Zehn Jahre Zufluchtsort

Kinderzentrum Kombinat in Albanien blickt auf vergangenes Schuljahr zurück

„Als wir letztes Jahr nach den Sommerferien das Kinderzentrum wieder eröffnet haben, waren die Kinder so glücklich. Endlich wieder was zu tun! Endlich wieder ein Ort, an dem sie bleiben dürfen! Wir haben ihnen geholfen, ihre Schulbücher zu besorgen und einzubinden, damit sie länger halten. Das machen die Kinder richtig gerne! Schulmaterial und Taschen haben sie auch bekommen. Und dann haben wir mit ihnen geübt, was sie im letzten Schuljahr gelernt haben.“

Zehn Jahre ist es her, dass ein paXan-Team in Kombinat, Albanien, ein Kinderprogramm durchführte, durch das im folgenden Jahr das Kinderzentrum Kombinat entstand. Zehn Jahre, in denen Kindern aus den bedürftigsten Familien dieses sozialschwachen Vorortes von Tirana durch Hausaufgabenhilfe, Schulmaterial und weitere Aktivitäten eine ordentliche Bildung ermöglicht wurde. Zehn Jahre, in denen die Kinder einen Ort hatten, an dem sie sich geliebt und angenommen fühlen, ein Zufluchtsort, wo jemand auf sie wartet, der sie kennt und sieht. Die meisten dieser Kinder sind jetzt Jugendliche oder junge Erwachsene, und es sind ihre kleinen Geschwister, die sich nach den langen Ferien so sehr den Start des Kinderzentrums herbei ersehnen. Denn auch nach zehn Jahren ist das Kinderzentrum Kombinat weiterhin ein Zufluchtsort für zahlreiche Kinder des Ortes.

Gesti, lokaler Pastor und Gründer des Kinderzentrums, blickt auf das Schuljahr 2023-24 zurück:

„Im September kamen zwei unserer jüngsten Kinder zum ersten Mal in die Schule. Sie waren aufgeregt und etwas ängstlich, aber wir sind mit ihnen zur Schule gegangen, und das hat ihnen geholfen.

Wir haben auch ein paar neue Gesichter im Zentrum. Mit dem Rathaus haben wir eine gute Beziehung aufgebaut, und sie besuchen uns regelmäßig; wir sprechen über die Herausforderungen der Kinder und sie laden uns zu ihren Treffen ein. Im Herbst hatten die Sozialarbeiter uns gebeten, vier weitere Kinder aufzunehmen, die aus schwierigen Verhältnissen kommen – das zeigt, dass wir immer bekannter werden im Ort und sie für unseren Dienst dankbar sind.

Es war gar nicht so einfach, diese Kinder zu integrieren – zwei Mädchen, zum Beispiel, kommen aus einer Roma-Familie, die Eltern sind Analphabeten und haben die Kinder immer alleine zuhause behalten. Dadurch hatten sie früher gar keinen Kontakt zu anderen Kindern, und waren anfangs sehr schüchtern und distanziert. Aber jetzt haben sie sich total verändert, sie fühlen sich geliebt und umsorgt, und wollen die ganze Zeit nur im Kinderzentrum bleiben.

Die Schulen, mit denen wir kooperieren, unterrichten weiterhin in zwei Schichten, daher haben wir im Kinderzentrum zwei Gruppen, eine vormittags und eine nachmittags, insgesamt 34 Kinder. Wir sind so dankbar für den tollen Einsatz unserer Mitarbeiter – Lehrerin Vera und ihre liebevolle Hingabe für die Kinder – Eda, die sich mit um die Familien kümmert– die Jugendlichen aus der Gemeinde, die ihre Zeit investieren um zu helfen – und natürlich Mama Vera, die jeden Tag mit viel Liebe die warmen Mahlzeiten kocht. Die Kinder sind so glücklich über das Essen und holen sich mit Begeisterung einen dritten oder vierten Teller voll; manchmal lächeln wir darüber, aber dann erinnern wir uns, dass das für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag ist.

Das letzte Schuljahr war voller besonderer Aktivitäten. Dieses Jahr konnten wir den Besuch einer mobilen Zahnarztklinik organisieren – das war dringend nötig – und kümmern uns um die medizinische Versorgung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie Diabetes. Wir haben die Geburtstage der Kinder gefeiert und natürlich Weihnachten und Ostern – die Weihnachtsfeier gemeinsam mit den Eltern ist für die Kinder der Höhepunkt des Jahres! Im Sommer hatten wir noch ein Ferienprogramm; besonders die Wasserspiele haben die Kinder genossen.

Wir freuen uns so, den Fortschritt im Leben der Kinder zu beobachten und von Eltern und Lehrern die guten Berichte zu hören! Am Ende des Schuljahres haben die Kinder Zeugnisse bekommen und wir haben mit ihnen die tollen Ergebnisse gefeiert. Manche der Kinder sind die besten in ihrer Klasse – was für einen Unterschied macht es doch, wenn Kinder einen Ort haben, an dem sie geliebt werden und sich jemand um sie kümmert!

Jetzt sind wir ins neue Schuljahr gestartet. Ein Schuljahr, das viele Herausforderungen bringen wird, und viele wundervolle Momente. Danke, dass ihr uns auf dieser Reise begleitet!“

 

Das Kinderzentrum in Kombinat finanziert sich unter anderem durch Patenschaften. Wenn Sie ein Kind in diesem Kinderzentrum unterstützen möchten, dann wählen Sie bitte auf dem Patenschaftsformular als Region „Osteuropa“. Selbstverständlich können Sie das Kinderzentrum auch durch eine Spende unterstützen; dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende „Kinderzentrum Kombinat (Albanien)“.

Die glücklichsten Kinder der Welt

Weihnachtsfreude in Albanien, Rumänien und Bulgarien

„Wir sind so dankbar, dass ihr an die Menschen hier in Albanien gedacht habt. Wir sind dankbar, dass ihr mit euren Gaben hunderten von Kindern und Erwachsenen Freude geschenkt habt!“

Weihnachtspäckchen schenken Weihnachtsfreude! 603 Weihnachtspäckchen konnten wir im Dezember 2021 nach Albanien und Rumänien schicken; der Transport nach Albanien enthielt auch etliche Kartons mit Schulmaterial (inklusive 56 Schulpäckchen) sowie selbst­gestrickten Socken, Schals und Mützen.

