„Ich habe Schulweh!“

Wir vermissen unsere Schüler.
Wir vermissen unsere Lehrer.
Wir vermissen unsere Klassenräume, Bücherei, Labor und Schulhof.
Wir vermissen das Lachen, den Unterricht, die Freundschaften, die Konflikte.
Wir vermissen die Schule!

So schrieb die „NES“-Schule in Beirut am 1. April auf ihrer Facebook-Seite. Zu dem Zeitpunkt waren die Schulen erst ein paar Tage zu. Inzwischen sind die Sommerferien schon halb rum und noch immer ist nicht klar, ob zum Anfang des nächsten Schuljahres wieder regulärer Unterricht stattfinden kann.

Aber die Schule im Libanon ist Herausforderungen gewöhnt. Und so konnte auch hier eine Lösung gefunden werden. Das ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz der Lehrer zu verdanken, unterstützt durch die Administration. „Ich hatte befürchtet, dass ich dieses Schuljahr wiederholen muss“, schreibt ein Mädchen aus der siebten Klasse. „Aber jetzt, mit dem Online-Unterricht, hoffe ich, dass ich in die 8. Klasse versetzt werde!“ Und auch ein Fünftklässler betont: „Ich habe keine Angst vor dem kommenden Schuljahr. Bestimmt werde ich in der 6. Klasse sein.“

Die ersten zwei Wochen des Lockdowns waren in der NES noch der Wiederholung mit Hilfe von Arbeitsblättern gewidmet, dann begann der reguläre Online-Unterricht. Die Lehrer senden Videos oder unterrichten direkt durch eine App, sie geben Aufgaben, die die Schüler bearbeiten und ihnen zurücksenden, worauf sie umgehend Feedback erhalten. Dafür sind Eltern und Kinder sehr dankbar, besonders auch wegen der persönlichen Interaktion, die die Kinder besonders vermissen.

Eine Schülerin aus der neunten Klasse berichtet: „Ich war überrascht zu sehen, dass die Lehrer uns eine Zeit geben, in denen wir sie anrufen können und unsere Fragen stellen. Und das beste ist, dass sie jede einzelne Aufgabe von uns persönlich korrigieren und zurückschicken.“ – „Mein Sohn kommuniziert direkt mit den Lehrern“, beschreibt eine Mutter. „Er schickt Aufgaben und sie korrigieren. Zum Beispiel schrieb ein Lehrer auf eine Aufgabe sofort ‚Richtig, gut gemacht!‘. Es ist, als ob er mit meinem Sohn zusammensitzt.“ Zusätzlich wird durch Gruppenarbeiten und besondere Projekte sowie Facebook-Gruppen ermöglicht, dass die Schüler auch untereinander in Kontakt bleiben.

„Ich mag besonders die Naturwissenschaften; die Experimente machen echt Spaß!“, erzählt Zach aus der sechsten Klasse. „Aber Mathe ist schon schwierig für mich. Da bin ich sehr froh, dass ich meinen Mathelehrer anrufen kann und ihm alle meine Fragen stellen, oder sogar per Video mit ihm reden.“

Die Lehrer sind sehr zufrieden und betonen, wie gut es – wider Erwarten – mit dem Online-Unterricht klappt: „Wenn unsere Schüler eine Online-Unterrichtstunde haben, dann sind alle dabei und genau pünktlich da. Sogar, wenn ihre offizielle Zeit schon rum ist, schreiben sie noch eifrig Textnachrichten. Es ist wirklich toll zu sehen, wie motiviert sie sind. Es macht mir gar nichts aus, ihre ganzen Nachrichten und Fragen zu bekommen und mir die Zeit zum antworten zu nehmen.“ Und ein anderer Lehrer freut sich: „Ich beginne pünktlich um 10 Uhr und, kaum nachdem ich Guten Morgen gesagt habe, werde ich schon mit den ‚Hallo’s der Schüler bombardiert. Das ist sehr ermutigend. Meist sind alle Schüler da, und wir können gemeinsam interagieren. Klar, es ist nicht wie normaler Unterricht – aber es funktioniert.“

Natürlich fordert dieser Online-Unterricht einiges von den Lehrern, denn Online-Unterricht muss eben kreativ sein – für jede Stunde Unterricht sind etwa drei Stunden Vorbereitung erforderlich, zum Beispiel um Diagramme, Bilder, Videos zu erstellen und die richtigen Aufgaben zu finden sowie eine Zusammenfassung zu erstellen, die am Ende der Stunde an die Schüler geschickt wird, damit sie die Aufgaben besser bearbeiten können. „Dieser Online-Unterricht fordert alle Kreativität von mir, die ich in meinen Jahren als Lehrer gelernt habe!“

Ein Junge aus der fünften Klasse schreibt: „Die Videos, die die Lehrer uns schicken, sind sehr hilfreich. Manchmal geben sie uns ein Projekt auf, dann müssen wir ein Foto davon machen und es ihnen zurückschicken. Das macht echt Spaß!“ Und auch die Eltern sind dankbar: „Die Lehrer sind sehr kreativ im unterrichten“, erklärt eine Mutter. „Sie bemühen sich, wie sie nur können, um die Unterrichtsinhalte so klar wie möglich zu vermitteln. Sie begleiten die Kinder Schritt für Schritt. Ich muss meiner Tochter bei gar nichts helfen! Danke an euch Lehrer, dass ihr so kreativ seid und euch so um unsere Kinder bemüht!“

Doch trotz aller Kreativität und Motivation ist die Situation alles andere als ideal. Manche Familien haben kaum Internetzugang oder besitzen keine Tablets oder Laptops, nur ein einziges Handy für mehrere Kinder. Die Eltern bemühen sich, diese Hindernisse einigermaßen zu meistern, sodass ihre Kinder den Unterricht besuchen können. Fürs kommende Schuljahr hofft die Schulleitung, für die ganze Schule gebrauchte Tablets zu erhalten, sodass alle Schüler ungehindert am Online-Unterricht teilnehmen können, falls das erforderlich wird.

Denn bisher stehen die Chancen nicht gut, dass die Lage im Libanon sich bald entspannt hat. In Bezug auf Corona verschlechtert sich die Situation derzeit noch. Und dann ist da noch die Wirtschaftskrise, die Libanon schon vor Corona fest im Griff hatte.

„Dies war ein seltsames und herausforderndes Schuljahr“, schreibt die Schulleitung. „Seit dem Bürgerkrieg vor 20 Jahren standen wir nicht mehr vor solchen Herausforderungen! Für uns im Libanon, selbst wenn die Covid-19 Beschränkungen gehoben werden, müssen wir mit erneuten Straßenprotesten rechnen, denn die Wirtschaft bricht weiter zusammen und unsere Währung verliert täglich an Wert.“

Nachrichtensender sprechen von der schlimmsten Wirtschaftskrise, die das Land je durchgemacht hat, und berichten, dass inzwischen auch die libanesische Mittelklasse in die Armut abrutscht und bald große Teile der Bevölkerung hungern werden; schon jetzt liegt die Hälfte unter der Armutsgrenze.

Das hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf den Schulbesuch. Familien, die sich vorher das Schulgeld leisten konnten, bräuchten jetzt Unterstützung. Und dann sind da natürlich die über 100 Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien und anderen ethnischen Minderheiten, die um ihren Schulplatz an der NES bangen müssen, weil Unterstützung aus anderen reichen Ländern aufgrund der Coronakrise plötzlich versiegt ist.

