Extreme Hungersnot im Süden Madagaskars

Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren hat den Süden Madagaskars in eine extreme Hungers­not gestürzt – wohl die schlimmste, die das Land je erlebt hat – durch die das Leben von etwa einer Million Men­schen gefähr­det ist. Der Hunger ist so extrem, dass die Menschen konsumieren, was sie finden können: ungenießbare Pflanzen, Insekten, sogar Lehm. Und sie kön­nen teil­weise nicht ein­mal fliehen, weil das Land durch Lock­downs gelähmt ist; da­durch ist auch die Hilfe er­schwert.

Dennoch möchte unser ört­licher Part­ner helfen – voraussichtlich per Flug – und Hilfe zu 4.000 Familien in 20 Dör­fern in Ambovombe in der Androy-Region bringen; die Region, die am stärk­sten betrof­fen ist: Dör­fer, in denen die Men­schen bisher noch über­haupt keine Hilfe er­halten haben. Zunächst wer­den Lebens­mittel benö­tigt: Reis, Bohnen, Milch, Wasser und Speise­öl; dazu pro Haushalt einen Kanister, eine Pfan­ne, einen lokalen Kocher („Brazier“) und Seife. Wenn der schlimm­ste Hunger besiegt ist, kann länger­fristige Hilfe in Angriff genom­men werden. Zum Beispiel sind mehrere örtliche Kliniken in sehr schlechtem Zustand.

Wir möchten, gemein­sam mit unse­rem Part­ner humedica, in Mada­gas­kar helfen! Weitere Infos folgen in den nächsten Tagen.

Wenn Sie den Menschen in Madagaskar eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Madagaskar Hungersnot“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Joggathon 2021

Auch im zweiten Corona-Mai finden die traditionellen Joggathons statt!

Wie schon in 2020 gibt es den „Joggathon to go“: Wir laufen gemeinsam für den guten Zweck, und zwar allein, zu zweit oder als Familie – jeder, wo er oder sie will, aber trotzdem zusammen … gerne in ganz Deutschland oder außerhalb!

Drei dezentrale Joggathons sind geplant:

Der Gelnhäuser Joggathon läuft offiziell vom 29. Mai bis zum 5. Juni. Dieser Joggathon unterstützt zu 100% unser Jahresprojekt 2021: Integrative Kinderzentren in Nepal.

Der Berliner Joggathon läuft offiziell vom 30. Mai bis zum 6. Juni und beginnt mit einem OpenAir Gottesdienst. Dieser Joggathon unterstützt zu jeweils 25% die beiden paXan-Projekte in Uganda (Wassertank für Schule) und Albanien (landwirtschaftliches Projekt).

Der Hanauer Joggathon läuft offiziell vom 21. bis zum 27. Juni und unterstützt die NES-Schule in Beirut, Libanon (unser Jahresprojekt 2020).

 

Bist du dabei?

Dann melde dich an (Infos zu GelnhausenInfos zu Berlin – Infos zu Hanau), suche dir Sponsoren, finde Mitläufer (wenn du magst) und wähle deine Laufstrecke, installiere eine Tracking-App auf deinem Handy (wenn du magst), hoffe auf gutes Wetter und laufe im genannten Zeitfenster eine Stunde lang so weit oder schnell wie du kannst oder möchtest. Wenn du hinterher Bescheid geben kannst, wie viele Kilometer und Euro du „erlaufen“ hast, freut das die Statistik – und natürlich die Kinder und Erwachsenen in Nepal, Libanon, Uganda und Albanien, die durch deine Unterstützung in eine hoffnungsvollere Zukunft blicken können!

Die Joggathons sind Veranstaltungen der Ortsgemeinden der Kirche des Nazareners in Gelnhausen, Berlin und Hanau. Weitere Infos zu Joggathons und anderen Spendenaktionen gibt es hier.

Unser Team wächst!

Es sind spannende Zeiten bei Helping Hands e.V.! Seit im vergangenen Frühjahr die Vereinsleitung in Exekutive (Geschäftsführung) und Legislative (Verein und Vorstand) getrennt und ein völlig neuer Vorstand gewählt wurde, hat es einige weitere Entwicklungen in unserem Team gegeben.

Seit dem 1. April 2021 unterstützt uns Mareike Kraska, ausgebildete Bürokauffrau, in der Buchhaltung und anderen Bereichen. Wir sind sehr dankbar über diesen „Zuwachs“ und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!

Am 29. März 2021 fand unsere erste Mitgliederversammlung in diesem Jahr statt (per Zoom). Dabei durften wir sechs neue Mit­glieder aus Berlin, Stutt­gart, Ulm und Bad Orb will­kommen heißen! Unter anderem fanden auch Vorstands­wahlen statt: Dennis Lieske und Fabian Fuß wurden als 2. Vor­sitzender und Schrift­führer für 2 Jahre in ihrem Amt bestä­tigt. Dadurch fallen die Wahlen für den 1. und 2. Vor­sitzenden in Zukunft nicht mehr auf den­selben Termin; der 1. Vor­sitzende Simon Bangert ist noch für ein Jahr gewählt.