Aus Rumänien, wo 88 ältere Menschen in Sighişoara ein Päckchen erhielten, erreichte uns dieses Dankeschön der 76-jährigen Doamna:

„Ich möchte all den treuen Menschen danken, die es schaffen, uns diese wunder­baren Pakete zu schicken, die mir große Freude bereiten, denn ich kann mir keinen guten Kaffee, keine Schoko­lade, keine Vitamine und keine Hand­creme leisten. Ich habe eine schwierige Familien­situation, weil einer der Jungen krank ist und nicht arbeiten kann. Mit diesem Paket kann ich den Menschen in meiner Umgebung eine Freude machen. Ich fühle mich verwöhnt und wichtig! Ich bin froh, dass jemand an mich denkt und danke Ihnen von ganzem Herzen für das Geschenk, das ich erhalten habe. Gott segne Sie!!!“

Und aus Albanien berichtet Gesti, der Leiter unseres örtlichen Partners:

Heutzutage ist es bei uns für die Kinder sehr schwer, die Liebe und Fürsorge zu bekommen, die sie brauchen. Wir leben in einer sehr harten Gegend, in der die meisten Menschen ums Überleben kämpfen. Daher sehen wir es als Team als sehr wichtig an, den Kindern, denen wir dienen, etwas Freude zu bringen. Wir sind so glücklich, dass wir in dieser Weihnachtszeit einige hundert Menschen treffen und sie glücklich machen und ihnen eine Freude bereiten konnten!

Wenn wir in die Dörfer fahren, die nur etwa 20 Minuten von der Hauptstadt Tirana entfernt sind, sind wir so traurig zu sehen, wie bedürftig die Menschen dort sind. Die Kinder starren uns an in der Hoffnung, dass wir ihnen etwas bringen, das sie glücklich macht, oder auch etwas zu essen, wenn sie vielleicht schon eine Weile nichts mehr gegessen haben. Es ist schwer vorstellbar, dass wir im 21. Jahrhundert diese Art von Problemen haben. Aber wir sind so dankbar, dass einige deutsche Geschwister uns dabei geholfen haben, in dieser Weihnachtszeit Geschenke und Weihnachtsfreude zu überbringen.

Wir besuchten die Schule in Pezë und trafen uns mit dem Direktor, ein Mann um die 50, studiert und gut ausgebildet, aber ohne Hoffnung. „Ich habe ein bisschen geforscht im letzten Jahr“, sagte er, „und herausgefunden, dass die meisten Familien in diesem Dorf mit weniger als 2 Dollar pro Tag überleben. Diese Päckchen für die Familien sind also ein großer Segen für sie!“ Also haben wir 160 Päckchen an die Schüler in Pezë verteilt.

Wir brachten die Päckchen in die Klassenzimmer und wollten mit ihnen Hoffnung schenken. Einer der Jungs bekam sein Päckchen und war so glücklich, dass er anfing, das Päckchen zu küssen und mit ihm zu sprechen: „Ich liebe dich, ich liebe dich!“ Das hat mich wirklich berührt und ich bin hingegangen und habe ihn umarmt. Wir sagten allen Kindern, dass diese Päckchen mit einer großen Liebe von Freunden aus Deutschland kommen.

Auf der Rückfahrt nach Tirana hielten wir an der Schule in Sharrë, die so klein ist und so wenige Lehrer hat, dass mehrere Klassen in einem Raum unterrichtet werden. Als wir dort anhielten, unterbrach der Direktor den Unterricht und schickte alle Kinder vor das Schulgebäude. Ich werde nie ihre Gesichter vergessen, als sie die Päckchen erhielten. Sie sahen aus wie die glücklichsten Kinder der Welt. Eines der glücklichen Kinder sagte: „Ich hab noch nie ein Geschenk bekommen, weil meine Eltern mir nichts schenken.“

Diese Päckchen, auch wenn sie nur eine Kleinigkeit sind, haben eine große Wirkung auf die Kinder und Familien! In unserem Kinderzentrum organisierten wir eine besondere Weihnachtsfeier für alle Kinder und Eltern. Nach der Feier haben wir die Päckchen an die Kinder verteilt und sie damit glücklich gemacht. Auch in einem Waisenhaus in Tirana konnten wir Päckchen verschenken. Wir haben bei unserem Besuch Kinder mitgebracht und sie haben miteinander gespielt; so haben die Päckchen auch dazu beigetragen, dass die Kinder, die es wirklich nötig haben, mit anderen Kindern in ihrem Alter Zeit verbringen konnten und Liebe spürten. Es war eine tolle Zeit!

Wir besuchten auch ein Kinderkrankenhaus, wo besonders Kinder aus ländlichen Familien sind, die sich kein gutes Krankenhaus leisten können. Das war eine sehr schwierige Situation, und wir waren wirklich berührt, als wir die Kinder und ihre Mütter kennenlernten! Eine Mutter fragte, ob in den Paketen auch etwas zu essen sei, da das Krankenhaus nur für die Kinder etwas anbietet. Als wir die Päckchen an die Kinder verteilten, waren sie sehr glücklich und die Mütter waren noch glücklicher als die Kinder.

Aus Spenden für den Weihnachtstransport konnte in Albanien auch ein ganz besonderes Weihnachtsfestmahl für die Kinder und Familien unseres Kinderzentrums in Kombinat bezahlt werden – bereits zum vierten Mal.

