Zielerreichung und Wirkungen unseres Großprojekts in Khotang, Nepal
„So etwas wie dieses Programm hatten wir in unserer Gegend noch nie, ich bin wirklich begeistert! Ich habe jetzt vier Ziegen und einen Teich, meinen Garten möchte ich noch erweitern – das alles können wir nur, weil ihr es uns beigebracht habt!“ (Bina Rai)
„Ich bin die Klassenbeste und auch an vielen außerschulischen Aktivitäten beteiligt. Das liegt alles nur an dem, was ich im Kinderzentrum gelernt habe. Ich habe auch einiges über Selbstdisziplin und Hygiene gelernt, und wie ich in der Schule und zuhause Verantwortung übernehmen kann.“ (Khushi, Schulkind)
„Der Boden hier in dieser Gegend ist so trocken – aber ihr habt uns geholfen, Gärten anzulegen, habt uns geschult und Werkzeuge und Techniken bereitgestellt und uns immer wieder ermutigt – und jetzt haben wirklich alle Haushalte einen grünen Gemüsegarten, obwohl es Trockenzeit ist!“ (Mitglied des Kooperative-Leitungsteams)
„In Hygiene und Gesundheit hat das Projekt so einen Unterschied gemacht! Früher, da haben wir uns nicht die Hände gewaschen und haben unsere Küchenutensilien nur alle paar Tage gereinigt. Jetzt spülen wir das Geschirr nach jeder Benutzung und nutzen nur frisches Wasser zum Kochen, Trinken und Waschen. Früher, da waren unsere Kinder fast ständig krank. Aber jetzt sind sie nur noch ganz selten krank!“ (China Rai)
„Wir haben schon so viele Ideen für die Kooperative … jetzt sind wir registriert und werden durch die Kooperative alle Aktivitäten weiterführen und unsere Einkommen weiter steigern. Durch die Kooperative werden wir so viel erreichen!“ (Mitglied des Kooperative-Leitungsteams)
„Wir sind so dankbar für die Chancen und Möglichkeiten, die ihr uns gegeben habt – für die Schulbildung unserer Kinder, für unser Einkommen … ich habe das Gefühl, dass dieses Projekt wie ein Mitglied unserer eigenen Familie ist!“ (Kaushila Rai)
Von Ende 2021 bis April 2025 unterstützte das Projekt zur „Umfassenden Dorfentwicklung“ in der östlichen Hügelregion Nepals über 1.200 Frauen, Männer und Kinder darin, ihre Lebensgrundlagen und Bildungschancen zu verbessern und die positive Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand zu nehmen. 200 als „arm“ oder „extrem arm“ eingestufte Haushalte in sechs Dörfern der Halesi Tuwachung Municipality Ward #1 des Bezirks Khotang waren im Projekt involviert. Das Gebiet ist zwar seit einigen Jahren durch eine asphaltierte Straße mit der nun etwa sieben Stunden entfernten Hauptstadt Kathmandu verbunden, gilt aber trotzdem als sehr abgeschieden. Die Familien leben weit verstreut über die steilen Bergrücken, die meisten von ihnen unter der Armutsgrenze. Bisher hatten sie noch nie von einem ähnlichen Projekt oder vergleichbaren Maßnahmen profitiert. Ziel des Projektes war unter anderem, dass die Ernährung der Haushalte ganzjährig gesichert ist. Implementiert wurde das Projekt durch unseren Partner vor Ort, NCM Nepal, und wurde zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.
Die folgenden Ergebnisse bzw. Wirkungen konnten erzielt werden:
1) Bildung
Situation zu Projektbeginn: Um zur Schule zu kommen müssen die Kinder im Projektgebiet oft bis zu zwei Stunden über steile, beschwerliche Trampelpfade laufen. Doch der Unterricht in den staatlichen Schulen ist meist so schlecht, dass die Kinder kaum etwas lernen und ohne Nachhilfe – die sich die Eltern nicht leisten können, von denen auch viele Analphabeten sind – kaum Chance auf eine ordentliche Bildung haben. Daher bleiben viele einfach zuhause, um den Eltern bei der Landwirtschaft zu helfen. Zu Projektbeginn war der Bildungsgrad in den sechs Dörfern in Khotang sehr schwach, die Kinder hatten wenig Kenntnisse auch in der grundlegendsten Allgemeinbildung, und täglich fehlten im Durchschnitt 17% der Schüler.
