Schule im Libanon nimmt Unterricht wieder auf

Ein Schulhof voller Kinder die lachen und lärmen, Körbe werfen, Tore schießen oder ihr Pausenbrot genießen, in der Ecke tuscheln oder schnell die letzte Hausaufgabe erledigen – so sollte der Alltag in der NES-Schule in Beirut aussehen. Und das ist ab heute wieder Realität!

Trotz der extrem angespannten Lage im Libanon hat sich unser Partner vor Ort entschlossen, den Unterricht wieder aufzunehmen. Vorerst für die Klassen 4 bis 9; im Laufe der Woche kommen Kindergarten und der Rest der Grundschule dazu, und nächste Woche kann hoffentlich das STEP-Nachmittagsprogramm beginnen.

Seit zehn Jahren werden in diesem Programm Kinder unterrichtet, deren Familien vor einem anderen Krieg flüchten mussten. „Aber ein paar der syrischen Familien sind jetzt in die Heimat zurückgekehrt“, berichtet Schulleiterin Marlene. „Wir wollen so viele geflüchtete Kinder wie möglich im Nachmittagsprogramm aufnehmen, Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften oder die bei Verwandten untergekommen sind, und sie hier unterrichten – sonst sitzen sie alle nur rum und haben nichts zu tun und verpassen ihre Bildung.“

Das alles ist eine große Herausforderung – aber die NES ist auf Herausforderungen gut vorbereitet. „Unsere Psychotherapeutin lehrt die Kinder, wie sie mit ihrer Angst zurechtkommen und wie sie reagieren sollen, wenn sie die Bomben hören. Alle unsere Lehrer haben gestern an einer speziellen Schulung vom Roten Kreuz teilgenommen. Wir machen auch Evakuierungsübungen mit den Kindern, sodass alle im Notfall genau wissen, was zu tun ist. Und wir prüfen für jedes Kind individuell, was wir tun können, um ihnen am besten zu helfen.“

Natürlich ist die Angst allgegenwärtig; jede Nacht wird vom Bombenlärm zerrissen, oft bis 4 oder 5 Uhr morgens. Aber das hält die Familien der NES nicht davon ab, ihren Nachbarn zu helfen. Eltern und Kinder sammeln Kleider, Schuhe und Matratzen für geflüchtete Familien, helfen dabei, Essenspakete und warme Mahlzeiten auf den Straßen zu verteilen und Hygienematerial weiterzugeben.

Leider wächst auch unter den „regulären“ NES-Familien die Not. „In vielen unserer Familien hat der Vater durch die Bombenangriffe den Job verloren“, erklärt Marlene. „Sie bekommen keinen Pfennig mehr. Einige sind zu uns gekommen und wollten ihre Kinder aus der Schule nehmen, weil sie kein Schulgeld bezahlen können, aber wir haben ihnen gesagt, ihre Kinder sollen bleiben! Gestern sagte ein Vater zu uns, ‚wisst ihr, wir haben nicht einmal Brot‘. Deshalb helfen wir auch mit Essenspaketen.“

Wenn in der NES-Schule die Pause vorüber ist, herrscht wieder Stille auf dem Schulhof. Eine trügerische Stille? Nein – denn die Klassenzimmer sind voller Leben. Voller Kinder, die leben und lernen wollen, und für die jeder neue Schultag ein Geschenk ist.

 

Wenn Sie mithelfen möchten, dass Kinder im Libanon auch in dieser Kriegssituation weiterhin Bildung erhalten und einen Zufluchtsort haben, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Weitere Infos zur NES-Schule bzw. dem Studienfond finden Sie auf dieser Seite.

„Dort ist nichts mehr, nichts!“

Krieg im Libanon betrifft auch NES-Schule in Beirut

„Die aktuelle Lage … es ist einfach nur verrückt. Wir wissen nicht, wie das noch weitergeht!“

Mitte September ist die Zeit, an der die NES-Schule in Beirut das neue Schuljahr beginnt. Auch in Krisenzeiten, trotz der Unsicherheit – ob Revolution, Pandemie, Wirtschaftskrise oder Erdbeben. Auch in diesem Jahr, der Furcht zum Trotz. Ganze vier Tage konnte Unterricht stattfinden. Dann begann die Bombardierung der libanesischen Hauptstadt.

„Es ist wie im Erdbeben“, berichtet Marlene, Schulleiterin der NES. „Unvorstellbar! In Dahiyeh, entlang der Straße zum Flughafen, sind die Gebäude dem Erdboden gleichgemacht. Und im Süden, die Dörfer – die christlichen genauso wie die muslimischen – sind alle völlig zerstört, dort ist nichts mehr, nichts!“

In nur wenigen Tagen sind tausende Zivilisten getötet worden, darunter Hunderte von Kindern; über eine Million mussten bereits fliehen, das sind 20% der Bevölkerung. Viele kommen bei Verwandten unter, andere finden in den staatlichen Schulen eine Unterkunft – wenn sie Glück haben.

„Tausende von Menschen sind auf der Straße, leben in ihren Autos. Und die Syrer, sie werden in den staatlichen Unterkünften abgewiesen und haben keine andere Wahl, als auf der Straße zu schlafen, es bricht einem wirklich das Herz! Und jetzt wird es Herbst, es fängt an zu regnen. Deshalb verteilen wir jeden Tag warme Mahlzeiten an die Familien auf den Straßen. Wir haben auch Matratzen und Kissen verteilt an die Familien, die Verwandte aufgenommen haben, oft zwei oder drei Familien; da leben jetzt teilweise 15 bis 20 Personen in einer kleinen Wohnung.“

Aber über aller Hilfsbereitschaft schwebt unaufhörlich die Angst. Die schreckliche Furcht, dass die Geflüchteten vielleicht der Hisbollah angehören und man damit selbst Zielscheibe der nächsten Bombardierung wird. Auf diese Art wurden schon Hunderte von Unbeteiligten zu Opfern. Daher trauen die meisten Menschen sich nicht, Fremden eine Zuflucht zu bieten.