Zudem berief der Vorstand ab dem 1. März 2021 Dorothea Gschwandtner in die Verantwortung der internationalen Geschäftsführung. Frau Gschwandtner hat neben Magisterabschlüssen in relevanten Bereichen auch zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit im In- und Ausland. Die administrative Leitung wird übergangsweise weiter von Dr. Hermann Gschwandtner wahrgenommen.

Mehr über „Unser Team“ erfahren Sie hier.

Hoffnungslicht in der Pandemie

Täglich meldet Indien neue Corona-Horrorzahlen. Wie ist das möglich in einem Land mit einigen der besten medizinischen Einrichtungen der Welt?

Indien ist nicht nur riesengroß, noch immer lebt weit über die Hälfte der Bevölkerung in Großstadtslums oder in entlegenen ländlichen Gebieten. Und je weiter man sich von den Großstädten entfernt, desto katastrophaler ist die Lage.

Dennoch gibt es mitten in der Pandemie Hoffnungslichter: Krankenhäuser wie das Reynolds Memorial Hospital (RMH) in einer entlegenen Gegend Zentralindiens (Washim, Maharashtra). Seit über 80 Jahren dient RMH jedem, der Hilfe braucht. In unmittelbarer Nähe zu RMH bildet das Nazarene Nurses Training College (NNTC) viele Krankenpfleger aus. Neben der Arbeit im Krankenhaus besuchen sie auch die umliegenden Dörfer, um Kranken zu helfen, die keinen direkten Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Die Mitarbeiter wissen sich besonders den Menschen verpflichtet, die gesellschaftlich ausgegrenzt sind oder sich keine medizinische Behandlung in einer Privatklinik leisten können.

In den letzten Jahren haben sich für RMH neue Möglichkeiten ergeben, mit zwei der größten christlichen medizinischen Organisationen zu kooperieren, der bedeutendsten christlichen medizinischen Universität Indiens (Vellore Medical College) und der Emmanuel Hospital Association. Dadurch wuchs nicht nur die Zahl der Ärzte und Krankenpfleger, sondern die Dienstbereiche konnten erweitert werden.

Die Corona-Pandemie stellt vor allem das ländliche Indien vor riesige Herausforderungen und damit auch RMH. Inzwischen wurden Dutzende von Patienten mit COVID-19 in einem Sondertrakt von RMH eingeliefert, und fast die Hälfte benötigt Sauerstoff. Die Ärzte sind dankbar, dass rechtzeitig vor der Pandemie ein Generator zur Produktion von Sauerstoff geliefert wurde und so bisher keine Engpässe entstanden.

Daneben läuft die normale Arbeit mit Entbindungen, Operationen und Behandlungen. Ja, RMH befindet sich vor einer der größten Herausforderungen seiner Geschichte, aber die Mitarbeiter sind überzeugt: Wir geben nicht auf, sondern werden für viele ein Hoffnungslicht in der Pandemie sein!

von Dr. Hermann Gschwandtner, Geschäftsführer (Administrativ)

Helping Hands e.V. hat das Reynolds Memorial Hospital in den letzten drei Jahrzehnten wiederholt in kleineren Projekten unterstützt. Zudem war Dr. Gschwandtner 21 Jahre lang Vorstandsmitglied bei RMH.

 

Eine neue Jacke für alle!

Update aus unseren Kinderzentren in Nepal

Wie sollen wir bloß für alle Familienmitglieder genug zu essen besorgen? Wie das Schulmaterial für unsere Kinder bezahlen? Und wo finden wir das Geld für die nötigste Kleidung?

Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen rund um den Globus – die Coronakrise hat den weltweiten Kampf gegen Armut und Hunger um Jahrzehnte zurückgeworfen. Um einige Familien in Nepal bei den Antworten zu unterstützen, dafür engagieren wir und unser Partner vor Ort uns in mehreren integrativen Kinderzentren als unser Jahresprojekt 2021.

Als erstes dieser Zentren wurde bereits im Oktober 2020 das Kinderzentrum in Piluwa neueröffnet. Zwei Mädchen berichten von ihren Erfahrungen:

„Ich heiße Kalita* und gehe in die 6. Klasse. Zuhause sind wir 10 Personen. Mein Vater ist Schreiner und meine Mutter hat keinen Job, weil sie krank ist. Wir haben nur ein Lehmhaus und ein kleines Stück Land. Wenn mein Vater keine Arbeit hat, dann müssen wir ohne Essen ins Bett. Von neuer Kleidung können wir nur träumen!

Aber zum Glück habe ich die Chance bekommen, in Piluwa ins Kinderzentrum zu gehen. Dort helfen mir die Lehrer bei den Schulaufgaben und ich kann mit meinen Freunden spielen. Wir bekommen auch das nötige Schulmaterial und etwas zu essen. Im Winter habe ich diese tolle Jacke bekommen, sie ist so wundervoll vor allem in der Kälte, ich hab mich so gefreut! Und nicht nur ich bin im Kinderzentrum, auch drei meiner Geschwister. Wir waren so begeistert, als wir alle eine neue Jacke bekommen haben – alle vier von uns gleichzeitig!“

„Und ich bin Raika* und gehe in die 3. Klasse. Wir sind 12 in meiner Familie – acht Mädchen und ein Junge! Wir wohnen alle zusammen in einer Holzhütte. Meine Eltern arbeiten bei anderen Leuten auf dem Feld, weil wir nur ein ganz klein wenig Land haben; nur so können sie genug für uns alle zu essen kaufen. Aber sie haben kein Geld, um Schulgebühren zu bezahlen oder Schulmaterial, Kleidung oder gar Spielzeug zu kaufen.

