Wirkungsbeobachtung: „STEP“ in Beirut, Libanon

Erst stehen sie noch etwas schüchtern am Eingang, umklammern die Hände ihrer Eltern und schauen mit großen Augen auf das unbekannte Schulgebäude – aber dann ist auch schon für die ersten das Eis gebrochen und sie rennen begeistert auf den Schulhof hinaus: So viel wunderbarer Platz zum Spielen! Leider wird es kurz darauf schon Ernst: Die Spielbegeisterung muss für die Pause aufgehoben werden, denn der Unterricht geht los. Noch ist alles neu – dort, wo sonst neun Klassen, einheitlich in Schuluniform gekleidet, schöne ordentliche Reihen bilden, stehen an diesem Nachmittag kunterbunte  wirre Schlangen, die vor Aufregung gar nicht zur Ruhe kommen können. Macht nichts! Das Aufreihen werden die Kinder bald lernen, und Schuluniformen sind auch schon bestellt. Jetzt heißt es erst einmal, die Kinder willkommen zu heißen, eine einladende Atmosphäre zu schaffen und zu vermitteln, dass Schule auch mit Disziplin so richtig Spaß machen kann!

Dieser Dienstag ist ein großes Ereignis im Leben der knapp 100 Kinder: für viele das erste Mal, oder zumindest das erste Mal seit langem, dass sie in eine „richtige“ Schule gehen. Wegen Bürgerkrieg und Flucht haben die Kinder so viel Unterricht verpasst, dass sie in regulären Schulen nicht registriert werden können. Seit  Sommer 2014 gibt es für solche Kinder in Beirut ein besonderes Programm, genannt „STEP“, das ihnen etwas Unterricht bietet und sich um ihre sozialen Bedürfnisse kümmert, allerdings eine reguläre Schule nicht vollständig ersetzt.

An diesem Dienstag im November 2019 ist es nicht nur Mrs Caroline, die Leiterin von STEP, die die Kinder begrüßt. Auch Miss Marlene, die Schulleiterin der NES-Schule in Beirut, lächelt den Schülern entgegen. „Das sind alles Kinder, die in keine andere Schule gehen könnten“, erklärt sie später. „In den öffentlichen Schulen ist kein Platz für sie. Vor allem jetzt, wo durch die Wirtschaftskrise immer mehr Libanesen in öffentliche Schulen wechseln – für Syrer ist da kein Platz. Vielleicht können wir einige bald in die NES aufnehmen – mal sehen. Wir müssen das erst beobachten.“

Das war ursprünglich der Gedanke des STEP-Programms: dass Kinder durch Nachhilfeunterricht das verpasste Lernen genügend aufholen können, um dann in einer „richtigen“ Schule einen Schulplatz bekommen zu können. Leider zeigte die Erfahrung, dass das nicht so einfach war. Zwar erfüllte das STEP-Programm eine wichtige Rolle im Leben der Kinder, die sonst wohl untätig zuhause oder auf der Straße herumgesessen wären, jedoch schaffte es bisher kein Kind, tatsächlich in eine „normale Schule“ zu wechseln.

Im Herbst 2019 wurde also das Programm sorgfältig evaluiert und völlig neu strukturiert. Was konnte aus den Erfahrungen gelernt werden, und was wird jetzt anders gemacht?

1) Da STEP in einem Kirchengebäude stattfand, waren die Räumlichkeiten problematisch. Der Raum für die Kindergartenkinder war deutlich zu klein. Die anderen Klassen wurden im Kirchsaal unterrichtet, dafür wurden jeweils Raumteiler aufgestellt. Das bedeutete, dass der Unterricht in Kreativität und Aktivitäten stark eingeschränkt war; die Kinder saßen bloß um runde Tische und konnten sich nicht durch den Raum bewegen. Das war vor allem für jüngere Schüler sehr schwierig und ihrem Lernstil nicht angebracht.

2) Die Kinder wurden in drei gemischten Klassen unterrichtet – nicht nach Jahrgangsstufe, sondern nach Fach. Dadurch waren zum Beispiel in einer Klasse Schüler im Alter von 7, 10, 13, 15 Jahren; das verursachte einige Probleme, da sie durch den Altersunterschied oft in Streit geritten oder nicht genügend Rücksicht nahmen.

3) Nur drei Fächer wurden angeboten: Arabisch, Englisch und Mathematik.

4) Es gab keine ordentliche Fläche für die Pause, für Spiel oder Sport; nur der überdachte Eingangsbereich vor dem Kirchsaal.

5) Die Lehrer hatten keinen Raum, in dem sie ihren Unterricht vorbereiten konnten.

6) Manchen Lehrern, die auch selbst Flüchtlinge waren, fehlte die nötige Qualifizierung, um neben Arabisch auch Englisch, Mathe oder andere Fächer zu unterrichten.

7) Es gab keine Noten – keine Examen oder Klausuren, keine Fortschrittsberichte für die Eltern.

8) Durch die engen Räumlichkeiten und die stark altersgemischten Klassen gab es einige Probleme mit der Disziplin u.ä. unter den Schülern. Durch den „lockeren Rahmen“ nahmen sowohl Schüler als auch Eltern das Programm auch nicht so wirklich ernst – es war eben keine „richtige“ Schule.

Das Leitungsteam von STEP hatte bereits überlegt, in größere Räumlichkeiten umzuziehen. Im vergangenen Jahr baten sie ihre Kollegen von der NES, das Programm zu evaluieren und Änderungen vorzuschlagen. „Als wir die Evaluierung durchführten, stellten wir fest, dass das Programm nicht wirklich so funktioniert wie erhofft“, berichtet Miss Marlene. „Wenn es so weitergeht, dann werden wenige Schüler je in eine normale Schule wechseln können.“

Da die NES kürzlich die offizielle Erlaubnis erhalten hatte, ihre maximale Schülerzahl durch Nachmittagsunterricht zu erhöhen, war es ihnen möglich, ihre Räumlichkeiten für STEP zu öffnen. Da STEP als Nachmittagsprogramm der NES auch offiziell anerkannt ist, bietet das die Möglichkeit, qualifizierende STEP-Schüler beim Bildungsministerium zu registrieren, als ob sie eine reguläre Schule besuchen. Dafür muss die NES eng mit STEP zusammenarbeiten und das Programm regelmäßig evaluieren. Die Leitung bleibt in der Hand von Mrs Caroline, der STEP-Direktorin, aber die Schulleitung der NES überprüft das Programm und gibt Rat wo nötig.