„Es ist eine Zeit, die nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern lieben. Die Kinder beginnen zwei Wochen vor der Weihnachtsfeier mit den Vorbereitungen, basteln Einladungen und laden dann ihre Eltern ein, an ihrer Feier teilzunehmen. Wir wollen, dass die Kinder das Gefühl haben, dass es ihre Einladung für die Eltern zu diesem besonderen Essen ist! Sie sind alle begeistert, weil es eine besondere Zeit ist und sie alle auch Geschenke bekommen.“

Insgesamt 65 Personen kamen ins Restaurant, setzten sich an die reichgedeckten und schön geschmückten Tische und fühlten sich willkommen. „Es war ein sehr schönes Essen mit Fleisch und anderen guten Speisen, die alle genossen. Lehrerin Vera begrüßte zu Beginn alle und sagte ein paar gute Worte, damit sich alle wohlfühlten. Einige Kinder sagten auch ein Dankeschön, und dann konnte man sehen, wie alle glücklich waren, sich auf das Essen konzentrierten und miteinander sprachen.“ Später gab es noch eine große Torte und ein Geschenk für jedes einzelne Kind. „Die Kinder waren so glücklich, dass sie alle vergaßen, im Restaurant zu sein, und vor lauter Freude laut zu jubeln begannen. Es war eine Zeit, die sie alle genossen und von der sie noch lange gesprochen haben.“

 

Nach Bulgarien haben wir in diesem Transport keine Päckchen gesendet. Denn im Dezember schrieb Zhana, Leiterin unseres örtlichen Partners:

„Die Corona-Krise hat so viel Trauer und Chaos in unseren Dörfern verursacht, aber sie bot den Menschen auch die Möglichkeit, mit ihren bedürftigen Nachbarn zu teilen. Was wir in den letzten anderthalb Jahren erleben, ist eine beispiellose Reaktion auf die Krisen. Mit Freude sehen wir, dass Christen und Nichtchristen mehr und mehr Verantwortung übernehmen, um sich um Menschen in Not zu kümmern. Wir können den Herrn für diese Entwicklung nur loben, denn das ist es, wofür wir jahrelang gebetet und wovon wir geträumt haben. Das Ergebnis ist, dass wir in der Lage sind, die unmittelbaren Bedürfnisse der bedürftigen Menschen unter uns zu erfüllen. Und das alles begann mit euren Päckchen und Gaben über so viele Jahre hinweg! Wir beobachten diese wunderbare Entwicklung in allen Dörfern, in denen wir den Menschen dienen.“

Stattdessen werden mit Spenden aus dem Weihnachtstransport die Schulen in Vidrare und Tarnava unterstützt, die mit einem sehr geringen Budget auskommen müssen und es sich daher kaum leisten können, das Gebäude genügend zu heizen oder gar eine Schulmahlzeit anzubieten – doch die Kinder sind von 9.00 bis 16.30 Uhr im Unterricht! Daher werden derzeit mit unseren Spenden die Heizkosten unterstützt und für jedes Kind eine warme Mahlzeit bereitgestellt.

„Unser Ziel ist es, den Familien zu helfen und dafür zu sorgen, dass kein Kind mit leerem Magen nach Hause geht und in der Schule nicht friert. Mit eurer großzügigen Spende bringt ihr eine große Erleichterung für unsere Schulen hier, die versuchen, so gut es geht die Kinder unter den derzeitigen unsicheren Umständen angemessen zu versorgen.“

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen, die durch Päckchen oder Spenden zu dieser Weihnachtsaktion beigetragen und es uns ermöglicht haben, in Albanien, Rumänien und Bulgarien Weihnachtsfreude weiterzugeben!

Hoffnung wird greifbar

Zentrum für Berufsausbildung in Kombinat, Albanien

Für die Kinder ist das Kinderzentrum wie ein Zuhause. Ein Zuhause, in dem sie geliebt und wertgeschätzt werden. In dem sie in ihren individuellen Stärken gefördert werden und dort Unterstützung finden, wo sie Hilfe brauchen. Ein Zuhause sogar im Lockdown, wenn die Schulen geschlossen sind! Denn für die Kinder in Kombinat, einem der sozialschwächsten Stadtteile der Hauptstadt Albaniens, dem ärmsten Land in Europa, ist Schule per Internet keine Option. Oder doch? Eda und Gesti, Leiter des Kinderzentrums, nahmen die Sache letztes Jahr selbst in die Hand, kauften ein paar Computer fürs Kinderzentrum und kontaktierten die Schulen: Sie mögen doch bitte den Kindern ordentliche Aufgaben und „Homeschooling“ zur Verfügung stellen; um den Rest kümmert sich das Kinderzentrum. So saßen die Kinder jeden Tag während des Lockdowns im Kinderzentrum und machten eben dort Schule, und bekamen außerdem noch eine warme Mahlzeit. Viel besser, als in ihren dürftigen Unterkünften eingesperrt zu sein und ein halbes Jahr Unterricht zu verpassen!

Aber leider kann auch das Kinderzentrum nicht alle Lücken füllen – dafür ist die Not zu überwältigend. „Unsere große Herausforderung ist, dass wir manche Kinder verlieren, wenn sie Teenager werden“, erklärt Gesti. „Manche Mädchen heiraten sehr früh, einige der Jungs fangen an mit Diebstahl, Drogen – das ist halt, was sie von ihrer ‚Gesellschaft‘ kennen.“ Besonders in Kombinat ist das ein Problem, bedingt durch Armut und Perspektivlosigkeit; Prostitution, Drogenhandel, Missbrauch und Gewalt gehören hier zum Alltag.

„Was wir brauchen, sind Möglichkeiten für eine Berufsausbildung oder ähnliches – etwas, dass den jungen Leuten eine Hoffnung für die Zukunft gibt. Ein ‚Haus der Hoffnung‘ – das ist mein Traum. Ein Ort, der als Anlaufstelle dienen kann, wo die Jugendlichen jemand haben, zu dem oder der sie mit ihren Sorgen und Nöten, ihren Fragen und Träumen kommen können. Aber eben auch ein Ort, wo sie einen Beruf erlernen können. Ich würde gerne mit einem Medienprojekt beginnen, später vielleicht eine Nähschule oder anderes.“

Und so entstand der Plan fürs „Haus der Hoffnung“ in Kombinat. In kürzester Zeit wurde eine geeignete Wohnung gefunden, die Ende August von einem paXan-Team ins „House of Hope“ umgebaut wurde, mit Aufenthaltsraum und Bad, Schulungsraum und einem fertig eingerichteten Studio für Ton-, Bild- und Videoaufnahmen. Sevin, ein lokaler Experte, wird die ersten Jugendlichen ehrenamtlich ausbilden. „Wenn man Menschen einen Beruf gibt, dann gibt man ihnen eine Möglichkeit zu leben“, betont er.

