Neuer Vorstand gewählt

Helping Hands e.V. stellt sich für die Zukunft auf

Seit fast dreißig Jahren ist es den Mitgliedern und Freunden von Helping Hands e.V. ein Anliegen, in verschiedenen Notsituationen und Ländern wirkungsvoll zu helfen und nachhaltig zu verändern. Damit das möglichst professionell geschehen kann, sind nicht nur vertrauenswürdige Partner in den Einsatzländern, sondern auch eine funktionierende Vereinsstruktur in Deutschland notwendig. Um den Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit im 21. Jahrhundert gerecht zu werden, wurden in den vergangenen Monaten einige Maßnahmen in die Wege geleitet, zum Beispiel Registrierung bei diversen Bündnissen wie Haus des Stiftens und der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

In der Mitgliederversammlung von Helping Hands e.V. am 2. März 2020 wurde deshalb eine strikte Trennung zwischen dem Verein inklusive Vorstand (Legislative) und der Geschäftsführung (Exekutive) beschlossen: Der Vorstand bestimmt und überwacht die Geschäftsführung im Auftrag des Vereins; die Geschäftsführung leitet die tägliche Arbeit.

Zugleich wurde eine Verjüngung des Vorstandes eingeleitet; das Durchschnittsalter konnte so um etwa 30 Jahre gesenkt werden. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen:

Simon Bangert, Erster Vorsitzender
Dennis Lieske, Zweiter Vorsitzender
Fabian Fuß, Schriftführer
Dr. Christoph Nick, Beisitzer
Dr. Hermann Gschwandtner, ex officio (Geschäftsführer)

Als erste Amtshandlung bestätigte der neue Vorstand Dr. Hermann Gschwandtner als Geschäftsführer. Dr. Gschwandtner diente dem Verein bisher mehrere Jahrzehnte als Erster Vorsitzender in der Geschäftsführung und kann auf über 30 Jahre Erfahrung in internationaler Entwicklungshilfe zurückgreifen.

Die neuen Mitglieder des Vorstands zeichnen sich durch leitende Verantwortung in Beruf und Kirche aus und engagieren sich schon länger ehrenamtlich bei Helping Hands e.V., vor allem durch Leitung der bzw. Teilnahme an den alljährlichen paXan-Einsätzen.

Wir bedanken uns zugleich ganz herzlich bei Pastor Hans-Günter Mohn und Winfried Friedel für ihren langjährigen Einsatz als Zweiter Vorsitzender bzw. Schriftführer!

NEU: Die Online-Spende

Überweisung – Kreditkarte – PayPal … und hoffentlich bald Sofortüberweisung:

Ab sofort kann über unsere Website wieder online gespendet werden!

Die Spende erfolgt über eine SSL-gesicherte Verbindung. Sie erhalten eine sofortige Spendenbestätigung per E-Mail und automatisch eine offizielle Spendenquittung zu Anfang des folgenden Jahres (falls Sie die nötigen Address-Informationen angegeben haben). Noch Fragen? Kontaktieren Sie uns.

Und hier geht’s zur Online-Spende …

 

Auf dem Online-Spendenformular können Sie ein Projekt angeben, das Sie unterstützen möchten. Für ausgesuchte Projekte können Sie aber auch direkt ein angepasstes Spendenformular ausfüllen. Zum Beispiel für unser Jahresprojekt 2020 im Libanon: Das Formular dazu finden Sie hier.

 

Mein Traum: Ein ganz normales Schulkind sein

Früher war Jiro* ein ganz normales Schulkind. Er ging zum Unterricht, machte seine Hausaufgaben, spielte mit Freunden, freute sich auf die Ferien und war stolz, als sein kleiner Bruder Nabil* geboren wurde.

Dann brach der Bürgerkrieg aus.

Anfangs machte das kaum Unterschied: Die Kämpfe waren weit weg von Jiros Heimatstadt. Zwar musste der Vater sich einen anderen Job suchen, aber ansonsten blieb vieles wie gewohnt. Nabil wurde eingeschult, Jiro spielte weiter mit seinen Freunden.

Bis zu dem Tag, an dem der Vater nicht nach Hause kam. Sein Bus war an einem neuen Checkpoint angehalten worden und alle mussten sich ausweisen. Jiros Vater hatte den „falschen“ religiösen und ethnischen Hintergrund. Der Bus fuhr weiter, der Vater blieb zurück. Bis heute weiß die Familie nicht, ob er noch lebt.

