Wirkungsbeobachtung: Small Business Schulungsprogramm der Arche in Kenia

„Ich komme aus einem Umfeld, wo Männer viele Frauen heiraten dürfen. Ich war die zweite Frau meines Mannes. Dann heiratete er eine andere und ließ mich allein – mit sechs Kindern. Ich musste einen Weg finden, für sie zu sorgen. Die Arche-Schule half mir mit der Bildung meiner Kinder, während ich auf der Straße um Essen bettelte und um Geld für die Miete.

Das „Small Business Programm“ der Arche ermöglichte mir dann, ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Noch ist mein kleines Unternehmen nicht völlig selbsttragend, und die Sprachbarriere macht es nicht einfacher, denn ich bin Somali und verstehe kein Swahili. Aber durch Hilfe mit der Übersetzung und wöchentliche Besuche von Janet, der Koordinatorin, hat sich mein Geschäft schon so weit entwickelt, dass ich etwa die Hälfte der Schulkosten meiner Kinder tragen kann, die Miete für ein kleines Zimmer bezahlen und Essen kaufen. Und mein Geschäft entwickelt sich kontinuierlich weiter, dank Janets Mentoring!“ (R.W.)

Von Mai 2024 bis April 2025 führte die Arche-Schule mit unserer Förderung ein Kleinstunternehmen-Programm für die erste Gruppe von Frauen im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, durch. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier.

Das Programm wurde vor Ort kontinuierlich evaluiert und von uns eng begleitet. Aus den Wirkungsbeobachtungen ergaben sich einige Anpassungen bereits während der Projektlaufzeit sowie Erkenntnisse für die nächste Gruppe, die im Juni 2025 mit dem Programm begann.

Zu den Beobachtungen bzw. Erkenntnissen und Anpassungen gehörte unter anderem:

  • Nach der ersten Schulung schlug die Leiterin vor, eine weitere Schulung ins Programm mit aufzunehmen. Sie erkannte, dass die Teilnehmerinnen sehr schwierige Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben (Missbrauch, Naturkatastrophen, Opfer politischer Gewalt u.v.m.) und von den Traumata noch stark betroffen sind, wodurch auch ihre Geschäfte beeinträchtigt werden. Damit die Frauen besser im Alltag zurechtkommen, ihre Geschäfte gut weiterführen und adäquat mit Kunden umgehen können, empfahl die Schulungsleiterin ein „Mental Wellness Training“.

-> Die zusätzliche Schulung wurde im Herbst für die erste Gruppe sehr erfolgreich durchgeführt und in die Planung für die nächste Gruppe aufgenommen.

  • Nach einiger Zeit wurde offensichtlich, dass die Frauen noch mehr Grundkenntnisse in der Buchführung brauchen. Dies wurde durch regelmäßige „Refresher“-Schulungen und in wöchentlichen Besuchen gefördert.

-> Auch für die neue Gruppe wurde sichergestellt, dass wöchentliche Monitoring-Besuche bei allen Geschäftsfrauen stattfinden, da diese Praxis maßgeblich zum Erfolg des Projektes beigetragen hat.

  • Alle Frauen erhielten ein Startkapital und begannen zeitnah, dies aus ihrem Profit zurückzuzahlen. Dies funktionierte in der ersten Gruppe gut, trotzdem betonte die Koordinatorin, dass mehr Variation beim Startkapital sinnvoll ist, da die Frauen sehr unterschiedliche Fähigkeiten und die Geschäfte sehr verschiedenen Umfang haben. Es wird zur Herausforderung, wenn die Teilnehmer ihre Fähigkeit über- oder unterschätzen.

-> Auf diese Tatsache soll in der nächsten Gruppe noch stärker geachtet werden. Alle Frauen müssen einen Businessplan abgeben (wurde bereits in der ersten Gruppe so gehandhabt), der noch stärker geprüft und detailliertes Feedback gegeben werden sollte.

  • Im Umfeld der Arche-Schule bzw. im Kariobangi-Slum sind sowohl Analphabetismus als auch die Sprachbarriere tägliche Herausforderungen; einige Frauen kommen aus geflüchteten oder eingewanderten Familien und sprechen kein Swahili. Das war sowohl in den Schulungen als auch im Followup ein Problem.

-> Für die Übersetzung wurden die Kinder zur Hilfe geholt (vor allem an Wochenenden). Es wurde stärkerer Fokus auf korrekte Beschilderung der Ware gelegt; darin wurden die Frauen unterstützt von Freunden und Nachbarn, die lesen und schreiben können. In der nächsten Gruppe muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmerinnen schon früh gute Bepreisung und Beschilderung lernen.

  • Während der Laufzeit fanden starke politisch-motivierte Unruhen im Kariobangi-Slum und anderen Teilen Kenias statt. Dadurch waren die Geschäfte der Frauen beeinträchtigt; einerseits bestand die Gefahr der Plünderung oder Zerstörung, andererseits konnten verderbliche Waren nicht verkauft werden. Das Leitungsteam half den Frauen, ihre Waren zu diversifizieren, sodass dieses Risiko minimiert wurde, und empfahl ihnen, während der Unruhen die Läden geschlossen zu halten. Die meisten Geschäfte überstanden die Zeit ohne größere Schäden; einer Frau wurde das Haus zerstört, und die anderen Frauen legten zusammen und gaben ihr einen Kredit aus der Gruppe, um ihr den Neustart zu ermöglichen.

-> Ratschläge für das richtige Verhalten in ähnlichen Situationen wird als Schulungsinhalt auch für spätere Gruppen aufgenommen.

  • Zu Projektende wurde deutlich, dass einige Frauen noch immer Unterstützung bei der Kalkulation der Kosten und Bepreisung der Ware benötigen. Wenn die Ware falsch beschriftet ist, können außerdem Verluste entstehen. Zusätzlich brauchen die Frauen mehr Unterstützung dabei, ihre Angebote an die Marktnachfrage anzupassen.

-> Für die Frauen wird weiter regelmäßiges Mentoring angeboten. Dies erfolgt im Rahmen der Monitoring-Besuche für die nächste Gruppe.

  • Insgesamt wurde im Verlauf des Projektes klar, dass die regelmäßigen Besuche mit Mentoring und Monitoring grundlegend für den Erfolg sind und zwischen Koordinatorin und Teilnehmerinnen eine gute Beziehung aufgebaut werden sollte.

-> Aus diesem Grund traf die Koordinatorin sich bereits einige Zeit vor Schulungsbeginn wöchentlich mit der neuen Gruppe für 2025, um Beziehungen aufzubauen, die geschäftlichen Kapazitäten der Teilnehmer zu bewerten und die Frauen zum Sparen zu animieren.

„Für mich ist die Arche-Schule ein Licht“

Eine Mutter berichtet, wie die Arche-Schule in Kenia das Leben ihrer Familie verändert hat

„Ich heiße Kamila* und bin kenianische Staatsbürgerin, aber ursprünglich komme ich aus Äthiopien. Als ich die Arche-Schule kennenlernte, hatten meine Kinder bereits zwei Jahre keine Schule besucht. Wir hatten eine sehr schmerzhafte Trennung hinter uns. Ich war immer Hausfrau und hatte mich voll und ganz auf meinen Mann verlassen. Nach der Trennung waren wir obdachlos. Viele Tage lang flehte ich völlig unbekannte Menschen an, uns für nur eine Nacht aufzunehmen.