Aber da besteht Grund zur Hoffnung: Im Mai und Juni engagierten sich 126 Läufer in Gelnhausen, Berlin und ganz Deutschland bei zwei Joggathon-Spendenläufen für die Schule in Beirut; auch Schüler, Lehrer und Freunde der NES-Schule liefen im Libanon mit. Insgesamt kamen so über 15.500 Euro für einen „Studien-Fond“ zusammen, der besonders solchen Kindern helfen soll, weiterhin die NES-Schule besuchen zu können, die ansonsten überhaupt keinen Schulplatz erhalten könnten – syrische Kinder zum Beispiel werden im Libanon in öffentlichen Schulen meist nicht mehr aufgenommen.

Was das für diese Kinder bedeutet, das beschreiben zwei Schülerinnen aus der 6. und 7. Klasse sehr eindrücklich:

„Ich bin 15 Jahre alt, aber erst in der 6. Klasse. Ich kann es mir nicht leisten, noch ein Schuljahr zu verlieren; ich war so traurig, als der Unterricht gestoppt wurde. Ich wollte weiterlernen und die Jahre ausgleichen, die ich wegen dem Krieg in Syrien verloren habe! Ich dachte, dass der Corona-Virus meinen Traum zerstört hat, aber als die Schule uns in der ersten Woche des Lockdowns kontaktierte und über den Online-Unterricht erzählte, fühlte ich mich sehr ermutigt und aufgeregt. … Ich nehme diesen Unterricht sehr ernst und gebe mein Bestes, um richtig gut zu sein. Aus der Krise habe ich gelernt, nicht aufzugeben!“

„Wir hören meist, dass jemand ‚Heimweh‘ hat. Habt ihr schon mal von jemand gehört, der ‚Schulweh‘ hat? Ich habe Schulweh.
Nachdem wir Syrien verlassen hatten, wurde die NES mein Zuhause, meine Sicherheit, mein Dazugehörigkeitsgefühl. Einige Lehrer wurden meine Mentoren und sogar meine Freunde, ich schütte mein Herz bei ihnen aus, wenn ich traurig bin.
Im Libanon wurde die NES zu meiner neuen Heimat.
… Ich bin dankbar für den Online-Unterricht, aber ich vermisse alles, was irgendwie mit der Schule zu tun hat. Sobald diese Krise rum ist, möchte ich meine Freunde treffen und mit ihnen Basketball spielen. Ich träume davon, dass ich eines Tages aufwache und merke, dass die Covid-19 Krise vorüber ist und ich auf meinem Platz in meinem Klassenzimmer sitze!“

Mit dem Fahrrad von Tür zu Tür

Kein ganz ungewöhnliches Bild in Bangladesch: Radler, die auf ihrem zu bedrohlichen Höhen beladenen Drahtesel auf schmalen Fußpfaden durch die Reisfelder flitzen. Heute könnte einer dieser Balancekünstler ein Lehrer unserer Kinderzentren sein! Seine oder ihre Mission: Hoffnung in der Not. Oder auch: Den Kindern und ihren Eltern die Mahlzeiten ermöglichen, die sie sich aufgrund des Lockdowns nicht mehr selbst verdienen können bzw. im geschlossenen Kinderzentrum nicht erhalten. Ein sehr willkommener Besuch! Die Lehrerin lädt die Pakete ab, lacht ein wenig mit den Kindern, tauscht sich aus mit den Eltern – natürlich alles maskiert und „auf Abstand“ – dann schwingt sie sich wieder aufs Rad und flitzt weiter. Bis zum nächsten Mal!

Bangladesch ist eines der Länder, in denen die Zahlen von Infektionen und Todesfällen aufgrund von Corona derzeit noch rapide ansteigen – ein Land, das ohnehin schon unter extremer Armut leidet und das mitten in der Coronakrise vom heftigen Wirbelsturm „Amphan“ heimgesucht wurde. Aber unsere Kollegen vor Ort sind Katastrophen „gewöhnt“ und so konnten sie schon in kürzester Zeit den mit ihren Projekten verbundenen Familien unter die Arme greifen, vor allem in den zahlreichen Kinderzentren.

Sie berichten, dass, nachdem die Regierung im März sämtliche Bildungseinrichtungen schließen ließ und später die Bewegungsfreiheit im Land stark einschränkte, unser Partner BNM in Absprache mit den Leitern der Kinderzentren für die Familien erste Hilfsmaßnahmen plante: „Die meisten Eltern der Kinder sind Tagelöhner, die auf Feldern arbeiten oder auf dem Bau, oder ein Kleinstunternehmen haben. Als der Lockdown begann, verloren diese Menschen ihre Arbeitsmöglichkeiten. Kleinstunternehmen sind geschlossen, und landwirtschaftliche Produkte werden nicht mehr in die Städte transportiert. Die Familien konnten sich kaum mehr eine ordentliche Mahlzeit pro Tag leisten.“

Um den Familien über die schlimmste Zeit zu helfen, verteilt unser Partner Lebensmittelpakete mit Reis, Linsen, Öl, Salz und Hygieneartikel wie Seife, Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken. Das findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Anstatt, wie sonst nach Katastrophen, Hilfsgüter an einer zentralen Stelle auszugeben, mieten sich die Mitarbeiter der Kinderzentren Fahrräder oder Fahrradtransporter und bringen die Hilfsgüter zu jeder Familie nach Hause. Dadurch können sie auch ein wenig Zeit (auf Distanz) mit den Kindern verbringen und sich erkundigen, wie es den Familien geht. Die Eltern sind sehr dankbar für diese Unterstützung!

In manchen Kinderzentren kommen ältere Kinder und holen die Pakete ab – natürlich unter Einhaltung des „social distancing“. Außerdem tragen alle Mitarbeiter Masken und Handschuhe.

Diese Verteilungen für Kinderzentren fanden inzwischen schon dreimal statt. Zusätzlich konnte BNM in Dhaka und Srimongol an insgesamt 2100 Menschen Lebensmittel- und Hygienepakete mit ähnlichem Inhalt ausgeben; nach dem Wirbelsturm Amphan im Südwesten des Landes fanden außerdem in Satkhira, Bagerhat und Khulna vier Verteilungen statt, in denen 6.200 betroffene Haushalte Pakete mit Reis, Linsen, Öl, Kartoffeln, Keksen, Seife, Waschmittel, Masken und Tabletten für die Wasserreinigung und gegen Durchfallerkrankungen erhielten; dies wurde teilweise von unserem deutschen Partner humedica e.V. unterstützt.

Da die Corona-Pandemie in Bangladesch noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, konzentriert sich BNM derzeit noch auf die akuten Bedürfnisse der Familien. Aber natürlich möchte unser Partner den Menschen langfristig neue Perspektiven eröffnen. Wenn sich die Lage stabilisiert hat, plant BNM ein Gesundheitsprojekt in Srimongol, im Norden des Landes ein Projekt, das Landwirtschaft und alternative Einkommensmöglichkeiten fördert, sowie ein weiteres Rehabilitationsprojekt im Süden des Landes.

Wenn Sie diese geplanten Maßnahmen unterstützen und benachteiligten Familien in Bangladesch nach dieser Krise neue Hoffnung geben möchten, überweisen Sie bitte mit Vermerk „Corona Bangladesch“ oder spenden Sie online.

