Als Caroline mit 17 heiratete, damit ihr Brautgeld die jüngeren Geschwister wenigstens mit dem Allernötigsten versorgen konnte, stellte sie keine großen Erwartungen an ihre eigene Zukunft. Die hatte sie spätestens zu dem Zeitpunkt aufgegeben, als der Vater – ständig betrunken, nie für sie da – die Familie sitzen ließ. College oder eine Berufsausbildung waren undenkbar. Ihren Mann, der selbst nur Tagelöhner war, unterstützte sie immer mal, indem sie für Nachbarn putzte oder Wäsche wusch. Trotzdem reichte es nie für sie und ihre zwei Söhne.
Dann hörte Caroline von einem neuen Programm der Arche Schule aus Kariobangi, wo sie aufgewachsen war. Andere Frauen erzählten ihr begeistert, wie sie mit ein paar Schulungen, Startkapital als Kredit und regelmäßiger Begleitung ihre eigenen kleinen Geschäfte aufbauen und erfolgreich betreiben konnten. Caroline suchte Janet, die Koordinatorin des Programms, und bat sie, in die nächste Schulungsgruppe aufgenommen zu werden.
Das ist erst ein Jahr her. Aber schon jetzt ist Caroline eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Nach sorgfältiger Marktanalyse, unterstützt von Janet, etablierte sie ein kleines Einzelhandelgeschäft in einer belebten Straße; nicht die einfachste Gegend, aber wenn zu viel Spannung in der Luft ist, macht Caroline ihren Laden halt ein paar Stunden zu. Dort verkauft sie so ziemlich alles, was zum täglichen Bedarf gehört, von Zucker über Öl bis zu Toilettenpapier. Ihr Angebot erweitert sie ständig – zum Beispiel hatte sie anfangs nur eine Sorte Mehl, jetzt fünf verschiedene. Der Laden ist sauber und gut strukturiert, ihre Bücher führt Caroline peinlich genau, und die beiden Kredite, die sie nacheinander erhielt, hat sie bereits fast vollständig zurückgezahlt. In ihrer Gruppe wurde sie darüber hinaus zur Schriftführerin gewählt.
„In den Schulungen lernte ich wertvolle unternehmerische Fähigkeiten, die mir das Selbstvertrauen gaben, mein eigenes Unternehmen zu gründen“, reflektiert sie. „Der Kredit ermöglichte mir, meine Idee in die Tat umzusetzen. Um den Bedürfnissen meiner Kunden gerecht zu werden, nahm ich später einen weiteren Kredit und erweiterte mein Sortiment um die Artikel, die meine Kunden am häufigsten nachfragten. Heute wächst mein Geschäft weiter, und ich habe mir einen treuen Kundenstamm aufgebaut.“
Aus ihrem Profit kann die fleißige Unternehmerin nun nicht nur die Miete für den Laden und ihre Wohnung begleichen, sondern genug Lebensmittel für die Familie kaufen, die Schulgebühren ihrer Kinder bezahlen und darüber hinaus einen Bruder im College unterstützen. Ihr Job hat der Familie Stabilität und auch Harmonie gegeben, weil es keine Geldprobleme mehr gibt, über die man streiten müsste. Natürlich ist ihr das nicht nur so zugefallen: Caroline öffnet den Laden um 6 Uhr morgens und schließt um 23 Uhr. Da sie eine Dreiviertelstunde zu Fuß entfernt wohnt, sind die Nächte recht kurz. Aber diesen Preis zahlt sie gerne: „Um in der Geschäftswelt erfolgreich zu sein, muss ich engagiert und zuverlässig sein – und dazu gehört, die Öffnungszeiten einzuhalten. Die Kunden wissen, dass ich um 6 Uhr da bin; wenn ich nicht da bin, verliere ich Kunden.“
Trotzdem kommen ihre Jungs, jetzt in der dritten und vierten Klasse, nicht zu kurz. Wenn die beiden von der Schule kommen, hat Caroline bereits für sie gekocht und schickt sie in einem lokalen „Taxi“ mit dem Essen nach Hause. Dort machen sie ihre Hausaufgaben, und wenn die Mutter heimkommt, schaut sie, ob alles richtig ist.