In die Arche-Schule hat mich Gott geführt. Eine Freundin erzählte mir davon. Sie sagte dass es eine gute Schule ist, und so hatte ich den Mut, dort hinzugehen. Ich flehte die Lehrer an und gab zu, dass ich kein Schulgeld bezahlen konnte, aber mich so sehr nach Hilfe sehnte. Die Lehrer prüften meine Situation und erkannten, wie schlimm es uns ging. Sie waren so einfühlsam! Sie haben mir ein kleines Zimmer gemietet, in dem ich und meine Kinder unterkamen. Zu der Zeit hatte ich nicht einmal eine Decke, um meine Kinder zuzudecken. Aber ich war so ermutigt, endlich einen sicheren Zufluchtsort zu haben!

Meine drei Kinder sind jetzt seit fünf Jahren in der Arche-Schule. Und letztes Jahr hat die Schule mir geholfen, mit ein wenig Startkapital ein kleines Geschäft zu gründen. Da habe ich gemerkt, dass dieser Gott ein Gott ist, der Wunder tut!

Ich habe einen kleinen Laden eröffnet und der Erlös hilft mir, genug Nahrung für meine Kinder zu kaufen. Jetzt fangen auch meine Kinder an, wirklich eine Zukunft zu sehen. Die Arche-Lehrer sind für mich und meine Kinder wie Familie. Sie unterstützen uns auf so viele Weise – sozial, emotional, geistlich … und natürlich auch meine Kinder auf ihrem Bildungsweg.

Für mich als Mutter, aber auch als Mitglied der örtlichen Gemeinschaft, ist die Arche-Schule ein Licht: das Licht unseres Stadtteils, der Menschen hier, und das Licht meiner Familie. Und das sehe nicht nur ich so: Über viele Jahre haben viele Menschen betont, wie wichtig die Arbeit der Arche-Schule ist und welch großen Einfluss und positive Veränderung sie in unserem Umfeld bewirkt.“

 

Kamila ist eine von zwölf Frauen, die 2024 an unserem neuen Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für Mütter teilnahm – einen ausführlichen Bericht lesen Sie hier. (Das Foto zeigt eine andere Frau aus diesem Schulungsprogramm.)

Die Arche-Schule unterstützten wir als Helping Hands e.V. seit über 15 Jahren – u.a. durch Patenschaften für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht vollständig leisten können. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

 

*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Die beste Idee überhaupt“

Neues Schulungsprogramm im Kariobangi-Slum in Kenia schafft nachhaltige Veränderung

„Unser Fazit: Dieses Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für die Mütter war die beste Idee überhaupt. Es hat ein selbstständiges, selbstbewusstes und sehr motiviertes Team von Frauen hervorgebracht. Ihre Zukunft, die bisher nur düster war, ändert sich jetzt drastisch. Auch das Leben ihrer Kinder hat sich verändert. Sie besuchen die Schule und Colleges, manche sogar die Universität.“

Der Alltag im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, ist alles andere als einfach – vor allem für Mütter. Polygamie ist hier normal, und meist werden die Frauen dann mit ihren Kindern sitzengelassen. Aus Verzweiflung nehmen sie unwürdige „Arbeit“ an – sie betteln auf der Straße, verkaufen illegalen Alkohol, bieten Sex gegen Bezahlung. Das reicht in der Regel nur fürs nackte Überleben, und die Kinder haben keine Chance, sich gesund zu entwickeln oder zur Schule zu gehen.

„Ich bin eine alleinerziehende Mutter, mein Mann verließ mich für eine andere Frau“, beschreibt Caroline ihre Erfahrung. „Zu der Zeit habe ich gerade unser jüngstes Kind gestillt und hatte keinen Job. Unser Vermieter war gnadenlos und hat uns ausgesperrt. Meine Kinder mussten alle mit der Schule aufhören, weil ich kein Geld hatte.“

Die Frauen zu bevollmächtigen und somit eine ganze Familie und die Zukunft der Kinder zu „retten“, das ist das Ziel des Schulungsprogramms, das die Arche-Schule im Kariobangi-Slum startete. Die Arche-Schule dient den Familien hier seit einem Vierteljahrhundert und hat schon Hunderten von Kindern eine ausgezeichnete Bildung und einen hoffnungsvollen Start ins Erwachsenenleben ermöglicht.

Während der Corona-Pandemie wurde klar, dass auch die Familien noch intensiver unterstützt werden müssen, um ein gesundes Umfeld für die Kinder zu ermöglichen. Damals wurde schon ein kleines Schulungsprogramm für 15 Frauen durchgeführt, von denen 12 noch aktiv ihre Geschäfte betreiben. Im Frühjahr 2024 entwickelte das Leitungsteam der Arche dann ein strukturiertes Programm, das jedes Jahr eine weitere Gruppe von Frauen darin schult und begleitet, neue Kleinstgewerbe zu gründen bzw. bestehende auf eine erfolgreiche Basis zu stellen. So sollen die Frauen langfristig genügend Einkommen generieren, um die Kosten für Nahrungsmittel, Miete, Ausbildung und andere grundlegende Bedürfnisse ihrer Familien selbst tragen zu können, anstatt auf Hilfsgüter angewiesen zu sein. Das Programm umfasst Schulungen, Unterstützung bei der Marktanalyse und beim Verfassen eines Business-Plans, Startkapital und wöchentliches Followup durch Janet, die Koordinatorin des Programms. Alle 12 Arche-Mütter der 2024er Gruppe sind noch aktiv in ihren Kleinstunternehmen engagiert.

„Ich bin so dankbar für dieses Programm der Arche-Schule, durch das ich gelernt habe, mein eigenes Geschäft erfolgreich zu starten – ich verkaufe jetzt Bananen, Orangen, Mangos, Zwiebeln und Avocados –, und die nötigen finanziellen Mittel dafür habe ich auch erhalten“, berichtet Caroline. „Jetzt hab ich einen kleinen Raum für uns als Familie gemietet, meine Kinder gehen wieder zur Schule, und wir haben wenigstens zwei Mahlzeiten am Tag. Dank der Betreuung durch Janet weiß ich, wie ich Preise festsetze und wie ich meinen Gewinn kalkulieren kann. Ich bin zuversichtlich, dass das Geschäft mir bald helfen wird, unsere gesamten täglichen Bedürfnisse zu decken und unseren Lebensstandard zu verbessern.“

Auch Hellen, ebenfalls eine alleinerziehende Mutter, ist begeistert: „Ich war eine von den glücklichen Personen, die am Schulungsprogramm teilnehmen durfte. Ich habe gelernt, wie man Buchhaltung macht und mit Kunden umgeht, und mein Geschäft auf eine sichere Basis gestellt. Meine Kinder gehen jetzt regelmäßig zur Schule, und wenn sie nach Hause kommen, dann finden sie Mahlzeiten auf dem Tisch – alles dank eurer Hilfe!“

Das Kleinstunternehmen-Programm ist ein einfaches Konzept – aber es funktioniert. Zentral ist die viertägige „Business“-Schulung, in denen die Frauen Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen, um ein kleines Unternehmen zu starten und erfolgreich zu verwalten und weiterzuentwickeln. Später folgt eine weitere Schulung zum „Auffrischen“; auch eine Einheit für psychische Gesundheit wird den Frauen angeboten, da viele unter traumatischen Erfahrungen leiden. Janet besucht jede Geschäftsfrau mindestens zweimal pro Woche, um ihre Bücher und Kosten zu prüfen, Hinweise zur Preisgestaltung und Vermarktung der Produkte zu geben und ihnen zu helfen, tatsächlich Gewinn zu erzielen.