„Happy Juni!“ Kindergarten in Albanien ist wieder geöffnet

„Happy 1st June, liebe Kinder! In jedem Lächeln von euch wird die Welt noch schöner!“

Als der Kindergarten „AM-EL“ unseres Partners in Kombinat, Albanien, am 1. Juni nach zwölf Wochen wieder öffnen durfte, war die Freude groß. Welch ein Fest! Zwar konnten noch nicht alle Kinder wieder mit dabei sein, weil einige Eltern ihre Arbeitsstelle verloren haben oder ihnen die Lage noch zu unsicher ist, aber die, die kommen können, sind überglücklich.

Die letzten Monate waren nicht einfach für die Menschen in diesem ärmsten Land Europas. Es fehlte an vielen notwendigen Hilfsmitteln, gerade auch in den Krankenhäusern. Ausgangssperren machten es vielen unmöglich, ihr mageres Einkommen weiter zu verdienen, sodass ihre Familien hungerten. „Vor ein paar Tagen riefen einige Eltern vom Kinderzentrum an und sagten, dass sie nichts mehr zu essen haben“, berichtete der Leiter unseres Partners, Gesti Biti, bereits im März. Und dann war da natürlich die Angst und Unsicherheit, die Albaner mit dem Rest der Welt teilen, die aber in einem Land, das eben erst von starken Erdbeben heimgesucht worden ist, die Zweifel und Perspektivlosigkeit noch vertiefen.

Aber unser Partner fand auch viele kreative Ansätze, um den Herausforderungen zu begegnen. Gesti Biti war unermüdlich aktiv, um Lösungen zu finden und den Menschen unter die Arme zu greifen. Mit Unterstützung unseres Partners NCM International konnten mehrmals Lebensmittel und Hygieneartikel an bedürftige Familien verteilt werden – vor allem die, deren Kinder unser Kinderzentrums in Kombinat besuchen. Auch das Krankenhaus, dass sich in Albanien hauptsächlich um Corona-Patienten kümmert, konnte unser Partner mit Hygieneartikeln unterstützen und am Ostersonntag die Ärzte zu einem Ermutigungs-Festmahl einladen.

Und der Kindergarten, an dem im Endeffekt auch die Zukunft des Kinderzentrums hängt? „Wir haben ein großes Problem!“, schrieb Gesti im März. „Wir bekommen keine Gebühren von den Eltern, aber müssen die Gehälter und Miete weiterbezahlen. Wenn das so weitergeht, wird es uns ruinieren. Ich habe mit den Lehrern gesprochen, aber die müssen ja auch ihre Miete bezahlen und etwas essen; es wäre schon hart, sie nicht zu bezahlen.“

Aber auch für dieses Problem gab es eine Lösung. Im Mai konnte Gesti mit einigen Eltern des Kindergartens vermitteln, dass die Lehrer sich dort durch Babysitten ein wenig Geld verdienen konnten und außerdem weiterhin Kontakt zu den Kindern hatten. Zusätzlich war es Helping Hands möglich, die Lehrergehälter für drei Monate zu übernehmen. Die Lehrer waren für diese Unterstützung enorm dankbar.

„Wir sind jetzt in der vierten Quarantäne-Woche durch COVID-19, und diese Zeit ist sehr herausfordernd für mich“, schrieb die Lehrerin Wilsona. „Ich muss alle Rechnungen bezahlen, die täglichen Ausgaben für meine zwei Kinder und meinen Mann und mich. Mein Mann arbeitet auch im Moment nicht, weil seine Arbeitsstelle wegen Corona geschlossen wurde. Das hat uns in starke finanzielle Probleme gebracht. Ich möchte mich sehr herzlich für diese Unterstützung bedanken! Es war wie die Hand Gottes für uns. Vielen Dank!“

Eine andere Lehrerin, Adela, freute sich unter anderem, dass sie nun die Medizin für ihre Eltern bezahlen konnte. „Da alle Straßen gesperrt waren, konnten wir nicht in unsere Heimatstadt fahren, wo wir die Medikamente kostenlos erhalten, und mussten sie daher selbst kaufen. Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe in schwerer Zeit!“

Während der Zeit, in der der Kindergarten geschlossen bleiben musste, waren Kinder und Lehrer trotzdem gut beschäftigt. Die Lehrerin jeder Gruppe blieb in Kontakt mit den Eltern, plante die jeweilige Woche vor, kommunizierte den Eltern montags und mittwochs die „Hausaufgaben“ für die Kinder, die dann mittwochs und freitags „abgegeben“ werden mussten: per Foto oder Sprachnachricht in eine WhatsApp-Gruppe. So bastelten, malten und rechneten die Kinder zuhause, lernten Verse auswendig und freuten sich, wenn sie die Arbeiten ihrer Freunde und Freundinnen digital bewundern durften.

Dabei hatten sie eine Menge Spaß! Trotzdem warteten sowohl Kinder als auch Eltern sehnlichst auf den Neustart des Kindergartens, wie Xhuli, eine Mutter, in Worte fasste: „Wir sind so dankbar für den AM-EL Kindergarten. Die Kinder lieben es und wir sind sehr froh zu wissen, dass sie dort sicher sind. Wir können es kaum erwarten, bis der Kindergarten wieder anfängt und wir die Kinder dorthin bringen können!“

Auch Krisela war sehr froh, als sie ihren Sohn am 1. Juni wieder zum Kindergarten bringen konnte. „Es ist so ein schöner, wunderbarer Ort. Unser Sohn ist so gerne dort und spielt mit seinen Freunden. Wir sind sehr glücklich, wenn wir sehen, wie glücklich er ist!“

Kreativität und Durchhaltevermögen

„Bisher sind wir noch in Sicherheit, aber das Leben ist extrem schwer geworden. Das ganze Land steht still. Wir wissen nicht, wie es weitergehen wird. Es gibt kein Essen mehr. Oder ich sollte sagen: nur noch für die Reichen. Die Preise sind zu hoch für die wenigen Lebensmittel, die es noch gibt. Die Läden sind leergekauft. Die nächsten Wochen werden sehr hart sein.“ So schrieb Bentina, Gründerin und Direktorin der Arche Schule in Kenia, Ende März. Seitdem hat die Lage sich kontinuierlich verschlimmert. „Lebensmittel sind das größte Problem hier. Die Familien stehen vor einer wirklich schweren Zeit. Meine Familie auch!“

Die Elendsviertel der Großstädte, wo sich Hunderttausende auf engem Raum drängen, sind besonders hart von der Corona-Krise betroffen, und das ist auch im Kariobangi-Slum in Nairobi nicht anders: Social Distancing, perfektionierte Hygiene, Lernen oder Arbeiten von zuhause aus – das alles ist hier unmöglich. „Wir wissen nicht, was wir unseren Lehrern sagen sollen“, erklärt Bentina. „Hier bei uns können wir nichts von daheim aus machen. Die Technik ist zu unterentwickelt, unsere Kinder haben keine Computer zuhause, somit hat Schulunterricht in Afrika einfach aufgehört. Das ist eine sehr traurige Situation für alle Afrikaner!“

Nur wenige Tage nach dem ersten Corona-Fall wurden in Kenia durchgreifende Maßnahmen eingeführt – Schulen, Geschäfte, Büros geschlossen, Versammlungsverbot, nächtliche Ausgangssperre … und ständig kommen neue, härtere Beschränkungen hinzu, die teilweise mit kaum Warnung über Nacht in Kraft treten und das Leben besonders für die gefährdetste Bevölkerungsgruppe schier unerträglich machen.