„Es ist eine sehr kritische Zeit. Es ist wirklich sehr, sehr gefährlich. Wir müssen sehr weise sein. Natürlich helfen wir, so viel wir können, wie auch immer wir können.“

Und da hat die NES-Schule schon einen Plan: Im „STEP“ Nachmittagsprogramm sollen möglichst viele Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften aufgenommen werden. „Damit ihre Bildung nicht so lange unterbrochen wird“, erklärt Marlene. „Denn selbst wenn es einen Waffenstillstand gibt, können diese Familien erst in vielen Monaten die Flüchtlingsunterkünfte verlassen, denn sie haben keine Häuser mehr, in ihren Dörfern ist ja alles dem Erdboden gleich, da ist nichts mehr übrig.“

Bisher ist zwar noch nicht klar, wann die Schulen wieder öffnen dürfen. Aber sobald vom Bildungsministerium die Erlaubnis kommt, ist die NES bereit:

„Wir überlegen, in zwei Schichten zu öffnen. Es ist zu riskant, 360 Kinder auf einmal in der Schule zu haben. Aber wenn wir in zwei Schichten unterrichten, dann sind es nur die Hälfte Kinder, wenn dann etwas passiert, können wir schnell genug evakuieren.“

Eine Herausforderung bleibt: In dieser Situation ist keine Familie in der Lage, auch nur einen geringen Betrag fürs Schulgeld zu bezahlen – vor allem nicht die Familien, die noch für ein Dutzend geflüchtete Verwandte alle Ausgaben begleichen müssen, und schon gar nicht die geflüchteten Familien selbst. Noch weiß die Schulleiterin nicht, wie sie Ende des Monats die Gehälter der Lehrer bezahlen soll. Aber weder für sie noch für das restliche Personal an der NES ist das ein Grund, aufzugeben oder die Hoffnung zu verlieren.

„Das ist eins, was wir tun können: Bildung anbieten; unsere Schule tagsüber öffnen und Kindern die Möglichkeit zum Lernen geben.“

Und weiterhin, auch in dieser neuen Katastrophe, eine Oase des Friedens sein.

 

Wenn Sie mithelfen möchten, dass Kinder im Libanon auch in dieser Kriegssituation weiterhin Bildung erhalten und einen Zufluchtsort haben, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Achtundvierzig Stunden Wirbelsturm in Bangladesch

Unser Partner in Mongla setzt vor, während und nach der Katastrophe entscheidende Maßnahmen um

„Es war wirklich schlimm! Achtundvierzig Stunden pausenloser Sturm und strömender Regen – viel länger als je zuvor. Massive Verluste im Ackerbau, den Fischfarmen, bei Unterkünften, auch in Infrastruktur. Tausende mussten evakuiert werden.“

Am letzten Maiwochenende wurden Teile von Bangladesch und Indien von Wirbelsturm „Remal“ heimgesucht. Der „Sundarban“, der größte Mangrovenwald der Welt, erlitt verheerende Schäden; das Ökosystem wird wohl mehrere Jahrzehnte brauchen, um sich zu erholen. Auch im Gebiet Mongla, am Nordrand des Sundarban in Bangladesch, wütete der Sturm; dort fördern wir seit drei Jahren ein Projekt zur Klimawandel-Adaption. David, unser Projektleiter vor Ort, konnte eine erste Einschätzung der Lage schicken.

„Alle unsere Projektteilnehmer sind betroffen. Zeitweise stand das gesamte Gebiet von Mongla unter Wasser, der Fluss stieg über zwei Meter an. Wir als Projekt-Team sind alle unversehrt und helfen den Betroffenen, wo wir können.“

Neben den ununterbrochenen Regenfällen erschwerten stundenlange Stromausfälle und sehr eingeschränkte Mobilfunk- und Internetverbindungen die Kommunikation und Koordinierung der Hilfsmaßnahmen. Aber darauf war das Team unseres lokalen Partners vorbereitet!

Denn einer der Hauptaspekte des laufenden Projektes in Mongla ist die Katastrophenvorsorge für genau solche Situationen. Dazu gehören Präventionsmaßnahmen auf allen Ebenen, vom kleinsten Haushalt bis hin zur lokalen Regierung. Über drei Jahre hinweg wurden hunderte von Personen geschult, Komitees wurden eingerichtet, Materialien verteilt und durch kontinuierliches Follow-Up dafür gesorgt, dass die Dörfer im Projektgebiet auf den Katastrophenfall vorbereitet sind. Dazu gehörte zum Beispiel:

Familien haben schon vor Monaten ihre Hütten auf höhere Sockel gebaut und ihre Dächer und auch Wände mit Seilen festgebunden sowie Äste von Bäumen entfernt, die auf ihre Hütten fallen könnten.

Haushalte haben Trockennahrung gelagert und ihre Wertsachen und Tiere in Sicherheit gebracht.

Zwei Wasseraufbereitungsanlagen wurden errichtet, die jetzt sicheres Wasser liefern – besonders nach flächendeckenden Überflutungen absolut überlebenswichtig.

Außerdem wurden vor kurzem 18 schwimmende Latrinen gebaut – eine für jedes Dorf. Da sie auf der Wasseroberfläche treiben, können sie genutzt werden, auch wenn alle anderen Toiletten überschwemmt sind.

Gleich zu Projektbeginn wurden 18 Ward Disaster Management Committees (WDMC) gegründet und die zwei Union Disaster Management Committees aktiviert, die umfassende Pläne erstellt haben, wo und wie im Katastrophenfall reagiert werden sollte.

