ (zur Online-Spende).

* Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

Ein starkes Fundament für die Zukunft

Ermutigende Ergebnisse aus Projektbesuch im integrativen Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal

„Wir haben eine Vision für die Zukunft: gut ausgebildete Kinder, eine starke Selbsthilfegruppe, finanzielle Unabhängigkeit … wir möchten unser Wissen mit den Nachbardörfern teilen und unsere Kinder lehren, andere zu fördern und diese Tradition des gegenseitigen Unterstützens  weiterzuleben.“

„Wir schaffen jetzt das Fundament dafür … Schritt für Schritt wollen wir unser Dorf leiten, dass wir gemeinsam stark werden und das Programm eigenständig weiterführen können.“

Zwei Jahre ist es her, dass die Leiter der Selbsthilfegruppe im Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals diese Vision mit uns teilten. Seit Anfang 2021 fördern wir dort ein integratives Kinderzentrum, das bessere Bildung für die Kinder und ein geregeltes Einkommen für die Familien ermöglicht. Im November waren wir erneut vor Ort um zu sehen, wie sich das Fundament entwickelt hat. Und uns begeistert, war wir beobachten können:

Um sieben Uhr morgens kommen die Kinder ins Kinderzentrum gerannt, quetschen sich auf die Bänke, lachen, blicken erwartungsvoll auf die Lehrerin, die die Anwesenheitsliste durchgeht. Fast alle sind da – fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Da hing noch die Frage im Raum, ob die Dorfschule nicht schließen wird wie so viele andere kleine Dorfschulen in Nepal – stundenlang hätten die Kinder dann laufen müssen, viele hätten ihre Bildung wohl abgebrochen. Das Gegenteil ist passiert: Die Schülerzahl ist so angestiegen, dass die Regierung der Schule weitere Lehrer zur Verfügung gestellt hat. Die Förderung im Kinderzentrum hat hier den entscheidenden Unterschied gemacht.

Auf dem Weg durchs Dorf begegnen uns einige Personen mit Milchkannen, die die Milch ihrer durchs Projekt erhaltenen Kühe zur Sammelstelle bringen – die paar hundert Rupien, die sie dabei verdienen, mussten sie sich früher von Kreditinstituten mit hohem Zinssatz ausleihen. Ob Viehzucht mit Kühen, Ziegen oder Schweinen, kleine Läden, Schreinereien oder ähnliches – alle Familien betonen, dass sie sich jetzt die meisten alltäglichen Dinge leisten und sogar für die weiterführende Bildung ihrer Kinder aufkommen können; früher war das für die ärmeren Familien unerschwinglich.

Haus um Haus besuchen wir, bestaunen Gemüsegärten und Ställe, hören von Herausforderungen und freuen uns über Erfolge – und in den Gesprächen wird klar, dass die meisten Haushalte verstanden haben:  Wenn ich mein kleines Unternehmen oder meine Viehzucht weiterentwickeln möchte, dann muss ich vom täglichen Einkommen einen Betrag sparen und sinnvoll investieren. Vor Projektbeginn war Sparen hier ein Fremdwort! Aber so können auch Rückschläge ausgeglichen werden, und die Familien wissen, wie sie ihre Lage in Zukunft eigenständig verbessern können.

Besonders beeindruckt ein Besuch bei Tejan, dem Schriftführer der Selbsthilfegruppe, der seine Vision selbst tatkräftig umsetzt. Nur eine Kuh hat er durchs Projekt erhalten, zusammen mit Schulungen zu verbesserter Viehzucht und Gemüseanbau. Die Einnahmen vom Milchverkauf und das Gelernte hat er so geschickt investiert und umgesetzt, dass er nun fünf Kühe und Kälber hat, außerdem eine Ziegenzucht und sieben große Plastik-Gewächshäuser für Gemüse und Obst. Um seine Farm auszuweiten, hat er Land von seinen Brüdern gemietet. Und er hat noch große Pläne: Eine Fisch- und Bienenzucht möchte er aufbauen, mehr Obst und Gemüse sowie Kardamom anbauen, die Ställe verbessern und seine kleine Farm als integrierte Landwirtschaft nachhaltig gestalten.