Am 5. November 2019 fand STEP das erste Mal im Schulgebäude der NES statt – durch die Straßenproteste und damit verbundenen Schulschließungen etwas später als geplant.

Was also hat sich geändert?

1) In den Klassenräumen ist deutlich mehr Platz. Die Lehrer sind sehr froh darüber, da die Räume viel mehr Möglichkeiten bieten, den Unterricht ansprechend zu gestalten – sie können unterschiedliche Aktivitäten mit den Kindern machen und sogar die Monitore (für PowerPoint, Videos etc.) in den Klassenräumen nutzen.

2) Die Klassen sind gemäß der Jahrgangsstufe eingeteilt; teilweise lernen noch Kinder verschiedenen Alters zusammen (was sich nicht gänzlich vermeiden lässt, da die Kinder aufgrund der Flucht unterschiedlich viele Jahre Schule verpasst haben), aber die Situation hat sich stark gebessert.

3) Unterricht in allen Fächern wird angeboten, wie in einer regulären Schule. Die Lehrer unterrichten nach dem offiziellen libanesischen Lehrplan, haben alle nötigen Ressourcen und benutzen anerkannte Englischbücher, Mathebücher usw.

4) Die Kinder haben auf dem Schulhof der NES endlich richtig Platz zum Spielen und die größere Fläche kann auch für Aktivitäten im Unterricht genutzt werden.

5) Die Lehrer können das Lehrerzimmer der NES nutzen, um ihren Unterricht vorzubereiten.

6) Derzeit unterrichten 7 Lehrer und Lehrerinnen bei STEP; die Schulleiterin überprüft sorgfältig, dass alle Lehrer die nötigen Qualifizierungen haben. Zwei hatten bereits vorher bei STEP unterrichtet, zwei sind NES-Lehrer und drei Lehrer wurden neu eingestellt (mit Graden in Psychologie und Literatur); mindestens eine Lehrerin ist selbst syrischer Flüchtling.

7) Die Kinder werden regulär benotet, erhalten Zeugnisse und es gibt Elternabende.

8) Durch die neuen Räumlichkeiten hat sich auch die Disziplin enorm verbessert. Schüler und Eltern und auch die Lehrer nehmen den Unterricht jetzt ernst. Die Kinder hoffen sehr, möglichst bald in reguläre NES-Schulklassen wechseln zu können: „Davon träumen sie alle, die Kinder und die Eltern“, sagt Miss Marlene. Regelmäßige Evaluierungen sind geplant, um zu entscheiden, welche Schüler sich genügend verbessert haben, sodass sie in die NES wechseln bzw. offiziell registriert werden können.

In den alten Räumlichkeiten konnten im STEP-Programm nur 40–45 Kinder aufgenommen werden; seit STEP in der NES stattfindet wurde die Zahl auf 100 erhöht. Im November 2019 begannen 98 Kinder den Unterricht im Kindergarten und den Klassen 1 bis 5. Alle stammen aus muslimischen syrischen Flüchtlingsfamilien; die meisten der christlichen irakischen Flüchtlinge, die bisher das Programm besuchten, konnten bereits Visa für westliche Länder erhalten und sind ausgereist. Trotz unterschiedlichem religiösem Hintergrund (Sunniten, Schiiten, Kurden usw.) lernen die Kinder harmonisch miteinander.

Am Ende der ersten Woche ist Mrs Caroline sehr zufrieden. „Die Lehrer sind sehr erfreut über die Änderungen“, berichtet sie, „sie sagen es ist viel entspannter und sie können mehr Unterrichtsstoff bewältigen. Die Disziplin hat sich verbessert, die Schüler haben mehr Platz. Es läuft alles sehr gut!“

 

Ein Schulplatz im (neuen) STEP-Programm kostet ca. 1.100 Euro pro Kind pro Jahr, davon zahlen ca. 250 Euro die Eltern selbst. Der Gesamtbetrag beinhaltet neben den Lehrergehältern und laufenden Kosten (Strom etc.) auch Bücher, Schulmaterial und Schuluniform sowie Versicherung und die Anfahrt per Schulbus.

Sie können ein Kind im STEP-Programm unterstützen, indem Sie mit Vermerk „STEP“ für die Schulgebühren spenden (850 Euro pro Kind pro Jahr) oder eine Patenschaft übernehmen.

 

Schüler zeigen Solidarität

Nach verheerender Explosion in Beirut engagieren sich zahlreiche NES-Schüler und Absolventen für ihre Stadt

„Die letzten Tage waren sehr hektisch. Direkt nach der Explosion haben wir uns erst mal darum bemüht, in der Schule den Schutt und die Glasscherben wegzuräumen. Viele unserer Schüler und Ehemaligen sind mit anderen Jugendlichen in die besonders zerstörten Stadtgebiete gegangen und haben dort bei allem und jedem geholfen. Sie haben Gästehäuser hergerichtet, sodass Familien, die ihre Wohnungen verloren haben, dort unterkommen konnten. Dann haben sie geholfen, zwei zerstörte Krankenhäuser aufzuräumen und zu säubern. Zusätzlich haben sie in Ashrafieh zwölf beschädigte Wohnungen und Häuser aufgeräumt und gereinigt. Später haben sie noch sieben Tage lang täglich 225 Mittagsmahlzeiten zubereitet und verteilt, und für betroffene Familien auch Ventilatoren gekauft. Unser befreundetes Hilfswerk, Life Agape Ministry, gibt weiterhin warme Mahlzeiten aus.“ Heute (25.8.) wird außerdem eine „mobile Klinik“ für Verletzte angeboten; auch dabei helfen einige Schüler. „Wir sind sehr stolz darauf, wie unsere Schüler sich engagieren!“