Diese Komitees wurden mit Megaphonen, Schwimmwesten, Taschenlampen, Gummistiefeln und anderem Material ausgestattet, sodass sie während der Katastrophe voll einsetzbar sind.

Bevor Zyklon Remal Bangladesch erreichte, war unser Projektteam und die Komitees an Planungstreffen zur Minderung der Katastrophengefahr auf höchster lokaler Regierungsebene beteiligt.

Direkt vor dem Zyklon ging das Projektteam und die 270 Mitglieder der WDMC von Tür zu Tür, um alle Haushalte zu warnen, und half dabei, Familien zu evakuieren und sie zum Zyklon-Schutzraum zu bringen, vor allem schwangere und stillende Frauen.

Während des Zyklons unterstützte das Projektteam die Kommunalverwaltung darin, in den Schutzräumen Lebensmittel und Mahlzeiten zu verteilen.

Seit Ende der Katastrophe besucht das Projektteam die Haushalte in der Gegend um festzustellen, welche Schäden verursacht wurden und welche Hilfe benötigt wird.

Noch ist die Bedarfsermittlung nicht beendet. Aber schon jetzt steht fest, dass durch den unermüdlichen Einsatz unseres Projektteams und die umfassenden Präventionsmaßnahmen der Komitees viele Verluste verhindert werden konnten.

Weitere Artikel sowie ein kurzes erklärendes Video zu diesem Projekt finden Sie hier.

Wenn Sie den Menschen in Mongla und unserem Projektteam beim Wiederaufbau und weiteren Präventionsmaßnahmen unter die Arme greifen möchten, dann spenden Sie mit Vermerk „Klimawandel-Projekt Mongla“.

Zeit für Neue Wege

Ein paar Wochen nach Projektstart sprießt bereits das erste Grün. Und damit die Hoffnung.

Es sind 38 Grad. Die Luft schmeckt nach roter Erde, verbranntem Müll und einer guten Portion Ruß und CO2 – ausgestoßen von dem 60 Jahre alten LKW, der auf der Hauptstraße gerade mit einem Schlagloch kämpft, das ihn zu verschlucken versucht. Am Straßenrand sieht man ein ehrliches Kinderlachen. Der Blick der Mutter ist trüb, ihre Augen sind gekennzeichnet von der Härte des Lebens hier in Andranovory, von Mangelernährung und von Hoffnungslosigkeit.

Noch ist die Gegend grün und täuscht etwas über die eigentliche Situation hinweg. Ca. ein bis zwei Monate im Jahr gibt es hier Regen, doch der hat nun vor ein paar Wochen aufgehört. Noch einmal ein paar Wochen und es ist alles trocken. Und das dann für die restliche Zeit des Jahres. Die Wassernot begegnet einem schon viele Kilometer vor Andranovory. Die Menschen am Straßenrand der RN7, die sich von der Hauptstadt oben im Hochland runter in den Süden des Landes schlängelt, bitten hier nicht mehr nach Geld oder versuchen jedem vorbeifahrenden Auto etwas zu verkaufen, sondern sie bitten mit bestimmten Handzeichen nach Wasser.

Der Weg, den viele Menschen hier gehen müssen, um Wasser zu finden, ist weit. Oft auch teuer, wenn sie dafür sogar eine Fahrt mit dem Taxibus nehmen müssen. Die meisten haben am Tag nicht mehr als 10-15.000 Ariary zur Verfügung, um davon die Familie zu versorgen. Das sind ungefähr 3 Euro. Und zu einer Familie gehören oft bis zu 10 Personen.

„Als wir Andranovory zum ersten Mal sahen, spürten wir die Armut und wollten einfach mit Lebensmitteln helfen. Aber wir merkten, dass es nicht hilft, wenn wir jedes Jahr nur ein wenig geben“, berichtet Therese. Und ihr Mann Richard ergänzt: „Als ich das Land sah, das flach ist und auf dem es nichts gibt, fragte ich mich: Warum gibt es dort nichts? Warum denken die Leute nicht daran, zu pflanzen? Sie brauchen eine neue Art zu denken, das alte System loszuwerden. Wie können wir mit dem, was da ist, einen neuen Weg finden?“

Ein Gespräch mit einem befreundeten Landwirt öffnete ihnen den Blick dafür, was mit dem neuen Wissen der städtischen Universitäten möglich ist. Und so wollen sie nun auch den Menschen in Andranovory nicht nur den Blick für neue Wege öffnen, sondern auch das nötige Startkapital in Form von Werkzeugen und Saatgut bereitstellen.

Mittlerweile sind fünf Gruppen mit jeweils 30 Personen in das Projekt eingebunden. In diesen teilen sie sich das Werkzeug und verteilen das Saatgut, unterstützen sich gegenseitig und legen gemeinsame Beete an. Zwei landwirtschaftliche Schulungsleiter, die an der Universität in der Hauptstadt Antananarivo ausgebildet wurden, geben die Schulungen und besuchen die Gruppen alle 1,5 – 2 Monate, um nach dem Fortschritt zu schauen, zu helfen, an das Gelernte zu erinnern und abzuschätzen, welche Methoden und welches Saatgut unter den jeweiligen Umständen angebracht sind.