„Ich möchte ein Vorbild für andere sein“, erklärt er. „Wenn ich es gut mache, dann können andere das sehen und es auch besser machen. Am besten lernt man ja von guten Beispielen.“

Ein Fundament schaffen für die Zukunft – Tejan arbeitet eifrig daran. Für sein Dorf, aber natürlich auch für seine Familie. Seinen zwei Söhnen, jetzt 11 und 13 Jahre alt, möchte er eine gute Ausbildung ermöglichen. „Ich tue das ja alles auch für meine Kinder“, betont er. „Wenn sie mal etwas Besseres sein möchten, dann werde ich versuchen, ihnen das zu ermöglichen. Meine Hoffnung ist, dass sie sich zu guten und erfolgreichen Männern entwickeln.

Aber was ich mir am meisten wünsche: dass sie nach der Ausbildung wieder hier ins Dorf zurückkommen. Dass sie nicht ins Ausland gehen wie so viele andere. Ich habe noch so viele Pläne, die kann ich gar nicht alle allein umsetzen. Wenn meine Söhne zurückkommen und mit mir gemeinsam die Farm weiter ausbauen – das wäre mein Traum.“

Zum Abschluss treffen wir uns wieder mit dem Komitee der Selbsthilfegruppe; Tejan ist natürlich auch dabei. Ein enorm ermutigendes Gespräch! „Früher“, erzählt Tejan, „waren viele Dorfbewohner sehr negativ eingestellt. Hier können wir ja doch nichts erreichen, meinten sie. Aber jetzt haben sie ihre Meinung geändert, jetzt entwickelt sich was! Und unsere Nachbarn, die sehen das und lernen von unserem Beispiel.“

„Besonders wichtig ist das Kinderzentrum“, betonen die Mütter, „jetzt wollen die Kinder alle in die Schule gehen! Und ihre Noten sind besser, sie haben mehr Chancen – früher, da konnten nur die reichen Familien ihren Kindern eine ordentliche Bildung ermöglichen. Aber jetzt ist es egal, ob man arm oder reich ist – alle Kinder haben die gleiche Chance!“

Ohne Zweifel: Das Fundament festigt sich, die Vision nimmt Form an. Kann auch die finanzielle Unabhängigkeit erreicht werden? Dafür sind noch ein paar weitere Schritte nötig; unter anderem sollte ein kleines gemeinschaftliches Unternehmen aufgebaut werden, aus dessen Einkommen die Selbsthilfegruppe das Kinderzentrum vollumfänglich weiterführen kann. Aber die wichtigsten Grundlagen sind gelegt, um die begonnenen positiven Veränderungen aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln … ein starkes Fundament für die Zukunft.

 

Lesen Sie auch die früheren Beiträge zu diesem Kinderzentrum.

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass das Fundament in Ghalegaun noch weiter gefestigt wird, dann spenden Sie mit Vermerk „Integrative Kinderzentren Nepal“ (zum allgemeinen Online-Spendenformular; zum Formular für Integrative Kinderzentren).

Zehn Jahre Zufluchtsort

Kinderzentrum Kombinat in Albanien blickt auf vergangenes Schuljahr zurück

„Als wir letztes Jahr nach den Sommerferien das Kinderzentrum wieder eröffnet haben, waren die Kinder so glücklich. Endlich wieder was zu tun! Endlich wieder ein Ort, an dem sie bleiben dürfen! Wir haben ihnen geholfen, ihre Schulbücher zu besorgen und einzubinden, damit sie länger halten. Das machen die Kinder richtig gerne! Schulmaterial und Taschen haben sie auch bekommen. Und dann haben wir mit ihnen geübt, was sie im letzten Schuljahr gelernt haben.“

Zehn Jahre ist es her, dass ein paXan-Team in Kombinat, Albanien, ein Kinderprogramm durchführte, durch das im folgenden Jahr das Kinderzentrum Kombinat entstand. Zehn Jahre, in denen Kindern aus den bedürftigsten Familien dieses sozialschwachen Vorortes von Tirana durch Hausaufgabenhilfe, Schulmaterial und weitere Aktivitäten eine ordentliche Bildung ermöglicht wurde. Zehn Jahre, in denen die Kinder einen Ort hatten, an dem sie sich geliebt und angenommen fühlen, ein Zufluchtsort, wo jemand auf sie wartet, der sie kennt und sieht. Die meisten dieser Kinder sind jetzt Jugendliche oder junge Erwachsene, und es sind ihre kleinen Geschwister, die sich nach den langen Ferien so sehr den Start des Kinderzentrums herbei ersehnen. Denn auch nach zehn Jahren ist das Kinderzentrum Kombinat weiterhin ein Zufluchtsort für zahlreiche Kinder des Ortes.