Gemeinsam mit Janet haben die Frauen schon einige Herausforderungen bewältigt – unter anderem die Sprachbarriere, da viele eingewandert sind und sich in der Landessprache kaum verständigen können; hier sind die Schulkinder oft eine große Hilfe. Aber trotz dieser kleinen Hürden ist Janet sehr zuversichtlich über den Erfolg des Programms:

„Aufgrund der Schulungen und den wöchentlichen Besuchen haben wir jetzt 24 aktive Unternehmen, 20 davon führen ihre Buchhaltung schon gut durch, und 19 sind ausgezeichnet in der Vermarktung ihrer Produkte oder Dienste und ziehen neue Kunden an, sodass ihr Gewinn steigt und das Unternehmen wächst. Die Teilnehmer der früheren Gruppe können 60% der Bedürfnisse ihrer Familien selbst begleichen – zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Schulkosten und Miete – und werden bis Ende dieses Jahres wohl unabhängig sein. Die 2024er-Gruppe hat bereits 45% erreicht, d.h. sie können zu einem Teil das Schulmaterial und Lebensmittel für ihre Familie kaufen und die Miete bezahlen. Sie werden wohl noch bis Mitte nächsten Jahres wöchentliche Besuche benötigen, um vollständig selbstständig zu werden. Da sie alle gute Aufzeichnungen über ihre Ver- und Einkäufe und den Fortschritt ihres Geschäfts machen, können sie in Zukunft auch Darlehen von Banken beantragen.

Insgesamt ist das Betteln stark zurückgegangen; die Familien sind nicht mehr auf Almosen von Freunden oder Nachbarn angewiesen. Auch die häusliche Gewalt hat sich verringert, und die Kinder besuchen zu 100% die Schule. Die Schulung zur psychischen Gesundheit hat außerdem den Frauen geholfen, mit ihrem Umfeld gesunde Beziehungen zu fördern.“

Auch Torsten S., erfolgreicher Geschäftsmann und Mitglied von Helping Hands, der im Frühjahr 2025 einige der Geschäftsfrauen im Rahmen einer privaten Reise persönlich besuchen konnte, ist beeindruckt von den beobachteten Ergebnissen: „Eine Frau mit einem kleinen Gemüsestand hat mir bestätigt, dass sie aus ihrem Einkommen drei Kinder und ein Enkelkind ernährt und Schule und Unterkunft bezahlt. Eine andere Frau hat einen Friseursalon gestartet und viel Potential, Geld zu verdienen, denn ihre Kundinnen scheinen sehr zufrieden zu sein und durch Mundpropaganda bekommt sie neue Kunden.

Insgesamt hat diese Initiative nachhaltig die Lebenssituationen der Familien verändert. Die Frauen sind selbstständig und strahlen ein großes Selbstbewusstsein aus, dass sie ihr Leben selbst managen können. Es ist schön zu sehen, dass das wirklich Hilfe zur Selbsthilfe ist!“

Vierundzwanzig erfolgreiche Geschäftsfrauen … vierundzwanzig Familien, die einen gesunden Alltag erleben dürfen und mit Hoffnung auf Morgen blicken … somit auch fünfzig bis hundert Kinder, die die Schule besuchen und eine echte Chance für die Zukunft haben – das zieht auch Kreise weit über die ursprüngliche Gruppe hinaus. Janet reflektiert: „Wir glauben, dass der Erfolg dieses Projekts diesen Teil des Kariobangi-Slums auf eine neue Ebene bringt und viele Menschen zum Nachahmen animiert. Wir sind sehr dankbar für diese Vision und freuen uns auf die Fortsetzung des Programms.“

Derzeit steht eine neue Gruppe von Frauen in den Startlöchern, um die Schulungen zu beginnen, ihre Geschäftspläne auszuarbeiten und umzusetzen. Aber dieses Mal sind es nicht nur Mütter von Arche-Schülern. Denn schon nach kurzer Zeit hat das Programm über die Schule hinaus Wirkung gezeigt – einige Frauen aus der Community kamen zur Arche und haben gebeten, ins Projekt aufgenommen zu werden. Janet hat bereits mehrere Monate mit ihnen zusammengearbeitet, um Kontakte zu knüpfen und die Frauen auf das Schulungsprogramm vorzubereiten.

Und plötzlich hat das Ziel des Schulungsprogramms sich geöffnet in eine viel breitere Vision: nicht nur einzelne Familien zu bevollmächtigen, sondern einen ganzen Stadtteil nachhaltig zu verändern und einen Ort der Hoffnung zu erschaffen, wo bisher die Hoffnungslosigkeit herrschte.

Ein Leuchtturm im Ozean des Elends

Wie die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia Kinderleben nachhaltig verändert

Wir stehen in einem winzigen, dunklen Raum, in der hintersten Ecke eines kleinen Compounds, zu dem von der staubigen Nebenstraße des Slums eine klapprige Blechtür führt. Die Kammer ist fast völlig ausgefüllt von einem Bett; auch ein kleiner Gaskocher hat noch Platz. Übers Bett und den schmutzigen Boden quer verteilt liegen Kleidungsstücke, leere Tüten, mal hier ein Heft und da ein Schuh.

Auf dem Bett sitzt Kiah*, blickt uns verwirrt an, als wir das Zimmer betreten. Ihr Jüngster hockt neben ihr und isst aus einer Plastiktüte; alle anderen sind in der Schule.

Geduldig stellt Bentina, die Schulleiterin, ein paar Fragen an die junge Mutter, erkundigt sich nach ihrem Ergehen, gibt einige Ratschläge. Sie weiß: Noch bis vor kurzem ging es Kiah und ihren Kindern viel schlechter. Da lebten sie noch auf der Straße, bis sich das Schulpersonal ihrer annahm und ihnen einen Wohnraum verschaffte.

Kiah leidet seit ihrer Kindheit an einer geistigen Behinderung. Deshalb landete sie auf der Straße, nahm Drogen. Es kam, wie es kommen musste: Sie wurde schwanger. Inzwischen hat sie vier Kinder; wer die Väter sind, weiß keiner.

Aber wer kümmert sich denn um die Kinder, nachdem die Mutter es offensichtlich selbst nicht kann?