Es war spät abends, als die Mutter ihren Jungs berichten musste, was passiert war. „Mein Herz schlug wie wild“, erinnert sich Jiro. „Die Welt wurde ganz dunkel.“ Monatelang wurde mit den Entführern verhandelt. Nichts geschah.

Schließlich musste die Familie das Land verlassen. „Wir wollten nach Deutschland kommen. Jemand versprach uns zu helfen, wir mussten viel Geld zahlen. Eine Woche vor dem Abflug rief er an und sagte die Reise ab. Jemand anders hatte ihm mehr gezahlt.“

So kamen Jiro, Nabil und seine Mutter nach Beirut, wo sie bei einer Tante wohnen konnten. Das Leben für syrische Flüchtlinge im Libanon ist nicht einfach. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind Jobs und bezahlbarer Wohnraum ohnehin schon knapp. Und gegen das Nachbarland verspüren viele Libanesen aus historischen Gründen eine tiefe Aversion. Die meisten staatlichen Schulen nehmen inzwischen keine syrischen Kinder mehr an.

Ein ganz normales Kind zu sein – in die Schule zu gehen und dort als gleichwertiger Kamerad angenommen zu werden, nachmittags Hausaufgaben zu machen und mit Freunden zu spielen, bis die Eltern von der Arbeit nach Hause kommen – dieser „Traum“ ist für viele syrische Kinder im Libanon unerreichbar.

Einige Zeit nach ihrer Ankunft traf Jiros Mutter in einer Kirche eine Frau, die ein Bildungsprogramm für Flüchtlingskinder anbot. Nach einigen Monaten in diesem Programm konnten die Brüder dank eines Stipendiums an die NES wechseln, die Schule unseres Partners in Beirut. Und dort konnte Jiro – endlich – wieder ein ganz normales Schulkind sein!

„Mein Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Ich hatte Angst. Ich wusste nicht, wie meine Zukunft aussieht. Ich dachte immer negativ.

Aber das hier ist die beste Schule der Welt. Viel besser als meine Schule in Syrien. An der NES hatte ich noch nie das Gefühl, dass jemand mich diskriminiert. Hier fühlt es sich wie ein Zuhause an, wie Familie. Wir kommen gut zurecht mit den Lehrern, ich habe viele Freunde. Im Unterricht hab ich mich verbessert, auch im Sport, in Musik. Alles, was wir machen, macht mir Spaß. Jetzt fühle ich Frieden.“

Im Sommer 2019 absolvierte Jiro von der NES. Er hatte nicht nur gute Noten, sondern entwickelte auch deutliches Führungspotential: Im letzten Jahr leitete er die Schülervertretung. Die Lehrer und anderen Schüler vermissen ihn sehr!

Sein Bruder Nabil ist jetzt in der fünften Klasse. Er hat sich gut eingelebt, ist immer freundlich und wird von allen gemocht. „An der NES hab ich neue Freunde gefunden, die mich nicht mobben. Sie haben mir sogar geholfen, neue Sprachen zu lernen, obwohl ich kam und weniger wusste.“

Kameraden, die nicht mobben, eine Schule, wo man respektiert und wertgeschätzt wird, einfach ein ganz normales Schulkind sein – davon träumen die Flüchtlingskinder im Libanon und andere Kinder aus benachteiligten Randgruppen, die in regulären Schulen keine Chance hätten. Und der NES Studienfond lässt diesen Traum zur Wirklichkeit werden!

Im Rahmen unseres Jahresprojekts 2020 haben wir uns vorgenommen, mindestens 22.000 Euro für den Studienfond und ggf. weitere Projekte zu sammeln. Helfen Sie mit, dass Kinder wie Jiro und Nabil die Chance haben, ein „ganz normales Schulkind“ zu sein!

