Zehnmal zwölf Stunden und ein Gemälde

Bürger im Main-Kinzig-Kreis engagieren sich für eine bessere Zukunft

Gemeinsam für eine bessere Zukunft einsetzen – das ist vielen Menschen heutzutage ein großes Anliegen. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen!

Vor einigen Wochen entschied der Bad Orber Journalist, Coach und Veranstalter Ralf Baumgarten, zugunsten der NES-Schule in Beirut, Libanon, eine Benefiz-Aktion zu veranstalten: den 12-Stunden-Lauf. Natürlich ist er auch selbst dabei, und auch Dorothea Gschwandtner, unsere internationale Geschäftsführerin, wird sich am Karfreitag auf den Weg machen – zwölf Stunden für die NES.

Zwölf Stunden sind eine Menge, entschied der Orber Künstler Wolfgang Rieger – und spendet stattdessen eins seiner Bilder für die Aktion, das bis Sonntag, 23. April, im Schaufenster des Juweliers Plagemann in der Orber Hauptstraße ausgestellt ist und versteigert wird (bitte ein schriftliches Angebot im verschlossenen Kuvert abgeben bei Michael Plagemann oder bei Ralf Baumgarten im Printhouse, Birkenallee 2a, in Bad Orb; der Startpreis liegt bei EUR 250,-).

Zwölf Stunden schaffen wir, aber am besten alle gemeinsam, entschied die NES-Schule in Beirut, und lief selbst bei der Benefiz-Aktion mit. Und zwar bereits vor zwei Wochen: 161 Kinder aus den Jahrgangsstufen 3 bis 9 liefen insgesamt 864 Kilometer in 127 Stunden. Eine beachtliche Leistung! Vielleicht ein Motivationsgrund, diese 161 Schülerinnen und Schüler in ihrem Lauf zu „sponsern“? Oder am besten selber mitlaufen und spenden?

Wir suchen noch mehr Bürger im Main-Kinzig-Kreis – und gerne in ganz Deutschland – die „zwölf Stunden für die NES“ spenden!

Und warum das ganze? Um dazu beizutragen, dass die NES-Schule im Libanon weiterhin eine „Oase des Friedens“ bleiben kann. Denn der kleine Staat im Nahen Osten versinkt immer weiter im Chaos, eine der vergessenen Krisen der Welt. Unsere internationale Geschäftsführerin, Dorothea Gschwandtner, ist eben von dort zurückgekehrt. Sie berichtet von einem Land, in dem immer mehr zerfällt. Von Tunneln und Straßen, an denen nicht mal mehr die Lampen brennen. Von Gehältern, die fast nichts mehr wert sind, und Lebensmittelcoupons, die Lehrern und Familien helfen, durch den Monat zu kommen. Von Tanksäulen, an denen Null-Ziffern aufgeklebt werden, weil der Wert der Währung immer rascher sinkt und die Computer die hohen Zahlen nicht mehr wiedergeben können. Von Gesundheitsversicherungen, die schon lange nicht mehr greifen und Menschen vor allem mit chronischen Erkrankungen in ihrem Leid alleine lassen.

Doch inmitten dieser zerfallenden Welt gibt die NES-Schule den 338 Schülerinnen und Schülern einen sicheren Halt. Einen Ort, an dem der Alltag weitergehen kann. Einen Ort sogar, an dem der Alltag mit Freude erfüllt ist: besondere Feiern zum Muttertag, Fußball- und Basketballturniere, kreativer Unterricht, und zur Abwechslung auch mal ein „12-Stunden-Lauf“! Ein Ort vor allem, an dem jedes einzelne Kind wichtig ist, an dem jede Schülerin und jeder Schüler ernst genommen und wertgeschätzt wird. „You are the joy in our lives“ – „Ihr seid die Freude in unserem Leben“ – betonte eine Mutter nach der Muttertagsfeier.

