Händewaschen oder Essen?

Die Geschichte einer glücklichen Familie

„Händewaschen vor dem Essen“ – eine sinnvolle Hygienemaßnahme, die jedes Kind kennen sollte: aber zu Corona-Zeiten oft bitter doppeldeutig. Denn an vielen Orten stehen die Familien, die im Lockdown ans Äußerste ihrer Existenz gebracht werden, tatsächlich vor dieser Entscheidung: Investiere ich mein letztes Geld, um Hygiene-Kits zu kaufen, wie empfohlen wird, oder besorge ich lieber Essen für meine Kinder?

In Nepal müssen sich viele der Familien in unseren Kinderzentren diese Gedanken machen. Seit Mai ist das Land extrem von der zweiten Corona-Welle betroffen; Ende Mai hatte die Pandemie dann auch die entlegenen Dörfer erreicht, die in der ersten Welle verschont geblieben waren. Seitdem befindet sich so ziemlich das ganze Land im Lockdown.

Die Familien in Piluwa, Ithung und Ghalegaun sind besonders stark betroffen. „Selbst in den Bergdörfern sind viele Menschen gestorben“, schreibt unser Partner. „Verkehrsmittel, Geschäfte, Arbeitsstellen, Fabriken sind bereits seit etwa zwei Monaten geschlossen. Die Menschen hocken in ihren Häusern in ständiger Angst, nicht nur vor der Pandemie, sondern in Angst vor dem Hunger.“ Sie haben kein Erspartes, mit dem sie sich durch diese Wochen versorgen können, und keine Möglichkeit, etwas zu verdienen; „also leihen sie sich Geld und nehmen minderwertigere Nahrung zu sich, um irgendwie durchzukommen“. Die nett gemeinten Anweisungen des Gesundheitsministeriums, man solle möglichst nahrhaftes, ausgewogenes Essen zu sich nehmen, um das Immunsystem zu stärken, klingt für sie wie Hohn. Die empfohlenen „Safety Kits“ sind für die meisten unerschwinglich.

Unser Partner NCM Nepal würde in dieser Situation gerne mit Lebensmittelpaketen helfen, damit die Familien genügend und bessere Nahrung zu sich nehmen können. Aber in Rücksprache mit den Verantwortlichen vor Ort stellte sich heraus, dass in diesen Dörfern bisher überhaupt keine Hilfe geleistet wird, und somit nicht nur die Familien unserer Kinderzentren, sondern quasi die gesamte Dorfbevölkerung auch im Umkreis versorgt werden müssten. Das aber übersteigt unsere Kapazitäten.

Daher konzentriert sich NCM Nepal in einem ersten Schritt auf die „Safety Kits“, die sich die Familien auch nicht leisten können. Vorerst sollen Masken und Seifen an alle Familien der Kinderzentren verteilt werden – Seife ist in diesem Kontext angebrachter als Händedesinfektionsmittel.

Und natürlich kümmern die Lehrer unserer Kinderzentren sich trotz des Lockdowns weiter um die Kinder, vor allem durch Video- oder Telefonanrufe. Damit möchten sie auch Hoffnung weitergeben; Hoffnung, die zur Zeit dringend benötigt wird, wie ein Vater aus Ghalegaun beschreibt:

Ich bin Bhupesh aus Ghalegaun. Ich komme aus einer armen Familie. Viele Menschen wünschen sich in ihre Kindheit zurück, aber meine Kindheit war es nicht wert, dass man sich an sie erinnert. Dafür war sie viel zu elend. Es tat mir immer sehr weh, wenn meine Freunde bei Festen neue Kleider hatten. Meine Eltern verdienten sehr wenig, aber vor allem waren sie auch abhängig von lokalem Alkohol. Häusliche Gewalt und Armut prägten meine Kindheit. Ich wuchs auf, ohne überhaupt ein Schulgelände zu betreten. Als ich älter wurde, begann ich auf Baustellen und manchmal auf Bauernhöfen zu arbeiten.

Später erlernte ich das Maurerhandwerk und fing an, Geld zu verdienen. Ich habe geheiratet und habe jetzt drei Kinder. Ich bin glücklich, dass ich und meine Frau unsere Kinder zur Schule schicken können. Und jetzt sind wir besonders dankbar, dass unsere Kinder durch das integrative Kinderzentrum in ihrer Bildung unterstützt werden, mit Schulmaterial und Nachhilfeunterricht. Wir haben unsere eigene kleine Hütte und ein kleines Stück Land, auf dem meine Frau Gemüse anbaut. Inmitten von Mangel und Entbehrung ist meine Familie zu einer glücklichen Familie geworden.

Aber seit dem letzten Jahr zerstört die Pandemie unseren Frieden. Mit viel Mühe haben wir das letzte Jahr verbracht und versucht, ein normales Leben zu führen, aber seit Mai 2021 bedroht die zweite Welle unser Leben. Viele Menschen aus unserem Dorf sind mit Covid-19 infiziert und einige von ihnen haben ihr Leben verloren. Meine Familie ist noch sicher, aber der Lockdown wirkt sich sehr negativ auf uns aus. Da die Baustellen seit mehr als zwei Monaten geschlossen sind, ist auch meine einzige Einkommensquelle versiegt. Wenn man auf Baustellen arbeitet, kann man kaum das Allernötigste bezahlen und somit auch kein Geld für die Zukunft sparen. Daher sind wir jetzt in einer finanziellen Krise. Wir kaufen Essen, indem wir uns von Nachbarn etwas leihen, in der Hoffnung, dass der Lockdown bald aufgehoben wird und ich Arbeit bekomme, damit ich das Geld zurückzahlen kann. Die Regierung bittet uns, alle möglichen Gesundheitsmaßnahmen zu befolgen, aber sie sind sich nicht bewusst, dass die armen Leute sich all das überhaupt nicht leisten können.

Wir möchten Menschen wie Bhupesh und den Familien in den Dörfern unseres Jahresprojekts helfende Hände reichen!

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, dann überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Nepal Corona“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

 

Fotohinweis: Das Bild zeigt eine Szene aus Ithung/Ghalegaun vor dem Lockdown (Ende 2020).

