Der entscheidende Schritt

STEP-Bildungsprogramm im Libanon verändert Kinderleben nachhaltig

„Diese Kinder, sie kommen alle aus zerrütteten Familien. Sie haben kein Geld, sie haben nichts. Einige sind Waisenkinder; fast alle Familien sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Die Hälfte kam erst kürzlich aus Syrien. Diese Kinder sind enorm traumatisiert; die meisten mussten mit ansehen, wie Menschen vor ihren Augen getötet wurden.

Und wenn sie dann hier angekommen sind … keiner weiß so recht, wie sie überleben. Das Familieneinkommen reicht meist kaum für die Miete; deshalb wohnen oft zwei oder drei Familien gemeinsam in einer Wohnung. Kleidung können sie sich nicht wirklich leisten; viele Kinder haben keine Winterjacke, nicht einmal Socken!“

Vor über zehn Jahren wurde das „STEP“ Bildungsprogramm für syrische Kinder im Libanon gegründet, die aus verschiedenen Gründen – meist fehlenden Papieren – keine staatliche Schule besuchen können. Seit 2019 wird es als Nachmittagsprogramm an der NES-Schule in Beirut angeboten; acht zertifizierte Lehrer unterrichten Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse in den Fächern Arabisch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Sport und Religion nach offiziellem Lehrplan. Derzeit besuchen 168 Kinder das Programm – und zahlreiche weitere stehen auf der Warteliste.

„Für mich ist das STEP Programm wie eine Mission“, erklärt Jerome, STEP-Koordinator. „Ich sehe diese Kinder, die nichts haben, die keine Perspektive haben – aber wir sehen auch die Veränderung in ihrem Leben, sozial, emotional, akademisch. Das Umfeld der Kinder außerhalb der Schule ist hart. Manche sind Waisen, viele müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Wir haben gelernt, sie ganzheitlich zu fördern – und ihre zweite Familie zu sein!“

Das ist die Realität vieler Kinder im STEP-Programm: den ganzen Vormittag arbeiten, um Geld zu verdienen, beim Frisör, im Straßencafé, in Gemüseläden … und dann am Nachmittag von 15 Uhr bis 18.30 Uhr Schulunterricht, danach noch Hausaufgaben oder mehr Arbeit. Ein Fünftklässler schuftet von 6 Uhr morgens bis 14.30 Uhr in einem Gemüseladen und verrichtet dort die ganze harte Arbeit: für einen Dollar pro Tag. Seine gesamte Familie – mindestens fünf Personen – ist von seinem Gehalt abhängig. Von der Arbeit aus kommt er direkt in die Schule.

„Dieser Junge ist ein Mathegenie, der Klassenbeste“, berichtet Sophia, Educational Coordinator für STEP. „Und es ist meine Entscheidung, wie ich reagiere: Ich kann mit ihm schimpfen, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, oder ich kann anerkennen, dass er den ganzen Tag hart gearbeitet hat und ihm zehn Minuten Zeit geben, um seine Aufgaben zu machen. Auf diese Art hat er sich in allen Fächern enorm verbessert!“

Jedem einzelnen Kind eine gerechte Chance zu ermöglichen und einen sicheren Zufluchtsort zu schenken – das ist die Mission des STEP-Teams. Dazu gehört auch die Förderung individueller Talente: wie der Junge, der seinem Vater den ganzen Tag in einem Straßencafé hilft und nebenher Zeichnungen macht, die er dann in der Schule verkauft; im vergangenen Dezember arrangierte die Schule eine Ausstellung für ihn, um sein kleines „Gewerbe“ zu unterstützen.

Aber dazu gehört ebenso, den Kindern ein wenig Licht in ihrem Alltag zu schenken. „Diese Kinder haben nichts – sie wissen nicht mal, was es bedeutet, Spaß zu haben. STEP ist alles, was sie haben! Deshalb versuchen wir auch ein paar besondere Aktivitäten für sie anzubieten – zum Beispiel kreative Projekte im Unterricht, ein Fußballturnier, etwas Besonderes an Feiertagen, kleine Geschenke zu Weihnachten. Einmal hatten wir eine Hüpfburg, die Kinder konnten es kaum fassen, sie spielten und spielten … das wird ihnen für immer in Erinnerung bleiben. Ihr Alltag ist ansonsten so traurig!“

Seit Frühjahr 2025 kann im Rahmen des neuen NES-Therapieprogramms auch für STEP-Schüler psychologische Beratung und personalisierte Traumatherapie angeboten werden. Denn bei diesen Kindern ist der Bedarf besonders groß. Sarah, die Schultherapeutin, kümmert sich intensiv um die Kinder und freut sich über jeden großen oder kleinen Erfolg. Auch mit dem Jungen, der im Gemüseladen arbeitet, hat sie viel Zeit verbracht. „Anfangs konnte er niemandem so wirklich in die Augen schauen, er saß immer mit hängendem Kopf da … aber jetzt hat sich seine Perspektive völlig verändert, er lässt sich nicht mehr zum Opfer machen, es geht ihm wirklich viel besser!“

Aber das STEP-Team möchte nicht nur für die Gegenwart der Kinder ein Hoffnungslicht sein, sondern auch für ihre Zukunft eine echte Perspektive schenken. Dafür kann, nach jahrelanger Vorarbeit, in diesem Jahr ein entscheidender Schritt gemacht werden. Zum ersten Mal wird eine 6. Klasse angeboten – und zum ersten Mal können diese Sechstklässler am Ende des Schuljahrs auf eine Berufsschule wechseln. Dort können sie aus verschiedenen Ausbildungszweigen wählen und einen Beruf erlernen, mit dem sie dann ein adäquates Einkommen verdienen.

