Weihnachtsfreude angekommen

Mitte Dezember ist unser Weihnachtstransport wohlbehalten in Albanien angekommen. Die 579 Weihnachtspäckchen, 149 Schulpäckchen und weitere Kisten mit Schulartikeln, selbstgestrickten Schals und Socken wurden am 17.12. entladen; bereits am 18.12. fand die erste Verteilung statt: in einer lokalen Schule in Kombinat am Rande Tiranas.

„Es war überwältigend“, berichtet unser örtlicher Kollege. „Die Kinder haben sich extrem gefreut! Und die Eltern rufen schon den ganzen Nachmittag bei mir an, um sich zu bedanken … Wir haben den Kindern die Weihnachtsbotschaft erzählt, und dass Menschen in Deutschland die Päckchen aus Liebe für sie gepackt haben.“ Daraufhin bastelten die Kinder ein Schild: „Danke von ganze herz! Dora d’Istria Schule, Tirana“.

Und die Weihnachtsfreude geht noch weiter! In den kommenden Tagen erhalten noch die Kinder aus unserem Kinderzentrum sowie in einer lokalen Kinderklinik ihre Weihnachtspäckchen. Fürs Kinderzentrum wird das mit dem bereits traditionellen Weihnachtsessen für die Kinder und ihre Familien verbunden – für viele einer der Höhepunkte des Jahres, da sich keine der Familien sonst ein Essen im Restaurant leisten könnte.

Und auch in Rumänien und Bulgarien können dank großzügiger Spenden hunderte Päckchen verteilt werden! Mehr darüber berichten wir im Januar.

Wir bedanken uns noch einmal an alle, die durch Päckchen, Spende oder andere Mitarbeit zum Weihnachtstransport beigetragen haben!

Schule – Na endlich!

Während Deutschland sich an einen neuen Lockdown gewöhnt, scheint die Lage sich für manche unserer Partner zu entspannen. Zwar sind Wirtschaftskrise und Pandemie, Hunger und Angst weiterhin präsent, aber zumindest dürfen an vielen Orten die Kinder wieder in die Schule – wenn das nicht gute Nachrichten sind! Hier ein kurzer Überblick:

Ganz aktuell: In der NES-Schule im Libanon ist seit dem 26. Oktober das Gebäude wieder von Kinderlachen erfüllt! Gar nicht so selbstverständlich: Das erste Mal seit März dürfen die Schüler wieder zum Präsenzunterricht. Die Mittelstufe begann vergangenen Montag, der Kindergarten am Dienstag, seit dem 2.11. sind auch die Grundschüler vor Ort. Sie lernen in einer Welt, die nicht mehr dieselbe ist: Nicht nur der ewige Lockdown hat die Kinder sehr belastet, sondern auch die verheerende Explosion im August. Deshalb bot die Schule bereits im September zwei Traumaseelsorge-Seminare für Schüler und Lehrer an – noch dringender nötig, als ursprünglich gedacht. „Uns war vorher gar nicht bewusst, wie sehr die Lehrer dieses Seminar brauchten!“, so die Schulleiterin. „Sie schütteten ihre Herzen aus und konnten sich auch gegenseitig ermutigen.“

In Nepal begann unser Kinderzentrum in Piluwa am 19. Oktober mit dem Unterricht, nachdem es eine Woche vorher als erweitertes Dorf­entwick­lungs­projekt feierlich wieder- bzw. neueröffnet wurde (Details dazu lesen Sie hier). Die Familien haben sehr darauf gewartet und sind voller Hoffnung für die Zukunft.

In der Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia hieß es erst, alle Schulen seien bis Januar geschlossen. Wie erfreut waren wir zu erfahren, dass seit Mitte Oktober die Abschlussklassen (4. und 8. Klasse) wieder zum Unterricht kommen dürfen! Neue Waschbecken wurden installiert, es wird viel Abstand gehalten, regelmäßig Temperatur gemessen … und alle sind froh, endlich wieder in der Schule zu sein. Für später ist geplant, im Schulhof Container und Zelte aufzustellen, damit auch die anderen Klassen bald wieder zum Unterricht kommen können. Fast ein ganzes Schuljahr haben sie dann verloren, denn Online-Unterricht ist im Slum kaum möglich. Die Lehrer bemühten sich sehr, die Kinder von der Straße wegzuhalten, indem sie Bücher verteilten, per Handy kurze Videos aufnahmen und die Schüler aufforderten, jeweils einzeln zu ihnen zu kommen, um Hilfe bei Aufgaben zu erhalten.

Nach 7 Monaten öffneten sich am 5. Oktober im Straßenkinderzentrum in Antananarivo, Madagaskar, wieder die Pforten. Während des Lockdowns wurde ein bereits vorher geplantes Projekt mit Unterstützung von Helping Hands verwirklicht: Für das Zentrum wurde ein Wassertank installiert, der nun den ganzen Tag über fließendes Wasser ermöglicht. „Die Kinder kamen zurück und können jetzt jeden Tag ganz einfach sauberes Wasser bekommen“, berichtete unser Partner. „Könnt ihr euch vorstellen, wie das gewesen wäre mit dem Händewaschen, ohne Wasser? Der Wassertank kam genau zum richtigen Zeitpunkt!“

Bereits seit Anfang des neuen Schuljahres ist das Kinderzentrum in Albanien wieder geöffnet. Die Kinder tragen Masken, es wird regelmäßig desinfiziert und Temperatur gemessen. Wir hoffen, dass das Kinderzentrum auch über den Winter offen bleiben kann.

Das gilt auch für die Schule in Vidrare, Bulgarien: Dort konnte das neue Schuljahr wieder im Schulgebäude beginnen – nach vier Wochen intensiver Planung, um alle Vorschriften einzuhalten – und die Mitarbeiter vor Ort hoffen sehr, dass die Schule offen bleibt. „Andere Formen des Unterrichts funktionieren hier nicht wirklich“, erklärt unser örtlicher Partner. „Online geht gar nicht – die Plattformen sind zwar kostenlos, aber die Eltern können sich den Internetzugang nicht leisten. Die Lehrer haben Material entworfen und in gedruckter Form an die Familien verteilt.“

Auch andere Bedürfnisse erfüllt die Schule: zum Beispiel Nahrung und Wärme. Wenn die Kinder in der Schule sind, sparen die Eltern eine Menge Brennholz und zwei Mahlzeiten pro Tag, die sie sonst gar nicht bezahlen könnten. Hier griff die Dorfgemeinschaft sich gegenseitig unter die Arme: Familien, die etwas besser dran waren, und auch das Schulkollegium sammelten Kleidung und packten Essenspakete für die bedürftigeren Familien. Ein schönes Beispiel von lokaler Initiative!

