Wirkungsbeobachtung: Umfassende Dorfentwicklung in Khotang, Nepal

Seit Herbst 2021 unterstützen wir mit Förderung der Bundesregierung (BMZ) im Bezirk Khotang in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt. Dieses Projekt wird eng von uns begleitet und  jedes Jahr in einer etwa zehntägigen Projektbetreuungsreise das gesamte Projektgebiet und zahlreiche Haushalte besucht (etwa 25% aller Haushalte pro Reise); zusätzlich finden umfassende Gespräche mit dem Projektpersonal vor Ort sowie mit dem Personal unseres Partners im Hauptbüro statt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Beobachtungen und Gespräche ist, den Projektverlauf zu evaluieren und aufgrund der Beobachtungen Angleichungen vorzunehmen, sodass die Projektziele besser erreicht werden können.

Folgend sind einige Beispiele von Beobachtungen und Erkenntnissen sowie die Umsetzung der daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Gemüsegärten
2022 wurde beobachtet, dass nur wenige Familien das Gelernte aus den Schulungen umgesetzt hatten. Daraufhin beschloss der Partner vor Ort, jeden Haushalt zweimal pro Monat zu besuchen und sie besonders zu ermutigen, ihre Gärten gemäß der verbesserten Methoden anzulegen. 2023 konnte hier schon eine deutliche Änderung beobachtet werden; inzwischen sind viele Gärten ordentlich angelegt und bringen höheren Ertrag.

Bewässerung
In fünf von neun Gebieten der sechs Dörfer ist die Bewässerung kein Problem; jedoch ist in den Dörfern bzw. Gebieten Upper Bahuntar, Ninglam, Jhapa und Kurle durchgehender Zugang zu Wasser eine große Herausforderung. Verschiedene Lösungen wurden hier ausprobiert: Die Haushalte werden ermutigt, die Wasserspeicher-Teiche abzudecken, damit weniger Wasser verdunstet; dies wird erst teilweise umgesetzt (allerdings ist ein zusätzliches Problem hier, dass in abgedeckten Teichen eher Dengue-Mücken brüten, daher sollten nur Teiche abgedeckt werden, in denen auch Fische gehalten werden). Außerdem werden die Haushalte weiterhin ermutigt, Abwasser nicht wegzukippen, sondern für Beete zu benutzen. Zusätzlich wurden im Rahmen eines Änderungsantrags für Jhapa, Upper Bahuntar und Ninglam größere Regentonnen als Wasserspeicher genehmigt, die im Sommer 2024 verteilt wurden; inwiefern dadurch das Bewässerungsproblem gelöst ist, wird sich noch zeigen. Für Kurle wird derzeit ein Wasserleitsystem von einem nahegelegenen Bach installiert.

Sicherheitsaspekte
2022 wurde beobachtet, dass die Wasserspeicher-Teiche besonders für kleine Kinder und Tiere eine große Gefahr bilden, da sie nicht umzäunt sind. Die Haushalte wurden ermutigt, solch einen Zaun zu installieren; bis Herbst 2023 hatten etwa 25% der Haushalte ihre Teiche und Gemüsegärten umzäunt. Ein weiteres Sicherheitsthema, das 2022 angesprochen wurde, war Bewusstsein über Erdbeben, Feuer, Erdrutsche u.ä. Der Partner hat dieses Thema in den Unterricht der Kinderzentren mit aufgenommen und wird es noch vermehrt in Selbsthilfegruppen und Hausbesuchen ansprechen.

Müllentsorgung
Auch dieses Thema wurde 2022 angesprochen, da es bisher wenig Bewusstsein für Müllentsorgung gibt. Seitdem wurde folgendes umgesetzt: in den Kinderzentren wird adäquate Müllentsorgung gelehrt; in Hausbesuchen wird das Thema angesprochen; das Projektpersonal geht mit gutem Beispiel voran. Noch umgesetzt werden soll: in den Kinderzentren oder an zentraler Stelle sollte eine große Tonne als Sammelstelle errichtet werden (und mit der Kommunalverwaltung geklärt, wie diese Tonne geleert wird); das Thema der kommunalen Müllentsorgung soll mit Selbsthilfegruppen und lokalen Führungspersönlichkeiten erörtert werden.

Verbesserte Viehzucht
Im Bereich der Viehzucht wurden verschiedene aus Beobachtungen abgeleitete Maßnahmen bereits umgesetzt. Einerseits hatten bisher wenige Haushalte begonnen, bessere Rassen zu züchten; dieses Thema wurde angesprochen und inzwischen haben zahlreiche Haushalte Zuchttiere gekauft (dies geschieht allerdings langsamer in größeren Höhenlagen, da die Zuchttiere dort das Klima nicht vertragen – daher werden hier Kreuzungen vorgenommen). Eine Überlegung, Ziegen nicht nur für Fleischproduktion, sondern auch für Milch und Käse zu nutzen, wurde aus kulturellen Gründen abgelehnt. Eine Herausforderung in 2022 war die Gesundheit der Tiere und technisches Monitoring bzw. Zugang zu einem Tierarzt. Dies wird nun von einem als Tierarzt ausgebildeten Projektteilnehmer ehrenamtlich übernommen; im Rahmen des Änderungsantrags konnten außerdem pro Selbsthilfegruppe ein Gerät für Kastration gekauft werden. Zusätzlich haben vermehrt Familien ihre Tiere versichert; dies soll noch weiter in Hausbesuchen angesprochen werden, da durch plötzliche Erkrankungen wie Schweinepest oder Unfälle immer noch einige Haushalte ihr Vieh verlieren (die Versicherung zahlt 90% des Wertes).

Unterricht in den Kinderzentren
Verschiedene Aspekte wurden 2022 angesprochen: z.B. kreativer Unterricht und bessere Materialien, Classroom Management, Sauberhalten von Büchern, Taschen, Kleidung etc. Einige dieser Aspekte wurden in einer mehrtägigen Schulung für alle Kinderzentren-Lehrer unseres Partners in Nepal im Januar 2024 angesprochen, an der auch das relevante Projektpersonal aus Khotang teilnahm.