Wie auch Sie von dieser Freude verschenken können, erfahren Sie auf der Seite „12 Stunden für die NES„.

Und wenn Sie sehen möchten, wie viel Spaß die NES-Schüler bei ihrem Lauf hatten, dann schauen Sie die 153. Folge des Podcasts Walkmän (mit Interview aus Beirut sowie Interview mit dem Künstler):

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Weitere Infos zur Gemälde-Versteigerung auf „Mein Blättche“ online

DIESE WOCHE: Der 12-Stunden-Lauf

Gestern gestartet: der 12-Stunden-Lauf für die NES! Bis Ostern machen sich Menschen in (hoffentlich) ganz Deutschland auf den Weg, um zwölf Stunden mit sich selbst unterwegs zu sein und gleichzeitig die NES-Schule im Libanon zu unterstützen. Weitere Infos dazu gibt es auf der Seite „12 Stunden für die NES„.

Und seit dem Wochenende ist auch ein zweiter Podcast zum Thema online! In der 153. Episode des Podcasts „Walkmän“ berichtet Dorothea Gschwandtner, internationale Geschäftsführerin von Helping Hands e.V., aus Beirut.

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Wie ihr mitmachen könnt:

⇒ Podcast bzw. YouTube Video anhören/anschauen
⇒ Anderen weitererzählen
⇒ Selbst mitlaufen und spenden
⇒ Nicht mitlaufen und für andere Läufer spenden

Weitere Infos und regelmäßige Updates gibt es auf der Seite „12 Stunden für die NES“!

12 Stunden für die NES

Genau einen Monat ist das erste verheerende Erdbeben im Nahen Osten heute her. Neben der unbeschreiblichen Zerstörung hat es auch einen Schleier der Angst um die gehüllt, die das Erdbeben miterlebt haben. Dazu gehören die 338 Kinder der NES-Schule in Beirut. Um diesen Kindern inmitten all des Schreckens neuen Mut zu schenken, dafür machen sich in wiederum einem Monat Menschen auf den Weg: Zwölf Stunden für die NES.

Den 12-Hour-Walk gibt es seit 2020. Ende April führt Ralf Baumgarten – Journalist, Coach und Veranstalter aus Bad Orb – diese Aktion als Benefiz-Lauf zugunsten der NES-Schule durch. Er beschreibt:

„Zwölf Stunden unterwegs sein auf Schusters Rappen, ohne Ablenkung, alleine mit sich und dem inneren Schweinehund. Mental und körperlich eine Herausforderung, aber auch ein Geschenk an sich selbst. Die innere Festplatte formatieren, sich mit sich selbst beschäftigen – und als Ausgleich für diese Idee und den Workshop mit dem Ich eine Spende leisten für die gefährdete NES-Schule im Libanon.“

Der Lauf findet zwischen dem 2. und 9. April statt.
Die Kinder und Lehrer der NES-Schule laufen mit.
Ihr auch?

Wie das funktioniert, das erfahrt ihr in der 150. Episode des Podcasts „Walkmän“ – inklusive Interview mit Dorothea Gschwandtner, internationale Geschäftsführerin von Helping Hands e.V.!

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Wie ihr mitmachen könnt:

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Weitere Infos und regelmäßige Updates gibt es auf der Seite „12 Stunden für die NES“!

Was tun, wenn es bebt?

Die NES-Schule im Libanon reagiert auf die anhaltenden Nachbeben

Fast 10.000 Nachbeben hat es seit dem 6. Februar im Nahen Osten gegeben – manche Experten meinen, das könnte noch zwei Jahre so weitergehen. Auch im Libanon sind einige dieser Nachbeben zu spüren und versetzen die Menschen in Panik. Und immer wieder erzählt man sich in Beirut, dass bald das eine große Beben kommt, das alles auslöschen wird. Auch jetzt noch, fast einen Monat nach dem ersten Erdbeben, schlafen viele Familien nachts in ihren Autos auf großen Parkplätzen, weil sie ihren baufälligen Häusern nicht trauen, oder sind bei Verwandten untergekommen.