Eine Zukunft für Piluwa

Kinderzentrum in Piluwa, Nepal, als umfassendes Programm neueröffnet

„Immer zuhause zu bleiben – das ist sooo langweilig!“ Anmol, ein Drittklässler aus Piluwa im südlichen Nepal, spricht wohl vielen Kindern weltweit aus dem Herzen. „Aber im Kinderzentrum, da ist es echt interessant! Wir malen und lesen und schreiben, und ich kann mit meinen Freunden spielen, das macht mich glücklich!“

Vor fast sieben Monaten musste das Kinderzentrum in Piluwa aufgrund von Coronabeschränkungen schließen. Das Land versuchte, durch besonders strikte Regelungen die Infektionsrate niedrig zu halten; die Lockdowns dauerten viele Monate. Das war nicht einfach – für die Kinder, die Eltern, das ganze Dorf. „Im Kinderzentrum lernten meine Enkelkinder ordentlich zu lesen und schreiben. Jetzt liegt ihre Bildung brach, weil das Kinderzentrum geschlossen ist“, bedauerte ein älterer Dorfbewohner namens Narayan Anfang Oktober. Und auch der Lehrer des Kinderzentrums, der seit zwei Jahren dort unterrichtet, berichtete: „Dass das Kinderzentrum durch die Pandemie-Situation so lange geschlossen sein musste, hat wirklich schlimme Auswirkungen auf die Bildung der Kinder. Letzte Woche traf ich mich mit den Eltern. Sie haben mich gebeten, das Kinderzentrum so schnell wie möglich wiederzueröffnen!“ Da die Regierungsbestimmungen sich endlich gelockert hatten, war es dann auch bald so weit:

Am 12. Oktober wurde das Piluwa Kinderzentrum in einer feierlichen Zeremonie und mit einigen praktischen Schulungen offiziell wiedereröffnet. Und nicht nur das: In Zusammenarbeit mit Helping Hands wird das Programm erweitert, sodass den Familien noch umfassender geholfen werden kann. So werden nicht nur die Kinder ganzheitlich gefördert, sondern ihre Familiensituation verbessert und das ganze Dorf nachhaltig beeinflusst. „Seit vielen Jahren müssen wir für andere als Tagelöhner arbeiten, weil meine Familie vom Ertrag unseres Gartens nicht überleben kann“, erklärt Narayan. „Ich wünschte, wir müssten nicht für andere schuften!“

Zum „Eröffnungstag“ waren alle eingeladen, die durch das Kinderzentrum direkt beeinflusst werden: die Kinder, ihre Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, die Mitarbeiter des Kinderzentrums und Vertreter der Dorfgemeinschaft. Unter regulären Hygienevorschriften versammelten sie sich im Raum, wo auch das Kinderzentrum stattfindet. Die Leiter unseres örtlichen Partners stellten das neue Programm im Detail vor und erklärten, was es für die Familien und das Dorf bedeutet: nicht nur Hausaufgabenhilfe und andere Aktivitäten für die Kinder, sondern auch Selbsthilfegruppen und Einkommensprojekte für Eltern, verschiedene Schulungen und Unterstützung im Aufbau von Kleinstunternehmen. Besonders in der gegenwärtigen Pandemie-Situation schenkt das Hoffnung, wo viele schon aufgeben wollten.

„Nachdem wir das Programm erklärt hatten, waren alle begeistert!“, berichtet unser örtlicher Partner. „Die Eltern haben auch gleich eine Selbsthilfegruppe gegründet und sie ‚Piluwa CFCD SHG‘ genannt. Sie haben entschieden, monatlich pro Familie 200 Rupien zu sparen, sodass sie auch bald ihren Mitgliedern kleine Kredite mit niedrigem Zinssatz geben können, um die Einkommensprojekte zu unterstützen. Sie werden sich jeden Monat mindestens einmal treffen.“

Selbsthilfegruppen sind eine Art Grundgerüst für die verschiedenen anderen Aktivitäten des umfassenden Kinderzentrum-Programms. Und auf diese freuen die Eltern sich besonders: zum Beispiel werden sie Saatgut erhalten, um ihren Gartenbau zu erweitern; auch Viehzucht ist geplant, wofür die Gegend hier wohl besonders gut geeignet ist. Lok Maya, deren Sohn das Kinderzentrum besucht, macht das Hoffnung: „Mein Mann ist seit zwei Jahren krank, ich muss für alle sorgen. Wenn das Kinderzentrum uns hilft, einen Büffel zu erwerben, welch einen Unterschied würde das machen!“ Und auch Chandra Maya, die Vorsitzende der neugegründeten Selbsthilfegruppe, ist voller Erwartung: „Ich arbeite als Tagelöhner und verdiene nur etwa 300 Rupien am Tag, das reicht nicht für die ganze Familie. Ich kümmere mich auch um meinen kleinen Enkel, da ist es schwierig, den Haushalt und die Tagelöhnerarbeit zusammen zu bewältigen. Wenn das Kinderzentrum mich bei anderen Einkommensmöglichkeiten unterstützt, das wäre so großartig, das macht mich wirklich froh!“

Am Eröffnungstag wurde gemeinsam geplant, wann zum Beispiel das Saatgut verteilt wird und welches Saatgut am besten geeignet ist. Auch die akademischen Aktivitäten für die Kinder wurden besprochen – am 19. Oktober soll wieder offiziell der Unterricht beginnen. Davor wird noch das Büro erweitert und andere administrativen Aufgaben erledigt. Die Mitarbeiter unseres Partners leiteten die lokalen Kollegen darin an und diskutierten auch das Hygienekonzept, sodass die Eltern ihre Kinder sorglos zum Kinderzentrum senden können.

