Der Schein trügt nicht

Klare Erfolge im Dorfentwicklungsprojekt in Khotang, Nepal

Wie auf einer Postkarte thront das aus hellem Stein erbaute Haus auf seiner Hügelkuppe, inmitten eines Meeres aus grünen Feldern, dahinter die blauen Bergrücken. So richtig idyllisch sieht es aus, als ob es für einen Reiseführer posiert. Aber ob der Schein trügt?

Vor drei Jahren hätte Khamraj, der das Häuschen aus lokal gesammelten Steinen selbst erbaut hat, diesen Eindruck wohl schnell berichtigt. Mit elf Personen im Haushalt – Großeltern, Eltern, vier Kinder und Bruder mit Schwägerin – und so wenig Ernte, dass der Ertrag für kaum vier Monate im Jahr reichte, hieß es immer wieder: hungern, oder noch einen weiteren Kredit zu hohem Zinssatz aufnehmen.

Aber heute ist das alles anders. Nach drei Jahren Schulungen und Input durch unser Projekt hat sich Khamraj eine richtige kleine Farm aufgebaut. Dazu gehören Kühe, Ziegen, Schweine und Hühner, alle in ordentlichen Ställen und gut gezüchtet. Ein eingezäunter Garten liefert Gemüse für die Familie, auf den Feldern wachsen grüne Bohnen, die für einen sehr guten Preis verkauft werden können. Zusätzlich verdient er noch ein Einkommen durch Holzschneiden.

„Es ist ein riesiger Unterschied zu vorher!“, betont Khamraj. „Vier Ziegen habe ich vom Projekt bekommen, jetzt habe ich acht. Durch den Verkauf kann ich meine Schweinezucht vergrößern. Eine Hühnerfarm will ich auch aufbauen. Es hat sich wirklich viel verändert! Vor allem weiß ich jetzt, wie ich Viehzucht, Ackerbau und andere Einkommensaktivitäten selber weiterentwickeln kann. Das habe ich alles durchs Projekt gelernt!“

Sorgsam erbaute Ställe, perfekt angelegte Gärten und Felder, ein sauberer Hof mit Hygiene-Station und ordentlichem Toilettenhäuschen, zur Krönung noch ein paar Blümchen – so richtig verheißungsvoll sieht es aus. Und der Schein trügt nicht!

Das umfassende Dorfentwicklungsprojekt im Bezirk Khotang, Nepal, begann im Herbst 2021 und läuft noch bis Ende April 2025. Es ist begeisternd zu sehen, was sich gerade auch im letzten Jahr dort alles verändert hat! Die 200 Projekt-Familien haben eine ganz neue Perspektive auf ihren Alltag und ihre Zukunft entwickelt. Noch vor kurzer Zeit mussten sie auch für alltägliche Ausgaben Kredite mit hohem Zinssatz aufnehmen und hatten keine rechte Vorstellung davon, wie sie ihre Viehzucht, den Ackerbau oder Kleinsthandel wie einen Dorfladen durch sinnvolle Investitionen weiterentwickeln können.

Aber jetzt haben Khamraj und seine Nachbarn klare Pläne und Ziele. Sie wissen, wie sie ihre Unternehmen selbst kontinuierlich verbessern und aufbauen können. Die alltäglichen Dinge können sie sich jetzt leisten; sogar für die weiterführende Bildung ihrer Kinder können die meisten etwas zurücklegen. Wenn sie einen Kredit brauchen, holen sie sich den zu einem angemessenen Zinssatz aus ihrer Selbsthilfegruppe. Das hat dazu geführt, dass es inzwischen in diesem Gebiet von Khotang keine Kredithaie bzw. Institutionen mit schlechtem Zinssatz mehr gibt!

Und auch wenn die finanzielle Förderung durchs Projekt zu Ende ist, geht es in Khotang weiter. Im Herbst 2024 haben die Projekt-Familien eine Kooperative gegründet, die große Ziele hat. Unter anderem sind die Mitglieder bereits dabei, ein funktionierendes Marktsystem aufzubauen, sodass die Haushalte nicht nur genug produzieren, sondern ihren Ertrag auch für angemessene Preise verkaufen können.

„Durch den Verkauf ihrer Produkte wird sich jeder Haushalt selbst versorgen können – alle werden so sein“, erklärt einer der Männer im Leitungsgremium bei ihrem ersten Treffen. Voll Zuversicht sind die Frauen und Männer, dass sie auch nach Projektende die Maßnahmen selbstverantwortlich weiterführen werden. „Gemeinsam schaffen wir das! Auch wenn wir nicht wissen, was die Zukunft für uns bereithält – gemeinsam können wir die Herausforderungen bewältigen und uns weiterentwickeln.“

Wirkungsbeobachtung: Umfassende Dorfentwicklung in Khotang, Nepal

Seit Herbst 2021 unterstützen wir mit Förderung der Bundesregierung (BMZ) im Bezirk Khotang in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt. Dieses Projekt wird eng von uns begleitet und  jedes Jahr in einer etwa zehntägigen Projektbetreuungsreise das gesamte Projektgebiet und zahlreiche Haushalte besucht (etwa 25% aller Haushalte pro Reise); zusätzlich finden umfassende Gespräche mit dem Projektpersonal vor Ort sowie mit dem Personal unseres Partners im Hauptbüro statt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Beobachtungen und Gespräche ist, den Projektverlauf zu evaluieren und aufgrund der Beobachtungen Angleichungen vorzunehmen, sodass die Projektziele besser erreicht werden können.

