Weihnachtsfreude in Bulgarien

Damit Kinder in Vidrare weiter zur Schule gehen können

Mancher mag sich fragen, warum wir seit zwei Jahren keine Weihnachtspäckchen mehr nach Bulgarien senden. Das ist ganz einfach: Die jahrelange Päckchenaktion hat dort so einen Unterschied gemacht, dass die Menschen vor Ort nun selber den bedürftigen Familien in ihren Dörfern unter die Arme greifen. Unsere Kollegin vor Ort, Zhaneta Georgieva, berichtet von dieser begeisternden Entwicklung:

„Was den Dienst hier angeht, so ist es erstaunlich, was die Weihnachtspäckchen bewirkt haben. Sie haben den Menschen in unserer Gegend ein klares Beispiel dafür gegeben, wie man seine Nachbarn sieht und ihnen hilft. Gelobt sei Gott dafür, dass er die Herzen und den Verstand der Menschen geöffnet hat, damit sie beginnen, einander zu helfen und zu versuchen, Wege zu finden, ihr eigenes Leben zu ändern und zu verbessern.

Ich freue mich, dass dies nicht nur eine einmalige Aktion ist, sondern eine gute Gewohnheit wird. Vor zwei Wochen kam einer der reichsten Männer der Gemeinde auf mich zu und fragte, wie er helfen könne. Ich erzählte ihm, dass die meisten der Schulkinder keine guten Winterschuhe haben. Er beschloss, jedem Schüler ein Paar warme Winterschuhe zu kaufen, und jetzt haben wir glückliche Schüler, die mit warmen Füßen herumlaufen. Andere Leute boten an, Jacken und Lebensmittelpakete für die ärmsten älteren Menschen und Familien zu kaufen.

Ich bin wirklich dankbar für diese Entwicklung und preise Gott. Das macht alle Bemühungen wertvoll, und ich danke euch für euer Engagement und euren Fleiß bei allem, was ihr tut!“

Natürlich gibt es trotzdem noch den einen oder anderen Bedarf vor Ort, der mit einer lokalen Spende nicht unbedingt gedeckt werden kann. Deshalb hatten wir ja auch im Rahmen der Weihnachtspäckchenaktion um Spenden für ein zusätzliches „Weihnachtsfreude-Projekt“ in Bulgarien gebeten. Und dieses Projekt können wohl die meisten dieses Jahr gut nachvollziehen: Mittel werden benötigt, um die Schule in Vidrare weiter heizen zu können, damit die Kinder ihre Schulbildung nicht unterbrechen müssen. Zhaneta erklärt:

„Ein Bereich, in dem wir Hilfe brauchen, ist das Füllen des Propantanks zur Beheizung der Schule. Das Budget dafür ist begrenzt und reicht nicht für den gesamten Winter. Unser Ziel ist es, die Kinder in der Schule zu halten und nicht ins Internet zu gehen, denn das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Aufgrund der steigenden Benzinpreise hat die Regierung den Schulen geraten, auf Fernunterricht umzustellen, aber diese Form ist für unsere Schüler nicht geeignet. Zwei Drittel von ihnen haben zu Hause keinen Internetzugang, weil ihre Familien es sich nicht leisten können.  Wenn es also eine Möglichkeit gibt, bei den Heizkosten zu helfen, sind wir dankbar.“

Dank der großzügigen Spenden für unsere Weihnachtsaktion können wir noch vor Weihnachten die benötigten Mittel nach Bulgarien weiterleiten, damit dort weiter Schule stattfinden kann. Die Schule in Tarnava, die wir letztes Jahr ebenfalls bei den Heizkosten unterstützt hatten, hat bereits die nötigen Mittel erhalten.

Nachhaltige Veränderung – das können unsere bulgarischen Kollegen in vielen Bereichen beobachten. Dazu trägt unter anderem auch ein Theaterprojekt im Dorf Dzurovo bei, das wir durch regelmäßige Spenden in diesem Jahr unterstützen konnten. Am 29. Dezember findet dort eine große Theateraufführung statt – danach werden wir eine weitere „Geschichte der Veränderung“ erzählen.

„Euer Engagement ist ein wichtiger Teil einer positiven Entwicklung hier und ich kann euch nicht genug dafür danken!“ (Zhaneta)

Ein wichtiger Schritt zur langfristigen Heilung

Das Schechem-Home auf den Philippinen kümmert sich um Opfer von sexueller Ausbeutung

Das erste, was mir auffällt, als wir Amys* Familie besuchen, ist das strahlende Lächeln von Tala*, der zwölfjährigen Schwester.

Nicht der desolate Zustand der Bretterhütte, die Mutter, Schwester und kleiner Bruder ihr Zuhause nennen.

Nicht das karge Innere mit dem brüchigen Holzboden, im Dämmerlicht eine echte Stolperfalle.

Nicht die rostigen Nägel, die überall hervorstehen und die nackten Füße der Kinder bedrohen.

Auch nicht der stinkende Bach, neben dem die Hütte kauert; in der Trockenzeit gefährlich für Kleinkinder, in der Regenzeit eine Gefahr für alle – „sie leben im Bach“ beschreiben es die Sozialarbeiter, weil das Gewässer regelmäßig die Umgebung überschwemmt.

Nein: Das erste, was auffällt, als die Sozialarbeiter, eine Bekannte und ich Amys Familie besuchen, ist Talas strahlendes Lächeln. Und der fragende Blick auf dem Gesicht des zweijährigen Bruders. Und das hoffnungsvolle Leuchten in den Augen der Mutter.

Wie es Amy geht, möchte sie wissen, und ob sie weiter ihre Schulaufgaben macht. Das können wir ihr versichern: Alle Kinder im „Schechem-Home“ setzen ihre Schulbildung fort. Und dann drückt sie Jayson, dem Familien-Sozialarbeiter, ein Kleid in die Hand, etwas verlegen erklärt sie, dass sie es „Second-Hand“ gekauft hat – „für Amy zum Geburtstag“. Den hatten wir gestern in der Schechem-Familie mit einem leckeren Mittagessen gefeiert; 15 Jahre ist sie jetzt alt.

Im Juni kam Amy das erste Mal zu Schechem. Sie wurde, wie alle anderen Kinder auch, von der Polizei gebracht. Denn nach intensiver Forschung von International Justice Mission und den lokalen Behörden in dieser Region der Philippinen war Amy als Opfer von OSEC (sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet) erkannt worden. Die Sicherheitskräfte befreiten sie und ein weiteres Mädchen aus dieser Situation und brachten sie zu Schechem. Nach zwei Wochen liefen die Kinder davon und kamen nach Hause, aber die Mutter hatte Angst und informierte die Behörden. So kam Amy ins Schechem-Home zurück.

Die letzten Monate waren nicht einfach. Das Schechem-Home ist ein „Assessment Center“, ein Ort, an dem Kinder, die aus OSEC-Situationen befreit wurden, über mehrere Monate hinweg intensiv psychotherapeutisch und medizinisch betreut werden. Ziel ist, dass die Kinder Fertigkeiten erlernen, mit ihrem Trauma und den Erfahrungen umzugehen, sodass langfristig Heilung stattfinden kann. Gleichzeitig prüfen die Sozialarbeiter, wann und ob die Kinder bei anderen Familienmitgliedern reintegriert werden können oder erst einmal in eine längerfristige Einrichtung wechseln sollten.

Diese Entscheidung fällt nicht leicht. In den meisten Fällen sind die Eltern – vornehmlich die Mütter – die Schuldigen, und die Sicherheit der Kinder kann nicht gewährleistet werden. Und manchmal haben die Familien einfach nicht die Mittel, um für ihre Kinder zu sorgen. Das ist auch der Fall bei Amy. Ihre Mutter war in dem Verbrechen nicht involviert. Aber sie hat kein Einkommen – und weniger als 20 Euro pro Monat erhält sie vom Staat für sich und die beiden Kinder. Ihr Mann ist im Gefängnis wegen Drogenmissbrauchs. Derzeit unterstützt die Großmutter ihre Tochter und deren Kinder; sie arbeitet als Straßenfegerin bei der Kommune.

Deshalb wird Amy in den nächsten Tagen vorerst in ein Kinderheim umziehen, in dem sie ganzheitlich gefördert wird und auch ihre Schulbildung fortsetzen kann. Dass sie überhaupt inzwischen bereit ist für diesen Schritt ist der liebevollen Fürsorge des Schechem-Personals zu verdanken.