 

* Namen aus Sicherheitsgründen geändert

Drei Lehrer drücken die Schulbank

In der Arche Schule in Nairobi, Kenia, werden auch Lehrern Träume erfüllt

„Der Lehrer Stephen machte 1999 sein Abitur. Er hatte gute Noten und hätte im Teacher Training  College Lehramt studieren können. Aber das geschah nicht, denn sein Vater war alkoholabhängig und kümmerte sich um nichts. Stephen beschloss, sich mit handwerklichen Arbeiten Geld zu verdienen. Zur Arche kam er zuerst als Reinigungskraft. Aber dann haben wir sein großes Talent entdeckt!
Jetzt lernt er im Teacher Training College, sein Lehrtalent zu perfektionieren. Er setzt alles um, was er im College lernt. Er ist auch sehr kinderbezogen: Wie ein Vater ist er für die Schüler und die Kinder mögen ihn sehr. Die Fertigkeiten und das Wissen, die er im College erhält, tragen auch dazu bei, dass unsere Schüler zu reifen Persönlichkeiten heranwachsen.“

„Die Lehrerin Martha kam vor sechs Jahren zu uns. Sie kommt aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihre Mutter starb, als sie klein war. Eine Stiefmutter zog sie auf, war aber sehr brutal zu ihr. Die Lage verschlimmerte sich noch, als sie einmal spät abends geschickt wurde, um Feuerholz zu holen, und von einer sehr giftigen Schlange gebissen wurde, sodass ihr rechter Fuß amputiert werden musste.
In der Schule war sie sehr gut und mit ihren Noten hätte sie problemlos zur Universität gehen können. Aber ihr Traum wurde zerschlagen, weil die Stiefmutter es verbot. Also rannte Martha davon und kam nach Nairobi, um nach Arbeit zu suchen, und so erhielt sie eine Chance in der Arche Schule. Sie ist eine sehr gute und strukturierte Lehrerin und diese Weiterbildung ist perfekt für ihre Talente und Interessen. Nach Aussagen ihrer Dozenten ist sie sehr intelligent und fleißig. Wir sind sicher, dass sie viel dazu beitragen wird, die akademische Qualität unserer Schule zu verbessern.“

„Der Lehrer George ist sehr innovativ. Er unterrichtet Mathematik und Naturwissenschaft. Er schloss sich letztes Jahr unserem Lehrerteam an, nach einem sehr traurigen Lebensweg. Schon als kleines Kind wurde er Vollwaise. Auf Zuckerrohrfarmen verdiente er sich einen Lebensunterhalt. Er arbeitete noch zusätzlich am Wochenende, und mit seinem geringen Gehalt bezahlte er die weiterführende Schule. Als er vor einem Jahr zu uns kam, machte er den Eindruck eines engagierten Lehrers. Nach der Probezeit waren wir uns einig: Obwohl er nur das Abitur besaß, war er ein sehr guter Lehrer, und es war für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Deshalb haben wir ihn auch für diese Weiterbildung empfohlen.
Auch George wird von seinen Schülern sehr gemocht. Er begleitet sie wie ein Bruder. Er hat wirklich eine gute Beziehung mit ihnen, vor allem wenn sie Fußball spielen. Wir als Schule sind so dankbar für diese Lehrer und ihre Hingabe, und dass wir alle gemeinsam als Team zusammenarbeiten, um unsere Schule auf ein höheres Niveau zu bringen.“

 

So schreibt Bentina, die Direktorin der Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, über die drei Lehrer, die – unterstützt durch Helping Hands e.V. – seit letztem Jahr eine Weiterbildung besuchen. Im Frühjahr 2019 berichtete die Arche Schule, dass aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen einige Lehrer der Arche nicht weiter unterrichten dürfen. Manche konnten die benötigten Papiere erhalten, andere benötigten eine Weiterbildung. Helping Hands beschloss, in diese Lehrer und damit in die Zukunft der Schule zu investieren.

Daher besuchen Stephen, Martha und George seit letztem Jahr ein Teacher Training College. Die berufsbegleitende Weiterbildung dauert zwei Jahre und umfasst sechs Module; Schulpraktika und Praxisexamen werden direkt in der Arche Schule absolviert und von Dozenten und Vertretern des Bildungsministeriums monatlich geprüft. Die Lehrer zahlen Reisekosten zum College in Machakos, Verpflegung und 10% der Unigebühren und Unterkunft selbst; der Rest wird aus den fördernden Spenden beglichen.