Folgend sind einige Beispiele von Beobachtungen und Erkenntnissen sowie die Umsetzung der daraus abgeleiteten Maßnahmen.

Gemüsegärten
2022 wurde beobachtet, dass nur wenige Familien das Gelernte aus den Schulungen umgesetzt hatten. Daraufhin beschloss der Partner vor Ort, jeden Haushalt zweimal pro Monat zu besuchen und sie besonders zu ermutigen, ihre Gärten gemäß der verbesserten Methoden anzulegen. 2023 konnte hier schon eine deutliche Änderung beobachtet werden; inzwischen sind viele Gärten ordentlich angelegt und bringen höheren Ertrag.

Bewässerung
In fünf von neun Gebieten der sechs Dörfer ist die Bewässerung kein Problem; jedoch ist in den Dörfern bzw. Gebieten Upper Bahuntar, Ninglam, Jhapa und Kurle durchgehender Zugang zu Wasser eine große Herausforderung. Verschiedene Lösungen wurden hier ausprobiert: Die Haushalte werden ermutigt, die Wasserspeicher-Teiche abzudecken, damit weniger Wasser verdunstet; dies wird erst teilweise umgesetzt (allerdings ist ein zusätzliches Problem hier, dass in abgedeckten Teichen eher Dengue-Mücken brüten, daher sollten nur Teiche abgedeckt werden, in denen auch Fische gehalten werden). Außerdem werden die Haushalte weiterhin ermutigt, Abwasser nicht wegzukippen, sondern für Beete zu benutzen. Zusätzlich wurden im Rahmen eines Änderungsantrags für Jhapa, Upper Bahuntar und Ninglam größere Regentonnen als Wasserspeicher genehmigt, die im Sommer 2024 verteilt wurden; inwiefern dadurch das Bewässerungsproblem gelöst ist, wird sich noch zeigen. Für Kurle wird derzeit ein Wasserleitsystem von einem nahegelegenen Bach installiert.

Sicherheitsaspekte
2022 wurde beobachtet, dass die Wasserspeicher-Teiche besonders für kleine Kinder und Tiere eine große Gefahr bilden, da sie nicht umzäunt sind. Die Haushalte wurden ermutigt, solch einen Zaun zu installieren; bis Herbst 2023 hatten etwa 25% der Haushalte ihre Teiche und Gemüsegärten umzäunt. Ein weiteres Sicherheitsthema, das 2022 angesprochen wurde, war Bewusstsein über Erdbeben, Feuer, Erdrutsche u.ä. Der Partner hat dieses Thema in den Unterricht der Kinderzentren mit aufgenommen und wird es noch vermehrt in Selbsthilfegruppen und Hausbesuchen ansprechen.

Müllentsorgung
Auch dieses Thema wurde 2022 angesprochen, da es bisher wenig Bewusstsein für Müllentsorgung gibt. Seitdem wurde folgendes umgesetzt: in den Kinderzentren wird adäquate Müllentsorgung gelehrt; in Hausbesuchen wird das Thema angesprochen; das Projektpersonal geht mit gutem Beispiel voran. Noch umgesetzt werden soll: in den Kinderzentren oder an zentraler Stelle sollte eine große Tonne als Sammelstelle errichtet werden (und mit der Kommunalverwaltung geklärt, wie diese Tonne geleert wird); das Thema der kommunalen Müllentsorgung soll mit Selbsthilfegruppen und lokalen Führungspersönlichkeiten erörtert werden.

Verbesserte Viehzucht
Im Bereich der Viehzucht wurden verschiedene aus Beobachtungen abgeleitete Maßnahmen bereits umgesetzt. Einerseits hatten bisher wenige Haushalte begonnen, bessere Rassen zu züchten; dieses Thema wurde angesprochen und inzwischen haben zahlreiche Haushalte Zuchttiere gekauft (dies geschieht allerdings langsamer in größeren Höhenlagen, da die Zuchttiere dort das Klima nicht vertragen – daher werden hier Kreuzungen vorgenommen). Eine Überlegung, Ziegen nicht nur für Fleischproduktion, sondern auch für Milch und Käse zu nutzen, wurde aus kulturellen Gründen abgelehnt. Eine Herausforderung in 2022 war die Gesundheit der Tiere und technisches Monitoring bzw. Zugang zu einem Tierarzt. Dies wird nun von einem als Tierarzt ausgebildeten Projektteilnehmer ehrenamtlich übernommen; im Rahmen des Änderungsantrags konnten außerdem pro Selbsthilfegruppe ein Gerät für Kastration gekauft werden. Zusätzlich haben vermehrt Familien ihre Tiere versichert; dies soll noch weiter in Hausbesuchen angesprochen werden, da durch plötzliche Erkrankungen wie Schweinepest oder Unfälle immer noch einige Haushalte ihr Vieh verlieren (die Versicherung zahlt 90% des Wertes).

Unterricht in den Kinderzentren
Verschiedene Aspekte wurden 2022 angesprochen: z.B. kreativer Unterricht und bessere Materialien, Classroom Management, Sauberhalten von Büchern, Taschen, Kleidung etc. Einige dieser Aspekte wurden in einer mehrtägigen Schulung für alle Kinderzentren-Lehrer unseres Partners in Nepal im Januar 2024 angesprochen, an der auch das relevante Projektpersonal aus Khotang teilnahm.