„Wir kümmern uns“, antwortet Bentina schlicht. „In der Arche-Schule bekommen sie all ihre Mahlzeiten; wir schauen regelmäßig nach der Familie und sorgen für alles, was sie brauchen. Durch die Patenschaften ist auch ihr Schulgeld gedeckt.“

Und noch mehr bekommen Kiahs Kinder hier: Liebe und Fürsorge. Zeit und ein offenes Ohr. Wertschätzung und Respekt. Für sie ist die Arche-Schule ihr Zuhause.

Seit 25 Jahren ein „Leuchtturm“

Und sie sind nicht die einzigen, auf die das zutrifft! Im letzten Vierteljahrhundert hat die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia hunderte von Kinderleben nachhaltig verändert. Das liegt nicht zuletzt an der Vision von Bentina und Bernard, dem leitenden Ehepaar, und dem großartigen Kollegium an der Schule. Auch die Community selbst hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Arche-Schule zu einem Leuchtturm im Ozean des Elends geworden ist.

Vor 25 Jahren waren Bentina und Bernard in Kibera, dem gigantischen Elendsviertel am Rande Nairobis, tätig, als sie gebeten wurden, in Kariobangi Kurse für Erwachsenenbildung anzubieten. Schon nach kurzer Zeit sagten die Männer und Frauen in den Kursen: „Wir kommen hierher um zu lernen, aber unsere Kinder sitzen zuhause und lernen nichts. Könnt ihr nicht vormittags unsere Kinder unterrichten, und uns nur abends?“

So begann 1999 auf Bitte der Familien die Arche-Schule – und bis heute sieht es die Community als „ihre Schule“ an, sorgt für Sicherheit trotz des gefährlichen Umfelds, löst religiöse Konflikte, engagiert sich in Gremien, hilft ehrenamtlich bei Renovierungsarbeiten, kümmert sich „um jedes Kind auf der Straße, das einen roten Arche-Pulli trägt“. Vom Kindergarten mit einer Handvoll Kindern wuchs die Arche über die Jahre zu einer vollen Schule mit mehreren Gebäuden und 450 Schülern bis zur 8. Klasse. Durch eine  kürzliche landesweite Umstellung des Schulsystems kann das bald bis zur 9. Klasse und einem Schulabschluss auf Niveau einer mittleren Reife ausgeweitet werden; derzeit wartet die Schule noch auf die endgültige Genehmigung für diesen Schritt.

Eine ganz besondere Atmosphäre

Die Eltern aus Kariobangi sind unglaublich dankbar, dass sie ihre Kinder an die Arche-Schule schicken können. Denn die zeichnet sich nicht nur durch eine gute Schulbildung aus, sondern eine so herzliche, respektvolle Atmosphäre, dass sie wahrlich wie ein Leuchtturm aus dem rauen Umfeld des Slums hervorsticht.

„In den öffentlichen Schulen werden die Kinder heute noch geschlagen und angeschrien“, erklärt Bentina. „Und wenn nicht, dann gibt es keinerlei Disziplin. An der Arche machen wir das anders – das lernt jeder neue Lehrer gleich als erstes. Und es funktioniert! Die Eltern sagen, dass die Arche Kinder viel besseres Benehmen haben als andere. Manchmal schicken die Behörden schwierige Kinder von anderen Schulen zu uns, weil sie sich hier am ehesten Erfolg versprechen.“

Wenn man in der Arche den Unterricht besucht, merkt man diese Atmosphäre sofort. Kein Lehrer muss die Stimme erheben, alle gehen geduldig und liebevoll auf die Schüler ein, trotz teils völlig überfüllten Klassenräumen. Aber die Kinder nutzen das nicht aus, sondern halten sich an – teilweise selbst aufgestellte – Regeln und danken den Lehrern durch Gehorsam und einer Disziplin, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Auch untereinander achten die Kinder aufeinander, kümmern sich um solche, die im Unterricht nicht so gut mitkommen. Und wenn nachmittags die Schule aus ist, merkt man, dass die meisten Kinder lieber dableiben würden.

Investition in die Zukunft

„Die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin“ – immer wieder höre ich diesen Satz von Absolventen, von denen fast jeden Tag welche an der Schule vorbeikommen um Hallo zu sagen, oder auch, um ehrenamtlich in den Kindergartenklassen und der Bibliothek mitzuhelfen. Einer davon ist Shakur*.

Shakur ist heute 20 Jahre alt und hat vor einigen Jahren von der Arche absolviert und dann, dank eines Stipendiums, das die Arche für Highschooler organisiert, den offiziellen High School Schulabschluss geschafft. Jetzt wartet er auf die notwendigen Dokumente, um im September eine Berufsausbildung zu beginnen. Als er vorbeikommt und mal wieder im Büro seiner Schulleiterin sitzen darf, strahlt er übers ganze Gesicht – genau so, als ob er nach Hause gekommen ist und endlich seine Familie wiedersieht. Und Bentina heißt ihn wie einen lieben Sohn willkommen, hört ihm zu, ermutigt ihn.

„Das Leben da draußen ist nicht einfach“, gibt Shakur zu. „Alle Jungs in meinem Alter sind drogenabhängig, haben die Schule abgebrochen, die Mädels sind schwanger. Ich bin der einzige, der anders ist, der einzige, der einen Schulabschluss hat. Und ich bin so froh darüber!“

Voll Zuversicht strahlt er seine Schulleiterin an, dann blickt er kurz aus dem Fenster. „Ich vermisse die Arche. Einige meiner Geschwister sind noch hier. Ich möchte ein Vorbild für sie sein. Ich bin so dankbar für die Arche – die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin!“

Dorothea Gschwandtner

 

Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch unserer Geschäftsführung im Februar 2024. Als Helping Hands e.V. unterstützen wir die Arche Schule seit mind. 15 Jahren; u.a. durch Einzelprojekte wie die Fertigstellung des derzeitigen Schulgebäudes mit Inventar, Lehrerausbildung, Hygienestationen u.v.m. Seit 2022 vermitteln wir Patenschaften für Kinder an der Arche-Schule, denn vor allem seit Corona können sich viele Familien nicht das gesamte Schulgeld leisten. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

Derzeit sind wir in Gesprächen mit der Schulleitung, um ein umfassenderes Angebot für Familien zu erarbeiten und durch Schulungen und Investition in Kleinstunternehmen die wirtschaftliche Lage der Familien nachhaltig zu verbessern. Dazu folgen in den nächsten Wochen noch weitere Informationen.

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

Ayana will Ärztin werden

Im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, erhalten Schüler in der Arche-Schule eine echte Chance

Während Familien in Deutschland sich so langsam auf die Sommerferien freuen, sind die Arche-Schulkinder und ihre Lehrer in Kenia noch so richtig im Stress. Denn durch die Lockdowns hatten sie zweieinhalb Trimester („Terms“) Unterricht verpasst; das versucht die Schulbehörde alles wieder aufzuholen und hat pro Jahr ein weiteres Trimester eingeschoben und alles etwas gestaucht, sodass mehr Lernmaterial in weniger Zeit vermittelt werden soll. Dadurch begann das neue Schuljahr nicht im Januar, sondern im April, soll aber trotzdem bis Anfang November fertig sein – mit nur zweimal einer Woche Ferien. Ganz schön anstrengend!

