„Wir sind so stolz auf die Veränderung, die wir in Neelam beobachten können. Seit sie das Zentrum besucht, ist sie aktiver, konzentrierter und selbstbewusster geworden. Wir sind so dankbar für diese positive Entwicklung und wir hoffen, dass Neelam sich auch in Zukunft weiterentwickeln, dazulernen und noch mehr zu einem strahlenden Licht für ihr Umfeld wird!“ (Eltern in Ithung)
Das integrative Kinderzentrum in den Bergdörfern Ithung und Ghalegaun in Nepals Osten verändert seit fünf Jahren das Leben von Kindern und Familien, die vorher am wenigsten Chancen hatten, und hat in den beiden Dorfgemeinschaften schon einige positive Entwicklungen angestoßen.
Eins dieser Kinder ist Tara*.
Tara stammt ursprünglich nicht aus dieser Region. Ihre früheste Kindheit verbrachte sie in einem kleinen, abgelegenen Dorf im angrenzenden Bezirk Taplejung. Die Eltern waren überglücklich, als ihre Tochter geboren wurde. Aber als Tara acht Jahre alt war, nahm ihre Mutter sich das Leben. Kurz danach starb auch der Vater. Das kleine Mädchen blieb ganz allein zurück, sodass schließlich die Großmutter entschied, sie zu sich nach Ithung zu holen.
Dort hatte Tara nicht nur die Chance für einen Neuanfang, sondern kam auch gerade zu der Zeit dort an, als das Kinderzentrum begann, einen wirklichen Unterschied für die Kinder und Familien in Ithung zu machen. Hier bekam Tara die Möglichkeit, ihre Trauer zu verarbeiten und Frieden zu finden. Sie fand neue Freunde und begann, geistlich und emotional zu heilen. Auch die körperlichen Auswirkungen ihres Traumas wie Schwindel und Zittern ließen immer mehr nach und verschwanden schließlich ganz.
Heute ist Tara – als stolze Neuntklässlerin – eine große Ermutigung für ihre Familie und ihre Kameraden. Die verwitwete Großmutter ist sehr dankbar für ihre fleißige Unterstützung im Haushalt. Im akademischen Bereich hat Tara große Fortschritte gemacht, beteiligt sich mit Hingabe an schulischen Aktivitäten und nimmt immer häufiger auch Führungsrollen ein. Mit ihrer respektvollen Haltung gegenüber Anderen, ihrer Fürsorge vor allem für jüngere Kinder, ihrer Hilfsbereitschaft und Friedfertigkeit ist sie für ihre Kameraden ein Vorbild und bei allen sehr beliebt. „Die Verwandlung von Tara ist bemerkenswert“, betonen ihre Lehrer. „Es ist uns eine Ehre, von einem so inspirierenden jungen Mädchen zu lernen und es zu unterrichten.“
2025 konnte das integrative Kinderzentrum einige Erfolge verzeichnen und Herausforderungen bewältigen. Wie immer fanden zahlreiche verschiedene Aktivitäten statt, um die Entwicklung der Kinder und ihr Familienumfeld positiv zu beeinflussen.
Zu den regelmäßigen Aktivitäten gehörte unter anderem:
- Hausaufgabenhilfe bzw. Nachhilfe: Dies hilft den Kindern, den Schulstoff besser zu verstehen und Selbstbewusstsein aufzubauen. Durch die kontinuierliche Begleitung machen die Kinder stetige Fortschritte im Unterricht.
- Schulmaterial: Alle ca. 120 Kinder erhalten zweimal pro Jahr das nötige Schulmaterial inklusive Hefte, Stifte, Bleistifte, Buntstifte und andere Schulartikel sowie einmal pro Jahr eine neue Schuluniform mit Schuhen. Das sorgt dafür, dass die Kinder regelmäßig die Schule besuchen, effektiv lernen und die finanzielle Belastung der Eltern sich verringert.
- Nahrhafte Mahlzeiten: Jeden Schultag erhalten die Kinder eine kleine nahrhafte Mahlzeit, die eine Mischung aus Eiweiß, Kohlenhydraten, Vitaminen und Ballaststoffen beinhaltet, z.B.: gekochte Eier, saisonales Obst, Kichererbsen, Brot, Puffreis, gekochter Mais oder Joghurt. Das gibt den Kindern die nötige Energie zum Lernen.