Dila, einer der Teilnehmer, der bereits vor zwei Jahren in einer ersten Testphase offen für diesen neuen Weg gewesen ist, erzählt begeistert: „Früher musste ich ständig neuen Dünger kaufen und die Preise dafür sind Jahr für Jahr gestiegen. Außerdem hat er den Boden von meinem Land kaputt gemacht. Heute habe ich gelernt, dass ich natürlichen Kompost das ganze Jahr über produzieren kann, der die Erde schont und das Gemüse besser wachsen lässt. Und ich weiß jetzt, dass es hier Bäume gibt, die ich zur Schädlingsbekämpfung nutzen kann.“

Neben den Schulungsleitern kümmern sich 5 lokale Leiter um die Projekt-Gruppen, sie koordinieren die Verteilungen, organisieren Treffen und sind in ständigem Austausch mit Therese und Richard. Sie vertreten obendrein die Interessen der Gruppe bei der lokalen Regierung. Durch diese Netzwerkarbeit konnte kürzlich in Zusammenarbeit mit einer anderen NGO die Arbeit an einem Kanal gestartet werden, der sauberes Wasser eines 12km entfernten Flusses nach Andranovory bringen und das Dorf das ganze Jahr über mit Wasser versorgen soll.

Der Projektstart ist zwar erst ein paar Wochen her, aber so sind die ersten Früchte bereits sichtbar. Auch auf den neugepflanzten Beeten drückt sich schon das erste Grün aus der Erde und lässt so die Hoffnung wachsen. Die Grundlagen für eine nachhaltige Ernährungssicherung in Andranovory sind gelegt und Therese und Richard planen bereits, wie sie das in weiteren umliegenden Dörfern umsetzen können. Dabei ist ihnen bewusst, dass sich auch in Andranovory erst noch zeigen muss, wie dieser neue Weg angenommen wird. „Die Leute hier sind skeptisch. Über Generationen haben sie die Dinge immer auf die gleiche Art und Weise gemacht. Außerdem gibt es viele Traditionen und Bräuche, die sie darin hindern, von den alten Wegen abzuweichen“, erklärt Richard und fährt fort, „Dafür braucht es neben einer neuen Art und Weise der Landwirtschaft auch eine Erneuerung des Geistes. Eine neue Hoffnung. Aufklärung. Und viele kleine Erfolgsgeschichten, damit die Leute sehen: Oh, das funktioniert ja.“

Daran arbeitet er mit Therese unermüdlich. Neben den eigentlichen Schulungseinheiten laufen sie gemeinsam bei jedem Besuch von Haus zu Haus, suchen das Gespräch, informieren und ermutigen. Ihre Vision ist, dass die Menschen in Andranovory und Umgebung eines Tages so viel produzieren können, dass sie nicht nur sich selbst und ihre Familien damit das ganze Jahr über versorgen können, sondern, dass sie sogar die ganze nächste große Stadt mit Gemüse versorgen können, um so ihr Einkommen verbessern zu können.

Gemeinsam mit Therese und Richard arbeiten wir daran, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn auch Sie mithelfen möchten, dass Menschen in Andranovory neue Wege gehen können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Ernährungssicherung Madagaskar“.

„Ihr könnt etwas aus euerm Leben machen!“

Schulungsprogramm für junge Leiter in Nordsyrien erfolgreich begonnen

„Von allen Projekten, die ich je umgesetzt habe, ist dieses wohl das bedeutungsvollste – ich bin echt begeistert davon, und ich wünschte ihr könntet dabei sein und es selbst erfahren!“

Antony* ist gerade vom ersten Schulungswochenende in Nordsyrien zurückgekommen. Achtzehn junge Menschen hat er dort näher kennengelernt; achtzehn Frauen und Männer zwischen 22 und 32 Jahren, die zu einem Hoffnungsfunken in ihrer Gesellschaft werden möchten. Nach einer monatelangen Vorbereitungsphase und sorgfältigen Auswahl der Teilnehmer konnten Ende April die ersten Schulungen stattfinden. Um eine neue Denkweise ging es dabei, eine gesunde Lebenseinstellung, um Motivation und Resilienz, um gute und umsetzbare persönliche Ziele – vieles, was für uns selbstverständlich ist, aber für junge Menschen, die sich an das Leben vor Krieg, Isolation und Hoffnungslosigkeit schon gar nicht mehr erinnern können, kommen solche Ideen wie ein Lichtstrahl in der Nacht.

„Sie hatten keine Ahnung, wie man sich selbst Ziele setzt“, berichtet Antony nach dem ersten Besuch. „‘Oh, Ziele? Wir haben noch nie in unserm Leben Ziele gesetzt.‘ Also haben wir erst mal darüber geredet, wofür wir überhaupt Ziele brauchen, und wie man ‚SMART‘-Ziele setzt, die auch erreichbar sind. Das war ein wirklich inspirierender Moment für sie, denn bisher hat ihnen das noch nie jemand beigebracht.“

Achtzehn strahlende Gesichter blicken uns vom Gruppenfoto entgegen – achtzehn junge Menschen, für die sich eine neue Welt eröffnet, die sich mit Begeisterung auf die nächsten Schritte freuen. Dazu gehört, ihre Liste an Zielen fertig zu formulieren und einen persönlichen Aktionsplan zu erstellen: die Voraussetzung dafür, am weiteren Programm teilnehmen zu dürfen. Dass alle Teilnehmer ihre Pläne bis zur Deadline eine Woche später abgegeben hatten, zeigt auch, wie ernst sie das Programm nehmen. Jetzt folgen virtuelle Einzelcoachings mit dem Schulungsleiter im Mai. In der nächsten Schulungseinheit geht es dann darum, die Ziele und Aktionspläne in die Wirklichkeit umzusetzen und im Alltag die richtige Balance zu finden. Am Ende des einjährigen Schulungsprogramms gipfelt alles in einem Community-Projekt, in dem die Teilnehmer selbst ein Projekt für und mit ihrer Ortsgemeinschaft entwerfen werden. „Damit sie sehen können, dass sie selbst etwas tun können, etwas erreichen, auf das sie hingearbeitet haben“, erklärt Antony. „Und eins der Ziele des Programms ist, eine Bereicherung für die eigene Gesellschaft zu sein.“

Die erste Schulungseinheit beurteilt der erfolgreiche Berater aus dem Libanon durchweg positiv:

„Der Schwerpunkt dieser zwei Tage lag darauf, die Teilnehmer zu einem Paradigmenwechsel zu inspirieren. Wir haben zuerst damit Zeit verbracht, die zahllosen Herausforderungen zu benennen, mit denen sie täglich konfrontiert sind: Depression, Hoffnungslosigkeit, Kämpfe und Verzweiflung –Ergebnisse des Lebens in einem von Krieg und Isolation zerrissenen Land. Unsere Botschaft war, dass sie es schaffen können! Sie können etwas aus ihrem Leben machen, wo auch immer sie sind!