Innerhalb weniger Tage wurden über 150.000 Menschen in den verschiedenen Slums um Kariobangi arbeitslos. Jetzt stehen die Familien vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, denn sie sind darauf angewiesen, täglich ihr Geld zum Überleben zu verdienen – zum Beispiel durch kleine Kioske oder Essensverkauf am Straßenrand, als Haushaltshilfe oder Gärtner. Das ist in dieser Lage kaum möglich, wie ein Vertreter unseres Partners beschreibt:

„Die Samosa-Verkäuferin, die vom Verkauf an die Schulkinder lebt, hat keine Kunden mehr. … Der Mann, der sonst äthiopischen Kaffee kocht,  wartet vergebens auf seine Stammkunden. … Die, die sonst im Stau zwischen den Autos alles anbieten, von Erdnüssen über Ladekabel bis zu Schuhregalen, bleiben zu Hause, da es keinen Stau mehr gibt.“ (D. Kroppach)

Besonders alleinerziehende Mütter sind hart getroffen; aber auch die vielen Familien, wo Väter in den Schlachthäusern arbeiteten, die nun geschlossen sind, weil die Beschränkungen den Transport unmöglich machen.

Jetzt hungern Hunderttausende, von denen ohnehin schon viele mangelernährt waren – und wenn das Virus ihren Slum treffen sollte, haben diese Menschen noch weniger Chancen, die Krankheit zu überstehen. Das haben natürlich auch Bentina und ihr Team von engagierten Lehrern erkannt, und stellten in kürzester Zeit einen Plan für präventive Soforthilfe auf die Beine – nicht, um Menschen abhängig von Hilfsleistungen zu machen, sondern um sie in dieser Ausnahmesituation im Kampf ums tägliche Überleben zu unterstützen. Denn die Kinder der Arche erhalten ja auch sonst täglich eine warme Mahlzeit in der Schule, die derzeit wegfällt.  „Die Idee der Hilfe ist, den Familien einen Grundstock zu geben, aber nicht alles zu übernehmen, sondern auch immer noch eine Eigenleistung zu erwarten.“ (D. Kroppach)

Aus jeder Schulklasse wurden 10 besonders bedürftige Familien ausgewählt, die einzeln zur Schule kommen und – unter strengen Regeln zu Hygiene und Mindestabstand – ein Paket mit Lebensmitteln für eine Woche abholen können: Mais, Reis, Zucker, Bohnen, Linsen, Tee, Öl und Seife. „Die Freude war groß, als sie die Lebensmittel in Empfang nehmen durften, “ berichtet unser Partner,  „vor allem bei denen, die schon seit Tagen keine warme Mahlzeit mehr hatten.“

Mehrere Wochen konnten so Verteilungen stattfinden, bis der nächste Schlag drohte: Bei einer Verteilung im größten Slum Nairobis war es zu Zwischenfällen gekommen; zwei Menschen kamen um. Danach wurden Verteilaktionen erst einmal verboten und alle Spenden sollten über Regierungskanäle laufen. Doch glücklicherweise ist Bentina, die Direktorin der Arche Schule, nicht nur sehr mutig, sondern auch vor Ort sehr angesehen und gut vernetzt, und konnte so eine offizielle Erlaubnis bekommen, die Essensverteilungen in Kariobangi weiterzuführen – unter anderem, weil ja die Schulmahlzeit für die Kinder derzeit wegfällt. Es gibt zwar neue Regelungen, zum Beispiel muss jeder erst mit einem „Fieber Gun“ gemessen werden und dann unterschreiben, dass er oder sie ein Paket bekommen hat, aber Bentina und die Lehrer sind froh und erleichtert, dass sie so ihre Familien weiter unterstützen können.

In dieser Lage zeichnet die Arche sich nicht nur im Durchhaltevermögen aus, sondern auch durch eine gute Portion Kreativität. In einer der ersten Verteilaktionen erhielten die Schüler der Klassen 6 bis 8 ein Buch, das zumindest eine Art Unterricht weiter möglich macht. Ein Vertreter unseres Partners beschreibt:

„Durch die Bücher, die wir für die älteren Schüler kaufen konnten, können diese weiter von zu Hause arbeiten. Jeweils zwei Lehrer kommen zur Schule, um sich jeweils einzeln die Sachen anzusehen, die die Schüler gemacht haben. Mehr ist leider momentan nicht möglich, um nicht die Regeln zu brechen. Andere Lehrer haben Videos aufgezeichnet und per WhatsApp an die Schüler gesendet, damit diese wenigstens etwas vom Material bekommen.

Die Nähfrauen fangen jetzt an, Mundschutze zu nähen. Seit gestern ist es eine Vorschrift diese zu tragen, für alle, jederzeit! Das wird den Frauen helfen, ein eigenes Einkommen zu bekommen.“ (D. Kroppach) Wer ohne Mundschutz erwischt wird, muss fast 200 Euro Strafe bezahlen, für die Menschen hier eine ungeheure Summe. Daher haben die Nähfrauen zumindest eine Zeitlang ein kleines gesichertes Einkommen.

Und auch in Kariobangi hat das „digitale Lernen“ nun zaghaft Einzug gehalten. Die Lehrer der Klassen 6 bis 8 nehmen Lektionen auf – bisher auf ihrem privaten Handy; inzwischen konnten zwei neue Telefone gekauft werden, die diese Arbeit deutlich erleichtern – und schicken sie an die Eltern der Kinder. Manche der Familien haben kein Telefon, sodass dann Kinder aus der Nachbarschaft zu zweit die Lektionen anhören.

 

Eine Herausforderung, der die Arche sich noch gegenübersieht, sind die Gehälter der Lehrer. Denn unter den momentanen Umständen können die Eltern kein Schulgeld mehr bezahlen, das für zehn Lehrer und Mitarbeiter (etwa die Hälfte der Angestellten) die Gehaltskosten deckte. Das wird sich auch nach der Krise nicht sofort bessern, da die Familien über Monate hinweg wirtschaftlich beeinträchtigt sein werden. Doch natürlich möchte die Arche ihre Lehrer nicht im Stich lassen.

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, der Arche und ihren Lehrern durch diese schwierige Zeit zu helfen, dann spenden Sie mit dem Vermerk „Coronakrise Kenia“ per Überweisung oder online. Damit tragen Sie dazu bei, dass den Familien im Kariobangi-Slum auch über die Krise hinaus wirkungsvoll geholfen wird und ihre Leben und vor allem die der Kinder nachhaltig verändert werden!

 

Lesen Sie wie unsere Partner in Nepal und in Albanien in Zeiten der Coronakrise Hoffnung bringen.

Ein neues Kapitel der alten Geschichte

„Es wirkt wie ein chemisches Experiment, das Verstecktes plötzlich hervorhebt. Als Läden, Restaurants, Fabriken und die Bauindustrie geschlossen wurden, als die Reichen und die Mittelschicht sich in ihre umzäunten Kolonien zurückzogen, begannen unsere Städte und Megacities die Arbeiter auszuspucken – die Wanderarbeiter – so wie einen ungewollten Haufen.