„Als Amy zu uns kam, war sie extrem traumatisiert“, erinnert sich Analyn, die Direktorin von Schechem. „Sie hat viel Schlimmes erlebt – nicht nur ihre eigene ‚Befreiung‘ von der Polizei, sondern sie musste auch mit anschauen, wie ihr Vater verhaftet wurde, und hat viel Gewalt in ihrer Familie mitbekommen. Am Anfang hat sie ständig geweint und Wutausbrüche bekommen. Sie war einfach völlig durcheinander. Aber mit der Zeit hat sie gelernt, mit ihrer Wut und ihrer Traurigkeit umzugehen. Sie schreibt viel in ihr Tagebuch. Sie weiß jetzt, was sie tun kann, um für ihr emotionales Gleichgewicht zu sorgen. Natürlich kann solch ein Trauma in nur wenigen Monaten nicht völlig heilen. Aber Amy steht ihren Gefühlen nicht mehr hilflos gegenüber – sie hat die nötigen ‚Fertigkeiten‘ erlernt, um damit umzugehen. Und sie möchte jetzt auch unbedingt einen guten Schulabschluss machen.“

Das Besondere an Schechem ist: Es ist nicht nur ein „Assessment Center“, sondern ein Zuhause, wie eine große Familie, in der sich alle um einander kümmern. Und das hat mindestens so heilende Wirkung wie die vielen Therapiestunden beim Psychologen und den Sozialarbeitern. Auch für Amy hat es einen großen Unterschied gemacht.

Zwar ist sie immer noch eher zurückhaltend. Manchmal sitzt sie etwas abseits, und auf ihrem Gesicht liegt ein Schatten, ein Schatten der Erinnerung, den alle Therapiestunden nicht wegwischen können. Dann setzt sie sich auch mal mit Grace, der Sozialarbeiterin im Heim, in einer Ecke des Grundstücks zusammen und hat ein langes, ernstes Gespräch.

Aber dann ist sie auch wieder mittendrin, beim Spielen und Basteln, beim Kochen und Waschen im Heim. Manchmal ertönt ihr Lachen, hell, fröhlich, unbeschwert. Oder sie kommt ganz unerwartet und gibt mir eine feste Umarmung, und dann lächelt sie, ein strahlendes Lächeln, ein Lächeln, das mir bekannt vorkommt: Es ist das Lächeln von Tala, ihrer Schwester.

 

Das Schechem-Home ist ein wichtiges Bindeglied in den einzelnen Entwicklungsschritten, die ein Kind durchlaufen muss, um aus einer OSEC-Situation zurück zu einem gesunden, sicheren und erfüllten Leben zu gelangen. Das Zentrum finanziert sich ausschließlich durch Spenden; für 2023 wird noch viel Unterstützung benötigt. Wenn Sie das Heim darin unterstützen möchten, Kindern wie Amy die notwendige Förderung und Geborgenheit zu geben, dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende das Projekt „Jahresprojekt 2022 Schechem-Home (Philippinen)“.

 Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch der internationalen Geschäftsführerin im Dezember 2022. Die Namen der Kinder wurden zum Schutz der Privatsphäre geändert (*).

„So möchten wir es unsern Kindern beibringen“

Integratives Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal, fördert „Tradition der Unterstützung anderer“

„Das ist eine wirklich große Veränderung für uns!“ Phulmaia steht in ihrem Gemüsegarten, zeigt stolz auf die üppig wachsenden Pflanzen, ihr Gesicht strahlt. „Vorher wussten wir gar nicht, wie man Gemüse richtig anbaut, und wir hatten nie genug – von den Nachbarn mussten wir was erbetteln. Jetzt haben wir mehr als genug Gemüse für die ganze Familie!“

Vor einem Jahr standen wir schon einmal in Phulmaias Garten; da hatte sie gerade eine Schulung zum Gemüseanbau besucht und den Garten ganz neu angelegt. Und schon damals war sie mächtig stolz auf ihren Acker! In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert:

Im Rahmen des Projektes, das Helping Hands e.V. in dem kleinen Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals gemeinsam mit dem örtlichen Partner NCM Nepal durchführt, werden, neben den Bildungszentren für Kinder, auch deren Familien gefördert, um das Einkommen und die Ernährungssicherheit zu verbessern. Wie genau diese Förderung eingesetzt wird, können die Familien selbst entscheiden.

Phulmaia und ihr Mann haben eine etwas ausgefallenere Lösung gefunden als die meisten Familien: Mehrere Schreinerwerkzeuge und Geräte haben sie gekauft. Denn Phulmaias Mann hat viel Erfahrung im Schreinerhandwerk, aber ohne die nötigen Werkzeuge bekam er selten Aufträge. Das ist jetzt anders: Durchschnittlich jeden zweiten Tag kann er an einem Möbelstück arbeiten oder beim Hausbau mithelfen. Damit verdient er ein für lokale Verhältnisse recht adäquates Einkommen. Gemeinsam mit den gesteigerten Erträgen aus Ackerbau und Viehzucht im kleinen Rahmen kann die Familie damit die wichtigsten Ausgaben im Haushalt begleichen.

Und noch anderes hat sich verändert:

In der Selbsthilfegruppe, in der jede teilnehmende Familie vertreten ist, findet ein reger Austausch statt. „Das ist wirklich hilfreich für uns, dass wir uns so gegenseitig bei verschiedenen Themen Rat geben können“, erklärt Phulmaia. „Wir arbeiten wirklich gut zusammen. Und wenn ich selbst etwas beitrage, dann hören die anderen mir zu und ich werde ernst genommen.“

Und dann ist da natürlich noch das Kinderzentrum, in dem ihr neunjähriger Sohn Jay die nötige Förderung bekommt, um einen ordentlichen Bildungsstand zu erreichen. „Das ist für uns so eine große Erleichterung! Ich wünsche mir ja, dass Jay eine gute Ausbildung bekommt und dass er einfach ein guter Mensch wird!“ Jay, den wir kurz vorher auf dem Weg zur Schule getroffen haben, macht den Eindruck, dass das durchaus ein erfüllbarer Wunsch ist: Wie seine Mutter strahlt er Freude und Zufriedenheit aus. Das Leben ist doch so schön!

Aber es hat auch Schattenseiten. Daran erinnern uns Bal Bahadur und Mattimaya, Phulmaias Eltern, die ein paar Minuten entfernt wohnen. Auch sie nehmen am Projekt teil, denn sie kümmern sich um zwei ihrer Enkeltöchter. Die Mutter ging vor einiger Zeit als Gastarbeiter ins Ausland und es besteht kein Kontakt mehr – leider keine Seltenheit in Nepal. Der Vater lebt als Gastarbeiter in der Großstadt und kümmert sich auch nicht um die Kinder.

Trotzdem sind die Großeltern zuversichtlich. Ihre Enkelinnen werden im Kinderzentrum nachhaltig gefördert. Und mit dem Startkapital, das durch das Projekt zur Verfügung gestellt wurde, hat das Ehepaar einen kleinen Laden aufgebaut. Das läuft inzwischen sehr gut; das Einkommen hilft, die Familie zu versorgen. „Wir hoffen, dass wir den Laden noch weiter ausbauen können“, erzählen sie, „sodass wir die traditionellen Jobs wie Ackerbau aufgeben können und Vollzeit-Ladenbesitzer sind. Wir werden ja jeden Tag älter … aber trotzdem hoffen wir, dass wir unsere Enkelinnen zu guten Bürgern machen können, dass sie gut gebildet sind und finanziell unabhängig!“

Vor knapp zwei Jahren hat das Projekt in Ghalegaun begonnen und jede Familie hat einiges zu berichten: darüber, was sich verändert hat, aber auch, welche Hoffnung für die Zukunft sie noch hegen. Im November haben wir einige von ihnen besucht:

Asha hat eine Kuh bekommen und verkauft nun die Milch. Sie hofft, das Milchgeschäft noch zu erweitern, damit sie in ihre eigene Hütte umziehen kann – derzeit wohnt sie noch bei Verwandten. Ihre zwei Töchter besuchen das Kinderzentrum, der Sohn ist erst ein Jahr alt. „Früher haben meine Mädchen in einigen Fächern versagt, aber jetzt haben sie überall gute Noten. Und ihre persönliche Hygiene hat sich auch verbessert!“

Nisha ist gut beschäftigt: Neben dem kleinen Laden hat sie auch eine Schweinezucht begonnen. Wenn die Schweine verkauft sind, möchte sie mit einem Teil des Erlöses den Laden erweitern. Denn sie hat eine rege Kundschaft: Weiter unten im Dorf gibt es keinen Laden mehr. Deshalb kommen alle zu ihr, um Öl und Mehl, Seife und Waschpulver, Kekse und Chips oder Getränke zu kaufen. In Schulungen hat sie gelernt, wie sie für ihre Kinder nahrhafte Mahlzeiten zubereitet – einmal pro Woche kocht sie nun „Jaulo“, ein besonders nahrhaftes Rezept mit lokalen Zutaten.

