paXan 2021 Albanien: „Haus der Hoffnung“

paXan – das heißt: Gemeinsam anpacken. Und Frieden weitergeben. Wertschätzung vermitteln. Und Hoffnung!

Hoffnung schenken, das hat im vergangenen Jahr im Rahmen der Pandemie ganz neu an Wert gewonnen. In Kombinat in Albanien ist es schon seit Jahren Programm. Dieser sozialschwache Stadtteil am Rande Tiranas ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Drogenhandel, Missbrauch und Prostitution; für junge Menschen gibt es kaum Perspektiven, dem Kreislauf der Armut zu entfliehen. Infolge des paXan-Einsatzes 2014 wurde daher in Kombinat ein Kinderzentrum begonnen, sodass besonders benachteiligte Kinder eine gute Schulbildung bekommen können, wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag, einen Ort, an dem sie Liebe und Anerkennung erfahren. Das hat schon einen großen Unterschied im Leben der Kinder gemacht! Aber für eine echte Zukunftsperspektive ist noch mehr nötig: zum Beispiel die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erhalten. Und so entstand die Idee fürs „House of Hope“ – ein Ort, an dem Jugendliche ausgebildet und in Jobs vermittelt werden, wo sie von Mentoren begleitet und gefördert werden, wo sie ihr Potential entfalten und Hoffnung in Realität verwandeln können.

Mitte Juli fanden die ersten Gespräche dafür statt, und weil die Jugendlichen jetzt Hoffnung benötigen, nicht erst, wenn die Welt wieder „normal“ ist, ging dann alles ganz schnell: Kaum einen Monat später, am 22. August, machte sich – allen pandemiebedingten Hindernissen zum Trotz – ein paXan-Team auf den Weg nach Kombinat, um das House of Hope gemeinsam mit den albanischen Freunden ins Leben zu rufen.

Dafür wurde, wie bei jedem paXan-Einsatz, tatkräftig angepackt: Gemeinsam mit ein paar der Jugendlichen, die bald im House of Hope ausgebildet werden, und örtlichen Leitern schufteten die sechs paXan-Teamler eine Woche lang von morgens früh bis abends spät, um eine Wohnung an der Hauptstraße durch Kombinat in ein kleines Ausbildungszentrum zu verwandeln. Dabei wurde viel gespachtelt und gesägt, gehämmert und gebohrt, gepinselt und gemalt, und sehr, sehr viel geputzt, geplant und gedacht. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Das Bad erstrahlt nun in neuem Glanz, der Treppenaufgang ist frisch renoviert, ein Schulungsraum wartet nur noch auf Tische, der Aufenthaltsraum mit Küchenzeile ist gemütlich eingerichtet und in schönstem Design präsentiert, und als Krönung ist ein Ton- und Bildstudio einsatzbereit – mit gedämmten Wänden, Greenscreen und Lichttechnik. Denn als ersten „Ausbildungszweig“ bietet das House of Hope Schulungen in Ton- und Videotechnik, Fotografie und Grafikdesign an. Dafür gibt es viel Nachfrage in Albanien und darüber hinaus; einige Aufträge warten schon. Ein lokaler Experte wird die Jugendlichen auf ehrenamtlicher Basis ausbilden. Sie können es kaum erwarten, damit anzufangen!

Am 31. August machte sich das paXan-Team auf den Heimweg, aber eigentlich wären alle lieber in Albanien geblieben. Weil wir von allen so herzlich aufgenommen und von Vera so vorzüglich bekocht wurden. Weil es so eine Freude war, mit unseren albanischen Freunden zusammenzuarbeiten (und auch mal gemeinsam an den Strand zu fahren :). Weil es so viel Segen bedeutet hat, an diesem nachhaltigen Projekt zu arbeiten, das einen wirklichen Unterschied für unsere Freunde machen wird. Weil wir auch sonst einfach richtig viel Spaß zusammen hatten! Und ja – auch weil wir das schöne Wetter und das Leben in Albanien vermissen werden, und natürlich all die wertvollen Menschen, die wir kennenlernen durften.

Hoffnung – das ist ein Geschenk, das immer in beide Richtungen segnet. Und so dürfen wir uns nicht nur über die Gewissheit freuen, dass das House of Hope echte Hoffnung schenken wird, sondern auch selbst mit neuer Hoffnung und Zuversicht in den deutschen Alltag zurückkehren. Hoffnung, weil wir selbst erlebt haben, wie mit der richtigen Motivation schon eine Woche Schrauben, Schaum und Spachtelmasse mehrere Leben lang Zukunft schaffen können.

paXan findet statt!

Nach umfassender epidemiologischer Beobachtung 😉 und einem Projektbesuch vor Ort haben wir entschieden, dass wir tatsächlich einen paXan-Einsatz nach Albanien durchführen können. Nach aktuellem Stand ist Albanien kein Risikogebiet (seit ca. 2 Monaten) und hat keine Einreisebeschränkungen (seit ca. 3-4 Monaten).

Wir sind super gespannt auf diesen Einsatz und würden uns riesig freuen, wenn einige von euch dabei sind!