Feedback und Beteiligung der Zielgruppe
Die Zielgruppe sollte die Möglichkeit haben, sich voll an der Projektkonzeption zu beteiligen und jederzeit ihr Feedback zu Maßnahmen und dem weiteren Projektverlauf geben zu können. Ursprünglich war die Idee, an verschiedenen Orten einen „Beschwerdebriefkasten“ aufzuhängen, in denen die Projektteilnehmer ihr Feedback einwerfen können. Stattdessen wurde eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der alle Haushalte Kommentare hinterlassen können, sowie eine Messenger-Gruppe für die Selbsthilfegruppenleiter. Darüber hinaus haben die meisten Projektteilnehmer die Handynummer des Projektpersonals und können sich jederzeit mit Fragen und Anregungen an sie wenden.

Das Projekt in Khotang geht nun ins letzte Projektjahr; im Rahmen einer Projektreise im November 2024 wird weiter beobachtet, welche Wirkungen erzielt wurden und wo noch Angleichungen notwendig sind.

Warum wir keine Weihnachtspäckchen mehr verschicken?!

Sie wollen wissen, warum wir mit unserer langjährigen Tradition aufhören und zu Weihnachten keine gesammelten Päckchen mehr verschicken? In diesem kurzen Video nennen wir unseren Grund. Vielleicht überrascht er Sie ja?!

Sie möchten darüberhinaus wissen, wie Sie trotzdem noch aktiv mitmachen können? Auch darauf gibt es im Video eine Antwort.

Piluwas Zukunft nimmt Form an

Integratives Kinderzentrum jetzt im vierten Jahr

„Das ist meine Kuh ‚Mali‘ – und ich bin ihre Mutter!“ Roti Maya lacht übers ganze Gesicht, während sie ihrer Kuh über den breiten Rücken streicht. „Sie versteht alles, was ich sage. Wenn sie brüllt und ich ihren Namen rufe, dann beruhigt sie sich. Ich liebe sie sehr!“ Sie hebt einige Blätter auf, entfernt die harten Stiele, hält dem Tier das Grün hin. „Durch unser Projekt hatte ich acht junge Büffel bekommen. Einen hat leider ein Tiger gerissen. Aber die anderen hab ich großgezogen und verkauft, und dann diese Milchkuh und drei Ziegen gekauft.“ Ein oder zwei Liter Milch spart sie täglich für ihre Kinder auf, der Rest wird verkauft. Mit diesem Einkommen kann Roti Maya eine gute Ausbildung für die Kinder bezahlen; bald ist auch genügend gespart für eine zweite Kuh. „Die hab ich auch schon kennengelernt, und bald gehört sie mir!“ erzählt Roti Maya lachend.

Ein geregeltes Einkommen, Ertrag von Viehzucht und Küchengärten für eine bessere Ernährung, eine ordentliche Ausbildung für die Kinder – das sind nur ein paar der Ziele des integrativen Kinderzentrums in Piluwa in der südlichen Ebene Nepals. Dabei beinhaltet die Förderung der Kinder neben Hausaufgabenhilfe auch das nötige Schulmaterial, nahrhafte Mahlzeiten, Hygiene und alles was sie sonst noch brauchen, um sich ganzheitlich positiv zu entwickeln. Die Förderung der Familien hat zum Ziel, dass das Einkommen so verbessert wird, dass sie langfristig für ihre Kinder besser sorgen können – durch Selbsthilfegruppen, verbesserten Gemüseanbau, verbesserte Viehzucht oder alternative Einkommenserwerbe: wie zum Beispiel der kleine Laden von Chandramaya, in dem die Großmutter so ziemlich alles anbietet, was man hier im Alltag braucht, von Puffreis über Zahnbürsten bis hin zu Batterien.

Inzwischen ist das Projekt im vierten Jahr, und daher konnten schon viele Veränderungen beobachtet werden. Wenn man von Haus zu Haus geht, Läden und Teestuben erkundet, Ziegen, Büffel und Schweine trifft und vor allem viele motivierte Mütter, Großmütter und Väter kennenlernt, dann besteht bald kein Zweifel: Piluwas Zukunft nimmt Form an!

Das gilt auch für Samjhana. Als ihr Mann sie verließ, wusste Samjhana nicht, wie sie alleine für ihren kleinen Sohn und die Eltern sorgen sollte. Sie begann, mit einer kleinen fahrbaren Teestube aus Holz ein geringes Einkommen zu verdienen. Das ging ein paar Jahre so. In der Selbsthilfegruppe fand sie viel Unterstützung und erhielt schließlich aus der Gruppe ein Darlehen zu einem guten Zinssatz. Mit diesem Geld und dem Einkommen aus der Teestube konnte sie ein richtiges kleines Haus aus Beton bauen, dass sie als Gasthaus führt; „Hotel“ nennt sie es. Jetzt kann sie jeden Tag einen kleinen Betrag sparen, und hat noch große Pläne für die Zukunft: „Dieses Geschäft macht mir viel Spaß. Ich möchte das Hotel noch erweitern und eine weitere kleine Hütte mit Gästezimmern bauen und Übernachtungen anbieten. Und natürlich möchte ich sparen für die Ausbildung meines Sohnes, und auch für Gesundheitsvorsorge.“ Mit ihrem Einkommen kann sie Sohn und Eltern gut ernähren. „Ich wünsche mir, dass es für meinen Sohn mal einfacher sein wird als für mich. Ich bin überzeugt, dass er sich zu einem guten Menschen entwickeln und viel erreichen wird.“