Maßnahmen: In drei Dörfern wurde ein Kinderzentrum gegründet, das in der lokalen Schule entweder vor oder nach dem regulären Unterricht stattfand und Kindern aus bedürftigen Familien kostenlos Hausaufgabenhilfe bzw. Nachhilfe anbot und die Kinder auch in anderen Bereichen, also ganzheitlich, förderte (z.B. Ernährung, Gesundheit, soziales Bewusstsein u.ä.). Zusätzlich erhielten alle Kinder im Projektgebiet das benötigte Schulmaterial; durch regelmäßige Hausbesuche wurde sichergestellt, dass kein Kind „durch die Maschen fällt“ und auch die Eltern wissen, wie sie die gesunde Entwicklung ihrer Kinder fördern können.
Situation zu Projektende: Bis zu Projektende hatte sich der Bildungsgrad der Kinder deutlich verbessert. Der Schulbesuch ist jetzt sehr gut – nur 1% fehlen täglich, denn auch Familien, die nicht am Programm teilgenommen hatten, lernten durch das gute Beispiel der Projektfamilien. Die Kinder haben viel bessere Kenntnisse und Kompetenzen, sowohl in ihren Schulfächern als auch in grundlegenden Fertigkeiten wie Handschrift, Grammatik und Vokabular sowie im Allgemeinwissen – sie gewinnen jetzt die meisten Wettbewerbe in der Region. Die staatlichen Schulen haben einige der Aktivitäten der Kinderzentren kopiert, weil sie so viel Erfolg gezeigt haben.
2) Ernährungssicherung
Situation zu Projektbeginn: Die abgeschiedene Gegend bietet nur wenige Jobs, daher leben die meisten Familien von Landwirtschaft. Sie haben kleine Felder, aber der Boden ist trocken, felsig und steil, sodass nur wenig Ertrag erzielt wurde. Auch hatten die meisten Haushalte schon vorher etwas Vieh, aber es war klein und mager und durch fehlende Märkte oder Marktverbindungen erzielte das Vieh nur sehr dürftige Preise. Die Menschen arbeiten von früh bis spät, aber zu Projektbeginn war ihre Ernährung nur durchschnittlich 3,9 Monate im Jahr gesichert. Den Rest des Jahres nahmen sie Kredite zu hohen Zinsen von den örtlichen Kredithaien und verschuldeten sich immer mehr.
Maßnahmen: Die Maßnahmen setzten dort an, wo die Familien bereits Kenntnisse besaßen: in Ackerbau und Viehzucht. Durch mehrere Schulungen und vor allem sehr, sehr viele Hausbesuche von den Projektexperten lernten die Familien, ihre Viehzucht (bzw. ihr Kleinstgewerbe wie Laden oder Restaurant, für einige Familien, die im Hauptdorf an der Straße wohnen) und ihre Landwirtschaft zu optimieren, sodass sie ordentliche Erträge erzielen. Sie wurden mit Schulungen, Saatgut und Werkzeugen darin angeleitet, eigene Gemüsegärten anzulegen sowie Teiche zum Wasserspeichern für die Trockenperiode, in höheren Lagen auch eine Art Gewächshäuser für die kalten Monate. Ebenfalls lernten sie, durch eigenen Kompost und natürlichen Dünger die Gärten und ihren Ackerbau allgemein in Bio-Qualität und klimatisch angepasst zu betreiben. Jeder Haushalt erhielt entweder Vieh bzw. Zuchttiere nach Wahl oder Input, um ihr Kleinstgewerbe weiterzuentwickeln. Eine zusätzliche Maßnahme war die Erschließung des Marktes (siehe #4).