Trotzdem sind alle froh, dass sie endlich wieder „normal“ in die Schule gehen dürfen. Anfangs noch mit Maske und Abstand – dafür wurden in den Schulhof der Arche Container gestellt, um mehr Raum zu haben; die Masken – für jede Klasse eine andere Farbe – wurden nachmittags in der Schule gewaschen und aufgehängt, sodass sie am nächsten Morgen wieder neu benutzt werden konnten. Inzwischen ist der Unterricht wieder ohne Maske möglich und in den gewohnten Klassenräumen. Nur die Zelte und Container stehen noch, da die Schule weitere 100 Kinder aus dem Kariobangi-Slum aufgenommen hat.

Im März gab es endlich wieder eine Absolvierungsfeier – welch ein Fest! Die Achtklässler freuten sich, dass sie nach den schweren Prüfungen so richtig feiern konnten; die Kindergartenkinder, die nun in die 1. Klasse aufrücken, marschierten stolz in ihren Roben auf die Bühne, die unter einem großen Zelt auf der neugepflasterten Straße vor der Schule aufgebaut worden war. Auch die Klassenfahrt der 8. Klasse in den Nairobi Nationalpark konnte wieder stattfinden – die Achtklässler des letzten Jahres wurden mit eingeladen – sowie die Freizeit, zu der traditionell alle „Highschooler“ eingeladen sind.

Aber auch wenn alle froh sind, dass der Unterricht wieder regulär stattfindet – das bringt auch Sorgen mit sich. Denn die Eltern konnten schon für drei „Terms“ kaum das Schulgeld aufbringen, für vier ist das den meisten geradezu unmöglich. Das Leben in den Slums wurde durch die Pandemie noch mehr zum Überlebenskampf, denn der Großteil der ohnehin dürftigen Einnahmequellen brach weg. Keine Touristen bedeutet keine Käufer für Schnitzereien und Handarbeiten auf den Massai-Märkten, keine Jobs in Hotels, kaum Abnehmer für Agrarprodukte … „Manche Familien sind so am Ende“, beschreibt unser örtlicher Partner die Lage.

Vor einigen Monaten haben wir das Helping Hands Patenschaftsprogramm auf die Arche-Schule in Nairobi ausgeweitet und die ersten Patenschaften vermittelt. Und gerade jetzt gibt es noch so viele Kinder und Familien, die dringend Unterstützung brauchen!

Eine davon ist Ayana*. Sie wohnt bei ihrer Tante und Onkel und drei älteren Cousinen. Geboren wurde sie in Äthiopien, wo ihre Mutter noch lebt. Doch nachdem der Vater starb, wurde die junge Mutter gezwungen, einen viel älteren Mann zu heiraten. Der mochte Ayana nicht und zwang die Tante, sie nach Kenia mitzunehmen.

Seit einigen Jahren besucht Ayana nun die Arche-Schule. Sie ist eine sehr gute Schülerin und hat vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften hervorragende Noten – Ärztin möchte sie einmal werden. „Wir sind guter Zuversicht“, sagt Bentina, ihre Schulleiterin, „dass sie diesen Traum auch verwirklichen kann, wenn sie weiter so gut lernt!“ Auch im sozialen Bereich zeichnet sie sich aus; bei Lehrern und Kameraden ist sie sehr beliebt und wurde zur Leiterin der Schülervertretung gewählt. Ihre Stärken sind besonders Schauspiel und Debatte; „sie kann Diskussionsgruppen sehr gut leiten, und zeigt wirkliche Reife in allen Bereichen“, lobt Bentina.

Doch wie bei vielen anderen Schülern steht Ayanas Familie vor großen Herausforderungen. Bentina berichtet: „Sie leben in einer Mietswohnung mit zwei Zimmern. Mit dem wenigen Geld, das ihr Onkel als Gelegenheitsarbeiter verdient, kann er kaum die Schulgebühren für seine eigenen Kinder bezahlen, die Grundbedürfnisse befriedigen und außerdem noch für Ayana sorgen.

Als Arche-Schulteam haben wir uns die Zeit genommen, die Familie zu Hause zu besuchen. Wir haben gesehen, in welch schlimmem Zustand die Familie ist. Sie können sich nicht mal jeden Tag eine Mahlzeit leisten. Deshalb sind wir überzeugt, dass Ayana wirklich Unterstützung für ihre Schulbildung braucht!“

Bald wird Ayana in eine Highschool außerhalb des Kariobangi-Slums aufrücken und ihrem Traum, einmal Ärztin zu werden, einen Schritt näher kommen – aber nur, wenn sich eine Möglichkeit findet, die hohen Schulgebühren zu begleichen. Und hunderte jüngere Kinder, die noch einige Jahre an der Arche-Schule vor sich haben, hoffen ebenso auf die Chance, ihren Traum für eine gute Schulbildung und einen „richtigen“ Beruf zu verwirklichen.

Wenn Sie durch eine Patenschaft dazu beitragen möchten, dass Ayana und ihre Kameraden und Kameradinnen diese Chance erhalten, dann kontaktieren Sie uns bitte oder füllen das Online-Formular aus (bei Region „Afrika“ wählen). Natürlich hilft auch eine einmalige oder monatliche Spende – dann bitte in der Online-Spende „Arche-Schule (Kenia)“ auswählen oder mit diesem Vermerk auf das Konto von Helping Hands e.V. überweisen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

 

* Name geändert

Video-Update aus der Arche-Schule

Auch die Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, die wir seit über 10 Jahren unterstützen, wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. In diesem Video erzählt Christel G., wie die Arche-Mitarbeiter die Herausforderungen gemeistert haben und welche spannenden Möglichkeiten die Zukunft bietet!

Kreativität und Durchhaltevermögen

„Bisher sind wir noch in Sicherheit, aber das Leben ist extrem schwer geworden. Das ganze Land steht still. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird. Es gibt kein Essen mehr. Oder ich sollte sagen: nur noch für die Reichen. Die Preise sind zu hoch für die wenigen Lebensmittel, die es noch gibt. Die Läden sind leergekauft. Die nächsten Wochen werden sehr hart sein.“ So schrieb Bentina, Gründerin und Direktorin der Arche Schule in Kenia, Ende März. Seitdem hat die Lage sich kontinuierlich verschlimmert. „Lebensmittel sind das größte Problem hier. Die Familien stehen vor einer wirklich schweren Zeit. Meine Familie auch!“

Die Elendsviertel der Großstädte, wo sich Hunderttausende auf engem Raum drängen, sind besonders hart von der Corona-Krise betroffen, und das ist auch im Kariobangi-Slum in Nairobi nicht anders: Social Distancing, perfektionierte Hygiene, Lernen oder Arbeiten von zuhause aus – das alles ist hier unmöglich. „Wir wissen nicht, was wir unseren Lehrern sagen sollen“, erklärt Bentina. „Hier bei uns können wir nichts von daheim aus machen. Die Technik ist zu unterentwickelt, unsere Kinder haben keine Computer zuhause, somit hat Schulunterricht in Afrika einfach aufgehört. Das ist eine sehr traurige Situation für alle Afrikaner!“

Nur wenige Tage nach dem ersten Corona-Fall wurden in Kenia durchgreifende Maßnahmen eingeführt – Schulen, Geschäfte, Büros geschlossen, Versammlungsverbot, nächtliche Ausgangssperre … und ständig kommen neue, härtere Beschränkungen hinzu, die teilweise mit kaum Warnung über Nacht in Kraft treten und das Leben besonders für die gefährdetste Bevölkerungsgruppe schier unerträglich machen.