Feedback und Beteiligung der Zielgruppe
Die Zielgruppe sollte die Möglichkeit haben, sich voll an der Projektkonzeption zu beteiligen und jederzeit ihr Feedback zu Maßnahmen und dem weiteren Projektverlauf geben zu können. Ursprünglich war die Idee, an verschiedenen Orten einen „Beschwerdebriefkasten“ aufzuhängen, in denen die Projektteilnehmer ihr Feedback einwerfen können. Stattdessen wurde eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der alle Haushalte Kommentare hinterlassen können, sowie eine Messenger-Gruppe für die Selbsthilfegruppenleiter. Darüber hinaus haben die meisten Projektteilnehmer die Handynummer des Projektpersonals und können sich jederzeit mit Fragen und Anregungen an sie wenden.

Das Projekt in Khotang geht nun ins letzte Projektjahr; im Rahmen einer Projektreise im November 2024 wird weiter beobachtet, welche Wirkungen erzielt wurden und wo noch Angleichungen notwendig sind.

Wem die Zukunft gehört

Reisebericht aus Khotang, Nepal

„Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben.“ (Eleanor Roosevelt)

So einfach ist es zwar meist nicht. Aber für Dorjeman nimmt diese Zukunft Form an. Denn Dorjeman hat einen Traum. Ein Traum, der auf den ersten Blick vielleicht lächerlich wirkt:

Das winzige Dorf Kurle, in dem Dorjeman lebt, ist nicht für Träume gemacht. Idyllisch mag es sein, so zwischen den nepalesischen „Hügeln“ gelegen, aber völlig abgeschieden – auf dem Weg hierher sind wir mehrere Stunden entlang schmaler Bergpfade geklettert. Strom gibt es keinen und die beruflichen Chancen sind mager. Schulkinder müssen ab der 5. Klasse entweder bei Verwandten unterkommen oder sieben bis acht Stunden zu Fuß laufen, täglich. Und es ist extrem trocken; obwohl das Dorf direkt am Sunkoshi-Fluss liegt, wirken die Felder eher wie Wüste, hier und da halten monströse Kakteen Wache über das verdorrte Gras.

Und hier möchte Dorjeman ein Marktzentrum etablieren? Denn das ist sein Traum: „Wir wollen hier einen Markt aufbauen, denn an diesem Punkt treffen drei Bezirke aufeinander. Und auf der anderen Seite des Flusses sind große Dörfer – seit zwei Jahren haben wir ja die Brücke. Wenn wir einen Markt schaffen, dann werden die Leute kommen und hier kaufen.“

Dorjemans Traum ist nicht nur Wunschdenken, sondern das erhoffte Ziel von harter Arbeit. Denn einiges hat sich schon getan in Kurle! Ende 2021, als das von Helping Hands und der deutschen Bundesregierung geförderte Dorfentwicklungsprogramm im Khotang-Bezirk begann, wurden auch in Kurle sieben Haushalte ausgewählt, an dem Projekt teilzunehmen. Mitte 2022 erhielten sie Zuchttiere, um ihr Einkommen zu verbessern.

Aber gemeinsam ist besser! In Kurle schlossen sich vier Haushalte zusammen, um gemeinsam eine Schweinefarm zu eröffnen – „Es ist nicht so einfach, alleine ein großes Unternehmen aufzubauen“, erklärt Dorjeman, „also haben wir beschlossen, uns zusammenzutun.“ Als die Schweine kamen, hatten Dorjeman, Babita, Sandip und Krishna bereits einen ziemlich beeindruckenden Stall für die Tiere gemauert. Siebzehn Schweine halten sie jetzt dort, in allen erdenklichen Formen und Farben, groß und klein, weiß, braun, schwarz, gefleckt … und in erstaunlich sauberer und artgerechter Umgebung. Ums Füttern und Sorgen kümmern sie sich abwechselnd; wenn ein Schwein verkauft wird, teilen sie sich den Gewinn.

Und das ist noch nicht alles! Denn ein Markt, auf dem nur Schweine verkauft werden, ist doch eher begrenzt. Deshalb hat Dorjeman noch viele andere gute Ideen. „Wir wollen auch eine Agro-Farm aufbauen und Gemüse für den Markt hinzufügen“, sagt er. Dafür zeigt er uns seine Gemüsefelder. Dort wachsen Tomaten üppig in einem adaptierten Folientunnel; auch Bananen, Salat, Rettich, Okra und Kürbisse kann er derzeit anbieten.

Zwar ist bisher die Bewässerung noch ein Problem. Obwohl der Fluss so nahe ist, ist die Gegend extrem trocken. Wiederholte Male wurde den Bewohnern ein Wasseranschluss per Rohr versprochen, aber nie umgesetzt; eine Pumpe für Flusswasser gibt es auch nicht. Doch im Rahmen unseres Projektes wurde allen teilnehmenden Haushalten eine Plastikplane für einen Teich gegeben, um Regenwasser und Abwasser zu sammeln. Das hilft schon sehr, denn im Teich können sich Verunreinigungen absetzen, sodass das Wasser sogar für eine Sprinkleranlage genutzt werden kann. Und als Folge unseres Besuches soll Rohranschluss an einen knapp zwei Kilometer entfernten Bach hergestellt werden, wodurch alle Haushalte mit genügend Wasser versorgt werden können. „Träume für unser Dorf?“, sagen sie, als wir fragen. „Ganz einfach: Strom, und ausreichende Bewässerung.“

Neben dem Gemüseanbau hat Dorjeman auch eine Hühnerfarm etabliert. In einem Stall tummeln sich 60 fünf-Tage-alte Küken, daneben stolzieren etwas ältere Masthähnchen herum. Bereits nach 45 Tagen können sie verkauft werden und bringen knapp 3 Euro pro Kilo ein.