Viele, die von ihren Arbeitgebern oder Vermietern herausgeworfen worden waren, Millionen Verarmter, hungriger, durstiger Menschen, Jung und Alt, Männer, Frauen, Kinder, Kranke, Blinde, Behinderte, die keinen Ort mehr hatten, ohne öffentliche Verkehrsmittel, machten sich auf einen langen Marsch nach Hause in ihre Dörfer. Sie wanderten über Tage (…) – hunderte von Kilometern. Einige starben auf dem Weg. Sie wussten, sie würden nach Hause kommen und möglicherweise langsam verhungern.“      (Booker-Preis-Autorin Arundhati Roy über ihr Heimatland Indien; faz.de 14.04.2020)

Die fatalen Auswirkungen der Coronakrise lassen sich nicht in Fallzahlen messen. In zahlreichen Ländern der Welt gibt es nur wenige bestätigte Erkrankte – und trotzdem droht Millionen der Tod. Die Vereinten Nationen sprechen von „Hungersnöten biblischer Ausmaße binnen weniger Monate“ und warnen, dass die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden, sich weltweit durch die Krise verdoppeln wird, sodass „ohne humanitäre Hilfe … über einen Dreimonatszeitraum täglich 300.000 Menschen verhungern [könnten]“ (zdf.de 22.04.2020).

Eine übertriebene Prognose? Wohl kaum. Bereits seit Wochen berichten unsere Partner in Kenia und Bangladesch, in Nepal und Albanien und anderswo, dass die Familien in ihrem Umfeld schon jetzt nichts mehr zu essen haben. Ausgangssperre bedeutet: Millionen haben keine Chance mehr, ein Einkommen zu verdienen. Felder dürfen nicht bestellt werden, sodass auch langfristig keine Besserung in Sicht ist. Wer doch auf die Straße geht, wird verprügelt oder bekommt eine Haftstrafe. Und selbst wenn sie Geld hätten: Die meisten Lebensmittel können sich ohnehin nur noch die Reichen leisten, denn die Preise stiegen teilweise über Nacht aufs Fünffache. So nie-dagewesen diese Coronakrise ist, eigentlich schreibt sie nur ein neues Kapitel der alten Geschichte: Die Reichen profitieren, die Armen leiden. Und die Kluft zwischen Arm und Reich ist so groß wie eh und je.

Doch davon haben sich unsere Partner noch nie beeindrucken lassen. Sie packen an, wo es nötig ist, und stehen ihren Nachbarn zur Seite, leisten Hilfe dort, wo die Menschen besonders benachteiligt sind, wo die Kluft die größten Wunden hinterlässt. Und es erreichen uns immer mehr Berichte, nicht nur von der überwältigenden Not, sondern von den kleinen und großen Maßnahmen, die unsere Partner planen und durchführen, um diese Not zu lindern und neue Hoffnung zu schenken in einer Zeit der Unsicherheit und Verzweiflung.

So wie unser Partner in Nepal. Weniger als 50 Personen wurden dort positiv auf das Virus getestet; es gab noch keinen Todesfall. Trotzdem ist das Land seit Mitte März unter „Lockdown“. Die Menschen haben Angst, vor allem aber leiden sie unter Hunger, denn Lebensmittel sind knapp und viele haben ihr Einkommen verloren. Besonders die Wanderarbeiter im Kathmandu-Tal sind gefährdet, denn sie können weder Geld verdienen, um Essen und Miete zu bezahlen, noch können sie in ihre Heimatdörfer zurückkehren. Unser Partner, NCM Nepal, erhielt zahlreiche Anfragen für Nothilfe, und wählte schließlich sieben Orte im Kathmandu-Tal aus. Dort verteilten sie – natürlich unter strengen Sicherheitsvorkehrungen – an 450 Familien jeweils 25kg Reis, 2kg Linsen, 2kg Zucker, 2 Liter Öl, 2kg Salz und 2 Stück Seife. „Es war so wundervoll, diesen Menschen in ihrer Angst und Unsicherheit ein kleines Lächeln aufs Gesicht zu zaubern!“, berichteten unsere Kollegen vor Ort nach der Verteilung.

Eine dieser lächelnden Menschen ist Rukmini. Ihr Mann starb vor acht Jahren und sie hat kein Stück Land, wo sie Gemüse anbauen könnte. Daher ernährt die 45-Jährige ihre beiden Söhne dadurch, dass sie bei Nachbarn Geschirr spült, jeden Tag außer Samstag. Sie berichtet:

„Wir sind zu dritt: meine zwei Söhne und ich. Nach zwei Wochen Lockdown in Nepal habe ich kein Essen mehr für meine Familie. Sonst gehe ich zu meinen Nachbarn, um durch Geschirr spülen Geld zu verdienen. Aber als der Lockdown begann, wurde mir gesagt, dass ich nicht zu ihrem Haus gehen soll, sondern daheim bleiben. Die Nahrungsmittel, die ich in der Wohnung hatte, waren kaum genug für eine Woche. Ich zerbrach mir den Kopf, wie und was ich meinen Kindern zum Essen geben kann! Keine Arbeit heißt kein Geld. … Dann kam NCM Nepal mit Nothilfepaketen, welch ein Segen! Die Lebensmittel sind genug für uns für einen ganzen Monat. Ich bin so dankbar und meine Familie wird beten für alle, die uns in dieser schwierigen Stunde helfende Hände gereicht haben!“

Lesen Sie wie unsere Partner in Kenia und in Albanien in Zeiten der Coronakrise Hoffnung bringen.

Helping Hands engagiert sich besonders in der längerfristigen Wiederaufbauhilfe nach Katastrophen. Durch eine Spende mit dem Vermerk „Coronakrise“ tragen Sie dazu bei, dass wir gemeinsam mit unseren Partnern Kindern und Familien darin unterstützen können, eine neue Perspektive für die Zukunft zu finden. So werden die Lebensumstände der Familien nachhaltig verbessert und sie sind dadurch vor weiteren Katastrophen besser geschützt.

Genau – aber wie?

In aller Welt werden derzeit Richtlinien und Ratschläge verbreitet, wie die Corona-Krise am besten zu durchstehen ist. Daran sollte man sich auch – sofern seriös – halten. Aber für viele der Menschen, denen unsere Partner dienen, ist das leichter gesagt als getan.

Zwei Meter Abstand halten – richtig: aber nicht so einfach, wenn man dicht gedrängt in einem Elendsviertel wohnt, wie die Kinder der „Arche“-Schule in Nairobi, Kenia.

Regelmäßig Hände waschen – klar: aber was, wenn man keinen Zugang zu sauberem Wasser hat, wie es weltweit für 663 Millionen Menschen der Fall ist?  (UNICEF)

Am besten zu Hause bleiben – nicht so schlimm in einer deutschen Wohnung: aber eine ganz andere Sache, wenn man mit 5 oder 10 Menschen in einem einzigen kleinen Raum lebt, wie viele unserer Schüler aus Flüchtlingsfamilien im Libanon – oder wenn man gar kein Zuhause hat!

Auf häusliche Quarantäne vorbereiten – keine schlechte Idee: aber wie für zwei Wochen einkaufen, wenn man von der Hand in den Mund lebt, immer gerade genug Geld für den nächsten Tag?

Daheim Schulunterricht machen – schon hier eine Herausforderung: aber wie geht das ohne Internet, ohne Strom, wie bei vielen Familien aus unseren Schulen und Kinderzentren in Kenia und dem Libanon, Südasien und Osteuropa?