Das ist die NES-Schule in Beirut, Libanon: Dort lernen die Schüler nicht nur Arabisch, Chemie und Mathematik, sondern Nächstenliebe und Solidarität, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern über die eigene Not hinaus auch die Not der anderen zu sehen und zu lindern. Viele der NES-Schüler kommen ohnehin aus sehr schwierigen Verhältnissen – Flüchtlingsfamilien, Gastarbeiter, Waisenkinder – aber selbst die wenigen, deren Familien es vorher einigermaßen gut ging, bekommen die anhaltende Wirtschaftskrise am eigenen Leib zu spüren, denn ein großer Teil der Mittelklasse rutscht immer mehr in die Armut ab. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen? – waren viele Schüler und Absolventen sofort bereit, sich für ihre betroffenen Nachbarn und ihre gemarterte Stadt einzusetzen.

Bei der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut am 4. August kamen knapp 200 Menschen um, mehr als 6000 wurden verwundet. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot, denn u.a. vernichtete die Detonation 85% der Getreidevorräte (Oxfam). Zudem sind ganze Stadtteile zerstört – viele Bewohner sprechen davon, dass die Explosion mehr Schaden angerichtet hat als 15 Jahre Bürgerkrieg – und daher sind nun etwa 300.000 Menschen obdachlos. Zusätzlich haben viele noch bewohnbare Wohnungen große Schäden erlitten.

„Als Schule helfen wir im Moment vor allem unseren Lehrern und Schülern, die Schäden in ihren Wohnungen zu reparieren. Wir arbeiten mit verschiedenen Handarbeitern zusammen, Schreinern und so, die wir zu den Familien schicken, denen wir helfen möchten, und die wir dann bezahlen.“

Die Schäden dieser Art können, zumindest mit der nötigen finanziellen Unterstützung, beseitigt werden. Aber was ist mit den emotionalen Schäden?

Die Explosion hat für viele Libanesen nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern ihr letztes Fünkchen Hoffnung zerstört. Verheerende Waldbrände vor knapp einem Jahr, dann wochenlange Straßenproteste, die schlimmste Wirtschaftskrise, die das Land je durchlebt hat, eine drastisch fallende Währung und massive Arbeitslosigkeit, dann noch Corona und schließlich dieser katastrophale Schlag – die Bevölkerung ist völlig traumatisiert. Wie lange wird es dauern, bis das Land sich erholt, selbst wenn die politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen überwunden werden können?

Genau hier macht die NES-Schule so einen wichtigen Unterschied. Auf der einen Seite kümmern sie sich natürlich gerade jetzt um die Schüler, die besonders betroffen sind, wie die Schulleiterin beschreibt: „Wir bemühen uns darum, die verletzten Schüler emotional zu unterstützen. Wir wechseln uns ab, die Schüler zu besuchen, vor allem die, die auch ihr Zuhause verloren haben.

Wir möchten weiterhin ein Licht sein für Menschen, die in Not sind!“

Dieses Licht ist die NES schon seit über 50 Jahren. Kinder, die in anderen Schulen diskriminiert oder sozial ausgegrenzt werden, finden hier einen Ort, an dem sie angenommen und wertgeschätzt sind. Besonders solche Kinder, die an anderen Schulen teilweise gar keinen Platz bekommen würden – Kinder aus Flüchtlings- oder Gastarbeiterfamilien, die auch in dieser Krise ganz besonders hart getroffen sind – können hier in sicherer und herzlicher Atmosphäre eine gute Schulbildung genießen. Das relativ neue „Therapiezentrum“ mit Psychologe und Sprachtherapeut hilft enorm, traumatisierten Kindern die nötige Hilfestellung zu geben, damit sie ihr Trauma verarbeiten und ihren Schulalltag erfolgreich meistern können. Und gerade dieses Jahr, in dem praktisch alle Kinder in Beirut gewissermaßen unter Trauma leiden, ist die Schule als „Oase des Friedens im Chaos“ ein unbeschreiblich wichtiger Anker im durcheinandergewirbelten Leben der NES-Schüler.

Ursprünglich sollten am 1. September die Einführung für die Lehrer beginnen und Mitte September der reguläre Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Da aufgrund der Explosion dutzende Krankenhäuser und Kliniken zerstört wurden und die Corona-Fälle stark angestiegen sind, wurde bis mindestens zum 4. September ein weiterer Lockdown verhängt. Ob demnach der Unterricht im Klassenraum starten kann oder für den Übergang weiter online unterrichtet wird, ist noch unklar – jedenfalls besteht die Hoffnung, dass in Kürze wieder normaler Präsenzunterricht stattfinden kann. Die Reparaturarbeiten an der Schule laufen noch, sind aber hoffentlich bis Mitte September abgeschlossen.

Die Schüler und Angestellten der NES – Berichten zufolge die ganze libanesische Bevölkerung – zeichnen sich in dieser schwierigen Lage durch außerordentliche Solidarität aus. Auch wir können unseren Freunden im Libanon ein Zeichen der Solidarität und der Ermutigung senden. Das geht am besten durch den NES-Studienfond, der maßgeblich dazu beiträgt, dass möglichst viele Schüler weiter ihre „Oase des Friedens“ besuchen können. Das geht auch durch Patenschaften für einzelne Schüler, oder eine Spende mit Vermerk „Beirut Explosion“ (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394). Oder Sie schreiben eine ermutigende Nachricht für unsere Kollegen und die Kinder im Libanon (am besten auf Englisch – aber gerne auch auf Deutsch – an: webmaster@helpinghandsev.org). Danke, dass Sie den Kindern und ihren Familien in dieser Zeit besonders zur Seite stehen!

Weitere Fotos auf Facebook und Instagram.