„Wenn unsere Kinder im Kinderzentrum sind“, fasste Ram Maya, eine Großmutter, für alle zusammen, „dann wissen wir: Sie sind in Sicherheit, und wir müssen uns keine Sorgen über sie machen!“

Erleben Sie die „Zukunft für Piluwa“ persönlich mit!

Das Kinderzentrum in Piluwa wurde vor zwei Jahren in kleinerem Rahmen durch Spenden über Helping Hands e.V. eröffnet. Die Erweiterung auf ein umfassenderes Programm sollte bereits im April beginnen, musste aufgrund Corona aber verschoben werden. Sie können an dieser aufregenden Veränderung teilhaben, indem Sie das Kinderzentrum in Piluwa durch eine Spende unterstützen oder ein Kind in Piluwa durch eine Patenschaft fördern.

Hier lesen Sie einen früheren Beitrag zu diesem Kinderzentrum: „Ein Herz für Piluwa“.

Schüler zeigen Solidarität

Nach verheerender Explosion in Beirut engagieren sich zahlreiche NES-Schüler und Absolventen für ihre Stadt

„Die letzten Tage waren sehr hektisch. Direkt nach der Explosion haben wir uns erst mal darum bemüht, in der Schule den Schutt und die Glasscherben wegzuräumen. Viele unserer Schüler und Ehemaligen sind mit anderen Jugendlichen in die besonders zerstörten Stadtgebiete gegangen und haben dort bei allem und jedem geholfen. Sie haben Gästehäuser hergerichtet, sodass Familien, die ihre Wohnungen verloren haben, dort unterkommen konnten. Dann haben sie geholfen, zwei zerstörte Krankenhäuser aufzuräumen und zu säubern. Zusätzlich haben sie in Ashrafieh zwölf beschädigte Wohnungen und Häuser aufgeräumt und gereinigt. Später haben sie noch sieben Tage lang täglich 225 Mittagsmahlzeiten zubereitet und verteilt, und für betroffene Familien auch Ventilatoren gekauft. Unser befreundetes Hilfswerk, Life Agape Ministry, gibt weiterhin warme Mahlzeiten aus.“ Heute (25.8.) wird außerdem eine „mobile Klinik“ für Verletzte angeboten; auch dabei helfen einige Schüler. „Wir sind sehr stolz darauf, wie unsere Schüler sich engagieren!“

Das ist die NES-Schule in Beirut, Libanon: Dort lernen die Schüler nicht nur Arabisch, Chemie und Mathematik, sondern Nächstenliebe und Solidarität, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern über die eigene Not hinaus auch die Not der anderen zu sehen und zu lindern. Viele der NES-Schüler kommen ohnehin aus sehr schwierigen Verhältnissen – Flüchtlingsfamilien, Gastarbeiter, Waisenkinder – aber selbst die wenigen, deren Familien es vorher einigermaßen gut ging, bekommen die anhaltende Wirtschaftskrise am eigenen Leib zu spüren, denn ein großer Teil der Mittelklasse rutscht immer mehr in die Armut ab. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen? – waren viele Schüler und Absolventen sofort bereit, sich für ihre betroffenen Nachbarn und ihre gemarterte Stadt einzusetzen.

Bei der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut am 4. August kamen knapp 200 Menschen um, mehr als 6000 wurden verwundet. Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot, denn u.a. vernichtete die Detonation 85% der Getreidevorräte (Oxfam). Zudem sind ganze Stadtteile zerstört – viele Bewohner sprechen davon, dass die Explosion mehr Schaden angerichtet hat als 15 Jahre Bürgerkrieg – und daher sind nun etwa 300.000 Menschen obdachlos. Zusätzlich haben viele noch bewohnbare Wohnungen große Schäden erlitten.

„Als Schule helfen wir im Moment vor allem unseren Lehrern und Schülern, die Schäden in ihren Wohnungen zu reparieren. Wir arbeiten mit verschiedenen Handarbeitern zusammen, Schreinern und so, die wir zu den Familien schicken, denen wir helfen möchten, und die wir dann bezahlen.“

Die Schäden dieser Art können, zumindest mit der nötigen finanziellen Unterstützung, beseitigt werden. Aber was ist mit den emotionalen Schäden?

Die Explosion hat für viele Libanesen nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern ihr letztes Fünkchen Hoffnung zerstört. Verheerende Waldbrände vor knapp einem Jahr, dann wochenlange Straßenproteste, die schlimmste Wirtschaftskrise, die das Land je durchlebt hat, eine drastisch fallende Währung und massive Arbeitslosigkeit, dann noch Corona und schließlich dieser katastrophale Schlag – die Bevölkerung ist völlig traumatisiert. Wie lange wird es dauern, bis das Land sich erholt, selbst wenn die politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen überwunden werden können?

Genau hier macht die NES-Schule so einen wichtigen Unterschied. Auf der einen Seite kümmern sie sich natürlich gerade jetzt um die Schüler, die besonders betroffen sind, wie die Schulleiterin beschreibt: „Wir bemühen uns darum, die verletzten Schüler emotional zu unterstützen. Wir wechseln uns ab, die Schüler zu besuchen, vor allem die, die auch ihr Zuhause verloren haben.

Wir möchten weiterhin ein Licht sein für Menschen, die in Not sind!“

Dieses Licht ist die NES schon seit über 50 Jahren. Kinder, die in anderen Schulen diskriminiert oder sozial ausgegrenzt werden, finden hier einen Ort, an dem sie angenommen und wertgeschätzt sind. Besonders solche Kinder, die an anderen Schulen teilweise gar keinen Platz bekommen würden – Kinder aus Flüchtlings- oder Gastarbeiterfamilien, die auch in dieser Krise ganz besonders hart getroffen sind – können hier in sicherer und herzlicher Atmosphäre eine gute Schulbildung genießen. Das relativ neue „Therapiezentrum“ mit Psychologe und Sprachtherapeut hilft enorm, traumatisierten Kindern die nötige Hilfestellung zu geben, damit sie ihr Trauma verarbeiten und ihren Schulalltag erfolgreich meistern können. Und gerade dieses Jahr, in dem praktisch alle Kinder in Beirut gewissermaßen unter Trauma leiden, ist die Schule als „Oase des Friedens im Chaos“ ein unbeschreiblich wichtiger Anker im durcheinandergewirbelten Leben der NES-Schüler.