Situation zu Projektende: Die Landwirtschaft im Projektgebiet hat sich deutlich verändert. Gemüsegärten sind plötzlich das ganze Jahr über grün und liefern Ertrag. Die Viehzucht hat sich durch bessere Haltung und bessere Zuchttiere maßgeblich verbessert. Einige Projektteilnehmer haben sich durch das erlernte Wissen und die Erfahrung zu lokalen Tierärzten entwickelt. Das Ergebnis: Für 95% der Haushalte ist durch Produktion und Einkommen die Ernährung ganzjährig gesichert (manche können sogar zusätzlich etwas zurücklegen). Das reine Durchschnittseinkommen hat sich verdoppelt. Alle Kredithaie haben die Gegend verlassen, weil die Haushalte nun günstige Darlehen aus den Selbsthilfegruppen nehmen (siehe #4). Die Nachbarn, die nicht in den Maßnahmen involviert waren, haben schon zahlreiche Aspekte kopiert, und selbst die lokale Regierung investiert jetzt in Förderungen wie den Bau von verbesserten Ställen.
3) Hygiene und Gesundheit
Situation zu Projektbeginn: In entlegenen Bergdörfern ist der Zugang zu adäquater Hygiene und sanitären Einrichtungen keine Selbstverständlichkeit. Bei Projektbeginn hatten nur etwa ein Drittel der Haushalte grundlegende Kenntnisse zu ordentlicher Hygiene oder praktizierten diese. Nur 15% ernährten sich ausgewogen bzw. wussten, was das überhaupt bedeutet.
Maßnahmen: Auch hier setzte das Projekt auf Schulungen und das Festigen der Kenntnisse und Praxis durch Follow-Up in sehr regelmäßigen Hausbesuchen. Die Familien lernten die grundlegenden Aspekte von adäquater Hygiene und Gesundheit, vor allem aber auch, wie sie durch verschiedene Filtermethoden sicheres Wasser erhalten können und wie eine ausgewogene Ernährung aussieht. Das wurde auch dadurch gefördert, dass den Kindern in den Kinderzentren nahrhafte Mahlzeiten zubereitet wurden.
Situation zu Projektende: Zu Projektende hatte sich die Hygiene in allen Haushalten gebessert; in 80–90% der Haushalte war sogar eine deutliche Verbesserung zu beobachten, und viele Nachbarn haben die Aktivitäten bereits nachgeahmt. Alle Haushalte setzen mindestens eine Methode ein, um sicheres Trinkwasser zu bekommen. 85% der Haushalte ernähren sich regelmäßig ausgewogen, meist auch durch den ganzjährigen Ertrag aus ihren Gemüsegärten. Der externe Evaluierer, der nach Projektende das Gebiet besuchte, konnte gar nicht fassen, wie sauber dort alles war, und ging in seinem Bericht immer wieder darauf ein.
4) Selbsthilfestrukturen
Situation zu Projektbeginn: Zu Projektbeginn gab es keine Selbsthilfestrukturen vor Ort (also nicht-gewinnorientierte Gruppierungen oder Zusammenschlüsse von Mitgliedern der lokalen Dorfgemeinschaften), daher bestand auch kein guter Kontakt zur lokalen Regierung und Dienstleistungen konnten nicht in Anspruch genommen werden. Die Haushalte hatten keine Struktur, in der sie sich gegenseitig fördern und gemeinsam die Herausforderungen ihres Alltags und ihrer Dorfgemeinschaft bewältigen konnten.
Maßnahmen: Im Rahmen des Projektes wurden acht Selbsthilfegruppen in den sechs Dörfern gegründet, in denen alle 200 Haushalte der Zielgruppe vertreten sind (meist durch Frauen). Die Selbsthilfegruppen wurden offiziell registriert und schlossen sich dann zu einer Kooperative zusammen, die im letzten Projektjahr registriert werden konnte. Vertreter der Gruppen besuchten Schulungen zum Gruppen-Management und anderen relevanten Themen sowie zur Erschließung lokaler Märkte („Market Linkage“), und wurden mit der lokalen Regierung vernetzt. Ebenfalls konnten vor Projektende Sammelzentren für Vieh, Gemüse und andere Produkte in mehreren Dörfern eingerichtet werden.