Wir haben dann Strategien aufgezeigt, wie sie ihre drastische Situation bewältigen können. Es gibt mehr Möglichkeiten, als sie sich vorstellen! Sie müssen lernen, anders zu denken als die Masse. Sie müssen sich selbst dafür entscheiden, in allem, was sie tun, ihr Bestes zu geben. … Wir haben große Hoffnung, dass dies eine Entwicklung anstoßen wird, die wächst und die hier in dieser Region etwas ganz Neues beginnen wird.“

 

Dies ist ein Pilot-Projekt, das bei erfolgreicher Umsetzung an anderen Orten in Syrien und dem Nahen Osten wiederholt werden soll. Dafür, und um das laufende Projekt vollständig zu finanzieren, suchen wir noch Unterstützung. Wenn Sie jungen Menschen in Syrien ermöglichen möchten, durch eine neue, gesunde Denkweise echte Hoffnung für die Zukunft zu finden, dann spenden Sie mit Vermerk “Syrien”.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert. Ebenso können wir aus Sicherheitsgründen keine genauen Ortsangaben oder Fotos von Personen oder erkennbaren Orten veröffentlichen.

Wir möchten nach Hause

Seit zwei Jahren leben Mitarbeiter und Kinder des Kiewer Waisenhauses „Heim für glückliche Kinder“ im Lindenhof bei Hanau. Viele Ehrenamtliche aus Kahl und Alzenau haben geholfen, dass sie sich wohlfühlen: gemeinsame Ausflüge, Konzerte, Besuche, Hilfe beim Amt und vieles mehr. Besonders haben sich die Christliche Initiative Alzenau und die Freie Christliche Schule in Kahl engagiert.

Doch immer wieder betonten die Mitarbeiter: Wir möchten nach Hause! Aber wie soll das geschehen, mitten in Krieg und Gefahr? Die eine oder andere Mitarbeiterin ging zurück zu ihrer Familie, andere traten an ihre Stelle. „Unser Zentrum ist zwar bisher unbeschädigt,“ sagt die Leiterin Liliya dankbar, „aber die Regierung erwartet, dass wir erst einen Schutzbunker bauen. Damit haben wir jetzt begonnen, aber das geht natürlich nicht umsonst.“

Inzwischen sind einige der Kinder von Verwandten zurückgeholt worden und mehrere fanden eine neue Familie. „Die Regierung hat uns gebeten, zurückzukommen und mindestens 25 Kinder aufzunehmen. Sehr viele Kinder haben wegen dem Krieg Heim und Familie verloren. Sie brauchen dringend Fürsorge!“

Vor dem Krieg haben ukrainische Geschäftsleute und Privatpersonen die ganze Arbeit finanziell getragen – Unterkunft, Verpflegung und Betreuung durch Spezialisten für Traumaseelsorge und anderem. Doch nun brechen die Firmen zusammen, und die Leute versuchen, Soldaten, Familien und Freunde zu unterstützen. Durch die Hilfe vieler einzelner im Kreis Aschaffenburg und Main-Kinzig können die ersten Schritte getan werden, aber für die Aufgaben in Kiew ist dringend weitere Hilfe nötig. Es ist eine Hilfe, die wirklich Großes bewirkt. Denn das „Heim für glückliche Kinder“ leistet eine hervorragende Arbeit, um Kindern zu helfen und sie in guten Familien unterzubringen. Und das ist jetzt dringender als je zuvor!

Wenn Sie mit dazu beitragen wollen, dass Kinder in der Ukraine ein neues, glückliches Zuhause finden, spenden Sie bitte mit Vermerk „Ukrainehilfe Lindenhof“ (zur Online-Spende). Mehr Details zum Heim in Kiew finden Sie auch auf: https://helpinghandsev.org/lindenhof/ (hier ist noch der ursprüngliche Status der Kinder auf dem Lindenhof vermerkt).

Ukrainehilfe: Lindenhof erhält Integrations-Sonderpreis

Das Telefon klingelte. “Könnt ihr uns helfen?“ kam die Frage an Helping Hands e.V. „Wir haben seit kurzem hier 30 Ukrainer, davon 20 Sozial- und Vollwaisen. Wir haben eine Menge Ehrenamtliche aus Alzenau, Kahl und Umgebung, die sich toll einsetzen. Aber es gibt natürlich manches andere, das erledigt werden muss.“

Das war vor etwa 18 Monaten: Über ein Jahr von Heimweh, Tränen, viel Freude und Lachen, Kopfzerbrechen und vieles andere mehr liegen hinter dem Team. Für die zehn Mitarbeiter, die die Kinder betreuen, war es besonders hart. Zwar wohnen sie an einem wunderschönen Flecken bei den Kahler Seen, aber sie vermissen natürlich die Angehörigen und Freunde in der Ukraine. Und irgendwo schwingt die Angst um sie immer mit.

