Kein Alltag voller Angst

Therapieprogramm an NES-Schule in Beirut bewirkt bemerkenswerte Veränderungen

Es ist bereits bitterer Alltag geworden in Beirut: das stetige Summen der Überwachungsdrohnen des Nachbarstaates, Explosionen in West-Beirut, Nachrichten über Angriffe und Gegenangriffe im Süden. Auch in dem Stadtteil, in dem sich die NES-Schule befindet, sind diese Geräusche des Krieges deutlich zu hören – für viele der Kinder und Familien eine tagtägliche Erinnerung an das Trauma, das sie durchlebt haben.

Da sind zum Beispiel die Kinder, die mit ihren Familien in West-Beirut lebten, als es regelmäßig bombardiert wurde. Ihre Häuser sind zerstört und die Familien haben sich eine Bleibe in der Nähe der Schule gesucht. Trotzdem können die Kinder nachts oft nicht schlafen; die Erinnerung an das Erlebte sitzt zu tief.

Und dann sind da Kinder wie die Zwillingsbrüder Damien* und Eric*, die, wie viele andere, mit ihren Familien aus dem Süden fliehen mussten und früh im letzten Schuljahr plötzlich vor der Tür der NES-Schule standen. Die Zweitklässler – voller Angst und Trauma der Bombenangriffe und erlebten Konflikte – waren sichtlich erleichtert, dass sie endlich in einer sicheren Umgebung waren.

Auch die Eltern leiden – und mit ihnen wiederum ihre Kinder. Etwa die Hälfte der Schüler in der NES und im STEP-Nachmittagsprogramm stammt aus syrischen Flüchtlingsfamilien. Zwar wurden viele der Kinder erst in Beirut geboren. Doch ihre Eltern haben das Trauma aus Syrien mitgebracht, und durch die aktuellen Ereignisse wird es immer wieder neu aufgewühlt. Eine Mutter brach in einer Gruppentherapie in Tränen aus und beschrieb ihre Reaktion beim größten Angriff vor einem Jahr, der in Beirut zu spüren war wie ein Erdbeben: „Ich saß auf dem Boden und weinte, denn plötzlich war ich wieder das junge Mädchen in Syrien, voller Angst vor den Bombenangriffen … mein kleines Kind kam zu mir und musste mich trösten, so eine schlechte Mutter bin ich!“

Um diesen Kindern und ihren Familien emotionale Heilung und eine angstfreie Zukunft zu ermöglichen – ihnen, und den vielen anderen, die extreme Wirtschaftskrise, Pandemie, Hafenexplosion und Erdbeben durchlebt haben – hat die NES-Schule im Frühjahr das Therapieprogramm begonnen, das wir als unser Jahresprojekt 2025 fördern. Schulungen und Gruppenangebote für Kinder, Eltern und Lehrer werden ergänzt durch Einzelgespräche mit Sarah, der Schulpsychologin; auch die syrische Mutter kam zwei Monate lang jeden Tag zu ihr und sie sprachen intensiv darüber, wir ihr Trauma ihren Alltag bestimmte.

Und schon nach kurzer Zeit hat das Programm einen großen Unterschied gemacht. Kinder und Eltern haben gelernt, ihre Gefühle bewusst einzugestehen und in Worte zu fassen, ihre Bedürfnisse klar zu benennen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und aktiv ihre emotionale Gesundheit zu fördern. Lehrer und Eltern haben zusätzlich gelernt, mit ihren Gefühlen und Erfahrungen so umzugehen, dass die Kinder davon ermutigt, nicht verängstigt werden. Die junge Mutter aus Syrien weiß nun, dass es völlig in Ordnung ist, solche Emotionen zu haben, dass sie darüber auch mit ihren Kindern sprechen darf, und deshalb keine schlechte Mutter ist!

Auch die Zwillingsbrüder Damien und Eric haben von der heilenden Atmosphäre und dem Therapieprogramm profitiert: „Von dem Moment an, als sie die Schule betraten, begann der Heilungsprozess. Sie gewöhnten sich schnell an die neue Umgebung, konnten wieder strukturiert lernen, wurden emotional, sozial und geistlich gefördert … Die Veränderung war bemerkenswert. Die Zwillinge holten nicht nur ihren Rückstand auf, sondern übertrafen sogar ihre Mitschüler. Die NES-Schule brachte ihnen den nötigen Frieden und die Heilung, um ihre Liebe zum Lernen – und zum Leben selbst – wieder zu entfachen.“

Nach einer erfolgreichen Pilotphase im Frühjahr hat die NES das Therapieprogramm fürs neue Schuljahr Ende September in geringerem Umfang gestartet. Noch fehlen die Mittel, das Programm fürs ganze Schuljahr bzw. in vollem Umfang umzusetzen. Die Kinder, Familien und Personal der NES-Schule in Beirut sind für jede Unterstützung dankbar! Bitte überweisen Sie mit Vermerk „NES Therapie“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

* Namen geändert. Das Foto zeigt eine gestellte Situation mit der Therapeutin.