Zu diesen Menschen gehört zum Beispiel Gjergj*, der älteste von sieben Brüdern, alle von anderen Vätern. Zwei der Jungs besuchen das Kinderzentrum, die drei jüngsten sind noch zu klein. Und Afrim*, der zweitälteste, hat bereits den „Weg der Gesellschaft“ eingeschlagen; fünfmal wurde er bisher festgenommen. Aber Gjergj gibt nicht auf. Zwar muss er sich oft um seine kleinen Brüder kümmern, aber er geht weiterhin zur Schule und kommt zum Kinderzentrum, wo er und seine Brüder ihre oft einzige warme Mahlzeit am Tag bekommen. Das „Haus der Hoffnung“ schenkt ihm ungeahnte Möglichkeiten – und bei der Renovierung im August war er mit Begeisterung dabei.

Oder Mädchen wie Aisha* und Elira*. Vom Stiefvater missbraucht – leider kein Einzelfall in Kombinat – nahm Elira letztes Jahr den einzigen Fluchtweg aus der verzweifelten Familiensituation, den sie kannte, und „heiratete“, mit nur 14 Jahren. Wenn sie zu der Zeit schon eine Alternative gehabt hätte, wäre ihre Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Auch Aisha droht dieses Schicksal: Ihre Familie will sie aus religiösen Gründen verheiraten, aber Aisha möchte studieren und einen Beruf erlernen. Ihr Zuhause wurde im Erdbeben zerstört und die Familie zog weiter weg, trotzdem kommt sie weiterhin ins Kinderzentrum. Sie ist sehr begabt im musikalischen und journalistischen Bereich – eine Ausbildung im „Haus der Hoffnung“ würde ihr die Chance bieten, nach der sie sich sehnt.

Oder auch Skender*. Gesti lernte ihn kennen durch einen Fußballclub, den er mit Freunden einige Jahre für die Jungs in Kombinat angeboten hatte. Seitdem haben sie engen Kontakt und Skender ist treu bei allen Aktivitäten dabei. Auch seine Familiensituation ist nicht einfach: Die Mutter arbeitet tagaus tagein von morgens bis abends als Näherin, um ihre Familie zu ernähren, aber das meiste Einkommen zerfließt im Alkohol für den Vater. Skenders Chancen für einen guten Beruf waren gering – bis das „Haus der Hoffnung“ ins Leben gerufen wurde, woran auch Skender tatkräftig beteiligt war. Vor allem auf die Ton- und Videotechnik freut er sich schon enorm!

Hoffnung – so ein einfaches Wort, und für viele Menschen weltweit so unerreichbar. Dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Partners in Albanien, aber auch den treuen Spenden für unser Jahresprojekt 2019 und das Kinderzentrum in Kombinat, ist Hoffnung für Jugendliche wie Gjergj und Skender, Aisha und Elira greifbar geworden.

 

* Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

paXan 2021 Albanien: „Haus der Hoffnung“

paXan – das heißt: Gemeinsam anpacken. Und Frieden weitergeben. Wertschätzung vermitteln. Und Hoffnung!

Hoffnung schenken, das hat im vergangenen Jahr im Rahmen der Pandemie ganz neu an Wert gewonnen. In Kombinat in Albanien ist es schon seit Jahren Programm. Dieser sozialschwache Stadtteil am Rande Tiranas ist geprägt von Arbeitslosigkeit, Drogenhandel, Missbrauch und Prostitution; für junge Menschen gibt es kaum Perspektiven, dem Kreislauf der Armut zu entfliehen. Infolge des paXan-Einsatzes 2014 wurde daher in Kombinat ein Kinderzentrum begonnen, sodass besonders benachteiligte Kinder eine gute Schulbildung bekommen können, wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag, einen Ort, an dem sie Liebe und Anerkennung erfahren. Das hat schon einen großen Unterschied im Leben der Kinder gemacht! Aber für eine echte Zukunftsperspektive ist noch mehr nötig: zum Beispiel die Möglichkeit, eine gute Ausbildung zu erhalten. Und so entstand die Idee fürs „House of Hope“ – ein Ort, an dem Jugendliche ausgebildet und in Jobs vermittelt werden, wo sie von Mentoren begleitet und gefördert werden, wo sie ihr Potential entfalten und Hoffnung in Realität verwandeln können.

Mitte Juli fanden die ersten Gespräche dafür statt, und weil die Jugendlichen jetzt Hoffnung benötigen, nicht erst, wenn die Welt wieder „normal“ ist, ging dann alles ganz schnell: Kaum einen Monat später, am 22. August, machte sich – allen pandemiebedingten Hindernissen zum Trotz – ein paXan-Team auf den Weg nach Kombinat, um das House of Hope gemeinsam mit den albanischen Freunden ins Leben zu rufen.

Dafür wurde, wie bei jedem paXan-Einsatz, tatkräftig angepackt: Gemeinsam mit ein paar der Jugendlichen, die bald im House of Hope ausgebildet werden, und örtlichen Leitern schufteten die sechs paXan-Teamler eine Woche lang von morgens früh bis abends spät, um eine Wohnung an der Hauptstraße durch Kombinat in ein kleines Ausbildungszentrum zu verwandeln. Dabei wurde viel gespachtelt und gesägt, gehämmert und gebohrt, gepinselt und gemalt, und sehr, sehr viel geputzt, geplant und gedacht. Und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Das Bad erstrahlt nun in neuem Glanz, der Treppenaufgang ist frisch renoviert, ein Schulungsraum wartet nur noch auf Tische, der Aufenthaltsraum mit Küchenzeile ist gemütlich eingerichtet und in schönstem Design präsentiert, und als Krönung ist ein Ton- und Bildstudio einsatzbereit – mit gedämmten Wänden, Greenscreen und Lichttechnik. Denn als ersten „Ausbildungszweig“ bietet das House of Hope Schulungen in Ton- und Videotechnik, Fotografie und Grafikdesign an. Dafür gibt es viel Nachfrage in Albanien und darüber hinaus; einige Aufträge warten schon. Ein lokaler Experte wird die Jugendlichen auf ehrenamtlicher Basis ausbilden. Sie können es kaum erwarten, damit anzufangen!