Ursprünglich sollten am 1. September die Einführung für die Lehrer beginnen und Mitte September der reguläre Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Da aufgrund der Explosion dutzende Krankenhäuser und Kliniken zerstört wurden und die Corona-Fälle stark angestiegen sind, wurde bis mindestens zum 4. September ein weiterer Lockdown verhängt. Ob demnach der Unterricht im Klassenraum starten kann oder für den Übergang weiter online unterrichtet wird, ist noch unklar – jedenfalls besteht die Hoffnung, dass in Kürze wieder normaler Präsenzunterricht stattfinden kann. Die Reparaturarbeiten an der Schule laufen noch, sind aber hoffentlich bis Mitte September abgeschlossen.

Die Schüler und Angestellten der NES – Berichten zufolge die ganze libanesische Bevölkerung – zeichnen sich in dieser schwierigen Lage durch außerordentliche Solidarität aus. Auch wir können unseren Freunden im Libanon ein Zeichen der Solidarität und der Ermutigung senden. Das geht am besten durch den NES-Studienfond, der maßgeblich dazu beiträgt, dass möglichst viele Schüler weiter ihre „Oase des Friedens“ besuchen können. Das geht auch durch Patenschaften für einzelne Schüler, oder eine Spende mit Vermerk „Beirut Explosion“ (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394). Oder Sie schreiben eine ermutigende Nachricht für unsere Kollegen und die Kinder im Libanon (am besten auf Englisch – aber gerne auch auf Deutsch – an: webmaster@helpinghandsev.org). Danke, dass Sie den Kindern und ihren Familien in dieser Zeit besonders zur Seite stehen!

Weitere Fotos auf Facebook und Instagram.

„Die Zerstörung ist unvorstellbar“

Explosion erschüttert Beirut; Schüler und Schule unseres Partners betroffen

„Es ist eine Katastrophe. Wir wissen nicht, was wir sagen sollen. Es ist wie ein Erdbeben … die Zerstörung ist unvorstellbar, überall.“

So schildert es die Schulleiterin der NES-Schule unseres Partners im Libanon am Dienstagabend, wenige Stunden nachdem eine verheerende Explosion am Hafen in Beirut das ganze Land erschütterte – sogar in Zypern, 200 Kilometer entfernt, war der Schlag landesweit zu spüren.

Bisher wird von über 150 Toten und mehr als 5000 Verletzten gesprochen. Nachrichtensender berichten, dass unter anderem auch drei Krankenhäuser zerstört wurden und es ohnehin schon an medizinischem Material mangelt – die Verletzten werden versorgt, so weit es geht.

Zwei NES-Schüler der 5. Klasse wurden durch Glas verletzt und im Krankenhaus behandelt (einer der beiden kam in unserem Blogartikel „Ich habe Schulweh“ zu Wort); ansonsten wurden glücklicherweise keine Schüler und Lehrer getroffen.

Die entsetzliche Kraft der Druckwelle hat aber nicht nur Tausende verletzt, sondern auch weit über den Hafen hinaus Gebäude verwüstet.

„Auch unsere Schule hat kein Glas mehr, keine Türen – eine Menge ist zerstört“, berichtet die Schulleiterin.

Die NES-Schule ist unser Jahresprojekt 2020; bei den Joggathons im Mai und Juni engagierten sich hunderte Läufer und Sponsoren für den „NES-Studienfond“ – Unterstützung, die Schule und Schüler jetzt noch nötiger haben als zuvor.

Denn diese Katastrophe trifft den Libanon nicht aus heiterem Himmel, sondern inmitten einer anhaltenden Wirtschaftskrise, durch die das Land schon vor Corona extrem geschwächt war. Tausende, die bisher der Mittelklasse angehörten, sind unter die Armutsgrenze gerutscht; die, die schon vorher bedürftig waren, wissen kaum, wie sie die Krise überstehen sollen.

„Mehr können wir wirklich nicht mehr ertragen“, schreibt die Schulleiterin. „Unsere Leute haben nichts zu essen, wie sollen wir da die Stadt wieder aufbauen!“

 

Wenn Sie die NES-Schule in dieser Situation unterstützen und den betroffenen Familien eine helfende Hand reichen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Beirut Explosion“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394) oder spenden Sie online (Stichwort „Beirut Explosion“). Alternativ können Sie auch direkt für unser Jahresprojekt 2020 spenden, da die Gelder für dieses Projekt in den NES-Studienfond fließen und darüber hinaus genutzt werden, um nötige Renovierungsarbeiten an der Schule durchzuführen.

„Ich habe Schulweh!“

Wir vermissen unsere Schüler.
Wir vermissen unsere Lehrer.
Wir vermissen unsere Klassenräume, Bücherei, Labor und Schulhof.
Wir vermissen das Lachen, den Unterricht, die Freundschaften, die Konflikte.
Wir vermissen die Schule!

So schrieb die „NES“-Schule in Beirut am 1. April auf ihrer Facebook-Seite. Zu dem Zeitpunkt waren die Schulen erst ein paar Tage zu. Inzwischen sind die Sommerferien schon halb rum und noch immer ist nicht klar, ob zum Anfang des nächsten Schuljahres wieder regulärer Unterricht stattfinden kann.

Aber die Schule im Libanon ist Herausforderungen gewöhnt. Und so konnte auch hier eine Lösung gefunden werden. Das ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz der Lehrer zu verdanken, unterstützt durch die Administration. „Ich hatte befürchtet, dass ich dieses Schuljahr wiederholen muss“, schreibt ein Mädchen aus der siebten Klasse. „Aber jetzt, mit dem Online-Unterricht, hoffe ich, dass ich in die 8. Klasse versetzt werde!“ Und auch ein Fünftklässler betont: „Ich habe keine Angst vor dem kommenden Schuljahr. Bestimmt werde ich in der 6. Klasse sein.“

Die ersten zwei Wochen des Lockdowns waren in der NES noch der Wiederholung mit Hilfe von Arbeitsblättern gewidmet, dann begann der reguläre Online-Unterricht. Die Lehrer senden Videos oder unterrichten direkt durch eine App, sie geben Aufgaben, die die Schüler bearbeiten und ihnen zurücksenden, worauf sie umgehend Feedback erhalten. Dafür sind Eltern und Kinder sehr dankbar, besonders auch wegen der persönlichen Interaktion, die die Kinder besonders vermissen.