Seit mein Bruder und ich ins Kinderzentrum in Piluwa gehen, bekommen wir diese Dinge dort. Letzten Weihnachten haben wir sogar beide eine neue Winterjacke bekommen, schön warm und weich, die habe ich getragen, bis es nicht mehr kalt war.“

 

Insgesamt 75 Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren aus über 40 bedürftigen Haushalten besuchen derzeit das Kinderzentrum in Piluwa. Wie auch in anderen Kinderzentren erhalten die Kinder dort fünfmal pro Woche Nachhilfe bzw. Unterstützung bei den Schulaufgaben, basteln und spielen Spiele, lernen verschiedene wichtige Dinge, zum Beispiel wie sie am besten gesund bleiben, und bekommen zusätzlich eine kleine Mahlzeit und das benötigte Schulmaterial. Die Winterjacken waren eine Sonderaktion zu Weihnachten und wurden in allen nepalesischen Kinderzentren verteilt.

Zwei Lehrer kümmern sich in Piluwa um die Kinder und treffen sich regelmäßig mit den Eltern. Bereits im Herbst wurde eine Selbsthilfegruppe unter den Müttern gegründet und die Frauen haben verschiedene Schulungen besucht. Jetzt treffen sie sich einmal pro Monat, um wichtige Angelegenheiten durchzusprechen und ihr Sparprogramm weiterzuführen – das wird ihnen die nötige Grundlage geben, um 2021 mit verschiedenen einkommensschaffenden Aktivitäten zu beginnen und so das Familieneinkommen zu verbessern und langfristige Veränderungen einzuleiten.

Auch die Aktivitäten im Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun (ein Zentrum mit zwei Standorten) laufen wie geplant weiter; bisher sind die Zentren vom erneuten Lockdown in einigen Teilen Nepals nicht betroffen.

Weitere Informationen zu unserem Jahresprojekt finden Sie hier.

 

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

 

Die Kinder in Piluwa freuen sich über ihre neuen Winterjacken:

Rückblick: Jahresprojekt 2020

Oase des Friedens im Chaos – so hatten wir unser Jahresprojekt 2020 überschrieben. Denn genau das ist die NES-Schule in Beirut heute und schon immer gewesen: eine Oase des Friedens inmitten des Bürgerkriegs (1975–1990), religiöser und gesellschaftlicher Konflikte, der syrischen Flüchtlingskrise und zuletzt der Wirtschaftskrise mit Straßenprotesten, die das Land Ende 2019 im Griff hatten.

Im Jahre 2020 bekam dann „Chaos“ eine ganz neue Bedeutung. Erst die Coronakrise, die Menschenleben gefährdet und die bereits extrem geschwächte Wirtschaft aufs Äußerste strapaziert. Und dann im August die verheerende Explosion in Beirut: dutzende Tote, tausende Verletzte, ein Drittel der Stadt beschädigt oder zerstört. Das wirtschaftliche und politische Chaos nahm weiter zu. Inzwischen ist etwa die Hälfte der libanesischen Bevölkerung in die Armut abgerutscht, die Währung hat im Vergleich zu Ende 2019 bis zu 90% an Wert verloren (Stand Mitte März, AlJazeera). Die Preise der vornehmlich importierten Produkte haben sich vervielfacht und steigen noch kontinuierlich; alltägliche Dinge wie Shampoo oder Waschmittel sind zum Luxusgut geworden.

„Unser Land bricht zusammen“, berichtete die Schulleiterin im Januar. „Die wirtschaftliche Lage ist unvorstellbar! Und das ist innerhalb von wenigen Monaten passiert – alles ist jetzt anders! Alle, die können, verlassen das Land – vor allem die gut Ausgebildeten, die Ärzte; niemand investiert irgendetwas. Wir wissen wirklich nicht, wie es weitergehen wird. Es bricht einem das Herz!

Nun ist jeder arm hier. Mit unseren Gehältern können wir so geradeeben Lebensmittel und Strom bezahlen. Die Preise sind wie verrückt angestiegen – Joghurt, zum Beispiel, kostet das 6- oder 8-fache … wenn man welchen finden kann. Vor allem Medikamente oder medizinische Behandlung sind ein Problem, aber viele Familien können sich nicht mal genug Brot leisten.“

Auch die NES-Schule ist von diesen Geschehnissen hart getroffen. Bei der Explosion wurde viel zerstört; die Lockdowns machten regulären Unterricht unmöglich; durch die angestiegenen Preise sind Strom und Reparaturen, Benzin für den Schulbus, selbst normale Reinigungsmittel fast unerschwinglich. Im vergangenen April hatte die Schulleiterin angesichts der Krise in einem Zoom-Meeting ihrem Personal mitgeteilt: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir weitermachen können!“

Und doch: Auch in diesem Katastrophenjahr konnte die NES-Schule weiterhin eine Oase des Friedens im Chaos sein. Während der Lockdowns kümmerten Lehrer und Schulleitung sich hingebungsvoll um die Kinder. Und dank großzügiger internationaler Hilfe konnte im Herbst tatsächlich das neue Schuljahr begonnen werden – und kein Kind wurde zurückgewiesen, obwohl die meisten Eltern sich das Schulgeld nicht mehr leisten können.