„Jeden Tag kommen deshalb eine Menge Kinder zu spät zur Schule“, berichtet Marlene, die Schulleiterin der NES in Beirut. „Es ist wirklich eine schwierige Zeit für die Kinder.

Aber natürlich haben wir schon damit angefangen, ihnen durch dieses neue Trauma zu helfen. Diese ganze Woche hindurch ist Sara, unsere Psychotherapeutin, in der Schule, und sie hat auch noch Unterstützung von einer zweiten Fachkraft. Die beiden treffen sich mit allen Kindern, die Hilfe brauchen, und mit deren Eltern. Zudem wird Sara für alle Altersgruppen Trauma-Schulungen durchführen und ihnen auch darin helfen, geistig gesund zu bleiben und mit dem Alltag weiterzumachen trotz der Unsicherheit, die überall herrscht.“

Und auch ganz praktische Maßnahmen wurden schon ergriffen. In Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz – einer der NES-Lehrer hilft dort ehrenamtlich – wurde ein Notfallplan für die Schule erstellt und das Personal dementsprechend geschult. Und auch für die Kinder fanden vor einer Woche Schulungen in drei Altersgruppen statt – altersgerecht für die Kindergartenkinder, die jüngeren Grundschüler und die Mittelstufe. Dabei lernten sie, wie sie sich im Fall eines Erdbebens verhalten sollten, je nachdem ob es sie zuhause trifft, allein oder mit Eltern, in der Schule beim Unterricht oder im Schulhof. Auch eine eventuelle Evakuierung bei einem starken Erdbeben wurde einstudiert und gleich ausprobiert, und das Personal hat eine klare Strategie, wer für was verantwortlich ist und wie sichergestellt werden kann, dass alle Kinder in Sicherheit sind.

Die Angst ist in den letzten Wochen ein ständiger Begleiter im Nahen Osten. Und wieder einmal ist die NES-Schule in Beirut eine Oase des Friedens im Chaos. Denn der Schulbetrieb geht weiter und gibt den Kindern Halt in all der Unsicherheit.

Klasse 4 lernt im Sachkundeunterricht, wie man am gesündesten eine Last aufhebt. Die Mathe-Genies der Grundschule erhalten eine Urkunde. In der 7. Klasse bildet man „zukünftige Wissenschaftler“ aus. Die Kindergartenkinder legen Buchstaben aus Knete (das geht übrigens beim arabischen Alphabet besonders gut). Die Drittklässler lernen ganz kreativ, was der Unterschied zwischen Singular und Plural ist. Und die Allerjüngsten haben viel Spaß dabei, das von zuhause mitgebrachte Gemüse zu betrachten, benennen und schließlich auch aufzuessen! – Nur ein paar „Szenen des Alltags“ an der NES-Schule aus den letzten sieben Tagen … aber es ist dieser „Alltag“, der den Kindern und Lehrern den Mut gibt, weiterzumachen.

Wenn auch Sie „Mut zum Weitermachen“ schenken möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „NES Libanon“ oder „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

„Es bricht mir das Herz, wenn ich die Menschen auf den Straßen sehe“

Auch der Libanon ist fast täglich von Erdbeben betroffen

„Es bricht mir das Herz, wenn ich die Menschen auf den Straßen sehe, mitten in der Nacht, auf den Parkplätzen der Supermärkte. Zwar wurde diesmal hier niemand verletzt, aber das Trauma ist schrecklich, der emotionale Schaden; die Leute drehen durch, weil sie im Fernsehen gesehen haben, was in der Türkei passiert ist. Sie drehen durch, sie fangen an zu schreien und rennen nach draußen in ihren Schlafanzügen, in Hausschuhen, sogar in der Unterwäsche.“

Josette M. arbeitet an der NES-Schule in Beirut, Libanon. Dort kümmert sie sich um das emotionale Wohlbefinden und die sozialen Bedürfnisse der 338 Schülerinnen und Schüler. Einige der Kinder haben in den schweren Erdbeben vom 6. Februar nahe Verwandte verloren. Die Beben waren im Libanon sehr deutlich zu spüren; seitdem schläft kaum ein Kind nachts mehr richtig.