Die Hühnerfarm hat Dorjeman auf eigene Kosten aufgebaut, nachdem er entsprechende Schulungen im Projekt besucht hat. Denn die Projektteilnehmer lernen nicht nur, wie sie ihre gewählte Viehzucht ertragreicher betreiben können, sondern erhalten Wissen zu jeglicher lokal relevanter Viehzucht sowie Gemüseanbau. Und das macht enorm viel aus!

„Bevor das Projekt angefangen hat, hatte ich gar keine Kenntnisse – ich hatte noch nie Schulungen besucht, nur eben etwas Erfahrung“, berichtet Dorjeman. „Die Schulungen sind sehr nützlich für mich. Zum Beispiel hatte ich vorher Tomaten angepflanzt, und sie sind alle eingegangen. Nach der Schulung hab ich sie nochmal anders gepflanzt und jetzt wachsen sie sehr gut! Alles, was wir lernen, ist hilfreich – wie ich mich richtig um das Vieh kümmere, das beste Futter; ich kann die Tiere jetzt sogar selbst behandeln, wenn sie krank sind. Vor dem Projekt hatte ich keine Ahnung über Viehzucht, Landwirtschaft, Gemüseanbau – aber jetzt weiß ich, wie all das erfolgreich umgesetzt werden kann!“

Eine ordentliche Portion Innovation, Fleiß, Kompetenz und Zuversicht – das ist der Stoff, aus dem Dorjemans Träume gemacht sind. Träume, die er auch eines Tages mit seinem zweijährigen Sohn teilen möchte – Jumsang heißt der Kleine, das bedeutet, „Sei bereit!“ Dorjemans Hoffnung für seinen Sohn ist so klar, wie sie einfach ist: „Wenn ich in diesen Gewerben gute Arbeit leiste, wird mein Sohn auch in das Geschäft einsteigen.“

Und auch das ist ja ein Ziel des Projektes: Dörfer so zu entwickeln, dass die Menschen vor Ort genügend zum Leben erwirtschaften können und nicht darauf angewiesen sind, für Gastarbeit ins Ausland zu gehen. Und natürlich auch, die Dörfer langfristig und nachhaltig zu entwickeln – nicht nur für ein paar Jahre, sondern für Generationen.

Dorjeman glaubt nicht nur an die Schönheit seiner Träume. Er setzt sie auch um – für Kurle und Khotang, und vor allem für die Zukunft – für seine Zukunft und für die Zukunft seines Sohnes Jumsang.

 

Das umfassende Dorfentwicklungsprojekt im Bezirk Khotang in Nepal wurde im Herbst 2021 begonnen und wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert. Der Bericht basiert auf einem Besuch unserer internationalen Geschäftsführerin im November 2022.

Um den finanziellen Eigenanteil des Projektes zu begleichen, benötigen wir noch Unterstützung! Spenden bitte mit Vermerk „Nepal Khotang“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende).

„Vor Ort hat sich schon einiges verändert“

Franzi Huth berichtet aus Nepal

Ankunft und erste Eindrücke

An einem sonnigen Dienstagnachmittag erreichen wir nach einer sechsstündigen Fahrt endlich Tuwachung, eine ländliche Gemeinde im Osten Nepals. Die Gegend liegt inmitten einer bergigen Landschaft, wie sie in vielen Regionen des Landes zu finden ist. Das kleine “Zentrum”, das eher als idyllische Siedlung bezeichnet werden kann, ist umgeben von Bergen und Wäldern, die wiederum mehrere kleine Dörfer beheimaten. Wir erreichen das Zentrum über eine etwas wackelige Brücke, die die einzige Zufahrtsmöglichkeit nach Tuwachung darstellt. Sie führt über einen reißenden Fluss, der die Gemeinde vom Rest der Region trennt.

Besucht ist die Gegend nur sehr selten, in erster Linie wird sie als Zwischenstopp für durchreisende Touristen genutzt, was an den kleinen Cafés sowie dem Hostel direkt am Ortseingang unschwer zu erkennen ist. Zudem befinden sich einige kleinere Shops, die Ähnlichkeiten zu Kiosks in deutschen Städten aufweisen, direkt an der Hauptstraße.

Die Umgebung wirkt wie einem Landschaftskalender entsprungen, die idyllische Brücke über dem Fluss und die umliegenden Berge und Wälder machen die malerische Kulisse perfekt. Trotzdem kann sie über die Armut, die schnell und überall deutlich erkennbar wird, nicht hinwegtäuschen. Die notdürftig gezimmerten Hütten, provisorisch wirkende Ställe und die spärlich gekleideten Kinder zeigen ein deutliches Bild von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation in Tuwachung.

Aufgrund der mangelnden Infrastruktur in diesen doch sehr ländlichen, abgeschiedenen Dörfern beschränkt sich das Arbeitsangebot fast vollständig auf lokale Landwirtschaft. Somit widmen sich die meisten der Dorfbewohner dem Anbau von Getreide und Gemüse oder auch dem Züchten von Nutztieren. Letztere sind in den Dörfern an jeder Ecke zu finden, neben den unübersehbaren Büffeln und Ziegen läuft einem auch schnell mal eine Henne mit ihren Küken oder eine Gänsefamilie über den Weg. Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden zu einem großen Teil selbst verbraucht, untereinander wird oft getauscht. Wer ein paar Hühner hält, kann beispielsweise Eier abgeben und bekommt dafür Mais, Hirse oder Kartoffeln. Darüber hinaus berichten viele Bewohner von ihrem Wunsch, ihre Produkte auch in Kathmandu zu verkaufen, wo sich lokale Erzeugnisse großer Beliebtheit erfreuen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat sich dessen angenommen und möchte mit sogenannten Income-Generating-Activities (IGAs) helfen, doch dazu später mehr. Zunächst einmal ein allgemeiner Blick auf die Bevölkerung: Diese besteht fast ausschließlich aus Hindus, die zudem der gleichen Kaste angehören. Somit kommt es in Tuwachung – im Gegensatz zu vielen anderen Regionen Nepals – nur sehr selten zu religiösen Konflikten. Auffallend ist darüber hinaus die Demografie und die große Menge an Kindern, die in den Dörfern leben. In so ziemlich jedem Haushalt leben mehrere, die meisten von ihnen noch ziemlich jung.