Situation zu Projektende: Starke Selbsthilfestrukturen vor Ort sind entscheidend für nachhaltige Veränderung und das Weiterbestehen der im Projekt geschaffenen Strukturen. Alle gegründeten Gruppen inklusive der Kooperative funktionieren ordnungsgemäß und haben die Kenntnisse und Fähigkeiten, die Maßnahmen eigenständig weiterzuführen (inklusive der Kinderzentren) und die positiven Entwicklungen fortzusetzen. Der Kontakt zur lokalen Regierung ist gut und etliche Haushalte bzw. Gruppen konnten schon diverse Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Die Entwicklung des Marktsystems hat schon einige wichtige Hürden genommen (z.B. bestehen Kontakte zu Händlern). Die Kooperative generiert ein eigenes Einkommen aus verschiedenen Quellen, womit das Projekt finanziell selbsttragend und nachhaltig ist.
Das abgeschlossene Projekt in Khotang hat durch die begeisterte Beteiligung der Zielgruppe und den unermüdlichen Einsatz der lokalen Mitarbeiter wirklich beeindruckende Ergebnisse erzielt – und das alles in nur dreieinhalb Jahren! Was die Familien in Khotang darüber denken, das ist in den folgenden und obenstehenden Originalzitaten zu lesen:
„Ich war ein armer Landwirt, und weil ich hier in Nepal keine Chancen für mich sehen konnte, habe ich jahrelang im Ausland gearbeitet. Aber nichts hat sich verändert und ich kam zurück. Fast jeden zweiten Monat musste ich Darlehen zu sehr hohen Zinssätzen von Kredithaien nehmen, um meine finanzielle Krise zu überleben. Aber jetzt, dank des Projekts, habe ich meine eigene Ziegenfarm, Schweinezucht und Gemüsegarten. Durch den Gefrierschrank im Sammelzentrum können wir Produkte lagern und in kleineren Mengen nach Bedarf verkaufen. Ich verdiene nun genug, um meine Familie zu ernähren, und kann sogar noch etwas zurücklegen.“ (Dorjeman Rai)
„In meinem Dorf Kurle brauchten wir so dringend eine Lösung für die Bewässerung. Immer und immer wieder haben wir an staatlichen Stellen nachgefragt, aber sie haben uns nicht zugehört und unser Problem nicht gesehen. Aber dieses Projekt hat den Bedarf erkannt und jetzt haben wir ein Bewässerungssystem! Ich habe auch wirklich viel gelernt, vor allem in der Viehzucht – in meinem Dorf bin ich jetzt der lokale Tierarzt.“ (Balkumar Rai)
„Als wir zu Anfang von diesem Projekt hörten, da dachten wir: Die kommen doch nur und sammeln unser Geld ein und verschwinden dann. Aber es war ganz anders, als wir dachten! Sie haben uns so viel gelehrt – zum Beispiel wie wir Einkommen generieren können und Gärten anlegen – und sie kamen ständig bei uns zuhause vorbei, um uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ich habe jetzt ein richtig gutes Einkommen aus einer Schweinezucht. Auch unsere Kinder wurden gefördert, und sie haben nun viel bessere Noten. Dieses Projekt: Es ist nicht das Projekt von NCM Nepal oder das „deutsche Projekt“ – es ist UNSER Projekt!“ (Mitglied des Kooperative-Leitungsteams)
„Wir sind so dankbar, dass ihr an diesen entlegenen Ort gekommen seid. Ihr habt uns einen Weg gezeigt und in die richtige Richtung gewiesen, und dieser Richtung wollen wir weiter folgen!“ (Vizepräsident der Kooperative)