Am 31. August machte sich das paXan-Team auf den Heimweg, aber eigentlich wären alle lieber in Albanien geblieben. Weil wir von allen so herzlich aufgenommen und von Vera so vorzüglich bekocht wurden. Weil es so eine Freude war, mit unseren albanischen Freunden zusammenzuarbeiten (und auch mal gemeinsam an den Strand zu fahren :). Weil es so viel Segen bedeutet hat, an diesem nachhaltigen Projekt zu arbeiten, das einen wirklichen Unterschied für unsere Freunde machen wird. Weil wir auch sonst einfach richtig viel Spaß zusammen hatten! Und ja – auch weil wir das schöne Wetter und das Leben in Albanien vermissen werden, und natürlich all die wertvollen Menschen, die wir kennenlernen durften.

Hoffnung – das ist ein Geschenk, das immer in beide Richtungen segnet. Und so dürfen wir uns nicht nur über die Gewissheit freuen, dass das House of Hope echte Hoffnung schenken wird, sondern auch selbst mit neuer Hoffnung und Zuversicht in den deutschen Alltag zurückkehren. Hoffnung, weil wir selbst erlebt haben, wie mit der richtigen Motivation schon eine Woche Schrauben, Schaum und Spachtelmasse mehrere Leben lang Zukunft schaffen können.

Endlich mal richtig satt – „Weihnachtsfestmahl“ im Kinderzentrum Kombinat

Es ist einer dieser Tage, auf den die Kinder sich das ganze Jahr über freuen. Ein Tag, an dem sie mit ihrer Familie und ihren Freunden ausgelassen feiern können. Ein Tag, an dem es Geschenke gibt! Und vor allem ein Tag, an dem sie sich endlich mal richtig satt essen können.

Zum vierten Mal feierte im Dezember unser Kinderzentrum in Kombinat, Albanien, dieses ganz besondere Weihnachtsmahl. Dafür werden die Kinder gemeinsam mit ihren Familien in ein nettes Restaurant eingeladen – etwas, das sie sich unmöglich selbst leisten könnten. Das Essen ist vorzüglich, und vor allem: Es ist genug davon da!

An diesem Tag saß Ali*, den wir schon in unserem Jahresprojekt 2019 kennengerlent haben, die ganze Zeit stumm auf seinem Stuhl und aß und aß. Einer der Mitarbeiter fragte ihn: „Bist du glücklich?“ – „Ja!“, antwortete Ali, und seine Augen strahlten. „Das ist das erste Mal, dass ich den Tisch so voll gesehen hab und so viel essen kann, wie ich will!“

Etwa 50 Kinder, Eltern und Mitarbeiter feierten an diesem Tag gemeinsam Weihnachten. Die Mitarbeiter hatten entschieden, das Festmahl auch trotz Corona anzubieten – denn gerade nach diesem Jahr der Hoffnungslosigkeit brauchen die Familien diese Zeit der geteilten Freude und Zuversicht. Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners, berichtet:

„Eine Woche vorher hatten die Kinder alle liebevoll Einladungskarten für ihre Eltern gebastelt. An dem Tag kamen dann alle Kinder und Eltern pünktlich beim Restaurant an; sie sahen sehr glücklich aus! Wir hatten einen guten Platz und sehr gutes Essen. Für diesen Tag wünschen wir uns, dass sie einfach alle so richtig das Essen und Trinken genießen können.

Während des Essens schaute ich zu Cimi und seiner Tochter Anna* hinüber. Sie sahen beide sehr froh aus. Ich fragte sie, ob sie die Feier genießen? Cimi sagte, mit Tränen in den Augen: ‚Wir haben daheim nichts mehr zu essen.‘ Seine Frau hat ihn und Anna vor einer Weile verlassen. Die zwei sind jetzt allein und oft haben sie nicht genug Lebensmittel. Wir waren so froh, dass sie sich hier satt essen und auch noch etwas mit nach Hause nehmen konnten.“

Nach dem Festmahl folgte noch die Bescherung: Jedes Kind erhielt ein neues Paar Schuhe, und einige Weihnachtspäckchen wurden verteilt; die restlichen bei der Weihnachtsfeier im Kinderzentrum. „Als sie nach dem Essen die Geschenke bekamen, da lärmte Ali, als ob die ganze Welt ihm gehört!“

Das Weihnachtsessen wurde, wie auch in den Vorjahren, von Helping Hands e.V. aus Spenden im Rahmen des Weihnachtstransports gefördert.

 

* Name geändert

Alles Gute zum Muttertag!

Mütter sind (über)lebenswichtig – das würde wohl keiner bestreiten. Aber auch gerade in der „Entwicklungshilfe“ sind Mütter mit die wichtigsten Akteure. Denn für Mütter steht das im Mittelpunkt, was ihren Kindern, ihrer Familie am meisten nützt. Projekte sind erfolgreicher und verändern nachhaltiger, wenn Mütter involviert sind. Das haben auch unsere Partner erkannt, und deshalb sind Mütter, unter anderem in sogenannten „Selbsthilfegruppen“, ein nicht-wegzudenkender Teil unserer Projekte.

Und diesen Müttern sollten wir auch mal Danke sagen!

Das hat unser Partner in Albanien dieses Jahr zum Muttertag umgesetzt, der in Albanien bereits am 8. März stattfand – also gerade noch rechtzeitig vor den Corona-Beschränkungen. Die Kinder unseres Kinderzentrums in Kombinat luden ihre Mütter zu einem besonderen Fest ein. Nach einem gemeinsamen Programm, wo über die Beziehung zwischen Müttern und Kindern gesprochen und natürlich auch gemeinsam gegessen und getrunken wurde, kam der Höhepunkt der Feier, wie unser Partner berichtet:

„Der beste Moment war, als die Kinder ihren Müttern Geschenke gaben. Das war das erste Mal, dass diese Frauen von ihren Kindern Geschenke bekommen haben. Die Kinder waren so glücklich, weil sie sehen konnten, wie glücklich ihre Mütter waren.