Bilaterale Entwicklungszusammenarbeit mit dem BMZ

Wie bereits angedeutet, fördert das BMZ unterschiedliche Projekte in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. Die in erster Linie finanzielle Unterstützung erfolgt in der Regel nach erfolgreicher Bewerbung einer deutschen Organisation, bzw. eines Vereins. Im Fall von Tuwachung war dieser Verein Helping Hands e. V., der die Dorfgemeinschaft erfolgreich für ein potenzielles Entwicklungsprojekt vorschlug und dafür Fördergelder des Ministeriums erhielt. Die finanzielle Unterstützung kann ganz unterschiedlich eingesetzt werden, in Tuwachung werden davon unter anderem beispielsweise Nutztiere gekauft, um ausgewählten Haushalten eigenständiges Wirtschaften zu ermöglichen, getreu dem Motto “Hilfe zur Selbsthilfe”. Auch ein Wasserauffangbecken wurde auf Kosten des Projekts eingerichtet, um die Bewässerung der Felder auch in Dürrezeiten zu sichern. Zudem nahm sich die Kooperation des dürftigen Gesundheitssystems vor Ort an und beschloss unter anderem, Entwurmungskuren an die Bevölkerung – insbesondere an Kinder – zu verteilen. Diese Kuren sind relativ kostengünstig und einfach zu beschaffen, haben jedoch eine verhältnismäßig große Wirkung für die Gesundheit der Bewohner. Bereits 2008 wurde ihr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis im Rahmen des Kopenhagener Konsens betont und wird seit jeher als beliebtes Ernährungsprogramm in Projekten des Globalen Südens eingesetzt.

Bisher kleinere Teilerfolge

Seitdem das Projekt in Kooperation mit dem BMZ vor einem Jahr startete, hat sich vor Ort einiges verändert. Bereits jetzt deuten sich erste Erfolge der Zusammenarbeit an. So zum Beispiel sehen einige Bewohner einem Rückgang in der Kinderarbeit, die noch heute vermehrt in vielen ländlichen Gebieten Nepals auftritt. Das Projekt unterstützt die lokale Schulbildung finanziell, indem es die Schulgebühren sowie verschiedene Materialien wie Schulranzen, Blöcke oder Stifte zur Verfügung stellt. Die Wirkung dessen ist bereits jetzt erkennbar: Kinder besuchen die Schule nun deutlich länger als noch vor einem Jahr, als der Großteil der Schüler nach der 6. oder 7. Klasse die Schule abbrechen und in der Landwirtschaft arbeiten musste. Heute sieht das Ganze anders aus: Über 90% der 12–15-Jährigen besuchen die lokale Schule, die meisten von ihnen streben darüber hinaus eine Einschreibung in der nächstgelegenen High School an. Die positive Entwicklung ist vermutlich nicht zuletzt auf die Bemühungen des Projekts zurückzuführen, das Familien die Bedeutung von Bildung nahebringt und sie finanziell in diesem Vorhaben unterstützt.

Doch nicht nur Kinder, sondern auch ihre Eltern können von den Bildungsprogrammen des Ministeriums profitieren: In sogenannten “Self Help Groups” (SHGs) schließen sie sich mit jeweils 24 weiteren Dorfbewohnern zusammen, um gemeinsam zu sparen. Monatlich wird ein kleiner Teil des – zugegebenermaßen zumeist bescheidenen – Einkommens gespart und anschließend an ein ausgewähltes SHG-Mitglied ausgezahlt. Meistens wird das Geld, ähnlich wie ein Kredit, als Startkapital verwendet, um beispielsweise einen kleinen Shop zu eröffnen oder Tiere für die Landwirtschaft zu kaufen. Im Laufe der nächsten Monate wird das Geld Stück für Stück an die Gruppe zurückgezahlt, inklusive Zinsen. Ziel ist hierbei, den einzelnen Gruppenmitgliedern den Start in die Selbstständigkeit zu ermöglichen und somit – ganz im Sinne der “Hilfe zur Selbsthilfe“ – ein Stück weit finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein klassischer Mikrokredit, unterscheidet sich von diesem einerseits durch seine Informalität, vor allem aber darin, dass die Gruppenmitglieder nicht von einem Kreditinstitut in Abhängigkeit gebracht werden, sondern die Gruppengelder selbstbestimmt verwalten und damit auch das Potenzial entfalten, die weitere Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand zu nehmen.