Ambar Bikram, ein schüchterner, wortkarger Mann, ist als Waise aufgewachsen. Er kann nicht lesen und schreiben und hat bisher nur Tagelöhnerarbeit geleistet. Aber jetzt hat er Hoffnung: Im Juli hat er eine Kuh bekommen; der Verkauf der Milch macht schon einen deutlichen finanziellen Unterschied. Dazu möchte er einen Zuchtbullen kaufen und das Geschäft ausbauen. Dann kann er seinen vier Töchtern mehr bieten, als er selber hatte: „Binu, meine Jüngste, besucht das Kinderzentrum. Ich wünsche mir, dass sie eine gute Bürgerin wird, wohlhabend, mit guten Kenntnissen und einer ordentlichen Ausbildung. Mal sehen, wie ich das schaffe und finanziell tragen kann.“

Sunita hat sich für eine Ziegenzucht entschieden. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hofft sie, diese Zucht größer auszubauen und dafür auch weitere Schulungen zu besuchen. Über die Selbsthilfegruppe wurde eine Zuchtziege gekauft; das hilft den Mitgliedern der Gruppe, ihre eigenen Tiere besser zu züchten, sodass sie sie für höhere Preise verkaufen können.

Dil Bahadur, mit dem wir sprechen, weil seine Frau Manmaya gerade Futter für die neue Kuh sammelt, ist froh, dass er mit dem Einkommen vom Milchverkauf seine Darlehen abbezahlen kann. „Das sollten wir in sechs Monaten schaffen“, meint er, „dann sparen wir noch etwas länger und können dann hoffentlich ein halbes Jahr später eine weitere Kuh kaufen. So sieben oder acht Kühe in unserer Farm, das wäre toll.“ Von den vier Kindern ist nur der Jüngste im Kinderzentrum. „Wir haben große Träume für ihn – dass er Arzt wird, oder vielleicht Ingenieur. Dafür haben wir natürlich nicht das nötige Geld, daher möchten wir ihm einfach eine gute Ausbildung ermöglichen – so viel eben, wie wir können.“

Kabita und Suman haben einen Laden eröffnet, sehr günstig nahe der Schule gelegen. Deshalb kochen sie auch sechsmal pro Woche die nahrhafte Mahlzeit fürs Kinderzentrum; bei Feierlichkeiten im Dorf verkaufen sie Snacks und Tee. Natürlich haben auch sie viele Ideen, wie sie das Geschäft noch erweitern können. Dabei geht es ihnen vor allem darum, für die Ausbildung der Kinder genug zu verdienen: Die älteste Tochter ist bereits im Internat für die Oberstufe; das kostet Geld. „Wir möchten, dass sie unabhängig werden“, sagt Suman. „Das ist herausfordernd, weil gute Bildung teuer ist.“ Doch in Sachen Bildung macht das Kinderzentrum schon einen entscheidenden Unterschied: „Früher wollten die Dorfkinder nicht so recht in die Schule gehen“, erinnert Kabita sich. „Aber das Kinderzentrum finden sie toll. Und sie bestehen darauf, dass sie hingehen dürfen, auch wenn die Eltern stattdessen Arbeit für sie hätten.“

Und dann ist da noch Shanti, die wir ebenfalls schon im November 2021 getroffen haben. Ihr Garten läuft hervorragend – oft gibt sie Gemüse an Nachbarn ab, weil die Familie genug hat. Die gekaufte Kuh gibt relativ viel Milch – momentan etwas weniger, weil es kalt geworden ist – und vom Erlös kann Shanti ganz gut die Haushaltsausgaben begleichen: Kleidung, weitere Lebensmittel und anderes. Natürlich möchte sie noch einiges verbessern: mehr Kühe kaufen, mit einem „Tunnel“ aus Plastikplane auch im Winter Gemüse anbauen können, die Bildung der Kinder weiter fördern. Auch Shanti selbst hat einiges gelernt in mehreren Schulungen, „das versuche ich, in allen Aspekten umzusetzen und das neue Wissen einzusetzen!“

Und wie Phulmaia strahlt sie Freude und Zufriedenheit aus, und auch eine große Portion Zuversicht: „Ich hoffe, diese Aktivitäten gehen noch ein paar Jahre weiter“, erwähnt sie zum Schluss, „das wäre sehr hilfreich, denn dann können wir es alles selbst weiterführen.“

Unterstützt werden die Projektfamilien in diesem Plan vom Komitee der Selbsthilfegruppe, bestehend aus Vorstand und vier weiteren Mitgliedern. Obwohl diese Personen alle selbst Projektteilnehmer sind, setzen sie sich unermüdlich ehrenamtlich ein, um die Maßnahmen zum Erfolg zu bringen. Zahlreiche Schulungen haben sie schon koordiniert und machen täglich Hausbesuche um zu sehen und zu ermutigen, ob das Gelernte auch umgesetzt wird und wo nötig weiteren Input zu geben. Bisher scheint das sehr gut zu funktionieren: „Die meisten setzen die Schulungen um“, berichten die drei Mitglieder des Vorstands, mit denen wir uns an einem Nachmittag zusammensetzen, „und wenn nicht, dann besuchen wir sie und ermutigen, das Wissen, das sie in den Schulungen erhalten haben, auch einzusetzen.“ Für die Selbsthilfegruppe haben sie gemeinsam Regeln erstellt; eventuelle Konflikte löst das Komitee. „Wir besprechen auch, welche Aktivitäten gut laufen oder nicht so gut, und dann konzentrieren wir uns auf die guten.“

Natürlich wird das alles innerhalb der Gruppe abgesprochen, denn Selbsthilfegruppen funktionieren gerade dann gut, wenn die Mitglieder sich gemeinsam für die Zukunft einsetzen. „Wenn wir alle gut zusammenarbeiten, dann können wir die Gruppe zum Wohlstand führen!“, betont der Schriftführer. „Denn wir wollen das Programm natürlich weiterführen! Dafür bilden wir jetzt eine Grundlage: durch Zinsen in der Gruppe, Erwerbstätigkeiten in den Haushalten. Wir als Vorstand sind bereit, unser Dorf auf diesem Weg zu leiten.“

„Wir haben eine Vision“, erklärt der 1. Vorsitzende. „Die Vision, dass unsere Kinder gut ausgebildet sind und die Selbsthilfegruppe stark ist und finanziell und an Wissen gewonnen hat. Dass wir finanziell selbsttragend sind und unser Wissen auch an andere Dörfer weitergeben!“ Und der Kassierer fügt noch hinzu:

„So wie ihr, Helping Hands und NCM Nepal, uns jetzt unterstützt, so möchten wir es unseren Kindern beibringen: dass auch sie andere unterstützen und eine echte ‚Tradition der Unterstützung‘ anderer Menschen und anderer Dörfer entsteht.“

 

Das integrative Kinderzentrum wurde im Januar 2021 in den Dörfern Ithung und Ghalegaun nahe Phidim im östlichen Nepal begonnen. Berichte zum Bildungsaspekt des Kinderzentrums sowie zu den Maßnahmen in Ithung folgen in Kürze.

Um das integrative Kinderzentrum bis zur finanziellen Unabhängigkeit zu begleiten, benötigen wir noch dringend finanzielle Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „integrative Kinderzentren Nepal“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).

Giving Tuesday – Wir sind dabei!

Eine weltweite Bewegung des Gebens

Fast jeder kennt das Erntedankfest. In Amerika wird es am vierten Donnerstag im November gefeiert. Es ist dort das größte Familienfest, gefolgt vom größten Einkaufstag und dem Beginn der Weihnachtszeit. Vor zehn Jahren haben sich einige Visionäre verpflichtet, nicht nur an sich selbst und die Familie zu denken, sondern am Dienstag danach den Giving Tuesday zu feiern – ein Tag für freigebige Menschen. Dieses Jahr ist das der 29.11., also genau in einem Monat.

Man sollte es nicht für möglich halten, aber es scheint, dass viele auf eine solche Initiative gewartet haben! Inzwischen wird der Tag in über 75 Ländern begangen, und allein in den USA wurden in den letzten Jahren jeweils etwa 2,5 Milliarden Dollar gegeben! Dabei hat Giving Tuesday ein großes Ziel:

Es geht nicht um Almosen, sondern darum, etwas gemeinsam zu schaffen und anderen die Chance zu geben, selbst aktiv zu werden. Davon profitieren Beschenkte und Geber gleichermaßen. Anders gesagt: Die Mission von Giving Tuesday ist es, die Welt gerechter und großzügiger zu machen.

Wir als Helping Hands e.V. sind Teil dieser Bewegung! Ab dem 15. November werden deshalb auf Facebook, Instagram und LinkedIn alle zwei Tage Informationen aus aller Welt unter dem Schlagwort Gemeinsam voran weitergegeben.

Seid ihr dabei? Hier geht es zu unseren Kanälen auf den sozialen Medien:

Instagram: https://www.instagram.com/helpinghandsev/

Facebook: https://www.facebook.com/helpinghandsev/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/helping-hands-ev

Weitere Details gibt es auch auf dieser Seite: https://helpinghandsev.org/givingtuesday/ (Vorsicht Spoiler: Hier sind alle 8 Grafiken bereits zu sehen …)

Weihnachtspäckchen schenken Weihnachtsfreude

Noch viele Päckchen für die Ukraine gesucht!

Die Lebkuchen und Dominosteine in den Supermärkten werden schon wieder alt … aber für Weihnachtspäckchen ist noch Zeit! Noch bis zum 15. November nehmen wir sehr gerne Päckchen entgegen (hier geht’s zur Packliste).