Direkt gegenüber von Samjhanas Gasthaus ist das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet. Jeden Morgen und jeden Nachmittag erschallt die Gegend von Kinderlachen – die meisten Kinder kommen zweimal am Tag, so wohl fühlen sie sich hier. Die zwei Lehrer kümmern sich hingebungsvoll um jedes Kind; inzwischen kommen auch einige ältere Kinder, die bereits vom Kinderzentrum „graduiert“ haben, um ehrenamtlich zu helfen. „Wir müssen unsere Kinder nie daran erinnern, dass jetzt Zeit fürs Kinderzentrum ist“, berichten die Eltern. „Sie gehen alle automatisch hin, weil sie so gerne dort sind!“ Und das liegt sicherlich nicht nur an der nahrhaften Mahlzeit, die die Kinder dort bekommen. „Das Kinderzentrum ist ein sicherer Ort für sie, ein Zufluchtsort“, erklärt ein Lehrer. „Und die Eltern sind auch sehr froh zu wissen, dass die Kinder hier sind und sich um sie gekümmert wird.“

Alle Familien, die zum Piluwa Kinderzentrum gehören, sind sich einig: Diese tolle Sache muss weitergehen! Aber wie? Kontinuierliche Förderung von außerhalb ist weder nachhaltig noch wünschenswert, da ein zentrales Ziel des Projektes ist, die Unabhängigkeit und Eigeninitiative der Menschen zu stärken. Deshalb sind integrative Kinderzentren von Anfang an darauf ausgelegt, früher oder später – je nach lokaler Situation – finanziell und strukturell selbsttragend zu werden.

Und da ist Piluwa schon auf einem sehr guten Weg! Denn das Projektteam, die Leitungsteams der beiden Selbsthilfegruppen und auch die Familien sind sehr motiviert, das Projekt langfristig selbst weiterzuführen. „Wir werden uns gegenseitig helfen und selbst unsere Bedürfnisse erfüllen und werden keine Unterstützung von anderen mehr brauchen!“, betont eine Mutter. „Unsere Kinder werden sehr talentiert und ehrlich sein und für ihre Familie und Dorfgemeinschaft Verantwortung übernehmen – das ist mein Traum!“

Und die Leiterin der Selbsthilfegruppe ergänzt: „Ich träume, dass wir nicht nur keine Unterstützung von anderen mehr brauchen, sondern dass stattdessen wir anderen Unterstützung geben können, und dass durch uns und unsere Gruppen vielen Menschen geholfen werden kann!“

Eine etwas zu idealisierte Vision der Zukunft? Vielleicht. Aber genau diese Zukunft nimmt in Piluwa Form an.

 

Lesen Sie auch die früheren Beiträge zu diesem Kinderzentrum:
Ein Herz für Piluwa
Eine Zukunft für Piluwa

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Piluwas Zukunft noch weiter Form annimmt, dann spenden Sie mit Vermerk „Integrative Kinderzentren Nepal“ (zum allgemeinen Online-Spendenformular; zum Formular für Integrative Kinderzentren).

„Ihr könnt etwas aus euerm Leben machen!“

Schulungsprogramm für junge Leiter in Nordsyrien erfolgreich begonnen

„Von allen Projekten, die ich je umgesetzt habe, ist dieses wohl das bedeutungsvollste – ich bin echt begeistert davon, und ich wünschte ihr könntet dabei sein und es selbst erfahren!“

Antony* ist gerade vom ersten Schulungswochenende in Nordsyrien zurückgekommen. Achtzehn junge Menschen hat er dort näher kennengelernt; achtzehn Frauen und Männer zwischen 22 und 32 Jahren, die zu einem Hoffnungsfunken in ihrer Gesellschaft werden möchten. Nach einer monatelangen Vorbereitungsphase und sorgfältigen Auswahl der Teilnehmer konnten Ende April die ersten Schulungen stattfinden. Um eine neue Denkweise ging es dabei, eine gesunde Lebenseinstellung, um Motivation und Resilienz, um gute und umsetzbare persönliche Ziele – vieles, was für uns selbstverständlich ist, aber für junge Menschen, die sich an das Leben vor Krieg, Isolation und Hoffnungslosigkeit schon gar nicht mehr erinnern können, kommen solche Ideen wie ein Lichtstrahl in der Nacht.

„Sie hatten keine Ahnung, wie man sich selbst Ziele setzt“, berichtet Antony nach dem ersten Besuch. „‘Oh, Ziele? Wir haben noch nie in unserm Leben Ziele gesetzt.‘ Also haben wir erst mal darüber geredet, wofür wir überhaupt Ziele brauchen, und wie man ‚SMART‘-Ziele setzt, die auch erreichbar sind. Das war ein wirklich inspirierender Moment für sie, denn bisher hat ihnen das noch nie jemand beigebracht.“

Achtzehn strahlende Gesichter blicken uns vom Gruppenfoto entgegen – achtzehn junge Menschen, für die sich eine neue Welt eröffnet, die sich mit Begeisterung auf die nächsten Schritte freuen. Dazu gehört, ihre Liste an Zielen fertig zu formulieren und einen persönlichen Aktionsplan zu erstellen: die Voraussetzung dafür, am weiteren Programm teilnehmen zu dürfen. Dass alle Teilnehmer ihre Pläne bis zur Deadline eine Woche später abgegeben hatten, zeigt auch, wie ernst sie das Programm nehmen. Jetzt folgen virtuelle Einzelcoachings mit dem Schulungsleiter im Mai. In der nächsten Schulungseinheit geht es dann darum, die Ziele und Aktionspläne in die Wirklichkeit umzusetzen und im Alltag die richtige Balance zu finden. Am Ende des einjährigen Schulungsprogramms gipfelt alles in einem Community-Projekt, in dem die Teilnehmer selbst ein Projekt für und mit ihrer Ortsgemeinschaft entwerfen werden. „Damit sie sehen können, dass sie selbst etwas tun können, etwas erreichen, auf das sie hingearbeitet haben“, erklärt Antony. „Und eins der Ziele des Programms ist, eine Bereicherung für die eigene Gesellschaft zu sein.“

Die erste Schulungseinheit beurteilt der erfolgreiche Berater aus dem Libanon durchweg positiv:

„Der Schwerpunkt dieser zwei Tage lag darauf, die Teilnehmer zu einem Paradigmenwechsel zu inspirieren. Wir haben zuerst damit Zeit verbracht, die zahllosen Herausforderungen zu benennen, mit denen sie täglich konfrontiert sind: Depression, Hoffnungslosigkeit, Kämpfe und Verzweiflung –Ergebnisse des Lebens in einem von Krieg und Isolation zerrissenen Land. Unsere Botschaft war, dass sie es schaffen können! Sie können etwas aus ihrem Leben machen, wo auch immer sie sind!

