Eine Vision wird Wirklichkeit

Wie das Straßenkinderzentrum „A-MI-4“ in Madagaskar Familien verändert

„Mauvais quatre mi“ – auf vier Arten schlecht – dieses französische Sprichwort wird in Madagaskar genutzt, um Straßenkinder zu beschreiben: ihr Zuhause, ihr Benehmen, ihre Sprache, ihren Auftritt.

„A-MI-4“ heißt dagegen das Straßenkinderzentrum, das unser örtlicher Partner 1997 mit 100 Kindern in Antananarivo begann: Ankizy (Kinder) – MIno (glauben) – MIanatra (lernen) – MItombo (wachsen) – MIkajy ny zony (ihre Rechte respektieren). Denn hier werden diese Kinder als wertvoll erachtet und erfahren nachhaltige Veränderung: „Dass die Leben dieser Kinder völlig verändert werden, das erhoffe ich mir – und nicht nur ihre eigenen Leben, sondern auch später die ihrer Kinder!“, so beschreibt Therese R., die das Zentrum von 1999 bis 2018 leitete, ihre Vision.

Eine Vision, die fast Unmögliches für möglich hält! Denn die Kinder kommen aus nicht sehr vielversprechenden Verhältnissen. Über 80% der Kinder kennen ihre Väter – wenn überhaupt – nur als Männer, die, grundsätzlich betrunken, immer mal vorbeikommen, um ein weiteres Kind in die bereits kinderreichen Familien zu setzen – und dann bleiben die Mütter alleine zurück und müssen sehen, wie sie den Nachwuchs am Leben erhalten. Chronische Unterernährung ist die Norm, sodass die Kinder ihr Leben lang unter Lernschwierigkeiten leiden.

„Straßenfamilien“ finden ein Zuhause

„Straßenfamilien“ wäre vielleicht der bessere Begriff, um das Umfeld dieser Kinder zu beschreiben. Nur ca. 10% sind Vollwaisen, aber die meisten Familien leben oder lebten ursprünglich auf der Straße. „Diese Familien haben keine Unterkunft“, berichtet Therese, „sie schlafen unter Brücken oder wo auch immer sie Zuflucht finden können, unter Plastik, in Kartons … Wir haben das Projekt mit diesen Kindern und ihren Familien begonnen. Und zuallererst haben wir ihnen beigebracht, nicht im Müll nach ihrer Nahrung zu suchen. Wir haben ihnen geholfen, Arbeit zu finden, zum Beispiel Wäsche waschen oder Wasser tragen. Und wir haben sie mit Grundstücksbesitzern vermittelt, die ihnen erlaubt haben, eine kleine Hütte aus Holz zu bauen und dem Besitzer für den Boden ein wenig Miete zu bezahlen. Innerhalb weniger Monate schliefen sie nicht mehr auf der Straße, sondern hatten ihr eigenes Dach überm Kopf, und haben das dann genutzt, um jeden Tag etwas Geld zu verdienen. Wir sehen so viel Unterschied in ihrem Leben! Wir haben uns auch weiterhin jeden Monat mit ihnen getroffen und sie gelehrt, ihre Probleme dort anzupacken, wo sie sind.“

Heute sind diese Familien keine „Straßenfamilien“ mehr. Aber sie sind immer noch sehr arm und schaffen es so gerade, mit ihrem mageren Einkommen die Familie über Wasser zu halten. Und dann sind da natürlich immer neue „Straßenfamilien“, um die das Zentrum sich kümmert, um ihnen zuerst eine Bleibe und dann eine Hoffnung für die Zukunft zu geben.

Ganzheitliche Förderung von Kindern und Familien

Diese Hoffnung sieht, mehr als 25 Jahre nach der Gründung, konkret so aus: Die Kinder (ab 6 Jahren) schlafen zwar bei ihren Familien, erhalten aber Frühstück und Mittagessen im Zentrum. Die Grundschüler (Klasse 1 bis 4) besuchen auch im Zentrum den Unterricht; von der 5. bis zur 9. Klasse besuchen sie eine öffentliche Schule, wenn möglich werden sie auch noch in der Oberstufe und Universität gefördert. Neben dem akademischen Unterricht lernen die Kinder auch Hygiene und Körperpflege (inkl. Wäsche waschen) und erhalten medizinische Fürsorge.  Ihre sozialen Fertigkeiten werden gefördert, auf dem großen Schulhof können sie Sport und Spiele machen, und sie erhalten moralische und geistliche Unterweisung. Mit den Eltern finden wöchentliche Treffen statt; die Lehrer und anderen Mitarbeiter werden durch regelmäßige Teamtreffen und Weiterbildungen gefördert.

Die Mitarbeiter des A-MI-4-Zentrums in Antananarivo sehen es als ihre Mission, „die ganzheitliche Entwicklung von Kindern zu fördern, die Grundrechte der Kinder zu schützen und zu verbessern“ und ihnen einen sicheren Ort zu geben, an dem sie sich geliebt fühlen – „damit sie in Zukunft ein besseres Leben führen können“. Dass sie dieses Ziel erreichen, und auch die Vision von Therese R. Wirklichkeit wird, dass zeigen die Erfolge: Inzwischen haben schon einige der Kinder eine Universitätsausbildung absolviert, sogar ein paar Masterabschlüsse waren dabei.

Zum Beispiel Mathieu*, den ein Mitarbeiter des Zentrums entdeckte, als er im Müll nach Essen suchte. Er konnte die Mutter überzeugen, den Zehnjährigen in die Schule zu schicken. Inzwischen hat er die Universität abgeschlossen, völlig verändert durch das A-MI-4-Zentrum.

Oder Raphael*, der erzählt: „Ich begann hier in der 1. Klasse; damals war ich 6. Meine Eltern sind verstorben. Gott hat mir durch das Street Kids Center eine Tür geöffnet, damit ich eine gute Ausbildung bekommen kann. Vor zwei Jahren habe ich meinen Abschluss gemacht und studiere jetzt an der Universität. Mein Leben hat sich durch das Zentrum wirklich verändert!“

Die meisten Kinder schaffen es zwar nicht so weit – durch die Mangelernährung im Kleinkindalter reichen ihre geistigen Fähigkeiten meist nur für den Abschluss in der 8. oder 9. Klasse, manchmal sogar weniger. „Aber selbst diejenigen, die die Schule nicht mit guten Noten abschließen, haben ein viel besseres Leben“, betont Therese. „Sie sind als Erwachsene viel bessere Eltern, sie verhalten sich besser, behandeln ihre Familien besser, finden Schulen für ihre Kinder und angemessene Arbeit für sich selbst.“

Nachhaltige Veränderung

Denn auch das gehört zur Vision von Therese und ihrem Mann Richard: „In diesem Zentrum möchten wir nicht einfach nur den Kindern etwas zu essen geben – wir wollen Eltern beibringen, wie sie selbst ihre Lebensmittel anbauen können.“ Im übertragenen Sinne heißt das, was auch wir als Helping Hands uns vorgenommen haben: wirkungsvoll helfen und nachhaltig verändern. Dann wird nicht nur ein negatives Sprichwort ins Positive umgewandelt, sondern Chancenlosigkeit spürbar in Hoffnung verwandelt.

 

Das Straßenkinderzentrum „A-MI-4“ finanziert sich vornehmlich durch Patenschaften. Zwischenzeitlich besuchten 380 Kinder das Zentrum; derzeit sind es aufgrund von fehlenden Paten nur 250. Helping Hands hat das Zentrum seit 2007 mit Patenschaften unterstützt (insgesamt ca. 35; derzeit werden 17 Patenkinder gefördert).

Gerne vermitteln wir weitere Patenschaften für Kinder aus „Straßenfamilien“ in Antananarivo, damit sie wie Mathieu und Raphael eine echte Chance für die Zukunft haben können! Kontaktieren Sie uns bitte für Details: kinder@helpinghandsev.org.

 

* Namen geändert

Der erste Schritt

Auch NES-Schüler sind von den Erdbeben betroffen

In Nordsyrien und der Türkei schwindet die Hoffnung auf Wunder unter den Trümmern. Fast 44.000 Todesopfer wurden inzwischen geborgen. Die Überlebenden kämpfen mit Hunger und Kälte, Krankheit und Schmerz. Manche Hilfsgütertransporte erreichen die betroffenen Gebiete, andere werden an der Grenze zurückgewiesen. Die Verzweiflung wächst.

Und auch außerhalb der am stärksten betroffenen Gebiete leiden Menschen unter den Folgen des Erdbebens. Viele der Schüler an der NES, unserem Partner in Beirut, wohnen in alten Gebäuden, die durch die Hafen-Explosion im August 2020 stark beschädigt wurden. Die Beben, die auch im Libanon alles erschütterten, haben diese Häuser noch unsicherer gemacht; mindestens eine Familie musste bei Verwandten unterkommen, weil ihr Gebäude nun einsturzgefährdet ist. Und auch die Schule selbst ist betroffen, da sie in Hafennähe liegt.

Ein neues Trauma

Aber am schlimmsten ist das wiederholte Trauma. Sara, Psychotherapeutin der NES-Schule, beschreibt:

„Seit der Explosion haben wir uns intensiv um die Kinder gekümmert, um das Trauma zu verarbeiten – die meisten Kinder leiden unter PTBS. Dann kam das Erdbeben und hat alles wieder hervorgeholt und ein neues Trauma ausgelöst.