„Die Zerstörung ist unvorstellbar“

Explosion erschüttert Beirut; Schüler und Schule unseres Partners betroffen

„Es ist eine Katastrophe. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen. Es ist wie ein Erdbeben … die Zerstörung ist unvorstellbar, überall.“

So schildert es die Schulleiterin der NES-Schule unseres Partners im Libanon am Dienstagabend, wenige Stunden nachdem eine verheerende Explosion am Hafen in Beirut das ganze Land erschütterte – sogar in Zypern, 200 Kilometer entfernt, war der Schlag landesweit zu spüren.

Bisher wird von über 150 Toten und mehr als 5000 Verletzten gesprochen. Nachrichtensender berichten, dass unter anderem auch drei Krankenhäuser zerstört wurden und es ohnehin schon an medizinischem Material mangelt – die Verletzten werden versorgt, so weit es geht.

Zwei NES-Schüler der 5. Klasse wurden durch Glas verletzt und im Krankenhaus behandelt (einer der beiden kam in unserem Blogartikel „Ich habe Schulweh“ zu Wort); ansonsten wurden glücklicherweise keine Schüler und Lehrer getroffen.

Die entsetzliche Kraft der Druckwelle hat aber nicht nur Tausende verletzt, sondern auch weit über den Hafen hinaus Gebäude verwüstet.

„Auch unsere Schule hat kein Glas mehr, keine Türen – eine Menge ist zerstört“, berichtet die Schulleiterin.

Die NES-Schule ist unser Jahresprojekt 2020; bei den Joggathons im Mai und Juni engagierten sich hunderte Läufer und Sponsoren für den „NES-Studienfond“ – Unterstützung, die Schule und Schüler jetzt noch nötiger haben als zuvor.

Denn diese Katastrophe trifft den Libanon nicht aus heiterem Himmel, sondern inmitten einer anhaltenden Wirtschaftskrise, durch die das Land schon vor Corona extrem geschwächt war. Tausende, die bisher der Mittelklasse angehörten, sind unter die Armutsgrenze gerutscht; die, die schon vorher bedürftig waren, wissen kaum, wie sie die Krise überstehen sollen.

„Mehr können wir wirklich nicht mehr ertragen“, schreibt die Schulleiterin. „Unsere Leute haben nichts zu essen, wie sollen wir da die Stadt wieder aufbauen!“

 

Wenn Sie die NES-Schule in dieser Situation unterstützen und den betroffenen Familien eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Beirut Explosion“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394) oder spenden Sie online (Stichwort „Beirut Explosion“). Alternativ können Sie auch direkt für unser Jahresprojekt 2020 spenden, da die Gelder für dieses Projekt in den NES-Studienfond fließen und darüber hinaus genutzt werden, um nötige Renovierungsarbeiten an der Schule durchzuführen.

„Ich habe Schulweh!“

Wir vermissen unsere Schüler.
Wir vermissen unsere Lehrer.
Wir vermissen unsere Klassenräume, Bücherei, Labor und Schulhof.
Wir vermissen das Lachen, den Unterricht, die Freundschaften, die Konflikte.
Wir vermissen die Schule!

So schrieb die „NES“-Schule in Beirut am 1. April auf ihrer Facebook-Seite. Zu dem Zeitpunkt waren die Schulen erst ein paar Tage zu. Inzwischen sind die Sommerferien schon halb rum und noch immer ist nicht klar, ob zum Anfang des nächsten Schuljahres wieder regulärer Unterricht stattfinden kann.

Aber die Schule im Libanon ist Herausforderungen gewöhnt. Und so konnte auch hier eine Lösung gefunden werden. Das ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz der Lehrer zu verdanken, unterstützt durch die Administration. „Ich hatte befürchtet, dass ich dieses Schuljahr wiederholen muss“, schreibt ein Mädchen aus der siebten Klasse. „Aber jetzt, mit dem Online-Unterricht, hoffe ich, dass ich in die 8. Klasse versetzt werde!“ Und auch ein Fünftklässler betont: „Ich habe keine Angst vor dem kommenden Schuljahr. Bestimmt werde ich in der 6. Klasse sein.“

Die ersten zwei Wochen des Lockdowns waren in der NES noch der Wiederholung mit Hilfe von Arbeitsblättern gewidmet, dann begann der reguläre Online-Unterricht. Die Lehrer senden Videos oder unterrichten direkt durch eine App, sie geben Aufgaben, die die Schüler bearbeiten und ihnen zurücksenden, worauf sie umgehend Feedback erhalten. Dafür sind Eltern und Kinder sehr dankbar, besonders auch wegen der persönlichen Interaktion, die die Kinder besonders vermissen.

Eine Schülerin aus der neunten Klasse berichtet: „Ich war überrascht zu sehen, dass die Lehrer uns eine Zeit geben, in denen wir sie anrufen können und unsere Fragen stellen. Und das beste ist, dass sie jede einzelne Aufgabe von uns persönlich korrigieren und zurückschicken.“ – „Mein Sohn kommuniziert direkt mit den Lehrern“, beschreibt eine Mutter. „Er schickt Aufgaben und sie korrigieren. Zum Beispiel schrieb ein Lehrer auf eine Aufgabe sofort ‚Richtig, gut gemacht!‘. Es ist, als ob er mit meinem Sohn zusammensitzt.“ Zusätzlich wird durch Gruppenarbeiten und besondere Projekte sowie Facebook-Gruppen ermöglicht, dass die Schüler auch untereinander in Kontakt bleiben.