„Mein Geschäft hat das Wohlergehen meiner Familie und mein Leben in vielerlei Hinsicht verändert. Ich kann die Miete pünktlich bezahlen und mache mir nicht mehr ständig Sorgen darum, wie ich die Grundbedürfnisse meiner Familie decken kann. Über die finanziellen Vorteile hinaus hat mir das Geschäft Selbstvertrauen, Unabhängigkeit und Hoffnung für die Zukunft gegeben.
Rückblickend bin ich dankbar für die Schulung, den erschwinglichen Kredit und die kontinuierliche Betreuung, die ich erhalten habe. Sie haben mir das Wissen, die Fähigkeiten und die Unterstützung gegeben, die ich brauchte, um ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen. Mein Traum ist es nun, mein Geschäft weiter auszubauen, damit ich mein Einkommen steigern und eine bessere Zukunft für meine Familie schaffen kann.“
Erfolgreiche zweite Kohorte des Programms
Im Juni beendete die zweite Kohorte des Kleinstgewerbe-Programms der Arche Schule in Kariobangi, Kenia, ihr einjähriges Programm. Das Projekt startete – nach einer Testgruppe während der Pandemie – im April 2024 mit der ersten Gruppe; die zweite Gruppe begann etwas verzögert im Juni 2025 und die dritte Gruppe ist seit April 2026 dabei. Alle drei bisherigen Gruppen (inklusive Testphase) haben erfolgreiche Geschäftsfrauen hervorgebracht. Das Programm, bestehend aus drei Schulungsphasen und umfassender Begleitung, wird geleitet von Janet, die selbst in Kariobangi lebt und aufgewachsen ist. Die alleinerziehende Mutter begleitet die Geschäftsfrauen aus allen Gruppen regelmäßig und engagiert sich nebenher noch ehrenamtlich in anderen Projekten.
„Ich möchte meiner Community etwas zurückgeben“, erklärt Janet. „Denn einst hat mir jemand die Hand gereicht und mich begleitet, sodass ich erfolgreich sein konnte – das möchte ich nun für diese Frauen tun und der Gemeinschaft zurückgeben, was ich selbst erhalten habe. Ich möchte, dass sich ihr Leben verbessert.
Ich habe selbst ein kleines Geschäft gegründet, aber niemand hat mir damals erklärt, worauf ich achten muss. Das möchte ich diesen Frauen vermitteln: Sie erhalten einen Kredit und starten ihr Unternehmen, müssen aber auch wissen, wie man es führt und wie man Herausforderungen meistert.“
Grundlegende unternehmerische Fertigkeiten sowie das nötige Selbstvertrauen lernten die 15 teilnehmenden Frauen der Kohorte 2025 in je einer Schulung pro Quartal: ein „Entrepreneurship-Training“ für praktische betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten, ein „Mental Health Training“ für gesunde Beziehungen in der Familie und Community, ein „Refresher-Training“ sowie zum Abschluss eine Schulung zur finanziellen Kompetenz, um die Teilnehmer in der Finanzverwaltung zu stärken. Am meisten aber lernten und lernen die Frauen durch die wöchentlichen Besuche von Janet, die ihre Unternehmen begleitet, bei Herausforderungen zur Seite steht und sich vor allem persönlich für sie interessiert.