„Wir haben im Herbst alle Kinder kontaktiert. Wenn Kinder sagten, wir können aus finanziellen Problemen nicht kommen, dann haben wir ihnen gesagt, dass sie trotzdem kommen können! Dadurch haben wir dieses Jahr sogar mehr Schüler als im letzten, insgesamt 252 Kinder.“ Vielen libanesischen Familien konnte geholfen werden, die durch Explosion und Wirtschaftskrise ihr Einkommen verloren hatten. Und auch alle syrischen Kinder, deren anderweitige Unterstützung weggebrochen war, besuchen weiterhin die Schule oder das STEP-Programm.

Dafür war einige Kreativität nötig, denn die Familien konnten sich insgesamt nicht einmal 20% der Schulgebühren leisten. „Wir haben alle Schulbücher kostenlos verteilt – denn die sind inzwischen sehr teuer. Für die Schuluniformen haben die Familien sich untereinander ausgetauscht, oder die Kinder kommen einfach in normaler Kleidung. Und auch ‚eschool‘, das Online-Schulprogramm, das wir benutzen, konnte bezahlt werden. Dank einer Spende haben wir allen Kindern, vor allem Klasse 4 bis 9, Tablet-Computer ausgeliehen, sodass der Online-Unterricht jetzt viel besser klappt.“

All das wäre ohne die finanzielle Unterstützung von Helping Hands e.V. und anderen internationalen Spendern nicht möglich gewesen. Während die Spenden über Helping Hands vornehmlich den „Studienfond“ unterstützen, der Kindern aus finanzschwachen Familien ermöglicht, weiter die Schule zu besuchen, halfen Spenden anderer Organisationen, die Explosions-Schäden an der Schule zu beseitigen, die erheblich umfassender waren als ursprünglich gedacht – dabei wurden auch gleich ein paar andere wichtige Reparaturen bzw. Umbauarbeiten vorgenommen – sowie ca. 15 NES-Familien bei der notwendigsten Renovierung ihrer Wohnungen zu unterstützen und 25 Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten durch die schwerste Zeit zu helfen.

Aber all das wäre auch ohne die unermüdliche Arbeit der Lehrer und Administration der NES-Schule nicht möglich gewesen.

Im Herbst konnte tatsächlich etwa vier Wochen Präsenzunterricht in der Schule stattfinden; die Klassen wurden jeweils in zwei Gruppen unterteilt, die an unterschiedlichen Tagen kamen, und Pausen und Sport mussten gestrichen werden. Trotzdem konnten auch – unter strengen Hygienemaßnahmen und klassenweise anstatt schulübergreifend – einige „traditionelle“ Feierlichkeiten stattfinden. Bei den „Back to School“ Aktivitäten freuten die Kindergartenkinder sich über den Besuch eines Clowns und eine Luftblasenmaschine; die 1. bis 3. Klasse machte Spiele und Tänze – natürlich mit Abstand; Klasse 4 und 5 lachten gemeinsam bei Wettbewerben und in einer Fotobox; die Mittelstufenschüler wurden durch eine Art „Geländespiel“ herausgefordert.  Im November fand das übliche Kostümfest zum St. Barbara’s Day statt, und im Dezember wurden die Weihnachtsfeiern über drei Tage hinweg in kleineren Gruppen durchgeführt; auch zahlreiche ehemalige NES-Schüler halfen dabei.

Im Frühjahr 2020 sowie seit Januar 2021 fand bzw. findet auch in der NES der Unterricht online statt. Das ist eine große Herausforderung, vor allem auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage – inzwischen fällt zeitweise bis zu 12 Stunden am Tag der Strom aus, und die Internetverbindung ist oft schwach. Den ganzen Tag über ist das Team der NES auf den Beinen, um technische Probleme allgemein und die Computerprobleme jeder Familie einzeln zu beheben, denn viele Eltern kennen sich mit Computern überhaupt nicht aus.

„Unsere Lehrer arbeiten von 7.45 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Es ist sehr anstrengend. Wir haben live Unterricht ab der 4. Klasse. Die Lehrer senden ihre Unterrichtsinhalte als Videos und beantworten dann live Fragen. Auch nachmittags stehen sie zur Verfügung, um Fragen zu beantworten. In den unteren Klassen finden ebenfalls live sessions statt. Hier sind teilweise die Kinder in zwei Gruppen geteilt, damit die Lehrer sich individuell auf jedes einzelne Kind konzentrieren können.“

Das libanesische Programm „eschool“ leistet hier gute Dienste und ermöglicht auch Online-Examen und Benotung bzw. Bewertungen, aber das muss auch erst gelernt sein: Besonders ein Lehrer investierte hunderte Stunden, die anderen Lehrer und Eltern in das System einzuweisen und bei Schwierigkeiten zu helfen.

Auch das STEP-Programm findet weiterhin statt. „Einige unserer NES-Lehrer helfen jetzt auch bei STEP mit, weil sie mehr Erfahrung haben; das ist wirklich gut für die Kinder.“ Ab der 3. Klasse wird eschool benutzt. Mit Schülern, die besondere Lernschwierigkeiten haben, treffen die Lehrer sich einzeln per Videokonferenz und erklären den Unterrichtsstoff.