- Gesundheitsvorsorge: Größe und Gewicht der Kinder werden regelmäßig gemessen, um ihr körperliches Wachstum zu verfolgen und Anzeichen von Mangelernährung oder anderen gesundheitlichen Problemen frühzeitig zu erkennen. Dadurch wird auch den Eltern bewusst, wie wichtig regelmäßige Vorsorge und eine ausgewogene Ernährung für ihre Kinder sind.
- Sport und Kultur: Jeden Freitag werden besondere Aktivitäten wie Sport, Debatten, Gesang und Tanz organisiert. Das stärkt Selbstvertrauen, Kreativität, Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit der Kinder. In regelmäßigen Wettbewerben werden Teamarbeit und Fairplay gefördert.
- Selbsthilfegruppen: Die Treffen finden jeden Monat statt. Mitglieder zahlen ihre Ersparnisse ein und begleichen Zinsen und Kreditraten. Die Gruppen vergeben Kredite an ihre Mitglieder, die diese für verschiedene einkommensschaffende Aktivitäten nutzen, z.B. um Waren für ihre kleinen Läden zu kaufen oder in die Viehzucht zu investieren. Das trägt zur wirtschaftlichen Stabilität und Selbstständigkeit der Gruppen-Mitglieder bei.
Zu besonderen Aktivitäten in 2025 gehörte unter anderem:
- Das neue Jahr wurde in Ithung mit Spielen, Musik, Tanz und einem Picknick im Zentrum gefeiert. In Ghalegaun fand ein besonderer Quiz-Wettbewerb statt.
- Im März/April mussten die Kinder die Abschlussprüfungen des Schuljahres absolvieren; darauf bereiteten die Lehrer ihre Schüler mit vielen unterschiedlichen Übungen und Probeprüfungen vor.
- Im Juni nahmen 50 Eltern in Ghalegaun und 43 Eltern in Ithung an einer eintägigen Schulung zu den Themen Ernährung, Wasser, Hygiene und Gesundheit teil.
- Im Dezember erhielten die Kinder warme Jacken, Mützen und Socken als Weihnachtsgeschenke und damit sie die Winterzeit gut überstehen. Im Rahmen der Weihnachtsfeierlichkeiten am 22. und 23. Dezember wurden auch Auszeichnungen für hervorragende Leistungen in verschiedenen Bereichen (z.B. Kunst, Handschrift, Hygiene u.ä.) verliehen, um die Kinder in ihrem Engagement zu ermutigen, positives Verhalten zu bekräftigen, andere Schüler zu motivieren und die Eltern an den Fortschritten ihrer Kinder teilhaben zu lassen.
- In beiden Zentren wurden bewusstseinsbildende Schulungen und Aktivitäten durchgeführt, um Kinder auf Gefahren und Risiken und entsprechende präventive Maßnahmen hinzuweisen, z.B. zu: Cholera, Schlangenbisse und krankheitsübertragende Mückenstiche, Feuer (vor allem in der Trockenzeit). Kinder und Mitarbeiter wurden außerdem in grundlegenden Techniken der Ersten Hilfe geschult.
- Wiederholt wurden die Kinder und ihre Eltern über das Thema Menschenhandel aufgeklärt. Das beinhaltete u.a. praktische Hinweise, wie man Warnzeichen erkennt, verdächtige Aktivitäten meldet und bei Bedarf Hilfe in Anspruch nimmt. Kinder lernten wichtige Telefonnummern (z.B. Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Kinderhilfshotline) auswendig. Zusätzlich wurden Themen wie schädliche gesellschaftliche Praktiken (z.B. Mitgift, kastenbasierte Diskriminierung) und mögliche negative Auswirkungen von sozialen Medien und Internetnutzung angesprochen und durch kreative Aktivitäten vertieft.
Zu den Erfolgen gehörte unter anderem:
- Die akademischen Ergebnisse haben sich massiv verbessert und sind sehr ermutigend. Im Vorjahr gab es noch Schüler, die durch die Abschlussprüfungen durchgefallen waren. Bei den Abschlussprüfungen 2025 erhielten die 63 Kinder in Ghalegaun im Durchschnitt die Note 1- (1,17) und die 58 Kinder in Ithung im Durchschnitt die Note 1-2 (1,41). Für diese hervorragenden Ergebnisse machten die Eltern vornehmlich die anhaltende Förderung im Kinderzentrum und das Engagement der Lehrer verantwortlich.