Drei Module haben die Lehrer bereits absolviert und sind enorm dankbar für die Möglichkeit, so ihr offizielles Lehrerzertifikat zu erhalten. „Sie sind alle unglaublich angetan … so viel hätten sie sich nie erarbeiten können, um das selbst zu bezahlen“, schreibt unser örtlicher Partner. „Diese Ausbildungsmöglichkeit ist wirklich die Erfüllung ihrer Träume!“

Rückblick: Jahresprojekt 2019

„Straße oder Schulbank?“ Oder vielleicht eher:
„Bücher oder Drogen?“

Gut, so ganz direkt wird wohl kaum einer unserer Kinder in Kombinat, Albanien, diese Entscheidung treffen müssen. Aber irgendwie doch: denn die richtigen Schulbücher sind erforderlich, um die Schule besuchen zu dürfen. Und die sind teuer! Für ältere Kinder kann das schon mal über 100 Euro kosten. Das kann sich doch keine Familie dort leisten! Eben nicht – und das bedeutet, dass viele Kinder einfach gar nicht zur Schule gehen. So wäre es auch für Gjergj gewesen, der älteste von sieben Jungs. „Wenn er nicht zur Schule gehen würde, dann wäre er sicherlich auf der Straße und im Drogenhandel verstrickt“, erklärt Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners.

Aber Gjergj geht zur Schule – und er hat Schulbücher. Die hat er in unserem Kinderzentrum in Kombinat erhalten. Im Herbst sammelte eine Kinderkirche in Hessen, um die Kinder in Kombinat mit Schulmaterial zu unterstützen: Ihre ganz eigenen Füller, Buntstifte, Hefte, gleich zu Schulanfang – das war toll! Aus Spenden für unser Jahresprojekt 2019 konnten zusätzlich die Schulbücher für die älteren Kinder bezahlt werden. Eine Handvoll Bücher, die die Entscheidung trifft zwischen Straße und Schulbank; die dafür sorgt, dass Jungs und Mädchen eine Zukunft haben.
Denn dafür setzen die Mitarbeiter des Kinderzentrums sich ein: dass Kindern aus Randgruppen, die sonst kaum Chancen hätten, durch Schulbildung und sonstige Förderung echte Möglichkeiten für die Zukunft geboten werden. Und an Motivation fehlt es diesen Kindern nicht! Die Lehrerin berichtet:

„Eine meiner besten Schülerinnen ist Aurora. Ich bin so dankbar dass solche Kinder hier im Kinderzentrum sind, die ansonsten keinen Ort zum Lernen hätten und so viel verpassen würden. Viele Tage bleibe ich länger mit ihr im Zentrum, über die Arbeitszeit hinaus, weil sie immer darum bittet, noch mehr zu lernen. Am Ende des Schuljahres hatte sie sehr gute Noten und war eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse.

Und Gyselda: Jedes Mal, wenn sie eine gute Note schreibt, kommt sie und umarmt mich und dankt mir. Sie ist auch eins der Kinder, die immer länger bleiben, um noch mehr zu lernen. Keinen einzigen Tag hat sie dieses Jahr im Kinderzentrum verpasst. Ich bin so stolz auf sie!“

Die Hingabe ihrer Lehrer und die Förderung, die sie im Kinderzentrum erhalten, machen einen riesigen Unterschied für die Kinder. Die Unterstützung hilft ihnen besonders darin, ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Straße oder Schulbank? Was hier die richtige Antwort ist, ist diesen Kindern völlig klar.

Ein ganzes Jahr lang beteiligten sich hunderte von Einzelpersonen, Gruppen und Kirchengemeinden – zum Beispiel durch einen Spendenlauf und ein Jazzkonzert – an unserem Jahresprojekt 2019: Kinderzentrum und Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mehr als 15.000 Euro kamen so bis Ende Dezember zusammen! Über den genauen Einsatz der Mittel beraten wir mit dem örtlichen Partner in den kommenden Wochen. Unter anderem konnte dadurch aber bereits eine neue Lehrerin für den Kindergarten eingestellt werden; das trägt dazu bei, dass der Kindergarten zeitnah finanziell selbsttragend wird und auch das Kinderzentrum mit unterstützt.

Etwas Stabilität schenken, einen Ort bieten, an dem die Kinder sich sicher und geliebt fühlen – das ist für sie enorm wichtig, denn jedes dieser Kinder lebt in schwierigen familiären Verhältnissen. Das ist aber auch besonders dann relevant, wenn sonstige Stabilität zusammenbricht. Das Erdbeben in Albanien Ende November zerstörte auch in Kombinat viele Häuser – sämtliche Familien des Kinderzentrums waren betroffen (der Kindergarten blieb unbeschädigt). Aber unser örtlicher Partner stand ihnen zur Seite, half mit Lebensmitteln, Decken und Schlafsäcken durch die ersten Tage hindurch, ermutigte und beriet, schenkte Hoffnung in einer Weihnachtsfeier – ebenfalls durch Spenden aus dem Jahresprojekt – und fand schließlich ein neues Gebäude fürs Kinderzentrum, sodass im Januar der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte. Die Kinder sind begeistert von den neuen Räumen, die erheblich mehr Platz bieten; sogar ein Hof und Garten zum Spielen stehen nun zur Verfügung.