„Unsere Lehrer geben wirklich alle ihre Zeit für die Kinder – Schüler um Schüler, denn jedes Kind zählt!“, betont die Schulleiterin. „Ich treffe mich regelmäßig mit den Lehrern, um sie zu ermutigen und zu beraten. Und wir versuchen als NES, weiterhin die vollen Gehälter zu bezahlen – manche großen Schulen im Libanon zahlen nur noch die Hälfte, obwohl das Geld ja auch nur noch einen Bruchteil wert ist.“

Ermutigung und therapeutische Begleitung ist nach diesem Jahr und besonders nach der Explosion im Sommer dringend nötig. „Viele Kinder sind immer noch traumatisiert und zittern jedes Mal, wenn sie ein Flugzeug hören.“ Kurz nach der Katastrophe bot die NES-Schule für alle Kinder ein besonders Programm in Traumaseelsorge an und identifizierte Kinder, die besondere Hilfe brauchten; die Beratung wird durch den Schultherapeuten und eine Ärztin weitergeführt. Hier besteht auch aufgrund der scharfen Lockdowns weiterhin ein großer Bedarf: Viele Familien leben gemeinsam in einem kleinen Raum und häusliche Gewalt ist ein enormes Problem, das teilweise kulturell „akzeptiert“ ist.

Für die Lehrer wurde ebenfalls vom Schultherapeuten ein Traumaseelsorgeseminar angeboten, das sich sowohl auf die Explosion bezog, aber auch Depression aufgrund der wirtschaftlichen Lage vorbeugen sollte.

Eine Oase des Friedens im Chaos – das Personal der NES-Schule ist sich seiner zentralen Aufgabe weiterhin bewusst.

„Als eine unterstützende Organisation bekanntgab, dass sie die Schulgelder der syrischen Kinder nicht mehr weiter fördern könnten, haben mich fünf dieser Kinder jeden Tag kontaktiert und mich angefleht, dass sie bleiben dürfen“, erinnert sich die Schulleiterin. „Sie hatten große Angst – dass sie nach Syrien zurückmüssen, dass ihre Eltern sie verheiraten, wenn sie nicht zur Schule gehen.“

Und dank der Spenden für unseren Studienfond, weiterer Spenden und großer Opfer des Personals finden diese Schüler und ihre Freunde weiterhin eine „Oase“ in der NES-Schule.

„Wir möchten nicht, dass auch nur ein einziges Kind zuhause bleiben muss ohne zu lernen“, betont die Schulleiterin. „Wir möchten weiterhin allen Kindern helfen. Viele Kinder könnten ohne Unterstützung ihre Schulbildung nicht weiterführen, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, und die wird sich nicht bessern! Aber wir sehen das als einen echten ‚Dienst‘ an – obwohl wir alle unter der Situation leiden und es für uns alle schwierig ist, möchten wir ein Licht sein für diese Familien. Wir möchten einen Unterschied machen im Leben dieser kleinen Kinder und auch ihrer Eltern!“

Der „Studienfond“ ist dabei eine sehr große Hilfe. Und auch wir bei Helping Hands möchten uns ganz herzlich bedanken für alle Unterstützung für unser „Jahresprojekt 2020“ – für die vielen großzügigen Einzelspenden, die drei Joggathons in Berlin, Gelnhausen und Hanau im Frühjahr und Sommer, bei denen auch die NES in Beirut mitgemacht hatte, für andere Spendenaktionen und auch für das große Interesse an diesem Projekt. Über 40.000 EUR sind so im vergangenen Jahr für den Studienfond zusammengekommen – fast das Doppelte unseres ursprünglichen Ziels!

Für die Verteilung der „Stipendien“ wurde bei der NES ein Komitee eingerichtet, zu dem auch eine Helping Hands-Mitarbeiterin gehört. Darin soll auch geplant werden, wie die Schule selber den Fond weiter auffüllen kann. Aber natürlich ist – gerade auch in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage – weitere Unterstützung dafür sehr willkommen und notwendig. Daher sind wir jederzeit dankbar für weitere Spenden mit Vermerk „Studienfond NES“ oder über dieses Online-Spendenformular.

Explosionen in Bata, Äquatorialguinea

„Chaos und Zerstörung: Das ist die aktuelle Lage hier. Die Informationen sind verwirrend und Menschen geraten in Panik; Gerüchte verbreiten sich. Es gibt viele Verletzte und Tote.“

Am Sonntag ereigneten sich mehrere Explosionen in Bata, der größten Stadt in Äquatorialguinea – auf eine Detonation in einer Einrichtung, wo Material schlecht gelagert worden war, folgten weitere Explosionen und Brände. Die Umgebung ist weitestgehend zerstört. Hunderte Familien haben ihr Zuhause und Eigentum verloren; weitere werden evakuiert. Unter der Bevölkerung steigt die Angst. Auch Kinder an der Schule unseres Partners wurden verletzt.

Diese Nachrichten erreichten uns von unserem lokalen Partner in Äquatorialguinea am Dienstagfrüh. Noch ist nicht geklärt, wie der Partner sich in Nothilfe und Rehabilitation einbringen wird; Gespräche finden derzeit statt. Die lokalen Krankenhäuser kümmern sich um die mindestens 600 Verletzten, aber es wird weiteres medizinisches Material, Geräte und Medizin benötigt; allgemein ist die Gesundheitsversorgung im Land eher limitiert und zu teuer für bedürftige Familien. Schulen und andere Einrichtungen haben ihre Pforten geöffnet, um obdachlose Familien aufzunehmen; auch hier wird Unterstützung nötig sein.