Dann eben mit der Familie wertvolle Zeit verbringen – für die meisten eine gute Option: aber da sind auch die, deren Zuhause von Missbrauch und Gewalt gezeichnet ist, wie viele der Klienten unseres Partners Veritas in Rumänien.

Möglichst keine Hamsterkäufe tätigen – ein bitterer Hinweis für Familien, die sich gar keine Lebensmittel mehr leisten können, wie die Familien unseres Kinderzentrums in Albanien, die unser Partner jetzt mit Essenspaketen versorgt.

Und schließlich: Nicht in Panik verfallen! – natürlich: aber auch das ist leicht gesagt und nicht so leicht getan, wenn Tagelöhner von einem Tag zum anderen keinerlei Einkommen mehr haben und auf kein Sozialsystem hoffen können, das sie auffängt; wenn Lebensmittelpreise über Nacht aufs Fünffache steigen und sich nur noch die Reichen das Essen leisten können; wenn alle wissen, dass ein einziger Krankheitsfall rasend schnell den gesamten Slum infizieren wird, weil Social Distancing und grundlegende Hygiene hier unmöglich sind.

Unsere Partner sind mittendrin, helfen in der akuten Not, soweit es möglich ist, und planen bereits, wie Menschen längerfristig unter die Arme gegriffen und ein Neuanfang ermöglicht werden kann. Wir möchten unsere Partner dabei unterstützen. Machen Sie mit?

 

Hier lesen Sie außerdem, was unsere Partner konkret über die Krise in ihren Ländern berichten und wo bereits geholfen wird.

 

 

Foto: Bangladesch, Symbolbild © Christian Bangert

Corona-Krise anderswo

Dasselbe Virus, aber dramatischere Folgen: Unsere Partner berichten aus aller Welt

„Heute hatten wir die ersten Corona-Fälle. Es ist furchtbar. Alles ist dicht. Man darf sich nicht mehr öffentlich treffen“, so schreibt Gesti aus dem ärmsten Land Europas. „Unser Kindergarten wurde für drei Wochen geschlossen. Dadurch fallen alle Einnahmen weg, und wir wissen nicht, wie wir die Mitarbeiter bezahlen sollen.“

Niemand war auf diese Katastrophe vorbereitet. Doch wie immer trifft es die besonders Benachteiligten am härtesten. Unsere Projektpartner in Südasien und Afrika, Osteuropa und dem Nahen Osten stehen vor ähnlichen Herausforderungen:

Im Libanon ist die Schule unseres Partners nun schon die vierte Woche geschlossen. Das ist besonders schlimm für die Schüler, weil ja schon im Herbst aufgrund der politischen Lage mehrere Wochen Unterricht ausfielen und viele Eltern ihre Jobs verloren haben. „Die Situation hier ist sehr kritisch“, schreibt die Schulleiterin. Besonders gefährdet sind die zahlreichen Schüler aus Flüchtlingsfamilien, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen.

In Nepal wurden bisher zwar erst zwei Menschen positiv getestet, trotzdem sind alle Schulen und auch die Kinderzentren unseres Partners für einen Monat geschlossen. Die örtlichen Mitarbeiter überprüfen aber weiterhin regelmäßig, ob die Kinder und Eltern gesund sind, um im Zweifelsfall umgehend helfen zu können. Größere Sorge bereitet unserem Partner die finanzielle Lage: Händler begannen sofort, durch künstliche Verknappung die Preise für alltägliche Produkte und Grundnahrungsmittel in die Höhe zu treiben. Viele haben Angst, dass ihnen bald das Nötigste zum Überleben fehlt.

In Sri Lanka mussten die Kinderzentren ebenfalls vorübergehend geschlossen werden. Nachts herrscht eine Ausgangssperre und die Regierung zieht in Betracht, diese auf tagsüber auszuweiten, da sich das Virus besonders durch Menschen verbreitet hat, die sich der Quarantäne entzogen haben – wodurch auch viel Panik entstanden ist. „Es ist besonders schwierig für die Bedürftigsten, die auf ein tägliches Einkommen angewiesen sind“, berichtet unser Partner. Denn sie besitzen immer nur gerade so viel Geld, um für einen Tag einzukaufen – was sehr schwierig ist, wenn Reichere die Läden leergekauft haben. „Es ist erschreckend und herzergreifend, die Menschen so leiden zu sehen.“

In Bangladesch besuchen normalerweise knapp 5000 Kinder die ca. 50 Kinderzentren unseres Partners. Ein paar dieser Kinderzentren werden zum größten Teil örtlich finanziert – zum Beispiel ein Zentrum in Naogaon: „Die meisten Kinder hier kommen aus sehr benachteiligten Randgruppen“, erklärt unser Partner. „Aber alle möchten ihre Kinder zum Zentrum schicken, weil sie hier so gut versorgt werden. Die meisten Kosten werden örtlich getragen.“ Doch das ist jetzt sehr schwierig geworden, denn auch in Bangladesch haben sich die Preise für alltägliche Dinge teilweise um 50% erhöht. „Es wird eine große Herausforderung, all unsere Mitarbeiter zu bezahlen.“

(Unsere örtlichen Partner in Südasien überlegen derzeit gemeinsam mit unserem internationalen Förderpartner NCM, Lebensmittel und andere nötige Produkte an die bedürftigsten Familien zu verteilen. Dabei sollen sich natürlich alle Helfer an strenge Sicherheitsvorkehrungen halten, um das Virus nicht weiterzuverbreiten.)

In Albanien herrscht zwar weiterhin Ausgangssperre, zur Arbeit dürfen die Einwohner nur von 6 bis 9 Uhr morgens und 16 bis 18 Uhr nachmittags und es fehlt an vielen notwendigen Hilfsmitteln, vor allem auch in Krankenhäusern. Trotzdem konnte unser Partner bereits dringend benötigte Hilfe leisten: An viele der Familien unseres Kinderzentrums verteilten freiwillige Helfer unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen Tüten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Die Familien waren dafür enorm dankbar, denn die meisten können sich keine Lebensmittel mehr leisten. Der Kindergarten ist weiterhin geschlossen, doch die Kinder sind zuhause aktiv und senden regelmäßig Bilder von den Bastelarbeiten, die sie unter Anleitung herstellen konnten.

In Rumänien musste unser Partner Veritas alle Programme am 12. März schließen; derzeit bis 22. April. Die Mitarbeiter können in dieser Zeit Arbeitslosengeld erhalten. Die Leiter der verschiedenen Programme (u.a. für Kinder aus benachteiligten Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung) bleiben mit ihren Klienten in Kontakt und helfen, wo möglich.

In Kenia befindet sich die Schule unseres Partners in einem der gefährdetsten Gebiete des Landes: dem Kariobangi-Slum in Nairobi. Hygiene beachten, Kontakt meiden – das ist in einem Slum viel schwieriger oder gar unmöglich. Die Familien stehen vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, denn die meisten sind darauf angewiesen, täglich ihr Geld zum Überleben zu verdienen. Und auch hier mussten alle Schulen geschlossen werden. Das bedeutet für die Kinder der „Arche“ Schule, dass sie in den nächsten Wochen sehr hungrig sein werden, denn für viele ist sonst das Schulessen die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Lernen per Internet oder Videokonferenz ist im Slum keine Option; dafür hat die Regierung aber angekündigt, jeden Tag bis nachmittags nur Bildungsprogramme in Radio und Fernsehen auszustrahlen. Trotzdem – den Kindern fehlt vor allem das „Zuhause“, das sie in der „Arche“ gefunden haben!