Doch im Nahen Osten bebt die Erde weiter – und die Erschütterungen kommen näher. Die starken Nachbeben vom 20. Februar waren im Libanon so heftig zu spüren wie die ersten Beben. Und heute, am 22. Februar, erschütterten drei vergleichbar schwache Erdbeben den Südlibanon, die doch ein Haus zum Einsturz brachten. Das verstärkt die Angst und Panik der Bewohner, wie ein Freund unseres Partners im Libanon beschreibt:

„Es ist ziemlich beängstigend, in diesen Tagen im Libanon zu leben, die Erde bebt alle paar Tage. Zum Glück hatten wir bisher kein starkes Beben im Libanon, aber die Spezialisten sagen, dass wir bald eines haben werden … ich hoffe nur, dass ich dann bei meiner Familie sein werde, wenn es passiert.“

Die Angst der Libanesen ist berechtigt, denn seit der Explosion vom August 2020 und auch noch aufgrund diverser Kriege in der nahen Vergangenheit sind viele Gebäude vor allem in Beirut bereits beschädigt; die extreme Wirtschaftskrise machte grundlegende Sanierungen bisher unmöglich. Schon ein schwächeres Beben könnte in Beirut verheerende Auswirkungen haben.

Deshalb sind wir mit unserem Partner, der NES-Schule im Libanon, täglich in Kontakt, um zu prüfen, welche Maßnahmen notwendig sind, um einerseits die Schüler und ihre Familien zu schützen und andererseits das Schulpersonal darin zu unterstützen, mit Kindern und Familien die Traumata zu verarbeiten. Daneben sind wir natürlich weiterhin im Gespräch mit diversen lokalen Organisationen, um zu sehen, wie umfassendere Hilfe über den Libanon nach Nordsyrien gelangen kann; derzeit sind es vor allem einzelne Wagenladungen, die ohne langwierige Genehmigungen die Grenze passieren können – aber jede Hilfe zählt.

Die Menschen im Libanon und Nordsyrien brauchen Ihre Unterstützung! Bitte spenden Sie mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ oder „NES Libanon“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Hier hören Sie in einem Video-Bericht von Josette M., welche Auswirkungen die aktuelle Lage auf die NES-Schüler hat.

Breaking News: Weitere Beben im Nahen Osten

Erneute Beben im Libanon so heftig wie vor zwei Wochen

Zwei Wochen nach den verheerenden Erdbeben in Syrien und der Türkei haben zwei weitere starke Beben die Region erschüttert. Da die Epizentren weiter südlich lagen, waren sie im Libanon so deutlich zu spüren wie das 7,8-starke Beben vom 6. Februar.

Marlene M., Schulleiterin der NES-Schule in Beirut, berichtet aktuell kurz nach den Beben:

„Jeden Tag haben wir diese Nachbeben, aber dieses war so stark wie am allerersten Tag. Ich war noch in der Schule. Die Menschen haben geschrien und sind nach draußen gerannt, unvorstellbar. Bis jetzt sind noch alle Leute auf der Straße. Gott sei Dank wurde niemand verletzt, aber viele Gebäude wurden noch mehr erschüttert, vor allem in N. [dem Stadtteil neben der Schule], die Häuser dort sind ohnehin nicht mehr sicher. Deshalb sind die Bewohner auch alle rausgerannt.