Ein großes Problem ist, dass die Eltern selbst nicht gelernt haben, mit ihrer Angst umzugehen und ihre Gefühle auszudrücken. Aber natürlich spüren die Kinder die Angst ihrer Eltern. Die Tage nach dem Erdbeben saßen sie alle daheim, die Eltern waren ständig nervös, hatten Pass, Geld, Schlüssel bereit, um zu fliehen; der Fernseher war durchgehend an und die Kinder sahen die Zerstörung und wie Menschen aus den Trümmern gezogen wurden. Zuhause sollte ein sicherer Ort sein, aber die Kinder sehen, wie viel Angst ihre Eltern haben und nicht wissen, was sie tun sollen, das macht es für die Kinder noch schlimmer; sie sehen die Anspannung und können es nicht verarbeiten. Nachts können sie nicht schlafen, sie liegen da und warten, unentwegt, dass etwas noch Schlimmeres passiert.“

Wenn man die ersten Nächte nach den Beben durch Beirut fuhr, sah man an Straßenecken, unter Brücken, auf Parkplätzen zahlreiche Gruppen von Menschen, in Decken gehüllt gegen die Kälte, die Angst hatten, in ihren Wohnungen zu schlafen. Und noch immer sind Nachbeben in Beirut zu spüren, die dafür sorgen, dass die Angst tagtäglich präsent bleibt. Für viele Familien bringt das auch Erinnerungen hoch an Flucht und Furcht im Bürgerkrieg.

Die syrischen Schüler leiden am meisten

„Bei den syrischen Schülern sind die Auswirkungen stärker, das können wir sehen“, erläutert Sara. „In Syrien mussten sie schon einmal in ihren Schlafanzügen aus dem Haus rennen und sehen, wie es einstürzte, dann kamen sie in den Libanon und fühlten sich sicher, aber dann die Explosion, wieder mussten sie rennen, dann das Erdbeben, und wieder sind sie in ihren Schlafanzügen und rennen … Das Schlimme ist, dass die Eltern auch nicht wissen, wie sie auf die Angst ihrer Kinder reagieren sollen. Viele der Kinder haben Panikattacken, und die Eltern wissen nicht, wie sie damit umgehen können.“

Und es ist durchaus nicht nur eine Erinnerung, unter der die Kinder leiden. Einige Schüler der NES haben in den Erdbeben nahe Verwandte verloren – die meisten in Syrien, manche als Flüchtlinge in der Türkei. Raia* aus der 9. Klasse ist vor Jahren aus Syrien geflohen; in der Explosion starb ihr Schwager, seine Leiche wurde nie gefunden. Jetzt trauert sie über den Verlust von Onkel, Tanten und Cousins in Syrien. Maryam*, ebenfalls in der 9. Klasse, schreibt:

„Wir können nicht lernen, wir können kein Buch öffnen wegen dem Trauma, viele von uns schlafen nachts nicht, viele können nicht in ihrem Haus bleiben, weil das Gebäude so alt ist, manche von uns haben Familie in Syrien verloren, diese Zeit ist schrecklich für uns.“

Die NES: Eine Oase des Friedens

Und auch jetzt ist die NES-Schule eine Oase des Friedens im Chaos. Sie bietet den Kindern ein sicheres, fürsorgliches Umfeld, wo sie sich so angenommen fühlen, wie sie sind – mit all ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen. Sara, die Psychotherapeutin, Nissrine, die Krankenschwester, Josette, Verantwortliche für die Schüler, aber auch die Lehrer sind stets für die Kinder da, hören zu, geben Rat, unterstützen, wo sie können. Die Schüler sind sehr dankbar dafür und kommen selbst, um nach Rat zu fragen – „das ist sehr wichtig“, sagt Sara, „der erste Schritt zu einer besseren Zukunft.“

In den nächsten Wochen wird das Personal der NES-Schule sich intensiv darum kümmern, den Kindern wieder neuen Halt zu geben. Einerseits geschieht das durch regulären Schulunterricht, der in der derzeitigen verheerenden Wirtschaftskrise im Libanon alles andere als selbstverständlich ist. Andererseits steht – wieder einmal – Trauma-Seelsorge auf dem Programm, für die Kinder, aber auch für die Eltern. Darüber hinaus ist geplant, Kinder und Familien besser auf Katastrophen vorzubereiten, um gegen die ständige Angst und das Gefühl der Ohnmacht anzukämpfen. Zu diesen Präventionsmaßnahmen gehört auch, dass das Schulgebäude strukturell überprüft und ggf. saniert wird.

Der erste Schritt

Natürlich stehen für uns im Rahmen der Erdbeben-Not- und Wiederaufbauhilfe besonders die Menschen in Nordsyrien im Fokus, da dort noch am wenigsten Hilfe angekommen ist. Doch wenn möglich möchten wir auch im Libanon Maßnahmen zur langfristigen Heilung und Prävention fördern. Denn jedes Kind, das selbstbewusst und ohne Angst ins Morgen schauen kann, ist ein Schritt zu einer besseren Zukunft.

Wenn Sie uns und unsere Kollegen in Beirut darin unterstützen möchten, sowohl an der NES-Schule als auch in Nordsyrien Hoffnung für ein besseres Morgen zu schenken, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Hier hören und sehen Sie in einem Video-Bericht von der NES, wie die Erdbeben die Schüler betroffen haben.

Wem die Zukunft gehört

Reisebericht aus Khotang, Nepal

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“ (Eleanor Roosevelt)

So einfach ist es zwar meist nicht. Aber für Dorjeman nimmt diese Zukunft Form an. Denn Dorjeman hat einen Traum. Ein Traum, der auf den ersten Blick vielleicht lächerlich wirkt:

Das winzige Dorf Kurle, in dem Dorjeman lebt, ist nicht für Träume gemacht. Idyllisch mag es sein, so zwischen den nepalesischen „Hügeln“ gelegen, aber völlig abgeschieden – auf dem Weg hierher sind wir mehrere Stunden entlang schmaler Bergpfade geklettert. Strom gibt es keinen und die beruflichen Chancen sind mager. Schulkinder müssen ab der 5. Klasse entweder bei Verwandten unterkommen oder sieben bis acht Stunden zu Fuß laufen, täglich. Und es ist extrem trocken; obwohl das Dorf direkt am Sunkoshi-Fluss liegt, wirken die Felder eher wie Wüste, hier und da halten monströse Kakteen Wache über das verdorrte Gras.

Und hier möchte Dorjeman ein Marktzentrum etablieren? Denn das ist sein Traum: „Wir wollen hier einen Markt aufbauen, denn an diesem Punkt treffen drei Bezirke aufeinander. Und auf der anderen Seite des Flusses sind große Dörfer – seit zwei Jahren haben wir ja die Brücke. Wenn wir einen Markt schaffen, dann werden die Leute kommen und hier kaufen.“

Dorjemans Traum ist nicht nur Wunschdenken, sondern das erhoffte Ziel von harter Arbeit. Denn einiges hat sich schon getan in Kurle! Ende 2021, als das von Helping Hands und der deutschen Bundesregierung geförderte Dorfentwicklungsprogramm im Khotang-Bezirk begann, wurden auch in Kurle sieben Haushalte ausgewählt, an dem Projekt teilzunehmen. Mitte 2022 erhielten sie Zuchttiere, um ihr Einkommen zu verbessern.

Aber gemeinsam ist besser! In Kurle schlossen sich vier Haushalte zusammen, um gemeinsam eine Schweinefarm zu eröffnen – „Es ist nicht so einfach, alleine ein großes Unternehmen aufzubauen“, erklärt Dorjeman, „also haben wir beschlossen, uns zusammenzutun.“ Als die Schweine kamen, hatten Dorjeman, Babita, Sandip und Krishna bereits einen ziemlich beeindruckenden Stall für die Tiere gemauert. Siebzehn Schweine halten sie jetzt dort, in allen erdenklichen Formen und Farben, groß und klein, weiß, braun, schwarz, gefleckt … und in erstaunlich sauberer und artgerechter Umgebung. Ums Füttern und Sorgen kümmern sie sich abwechselnd; wenn ein Schwein verkauft wird, teilen sie sich den Gewinn.

Und das ist noch nicht alles! Denn ein Markt, auf dem nur Schweine verkauft werden, ist doch eher begrenzt. Deshalb hat Dorjeman noch viele andere gute Ideen. „Wir wollen auch eine Agro-Farm aufbauen und Gemüse für den Markt hinzufügen“, sagt er. Dafür zeigt er uns seine Gemüsefelder. Dort wachsen Tomaten üppig in einem adaptierten Folientunnel; auch Bananen, Salat, Rettich, Okra und Kürbisse kann er derzeit anbieten.

Zwar ist bisher die Bewässerung noch ein Problem. Obwohl der Fluss so nahe ist, ist die Gegend extrem trocken. Wiederholte Male wurde den Bewohnern ein Wasseranschluss per Rohr versprochen, aber nie umgesetzt; eine Pumpe für Flusswasser gibt es auch nicht. Doch im Rahmen unseres Projektes wurde allen teilnehmenden Haushalten eine Plastikplane für einen Teich gegeben, um Regenwasser und Abwasser zu sammeln. Das hilft schon sehr, denn im Teich können sich Verunreinigungen absetzen, sodass das Wasser sogar für eine Sprinkleranlage genutzt werden kann. Und als Folge unseres Besuches soll Rohranschluss an einen knapp zwei Kilometer entfernten Bach hergestellt werden, wodurch alle Haushalte mit genügend Wasser versorgt werden können. „Träume für unser Dorf?“, sagen sie, als wir fragen. „Ganz einfach: Strom, und ausreichende Bewässerung.“

Neben dem Gemüseanbau hat Dorjeman auch eine Hühnerfarm etabliert. In einem Stall tummeln sich 60 fünf-Tage-alte Küken, daneben stolzieren etwas ältere Masthähnchen herum. Bereits nach 45 Tagen können sie verkauft werden und bringen knapp 3 Euro pro Kilo ein.