- Die Kinder haben erhebliche Fortschritte im Selbstvertrauen und Sozialverhalten gemacht. Sie haben einerseits gelernt, gut im Team zu arbeiten, einander zu respektieren und anderen Freundlichkeit und Fürsorge zu zeigen. Andererseits haben etwa die Hälfte der Kinder ihre Scheu verloren, sich mit Ideen und Meinungen einzubringen, haben ihre Kommunikationsfähigkeiten verbessert, Selbstwertgefühl aufgebaut und gelernt, kritisch zu denken. Solche Fortschritte sind nicht nur für ihren schulischen Erfolg entscheidend, sondern auch für ihre aktive Teilnahme am Schulleben, an Familiengesprächen und an Aktivitäten in der Gemeinschaft.
- Auch die Eltern engagieren sich stärker und unterstützen das Kinderzentrum. Viele bringen von ihrem eigenen Ertrag Gemüse und Obst bzw. Snacks für die Mahlzeiten der Kinder. Bei Schuluniformen u.ä. übernehmen die Eltern nun einen Teil der Kosten selbst. Das Engagement und Verantwortungsbewusstsein der Eltern stärkt die Partnerschaft zwischen Familien und Zentren und ist ein wichtiger Schritt in Richtung finanzieller Eigenständigkeit.
Zu Herausforderungen gehörte unter anderem:
- Das Kinderzentrum in Ithung liegt etwa 2.300 Meter über dem Meeresspiegel. Daher wird es dort extrem kalt, und die Kinder können manchmal aufgrund der Kälte nicht ins Zentrum kommen oder nicht lange dort bleiben. Auch in Ghalegaun, ein paar hundert Meter tiefer gelegen, leiden die Kinder unter der Kälte im Winter, was u.a. die persönliche Hygiene der jüngeren Kinder beeinflusst und es auch schwierig macht, die Kinder in verschiedene Altersgruppen aufzuteilen, weil sie sich nicht lange draußen aufhalten können. Unser Partner verteilte Winterjacken, Mützen und Socken, um das Problem zu reduzieren.
- Bereits während der Regenzeit im Sommer war es für die Kinder aufgrund schlechter Straßenverhältnisse und starker Regenfälle manchmal unmöglich, zum Zentrum zu kommen. Im Oktober lösten unerwartet heftige Monsunregenfälle verheerende Erdrutsche aus; die meisten Familien der beiden Zentren waren betroffen und erlitten teils große Verluste (Ernte, Grundstücke, Häuser, Ställe). Nach Rücksprache mit unserem Partner konnten wir im Frühjahr 2026 verschiedene Maßnahmen zum Wiederaufbau fördern.
- Das Kinderzentrum in Ithung ist von Steilhängen umgeben und verfügte bisher über keine Umzäunung, was bei Aktivitäten im Freien ein erhöhtes Sicherheitsrisiko war. Im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen nach der Monsun-Katastrophe konnte im Frühjahr 2026 mit finanzieller Förderung von Helping Hands ein stabiler Zaun um das Grundstück errichtet werden.
- Die politischen Unruhen und landesweiten Proteste im vergangenen Jahr beeinträchtigen nicht nur den normalen Alltag und das psychische Wohlbefinden der Kinder, sondern hatten auch zur Folge, dass der Unterricht eine Woche lang ausfallen musste.
- Die große Altersspanne bzw. Bildungsstand der Kinder macht es oft schwierig, die Kinder angemessen in Gruppen einzuteilen und einen effektiven, altersgerechten Unterricht anzubieten. Die Lehrer arbeiten kontinuierlich daran, hier bessere Lösungen zu finden, sodass sie den Lernbedürfnissen aller Kinder gerecht werden können.
Ein strahlendes Licht für ihr Umfeld zu sein – das ist nicht nur der Traum von Neelams Eltern für ihre Tochter, es ist auch das, worin die Mitarbeiter und Familien des integrativen Kinderzentrums in Ithung und Ghalegaun seit fünf Jahren investieren.