Jetzt sitzen sie in ihren Autos entlang der Hauptstraße oder stehen auf den Parkplätzen der Supermärkte. Ich glaube, die meisten von ihnen werden heute Nacht nicht mehr in ihre Wohnungen zurückkehren. Es ist wirklich nicht einfach!“

Wenn man im Moment durch die Straßen Beiruts fährt, sieht man Hunderte von Kindern und Erwachsenen, die ratlos herumstehen und warten – warten darauf, was als nächstes passiert. Ein paar von ihnen werden bald wieder in der NES-Schule im Unterricht sitzen – morgen sind die Schulen erst mal geschlossen. Kinder, deren Welt seit drei Jahren durch Bürgerkrieg, Pandemie, Explosion und verheerender Wirtschaftskrise um sie herum zerfällt, und nun auch noch ganz wortwörtlich am Auseinanderbrechen ist.

 

Unsere Kollegen und die Kinder in Beirut brauchen Ihre Unterstützung! Bitte spenden Sie mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ oder „NES Libanon“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Der erste Schritt

Auch NES-Schüler sind von den Erdbeben betroffen

In Nordsyrien und der Türkei schwindet die Hoffnung auf Wunder unter den Trümmern. Fast 44.000 Todesopfer wurden inzwischen geborgen. Die Überlebenden kämpfen mit Hunger und Kälte, Krankheit und Schmerz. Manche Hilfsgütertransporte erreichen die betroffenen Gebiete, andere werden an der Grenze zurückgewiesen. Die Verzweiflung wächst.

Und auch außerhalb der am stärksten betroffenen Gebiete leiden Menschen unter den Folgen des Erdbebens. Viele der Schüler an der NES, unserem Partner in Beirut, wohnen in alten Gebäuden, die durch die Hafen-Explosion im August 2020 stark beschädigt wurden. Die Beben, die auch im Libanon alles erschütterten, haben diese Häuser noch unsicherer gemacht; mindestens eine Familie musste bei Verwandten unterkommen, weil ihr Gebäude nun einsturzgefährdet ist. Und auch die Schule selbst ist betroffen, da sie in Hafennähe liegt.

Ein neues Trauma

Aber am schlimmsten ist das wiederholte Trauma. Sara, Psychotherapeutin der NES-Schule, beschreibt:

„Seit der Explosion haben wir uns intensiv um die Kinder gekümmert, um das Trauma zu verarbeiten – die meisten Kinder leiden unter PTBS. Dann kam das Erdbeben und hat alles wieder hervorgeholt und ein neues Trauma ausgelöst.

Ein großes Problem ist, dass die Eltern selbst nicht gelernt haben, mit ihrer Angst umzugehen und ihre Gefühle auszudrücken. Aber natürlich spüren die Kinder die Angst ihrer Eltern. Die Tage nach dem Erdbeben saßen sie alle daheim, die Eltern waren ständig nervös, hatten Pass, Geld, Schlüssel bereit, um zu fliehen; der Fernseher war durchgehend an und die Kinder sahen die Zerstörung und wie Menschen aus den Trümmern gezogen wurden. Zuhause sollte ein sicherer Ort sein, aber die Kinder sehen, wie viel Angst ihre Eltern haben und nicht wissen, was sie tun sollen, das macht es für die Kinder noch schlimmer; sie sehen die Anspannung und können es nicht verarbeiten. Nachts können sie nicht schlafen, sie liegen da und warten, unentwegt, dass etwas noch Schlimmeres passiert.“

Wenn man die ersten Nächte nach den Beben durch Beirut fuhr, sah man an Straßenecken, unter Brücken, auf Parkplätzen zahlreiche Gruppen von Menschen, in Decken gehüllt gegen die Kälte, die Angst hatten, in ihren Wohnungen zu schlafen. Und noch immer sind Nachbeben in Beirut zu spüren, die dafür sorgen, dass die Angst tagtäglich präsent bleibt. Für viele Familien bringt das auch Erinnerungen hoch an Flucht und Furcht im Bürgerkrieg.