Dörfer unseres Jahresprojektes 2021 stark von Corona betroffen

Familien aus unseren integrativen Kinderzentren in Nepal hoffen auf Hilfe

Seit Januar besteht das integrative Kinderzentrum in Ithung/Ghalegaun in Nepal, das wir, gemeinsam mit dem neueröffneten Kinderzentrum in Piluwa, als unser Jahresprojekt 2021 unterstützen. Einige Monate konnte dort regelmäßig der Unterricht stattfinden; die Kinder freuten sich über warme Winterjacken, Schulmaterial und nahrhafte Mahlzeiten, die Eltern wurden in Hausbesuchen ermutigt und blicken mit Hoffnung in die Zukunft.

Aber der massive Corona-Ausbruch im Nachbarland ist schon längst nach Nepal übergeschwappt und hat diesmal leider auch vor den entlegenen Dörfern nicht Halt gemacht. Anfangs befanden sich nur die Städte im Lockdown, aber schon nach wenigen Wochen wurde die Ausgangssperre landesweit ausgeweitet. Das läuft inzwischen anderthalb Monate, und die Menschen wissen nicht mehr, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen sollen. Und dazu kommt die Angst vor der Krankheit – in Gegenden, wo das nächste Krankenhaus mehrere Stunden Busfahrt entfernt ist, kann ein schlimmer Verlauf schnell fatal sein. Unser Partner schreibt:

„In dieser zweiten Welle haben sich Menschen selbst in den entlegenen Gebieten mit Covid-19 infiziert. Und der Lockdown dauert weiter an. Piluwa ist bereits ein Hochrisikogebiet für Covid-19, aber wir dachten nicht, dass das Bergdorf Ithung davon betroffen sein würde. Doch leider wurden viele Menschen aus Ithung positiv getestet. Und jetzt ist der Pastor des Dorfes an Corona gestorben! Er lässt seine Frau, drei Söhne und eine Tochter zurück.“

Wenn das Immunsystem durch Hunger geschwächt ist, haben auch gesunde Menschen weniger Chance, einer Infektion standzuhalten. Und die Familien in Ithung, Ghalegaun und Piluwa leiden sehr unter dem strengen Lockdown. Ihre Hoffnung ist, dass der lokale Partner ihnen in dieser Not unter die Arme greifen kann.

Auch wir möchten den Familien in den Dörfern unseres Jahresprojekts helfende Hände reichen!

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, dann überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Nepal Corona“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Neuer Mut inmitten katastrophaler Wirtschaftskrise

Schüler und Personal der NES in Beirut nehmen an Hanauer Joggathon teil

„Die Situation wird immer schlimmer – in allem. Es ist zum verzweifeln!“

Während man sich andernorts freut, dass ein wenig Normalität in den Alltag zurückkehrt, rutscht der Libanon immer weiter ab in die katastrophalste Wirtschaftskrise, die der moderne Staat je erlebt hat.

Innerhalb weniger Monate hat die lokale Währung 90% ihres Wertes verloren. Das Geld, das noch 2019 einen Einkaufskorb voller Gemüse, Obst, Fleisch, Reis und Milch gefüllt hätte, reicht heute gerade noch für eine Flasche Milch. Ein T-Shirt kostet neunmal so viel wie vor zwei Jahren, der Preis für Öl zum Kochen hat sich versechzehnfacht (Infografiken von AlJazeera). Der Prozentsatz an Menschen, die in Armut leben, hat sich innerhalb eines Jahres auf 55% verdoppelt – inzwischen können sich über die Hälfte der libanesischen Bevölkerung kaum mehr das Nötigste zum Überleben leisten. Auch die Stromversorgung ist am Zusammenbrechen; Generatoren und Kraftstoff für die meisten unerschwinglich.

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung. Die NES-Schule in Beirut ist weiterhin eine Oase des Friedens im Chaos – und seit Ende Mai kann tatsächlich wieder Unterricht im Schulgebäude stattfinden. „Wir sind begeistert, weil wir jetzt schon fast drei Wochen Präsenzunterricht haben konnten!“, schreibt die Schulleiterin. Normalerweise würden jetzt bereits die Absolvierungen stattfinden, stattdessen gibt es bis Ende Juni Unterricht.

Und nicht nur die Gesichter der Schüler und Lehrer strahlen, dass sie endlich wieder beisammen sein können, auch die Schule erstrahlt in neuem Glanz: Nach der Explosion im August konnten als Teil der Reparaturen auch nötige Renovierungsarbeiten durchgeführt und die Schule in der neuen Schulfarbe gestrichen werden. Die neuen Schuluniformen konnten sich bisher leider die wenigsten Eltern leisten, daher dürfen die Kinder derzeit in den alten Farben kommen oder einfach in neutraler Kleidung.

„Wir hoffen sehr, dass im kommenden Schuljahr alle Kinder ihre eigene Schuluniform haben können und auch Schulbücher in Farbe; dieses Jahr mussten wir viele Kopien machen, damit die Schüler überhaupt Unterrichtsmaterial hatten.“

Auch andere Herausforderungen müssen überwunden werden: zum Beispiel ist es für Personal, Eltern und Schulbusse derzeit nicht einfach, die Schule zu erreichen, weil es fast kein Benzin mehr zu kaufen gibt – „oder man muss zwei drei Stunden anstehen, nur um 10 Liter Benzin einzufüllen“.

Aber wie immer geben Lehrer und Personal der NES-Schule nicht auf. „Es geht uns noch gut, wir sind in Sicherheit, und wir hoffen, dass die Dinge sich ändern werden“, betont die Schulleiterin.

Und Ermutigung kommt auch von anderer Seite!

Vom 21. bis 27. Juni findet in Hanau ein dezentraler Joggathon statt, der auch in diesem Jahr den NES-Studienfond unterstützt. Und jetzt wird die Hilfe noch dringender benötigt!

Und auch dieses Jahr nehmen Schüler und Lehrer der NES-Schule am Joggathon teil und rennen in Beirut „gemeinsam“ mit den Läufern in Deutschland für ihr Projekt (voraussichtlich am 21. Juni).

 

Wer sich am Joggathon beteiligen möchte oder für das Projekt spenden, findet hier alle nötigen Informationen (im Detail: Sponsoren-Info).