Eine Schülerin aus der neunten Klasse berichtet: „Ich war überrascht zu sehen, dass die Lehrer uns eine Zeit geben, in denen wir sie anrufen können und unsere Fragen stellen. Und das beste ist, dass sie jede einzelne Aufgabe von uns persönlich korrigieren und zurückschicken.“ – „Mein Sohn kommuniziert direkt mit den Lehrern“, beschreibt eine Mutter. „Er schickt Aufgaben und sie korrigieren. Zum Beispiel schrieb ein Lehrer auf eine Aufgabe sofort ‚Richtig, gut gemacht!‘. Es ist, als ob er mit meinem Sohn zusammensitzt.“ Zusätzlich wird durch Gruppenarbeiten und besondere Projekte sowie Facebook-Gruppen ermöglicht, dass die Schüler auch untereinander in Kontakt bleiben.

„Ich mag besonders die Naturwissenschaften; die Experimente machen echt Spaß!“, erzählt Zach aus der sechsten Klasse. „Aber Mathe ist schon schwierig für mich. Da bin ich sehr froh, dass ich meinen Mathelehrer anrufen kann und ihm alle meine Fragen stellen, oder sogar per Video mit ihm reden.“

Die Lehrer sind sehr zufrieden und betonen, wie gut es – wider Erwarten – mit dem Online-Unterricht klappt: „Wenn unsere Schüler eine Online-Unterrichtstunde haben, dann sind alle dabei und genau pünktlich da. Sogar, wenn ihre offizielle Zeit schon rum ist, schreiben sie noch eifrig Textnachrichten. Es ist wirklich toll zu sehen, wie motiviert sie sind. Es macht mir gar nichts aus, ihre ganzen Nachrichten und Fragen zu bekommen und mir die Zeit zum antworten zu nehmen.“ Und ein anderer Lehrer freut sich: „Ich beginne pünktlich um 10 Uhr und, kaum nachdem ich Guten Morgen gesagt habe, werde ich schon mit den ‚Hallo’s der Schüler bombardiert. Das ist sehr ermutigend. Meist sind alle Schüler da, und wir können gemeinsam interagieren. Klar, es ist nicht wie normaler Unterricht – aber es funktioniert.“

Natürlich fordert dieser Online-Unterricht einiges von den Lehrern, denn Online-Unterricht muss eben kreativ sein – für jede Stunde Unterricht sind etwa drei Stunden Vorbereitung erforderlich, zum Beispiel um Diagramme, Bilder, Videos zu erstellen und die richtigen Aufgaben zu finden sowie eine Zusammenfassung zu erstellen, die am Ende der Stunde an die Schüler geschickt wird, damit sie die Aufgaben besser bearbeiten können. „Dieser Online-Unterricht fordert alle Kreativität von mir, die ich in meinen Jahren als Lehrer gelernt habe!“

Ein Junge aus der fünften Klasse schreibt: „Die Videos, die die Lehrer uns schicken, sind sehr hilfreich. Manchmal geben sie uns ein Projekt auf, dann müssen wir ein Foto davon machen und es ihnen zurückschicken. Das macht echt Spaß!“ Und auch die Eltern sind dankbar: „Die Lehrer sind sehr kreativ im unterrichten“, erklärt eine Mutter. „Sie bemühen sich, wie sie nur können, um die Unterrichtsinhalte so klar wie möglich zu vermitteln. Sie begleiten die Kinder Schritt für Schritt. Ich muss meiner Tochter bei gar nichts helfen! Danke an euch Lehrer, dass ihr so kreativ seid und euch so um unsere Kinder bemüht!“

Doch trotz aller Kreativität und Motivation ist die Situation alles andere als ideal. Manche Familien haben kaum Internetzugang oder besitzen keine Tablets oder Laptops, nur ein einziges Handy für mehrere Kinder. Die Eltern bemühen sich, diese Hindernisse einigermaßen zu meistern, sodass ihre Kinder den Unterricht besuchen können. Fürs kommende Schuljahr hofft die Schulleitung, für die ganze Schule gebrauchte Tablets zu erhalten, sodass alle Schüler ungehindert am Online-Unterricht teilnehmen können, falls das erforderlich wird.

Denn bisher stehen die Chancen nicht gut, dass die Lage im Libanon sich bald entspannt hat. In Bezug auf Corona verschlechtert sich die Situation derzeit noch. Und dann ist da noch die Wirtschaftskrise, die Libanon schon vor Corona fest im Griff hatte.

„Dies war ein seltsames und herausforderndes Schuljahr“, schreibt die Schulleitung. „Seit dem Bürgerkrieg vor 20 Jahren standen wir nicht mehr vor solchen Herausforderungen! Für uns im Libanon, selbst wenn die Covid-19 Beschränkungen gehoben werden, müssen wir mit erneuten Straßenprotesten rechnen, denn die Wirtschaft bricht weiter zusammen und unsere Währung verliert täglich an Wert.“

Nachrichtensender sprechen von der schlimmsten Wirtschaftskrise, die das Land je durchgemacht hat, und berichten, dass inzwischen auch die libanesische Mittelklasse in die Armut abrutscht und bald große Teile der Bevölkerung hungern werden; schon jetzt liegt die Hälfte unter der Armutsgrenze.

Das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Schulbesuch. Familien, die sich vorher das Schulgeld leisten konnten, bräuchten jetzt Unterstützung. Und dann sind da natürlich die über 100 Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien und anderen ethnischen Minderheiten, die um ihren Schulplatz an der NES bangen müssen, weil Unterstützung aus anderen reichen Ländern aufgrund der Coronakrise plötzlich versiegt ist.