Ergänzt werden die SHGs mit sogenannten „Income Generating Activities” (IGAs), die in erster Linie aus Schulungen im Umgang mit Finanzen bestehen. Was zunächst aufwändig und umfangreich klingt, wird in der Praxis relativ einfach umgesetzt: Ein Experte aus der Finanzbranche (hierbei ist es den Initiatoren besonders wichtig, dass es sich um einen „local“, also einen Nepalesen, handelt) besucht auf Kosten des Projekts das Dorf und unterrichtet interessierte Bewohner in Grundlagen der Haus- und Betriebswirtschaft. Somit lernen sie, einen eigenen Laden möglichst effizient zu führen oder landwirtschaftliche Erzeugnisse gewinnbringend zu verkaufen. Insbesondere jetzt, wo einige Dorfbewohner den Wunsch äußern, ihr Gemüse und Getreide in Kathmandu zu verkaufen, könnten die IGAs eine entscheidende Unterstützung darstellen.

Langfristige Wirkung schwer absehbar

Bei all den positiven ersten Eindrücken muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Projekt – Stand heute – erst ca. ein Jahr alt ist. Im Oktober 2021 wurde es quasi inmitten der Corona-Pandemie etabliert. Diese nahm zwar auf den ersten Blick keinen großen Einfluss darauf, trotzdem zeigt sie uns, wie fragil die globale Entwicklung ist und wie schnell entsprechende Fortschritte verloren gehen können. Dies wurde während der letzten zweieinhalb Jahre nicht nur in verschiedenen Gegenden Nepals, sondern auch in vielen weiteren Regionen dieser Welt spürbar deutlich. Aufgrund dessen sind die sich abzeichnenden Erfolge zunächst einmal mit Vorsicht zu genießen. Die langfristigen Auswirkungen des Projekts vor Ort sind derzeit einfach noch nicht abschließend feststellbar, dies wird letztlich die Zeit zeigen.

Jedoch sind das Programm und die Unterstützung des BMZ durchaus jetzt schon als sinnvoll zu betrachten, und zwar nicht nur aufgrund der einzelnen Fortschritte individueller Bewohner. Die wirtschaftliche und somit auch gesellschaftliche Situation vor Ort ist noch immer prekär: Derzeit leben etwa drei Viertel der örtlichen Bevölkerung unterhalb der offiziellen, nepalesischen Armutsgrenze. Hierfür gibt es einen einleuchtenden Erklärungsansatz: das heimische Bildungswesen. Bildung wurde in den vergangenen Jahren oft vernachlässigt, da Schüler als unterstützende Arbeitskräfte in der Landwirtschaft benötigt wurden. Nun sind Schulbesuche jedoch innerhalb eines Jahres sichtbar angestiegen, was vermutlich nicht zuletzt auf die finanzielle Unterstützung des Projekts zurückzuführen ist. Doch das Projekt unterstützt Familien noch auf einem weiteren Weg: Indem Eltern mit Hilfe der IGAs die Bedeutsamkeit von Bildung und Schulabschlüssen für den Austritt aus der Armut nähergebracht wird, wächst deren Eigeninteresse an einem möglichst ausgeprägten Bildungsweg für ihre Kinder.

Noch bleibt einiges zu tun

Trotz bisheriger Anstrengungen und sichtbarer Erfolge bleibt noch vieles offen. Ein Spaziergang durch die umliegenden Dörfer legt insbesondere ein Problem unmissverständlich dar: der regionale Umgang mit Abfall, der keinen größeren Gegensatz zu unserer typisch deutschen Mülltrennung aufweisen könnte. Überall liegen leere Plastikwasserflaschen, Müllbeutel und Verpackungsreste auf dem Boden, kreuz und quer auf den Feldwegen und im umliegenden Gestrüpp.

Doch nicht nur immer größer werdende Müllberge stellen ein (potenzielles) Problem für die Gemeinde dar. Darüber hinaus fehlt es in vielen Haushalten noch immer an Elektrizität, was natürlich in erster Linie auf die mangelnde Infrastruktur in der ländlichen Gemeinde zurückzuführen ist. Was für die Bewohner tagsüber nur bedingt ein Hindernis darstellt, wird abends, nach Anbruch der Dunkelheit, durchaus problematisch. Die fehlende Elektrizität führt zum Mangel an elektrischem Licht, vom Internet ganz zu schweigen. Obwohl das BMZ immer wieder die Bedeutsamkeit von Bildung für nachhaltige Entwicklung betont, scheint dies doch ein bedeutsames Hindernis für das Lesen und Lernen zu sein.

Ein weiteres Problem zeigt sich schnell bei einer Führung durch eines der Dörfer, nur wenige Kilometer außerhalb des Gemeindezentrums. Stolz zeigen uns die Bewohner ein eher provisorisch wirkendes Wasserauffangbecken, das das Projekt ihnen bereitstellt. Hierin wird Regenwasser gesammelt, um während der Dürreperioden, die in der Gegend häufig auftreten, Wasser zur notwendigsten Versorgung verfügbar zu haben. Schnell wird jedoch klar, dass diese Becken nicht einmal annähernd genug Wasser sammeln können, um die umliegenden Agrarflächen zu bewirtschaften. Die Region ist jedoch abhängig von effizienter Landwirtschaft und ihrer Erzeugnisse.

Bei unserem Besuch in Tuwachung wird also schnell klar, noch bleibt einiges zu tun. Das Projekt in Kooperation mit dem BMZ ist auf insgesamt dreieinhalb Jahre angesetzt, eines davon ist bereits vergangen. Die bisherige Entwicklung bestätigt den Erfolg der bisherigen Herangehensweise, Universallösung aller Probleme vor Ort ist sie jedoch nicht. Inwieweit die Unterstützung des Ministeriums nachhaltige Entwicklung für die Region und positive Veränderungen für ihre Bewohner bringt, wird sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre abschließend zeigen.