Datum: 22./23. August bis 30./31. August (je nach günstigen Flügen)
Ziel: Kombinat, Albanien
Kosten:
vor Ort (Unterkunft, Verpflegung usw.): 175 – 300 EUR (kommt drauf an, ob wir Hotel buchen oder in der Gemeinde übernachten; wir tendieren zur günstigeren Variante)
Flug: ca. 350 EUR (wenn wir sehr knapp buchen, wird es voraussichtlich teurer)
Leitung: Simon Bangert & Dorli Gschwandtner

Projekt: Als Folge des paXan-Einsatzes 2014 in Albanien wurde in Kombinat (ein Stadtteil am Rande der Hauptstadt Tirana) ein Kinderzentrum für Kinder aus Randgruppen eröffnet, wo sie Hausaufgabenhilfe erhalten, eine warme Mahlzeit, und vor allem die Zuneigung und Akzeptanz, die sie sonst kaum erfahren. Das hat im Leben dieser Kinder schon einen riesigen Unterschied gemacht! Aber es gibt auch viele Jugendliche in Kombinat, die trotz Schulbildung wenig Perspektiven für die Zukunft haben – dieser Stadtteil ist besonders für Gangs, Diebstahl, Drogenmissbrauch und Prostitution bekannt. Damit diese Jugendlichen eine wirkliche Chance für eine lebenswerte Zukunft haben, möchten wir gemeinsam mit der Gemeinde vor Ort ein „House of Hope“ gründen. Dort wird Jugendlichen eine Ausbildung angeboten, mit der sie einen guten Job erhalten können; außerdem werden sie in ihrer Charakterentwicklung begleitet. Der erste Ausbildungszweig konzentriert sich auf Medien (Photographie, Film, Webdesign, Grafikdesign u.v.m.): u.a. sollen Ton- und Filmstudio eingerichtet werden; daran wird sich das paXan-Team beteiligen.

Interessiert? Dann möglichst schnell anmelden! Anmeldeformular gibt es per Mail: paXan@helpinghandsev.org.

Weitere Infos auf der paXan-Seite.

paXan 2019 Georgien: YES!!!

„YES!!!“ – Das war schon nach kürzester Zeit das Motto unseres paXan-Einsatzes in Georgien.

„YES!“, wenn wir morgens in der Martkopi Pension für Menschen mit Behinderung, unserem Einsatzort, ankamen und schon im Hof von zahlreichen Heimbewohnern stürmisch begrüßt wurden.

„YES!“, wenn wir durch die Gänge zu unserem Baustellen-Raum marschierten und mutig auf Georgisch „Gamardschoba“ in alle Richtungen riefen.

„YES!“, wenn unsere Freunde erwartungsvoll hereinlugten, um den Fortschritt an ihrem Music & Entertainment Center zu bestaunen („YES!“ auch an den Tagen, an denen es noch so gar nicht nach Music & Entertainment Center aussah …) oder auch mal ein bisschen mitzuhelfen.

„YES!“ mit unerschütterlicher Herzlichkeit und Freude, ob wir zur Mittagspause liefen, in den Hof um Material auszuladen, oder uns abends müde aber zufrieden auf den Heimweg machten.

Und „Yes!“ – YES!“ – „YESSSS!!!“ am letzten Nachmittag beim großen Einweihungsfest, wo einfach nur begeistert gemeinsam gefeiert wurde.

Nach acht Tagen auf der Baustelle gab es auch wirklich guten Grund zum Feiern: Ein öder, leerer Aufenthaltsraum hatte sich tatsächlich in ein erstklassiges Music & Entertainment Center verwandelt. Zu acht hatten wir es gemeinsam angepackt (und einen riesen Spaß dabei!): die Wände gespachtelt und gestrichen; den alten, maroden Fußboden entfernt und wunderschönes neues Laminat verlegt sowie Leisten gebeizt und angebracht; eine stabile, breite Bühne mit Rollstuhlrampe gezimmert, mit Teppich versehen und die Ecken verletzungssicher abgerundet; zwei gigantische Schalldämpfer gefertigt, die vor Ort noch künstlerisch gestaltet werden; fünf Regenmacher gebastelt und in liebevoller Detailarbeit fünf Cajons gebaut (Marke: paXan!); Tontechnik installiert und schließlich noch Vorhänge aufgehängt und Stühle gekauft, sodass ein richtiger kleiner Theatersaal entstanden ist.

Und konnte das Ergebnis sich sehen lassen? YES – zweifellos!

Aber der Raum war ja nicht nur zum Anschauen da, und deshalb wurde am Freitagnachmittag gründlich Einweihung gefeiert. Denn wie bei allen paXan-Einsätzen standen auch bei diesem Einsatz die Menschen im Mittelpunkt: Menschen, die schon lange nicht mehr „die Heimbewohner“ für uns waren, oder gar „Menschen mit Behinderung“, sondern Freunde mit Namen und individuellem Charakter, mit denen wir acht Tage das Leben geteilt und Erinnerungen geschaffen hatten. Die Einweihungsfeier war dann auch keine langweilige Zeremonie, sondern ein überschwengliches, ohrenbetäubendes, leidenschaftliches Fest: Da wurde gemeinsam gesungen und getanzt, Cajon getrommelt und gejubelt und gelacht. Und da waren auch plötzlich alle Barrieren verschwunden: Sprache, Mobilität, geistige Fähigkeiten – denn wer tanzen möchte, kann das auch im Rollstuhl, und wer singt und feiert, der ist mit dem Herzen dabei.

Und das ist es schließlich, was uns als paXan-Team besonders deutlich geworden ist: dass es manchmal reicht, einfach „YES!“ zu sagen – „JA“ zu kulturellen und persönlichen Unterschieden; „JA“ zu einer offenen Tür, die Freunde nicht als „Arbeitsunterbrechung“ sieht; „JA“ zu verschiedenen Begabungen und auch zu den Eigenarten, die etwas gewöhnungsbedürftig sind … einfach ein „Ja, du bist wertvoll, genau so wie du bist!“

Dorli Gschwandtner für das paXan-Team Georgien

paXan 2019 Armenien

Tolles Team, tolles Projekt, tolle Menschen, tolles Land (ich hoffe ich habe nichts Tolles vergessen) – so in etwa lässt sich paXan Armenien 2019 zusammenfassen.

Zu siebt machten wir uns auf den Weg nach Jerewan, der Hauptstadt von Armenien, und wurden herzlich von den Menschen der dortigen Gemeinde begrüßt, mit denen wir eine Woche lang zusammenarbeiten durften. Unsere zwei großen Aufgaben bestanden darin, bei einer Ferienkinderwoche auszuhelfen und den Hof in einen Platz zum Verweilen und Spielen für die Kinder umzugestalten.

Gleich nach unserer Ankunft am späten Nachmittag stellten wir überrascht fest, dass alles Baumaterial schon da war, und legten direkt los, dieses von der Straße zur Baustelle zu tragen. Insgesamt waren es sechs gefüllte Paletten mit roten und grauen Pflastersteinen. Auch Nachbarskinder halfen spontan mit und die Sprachbarriere war vergessen. So lernten wir von Tag Eins die Nachbarn kennen, die die Woche über interessiert unsere Fortschritte beobachteten.

Um den Spielebereich pflastern zu können, wurde zunächst ein Bett aus einem Kies-, Sand- und Zement-Gemisch (so macht man das in Armenien scheinbar) hergestellt. Während die einen die Grundlage für die Pflastersteine vorbereiteten, räumten die anderen das Grundstück auf, entfernten Gestrüpp und fällten einen verdorrten Baum. Außerdem kamen die Damen im Team auf die Idee, den Spielebereich durch ein kindergerechtes Wandbild farbenfroher zu gestalten.

Vormittags fand während der Woche die Kinderwoche mit bis zu 80 Kindern statt, die von den Teens und jungen Erwachsenen federführend vorbereitet und durchgeführt wurde. Es war begeisternd zu sehen, mit wie viel Freude und Energie die Mitarbeiter durchs Programm leiteten. Uns als paXan-Team fiel hier eine vergleichsweise kleine Aufgabe zu. Wir betreuten die Kinder bei Bastelarbeiten und spielten Spiele mit ihnen – die Löwenmasken als auch das Plumpsackspiel waren dabei die Highlights.

Nachmittags arbeiteten wir bei sehr hohen Temperaturen weiter an unseren Pflastersteinen oder Gemälde und wurden richtig kreativ, uns Schattenvorrichtungen zu bauen, um uns zumindest etwas vor der kräftigen Sonne zu schützen. Trotz Hitze und gesundheitlicher Herausforderungen war die Stimmung im Team durchweg positiv und sorgte für ein wirklich schönes Miteinander.

Neben der Arbeit sind es Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die uns ins Erinnerung bleiben. Seien es die zwei bis drei Frauen, die uns kulinarisch verwöhnten und zeigten, was armenische Gastfreundschaft heißt, die Kinder, die eifrig ihre Englischkenntnisse auspackten, oder die Männer, die uns geduldig die Kunst des armenischen Pflasterns beibrachten.

Gegen Ende unserer Zeit lies es das Projektgeld zu, dass wir einen Basketballkorb und Bälle anschafften. Die Freude war groß und der Korb im Nu von den Kindern eingeweiht. Auch das Wandbild fand regen Anklang. So waren wir amüsiert zu erfahren, dass Familien aus der Nachbarschaft bereits Fototermine vor dem Gemälde vereinbarten.

Neben der eigentlichen Arbeit und dem Projekt hat ein paXan-Team aber auch immer weitere Dimensionen. Eine davon ist der Bildungsaspekt, und so beschäftigten wir uns während unserer Zeit dort auch mit der Geschichte des Landes, der Kultur, dem Essen, den Herausforderungen der Menschen dort und vielem mehr. Jeden Abend sprachen wir als Team über die Erfahrungen des Tages und konnten so das Erlebte reflektieren.

Im Nachhinein wünschen wir uns, dass der Spielebereich wirklich in der Gegend zu einem Ort wird, wo Kinder und Jugendliche einen sicheren Platz vorfinden, an dem sie toben und spielen können, wo sie aber auch jemanden vorfinden, der ihnen zuhört und einfach für sie da ist.

Anne Magin und Christoph Nick für das paXan-Team Armenien

paXan 2018 Kosovo

paXan 2018 Kosovo

Kann man mit nur vier jungen Leuten überhaupt irgendetwas bewegen? Diese Frage stellte sich das zweite paXan-Team 2018, bevor es Ende August in den Kosovo aufbrach.

„Ja!“ heißt die überzeugte Antwort auf diese Frage – und für diesen Einsatz war es sogar die ideale Gruppengröße. Denn besonders die gemeinsame Arbeit und Unterstützung der einheimischen Mitarbeiter stand hier im Vordergrund. Und auch das Miteinander- und Voneinander-Lernen war ein wichtiger Aspekt des Einsatzes.

In einem Dorf, das zum Regierungsbezirk von Suhareka gehört und am Rande eines Nationalparks südlich der Hauptstadt Prishtina liegt, baute das Team für die öffentliche Schule ein neues Toilettenhäuschen. Bis dahin teilten sich die über 100 Schüler zwei Toiletten – eine für Mädchen und eine für Jungs. Das Team verlegte die Wasserleitung frostsicher im Boden und half dann hauptsächlich beim Mauern und Steineschleppen. Zwar konnten sie das Bauprojekt innerhalb der Einsatzwoche nicht komplett abschließen – Beton muss schließlich auch irgendwann trocknen –; dies wird jetzt aber von den Bauarbeitern und Mitarbeitern vor Ort erledigt.

Auch das Lernen und Offen-Sein-Für-Anderes ist ein wichtiger Aspekt von paXan. Deshalb freute das Team sich auch über die Chance, kosovarische Familien zu besuchen, denen unser örtlicher Partner Gewächshäuser zur Verfügung gestellt hatte – die Republik Kosovo ist derzeit das ärmste Land des Balkans; etwa ein Drittel der Einwohner leben unter der Armutsgrenze. Auch lernte das Team sehr viel über die Komplexität des Balkans und die besonderen Herausforderungen zwischen Serbien, Albanien und Kosovo, sowie über die Versöhnungsarbeit, die einheimische Mitarbeiter unseres Partners hier leisten.

Für das paXan-Team berichtete Christoph Nick.

paXan 2018 Belarus:
Nicht unverändert

paXan 2018 Belarus

Es war der Moment, in dem unsere Freunde zum ersten Mal ihre neue Werkstatt benutzen durften, der uns wohl am meisten in Erinnerung bleiben wird: die Freude auf ihren Gesichtern, diese Zufriedenheit, der Stolz, dass sie nun endlich selbst sägen, schmirgeln und schrauben konnten. Eine Woche lang hatten sie sich im Hintergrund gehalten, hatten geduldig gewartet, während Werkstatt und Gartenraum langsam entstanden, immer mal interessiert aber diskret hereingelugt, was die deutschen Besucher so alles schufen.

Und auch für uns als paXan-Team war dieser Montag ein ganz besonderer Tag. Acht Arbeitstage lang hatten wir zu Siebt – mit gelegentlicher weißrussischer, russischer und italienischer Unterstützung – in Kooperation mit einem staatlichen Sozialzentrum in Minsk an drei Projekten gearbeitet. In einem Gebäude des Sozialzentrums durften wir für Menschen mit Behinderung eine Holzwerkstatt einrichten, in der jetzt Vogelhäuschen zum Verkauf hergestellt werden, sowie einen „Gartenraum“ gestalten, der einerseits als gemütlicher Raum der Entspannung dient und andererseits mit vier portablen Hochbeeten und Anzucht aus Samen auch zum Erwerb beiträgt. Zeitgleich wurde in einem anderen Gebäude des Sozialzentrums ein Kinderraum kleinkindersicher renoviert und mit einem beeindruckenden Wandgemälde verziert. Und zusätzlich fand in diesem Gebäude nachmittags noch unser traditionelles Kinderprogramm statt: Von Montag bis Freitag spielten, sangen, erzählten, bastelten und lachten wir mit bis zu 25 Kindern aus sozialschwachen Familien, von denen einige wohl noch nie solch ein Ferienprogramm miterlebt hatten und nun begeistert auf den Kinderclub warten, der im September hier beginnen soll.

Es war kein leichter Weg bis zu diesem Montagmorgen im Sozialzentrum in Minsk. Unzählige Hürden jeglicher, aber vor allem visatechnischer, Art mussten überwunden werden, bis das Team überhaupt mehr oder weniger vollständig in Weißrussland angekommen war. Dann folgte ein typischer paXan-Einsatz: wenig Schlaf, ca. 15 Arbeitsstunden pro Tag, kaum Pausen, kulinarische Abenteuer, unerwartete Herausforderungen mit kreativen Lösungsansätzen (neu in diesem Jahr war zum Beispiel die erfolgreiche Rattenjagd), aber auch viel gute Gemeinschaft und lange Gespräche, vollster Einsatz der individuellen Begabungen, Lachanfälle zu später Stunde, neue Freundschaften und sehr, sehr viele Erinnerungen, Eindrücke, Erfahrungen, Erkenntnisse … sodass sich sicherlich kein Teilnehmer unverändert auf den Heimweg machte.

Aber vorher kam ja noch der Montag, den wir uns freigehalten hatten, um uns dem zu widmen, was paXan vor allem ausmacht: Zeit mit Menschen zu verbringen und auch denen echte Wertschätzung zu vermitteln, die sonst vielleicht nicht so wertgeachtet werden. Am Vormittag öffneten wir die fertige Werkstatt für die Menschen mit Behinderung, die in diesem Sozialzentrum ihre Wochentage verbringen, und halfen ihnen beim Erforschen der verschiedenen Arbeitsstationen, die wir arbeitssicherheitsgerecht eingerichtet hatten. Dass uns dabei vier Fernsehsender filmten und unser Einsatz unter anderem abends in den „National News“ erschien, sollte nur am Rande erwähnt werden. Bis zur Mittagszeit waren Kameras, Reporter und Aufregung verschwunden und wir konnten den Nachmittag ganz in Ruhe mit den Menschen mit Behinderung verbringen: beim Basteln von Rhythmusinstrumenten, einem Rhythmus-Workshop, ein bisschen Tanzen, Geburtstag feiern und Basteln mit Ton. Zwischendrin ruhte sich der eine oder andere im Gartenraum aus und freute sich über das frische Grün in Hochbeeten und Mini-Wintergarten. Und es sind diese Stunden, die wir als paXan-Team besonders mit nach Hause nahmen: ein paar entspannte Stunden, in denen die Menschen im Mittelpunkt standen und wir aus ihrem fröhlichen Lachen und ihren dankbaren und zufriedenen Mienen dieselbe Wertschätzung erfahren durften, die wir ihnen durch diesen paXan-Einsatz vermitteln wollten.

 

© 2018 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2017 Portugal:
Café paXan in Porto

paXan 2017 Portugal

Damit hatte Pastor Timóteo nicht gerechnet: dass die Deutschen seine ganze Kirche auf den Kopf stellen würden. Wie ein kleiner Orkan brachen sie über ihn herein, und nach ein paar Tagen zuckte Timóteo nur noch lachend mit den Schultern: “Ich dachte vorher, ihr wärt ein älteres, ernstes Team. Aber ihr seid ja ein junges verrücktes!”

Ein kleines Café wollte Timóteo einrichten im Vorraum seiner Gemeinde in Porto. Denn gemeinsam einen Kaffee trinken, reden und lachen – in Portugal ist das die Art und Weise, wie sich „Gemeinschaft“ bildet. Und auch den Obdachlosen und bedürftigen Familien, denen die Gemeinde seit vielen Jahren dient, sollte im Café ein Ort geboten werden, wo sie nicht nur Almosen bekommen, sondern sich wohlfühlen können und Respekt und Wertschätzung erfahren.

Aber so ein Café muss ja schließlich auch einladend und gemütlich sein! Also machte sich das paXan-Team nach drei Tagen Kinderprogramm und Tischlerwerkstatt in Braga (aber das ist eine andere Geschichte …) am Donnerstag in Porto mit fröhlichem Schwung und viel Hingabe ans Werk. Zuerst einmal wurde eine Bedarfsanalyse durchgeführt, der Vorraum entleert, alles abgeklebt und Ikea-Expedition Eins und Zwei gestartet. Am Freitag folgte gleich Ikea-Expedition Drei, während im Café schon mal eifrig die Schränke der Theke zusammengebaut wurden, die Wände gestrichen und teils mit Schieferplatten gekachelt und diverse Deko-Elemente vorbereitet wurden. Samstagfrüh konnte man schon einen gewissen Zeitdruck spüren, der, in produktive Energie umgewandelt, für einen zweiten Anstrich, Verlegung der Rohre, diverse andere Arbeiten und die vierte Ikea-Expedition ausreichte. Pünktlich zur Abendessenszeit stand dann auch die *fast* fertige Theke und wurde schon mal gründlich bestaunt: Denn am Samstagabend hatte die Gemeinde einige Obdachlose zu einem Dinner eingeladen, das vom paXan-Team serviert wurde.

Nach einem nicht ganz erholsamen Sonntag und fünf Stunden Schlaf warf sich das Team dann trotzdem am Montagmorgen mit unverändertem Elan in den letzten Marathonarbeitstag. Fünfzehn Stunden später (der letzte Zug nach Braga fährt um 1.15 Uhr :)) war es dann geschafft: alle Bauarbeiten abgeschlossen, die fünfte und letzte Ikea-Expedition glücklich beendet, das Café geputzt, gemütlich eingerichtet und einladend dekoriert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Bei einem letzten Besuch am Mittwochvormittag durfte dann auch jeder noch einen ersten Kaffee, Latte Macchiato, Espresso oder Tee genießen und das paXan-Café wurde gebührend eingeweiht – sogar schon mit dem ersten „externen“ Gast.

Und damit war auch dieser paXan-Einsatz ein voller Erfolg. Nicht nur, weil das Projekt rechtzeitig fertiggestellt wurde und alle zufrieden auf die erledigte Arbeit schauen können. Sondern auch, weil wir als Team zusammengewachsen sind – ein Team, in dem jeder sein (oder ihr) Äußerstes gegeben und dabei alle sich gegenseitig unterstützt und ermutigt haben, sodass gemeinsam das Ziel erreicht wurde; ein Team, in dem jeder sich angenommen und wertgeschätzt fühlen durfte und jeder auf jeden geachtet hat; ein Team, in dem alle Gaben und Talente zur Geltung gekommen sind und daher alle auf Augenhöhe miteinander umgehen konnten; und schließlich auch ein Team, das viel zusammen gelacht, genossen, gelitten und gelernt hat: kurz gesagt, ein Team, mit dem man die Welt auf den Kopf stellen kann!

Und der Einsatz war nicht zuletzt deshalb ein Erfolg, weil an jedem Tag, in jedem Arbeitsschritt und jedem Schweißtropfen das mitgeklungen ist, was paXan ausmacht: echte Wertschätzung zu vermitteln: den anderen im Team gegenüber, den Mitarbeitern in Braga und Porto, und den ausgegrenzten und oft vergessenen Menschen, denen das Café und unsere Arbeit dienen wird.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2017 Tansania

paXan 2017 Tansania

Das paXan-Team Tansania reiste vom 29. Juli bis 12. August 2017 nach Daressalam. Nelli Bangert berichtet:

Harry. Dieser kleine afrikanische Junge, der mich immer wieder so breit angestrahlt hat, wenn ich ihm begegnet bin. Dieser Junge, der mir geholfen hat, den vielen Müll im Außenbereich der Kirche aufzuräumen. Der manchmal einfach so neben mir saß und sich an mich gekuschelt hat. Der so herzlich gelacht hat. Der mich begleitet hat, wenn ich dann zu unserem Hotel gegangen bin. Harry.

Er war eine Person neben den vielen anderen, die ich auf meinem zweiwöchigen paXan-Einsatz mit 13 weiteren Jungerwachsenen in Tansania kennenlernen durfte – und wohl nie vergessen werde. Er behält einen Platz in meinem Herzen. Neben ihm haben wir natürlich noch so viel mehr Kinder kennengelernt. Jeden Tag brauchte es nur ein kleines Lied und schon versammelte sich ganz rasch eine große Gruppe von Kindern um uns herum und sangen lauthals mit, tanzten mit uns und genossen die Zeit. Immer wieder starteten wir dann auch Sessions speziell für die Kids und bastelten mit ihnen, sangen, tanzten und erzählten ihnen biblische Geschichten. Die Kinder dankten unseren Einsatz mit lautem Lachen und strahlenden Augen – einfach nur schön.

Aber sie liebten uns auch einfach und waren quasi auf der Suche nach uns „Weißen“. Allein schon die blonde Haarfarbe einiger Mädels und eben auch die weiße Hautfarbe zogen die Kinder förmlich an. Irgendwie war ihnen klar, dass wir mit ihnen Zeit verbringen wollten. Auch wenn es auf der einen Seite irgendwie schade ist, dass die Hautfarbe zunächst so vordergründig steht, so ist es auf der anderen Seite doch auch eine Chance: Es brauchte nicht groß eine Aktion, um Kinder auf das Programm aufmerksam zu machen. Die Aufmerksamkeit war allein schon vom „fremden Aussehen“ gegeben. Manchmal allerdings ist es auch ein Nachteil. Nämlich dann, wenn sich innerhalb weniger Minuten im ganzen Dorf herumspricht, dass die Weißen beim Fußballturnier verloren haben. 😀

Neben der Zeit mit den Kindern waren viele aus dem Team auch bei den Leiterschaftsschulungen involviert, die an zwei Orten angeboten wurden. Dafür kamen viele Jugendleiter und Jugendliche zusammen, um miteinander zu lernen und Zeit zu verbringen. Durch Vorträge, Gruppenarbeiten und weitere kreative Elemente wurden sie herausgefordert, ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten in Leiterschaft aber auch im persönlichen Leben wahrzunehmen und sich mit vollem Einsatz zu investieren. Natürlich wurden diese langen Workshop-Tage immer wieder durch Musik und Tanz unterbrochen. Denn was wäre ein Tag ohne Musik? Für unsere afrikanischen Freunde vermutlich kein schöner und gelungener Tag. 🙂 Diese Workshop-Tage waren auch Tage der Begegnung und Ermutigung. Denn es tut doch so gut zu wissen, dass wir als Kirche eine große Familie sind und an einem Strang ziehen.

Für mich waren es ganz bedeutende Momente, wenn im Gespräch die Grenzen der Kulturen gefallen sind und man nicht mehr die scheinbaren Unterschiede sah, sondern vielmehr das Herz des Gesprächspartners. Da sind jetzt nicht mehr länger die afrikanischen Frauen Jenny, Lucia, Mary und Pauline, die arm sind und eine andere Hautfarbe haben und keine Zalando-Pakete bekommen. Nein, da sind meine Freundinnen Jenny, Lucia, Mary und Pauline, die sich gerne schön kleiden, gerne mit Freundinnen lachen und plaudern, Träume haben, Sehnsüchte, mal einen guten und mal einen schlechten Tag haben, Ermutigung brauchen und Ermutigung weitergeben, mit mir ins Nagelstudio gehen und tolle Frisuren machen. Für mich waren es die schönsten Momente, wenn man Herzensbegegnungen hatte und einfach am Leben der anderen teilhaben konnte. Ungeschminkt, unfrisiert – echt.

Und dann gab es die Tage, an denen wir als Team auch mal handwerklich waren und gemeinsam mit unseren afrikanischen Freunden die Kirche innen und außen gestrichen haben. Und im Krankenhaus vor Ort geputzt und aufgeräumt haben. Da war der Spaß vorprogrammiert und es macht auch viel mit der Gruppe: Alle arbeiten gemeinsam für dieselbe Sache. Ganz egal ob Deutscher oder Tansanier – alle packen zusammen an und machen gemeinsam einen Unterschied. Irgendwo wird gesungen, irgendwo wird herzlich gelacht, geschrubbt, gestrichen, aufgeräumt, geputzt, gemalt. Und so dauerte es auch nicht lange, bis das Krankenhaus sauber und die Kirche gestrichen und geputzt war. Natürlich war es auch immer wieder spannend zu sehen, dass alles, was wir als Team gemacht haben, eine Außenwirkung auf das Dorf hatte. Es war halt viel los in der Kirche und das haben auch alle Nachbarn der Gemeinde mitbekommen. Und wer weiß – vielleicht kommt demnächst jemand auch dadurch in die Gemeinde?

Gerade der Abschied am Ende zeigte, wie sehr man einander ins Herz geschlossen hat – man wollte gar nicht mehr weg und irgendwie ist Tansania für unser Team auch Heimat geworden. Die Dankbarkeit und die Freude unserer lieben afrikanischen Freunde lag spürbar in der Luft. Sie haben offensichtlich stark von diesen beiden Wochen profitiert und da hat vermutlich jeder von ihnen ganz eigene Gedanken und Erlebnisse, die seine ganz persönlichen Highlights sind. Aber auch jeder aus dem Team ist persönlich durch diesen paXan-Einsatz gewachsen. Vielleicht durch die Tatsache, dass man seine europäische Komfort-Zone verlassen hat, in einer ganz neuen Kultur und auch Temperatur zurechtkommen musste, mit Krankheiten und Magenproblemen zu kämpfen hatte, in ganz neue Aufgaben reingegangen ist und getrennt war von der Familie und lieben Freunden. Oder auch einfach durch neue Erkenntnisse, persönliche unvergessliche Momente und neuen Freunden in Tansania.

Auch wenn die Reise zu Ende ist – die Eindrücke werden wohl noch lange in mir nachhallen. Sie haben mein Denken stückweise auf den Kopf gestellt und mich geprägt. Bin sehr dankbar für die Zeit. Bin sehr dankbar für Tansania.

 

© 2017 Nelli Bangert/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2016 Moldawien:
Ein Abend Leben

paXan 2016 Moldawien

Sie kauern am Fuß der Brücke, die über die Eisenbahngleise führt; kaum heben sie den Blick, wenn auf den Stufen Schritte erklingen, murmeln ein paar Worte und starren in ihre Hand, die ein paar wenige Münzen enthält. Andere sitzen im Hof hinter dem Obdachlosenheim, suchen unter Bäumen und in einer kleinen wackeligen Laube etwas Schutz vor der sengenden Hitze und warten darauf, dass der lange, leere Tag sich zu Ende neigt.

Ihre Gesellschaft hat sie längst vergessen. Im Obdachlosenheim erhalten sie ein Abendessen auf Blechtellern und einen Schlafplatz, wenn nötig medizinische Versorgung – weniger, als man einem Haustier bieten würde. Kaum einer sieht sie als Menschen an; kaum einer gönnt ihnen etwas, das sich „Leben“ nennen könnte. Sie wirken wie Statisten – Inventar des Bühnenbilds, vor dem sich der Alltag im Moldawien des einundzwanzigsten Jahrhunderts abspielt.

Aber jeder dieser Menschen hat einen Namen. Jeder hat eine Geschichte, eine Gegenwart – und eine Zukunft. Vitali Adolphowitsch, der mit seinem Kumpel, kriegsversehrter Veteran aus dem Afghanistan-Krieg, an der Brücke ausharrt und uns mit schwachen Handbewegungen verdeutlicht, dass man ihn in der Sowjetunion schon längst „beseitigt“ hätte. Marina, die liebevoll alle Pflanzen im Obdachlosenheim gießt und uns von ihrem Sohn erzählt, der auf dem Land Gemüse verkauft. Lucia, die immer ein Lächeln auf dem Gesicht hat und von einer Reise nach Italien träumt. Oder Valeri der Physiker, dem von einer Schweizer Firma sein Patent gestohlen wurde und der nun vor dem Obdachlosenheim in der Sonne sitzt und auf Schmierzetteln neue Automotoren entwickelt.

Einige dieser besonderen Menschen dürfen wir bei unserem paXan-Einsatz in Moldawien kennenlernen. Und ihnen das schenken, was ihre Gesellschaft und auch oft ihre Familien ihnen schon lange verwehrt: das Wissen, wertvolle und geliebte Menschen zu sein.

Es ist Samstagabend im Obdachlosenheim in Chişinău, Moldawien. Eine Woche lang hat unser paXan-Team aus 11 Jungerwachsenen sich mit ganzer Energie eingesetzt. Im ersten Stock wurden in drei Räumen Decken, Wände und Fensterbänke abgeschmirgelt, gespachtelt und in leuchtendem Rehabilitations-Gelb frisch gestrichen sowie in zwei Räumen und im Flur neuer PVC-Boden verlegt. Der Speisesaal im Erdgeschoss hat währenddessen eine Grundsanierung erhalten: Die Wand bei der Essensausgabe ist nun gefliest, vier neue Fenster sind eingesetzt und verputzt, alles ist frisch gestrichen, mit Leisten verziert und zum Schluss noch einmal ordentlich gesäubert. Jetzt erstrahlt der Raum in neuem Glanz und wartet darauf, in Kürze von Sergej und Irina, unseren „Kollegen“ vor Ort, als Räumlichkeit für verschiedene Dienste für die Menschen im Heim genutzt zu werden.

Aber noch ist es nicht so weit. Heute steht ein anderer Höhepunkt auf dem Programm. Viele Stunden haben wir uns darauf vorbereitet: ein hektischer Einkauf im moldauischen Supermarkt (durchaus eine Herausforderung, wenn man die Etiketten nicht lesen kann), drei Stunden Vorbereitung eines vortrefflichen Drei-Gänge-Menüs von unserem Chefkoch Dean, unterstützt durch das fleißige Küchenteam, während das Service-Team den frisch renovierten Speisesaal in ein Fünf-Sterne-Restaurant verwandelt hat: mit Tischdecken, Läufern, Servietten, Kerzen und Blumen liebevoll verzierte Tische, akkurat nach Knigge gedeckt mit ausgeliehenem Porzellan und Weingläsern, in denen selbstverständlich kein Alkohol serviert werden wird. Jetzt ist es kurz nach Acht; die Kerzen sind entzündet, sanfte Geigenmusik füllt den Raum und Küchen- und Service-Team stehen bereit.

Die Tür öffnet sich. Die erste Frau tritt ein. Ihr Lächeln zerfließt in sprachloses Erstaunen, das nach wenigen Augenblicken in ein noch strahlenderes Lächeln zerbricht. Weitere Frauen folgen, blicken ungläubig auf die Tische, durch den Raum, bleiben erst einmal fassungslos stehen. Erst nach ein paar Minuten trauen sie sich, ihre Plätze an den Tafeln einzunehmen, sitzen dann dort und raunen einander zu. Einer Frau rinnen die Tränen über das Gesicht.

Die Männer schreiten etwas forscher in den Speisesaal, scharen sich gemeinsam um einen Tisch und schauen uns erwartungsvoll an. Nach ein paar einladenden Worten von Simon, übersetzt von Irina, kann das Dinner beginnen. Den ersten Gang servieren wir noch an eher stillen Tischen. Aber schon bald löst das gute Essen die Zungen unserer Gäste. Fröhliche Unterhaltung füllt den Raum, während die Frauen und Männer das Essen genießen. An anderen Tagen wird die Abendmahlzeit sonst eher stumm eingenommen. Aber heute Abend erhellt eine zuversichtliche Gemeinschaft den Speisesaal, die das flackernde Kerzenlicht in den strahlenden Augen unserer Gäste noch übertrifft.

Auf die Vorspeise folgt der Hauptgang: Schweinebraten in Soße mit Gemüse. Eine Frau hilft ihrer Tischnachbarin, deren Hand verkrümmt ist, beim Schneiden des einmaligen Schmauses. Auch Solidarität und Hilfsbereitschaft sind Eigenschaften, die manchmal durch Not und Leid verkümmern – aber an diesem Abend erfahren die Obdachlosen so viel Liebe, dass sie großzügig davon weitergeben können. Bis das Dessert serviert wird, hat eine warme, herzliche Atmosphäre den Raum durchdrungen.

Lucia, die wir schon am Dienstagabend kennenlernen durften, als wir den Frauen des Heims eine Maniküre anboten, fasst ihre Freude und Dankbarkeit in Worte: “Ihr habt gesagt, dass ihr für den Samstagabend etwas Besonderes für uns geplant habt. Aber so etwas hatten wir nicht erwartet!” Und auch die anderen sind überwältigt: “So etwas hat noch nie jemand für uns getan. Wir werden es auch bestimmt nie wieder erleben – aber diesen einen Abend durften wir haben!”