Update vom 11. März:

Da eine Gefahr von weiteren Explosionen besteht, wurden weite Gebiete evakuiert. Die Unterkünfte sind völlig überfüllt; die Menschen suchen Zuflucht, wo immer sie ihnen gewährt wird. Das medizinische Personal kümmert sich rund um die Uhr um die Verletzten, größtenteils im Freien, und kommen an ihre Grenzen. Nachdem unser örtlicher Partner die Lage direkt vor Ort erkundet hat, wurden folgende Maßnahmen beschlossen:

Zuerst soll an die obdachlosen Familien, die noch von nirgendwo Unterstützung erfahren haben, Nahrung, Wasser und Hygieneartikel verteilt werden. Außerdem möchte unser Partner die vielen Ehrenamtlichen an den verschiedenen Einsatzorten mit Mahlzeiten, Wasser und grundlegenden Materialien versorgen; bisher kümmert sich niemand darum. Ebenfalls ist geplant, die mobilen Ärzteteams mit medizinischen Artikeln und Medikamenten zu versorgen.

In einer zweiten Phase möchte der Partner dann Familien bei den Wiederaufbaumaßnahmen bzw. Reparaturen ihrer Häuser/Hütten unterstützen.

Wenn Sie den betroffenen Familien in Bata eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Bata Explosion“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Endlich mal richtig satt – „Weihnachtsfestmahl“ im Kinderzentrum Kombinat

Es ist einer dieser Tage, auf den die Kinder sich das ganze Jahr über freuen. Ein Tag, an dem sie mit ihrer Familie und ihren Freunden ausgelassen feiern können. Ein Tag, an dem es Geschenke gibt! Und vor allem ein Tag, an dem sie sich endlich mal richtig satt essen können.

Zum vierten Mal feierte im Dezember unser Kinderzentrum in Kombinat, Albanien, dieses ganz besondere Weihnachtsmahl. Dafür werden die Kinder gemeinsam mit ihren Familien in ein nettes Restaurant eingeladen – etwas, das sie sich unmöglich selbst leisten könnten. Das Essen ist vorzüglich, und vor allem: Es ist genug davon da!

An diesem Tag saß Ali*, den wir schon in unserem Jahresprojekt 2019 kennengerlent haben, die ganze Zeit stumm auf seinem Stuhl und aß und aß. Einer der Mitarbeiter fragte ihn: „Bist du glücklich?“ – „Ja!“, antwortete Ali, und seine Augen strahlten. „Das ist das erste Mal, dass ich den Tisch so voll gesehen hab und so viel essen kann, wie ich will!“

Etwa 50 Kinder, Eltern und Mitarbeiter feierten an diesem Tag gemeinsam Weihnachten. Die Mitarbeiter hatten entschieden, das Festmahl auch trotz Corona anzubieten – denn gerade nach diesem Jahr der Hoffnungslosigkeit brauchen die Familien diese Zeit der geteilten Freude und Zuversicht. Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners, berichtet:

„Eine Woche vorher hatten die Kinder alle liebevoll Einladungskarten für ihre Eltern gebastelt. An dem Tag kamen dann alle Kinder und Eltern pünktlich beim Restaurant an; sie sahen sehr glücklich aus! Wir hatten einen guten Platz und sehr gutes Essen. Für diesen Tag wünschen wir uns, dass sie einfach alle so richtig das Essen und Trinken genießen können.

Während des Essens schaute ich zu Cimi und seiner Tochter Anna* hinüber. Sie sahen beide sehr froh aus. Ich fragte sie, ob sie die Feier genießen? Cimi sagte, mit Tränen in den Augen: ‚Wir haben daheim nichts mehr zu essen.‘ Seine Frau hat ihn und Anna vor einer Weile verlassen. Die zwei sind jetzt allein und oft haben sie nicht genug Lebensmittel. Wir waren so froh, dass sie sich hier satt essen und auch noch etwas mit nach Hause nehmen konnten.“

Nach dem Festmahl folgte noch die Bescherung: Jedes Kind erhielt ein neues Paar Schuhe, und einige Weihnachtspäckchen wurden verteilt; die restlichen bei der Weihnachtsfeier im Kinderzentrum. „Als sie nach dem Essen die Geschenke bekamen, da lärmte Ali, als ob die ganze Welt ihm gehört!“

Das Weihnachtsessen wurde, wie auch in den Vorjahren, von Helping Hands e.V. aus Spenden im Rahmen des Weihnachtstransports gefördert.

 

* Name geändert

Sauberes Wasser für Ithung und Ghalegaun

„Wasser ist lebensnotwendig für uns alle. In Nepal haben viele Menschen keinen guten Zugang zu Wasser. Vor allem in den ländlichen Gegenden, aber auch in den Städten. Zum Beispiel in Pachthar, im östlichen ‚Hügelgebiet‘ von Nepal. Dort freut sich Surendra M., der Dorfvorsteher und Schulleiter der Dorfschule in Ithung, über den neuen Wasserspeicher mit Wasserhähnen. Die Dorffamilien haben auch selbst so viel sie konnten zum Bau beigetragen. ‚Wir haben so oft versucht, hier einen Wasserspeicher mit Wasserhähnen und Waschbecken zu errichten, aber es hat nie geklappt‘, erklärt Surendra M. ‚Jetzt hat NCM Nepal uns geholfen und uns ermutigt, das Wasserprojekt tatsächlich durchzuführen. Wir sind sehr dankbar dafür!'“

So berichtet unser Partner in Nepal über das Wasser- und Hygieneprojekt, das als Reaktion auf die Coronakrise in den Bergdörfern Ithung und Ghalegaun durchgeführt wurde. Dabei wurde je ein Wasserspeicher errichtet und mit geeigneten Quellen verbunden sowie kindergerechte Wasserhähne und Waschbecken installiert.

Die Dorfbewohner sind extrem dankbar dafür, denn auf 2.500 Meter Höhe gibt es nicht viele Möglichkeiten, durchgehend an Wasser zu kommen – die öffentliche „Pipeline“ liefert nur sehr sporadisch Wasser; die verstreuten Quellen geben entweder nicht genug Wasser oder sind relativ weit entfernt, zumindest für Schulkinder. Das ist besonders in der Coronasituation eine große Herausforderung!

In Ithung wurde ein Speicher errichtet, der 8.000 Liter fasst und auf dem Gelände des neuen integrativen Kinderzentrums steht. Die ursprünglich geplanten 5.000 Liter wurden auf Bitte der Dorfbewohner erweitert, die auch beim Bau des massiven Betonspeichers mit Begeisterung dabei waren und schon überlegen, wie sie die Wasserversorgung bis zur nur 150 Meter entfernten Dorfschule erweitern können. Die Dorfbewohner sind sehr glücklich, dass sie nun Wasser rund um die Uhr haben!

Der Wasserspeicher im Nachbarort Ghalegaun, wo ein Zweigzentrum des integrativen Kinderzentrums eröffnet wurde, wird mit Quellwasser gespeist und fasst insgesamt 2.200 Liter. Die 1,5-Kilometer-lange Wasserleitung zur Quelle wurde zu zwei Dritteln durch die Gemeindeverwaltung bezahlt; die Dorfbewohner trugen mit Arbeitskraft sowie Kies und Splitt bei; die restlichen Kosten wurden von Helping Hands beglichen – also ein starkes Gemeinschaftsprojekt in dieser sehr bedürftigen Gegend.

Auch dieser Tank ist solide und haltbar aus Beton gebaut; das Quellwasser wurde getestet und ist sauber und als Trinkwasser geeignet. Etwa 120 Menschen, davon 39 Kinder des Kinderzentrums, benutzen das Wasser täglich zum Trinken, Waschen und für sanitäre Bedürfnisse.

Suroj M., der Lehrer des neuen Kinderzentrums, freut sich: „Bisher hatten wir solche Probleme, für Kinder und Personal der Schule Wasser zu bekommen. Vor allem sauberes Trinkwasser war eine große Herausforderung. Kinder und Lehrer mussten regelmäßig den Unterricht verlassen, um irgendwo im Dorf Wasser zu holen. Auch Toiletten waren ein großes Problem ohne Wasser! Die Kinder konnten sich nicht die Hände waschen und wurden oft krank. Ich bin so glücklich, diesen neuen Wasserspeicher mit sauberem Wasser und Waschbecken hier zu sehen. Ich bedanke mich bei allen, die dieses ‚Wunderwerk‘ unterstützt haben!“

Im Rahmen der Einweihung der Wasserspeicher am 28. und 29. Dezember kamen außerdem insgesamt 78 Dorfbewohner für je eine Schulung zusammen, in denen der Virologe des Bezirkskrankenhauses und sein Assistent die Teilnehmer über die Symptome von COVID-19 und anderen jahreszeilich bedingten Krankheiten informierte und erklärte, wie man sich am besten schützt. Außerdem lernten die Teilnehmer verschiedene Hygienetechniken, erhielten Poster und Faltblätter sowie Masken, Händedesinfektionsmittel und Seife. Da es bisher noch keinerlei solche Schulung in den Dörfern gegeben hatte, war das Interesse sehr groß, und mehr Familien nahmen teil als ursprünglich geplant.

„Wir hoffen, dass dieses Wasserprojekt und die Schulungen die Hygiene in Ithung und Ghalegaun verbessert und die Menschen besser vor COVID und anderen Krankheiten geschützt sind“, schlussfolgerte unser Partner.

Integrative Kinderzentren in Nepal – wie das in Ithung und Ghalegaun – unterstützen wir als unser Jahresprojekt 2021.

Genug für ein richtiges Weihnachtsessen – Weihnachtsfreude in Albanien

Leonita* und ihre Geschwister konnten sich nicht recht auf Weihnachten freuen. Nicht nur, weil 2020 einfach ein schreckliches Jahr gewesen war. Nein, das Schlimmste: Der Vater war gestern nicht nach Hause gekommen, und damit auch kein Geld, mit dem die Familie sich Lebensmittel hätte kaufen können.