„Ich finde es einfach großartig, was jetzt möglich ist“, betont Sophia. „Bisher hatten diese Kinder keine Zukunft, viele endeten auf der Straße, haben unter den Brücken Taschentücher verkauft … und diese Kinder haben so viel Potential! Doch jetzt können sie lernen, was sie möchten: Ingenieur, Modedesigner, Buchhalter, egal was! Sie erhalten ein Zertifikat und können einen guten Job finden. Hier bei STEP bekommen sie die Grundlagen, die sie benötigen, und später haben sie einen richtigen Beruf – das verändert ihr Leben nachhaltig, es ist einfach toll!“

Auch Marlene, Schulleiterin der NES, ist begeistert über diese neue Entwicklung: „Das ist das Wichtigste: dass sie ihre Ausbildung weiterführen können. Vor allem für die Mädchen – viele Eltern wollen sie einfach nur verheiraten. Wir arbeiten intensiv durch Schulungen und Einzelberatung daran, dass Eltern verstehen, wie wichtig Bildung für ihre Töchter ist.“

Der erste entscheidende Schritt in eine Zukunft, die den Teufelskreis von Armut und Perspektivlosigkeit durchbricht: Das ist das „STEP“-Programm der NES im Libanon. Und dafür setzt sich das STEP-Team mit viel Energie und Hingabe ein, denn „wenn wir ihr Potential sehen, dann können wir richtig in sie investieren, dann kann sich ihr Leben um 100% verändern!“, bekräftigt Bildungskoordinatorin Sophia. „Es ist ja meine Entscheidung, wie ich die Kinder behandle – und ich bin so froh, dass ich mich entscheiden darf, einen wirklichen Unterschied in ihrem Leben zu machen!“

 

Helping Hands e.V. hat das STEP-Programm seit seiner Gründung 2014 umfassend gefördert; momentan vor allem durch Patenschaften und Schulpäckchen. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass noch mehr Kinder aus Flüchtlingsfamilien im Libanon den entscheidenden Schritt in eine bessere Zukunft machen können, dann spenden Sie bitte mit dem Vermerk „STEP Libanon“ (zur Online-Spende).

Kein Alltag voller Angst

Therapieprogramm an NES-Schule in Beirut bewirkt bemerkenswerte Veränderungen

Es ist bereits bitterer Alltag geworden in Beirut: das stetige Summen der Überwachungsdrohnen des Nachbarstaates, Explosionen in West-Beirut, Nachrichten über Angriffe und Gegenangriffe im Süden. Auch in dem Stadtteil, in dem sich die NES-Schule befindet, sind diese Geräusche des Krieges deutlich zu hören – für viele der Kinder und Familien eine tagtägliche Erinnerung an das Trauma, das sie durchlebt haben.

Da sind zum Beispiel die Kinder, die mit ihren Familien in West-Beirut lebten, als es regelmäßig bombardiert wurde. Ihre Häuser sind zerstört und die Familien haben sich eine Bleibe in der Nähe der Schule gesucht. Trotzdem können die Kinder nachts oft nicht schlafen; die Erinnerung an das Erlebte sitzt zu tief.

Und dann sind da Kinder wie die Zwillingsbrüder Damien* und Eric*, die, wie viele andere, mit ihren Familien aus dem Süden fliehen mussten und früh im letzten Schuljahr plötzlich vor der Tür der NES-Schule standen. Die Zweitklässler – voller Angst und Trauma der Bombenangriffe und erlebten Konflikte – waren sichtlich erleichtert, dass sie endlich in einer sicheren Umgebung waren.

Auch die Eltern leiden – und mit ihnen wiederum ihre Kinder. Etwa die Hälfte der Schüler in der NES und im STEP-Nachmittagsprogramm stammt aus syrischen Flüchtlingsfamilien. Zwar wurden viele der Kinder erst in Beirut geboren. Doch ihre Eltern haben das Trauma aus Syrien mitgebracht, und durch die aktuellen Ereignisse wird es immer wieder neu aufgewühlt. Eine Mutter brach in einer Gruppentherapie in Tränen aus und beschrieb ihre Reaktion beim größten Angriff vor einem Jahr, der in Beirut zu spüren war wie ein Erdbeben: „Ich saß auf dem Boden und weinte, denn plötzlich war ich wieder das junge Mädchen in Syrien, voller Angst vor den Bombenangriffen … mein kleines Kind kam zu mir und musste mich trösten, so eine schlechte Mutter bin ich!“

Um diesen Kindern und ihren Familien emotionale Heilung und eine angstfreie Zukunft zu ermöglichen – ihnen, und den vielen anderen, die extreme Wirtschaftskrise, Pandemie, Hafenexplosion und Erdbeben durchlebt haben – hat die NES-Schule im Frühjahr das Therapieprogramm begonnen, das wir als unser Jahresprojekt 2025 fördern. Schulungen und Gruppenangebote für Kinder, Eltern und Lehrer werden ergänzt durch Einzelgespräche mit Sarah, der Schulpsychologin; auch die syrische Mutter kam zwei Monate lang jeden Tag zu ihr und sie sprachen intensiv darüber, wir ihr Trauma ihren Alltag bestimmte.

Und schon nach kurzer Zeit hat das Programm einen großen Unterschied gemacht. Kinder und Eltern haben gelernt, ihre Gefühle bewusst einzugestehen und in Worte zu fassen, ihre Bedürfnisse klar zu benennen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und aktiv ihre emotionale Gesundheit zu fördern. Lehrer und Eltern haben zusätzlich gelernt, mit ihren Gefühlen und Erfahrungen so umzugehen, dass die Kinder davon ermutigt, nicht verängstigt werden. Die junge Mutter aus Syrien weiß nun, dass es völlig in Ordnung ist, solche Emotionen zu haben, dass sie darüber auch mit ihren Kindern sprechen darf, und deshalb keine schlechte Mutter ist!

Auch die Zwillingsbrüder Damien und Eric haben von der heilenden Atmosphäre und dem Therapieprogramm profitiert: „Von dem Moment an, als sie die Schule betraten, begann der Heilungsprozess. Sie gewöhnten sich schnell an die neue Umgebung, konnten wieder strukturiert lernen, wurden emotional, sozial und geistlich gefördert … Die Veränderung war bemerkenswert. Die Zwillinge holten nicht nur ihren Rückstand auf, sondern übertrafen sogar ihre Mitschüler. Die NES-Schule brachte ihnen den nötigen Frieden und die Heilung, um ihre Liebe zum Lernen – und zum Leben selbst – wieder zu entfachen.“

Nach einer erfolgreichen Pilotphase im Frühjahr hat die NES das Therapieprogramm fürs neue Schuljahr Ende September in geringerem Umfang gestartet. Noch fehlen die Mittel, das Programm fürs ganze Schuljahr bzw. in vollem Umfang umzusetzen. Die Kinder, Familien und Personal der NES-Schule in Beirut sind für jede Unterstützung dankbar! Bitte überweisen Sie mit Vermerk „NES Therapie“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

* Namen geändert. Das Foto zeigt eine gestellte Situation mit der Therapeutin.