Wirkungsbeobachtung und Anpassungen im Programm
„Das habe ich gelernt“, betont Janet, „wenn ich nicht jede Frau persönlich kenne, etwas über ihre Familie und ihren Hintergrund weiß, ihre Herausforderungen kennenlerne – dann kann ich ihr nicht helfen.“ Beziehungspflege ist der erste Schritt und Grundstein des Programms, auch zwischen den Frauen selbst. Dieser und andere Aspekte wurden zwischen der Kohorte 2024 und 2025 angepasst:
- Die Frauen in dieser Gruppe haben von Anfang an als Team zusammengearbeitet. Maßnahmen zur Stärkung des Gruppenzusammenhalts festigten Vertrauen, Teamarbeit und offene Kommunikation. Die Frauen sind enger zusammengewachsen und unterstützen und ermutigen sich gegenseitig. Anstatt isoliert zu arbeiten, verstehen sie sich nun als Team mit dem gemeinsamen Ziel, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern. Diese Gruppendynamik und der Zusammenhalt haben einen großen Unterschied für die Frauen gemacht, weit über den Erfolg ihrer Geschäfte hinaus. „Ich habe zu ihnen gesagt“, beschreibt Janet, „was, wenn wir zu einem Team werden, wenn das Programm ‚uns gehört‘, wenn wir auf einander achten und für einander sorgen und eben eine ‚Familie‘ sind. Alle Gruppen von nun ab sollen solch eine Familie, ein eigenes Team sein.“
- Janet beginnt bereits im Januar, wenn für eine neue Kohorte geplant wird, mit der Beziehungspflege. Die Frauen treffen sich und lernen sich untereinander kennen, und vor allem Janet verbringt Zeit mit ihnen und erkennt ihre individuellen Bedürfnisse.
- In der vorigen Kohorte fanden Monitoringbesuche nur ein- bis zweimal pro Monat statt; das war nicht häufig genug. Jetzt besucht Janet alle Geschäftsfrauen wöchentlich, gelegentlich auch zweimal pro Woche, falls es besondere Herausforderungen zu meistern gibt. Dabei achtet sie darauf, dass die Frauen die Lösung immer selbst erarbeiten. Manchmal begleitet sie eine Geschäftsfrau über einen ganzen Tag hinweg und gibt dann Feedback und hilfreiche Ratschläge.
- Die Schulung zur finanziellen Kompetenz wurde zugefügt, sodass die Frauen lernen, wie sie sparen, ein Budget planen und für die Zukunft investieren, Erwirtschaftetes sinnvoll einsetzen und fundierte finanzielle Entscheidungen treffen können. Viele Teilnehmerinnen haben nun verstanden, dass konsequentes Sparen und eine ordnungsgemäße Finanzverwaltung für das Wachstum und den Fortbestand ihrer Unternehmen unerlässlich sind.
Das folgende wurde beibehalten, weil erfolgreich: Zeitraum (von April bis März); Gruppengröße (maximal 15), Struktur (Vorsitzende, Schriftführerin, Kassiererin werden gewählt und haben Autorität, die Gruppe selbst zu leiten – Janet ist nur für Monitoring und Mentoring verantwortlich) und Häufigkeit der Gruppentreffen (einmal pro Monat); Höhe der Kredite, Zinssatz, flexible Laufzeiten und die Möglichkeit, einen weiteren Kredit zu nehmen; Voraussetzung einer umfassenden Marktanalyse und eines Business-Plans, bevor ein Kredit erhalten werden kann.
Die gesamte Gemeinschaft verändern
Das Kleinstgewerbe-Programm hat nicht nur das Leben von Caroline und ihrer Familie verändert. Auch die anderen Frauen können nun ihre Miete bezahlen, wenigstens zwei nahrhafte Mahlzeiten pro Tag zubereiten und über die Hälfte der Schulgebühren ihrer Kinder selbst übernehmen. Die Haushalte sind widerstandsfähiger und die Frauen haben neben wichtigen Kompetenzen und unternehmerischer Erfahrung auch viel Selbstvertrauen gewonnen. Und die positive Entwicklung bleibt nicht bei den Haushalten stehen.
„Die gesamte Gemeinschaft verändern – das ist durchaus möglich“, schlussfolgert Janet. „Nicht nur diejenigen, die wir geschult haben, sondern auch andere erhalten Kredite, lernen dazu und gestalten ihre Unternehmen erfolgreich – das wird ganz Kariobangi verändern!“