Aber da besteht Grund zur Hoffnung: Im Mai und Juni engagierten sich 126 Läufer in Gelnhausen, Berlin und ganz Deutschland bei zwei Joggathon-Spendenläufen für die Schule in Beirut; auch Schüler, Lehrer und Freunde der NES-Schule liefen im Libanon mit. Insgesamt kamen so über 15.500 Euro für einen „Studien-Fond“ zusammen, der besonders solchen Kindern helfen soll, weiterhin die NES-Schule besuchen zu können, die ansonsten überhaupt keinen Schulplatz erhalten könnten – syrische Kinder zum Beispiel werden im Libanon in öffentlichen Schulen meist nicht mehr aufgenommen.

Was das für diese Kinder bedeutet, das beschreiben zwei Schülerinnen aus der 6. und 7. Klasse sehr eindrücklich:

„Ich bin 15 Jahre alt, aber erst in der 6. Klasse. Ich kann es mir nicht leisten, noch ein Schuljahr zu verlieren; ich war so traurig, als der Unterricht gestoppt wurde. Ich wollte weiterlernen und die Jahre ausgleichen, die ich wegen dem Krieg in Syrien verloren habe! Ich dachte, dass der Corona-Virus meinen Traum zerstört hat, aber als die Schule uns in der ersten Woche des Lockdowns kontaktierte und über den Online-Unterricht erzählte, fühlte ich mich sehr ermutigt und aufgeregt. … Ich nehme diesen Unterricht sehr ernst und gebe mein Bestes, um richtig gut zu sein. Aus der Krise habe ich gelernt, nicht aufzugeben!“

„Wir hören meist, dass jemand ‚Heimweh‘ hat. Habt ihr schon mal von jemand gehört, der ‚Schulweh‘ hat? Ich habe Schulweh.
Nachdem wir Syrien verlassen hatten, wurde die NES mein Zuhause, meine Sicherheit, mein Dazugehörigkeitsgefühl. Einige Lehrer wurden meine Mentoren und sogar meine Freunde, ich schütte mein Herz bei ihnen aus, wenn ich traurig bin.
Im Libanon wurde die NES zu meiner neuen Heimat.
… Ich bin dankbar für den Online-Unterricht, aber ich vermisse alles, was irgendwie mit der Schule zu tun hat. Sobald diese Krise rum ist, möchte ich meine Freunde treffen und mit ihnen Basketball spielen. Ich träume davon, dass ich eines Tages aufwache und merke, dass die Covid-19 Krise vorüber ist und ich auf meinem Platz in meinem Klassenzimmer sitze!“

Mit dem Fahrrad von Tür zu Tür

Kein ganz ungewöhnliches Bild in Bangladesch: Radler, die auf ihrem zu bedrohlichen Höhen beladenen Drahtesel auf schmalen Fußpfaden durch die Reisfelder flitzen. Heute könnte einer dieser Balancekünstler ein Lehrer unserer Kinderzentren sein! Seine oder ihre Mission: Hoffnung in der Not. Oder auch: Den Kindern und ihren Eltern die Mahlzeiten ermöglichen, die sie sich aufgrund des Lockdowns nicht mehr selbst verdienen können bzw. im geschlossenen Kinderzentrum nicht erhalten. Ein sehr willkommener Besuch! Die Lehrerin lädt die Pakete ab, lacht ein wenig mit den Kindern, tauscht sich aus mit den Eltern – natürlich alles maskiert und „auf Abstand“ – dann schwingt sie sich wieder aufs Rad und flitzt weiter. Bis zum nächsten Mal!

Bangladesch ist eines der Länder, in denen die Zahlen von Infektionen und Todesfällen aufgrund von Corona derzeit noch rapide ansteigen – ein Land, das ohnehin schon unter extremer Armut leidet und das mitten in der Coronakrise vom heftigen Wirbelsturm „Amphan“ heimgesucht wurde. Aber unsere Kollegen vor Ort sind Katastrophen „gewöhnt“ und so konnten sie schon in kürzester Zeit den mit ihren Projekten verbundenen Familien unter die Arme greifen, vor allem in den zahlreichen Kinderzentren.

Sie berichten, dass, nachdem die Regierung im März sämtliche Bildungseinrichtungen schließen ließ und später die Bewegungsfreiheit im Land stark einschränkte, unser Partner BNM in Absprache mit den Leitern der Kinderzentren für die Familien erste Hilfsmaßnahmen plante: „Die meisten Eltern der Kinder sind Tagelöhner, die auf Feldern arbeiten oder auf dem Bau, oder ein Kleinstunternehmen haben. Als der Lockdown begann, verloren diese Menschen ihre Arbeitsmöglichkeiten. Kleinstunternehmen sind geschlossen, und landwirtschaftliche Produkte werden nicht mehr in die Städte transportiert. Die Familien konnten sich kaum mehr eine ordentliche Mahlzeit pro Tag leisten.“

Um den Familien über die schlimmste Zeit zu helfen, verteilt unser Partner Lebensmittelpakete mit Reis, Linsen, Öl, Salz und Hygieneartikel wie Seife, Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken. Das findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Anstatt, wie sonst nach Katastrophen, Hilfsgüter an einer zentralen Stelle auszugeben, mieten sich die Mitarbeiter der Kinderzentren Fahrräder oder Fahrradtransporter und bringen die Hilfsgüter zu jeder Familie nach Hause. Dadurch können sie auch ein wenig Zeit (auf Distanz) mit den Kindern verbringen und sich erkundigen, wie es den Familien geht. Die Eltern sind sehr dankbar für diese Unterstützung!

In manchen Kinderzentren kommen ältere Kinder und holen die Pakete ab – natürlich unter Einhaltung des „social distancing“. Außerdem tragen alle Mitarbeiter Masken und Handschuhe.