Schulartikel machen Schule möglich!

Schüler im Libanon sind begeistert über „Schulpäckchen“ von Helping Hands

„Die Kinder konnten es erst gar nicht glauben! Als sie im September wieder in die Schule kamen und jedes Kind ein Schulpäckchen als Willkommensgeschenk vorfand, meinten viele: ‚Aber wir haben das doch gar nicht bezahlt.‘ Sie waren total überrascht, als wir ihnen sagten, dass es ein Geschenk ist!“

An der NES-Schule in Beirut, Libanon, kommen die meisten Schüler aus Familien, die sich kaum das nötigste Schulmaterial leisten können. Die Päckchen zu Schulanfang waren eine große Erleichterung für sie. „Die Kinder nutzen dieses Schulmaterial wirklich voll aus“, berichtet Josette M., Student Life Dean an der NES. „Die älteren Kinder waren vor allem über das Geodreieck begeistert – das brauchen sie dringend für den Unterricht, aber es ist für die meisten Schüler viel zu teuer. Das Geodreieck war echt der Hit!“

Seit Jahren befindet sich der Libanon in einer Wirtschaftskrise; Alltägliches ist unerschwinglich teuer geworden. Die NES-Schule bemüht sich, so vielen Kindern wie möglich einen Schulplatz zu geben und sich um die Bedürfnisse der einkommensschwächsten Familien zu kümmern. „Besonders für Familien, die zwei oder mehr Schulkinder haben, ist es sehr schwer, das nötige Schulmaterial zu kaufen“, erklärt Marlene M., Schulleiterin der NES. „Die Unterstützung von euch hat wirklich einen riesigen Unterschied gemacht!“

Und damit werden nicht nur dringende Bedürfnisse erfüllt, sondern den Kindern auch ebenbürtige Wertschätzung vermittelt. „Was mich besonders bewegt hat, ist, dass mit diesem Geschenk alle Kinder gleich und gerecht behandelt wurden“, betont Josette. „Das Leben ist selten fair, viele dieser Schüler werden ständig benachteiligt – aber in diesem Moment, als die Kinder ihre Schulpäckchen bekamen, da waren sie alle gleich.“

In der regulären NES-Schule erzeugten die Päckchen und zusätzliches Schulmaterial große Freude und Begeisterung. Im STEP-Nachmittagsprogramm für Flüchtlingsfamilien bewirkten sie jedoch noch viel mehr:

„Ohne diese Schulpäckchen hätten wir das STEP-Programm dieses Jahr überhaupt nicht durchführen können“, bekräftigt Sophia N., Education Coordinator für STEP. „Die Kinder haben ja nicht mal Schultaschen! Sie kommen mit nichts – das Schulmaterial in den Päckchen hat den Unterricht für sie erst möglich gemacht.“

Das STEP-Programm wurde vor Jahren eingerichtet, um solchen geflüchteten Kindern eine Bildung zu ermöglichen, die aufgrund fehlender Papiere oder anderer Herausforderungen nicht in regulären Schulen aufgenommen werden können. Inzwischen hat sich das Programm so positiv entwickelt, dass es für die Schüler tatsächlich der notwendige „Schritt“ in eine erfolgreiche Zukunft sein kann. Aber ihre Familien können sich kaum die nötigsten Lebensmittel leisten – Schulmaterial und Schulkleidung sind für sie unbezahlbar. „Wir versuchen als Schule, die Kinder hier und da mit dem Nötigsten auszustatten“, erklärt Marlene. „Aber es ist nicht einfach; unsere Ressourcen sind doch sehr begrenzt. Eure Schulpäckchen haben den entscheidenden Unterschied gemacht!“

 

Um die 515 NES- und STEP-Schüler für dieses Schuljahr mit dem nötigen Material zu versorgen, haben wir sämtliches bisher gespendetes Schulmaterial in den Libanon transportiert – ein riesiges Dankeschön an alle, die sich daran beteiligt haben! Für nächstes Schuljahr möchten wir mindestens die STEP-Schüler (derzeit ca. 160) mit dem Nötigsten ausstatten. Dafür brauchen wir eure Hilfe! Jede Unterstützung schenkt einem geflüchteten Kind die Chance auf Bildung: selbstgepackte Schulpäckchen (siehe Packliste), weitere Sachspenden für Schulmaterial (siehe Liste unten) oder Spenden, um Schulbedarf vor Ort zu kaufen (bitte im Online-Formular „Schulpäckchen“ auswählen oder mit diesem Verwendungszweck überweisen). Wir freuen uns auch über Spenden für den Transport in den Libanon!

 

Zusätzlich zu „normalen“ Schulpäckchen freuen die NES- und STEP-Schüler sich besonders über folgende Schulartikel:

Buntstifte (Kindergarten, Grundschule)
Zirkel (Klasse 6-9), möglichst in Box zum sicheren Aufbewahren
Tipp-Ex oder ähnliches (Klasse 7-9)
Mäppchen/Etui für Stifte
weitere Hefte (A4 und A5), kariert oder liniert

Es regnet unaufhörlich

Monsun-Katastrophe in Ost-Nepal dauert an

Vor drei Wochen wurden die Bergdörfer Ithung und Ghalegaun in Ost-Nepal von verheerenden Monsun-Regenfällen und Erdrutschen heimgesucht. Viele der Familien aus unserem integrativen Kinderzentrum in diesen beiden Dörfern waren stark betroffen.