Für die Schüler der NES suchen wir Sponsoren! Bei Interesse bitte eine Mail an: joggathon@kdn-hanau.de

Extreme Hungersnot im Süden Madagaskars

Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren hat den Süden Madagaskars in eine extreme Hungers­not gestürzt – wohl die schlimmste, die das Land je erlebt hat – durch die das Leben von etwa einer Million Men­schen gefähr­det ist. Der Hunger ist so extrem, dass die Menschen konsumieren, was sie finden können: ungenießbare Pflanzen, Insekten, sogar Lehm. Und sie kön­nen teil­weise nicht ein­mal fliehen, weil das Land durch Lock­downs gelähmt ist; da­durch ist auch die Hilfe er­schwert.

Dennoch möchte unser ört­licher Part­ner helfen – voraussichtlich per Flug – und Hilfe zu 4.000 Familien in 20 Dör­fern in Ambovombe in der Androy-Region bringen; die Region, die am stärk­sten betrof­fen ist: Dör­fer, in denen die Men­schen bisher noch über­haupt keine Hilfe er­halten haben. Zunächst wer­den Lebens­mittel benö­tigt: Reis, Bohnen, Milch, Wasser und Speise­öl; dazu pro Haushalt einen Kanister, eine Pfan­ne, einen lokalen Kocher („Brazier“) und Seife. Wenn der schlimm­ste Hunger besiegt ist, kann länger­fristige Hilfe in Angriff genom­men werden. Zum Beispiel sind mehrere örtliche Kliniken in sehr schlechtem Zustand.

Wir möchten, gemein­sam mit unse­rem Part­ner humedica, in Mada­gas­kar helfen! Weitere Infos folgen in den nächsten Tagen.

Wenn Sie den Menschen in Madagaskar eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Madagaskar Hungersnot“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Eine neue Jacke für alle!

Update aus unseren Kinderzentren in Nepal

Wie sollen wir bloß für alle Familienmitglieder genug zu essen besorgen? Wie das Schulmaterial für unsere Kinder bezahlen? Und wo finden wir das Geld für die nötigste Kleidung?

Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen rund um den Globus – die Coronakrise hat den weltweiten Kampf gegen Armut und Hunger um Jahrzehnte zurückgeworfen. Um einige Familien in Nepal bei den Antworten zu unterstützen, dafür engagieren wir und unser Partner vor Ort uns in mehreren integrativen Kinderzentren als unser Jahresprojekt 2021.

Als erstes dieser Zentren wurde bereits im Oktober 2020 das Kinderzentrum in Piluwa neueröffnet. Zwei Mädchen berichten von ihren Erfahrungen:

„Ich heiße Kalita* und gehe in die 6. Klasse. Zuhause sind wir 10 Personen. Mein Vater ist Schreiner und meine Mutter hat keinen Job, weil sie krank ist. Wir haben nur ein Lehmhaus und ein kleines Stück Land. Wenn mein Vater keine Arbeit hat, dann müssen wir ohne Essen ins Bett. Von neuer Kleidung können wir nur träumen!

Aber zum Glück habe ich die Chance bekommen, in Piluwa ins Kinderzentrum zu gehen. Dort helfen mir die Lehrer bei den Schulaufgaben und ich kann mit meinen Freunden spielen. Wir bekommen auch das nötige Schulmaterial und etwas zu essen. Im Winter habe ich diese tolle Jacke bekommen, sie ist so wundervoll vor allem in der Kälte, ich hab mich so gefreut! Und nicht nur ich bin im Kinderzentrum, auch drei meiner Geschwister. Wir waren so begeistert, als wir alle eine neue Jacke bekommen haben – alle vier von uns gleichzeitig!“

„Und ich bin Raika* und gehe in die 3. Klasse. Wir sind 12 in meiner Familie – acht Mädchen und ein Junge! Wir wohnen alle zusammen in einer Holzhütte. Meine Eltern arbeiten bei anderen Leuten auf dem Feld, weil wir nur ein ganz klein wenig Land haben; nur so können sie genug für uns alle zu essen kaufen. Aber sie haben kein Geld, um Schulgebühren zu bezahlen oder Schulmaterial, Kleidung oder gar Spielzeug zu kaufen.

Seit mein Bruder und ich ins Kinderzentrum in Piluwa gehen, bekommen wir diese Dinge dort. Letzten Weihnachten haben wir sogar beide eine neue Winterjacke bekommen, schön warm und weich, die habe ich getragen, bis es nicht mehr kalt war.“

 

Insgesamt 75 Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren aus über 40 bedürftigen Haushalten besuchen derzeit das Kinderzentrum in Piluwa. Wie auch in anderen Kinderzentren erhalten die Kinder dort fünfmal pro Woche Nachhilfe bzw. Unterstützung bei den Schulaufgaben, basteln und spielen Spiele, lernen verschiedene wichtige Dinge, zum Beispiel wie sie am besten gesund bleiben, und bekommen zusätzlich eine kleine Mahlzeit und das benötigte Schulmaterial. Die Winterjacken waren eine Sonderaktion zu Weihnachten und wurden in allen nepalesischen Kinderzentren verteilt.

Zwei Lehrer kümmern sich in Piluwa um die Kinder und treffen sich regelmäßig mit den Eltern. Bereits im Herbst wurde eine Selbsthilfegruppe unter den Müttern gegründet und die Frauen haben verschiedene Schulungen besucht. Jetzt treffen sie sich einmal pro Monat, um wichtige Angelegenheiten durchzusprechen und ihr Sparprogramm weiterzuführen – das wird ihnen die nötige Grundlage geben, um 2021 mit verschiedenen einkommensschaffenden Aktivitäten zu beginnen und so das Familieneinkommen zu verbessern und langfristige Veränderungen einzuleiten.

Auch die Aktivitäten im Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun (ein Zentrum mit zwei Standorten) laufen wie geplant weiter; bisher sind die Zentren vom erneuten Lockdown in einigen Teilen Nepals nicht betroffen.

Weitere Informationen zu unserem Jahresprojekt finden Sie hier.

 

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

 

Die Kinder in Piluwa freuen sich über ihre neuen Winterjacken:

Rückblick: Jahresprojekt 2020

Oase des Friedens im Chaos – so hatten wir unser Jahresprojekt 2020 überschrieben. Denn genau das ist die NES-Schule in Beirut heute und schon immer gewesen: eine Oase des Friedens inmitten des Bürgerkriegs (1975–1990), religiöser und gesellschaftlicher Konflikte, der syrischen Flüchtlingskrise und zuletzt der Wirtschaftskrise mit Straßenprotesten, die das Land Ende 2019 im Griff hatten.

Im Jahre 2020 bekam dann „Chaos“ eine ganz neue Bedeutung. Erst die Coronakrise, die Menschenleben gefährdet und die bereits extrem geschwächte Wirtschaft aufs Äußerste strapaziert. Und dann im August die verheerende Explosion in Beirut: dutzende Tote, tausende Verletzte, ein Drittel der Stadt beschädigt oder zerstört. Das wirtschaftliche und politische Chaos nahm weiter zu. Inzwischen ist etwa die Hälfte der libanesischen Bevölkerung in die Armut abgerutscht, die Währung hat im Vergleich zu Ende 2019 bis zu 90% an Wert verloren (Stand Mitte März, AlJazeera). Die Preise der vornehmlich importierten Produkte haben sich vervielfacht und steigen noch kontinuierlich; alltägliche Dinge wie Shampoo oder Waschmittel sind zum Luxusgut geworden.

„Unser Land bricht zusammen“, berichtete die Schulleiterin im Januar. „Die wirtschaftliche Lage ist unvorstellbar! Und das ist innerhalb von wenigen Monaten passiert – alles ist jetzt anders! Alle, die können, verlassen das Land – vor allem die gut Ausgebildeten, die Ärzte; niemand investiert irgendetwas. Wir wissen wirklich nicht, wie es weitergehen wird. Es bricht einem das Herz!

Nun ist jeder arm hier. Mit unseren Gehältern können wir so geradeeben Lebensmittel und Strom bezahlen. Die Preise sind wie verrückt angestiegen – Joghurt, zum Beispiel, kostet das 6- oder 8-fache … wenn man welchen finden kann. Vor allem Medikamente oder medizinische Behandlung sind ein Problem, aber viele Familien können sich nicht mal genug Brot leisten.“

Auch die NES-Schule ist von diesen Geschehnissen hart getroffen. Bei der Explosion wurde viel zerstört; die Lockdowns machten regulären Unterricht unmöglich; durch die angestiegenen Preise sind Strom und Reparaturen, Benzin für den Schulbus, selbst normale Reinigungsmittel fast unerschwinglich. Im vergangenen April hatte die Schulleiterin angesichts der Krise in einem Zoom-Meeting ihrem Personal mitgeteilt: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir weitermachen können!“

Und doch: Auch in diesem Katastrophenjahr konnte die NES-Schule weiterhin eine Oase des Friedens im Chaos sein. Während der Lockdowns kümmerten Lehrer und Schulleitung sich hingebungsvoll um die Kinder. Und dank großzügiger internationaler Hilfe konnte im Herbst tatsächlich das neue Schuljahr begonnen werden – und kein Kind wurde zurückgewiesen, obwohl die meisten Eltern sich das Schulgeld nicht mehr leisten können.

„Wir haben im Herbst alle Kinder kontaktiert. Wenn Kinder sagten, wir können aus finanziellen Problemen nicht kommen, dann haben wir ihnen gesagt, dass sie trotzdem kommen können! Dadurch haben wir dieses Jahr sogar mehr Schüler als im letzten, insgesamt 252 Kinder.“ Vielen libanesischen Familien konnte geholfen werden, die durch Explosion und Wirtschaftskrise ihr Einkommen verloren hatten. Und auch alle syrischen Kinder, deren anderweitige Unterstützung weggebrochen war, besuchen weiterhin die Schule oder das STEP-Programm.

Dafür war einige Kreativität nötig, denn die Familien konnten sich insgesamt nicht einmal 20% der Schulgebühren leisten. „Wir haben alle Schulbücher kostenlos verteilt – denn die sind inzwischen sehr teuer. Für die Schuluniformen haben die Familien sich untereinander ausgetauscht, oder die Kinder kommen einfach in normaler Kleidung. Und auch ‚eschool‘, das Online-Schulprogramm, das wir benutzen, konnte bezahlt werden. Dank einer Spende haben wir allen Kindern, vor allem Klasse 4 bis 9, Tablet-Computer ausgeliehen, sodass der Online-Unterricht jetzt viel besser klappt.“

All das wäre ohne die finanzielle Unterstützung von Helping Hands e.V. und anderen internationalen Spendern nicht möglich gewesen. Während die Spenden über Helping Hands vornehmlich den „Studienfond“ unterstützen, der Kindern aus finanzschwachen Familien ermöglicht, weiter die Schule zu besuchen, halfen Spenden anderer Organisationen, die Explosions-Schäden an der Schule zu beseitigen, die erheblich umfassender waren als ursprünglich gedacht – dabei wurden auch gleich ein paar andere wichtige Reparaturen bzw. Umbauarbeiten vorgenommen – sowie ca. 15 NES-Familien bei der notwendigsten Renovierung ihrer Wohnungen zu unterstützen und 25 Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten durch die schwerste Zeit zu helfen.

Aber all das wäre auch ohne die unermüdliche Arbeit der Lehrer und Administration der NES-Schule nicht möglich gewesen.

Im Herbst konnte tatsächlich etwa vier Wochen Präsenzunterricht in der Schule stattfinden; die Klassen wurden jeweils in zwei Gruppen unterteilt, die an unterschiedlichen Tagen kamen, und Pausen und Sport mussten gestrichen werden. Trotzdem konnten auch – unter strengen Hygienemaßnahmen und klassenweise anstatt schulübergreifend – einige „traditionelle“ Feierlichkeiten stattfinden. Bei den „Back to School“ Aktivitäten freuten die Kindergartenkinder sich über den Besuch eines Clowns und eine Luftblasenmaschine; die 1. bis 3. Klasse machte Spiele und Tänze – natürlich mit Abstand; Klasse 4 und 5 lachten gemeinsam bei Wettbewerben und in einer Fotobox; die Mittelstufenschüler wurden durch eine Art „Geländespiel“ herausgefordert.  Im November fand das übliche Kostümfest zum St. Barbara’s Day statt, und im Dezember wurden die Weihnachtsfeiern über drei Tage hinweg in kleineren Gruppen durchgeführt; auch zahlreiche ehemalige NES-Schüler halfen dabei.

Im Frühjahr 2020 sowie seit Januar 2021 fand bzw. findet auch in der NES der Unterricht online statt. Das ist eine große Herausforderung, vor allem auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage – inzwischen fällt zeitweise bis zu 12 Stunden am Tag der Strom aus, und die Internetverbindung ist oft schwach. Den ganzen Tag über ist das Team der NES auf den Beinen, um technische Probleme allgemein und die Computerprobleme jeder Familie einzeln zu beheben, denn viele Eltern kennen sich mit Computern überhaupt nicht aus.

„Unsere Lehrer arbeiten von 7.45 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Es ist sehr anstrengend. Wir haben live Unterricht ab der 4. Klasse. Die Lehrer senden ihre Unterrichtsinhalte als Videos und beantworten dann live Fragen. Auch nachmittags stehen sie zur Verfügung, um Fragen zu beantworten. In den unteren Klassen finden ebenfalls live sessions statt. Hier sind teilweise die Kinder in zwei Gruppen geteilt, damit die Lehrer sich individuell auf jedes einzelne Kind konzentrieren können.“

Das libanesische Programm „eschool“ leistet hier gute Dienste und ermöglicht auch Online-Examen und Benotung bzw. Bewertungen, aber das muss auch erst gelernt sein: Besonders ein Lehrer investierte hunderte Stunden, die anderen Lehrer und Eltern in das System einzuweisen und bei Schwierigkeiten zu helfen.

Auch das STEP-Programm findet weiterhin statt. „Einige unserer NES-Lehrer helfen jetzt auch bei STEP mit, weil sie mehr Erfahrung haben; das ist wirklich gut für die Kinder.“ Ab der 3. Klasse wird eschool benutzt. Mit Schülern, die besondere Lernschwierigkeiten haben, treffen die Lehrer sich einzeln per Videokonferenz und erklären den Unterrichtsstoff.

„Unsere Lehrer geben wirklich alle ihre Zeit für die Kinder – Schüler um Schüler, denn jedes Kind zählt!“, betont die Schulleiterin. „Ich treffe mich regelmäßig mit den Lehrern, um sie zu ermutigen und zu beraten. Und wir versuchen als NES, weiterhin die vollen Gehälter zu bezahlen – manche großen Schulen im Libanon zahlen nur noch die Hälfte, obwohl das Geld ja auch nur noch einen Bruchteil wert ist.“

Ermutigung und therapeutische Begleitung ist nach diesem Jahr und besonders nach der Explosion im Sommer dringend nötig. „Viele Kinder sind immer noch traumatisiert und zittern jedes Mal, wenn sie ein Flugzeug hören.“ Kurz nach der Katastrophe bot die NES-Schule für alle Kinder ein besonders Programm in Traumaseelsorge an und identifizierte Kinder, die besondere Hilfe brauchten; die Beratung wird durch den Schultherapeuten und eine Ärztin weitergeführt. Hier besteht auch aufgrund der scharfen Lockdowns weiterhin ein großer Bedarf: Viele Familien leben gemeinsam in einem kleinen Raum und häusliche Gewalt ist ein enormes Problem, das teilweise kulturell „akzeptiert“ ist.

Für die Lehrer wurde ebenfalls vom Schultherapeuten ein Traumaseelsorgeseminar angeboten, das sich sowohl auf die Explosion bezog, aber auch Depression aufgrund der wirtschaftlichen Lage vorbeugen sollte.

Eine Oase des Friedens im Chaos – das Personal der NES-Schule ist sich seiner zentralen Aufgabe weiterhin bewusst.

„Als eine unterstützende Organisation bekanntgab, dass sie die Schulgelder der syrischen Kinder nicht mehr weiter fördern könnten, haben mich fünf dieser Kinder jeden Tag kontaktiert und mich angefleht, dass sie bleiben dürfen“, erinnert sich die Schulleiterin. „Sie hatten große Angst – dass sie nach Syrien zurückmüssen, dass ihre Eltern sie verheiraten, wenn sie nicht zur Schule gehen.“

Und dank der Spenden für unseren Studienfond, weiterer Spenden und großer Opfer des Personals finden diese Schüler und ihre Freunde weiterhin eine „Oase“ in der NES-Schule.

„Wir möchten nicht, dass auch nur ein einziges Kind zuhause bleiben muss ohne zu lernen“, betont die Schulleiterin. „Wir möchten weiterhin allen Kindern helfen. Viele Kinder könnten ohne Unterstützung ihre Schulbildung nicht weiterführen, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, und die wird sich nicht bessern! Aber wir sehen das als einen echten ‚Dienst‘ an – obwohl wir alle unter der Situation leiden und es für uns alle schwierig ist, möchten wir ein Licht sein für diese Familien. Wir möchten einen Unterschied machen im Leben dieser kleinen Kinder und auch ihrer Eltern!“

Der „Studienfond“ ist dabei eine sehr große Hilfe. Und auch wir bei Helping Hands möchten uns ganz herzlich bedanken für alle Unterstützung für unser „Jahresprojekt 2020“ – für die vielen großzügigen Einzelspenden, die drei Joggathons in Berlin, Gelnhausen und Hanau im Frühjahr und Sommer, bei denen auch die NES in Beirut mitgemacht hatte, für andere Spendenaktionen und auch für das große Interesse an diesem Projekt. Über 40.000 EUR sind so im vergangenen Jahr für den Studienfond zusammengekommen – fast das Doppelte unseres ursprünglichen Ziels!

Für die Verteilung der „Stipendien“ wurde bei der NES ein Komitee eingerichtet, zu dem auch eine Helping Hands-Mitarbeiterin gehört. Darin soll auch geplant werden, wie die Schule selber den Fond weiter auffüllen kann. Aber natürlich ist – gerade auch in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage – weitere Unterstützung dafür sehr willkommen und notwendig. Daher sind wir jederzeit dankbar für weitere Spenden mit Vermerk „Studienfond NES“ oder über dieses Online-Spendenformular.

Endlich mal richtig satt – „Weihnachtsfestmahl“ im Kinderzentrum Kombinat

Es ist einer dieser Tage, auf den die Kinder sich das ganze Jahr über freuen. Ein Tag, an dem sie mit ihrer Familie und ihren Freunden ausgelassen feiern können. Ein Tag, an dem es Geschenke gibt! Und vor allem ein Tag, an dem sie sich endlich mal richtig satt essen können.

Zum vierten Mal feierte im Dezember unser Kinderzentrum in Kombinat, Albanien, dieses ganz besondere Weihnachtsmahl. Dafür werden die Kinder gemeinsam mit ihren Familien in ein nettes Restaurant eingeladen – etwas, das sie sich unmöglich selbst leisten könnten. Das Essen ist vorzüglich, und vor allem: Es ist genug davon da!

An diesem Tag saß Ali*, den wir schon in unserem Jahresprojekt 2019 kennengerlent haben, die ganze Zeit stumm auf seinem Stuhl und aß und aß. Einer der Mitarbeiter fragte ihn: „Bist du glücklich?“ – „Ja!“, antwortete Ali, und seine Augen strahlten. „Das ist das erste Mal, dass ich den Tisch so voll gesehen hab und so viel essen kann, wie ich will!“

Etwa 50 Kinder, Eltern und Mitarbeiter feierten an diesem Tag gemeinsam Weihnachten. Die Mitarbeiter hatten entschieden, das Festmahl auch trotz Corona anzubieten – denn gerade nach diesem Jahr der Hoffnungslosigkeit brauchen die Familien diese Zeit der geteilten Freude und Zuversicht. Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners, berichtet:

„Eine Woche vorher hatten die Kinder alle liebevoll Einladungskarten für ihre Eltern gebastelt. An dem Tag kamen dann alle Kinder und Eltern pünktlich beim Restaurant an; sie sahen sehr glücklich aus! Wir hatten einen guten Platz und sehr gutes Essen. Für diesen Tag wünschen wir uns, dass sie einfach alle so richtig das Essen und Trinken genießen können.

Während des Essens schaute ich zu Cimi und seiner Tochter Anna* hinüber. Sie sahen beide sehr froh aus. Ich fragte sie, ob sie die Feier genießen? Cimi sagte, mit Tränen in den Augen: ‚Wir haben daheim nichts mehr zu essen.‘ Seine Frau hat ihn und Anna vor einer Weile verlassen. Die zwei sind jetzt allein und oft haben sie nicht genug Lebensmittel. Wir waren so froh, dass sie sich hier satt essen und auch noch etwas mit nach Hause nehmen konnten.“

Nach dem Festmahl folgte noch die Bescherung: Jedes Kind erhielt ein neues Paar Schuhe, und einige Weihnachtspäckchen wurden verteilt; die restlichen bei der Weihnachtsfeier im Kinderzentrum. „Als sie nach dem Essen die Geschenke bekamen, da lärmte Ali, als ob die ganze Welt ihm gehört!“

Das Weihnachtsessen wurde, wie auch in den Vorjahren, von Helping Hands e.V. aus Spenden im Rahmen des Weihnachtstransports gefördert.

 

* Name geändert

Sauberes Wasser für Ithung und Ghalegaun

„Wasser ist lebensnotwendig für uns alle. In Nepal haben viele Menschen keinen guten Zugang zu Wasser. Vor allem in den ländlichen Gegenden, aber auch in den Städten. Zum Beispiel in Pachthar, im östlichen ‚Hügelgebiet‘ von Nepal. Dort freut sich Surendra M., der Dorfvorsteher und Schulleiter der Dorfschule in Ithung, über den neuen Wasserspeicher mit Wasserhähnen. Die Dorffamilien haben auch selbst so viel sie konnten zum Bau beigetragen. ‚Wir haben so oft versucht, hier einen Wasserspeicher mit Wasserhähnen und Waschbecken zu errichten, aber es hat nie geklappt‘, erklärt Surendra M. ‚Jetzt hat NCM Nepal uns geholfen und uns ermutigt, das Wasserprojekt tatsächlich durchzuführen. Wir sind sehr dankbar dafür!'“

So berichtet unser Partner in Nepal über das Wasser- und Hygieneprojekt, das als Reaktion auf die Coronakrise in den Bergdörfern Ithung und Ghalegaun durchgeführt wurde. Dabei wurde je ein Wasserspeicher errichtet und mit geeigneten Quellen verbunden sowie kindergerechte Wasserhähne und Waschbecken installiert.

Die Dorfbewohner sind extrem dankbar dafür, denn auf 2.500 Meter Höhe gibt es nicht viele Möglichkeiten, durchgehend an Wasser zu kommen – die öffentliche „Pipeline“ liefert nur sehr sporadisch Wasser; die verstreuten Quellen geben entweder nicht genug Wasser oder sind relativ weit entfernt, zumindest für Schulkinder. Das ist besonders in der Coronasituation eine große Herausforderung!

In Ithung wurde ein Speicher errichtet, der 8.000 Liter fasst und auf dem Gelände des neuen integrativen Kinderzentrums steht. Die ursprünglich geplanten 5.000 Liter wurden auf Bitte der Dorfbewohner erweitert, die auch beim Bau des massiven Betonspeichers mit Begeisterung dabei waren und schon überlegen, wie sie die Wasserversorgung bis zur nur 150 Meter entfernten Dorfschule erweitern können. Die Dorfbewohner sind sehr glücklich, dass sie nun Wasser rund um die Uhr haben!

Der Wasserspeicher im Nachbarort Ghalegaun, wo ein Zweigzentrum des integrativen Kinderzentrums eröffnet wurde, wird mit Quellwasser gespeist und fasst insgesamt 2.200 Liter. Die 1,5-Kilometer-lange Wasserleitung zur Quelle wurde zu zwei Dritteln durch die Gemeindeverwaltung bezahlt; die Dorfbewohner trugen mit Arbeitskraft sowie Kies und Splitt bei; die restlichen Kosten wurden von Helping Hands beglichen – also ein starkes Gemeinschaftsprojekt in dieser sehr bedürftigen Gegend.

Auch dieser Tank ist solide und haltbar aus Beton gebaut; das Quellwasser wurde getestet und ist sauber und als Trinkwasser geeignet. Etwa 120 Menschen, davon 39 Kinder des Kinderzentrums, benutzen das Wasser täglich zum Trinken, Waschen und für sanitäre Bedürfnisse.