Diese Frauen haben alle keine gute Bildung, sie arbeiten auf der Straße oder sind arbeitslos, also haben sie nicht viel gesagt. Aber sie haben ihre Freude durch ihr strahlendes Lächeln gezeigt.“

Knapp 30 Mütter und Kinder konnten an dem Tag dabei sein; für die anderen Mütter nahmen ihre Kinder die Geschenke mit nach Hause. Viele dieser Frauen leben unter sehr schwierigen Verhältnissen und leiden unter häuslicher Gewalt. Das Kinderzentrum gibt ihnen die Hoffnung, dass es wenigstens ihren Kindern einmal besser gehen wird.

 

Die Muttertags-Feier wurde von Helping Hands e.V. aus Spenden zum Jahresprojekt 2019 gefördert.

Corona-Krise anderswo

Dasselbe Virus, aber dramatischere Folgen: Unsere Partner berichten aus aller Welt

„Heute hatten wir die ersten Corona-Fälle. Es ist furchtbar. Alles ist dicht. Man darf sich nicht mehr öffentlich treffen“, so schreibt Gesti aus dem ärmsten Land Europas. „Unser Kindergarten wurde für drei Wochen geschlossen. Dadurch fallen alle Einnahmen weg, und wir wissen nicht, wie wir die Mitarbeiter bezahlen sollen.“

Niemand war auf diese Katastrophe vorbereitet. Doch wie immer trifft es die besonders Benachteiligten am härtesten. Unsere Projektpartner in Südasien und Afrika, Osteuropa und dem Nahen Osten stehen vor ähnlichen Herausforderungen:

Im Libanon ist die Schule unseres Partners nun schon die vierte Woche geschlossen. Das ist besonders schlimm für die Schüler, weil ja schon im Herbst aufgrund der politischen Lage mehrere Wochen Unterricht ausfielen und viele Eltern ihre Jobs verloren haben. „Die Situation hier ist sehr kritisch“, schreibt die Schulleiterin. Besonders gefährdet sind die zahlreichen Schüler aus Flüchtlingsfamilien, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen.

In Nepal wurden bisher zwar erst zwei Menschen positiv getestet, trotzdem sind alle Schulen und auch die Kinderzentren unseres Partners für einen Monat geschlossen. Die örtlichen Mitarbeiter überprüfen aber weiterhin regelmäßig, ob die Kinder und Eltern gesund sind, um im Zweifelsfall umgehend helfen zu können. Größere Sorge bereitet unserem Partner die finanzielle Lage: Händler begannen sofort, durch künstliche Verknappung die Preise für alltägliche Produkte und Grundnahrungsmittel in die Höhe zu treiben. Viele haben Angst, dass ihnen bald das Nötigste zum Überleben fehlt.

In Sri Lanka mussten die Kinderzentren ebenfalls vorübergehend geschlossen werden. Nachts herrscht eine Ausgangssperre und die Regierung zieht in Betracht, diese auf tagsüber auszuweiten, da sich das Virus besonders durch Menschen verbreitet hat, die sich der Quarantäne entzogen haben – wodurch auch viel Panik entstanden ist. „Es ist besonders schwierig für die Bedürftigsten, die auf ein tägliches Einkommen angewiesen sind“, berichtet unser Partner. Denn sie besitzen immer nur gerade so viel Geld, um für einen Tag einzukaufen – was sehr schwierig ist, wenn Reichere die Läden leergekauft haben. „Es ist erschreckend und herzergreifend, die Menschen so leiden zu sehen.“

In Bangladesch besuchen normalerweise knapp 5000 Kinder die ca. 50 Kinderzentren unseres Partners. Ein paar dieser Kinderzentren werden zum größten Teil örtlich finanziert – zum Beispiel ein Zentrum in Naogaon: „Die meisten Kinder hier kommen aus sehr benachteiligten Randgruppen“, erklärt unser Partner. „Aber alle möchten ihre Kinder zum Zentrum schicken, weil sie hier so gut versorgt werden. Die meisten Kosten werden örtlich getragen.“ Doch das ist jetzt sehr schwierig geworden, denn auch in Bangladesch haben sich die Preise für alltägliche Dinge teilweise um 50% erhöht. „Es wird eine große Herausforderung, all unsere Mitarbeiter zu bezahlen.“

(Unsere örtlichen Partner in Südasien überlegen derzeit gemeinsam mit unserem internationalen Förderpartner NCM, Lebensmittel und andere nötige Produkte an die bedürftigsten Familien zu verteilen. Dabei sollen sich natürlich alle Helfer an strenge Sicherheitsvorkehrungen halten, um das Virus nicht weiterzuverbreiten.)

In Albanien herrscht zwar weiterhin Ausgangssperre, zur Arbeit dürfen die Einwohner nur von 6 bis 9 Uhr morgens und 16 bis 18 Uhr nachmittags und es fehlt an vielen notwendigen Hilfsmitteln, vor allem auch in Krankenhäusern. Trotzdem konnte unser Partner bereits dringend benötigte Hilfe leisten: An viele der Familien unseres Kinderzentrums verteilten freiwillige Helfer unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen Tüten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Die Familien waren dafür enorm dankbar, denn die meisten können sich keine Lebensmittel mehr leisten. Der Kindergarten ist weiterhin geschlossen, doch die Kinder sind zuhause aktiv und senden regelmäßig Bilder von den Bastelarbeiten, die sie unter Anleitung herstellen konnten.

In Rumänien musste unser Partner Veritas alle Programme am 12. März schließen; derzeit bis 22. April. Die Mitarbeiter können in dieser Zeit Arbeitslosengeld erhalten. Die Leiter der verschiedenen Programme (u.a. für Kinder aus benachteiligten Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung) bleiben mit ihren Klienten in Kontakt und helfen, wo möglich.