 

So dramatisch die Lage ist – es besteht auch viel Hoffnung. Denn unsere Partner geben nicht so schnell auf und bemühen sich heute genauso wie gestern und morgen, denen zur Seite zu stehen, die am meisten gefährdet sind.

Deshalb möchten wir auch in dieser Krise unseren Partnern unter die Arme greifen, damit ihre wertvolle Arbeit weitergehen kann und Kindern und Familien in Not geholfen wird!

Ihre Spende ermöglicht einen Neuanfang und Hilfe, wo es am Nötigsten ist. Herzlichen Dank dafür!

Weihnachtsfreude trotz Erdbeben

„Alle Familien der Kinder in unserem Kinderzentrum haben ihr Zuhause verloren. Am Tag nach dem Erdbeben wurden sie erst mal in Zelten untergebracht, für etwa eine Woche. Danach konnten einige in Notunterkünfte hier in der Gegend umziehen – kleine Holzhütten, eigentlich gar keine richtigen Häuser. Manche leben noch in Turnhallen mit vielen anderen. Wir haben alle Familien besucht und ihnen Lebensmittelpakete gebracht, auch Schlafsäcke, Decken und Matratzen. Sie haben sich so gefreut – viele haben geweint, sie waren so dankbar.“

Gesti Biti, der Leiter unseres örtlichen Partners und Generalsekretär aller evangelischen Gemeinden in Albanien, ist seit dem Erdbeben Ende November unermüdlich unterwegs gewesen – er hat Nothilfe organisiert, Familien besucht, Menschen zugehört und Mut zugesprochen. Und sich nebenher noch um einige logistische Angelegenheiten gekümmert: Denn zum Beispiel ist das Gebäude, in dem die Kinder des Kinderzentrums täglich zum Mittagessen kommen, so stark beschädigt, dass es nicht mehr betreten werden darf. Inzwischen hat Gesti einen neuen Ort gefunden, der zum 1. Januar gemietet wird, sodass auch das Kinderzentrum wieder eröffnen kann, wenn die Schule nach den Ferien weitergeht.

Aber vorher ist ja noch Weihnachten! Auch dafür hat Gesti einige Ideen:

„Wir werden den Familien Coupons geben, mit denen sie sich ein Weihnachtsessen kaufen können. Auch das hilft sehr! Und dann möchten wir, wie in den letzten zwei Jahren, eine Weihnachtsfeier mit den Kindern des Kinderzentrums und ihren Familien veranstalten. Dafür laden wir sie zu einem besonderen Mittagessen ein – um Weihnachten zu feiern, aber auch als eine Art Traumatherapie für sie alle, denn sie haben viel durchgemacht. Sie haben auch immer noch Angst, denn ständig gibt es weitere Nachbeben. Diese Weihnachtsfeier ist etwas ganz Besonderes für sie.“

Dieses Jahr unterstütze Helping Hands e.V. das Kinderzentrum in Kombinat sowie einen Kindergarten im gleichen Ort als „Jahresprojekt“. Der Kindergarten wurde glücklicherweise nicht beschädigt und konnte kurz nach dem Erdbeben wieder eröffnet werden und läuft normal weiter. Und die Familien des Kinderzentrums dürfen erneut erfahren, dass Hoffnung sich nicht nur in besseren Schulnoten wiederspiegelt, sondern einen echten Unterschied im Alltag schenkt.

Hoffnung, wenn die Erde bebt

Noch vor wenigen Wochen wurden auf diesen Tischen nagelneue Buntstifte, Bücher und Rucksäcke von strahlenden Kinderaugen bestaunt – jetzt belegen hier fleißige Hände viele, viele Brötchen mit Käse und Wurst, um zumindest ein wenig Hunger zu lindern auf den Straßen, auf denen Menschen verängstigt warten, was kommt. Und unser Kinderzentrum in Kombinat am Rande Tiranas ist nur einer von unzähligen Orten, an dem das Leben seit dem Erdbeben am Dienstagmorgen nicht mehr so weitergeht wie zuvor.

Das schlimmste Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten hat mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet, Hunderte verletzt und weitreichende Zerstörung angerichtet. „Viele Leute sind auf der Straße, weil ihre Häuser zu stark beschädigt sind“, berichtet Gesti, der Leiter unseres Partners vor Ort. „Viele andere haben Angst, in ihre Wohnungen zurückzukehren.“

Inzwischen hat er ein Komitee von Leitern verschiedener Kirchen und Gruppen zusammengestellt, um Hilfe zu organisieren. „Wir haben Zugang zu den Zentren bekommen, die die Regierung eingerichtet hat – das war nicht einfach, aber ein wichtiger Schritt. Wir haben Brote und Wasser verteilt und eine warme Mahlzeit zubereitet für die Familien, die in Kombinat in Zelten untergebracht sind. Die Not ist groß – benötigt werden vor allem erst einmal Nahrung, Kleidung und Decken.“ Doch angesichts der großen Zerstörung ist auf alle Fälle langfristige Hilfe nötig. Zudem hat Helping Hands bereits Kontakte mit Spezialisten für Katastrophenhilfe vermittelt.

Das Epizentrum des Erdbebens lag nur etwa 30 km nordwestlich des Kinderzentrums und Kindergartens, die wir als das Helping Hands Jahresprojekt 2019 unterstützen. Wie wird es dort jetzt weitergehen?

„Wir mussten den Kindergarten und das Kinderzentrum für diese Woche schließen, weil die Regierung das verlangt hat“, erklärt Gesti. „Die Kinder haben alle große Angst. Die Erde bebt immer noch alle 10 bis 15 Minuten – so etwas haben wir noch nie erlebt. Zudem wurde das Gebäude beschädigt, in dem die Kinder ihre Mittagsmahlzeit bekommen, und die Behörden haben es als unsicher eingestuft: Wir dürfen dort nicht mehr rein.“

Natürlich hofft unser Partner, dass die Lage sich bald entspannt und Kindergarten und Kinderzentrum zeitnah wiedereröffnet werden können. Und bis dahin tun unsere örtlichen Mitarbeiter in der derzeitigen Situation von Angst und Verzweiflung für viele Familien und Kinder genau das, was sie in Kindergarten und Kinderzentrum schon seit einigen Jahren in die Tat umsetzen und auch im Namen des Kindergartens, „AM-EL“, verankert haben: sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen.

Wirkungsbeobachtung: Gartenprojekt Haiti

Im Januar 2010 zerstörte ein verheerendes Erdbeben große Teile Haitis. Helping Hands unterstützte den örtlichen Partner damals besonders in der längerfristigen Wiederaufbauhilfe. Dazu gehörte ein Gartenprojekt mit mehreren „community gardens“ in der Gegend um Barreau Michel; einer der Ziele des Projektes war es, den Bergbewohnern Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, sodass Migration reduziert werden kann. Das Projekt wurde später noch ausgeweitet und umfasste 290 bedürftige Familien in Barreau Michel und Leogane, denen u.a. durch Schulungen, Verteilung von Werkzeugen und Saatgut Nahrungssicherheit ermöglicht werden sollte; außerdem erhielten einige Familien Ziegen und Hühner für Zucht. Das Projekt beinhaltete auch Umweltmaßnahmen (u.a. Wiederaufforstung) und das Formen einer Kooperative (ähnlich wie Selbsthilfegruppen).