Doch da ist ja der Helferkreis Integration aus Kahl, die Christliche Initiative in Alzenau und viele Einzelpersonen wie Ulrike Waitz von Eschen, die sich intensiv um die Flüchtlinge kümmern. Daneben haben sich verschiedene Firmen und Clubs engagiert und vor allem Leitung und Mitarbeiter der Evonik Industries AG, die unter anderem täglich kostenlos Essen in den Lindenhof liefern. Denn in einer kleinen Familienküche wäre es etwas problematisch geworden, für 30 Leute zu kochen.

Überwältigend war von Anfang an das Engagement von Bürgern und Behörden. So wurden schnell Wege gefunden, um eine neues „Zuhause“ zu schaffen. Innerhalb kürzester Zeit fand sich Agnes, eine ausgebildete Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, und bald konnten die Schulkinder die private Kahler Paul-Gerhardt-Schule besuchen. Das alles wurde auch möglich, weil eine Frankfurter Stiftung und viele Einzelpersonen dem Team regelmäßig finanziell unter die Arme griffen.

Kein Wunder, dass die Regierung von Unterfranken dieses tolle Engagement am 16. Oktober in Würzburg mit dem Sonderpreis „Integration schafft Zukunft auszeichnete.

Doch es sind die vielen kleinen Dinge, die den Einsatz der Helfer besonders kennzeichnen: Besuche bei Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, spezielle Darbietungen der ukrainischen Kinder (ermöglicht durch eine international bekannte Regisseurin), gemeinsames Singen und Feiern auf Schloss Emmerichshofen und immer wieder eine helfende Hand in unvorhergesehenen Situationen.

Natürlich gab es auch manche Herausforderungen zu bewältigen. Keiner wusste oder weiß, wie es weitergehen wird. Inzwischen haben einige der Kinder eine neue Familie in der Ukraine gefunden oder sind bei Verwandten in Nachbarländern untergekommen. Aber niemand kann die Entwicklung des Krieges in der Ukraine sicher vorhersagen. Und einige der Kinder haben inzwischen gute Freunde hier gefunden oder können sogar beim Übersetzen helfen.

„Wirkungsvoll helfen und nachhaltig verändern“ ist das Ziel von Helping Hands e.V. In diesem Fall ist dies eine besondere Herausforderung. Aber alle können gemeinsam Zukunft schaffen, hier und in der Ukraine. Wenn Sie dabei helfen wollen, können Sie dies tun unter  https://helpinghandsev.org/lindenhof/ oder direkt über Helping Hands e.V., Kreissparkasse Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (Stichwort „Ukrainehilfe Lindenhof“).

Im Bild von links nach rechts:

Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann, Projektverantwortlicher Klaus Scherer, Ulrike Waitz von Eschen, Julia Fischer, 1. Bürgermeisterin der Gemeinde Kahl am Main, Noël Kachouh, Pastor der Christlichen Initiative Alzenau und Vertreter der Paul-Gerhardt-Schule, Matthias Moll, Vertreter der Evonik Industries AG und des Vereins Helping Hands e.V., Gudrun Brendel-Fischer, Integrationsbeauftragte der Bayer. Staatsregierung, und Dr. Alexander Legler, Landrat des Landkreises Aschaffenburg.

Foto: Regierung von Unterfranken

Syrien – verlassen vom Rest der Welt?

„Worte können nicht erfassen, was die Menschen in Syrien durchmachen, nur um überhaupt durch den Tag zu kommen. Das ganze Land ist in Trümmern. In den Norden fährt man stundenlang nur durch Geisterstädte … mehr als hundert Kilometer nichts als Verwüstung. Alles leer und verlassen – fast apokalyptisch! Und dann, in den Städten – die Menschen ersticken an ihrem Trauma, ihrer Hilflosigkeit, der Hoffnungslosigkeit. Verlassen vom Rest der Welt müssen sie selbst sehen, wie sie irgendwie überleben.“

Nach zwölf Jahren Bürgerkrieg und totaler Isolation ist in vielen Städten Syriens die Hoffnung so tief begraben, dass sie kaum mehr als eine blasse Erinnerung ist. Alle, die konnten, haben das Land verlassen. Die, die noch übrig sind, haben nach und nach jegliche Eigeninitiative verloren: abhängig von Hilfspaketen, gefangen im Gedenken an „die gute alte Zeit“, ohne Hoffnung, dass sich irgendwann irgendetwas ändern wird, ohne Zukunft.

Und dann kam, Anfang Februar, auch noch das verheerende Erdbeben, steigerte das Leid der Menschen in Nordsyrien ins Unfassbare. Antony* war selbst mittendrin – nur durch ein Wunder überlebten er und seine Frau, konnten unversehrt in ihre Heimat im Libanon zurückkehren. Doch die verzweifelte Situation in Nord-Syrien ließ Antony nicht los.

Nach den Beben konzentrierte sich die internationale Hilfe größtenteils auf die Türkei. Zwar wurde auch in Syrien Hilfe geleistet. Aber allgemein scheint es, als ob auch viele Hilfs- und Entwicklungsorganisationen das Land aufgegeben haben: zu kompliziert die Umstände, zu viele Hindernisse, zu prekär die politische Situation … In dieser Lage etwas langfristig verändern, den Menschen etwas Unabhängigkeit und Zukunft wiedergeben? Unmöglich, meinen viele.

Antony sieht das anders: Er hat eine Vision. „Ich möchte die finden, die noch ein Fünkchen Hoffnung haben. Und dieses Fünkchen zu einem Feuer entfachen!“ Zwar ist er sich der Herausforderung bewusst: „Die Menschen dort haben niemanden, zu dem sie gehen können. Durch den langen Konflikt ist das Land entleert von Führungspersonen, Vorbildern, vertrauenswürdigen Beratern, die anderen den Weg weisen könnten. Der Traum jedes Syrers, Tag und Nacht, ist es, aus dem Land zu entfliehen, irgendwo anders ein neues Leben zu beginnen.“

Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat der erfolgreiche Unternehmensberater ein Programm entwickelt, durch das 20 junge Syrer eine echte Perspektive entwickeln können und langfristig zu Führungspersönlichkeiten für ihr Umfeld wachsen können.