Viele mittellose Menschen in Albanien – wie Leonitas Vater – hatten sich lange Zeit ihr Einkommen damit verdient, im Müll nach Eisen und Plastik zu suchen und ihre „Ausbeute“ weiterzuverkaufen. Doch die Regierung entschied vor kurzem, eine Firma damit zu beauftragen, und machte das Müll-Durchsuchen illegal. Wie sollen die Menschen da ihre Familien versorgen! Also ging Leonitas Vater weiter zur Mülldeponie – heimlich, nachts, wenn hoffentlich alle schliefen. Aber dabei erwischte ihn die Polizei, und nun sitzt er im Gefängnis.

Der 26. Dezember war der zweite Tag ohne ihren Vater, ohne Geld, um Essen zu kaufen. Aber es war auch der Tag, an dem im Kombinat Kinderzentrum Weihnachten gefeiert wurde. Am Ende der Feier erhielten alle Kinder ein Weihnachtspäckchen aus dem Weihnachtstransport von Helping Hands. Leonita brachte es mit nach Hause – und wie groß war die Freude, als sie das Päckchen öffneten! Da war ja genug für ein richtiges Weihnachtsessen für die Familie! An dem Abend mussten Leonita und ihre Geschwister nicht hungrig zu Bett gehen.

 

Die Familien, denen unser Partner in Albanien dient, haben dieses Jahr viel durchgemacht – denn wie auch in anderen Ländern hat die Coronakrise die bereits bedürftigen Menschen am härtesten getroffen. Und ihre Lage war vorher schon prekär, da viele Familien in den Erdbeben Ende 2019 ihr Zuhause verloren hatten, und durch die Krise nun kaum mehr Hilfe erhielten. Auch zwei Schulen für etwa 700 Kinder waren zerstört.

„Dieses Jahr war wirklich nicht schön für die Kinder“, beschreibt Gesti, unser Kollege vor Ort. „Viele der Kinder konnten nicht einfach ‚zuhause‘ bleiben, weil sie kein ‚Zuhause‘ haben, oder sie hielten sich in den beschädigten Häusern auf, was sehr riskant ist, und konnten sie aber nicht verlassen wegen COVID. ‚Was sollen wir bloß tun?‘ Das haben sich die meisten Menschen in Kombinat das ganze Jahr lang gefragt.“

Aber Weihnachten ist die Zeit der Hoffnung, und auch Gesti und seine Mitarbeiter wollten gerade in dieser Zeit besonders Hoffnung spenden und den Kindern Freude schenken. Da kamen unsere Weihnachtspäckchen gerade richtig! „Wir haben uns so gefreut, als wir hörten, dass wir Weihnachtspäckchen für unsere Kinder erhalten werden. Wir haben uns sofort vorgestellt, wie wir den Kindern ein bisschen Freude bringen können und ihre fröhlichen Gesichter sehen!“ Und alle wollten mitmachen – etwa 25 Jugendliche halfen als ehrenamtliche Mitarbeiter an verschiedenen Orten bei der Verteilung und den damit verbundenen „Feierlichkeiten“.

Die 579 Weihnachtspäckchen, die Helping Hands im November nach Albanien entsenden konnte, wurden folgendermaßen verteilt:

37 Päckchen gingen an die Kinder des Kinderzentrums und weitere 43 an Kinder aus der näheren Umgebung. Die Päckchen wurden am Ende einer kleinen Weihnachtsfeier verteilt; pro Familie konnte ein Elternteil dabei sein. Die Kinder und auch ihre Mütter freuten sich sehr über dieses Weihnachtsgeschenk!

420 Päckchen wurde in der Grundschule (Vorschule bis 4. Klasse) in Kombinat verteilt. „Das war für die Kinder völlig unerwartet“, berichtet Gesti. „Sie waren sehr glücklich und man konnte ihre Freude durchs ganze Schulhaus hören! Meine Mitarbeiter erklärten, dass die Päckchen aus Deutschland sind und mit viel Liebe gepackt wurden. Viele der Eltern kontaktierten mich später und bedankten sich. Es war ein unvergesslicher Tag!“

15 Kinder in dem Dorf Sharrë erhielten Päckchen – eine Mitarbeiterin bietet dort regelmäßig Kinderstunden an. „Die Kinder hatten noch nie solch ein Geschenk erhalten und waren so glücklich!“

Die restlichen Päckchen wurden in Gorrë verteilt, etwa eine Stunde von Tirana entfernt, sowie in einem sehr entlegenen Bergdorf etwa vier Stunden Fahrtzeit außerhalb Pogradec. Im Winter hat das Dorf fast keinen Kontakt zur Außenwelt, weil die Straßen zugeschneit sind; der Kollege unseres Partners ist einer der wenigen, der die Familien dort besucht.

Die 122 Päckchen unseres holländischen Partners brachten 20 Kindern in einem Kinderkrankenhaus in Kombinat unerwartete Weihnachtsfreude; die restlichen „holländischen“ Päckchen wurden in Peze verteilt, in einem Seitental nahe Tirana, wo die meisten Familien unter der Armutsgrenze leben.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die durch Päckchen oder Spenden zu dieser Weihnachtsaktion beigetragen und es uns ermöglicht haben, dieses Jahr an gleich drei Orten Weihnachtsfreude weiterzugeben!  (Lesen Sie den Bericht zu Rumänien und Bulgarien.)

 

*Name geändert