Das Projekt hat der Zielgruppe Hoffnung geschenkt und sie gelehrt, eigene Entscheidungen zu treffen. Neben dem erlernten Wissen wurden auch Beziehungen gestärkt. Der örtliche Partner wird als Entität von transformativer Entwicklung angesehen. In zwei Berichten von 2013 und 2014 berichtete der örtliche Partner über die Wirkungen und Umsetzung der Erkenntnisse.

Bildungsstand der Zielgruppe

Schulungen müssen an den Bildungsstand der Teilnehmer angepasst werden. Zahlreiche Teilnehmer waren Analphabeten. Daher wurden Lehrinhalte teilweise vereinfacht und eine starke praktische Komponente eingebaut. Für manche war es schwierig, die traditionellen Techniken des Pflanzens und Gärtnerns an neue Erkenntnisse anzupassen. Neue Erkenntnisse beinhalteten vor allem auch umweltfreundliche Techniken – Kompostherstellung, weniger Benutzung von Holzkohle, Bau von Stützmauern (u.a. um Erdrutsche zu vermeiden), Erhaltung des Bodens (soil preservation), Sauberhaltung des Trinkwassers bzw. der Wasserstellen (besonders wichtig, da die Choleraepidemie noch nicht völlig eingedämmt war), etc.

Kultur der Zielgruppe

Die Schulungen und Arbeitsweise müssen an die Kultur der Teilnehmer angepasst werden und darin anknüpfen. In Haiti ist es normal, mit Familienmitgliedern und guten Freunden zu teilen. Durch die Schulungen und die Kooperative jedoch wurde eine neue Mentalität vermittelt, in der auch mit den Nachbarn bzw. anderen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft geteilt wird, nach dem Prinzip: Wenn ich eine Ziege erhalte, gebe ich eine Ziege an meinen Nachbarn weiter; wenn ich zwei Dosen Saatgut erhalte, gebe ich zwei Dosen Saatgut an meinen Nachbarn weiter. Die Teilnehmer haben verstanden, dass es dabei nicht nur darum geht, Güter weiterzugeben, sondern besonders auch erlerntes Wissen.

Das Projekt nutzte die bereits kulturell vorgegebene Kultur des Teilens und weitete sie auf die Dorfgemeinschaft aus; dadurch wurde auch Vertrauen, Verantwortungsbewusstsein und zukunftsorientiertes Denken gestärkt, da die Familien nicht nur für sich selbst z.B. gut für ihre Ziegen sorgten, sondern auch, weil sie dem Nächsten eine Ziege weitergeben wollten. In der Zukunft möchte der örtliche Partner die Umsetzung der Projektvorhaben noch besser kontextualisieren, vor allem auch, da viele Mitglieder der Zielgruppe ihre Bedürfnisse selbst gar nicht richtig artikulieren konnten. Auf der anderen Seite konnte das Projekt und die Schulungen auch die Weltanschauung der Teilnehmer erweitern und neue kulturelle Erkenntnisse liefern.

Es wurde auch beobachtet, dass sich durch das Projekt die Rolle der Frau in der Gesellschaft verbesserte und die Mitglieder der Zielgruppe verstanden, dass Mann und Frau gleichberechtigt sind und die Frau eine wichtige Rolle spielt, sowohl in der Dorfgemeinschaft als auch in der Ehe. In diesem Zusammenhang lernten die Teilnehmer auch, wie sie mit Konflikten besser umgehen können.

Äußere Faktoren

Der örtliche Partner erkannte, dass der Erfolg eines Projektes dieser Art von einigen äußeren Faktoren abhängig ist. Zum Beispiel kamen im Wirbelsturm im Herbst 2012 einige Ziegen um und mussten ersetzt werden. In Leogane wurde das Saatgut zu spät ausgegeben, sodass die Pflanzen nicht genügend Wasser bekamen und die Ernte nicht so gut war. Für viele Familien war auch der Zugang zu Wasserquellen schwierig: In Barreau Michel z.B. müssen einige Familien zwei Stunden laufen, um Wasser zu holen; das beeinträchtigte den Gartenbau und die Ernte war nicht so groß. Darüber hinaus waren mehrere Familien bzw. Dörfer sehr weit draußen und isoliert. Die Familien nahmen trotz einer Stunde Fußmarsch an den Schulungen teil, jedoch konnte man einen deutlichen Unterschied im Denken und im Bildungs- und Gesundheitsstatus der Familien aus isolierten Gebieten erkennen; diese Unterschiede in der Armutsstufe und im Denken bildeten eine Herausforderung für die Schulungsleiter.

Unerwartete Resultate

Zu den unerwarteten Resultaten des Projektes gehörte u.a., dass die Familien in Barreau Michel eine Kooperative gründeten (das war ursprünglich nicht im Projektantrag vorgesehen). Die Kooperative tat sich zusammen und verkaufte Kaffee-Saatgut und kaufte vom Erlös drei Schweine, um sie zu züchten. Außerdem spendeten die Familien 40 Dosen Mais-Saatgut an die Kooperative, die wiederum 35 Dosen an bedürftige Familien weitergab und den Rest im Modellgarten anpflanzte. Weiter war geplant, 80 Dosen Saatgut zu verkaufen, um die nötigen Utensilien für eine Bäckerei zu kaufen. In Leogane wurden zudem in Initiative der Dorfbewohner entschieden, Leitungspersonen aus der Dorfgemeinschaft zu wählen, um die Weitergabe der Ziegen zu koordinieren.

Umsetzung der Erkenntnisse

Als Umsetzung der Wirkungsbeobachtungen wurde u.a. in einer Verlängerung des Projektes geplant, Schulungen in Katastrophenvorsorge anzubieten, die Zielgruppe und Kooperative öfter zu besuchen (ein besseres System fürs Monitoring zu entwickeln), im Modellgarten Bäume anzupflanzen und weitere Ziegen zu kaufen/verteilen (es wurde festgestellt, dass die Konzentration auf wenigere Familien und dafür mehr Ziegen bzw. Hühner pro Familie besser gewesen wäre, damit diese Familien wirklich finanziell unabhängig werden können). Außerdem möchte der örtliche Partner in der Zukunft die Meinungen und Kapazitäten der Zielgruppe noch viel stärker in die Planung mit einbinden.

Einige Kommentare der Zielgruppe:

“Wir leben besser als vorher. Wir wurden geschult, wir haben Ziegen, Saatgut und eine Maismühle. Wir möchten an unsere Nachbarn weitergeben.” (Flerius, Mitglied der Kooperative in Barreau Michel)

“Jetzt kennen wir viele Techniken für Gärten und Saatgut. Ich weiß nun, dass ich als Frau alles tun kann, was ein Mann tut, und mit ihm gleichberechtigt bin.” (Eva aus Leogane)

“Wir haben Ziegen. Es wird eine neue Zielgruppe geben. Wir erwarten, dass alle Familien in unserem Dorf irgendwann Ziegen haben. Die Menschen haben untereinander jetzt bessere Beziehungen. Unsere Gärten sind besser.” (Louise aus Leogane)

“Wir wissen jetzt, wie wir uns am besten um die Umwelt kümmern können. Wir sind als Gruppe stark; und wir lehren in den Familien.” (Jean-Louis aus Leogane)

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.