„Durch das Projekt sollen die 20 Teilnehmer ein ganz neues Bewusstsein entwickeln: das ihnen neue Hoffnung gibt, ein gesundes Selbstvertrauen und einen echten Sinn fürs Leben. Innerhalb von einem Jahr werden diese jungen Männer und Frauen auch neue Fertigkeiten und „Werkzeuge“ erlernen, die ihnen ermöglichen, ihr Leben geistig, sozial, wirtschaftlich und geistlich zu verbessern. Vor allem aber sollen sie das Bewusstsein entwickeln, dass sie selbst für ihr „Glück“ verantwortlich sind, dass sie etwas verändern können, dort wo sie sind, und dass es sich lohnt, jemand zu sein, der anderen dient.“

Das Programm beinhaltet praktische Workshops, Reflexionen, Erfolgsbewertungen, persönliche Aktionspläne, Mentoring und Coaching. Nach jeder Schulungseinheit geben die Teilnehmer das Gelernte an andere in ihrer Familie und Ortsgemeinde weiter. Das Programm gipfelt schließlich in einem „Community Project“, das die Schulungsteilnehmer gemeinsam konzipieren, ausarbeiten und durchführen werden und so das Gelernte einsetzen, um ihrer Gesellschaft etwas zurückzugeben und selbst zu Vorbildern zu werden. Ziel ist, dass sie erkennen: Ich kann etwas bewegen. Ich bin nicht gefangen in meiner Vergangenheit, sondern kann mich aktiv für die Zukunft einsetzen. Ich habe das Potential, mich, meine Familie und meine Heimat nachhaltig zu verändern.

„Wir hoffen, dass das einen neuen Funken entfacht und eine kleine Bewegung in Nord-Syrien und darüber hinaus entsteht, die Geist und Charakter revolutioniert und sich nach und nach weiter ausbreitet.“

Denn oft braucht es nur einen Funken Hoffnung, um das Feuer neu zu entfachen – ein wenig Sauerstoff, ein bisschen Brennmaterial. Gemeinsam mit Antony möchten wir dieses Feuer entfachen und in Nord-Syrien und darüber hinaus die Verzweiflung auslöschen!

Für dieses Projekt benötigen wir noch ca. 15.000 Euro bzw. die „Schulungsgebühren“ für 10 Personen. Helfen Sie mit, in die Perspektivlosigkeit in Syrien neue Hoffnung zu bringen! Spenden mit Vermerk „Syrien“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394) oder über unsere Online-Spende kommen diesem Projekt zugute.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

Sommerfest auf dem Lindenhof

Dankbarer Rückblick auf ein weiteres Jahr mit umfassendem ehrenamtlichem Einsatz

Sommerlich war zwar nicht das Wetter, aber die Besucher des „Sommerfests“ auf Schloss Emmerichshofen bei Kahl brachten die Sonne einfach selbst mit – durch das Lächeln auf den Gesichtern der Kinder und Erwachsenen und die herzliche Dankbarkeit, mit der auf das vergangene Jahr zurückgeblickt wurde. Denn schon über ein Jahr ist es her, dass das Kinderheim „Mistoditey“ aus Kiew im „Lindenhof“ bei Schloss Emmerichshofen Zuflucht fand! Dutzende von Ehrenamtlichen haben sich in diesen 15 Monaten dafür eingesetzt, dass die 30 Kinder und Betreuerinnen sich willkommen fühlen und alle Herausforderungen des täglichen Lebens meistern können; das Sommerfest am 1. August war der Anlass, sich für den herausragenden Einsatz zu bedanken.

Und in einem Jahr hat sich schon einiges geändert! Besonders beeindruckend war, dass Liliya, Leiterin des Heims, einen eigenen „Übersetzer“ hatte: einer der älteren Jungen des Heims, der seit einem Jahr die Paul-Gerhardt-Schule in Kahl besucht und schon sehr gut Deutsch gelernt hat. Auch die anderen Kindern sind gut integriert und bedankten sich auf unterschiedliche Art und Weise – zum Beispiel durch ein einstudiertes Lied, aber auch ein selbstgebasteltes Gemälde mit den Händen der kleineren Kinder.

Ulrike von Waitz, die den Lindenhof zur Verfügung gestellt und zum Sommerfest eingeladen hatte, hob den unermüdlichen Einsatz der verschiedenen Helfer hervor – die Lehrerinnen und Lehrer an der Schule, Helfer beim Deutschlernen, handwerkliche Unterstützung im Gebäude, Patinnen und Paten und viele mehr: „Die praktische, aber auch besonders die finanzielle Unterstützung machen es möglich, dass die Kinder und ihre Betreuerinnen im Lindenhof so unbeschwert leben können. Dass das so großartig funktioniert, erfüllt uns mit größter Dankbarkeit!“

Besonderer Dank wurde in diesem Rahmen auch an die Evonik Industries AG ausgesprochen. Denn die Küche im Lindenhof ist nur für einen kleinen Haushalt ausgestattet und es wäre dort unmöglich, jeden Tag für 30 Personen zu kochen. Durch das Engagement verschiedener Mitarbeiter erklärte die Evonik Industries AG sich bereit, die Bewohner des Lindenhofs werktags durch die Kantine des Evonik-Standortes Hanau mit einem reichhaltigen Mittagessen zu versorgen. Diese großzügige Aktion – im Wert von ca. 1.500 EUR pro Woche – läuft nun schon seit Juni 2022. Zusätzlich zu den täglichen Mahlzeiten konnten durch den Elternstammtisch von Evonik auch einige andere benötigte Güter gespendet werden, zum Beispiel Schuhe, Winter- und Sommerkleidung, Auto-Kindersitze sowie Weihnachtsgeschenke für die Betreuerinnen, die ihre Familien mitten im Krieg zurücklassen mussten.