Die Hühnerfarm hat Dorjeman auf eigene Kosten aufgebaut, nachdem er entsprechende Schulungen im Projekt besucht hat. Denn die Projektteilnehmer lernen nicht nur, wie sie ihre gewählte Viehzucht ertragreicher betreiben können, sondern erhalten Wissen zu jeglicher lokal relevanter Viehzucht sowie Gemüseanbau. Und das macht enorm viel aus!

„Bevor das Projekt angefangen hat, hatte ich gar keine Kenntnisse – ich hatte noch nie Schulungen besucht, nur eben etwas Erfahrung“, berichtet Dorjeman. „Die Schulungen sind sehr nützlich für mich. Zum Beispiel hatte ich vorher Tomaten angepflanzt, und sie sind alle eingegangen. Nach der Schulung hab ich sie nochmal anders gepflanzt und jetzt wachsen sie sehr gut! Alles, was wir lernen, ist hilfreich – wie ich mich richtig um das Vieh kümmere, das beste Futter; ich kann die Tiere jetzt sogar selbst behandeln, wenn sie krank sind. Vor dem Projekt hatte ich keine Ahnung über Viehzucht, Landwirtschaft, Gemüseanbau – aber jetzt weiß ich, wie all das erfolgreich umgesetzt werden kann!“

Eine ordentliche Portion Innovation, Fleiß, Kompetenz und Zuversicht – das ist der Stoff, aus dem Dorjemans Träume gemacht sind. Träume, die er auch eines Tages mit seinem zweijährigen Sohn teilen möchte – Jumsang heißt der Kleine, das bedeutet, „Sei bereit!“ Dorjemans Hoffnung für seinen Sohn ist so klar, wie sie einfach ist: „Wenn ich in diesen Gewerben gute Arbeit leiste, wird mein Sohn auch in das Geschäft einsteigen.“

Und auch das ist ja ein Ziel des Projektes: Dörfer so zu entwickeln, dass die Menschen vor Ort genügend zum Leben erwirtschaften können und nicht darauf angewiesen sind, für Gastarbeit ins Ausland zu gehen. Und natürlich auch, die Dörfer langfristig und nachhaltig zu entwickeln – nicht nur für ein paar Jahre, sondern für Generationen.

Dorjeman glaubt nicht nur an die Schönheit seiner Träume. Er setzt sie auch um – für Kurle und Khotang, und vor allem für die Zukunft – für seine Zukunft und für die Zukunft seines Sohnes Jumsang.

 

Das umfassende Dorfentwicklungsprojekt im Bezirk Khotang in Nepal wurde im Herbst 2021 begonnen und wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Der Bericht basiert auf einem Besuch unserer internationalen Geschäftsführerin im November 2022.

Um den finanziellen Eigenanteil des Projektes zu begleichen, benötigen wir noch Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „Nepal Khotang“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).

Weihnachtsfreude in Bulgarien

Damit Kinder in Vidrare weiter zur Schule gehen können

Mancher mag sich fragen, warum wir seit zwei Jahren keine Weihnachtspäckchen mehr nach Bulgarien senden. Das ist ganz einfach: Die jahrelange Päckchenaktion hat dort so einen Unterschied gemacht, dass die Menschen vor Ort nun selber den bedürftigen Familien in ihren Dörfern unter die Arme greifen. Unsere Kollegin vor Ort, Zhaneta Georgieva, berichtet von dieser begeisternden Entwicklung:

„Was den Dienst hier angeht, so ist es erstaunlich, was die Weihnachtspäckchen bewirkt haben. Sie haben den Menschen in unserer Gegend ein klares Beispiel dafür gegeben, wie man seine Nachbarn sieht und ihnen hilft. Gelobt sei Gott dafür, dass er die Herzen und den Verstand der Menschen geöffnet hat, damit sie beginnen, einander zu helfen und zu versuchen, Wege zu finden, ihr eigenes Leben zu ändern und zu verbessern.

Ich freue mich, dass dies nicht nur eine einmalige Aktion ist, sondern eine gute Gewohnheit wird. Vor zwei Wochen kam einer der reichsten Männer der Gemeinde auf mich zu und fragte, wie er helfen könne. Ich erzählte ihm, dass die meisten der Schulkinder keine guten Winterschuhe haben. Er beschloss, jedem Schüler ein Paar warme Winterschuhe zu kaufen, und jetzt haben wir glückliche Schüler, die mit warmen Füßen herumlaufen. Andere Leute boten an, Jacken und Lebensmittelpakete für die ärmsten älteren Menschen und Familien zu kaufen.

Ich bin wirklich dankbar für diese Entwicklung und preise Gott. Das macht alle Bemühungen wertvoll, und ich danke euch für euer Engagement und euren Fleiß bei allem, was ihr tut!“

Natürlich gibt es trotzdem noch den einen oder anderen Bedarf vor Ort, der mit einer lokalen Spende nicht unbedingt gedeckt werden kann. Deshalb hatten wir ja auch im Rahmen der Weihnachtspäckchenaktion um Spenden für ein zusätzliches „Weihnachtsfreude-Projekt“ in Bulgarien gebeten. Und dieses Projekt können wohl die meisten dieses Jahr gut nachvollziehen: Mittel werden benötigt, um die Schule in Vidrare weiter heizen zu können, damit die Kinder ihre Schulbildung nicht unterbrechen müssen. Zhaneta erklärt:

„Ein Bereich, in dem wir Hilfe brauchen, ist das Füllen des Propantanks zur Beheizung der Schule. Das Budget dafür ist begrenzt und reicht nicht für den gesamten Winter. Unser Ziel ist es, die Kinder in der Schule zu halten und nicht ins Internet zu gehen, denn das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Aufgrund der steigenden Benzinpreise hat die Regierung den Schulen geraten, auf Fernunterricht umzustellen, aber diese Form ist für unsere Schüler nicht geeignet. Zwei Drittel von ihnen haben zu Hause keinen Internetzugang, weil ihre Familien es sich nicht leisten können.  Wenn es also eine Möglichkeit gibt, bei den Heizkosten zu helfen, sind wir dankbar.“

Dank der großzügigen Spenden für unsere Weihnachtsaktion können wir noch vor Weihnachten die benötigten Mittel nach Bulgarien weiterleiten, damit dort weiter Schule stattfinden kann. Die Schule in Tarnava, die wir letztes Jahr ebenfalls bei den Heizkosten unterstützt hatten, hat bereits die nötigen Mittel erhalten.

Nachhaltige Veränderung – das können unsere bulgarischen Kollegen in vielen Bereichen beobachten. Dazu trägt unter anderem auch ein Theaterprojekt im Dorf Dzurovo bei, das wir durch regelmäßige Spenden in diesem Jahr unterstützen konnten. Am 29. Dezember findet dort eine große Theateraufführung statt – danach werden wir eine weitere „Geschichte der Veränderung“ erzählen.

„Euer Engagement ist ein wichtiger Teil einer positiven Entwicklung hier und ich kann euch nicht genug dafür danken!“ (Zhaneta)

„So möchten wir es unsern Kindern beibringen“

Integratives Kinderzentrum in Ghalegaun, Nepal, fördert „Tradition der Unterstützung anderer“

„Das ist eine wirklich große Veränderung für uns!“ Phulmaia steht in ihrem Gemüsegarten, zeigt stolz auf die üppig wachsenden Pflanzen, ihr Gesicht strahlt. „Vorher wussten wir gar nicht, wie man Gemüse richtig anbaut, und wir hatten nie genug – von den Nachbarn mussten wir was erbetteln. Jetzt haben wir mehr als genug Gemüse für die ganze Familie!“

Vor einem Jahr standen wir schon einmal in Phulmaias Garten; da hatte sie gerade eine Schulung zum Gemüseanbau besucht und den Garten ganz neu angelegt. Und schon damals war sie mächtig stolz auf ihren Acker! In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert:

Im Rahmen des Projektes, das Helping Hands e.V. in dem kleinen Bergdorf Ghalegaun im Osten Nepals gemeinsam mit dem örtlichen Partner NCM Nepal durchführt, werden, neben den Bildungszentren für Kinder, auch deren Familien gefördert, um das Einkommen und die Ernährungssicherheit zu verbessern. Wie genau diese Förderung eingesetzt wird, können die Familien selbst entscheiden.

Phulmaia und ihr Mann haben eine etwas ausgefallenere Lösung gefunden als die meisten Familien: Mehrere Schreinerwerkzeuge und Geräte haben sie gekauft. Denn Phulmaias Mann hat viel Erfahrung im Schreinerhandwerk, aber ohne die nötigen Werkzeuge bekam er selten Aufträge. Das ist jetzt anders: Durchschnittlich jeden zweiten Tag kann er an einem Möbelstück arbeiten oder beim Hausbau mithelfen. Damit verdient er ein für lokale Verhältnisse recht adäquates Einkommen. Gemeinsam mit den gesteigerten Erträgen aus Ackerbau und Viehzucht im kleinen Rahmen kann die Familie damit die wichtigsten Ausgaben im Haushalt begleichen.

Und noch anderes hat sich verändert:

In der Selbsthilfegruppe, in der jede teilnehmende Familie vertreten ist, findet ein reger Austausch statt. „Das ist wirklich hilfreich für uns, dass wir uns so gegenseitig bei verschiedenen Themen Rat geben können“, erklärt Phulmaia. „Wir arbeiten wirklich gut zusammen. Und wenn ich selbst etwas beitrage, dann hören die anderen mir zu und ich werde ernst genommen.“

Und dann ist da natürlich noch das Kinderzentrum, in dem ihr neunjähriger Sohn Jay die nötige Förderung bekommt, um einen ordentlichen Bildungsstand zu erreichen. „Das ist für uns so eine große Erleichterung! Ich wünsche mir ja, dass Jay eine gute Ausbildung bekommt und dass er einfach ein guter Mensch wird!“ Jay, den wir kurz vorher auf dem Weg zur Schule getroffen haben, macht den Eindruck, dass das durchaus ein erfüllbarer Wunsch ist: Wie seine Mutter strahlt er Freude und Zufriedenheit aus. Das Leben ist doch so schön!