Wir haben dann Strategien aufgezeigt, wie sie ihre drastische Situation bewältigen können. Es gibt mehr Möglichkeiten, als sie sich vorstellen! Sie müssen lernen, anders zu denken als die Masse. Sie müssen sich selbst dafür entscheiden, in allem, was sie tun, ihr Bestes zu geben. … Wir haben große Hoffnung, dass dies eine Entwicklung anstoßen wird, die wächst und die hier in dieser Region etwas ganz Neues beginnen wird.“

 

Dies ist ein Pilot-Projekt, das bei erfolgreicher Umsetzung an anderen Orten in Syrien und dem Nahen Osten wiederholt werden soll. Dafür, und um das laufende Projekt vollständig zu finanzieren, suchen wir noch Unterstützung. Wenn Sie jungen Menschen in Syrien ermöglichen möchten, durch eine neue, gesunde Denkweise echte Hoffnung für die Zukunft zu finden, dann spenden Sie mit Vermerk “Syrien”.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert. Ebenso können wir aus Sicherheitsgründen keine genauen Ortsangaben oder Fotos von Personen oder erkennbaren Orten veröffentlichen.

Ein Leuchtturm im Ozean des Elends

Wie die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia Kinderleben nachhaltig verändert

Wir stehen in einem winzigen, dunklen Raum, in der hintersten Ecke eines kleinen Compounds, zu dem von der staubigen Nebenstraße des Slums eine klapprige Blechtür führt. Die Kammer ist fast völlig ausgefüllt von einem Bett; auch ein kleiner Gaskocher hat noch Platz. Übers Bett und den schmutzigen Boden quer verteilt liegen Kleidungsstücke, leere Tüten, mal hier ein Heft und da ein Schuh.

Auf dem Bett sitzt Kiah*, blickt uns verwirrt an, als wir das Zimmer betreten. Ihr Jüngster hockt neben ihr und isst aus einer Plastiktüte; alle anderen sind in der Schule.

Geduldig stellt Bentina, die Schulleiterin, ein paar Fragen an die junge Mutter, erkundigt sich nach ihrem Ergehen, gibt einige Ratschläge. Sie weiß: Noch bis vor kurzem ging es Kiah und ihren Kindern viel schlechter. Da lebten sie noch auf der Straße, bis sich das Schulpersonal ihrer annahm und ihnen einen Wohnraum verschaffte.

Kiah leidet seit ihrer Kindheit an einer geistigen Behinderung. Deshalb landete sie auf der Straße, nahm Drogen. Es kam, wie es kommen musste: Sie wurde schwanger. Inzwischen hat sie vier Kinder; wer die Väter sind, weiß keiner.

Aber wer kümmert sich denn um die Kinder, nachdem die Mutter es offensichtlich selbst nicht kann?

„Wir kümmern uns“, antwortet Bentina schlicht. „In der Arche-Schule bekommen sie all ihre Mahlzeiten; wir schauen regelmäßig nach der Familie und sorgen für alles, was sie brauchen. Durch die Patenschaften ist auch ihr Schulgeld gedeckt.“

Und noch mehr bekommen Kiahs Kinder hier: Liebe und Fürsorge. Zeit und ein offenes Ohr. Wertschätzung und Respekt. Für sie ist die Arche-Schule ihr Zuhause.

Seit 25 Jahren ein „Leuchtturm“

Und sie sind nicht die einzigen, auf die das zutrifft! Im letzten Vierteljahrhundert hat die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia hunderte von Kinderleben nachhaltig verändert. Das liegt nicht zuletzt an der Vision von Bentina und Bernard, dem leitenden Ehepaar, und dem großartigen Kollegium an der Schule. Auch die Community selbst hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Arche-Schule zu einem Leuchtturm im Ozean des Elends geworden ist.

Vor 25 Jahren waren Bentina und Bernard in Kibera, dem gigantischen Elendsviertel am Rande Nairobis, tätig, als sie gebeten wurden, in Kariobangi Kurse für Erwachsenenbildung anzubieten. Schon nach kurzer Zeit sagten die Männer und Frauen in den Kursen: „Wir kommen hierher um zu lernen, aber unsere Kinder sitzen zuhause und lernen nichts. Könnt ihr nicht vormittags unsere Kinder unterrichten, und uns nur abends?“

So begann 1999 auf Bitte der Familien die Arche-Schule – und bis heute sieht es die Community als „ihre Schule“ an, sorgt für Sicherheit trotz des gefährlichen Umfelds, löst religiöse Konflikte, engagiert sich in Gremien, hilft ehrenamtlich bei Renovierungsarbeiten, kümmert sich „um jedes Kind auf der Straße, das einen roten Arche-Pulli trägt“. Vom Kindergarten mit einer Handvoll Kindern wuchs die Arche über die Jahre zu einer vollen Schule mit mehreren Gebäuden und 450 Schülern bis zur 8. Klasse. Durch eine  kürzliche landesweite Umstellung des Schulsystems kann das bald bis zur 9. Klasse und einem Schulabschluss auf Niveau einer mittleren Reife ausgeweitet werden; derzeit wartet die Schule noch auf die endgültige Genehmigung für diesen Schritt.

Eine ganz besondere Atmosphäre

Die Eltern aus Kariobangi sind unglaublich dankbar, dass sie ihre Kinder an die Arche-Schule schicken können. Denn die zeichnet sich nicht nur durch eine gute Schulbildung aus, sondern eine so herzliche, respektvolle Atmosphäre, dass sie wahrlich wie ein Leuchtturm aus dem rauen Umfeld des Slums hervorsticht.

„In den öffentlichen Schulen werden die Kinder heute noch geschlagen und angeschrien“, erklärt Bentina. „Und wenn nicht, dann gibt es keinerlei Disziplin. An der Arche machen wir das anders – das lernt jeder neue Lehrer gleich als erstes. Und es funktioniert! Die Eltern sagen, dass die Arche Kinder viel besseres Benehmen haben als andere. Manchmal schicken die Behörden schwierige Kinder von anderen Schulen zu uns, weil sie sich hier am ehesten Erfolg versprechen.“

Wenn man in der Arche den Unterricht besucht, merkt man diese Atmosphäre sofort. Kein Lehrer muss die Stimme erheben, alle gehen geduldig und liebevoll auf die Schüler ein, trotz teils völlig überfüllten Klassenräumen. Aber die Kinder nutzen das nicht aus, sondern halten sich an – teilweise selbst aufgestellte – Regeln und danken den Lehrern durch Gehorsam und einer Disziplin, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Auch untereinander achten die Kinder aufeinander, kümmern sich um solche, die im Unterricht nicht so gut mitkommen. Und wenn nachmittags die Schule aus ist, merkt man, dass die meisten Kinder lieber dableiben würden.

Investition in die Zukunft

„Die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin“ – immer wieder höre ich diesen Satz von Absolventen, von denen fast jeden Tag welche an der Schule vorbeikommen um Hallo zu sagen, oder auch, um ehrenamtlich in den Kindergartenklassen und der Bibliothek mitzuhelfen. Einer davon ist Shakur*.

Shakur ist heute 20 Jahre alt und hat vor einigen Jahren von der Arche absolviert und dann, dank eines Stipendiums, das die Arche für Highschooler organisiert, den offiziellen High School Schulabschluss geschafft. Jetzt wartet er auf die notwendigen Dokumente, um im September eine Berufsausbildung zu beginnen. Als er vorbeikommt und mal wieder im Büro seiner Schulleiterin sitzen darf, strahlt er übers ganze Gesicht – genau so, als ob er nach Hause gekommen ist und endlich seine Familie wiedersieht. Und Bentina heißt ihn wie einen lieben Sohn willkommen, hört ihm zu, ermutigt ihn.

„Das Leben da draußen ist nicht einfach“, gibt Shakur zu. „Alle Jungs in meinem Alter sind drogenabhängig, haben die Schule abgebrochen, die Mädels sind schwanger. Ich bin der einzige, der anders ist, der einzige, der einen Schulabschluss hat. Und ich bin so froh darüber!“

Voll Zuversicht strahlt er seine Schulleiterin an, dann blickt er kurz aus dem Fenster. „Ich vermisse die Arche. Einige meiner Geschwister sind noch hier. Ich möchte ein Vorbild für sie sein. Ich bin so dankbar für die Arche – die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin!“

Dorothea Gschwandtner

 

Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch unserer Geschäftsführung im Februar 2024. Als Helping Hands e.V. unterstützen wir die Arche Schule seit mind. 15 Jahren; u.a. durch Einzelprojekte wie die Fertigstellung des derzeitigen Schulgebäudes mit Inventar, Lehrerausbildung, Hygienestationen u.v.m. Seit 2022 vermitteln wir Patenschaften für Kinder an der Arche-Schule, denn vor allem seit Corona können sich viele Familien nicht das gesamte Schulgeld leisten. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

Derzeit sind wir in Gesprächen mit der Schulleitung, um ein umfassenderes Angebot für Familien zu erarbeiten und durch Schulungen und Investition in Kleinstunternehmen die wirtschaftliche Lage der Familien nachhaltig zu verbessern. Dazu folgen in den nächsten Wochen noch weitere Informationen.

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

Syrien – verlassen vom Rest der Welt?

„Worte können nicht erfassen, was die Menschen in Syrien durchmachen, nur um überhaupt durch den Tag zu kommen. Das ganze Land ist in Trümmern. In den Norden fährt man stundenlang nur durch Geisterstädte … mehr als hundert Kilometer nichts als Verwüstung. Alles leer und verlassen – fast apokalyptisch! Und dann, in den Städten – die Menschen ersticken an ihrem Trauma, ihrer Hilflosigkeit, der Hoffnungslosigkeit. Verlassen vom Rest der Welt müssen sie selbst sehen, wie sie irgendwie überleben.“

Nach zwölf Jahren Bürgerkrieg und totaler Isolation ist in vielen Städten Syriens die Hoffnung so tief begraben, dass sie kaum mehr als eine blasse Erinnerung ist. Alle, die konnten, haben das Land verlassen. Die, die noch übrig sind, haben nach und nach jegliche Eigeninitiative verloren: abhängig von Hilfspaketen, gefangen im Gedenken an „die gute alte Zeit“, ohne Hoffnung, dass sich irgendwann irgendetwas ändern wird, ohne Zukunft.

Und dann kam, Anfang Februar, auch noch das verheerende Erdbeben, steigerte das Leid der Menschen in Nordsyrien ins Unfassbare. Antony* war selbst mittendrin – nur durch ein Wunder überlebten er und seine Frau, konnten unversehrt in ihre Heimat im Libanon zurückkehren. Doch die verzweifelte Situation in Nord-Syrien ließ Antony nicht los.

Nach den Beben konzentrierte sich die internationale Hilfe größtenteils auf die Türkei. Zwar wurde auch in Syrien Hilfe geleistet. Aber allgemein scheint es, als ob auch viele Hilfs- und Entwicklungsorganisationen das Land aufgegeben haben: zu kompliziert die Umstände, zu viele Hindernisse, zu prekär die politische Situation … In dieser Lage etwas langfristig verändern, den Menschen etwas Unabhängigkeit und Zukunft wiedergeben? Unmöglich, meinen viele.

Antony sieht das anders: Er hat eine Vision. „Ich möchte die finden, die noch ein Fünkchen Hoffnung haben. Und dieses Fünkchen zu einem Feuer entfachen!“ Zwar ist er sich der Herausforderung bewusst: „Die Menschen dort haben niemanden, zu dem sie gehen können. Durch den langen Konflikt ist das Land entleert von Führungspersonen, Vorbildern, vertrauenswürdigen Beratern, die anderen den Weg weisen könnten. Der Traum jedes Syrers, Tag und Nacht, ist es, aus dem Land zu entfliehen, irgendwo anders ein neues Leben zu beginnen.“

Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat der erfolgreiche Unternehmensberater ein Programm entwickelt, durch das 20 junge Syrer eine echte Perspektive entwickeln können und langfristig zu Führungspersönlichkeiten für ihr Umfeld wachsen können.

„Durch das Projekt sollen die 20 Teilnehmer ein ganz neues Bewusstsein entwickeln: das ihnen neue Hoffnung gibt, ein gesundes Selbstvertrauen und einen echten Sinn fürs Leben. Innerhalb von einem Jahr werden diese jungen Männer und Frauen auch neue Fertigkeiten und „Werkzeuge“ erlernen, die ihnen ermöglichen, ihr Leben geistig, sozial, wirtschaftlich und geistlich zu verbessern. Vor allem aber sollen sie das Bewusstsein entwickeln, dass sie selbst für ihr „Glück“ verantwortlich sind, dass sie etwas verändern können, dort wo sie sind, und dass es sich lohnt, jemand zu sein, der anderen dient.“

Das Programm beinhaltet praktische Workshops, Reflexionen, Erfolgsbewertungen, persönliche Aktionspläne, Mentoring und Coaching. Nach jeder Schulungseinheit geben die Teilnehmer das Gelernte an andere in ihrer Familie und Ortsgemeinde weiter. Das Programm gipfelt schließlich in einem „Community Project“, das die Schulungsteilnehmer gemeinsam konzipieren, ausarbeiten und durchführen werden und so das Gelernte einsetzen, um ihrer Gesellschaft etwas zurückzugeben und selbst zu Vorbildern zu werden. Ziel ist, dass sie erkennen: Ich kann etwas bewegen. Ich bin nicht gefangen in meiner Vergangenheit, sondern kann mich aktiv für die Zukunft einsetzen. Ich habe das Potential, mich, meine Familie und meine Heimat nachhaltig zu verändern.

„Wir hoffen, dass das einen neuen Funken entfacht und eine kleine Bewegung in Nord-Syrien und darüber hinaus entsteht, die Geist und Charakter revolutioniert und sich nach und nach weiter ausbreitet.“

Denn oft braucht es nur einen Funken Hoffnung, um das Feuer neu zu entfachen – ein wenig Sauerstoff, ein bisschen Brennmaterial. Gemeinsam mit Antony möchten wir dieses Feuer entfachen und in Nord-Syrien und darüber hinaus die Verzweiflung auslöschen!

Für dieses Projekt benötigen wir noch ca. 15.000 Euro bzw. die „Schulungsgebühren“ für 10 Personen. Helfen Sie mit, in die Perspektivlosigkeit in Syrien neue Hoffnung zu bringen! Spenden mit Vermerk „Syrien“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394) oder über unsere Online-Spende kommen diesem Projekt zugute.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

Wenn der Fluss die Zukunft frisst

Erste Erfolge und weitere Herausforderungen im Großprojekt in Mongla im südwestlichen Küstengebiet von Bangladesch

Wir stehen am Flussufer, neben uns bricht der Boden jäh ab; ein paar Wurzeln geben noch etwas Halt. Darunter zerrt das salzige Flusswasser an der Erde, so recht wohl fühlt man sich dabei nicht.

Vor einem Jahr standen wir schon einmal hier. Oder genauer gesagt: Wir standen fünf Meter weiter draußen, da, wo sich jetzt die graubraunen Wassermassen wälzen.

Damals – also: vor einem Jahr – war das Ufer etwa einen Meter von Sukantas Türschwelle entfernt. Jetzt steht er auf einem matschigen Vorsprung, der ins Wasser herausragt: „Hier war meine Hütte“, erklärt er, „– das hinterste Ende meiner Hütte.“ Schon vor Monaten musste er umziehen, seine armselige Behausung ein paar Meter weiter innen neu errichten. Aber da wird er wohl auch nicht lange bleiben können; zu schnell frisst der Fluss das Land. Hinter seiner Hütte ist ein kleiner Kanal, weiter kann er also nicht. Wenn der Fluss auch die jetzige Heimat verschluckt hat, dann weiß Sukanta nicht mehr, wohin; er, seine Frau und die zwei Kinder. Eigenes Land hat er nicht.

Aber auch die, die ihr eigenes Land besitzen, sind nicht viel besser dran. Alia und Ranis Familien müssen Jahr für Jahr zuschauen, wie der Fluss ihr Land verschlingt. Immer wieder werden die Hütten versetzt, Gärten neu angelegt, Fischteiche anderswo gegraben.  „Wenn wir am Fußweg angekommen sind, dann geht es nicht mehr weiter – dann haben wir kein Zuhause mehr und keinen Boden, wo wir etwas anpflanzen oder Tierzucht betreiben können.“

Wenn das passiert, dann bleiben ihnen nicht mehr viele Optionen offen. Und vielleicht werden sie aus Verzweiflung den gleichen Weg wählen wie so viele andere: jeden Tag mit dem Kahn den Nebenfluss überqueren und in der Bekleidungsfabrik arbeiten – harte Arbeit, acht Stunden am Tag, sieben Tage pro Woche, für knapp 60 Euro im Monat. Keiner wünscht sich das – aber für viele ist es die einzige Möglichkeit, sich überhaupt Essen für die Familie leisten zu können.

Im Herbst 2021 haben wir mit unserem örtlichen Partner hier in Mongla ein Projekt begonnen, das einigen dieser Entwicklungen entgegenwirken soll. Zwar kann nicht die gesamte Länge des Flussufers stabilisiert werden; an dieser Aufgabe scheitert ja schon die Regierung vor Ort. Aber den Familien helfen, besser auf Katastrophen vorbereitet zu sein, ihre Landwirtschaft und Viehzucht an die geänderten klimatischen Gegebenheiten – u.a. auch die Versalzung des Grundwassers – anzupassen oder alternative Optionen zum Einkommenserwerb erschließen, wo Acker- bzw. Gartenbau nicht möglich sind: Das sind Aufgaben, denen wir uns gestellt haben, gemeinsam mit dem Projektpersonal vor Ort und mit finanzieller Förderung der Bundesregierung.

Nach knapp zwei Jahren konnten schon in einigen Bereichen Erfolge verzeichnet werden; davon konnte sich unsere Geschäftsführung bei einem Projektbesucht Anfang September überzeugen. Dazu gehört zum Beispiel:

Frauen haben sich in Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen und lernen dort, ihre Hoffnungen und Herausforderungen selbst in die Hand zu nehmen

Die Frauen sparen regelmäßig einen kleinen Betrag, aus dem Gesamtersparnis geben sie sich gegenseitig kleine Kredite, mit denen sie Kleinstunternehmen aufbauen: zum Beispiel eine Entenzucht, Hühner oder Schweine

In verschiedenen Schulungen haben sie außerdem weitere Fertigkeiten erlernt, mit denen sie ein Einkommen verdienen können: zum Beispiel sind hier viele Frauen fleißig am Häkeln! Dafür muss allerdings auch noch ein Markt erschlossen werden, damit die Handarbeiten zu einem angemessenen Preis verkauft werden können

Einige Familien haben nach entsprechenden Schulungen ihre Einkommensaktivitäten umgestellt: zum Beispiel ist Krabbenzucht für die veränderten Wasserbedingungen viel passender

Verschiedene Bauern haben, ebenfalls nach entsprechenden Schulungen, ihren Gemüseanbau so umgestellt, dass er mit dem neuen Klima besser zurechtkommt, außerdem ökologisch nachhaltiger und ertragreicher ist. Dafür haben sie auch passenderes Saatgut erhalten. Sie stellen ihren eigenen Kompost her – mit Kompostwürmern funktioniert das besonders gut und es kann noch Kompost verkauft werden – haben ihre Beete erhöht, um sie vor Flutwasser zu schützen, sammeln ihr eigenes Saatgut und verhindern mit natürlichen Mitteln, dass die Ernte von Schädlingen gefressen wird.

Zusätzlich können Familien in Chandpai jetzt Wasser von einer eben neu errichteten Wasseraufbereitungsanlage holen – das trägt enorm zur besseren Hygiene und Gesundheit bei

Und dann ist natürlich auch alles für den nächsten Tropensturm vorbereitet: die Katastrophen-Komitees der Dörfer haben einen Notfallplan erstellt und sind mit Megaphon, Taschenlampen, Schwimmwesten und ähnlichem ausgestattet.

Nur ein paar Minuten Fußweg von Sukantas Hütte entfernt besuchen wir Israfil. Stolz zeigt er uns seinen Gemüseanbau – auf jedem freien Quadratmeter wächst irgendetwas: Gurken, Chili, Tomaten, Kürbisse. Das äußerste Beet ist dem Flussufer gefährlich nahe. „Fünf Meter Land hat mir der Fluss im letzten Jahr geraubt!“, berichtet er und zeigt raus aufs strömende Wasser. „Aber jetzt reicht es! Ich werde das Ufer hier befestigen, mit einer Schutzmauer aus Bambusstäben sollte das doch zu schaffen sein. Diesen Garten nimmt der Fluss mir nicht!“ Seit er im Rahmen des Projektes verschiedene Schulungen für verbesserten Gemüseanbau besucht hat, produziert er genug, um auch etwas zu verkaufen; 60 Taka pro Kilo bekommt er dafür. „Nur das Wasser holen, das ist noch ein Problem – einen Kilometer muss ich die Kanister schleppen, um salzfreies Wasser zum gießen zu bekommen. Das hat meine Schulter kaputt gemacht.“

Trotzdem ist er guter Dinge; man kann ja nicht erwarten, dass gleich alles auf einmal besser wird. Die stetige Unterstützung und Beratung durch das Projektpersonal hat ihm viel Hoffnung gegeben: Gemeinsam ist doch jede Herausforderung zu meistern! Da mag der Fluss weiter das Ufer fressen – die Zukunft, die kann er Israfil und Sukanta, Alia und Rani nicht nehmen.

 

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

Wirkungsbeobachtung: Integrative Kinderzentren in Nepal, 2. Jahr

Integrative Kinderzentren fördern die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und verbessern die wirtschaftliche Situation der Familien nachhaltig. Durch gestärkte Selbsthilfestrukturen können die Maßnahmen langfristig vor Ort eigenverantwortlich weitergeführt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind kontinuierliche Evaluierungen des Projektfortschritts notwendig, damit Maßnahmen angeglichen und erforderliche Schritte eingeleitet werden können. Dieses Monitoring wird einerseits durch unseren örtlichen Partner durchgeführt; andererseits ermöglichen regelmäßige Projektbesuche (mind. einmal pro Jahr) von Helping Hands Mitarbeitern, dass Änderungen besprochen und zeitnah umgesetzt werden können.

Beim Projektbesuch Ende 2022 im integrativen Kinderzentrum in Ithung/Ghalegaun, Nepal, wurden u.a. folgende erforderlichen Schritte festgestellt:

Im Kinderzentrum

Es wurde beobachtet, dass die erlernte Hygiene (hier: Händewaschen vor dem Essen) direkt im Kinderzentrum nicht umgesetzt wurde. Außerdem ist die Müllentsorgung ein großes Problem.

->> Ab sofort soll das Händewaschen im Kinderzentrum besonders hervorgehoben werden. Für die Müllentsorgung werden große Mülltonnen auf dem Schulhof aufgestellt und Mitarbeiter kontaktieren die örtlichen Behörden, dass der Müll auch abgeholt wird. In Hausbesuchen und im Kinderzentrum soll dieses Thema ebenfalls konkret behandelt werden.

Da der Unterricht oft in größeren Gruppen stattfindet, sind nicht alle Inhalte altersgerecht.

->> Soweit möglich, sollen die Kinder in kleinere Gruppen unterteilt und mehr Fokus auf altersgerechte Materialien gelegt werden. Falls das aufgrund von Personalmangel nicht möglich ist, können einzelne Altersgruppen einer stillen Aufgabe nachgehen, während andere Gruppen unterrichtet werden. Die Mitarbeiter der Kinderzentren bemühen sich darüber hinaus, noch mehr Ehrenamtliche für die Zentren zu gewinnen, ggf. können auch ältere Kinder den jüngeren helfen (dafür sollten sie geschult werden).

Es fehlt insgesamt an Material, vor allem an kreativem Material.

->> Die Lehrer werden ermutigt, sich bei NCM Nepal zu melden, wenn sie etwas benötigen. NCM Nepal bemüht sich, mehr allgemeines Material zur Verfügung zu stellen; ggf. können Lehrer darin geschult werden, selbst kreatives Material herzustellen. Ein erster Schritt ist, dass NCM Nepal mit den Lehrern spricht um herauszufinden, welches Material benötigt wird.

Manche Lehrer bzw. Ehrenamtliche könnten sich in folgenden Bereichen verbessern: Classroom Management, Aufmerksamkeit für alle Kinder, kreative Aufgaben für „Leerlauf“-Abschnitte (z.B. wenn der Lehrer die Hausaufgaben der anderen Kinder nachschaut), Lehrmethoden, Korrektur und konstruktives Feedback zu Aufgaben.

->> NCM Nepal hat beschlossen, regelmäßige Schulungen für Lehrer aller von NCM Nepal geförderten Kinderzentren anzubieten. Wenigstens einmal pro Jahr sollen die Lehrer zusammenkommen und Inhalte lernen sowie Zeit für Austausch haben, um voneinander zu lernen. Eine solche Lehrerschulung hat bereits stattgefunden.

In den Selbsthilfegruppen

In Gesprächen mit den Familien wurde festgestellt, dass die meisten die Selbsthilfegruppe nur als eine Spar- und Kreditgruppe betrachten und den weiterführenden Aspekt der Bevollmächtigung und Stärkung von örtlichen Selbsthilfestrukturen nicht verstanden haben.

->> Helping Hands wird dazu Material ausarbeiten und mit NCM Nepal durcharbeiten, sodass dieser Aspekt des Projektes angepasst werden kann.

Da die Projekte jetzt ins dritte Jahr gehen, wurde lokal der Wunsch geäußert, dass die Selbsthilfegruppen offiziell registriert werden und dadurch verschiedene Rechte in Anspruch nehmen können.

->> Dieser Schritt wurde bereits durchgeführt. Zusätzlich werden die lokalen Leiter angehalten, andere Dorfbewohner dazu zu ermutigen, weitere Selbsthilfegruppen zu gründen und das Gelernte der ursprünglichen Gruppen umzusetzen.

Einkommensaktivitäten

Damit die durchs Projekt neu begonnenen Einkommensaktivitäten tatsächlich ein besseres Einkommen erzielen, braucht die Zielgruppe verschiedene Schulungen, z.B. in verbesserter Viehzucht etc. Zusätzlich sollte regelmäßig technisches Monitoring stattfinden.

->> NCM Nepal wird einen Plan zusammenstellen, welche Schulungen benötigt werden und welche Kosten damit verbunden sind. In diesem Rahmen wird auch geprüft, wie und wie oft technisches Monitoring durchgeführt werden kann. In einem der beiden Dörfer gibt es bereits ein „Monitoring Team“, ggf. wird das auch im zweiten Dorf eingeführt.

Für den Verkauf von Vieh müssen bessere Märkte erschlossen werden.

->> Die Leiter der Selbsthilfegruppen sollten in Marktmanagement geschult werden und darin unterstützt, selbst bessere Märkte zu finden. Ggf. kann hier mit einem anderen Projekt koordiniert werden, das derzeit in dieser Gegend stattfindet und ähnliche Herausforderungen hat.

Es ist unbedingt erforderlich, dass jeder Haushalt einen „Business Plan“ entwirft und kontinuierlich evaluiert. Derzeit hat die Zielgruppe keine Vorstellung davon, welche Schritte und Investitionen notwendig sind, um ein bestimmtes (wirtschaftliches) Ziel zu erreichen.

->> Helping Hands erstellt Material, um das Konzept eines „Business Plan“ zu erklären, und stellt dieses den NCM Nepal Mitarbeitern zur Verfügung, die sich dann um entsprechende Schulung aller Haushalte in den Projekten kümmern.

 

Die Umsetzung dieser aus der Wirkungsbeobachtung abgeleiteten Erkenntnisse wird beim nächsten Projektbesuch im Oktober 2023 überprüft und weitere Maßnahmen besprochen.