Suroj M., der Lehrer des neuen Kinderzentrums, freut sich: „Bisher hatten wir solche Probleme, für Kinder und Personal der Schule Wasser zu bekommen. Vor allem sauberes Trinkwasser war eine große Herausforderung. Kinder und Lehrer mussten regelmäßig den Unterricht verlassen, um irgendwo im Dorf Wasser zu holen. Auch Toiletten waren ein großes Problem ohne Wasser! Die Kinder konnten sich nicht die Hände waschen und wurden oft krank. Ich bin so glücklich, diesen neuen Wasserspeicher mit sauberem Wasser und Waschbecken hier zu sehen. Ich bedanke mich bei allen, die dieses ‚Wunderwerk‘ unterstützt haben!“

Im Rahmen der Einweihung der Wasserspeicher am 28. und 29. Dezember kamen außerdem insgesamt 78 Dorfbewohner für je eine Schulung zusammen, in denen der Virologe des Bezirkskrankenhauses und sein Assistent die Teilnehmer über die Symptome von COVID-19 und anderen jahreszeilich bedingten Krankheiten informierte und erklärte, wie man sich am besten schützt. Außerdem lernten die Teilnehmer verschiedene Hygienetechniken, erhielten Poster und Faltblätter sowie Masken, Händedesinfektionsmittel und Seife. Da es bisher noch keinerlei solche Schulung in den Dörfern gegeben hatte, war das Interesse sehr groß, und mehr Familien nahmen teil als ursprünglich geplant.

„Wir hoffen, dass dieses Wasserprojekt und die Schulungen die Hygiene in Ithung und Ghalegaun verbessert und die Menschen besser vor COVID und anderen Krankheiten geschützt sind“, schlussfolgerte unser Partner.

Integrative Kinderzentren in Nepal – wie das in Ithung und Ghalegaun – unterstützen wir als unser Jahresprojekt 2021.

Schule – Na endlich!

Während Deutschland sich an einen neuen Lockdown gewöhnt, scheint die Lage sich für manche unserer Partner zu entspannen. Zwar sind Wirtschaftskrise und Pandemie, Hunger und Angst weiterhin präsent, aber zumindest dürfen an vielen Orten die Kinder wieder in die Schule – wenn das nicht gute Nachrichten sind! Hier ein kurzer Überblick:

Ganz aktuell: In der NES-Schule im Libanon ist seit dem 26. Oktober das Gebäude wieder von Kinderlachen erfüllt! Gar nicht so selbstverständlich: Das erste Mal seit März dürfen die Schüler wieder zum Präsenzunterricht. Die Mittelstufe begann vergangenen Montag, der Kindergarten am Dienstag, seit dem 2.11. sind auch die Grundschüler vor Ort. Sie lernen in einer Welt, die nicht mehr dieselbe ist: Nicht nur der ewige Lockdown hat die Kinder sehr belastet, sondern auch die verheerende Explosion im August. Deshalb bot die Schule bereits im September zwei Traumaseelsorge-Seminare für Schüler und Lehrer an – noch dringender nötig, als ursprünglich gedacht. „Uns war vorher gar nicht bewusst, wie sehr die Lehrer dieses Seminar brauchten!“, so die Schulleiterin. „Sie schütteten ihre Herzen aus und konnten sich auch gegenseitig ermutigen.“

In Nepal begann unser Kinderzentrum in Piluwa am 19. Oktober mit dem Unterricht, nachdem es eine Woche vorher als erweitertes Dorf­entwick­lungs­projekt feierlich wieder- bzw. neueröffnet wurde (Details dazu lesen Sie hier). Die Familien haben sehr darauf gewartet und sind voller Hoffnung für die Zukunft.

In der Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia hieß es erst, alle Schulen seien bis Januar geschlossen. Wie erfreut waren wir zu erfahren, dass seit Mitte Oktober die Abschlussklassen (4. und 8. Klasse) wieder zum Unterricht kommen dürfen! Neue Waschbecken wurden installiert, es wird viel Abstand gehalten, regelmäßig Temperatur gemessen … und alle sind froh, endlich wieder in der Schule zu sein. Für später ist geplant, im Schulhof Container und Zelte aufzustellen, damit auch die anderen Klassen bald wieder zum Unterricht kommen können. Fast ein ganzes Schuljahr haben sie dann verloren, denn Online-Unterricht ist im Slum kaum möglich. Die Lehrer bemühten sich sehr, die Kinder von der Straße wegzuhalten, indem sie Bücher verteilten, per Handy kurze Videos aufnahmen und die Schüler aufforderten, jeweils einzeln zu ihnen zu kommen, um Hilfe bei Aufgaben zu erhalten.

Nach 7 Monaten öffneten sich am 5. Oktober im Straßenkinderzentrum in Antananarivo, Madagaskar, wieder die Pforten. Während des Lockdowns wurde ein bereits vorher geplantes Projekt mit Unterstützung von Helping Hands verwirklicht: Für das Zentrum wurde ein Wassertank installiert, der nun den ganzen Tag über fließendes Wasser ermöglicht. „Die Kinder kamen zurück und können jetzt jeden Tag ganz einfach sauberes Wasser bekommen“, berichtete unser Partner. „Könnt ihr euch vorstellen, wie das gewesen wäre mit dem Händewaschen, ohne Wasser? Der Wassertank kam genau zum richtigen Zeitpunkt!“

Bereits seit Anfang des neuen Schuljahres ist das Kinderzentrum in Albanien wieder geöffnet. Die Kinder tragen Masken, es wird regelmäßig desinfiziert und Temperatur gemessen. Wir hoffen, dass das Kinderzentrum auch über den Winter offen bleiben kann.

Das gilt auch für die Schule in Vidrare, Bulgarien: Dort konnte das neue Schuljahr wieder im Schulgebäude beginnen – nach vier Wochen intensiver Planung, um alle Vorschriften einzuhalten – und die Mitarbeiter vor Ort hoffen sehr, dass die Schule offen bleibt. „Andere Formen des Unterrichts funktionieren hier nicht wirklich“, erklärt unser örtlicher Partner. „Online geht gar nicht – die Plattformen sind zwar kostenlos, aber die Eltern können sich den Internetzugang nicht leisten. Die Lehrer haben Material entworfen und in gedruckter Form an die Familien verteilt.“

Auch andere Bedürfnisse erfüllt die Schule: zum Beispiel Nahrung und Wärme. Wenn die Kinder in der Schule sind, sparen die Eltern eine Menge Brennholz und zwei Mahlzeiten pro Tag, die sie sonst gar nicht bezahlen könnten. Hier griff die Dorfgemeinschaft sich gegenseitig unter die Arme: Familien, die etwas besser dran waren, und auch das Schulkollegium sammelten Kleidung und packten Essenspakete für die bedürftigeren Familien. Ein schönes Beispiel von lokaler Initiative!