Innerhalb weniger Tage wurden über 150.000 Menschen in den verschiedenen Slums um Kariobangi arbeitslos. Jetzt stehen die Familien vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, denn sie sind darauf angewiesen, täglich ihr Geld zum Überleben zu verdienen – zum Beispiel durch kleine Kioske oder Essensverkauf am Straßenrand, als Haushaltshilfe oder Gärtner. Das ist in dieser Lage kaum möglich, wie ein Vertreter unseres Partners beschreibt:

„Die Samosa-Verkäuferin, die vom Verkauf an die Schulkinder lebt, hat keine Kunden mehr. … Der Mann, der sonst äthiopischen Kaffee kocht,  wartet vergebens auf seine Stammkunden. … Die, die sonst im Stau zwischen den Autos alles anbieten, von Erdnüssen über Ladekabel bis zu Schuhregalen, bleiben zu Hause, da es keinen Stau mehr gibt.“ (D. Kroppach)

Besonders alleinerziehende Mütter sind hart getroffen; aber auch die vielen Familien, wo Väter in den Schlachthäusern arbeiteten, die nun geschlossen sind, weil die Beschränkungen den Transport unmöglich machen.

Jetzt hungern Hunderttausende, von denen ohnehin schon viele mangelernährt waren – und wenn das Virus ihren Slum treffen sollte, haben diese Menschen noch weniger Chancen, die Krankheit zu überstehen. Das haben natürlich auch Bentina und ihr Team von engagierten Lehrern erkannt, und stellten in kürzester Zeit einen Plan für präventive Soforthilfe auf die Beine – nicht, um Menschen abhängig von Hilfsleistungen zu machen, sondern um sie in dieser Ausnahmesituation im Kampf ums tägliche Überleben zu unterstützen. Denn die Kinder der Arche erhalten ja auch sonst täglich eine warme Mahlzeit in der Schule, die derzeit wegfällt.  „Die Idee der Hilfe ist, den Familien einen Grundstock zu geben, aber nicht alles zu übernehmen, sondern auch immer noch eine Eigenleistung zu erwarten.“ (D. Kroppach)

Aus jeder Schulklasse wurden 10 besonders bedürftige Familien ausgewählt, die einzeln zur Schule kommen und – unter strengen Regeln zu Hygiene und Mindestabstand – ein Paket mit Lebensmitteln für eine Woche abholen können: Mais, Reis, Zucker, Bohnen, Linsen, Tee, Öl und Seife. „Die Freude war groß, als sie die Lebensmittel in Empfang nehmen durften, “ berichtet unser Partner,  „vor allem bei denen, die schon seit Tagen keine warme Mahlzeit mehr hatten.“

Mehrere Wochen konnten so Verteilungen stattfinden, bis der nächste Schlag drohte: Bei einer Verteilung im größten Slum Nairobis war es zu Zwischenfällen gekommen; zwei Menschen kamen um. Danach wurden Verteilaktionen erst einmal verboten und alle Spenden sollten über Regierungskanäle laufen. Doch glücklicherweise ist Bentina, die Direktorin der Arche Schule, nicht nur sehr mutig, sondern auch vor Ort sehr angesehen und gut vernetzt, und konnte so eine offizielle Erlaubnis bekommen, die Essensverteilungen in Kariobangi weiterzuführen – unter anderem, weil ja die Schulmahlzeit für die Kinder derzeit wegfällt. Es gibt zwar neue Regelungen, zum Beispiel muss jeder erst mit einem „Fieber Gun“ gemessen werden und dann unterschreiben, dass er oder sie ein Paket bekommen hat, aber Bentina und die Lehrer sind froh und erleichtert, dass sie so ihre Familien weiter unterstützen können.

In dieser Lage zeichnet die Arche sich nicht nur im Durchhaltevermögen aus, sondern auch durch eine gute Portion Kreativität. In einer der ersten Verteilaktionen erhielten die Schüler der Klassen 6 bis 8 ein Buch, das zumindest eine Art Unterricht weiter möglich macht. Ein Vertreter unseres Partners beschreibt:

„Durch die Bücher, die wir für die älteren Schüler kaufen konnten, können diese weiter von zu Hause arbeiten. Jeweils zwei Lehrer kommen zur Schule, um sich jeweils einzeln die Sachen anzusehen, die die Schüler gemacht haben. Mehr ist leider momentan nicht möglich, um nicht die Regeln zu brechen. Andere Lehrer haben Videos aufgezeichnet und per WhatsApp an die Schüler gesendet, damit diese wenigstens etwas vom Material bekommen.

Die Nähfrauen fangen jetzt an, Mundschutze zu nähen. Seit gestern ist es eine Vorschrift diese zu tragen, für alle, jederzeit! Das wird den Frauen helfen, ein eigenes Einkommen zu bekommen.“ (D. Kroppach) Wer ohne Mundschutz erwischt wird, muss fast 200 Euro Strafe bezahlen, für die Menschen hier eine ungeheure Summe. Daher haben die Nähfrauen zumindest eine Zeitlang ein kleines gesichertes Einkommen.

Und auch in Kariobangi hat das „digitale Lernen“ nun zaghaft Einzug gehalten. Die Lehrer der Klassen 6 bis 8 nehmen Lektionen auf – bisher auf ihrem privaten Handy; inzwischen konnten zwei neue Telefone gekauft werden, die diese Arbeit deutlich erleichtern – und schicken sie an die Eltern der Kinder. Manche der Familien haben kein Telefon, sodass dann Kinder aus der Nachbarschaft zu zweit die Lektionen anhören.

 

Eine Herausforderung, der die Arche sich noch gegenübersieht, sind die Gehälter der Lehrer. Denn unter den momentanen Umständen können die Eltern kein Schulgeld mehr bezahlen, das für zehn Lehrer und Mitarbeiter (etwa die Hälfte der Angestellten) die Gehaltskosten deckte. Das wird sich auch nach der Krise nicht sofort bessern, da die Familien über Monate hinweg wirtschaftlich beeinträchtigt sein werden. Doch natürlich möchte die Arche ihre Lehrer nicht im Stich lassen.

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, der Arche und ihren Lehrern durch diese schwierige Zeit zu helfen, dann spenden Sie mit dem Vermerk „Coronakrise Kenia“ per Überweisung oder online. Damit tragen Sie dazu bei, dass den Familien im Kariobangi-Slum auch über die Krise hinaus wirkungsvoll geholfen wird und ihre Leben und vor allem die der Kinder nachhaltig verändert werden!