Aber es hat auch Schattenseiten. Daran erinnern uns Bal Bahadur und Mattimaya, Phulmaias Eltern, die ein paar Minuten entfernt wohnen. Auch sie nehmen am Projekt teil, denn sie kümmern sich um zwei ihrer Enkeltöchter. Die Mutter ging vor einiger Zeit als Gastarbeiter ins Ausland und es besteht kein Kontakt mehr – leider keine Seltenheit in Nepal. Der Vater lebt als Gastarbeiter in der Großstadt und kümmert sich auch nicht um die Kinder.

Trotzdem sind die Großeltern zuversichtlich. Ihre Enkelinnen werden im Kinderzentrum nachhaltig gefördert. Und mit dem Startkapital, das durch das Projekt zur Verfügung gestellt wurde, hat das Ehepaar einen kleinen Laden aufgebaut. Das läuft inzwischen sehr gut; das Einkommen hilft, die Familie zu versorgen. „Wir hoffen, dass wir den Laden noch weiter ausbauen können“, erzählen sie, „sodass wir die traditionellen Jobs wie Ackerbau aufgeben können und Vollzeit-Ladenbesitzer sind. Wir werden ja jeden Tag älter … aber trotzdem hoffen wir, dass wir unsere Enkelinnen zu guten Bürgern machen können, dass sie gut gebildet sind und finanziell unabhängig!“

Vor knapp zwei Jahren hat das Projekt in Ghalegaun begonnen und jede Familie hat einiges zu berichten: darüber, was sich verändert hat, aber auch, welche Hoffnung für die Zukunft sie noch hegen. Im November haben wir einige von ihnen besucht:

Asha hat eine Kuh bekommen und verkauft nun die Milch. Sie hofft, das Milchgeschäft noch zu erweitern, damit sie in ihre eigene Hütte umziehen kann – derzeit wohnt sie noch bei Verwandten. Ihre zwei Töchter besuchen das Kinderzentrum, der Sohn ist erst ein Jahr alt. „Früher haben meine Mädchen in einigen Fächern versagt, aber jetzt haben sie überall gute Noten. Und ihre persönliche Hygiene hat sich auch verbessert!“

Nisha ist gut beschäftigt: Neben dem kleinen Laden hat sie auch eine Schweinezucht begonnen. Wenn die Schweine verkauft sind, möchte sie mit einem Teil des Erlöses den Laden erweitern. Denn sie hat eine rege Kundschaft: Weiter unten im Dorf gibt es keinen Laden mehr. Deshalb kommen alle zu ihr, um Öl und Mehl, Seife und Waschpulver, Kekse und Chips oder Getränke zu kaufen. In Schulungen hat sie gelernt, wie sie für ihre Kinder nahrhafte Mahlzeiten zubereitet – einmal pro Woche kocht sie nun „Jaulo“, ein besonders nahrhaftes Rezept mit lokalen Zutaten.

Ambar Bikram, ein schüchterner, wortkarger Mann, ist als Waise aufgewachsen. Er kann nicht lesen und schreiben und hat bisher nur Tagelöhnerarbeit geleistet. Aber jetzt hat er Hoffnung: Im Juli hat er eine Kuh bekommen; der Verkauf der Milch macht schon einen deutlichen finanziellen Unterschied. Dazu möchte er einen Zuchtbullen kaufen und das Geschäft ausbauen. Dann kann er seinen vier Töchtern mehr bieten, als er selber hatte: „Binu, meine Jüngste, besucht das Kinderzentrum. Ich wünsche mir, dass sie eine gute Bürgerin wird, wohlhabend, mit guten Kenntnissen und einer ordentlichen Ausbildung. Mal sehen, wie ich das schaffe und finanziell tragen kann.“

Sunita hat sich für eine Ziegenzucht entschieden. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten hofft sie, diese Zucht größer auszubauen und dafür auch weitere Schulungen zu besuchen. Über die Selbsthilfegruppe wurde eine Zuchtziege gekauft; das hilft den Mitgliedern der Gruppe, ihre eigenen Tiere besser zu züchten, sodass sie sie für höhere Preise verkaufen können.

Dil Bahadur, mit dem wir sprechen, weil seine Frau Manmaya gerade Futter für die neue Kuh sammelt, ist froh, dass er mit dem Einkommen vom Milchverkauf seine Darlehen abbezahlen kann. „Das sollten wir in sechs Monaten schaffen“, meint er, „dann sparen wir noch etwas länger und können dann hoffentlich ein halbes Jahr später eine weitere Kuh kaufen. So sieben oder acht Kühe in unserer Farm, das wäre toll.“ Von den vier Kindern ist nur der Jüngste im Kinderzentrum. „Wir haben große Träume für ihn – dass er Arzt wird, oder vielleicht Ingenieur. Dafür haben wir natürlich nicht das nötige Geld, daher möchten wir ihm einfach eine gute Ausbildung ermöglichen – so viel eben, wie wir können.“

Kabita und Suman haben einen Laden eröffnet, sehr günstig nahe der Schule gelegen. Deshalb kochen sie auch sechsmal pro Woche die nahrhafte Mahlzeit fürs Kinderzentrum; bei Feierlichkeiten im Dorf verkaufen sie Snacks und Tee. Natürlich haben auch sie viele Ideen, wie sie das Geschäft noch erweitern können. Dabei geht es ihnen vor allem darum, für die Ausbildung der Kinder genug zu verdienen: Die älteste Tochter ist bereits im Internat für die Oberstufe; das kostet Geld. „Wir möchten, dass sie unabhängig werden“, sagt Suman. „Das ist herausfordernd, weil gute Bildung teuer ist.“ Doch in Sachen Bildung macht das Kinderzentrum schon einen entscheidenden Unterschied: „Früher wollten die Dorfkinder nicht so recht in die Schule gehen“, erinnert Kabita sich. „Aber das Kinderzentrum finden sie toll. Und sie bestehen darauf, dass sie hingehen dürfen, auch wenn die Eltern stattdessen Arbeit für sie hätten.“

Und dann ist da noch Shanti, die wir ebenfalls schon im November 2021 getroffen haben. Ihr Garten läuft hervorragend – oft gibt sie Gemüse an Nachbarn ab, weil die Familie genug hat. Die gekaufte Kuh gibt relativ viel Milch – momentan etwas weniger, weil es kalt geworden ist – und vom Erlös kann Shanti ganz gut die Haushaltsausgaben begleichen: Kleidung, weitere Lebensmittel und anderes. Natürlich möchte sie noch einiges verbessern: mehr Kühe kaufen, mit einem „Tunnel“ aus Plastikplane auch im Winter Gemüse anbauen können, die Bildung der Kinder weiter fördern. Auch Shanti selbst hat einiges gelernt in mehreren Schulungen, „das versuche ich, in allen Aspekten umzusetzen und das neue Wissen einzusetzen!“

Und wie Phulmaia strahlt sie Freude und Zufriedenheit aus, und auch eine große Portion Zuversicht: „Ich hoffe, diese Aktivitäten gehen noch ein paar Jahre weiter“, erwähnt sie zum Schluss, „das wäre sehr hilfreich, denn dann können wir es alles selbst weiterführen.“

Unterstützt werden die Projektfamilien in diesem Plan vom Komitee der Selbsthilfegruppe, bestehend aus Vorstand und vier weiteren Mitgliedern. Obwohl diese Personen alle selbst Projektteilnehmer sind, setzen sie sich unermüdlich ehrenamtlich ein, um die Maßnahmen zum Erfolg zu bringen. Zahlreiche Schulungen haben sie schon koordiniert und machen täglich Hausbesuche um zu sehen und zu ermutigen, ob das Gelernte auch umgesetzt wird und wo nötig weiteren Input zu geben. Bisher scheint das sehr gut zu funktionieren: „Die meisten setzen die Schulungen um“, berichten die drei Mitglieder des Vorstands, mit denen wir uns an einem Nachmittag zusammensetzen, „und wenn nicht, dann besuchen wir sie und ermutigen, das Wissen, das sie in den Schulungen erhalten haben, auch einzusetzen.“ Für die Selbsthilfegruppe haben sie gemeinsam Regeln erstellt; eventuelle Konflikte löst das Komitee. „Wir besprechen auch, welche Aktivitäten gut laufen oder nicht so gut, und dann konzentrieren wir uns auf die guten.“

Natürlich wird das alles innerhalb der Gruppe abgesprochen, denn Selbsthilfegruppen funktionieren gerade dann gut, wenn die Mitglieder sich gemeinsam für die Zukunft einsetzen. „Wenn wir alle gut zusammenarbeiten, dann können wir die Gruppe zum Wohlstand führen!“, betont der Schriftführer. „Denn wir wollen das Programm natürlich weiterführen! Dafür bilden wir jetzt eine Grundlage: durch Zinsen in der Gruppe, Erwerbstätigkeiten in den Haushalten. Wir als Vorstand sind bereit, unser Dorf auf diesem Weg zu leiten.“

„Wir haben eine Vision“, erklärt der 1. Vorsitzende. „Die Vision, dass unsere Kinder gut ausgebildet sind und die Selbsthilfegruppe stark ist und finanziell und an Wissen gewonnen hat. Dass wir finanziell selbsttragend sind und unser Wissen auch an andere Dörfer weitergeben!“ Und der Kassierer fügt noch hinzu:

„So wie ihr, Helping Hands und NCM Nepal, uns jetzt unterstützt, so möchten wir es unseren Kindern beibringen: dass auch sie andere unterstützen und eine echte ‚Tradition der Unterstützung‘ anderer Menschen und anderer Dörfer entsteht.“

 

Das integrative Kinderzentrum wurde im Januar 2021 in den Dörfern Ithung und Ghalegaun nahe Phidim im östlichen Nepal begonnen. Berichte zum Bildungsaspekt des Kinderzentrums sowie zu den Maßnahmen in Ithung folgen in Kürze.