Eine Zukunft für Piluwa

Kinderzentrum in Piluwa, Nepal, als umfassendes Programm neueröffnet

„Immer zuhause zu bleiben – das ist sooo langweilig!“ Anmol, ein Drittklässler aus Piluwa im südlichen Nepal, spricht wohl vielen Kindern weltweit aus dem Herzen. „Aber im Kinderzentrum, da ist es echt interessant! Wir malen und lesen und schreiben, und ich kann mit meinen Freunden spielen, das macht mich glücklich!“

Vor fast sieben Monaten musste das Kinderzentrum in Piluwa aufgrund von Coronabeschränkungen schließen. Das Land versuchte, durch besonders strikte Regelungen die Infektionsrate niedrig zu halten; die Lockdowns dauerten viele Monate. Das war nicht einfach – für die Kinder, die Eltern, das ganze Dorf. „Im Kinderzentrum lernten meine Enkelkinder ordentlich zu lesen und schreiben. Jetzt liegt ihre Bildung brach, weil das Kinderzentrum geschlossen ist“, bedauerte ein älterer Dorfbewohner namens Narayan Anfang Oktober. Und auch der Lehrer des Kinderzentrums, der seit zwei Jahren dort unterrichtet, berichtete: „Dass das Kinderzentrum durch die Pandemie-Situation so lange geschlossen sein musste, hat wirklich schlimme Auswirkungen auf die Bildung der Kinder. Letzte Woche traf ich mich mit den Eltern. Sie haben mich gebeten, das Kinderzentrum so schnell wie möglich wiederzueröffnen!“ Da die Regierungsbestimmungen sich endlich gelockert hatten, war es dann auch bald so weit:

Am 12. Oktober wurde das Piluwa Kinderzentrum in einer feierlichen Zeremonie und mit einigen praktischen Schulungen offiziell wiedereröffnet. Und nicht nur das: In Zusammenarbeit mit Helping Hands wird das Programm erweitert, sodass den Familien noch umfassender geholfen werden kann. So werden nicht nur die Kinder ganzheitlich gefördert, sondern ihre Familiensituation verbessert und das ganze Dorf nachhaltig beeinflusst. „Seit vielen Jahren müssen wir für andere als Tagelöhner arbeiten, weil meine Familie vom Ertrag unseres Gartens nicht überleben kann“, erklärt Narayan. „Ich wünschte, wir müssten nicht für andere schuften!“

Zum „Eröffnungstag“ waren alle eingeladen, die durch das Kinderzentrum direkt beeinflusst werden: die Kinder, ihre Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, die Mitarbeiter des Kinderzentrums und Vertreter der Dorfgemeinschaft. Unter regulären Hygienevorschriften versammelten sie sich im Raum, wo auch das Kinderzentrum stattfindet. Die Leiter unseres örtlichen Partners stellten das neue Programm im Detail vor und erklärten, was es für die Familien und das Dorf bedeutet: nicht nur Hausaufgabenhilfe und andere Aktivitäten für die Kinder, sondern auch Selbsthilfegruppen und Einkommensprojekte für Eltern, verschiedene Schulungen und Unterstützung im Aufbau von Kleinstunternehmen. Besonders in der gegenwärtigen Pandemie-Situation schenkt das Hoffnung, wo viele schon aufgeben wollten.

„Nachdem wir das Programm erklärt hatten, waren alle begeistert!“, berichtet unser örtlicher Partner. „Die Eltern haben auch gleich eine Selbsthilfegruppe gegründet und sie ‚Piluwa CFCD SHG‘ genannt. Sie haben entschieden, monatlich pro Familie 200 Rupien zu sparen, sodass sie auch bald ihren Mitgliedern kleine Kredite mit niedrigem Zinssatz geben können, um die Einkommensprojekte zu unterstützen. Sie werden sich jeden Monat mindestens einmal treffen.“

Selbsthilfegruppen sind eine Art Grundgerüst für die verschiedenen anderen Aktivitäten des umfassenden Kinderzentrum-Programms. Und auf diese freuen die Eltern sich besonders: zum Beispiel werden sie Saatgut erhalten, um ihren Gartenbau zu erweitern; auch Viehzucht ist geplant, wofür die Gegend hier wohl besonders gut geeignet ist. Lok Maya, deren Sohn das Kinderzentrum besucht, macht das Hoffnung: „Mein Mann ist seit zwei Jahren krank, ich muss für alle sorgen. Wenn das Kinderzentrum uns hilft, einen Büffel zu erwerben, welch einen Unterschied würde das machen!“ Und auch Chandra Maya, die Vorsitzende der neugegründeten Selbsthilfegruppe, ist voller Erwartung: „Ich arbeite als Tagelöhner und verdiene nur etwa 300 Rupien am Tag, das reicht nicht für die ganze Familie. Ich kümmere mich auch um meinen kleinen Enkel, da ist es schwierig, den Haushalt und die Tagelöhnerarbeit zusammen zu bewältigen. Wenn das Kinderzentrum mich bei anderen Einkommensmöglichkeiten unterstützt, das wäre so großartig, das macht mich wirklich froh!“

Am Eröffnungstag wurde gemeinsam geplant, wann zum Beispiel das Saatgut verteilt wird und welches Saatgut am besten geeignet ist. Auch die akademischen Aktivitäten für die Kinder wurden besprochen – am 19. Oktober soll wieder offiziell der Unterricht beginnen. Davor wird noch das Büro erweitert und andere administrativen Aufgaben erledigt. Die Mitarbeiter unseres Partners leiteten die lokalen Kollegen darin an und diskutierten auch das Hygienekonzept, sodass die Eltern ihre Kinder sorglos zum Kinderzentrum senden können.

„Wenn unsere Kinder im Kinderzentrum sind“, fasste Ram Maya, eine Großmutter, für alle zusammen, „dann wissen wir: Sie sind in Sicherheit, und wir müssen uns keine Sorgen über sie machen!“

Erleben Sie die „Zukunft für Piluwa“ persönlich mit!

Das Kinderzentrum in Piluwa wurde vor zwei Jahren in kleinerem Rahmen durch Spenden über Helping Hands e.V. eröffnet. Die Erweiterung auf ein umfassenderes Programm sollte bereits im April beginnen, musste aufgrund Corona aber verschoben werden. Sie können an dieser aufregenden Veränderung teilhaben, indem Sie das Kinderzentrum in Piluwa durch eine Spende unterstützen oder ein Kind in Piluwa durch eine Patenschaft fördern.

Hier lesen Sie einen früheren Beitrag zu diesem Kinderzentrum: „Ein Herz für Piluwa“.