 

Lesen Sie wie unsere Partner in Nepal und in Albanien in Zeiten der Coronakrise Hoffnung bringen.

Corona-Krise anderswo

Dasselbe Virus, aber dramatischere Folgen: Unsere Partner berichten aus aller Welt

„Heute hatten wir die ersten Corona-Fälle. Es ist furchtbar. Alles ist dicht. Man darf sich nicht mehr öffentlich treffen“, so schreibt Gesti aus dem ärmsten Land Europas. „Unser Kindergarten wurde für drei Wochen geschlossen. Dadurch fallen alle Einnahmen weg, und wir wissen nicht, wie wir die Mitarbeiter bezahlen sollen.“

Niemand war auf diese Katastrophe vorbereitet. Doch wie immer trifft es die besonders Benachteiligten am härtesten. Unsere Projektpartner in Südasien und Afrika, Osteuropa und dem Nahen Osten stehen vor ähnlichen Herausforderungen:

Im Libanon ist die Schule unseres Partners nun schon die vierte Woche geschlossen. Das ist besonders schlimm für die Schüler, weil ja schon im Herbst aufgrund der politischen Lage mehrere Wochen Unterricht ausfielen und viele Eltern ihre Jobs verloren haben. „Die Situation hier ist sehr kritisch“, schreibt die Schulleiterin. Besonders gefährdet sind die zahlreichen Schüler aus Flüchtlingsfamilien, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen.

In Nepal wurden bisher zwar erst zwei Menschen positiv getestet, trotzdem sind alle Schulen und auch die Kinderzentren unseres Partners für einen Monat geschlossen. Die örtlichen Mitarbeiter überprüfen aber weiterhin regelmäßig, ob die Kinder und Eltern gesund sind, um im Zweifelsfall umgehend helfen zu können. Größere Sorge bereitet unserem Partner die finanzielle Lage: Händler begannen sofort, durch künstliche Verknappung die Preise für alltägliche Produkte und Grundnahrungsmittel in die Höhe zu treiben. Viele haben Angst, dass ihnen bald das Nötigste zum Überleben fehlt.

In Sri Lanka mussten die Kinderzentren ebenfalls vorübergehend geschlossen werden. Nachts herrscht eine Ausgangssperre und die Regierung zieht in Betracht, diese auf tagsüber auszuweiten, da sich das Virus besonders durch Menschen verbreitet hat, die sich der Quarantäne entzogen haben – wodurch auch viel Panik entstanden ist. „Es ist besonders schwierig für die Bedürftigsten, die auf ein tägliches Einkommen angewiesen sind“, berichtet unser Partner. Denn sie besitzen immer nur gerade so viel Geld, um für einen Tag einzukaufen – was sehr schwierig ist, wenn Reichere die Läden leergekauft haben. „Es ist erschreckend und herzergreifend, die Menschen so leiden zu sehen.“

In Bangladesch besuchen normalerweise knapp 5000 Kinder die ca. 50 Kinderzentren unseres Partners. Ein paar dieser Kinderzentren werden zum größten Teil örtlich finanziert – zum Beispiel ein Zentrum in Naogaon: „Die meisten Kinder hier kommen aus sehr benachteiligten Randgruppen“, erklärt unser Partner. „Aber alle möchten ihre Kinder zum Zentrum schicken, weil sie hier so gut versorgt werden. Die meisten Kosten werden örtlich getragen.“ Doch das ist jetzt sehr schwierig geworden, denn auch in Bangladesch haben sich die Preise für alltägliche Dinge teilweise um 50% erhöht. „Es wird eine große Herausforderung, all unsere Mitarbeiter zu bezahlen.“

(Unsere örtlichen Partner in Südasien überlegen derzeit gemeinsam mit unserem internationalen Förderpartner NCM, Lebensmittel und andere nötige Produkte an die bedürftigsten Familien zu verteilen. Dabei sollen sich natürlich alle Helfer an strenge Sicherheitsvorkehrungen halten, um das Virus nicht weiterzuverbreiten.)

In Albanien herrscht zwar weiterhin Ausgangssperre, zur Arbeit dürfen die Einwohner nur von 6 bis 9 Uhr morgens und 16 bis 18 Uhr nachmittags und es fehlt an vielen notwendigen Hilfsmitteln, vor allem auch in Krankenhäusern. Trotzdem konnte unser Partner bereits dringend benötigte Hilfe leisten: An viele der Familien unseres Kinderzentrums verteilten freiwillige Helfer unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen Tüten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Die Familien waren dafür enorm dankbar, denn die meisten können sich keine Lebensmittel mehr leisten. Der Kindergarten ist weiterhin geschlossen, doch die Kinder sind zuhause aktiv und senden regelmäßig Bilder von den Bastelarbeiten, die sie unter Anleitung herstellen konnten.

In Rumänien musste unser Partner Veritas alle Programme am 12. März schließen; derzeit bis 22. April. Die Mitarbeiter können in dieser Zeit Arbeitslosengeld erhalten. Die Leiter der verschiedenen Programme (u.a. für Kinder aus benachteiligten Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung) bleiben mit ihren Klienten in Kontakt und helfen, wo möglich.

In Kenia befindet sich die Schule unseres Partners in einem der gefährdetsten Gebiete des Landes: dem Kariobangi-Slum in Nairobi. Hygiene beachten, Kontakt meiden – das ist in einem Slum viel schwieriger oder gar unmöglich. Die Familien stehen vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, denn die meisten sind darauf angewiesen, täglich ihr Geld zum Überleben zu verdienen. Und auch hier mussten alle Schulen geschlossen werden. Das bedeutet für die Kinder der „Arche“ Schule, dass sie in den nächsten Wochen sehr hungrig sein werden, denn für viele ist sonst das Schulessen die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Lernen per Internet oder Videokonferenz ist im Slum keine Option; dafür hat die Regierung aber angekündigt, jeden Tag bis nachmittags nur Bildungsprogramme in Radio und Fernsehen auszustrahlen. Trotzdem – den Kindern fehlt vor allem das „Zuhause“, das sie in der „Arche“ gefunden haben!

 

So dramatisch die Lage ist – es besteht auch viel Hoffnung. Denn unsere Partner geben nicht so schnell auf und bemühen sich heute genauso wie gestern und morgen, denen zur Seite zu stehen, die am meisten gefährdet sind.

Deshalb möchten wir auch in dieser Krise unseren Partnern unter die Arme greifen, damit ihre wertvolle Arbeit weitergehen kann und Kindern und Familien in Not geholfen wird!

Ihre Spende ermöglicht einen Neuanfang und Hilfe, wo es am Nötigsten ist. Herzlichen Dank dafür!