Um das integrative Kinderzentrum bis zur finanziellen Unabhängigkeit zu begleiten, benötigen wir noch dringend finanzielle Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „integrative Kinderzentren Nepal“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).

„Vor Ort hat sich schon einiges verändert“

Franzi Huth berichtet aus Nepal

Ankunft und erste Eindrücke

An einem sonnigen Dienstagnachmittag erreichen wir nach einer sechsstündigen Fahrt endlich Tuwachung, eine ländliche Gemeinde im Osten Nepals. Die Gegend liegt inmitten einer bergigen Landschaft, wie sie in vielen Regionen des Landes zu finden ist. Das kleine “Zentrum”, das eher als idyllische Siedlung bezeichnet werden kann, ist umgeben von Bergen und Wäldern, die wiederum mehrere kleine Dörfer beheimaten. Wir erreichen das Zentrum über eine etwas wackelige Brücke, die die einzige Zufahrtsmöglichkeit nach Tuwachung darstellt. Sie führt über einen reißenden Fluss, der die Gemeinde vom Rest der Region trennt.

Besucht ist die Gegend nur sehr selten, in erster Linie wird sie als Zwischenstopp für durchreisende Touristen genutzt, was an den kleinen Cafés sowie dem Hostel direkt am Ortseingang unschwer zu erkennen ist. Zudem befinden sich einige kleinere Shops, die Ähnlichkeiten zu Kiosks in deutschen Städten aufweisen, direkt an der Hauptstraße.

Die Umgebung wirkt wie einem Landschaftskalender entsprungen, die idyllische Brücke über dem Fluss und die umliegenden Berge und Wälder machen die malerische Kulisse perfekt. Trotzdem kann sie über die Armut, die schnell und überall deutlich erkennbar wird, nicht hinwegtäuschen. Die notdürftig gezimmerten Hütten, provisorisch wirkende Ställe und die spärlich gekleideten Kinder zeigen ein deutliches Bild von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation in Tuwachung.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur in diesen doch sehr ländlichen, abgeschiedenen Dörfern beschränkt sich das Arbeitsangebot fast vollständig auf lokale Landwirtschaft. Somit widmen sich die meisten der Dorfbewohner dem Anbau von Getreide und Gemüse oder auch dem Züchten von Nutztieren. Letztere sind in den Dörfern an jeder Ecke zu finden, neben den unübersehbaren Büffeln und Ziegen läuft einem auch schnell mal eine Henne mit ihren Küken oder eine Gänsefamilie über den Weg. Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden zu einem großen Teil selbst verbraucht, untereinander wird oft getauscht. Wer ein paar Hühner hält, kann beispielsweise Eier abgeben und bekommt dafür Mais, Hirse oder Kartoffeln. Darüber hinaus berichten viele Bewohner von ihrem Wunsch, ihre Produkte auch in Kathmandu zu verkaufen, wo sich lokale Erzeugnisse großer Beliebtheit erfreuen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich dessen angenommen und möchte mit sogenannten Income-Generating-Activities (IGAs) helfen, doch dazu später mehr. Zunächst einmal ein allgemeiner Blick auf die Bevölkerung: Diese besteht fast ausschließlich aus Hindus, die zudem der gleichen Kaste angehören. Somit kommt es in Tuwachung – im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Nepals – nur sehr selten zu religiösen Konflikten. Auffallend ist darüber hinaus die Demografie und die große Menge an Kindern, die in den Dörfern leben. In so ziemlich jedem Haushalt leben mehrere, die meisten von ihnen noch ziemlich jung.

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit dem BMZ

Wie bereits angedeutet, fördert das BMZ unterschiedliche Projekte in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. Die in erster Linie finanzielle Unterstützung erfolgt in der Regel nach erfolgreicher Bewerbung einer deutschen Organisation, bzw. eines Vereins. Im Fall von Tuwachung war dieser Verein Helping Hands e. V., der die Dorfgemeinschaft erfolgreich für ein potenzielles Entwicklungsprojekt vorschlug und dafür Fördergelder des Ministeriums erhielt. Die finanzielle Unterstützung kann ganz unterschiedlich eingesetzt werden, in Tuwachung werden davon unter anderem beispielsweise Nutztiere gekauft, um ausgewählten Haushalten eigenständiges Wirtschaften zu ermöglichen, getreu dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe”. Auch ein Wasserauffangbecken wurde auf Kosten des Projekts eingerichtet, um die Bewässerung der Felder auch in Dürrezeiten zu sichern. Zudem nahm sich die Kooperation des dürftigen Gesundheitssystems vor Ort an und beschloss unter anderem, Entwurmungskuren an die Bevölkerung – insbesondere an Kinder – zu verteilen. Diese Kuren sind relativ kostengünstig und einfach zu beschaffen, haben jedoch eine verhältnismäßig große Wirkung für die Gesundheit der Bewohner. Bereits 2008 wurde ihr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis im Rahmen des Kopenhagener Konsens betont und wird seit jeher als beliebtes Ernährungsprogramm in Projekten des Globalen Südens eingesetzt.

Bisher kleinere Teilerfolge

Seitdem das Projekt in Kooperation mit dem BMZ vor einem Jahr startete, hat sich vor Ort einiges verändert. Bereits jetzt deuten sich erste Erfolge der Zusammenarbeit an. So zum Beispiel sehen einige Bewohner einem Rückgang in der Kinderarbeit, die noch heute vermehrt in vielen ländlichen Gebieten Nepals auftritt. Das Projekt unterstützt die lokale Schulbildung finanziell, indem es die Schulgebühren sowie verschiedene Materialien wie Schulranzen, Blöcke oder Stifte zur Verfügung stellt. Die Wirkung dessen ist bereits jetzt erkennbar: Kinder besuchen die Schule nun deutlich länger als noch vor einem Jahr, als der Großteil der Schüler nach der 6. oder 7. Klasse die Schule abbrechen und in der Landwirtschaft arbeiten musste. Heute sieht das Ganze anders aus: Über 90% der 12–15-Jährigen besuchen die lokale Schule, die meisten von ihnen streben darüber hinaus eine Einschreibung in der nächstgelegenen High School an. Die positive Entwicklung ist vermutlich nicht zuletzt auf die Bemühungen des Projekts zurückzuführen, das Familien die Bedeutung von Bildung nahebringt und sie finanziell in diesem Vorhaben unterstützt.

Doch nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern können von den Bildungsprogrammen des Ministeriums profitieren: In sogenannten “Self Help Groups” (SHGs) schließen sie sich mit jeweils 24 weiteren Dorfbewohnern zusammen, um gemeinsam zu sparen. Monatlich wird ein kleiner Teil des – zugegebenermaßen zumeist bescheidenen – Einkommens gespart und anschließend an ein ausgewähltes SHG-Mitglied ausgezahlt. Meistens wird das Geld, ähnlich wie ein Kredit, als Startkapital verwendet, um beispielsweise einen kleinen Shop zu eröffnen oder Tiere für die Landwirtschaft zu kaufen. Im Laufe der nächsten Monate wird das Geld Stück für Stück an die Gruppe zurückgezahlt, inklusive Zinsen. Ziel ist hierbei, den einzelnen Gruppenmitgliedern den Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und somit – ganz im Sinne der “Hilfe zur Selbsthilfe“ – ein Stück weit finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein klassischer Mikrokredit, unterscheidet sich von diesem einerseits durch seine Informalität, vor allem aber darin, dass die Gruppenmitglieder nicht von einem Kreditinstitut in Abhängigkeit gebracht werden, sondern die Gruppengelder selbstbestimmt verwalten und damit auch das Potenzial entfalten, die weitere Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand zu nehmen.

Ergänzt werden die SHGs mit sogenannten „Income Generating Activities” (IGAs), die in erster Linie aus Schulungen im Umgang mit Finanzen bestehen. Was zunächst aufwändig und umfangreich klingt, wird in der Praxis relativ einfach umgesetzt: Ein Experte aus der Finanzbranche (hierbei ist es den Initiatoren besonders wichtig, dass es sich um einen „local“, also einen Nepalesen, handelt) besucht auf Kosten des Projekts das Dorf und unterrichtet interessierte Bewohner in Grundlagen der Haus- und Betriebswirtschaft. Somit lernen sie, einen eigenen Laden möglichst effizient zu führen oder landwirtschaftliche Erzeugnisse gewinnbringend zu verkaufen. Insbesondere jetzt, wo einige Dorfbewohner den Wunsch äußern, ihr Gemüse und Getreide in Kathmandu zu verkaufen, könnten die IGAs eine entscheidende Unterstützung darstellen.

Langfristige Wirkung schwer absehbar

Bei all den positiven ersten Eindrücken muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Projekt – Stand heute – erst ca. ein Jahr alt ist. Im Oktober 2021 wurde es quasi inmitten der Corona-Pandemie etabliert. Diese nahm zwar auf den ersten Blick keinen großen Einfluss darauf, trotzdem zeigt sie uns, wie fragil die globale Entwicklung ist und wie schnell entsprechende Fortschritte verloren gehen können. Dies wurde während der letzten zweieinhalb Jahre nicht nur in verschiedenen Gegenden Nepals, sondern auch in vielen weiteren Regionen dieser Welt spürbar deutlich. Aufgrund dessen sind die sich abzeichnenden Erfolge zunächst einmal mit Vorsicht zu genießen. Die langfristigen Auswirkungen des Projekts vor Ort sind derzeit einfach noch nicht abschließend feststellbar, dies wird letztlich die Zeit zeigen.