 

Franzi Huth absolvierte im Rahmen ihres Master-Studiengangs in Development Studies von August bis Oktober 2022 ein Praktikum bei unserem Partner NCM Nepal. Dabei konnte sie auch zwei von Helping Hands geförderte Projekte besuchen und evaluieren.

Anmerkung: Das beschriebene Projekt in Tuwachung liegt im Bezirk Khotang; in früheren Berichten zu diesem Projekt wurde diese Ortsangabe verwendet.

 

Einfach nur herrlich

Umfassendes Dorfentwicklungsprojekt in Khotang, Nepal, schafft Veränderung

Einfach nur herrlich: einen Tag lang wandern, Sonnenschein und frische Luft genießen, die Aussicht bestaunen, Flora und Fauna erforschen, sich mal so richtig verausgaben, und am Ende des Tages zur Belohnung eine heiße Dusche, ein ausgiebiges Abendessen und dann ab ins weiche Bett.

Oder noch besser: auf kleinen, steilen Trampelpfaden tausend Höhenmeter überwinden, unter Bananenstauden und riesigen Weihnachtssternen hindurchwandern, auf den Fluss im Tal zurückblicken, der am Mt. Everest entspringt, und auf der Anhöhe dem majestätischen Panorama des Himalajas gegenüberstehen.

Die Kinder und Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram tun das jeden Tag.

Aber auf sie wartet keine heiße Dusche – weiter oben nicht mal fließend Wasser – und kein weiches Bett, auch kein ausgiebiges Essen: nicht immer genug, um satt zu werden. Und sie wandern auch nicht zur Erholung und nicht zum Sport. Für die Kinder ist es der Schulweg – etwas kürzer in der Grundschule, in höheren Klassen auch mal ein oder zwei Stunden zu Fuß, morgens früh, wenn der Nebel sich noch in Schwaden um den Dschungel schlingt, und abends spät, wenn die Dämmerung bereits ins Tal gekrochen ist. Und das für Unterricht, in dem sie nichts lernen und der ihnen kaum Optionen für die Zukunft bietet! Für die Eltern ist es mal der Weg zur Arbeit, öfter zum Markt, gelegentlich auch zur kleinen Gesundheitsstation, in der es nur die allergrundlegendste medizinische Hilfe gibt.

Idyllisch mag ihre Heimat sein, aber das Leben ist sehr hart. Tagtäglich mühen die Menschen sich ab mit Gärten und kleinen Feldern und etwas Vieh, aber der Boden ist trocken, felsig und steil, daher gibt er nicht viel her. Für ertragreicheren Ackerbau fehlen ihnen die Kenntnisse; mit Viehzucht kennen sie sich zwar aus, doch erhalten sie durch fehlende Marktmöglichkeiten nur dürftige Preise für ihre Tiere. Somit können sie ihre Familien nur etwa die Hälfte des Jahres vom eigenen Ertrag ernähren, manche sogar nur vier Monate. Den Rest des Jahres nehmen sie Kredite auf, meist zu hohen Zinsen, und verschulden sich mehr und mehr. Viele verlassen ihr Zuhause und suchen anderswo ihr Glück – oft vergeblich.

Doch das darf sich ändern!

Im Oktober konnte in sechs Dörfern im Khotang-Bezirk in Nepal ein umfassendes Dorfentwicklungsprojekt beginnen. Für die Kinder bedeutet das regelmäßige Unterstützung in Kinderzentren, sodass ihnen der Schulbesuch tatsächlich eine Chance für die Zukunft bietet. Für die Erwachsenen bedeutet es Förderung im Ackerbau, Viehzucht und Kleinsthandel sowie der Aufbau eines funktionierenden Marktsystems, sodass sie bis Projektende das ganze Jahr über ihre Familie ausreichend versorgen können, ohne Kredite aufnehmen zu müssen. Zudem werden durch Selbsthilfegruppen und eine Kooperative lokale Strukturen geschaffen, sodass die Menschen die sozioökonomische Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand nehmen und weit übers Projektende hinaus positive Änderungen erreichen. Bis April 2025 soll das Projekt laufen, das zu 75% vom deutschen Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird.

Und die Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram haben Hoffnung.

Ende November haben wir sie besucht.

Früh morgens von Jayaram am Dudhkoshi-Fluss steil den Hang hinauf nach Gurdum und Jhapa, wo über ein Drittel der Projektfamilien wohnen. Während wir über die Klippen klettern und dabei mächtig schnaufen, erinnert sich Ramila, eine Kollegin des örtlichen Partners, an ihre Kindheit. Jeden Tag ist sie diesen Pfad gelaufen – bis Klasse 5 eine Stunde Fußweg, bis Klasse 8 dann zwei oder drei Stunden, die letzten beiden Jahre konnte sie nur am Wochenende heimkommen, nach sechs Stunden Fußmarsch. „Oft habe ich einen Sack Reis auf dem Rücken mit hier hoch geschleppt, auf dem Heimweg von der Schule. Was sollten wir auch tun? Unser einziger Markt ist im Tal in Jayaram.“

Weit oben auf dem ersten Hügel, ein Stück von Ramilas Zuhause entfernt, treffen wir Anissa, die gerade ihrem Großvater das Frühstück serviert – die Eltern sind schon längst unterwegs, um zu arbeiten. Anissa besucht die 4. Klasse in der Grundschule in Gurdum und freut sich schon auf das Kinderzentrum, das im Januar dort beginnen wird. „Ich möchte mal Sängerin werden“, verrät sie uns. Tirpasing, der Großvater, wiegt den Kopf hin und her, als wir ihn auf das Projekt ansprechen. „Ich bin alt, ich kann mich nicht an alles erinnern, ich weiß nicht, was kommen wird – aber eins weiß ich: Ich habe Hoffnung!“