Die syrischen Schüler leiden am meisten

„Bei den syrischen Schülern sind die Auswirkungen stärker, das können wir sehen“, erläutert Sara. „In Syrien mussten sie schon einmal in ihren Schlafanzügen aus dem Haus rennen und sehen, wie es einstürzte, dann kamen sie in den Libanon und fühlten sich sicher, aber dann die Explosion, wieder mussten sie rennen, dann das Erdbeben, und wieder sind sie in ihren Schlafanzügen und rennen … Das Schlimme ist, dass die Eltern auch nicht wissen, wie sie auf die Angst ihrer Kinder reagieren sollen. Viele der Kinder haben Panikattacken, und die Eltern wissen nicht, wie sie damit umgehen können.“

Und es ist durchaus nicht nur eine Erinnerung, unter der die Kinder leiden. Einige Schüler der NES haben in den Erdbeben nahe Verwandte verloren – die meisten in Syrien, manche als Flüchtlinge in der Türkei. Raia* aus der 9. Klasse ist vor Jahren aus Syrien geflohen; in der Explosion starb ihr Schwager, seine Leiche wurde nie gefunden. Jetzt trauert sie über den Verlust von Onkel, Tanten und Cousins in Syrien. Maryam*, ebenfalls in der 9. Klasse, schreibt:

„Wir können nicht lernen, wir können kein Buch öffnen wegen dem Trauma, viele von uns schlafen nachts nicht, viele können nicht in ihrem Haus bleiben, weil das Gebäude so alt ist, manche von uns haben Familie in Syrien verloren, diese Zeit ist schrecklich für uns.“

Die NES: Eine Oase des Friedens

Und auch jetzt ist die NES-Schule eine Oase des Friedens im Chaos. Sie bietet den Kindern ein sicheres, fürsorgliches Umfeld, wo sie sich so angenommen fühlen, wie sie sind – mit all ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen. Sara, die Psychotherapeutin, Nissrine, die Krankenschwester, Josette, Verantwortliche für die Schüler, aber auch die Lehrer sind stets für die Kinder da, hören zu, geben Rat, unterstützen, wo sie können. Die Schüler sind sehr dankbar dafür und kommen selbst, um nach Rat zu fragen – „das ist sehr wichtig“, sagt Sara, „der erste Schritt zu einer besseren Zukunft.“

In den nächsten Wochen wird das Personal der NES-Schule sich intensiv darum kümmern, den Kindern wieder neuen Halt zu geben. Einerseits geschieht das durch regulären Schulunterricht, der in der derzeitigen verheerenden Wirtschaftskrise im Libanon alles andere als selbstverständlich ist. Andererseits steht – wieder einmal – Trauma-Seelsorge auf dem Programm, für die Kinder, aber auch für die Eltern. Darüber hinaus ist geplant, Kinder und Familien besser auf Katastrophen vorzubereiten, um gegen die ständige Angst und das Gefühl der Ohnmacht anzukämpfen. Zu diesen Präventionsmaßnahmen gehört auch, dass das Schulgebäude strukturell überprüft und ggf. saniert wird.

Der erste Schritt

Natürlich stehen für uns im Rahmen der Erdbeben-Not- und Wiederaufbauhilfe besonders die Menschen in Nordsyrien im Fokus, da dort noch am wenigsten Hilfe angekommen ist. Doch wenn möglich möchten wir auch im Libanon Maßnahmen zur langfristigen Heilung und Prävention fördern. Denn jedes Kind, das selbstbewusst und ohne Angst ins Morgen schauen kann, ist ein Schritt zu einer besseren Zukunft.

Wenn Sie uns und unsere Kollegen in Beirut darin unterstützen möchten, sowohl an der NES-Schule als auch in Nordsyrien Hoffnung für ein besseres Morgen zu schenken, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Hier hören und sehen Sie in einem Video-Bericht von der NES, wie die Erdbeben die Schüler betroffen haben.