In Kenia befindet sich die Schule unseres Partners in einem der gefährdetsten Gebiete des Landes: dem Kariobangi-Slum in Nairobi. Hygiene beachten, Kontakt meiden – das ist in einem Slum viel schwieriger oder gar unmöglich. Die Familien stehen vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, denn die meisten sind darauf angewiesen, täglich ihr Geld zum Überleben zu verdienen. Und auch hier mussten alle Schulen geschlossen werden. Das bedeutet für die Kinder der „Arche“ Schule, dass sie in den nächsten Wochen sehr hungrig sein werden, denn für viele ist sonst das Schulessen die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Lernen per Internet oder Videokonferenz ist im Slum keine Option; dafür hat die Regierung aber angekündigt, jeden Tag bis nachmittags nur Bildungsprogramme in Radio und Fernsehen auszustrahlen. Trotzdem – den Kindern fehlt vor allem das „Zuhause“, das sie in der „Arche“ gefunden haben!

 

So dramatisch die Lage ist – es besteht auch viel Hoffnung. Denn unsere Partner geben nicht so schnell auf und bemühen sich heute genauso wie gestern und morgen, denen zur Seite zu stehen, die am meisten gefährdet sind.

Deshalb möchten wir auch in dieser Krise unseren Partnern unter die Arme greifen, damit ihre wertvolle Arbeit weitergehen kann und Kindern und Familien in Not geholfen wird!

Ihre Spende ermöglicht einen Neuanfang und Hilfe, wo es am Nötigsten ist. Herzlichen Dank dafür!

Rückblick: Jahresprojekt 2019

„Straße oder Schulbank?“ Oder vielleicht eher:
„Bücher oder Drogen?“

Gut, so ganz direkt wird wohl kaum einer unserer Kinder in Kombinat, Albanien, diese Entscheidung treffen müssen. Aber irgendwie doch: denn die richtigen Schulbücher sind erforderlich, um die Schule besuchen zu dürfen. Und die sind teuer! Für ältere Kinder kann das schon mal über 100 Euro kosten. Das kann sich doch keine Familie dort leisten! Eben nicht – und das bedeutet, dass viele Kinder einfach gar nicht zur Schule gehen. So wäre es auch für Gjergj gewesen, der älteste von sieben Jungs. „Wenn er nicht zur Schule gehen würde, dann wäre er sicherlich auf der Straße und im Drogenhandel verstrickt“, erklärt Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners.

Aber Gjergj geht zur Schule – und er hat Schulbücher. Die hat er in unserem Kinderzentrum in Kombinat erhalten. Im Herbst sammelte eine Kinderkirche in Hessen, um die Kinder in Kombinat mit Schulmaterial zu unterstützen: Ihre ganz eigenen Füller, Buntstifte, Hefte, gleich zu Schulanfang – das war toll! Aus Spenden für unser Jahresprojekt 2019 konnten zusätzlich die Schulbücher für die älteren Kinder bezahlt werden. Eine Handvoll Bücher, die die Entscheidung trifft zwischen Straße und Schulbank; die dafür sorgt, dass Jungs und Mädchen eine Zukunft haben.
Denn dafür setzen die Mitarbeiter des Kinderzentrums sich ein: dass Kindern aus Randgruppen, die sonst kaum Chancen hätten, durch Schulbildung und sonstige Förderung echte Möglichkeiten für die Zukunft geboten werden. Und an Motivation fehlt es diesen Kindern nicht! Die Lehrerin berichtet:

„Eine meiner besten Schülerinnen ist Aurora. Ich bin so dankbar dass solche Kinder hier im Kinderzentrum sind, die ansonsten keinen Ort zum Lernen hätten und so viel verpassen würden. Viele Tage bleibe ich länger mit ihr im Zentrum, über die Arbeitszeit hinaus, weil sie immer darum bittet, noch mehr zu lernen. Am Ende des Schuljahres hatte sie sehr gute Noten und war eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse.

Und Gyselda: Jedes Mal, wenn sie eine gute Note schreibt, kommt sie und umarmt mich und dankt mir. Sie ist auch eins der Kinder, die immer länger bleiben, um noch mehr zu lernen. Keinen einzigen Tag hat sie dieses Jahr im Kinderzentrum verpasst. Ich bin so stolz auf sie!“

Die Hingabe ihrer Lehrer und die Förderung, die sie im Kinderzentrum erhalten, machen einen riesigen Unterschied für die Kinder. Die Unterstützung hilft ihnen besonders darin, ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Straße oder Schulbank? Was hier die richtige Antwort ist, ist diesen Kindern völlig klar.

Ein ganzes Jahr lang beteiligten sich hunderte von Einzelpersonen, Gruppen und Kirchengemeinden – zum Beispiel durch einen Spendenlauf und ein Jazzkonzert – an unserem Jahresprojekt 2019: Kinderzentrum und Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mehr als 15.000 Euro kamen so bis Ende Dezember zusammen! Über den genauen Einsatz der Mittel beraten wir mit dem örtlichen Partner in den kommenden Wochen. Unter anderem konnte dadurch aber bereits eine neue Lehrerin für den Kindergarten eingestellt werden; das trägt dazu bei, dass der Kindergarten zeitnah finanziell selbsttragend wird und auch das Kinderzentrum mit unterstützt.

Etwas Stabilität schenken, einen Ort bieten, an dem die Kinder sich sicher und geliebt fühlen – das ist für sie enorm wichtig, denn jedes dieser Kinder lebt in schwierigen familiären Verhältnissen. Das ist aber auch besonders dann relevant, wenn sonstige Stabilität zusammenbricht. Das Erdbeben in Albanien Ende November zerstörte auch in Kombinat viele Häuser – sämtliche Familien des Kinderzentrums waren betroffen (der Kindergarten blieb unbeschädigt). Aber unser örtlicher Partner stand ihnen zur Seite, half mit Lebensmitteln, Decken und Schlafsäcken durch die ersten Tage hindurch, ermutigte und beriet, schenkte Hoffnung in einer Weihnachtsfeier – ebenfalls durch Spenden aus dem Jahresprojekt – und fand schließlich ein neues Gebäude fürs Kinderzentrum, sodass im Januar der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte. Die Kinder sind begeistert von den neuen Räumen, die erheblich mehr Platz bieten; sogar ein Hof und Garten zum Spielen stehen nun zur Verfügung.