Jetzt haben dort wieder die Unwetter begonnen – obwohl die Regenzeit längst vorbei sein müsste. „Seit 24 Stunden regnet es unaufhörlich“, berichtet Aindra, unser Partner vor Ort, am Freitag. „In Ithung und Ghalegaun hat es bereits weitere Erdrutsche gegeben.“ Vom Staat wurden Warnungen ausgesprochen, weil ähnlich schlimme Auswirkungen wie zuvor befürchtet werden. Das Gebiet ist bereits vom Rest des Landes abgeschnitten; auch zwischen den einzelnen Dörfern sind die Verkehrswege zerstört. Die Angst vor einer weiteren Katastrophe ist groß.

Trotzdem gibt es auch viel Mut und Zuversicht, wie Aindra betont: „Wir sind so dankbar, dass ihr den Familien in Ghalegaun helfen wollt. Eure Unterstützung macht für den Neubeginn den entscheidenden Unterschied!

Die Familien brauchen Hilfe vor allem mit neuem Saatgut und Setzlingen. Bewässerungsrohre und -kanäle müssen ersetzt oder geflickt werden und Ställe und Häuser repariert oder wieder aufgebaut. Alles wird mit der Selbsthilfegruppe vor Ort geplant, damit wir den Familien nicht nur helfen, sich von diesem Schock zu erholen, sondern damit sie wirklich unabhängig und finanziell selbstständig werden!“

Wir möchten die Familien in Ghalegaun und Ithung in dieser Lage wissen lassen, dass sie nicht allein sind! Wenn Sie die Eltern unserer Schulkinder beim Neustart unterstützen möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Nepal Katastrophenhilfe“ (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394; zur Online-Spende).

„Warum ist denn hier alles so grün?“

„Warum ist denn hier auf einmal alles so grün?“ Diese Frage wurde unserem Partner in Madagaskar von Leitern der katholischen Kirche gestellt, die grade ein kleines Kloster in Andranovory besuchten. Bisher kannten sie das Dorf im Süden Madagaskars nur als trockenes Land mit roter Erde. Aber jetzt blühen dort auf einmal überall Gemüsefelder. Was im vergangenen Jahr noch ein vorsichtiger Anfang war, ist nun sichtbar gewachsen: auf den Feldern, in den Köpfen und in der Hoffnung der Menschen.

Die Einwohner Andranovorys haben immer wieder mit langen Dürreperioden zu kämpfen, die nicht nur den landwirtschaftlichen Anbau, sondern auch die meiste Zeit im Jahr die tägliche Trinkwasserversorgung zur großen Herausforderung machen. Aus diesem Grund haben wir mit unserem Partner vor Ort, der „Association Precious“, ein Projekt zur nachhaltigen Ernährungssicherheit gestartet. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen – bzw. werden von Außenstehenden ja bereits gesehen.

Zu Beginn der neuen Projektphase in 2024 konnten wir schöne Synergieeffekte mit einer anderen lokalen Organisation nutzen und haben unter Einbindung der lokalen Bevölkerung begonnen einen kleinen Kanal von dem nächsten Fluss bis ins Dorf zu graben. Ein großer Tank am Ende des Kanals versorgt nun die Bewohner Andranovorys das ganze Jahr mit Wasser und das an zwei verschiedenen Stellen im Dorf.

Mit Wasser lässt sich auch Land neu denken. Die Zahl der bepflanzten Felder ist deutlich gestiegen. Auch Gemüse, das zuvor als „unmöglich“ galt, wächst nun regelmäßig – darunter Tomaten, Auberginen und Papaya. In kleinen Baumschulen werden Obstsetzlinge und Moringa herangezogen. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Landwirtschaft: Kompost, Permakultur, biologische Schädlingsbekämpfung mit lokalen Pflanzen.

Neben den landwirtschaftlichen Schulungen für die Gruppen hat das vergangene Jahr auch gezeigt, wie wichtig begleitende Betreuung ist. Die fünf lokalen Gruppenleiter und die zwei Techniker aus Antananarivo führen weiterhin regelmäßige Hausbesuche durch, beraten bei Schädlingsbefall oder Missernten, erinnern an Gießzyklen oder organisieren Nachschulungen.

Denn auch Rückschläge gehören dazu. Nicht alle 150 teilnehmenden Haushalte konnten durchgehend gute Ernten einfahren. Vor allem die ersten Reisaussaaten waren vom extremen Wetter betroffen. Doch was 2023 noch fast undenkbar schien, wurde Wirklichkeit: Die erste Reisernte im trockenen Süden Madagaskars. Durchschnittlich 1,8 Tonnen Reis konnten pro 200 m² Feld geerntet werden – für viele Familien ein historischer Moment. Nicht nur für den Eigenverbrauch, sondern auch als Einnahmequelle.

Das Projekt wirkt – nicht nur im Boden, sondern auch in den Köpfen. Immer mehr Menschen aus Nachbardörfern fragen nach Schulungen, nach Saatgut, nach Hilfe für eigene Felder. Die Nachfrage wächst schneller, als das Team sie im Moment bedienen kann.

Die Projektleiter Therese und Richard sind realistisch, aber motiviert. Sie wissen: Veränderung braucht Zeit, vor allem dort, wo Generationen in Mangel gelebt haben. Und sie braucht Geschichten, die Hoffnung machen. Geschichten wie die von Jeanne, die dieses Jahr zum ersten Mal genug geerntet hat, um auf dem Markt in der nächstgrößeren Stadt verkaufen zu können. Oder von Fidèle, der seinen Reisvorrat in einem gemauerten Vorratslager trocken einlagern konnte – auch das war früher undenkbar.

Was als kleiner Impuls begann, wird in Andranovory zunehmend zu einem kollektiven Prozess. Die Herausforderungen bleiben groß, doch der Zusammenhalt, die neu gewonnene Eigenständigkeit und das Wissen, dass Veränderung möglich ist, tragen erste Früchte – im wahrsten Sinne.