Gesti, lokaler Pastor und Gründer des Kinderzentrums, blickt auf das Schuljahr 2023-24 zurück:

„Im September kamen zwei unserer jüngsten Kinder zum ersten Mal in die Schule. Sie waren aufgeregt und etwas ängstlich, aber wir sind mit ihnen zur Schule gegangen, und das hat ihnen geholfen.

Wir haben auch ein paar neue Gesichter im Zentrum. Mit dem Rathaus haben wir eine gute Beziehung aufgebaut, und sie besuchen uns regelmäßig; wir sprechen über die Herausforderungen der Kinder und sie laden uns zu ihren Treffen ein. Im Herbst hatten die Sozialarbeiter uns gebeten, vier weitere Kinder aufzunehmen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen – das zeigt, dass wir immer bekannter werden im Ort und sie für unseren Dienst dankbar sind.

Es war gar nicht so einfach, diese Kinder zu integrieren – zwei Mädchen, zum Beispiel, kommen aus einer Roma-Familie, die Eltern sind Analphabeten und haben die Kinder immer alleine zuhause behalten. Dadurch hatten sie früher gar keinen Kontakt zu anderen Kindern, und waren anfangs sehr schüchtern und distanziert. Aber jetzt haben sie sich total verändert, sie fühlen sich geliebt und umsorgt, und wollen die ganze Zeit nur im Kinderzentrum bleiben.

Die Schulen, mit denen wir kooperieren, unterrichten weiterhin in zwei Schichten, daher haben wir im Kinderzentrum zwei Gruppen, eine vormittags und eine nachmittags, insgesamt 34 Kinder. Wir sind so dankbar für den tollen Einsatz unserer Mitarbeiter – Lehrerin Vera und ihre liebevolle Hingabe für die Kinder – Eda, die sich mit um die Familien kümmert– die Jugendlichen aus der Gemeinde, die ihre Zeit investieren um zu helfen – und natürlich Mama Vera, die jeden Tag mit viel Liebe die warmen Mahlzeiten kocht. Die Kinder sind so glücklich über das Essen und holen sich mit Begeisterung einen dritten oder vierten Teller voll; manchmal lächeln wir darüber, aber dann erinnern wir uns, dass das für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag ist.

Das letzte Schuljahr war voller besonderer Aktivitäten. Dieses Jahr konnten wir den Besuch einer mobilen Zahnarztklinik organisieren – das war dringend nötig – und kümmern uns um die medizinische Versorgung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie Diabetes. Wir haben die Geburtstage der Kinder gefeiert und natürlich Weihnachten und Ostern – die Weihnachtsfeier gemeinsam mit den Eltern ist für die Kinder der Höhepunkt des Jahres! Im Sommer hatten wir noch ein Ferienprogramm; besonders die Wasserspiele haben die Kinder genossen.

Wir freuen uns so, den Fortschritt im Leben der Kinder zu beobachten und von Eltern und Lehrern die guten Berichte zu hören! Am Ende des Schuljahres haben die Kinder Zeugnisse bekommen und wir haben mit ihnen die tollen Ergebnisse gefeiert. Manche der Kinder sind die besten in ihrer Klasse – was für einen Unterschied macht es doch, wenn Kinder einen Ort haben, an dem sie geliebt werden und sich jemand um sie kümmert!

Jetzt sind wir ins neue Schuljahr gestartet. Ein Schuljahr, das viele Herausforderungen bringen wird, und viele wundervolle Momente. Danke, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet!“

 

Das Kinderzentrum in Kombinat finanziert sich unter anderem durch Patenschaften. Wenn Sie ein Kind in diesem Kinderzentrum unterstützen möchten, dann wählen Sie bitte auf dem Patenschaftsformular als Region „Osteuropa“. Selbstverständlich können Sie das Kinderzentrum auch durch eine Spende unterstützen; dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende „Kinderzentrum Kombinat (Albanien)“.