Augenzeugenbericht aus Aleppo, Nord-Syrien

Lehrer und Absolvent der NES-Schule überleben verheerendes Erdbeben

„Ich sehe und höre die Schreie, die Zerstörung, die einstürzenden Gebäude, das Geschrei der Männer, die Frauen, nur halb bekleidet, und die Kinder, die um ihr Leben rennen. … Es ist ein Wunder, dass wir unter all den Toten noch am Leben sind.“

Kurz vor Beginn des Bürgerkriegs in Syrien verließ Carole mit ihrer Familie das Land. Im Libanon fand sie ein neues Zuhause und eine Heimat an der NES-Schule unseres Partners in Beirut, wo sie ein paar Jahre später die Mittelstufe abschloss und dann ihr Abitur und Studium absolvierte. Vor zwei Jahren heiratete sie Andrew, der dieses Schuljahr als Lehrer an der NES aushilft: Dort bringt er den Fünft- bis Achtklässlern bei, wie sie sich am besten vor Gefahren schützen.

Am Sonntag fuhr das Ehepaar nach Aleppo – das erste Mal seit 15 Jahren, und nur für zwei Tage, um sich um wichtige Dokumente für Carole zu kümmern. In den frühen Morgenstunden traf sie das Erdbeben. Carole beschreibt:

„Im sechsten Stock eines Hotels, dessen Fassade ganz aus Glas ist, schlief ich um 4.17 Uhr morgens, als ich aufwachte und spürte, wie das Gebäude erschüttert wurde. Das war kein Wind! Ich wusste nicht, was los war. Ich hatte nur einen Schlafanzug an und keine Hausschuhe. Wir mussten das Zimmer verlassen, ohne unsere Pässe, ohne Telefon, ohne Geld, ohne Schlüssel, ohne alles. Wir rannten von Stockwerk zu Stockwerk, zusammen mit vielen anderen, und konnten uns kaum halten auf der Treppe, mitten im Erdbeben. … Das ganze Glas des Gebäudes fiel auf uns. Wir liefen auf der Straße, ohne Schuhe. Wind und Regen prasselten auf uns ein, wir liefen, als ob wir schwimmen müssten, ohne Licht, nur mit dem Schein des Mondes, um einen Ort zu erreichen, an dem es keine Gebäude gibt. Eine Frau mit ihrem Sohn sah uns und gab mir einen einzelnen Schuh, damit ich darauf stehen konnte.“

Das Erdbeben ist nicht die erste verheerende Katastrophe, die Carole durchgemacht hat. Im August 2020 wurde sie bei der schrecklichen Explosion in Beirut stark verletzt. Jetzt trägt sie zwei Narben: „Ich dachte, dass mich nichts mehr treffen wird, was schlimmer ist als die Explosion in Beirut am 4. August. Unmöglich! Nichts wird je wieder so furchtbar sein. Aber das Erdbeben am 6. Februar hat mich bis ins Innerste erschüttert. Ich weiß jetzt, wie zerbrechlich das Leben ist.“

Carole und Andrew hatten „Glück“: Sie überlebten nicht nur, sondern auf wundersame Weise war auch ihr Auto unbeschädigt, obwohl alle Fahrzeuge vor und hinter ihrem zerstört waren. So konnten sie noch am selben Tag in den Libanon zurückkehren. Aber das Trauma wird sie noch lange verfolgen.

„Es gab noch viele andere Dinge, von denen ich nicht erzählen werde, weil sie zu schrecklich sind. Wir wurden auf wundersame Weise gerettet. Und ich fühle mich schuldig und schäme mich, weil andere getötet wurden und ich nicht.“

Mehr als 12.000 Menschenleben hat das Erdbeben vom 6. Februar bereits gekostet. Und im bereits vom Bürgerkrieg heimgesuchten Nord-Syrien ist noch gar keine internationale Hilfe angekommen. Lokal wurden zwar Kleidung und Lebensmittel gespendet, obwohl die meisten Syrer selbst sehr wenig haben. Aber darüber hinaus werden, auch aufgrund des widrigen Winterwetters, vor allem Unterkünfte und Decken benötigt sowie Arznei und medizinische Hilfe. Unsere internationale Geschäftsführerin ist weiterhin im Libanon und führt Gespräche mit unserem Partner vor Ort, um Hilfe für Syrien über Beirut zu koordinieren.