Nach dem Dinner sitzen die Frauen noch lange in ihren Zimmern auf den Betten und reden aufgeregt über das Unerwartete, das Außerordentliche, das ihnen gerade widerfahren ist. Mit dabei ist eine ältere Frau, die sich bisher immer stumm und verschlossen im Hintergrund hielt und an nichts Interesse zeigte. Aber heute ist sie wie verwandelt: Freudig spricht sie mit ihren Zimmerkameradinnen, erzählt und hört zu und weiß plötzlich, dass diese Frauen wertvoll sind, wie auch sie selbst wertvoll ist.

Währenddessen sitzen wir als Team im nun leeren Speisesaal und lassen uns die Überreste des Dinners schmecken – müde und erschöpft, aber zufrieden und glücklich. Denn wir wissen, dass unser Einsatz absolut erfolgreich war. Für Irina und Sergej konnten wir eine Tür öffnen und Verbindungen knüpfen, die ihnen ermöglichen, mit den Obdachlosen nachhaltige Arbeit zu beginnen. Viele dieser Menschen sind alkoholabhängig, und daher möchte Sergej Anfang 2017 ein Rehabilitationszentrum gründen, von denen es in Moldawien – dem Land mit der höchsten Alkoholabhängigkeit weltweit – fast keine gibt. Darüber hinaus haben wir es geschafft, diesen Frauen und Männern, die ihre Gesellschaft kaum als Menschen akzeptiert, durch unsere Arbeit und das Dinner echte Wertschätzung zu vermitteln. Ein Abend, den sie nie vergessen werden: Für uns wäre das vielleicht nicht viel. Für diese Menschen aber ist es inmitten von Ohnmacht und Wertlosigkeit ein Abend Leben.

 

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paXan 2016 Philippinen

paXan 2016 Philippinen

paXan 2016 auf den Philippinen glich in so mancher Hinsicht einer kleinen Expedition, da wir unsere Zeit auf der schönen Hauptinsel in einer doch recht abgeschiedenen Gegend in der „Mountain Province“ verbrachten. So stand nach Ankunft in Manila erst einmal noch eine eigentlich fünfstündige Busfahrt an, die unsere Fahrerin aber innerhalb von vier Stunden zurücklegte (gut, dass es dunkel war). Schließlich kamen wir am Philippine Nazarene College (PNC) in Baguio an. Nach etwas Rast fuhren wir am nächsten Tag erneut zwei Stunden mit Vans in eine weitere Stadt, wo wir unseren Proviant für die nächsten Tage einkauften – einschließlich drei Säcken Reis und fünf lebenden Hühnern (so sind sie besser haltbar). Nachdem wir alle Einkäufe erledigt hatten, hieß es Aufsteigen auf die Ladefläche eines Gemüselasters, der uns in weiteren zwei Stunden über Schotterpisten nach Dengao, einem kleinen Bergdorf von etwa 150–200 Einwohnern, brachte.

Hier verbrachten wir die nächste Woche, in der wir gemeinsam mit den Menschen dort die Schule innen und außen (inklusive der Wellbleche auf dem Dach) und die Gemeinde (Dorfkirche) innen und außen strichen. Da die Gemeinde der größte Raum des Dorfes ist, wird sie neben Gottesdiensten auch für Schulunterricht und Versammlungen genutzt.

Da es im Dorf nur sehr wenige halbwegs hygienische Toiletten gab (um genau zu sein: eine), bauten wir auch noch zwei weitere Toiletten – eine für Herren und eine für Damen. Dies war auch insofern wichtig, da die Schule bisher keine Toiletten besaß. Und natürlich gab es auch wieder ein Programm mit den Kindern des Dorfes, die uns alle damit überraschten, wie schnell sie Deutsch lernten.

Aufgrund der täglichen Regenfälle am Nachmittag konnten wir leider das Toilettenhaus nicht mehr ganz fertigstellen, aber wir sind zuversichtlich, dass die Dorfmänner dies auch noch alleine meistern werden.

Nach einer Woche ging es dann mit einem kurzen Sightseeing-Stopp in Sagada zurück zum PNC nach Baguio. Hier mussten wir uns dann schon von zwei Teilnehmern verabschieden, die etwas früher zurückreisten. Der Rest des Teams verbrachte die restlichen Tage damit, einen Konferenzraum des Colleges zu streichen. Dieser sollte in neuem Glanz erstrahlen, da er in Zukunft auch für externe Gruppen für Sitzungen etc. vermietet werden soll und die Schule dadurch hofft, eine neue Einnahmequelle zu erschließen.

Dieser Einsatz war wahrscheinlich von allen paXan-Teams bisher der Einsatz, bei dem die Einheimischen am meisten im Projekt involviert waren. Besonders die Männer waren maßgeblich am Bau der Toilette beteiligt – wir halfen lediglich. Und es waren Männer, die harte Arbeit auf den Feldern gewohnt sind und daher auch tatsächlich ordentlich anpacken konnten. Wie schon auch in den vergangenen Jahren musste man sich also die Frage stellen: „Warum dorthin reisen?“

Gegen Ende des Einsatzes erhielten wir dieses Mal eine sehr interessante Antwort. Erst an einem unserer letzten Tage in Dengao wurde uns erzählt, dass die Dorfbewohner vor unserer Ankunft extra eine traditionelle Zeremonie abgehalten hatten, um sich vor uns und unserem schlechten Einfluss zu schützen. Dazu muss gesagt werden, dass in der Vergangenheit das Vertrauen der Menschen von westlichen Besuchern missbraucht wurde. So kam es auch, dass wir besonders beobachtet wurden.

Warum also dorthin reisen: um zu zeigen, dass man „diesen Christen“ durchaus vertrauen kann und sie vorbehaltlos helfen wollen, ohne eine weitere Agenda zu haben. Und von dem zu urteilen, was uns die Menschen dort zum Abschied gesagt haben, ist diese Botschaft durchaus angekommen.

Christoph Nick