Diese Verteilungen für Kinderzentren fanden inzwischen schon dreimal statt. Zusätzlich konnte BNM in Dhaka und Srimongol an insgesamt 2100 Menschen Lebensmittel- und Hygienepakete mit ähnlichem Inhalt ausgeben; nach dem Wirbelsturm Amphan im Südwesten des Landes fanden außerdem in Satkhira, Bagerhat und Khulna vier Verteilungen statt, in denen 6.200 betroffene Haushalte Pakete mit Reis, Linsen, Öl, Kartoffeln, Keksen, Seife, Waschmittel, Masken und Tabletten für die Wasserreinigung und gegen Durchfallerkrankungen erhielten; dies wurde teilweise von unserem deutschen Partner humedica e.V. unterstützt.

Da die Corona-Pandemie in Bangladesch noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, konzentriert sich BNM derzeit noch auf die akuten Bedürfnisse der Familien. Aber natürlich möchte unser Partner den Menschen langfristig neue Perspektiven eröffnen. Wenn sich die Lage stabilisiert hat, plant BNM ein Gesundheitsprojekt in Srimongol, im Norden des Landes ein Projekt, das Landwirtschaft und alternative Einkommensmöglichkeiten fördert, sowie ein weiteres Rehabilitationsprojekt im Süden des Landes.

Wenn Sie diese geplanten Maßnahmen unterstützen und benachteiligten Familien in Bangladesch nach dieser Krise neue Hoffnung geben möchten, überweisen Sie bitte mit Vermerk „Corona Bangladesch“ oder spenden Sie online.

„Happy Juni!“ Kindergarten in Albanien ist wieder geöffnet

„Happy 1st June, liebe Kinder! In jedem Lächeln von euch wird die Welt noch schöner!“

Als der Kindergarten „AM-EL“ unseres Partners in Kombinat, Albanien, am 1. Juni nach zwölf Wochen wieder öffnen durfte, war die Freude groß. Welch ein Fest! Zwar konnten noch nicht alle Kinder wieder mit dabei sein, weil einige Eltern ihre Arbeitsstelle verloren haben oder ihnen die Lage noch zu unsicher ist, aber die, die kommen können, sind überglücklich.

Die letzten Monate waren nicht einfach für die Menschen in diesem ärmsten Land Europas. Es fehlte an vielen notwendigen Hilfsmitteln, gerade auch in den Krankenhäusern. Ausgangssperren machten es vielen unmöglich, ihr mageres Einkommen weiter zu verdienen, sodass ihre Familien hungerten. „Vor ein paar Tagen riefen einige Eltern vom Kinderzentrum an und sagten, dass sie nichts mehr zu essen haben“, berichtete der Leiter unseres Partners, Gesti Biti, bereits im März. Und dann war da natürlich die Angst und Unsicherheit, die Albaner mit dem Rest der Welt teilen, die aber in einem Land, das eben erst von starken Erdbeben heimgesucht worden ist, die Zweifel und Perspektivlosigkeit noch vertiefen.

Aber unser Partner fand auch viele kreative Ansätze, um den Herausforderungen zu begegnen. Gesti Biti war unermüdlich aktiv, um Lösungen zu finden und den Menschen unter die Arme zu greifen. Mit Unterstützung unseres Partners NCM International konnten mehrmals Lebensmittel und Hygieneartikel an bedürftige Familien verteilt werden – vor allem die, deren Kinder unser Kinderzentrums in Kombinat besuchen. Auch das Krankenhaus, dass sich in Albanien hauptsächlich um Corona-Patienten kümmert, konnte unser Partner mit Hygieneartikeln unterstützen und am Ostersonntag die Ärzte zu einem Ermutigungs-Festmahl einladen.

Und der Kindergarten, an dem im Endeffekt auch die Zukunft des Kinderzentrums hängt? „Wir haben ein großes Problem!“, schrieb Gesti im März. „Wir bekommen keine Gebühren von den Eltern, aber müssen die Gehälter und Miete weiterbezahlen. Wenn das so weitergeht, wird es uns ruinieren. Ich habe mit den Lehrern gesprochen, aber die müssen ja auch ihre Miete bezahlen und etwas essen; es wäre schon hart, sie nicht zu bezahlen.“

Aber auch für dieses Problem gab es eine Lösung. Im Mai konnte Gesti mit einigen Eltern des Kindergartens vermitteln, dass die Lehrer sich dort durch Babysitten ein wenig Geld verdienen konnten und außerdem weiterhin Kontakt zu den Kindern hatten. Zusätzlich war es Helping Hands möglich, die Lehrergehälter für drei Monate zu übernehmen. Die Lehrer waren für diese Unterstützung enorm dankbar.

„Wir sind jetzt in der vierten Quarantäne-Woche durch COVID-19, und diese Zeit ist sehr herausfordernd für mich“, schrieb die Lehrerin Wilsona. „Ich muss alle Rechnungen bezahlen, die täglichen Ausgaben für meine zwei Kinder und meinen Mann und mich. Mein Mann arbeitet auch im Moment nicht, weil seine Arbeitsstelle wegen Corona geschlossen wurde. Das hat uns in starke finanzielle Probleme gebracht. Ich möchte mich sehr herzlich für diese Unterstützung bedanken! Es war wie die Hand Gottes für uns. Vielen Dank!“

Eine andere Lehrerin, Adela, freute sich unter anderem, dass sie nun die Medizin für ihre Eltern bezahlen konnte. „Da alle Straßen gesperrt waren, konnten wir nicht in unsere Heimatstadt fahren, wo wir die Medikamente kostenlos erhalten, und mussten sie daher selbst kaufen. Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe in schwerer Zeit!“

Während der Zeit, in der der Kindergarten geschlossen bleiben musste, waren Kinder und Lehrer trotzdem gut beschäftigt. Die Lehrerin jeder Gruppe blieb in Kontakt mit den Eltern, plante die jeweilige Woche vor, kommunizierte den Eltern montags und mittwochs die „Hausaufgaben“ für die Kinder, die dann mittwochs und freitags „abgegeben“ werden mussten: per Foto oder Sprachnachricht in eine WhatsApp-Gruppe. So bastelten, malten und rechneten die Kinder zuhause, lernten Verse auswendig und freuten sich, wenn sie die Arbeiten ihrer Freunde und Freundinnen digital bewundern durften.