„Ich mag besonders die Naturwissenschaften; die Experimente machen echt Spaß!“, erzählt Zach aus der sechsten Klasse. „Aber Mathe ist schon schwierig für mich. Da bin ich sehr froh, dass ich meinen Mathelehrer anrufen kann und ihm alle meine Fragen stellen, oder sogar per Video mit ihm reden.“

Die Lehrer sind sehr zufrieden und betonen, wie gut es – wider Erwarten – mit dem Online-Unterricht klappt: „Wenn unsere Schüler eine Online-Unterrichtstunde haben, dann sind alle dabei und genau pünktlich da. Sogar, wenn ihre offizielle Zeit schon rum ist, schreiben sie noch eifrig Textnachrichten. Es ist wirklich toll zu sehen, wie motiviert sie sind. Es macht mir gar nichts aus, ihre ganzen Nachrichten und Fragen zu bekommen und mir die Zeit zum antworten zu nehmen.“ Und ein anderer Lehrer freut sich: „Ich beginne pünktlich um 10 Uhr und, kaum nachdem ich Guten Morgen gesagt habe, werde ich schon mit den ‚Hallo’s der Schüler bombardiert. Das ist sehr ermutigend. Meist sind alle Schüler da, und wir können gemeinsam interagieren. Klar, es ist nicht wie normaler Unterricht – aber es funktioniert.“

Natürlich fordert dieser Online-Unterricht einiges von den Lehrern, denn Online-Unterricht muss eben kreativ sein – für jede Stunde Unterricht sind etwa drei Stunden Vorbereitung erforderlich, zum Beispiel um Diagramme, Bilder, Videos zu erstellen und die richtigen Aufgaben zu finden sowie eine Zusammenfassung zu erstellen, die am Ende der Stunde an die Schüler geschickt wird, damit sie die Aufgaben besser bearbeiten können. „Dieser Online-Unterricht fordert alle Kreativität von mir, die ich in meinen Jahren als Lehrer gelernt habe!“

Ein Junge aus der fünften Klasse schreibt: „Die Videos, die die Lehrer uns schicken, sind sehr hilfreich. Manchmal geben sie uns ein Projekt auf, dann müssen wir ein Foto davon machen und es ihnen zurückschicken. Das macht echt Spaß!“ Und auch die Eltern sind dankbar: „Die Lehrer sind sehr kreativ im unterrichten“, erklärt eine Mutter. „Sie bemühen sich, wie sie nur können, um die Unterrichtsinhalte so klar wie möglich zu vermitteln. Sie begleiten die Kinder Schritt für Schritt. Ich muss meiner Tochter bei gar nichts helfen! Danke an euch Lehrer, dass ihr so kreativ seid und euch so um unsere Kinder bemüht!“

Doch trotz aller Kreativität und Motivation ist die Situation alles andere als ideal. Manche Familien haben kaum Internetzugang oder besitzen keine Tablets oder Laptops, nur ein einziges Handy für mehrere Kinder. Die Eltern bemühen sich, diese Hindernisse einigermaßen zu meistern, sodass ihre Kinder den Unterricht besuchen können. Fürs kommende Schuljahr hofft die Schulleitung, für die ganze Schule gebrauchte Tablets zu erhalten, sodass alle Schüler ungehindert am Online-Unterricht teilnehmen können, falls das erforderlich wird.

Denn bisher stehen die Chancen nicht gut, dass die Lage im Libanon sich bald entspannt hat. In Bezug auf Corona verschlechtert sich die Situation derzeit noch. Und dann ist da noch die Wirtschaftskrise, die Libanon schon vor Corona fest im Griff hatte.

„Dies war ein seltsames und herausforderndes Schuljahr“, schreibt die Schulleitung. „Seit dem Bürgerkrieg vor 20 Jahren standen wir nicht mehr vor solchen Herausforderungen! Für uns im Libanon, selbst wenn die Covid-19 Beschränkungen gehoben werden, müssen wir mit erneuten Straßenprotesten rechnen, denn die Wirtschaft bricht weiter zusammen und unsere Währung verliert täglich an Wert.“

Nachrichtensender sprechen von der schlimmsten Wirtschaftskrise, die das Land je durchgemacht hat, und berichten, dass inzwischen auch die libanesische Mittelklasse in die Armut abrutscht und bald große Teile der Bevölkerung hungern werden; schon jetzt liegt die Hälfte unter der Armutsgrenze.

Das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Schulbesuch. Familien, die sich vorher das Schulgeld leisten konnten, bräuchten jetzt Unterstützung. Und dann sind da natürlich die über 100 Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien und anderen ethnischen Minderheiten, die um ihren Schulplatz an der NES bangen müssen, weil Unterstützung aus anderen reichen Ländern aufgrund der Coronakrise plötzlich versiegt ist.

Aber da besteht Grund zur Hoffnung: Im Mai und Juni engagierten sich 126 Läufer in Gelnhausen, Berlin und ganz Deutschland bei zwei Joggathon-Spendenläufen für die Schule in Beirut; auch Schüler, Lehrer und Freunde der NES-Schule liefen im Libanon mit. Insgesamt kamen so über 15.500 Euro für einen „Studien-Fond“ zusammen, der besonders solchen Kindern helfen soll, weiterhin die NES-Schule besuchen zu können, die ansonsten überhaupt keinen Schulplatz erhalten könnten – syrische Kinder zum Beispiel werden im Libanon in öffentlichen Schulen meist nicht mehr aufgenommen.

Was das für diese Kinder bedeutet, das beschreiben zwei Schülerinnen aus der 6. und 7. Klasse sehr eindrücklich:

„Ich bin 15 Jahre alt, aber erst in der 6. Klasse. Ich kann es mir nicht leisten, noch ein Schuljahr zu verlieren; ich war so traurig, als der Unterricht gestoppt wurde. Ich wollte weiterlernen und die Jahre ausgleichen, die ich wegen dem Krieg in Syrien verloren habe! Ich dachte, dass der Corona-Virus meinen Traum zerstört hat, aber als die Schule uns in der ersten Woche des Lockdowns kontaktierte und über den Online-Unterricht erzählte, fühlte ich mich sehr ermutigt und aufgeregt. … Ich nehme diesen Unterricht sehr ernst und gebe mein Bestes, um richtig gut zu sein. Aus der Krise habe ich gelernt, nicht aufzugeben!“