Straße oder Schulbank? Bücher oder Drogen? Ein herzliches Dankeschön, dass Sie sich mit den Kindern in Kombinat für die bessere Wahl eingesetzt haben!

Weihnachtsfreude trotz Erdbeben

„Alle Familien der Kinder in unserem Kinderzentrum haben ihr Zuhause verloren. Am Tag nach dem Erdbeben wurden sie erst mal in Zelten untergebracht, für etwa eine Woche. Danach konnten einige in Notunterkünfte hier in der Gegend umziehen – kleine Holzhütten, eigentlich gar keine richtigen Häuser. Manche leben noch in Turnhallen mit vielen anderen. Wir haben alle Familien besucht und ihnen Lebensmittelpakete gebracht, auch Schlafsäcke, Decken und Matratzen. Sie haben sich so gefreut – viele haben geweint, sie waren so dankbar.“

Gesti Biti, der Leiter unseres örtlichen Partners und Generalsekretär aller evangelischen Gemeinden in Albanien, ist seit dem Erdbeben Ende November unermüdlich unterwegs gewesen – er hat Nothilfe organisiert, Familien besucht, Menschen zugehört und Mut zugesprochen. Und sich nebenher noch um einige logistische Angelegenheiten gekümmert: Denn zum Beispiel ist das Gebäude, in dem die Kinder des Kinderzentrums täglich zum Mittagessen kommen, so stark beschädigt, dass es nicht mehr betreten werden darf. Inzwischen hat Gesti einen neuen Ort gefunden, der zum 1. Januar gemietet wird, sodass auch das Kinderzentrum wieder eröffnen kann, wenn die Schule nach den Ferien weitergeht.

Aber vorher ist ja noch Weihnachten! Auch dafür hat Gesti einige Ideen:

„Wir werden den Familien Coupons geben, mit denen sie sich ein Weihnachtsessen kaufen können. Auch das hilft sehr! Und dann möchten wir, wie in den letzten zwei Jahren, eine Weihnachtsfeier mit den Kindern des Kinderzentrums und ihren Familien veranstalten. Dafür laden wir sie zu einem besonderen Mittagessen ein – um Weihnachten zu feiern, aber auch als eine Art Traumatherapie für sie alle, denn sie haben viel durchgemacht. Sie haben auch immer noch Angst, denn ständig gibt es weitere Nachbeben. Diese Weihnachtsfeier ist etwas ganz Besonderes für sie.“

Dieses Jahr unterstütze Helping Hands e.V. das Kinderzentrum in Kombinat sowie einen Kindergarten im gleichen Ort als „Jahresprojekt“. Der Kindergarten wurde glücklicherweise nicht beschädigt und konnte kurz nach dem Erdbeben wieder eröffnet werden und läuft normal weiter. Und die Familien des Kinderzentrums dürfen erneut erfahren, dass Hoffnung sich nicht nur in besseren Schulnoten wiederspiegelt, sondern einen echten Unterschied im Alltag schenkt.

Hoffnung, wenn die Erde bebt

Noch vor wenigen Wochen wurden auf diesen Tischen nagelneue Buntstifte, Bücher und Rucksäcke von strahlenden Kinderaugen bestaunt – jetzt belegen hier fleißige Hände viele, viele Brötchen mit Käse und Wurst, um zumindest ein wenig Hunger zu lindern auf den Straßen, auf denen Menschen verängstigt warten, was kommt. Und unser Kinderzentrum in Kombinat am Rande Tiranas ist nur einer von unzähligen Orten, an dem das Leben seit dem Erdbeben am Dienstagmorgen nicht mehr so weitergeht wie zuvor.

Das schlimmste Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten hat mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet, Hunderte verletzt und weitreichende Zerstörung angerichtet. „Viele Leute sind auf der Straße, weil ihre Häuser zu stark beschädigt sind“, berichtet Gesti, der Leiter unseres Partners vor Ort. „Viele andere haben Angst, in ihre Wohnungen zurückzukehren.“

Inzwischen hat er ein Komitee von Leitern verschiedener Kirchen und Gruppen zusammengestellt, um Hilfe zu organisieren. „Wir haben Zugang zu den Zentren bekommen, die die Regierung eingerichtet hat – das war nicht einfach, aber ein wichtiger Schritt. Wir haben Brote und Wasser verteilt und eine warme Mahlzeit zubereitet für die Familien, die in Kombinat in Zelten untergebracht sind. Die Not ist groß – benötigt werden vor allem erst einmal Nahrung, Kleidung und Decken.“ Doch angesichts der großen Zerstörung ist auf alle Fälle langfristige Hilfe nötig. Zudem hat Helping Hands bereits Kontakte mit Spezialisten für Katastrophenhilfe vermittelt.

Das Epizentrum des Erdbebens lag nur etwa 30 km nordwestlich des Kinderzentrums und Kindergartens, die wir als das Helping Hands Jahresprojekt 2019 unterstützen. Wie wird es dort jetzt weitergehen?

„Wir mussten den Kindergarten und das Kinderzentrum für diese Woche schließen, weil die Regierung das verlangt hat“, erklärt Gesti. „Die Kinder haben alle große Angst. Die Erde bebt immer noch alle 10 bis 15 Minuten – so etwas haben wir noch nie erlebt. Zudem wurde das Gebäude beschädigt, in dem die Kinder ihre Mittagsmahlzeit bekommen, und die Behörden haben es als unsicher eingestuft: Wir dürfen dort nicht mehr rein.“

Natürlich hofft unser Partner, dass die Lage sich bald entspannt und Kindergarten und Kinderzentrum zeitnah wiedereröffnet werden können. Und bis dahin tun unsere örtlichen Mitarbeiter in der derzeitigen Situation von Angst und Verzweiflung für viele Familien und Kinder genau das, was sie in Kindergarten und Kinderzentrum schon seit einigen Jahren in die Tat umsetzen und auch im Namen des Kindergartens, „AM-EL“, verankert haben: sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen.