„I’m just saying you could do better“

“Da vorne, das ist der schönste Strand Sri Lankas!”, sagt Emerson und zeigt auf ein sandiges Paradies, auf das weich die blau-grauen Wellen des Indischen Ozeans rollen. Einen kurzen Blick erhaschen wir auf die idyllische Bucht, dann biegt Selvaraj, unser Fahrer, nach links ab und kurz darauf nach rechts; eine kleine Nebenstraße führt uns steil den Hügel hinauf. Nach ein paar hundert Metern halten wir an, vor einigen Gebäuden in dezentem Beige, einer Schule, die einladend den Namen „Buonavista“ trägt, auch wenn die schöne Aussicht hinter Büschen und Mauern verborgen ist. Eine weiß-uniformierte Schlangenlinie von Grundschülern wartet schon geduldig neben dem vordersten Gebäude, als wir aussteigen; die ersten vier Mädchen treten vor, drücken uns leuchtend rote Blütensträuße in die Hand, lächeln schüchtern, schütteln die weißen Hände und laufen dann erleichtert zu den Kameraden zurück, mit denen sie kurz darauf in ihren Klassenräumen verschwinden.

Kaum eine Minute dauert das Begrüßungszeremoniell, ein kurzer Augenblick, in dem sich zwei Kulturen treffen – die kleine sinhalesische Schule im Süden Sri Lankas und wir, die Besucher aus Deutschland. Fast ein bisschen unwirklich, wie die Herfahrt von der Hauptstadt Colombo ins südliche Galle, die auf der „Southern Expressway“ kaum eine Stunde gedauert hat, einer Autobahn, die auch in Deutschland liegen könnte, außer, dass alles irgendwie seitenverkehrt ist und jenseits der Leitplanken keine gelben Kornfelder grüßen, sondern Reisfelder, Palmen, Wasserbüffel, bunte Saris, die auf Hibiskusbüschen trocknen.

Und leider beschränken sich auch nicht alle Kontakte zwischen zwei Kulturen auf rote Begrüßungsblumen und ein scheues Lächeln. In Unawatuna, diesem kleinen Ort mit dem überaus schönen Strand, gibt es fast mehr Touristen als Einwohner – ein gutes Einkommen für das Land, aber auch eine große Gefahr für die Wehrlosen der Bevölkerung. “Viele der Kinder hier werden von Touristen sexuell missbraucht”, erklärt Emerson, unser einheimischer Kollege. “Dabei sind besonders die Jungen gefährdet. Die Infektionsrate mit HIV und ähnlichen Krankheiten ist hoch, ebenso der Drogen- und Alkoholmissbrauch. In den wenigsten Familien gibt es noch beide Eltern. Und wegen der zahlreichen Hotels vor Ort gehen viele Kinder früh arbeiten, anstatt mit der Schule weiterzumachen.”

Konstruktiver kultureller Kontakt? Wohl eher nicht. Aber es geht auch anders. Vor etwa einem Jahr begann NCM Lanka, Helping Hands‘ örtlicher Partner, ein Kinderzentrum in Unawatuna; alle Schüler der Buonavista Grundschule gehören dazu. Das Kinderzentrum wird unterstützt durch Spenden aus Deutschland, unter anderem durch die „Shadow Riders“-Aktion, die jedes Jahr im September im Kinzigtal stattfindet: ein Versuch, dem Süden Sri Lankas etwas Nützlicheres zu schenken als schädlichen Tourismus; das Bemühen, durch nachhaltige Hilfe aus dem Kontakt der Kulturen eine gute Zukunft zu schaffen. Dafür im Handumdrehen die ganze Gesellschaft umzukrempeln, das ist nicht realisierbar. Aber Schritt für Schritt, angefangen mit den Kindern, ist Veränderung möglich.

Und schon nach nur einem Jahr sind erste Ergebnisse erkennbar. Nachdem die Kinder der Buonavista Schule in ihre Klassenräume zurückgekehrt sind, führt uns die Schulleiterin zunächst in die „Bücherei“, in der allerlei Hefte und Bücher aufgestapelt sind: Klassenbücher mit fein säuberlich eingetragenen Unterrichtsthemen, Schulhefte der Kinder, die kunstvoll verschnörkeltes Sinhala in schönster Schreibschrift wiedergeben. “Seit das Kinderzentrum begonnen hat, haben wir schon eine enorme Verbesserung bei den Kindern gesehen”, berichtet die Rektorin mit stolzem Blick. “Schauen Sie nur, wie ordentlich die Hefte jetzt aussehen!” In ihrem Büro zeigt sie uns noch zwei Berichtshefte; in einem sind die Namen, Adressen und Familiensituation jedes Kindes aufgezeichnet, das andere enthält die Noten der Schüler – “damit wir sehen können, ob sie sich verbessern oder schlechter werden, und uns um die schwächeren Schüler besonders kümmern können”, erklärt Emerson.

Nach dem obligatorischen Kaffee mit Keksen dürfen wir endlich die Klassenräume besuchen und beim Unterricht zuschauen. Der morgendliche Schulunterricht ist zwar vorbei, aber im Kinderzentrum wird weitergelernt. Nach einem nahrhaften Snack um 13 Uhr geht es noch bis ca. 15 Uhr weiter; dann wird das Gelernte des Tages aufgearbeitet, bei den Hausaufgaben angeleitet, schwächere Schüler unterstützt, Unklares erklärt, und natürlich auch viel gespielt: “Wir ermutigen die Lehrer, Bildung durch Spiel und Spaß weiterzugeben”, erwähnt Emerson, während wir über den großen Rasenplatz schlendern; gegenüber der Bücherei lockt ein nicht mehr ganz neu aussehender Spielplatz. Sehr ruhig ist es hier oben, hoch über der Stadt und dem Strand, und friedlich, nur Kinderstimmen tönen aus den Räumen und ab und zu fährt eine Auto-Rikscha vorbei, zerreißt hupend die Stille.

Im ersten Klassenraum beugen die Kinder sich konzentriert über Meter und Grammangaben und überlegen angestrengt, wie viele Millimeter denn zehn Zentimeter ergeben. Von Christian, unserem Fotografen, lassen sie sich kaum stören. Nebenan sind die Kinder etwas kreativer beschäftigt: Bildergeschichten haben sie heute durchgenommen. Ein kleiner Junge, der allein an einem der rosafarbenen Tische hockt, zeichnet behutsam Strich für Strich die bekannte Aesop-Fabel in sein Heft, in der der schlaue Fuchs der Amsel ein Stück Käse abluchst. Wird auch dieser Junge eines Tages einen Fuchs treffen und seine Kindheit opfern müssen – oder kann das Kinderzentrum ihn davor bewahren?

Im nächsten Zimmer treffen wir auf die dritte Klasse, die gerade die englischen Namen der Farben gelernt haben. Nach einem gesungenen “Good Afternoon” für die Besucher wendet die Lehrerin sich wieder dem Unterricht zu: “What’s your colour?”, ruft sie laut und deutet mit einem Ästchen an die Tafel oder hebt Farbstreifen hoch und die Kinder antworten im Chor: “Purple! Pink! Blue – B – L – U – E – BLUE!” Dann zeigt sie auf ihren Sari: “Brown!” und deutet auf das Haar eines Mädchens: “Black!” – “And your uniform?” – “White!” – “And your tie?” – “Green!” Danach singen die Kinder noch, in einer ähnlichen Lautstärke, mehrere englische Kinderlieder – ob das als Sondergenuss für uns gilt oder Teil des Unterrichts ist, wird nicht ganz klar. “Roll, roll, roll your boat” ertönen die hellen Kinderstimmen und ich muss an den Strand denken, den schönsten aller Strände Sri Lankas, der doch so viele Gefahren birgt.

Als von draußen eine Glocke bimmelt, laufen die Kinder hinaus, um den Schultag mit fröhlichen Spielen zu beenden – das beliebteste ist „Wir jagen den Fotografen über den Rasen“ – während wir noch kurz in die Bücherei treten, um mit den Eltern zu reden, die gekommen sind, um ihre Kinder abzuholen, Mütter vor allem, ein paar Großmütter sind auch dabei. Die meisten Kinder kommen aus zerrütteten Familien; nur wenige haben einen Vater zuhause, alle leiden unter der Armut. Trotzdem unterstützen die Eltern das Kinderzentrum, wo sie können.

“Wir haben schon viel Veränderung bemerkt bei unseren Kindern”, erzählen sie. “Sie sind jetzt viel besser in der Schule, und ihr Verhalten hat sich auch gebessert, sie gehorchen jetzt viel mehr!” Welche Träume sie für ihre Kinder haben? “Ihnen eine Schulbildung zu geben!” In der ersten Reihe grinsen eine Mutter und ihr Sohn sich vielsagend an, während die Rektorin noch ein bisschen über ihre Schüler schwärmt: So viele sehr talentierte Kinder hat die Schule, beteuert sie, aber ihre Möglichkeiten sind so beschränkt, überall fehle das Geld. Trotzdem hat sie schon viel erreicht: Zum Beispiel wurden kürzlich Computer an die Schule gespendet und eine ehrenamtliche Lehrerin bietet kostenlos Kurse für die Kinder an – das hat nicht jede Schule.

Vor der Bücherei wartet ein Vater auf seinen Sohn, der noch Jag-den-Fotografen spielt. Emerson erzählt mir seine Geschichte: “Dieser Mann hat keine Wohnung; er hat mit seinen zwei Kindern in einem Schuppen an der Straße gewohnt. Aber vor ein paar Tagen hat die Polizei ihn rausgeschmissen und er war dafür zwei Tage im Gefängnis.” Mein Kollege seufzt. “Eigentlich haben alle hier so eine Geschichte. Wir können nicht allen helfen, aber durch die Kinder können wir einen Unterschied machen, und wir ermutigen die Eltern immer, ihre Kinder weiter ins Kinderzentrum und in die Schule zu schicken, egal, was ihre momentane Lage ist. ” Heiteres Kinderlachen schallt über den bisher so ruhigen Schulhof; ein paar Dutzend weißgekleidete Pfeile sausen an uns vorbei. “Wir sagen ihnen: Auch wenn euer Leben vermasselt ist – für eure Kinder könnt ihr es besser machen!”

Der Mann lächelt etwas bedrückt, blickt seinem lachenden und jubelnden Sohn hinterher, muss dann doch grinsen über das ausgelassene Spiel. Mein Blick streift über sein T-Shirt. I’M JUST SAYING YOU COULD DO BETTER steht dort in großen grünen Buchstaben. Welche Träume er für seine Kinder hat? Das zu beantworten ist nicht schwer.

 

© 2015 Dorothea Gschwandtner/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2015 Armenien

paXan 2015 Armenien

Frage an Radio Eriwan:
Kann ein rostiger alter Container in zehn Tagen in ein hochwertiges Hühnerparadies verwandelt werden?

Radio Eriwan antwortet:
Im Prinzip Ja.

Man nehme: Zehn motivierte Jungerwachsene aus Deutschland und eine Anzahl motivierender Armenier, besagten sehr rostigen alten Container-aus-Erdbebenzeiten, zahlreiche Tassen armenischen Kaffee, etliche Paar Arbeitshandschuhe und diverse Schutzbrillen, etwa 25 Platten Styropor, ca. 15 neue verzinkte Stahlbleche, viele viele Schrauben und Nägel (gern auch Second-hand), mehrere Eimer Farbe (Sorte Hühner-konform), einige Sack Zement und gebrauchte Felsblöcke (auch als „Armenian block“ bekannt), ein paar Holzplanken (ebenfalls recycelt), einen Zaun mit Pfosten, eine Tür, einen Kran, zwei überdimensionale Leitern und 1x gutes deutsches Werkzeugsortiment (Importware).

Diese Zutaten vermengen, mit einer ordentlichen Portion Arbeitseifer pro Person, einer Prise Zerstörungswut, etwas Flexibilität (kann durch Kreativität ersetzt werden) und einer überdurchschnittlichen Menge Humor würzen, gut durchrühren und dann ein tägliches Monatsregenunwetter, vorzugsweise mit Regenbogen, vorsichtig unterheben. Fünf Stunden ruhen lassen.

Die Masse gleichmäßig auf acht Arbeitstage plus zwei Sonntage verteilen und dann bei 35 Grad im Schatten gut durchbraten. Zum Schluss noch mit wasserfester Farbe fröhlich-bunt verzieren.

Dieses Rezept probierte das paXan-Team 2015 im August in Armenien aus und konnte nach zehn Tagen mit großer Zufriedenheit das fertige Bauwerk bestaunen. Nach einem weiteren Tag geschichtlicher Erholungsreise im Schatten des Ararat machte sich das Team aus Gelnhausen, Hanau, Mainz und Worms dann auf die Heimreise ins Rhein-Main-Gebiet; diesmal ohne die fünfstündige Verspätung, die die Anreise zwölf Tage vorher schon zum ersten Abenteuer hatte werden lassen.

Zurück lässt das Team nicht nur ein fertiges Hühnergehege, sondern auch zahlreiche neue Freundschaften und hoffentlich gute Erinnerungen an die „crazy Germans“ – und außerdem neue Hoffnung und Perspektive für die Bewohner eines kleinen Ortes auf der nordwestarmenischen Hochebene: Zukunftsperspektiven, die dieses bitterlich arme Gebiet dringend nötig hat.

Denn Armenien wirkt auf den Besucher wie ein sterbendes Land. Das Ende der Sowjetunion, diverse wirtschaftliche und politische Krisen, ein verheerendes Erdbeben, das im Dezember 1988 die Provinz Shirak verwüstete und dessen Auswirkungen auf die lokale Infrastruktur und Industrie noch immer spürbar sind – all das trägt dazu bei, dass Armut und Arbeitslosigkeit vor allem im Nordwesten des Landes extrem hoch sind und immer mehr junge und auch ältere Armenier ihre Heimat verlassen müssen, um im Ausland genügend zu verdienen, dass sie wenigstens ihre Familien ernähren können.

Um dem entgegenzuwirken und den Menschen neue Perspektiven in ihrer Heimat zu eröffnen, begann der örtliche Partner von Helping Hands e.V. vor zwei Jahren ein Projekt, das den ärmsten Familien hilft, sich durch Hühnerzucht eine Existenz aufzubauen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und auch ihre Ernährung zu verbessern. Mindestens 30 Familien profitieren von diesem Projekt, das jetzt im dritten Jahr läuft und schon guten Erfolg gezeigt hat.

Im Rahmen dieses Hühnerzuchtprojektes unterstützte das paXan-Team vom 14. bis 26. August tatkräftig die einheimischen Familien. Die meiste Zeit verbrachte das Team damit, einen Hühnerstall mit Außengehege für die örtliche Kirche des Nazareners zu bauen, die vor Ort als Projektpartner wirkt und sich durch die Hühnerzucht ein Einkommen verdienen möchte, um den Menschen ihrer Stadt noch effektiver helfen zu können. Außerdem kamen am Samstagmittag einige Familien des Projektes in die Gemeinde, wo ihnen in einer Vorführung gezeigt wurde, wie sie winterfeste Inkubatoren bauen können; das Material dafür wurde aus Deutschland mitgebracht.

Aber wie bei allen paXan-Einsätzen ging es auch bei paXan 2015 nicht nur ums „Anpacken“, sondern vor allem auch darum, mit den Menschen vor Ort Gemeinschaft zu haben und Wertschätzung zu vermitteln. Dafür beteiligte sich das Team an einem Kinderprogramm für etwa 60 Kinder des Ortes, in dem fünf Tage lang viel gesungen, gebastelt, gespielt und gelacht wurde. Außerdem konnten die Woche über viele neue Freundschaften geknüpft werden: beim Werken am Hühnerhaus, beim Genießen der vortrefflichen armenischen Mahlzeiten, bei sonntäglichen Ausflügen mit den einheimischen Jungerwachsenen, bei diversen Besuchen im Nachbarhaus (wo freundlicherweise eine zweite Dusche zur Verfügung gestellt wurde) oder auch bei der einen oder anderen Erkundungsreise ins „Magazin“. Alles in allem eine Zeit, die von viel Lachen, guter Gemeinschaft und kulturellem Austausch geprägt war. Zum Abschied stand allerseits die Frage im Raum: Und, kommt ihr nächstes Jahr wieder?

 

© 2015 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

Weihnachtsfreude 2014: Beschenkt

Viscri: ein kleines, malerisches Dorf im rumänischen Siebenbürgen. Schulter an Schulter drängen sich Höfe mit farbenfroh getünchten Mauern aneinander, neben jeder Tür eine kleine Bank fürs nachbarliche Schwätzchen. Auf der Grünfläche dazwischen grasen Pferde, erfrischen sich an den Tränken, Hühner und Gänse ziehen gackernd und zeternd in Grüppchen einher. Ländliche Idylle pur—aber hinter den bunten Fassaden verbirgt sich auch viel Armut und Not.

350 Menschen leben in diesem Dorf; dazu kommen ca. 6000 Besucher pro Jahr. Aber am Tourismus verdient nur eine Handvoll Familien. Die anderen sind kleine Landwirte, können gerade so überleben mit dem, was sie sich hart erarbeiten. „Luxusgüter“ wie Kaffee, Schokolade, Handcreme sind für sie eine besondere Überraschung: Das ist nicht zu übersehen an den strahlenden Gesichtern, als sie unsere Weihnachtspäckchen in Empfang nehmen, dem ständig wiederholten, freudigen “Bine, bine, mulţumin! Mulţumin frumos! Crăciun fericit! Möge es Gott euch vergelten!”

An einem sonnigen, milden Tag im Dezember sind wir hier zu Besuch, die Freunde aus Deutschland, die „ihren Päckchen“ aus der Helping Hands Weihnachtspäckchenaktion hinterhergeflogen sind und nun vor Ort miterleben dürfen, wie diese Päckchen echte Freude und Wertschätzung vermitteln. 864 Päckchen aus ganz Deutschland konnten dieses Jahr im Weihnachtstransport versandt werden; 500 Päckchen spenden in bulgarischen Bergdörfern Weihnachtsfreude, der Rest wird in Rumänien an bedürftige Familien und ältere Menschen verschenkt, vornehmlich in Sighişoara, Ţigmandru, Viscri und Buneşti. Nach Besuchen in Sighişoara und Ţigmandru stehen heute Viscri und Buneşti auf dem Programm; Ehepaar Ludu nimmt uns dort herzlich in Empfang. Seit einigen Jahren bieten sie in Viscri Programme für Kinder und jetzt auch für Erwachsene an und kümmern sich auf eindrucksvolle Weise um die Familien des Dorfes und deren Bedürfnisse. Den ganzen Tag über können wir beobachten, wie sehr die Ludus von den Dorfbewohnern geschätzt werden.

Nachdem die Päckchen in Herr Ludus altem Dacia verstaut sind, ziehen wir los: wandern von Hof zu Hof, übergeben Päckchen, dürfen beobachten, wie auf den Gesichtern der Menschen die Alltagssorge der Überraschung und die Überraschung der Freude weicht. Manche der Beschenkten sind ältere Frauen und Männer, die mit gutmütiger Gelassenheit den unerwarteten Besuch willkommen heißen, andere sind junge Familien mit schüchtern lächelnden oder auch mal verschmitzt grinsenden Kindern.

In einer Straße, in der überwiegend Roma-Familien wohnen, werden wir in eine Wohnung gebeten, bescheiden eingerichtet, aber makellos sauber; eine junge Frau bietet uns Fanta an. Ihr kleiner Sohn ist vom Päckchen absolut fasziniert, muss es erst einmal umarmen, springt dann um seine Eltern, kehrt zum Päckchen zurück und wirft die kurzen Arme darüber, lacht vergnügt. “Das ist aber auch für deine Mama und deinen Papa!”, ermahnt Frau Ludu. Der kleine Junge grinst und hält das Päckchen noch ein bisschen fester.

Ein paar Türen weiter treffen wir die kleine Teresa mit ihrer Schwester und ihrer Mutter. Als das Päckchen übergeben wird, schnappt sie es sich sofort und rennt damit, fröhlich lachend, zu ihrer Haustür: So ein Schatz muss sofort in Sicherheit gebracht werden!

Im letzten Haus der Straße wohnt eine junge Frau, die für ihre kranke Tante sorgt. Im vergangenen Jahr hat das Mädchen einige Monate in Deutschland gearbeitet; die Sprache beherrscht sie schon gut. Wir bleiben ein Weilchen bei ihr und unterhalten uns, staunen über die Dankbarkeit und den Frieden, den diese junge Frau ausstrahlt, trotz der widrigen Umstände, in denen sie lebt. Und auch eine bemerkenswerte Zuversicht zeichnet sie aus: Im Januar möchte sie zurück nach Deutschland, um Geld zu verdienen, damit sie im Herbst ein Studium beginnen kann. So viel Hoffnung im letzten Haus des Ortes!

Während wir durchs Dorf zurück zum Haus der Ludus spazieren, sind wir selbst ermutigt, von dieser Hoffnung, von der Freude und Zufriedenheit, der ehrlichen Dankbarkeit, die uns an diesem Tag so großzügig entgegengestrahlt sind. Ein unscheinbares Päckchen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln—aber es enthält so viel Weihnachtsfreude, dass es Nehmer und Geber gleichermaßen zu Beschenkten macht.

 

Seit etlichen Jahren entsendet Helping Hands allweihnachtlich Hilfstransporte nach Rumänien und Bulgarien. Die Weihnachtspäckchen, gefüllt mit allerlei Lebensmitteln und Hygieneartikeln, werden an bedürftige Kinder, Familien und ältere Menschen verteilt und sind oft das einzige Geschenk, das diese Menschen erhalten. Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche Einzelpersonen und Familien im Main-Kinzig-Kreis und ganz Deutschland an der Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Im Namen aller Beschenkten bedanken wir uns für diesen Einsatz!

paXan 2014 USA & Mexiko

paXan 2014 USA & Mexiko

„Pack’s an!“ – diese Aufforderung charakterisiert alle paXan-Teams, die seit einigen Jahren jeden Sommer an mehr oder weniger entfernte Ziele reisen, um Menschen Frieden, Wertschätzung und tatkräftige Hilfe weiterzugeben. Angepackt wurde dieses Jahr besonders viel, und zwar vom USA-paXan-Team, das vom 13. bis 27. September in Bakersfield, Kalifornien, sowie direkt über die Grenze in Tecate, Mexiko, zu Gast war. Da wurde geputzt und entrümpelt, gewaschen und gestrichen, eine Speisekammer verlegt und die Speisekammer in ein Büro umgewandelt, ein Baum gefällt und die Kanalisation ausgeschippt und überall dort mit angepackt, wo Hilfe gebraucht wurde.

Denn Hilfe – das ist auch in einem offenbar reichen Land wie Amerika oft bitter nötig. Viele Menschen leiden dort unter Armut und Abhängigkeit, brauchen Ermutigung und Trost aber auch eine Chance, ein neues Leben aufzubauen. Dabei hilft die Bakersfield Church of the Nazarene, die unter anderem ein „Recovery Program“ für Drogen- und Alkoholabhängige anbietet und ein Zentrum für Obdachlose unterstützt. Das Zentrum bietet mit über 100 Betten den vielen Obdachlosen in dieser Gegend eine Unterkunft und Verpflegung sowie kurzfristige Unterstützung durch Kleidung, Hygieneartikel, aber natürlich auch einen Ort, an dem diese Menschen liebevoll angenommen werden. Außerdem begleiten Sozialarbeiter die Menschen in ein „normales“ Leben, indem sie ihnen helfen, einen Job und eine Wohnung zu finden.

Das paXan-Team, bestehend aus 11 Teilnehmern aus Gelnhausen, Hanau, Frankfurt und Berlin, half zwei Tage in diesem Obdachlosen­zen­trum, wo die Jungerwachsenen unter anderem Wände streichen und das Kühllager ausräumen konnten. Außerdem kochte das Team für die Teil­nehmer des Recovery Programs und verbrachte dann beim gemeinsamen Essen wertvolle Gemeinschaft mit ihnen. Weiter half das Team beim Sortieren und der Ausgabe von Essen für bedürftige Senioren in der Gegend, einer Arbeit, die vergleichbar mit der deutschen Tafelarbeit ist.

“Die Menschen waren so dankbar, dass jemand zu ihnen kommt und mit anpackt”, berichtet Eva Radick, paXan-Teilnehmerin aus Gelnhausen. Und Christoph Nick, Leiter des Teams, fügt hinzu: “Letztendlich kam es doch wie überall wieder auf die Menschen an, die man trifft, die man berührt und die einen selbst berühren. Für jeden Menschen ist Wertschätzung wichtig, unabhängig vom Ort und den Lebensumständen, und das ist etwas, das man auf jeden Fall bei solchen Teams vermitteln kann.”

Während des Einsatzes konnte das Team für ein verlängertes Wochenende gen Süden über die Grenze nach Mexiko fahren und dort auf einem Bibelschulcampus Außenwände verputzen und streichen. Dieser Teil des Einsatzes war ebenfalls sehr eindrücklich für die Teilnehmer, die dankbar waren für die Gelegenheit, auch an diesem Ort durch ihre tatkräftige Hilfe ganz praktisch Wertschätzung und „pax“ – Frieden – weiterzugeben.

paXan 2014 Albanien:
Ein neuer Tag beginnt

paXan 2014 Albanien

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne streifen über die Müllkippe, tauchen die fast fertigen Toilettenhäuschen in orangegoldenes Licht, während wir unsere selbstentworfenen Designer-Griffe an den Türen anbringen. Noch eine letzte Schraube wird festgedreht, dann versinkt die Sonne hinterm Hügel und wir treten zurück, betrachten zufrieden das Werk unserer Woche: zwei fertige Holzhäuschen, die als krönender Abschluss am oberen Ende der Roma-Siedlung in den Himmel ragen.

Während die Dämmerung die Müllkippe hinaufkriecht und wir die letzten Werkzeuge zusammensuchen, kommen langsam die anderen Teilnehmer des paXan-Teams den Hügel herauf, warten bei den Toilettenhäuschen, schauen zu, wie sich einer nach dem anderen die Roma-Familien einfinden: ein paar Mütter, einige junge Männer, die in coolen Brillen gespannt die Häuschen inspizieren, und die Kinder, die uns über die Woche ans Herz gewachsen sind. Im Kreis stehen wir zusammen, während Gesti, unser einheimischer Kollege, erklärt: Aus Deutschland sind sie gekommen, diese zehn jungen Leute hier, weil sie etwas für euch tun wollten, um euch sanitäre Anlagen und Zugang zu Wasser zu ermöglichen, weil sie euch zeigen möchten, dass ihr wichtig seid. Und die Roma nicken eifrig, deuten auf die Häuschen, lächeln uns zu: Wir haben ihnen zugeschaut, diese ganze Woche, wie sie geschuftet haben, für uns! Man sieht ihnen an, wie viel ihnen das bedeutet: nicht nur die fertigen Toilettenhäuschen, die sich in ihrem hellen, unbefleckten Holz klar vom schmutzigen Grau der Müllkippe abheben, sondern vor allem die Wertschätzung, die ihnen durch den Einsatz des Teams vermittelt wurde.

Und dann erzählt Gesti weiter, von dem, was noch kommt: Fließend Wasser für die Siedlung, aus dem Brunnen, an dem das Team ebenso unermüdlich gearbeitet hat und der in den nächsten Tagen fertiggestellt werden soll. Ein großes, wetterbeständiges Zelt, in dem an Wochentagen für die Kinder abends ein Kinderprogramm mit Hausaufgabenhilfe und weiteren Aktivitäten stattfinden wird, eine Art kleines Kinderzentrum. Und verschiedene Ausbildungsprogramme für die Jugendlichen, die Hoffnung vermitteln sollen und eine Chance, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. “Wir können doch nichts anderes als Müll sammeln und sortieren”, behaupten die Erwachsenen. “Aber unsere Kinder—die sollen es besser haben!” Wie wichtig ihnen das ist, das kann man ablesen an der echten Dankbarkeit, die aus ihren Gesichtern strahlt. Und noch etwas wird deutlich, an diesem dämmerigen Samstagabend auf der Müllkippe: Für diese Roma-Familien ist die Sonne nicht untergegangen. Ein neuer Tag beginnt, ein Morgen voller Hoffnung, mit neuen Chancen und Möglichkeiten auf echte, nachhaltige Veränderung.

Und auch wir als Team verlassen Albanien nicht unverändert. Zehn Tage haben wir gemeinsam in diesem Land verbracht, haben zusammen gelacht und geschuftet, geschwitzt und ausgeruht, mit den Kindern im Kinderprogramm gespielt und gesungen und gebastelt, haben Sand geschleppt und Zement gemischt, Bretter genagelt und Bohlen gesägt, Stein gemeißelt und Schutt geschippt, Wände gezimmert und Dächer befestigt und uns vier Meter tief durch steinharten Lehmboden im Brunnenloch gekämpft—und am Ende doch nicht gewusst, ob der Bauchmuskelkater von der Schufterei kommt oder vom vielen Lachen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, nach einer Woche Schweiß und harter Arbeit zufrieden auf das Werk unserer Hände zu schauen. Aber noch ermutigender ist es, die Dankbarkeit der Menschen zu sehen, denen wir dienen durften, und zu wissen, dass die lachenden und auch mal weinenden Kinder aus unserem Kinderprogramm auf eine Zukunft hoffen können, die nicht vom Müll gezeichnet ist.

Und schließlich ist es auch ein überwältigendes Erlebnis, erfahren zu dürfen, wie echte Teamarbeit aussieht: Wo jeder seine oder ihre diversen Talente an der richtigen Stelle einbringt, aber auch überall sonst unermüdlich mit anpackt und vollen Einsatz zeigt, wo jeder jeden unterstützt, ermutigt und eine helfende Hand reicht, wo alle angenommen sind, so wie sie sind, und wo am Ende eines langen, anstrengenden Tages dennoch genug Energie für eine heitere und entspannte Feedbackrunde übrig ist. Um einige Schweißtropfen und Lachtränen ärmer verlassen wir Tirana, aber unendlich bereichert an Erfahrungen und Eindrücken, an Erinnerungen und Freundschaften und echtem Erfolg.

Strahlend steigt die Sonne über den Horizont, als wir am Montagmorgen in Frankfurt landen. Ein neuer Tag beginnt, ein Morgen voller Hoffnung, an dem wir wissen dürfen, dass auch für die Roma-Familien auf „unserer“ Müllkippe in Tirana gerade die Sonne aufgegangen ist.

 

© 2014 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

“Die jungen Männer trauen sich nicht mehr, die Mädels zu ärgern!”

Wir brechen früh auf; der morgendliche Nebel hängt noch in Schwaden über dem flachen Land. Von Jessore geht es südwestlich nach Satkhira, dem letzten Staat vor der indischen Grenze. Stundenlang rumpeln wir vorbei an Reisfeldern bis zum Horizont, Papayaplantagen, kleinen Dörfern, Fischerbooten.

In Satkhira angekommen werden wir erst mal im Schulungszentrum mit einer Tasse Kaffee begrüßt. Vor 3,5 Jahren wurde es eingeweiht; ein Stein im Hof erinnert daran: “unterstützt durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Helping Hands, Deutschland”. Das Schulungszentrum in Satkhira ist das dritte dieser Art in Bangladesch, das mit Geldern des BMZ errichtet wurde; zurzeit wird ein weiteres in Srimongol im Nordosten des Landes gebaut.

Vom Zentrum aus geht es noch fünf Minuten weiter zu einem kleinen Gebäude, das Bangladesh Nazarene Mission (BNM), Helping Hands‘ örtlicher Partner, zur Verfügung gestellt hat. Zwanzig Frauen warten dort auf uns; mehrere halten Kinder auf dem Schoß. Es ist heiß unter dem Blechdach und ich frage mich, wie lange die Frauen bereits warten.

Verärgert sind sie jedenfalls nicht: Es geht sogleich los mit fröhlichem Geplauder. Milton, mein einheimischer Kollege, und ich setzen uns in den Kreis der Frauen auf den Boden. Nach ein paar Minuten Small Talk und viel Lachen stellt Milton mich vor; wir werden mit Blumen begrüßt. Eine Frau reicht mir ein kleines Körbchen, gefüllt mit leuchtend roten Blüten. Das Körbchen hat sie selbstgemacht. Seit sie in ihrer Selbsthilfegruppe einen Kredit erhalten hat, führt sie ihr eigenes kleines Körbeflechtunternehmen. Auf einem Zettelchen am Korb hat sie in sauberer Schrift ihren Namen und Ort verzeichnet. Ob sie das vor ein paar Jahren schon gekonnt hätte?

“Ich bin hier, um von euch zu lernen”, erkläre ich, nachdem ich mich bedankt habe. “Bei mir zuhause gibt es solche Gruppen nicht. Darum möchte ich eine Menge von euch lernen!” Die Zuhörer nicken zustimmend; Lernen ist wichtig, das wissen sie selbst.

Die Frauen, die sich in dieser Hütte treffen, formen eine sogenannte „Cluster Level Association“, eine Gruppe, in die zehn Selbsthilfegruppen jeweils zwei Abgeordnete entsandt haben. Die CLA ist für eine Reihe von organisatorischen Aufgaben verantwortlich und wird maßgeblich an der Weiterführung des Projekts beteiligt sein, wenn BNM die Leitung in örtliche Hände übergibt.

Seit fünf Monaten besteht diese CLA. Zurzeit treffen die Frauen sich einmal pro Monat, “aber wir überlegen, ob wir uns nicht besser zweimal pro Monat treffen sollten”, erklären sie. Denn so eine CLA hat viel zu tun: Einige Poster an der Wand bestätigen das. Sie sind dicht beschrieben mit monatlichen Aktionsplänen, Listen der Aktivitäten der letzten Monate, Verzeichnisse der Selbsthilfegruppen und Einkommensprojekte. Diese CLA hat bereits von sich aus zwei weitere Selbsthilfegruppen begonnen. Demnächst wollen sie als Gruppe ein kleines Unternehmen gründen, um finanziell unabhängig zu sein.

Was sie denn alles so als CLA machen, möchte ich wissen.

Eifrig beginnen die Frauen zu erzählen: vom Sparen in ihren Selbsthilfegruppen, von Fischzucht und Handarbeitsbetrieben, die sie mit Krediten aus den Selbsthilfegruppen begannen und die ihnen nun ein regelmäßiges Einkommen ermöglichen, von ihren Kindern, die jetzt alle zur Schule gehen, übers Lesen und Schreiben, das inzwischen alle Frauen in der Gruppe beherrschen, von ihren neuen Gemüsegärten, die auch ermöglichen, dass sie ihren Kindern nahrhafte Mahlzeiten zubereiten können, und von neuerworbenem Wissen über Hygiene und Sanitäreinrichtungen.

“Was macht ihr denn mit eurem Abfall?”, frage ich, weil ich Deutsche bin, und weil in Bangladesch die Straßen und Felder noch immer von weggeworfenem Müll gesäumt sind. “Den nehmen wir natürlich mit nach Hause und werfen ihn in unsere Mülleimer!”, kommt die fast etwas empörte Antwort.

Sie sind anders, diese Frauen, anders als die vielen scheuen, zurückhaltenden Frauen, die mir in Bangladesch sonst begegnen. Man merkt es, sobald man den Raum betritt: Fröhlicher sind sie, ausgelassener, selbstbewusster. Wenn Milton für mich übersetzt, fragen sie nach: was er denn da gerade zu mir gesagt habe. Sie sind nicht schüchtern; sie wissen, was sie wollen.

Fast ein wenig überflüssig kommt mir die Frage vor, die ich als nächstes stelle: Ob sie denn in ihrem Dorf schon einen Unterschied bemerken können? “Aber natürlich!” ist die lebhafte Antwort. Nicht nur, dass jetzt sämtliche Familien ihre Kinder zur Schule schicken—sogar die behinderten Kinder, was hier gar nicht selbstverständlich ist—und dass jeder einzelne Haushalt einen Gemüsegarten hat.

“Wir Frauen sind jetzt vereint”, erklären sie. “Früher waren wir schwach und machtlos. Wir waren eingeschüchtert und haben uns vor den Männern verbeugt, haben unseren Kopf bedeckt.” Irene, die Vorsitzende der CLA, zieht kurz das Ende ihres Saris über den gebeugten Kopf, dann lässt sie den Stoff wieder fallen und schaut auf.

“Aber das tun wir jetzt nicht mehr! Jetzt haben wir Mut. Wir sind nicht mehr schüchtern. Wir wissen, was unsere Rechte sind, und wie wir das kommunizieren können—zuhause, aber auch bei der örtlichen Verwaltung und bei anderen Organisationen. In unserem Dorf haben wir die Kinderheirat abgeschafft; und die jungen Männer trauen sich nicht mehr, die Mädels zu ärgern!”

Was ihre Ehemänner denn davon halten, frage ich. Naja, heißt es, anfangs waren wohl nicht alle so begeistert. “Aber jetzt sind sie alle damit einverstanden und lassen uns tun, was nötig ist. Keiner macht mehr Probleme.” Milton lacht, nachdem er das für mich übersetzt hat, und fügt hinzu: “Das kannst du selbst sehen: Wir sitzen hier jetzt schon zwei Stunden und es ist längst Zeit fürs Mittagessen—aber keiner der Männer ist aufgetaucht, um sich zu beschweren, dass das Essen noch nicht fertig ist!”

Zum Abschluss bieten sie mir noch Kokosnusswasser an, direkt aus der Nuss. “Ich habe eine Menge gelernt!”, versichere ich und versuche deutlich zu machen, wie beeindruckt ich bin von allem, was ich gehört habe. “Ich wünsche euch, dass ihr all eure erwähnten Pläne und Träume umsetzen könnt!”

Daran habe ich keinen Zweifel.

 

© 2013 Dorothea Gschwandtner/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2013 Rumänien

paXan 2013 Rumänien

Eine „Ritterwoche“ für Kinder in Rumänien

Sighişoara: eine malerische Stadt im rumänischen Siebenbürgen, im 12. Jahrhundert von deutschen Einwanderern gegründet. Viele Kinder besuchen dort auch heute noch eine deutsche Schule. Hoch oben über dem Fluss thront die „Burg“, das historische Zentrum der Stadt. Der ideale Ort also für eine echte deutsche Ritterwoche.

Vom 24. August bis 1. September reisten 11 Jungerwachsene als paXan-Team 2013 nach Rumänien. Wie immer hieß es dabei jeden Tag „Pack’s an!“—denn an den Nachmittagen wurde fleißig geschuftet: ein lokales Gemeindegebäude wurde renoviert, eine Außenwand neu verputzt, diverse Wände und das Tor gestrichen und einige Räume entrümpelt. In diesem Gebäude bietet Helping Hands‘ örtlicher Partner unter anderem Programme für Senioren an. Für die gute Arbeit des Teams waren die einheimischen Mitarbeiter sehr dankbar.

Aber die paXan-Teams sind nicht nur dafür bekannt, dass sie tatkräftig mit anpacken. Vor allem möchten die Jungerwachsenen Beziehungen knüpfen, mit den Menschen vor Ort Zeit verbringen und ihnen zeigen, dass sie wertvoll sind. Daher sind Ferienprogramme für Kinder und Jugendliche immer ein wichtiger Bestandteil der Einsätze.

In Sighişoara hatte das paXan-Team dafür, passend zum mittelalterlichen Stadtbild, eine „Ritterwoche“ geplant. Eine Woche lang durften die Kinder vor Ort jeden Vormittag von 9 bis 13 Uhr mit den deutschen Besuchern malen und basteln, spielen und Spaß haben, Geschichten lauschen und Theaterstücke miterleben. Die Kinder, aber auch die Eltern, waren begeistert: “Das ist das erste Ferienprogramm, zu dem mein Kind jeden Tag unbedingt hingehen möchte!”, freute sich eine Mutter.

Auch im nahegelegenen Dorf Tigmandru und in der Roma-Siedlung Sapte Noiembrie freuten die Bewohner sich über den Besuch des paXan-Teams. In diesen Orten führt der örtliche Partner von Helping Hands regelmäßig diverse Projekte und Programme für Kinder und Jugendliche durch. Besonders in der Roma-Siedlung, wo junge Menschen unter großer Armut und Perspektivlosigkeit leiden, genossen es die Jugendlichen, einfach mal mit den deutschen Besuchern Zeit zu verbringen und Spaß zu haben.

Natürlich ist solch ein Einsatz auch für die jungerwachsenen Teilnehmer eine tolle Erfahrung mit vielen neuen Eindrücken und auch einfach einer Menge Spaß. “Es war ein klasse Team”, war das allgemeine Fazit. “Wir hatten sehr gute Gemeinschaft.” Und am letzten Tag gab es sogar noch einen kleinen Auftritt im lokalen Fernsehen!

Wasser, Farbe, Tor … und viel Gemüse

Wie das Kinderzentrum in Chettikkulam nicht nur in der Schule Veränderung bewirkt

Durch Patenschaften und allgemeine Spenden für Kinderzentren und Kinderprojekte unterstützt Helping Hands hunderte von Kindern in über 15 Ländern. In Kinderzentren erhalten die Kinder Schulunterricht, werden gesundheitlich versorgt und ausreichend ernährt, treiben regelmäßig Sport, dürfen mit Freunden spielen und erfahren soziale und geistliche Werte. Durch Kleingärten, Einkommensprojekte und spezielle Schulungen für die Eltern wird auch die Familiensituation der Kinder deutlich verbessert und auch das Dorf und die Gesellschaft nachhaltig beeinflusst.

Das Kinderzentrum in Chettikkulam in Sri Lanka ist ein gutes Beispiel dafür, wie Kinderzentren Veränderung bewirken.

Vor knapp vier Jahren begann NCM Lanka, Helping Hands‘ örtlicher Partner, mit Spenden aus Deutschland in Chettikkulam ein Kinderzentrum, das zurzeit 165 Kinder besuchen. Da hatte die Schule grade eine Menge durchgemacht. Zum Ende des Bürgerkriegs beherbergte sie hunderte von Flüchtlingen. Das direkt nebenan liegende Flüchtlingslager Menik Farm platzte da bereits aus allen Nähten.

Es dauerte Monate, bevor die Schule wieder regulär benutzt werden konnte. Da aber der Zaun um die Schule völlig beschädigt war, hausten nachts die Tiere auf dem Schulgelände. Nicht so spannend, wenn man morgens in die Schule kommt und von einem Rindvieh begrüßt wird!

Also kümmerte sich NCM Lanka als erstes darum, dass der Zaun repariert und ein verschließbares Tor eingesetzt wurde. Das war schon mal ein Anfang. Noch dringender nötig war aber der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das Schulgelände hatte nur einen alten Brunnen, der nicht benutzbar war. Um Wasser zu holen, mussten die Kinder und Lehrer weit laufen, besonders in der Trockenperiode. Kunstunterricht mit Wasserfarben? Eher nicht.

NCM Lanka säuberte zunächst den Brunnen, sodass das Wasser sauber genug zum Trinken war. Später wurden dann ein 5000-Liter-Wassertank in einem der Schulgebäude und eine Wasserpumpe installiert. Dabei beteiligten sich auch viele Menschen vor Ort ehrenamtlich. Sie verdienen zwar sehr wenig, aber wenn es um ihre Schule geht—da wollen sie dabei sein!

Jetzt können die Kinder an jeder Ecke der Schule einfach einen Wasserhahn öffnen und ein Glas mit sauberem Trinkwasser füllen. Klingt vielleicht nicht so aufregend für uns—aber dort ist das ein unerhörter Luxus, und die Kinder sind total begeistert.

In diesem Frühjahr kam dann noch richtig Farbe ins Spiel. Denn die Schule sah schon lange einfach trübe und ausgeblichen aus. Da macht das Lernen keinen Spaß! Aus Spenden bezahlte NCM Lanka genug Farbe und Pinsel, dass die Lehrer, Eltern und Kinder alle Wände streichen konnten. Jetzt erstrahlt die Schule in neuem Glanz.

Glänzen—das tut die Schule in Chettikkulam auch in anderer Hinsicht. Im Vavuniya-Bezirk sind Schule und Kinderzentrum inzwischen zum Vorzeigeobjekt geworden.

Zum Beispiel in akademischer Hinsicht. Denn im Kinderzentrum erhalten die Kinder jeden Tag Hausaufgabenhilfe und werden auf den Unterricht am nächsten Tag vorbereitet. Außerdem werden die Kinder der fünften Klasse für das landesweite „Scholarship Exam“ geschult. In der Regel bestehen wenige Kinder aus ärmeren Gegenden dieses Examen. In Chettikkulam ist das anders. Und 2013 erzielte ein Mädchen aus dem Kinderzentrum sogar die höchste Punktzahl in der gesamten Region. Da wurden die Behörden aufmerksam!

Oder in Sachen Gesundheit und Hygiene. Viele Kinder hier essen kaum etwas, bevor sie zur Schule kommen, und oft fehlt ihnen die Energie, überhaupt den ganzen Schultag durchzustehen. Außer im Kinderzentrum. Dort erhalten die Kinder jeden Tag eine nahrhafte Mahlzeit, mal Reis und Curry, mal eine Hafergrütze. Das Essen bereiten Eltern in der Schule zu; die Nahrungsmittel bezahlt das Zentrum. Und natürlich gibt es jetzt sauberes Trinkwasser. Ohne Zweifel: die Kinder in Chettikkulam sind gesünder.

Und auch im Verhalten der Kinder glänzt das Kinderzentrum. Die Kinder in dieser Gegend haben viel durchgemacht: Krieg, Flucht, Missbrauch; viele sind Waisen oder Halbwaisen. Kein Wunder also, dass sie mehr als „schwierig“ sind. Kaum einer der Lehrer in den örtlichen Schulen kommt mit ihnen zurecht. Außer in Chettikkulam. Denn dort haben die Kinder Lehrer und Mentoren, die ihnen positive Werte vermitteln, sich Zeit nehmen zum Zuhören und ganz individuell auf die Kinder und ihre Probleme eingehen. Schon in kürzester Zeit hat das eine deutliche Besserung im Verhalten der Kinder bewirkt. Auch sind sie viel fröhlicher, ausgeglichener und engagierter.

Vor den Ferien im April organisierte das Kinderzentrum eine kulturelle Show für Eltern und Bekannte. Die Kinder trugen kleine Theaterstücke vor, Vorträge, Lieder und vieles mehr. Das war ein Spaß! Alle genossen das Event und es war ein voller Erfolg. Und das ist keine Selbstverständlichkeit. In einem Land, das dreißig Jahre vom Bürgerkrieg zerrüttet wurde, ist eine erfolgreiche kulturelle Veranstaltung auch ein gutes Stück Friedensarbeit.

Natürlich waren auch die Eltern begeistert von diesem Event. Aber sie sind nicht nur Zuschauer: Von Anfang an waren die Familien, Lehrer und die Ortsbewohner im Projekt Kinderzentrum stark involviert, ob bei Entscheidungen, Beurteilungen, Renovierungsarbeiten und Zukunftsperspektiven. Das unterstützt nicht nur den Erfolg der Maßnahmen, sondern hilft auch in der Entwicklung, dass das Kinderzentrum irgendwann selbsttragend ist.

Und dafür engagieren sich sogar die Kinder selbst! Auf dem fast 3200 m² großen Gelände hinter dem Schulgebäude haben die Kinder Gemüsegärten und Kokosnussplantagen angelegt. Es wird schon reichlich geerntet und die Schulmahlzeiten sind deutlich vitaminreicher geworden. Bald wird die Ernte so reichhaltig sein, dass ein großer Teil davon verkauft werden kann. Und in spätestens fünf Jahren werden außerdem die Kokosnusspalmen ein regelmäßiges Einkommen ergeben. Die Kinder finden das einfach klasse. Das Pflanzen, Bewässern, Pflegen und Ernten machen sie abends nach der Schule in ihrer Freizeit. Ihr Engagement ist sehr ermutigend.

Seit 2009 hat sich in Chettikkulam eine Menge geändert. Wasser, Farbe, Tor und viel Gemüse … aber vor allem eine echte, nachhaltige Veränderung im Leben der Kinder und Familien des Kinderzentrums. Vor vier Jahren, am Ende des Bürgerkriegs, gähnte die Zukunft trübe, farblos und leer. Heute erstrahlt nicht nur das Schulgebäude in neuem Glanz.

 

© 2013 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2012 Sri Lanka:
Die Geschichte einer Verwandlung

paXan 2012 Sri Lanka

Es war kein Fünf-Sterne-Hotel, in dem die ca. 60 Kinder von Dimbula uns am Montagnachmittag lautstark begrüßten. Gut, die Aussicht war erstklassig – sanfte Hügel mit sauber angeordneten Teebüschen, gesprenkelt mit farbenfroh blühenden Bäumen, ein paar fröhliche Wasserfälle, nette Gemüsegärtchen, dazu das frische Bergklima – also kein schlechter Ort für einen Urlaub. Aber der Raum, in dem unser neues Kinderzentrum eröffnet werden sollte, sah ganz anders aus: im Dach ein großes Loch; eine einsame alte Glühbirne, die, mit abenteuerlichem Kabelsalat verbunden, von einem Balken baumelte; die Fensterlöcher wirkten, als ob eine besonders brutale Truppe die Fenster samt Rahmen herausgeboxt hätte; die Tür existierte nur als ein netter Gedanke; die Wände waren schlecht verputzt und rußgeschwärzt; der Zementboden, auf dem die Kinder auf einer zerrissenen Matte hockten, hatte ebenso viele Schlaglöcher wie die „Straße“ nach Dimbula; und in einer Ecke des Raumes lauerte ein gebrechlicher Hühnerstall (oder eher ein Hühnergefängnis). Also alles in allem kein Ort, an dem „unsere“ Kinder jeden Schultag mehrere fröhliche Stunden verbringen sollen! Und schließlich waren wir ja auch nicht im Urlaub hier.

„Unsere Kinder“ – das sind die Kinder von Dimbula, einem ärmlichen, abgelegenen Bergdorf im Zentrum Sri Lankas. Eine Woche lang haben wir, das paXan Team 2012, hier jeden Nachmittag ein buntes Kinderprogramm angeboten: Geschichten, Lieder, Spiele, Bastelarbeiten. Die Kinder waren mit Begeisterung dabei und haben uns so richtig angesteckt, mit ihrem Lachen, ihrem Gesang, ihrer Lebensfreude. Und auch im entlegensten Bergdorf haben Kinder Träume – Träume und Hoffnungen, die wir mithilfe des Kinderzentrums erfüllen möchten. Doch so ein Kinderzentrum braucht auch einen angemessenen Raum. Daher hieß es jeden Vormittag: Pack‘s an!

Es war zwar kein Fünf-Sterne-Hotel, in dem wir uns am Freitagabend von den knapp 100 Kindern in Dimbula verabschiedeten. Und die schöne Aussicht hatte sich in neblige Schatten verhüllt. Aber der Raum, in dem das Kinderzentrum Anfang September offiziell eröffnet wird – ja, der kann sich sehen lassen! Kein Loch mehr im Dach und ein glatter Boden, mit schönen neuen Teppichen bedeckt. Eine ordentliche Verkabelung, sauber in Kabelkanälen verstaut, mit drei funktionierenden Lichtquellen und richtigen Schaltern und Steckdosen. Und frisch verputzte Wände, strahlend apfelweiß gestrichen und künstlerisch verziert. Das ortsansässige Federvieh wurde outgesourct in einen eigenen, neugemauerten Hühnerstall (oder eher eine Hühnervilla). Dafür ist umso mehr Platz im Raum für die Kinder: lachende, spielende, lärmende, träumende, hoffende Kinder, die wir alle ins Herz geschlossen haben.

Ab nächster Woche werden diese Kinder das „Dimbula Kinderzentrum“ besuchen, das im ersten Jahr noch durch Spenden vom paXan-Einsatz unterstützt wird. Damit den Kindern auch weiterhin echte Zukunftsperspektiven eröffnet werden können, suchen wir dringend nach Paten! (bitte auf dem Patenschaftsantrag „Sri Lanka – Dimbula“ angeben)

paXan 2012 Sri Lanka – täglicher Blog

paXan 2012 Sri Lanka BLOG

29. Juli bis 5. August 2012

Das paXan-Team ist am 30. Juli wohlbehalten in Chennai, Indien, angekommen! Bis Sonntag nehmen die 2012er paXanoven, zusammen mit etwa 250 anderen jungen Leuten aus ganz Eurasien, am NYC (Nazarene Youth Conference) 2012 teil. Am Sonntag fliegen sie dann weiter nach Sri Lanka, wo sie bis zum 13. August in Hatton in den Bergen Sri Lankas Kinderprogramme in den Siedlungen der Teeplantagen durchführen und bei Sanierungsarbeiten in lokalen Schulen und Kinderzentren mit anpacken.

Sonntag, 5. August 2012

Nach einer recht kurzen Nacht brach das paXan Team früh zum Flughafen in Chennai auf und landete planmäßig um die Mittagszeit in Colombo, Sri Lanka. Die Fahrt nach Hatton wurde in einem etwas abenteuerlichen Bus-artigen Ungetüm gemeistert und dauerte nur etwa doppelt so lang wie erwartet—aber es gab ja auch genug zu sehen: von den geschäftigen Straßen im Großstadtgebiet, durch Kautschukplantagen bis hinauf in die Teeplantagen, die nach einer Woche indischer Großstadt erholsam ruhig und grün wirkten. Schon dafür hat sich die Reise gelohnt! Das helle, saubere Schulungszentrum, das diese Woche als unsere Unterkunft dient, mutet wie ein Fünf-Sterne-Hotel an und das Abendessen bestätigte die allgemeine Überzeugung, dass die kommenden acht Tage einfach nur genial sein werden. Jetzt ruft der wohlverdiente Schlaf, denn morgen geht es auch wieder früh los, vormittags zum Wände streichen in einer Schule, nachmittags für ein Kinderprogramm nach Dimbula. Das Abenteuer kann beginnen!

Montag, 6. August 2012

“Der ganze Tag war einfach nur genial”—“Es gibt so viele neue Eindrücke” —“Das Spielen mit den Kindern macht riesigen Spaß” —“Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass Sri Lanka so schön ist” —“Es ist krass, wie begeistert die Kinder sind, einfach nur ein weißes Gesicht zu sehen” —Das waren ein paar der Eindrücke vom ersten „Arbeitstag“ in Sri Lanka. Der etwas verzögerte Aufbruch am Morgen wurde athletisch überbrückt mit dem Erlernen verschiedener Seilspring-Kunststücke (damit wir es auch hinterher den Kindern beibringen können). Dann ging es los nach Abbotsleigh, einer kleinen Siedlung etwa 20 Minuten zu Fuß von unserer Unterkunft entfernt, wo wir „die Schule streichen“ sollten. Das stellte sich als eine solch Kinder-anziehende Attraktion heraus, dass ein Teil des Teams mit etwa 100 Kindern auf dem Schulhof diverse Spiele (u.a. gefühlte 500mal Plumpsack) spielte, während der Rest des Teams den Schulraum (mehrere Klassen werden in einem großen Raum unterrichtet) streichfertig machte und dann in Rekordzeit mit apfelweißer Farbe verkleidete. Nach einem Fünf-Sterne-Mittagessen im Schulungszentrum (das wohlverdiente Lob an den Koch nahm kein Ende) ging es dann los nach Dimbula, einer kleinen Siedlung weit abseits der Hauptstraße mitten in den teebewachsenen Hügeln nahe Patana. Die Fahrt dorthin wurde erst einmal mit einem unvergleichlichen Ausblick belohnt—und kurz darauf von etwa 60 strahlenden Kindergesichtern, die mit großem Lärm und noch größerer Begeisterung die Besucher aus Deutschland begrüßten. Mit diesen Kindern werden wir die ganze Woche jeden Nachmittag ein Kinderprogramm durchführen, und ab Beginn des neuen Schuljahres (September) dürfen sie ein nagelneues Kinderzentrum besuchen, sozusagen das „paXan Kinderzentrum“. Die Siedlung hat uns für das Kinderzentrum freundlicherweise einen Raum zur Verfügung gestellt, der allerdings noch etwas sanierungsbedürftig ist—ein Projekt, das wir ab Mitte dieser Woche in Angriff nehmen werden.

Die gute Laune der Kinder konnte weder durch den engen Raum noch durch das etwas-kühler-als-erwartete Wetter getrübt werden. Nach einigen lustigen Liedern lauschten die Kinder gespannt der Geschichte von Noah und seiner Arche, die nebenher vom paXan-Theaterteam professionell in Szene gesetzt wurde, bastelten dann Tieranhänger, malten unzählige Arche-Noah-Bilder und packten dann zum krönenden Abschluss sämtliche Rest-Energie in einige Spiele. Vom Geräuschpegel her hatten die Kinder definitiv am meisten Spaß, aber wir eigentlich nicht weniger. Alles in allem war der Tag doch auch recht anstrengend, sodass der Abend mit ein wenig Zeit zum Ausspannen, Reflektion über das Erlebte, Planen für den nächsten Tag—und natürlich einem köstlichen Abendessen—eher ruhig ausklang. Jetzt zirpen draußen die Grillen um die Wette, die Nacht ist so herrlich stockdunkel, dass die Sterne umso leuchtender scheinen, und die paXanoven freuen sich auf ihre wundervoll komfortablen Betten. Natürlich läuft hier nicht alles so „effizient“ wie daheim, aber einfach nur bei den Kindern zu sein und die Möglichkeit zu haben, in ihr Leben ein Licht zu scheinen—das ist alle Mühe wert.

Dienstag, 7. August 2012

“Good afternoon”, sagt Anne. “Good afternoon!”, rufen die Kinder im Chor. “My name is Anne”, sagt Anne. “My name is Anne!”, brüllen die Kinder wie aus einem Mund. Ein Beweis dafür, dass die Kids im neuen „paXan Kinderzentrum“ extrem lernfähig sind: Was vorne gesprochen wird, wird nachgesagt. Zumindest bei den Liedern. Das kleine Missverständnis wurde natürlich gut belacht und dann schnell geklärt, sodass die Kinder der Geschichte vom Gelähmten und seinen vier Freunden, wieder mit professionell-improvisierter Dramatisierung, lauschen konnten. Unsere Kinderstunden am Nachmittag sind eine spannende Mischung aus lachenden Kindern, fleißig Bastelarbeiten-verteilenden Jungerwachsenen, Liedern, Geschichten, Spielen, einem Geräuschpegel, der jeden Bahnhof zur Hauptverkehrszeit in den Schatten stellt, und etwa 1001 geschüttelten Händen.

Viele lachende Kinder gab es auch am Vormittag, wo in Abbotsleigh das halbe Team ein spontanes, dreistündiges Kinderprogramm durchführte, während die andere Hälfte des Teams den Schulraum innen fertig apfelweiß und außen apfelgrün strich und dabei vermutlich einen neuen Rekord im Schulgebäude-in-Apfelfarben-Bestreichen aufstellte. Es ist traurig, dass wir uns von den Kindern dort verabschieden mussten, aber wir sind auch sehr zufrieden, dass wir bereits ein Projekt erfolgreich fertigstellen konnten. Während der Kinderspiele und Apfelstreiche kämpften sich zwei paXanoven durchs „Bauhaus“ in Hatton und kauften alles Nötige, um ab morgen unser Großprojekt in Angriff zu nehmen: den Raum, in dem wir uns nachmittags mit den Kindern treffen, in ein gemütliches Kinderzentrum zu verwandeln.

Mittwoch, 8. August 2012

Wie heißt eigentlich ein Mensch, der auf Sri Lanka lebt? Sri Lankaner? Sri LanChinese? Sri Lankäse? Sri Lanki? Das war eines der Themen, die uns heute Abend bei der Teambesprechung bewegten. Zu den anderen Themen gehörten “Wie viel Kleister verträgt ein Pappmaschee-Wal (und die Hände eines paXanoven)?” “Wie falle ich am stilvollsten beim Plumpsack?” “Aus wie viel Steinen baue ich den perfekten Hühnerstall?” Alles in allem waren wir sehr zufrieden mit unseren Errungenschaften heute. Pünktlich um halb 9 ging es los, erst nach Hatton zum Einkaufen (der eingeräucherte hinterste Winkel im obersten Stock des Porzellanladens, wo wir Teppiche kaufen wollten, war besonders interessant) und dann nach Dimbula zu „unserem“ Kinderzentrum. An den letzten zwei Tagen hatten wir uns schon gründlich umgeschaut, was alles an Sanierungsarbeiten im Raum dringend nötig und in drei Tagen umsetzbar ist, und haben dementsprechend erfolgreich eingekauft—auch wenn uns der Sand nicht in Säcken, sondern auf den Laster gehäuft und in eine Ecke der Teeplantage geschüttet erreichte. Bis zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits den Raum leergeräumt (samt Indoor Hühnerstall), unzählige Male gefegt, die Wände gesäubert und mit Grundierung überstrichen und diverse Kabel verlegt. Mit Zement wurden dann noch die Löcher in den Wänden gestopft und die Schlaglöcher im Fußboden gefüllt. Bei der wohlverdienten Mittagspause waren alle zwar ziemlich erschöpft, aber zufrieden mit dem, was wir heute geschafft haben.

Um zwei Uhr startete dann wieder das Kinderprogramm—diesmal auf dem Volleyballplatz, da ja im Kinderzentrumraum noch der Boden trocknete. Das hatte einen positiven Einfluss auf den Geräuschpegel, nicht aber auf die Aufmerksamkeit. Trotzdem sangen die Kinder mit Begeisterung die verschiedensten Bewegungslieder, malten mit noch mehr Begeisterung Walfische aus, guckten der Geschichte von Jona und dem großen Fisch als Puppen-(oder eher Papp-)Theater zu und bastelten schließlich, wie schon erwähnt, kolossal klebrige Walfische aus Pappmaschee, was den einen oder anderen paXanoven an den Rand des Walwahnsinns trieb und zu interessanten Sonnenmarkierungen auf Pappmaschee-Walfisch-haltenden Händen führte. Als Belohnung für die Mühe gab es dann ein paar Runden Plumpsack—bei über 80 Kindern legt man da eine halbe Marathonstrecke zurück—und diverse andere Spiele, bevor wir uns mit dem gewohnten 2583mal Händeschütteln, 1764mal “See you tomorrow” und 3914mal “Bye!” verabschiedeten. Als wir wieder im Zentrum ankamen, ging gerade die Sonne unter—das malerische Ende eines erfolgreichen Tages.

Donnerstag, 9. August 2012

Nach dem glücklichen Ende einer ausgesprochen heiteren Maracuja-Avocado-Party in einer Ecke unseres Sechserzimmers (Danke, Berit! :)) wird es Zeit, über die heutigen Erlebnisse der vierzehn srilankinesischen (oder srilankoven?) paXanoven zu berichten. Der Arbeitstag begann, nach der gewohnten Busfahrt mit gratis Massage, mit Hindernis in Form eines motorradfahrenden Teeplantagenaufseherstellvertreters, der uns ohne DIE Erlaubnis nicht weiterarbeiten lassen wollte und dafür auch alle möglichen überzeugenden Argumente parat hatte. Wir hatten zwar durchaus eine Erlaubnis, aber nicht eben DIE Erlaubnis. Um also DIE Erlaubnis zu bekommen, machten sich Christoph, unser Leiter, und Kobu, der verantwortliche SrilanKäse (oder Srilankier?), auf den Weg zum Estate Management, während der Rest von uns spontan das Kinderprogramm auf den Vormittag verlegte. Dadurch waren zwar etwas weniger Kinder dabei, aber unseren noch-Kleister-Walfisch-strapazierten Nerven tat die etwas ruhigere Atmosphäre gut und es machte allen so richtig Spaß. Bei der Andacht hatten wir Besuch von Zachäus und bei der folgenden Bastelarbeit war es wundervoll mit anzusehen, wie die frechsten Jungs friedlich auf dem Boden saßen und mit Elan Freundschaftsbändchen knüpften.

Bis zur Mittagspause war dann auch DIE Erlaubnis eingeholt und wir konnten gegen zwei Uhr wieder unser Renovierungsprojekt in Angriff nehmen. Das Ergebnis eines produktiven Nachmittags: ein freundlich heller Raum mit strahlend apfelweißen Wänden und den Anfängen der Wanddekoration, ein (mehr oder weniger) glatter Fußboden, die Elektrik für drei Lampen bzw. Steckdosen fast fertig verlegt, etwas abenteuerlich apfelweiße Außenwände und—nicht zu vergessen: die Hühnervilla, in der das apfelweiße Geflügel des Hausbesitzers hoffentlich jetzt selig träumt. Wieder „zuhause“ wartete dann auch gleich Tee und Kuchen auf uns … und dann ein vortreffliches Abendessen … und noch einmal Tee und Gebäck … und dann passierte auch noch die Maracuja-Avocado-Party. Aber das ist eine andere Geschichte.

Freitag, 10. August 2012

Es ist zweifellos das schönste Kinderzentrum in der Galaxis: das „paXan Kinderzentrum“ in Dimbula. An diesem, dem letzten und leider etwas regnerischen Arbeitsvormittag bot etwa ein Drittel des Teams alle künstlerischen Talente auf und zauberte eine preisverdächtige Arche-Noah-Szene an eine Wand unseres frischgestrichenen Kinderzentrumraums (nicht zu vergessen auch die Giraffen-Messlatte an der Wand gegenüber), während unser Elektrikteam die Verkabelung und Installation von drei Lampen erfolgreich vollendete (auch wenn das sehr abenteuerliche Leiterkunststücke erforderte). Die andere Hälfte des Teams verbrachte den Vormittag in Patana, etwa eine Viertelstunde entfernt, und strich ein weiteres Schulgebäude im heißgeliebten Apfelweiß—denn ein Tag ohne Apfelweiß ist wie ein Schokobrötchen ohne Rosinen. Zum Mittagessen trafen wir uns in der Kirche, die wir auch am Sonntag besuchen werden, warteten dann in strömendem Regen eine Viertelstunde auf unsere Busse, deren Fahrer unerwartet zum Freitagsgebet verschwunden waren, und besuchten dann das „Tea Castle“, wo tüchtig Tee eingekauft und gekostet wurde. Für das kolonial-britisch-vornehme Ambiente des Tea Castles waren wir zwar nicht ganz passend angezogen (die eine Hälfte apfelweiß gesprenkelt, die anderen mit diversen Regenbogenfarben befleckt), aber, wie unser Leiter Christoph bemerkte: Wir waren in der Überzahl.

In der Überzahl waren wir nicht mehr, als das Nachmittags-Kinderprogramm startete. Knapp hundert Kinder plus einige Eltern saßen auf den neugekauften Teppichen, als wir von unserer Mittagspause zurückkamen (an dieser Stelle auch zu erwähnen wäre eine sehr lustige Busfahrt und der Beweis anhand unseres Sechserzimmers, im Bus vollzählig anwesend, dass die wichtigen Dinge im Leben ansteckend sind). Zum Glück hatten wir den Raum rechtzeitig fertig renoviert, sodass das Kinderprogramm aufgrund des doch recht feucht-kalten Wetters wieder dort stattfinden konnte. Die Kinder freuten sich ungemein über uns und über die Arche und die neuen Teppiche und diverse andere Dinge im Leben und taten dies auch lautstark kund. Hatten wir vielleicht den enormen Geräuschpegel im Raum bereits erwähnt? Die heutige Bastelarbeit hatte einen radikalen Einfluss darauf: Wir haben Rasseln gebastelt. Hundert johlende Kinderstimmen (zugegebenermaßen haben wir ihnen das Johlen beigebracht), dazu hundert selbstgebastelte Rasseln. Hörbar.

Viele Lieder, eine Geschichte über Paulus und einige geräuschvolle Spiele gehörten ebenfalls zum zweieinhalbstündigen Programm. Dann hieß es Abschied nehmen. Das dauerte aber eine Weile. Erst mussten wir kommunizieren, dass unser Programm wirklich zu Ende war. Dann gab es eine Dankesrede der Eltern und eine der Kinder. Um ihrer Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, ehrten die Eltern uns alle mit einem Blumenkranz und einem oder zwei Blumensträußen, und ein oder zwei (oder auch drei oder vier) Runden srilankische Küsschen-Umarmungen. Christoph durfte auch noch eine Dankesrede halten, und schließlich durchliefen alle anwesenden Kinder einen deutsch-mäßig organisierten Parcours: Namen und Alter notieren, Portraitfoto machen, Geschenke entgegennehmen (Malstifte, Luftballons und Gummibärchen), Hände schütteln und unzählige Male winken. Die Fotos dienen der Registrierung fürs Kinderzentrum, das im September beginnen wird und wo die Kinder täglich Hausaufgabenhilfe und einen nahrhaften Snack erhalten und geistig, körperlich, geistlich und sozial-kulturell gefördert werden.

Bei der etwas verspäteten Rückfahrt waren es vierzehn zwar erschöpfte, aber sehr zufriedene paXanoven, die über die regennassen Schlaglöcherstraßen zurück nach Hatton rumpelten. Denn das Fazit der Woche liest sich gut: in zwei lokalen Schulen je ein Gebäude frisch (apfelweiß!) gestrichen, und ein heruntergekommener, dunkler, verrußter, Dach-löchriger, als Hühnerstall missbrauchter Raum in ein strahlend helles, fröhlich bemaltes, fertig verkabeltes, Fußboden-saniertes und voll überdachtes Kinderzentrum verwandelt, in das in den nächsten Wochen auch noch eine neue Tür und Fenster eingesetzt werden. Und das Beste daran ist, dass wir es selbst planen und durchführen durften: Wir kamen, sahen was nötig war, planten was möglich war, kauften ein, machten uns an die Arbeit und schafften alles, was wir uns vorgenommen haben. Und natürlich, dass es ein Kinderzentrum für „unsere“ Kinder ist: Kinder, deren Leben wir eine Woche lang teilen durften und die vielen von uns so richtig ans Herz gewachsen sind. Kinder, die bisher wenig Hoffnung darauf hatten, dass ihnen das Leben mehr Chancen bieten wird als ihren Eltern, aber die sich jetzt auf eine echte Zukunft freuen können. Kinder, die träumen und hoffen und wünschen; deren Träumen wir den ersten Funken Wirklichkeit schenken durften. Wenn sich dafür die weite Reise nicht gelohnt hat!

Und es wurde Abend und wieder Morgen—der fünfte Tag. Und siehe, es war alles sehr gut.

Samstag, 11. August 2012

Bis ans Ende der Welt, bis ans Ende der Zeit … So beginnt nicht nur ein Lied, sondern das beschreibt auch recht treffend unseren Ausflug am sechsten Tag der paXan 2012 Abenteuer. Bis ans Ende der Welt—das war unser Ziel für diese Exkursion. Bis ans Ende der Zeit—so wirkte die Hinfahrt zu diesem spannenden Ort. Aus den regulären zweieinhalb Stunden wurden dank erstaunlich effizienter Baustellenkoordination im Endeffekt viereinhalb Stunden. Zum Glück gab es ja genug zu sehen auf der Strecke: diverse Wasserfälle und Stauseen, kleine und größere Siedlungen, tausende Quadratkilometer Teeplantagen (mit lustigen Namen wie „Oliphant Estate“), die, umso höher wir kamen, langsam aber sicher durch den Urwald verdrängt wurden. Nach einer kurzen Pause in Ambewela, wo die von bunten Milchkühen begrasten grünen Wiesen bei den deutschen Besuchern einfach keine Begeisterungsstürme auslösen konnten und wo sich der srilankische Bezirkssuperintendent mit seinem ältesten Sohn zu unserer Truppe gesellte, kamen wir um die Mittagszeit endlich an: im Horton Plains National Park, einer Hochebene auf über 2000 Metern nahe Nuwara Eliya. Das morgens nicht sehr viel versprechende Wetter hatte sich auf eine angenehme Mischung aus Sonne, Wolken und gelegentlich ein paar erfrischenden Regentropfen eingependelt, und so zogen wir gut sonnengecremed und frohen Mutes los, um auf dem 9,5 km Rundweg die Pflanzen- und Tierwelt Sri Lankas zu erkunden. Die Tierwelt wusste sich zwar gut zu verstecken, aber an der Pflanzenwelt gab’s ja genug zu sehen: drei Stunden durch Fangorn ist schon ein Erlebnis. Abgesehen davon war es auch richtig schön, mal eine Weile laufen zu können, die Natur in Ruhe und auf Augenhöhe zu betrachten und nicht nur durch die Fenster eines Schluckauf-geplagten Kleinbusses, und sich auch einfach ganz normal zu unterhalten, ohne dabei gleich Kinderprogramme oder Renovierungsarbeiten planen zu müssen.

Der erste Höhepunkt auf unserer Höhenwanderung war „Little World’s End“ (270m) und der echte Höhepunkt—im wahrsten Sinne des Wortes—folgte kurz darauf im „World’s End“, das wir nach etwa einer Stunde erreichten: eine Klippe, die 880 Meter senkrecht auf die Ebene abfällt. Es sah auch wirklich aus wie das Ende der Welt: ein paar Felsen, ein bisschen Sand, einige Pflanzen, die todesmutig über dem Abgrund balancierten, und danach Nichts: eine dichte weiße Wolkenwand, die aus dem Tal hochkroch und über den Felsrand leckte, als wollte sie die Hochebene ebenfalls verschlingen. Leider taten die Wolken uns nicht den Gefallen, auch mal aufzureißen und uns einen Blick nach unten zu gönnen, obwohl wir brav wie die Piraten eine Weile am Ende der Welt ausharrten und viele Fotos schossen, also müssen wir uns bei den 880 Metern doch auf Lonely Planet verlassen. Aber faszinierend war es trotzdem—und schon ein komisches Gefühl, so am Abgrund zu sitzen und zu wissen, dass das höchste Gebäude der Welt nicht so hoch reicht wie die Klippe vor unseren Füßen.

Schließlich machten wir uns dann doch wieder auf den Weg und erreichten, mit einem kurzen Abstecher zu Baker’s Falls und einigen akrobatischen Herausforderungen, am Spätnachmittag wieder unsere Busse. Die Rückfahrt dauerte nur die erwarteten drei Stunden und wäre wohl noch kürzer gewesen, wenn unsere Busfahrer nicht eine halbe Stunde Pause eingelegt hätten, um zum Sonnenuntergangsgebet zu verschwinden, was unsere religiöse Toleranz leider auf ihren Tiefstpunkt beförderte. Aber auch das ging vorüber … und schließlich haben wir auf der Rückfahrt eh alle gepennt. Zuhause gab’s dann ein spätes aber wie immer vortreffliches Abendessen, eine kurze Planungsrunde, und dann fielen wir erschöpft und zufrieden in unsere apfelweißen Betten. Bis ans Ende der Welt und wieder zurück. Das reicht für einen Tag.

Sonntag und Montag, 12. und 13. August 2012

Am Sonntag hieß es noch einmal: früh aufstehen, denn um halb acht ging es los zur Kirche. Um 8.30 Uhr kamen wir in Kobus Gemeinde in Patana an und wiederholten in der Kindersonntagsschule unser Arche-Noah-Programm vom vergangenen Montag. Von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr war Gottesdienst, zur Hälfte von uns gestaltet (der srilankische Teil war für einige von uns eine ganz spezielle interkulturelle Erfahrung), und danach trafen wir uns noch eine Weile mit den Jugendlichen der Gemeinde, die für deutsche Spiele nicht ganz so empfänglich waren wie die Kinder. Nach einem letzten guten Mittagessen und Eil-Packerei mussten wir dann unserem wundervollen Fünf-Sterne-Schulungszentrum und auch der schönen Berglandschaft adieu sagen. Die Rückfahrt verlief gefahr- und ereignislos und kulminierte in dem Besuch einer ganz besonderen traditionell-kulinarischen Stätte, die wir eine Woche vorher vergeblich gesucht hatten: McDonald’s. Übernachtet haben wir im neuerbauten Colombo Ministry Centre von NCM Lanka, dessen Betten ebenfalls komfortabel, die Zimmer jedoch recht eng waren (aber immerhin waren die Wände apfelweiß, wir fühlten uns also gleich wie daheim). Zum Glück gibt es als Gegenmittel zu engen Räumen mit schlafenden paXanoven ja noch Maracuja-Partys im fünften Stock.

Der Montag war dann ganz relaxed: ein spätes Frühstück, Bus beladen, ein bisschen shoppen hier, ein wenig einkaufen dort, eine heiße, sandige, salzwässrige aber urlaubsmäßig entspannte Stunde am Strand von Negombo, Mittagessen bei Pizza Hut, noch etwas einkaufen und Zeit, in den Märkten und kleinen Lädchen in der Innenstadt Negombos diverse kulturelle Erfahrungen zu machen, und dann zum Flughafen. Inzwischen sind alle vierzehn paXanoven wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen—sonnengebräunt, wohlgenährt, weitgereist und um viele Erfahrungen reicher.

Aber was bleibt jetzt, außer den apfelweißen Erinnerungen?

Mit paXan 2012 hatten wir das außerordentliche Vorrecht, in Dimbula ein nagelneues Kinderzentrum beginnen zu dürfen. Mit den Kindern hatten wir einen Riesen Spaß und haben sie so richtig ins Herz geschlossen, und es war etwas ganz Besonderes, für „unsere Kinder“ den Raum frisch zu renovieren und hübsch herzurichten. In den kommenden zwei Wochen werden noch Fenster und eine Tür eingesetzt; der Unterricht beginnt dann Anfang September. Dank der großzügigen Spenden für paXan 2012 konnten nicht nur die verschiedenen Sanierungsarbeiten für das Dimbula Kinderzentrum und die apfelweiße und -grüne Farbe für Abbotsleigh und Mount Vernon (Patana) bezahlt werden, sondern auch die laufenden Kosten für das Dimbula Kinderzentrum fürs erste Jahr. Aber was kommt danach?

Ein Kinderzentrum in Südasien wird in der Regel mindestens fünf Jahre finanziell unterstützt, bevor es selbsttragend ist und mit lokalen Ressourcen weitergeführt werden kann. Sie können dazu beitragen, den Kindern in Dimbula auch weiterhin echte Chancen für die Zukunft zu schenken: durch eine einmalige oder regelmäßige Spende (bitte wählen Sie beim Online Spenden unter „Meine Spende soll folgendem Projekt zugute kommen“ die Options „Dimbula Kinderzentrum Sri Lanka“) oder am besten, indem Sie eine Patenschaft für ein Kind aus Dimbula übernehmen. Wählen Sie dabei bitte auf dem Patenschaftsantrag bei Land/Programm die Option „Sri Lanka—Dimbula“. Oder möchten Sie Ihr Kind selbst aussuchen? Dann kontaktieren Sie uns bitte für weitere Infos (Tel. 06051 832892; info@helpinghandsev.org).

Eindrücke der Teilnehmer

“Der paXan-Einsatz hat auf eine sehr eindrucksvolle Weise gezeigt, was eine Gruppe von Christen, die Gott dienen, in einer sehr kurzen Zeit in Menschen und an Gebäuden an Veränderung bewirken kann. Gott hat jeden von uns in unserer persönlichen Beziehung zu ihm gestärkt und verändert.” Simon

“Es ist verrückt, wie wir in so kurzer Zeit mit Gottes Hilfe so viel bewegen konnten. In unseren Augen Kleinigkeiten und einfache Gesten haben die Menschen und vor allem die Kinder in Dimbula zum Lachen gebracht und begeistert. Es wird viel Zeit brauchen, all die neuen Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten.” Eva R.

“Es war genial, die Kinder von Dimbula kennenlernen zu dürfen und mit ihnen eine Woche zu verbringen. Ihr Gesang und ihr Lachen werden mich noch weiter begleiten. Auch war es genial zu sehen, wie sich vier Wände, ein Hühnerstall und eine Feuerstelle innerhalb von fünf Tagen in ein Kinderzentrum verwandelten.” Christian

“Was mich mitunter am meisten bei dem Einsatz bewegt hat, ist, dass wir als paXan-Team an der Entstehung des Kinderzentrums in Dimbula mitbeteiligt waren und zu wissen, dass sich für die Kinder langfristig auch nach unserer Abreise Dinge verändern werden. Sie werden eine Anlaufstelle haben, die vorher nicht bestanden hat und an der ihre Fähigkeiten gefördert werden und die neue Perspektiven eröffnet. Dadurch, dass ich die Kinder persönlich kennengelernt habe, stehe ich dem Patenprogramm ganz neu gegenüber, weil ich sehen kann, dass jede Patenschaft einen Unterschied für „unsere“ paXan Kinder machen wird.” Anne

“Für mich persönlich war es extrem begeisternd, dass wir tatsächlich ein neues Kinderzentrum in dieser „ländlichen“ Gegend gründen durften. Die echte Freude und Dankbarkeit der Menschen beim Abschied war eine sehr schöne Bestätigung und Ermutigung auch wieder dafür, dass „Zeugnis sein“ ein wichtiger Bestandteil dieser Teams ist. Für mich persönlich ist das Team allerdings noch nicht vorbei, denn jetzt heißt es, Sponsoren für die Kinder zu finden, und ich hoffe wirklich sehr, dass wir genügend Personen finden werden.” Christoph