Straße oder Schulbank? Bücher oder Drogen? Ein herzliches Dankeschön, dass Sie sich mit den Kindern in Kombinat für die bessere Wahl eingesetzt haben!

„Das teile ich mit meinen Freunden!“

Weihnachtspäckchen spenden Weihnachtsfreude in Bulgarien und Rumänien

 

„Er wuchs auf mit der festen Überzeugung, dass er aus seinem Leben mehr machen kann, als was man ihm zutraute.“

Als Plamen* drei Jahre alt war, gaben seine Eltern ihn im Waisenhaus ab. Plamen hat Behinderungen, und seine Eltern fühlten sich überfordert. Meist ist der Lebensweg für Menschen wie Plamen schon vorgegeben: Vom Waisenhaus werden sie in ein Wohnheim für Erwachsene mit Behinderungen verlegt, und dort sterben sie. Aber der Direktor des Waisenhauses sah Plamens Potential und sorgte dafür, dass der Junge operiert wurde, sodass er laufen kann. Dann sandte er ihn zur Dorfschule, und danach zur weiterführenden Schule; schließlich besuchte Plamen noch einen Kochkurs.

Heute lebt Plamen in einem „Schutzhaus“ (eine WG für Menschen mit Behinderung) und arbeitet als Sozialhelfer für eine andere Person mit Behinderung; mit seinem kleinen Einkommen unterstützt er seine Herkunftsfamilie. „Plamen ist ein besonderer junger Mann mit einem großen Herz!“, betonen unsere örtlichen Mitarbeiter. Er bringt sich auch in der Dorfgemeinschaft ein, kauft Lebensmittel für bedürftige ältere Menschen und hilft ihnen bei der Hausarbeit.

Im Dezember erhielt er ein Weihnachtspäckchen von Helping Hands. Seine erfreute Reaktion: „Vielen Dank! Das werde ich mit meinen Freunden und meiner Familie teilen.“

 

Insgesamt 681 Weihnachtspäckchen, 100 „Schulpäckchen“ und weitere 10 Kisten mit Schulartikeln konnte Helping Hands e.V. Anfang Dezember ins rumänische Siebenbürgen und die bulgarischen Berge entsenden. Dort spendeten die Päckchen nicht nur große Weihnachtsfreude, sondern tragen auch dazu bei, die harten Wintermonate zu überstehen, denn die meisten Familien können sich die Lebensmittel und Hygieneartikel in den Päckchen kaum selbst leisten. Zum Beispiel Radka* in Vidrare, Bulgarien; Mutter von acht Kindern. Unsere einheimischen Mitarbeiter erzählen über sie:

„Radka wuchs in einer bedürftigen Roma-Familie auf. Sie brach die Schule ab und war verheiratet, bevor sie 18 wurde. Ihr Mann starb vor drei Jahren und ließ sie mit vier Kleinkindern und großen Schulden zurück. Früher arbeitete Radka im Waisenhaus für Kinder mit Behinderung, aber vor vier Jahren wurde es durch die Regierung geschlossen und Radka musste nach anderen Einkommensmöglichkeiten suchen, um ihre Familie zu versorgen. In einem kleinen Dorf ist es nicht so einfach, eine Arbeitsstelle zu finden – aber für Radka nicht unmöglich. Sie hat einen sehr guten Ruf im Dorf und kann hart arbeiten. Viele begannen, sie als Haushaltshilfe oder für Gartenarbeit anzustellen. Und Radka ist eine Mutter, die die Schule unterstützt und der eine gute Ausbildung wichtig ist. Ihre älteren Kinder haben alle die Schule abgeschlossen, Jobs gefunden und eigene Familien gegründet; ihre jüngeren Kinder sind noch im Kindergarten. Radka hilft auch befreundeten Roma-Familien und lehrt sie, nicht aufzugeben, auch wenn das Leben viele Herausforderungen bringt. Sie ist ein großartiges Beispiel für andere. Herzlichen Dank, dass ihr Radkas Familie viel Freude beschert habt!“

Plamen und Radka sind nur zwei von vielen hunderten Einzelpersonen und Familien, deren Weihnachten durch die Weihnachtspäckchen zu einem richtigen Fest wurden. Ein herzliches Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben!