„Wir hören meist, dass jemand ‚Heimweh‘ hat. Habt ihr schon mal von jemand gehört, der ‚Schulweh‘ hat? Ich habe Schulweh.
Nachdem wir Syrien verlassen hatten, wurde die NES mein Zuhause, meine Sicherheit, mein Dazugehörigkeitsgefühl. Einige Lehrer wurden meine Mentoren und sogar meine Freunde, ich schütte mein Herz bei ihnen aus, wenn ich traurig bin.
Im Libanon wurde die NES zu meiner neuen Heimat.
… Ich bin dankbar für den Online-Unterricht, aber ich vermisse alles, was irgendwie mit der Schule zu tun hat. Sobald diese Krise rum ist, möchte ich meine Freunde treffen und mit ihnen Basketball spielen. Ich träume davon, dass ich eines Tages aufwache und merke, dass die Covid-19 Krise vorüber ist und ich auf meinem Platz in meinem Klassenzimmer sitze!“

Zweiter Joggathon 2020: In Zahlen

Der zweite „dezentralisierte“ Joggathon fand in der zweiten Juniwoche in Berlin, Hamburg und Umgebung statt. Die Überraschung: Zwar waren weniger Läufer dabei als beim „normalen“ Joggathon, trotzdem wurde ein neuer Rekord aufgestellt: über 15.000 Euro!

 

Hier die gesamte Statistik:

73 Läufer

Gesamtstrecke: 668,84 Kilometer (gelaufen und gefahren; pro Läufer: 9,16 km)

191 Sponsoren

Gesamter Sponsorenbetrag: 15.222 Euro [offizieller Endstand Oktober 2020: 16.703,50 Euro]

Erlös für die NES-Schule im Libanon: 7.611 Euro

Erlös für die Projekte in Belarus und Ruanda: jeweils 3.805,50 Euro

 

Damit sind bei den Joggathons (Gelnhausen, Beirut, Berlin) insgesamt über 15.500 Euro für die Schule im Libanon „erlaufen“ worden. Die Zahlen zum ersten Joggathon im Mai finden Sie hier.

Wir danken allen Läufern, Sponsoren, Organisatoren und Ermutigern, die zu diesem beeindruckenden Ergebnis beigetragen haben!

„Happy Juni!“ Kindergarten in Albanien ist wieder geöffnet

„Happy 1st June, liebe Kinder! In jedem Lächeln von euch wird die Welt noch schöner!“

Als der Kindergarten „AM-EL“ unseres Partners in Kombinat, Albanien, am 1. Juni nach zwölf Wochen wieder öffnen durfte, war die Freude groß. Welch ein Fest! Zwar konnten noch nicht alle Kinder wieder mit dabei sein, weil einige Eltern ihre Arbeitsstelle verloren haben oder ihnen die Lage noch zu unsicher ist, aber die, die kommen können, sind überglücklich.

Die letzten Monate waren nicht einfach für die Menschen in diesem ärmsten Land Europas. Es fehlte an vielen notwendigen Hilfsmitteln, gerade auch in den Krankenhäusern. Ausgangssperren machten es vielen unmöglich, ihr mageres Einkommen weiter zu verdienen, sodass ihre Familien hungerten. „Vor ein paar Tagen riefen einige Eltern vom Kinderzentrum an und sagten, dass sie nichts mehr zu essen haben“, berichtete der Leiter unseres Partners, Gesti Biti, bereits im März. Und dann war da natürlich die Angst und Unsicherheit, die Albaner mit dem Rest der Welt teilen, die aber in einem Land, das eben erst von starken Erdbeben heimgesucht worden ist, die Zweifel und Perspektivlosigkeit noch vertiefen.

Aber unser Partner fand auch viele kreative Ansätze, um den Herausforderungen zu begegnen. Gesti Biti war unermüdlich aktiv, um Lösungen zu finden und den Menschen unter die Arme zu greifen. Mit Unterstützung unseres Partners NCM International konnten mehrmals Lebensmittel und Hygieneartikel an bedürftige Familien verteilt werden – vor allem die, deren Kinder unser Kinderzentrums in Kombinat besuchen. Auch das Krankenhaus, dass sich in Albanien hauptsächlich um Corona-Patienten kümmert, konnte unser Partner mit Hygieneartikeln unterstützen und am Ostersonntag die Ärzte zu einem Ermutigungs-Festmahl einladen.

Und der Kindergarten, an dem im Endeffekt auch die Zukunft des Kinderzentrums hängt? „Wir haben ein großes Problem!“, schrieb Gesti im März. „Wir bekommen keine Gebühren von den Eltern, aber müssen die Gehälter und Miete weiterbezahlen. Wenn das so weitergeht, wird es uns ruinieren. Ich habe mit den Lehrern gesprochen, aber die müssen ja auch ihre Miete bezahlen und etwas essen; es wäre schon hart, sie nicht zu bezahlen.“

Aber auch für dieses Problem gab es eine Lösung. Im Mai konnte Gesti mit einigen Eltern des Kindergartens vermitteln, dass die Lehrer sich dort durch Babysitten ein wenig Geld verdienen konnten und außerdem weiterhin Kontakt zu den Kindern hatten. Zusätzlich war es Helping Hands möglich, die Lehrergehälter für drei Monate zu übernehmen. Die Lehrer waren für diese Unterstützung enorm dankbar.