Einige Höhenmeter weiter lernen wir Gombhir Bahadur und seine Familie kennen. Er hatte kürzlich einen Unfall und kann zurzeit nicht arbeiten, weder auf dem Feld noch sonstwo. Aber über das Projekt hat er sich schon gut informiert. „Ich bin sehr glücklich, dass meine zwei Töchter im Jayaram Kinderzentrum gefördert werden und meine beiden Enkel, die noch klein sind, bald das Gurdum Kinderzentrum besuchen“, erzählt er uns in der Rai-Sprache, die nur wenige von uns verstehen. „Ich bin Bauer und sehr froh über die Veränderungen, die auf uns zukommen. Ich hoffe, dass meine Ziegenzucht durch das Projekt deutlich verbessert werden kann.“

Wir laufen an der Schule in Gurdum vorbei, wo der Unterricht heute noch nicht begonnen hat. Ein Klassenzimmer ist vom Erdbeben noch stark beschädigt, dafür ist die Aussicht herrlich – in der Ferne ist die Bergkette des Himalajas überm Hügelrand erschienen. „Zurzeit kommen nicht so viele Kinder hierher“, erklärt Ramila, „weil sie das Gefühl haben, dass sie ohnehin nichts lernen. Aber durch das Kinderzentrum wird das anders – dann wird sich auch der Schulbesuch stark verbessern.“

An einem Haus halten wir an und bekommen ein typisches lokales Frühstück serviert: geröstete Maiskörner und Sojabohnen. Während wir im Hof sitzen, kommen ein paar Nachbarn vorbei und werden spontan zum Frühstück eingeladen. Hinter unseren Gastgebern stehen zwei blaue Fässer: Ihr Wasser müssen sie im Tal kaufen und mit einem Traktor hochtransportieren lassen, denn auf ihrer Höhe gibt es bereits kein Wasser mehr.

Bevor wir das Gebiet von Gurdum verlassen und nach Jhapa weiterwandern, treffen wir noch Banita, die gerade ihre Ziege füttert. Was sie für Erwartungen ans Projekt hat?, fragen wir sie.

„Das ist ein sehr gutes Programm, weil unsere Kinder in ihrer Schulbildung unterstützt werden. Das ist das erste Mal, dass in unserem Dorf so ein Projekt stattfindet! Wir haben viel Hoffnung, dass es einiges positiv verändern wird. Wir sind ganz begeistert über dieses Projekt!“

Banita nimmt ihre kleinste Tochter auf den Arm; die zweite versteckt sich scheu hinterm Gebäude, die älteste ist in der Schule. Ihr Mann gesellt sich dazu, auch sein Blick ist voll Zuversicht. Was sie sich für ihre Töchter erhoffen?, fragen wir weiter.

„Darüber haben wir noch gar nicht so wirklich nachgedacht“, geben sie zu, „weil sie bisher nur so eine schlechte Bildung erhalten. Aber wir wären sehr glücklich, wenn unsere älteste Tochter die Chance hat, Krankenschwester zu werden!“

Nach einem weiteren längeren Fußmarsch erreichen wir Jhapa, dem höchsten Dorf. Hier ist die Hügelkuppe abgeflacht, sodass mehr Ackerbau möglich ist. Aber es gibt keine Wasserquelle, somit kann bisher nur im Sommer, in der Regenzeit, Getreide und Gemüse angebaut werden. Und der einzige Markt ist in Jayaram – anderthalb bis zwei Stunden hin, drei bis vier Stunden zurück.

Bevor wir uns – nach einer kurzen Verschnaufpause am höchsten Punkt, mit Blick auf den Mt. Everest – auf den Rückweg ins Tal machen, besuchen wir noch Maghmaya und Hitusari. Maghmaya freut sich über die landwirtschaftliche Unterstützung und möchte eine Schweinezucht aufbauen. „Und wir sind so dankbar über dieses Programm, weil unsere Kinder in ihrer Schulbildung gefördert werden!“

Hitusari lebt mit ihren drei Kindern in einem kleinen Steinhäuschen. Auch sie möchte in eine Schweinezucht investieren. „Ich bin so froh über dieses Projekt, und ganz aufgeregt, was es uns bringen wird. Ich freue mich auch darauf, in der Selbsthilfegruppe etwas Geld sparen zu können. Besonders diesen Aspekt finde ich toll!“ Mit ihrer Schwester und dem kleinen Neffen steht sie vor ihrer Hütte und schaut uns nach, im Gesicht ein erwartungsvolles Lächeln.

Als wir nach Dunkelwerden wieder im Projektbüro in Jayaram ankommen, wartet zwar ein gutes Essen auf uns, aber keine heiße Dusche und kein allzu weiches Bett. Trotzdem ist es einfach nur herrlich: einen Tag lang wandern und sich mal so richtig verausgaben, und als Belohnung: Menschen kennenlernen, an deren Leben wir ein paar Jahre lang teilhaben dürfen, ihre Heimat sehen, ihre Träume teilen, ihre Hoffnung spüren.

 

Für dieses Projekt muss Helping Hands e.V. mit einem Eigenanteil von 10% aufkommen (ca. 35.000 EUR). Wenn Sie die Kinder und Familien in Jhapa und Gurdum, in Bahuntar und Kharka, in Baisetar und Jayaram unterstützen möchten, dann wählen Sie bitte „Khotang (Nepal)“ auf unserem Online-Spendenformular.