Eun-Ok Busch, HR Specialist bei Evonik Industries AG und zuständig für das Projekt #JoinInAtEvonik (Integration von Geflüchteten), reflektierte über ihren Besuch beim Sommerfest: „Für mich hat sich der Weg von unserer Konzernzentrale Essen im Ruhrgebiet nach Schloss Emmerichshofen sehr gelohnt.  Hier vor Ort zu sein und die Möglichkeit zu haben, die Kinder, Betreuerinnen und Ehrenamtlichen persönlich zu treffen, ist unbeschreiblich. Ich bin sehr froh, dass ich mit Unterstützung von zahlreichen Evonik Kolleg*innen und des Vorstandes auch dazu beitragen kann, dass sich die Kinder und Betreuerinnen in Deutschland willkommen und sicher fühlen. „

Insgesamt war das Sommerfest geprägt von Dankbarkeit und einem ermutigenden Rückblick auf die vielen hunderten Stunden ehrenamtlicher Mitarbeit, die den Dienst am Lindenhof möglich machen. So kann Integration gelingen!

Zehnmal zwölf Stunden und ein Gemälde

Bürger im Main-Kinzig-Kreis engagieren sich für eine bessere Zukunft

Gemeinsam für eine bessere Zukunft einsetzen – das ist vielen Menschen heutzutage ein großes Anliegen. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen!

Vor einigen Wochen entschied der Bad Orber Journalist, Coach und Veranstalter Ralf Baumgarten, zugunsten der NES-Schule in Beirut, Libanon, eine Benefiz-Aktion zu veranstalten: den 12-Stunden-Lauf. Natürlich ist er auch selbst dabei, und auch Dorothea Gschwandtner, unsere internationale Geschäftsführerin, wird sich am Karfreitag auf den Weg machen – zwölf Stunden für die NES.

Zwölf Stunden sind eine Menge, entschied der Orber Künstler Wolfgang Rieger – und spendet stattdessen eins seiner Bilder für die Aktion, das bis Sonntag, 23. April, im Schaufenster des Juweliers Plagemann in der Orber Hauptstraße ausgestellt ist und versteigert wird (bitte ein schriftliches Angebot im verschlossenen Kuvert abgeben bei Michael Plagemann oder bei Ralf Baumgarten im Printhouse, Birkenallee 2a, in Bad Orb; der Startpreis liegt bei EUR 250,-).

Zwölf Stunden schaffen wir, aber am besten alle gemeinsam, entschied die NES-Schule in Beirut, und lief selbst bei der Benefiz-Aktion mit. Und zwar bereits vor zwei Wochen: 161 Kinder aus den Jahrgangsstufen 3 bis 9 liefen insgesamt 864 Kilometer in 127 Stunden. Eine beachtliche Leistung! Vielleicht ein Motivationsgrund, diese 161 Schülerinnen und Schüler in ihrem Lauf zu „sponsern“? Oder am besten selber mitlaufen und spenden?

Wir suchen noch mehr Bürger im Main-Kinzig-Kreis – und gerne in ganz Deutschland – die „zwölf Stunden für die NES“ spenden!

Und warum das ganze? Um dazu beizutragen, dass die NES-Schule im Libanon weiterhin eine „Oase des Friedens“ bleiben kann. Denn der kleine Staat im Nahen Osten versinkt immer weiter im Chaos, eine der vergessenen Krisen der Welt. Unsere internationale Geschäftsführerin, Dorothea Gschwandtner, ist eben von dort zurückgekehrt. Sie berichtet von einem Land, in dem immer mehr zerfällt. Von Tunneln und Straßen, an denen nicht mal mehr die Lampen brennen. Von Gehältern, die fast nichts mehr wert sind, und Lebensmittelcoupons, die Lehrern und Familien helfen, durch den Monat zu kommen. Von Tanksäulen, an denen Null-Ziffern aufgeklebt werden, weil der Wert der Währung immer rascher sinkt und die Computer die hohen Zahlen nicht mehr wiedergeben können. Von Gesundheitsversicherungen, die schon lange nicht mehr greifen und Menschen vor allem mit chronischen Erkrankungen in ihrem Leid alleine lassen.

Doch inmitten dieser zerfallenden Welt gibt die NES-Schule den 338 Schülerinnen und Schülern einen sicheren Halt. Einen Ort, an dem der Alltag weitergehen kann. Einen Ort sogar, an dem der Alltag mit Freude erfüllt ist: besondere Feiern zum Muttertag, Fußball- und Basketballturniere, kreativer Unterricht, und zur Abwechslung auch mal ein „12-Stunden-Lauf“! Ein Ort vor allem, an dem jedes einzelne Kind wichtig ist, an dem jede Schülerin und jeder Schüler ernst genommen und wertgeschätzt wird. „You are the joy in our lives“ – „Ihr seid die Freude in unserem Leben“ – betonte eine Mutter nach der Muttertagsfeier.

Wie auch Sie von dieser Freude verschenken können, erfahren Sie auf der Seite „12 Stunden für die NES„.

Und wenn Sie sehen möchten, wie viel Spaß die NES-Schüler bei ihrem Lauf hatten, dann schauen Sie die 153. Folge des Podcasts Walkmän (mit Interview aus Beirut sowie Interview mit dem Künstler):

Zum Podcast auf YouTube

Zum Podcast auf Spotify

Zum Podcast auf Apple Podcasts

Weitere Infos zur Gemälde-Versteigerung auf „Mein Blättche“ online