 

*Namen aus Datenschutzgründen geändert

Weihnachtsfreude trotz Erdbeben

„Alle Familien der Kinder in unserem Kinderzentrum haben ihr Zuhause verloren. Am Tag nach dem Erdbeben wurden sie erst mal in Zelten untergebracht, für etwa eine Woche. Danach konnten einige in Notunterkünfte hier in der Gegend umziehen – kleine Holzhütten, eigentlich gar keine richtigen Häuser. Manche leben noch in Turnhallen mit vielen anderen. Wir haben alle Familien besucht und ihnen Lebensmittelpakete gebracht, auch Schlafsäcke, Decken und Matratzen. Sie haben sich so gefreut – viele haben geweint, sie waren so dankbar.“

Gesti Biti, der Leiter unseres örtlichen Partners und Generalsekretär aller evangelischen Gemeinden in Albanien, ist seit dem Erdbeben Ende November unermüdlich unterwegs gewesen – er hat Nothilfe organisiert, Familien besucht, Menschen zugehört und Mut zugesprochen. Und sich nebenher noch um einige logistische Angelegenheiten gekümmert: Denn zum Beispiel ist das Gebäude, in dem die Kinder des Kinderzentrums täglich zum Mittagessen kommen, so stark beschädigt, dass es nicht mehr betreten werden darf. Inzwischen hat Gesti einen neuen Ort gefunden, der zum 1. Januar gemietet wird, sodass auch das Kinderzentrum wieder eröffnen kann, wenn die Schule nach den Ferien weitergeht.

Aber vorher ist ja noch Weihnachten! Auch dafür hat Gesti einige Ideen:

„Wir werden den Familien Coupons geben, mit denen sie sich ein Weihnachtsessen kaufen können. Auch das hilft sehr! Und dann möchten wir, wie in den letzten zwei Jahren, eine Weihnachtsfeier mit den Kindern des Kinderzentrums und ihren Familien veranstalten. Dafür laden wir sie zu einem besonderen Mittagessen ein – um Weihnachten zu feiern, aber auch als eine Art Traumatherapie für sie alle, denn sie haben viel durchgemacht. Sie haben auch immer noch Angst, denn ständig gibt es weitere Nachbeben. Diese Weihnachtsfeier ist etwas ganz Besonderes für sie.“

Dieses Jahr unterstütze Helping Hands e.V. das Kinderzentrum in Kombinat sowie einen Kindergarten im gleichen Ort als „Jahresprojekt“. Der Kindergarten wurde glücklicherweise nicht beschädigt und konnte kurz nach dem Erdbeben wieder eröffnet werden und läuft normal weiter. Und die Familien des Kinderzentrums dürfen erneut erfahren, dass Hoffnung sich nicht nur in besseren Schulnoten wiederspiegelt, sondern einen echten Unterschied im Alltag schenkt.

Hoffnung, wenn die Erde bebt

Noch vor wenigen Wochen wurden auf diesen Tischen nagelneue Buntstifte, Bücher und Rucksäcke von strahlenden Kinderaugen bestaunt – jetzt belegen hier fleißige Hände viele, viele Brötchen mit Käse und Wurst, um zumindest ein wenig Hunger zu lindern auf den Straßen, auf denen Menschen verängstigt warten, was kommt. Und unser Kinderzentrum in Kombinat am Rande Tiranas ist nur einer von unzähligen Orten, an dem das Leben seit dem Erdbeben am Dienstagmorgen nicht mehr so weitergeht wie zuvor.

Das schlimmste Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten hat mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet, Hunderte verletzt und weitreichende Zerstörung angerichtet. „Viele Leute sind auf der Straße, weil ihre Häuser zu stark beschädigt sind“, berichtet Gesti, der Leiter unseres Partners vor Ort. „Viele andere haben Angst, in ihre Wohnungen zurückzukehren.“

Inzwischen hat er ein Komitee von Leitern verschiedener Kirchen und Gruppen zusammengestellt, um Hilfe zu organisieren. „Wir haben Zugang zu den Zentren bekommen, die die Regierung eingerichtet hat – das war nicht einfach, aber ein wichtiger Schritt. Wir haben Brote und Wasser verteilt und eine warme Mahlzeit zubereitet für die Familien, die in Kombinat in Zelten untergebracht sind. Die Not ist groß – benötigt werden vor allem erst einmal Nahrung, Kleidung und Decken.“ Doch angesichts der großen Zerstörung ist auf alle Fälle langfristige Hilfe nötig. Zudem hat Helping Hands bereits Kontakte mit Spezialisten für Katastrophenhilfe vermittelt.

Das Epizentrum des Erdbebens lag nur etwa 30 km nordwestlich des Kinderzentrums und Kindergartens, die wir als das Helping Hands Jahresprojekt 2019 unterstützen. Wie wird es dort jetzt weitergehen?

„Wir mussten den Kindergarten und das Kinderzentrum für diese Woche schließen, weil die Regierung das verlangt hat“, erklärt Gesti. „Die Kinder haben alle große Angst. Die Erde bebt immer noch alle 10 bis 15 Minuten – so etwas haben wir noch nie erlebt. Zudem wurde das Gebäude beschädigt, in dem die Kinder ihre Mittagsmahlzeit bekommen, und die Behörden haben es als unsicher eingestuft: Wir dürfen dort nicht mehr rein.“

Natürlich hofft unser Partner, dass die Lage sich bald entspannt und Kindergarten und Kinderzentrum zeitnah wiedereröffnet werden können. Und bis dahin tun unsere örtlichen Mitarbeiter in der derzeitigen Situation von Angst und Verzweiflung für viele Familien und Kinder genau das, was sie in Kindergarten und Kinderzentrum schon seit einigen Jahren in die Tat umsetzen und auch im Namen des Kindergartens, „AM-EL“, verankert haben: sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen.

Langeweile gibt’s hier nicht

Langweilig – das wird es an der Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, eigentlich nie.

Für die „Kleinen“ war es vor ein paar Wochen sehr aufregend: Sie gingen auf große Müll-Expedition. Der neue kenianische Lehrplan beinhaltet viele praktische Dinge – zum Beispiel, dass Kinder lernen, für ihre Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Also zogen die Drittklässler los – mit selbstgebastelter Schutzkleidung im Heinzelmännchen-Look – und sammelten in der Umgebung der Schule den Müll ein. Was für ein Ereignis!

Bei den „Großen“ geht es schon ein wenig ernster zu: In dieser Woche finden die Abschlussprüfungen der 8. Klasse statt. Und Anfang Dezember schreiben die Oberstufenschüler, die über die Arche durch eine Patenschaft unterstützt werden, ihre Examen. Das ist sehr aufregend für sie, denn das Ergebnis entscheidet, ob sie ein Stipendium erhalten und auf der Uni studieren können. Vorher dürfen die Highschooler noch eine Woche auf ein Feriencamp – das Highlight des Jahres!

Aber auch für die Schulleitung der Arche wird es nicht langweilig. Durch die Umwälzungen des letzten Jahres – im November 2018 berichteten wir darüber – sind einige Familien weggezogen, die die Arche sehr unterstützt hatten. Andere zahlen das Schulgeld nicht mehr, sodass finanzielle Lücken entstanden sind und einige Kinder zuhause bleiben mussten. Aber da zeigten sich wiederum einige Eltern solidarisch und bezahlten die Gebühren füreinander. Neue Eltern haben Leitung übernommen und setzen sich positiv für die Schule ein.

Und dann kamen noch Herausforderungen von „ganz oben“: Seit einigen Wochen werden die privaten Grundschulen in Kenia streng kontrolliert, da in einer Schule sieben Kinder aufgrund von Baumängeln umkamen. Im Gebiet der Arche Schule wurden alle privaten Schulen nach Kontrolle umgehend geschlossen – außer der Arche. Ein stabiles Schulgebäude mit ordentlich gepflastertem Hof, adäquat ausgestattete Klassenzimmer, saubere Sanitäranlagen, eine modernisierte Küche und ein Personal, das von Herzen am Wohlergehen der Schule und der Schüler interessiert ist: Da war von Schließung nicht die Rede, ganz im Gegenteil!

Für die Leitung der Arche Schule ist das eine schöne Bestätigung – und ermutigt dazu, sich weiter unermüdlich einzusetzen für die Kinder des Kariobangi-Slums, die ohne die Arche Schule sehr wahrscheinlich gar keine Schulbildung erhalten würden. Langweilig? Dieses Wort kennen die Kinder kaum. Das Leben ist doch so aufregend!

paXan 2019 Georgien: YES!!!

„YES!!!“ – Das war schon nach kürzester Zeit das Motto unseres paXan-Einsatzes in Georgien.

„YES!“, wenn wir morgens in der Martkopi Pension für Menschen mit Behinderung, unserem Einsatzort, ankamen und schon im Hof von zahlreichen Heimbewohnern stürmisch begrüßt wurden.

„YES!“, wenn wir durch die Gänge zu unserem Baustellen-Raum marschierten und mutig auf Georgisch „Gamardschoba“ in alle Richtungen riefen.

„YES!“, wenn unsere Freunde erwartungsvoll hereinlugten, um den Fortschritt an ihrem Music & Entertainment Center zu bestaunen („YES!“ auch an den Tagen, an denen es noch so gar nicht nach Music & Entertainment Center aussah …) oder auch mal ein bisschen mitzuhelfen.

„YES!“ mit unerschütterlicher Herzlichkeit und Freude, ob wir zur Mittagspause liefen, in den Hof um Material auszuladen, oder uns abends müde aber zufrieden auf den Heimweg machten.

Und „Yes!“ – YES!“ – „YESSSS!!!“ am letzten Nachmittag beim großen Einweihungsfest, wo einfach nur begeistert gemeinsam gefeiert wurde.

Nach acht Tagen auf der Baustelle gab es auch wirklich guten Grund zum Feiern: Ein öder, leerer Aufenthaltsraum hatte sich tatsächlich in ein erstklassiges Music & Entertainment Center verwandelt. Zu acht hatten wir es gemeinsam angepackt (und einen riesen Spaß dabei!): die Wände gespachtelt und gestrichen; den alten, maroden Fußboden entfernt und wunderschönes neues Laminat verlegt sowie Leisten gebeizt und angebracht; eine stabile, breite Bühne mit Rollstuhlrampe gezimmert, mit Teppich versehen und die Ecken verletzungssicher abgerundet; zwei gigantische Schalldämpfer gefertigt, die vor Ort noch künstlerisch gestaltet werden; fünf Regenmacher gebastelt und in liebevoller Detailarbeit fünf Cajons gebaut (Marke: paXan!); Tontechnik installiert und schließlich noch Vorhänge aufgehängt und Stühle gekauft, sodass ein richtiger kleiner Theatersaal entstanden ist.

Und konnte das Ergebnis sich sehen lassen? YES – zweifellos!

Aber der Raum war ja nicht nur zum Anschauen da, und deshalb wurde am Freitagnachmittag gründlich Einweihung gefeiert. Denn wie bei allen paXan-Einsätzen standen auch bei diesem Einsatz die Menschen im Mittelpunkt: Menschen, die schon lange nicht mehr „die Heimbewohner“ für uns waren, oder gar „Menschen mit Behinderung“, sondern Freunde mit Namen und individuellem Charakter, mit denen wir acht Tage das Leben geteilt und Erinnerungen geschaffen hatten. Die Einweihungsfeier war dann auch keine langweilige Zeremonie, sondern ein überschwengliches, ohrenbetäubendes, leidenschaftliches Fest: Da wurde gemeinsam gesungen und getanzt, Cajon getrommelt und gejubelt und gelacht. Und da waren auch plötzlich alle Barrieren verschwunden: Sprache, Mobilität, geistige Fähigkeiten – denn wer tanzen möchte, kann das auch im Rollstuhl, und wer singt und feiert, der ist mit dem Herzen dabei.

Und das ist es schließlich, was uns als paXan-Team besonders deutlich geworden ist: dass es manchmal reicht, einfach „YES!“ zu sagen – „JA“ zu kulturellen und persönlichen Unterschieden; „JA“ zu einer offenen Tür, die Freunde nicht als „Arbeitsunterbrechung“ sieht; „JA“ zu verschiedenen Begabungen und auch zu den Eigenarten, die etwas gewöhnungsbedürftig sind … einfach ein „Ja, du bist wertvoll, genau so wie du bist!“

Dorli Gschwandtner für das paXan-Team Georgien