Wenn Sie den Menschen in Syrien, im Libanon und der Türkei eine helfende Hand reichen wollen, spenden Sie bitte mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

Erdbeben in Syrien, Türkei, Libanon

„Unsere Kinder sind völlig traumatisiert. Seit der Explosion vor zwei Jahren haben sie Angst, und jetzt dieses Erdbeben – die meisten Kinder konnten heute Nacht nicht schlafen. Und letzte Nacht, nach dem Erdbeben, haben viele ihre Häuser in Panik verlassen und drei Stunden unter einer Brücke gehockt, und das bei diesem stürmischen Wetter! In der Schule waren sie ständig den Tränen nahe.“

Das verheerende Erdbeben, das in der Türkei und Nord-Syrien früh am Montagmorgen mehrere Tausend Todesopfer gekostet hat, hat im Libanon zwar weniger Zerstörung angerichtet. Aber es hat traumatische Erinnerungen neu hervorgeholt, vor allem bei den Kindern. Und in der katastrophalen wirtschaftlichen Situation wissen die verzweifelten Familien nicht, wie sie zum Beispiel von den Beben zerbrochene Scheiben ersetzen sollen.

Die Lehrer und Mitarbeiter der NES-Schule in Beirut, die wir seit vielen Jahren fördern, kümmern sich um die 338 Schulkinder und versuchen zu helfen, wo sie können. D. Gschwandtner, Internationale Geschäftsführerin von Helping Hands e.V., war zur Zeit des Erdbebens in Beirut. Sie berichtet:

„Das Beben war sehr deutlich zu spüren, und wurde gefolgt von mehreren Stunden mit starken Gewitterstürmen – viele Straßen sind völlig überflutet. Zwar haben wir bisher nur von einem Gebäude gehört, das eingestürzt ist, aber in Beirut sind wegen der Explosion noch viele Häuser beschädigt und rissig; in manchen Stadtteilen sind die Gebäude auch sehr alt. Viele Menschen haben große Angst. Unsere Schulkinder und die Kollegen vor Ort haben in den letzten Jahren so viel durchgemacht – die Explosion, Corona, eine zerbrechende Wirtschaft, in der eine Tankfüllung so viel kostet wie das Monatsgehalt eines Lehrers. Und jetzt auch noch ein Erdbeben!

Trotzdem bin ich begeistert davon, wie die Kollegen an der NES-Schule mit der Situation umgehen. Sie geben nicht auf, arbeiten unermüdlich von früh bis spät und bringen große Opfer, um sich um diese Kinder zu kümmern und ihnen einen festen Halt zu geben, und vor allem eine gute Schulbildung. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich in der Schule bin, was für eine liebevolle, fürsorgliche Atmosphäre hier herrscht und wie die Lehrer sich um die Kinder sorgen, nicht wie Schüler, die sie unterrichten müssen, sondern fast wie ihre eigenen Kinder.“

Natürlich ist die momentane Lage in Syrien und der Türkei noch viel dramatischer; vor allem in Syrien, die auf keine funktionierende Wirtschaft zurückgreifen können. Derzeit prüfen wir, wie in diesen Gebieten geholfen werden kann; bisher ist die Kommunikation noch schwierig. Aber auch die Kinder und Familien im Libanon sollten nicht vergessen werden.

Wenn Sie den Menschen in Syrien, im Libanon und der Türkei eine helfende Hand reichen wollen, spenden Sie bitte mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

 

Fotos (von privat): links: NES-Schüler in der Woche vor dem Erdbeben; rechts: Ein Gebäude, das in Bekaa, Libanon, eingestürzt ist.