„Wer wird uns helfen?“

Verheerende Monsun-Regenfälle in Nepal bedrohen die Existenz unserer Kinderzentren-Familien

„Ich hatte einen Traum, dass diese Kardamom-Farm das Leben meiner Familie verändern würde. Dass ich meinen Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen kann. Aber mein Traum ist mit dem Monsunregen und Erdrutsch hinweggefegt worden. Jetzt habe ich große Sorge, dass wir sogar unsere Heimat verlassen müssen.“ (Vater von Pavitra*, Schülerin im Ghalegaun Kinderzentrum)

Während die deutschen Medien größtenteils von gestrandeten Touristen auf dem Mt. Everest berichteten, ereilte Tausende von Familien im Osten Nepals ein viel dramatischeres Schicksal. Unglaublich heftige Regenfälle – mehr als doppelt so viel Wasser wie bei „extrem stark“ eingestuften Regenfällen – lösten verheerende Erdrutsche aus. Im Bezirk Ilam kamen dabei Dutzende von Menschen ums Leben, auch im angrenzenden Bezirk Pachthar gab es zahlreiche Todesfälle. Viele verloren fast alles, was sie besitzen. Die Infrastruktur ist weitestgehend zerstört und die Bezirke dadurch vom Rest des Landes abgeschnitten; viele Ernten sind vollständig vernichtet, inmitten der Haupt-Erntesaison ein herber Verlust.

Unser integratives Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun liegt mitten im am stärksten betroffenen Gebiet.

Und dabei hatte sich dort schon so viel positiv verändert in den letzten Jahren! Kinder haben durch das Kinderzentrum eine echte Chance auf gute Bildung. Familien haben sich kleine Gewerbe aufgebaut, Gärten und Felder angelegt, ihre Viehzucht optimiert und so nach und nach ihr Einkommen so sehr verbessert, dass sie greifbare Hoffnung für die Zukunft gefasst haben.

In einer einzigen Nacht wurden Träume zerstört und Hoffnung zunichte gemacht.

Es war der 4. Oktober, und das Dorf Ghalegaun feierte Dashain, ein zweiwöchiges Fest, das wichtigste im nepalesischen Jahr. Viele Felder waren reif für die Ernte; nach dem Fest sollte die Arbeit losgehen. Doch mitten in der Nacht kam das Unwetter.

„Um Mitternacht waren die Regenfälle so schrecklich, ich konnte mein Land nicht retten“, berichtet Pavitras Vater. „Wir hatten auch Angst, dass unser Zuhause mit weggerissen wird. Im Dunkeln, im Regen sind wir aus dem Haus gerannt, um uns zu retten. Wenn es weiter so regnet, dann wird noch alles den Hügel hinabgerissen.

Ich hatte einen Kredit von der Bank aufgenommen, um diese Kardamom-Farm anzupflanzen. Sie war reif für die Ernte, nach Dashain wollten wir beginnen; mit dem Erlös wollte ich auch den Kredit abbezahlen. Aber der Regen hat die ganze Farm in den Fluss gespült. Hunderttausend Rupien sind jetzt verloren. Ich hatte noch so viele Pläne – ich wollte mehr anpflanzen, Ställe für eine Kuh und Ziegen bauen, ich wollte meiner Familie ein Zuhause bauen, weil wir noch bei Verwandten wohnen. Jetzt habe ich Angst, dass die Bank kommt und ihr Geld fordert, und mir mein Land nimmt, und ich mit meiner Familie meine Heimat verlassen muss.“

Glücklicherweise gab es in den Dörfern Ghalegaun und Ithung keine Todesfälle. Aber Pavitras Familie ist nicht die einzige in unserem integrativen Kinderzentrum, die große Verluste erlitten hat. Das Haus einer Familie ist komplett zerstört, sie sind bei Verwandten untergekommen. Drei weitere Häuser sind stark beschädigt, aber die Familien wohnen trotz der Gefahr weiter darin, weil sie keine andere Option haben. Mehrere Familien haben ihre Ställe verloren, und fast alle Familien haben ihre Ernte und Teile ihrer Grundstücke verloren. In Ithung ist außerdem das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet, potentiell einsturzgefährdet, falls die starken Regenfälle andauern. Darüber hinaus ist sicheres Trinkwasser ein großes Problem, weil alle Leitungen beschädigt sind – ein enormes Gesundheitsrisiko, vor allem für die Kinder.

Nun stehen die Familien vor großen Herausforderungen. Ranjana, deren Haus zerstört wurde, fasst ihre Sorge in Worte:

„Ich habe kein Haus, keine Betten und keine Decken. Der Winter steht vor der Tür, wie soll ich meine Kinder vor der Kälte schützen? Meine Kinder haben ihre Schuluniformen, Bücher und anderes Material verloren, wie sollen sie nun zur Schule gehen? Ich habe meine Lebensmittelvorräte verloren, wie sollen wir überleben? Bis jetzt hat uns noch keiner von der Regierung besucht, wer wird uns helfen? Ich habe wegen der medizinischen Behandlung meines Kindes vor einigen Monaten einen Kredit aufgenommen. Ich hatte vor, die Raten nach Dashain zu bezahlen, aber nun kommen noch mehr Probleme hinzu.“

Die Familien in Ghalegaun leiden unter enormer emotionaler und finanzieller Belastung. Die positiven Entwicklungen der letzten Jahre durch das integrative Kinderzentrum hatten ihnen viel Hoffnung gegeben, dass sie ihren Kindern tatsächlich eine gute Zukunft ermöglichen können. Aber jetzt wagen viele nicht mehr, an diesen Traum zu glauben.

Wir möchten unsere Familien in Ghalegaun in dieser Lage nicht allein lassen!

Vier Jahre haben wir mit den Kindern und Familien in Ithung und Ghalegaun Seite an Seite an ihrer Zukunft mitgewirkt. Und diese Zukunft ist weiterhin greifbar! Wir möchten vor allem die Haushalte, die ihre Ernte, Felder oder Ställe verloren haben, beim Neuanfang unterstützen. Dafür brauchen wir Ihre helfenden Hände!

Wenn Sie gemeinsam mit uns weiter in eine hoffnungsvolle Zukunft für die Kinder und Familien in Ithung und Ghalegaun investieren möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Nepal Katastrophenhilfe“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende). Alternativ können Sie auch eine Patenschaft für ein Kind in diesem Kinderzentrum übernehmen (im Online-Patenschaftsformular „Nepal Kinderzentren“ wählen).

Eine Geschichte mit Happy End?

Lunathi, Leiter des Bonani-Kinderzentrums in Südafrika, erzählt

„Als meine Oma starb, da dachte ich: Mein Leben ist zu Ende. Sonst hatte ich ja niemand! Ich war mir sicher: Jetzt hab ich keine Zukunft mehr.“

Elf Jahre alt war Lunathi damals – elf Jahre Kummer, Scham, und Einsamkeit. Die Mutter war kurz nach seiner Geburt verschwunden, der Vater schon immer stark alkoholabhängig – und das ganze Dorf wusste von ihrer Schande. In dem kleinen Kalinyanga nahe Engcobo im Ostkap Südafrikas waren die Chancen für Kinder aus ärmeren Haushalten ohnehin sehr gering. Für einen Jungen ohne Familie war von vornherein klar: Ich kann ja doch nichts aus meinem Leben machen.

Zwar kümmerte die Großmutter sich um den verlassenen Enkel, aber da waren auch noch die zahlreichen Cousins und Cousinen, Onkels und Tanten, die ihre Aufmerksamkeit forderten und dem kleinen Neffen nicht gerade ein Gefühl der Geborgenheit vermittelten.

„Ich wuchs in einem sehr gefährdeten Umfeld auf“, erinnert sich Lunathi. „Ich fühlte mich nie sicher – denn ich hatte ja keine Eltern, die einen Ort der Sicherheit für mich schaffen, die mir das Gefühl geben, geliebt zu sein.

Als meine Oma dann auch noch starb, da wusste ich nicht mehr weiter. Wozu sollte ich überhaupt weiterleben? Ich wurde stark depressiv; ich hatte keine Perspektive mehr.“

Für ein paar Jahre nahmen verschiedene Dorffamilien den heimatlosen Jungen bei sich auf, doch nirgendwo fühlte er sich so recht daheim. Bis Mama Ayanda, eine leitende Person im Dorf, dem inzwischen Vierzehnjährigen ein Obdach bot.

Das war für Lunathi die entscheidende Wendung. Denn Mama Ayanda – mit ihrer liebevollen, fürsorglichen Art, mit ihrem unerschütterlichen Glauben an das Potential vor allem auch in den Personen, die die Gesellschaft schon abgeschrieben hat – Mama Ayanda gab dem einsamen Teenager nicht nur eine Bleibe, sondern war ihm eine Mutter und schenkte ihm eine echte Heimat.

„Ich bin so dankbar für alle, die mir eine Zuflucht gaben, die mir einen sicheren Ort schenkten. Ich habe wieder gelernt zu träumen, ich konnte wieder eine Zukunft sehn.“

Allen ursprünglichen Erwartungen zum Trotz schaffte Lunathi den Absprung. Er beendete seine Ausbildung, fand Freunde, die ihm in Kapstadt einen Neustart ermöglichten, engagierte sich dort viele Jahre in einem karitativen Werk, besuchte Weiterbildungen für den Umgang mit Kindern aus gefährdetem Umfeld, baute sich ein neues Leben in der Großstadt auf.

Eine Geschichte mit Happy End?

Ja – aber ein Happy End, das nicht nur der Hauptfigur eine glückliche Zukunft verspricht!

Denn nach einigen erfolgreichen Jahren in Kapstadt entschloss Lunathi sich, in sein Heimatdorf zurückzukehren.

„Ich wusste: Da sind so viele Kinder in meinem Dorf, denen es genauso geht wie mir damals, die aufwachsen ohne Sicherheit, ohne Menschen, die sie liebhaben, und denen oft das Nötigste fehlt. Ich wollte, dass sie die gleiche Chance bekommen, die ich erhalten habe. Ich wollte, dass wir für diese Kinder einen Ort schaffen, wo sie sicher sind.“

Für die Kinder in Kalinyanga hat sich seit Lunathis Kindheit nichts gebessert. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, viele der ärmeren Familien leben größtenteils von der mageren staatlichen Rente der Großeltern – oft mehr als zehn oder fünfzehn Personen pro Haushalt. Zahlreiche junge Mädchen sehen ihre Zukunftschance darin, schnell ein paar Kinder in die Welt zu setzen, um dann vom ebenfalls nicht üppigen staatlichen Kindergeld ihre eigenen Wünsche nach Konsumgütern und Entertainment zu befriedigen – für die Grundbedürfnisse der Kinder bleibt kaum etwas übrig. Hunderte von Kindern wachsen auf mit der Überzeugung, dass sie nicht gewollt und nicht geliebt sind. Bei ungenügender Ernährung, mangelhafter Hygiene und fehlenden Ressourcen für den Schulbesuch ist ihre Chance auf eine gesunde Entwicklung gleich Null.

Um das zu ändern, dafür kehrte Lunathi nach Kalinyanga zurück. Gemeinsam mit Mama Ayanda gründete er das „Bonani“ Kinderzentrum. Was als Suppenküche für mangelernährte Kinder begann, wurde bald auf ein Bildungsprogramm ausgeweitet.

„Die Kinder kommen nach der Schule zu uns und bekommen erst mal eine nahrhafte warme Mahlzeit. Dann machen sie ihre Hausaufgaben und wir helfen ihnen dabei. Wir haben auch andere Programme, die ihre Gaben und Fertigkeiten fördern – zum Beispiel Tanz und Musik. Und vor allem ist Bonani einfach ein Ort, wo die Kinder hinkommen können und spielen und sich sicher und geborgen fühlen dürfen.

Unsere Vision ist dieser sichere Ort für die Kinder, wo wir sie auch in ihrer Bildung und gesundem Wachstum fördern können; ein Ort, an dem sie geliebt sind und wo sie selbstbewusst auf ihre Zukunft blicken können, auf ihre Träume – darin möchten wir sie unterstützen.

Unser Ziel ist aber auch, die ganze Dorfgemeinschaft positiv zu entwickeln, sodass die Eltern selbst gut für ihre Kinder sorgen können. Wir möchten die Familien stärken, ihr Bewusstsein für Themen wie angemessene Ernährung öffnen, wir möchten für Eltern Einkommensmöglichkeiten schaffen. Im Endeffekt sollen die Kinder sich überall sicher fühlen können – bei uns im Bonani-Zentrum, aber auch daheim bei ihren Familien.“

Eine Geschichte mit „Happy End“ für die Kinder in Kalinyanga?

Ja, denn an diesen vielen kleinen Erfolgsgeschichten von jungen Menschen, die geliebt und wertgeschätzt aufwachsen und eine greifbare Chance für die Zukunft haben – daran arbeiten Lunathi und Mama Ayanda mit ihrem kleinen Team von Mitarbeitern und mit einer Liebe und Hingabe, die zum Mitmachen begeistert.

Seit letztem Jahr dürfen wir sie als Helping Hands Team darin unterstützen. Beim paXan-Einsatz 2025 konnten zwei unserer Mitarbeiter sich vor Ort vom Bonani-Projekt überzeugen und die Kinder in Kalinyanga persönlich kennenlernen. Und jedes einzelne dieser Kinder hat eine Zukunft!

Damit diese Zukunft wirklich greifbar wird, suchen wir noch dringend Patenschaften für Kinder im Bonani-Kinderzentrum. Wenn Sie ein Teil dieser „Geschichte mit Happy End“ sein möchten, dann wählen Sie im Online-Patenschaftsformular bitte die Option „Südafrika: Bonani Kinderzentrum“ oder überweisen mit dem Verwendungszweck „Bonani Kinderzentrum“. Weitere Infos (auch Online-Spende) zum Projekt finden Sie auf dieser Seite.

Video zum paXan Einsatz in Südafrika 2025

Als paXan-Team haben wir für das Bonani Kinderzentrum im Ostkap Südafrikas einen Zaun gebaut: ein Zaun, der den Kindern Schutz bieten soll, der dem Kinderzentrum ein klar abgegrenztes Gelände gibt und die Eigentumsverhältnisse klärt und der die ständig durchstapfenden Schaf-, Ziegen- und Rinderherden zum Umweg ums Grundstück zwingen wird.

Hier erfährst du noch ein bisschen mehr über den Einsatz.

Und hier noch mehr über das Bonani Kinderzentrum.

Du wärst nächstes Jahr gerne dabei? Dann bleib hier auf dem Laufenden.

paXan 2025 Südafrika: Komm und sieh!

paXan-Team engagiert sich im Bonani-Kinderzentrum in Südafrika

Vor uns liegt ein steiniger Hang, bedeckt mit braunem Lehm und stachligen Grasbüscheln. Große und kleinere Felsbrocken türmen sich an den Seiten, eine staubige Straße führt den Hügel hinauf. Im Hintergrund kleine Hütten und feurig-rot-blühende Bäume; die schroffen Felsen dahinter hat der morgendliche Nebel völlig verschluckt. Links und rechts und hinter uns gelbgraue Anhöhen, gesprenkelt mit losen Siedlungen und hier und da ein Busch oder Baum, bis zum Horizont – die endlose afrikanische Weite. Und mittendrin, fast ein bisschen schüchtern, eine kleine, strahlend weiße Hütte mit blauem Dach: der erste Klassenraum des Bonani Kinderzentrums in Südafrika.

Es ist der erste Morgen unseres paXan-Einsatzes in Kalinyanga, einem kleinen Dorf im ländlichen Ostkap Südafrikas. Etwas fröstelnd stehen wir auf dem scheinbar fast leeren Hang und blicken uns um an diesem Ort, für den wir fast den ganzen Globus von Nord nach Süd umflogen haben. Aber für uns ist dieser Ort nicht leer, und auch der wabernde Nebel kann unseren Tatendrang nicht drosseln: Voll Potential ist dieser Ort, voll Zukunft und Zuversicht, angefüllt mit Kinderlachen und Träumen, die der Alltag nicht erdrücken kann.

Und wieder einmal dürfen wir als paXan-Team ein Teil davon sein, diesen Träumen noch mehr Form zu geben. Zugegeben: Unser Beitrag ist, verglichen mit der unendlichen Hingabe unserer Freunde vor Ort, eher klein. Nüchtern betrachtet bauen wir „nur“ einen Zaun: ein Zaun, der den Kindern Schutz bieten soll, der dem Kinderzentrum ein klar abgegrenztes Gelände gibt und die Eigentumsverhältnisse klärt, der die ständig durchstapfenden Schaf-, Ziegen- und Rinderherden zum Umweg ums Grundstück zwingen wird. Aber wie beim sprichwörtlichen Steinmetz, der nicht nur Steine behaut oder Säulen formt, sondern eine Kathedrale baut, ist es eben nicht nur ein Zaun, den wir errichten. Es ist Zukunft, an der wir mitbauen; Zukunft, die greifbar wird, Zuflucht, die einen Namen hat, ein Zuhause für Kinder, deren Daheim kaum diesen Namen verdient.

Jeden Tag sind sie hier, diese Kinder, die Zuhause suchen, die Zuneigung brauchen, die Zeit schenken und fordern, weil sie ihnen zusteht. Denn Bonani ist natürlich nicht nur ein Ort; Bonani, das sind Menschen, große und kleine, die Liebe brauchen und Liebe großzügig verschenken. Bonani, das sind Lunathi und Mama Ayanda, die ihr Leben in die Kinder ihres Heimatdorfes investieren. Bonani, das sind Milisa und Nelisa und Imo und die vielen anderen Kinder, die seit 2022 in diesem Kinderzentrum eine Heimat finden.

Immer wieder sind sie da, die Kinder von Bonani, während unter den fleißigen Händen unseres 11er-Teams – zehn Teilnehmer aus ganz Deutschland plus Lunathi, Gründer und Leiter des Kinderzentrums – der Zaun wächst: Erst werden einen Tag lang Steine geschleppt und ein Weg begonnen, dann mit viel Ausdauer, Schweiß (der Winter im Ostkap ist dann doch eher sommerlich) und unerschütterlicher Motivation dreiundvierzig einen-Spaten-breite-und-fünfundvierzig-Zentimeter-tiefe Löcher in den lehmigen, felsigen Boden gegraben und gehämmert. Danach geht es ans Beton anrühren – den Sand dafür holt man sich am Fluss – und kurz nach Sonnenuntergang am vierten Abend stehen 43 Pfeiler fest betoniert in der Erde. Am Freitag, während der Beton trocknet, entspannt man sich bei Gartenarbeit im Gewächshaus und beim Wegebau, und dann wird der Zaun zur Realität: 300 Meter oben und unten gespannter Strang und 150 Meter Maschendraht, meisterlich gestrafft von der gesammelten Muskelkraft des paXan-Teams und in unermüdlicher Kleinarbeit flächendeckend befestigt. Die einzigen, die beim großen Finale am Dienstagmittag nicht jubeln, sind die Schafherden, die verwirrt blökend vor der plötzlich aufgetauchten Schranke stehn.