„Wir sind jetzt in der vierten Quarantäne-Woche durch COVID-19, und diese Zeit ist sehr herausfordernd für mich“, schrieb die Lehrerin Wilsona. „Ich muss alle Rechnungen bezahlen, die täglichen Ausgaben für meine zwei Kinder und meinen Mann und mich. Mein Mann arbeitet auch im Moment nicht, weil seine Arbeitsstelle wegen Corona geschlossen wurde. Das hat uns in starke finanzielle Probleme gebracht. Ich möchte mich sehr herzlich für diese Unterstützung bedanken! Es war wie die Hand Gottes für uns. Vielen Dank!“

Eine andere Lehrerin, Adela, freute sich unter anderem, dass sie nun die Medizin für ihre Eltern bezahlen konnte. „Da alle Straßen gesperrt waren, konnten wir nicht in unsere Heimatstadt fahren, wo wir die Medikamente kostenlos erhalten, und mussten sie daher selbst kaufen. Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe in schwerer Zeit!“

Während der Zeit, in der der Kindergarten geschlossen bleiben musste, waren Kinder und Lehrer trotzdem gut beschäftigt. Die Lehrerin jeder Gruppe blieb in Kontakt mit den Eltern, plante die jeweilige Woche vor, kommunizierte den Eltern montags und mittwochs die „Hausaufgaben“ für die Kinder, die dann mittwochs und freitags „abgegeben“ werden mussten: per Foto oder Sprachnachricht in eine WhatsApp-Gruppe. So bastelten, malten und rechneten die Kinder zuhause, lernten Verse auswendig und freuten sich, wenn sie die Arbeiten ihrer Freunde und Freundinnen digital bewundern durften.

Dabei hatten sie eine Menge Spaß! Trotzdem warteten sowohl Kinder als auch Eltern sehnlichst auf den Neustart des Kindergartens, wie Xhuli, eine Mutter, in Worte fasste: „Wir sind so dankbar für den AM-EL Kindergarten. Die Kinder lieben es und wir sind sehr froh zu wissen, dass sie dort sicher sind. Wir können es kaum erwarten, bis der Kindergarten wieder anfängt und wir die Kinder dorthin bringen können!“

Auch Krisela war sehr froh, als sie ihren Sohn am 1. Juni wieder zum Kindergarten bringen konnte. „Es ist so ein schöner, wunderbarer Ort. Unser Sohn ist so gerne dort und spielt mit seinen Freunden. Wir sind sehr glücklich, wenn wir sehen, wie glücklich er ist!“

Erster Joggathon 2020: Reaktionen

„Darf ich auch Purzelbäume schlagen?“

Der Joggathon am 17. Mai fand zum ersten Mal zeitgleich in Deutschland und am „Projektort“ statt: in Beirut, Libanon, wo wir die Schule unseres Partners mit dem Erlös des Joggathons unterstützen. Aber inmitten einer Ausgangssperre, Wirtschaftskrise und Ausnahmesituation einen Joggathon zu organisieren ist nicht ganz einfach! Trotzdem gingen unsere Kollegen vor Ort mit Begeisterung an die Sache – und machten den „Joggathon Beirut“ trotz aller Herausforderungen zu einem vollen Erfolg. Sie berichten:

„Anfangs als wir begannen, für den Joggathon zu werben, flippten viele meiner Freunde aus. Einer von ihnen rief mich sogar sofort an. Er sagte zu mir: ‚Josie, du musst absagen! Das kannst du nicht tun! Die Polizei wird dir eine Geldstrafe auferlegen.‘ Er war echt überrascht, als ich ihm hinterher die Details vom Joggathon schickte! Er schrieb: ‚Das ist großartig! Es ist toll, wie ihr die Schüler mit involviert habt. Ich wünschte, unsere Schule würde so etwas auch tun!‘ Ein anderer Freund war begeistert von dem, was wir für unsere Schule tun. Er konnte uns nicht finanziell unterstützen, also fragte er mich: ‚Würde es helfen, wenn ich gemeinsam mit den Kindern laufe?‘ Natürlich sagte ich ja. Und er lief 4 Kilometer mit unseren Kindern.“

Besonders die Schüler der NES waren begeistert über die Idee, gemeinsam für ihre Schule zu laufen. „Darf ich auch Purzelbäume oder ein Rad schlagen? Zählt das?“, wollte ein Schüler wissen. Nachdem ihm erklärt wurde, wie ein Joggathon funktioniert, lief er stolze 8 Kilometer – und schlug am Ende doch noch einen Purzelbaum für die Schule.

„Ich trainiere jeden Tag. Wie kann ich für die Schule rennen?“, fragte ein anderer, sobald er die erste Ankündigung des Joggathons sah. „Ich bin bereit. Ich werde einen Rekord aufstellen!“ Und dann lief er über 10 Kilometer an der Mittelmeerküste in Beirut.

Dass ihre gelaufenen Kilometer einen Unterschied machen, gab den Kindern noch zusätzliche Motivation. Ein Fünftel der Gesamtspenden wurden so im Libanon „erlaufen“; etwa ein Drittel davon durch lokale Spenden, der Rest durch Sponsoren in Deutschland.

Auch die Lehrer waren sehr motiviert durch diese Veranstaltung. Seit Monaten versuchen sie, ihre Schüler irgendwie online weiter zu unterrichten – nicht so einfach, da die meisten Schüler aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen kommen. „Der Joggathon war großartig, sowohl von der psychologischen als auch der physischen Seite her“, erklärte ein Lehrer. „Wir dachten nicht mehr an all die Probleme um uns herum, sondern an den guten Zweck, für den wir liefen.“ Die Bildungskoordinatorin der Schule reflektierte: „Während ich für die NES lief, dachte ich darüber nach, welch ein riesiger Segen diese Schule für so viele Familien ist. Daher lief ich mit großer Freude.“

Und die Schulleiterin schrieb in einem Dankesbrief:

„Wir sind so dankbar für eure Freundschaft. Wir als Schulleitung waren uns natürlich schon bewusst, wie viel Helping Hands die Schule über die vergangenen Jahre unterstützt hat. Aber durch diesen Joggathon haben auch unsere Lehrer, Schüler und Eltern herausgefunden, dass wir gute Freunde in Deutschland haben, die ihr Bestes geben, um der NES zu helfen.

