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Hoffnung wird greifbar

Zentrum für Berufsausbildung in Kombinat, Albanien

Für die Kinder ist das Kinderzentrum wie ein Zuhause. Ein Zuhause, in dem sie geliebt und wertgeschätzt werden. In dem sie in ihren individuellen Stärken gefördert werden und dort Unterstützung finden, wo sie Hilfe brauchen. Ein Zuhause sogar im Lockdown, wenn die Schulen geschlossen sind! Denn für die Kinder in Kombinat, einem der sozialschwächsten Stadtteile der Hauptstadt Albaniens, dem ärmsten Land in Europa, ist Schule per Internet keine Option. Oder doch? Eda und Gesti, Leiter des Kinderzentrums, nahmen die Sache letztes Jahr selbst in die Hand, kauften ein paar Computer fürs Kinderzentrum und kontaktierten die Schulen: Sie mögen doch bitte den Kindern ordentliche Aufgaben und „Homeschooling“ zur Verfügung stellen; um den Rest kümmert sich das Kinderzentrum. So saßen die Kinder jeden Tag während des Lockdowns im Kinderzentrum und machten eben dort Schule, und bekamen außerdem noch eine warme Mahlzeit. Viel besser, als in ihren dürftigen Unterkünften eingesperrt zu sein und ein halbes Jahr Unterricht zu verpassen!

Aber leider kann auch das Kinderzentrum nicht alle Lücken füllen – dafür ist die Not zu überwältigend. „Unsere große Herausforderung ist, dass wir manche Kinder verlieren, wenn sie Teenager werden“, erklärt Gesti. „Manche Mädchen heiraten sehr früh, einige der Jungs fangen an mit Diebstahl, Drogen – das ist halt, was sie von ihrer ‚Gesellschaft‘ kennen.“ Besonders in Kombinat ist das ein Problem, bedingt durch Armut und Perspektivlosigkeit; Prostitution, Drogenhandel, Missbrauch und Gewalt gehören hier zum Alltag.

„Was wir brauchen, sind Möglichkeiten für eine Berufsausbildung oder ähnliches – etwas, dass den jungen Leuten eine Hoffnung für die Zukunft gibt. Ein ‚Haus der Hoffnung‘ – das ist mein Traum. Ein Ort, der als Anlaufstelle dienen kann, wo die Jugendlichen jemand haben, zu dem oder der sie mit ihren Sorgen und Nöten, ihren Fragen und Träumen kommen können. Aber eben auch ein Ort, wo sie einen Beruf erlernen können. Ich würde gerne mit einem Medienprojekt beginnen, später vielleicht eine Nähschule oder anderes.“

Und so entstand der Plan fürs „Haus der Hoffnung“ in Kombinat. In kürzester Zeit wurde eine geeignete Wohnung gefunden, die Ende August von einem paXan-Team ins „House of Hope“ umgebaut wurde, mit Aufenthaltsraum und Bad, Schulungsraum und einem fertig eingerichteten Studio für Ton-, Bild- und Videoaufnahmen. Sevin, ein lokaler Experte, wird die ersten Jugendlichen ehrenamtlich ausbilden. „Wenn man Menschen einen Beruf gibt, dann gibt man ihnen eine Möglichkeit zu leben“, betont er.

Zu diesen Menschen gehört zum Beispiel Gjergj*, der älteste von sieben Brüdern, alle von anderen Vätern. Zwei der Jungs besuchen das Kinderzentrum, die drei jüngsten sind noch zu klein. Und Afrim*, der zweitälteste, hat bereits den „Weg der Gesellschaft“ eingeschlagen; fünfmal wurde er bisher festgenommen. Aber Gjergj gibt nicht auf. Zwar muss er sich oft um seine kleinen Brüder kümmern, aber er geht weiterhin zur Schule und kommt zum Kinderzentrum, wo er und seine Brüder ihre oft einzige warme Mahlzeit am Tag bekommen. Das „Haus der Hoffnung“ schenkt ihm ungeahnte Möglichkeiten – und bei der Renovierung im August war er mit Begeisterung dabei.

Oder Mädchen wie Aisha* und Elira*. Vom Stiefvater missbraucht – leider kein Einzelfall in Kombinat – nahm Elira letztes Jahr den einzigen Fluchtweg aus der verzweifelten Familiensituation, den sie kannte, und „heiratete“, mit nur 14 Jahren. Wenn sie zu der Zeit schon eine Alternative gehabt hätte, wäre ihre Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Auch Aisha droht dieses Schicksal: Ihre Familie will sie aus religiösen Gründen verheiraten, aber Aisha möchte studieren und einen Beruf erlernen. Ihr Zuhause wurde im Erdbeben zerstört und die Familie zog weiter weg, trotzdem kommt sie weiterhin ins Kinderzentrum. Sie ist sehr begabt im musikalischen und journalistischen Bereich – eine Ausbildung im „Haus der Hoffnung“ würde ihr die Chance bieten, nach der sie sich sehnt.

Oder auch Skender*. Gesti lernte ihn kennen durch einen Fußballclub, den er mit Freunden einige Jahre für die Jungs in Kombinat angeboten hatte. Seitdem haben sie engen Kontakt und Skender ist treu bei allen Aktivitäten dabei. Auch seine Familiensituation ist nicht einfach: Die Mutter arbeitet tagaus tagein von morgens bis abends als Näherin, um ihre Familie zu ernähren, aber das meiste Einkommen zerfließt im Alkohol für den Vater. Skenders Chancen für einen guten Beruf waren gering – bis das „Haus der Hoffnung“ ins Leben gerufen wurde, woran auch Skender tatkräftig beteiligt war. Vor allem auf die Ton- und Videotechnik freut er sich schon enorm!

Hoffnung – so ein einfaches Wort, und für viele Menschen weltweit so unerreichbar. Dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Partners in Albanien, aber auch den treuen Spenden für unser Jahresprojekt 2019 und das Kinderzentrum in Kombinat, ist Hoffnung für Jugendliche wie Gjergj und Skender, Aisha und Elira greifbar geworden.

 

* Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

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