Wohin geht es dieses Jahr?

Die Mehrzahl der Päckchen reisen dieses Jahr in die Ukraine. 240 Tage dauert der Krieg dort nun schon. „Eine völlige humanitäre Katastrophe – Städte und Dörfer zerbombt und dem Erdboden gleich gemacht, nicht genügend Wasser und Nahrungsmittel …“, so beschrieb unser Partner schon vor Monaten die Lage. Und jetzt kommt noch der Winter dazu! „Im Moment werden besonders Lebensmittel und Hygieneartikel dringend benötigt“, betonen die Kollegen vor Ort.

Und genau das ist in unseren Weihnachtspäckchen enthalten! Deshalb möchten wir dieses Jahr so viele Päckchen wie möglich in die Ukraine versenden. Über Rumänien werden die Päckchen in die südliche Ukraine Richtung Odessa gebracht sowie ggf. nach Chernivtsi und Ivano-Frankivsk und je nach Kriegslage weiter ins Land transportiert. Verteilt werden die Päckchen in den ärmeren ländlichen Gebieten an geflüchtete Personen, vor allem an Familien mit Kindern und ältere Menschen.

Helfen Sie mit, den Menschen in der Ukraine zu dieser Weihnacht ein Licht der Hoffnung anzuzünden!

Und was ist mit anderen bedürftigen Menschen?

Über der aktuellen Krise möchten wir natürlich auch andere Menschen in Not nicht vergessen!

Deshalb sammeln wir Päckchen auch für Kinder aus bedürftigen Familien in Albanien und für die Senioren unseres Partners in Sighişoara, Rumänien. „Ich werde nie ihre Gesichter vergessen, als sie die Päckchen erhielten. Sie sahen aus wie die glücklichsten Kinder der Welt“, berichtete unser albanischer Kollege letzten Dezember von einer kleinen Dorfschule nahe der Hauptstadt. „Eines der glücklichen Kinder sagte: ‚Ich hab noch nie ein Geschenk bekommen!‘“

Was gehört in ein Päckchen?

Zum Inhalt eines Päckchens gehört (bitte nicht von der Packliste abweichen!): 1kg Reis (kein Milchreis), 1kg Nudeln, 500g Kaffee (gemahlen und vakuumverpackt), 1 Tüte Gummibärchen, 3 Tafeln Schokolade (gerne größer als 100g), 2 Pakete Früchte- oder Kräutertee, 4 Röhrchen Vitamintabletten, 1 Shampoo, 2 Tuben Zahnpasta, 2 Zahnbürsten, 2 Stück Seife (bitte in Tütchen verpacken), 1 Deostift, 1 Handcreme, 10 Päckchen Taschentücher (nicht parfümiert).

Hier finden Sie die Packliste als „Liste“ aufgeteilt.

Und wann und wo kann ich das Päckchen abgeben?

Wir nehmen im Büro in Gelnhausen (Frankfurter Str. 16-18; bitte Seiteneingang West benutzen) bis zum 15. November Päckchen entgegen; da allerdings alle Päckchen vor Versand geprüft werden müssen, sind wir dankbar, wenn die meisten Päckchen etwas früher kommen.

Andere Abgabestellen in der Region und ganz Deutschland finden Sie hier.

Und wenn ich kein Päckchen packen aber die Aktion trotzdem unterstützen möchte?

Dann freuen wir uns über eine Spende mit Vermerk „Weihnachtsfreude“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (Online-Spende). Damit können wir einerseits weitere Päckchen vor Ort kaufen (ein Päckchen kostet ca. 25 EUR) und andererseits in Bulgarien und anderen Ländern wieder ein lokales Weihnachtsfreude-Projekt unterstützen; 2021 wurde zum Beispiel eine Weihnachtsfeier für die Kinder unseres Kinderzentrums in Albanien sowie Heizkosten und warme Mahlzeiten für die Kinder unserer Partnerschulen in Bulgarien durch diese Spenden beglichen.

Kann ich dafür eine Spendenquittung bekommen?

Für Geldspenden erhalten Sie selbstverständlich eine Spendenquittung (dafür bitte die vollständige Adresse angeben). Für Sachspenden können wir leider keine Spendenquittungen ausstellen.

„Vor Ort hat sich schon einiges verändert“

Franzi Huth berichtet aus Nepal

Ankunft und erste Eindrücke

An einem sonnigen Dienstagnachmittag erreichen wir nach einer sechsstündigen Fahrt endlich Tuwachung, eine ländliche Gemeinde im Osten Nepals. Die Gegend liegt inmitten einer bergigen Landschaft, wie sie in vielen Regionen des Landes zu finden ist. Das kleine “Zentrum”, das eher als idyllische Siedlung bezeichnet werden kann, ist umgeben von Bergen und Wäldern, die wiederum mehrere kleine Dörfer beheimaten. Wir erreichen das Zentrum über eine etwas wackelige Brücke, die die einzige Zufahrtsmöglichkeit nach Tuwachung darstellt. Sie führt über einen reißenden Fluss, der die Gemeinde vom Rest der Region trennt.

Besucht ist die Gegend nur sehr selten, in erster Linie wird sie als Zwischenstopp für durchreisende Touristen genutzt, was an den kleinen Cafés sowie dem Hostel direkt am Ortseingang unschwer zu erkennen ist. Zudem befinden sich einige kleinere Shops, die Ähnlichkeiten zu Kiosks in deutschen Städten aufweisen, direkt an der Hauptstraße.

Die Umgebung wirkt wie einem Landschaftskalender entsprungen, die idyllische Brücke über dem Fluss und die umliegenden Berge und Wälder machen die malerische Kulisse perfekt. Trotzdem kann sie über die Armut, die schnell und überall deutlich erkennbar wird, nicht hinwegtäuschen. Die notdürftig gezimmerten Hütten, provisorisch wirkende Ställe und die spärlich gekleideten Kinder zeigen ein deutliches Bild von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation in Tuwachung.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur in diesen doch sehr ländlichen, abgeschiedenen Dörfern beschränkt sich das Arbeitsangebot fast vollständig auf lokale Landwirtschaft. Somit widmen sich die meisten der Dorfbewohner dem Anbau von Getreide und Gemüse oder auch dem Züchten von Nutztieren. Letztere sind in den Dörfern an jeder Ecke zu finden, neben den unübersehbaren Büffeln und Ziegen läuft einem auch schnell mal eine Henne mit ihren Küken oder eine Gänsefamilie über den Weg. Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden zu einem großen Teil selbst verbraucht, untereinander wird oft getauscht. Wer ein paar Hühner hält, kann beispielsweise Eier abgeben und bekommt dafür Mais, Hirse oder Kartoffeln. Darüber hinaus berichten viele Bewohner von ihrem Wunsch, ihre Produkte auch in Kathmandu zu verkaufen, wo sich lokale Erzeugnisse großer Beliebtheit erfreuen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich dessen angenommen und möchte mit sogenannten Income-Generating-Activities (IGAs) helfen, doch dazu später mehr. Zunächst einmal ein allgemeiner Blick auf die Bevölkerung: Diese besteht fast ausschließlich aus Hindus, die zudem der gleichen Kaste angehören. Somit kommt es in Tuwachung – im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Nepals – nur sehr selten zu religiösen Konflikten. Auffallend ist darüber hinaus die Demografie und die große Menge an Kindern, die in den Dörfern leben. In so ziemlich jedem Haushalt leben mehrere, die meisten von ihnen noch ziemlich jung.

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit dem BMZ

Wie bereits angedeutet, fördert das BMZ unterschiedliche Projekte in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. Die in erster Linie finanzielle Unterstützung erfolgt in der Regel nach erfolgreicher Bewerbung einer deutschen Organisation, bzw. eines Vereins. Im Fall von Tuwachung war dieser Verein Helping Hands e. V., der die Dorfgemeinschaft erfolgreich für ein potenzielles Entwicklungsprojekt vorschlug und dafür Fördergelder des Ministeriums erhielt. Die finanzielle Unterstützung kann ganz unterschiedlich eingesetzt werden, in Tuwachung werden davon unter anderem beispielsweise Nutztiere gekauft, um ausgewählten Haushalten eigenständiges Wirtschaften zu ermöglichen, getreu dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe”. Auch ein Wasserauffangbecken wurde auf Kosten des Projekts eingerichtet, um die Bewässerung der Felder auch in Dürrezeiten zu sichern. Zudem nahm sich die Kooperation des dürftigen Gesundheitssystems vor Ort an und beschloss unter anderem, Entwurmungskuren an die Bevölkerung – insbesondere an Kinder – zu verteilen. Diese Kuren sind relativ kostengünstig und einfach zu beschaffen, haben jedoch eine verhältnismäßig große Wirkung für die Gesundheit der Bewohner. Bereits 2008 wurde ihr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis im Rahmen des Kopenhagener Konsens betont und wird seit jeher als beliebtes Ernährungsprogramm in Projekten des Globalen Südens eingesetzt.

Bisher kleinere Teilerfolge

Seitdem das Projekt in Kooperation mit dem BMZ vor einem Jahr startete, hat sich vor Ort einiges verändert. Bereits jetzt deuten sich erste Erfolge der Zusammenarbeit an. So zum Beispiel sehen einige Bewohner einem Rückgang in der Kinderarbeit, die noch heute vermehrt in vielen ländlichen Gebieten Nepals auftritt. Das Projekt unterstützt die lokale Schulbildung finanziell, indem es die Schulgebühren sowie verschiedene Materialien wie Schulranzen, Blöcke oder Stifte zur Verfügung stellt. Die Wirkung dessen ist bereits jetzt erkennbar: Kinder besuchen die Schule nun deutlich länger als noch vor einem Jahr, als der Großteil der Schüler nach der 6. oder 7. Klasse die Schule abbrechen und in der Landwirtschaft arbeiten musste. Heute sieht das Ganze anders aus: Über 90% der 12–15-Jährigen besuchen die lokale Schule, die meisten von ihnen streben darüber hinaus eine Einschreibung in der nächstgelegenen High School an. Die positive Entwicklung ist vermutlich nicht zuletzt auf die Bemühungen des Projekts zurückzuführen, das Familien die Bedeutung von Bildung nahebringt und sie finanziell in diesem Vorhaben unterstützt.

Doch nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern können von den Bildungsprogrammen des Ministeriums profitieren: In sogenannten “Self Help Groups” (SHGs) schließen sie sich mit jeweils 24 weiteren Dorfbewohnern zusammen, um gemeinsam zu sparen. Monatlich wird ein kleiner Teil des – zugegebenermaßen zumeist bescheidenen – Einkommens gespart und anschließend an ein ausgewähltes SHG-Mitglied ausgezahlt. Meistens wird das Geld, ähnlich wie ein Kredit, als Startkapital verwendet, um beispielsweise einen kleinen Shop zu eröffnen oder Tiere für die Landwirtschaft zu kaufen. Im Laufe der nächsten Monate wird das Geld Stück für Stück an die Gruppe zurückgezahlt, inklusive Zinsen. Ziel ist hierbei, den einzelnen Gruppenmitgliedern den Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und somit – ganz im Sinne der “Hilfe zur Selbsthilfe“ – ein Stück weit finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein klassischer Mikrokredit, unterscheidet sich von diesem einerseits durch seine Informalität, vor allem aber darin, dass die Gruppenmitglieder nicht von einem Kreditinstitut in Abhängigkeit gebracht werden, sondern die Gruppengelder selbstbestimmt verwalten und damit auch das Potenzial entfalten, die weitere Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand zu nehmen.

Ergänzt werden die SHGs mit sogenannten „Income Generating Activities” (IGAs), die in erster Linie aus Schulungen im Umgang mit Finanzen bestehen. Was zunächst aufwändig und umfangreich klingt, wird in der Praxis relativ einfach umgesetzt: Ein Experte aus der Finanzbranche (hierbei ist es den Initiatoren besonders wichtig, dass es sich um einen „local“, also einen Nepalesen, handelt) besucht auf Kosten des Projekts das Dorf und unterrichtet interessierte Bewohner in Grundlagen der Haus- und Betriebswirtschaft. Somit lernen sie, einen eigenen Laden möglichst effizient zu führen oder landwirtschaftliche Erzeugnisse gewinnbringend zu verkaufen. Insbesondere jetzt, wo einige Dorfbewohner den Wunsch äußern, ihr Gemüse und Getreide in Kathmandu zu verkaufen, könnten die IGAs eine entscheidende Unterstützung darstellen.

Langfristige Wirkung schwer absehbar

Bei all den positiven ersten Eindrücken muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Projekt – Stand heute – erst ca. ein Jahr alt ist. Im Oktober 2021 wurde es quasi inmitten der Corona-Pandemie etabliert. Diese nahm zwar auf den ersten Blick keinen großen Einfluss darauf, trotzdem zeigt sie uns, wie fragil die globale Entwicklung ist und wie schnell entsprechende Fortschritte verloren gehen können. Dies wurde während der letzten zweieinhalb Jahre nicht nur in verschiedenen Gegenden Nepals, sondern auch in vielen weiteren Regionen dieser Welt spürbar deutlich. Aufgrund dessen sind die sich abzeichnenden Erfolge zunächst einmal mit Vorsicht zu genießen. Die langfristigen Auswirkungen des Projekts vor Ort sind derzeit einfach noch nicht abschließend feststellbar, dies wird letztlich die Zeit zeigen.

Jedoch sind das Programm und die Unterstützung des BMZ durchaus jetzt schon als sinnvoll zu betrachten, und zwar nicht nur aufgrund der einzelnen Fortschritte individueller Bewohner. Die wirtschaftliche und somit auch gesellschaftliche Situation vor Ort ist noch immer prekär: Derzeit leben etwa drei Viertel der örtlichen Bevölkerung unterhalb der offiziellen, nepalesischen Armutsgrenze. Hierfür gibt es einen einleuchtenden Erklärungsansatz: das heimische Bildungswesen. Bildung wurde in den vergangenen Jahren oft vernachlässigt, da Schüler als unterstützende Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt wurden. Nun sind Schulbesuche jedoch innerhalb eines Jahres sichtbar angestiegen, was vermutlich nicht zuletzt auf die finanzielle Unterstützung des Projekts zurückzuführen ist. Doch das Projekt unterstützt Familien noch auf einem weiteren Weg: Indem Eltern mit Hilfe der IGAs die Bedeutsamkeit von Bildung und Schulabschlüssen für den Austritt aus der Armut nähergebracht wird, wächst deren Eigeninteresse an einem möglichst ausgeprägten Bildungsweg für ihre Kinder.

Noch bleibt einiges zu tun

Trotz bisheriger Anstrengungen und sichtbarer Erfolge bleibt noch vieles offen. Ein Spaziergang durch die umliegenden Dörfer legt insbesondere ein Problem unmissverständlich dar: der regionale Umgang mit Abfall, der keinen größeren Gegensatz zu unserer typisch deutschen Mülltrennung aufweisen könnte. Überall liegen leere Plastikwasserflaschen, Müllbeutel und Verpackungsreste auf dem Boden, kreuz und quer auf den Feldwegen und im umliegenden Gestrüpp.

Doch nicht nur immer größer werdende Müllberge stellen ein (potenzielles) Problem für die Gemeinde dar. Darüber hinaus fehlt es in vielen Haushalten noch immer an Elektrizität, was natürlich in erster Linie auf die mangelnde Infrastruktur in der ländlichen Gemeinde zurückzuführen ist. Was für die Bewohner tagsüber nur bedingt ein Hindernis darstellt, wird abends, nach Anbruch der Dunkelheit, durchaus problematisch. Die fehlende Elektrizität führt zum Mangel an elektrischem Licht, vom Internet ganz zu schweigen. Obwohl das BMZ immer wieder die Bedeutsamkeit von Bildung für nachhaltige Entwicklung betont, scheint dies doch ein bedeutsames Hindernis für das Lesen und Lernen zu sein.

Ein weiteres Problem zeigt sich schnell bei einer Führung durch eines der Dörfer, nur wenige Kilometer außerhalb des Gemeindezentrums. Stolz zeigen uns die Bewohner ein eher provisorisch wirkendes Wasserauffangbecken, das das Projekt ihnen bereitstellt. Hierin wird Regenwasser gesammelt, um während der Dürreperioden, die in der Gegend häufig auftreten, Wasser zur notwendigsten Versorgung verfügbar zu haben. Schnell wird jedoch klar, dass diese Becken nicht einmal annähernd genug Wasser sammeln können, um die umliegenden Agrarflächen zu bewirtschaften. Die Region ist jedoch abhängig von effizienter Landwirtschaft und ihrer Erzeugnisse.

Bei unserem Besuch in Tuwachung wird also schnell klar, noch bleibt einiges zu tun. Das Projekt in Kooperation mit dem BMZ ist auf insgesamt dreieinhalb Jahre angesetzt, eines davon ist bereits vergangen. Die bisherige Entwicklung bestätigt den Erfolg der bisherigen Herangehensweise, Universallösung aller Probleme vor Ort ist sie jedoch nicht. Inwieweit die Unterstützung des Ministeriums nachhaltige Entwicklung für die Region und positive Veränderungen für ihre Bewohner bringt, wird sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre abschließend zeigen.

 

Franzi Huth absolvierte im Rahmen ihres Master-Studiengangs in Development Studies von August bis Oktober 2022 ein Praktikum bei unserem Partner NCM Nepal. Dabei konnte sie auch zwei von Helping Hands geförderte Projekte besuchen und evaluieren.

Anmerkung: Das beschriebene Projekt in Tuwachung liegt im Bezirk Khotang; in früheren Berichten zu diesem Projekt wurde diese Ortsangabe verwendet.

 

paXan 2022 Moldawien

Die Republik Moldau gilt als das ärmste Land Europas und kämpft besonders zurzeit mit gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Themen. Die Rate von Suchtkranken ist extrem hoch, das Bruttoinlandsprodukt sehr niedrig. Hinzu kommen Flüchtlinge aus der Ukraine und natürlich die Nähe zu eben diesem Nachbarn.

So waren unsere Erwartungen entsprechend niedrig, als wir uns als kleines paXan-Team mit vier Personen auf den Weg in die moldauische Hauptstadt Chișinău machten, und wir wurden äußerst positiv überrascht. Wir wurden empfangen von sehr freundlichen und offenen Menschen, einer Gemeinde, der die Suchtkranken ein großes Anliegen sind, von sauberen und gepflegten Dörfern und Städten mit viel Grünfläche und von sehr viel sehr gutem Essen.

Die Gemeinde, die einzige im Land, ist eine sehr lebendige Gemeinschaft, in der alle Altersgruppen repräsentiert sind und die ein großes Herz für suchtkranke Menschen hat. So werden betroffene Menschen aktiv in der Stadt angesprochen und zu über die Woche verteilten Aktivitäten wie ein Café-Abend eingeladen. Hier finden die Personen Menschen, die sie nicht verurteilen, die ihnen offen zuhören und helfen wollen, sich von ihren Süchten zu befreien. Für Personen, die einen Entzug benötigen und diesen auch verfolgen wollen, existiert eine Partnerschaft mit einem Rehabilitationszentrum in Ratus, einem Dorf etwas außerhalb der Stadt. Hier können bis zu 12 Personen Hilfe bekommen, wobei die meisten Betten bis vor kurzem für ukrainische Flüchtlinge zur Verfügung gestellt wurden. Das Haus wurde vor zwei Jahren von einer älteren Frau an eine andere Gemeinde geschenkt, mit der die Kirche des Nazareners vor Ort sehr eng zusammenarbeitet.

Als Team haben wir in den ersten Tagen unseres Einsatzes einige Renovierungsarbeiten, primär Spachtel und Streicharbeiten, in der Gemeinde durchgeführt sowie dann den Eingangsbereich des Zentrums weiter ausgebaut. Ein Vorraum sowie die Außentreppe wurden gefliest, gespachtelt und für die nächsten Arbeitsschritte vorbereitet. Vom Projektgeld konnte ferner ein neuer Zaun bestellt werden, der in der nächsten Zeit montiert werden soll.

Wir sind dankbar für die Unterstützung durch Gebete und Finanzen und freuen uns darauf, näher über unsere Erfahrungen berichten zu können.

Und da nach paXan auch gleichzeitig vor paXan ist, hier noch ein Hinweis: Voraussichtlich im September 2023 soll es für einen weiteren Einsatz nach Afrika gehen. Wir sind gerade dabei, die Details für ein Projekt zu definieren. Wer Interesse an einer Teilnahme hat (18- bis 30-Jährige), darf sich gerne jetzt schon bei Christoph Nick melden: christoph.nick@helpinghandsev.org

Christoph Nick für das paXan-Team

paXan 2022 Libanon: Stecker, Staub und Spachtelmasse – und viel Segen

paXan-Team richtet Computerlabor für die NES-Schule in Beirut ein

Die Mauernutfräse schreit. Zahlreiche Staubwolken später erscheinen zwei tiefe Furchen in der Wand. Doch damit ist die Arbeit noch nicht getan: Mit Hammer und Meißel muss der schmale Schacht freigeklopft werden, harte Knochenarbeit bei Hitze, Staub und hoher Luftfeuchtigkeit. Mal in fingerlangen Stücken, mal in winzigen Splittern bröckelt das Mauerwerk auf den sorgfältig abgedeckten, da neugefliesten Boden. Immer wieder probiert man, ob das Leerrohr schon passt? Nein, leider noch nicht tief genug: Es wird weiter gehämmert, manchmal muss auch die Fräse ein zweites Mal ran. Endlich liegen die Kanäle frei. Die Kabel werden ins Leerrohr eingezogen, dann geht es ans Spachteln … und Schmirgeln … und wieder Spachteln. Wie spachtelt man eine Wand, die von der Sonne wie eine Herdplatte erhitzt wird?? (Richtig: spät in der Nacht, wenn man vom Zedernwald zurück ist.) Und wieder Schmirgeln: Die Staubhauben türmen sich auf den schmalen Rändern der abgeklebten Steckdosen. Endlich kann saubergemacht und der Raum in schönem Kaffeebraun gestrichen werden, ein kleiner Tribut an die vielen Tassen libanesischen Espressos, die uns immer wieder mit neuer Energie versorgt haben.

Ein Computerlabor für die NES-Schule in Beirut, das klingt vielleicht erst einmal wie ein Projekt für Privilegierte. Aber in Wirklichkeit ist es dringend notwendig. Die Wirtschaft im Libanon bröckelt seit vielen Jahren, inzwischen ist eigentlich nur noch ein Trümmerhaufen übrig. In dem ehemals durchschnittlich verdienenden Land im Nahen Osten leben inzwischen über 80% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Korruption und immer wieder neue Katastrophen sorgen dafür, dass die Lage sich kontinuierlich verschlechtert. Wer kann, verlässt das Land.

Aber viele können nicht: auch die meisten der Familien, deren Kinder die NES-Schule besuchen. Eine Mehrzahl dieser Kinder hätte überhaupt keine Chance auf eine Schulbildung, wenn die Schulleitung der NES nicht alles täte, um so viele Kinder wie möglich in den engen Klassenräumen unterzubringen. Der hingebungsvolle Einsatz und die tausenden Überstunden des Personals ermöglichen hunderten von Kindern eine erfolgreiche Zukunft; einen Schulabschluss, der vor Ort hoch geachtet wird, und dazu ein gesundes Selbstbewusstsein, das Wissen, wertvoll und wertgeschätzt zu sein.

Doch trotz der derzeitigen Lage ist natürlich auch der Libanon schon längst im digitalen Zeitalter angekommen. Wenn die Schüler als Jugendliche die NES verlassen, benötigen sie grundlegende IT-Fähigkeiten, um auf dem Arbeitsmarkt oder ggf. im Studium eine wirkliche Chance zu haben. Und deshalb hoffte die NES schon seit Jahren, ein adäquates Computerlabor in der Schule einzurichten, wo die Schüler lernen können, was sie zum Überleben und Gedeihen in der modernen Welt brauchen.

Dank der großzügigen Spenden aus dem Berliner Joggathon und dem unermüdlichen Einsatz eines paXan-Teams ist diese Hoffnung nun zur Wirklichkeit geworden. Ein fünfköpfiges Team kam am 5. September in Beirut an; die Schule hatte vorher schon dafür gesorgt, dass im Mehrzweckraum die nicht mehr benötigte Bühne abgebaut und der Boden neu gefliest wurde. Das deutsche Team kümmerte sich dann zehn Tage lang um die Verkabelung unter Putz und montierte neue Steckdosen, beseitigte Wasserschäden im Raum und auf dem darüberliegenden Dach-Spielplatz, renovierte die Wände und versah sie mit neuem Anstrich. Das libanesische Team unterstützte durch unzählige Hilfeleistungen und unentwegte Ermutigung, kümmerte sich um Türen und Schränke, mobilisierte Schüler für einen Putznachmittag und montierte am letzten Tag die vorgefertigten Computer-Tische, die außerhalb der Kurszeiten heruntergeklappt werden, sodass die Halle weiterhin als Mehrzweckraum genutzt werden kann. Computerkurse für bis zu 26 Schüler können nun hier stattfinden; die ersten Laptops dafür hatte das Team gleich aus Deutschland mitgebracht.

Es war ein müdes aber sehr zufriedenes Team, das am 15. September vom libanesischen Sommer in den deutschen Frühwinter zurückflog. Noch bei keinem paXan-Einsatz haben wir so viel feinen Staub produziert, so durchgehend geschwitzt oder so effektiv unsere erledigte Arbeit unterm nächsten Arbeitsschritt wieder versteckt. Noch bei keinem Einsatz wurden wir vom Team vor Ort so herzlich umsorgt, so beständig ermutigt und uns so unaufhörlich der Segen Gottes zugesprochen. Und das ist auch ein Segen, den wir mitnehmen durften: von unseren Freunden im Libanon zu lernen, wie man auch in einer wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch aussichtslosen Situation eine solch authentische Dankbarkeit ausstrahlen kann, eine echte Lebensfreude und eine tiefe Motivation, mich dort einzusetzen, wo ich gebraucht werde.

das paXan-Team 2022 Libanon

 

GEBRAUCHT: Es werden noch Laptops für das Computerlabor gebraucht. Bitte keine Laptops mehr als Sachspende vorbeibringen! Wir freuen uns aber weiterhin über Geldspenden für Laptops, die im Libanon gekauft werden; 16 Laptops werden noch benötigt (pro Laptop ca. 450 EUR). Spenden bitte mit Vermerk „Computerlabor NES“ o.ä.

Vor allem aber sind wir weiterhin dankbar für jegliche Unterstützung für den NES-Studienfond, der Kindern den Schulbesuch an der NES ermöglicht. Spenden bitte mit Vermerk „NES Studienfond“ (Online-Spende); weitere Infos finden Sie auf unserer Seite zum Jahresprojekt 2020.

Chancen in der Krise

Update aus der Ukraine

Über ein halbes Jahr dauert der Krieg in der Ukraine nun an. Millionen sind geflüchtet, aber viele Millionen harren noch immer aus in einem Land, in dem das tägliche Überleben keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Und die, die ihre Heimat verlassen haben, sind oft hin- und hergerissen: fortbleiben, dort, wo es sicher ist, oder heimgehen, dorthin, wo sie vielleicht gebraucht werden?

Im August konnten wir Vladimir und Sylvia treffen, die die Arbeit unseres Partners in der Ukraine leiten und derzeit von Polen aus ihren Dienst fortsetzen – zum Beispiel auch, Geflüchtete zu besuchen und sie zu ermutigen.

Unzählige Geschichten haben sie schon gehört, Geschichten von Trennung und Sorge, von Freundschaft und unerwartetem Willkommen, von Hoffnungslosigkeit und von neuem Mut. Und dann sind da natürlich die täglichen Bilder aus der Ukraine: Bilder der Zerstörung, ganze Städte in Trümmern, vernichtete Infrastruktur. „Es wird vielleicht dreißig Jahre dauern, um alles wiederherzustellen“, vermutet Vladimir. Und noch ist der Krieg nicht vorbei!

Aber die Krise bietet auch neue Möglichkeiten. „Wir sehen das wirklich auch als Chance“, betont Sylvia, „eine Chance, nach dem Krieg verschiedene Dienste in einem besseren Format neu aufzubauen.“

Dazu gehören zum Beispiel die Rehazentren für Drogen- und Alkoholabhängige, die Helping Hands schon in der Vergangenheit unterstützt hat. Oder eine Art Ausbildungszentrum, in dem diese Menschen einen Beruf erlernen oder ein kleines Unternehmen aufbauen können, um unabhängig zu werden.

„Wir möchten auch in die neue Generation investieren, durch Bildung und ähnliches“, fügt Vladimir hinzu. „Das ist Teil unserer Vision für den Wiederaufbau. Und wir dürfen die Senioren nicht vergessen. Sie gehörten schon vor der Krise zu den gefährdeten Bevölkerungsgruppen, aber jetzt sind sie noch viel schlimmer dran.

Ein weiterer Fokus sollte auf Familien sein. Dieser Krieg hat sie hart getroffen – die Trennung, physische Trennung aber auch in anderen Bereichen, die Kinder leiden unter Kriegsneurose – wir müssen darauf vorbereitet sein, ihnen zu helfen, ich bin noch nicht sicher wie genau, aber vor allem psychisch und geistlich. Gebäude sind da erst mal nebensächlich! Wir müssen auf die Traumata eingehen, und ganz wichtig: Versöhnungsarbeit leisten. Und dabei sollten wir nicht warten, bis der Krieg vorüber ist. Soweit möglich müssen wir jetzt schon aktiv werden!“

Das ist natürlich gar nicht so einfach. In der Ukraine konzentriert die Hilfe sich derzeit noch auf dringend benötigte Lebensmittel und Hygieneartikel. Aber außerhalb sind schon viele gute Initiativen angestoßen worden.

Eine davon ist das „Sweet Surrender“ Café in Poznań, Polen. Vor fast zwanzig Jahren hat Helping Hands dieses Sozialprojekt unterstützt. Zwischenzeitlich war es geschlossen, doch jetzt wurde es wiedereröffnet als ein Gemeinschaftshaus für Flüchtlinge aus der Ukraine; zu den Angestellten gehören Ukrainer und Polen. Zuerst ging es darum, den Menschen dabei zu helfen, richtig anzukommen und sich einzuleben. Jetzt werden unter der Woche verschiedene Programme angeboten: In vier Sprachkursen und zwei Gesprächs-Clubs können Polnisch und Englisch gelernt werden; Frauen treffen sich einmal pro Woche für eine Kaffeestunde; Kinder und Jugendliche spielen, lernen und lachen gemeinsam in wöchentlichen Clubs, in denen sie auch polnische Jugendliche kennenlernen können; seit kurzem wird Kunst-Therapie angeboten, um u.a. Trauma zu verarbeiten. Auch Musikunterricht, Spielabende, Kochkurse und Gruppentherapie gehören zum Programm.

„Die Leiter konzentrieren sich darauf, herauszufinden, was die Ukrainer im Moment brauchen“, erklärt Sylvia. „Sie leisten wirklich gute Arbeit und bieten den Menschen einen sicheren Raum, in dem sie nicht nur Zeit verbringen, sondern auch wachsen können.“

Und Vladimir fasst zusammen: „Was die Menschen mit am wichtigsten brauchen, ist das Gefühl, dass sie nicht alleine sind.“

 

Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, den Menschen der Ukraine langfristig Hoffnung zu schenken, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukraine-Krise“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

„Auf einem guten Weg“ – Wirkungsbeobachtung in Srimongol, Bangladesch

Taramoni sitzt in ihrem wellblechgedeckten Lädchen am Straßenrand, von der Decke hängen kleine Tüten mit Chips, Keksen und in Einzelportionen eingeschweißtes Shampoo; auch Zahnbürsten, Süßigkeiten und diverse Getreidesorten hat sie im Angebot. Aber wenn gerade keine Kunden ihre Aufmerksamkeit verlangen, dann sitzt Taramoni nicht etwa untätig herum. In jeder freien Minute summt die Nähmaschine, die vorm Tresen auf ihre fleißigen Hände wartet. Und so kommen Kunden auch mal, um statt der Packung Kekse eine neue Hose für den Sohn zu bestellen. Sehr zufrieden und selbstbewusst wirkt Taramoni, und auf die Frage, ob ihr Multi-Tasking-Job ihr Spaß macht, antwortet sie mit einem begeisterten JA!

„Vorher saß ich einfach nur zuhause rum, hatte nichts zu tun“, erklärt sie uns dann. Vorher – das war, bevor sie im Projekt unseres Partners verschiedene Schulungen besuchte. „Nachdem ich die Schulungen erhalten hatte, merkte ich, dass ich durchaus etwas tun konnte und nicht zuhause bleiben brauchte! Erst hab ich eine kleine portable Teestube angefangen und damit Geld verdient. Bald konnte ich diesen Laden eröffnen. Dann fiel mir auf, dass ich ja noch Zeit übrig hatte, und hab mir selber Nähen beigebracht, und mein Vater hat mir eine Nähmaschine geschenkt.

Jetzt habe ich gleich zwei Jobs: den Laden und die Schneiderei. Deshalb habe ich auch die Teestube aufgegeben: denn hier im Laden kann ich beide Jobs machen und meine Nähmaschine hier hinstellen, wo die Kunden sie sehen. Das ist meine Strategie, um noch mehr Kunden zu werben.“

Im hinteren Teil des Ladens, etwas verdeckt hinter langen Girlanden aus über Fäden aufgehängten Chipstüten, baumeln ein paar Stoffe. Taramoni deutet in die etwas überfüllten Ecken ihres Shops. „Ich hoffe, dass ich bald genug verdient habe, um meinen Laden zu vergrößern. Dann kann ich ihn in zwei Teile aufteilen – einen für die Lebensmittel, einen für die Schneiderei. Dort könnte ich dann mehr Stoffe zeigen und verschiedene Kleidungsstücke zum anschauen oder anprobieren. Im Moment ist das noch alles da hinten –“ und sie zeigt in einen etwas düsteren Raum, der zur Hintertür des Ladens führt.

„Aber es hat sich schon sehr viel verändert zu früher. Ich verkaufe zwar nicht immer gleich viel, aber die meisten Tage habe ich ein durchschnittliches Einkommen von 400 Taka (ca. 4 Euro). Damit kann ich meine gesamte Familie versorgen. Mein Mann arbeitet jetzt in einer Apotheke, aber er war lange arbeitslos, und wir mussten nur mit meinem Geld auskommen. Jetzt geht es uns viel besser, und wenn ich mich mit meinen Nachbarn vergleiche, dann geht es uns richtig gut.“

Am Straßenrand vor dem Lädchen spielen einige Kinder – zwei davon, ein 10-jähriges Mädchen und ein 6-jähriger Junge, gehören zu Taramoni. „Ich wäre glücklich, wenn meine Tochter später mal Krankenschwester wird. Und für meinen Sohn wünsche ich mir, dass er eine Apotheke leitet – nicht als Angestellter, wie sein Vater, sondern als Inhaber.“

Keine ganz kleinen Träume in einem Land, wo der soziale Aufstieg für viele nur ein schöner Wunsch bleibt. Aber Taramoni glaubt man sofort, dass sie diese Ziele für ihre Kinder auch erreichen kann.

 

Taramoni ist eine von ca. 3000 Frauen, die im Rahmen eines Großprojektes in Srimongol im Nordosten Bangladeschs geschult wurde. Das Projekt, das zu ca. 80% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert wurde, konzentrierte sich auf ca. 10.000 Familien (etwa 50.000 Personen), die für ihr Einkommen vornehmlich auf Arbeit in den Teeplantagen oder als Tagelöhner angewiesen waren und damit zur bedürftigsten Bevölkerungsgruppe gehörten; Ziel war, durch den Bau eines Schulungszentrums und einer Schule sowie ein umfassendes Schulungsprogramm die wirtschaftliche Lage der Familien und die Bildung der Kinder langfristig zu verbessern.

Heute, zehn Jahre nach Projektbeginn, sind die Erfolge deutlich sichtbar.

Da ist neben Taramoni zum Beispiel auch Menoka, die aus ihrem großen Gemüsegarten – natürlich mit eigenem Saatgut angelegt und ökologisch gedüngt – und Viehzucht nicht nur ein zusätzliches Einkommen erzielt, sondern sich durch das nahrhafte Essen ihre Gesundheit und die ihrer Familie deutlich verbessert hat. Inzwischen hat sie genügend Geld gespart, dass sie einen kleinen Laden eröffnen kann, wenn die Kinder groß genug sind. „Das wichtigste ist, dass meine Kinder eine gute Ausbildung erhalten“, betont sie.

Oder Sujata, die keine Kinder hat und mit ihrem Mann und Schwager in einer Lehmhütte wohnt. Die beiden Männer arbeiten in den Teeplantagen, sechs Tage in der Woche, und verdienen im Monat zu zweit nur etwa so viel, wie Sujata alleine durch ihre Viehzucht erzielt – sieben Kühe hat sie, drei Ziegen und einige Hühner, davon verkauft sie Milch, Eier, Huhn und Öko-Dünger. All das hat sie im Projekt gelernt. Und sie hat noch Ziele und Träume: Ihre Viehzucht möchte sie ausweiten und schließlich ein richtiges Haus bauen, aus Beton und Wellblech, nicht nur Lehm. Außerdem würde sie sich weitere Schulungen wünschen – im Schulungszentrum finden weiterhin regelmäßig Schulungen für die Zielgruppe statt –, zum Beispiel in der Herstellung von „Vermi-Compost“ (mit Kompostwürmern). Dann könnte sie ihr Einkommen zeitnah steigern und ihr Traum vom Haus sich umso schneller erfüllen.

Dass die Schulungen einen Unterschied im Leben einzelner Familien gemacht haben, ist nicht zu übersehen. Abgesehen vom gesteigerten Einkommen berichten die Frauen, wie sich auch sonst ihre Lebensweise geändert hat: Sie sind bessere Eltern, achten stärker auf Gesundheit, bereiten nahrhaftes Essen zu, wissen um gute Hygiene und sorgen dafür, dass der ganze Haushalt die Prinzipien umsetzt. Sie haben auch gelernt, mit Geld umzugehen und – ganz grundlegend für eine langfristige Veränderung: einen gewissen Betrag zu sparen, damit für Notfälle Geld da ist, aber vor allem auch, um sich weiterzuentwickeln, ein Geschäft zu vergrößern, etwas neues dazuzulernen, nicht dort stehen zu bleiben, wo sie vorher waren.

Das meiste, was Taramoni, Menoka, Sujata und die anderen Frauen in Srimongol gelernt haben, wurde ihnen im Rahmen einer Selbsthilfegruppe weitergegeben. „Was ich jetzt habe“, erklärt Sujata, „all das hab ich in der Selbsthilfegruppe gelernt. Ich habe wirklich von dieser Gruppe profitiert!“ In den Gruppen lernten die Frauen sparen, erhielten Kredite für ihre Kleinstunternehmen, besuchten Schulungen über Gemüsegärten, Viehzucht und verschiedenste Erwerbstätigkeiten gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus der Gruppe.

Leider ist heute keine dieser drei Gruppen mehr aktiv. Die einen waren plötzlich zu beschäftigt, hatten nicht genug Zeit, um sich zusammenzusetzen und Probleme gemeinsam zu diskutieren, entwickelten sich auch in den Interessen immer mehr auseinander. Eine andere Gruppe lief für einige Jahre, aber dann gab es einen Konflikt, und es war keiner da, der helfen konnte, diesen Konflikt zu lösen. Die dritte Gruppe hatte sogar gemeinsam ein Einkommensprojekt gestartet und machte ziemlich guten Gewinn, doch es gab keine Einheit in der Gruppe und einzelne Mitglieder fühlten sich nicht mit ihrer Meinung wertgeschätzt; die Gruppe brach auseinander.

Im Gespräch mit unserem Partner vor Ort lassen sich einige Erkenntnisse daraus ableiten.

Auf der einen Seite zeigen diese Beispiele den Wert der Schulungen und des gemeinsamen Lernens. Denn auch wenn die Gruppen der drei Frauen nicht mehr bestehen, so setzen sie doch weiter das Gelernte um, nicht nur in den Erwerbstätigkeiten, sondern auch in Aspekten des täglichen Lebens. Und: Alle drei Frauen sparen weiter und wissen, dass sie nun aus eigener Kraft die nächsten Schritte in ihren Unternehmen gehen können. Eine andere Gruppe im Projektgebiet formte sich kürzlich neu in Eigeninitiative, nachdem sie eine Weile inaktiv war – weil die Frauen sich daran erinnerten, dass das gemeinsame Sparen und gemeinsame Lernen der beste Weg ist, sich positiv weiterzuentwickeln und nicht von Kredithaien abhängig zu werden.

Auf der anderen Seite wird durch die Situation aber auch deutlich, dass zwei Jahre als Projektlaufzeit zu kurz sind, um Selbsthilfegruppen nachhaltig auf eigene Beine zu stellen – und auch, dass Projekte nach gründlicher Recherche noch intensiver an die lokale Situation angepasst werden müssen. Denn in Satkhira und Jessore im Südwesten Bangladeschs, wo ein paar Jahre vorher ein vom BMZ gefördertes ebenfalls zweijähriges Schulungsprojekt beendet wurde, hatten die Frauen sich schon wenige Jahre später zu Kooperativen zusammengeschlossen (einen Bericht dazu finden Sie hier) – dort hatten die Menschen einfach eine andere Einstellung. Zusätzlich wurde dort aber auch nur kurze Zeit nach Projektende ein Folgeprojekt mit anderem Fokus begonnen, das mit den gleichen Selbsthilfegruppen zusammenarbeitete – dadurch war genug Personal vor Ort, das die Gruppen weiter begleiten und helfen konnte, etwaige Konflikte zu lösen.

Inzwischen wurde auch in Srimongol ein solches Folgeprojekt gestartet (nicht von Helping Hands finanziert), das sich vor allem auf Gesundheitsthemen konzentriert. Dadurch ist wieder mehr Kontakt mit der Zielgruppe, inaktive Gruppen können reaktiviert und neue gebildet werden.

Eine davon besteht aus 17 Teenagern – alles Mädchen im Alter von 12 bis 17. Die Gruppe haben sie gegründet, um sich gegenseitig zu beschützen, um gemeinsam zu lernen, gute Entscheidungen zu treffen, ihre Probleme zu lösen und ihre Träume zu verwirklichen. Und Träume, die haben sie ebenso wie Taramoni, Menoka und Sujata. „Mein Traum ist, Polizistin zu werden und meiner Nation zu dienen“, erzählt eine der jungen Frauen. „Hier ist Drogensucht ein Problem, ich möchte daran arbeiten, sie auszurotten“, meint ein Mädchen mit Überzeugung; eine andere erklärt, „Ich will die Dorfbewohner über Kinderehe aufklären und diese Praxis in unserem Dorf stoppen.“

Gemeinsam, das wissen sie, können sie einen Unterschied machen. Ihre größte Herausforderung ist die Bildung – „denn unsere Eltern interessieren sich nicht dafür, Mädchen auszubilden – in unseren Dörfern gibt es den Aberglauben dass Frauen nicht gebildet sein sollen, sondern zuhause bleiben. … Aber wenn wir uns selbst weiterbilden, können wir eine bessere Zukunft für unsere Familie schaffen, sodass die nächste Generation besser ausgebildet und wohlhabender sein wird. Wenn wir selbst gebildet sind, können wir andere unterrichten, sodass sie von uns lernen und Wissen erhalten können.“

Gemeinsam lernen, gemeinsam aktiv werden, sich selbst weiterbilden und Wissen an andere weitergeben – das sind grundlegende Elemente, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen und gemeinsam eine bessere Zukunft zu schaffen. Manchmal, wie eine Frau in der reaktivierten Selbsthilfegruppe vermutet, dauert das halt ein bisschen länger: allmählich, Schritt für Schritt ändert sich das Leben. Und Taramoni, Menoka, Sujata, aber auch die jungen Mädchen in der neuen Gruppe, sind bereits auf einem guten Weg.

 

Das Projekt in Srimongol wurde im März 2022 von unserer internationalen Geschäftsführung besucht und evaluiert.