Dieses Event kam zu einer Zeit, in der wir uns als Schule besonders verletzlich und gefährdet fühlen. Der Joggathon hat geholfen, unsere Stimmung zu heben, und hat uns Hoffnung für die Zukunft gegeben. Gott hat diese Veranstaltung benutzt, um uns daran zu erinnern, dass er sich um unseren Dienst kümmert. In mehr als einer Hinsicht können wir weiterhin die Gegenwart Jesu für die Kinder in Beirut sein, weil ihr die Gegenwart Jesu in Deutschland seid. Möge Gott euch weiter segnen!“

 

Auch in Deutschland waren die Läufer begeistert dabei und das veränderte Format wurde in dieser Ausnahmesituation gut angenommen: „Individuell unterwegs aber doch für eine gemeinsame Sache, gerade unter Corona Bedingungen genial!“, schlussfolgerte unser Schriftführer Fabian Fuß. Und Simon Bangert, 1. Vorsitzender von Helping Hands e.V., fasste  zusammen, was viele fühlten:

„Der Joggathon 2020 hat in vielerlei Hinsicht unsere Erwartungen übertroffen. Sei es das starke Engagement der Läufer in Deutschland und im Libanon oder die Großzügigkeit der Sponsoren. Wir sind dankbar dafür, dass wir so viele Menschen bewegen konnten. Danke.“

 

Der „erste“ Joggathon 2020 war eine Veranstaltung der Kirche des Nazareners Gelnhausen in Kooperation mit Helping Hands e.V.

Vom 7. bis 14. Juni findet ein weiterer (dezentralisierter) Joggathon in Berlin statt. Der Berliner Joggathon unterstützt zu 50% ebenfalls die Schule in Beirut.

Erster Joggathon 2020: in Zahlen

Erster Joggathon 2020 „dezentralisiert“: in Gelnhausen und Umgebung, Stuttgart und Odenwald, Düsseldorf, Barcelona, Bonn und Beirut!

Der Joggathon fand am 17. Mai (bis 23. Mai) statt; ein weiterer Joggathon ist für Berlin und Hamburg in der zweiten Juniwoche geplant. Die Läufer liefen jeweils eine Stunde.

 

Statistik für alle in Deutschland registrierten Läufer:

53 Läufer

An 30+ Orten in Gelnhausen und Umgebung, Stuttgart, Odenwald, Düsseldorf, Bonn, Barcelona

Ältester Läufer: ca. Mitte 70, 5km

Jüngster Läufer: 6 Jahre, 6km (jüngster Teilnehmer im Kinderwagen: 9 Monate)

Schnellster Läufer: Christian Bangert mit 13,63km

Gesamtstrecke: 449,51 Kilometer + 50km per Rad

Gesamter Sponsorenbetrag: 6.544 Euro

 

Statistik für alle im Libanon registrierten Läufer:

68 Läufer (davon 22 Schüler und 14 Lehrer bzw. Personal der NES sowie Eltern und Freunde der Schule)

In 26 Gruppen an über 15 Orten in und um Beirut, anderweitig im Libanon sowie in den USA

Ältester Läufer: 79 Jahre, 4km

Jüngster Läufer: 3 Jahre, 3km (jüngster Teilnehmer im Kinderwagen: 1,5 Jahre)

Gesamtstrecke: 298,5 Kilometer + 18km per Rad

Gesamter Sponsorenbetrag: 430 Euro durch Sponsoren in Beirut und USA + ca. 1.150 Euro durch Sponsoren in Deutschland

(Statistiken Stand 31. Mai)

 

Wir danken allen Läufern, Sponsoren, Organisatoren und Ermutigern, die zu diesem großartigen Ergebnis beigetragen haben!

Hier findet ihr einen kleinen Rückblick in Bildern.

 

 

Jog-a-thon 2020 (English)

Welcome to the Jog-a-thon (German: Joggathon) 2020 in Germany, Lebanon and beyond!

The Jog-a-thon is a charity run that different Churches of the Nazarene in Germany (mainly Gelnhausen and Berlin) organise every year around May or June. Due to corona-restrictions the jog-a-thon is taking place in a „decentralised“ format this year: runners participate alone, in pairs or as family group, wherever they are, but in a joint effort. The raised funds will support the Nazarene Evangelical School in Beirut, Lebanon, and the school is joining the charity run! The event organisers are inviting people from all over Europe and beyond to join the jog-a-thon – together with participants from Germany, Lebanon, Spain, and hopefully lots of other places!

The joint event is planned for Sunday, 17th May 2020, from 12 to 1pm CEST but you’re welcome to run earlier or later in the day or during the following week.

 

You’re in?

Great! This is how it works:

1. Sign up (by using this form or by sending a message or comment on the Helping Hands Facebook page in your own language that you plan to jog for the NES)

2. Recruit sponsors/supporters who will agree to donate a certain amount for each kilometre or mile that you run or walk

3. Select a route

4. Run, jog or walk your selected route on 17th May, or any time from May 17th – 23rd

5. Calculate the distance you covered by using a tracking app on your mobile device or calculating with Google maps or similar

6. Report the actual distance to your sponsors and direct them to donate here: https://helpinghandsev.org/jahresprojekt-2020-spenden/ (if you’re Nazarene, you can donate through your district or NCM, but mark your donation clearly)

7. Let us know by email, Facebook or Instagram the distance you covered, the funds you raised, and the country you’re from, and add pictures if you like (#joggathon2020)

Questions? Write to us at joggathon2020@helpinghandsev.org

 

We are supporting:

… the Nazarene Evangelical School in Beirut, Lebanon, who are joining us for the event (running in Beirut). The NES is a haven of peace in a country in turmoil, defined by mutual trust and respect, cultural and religious diversity without discrimination as well as a high-quality education. The current economic crisis in Lebanon has massively worsened due to corona; and those most at risk suffer the most – children and families who were already vulnerable before: refugees, migrant workers, ethnic and religious minorities. Many fear that they won’t be able to return to their classes once schools reopen. We are participating in the jog-a-thon to keep all the kids in school!

 

Jog-a-thon Signup

Yes! I want to participate in the jog-a-thon event on 17th May 2020 (or during the following week).

 

This jog-a-thon is an event of the Church of the Nazarene Gelnhausen in cooperation with Helping Hands e.V. Another jog-a-thon will take place in Berlin from 7th to 14th June.