Jedoch sind das Programm und die Unterstützung des BMZ durchaus jetzt schon als sinnvoll zu betrachten, und zwar nicht nur aufgrund der einzelnen Fortschritte individueller Bewohner. Die wirtschaftliche und somit auch gesellschaftliche Situation vor Ort ist noch immer prekär: Derzeit leben etwa drei Viertel der örtlichen Bevölkerung unterhalb der offiziellen, nepalesischen Armutsgrenze. Hierfür gibt es einen einleuchtenden Erklärungsansatz: das heimische Bildungswesen. Bildung wurde in den vergangenen Jahren oft vernachlässigt, da Schüler als unterstützende Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt wurden. Nun sind Schulbesuche jedoch innerhalb eines Jahres sichtbar angestiegen, was vermutlich nicht zuletzt auf die finanzielle Unterstützung des Projekts zurückzuführen ist. Doch das Projekt unterstützt Familien noch auf einem weiteren Weg: Indem Eltern mit Hilfe der IGAs die Bedeutsamkeit von Bildung und Schulabschlüssen für den Austritt aus der Armut nähergebracht wird, wächst deren Eigeninteresse an einem möglichst ausgeprägten Bildungsweg für ihre Kinder.

Noch bleibt einiges zu tun

Trotz bisheriger Anstrengungen und sichtbarer Erfolge bleibt noch vieles offen. Ein Spaziergang durch die umliegenden Dörfer legt insbesondere ein Problem unmissverständlich dar: der regionale Umgang mit Abfall, der keinen größeren Gegensatz zu unserer typisch deutschen Mülltrennung aufweisen könnte. Überall liegen leere Plastikwasserflaschen, Müllbeutel und Verpackungsreste auf dem Boden, kreuz und quer auf den Feldwegen und im umliegenden Gestrüpp.

Doch nicht nur immer größer werdende Müllberge stellen ein (potenzielles) Problem für die Gemeinde dar. Darüber hinaus fehlt es in vielen Haushalten noch immer an Elektrizität, was natürlich in erster Linie auf die mangelnde Infrastruktur in der ländlichen Gemeinde zurückzuführen ist. Was für die Bewohner tagsüber nur bedingt ein Hindernis darstellt, wird abends, nach Anbruch der Dunkelheit, durchaus problematisch. Die fehlende Elektrizität führt zum Mangel an elektrischem Licht, vom Internet ganz zu schweigen. Obwohl das BMZ immer wieder die Bedeutsamkeit von Bildung für nachhaltige Entwicklung betont, scheint dies doch ein bedeutsames Hindernis für das Lesen und Lernen zu sein.

Ein weiteres Problem zeigt sich schnell bei einer Führung durch eines der Dörfer, nur wenige Kilometer außerhalb des Gemeindezentrums. Stolz zeigen uns die Bewohner ein eher provisorisch wirkendes Wasserauffangbecken, das das Projekt ihnen bereitstellt. Hierin wird Regenwasser gesammelt, um während der Dürreperioden, die in der Gegend häufig auftreten, Wasser zur notwendigsten Versorgung verfügbar zu haben. Schnell wird jedoch klar, dass diese Becken nicht einmal annähernd genug Wasser sammeln können, um die umliegenden Agrarflächen zu bewirtschaften. Die Region ist jedoch abhängig von effizienter Landwirtschaft und ihrer Erzeugnisse.

Bei unserem Besuch in Tuwachung wird also schnell klar, noch bleibt einiges zu tun. Das Projekt in Kooperation mit dem BMZ ist auf insgesamt dreieinhalb Jahre angesetzt, eines davon ist bereits vergangen. Die bisherige Entwicklung bestätigt den Erfolg der bisherigen Herangehensweise, Universallösung aller Probleme vor Ort ist sie jedoch nicht. Inwieweit die Unterstützung des Ministeriums nachhaltige Entwicklung für die Region und positive Veränderungen für ihre Bewohner bringt, wird sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre abschließend zeigen.

 

Franzi Huth absolvierte im Rahmen ihres Master-Studiengangs in Development Studies von August bis Oktober 2022 ein Praktikum bei unserem Partner NCM Nepal. Dabei konnte sie auch zwei von Helping Hands geförderte Projekte besuchen und evaluieren.

Anmerkung: Das beschriebene Projekt in Tuwachung liegt im Bezirk Khotang; in früheren Berichten zu diesem Projekt wurde diese Ortsangabe verwendet.

 

Nur noch 5%!

Schulen in Vidrare und Tarnava, Bulgarien, feiern Erfolge

Welch ein Erfolg!

Seit zwanzig Jahren arbeitet unser örtlicher Partner in Bulgarien mit der Dorfschule in Vidrare zusammen. Damals lag der Anteil der Kinder, die die Schule abbrechen, bei 60%. Die meisten Kinder kommen aus sehr schwierigen Verhältnissen, leiden unter großer Armut, werden von zuhause kaum gefördert, manche leben in den Bergen um Vidrare und müssen schon vor der Schule bei der Arbeit helfen.

Nach zwanzig Jahren unermüdlichen Einsatzes – u.a. durch Beratung, individuelle Förderung und viele, viele Hausbesuche – ist die Schulabbruchrate im letzten Schuljahr auf 5% gesunken. Die Schulleitung hofft, diesen Prozentsatz im kommenden Schuljahr auf 0% zu senken.

Derzeit ist die Schule in Vidrare ein Zuhause für 50 Roma-Kinder der Klassen 4 bis 7, die aus fünf verschiedenen Orten kommen. Die Schule bietet Essen für alle und Unterkunft für diejenigen, die aus anderen Dörfern kommen. Außerdem gibt es zusätzliche Hilfe für die gefährdeten Familien, einschließlich psychologischer Beratung und sozialer Unterstützung. Während der Covid-19-Pandemie wurde die Schule zu einer Drehscheibe für die Sammlung und Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung aus der gesamten Region für die Bedürftigen.

Seit einigen Jahren kümmert sich Zhana, Leiterin unseres örtlichen Partners, auch um eine zweite Schule in der Region, in der Kleinstadt Tarnava nahe der rumänischen Grenze. Sie berichtet:

„Die Schule in Tarnava hat Schüler aus zwei Dörfern – Tarnava und Altimir – und hat insgesamt 160 Kinder. 90 Prozent von ihnen stammen aus Roma-Familien. Das Leben der Schule ist eng mit dem Dorfleben verbunden. Die Kinder werden in alle Aktivitäten der Gemeinschaft einbezogen, was dazu beiträgt, ihre Begabungen und Talente zu entdecken und zu entwickeln und ein gutes Selbstwertgefühl aufzubauen. Die meisten Schüler leben in zwei getrennten Roma-Vierteln, und die Teilnahme am Gemeinschaftsleben ist der Ort, an dem sich beide Kulturen (die der Roma und die der Bulgaren) begegnen, wo sie Erfahrungen sammeln und sich gegenseitig wertschätzen lernen.

Die Schule bietet Frühstück und Mittagessen für alle Kinder an. Außerdem bietet die Schule den Kindern auch viele Möglichkeiten für Aktivitäten nach der Schule, wie z. B. den „Young Lady“-Club, traditionelle und moderne Tänze, den Schachclub, den Souvenirclub, den „Young Chefs“-Club usw.  Die Schule bietet auch zusätzliche Klassen für die bulgarische Sprache und Mathematik an. Wie der Direktor der Schule erklärt hat, ist es sein Ziel, „Kindern die Möglichkeit zu geben, ihr Potenzial unabhängig von ihrer aktuellen Situation zu entwickeln.“

Viele der Absolventen setzen ihre Ausbildung fort, und in den letzten Jahren haben viele von ihnen ein Hochschulstudium abgeschlossen. Zwei von ihnen sind jetzt Lehrer an der Schule.“

An diesen großartigen Entwicklungen durften auch Sie beteiligt sein! Durch Ihre Spenden über Helping Hands konnten über die Jahre schon viele kleine oder größere Projekte an beiden Schulen gefördert werden.

Die finanzielle Unterstützung im Rahmen des letzten Weihnachtstransportes wurde für das Heizungsprogramm in den Grundschulen in Vidrare und Tarnava verwendet. Die Spende wurde auf beide Schulen aufgeteilt und für den Kauf von Paletten (Tarnava) und Propan (Vidrare) für die Heizungsanlagen der Schulen verwendet.

Zhana schreibt:  „Beide Gemeinden, in Vidrare und Tarnava, möchten Ihnen für Ihre Hilfe und Ihr Engagement in ihrem Leben danken. Wir sind davon überzeugt, dass alle Bemühungen, Kindern zu helfen und sie zu unterstützen, nicht nur eine Investition in die Zukunft sind.  Wir sehen bereits jetzt verschiedene Gemeinschaften, die sich gegenseitig akzeptieren und versuchen, einander zu verstehen, und die auch zusammen leben. Wir danken Ihnen für Ihre Investition und Ihr großzügiges Herz!

 

Foto: Schüler in Vidrare bei einer kulturellen Veranstaltung.

Ayana will Ärztin werden

Im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, erhalten Schüler in der Arche-Schule eine echte Chance

Während Familien in Deutschland sich so langsam auf die Sommerferien freuen, sind die Arche-Schulkinder und ihre Lehrer in Kenia noch so richtig im Stress. Denn durch die Lockdowns hatten sie zweieinhalb Trimester („Terms“) Unterricht verpasst; das versucht die Schulbehörde alles wieder aufzuholen und hat pro Jahr ein weiteres Trimester eingeschoben und alles etwas gestaucht, sodass mehr Lernmaterial in weniger Zeit vermittelt werden soll. Dadurch begann das neue Schuljahr nicht im Januar, sondern im April, soll aber trotzdem bis Anfang November fertig sein – mit nur zweimal einer Woche Ferien. Ganz schön anstrengend!

Trotzdem sind alle froh, dass sie endlich wieder „normal“ in die Schule gehen dürfen. Anfangs noch mit Maske und Abstand – dafür wurden in den Schulhof der Arche Container gestellt, um mehr Raum zu haben; die Masken – für jede Klasse eine andere Farbe – wurden nachmittags in der Schule gewaschen und aufgehängt, sodass sie am nächsten Morgen wieder neu benutzt werden konnten. Inzwischen ist der Unterricht wieder ohne Maske möglich und in den gewohnten Klassenräumen. Nur die Zelte und Container stehen noch, da die Schule weitere 100 Kinder aus dem Kariobangi-Slum aufgenommen hat.

Im März gab es endlich wieder eine Absolvierungsfeier – welch ein Fest! Die Achtklässler freuten sich, dass sie nach den schweren Prüfungen so richtig feiern konnten; die Kindergartenkinder, die nun in die 1. Klasse aufrücken, marschierten stolz in ihren Roben auf die Bühne, die unter einem großen Zelt auf der neugepflasterten Straße vor der Schule aufgebaut worden war. Auch die Klassenfahrt der 8. Klasse in den Nairobi Nationalpark konnte wieder stattfinden – die Achtklässler des letzten Jahres wurden mit eingeladen – sowie die Freizeit, zu der traditionell alle „Highschooler“ eingeladen sind.

Aber auch wenn alle froh sind, dass der Unterricht wieder regulär stattfindet – das bringt auch Sorgen mit sich. Denn die Eltern konnten schon für drei „Terms“ kaum das Schulgeld aufbringen, für vier ist das den meisten geradezu unmöglich. Das Leben in den Slums wurde durch die Pandemie noch mehr zum Überlebenskampf, denn der Großteil der ohnehin dürftigen Einnahmequellen brach weg. Keine Touristen bedeutet keine Käufer für Schnitzereien und Handarbeiten auf den Massai-Märkten, keine Jobs in Hotels, kaum Abnehmer für Agrarprodukte … „Manche Familien sind so am Ende“, beschreibt unser örtlicher Partner die Lage.

Vor einigen Monaten haben wir das Helping Hands Patenschaftsprogramm auf die Arche-Schule in Nairobi ausgeweitet und die ersten Patenschaften vermittelt. Und gerade jetzt gibt es noch so viele Kinder und Familien, die dringend Unterstützung brauchen!

Eine davon ist Ayana*. Sie wohnt bei ihrer Tante und Onkel und drei älteren Cousinen. Geboren wurde sie in Äthiopien, wo ihre Mutter noch lebt. Doch nachdem der Vater starb, wurde die junge Mutter gezwungen, einen viel älteren Mann zu heiraten. Der mochte Ayana nicht und zwang die Tante, sie nach Kenia mitzunehmen.

Seit einigen Jahren besucht Ayana nun die Arche-Schule. Sie ist eine sehr gute Schülerin und hat vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften hervorragende Noten – Ärztin möchte sie einmal werden. „Wir sind guter Zuversicht“, sagt Bentina, ihre Schulleiterin, „dass sie diesen Traum auch verwirklichen kann, wenn sie weiter so gut lernt!“ Auch im sozialen Bereich zeichnet sie sich aus; bei Lehrern und Kameraden ist sie sehr beliebt und wurde zur Leiterin der Schülervertretung gewählt. Ihre Stärken sind besonders Schauspiel und Debatte; „sie kann Diskussionsgruppen sehr gut leiten, und zeigt wirkliche Reife in allen Bereichen“, lobt Bentina.

Doch wie bei vielen anderen Schülern steht Ayanas Familie vor großen Herausforderungen. Bentina berichtet: „Sie leben in einer Mietswohnung mit zwei Zimmern. Mit dem wenigen Geld, das ihr Onkel als Gelegenheitsarbeiter verdient, kann er kaum die Schulgebühren für seine eigenen Kinder bezahlen, die Grundbedürfnisse befriedigen und außerdem noch für Ayana sorgen.

Als Arche-Schulteam haben wir uns die Zeit genommen, die Familie zu Hause zu besuchen. Wir haben gesehen, in welch schlimmem Zustand die Familie ist. Sie können sich nicht mal jeden Tag eine Mahlzeit leisten. Deshalb sind wir überzeugt, dass Ayana wirklich Unterstützung für ihre Schulbildung braucht!“

Bald wird Ayana in eine Highschool außerhalb des Kariobangi-Slums aufrücken und ihrem Traum, einmal Ärztin zu werden, einen Schritt näher kommen – aber nur, wenn sich eine Möglichkeit findet, die hohen Schulgebühren zu begleichen. Und hunderte jüngere Kinder, die noch einige Jahre an der Arche-Schule vor sich haben, hoffen ebenso auf die Chance, ihren Traum für eine gute Schulbildung und einen „richtigen“ Beruf zu verwirklichen.

Wenn Sie durch eine Patenschaft dazu beitragen möchten, dass Ayana und ihre Kameraden und Kameradinnen diese Chance erhalten, dann kontaktieren Sie uns bitte oder füllen das Online-Formular aus (bei Region „Afrika“ wählen). Natürlich hilft auch eine einmalige oder monatliche Spende – dann bitte in der Online-Spende „Arche-Schule (Kenia)“ auswählen oder mit diesem Vermerk auf das Konto von Helping Hands e.V. überweisen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

 

* Name geändert

Genug Geld ist nicht alles

Das Schechem-Home auf den Philippinen schenkt Kindern und Familien die Chance auf einen Neuanfang

Danilo* lebt seit einiger Zeit im „Schechem Home“. Anfangs machte der Elfjährige den Mitarbeitern viel Sorgen. Nicht nur hatte er Schwierigkeiten sich zu konzentrieren oder überhaupt mal stillzuhalten, er griff auch die anderen Kinder an, boxte sie oder brüllte Schimpfwörter. Wenn er spielte, handelten seine Spiele immer von Krieg und Totschlag.

Und das hat Gründe. Viele Jahre lebte Danilo ständig unter Angst, fühlte sich nie sicher. Vor allem seine Mutter misshandelte ihn, oft auch der Vater. „Wenn ich daran denke, bin ich ganz traurig“, sagt er, „und ich vermisse meine Tante, die mir immer geholfen hat. Ich mach mir Sorgen um sie, dass meine Eltern sie vielleicht bedrohen.“

Danilo ist eines der Kinder, die aus einer OSEC-Situation (online sexual exploitation of children) befreit und ins Schechem-Home in Manila, Philippinen, gebracht wurden. Dort hat er für eine Zeitlang eine Heimat und eine neue Familie gefunden. Über mehrere Monate hinweg wird ihm durch verschiedene Therapien geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. Und das hat schon einen großen Unterschied gemacht. Zwar fängt er immer noch ab und zu eine Rauferei an oder zieht sich in eine Ecke zurück, um zu weinen – so ein Trauma ist eben nicht in ein paar Therapiestunden beseitigt. Aber meist ist er freundlich und ausgeglichen, und auch seine Spiele drehen sich nun um ein positives Thema, wie der Therapeut berichtet: „Meist geht es nun um seine Erfahrungen, nachdem er und seine Geschwister nach Schechem gebracht wurden – also um eine Zeit, in der er viel Freude erfahren durfte. Er kann jetzt seine Geschichte viel befreiter erzählen.“

Auch um andere Bedürfnisse kümmert sich Schechem: zum Beispiel lernen die Kinder bessere Hygiene und Ordnung und werden im akademischen Bereich gefördert. „Ich habe hier lesen und schreiben gelernt“, erzählt Danilo, „das konnte ich nämlich vorher noch nicht.“

Zurzeit wohnen 12 „befreite“ Kinder zwischen 0 und 17 Jahren im Schechem-Home; regelmäßig kommen neue hinzu. Neben allen Grundbedürfnissen inklusive Schulbildung stehen vor allem auch ihre psychosozialen Bedürfnisse im Mittelpunkt, und für jedes Kind wird ein individuelles Therapieprogramm ausgearbeitet. Dazu gehört unter anderem eine wöchentliche Einzeltherapiestunde, tägliche Förderung durch die Hauseltern sowie einmal pro Woche eine spielbasierte kognitive Therapie in der Gruppe. Auch andere Aktivitäten haben heilende Funktion: zum Beispiel pflanzen vier Geschwister gerne Gemüse in dem kleinen Garten des Hauses und freuen sich gemeinsam darüber, wie das Gemüse wächst, wodurch sich ihre Geschwisterbeziehung deutlich verbessert hat, denn vorher waren sie sich eher fremd.

Bevor es für ein Kind Zeit wird, das Schechem-Home zu verlassen, wird intensiv geprüft, welche Situation für das Kind am sichersten und förderlichsten ist. Manchmal muss ein Kind mit starken psychischen Einschränkungen in eine längerfristige Einrichtung für weitere therapeutische Behandlung überwiesen werden. Oft können andere Verwandte gefunden werden, zum Beispiel Großeltern, Onkel und Tanten, oder auch eine Pflegefamilie, die dem Kind ein sicheres Zuhause bieten.

Und immer wieder können die Kinder auch nach Hause zurück, weil die Eltern gelernt haben, ihr Kind richtig zu schützen. „Wir dachten, genügend Geld zu verdienen, damit alle unsere Kinder versorgt sind, ist das einzig wirklich wichtige für unsere Kinder“, erklärt eine Familie, die an Schulungen von Schechem teilgenommen hat. „Aber jetzt wissen wir, dass Sicherheit für die Kinder genauso wichtig ist. Dass wir als Familie zusammenhalten und mehr auf die Gefühle der Kinder achten und sie unterstützen. Genug Geld für den Lebensunterhalt zu haben ist nicht das einzige, was zählt!“

Auch die Familie von Andrea* ist bereit für einen Neuanfang. Vor einigen Wochen kamen sie in Schechem zu Besuch, machten verschiedene therapeutische Aufgaben zusammen und führten viele Gespräche, um die Familiensituation zu klären. Als Andrea von ihrem Vater die allererste Umarmung bekam, brach sie in Tränen aus.

Wo Danilos Zuhause in Zukunft sein wird, ist noch nicht geklärt. Aber dank Schechem hat er gelernt, mit traumatischen Erfahrungen und Erinnerungen umzugehen, und geht mit viel mehr Selbstbewusstsein und „Life Skills“ in seine Teenager-Jahre und in eine Zukunft, die nicht maßgeblich von den negativen Aspekten seiner Vergangenheit geprägt sein muss.

 

Das Schechem-Home ist unser Jahresprojekt 2022. Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Jahresprojekt 2022“ oder „Schechem Home“ (hier geht’s zur Online-Spende).

* Name geändert

Nicht mehr bei Null anfangen

Familien in Mongla im südwestlichen Küstengebiets Bangladesch kämpfen gegen die Folgen des Klimawandels

„Sehen Sie, hier, wo es feucht ist, bis dahin kommt das Wasser, wenn die Flut ihren höchsten Pegel erreicht hat.“

Wir stehen vor einer armseligen Hütte, errichtet aus getrockneten Gräsern und Palmblättern, der Boden festgetretene Erde. Ein altes Fischernetz ist über das Strohdach gespannt, damit in dem oft heftigen Wind nichts davonweht. An der Außenwand stehen ein paar Töpfe und Eimer, an Seilen flattern Kleider zum Trocknen. Keine zwei Meter vor der Türschwelle wird der Lehmboden auf einmal feucht: die Hochwasserkante, die den Hüttenbewohnern kaum genug Raum bietet, bei Flut ihren Eingang zu erreichen. Einen Meter weiter bricht das Flussufer jäh ab – mürbe, vom Wasser ausgefressen, nur ein paar Wurzeln halten den Lehm zusammen. Dahinter erstreckt sich, nach ein paar Metern Schlamm, der Pashur-Fluss, breit wie ein See, bedrohlich wie das Meer selbst.

„Früher war mein Haus da draußen“, erklärt Sukanta, dem die Hütte gehört, und er zeigt einige Bootslängen auf den offenen Fluss hinaus, wo sich das trübe Wasser träge im Wind kräuselt. „Aber das Flussufer ist immer weiter eingebrochen, also hab ich die Hütte weiter ins Land gebaut. Das war vor ein paar Jahren – da war der Fluss noch weit weg von hier.“

Warum er denn überhaupt hier baut, fragen wir.

„Ich besitze kein Land“, sagt er. „Ich habe keine andere Wahl.“

Ein Häuschen direkt am Flussufer, wo die sanft anrollenden Wellen einen abends in den Schlaf flüstern  – wie idyllisch klingt das in unseren Ohren! Für die Menschen in Chila und Chandpai im Bezirk Mongla im südwestlichen Bangladesch ist es eher lebensbedrohlich.

Denn da sind nicht nur die immer weiter ins Land drückenden Wellen aus der Bucht von Bengalen, die die Flussufer zerfressen wie Säure. Seit der Klimawandel weltweit das Wetter verrückt macht, werden Gebiete wie Mongla immer häufiger von verheerenden Wirbelstürmen heimgesucht, die nicht nur sintflutartigen Regen und orkanstarken Wind mit sich bringen, sondern auch baumhohe Flutwellen, denen Hütten wie die von Sukanta nicht standhalten können.

„Im letzten schlimmen Zyklon, dem Amphan, ist alles zusammengestürzt und fortgeschwemmt worden“, berichtet Sukanta. „Aber ich bin das gewöhnt – 33 Jahre bin ich jetzt alt, und ich kann mich erinnern, dass es seit meiner Kindheit bei jedem Wirbelsturm so war … und ich hab viele Wirbelstürme erlebt!“

Wie die anderen Menschen dieser Gegend hat Sukanta eine beeindruckende Unbeugsamkeit – den Mut, wieder und wieder neu anzufangen, auch wenn man alles verloren hat. Trotzdem – für seine Familie wünscht er sich etwas anderes, für seine Frau und die zwei Söhne, 9 Jahre und 9 Monate alt.

„Als beim letzten Wirbelsturm die Warnsignale kamen, hab ich sie geschnappt und zum nächstgelegenen Zyklon-Schutzraum gebracht“, erinnert er sich. „Dann bin ich zu unserer Hütte zurückgerannt, um auf unsere Sachen aufzupassen. Ich dachte nicht, dass das Wasser so weit kommen würde. Trotzdem habe ich vorsichtshalber alles in Päckchen verpackt – wir haben ja nicht viel. Als das Wasser dann doch kam, hab ich alles zur Straße geschleppt und da aufgestapelt. Und dann ist das Haus zusammengebrochen.“

Die Straße – eigentlich verdient sie diesen Namen nicht. Ein paar Ziegel und festgetretener Lehm, oben auf dem brüchigen Damm, gerade breit genug, dass zwei Motorräder aneinander vorbeikommen. Bei Überschwemmungen leben oft ganze Familien tage- oder gar wochenlang auf diesem schmalen Streifen Erde, während rechts und links das Wasser schwappt und man sich nie ganz sicher ist, ob es diese letzte Zuflucht nicht auch noch unter sich begräbt.

„Ich hatte Glück.“ Sukanta ist mit seiner Geschichte noch nicht fertig. „Es ist hier zwar alles weggeschwemmt worden, aber nur ein kurzes Stück. Nach dem Wirbelsturm, als das Wasser zurückgegangen war, konnte ich die Einzelteile wieder einsammeln – Holzpfosten und so. Dann hab ich erstmal eine provisorische Unterkunft gebaut, wo wir als Familie wohnen konnten. Und danach haben wir Nachbarn uns alle gegenseitig geholfen, unsere Häuser wiederaufzubauen. Das machen wir immer so.“

Den Mut, nach solch einer Katastrophe wieder bei Null anzufangen – das haben die Menschen in Mongla jedenfalls. Aber das muss nicht sein! Sicherlich – den Klimawandel und die daraus resultierenden Naturkatastrophen können Sukanta und seine Nachbarn nicht stoppen; hier sind andere gefragt, ihren Teil dazu beizutragen. Aber durch die richtigen Vorsorgemaßnahmen können Familien und Kommunen dafür sorgen, dass der Schaden nicht so groß ausfällt. Und durch Bewusstseinsbildung in bestimmten Bereichen und ein erhöhtes Einkommen können Menschen „Resilienz“ aufbauen, sodass sie und ihr Eigentum weniger gefährdet sind und nach der nächsten Katastrophe eben nicht ganz unten bei Null anfangen müssen.

„Mein größter Wunsch ist, dass ich ein besseres Haus für meine Familie an einem sicheren Ort bauen kann“, sagt Sukanta. „Aber dafür verdiene ich nicht genug.“ Als Fischer auf dem Fluss arbeitet er, an sich schon ein harter Job mit geringem Ertrag, aber neue Verordnungen der Regierung machen die Arbeit immer schwerer. Manchmal fischt er nachts, um der Küstenwache zu entkommen, aber das ist gefährlich. „Wenn ich nur die Möglichkeit bekommen würde durch dieses Projekt, von dem ihr redet, ein höheres Einkommen zu verdienen – das würde mir und meiner Familie immens helfen.“

Den mehr als 5000 bedürftigsten Familien in Chila und Chandpai ein besseres und vor allem durchgehendes Einkommen zu ermöglichen … sie darin zu unterstützen, ihre Lebensgrundlagen an die Klimawandelsituation anzupassen … ihre Haushalte und Dörfer so auf Katastrophen vorzubereiten, dass möglichst wenig an Menschenleben oder Hab und Gut verlorengeht … sie zu motivieren und auszurüsten, sodass sie ihre sozioökonomische Entwicklung selbst in die Hand nehmen können – das sind nur ein paar der Ziele, die sich unsere Kollegen für das Klimawandel-Projekt in Mongla gesteckt haben. Seit Oktober 2021 engagiert sich unser Partner in diesem umfassenden Projekt, das noch bis Frühjahr 2025 andauern wird. Und schon jetzt zeichnet sich die Hoffnung auf den Gesichtern der Projektteilnehmer ab.

Geht dein älterer Sohn zur Schule? fragen wir noch, bevor wir uns von Sukanta verabschieden.

„Ja“, sagt er nur. Aber man liest sie in seinem Gesicht: all die Träume, die er für seine Söhne hegt, die hoffnungsvollen Erwartungen – dass sie ihr Leben nicht damit zubringen werden, vor dem heranrückenden Flussufer zu fliehen, dass sie Notlagen zuversichtlich ins Auge schauen können, weil sie nicht nur den Mut, sondern auch die Ressourcen haben, dort weiterzumachen, wo der Sturm sie unterbrochen hat: und dass sie dann nicht mehr bei Null anfangen müssen.

 

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.