Dabei hatten sie eine Menge Spaß! Trotzdem warteten sowohl Kinder als auch Eltern sehnlichst auf den Neustart des Kindergartens, wie Xhuli, eine Mutter, in Worte fasste: „Wir sind so dankbar für den AM-EL Kindergarten. Die Kinder lieben es und wir sind sehr froh zu wissen, dass sie dort sicher sind. Wir können es kaum erwarten, bis der Kindergarten wieder anfängt und wir die Kinder dorthin bringen können!“

Auch Krisela war sehr froh, als sie ihren Sohn am 1. Juni wieder zum Kindergarten bringen konnte. „Es ist so ein schöner, wunderbarer Ort. Unser Sohn ist so gerne dort und spielt mit seinen Freunden. Wir sind sehr glücklich, wenn wir sehen, wie glücklich er ist!“

Alles Gute zum Muttertag!

Mütter sind (über)lebenswichtig – das würde wohl keiner bestreiten. Aber auch gerade in der „Entwicklungshilfe“ sind Mütter mit die wichtigsten Akteure. Denn für Mütter steht das im Mittelpunkt, was ihren Kindern, ihrer Familie am meisten nützt. Projekte sind erfolgreicher und verändern nachhaltiger, wenn Mütter involviert sind. Das haben auch unsere Partner erkannt, und deshalb sind Mütter, unter anderem in sogenannten „Selbsthilfegruppen“, ein nicht-wegzudenkender Teil unserer Projekte.

Und diesen Müttern sollten wir auch mal Danke sagen!

Das hat unser Partner in Albanien dieses Jahr zum Muttertag umgesetzt, der in Albanien bereits am 8. März stattfand – also gerade noch rechtzeitig vor den Corona-Beschränkungen. Die Kinder unseres Kinderzentrums in Kombinat luden ihre Mütter zu einem besonderen Fest ein. Nach einem gemeinsamen Programm, wo über die Beziehung zwischen Müttern und Kindern gesprochen und natürlich auch gemeinsam gegessen und getrunken wurde, kam der Höhepunkt der Feier, wie unser Partner berichtet:

„Der beste Moment war, als die Kinder ihren Müttern Geschenke gaben. Das war das erste Mal, dass diese Frauen von ihren Kindern Geschenke bekommen haben. Die Kinder waren so glücklich, weil sie sehen konnten, wie glücklich ihre Mütter waren.

Diese Frauen haben alle keine gute Bildung, sie arbeiten auf der Straße oder sind arbeitslos, also haben sie nicht viel gesagt. Aber sie haben ihre Freude durch ihr strahlendes Lächeln gezeigt.“

Knapp 30 Mütter und Kinder konnten an dem Tag dabei sein; für die anderen Mütter nahmen ihre Kinder die Geschenke mit nach Hause. Viele dieser Frauen leben unter sehr schwierigen Verhältnissen und leiden unter häuslicher Gewalt. Das Kinderzentrum gibt ihnen die Hoffnung, dass es wenigstens ihren Kindern einmal besser gehen wird.

 

Die Muttertags-Feier wurde von Helping Hands e.V. aus Spenden zum Jahresprojekt 2019 gefördert.

Genau – aber wie?

In aller Welt werden derzeit Richtlinien und Ratschläge verbreitet, wie die Corona-Krise am besten zu durchstehen ist. Daran sollte man sich auch – sofern seriös – halten. Aber für viele der Menschen, denen unsere Partner dienen, ist das leichter gesagt als getan.

Zwei Meter Abstand halten – richtig: aber nicht so einfach, wenn man dicht gedrängt in einem Elendsviertel wohnt, wie die Kinder der „Arche“-Schule in Nairobi, Kenia.

Regelmäßig Hände waschen – klar: aber was, wenn man keinen Zugang zu sauberem Wasser hat, wie es weltweit für 663 Millionen Menschen der Fall ist?  (UNICEF)

Am besten zu Hause bleiben – nicht so schlimm in einer deutschen Wohnung: aber eine ganz andere Sache, wenn man mit 5 oder 10 Menschen in einem einzigen kleinen Raum lebt, wie viele unserer Schüler aus Flüchtlingsfamilien im Libanon – oder wenn man gar kein Zuhause hat!

Auf häusliche Quarantäne vorbereiten – keine schlechte Idee: aber wie für zwei Wochen einkaufen, wenn man von der Hand in den Mund lebt, immer gerade genug Geld für den nächsten Tag?

Daheim Schulunterricht machen – schon hier eine Herausforderung: aber wie geht das ohne Internet, ohne Strom, wie bei vielen Familien aus unseren Schulen und Kinderzentren in Kenia und dem Libanon, Südasien und Osteuropa?

Dann eben mit der Familie wertvolle Zeit verbringen – für die meisten eine gute Option: aber da sind auch die, deren Zuhause von Missbrauch und Gewalt gezeichnet ist, wie viele der Klienten unseres Partners Veritas in Rumänien.

Möglichst keine Hamsterkäufe tätigen – ein bitterer Hinweis für Familien, die sich gar keine Lebensmittel mehr leisten können, wie die Familien unseres Kinderzentrums in Albanien, die unser Partner jetzt mit Essenspaketen versorgt.

Und schließlich: Nicht in Panik verfallen! – natürlich: aber auch das ist leicht gesagt und nicht so leicht getan, wenn Tagelöhner von einem Tag zum anderen keinerlei Einkommen mehr haben und auf kein Sozialsystem hoffen können, das sie auffängt; wenn Lebensmittelpreise über Nacht aufs Fünffache steigen und sich nur noch die Reichen das Essen leisten können; wenn alle wissen, dass ein einziger Krankheitsfall rasend schnell den gesamten Slum infizieren wird, weil Social Distancing und grundlegende Hygiene hier unmöglich sind.

Unsere Partner sind mittendrin, helfen in der akuten Not, soweit es möglich ist, und planen bereits, wie Menschen längerfristig unter die Arme gegriffen und ein Neuanfang ermöglicht werden kann. Wir möchten unsere Partner dabei unterstützen. Machen Sie mit?

 

Hier lesen Sie außerdem, was unsere Partner konkret über die Krise in ihren Ländern berichten und wo bereits geholfen wird.

 

 

Foto: Bangladesch, Symbolbild © Christian Bangert