Drei Lehrer drücken die Schulbank

In der Arche Schule in Nairobi, Kenia, werden auch Lehrern Träume erfüllt

„Der Lehrer Stephen machte 1999 sein Abitur. Er hatte gute Noten und hätte im Teacher Training  College Lehramt studieren können. Aber das geschah nicht, denn sein Vater war alkoholabhängig und kümmerte sich um nichts. Stephen beschloss, sich mit handwerklichen Arbeiten Geld zu verdienen. Zur Arche kam er zuerst als Reinigungskraft. Aber dann haben wir sein großes Talent entdeckt!
Jetzt lernt er im Teacher Training College, sein Lehrtalent zu perfektionieren. Er setzt alles um, was er im College lernt. Er ist auch sehr kinderbezogen: Wie ein Vater ist er für die Schüler und die Kinder mögen ihn sehr. Die Fertigkeiten und das Wissen, die er im College erhält, tragen auch dazu bei, dass unsere Schüler zu reifen Persönlichkeiten heranwachsen.“

„Die Lehrerin Martha kam vor sechs Jahren zu uns. Sie kommt aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihre Mutter starb, als sie klein war. Eine Stiefmutter zog sie auf, war aber sehr brutal zu ihr. Die Lage verschlimmerte sich noch, als sie einmal spät abends geschickt wurde, um Feuerholz zu holen, und von einer sehr giftigen Schlange gebissen wurde, sodass ihr rechter Fuß amputiert werden musste.
In der Schule war sie sehr gut und mit ihren Noten hätte sie problemlos zur Universität gehen können. Aber ihr Traum wurde zerschlagen, weil die Stiefmutter es verbot. Also rannte Martha davon und kam nach Nairobi, um nach Arbeit zu suchen, und so erhielt sie eine Chance in der Arche Schule. Sie ist eine sehr gute und strukturierte Lehrerin und diese Weiterbildung ist perfekt für ihre Talente und Interessen. Nach Aussagen ihrer Dozenten ist sie sehr intelligent und fleißig. Wir sind sicher, dass sie viel dazu beitragen wird, die akademische Qualität unserer Schule zu verbessern.“

„Der Lehrer George ist sehr innovativ. Er unterrichtet Mathematik und Naturwissenschaft. Er schloss sich letztes Jahr unserem Lehrerteam an, nach einem sehr traurigen Lebensweg. Schon als kleines Kind wurde er Vollwaise. Auf Zuckerrohrfarmen verdiente er sich einen Lebensunterhalt. Er arbeitete noch zusätzlich am Wochenende, und mit seinem geringen Gehalt bezahlte er die weiterführende Schule. Als er vor einem Jahr zu uns kam, machte er den Eindruck eines engagierten Lehrers. Nach der Probezeit waren wir uns einig: Obwohl er nur das Abitur besaß, war er ein sehr guter Lehrer, und es war für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Deshalb haben wir ihn auch für diese Weiterbildung empfohlen.
Auch George wird von seinen Schülern sehr gemocht. Er begleitet sie wie ein Bruder. Er hat wirklich eine gute Beziehung mit ihnen, vor allem wenn sie Fußball spielen. Wir als Schule sind so dankbar für diese Lehrer und ihre Hingabe, und dass wir alle gemeinsam als Team zusammenarbeiten, um unsere Schule auf ein höheres Niveau zu bringen.“

 

So schreibt Bentina, die Direktorin der Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, über die drei Lehrer, die – unterstützt durch Helping Hands e.V. – seit letztem Jahr eine Weiterbildung besuchen. Im Frühjahr 2019 berichtete die Arche Schule, dass aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen einige Lehrer der Arche nicht weiter unterrichten dürfen. Manche konnten die benötigten Papiere erhalten, andere benötigten eine Weiterbildung. Helping Hands beschloss, in diese Lehrer und damit in die Zukunft der Schule zu investieren.

Daher besuchen Stephen, Martha und George seit letztem Jahr ein Teacher Training College. Die berufsbegleitende Weiterbildung dauert zwei Jahre und umfasst sechs Module; Schulpraktika und Praxisexamen werden direkt in der Arche Schule absolviert und von Dozenten und Vertretern des Bildungsministeriums monatlich geprüft. Die Lehrer zahlen Reisekosten zum College in Machakos, Verpflegung und 10% der Unigebühren und Unterkunft selbst; der Rest wird aus den fördernden Spenden beglichen.

Drei Module haben die Lehrer bereits absolviert und sind enorm dankbar für die Möglichkeit, so ihr offizielles Lehrerzertifikat zu erhalten. „Sie sind alle unglaublich angetan … so viel hätten sie sich nie erarbeiten können, um das selbst zu bezahlen“, schreibt unser örtlicher Partner. „Diese Ausbildungsmöglichkeit ist wirklich die Erfüllung ihrer Träume!“

Langeweile gibt’s hier nicht

Langweilig – das wird es an der Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, eigentlich nie.

Für die „Kleinen“ war es vor ein paar Wochen sehr aufregend: Sie gingen auf große Müll-Expedition. Der neue kenianische Lehrplan beinhaltet viele praktische Dinge – zum Beispiel, dass Kinder lernen, für ihre Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Also zogen die Drittklässler los – mit selbstgebastelter Schutzkleidung im Heinzelmännchen-Look – und sammelten in der Umgebung der Schule den Müll ein. Was für ein Ereignis!

Bei den „Großen“ geht es schon ein wenig ernster zu: In dieser Woche finden die Abschlussprüfungen der 8. Klasse statt. Und Anfang Dezember schreiben die Oberstufenschüler, die über die Arche durch eine Patenschaft unterstützt werden, ihre Examen. Das ist sehr aufregend für sie, denn das Ergebnis entscheidet, ob sie ein Stipendium erhalten und auf der Uni studieren können. Vorher dürfen die Highschooler noch eine Woche auf ein Feriencamp – das Highlight des Jahres!

Aber auch für die Schulleitung der Arche wird es nicht langweilig. Durch die Umwälzungen des letzten Jahres – im November 2018 berichteten wir darüber – sind einige Familien weggezogen, die die Arche sehr unterstützt hatten. Andere zahlen das Schulgeld nicht mehr, sodass finanzielle Lücken entstanden sind und einige Kinder zuhause bleiben mussten. Aber da zeigten sich wiederum einige Eltern solidarisch und bezahlten die Gebühren füreinander. Neue Eltern haben Leitung übernommen und setzen sich positiv für die Schule ein.

Und dann kamen noch Herausforderungen von „ganz oben“: Seit einigen Wochen werden die privaten Grundschulen in Kenia streng kontrolliert, da in einer Schule sieben Kinder aufgrund von Baumängeln umkamen. Im Gebiet der Arche Schule wurden alle privaten Schulen nach Kontrolle umgehend geschlossen – außer der Arche. Ein stabiles Schulgebäude mit ordentlich gepflastertem Hof, adäquat ausgestattete Klassenzimmer, saubere Sanitäranlagen, eine modernisierte Küche und ein Personal, das von Herzen am Wohlergehen der Schule und der Schüler interessiert ist: Da war von Schließung nicht die Rede, ganz im Gegenteil!

Für die Leitung der Arche Schule ist das eine schöne Bestätigung – und ermutigt dazu, sich weiter unermüdlich einzusetzen für die Kinder des Kariobangi-Slums, die ohne die Arche Schule sehr wahrscheinlich gar keine Schulbildung erhalten würden. Langweilig? Dieses Wort kennen die Kinder kaum. Das Leben ist doch so aufregend!