Und auch die Kinder jubeln. Dabei haben sie eigentlich gar nicht viel zu lachen in ihrem jungen Leben – die meisten sind mangelernährt, viele unerwünscht, ungeliebt von denen, die ihnen eigentlich Familie sind. Doch das hält sie nicht davon ab, ihrer Dankbarkeit und Lebensfreude Ausdruck zu verleihen: beim leckeren Mittagessen, das Mama Ayandas Hände für sie zubereitet hat, beim ausgelassenen Spielen mit den Teammitgliedern, die gerade keine Löcher bohren, beim fleißigen Helfen auf der Baustelle, bei fröhlicher Kommunikation über Sprachbarrieren hinweg, bei jeder festen Umarmung und jedem Liebesbeweis, nach denen die Kinder sich sehnen wie nach Sonnenlicht und sie selbst so großzügig weitergeben.

„Komm und sieh“, das ist die Bedeutung des Xhosa-Wortes „Bonani“. Ein Ort, an den die Kinder von Kalinyanga kommen dürfen und dort wirklich gesehen werden. Ein Fleckchen Erde, an den wir von weither gekommen sind, um dort zu sehen, was nur mit dem Herzen sichtbar ist: nicht einen leeren Hang, jetzt fachgerecht umzäunt, sondern Zukunft, die viele Namen hat.

Das paXan-Team 2025 Südafrika

paXan Unlimited 2025 Ruanda

paXan Unlimited 2025 – Einsatz in Nyagatare, Ruanda

Christoph Nick berichtet:

Nach den durchweg positiven Erfahrungen im vergangenen Jahr ging paXan Unlimited (für Erwachsene aller Altersgruppen) 2025 in die zweite Runde. Das diesjährige paXan-Unlimited-Team bestand aus acht Teilnehmenden und reiste nach Nyagatare im Norden Ruandas. Ruanda – ein Binnenstaat in Ost- bzw. Zentralafrika – ist vielen vor allem wegen seiner tragischen Geschichte bekannt: dem Genozid von 1994. Auch wenn die Menschen heute nicht mehr als Hutu oder Tutsi, sondern als Ruander zusammenleben wollen, sind die Nachwirkungen bis heute spürbar. Viele Waisen, Verletzte und Rückkehrer kämpfen weiterhin mit den Folgen dieser dunklen Vergangenheit.

Unser konkreter Auftrag vor Ort war der Bau eines Toilettenhauses für eine lokale Schule. Bisher gab es dort lediglich je eine Toilette für Mädchen und Jungen – angesichts der gestiegenen Schülerzahlen war das völlig unzureichend. Die Regierung Ruandas achtet sehr streng auf Hygiene- und Baustandards an Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden, sodass sogar die Schließung der Schule drohte.

Finanziell ermöglicht wurde das Projekt durch zwei Joggathons – Spendenläufe in Berlin und Gelnhausen –, deren Erlöse es erlaubten, das benötigte Baumaterial zu kaufen und die lokalen Bauarbeiter zu bezahlen.

Am 18. August traf sich unser Team schließlich in Nyagatare. Nach einer kurzen Einführung durch unseren lokalen Kontakt fuhren wir direkt zur Schule. Dort waren bereits erste Vorarbeiten erfolgt – unter anderem das Ausheben der Sickergrube und das Gießen des Fundaments. In den folgenden Tagen arbeiteten wir unter Anleitung unseres Bauleiters Luke und seines Teams – stets freundlich, geduldig und mit viel Humor. Niemand von uns hatte je zuvor mit Matsch und Lehmziegeln gebaut, doch Stück für Stück wuchsen die Mauern. Wir errichteten den Dachstuhl, befestigten Wellblech, verputzten, pflasterten und strichen. Als unsere Einsatzzeit nach gut einer Woche endete, waren die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen. Unsere lokalen Partner übernahmen den letzten Feinschliff – pünktlich zum Schulstart Anfang September konnte das neue Toilettenhaus in Betrieb genommen werden.

Wo eine Schule ist, sind natürlich Kinder auch nicht weit – und so wurde eine weitere schöne Aufgabe für unser Team ein tägliches zweistündiges Kinderprogramm. Was zunächst mit etwa 60 Kindern begann, wuchs schnell an: Am letzten Tag hatten wir gefühlt das ganze Dorf bei uns – rund 140 Kinder kamen, um zu singen, zu spielen, Geschichten zu hören und zu basteln.

Die Zeit in Nyagatare verging wie im Flug. Der Abschied fiel schwer, und doch waren unsere Köpfe und Herzen voller Eindrücke, die erst einmal verarbeitet werden mussten.

Eine Frage, die uns alle bewegte: Wie kann Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig gelingen, wenn die Not scheinbar überall ist und die Ressourcen begrenzt sind? Diese Reise hat uns gezeigt, dass echter Reichtum nicht nur in Geld oder Besitz liegt. Wir haben eine Dorfgemeinschaft erlebt, die geprägt ist von Zusammenhalt, gegenseitiger Fürsorge und echter Offenheit. Kinder kümmern sich liebevoll umeinander, Haustüren stehen offen für Besucher, und es ist selbstverständlich, dass sich das Dorf um Witwen und Bedürftige kümmert.

Auch wenn hier nur ein kleiner Einblick möglich ist – paXan Unlimited 2025 war für alle Beteiligten eine prägende, erfüllende und bewegende Erfahrung.

Christoph Nick für das paXan Unlimited Team 2025