Es regnet unaufhörlich

Monsun-Katastrophe in Ost-Nepal dauert an

Vor drei Wochen wurden die Bergdörfer Ithung und Ghalegaun in Ost-Nepal von verheerenden Monsun-Regenfällen und Erdrutschen heimgesucht. Viele der Familien aus unserem integrativen Kinderzentrum in diesen beiden Dörfern waren stark betroffen.

Jetzt haben dort wieder die Unwetter begonnen – obwohl die Regenzeit längst vorbei sein müsste. „Seit 24 Stunden regnet es unaufhörlich“, berichtet Aindra, unser Partner vor Ort, am Freitag. „In Ithung und Ghalegaun hat es bereits weitere Erdrutsche gegeben.“ Vom Staat wurden Warnungen ausgesprochen, weil ähnlich schlimme Auswirkungen wie zuvor befürchtet werden. Das Gebiet ist bereits vom Rest des Landes abgeschnitten; auch zwischen den einzelnen Dörfern sind die Verkehrswege zerstört. Die Angst vor einer weiteren Katastrophe ist groß.

Trotzdem gibt es auch viel Mut und Zuversicht, wie Aindra betont: „Wir sind so dankbar, dass ihr den Familien in Ghalegaun helfen wollt. Eure Unterstützung macht für den Neubeginn den entscheidenden Unterschied!

Die Familien brauchen Hilfe vor allem mit neuem Saatgut und Setzlingen. Bewässerungsrohre und -kanäle müssen ersetzt oder geflickt werden und Ställe und Häuser repariert oder wieder aufgebaut. Alles wird mit der Selbsthilfegruppe vor Ort geplant, damit wir den Familien nicht nur helfen, sich von diesem Schock zu erholen, sondern damit sie wirklich unabhängig und finanziell selbstständig werden!“

Wir möchten die Familien in Ghalegaun und Ithung in dieser Lage wissen lassen, dass sie nicht allein sind! Wenn Sie die Eltern unserer Schulkinder beim Neustart unterstützen möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Nepal Katastrophenhilfe“ (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394; zur Online-Spende).

„Wer wird uns helfen?“

Verheerende Monsun-Regenfälle in Nepal bedrohen die Existenz unserer Kinderzentren-Familien

„Ich hatte einen Traum, dass diese Kardamom-Farm das Leben meiner Familie verändern würde. Dass ich meinen Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen kann. Aber mein Traum ist mit dem Monsunregen und Erdrutsch hinweggefegt worden. Jetzt habe ich große Sorge, dass wir sogar unsere Heimat verlassen müssen.“ (Vater von Pavitra*, Schülerin im Ghalegaun Kinderzentrum)

Während die deutschen Medien größtenteils von gestrandeten Touristen auf dem Mt. Everest berichteten, ereilte Tausende von Familien im Osten Nepals ein viel dramatischeres Schicksal. Unglaublich heftige Regenfälle – mehr als doppelt so viel Wasser wie bei „extrem stark“ eingestuften Regenfällen – lösten verheerende Erdrutsche aus. Im Bezirk Ilam kamen dabei Dutzende von Menschen ums Leben, auch im angrenzenden Bezirk Pachthar gab es zahlreiche Todesfälle. Viele verloren fast alles, was sie besitzen. Die Infrastruktur ist weitestgehend zerstört und die Bezirke dadurch vom Rest des Landes abgeschnitten; viele Ernten sind vollständig vernichtet, inmitten der Haupt-Erntesaison ein herber Verlust.

Unser integratives Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun liegt mitten im am stärksten betroffenen Gebiet.

Und dabei hatte sich dort schon so viel positiv verändert in den letzten Jahren! Kinder haben durch das Kinderzentrum eine echte Chance auf gute Bildung. Familien haben sich kleine Gewerbe aufgebaut, Gärten und Felder angelegt, ihre Viehzucht optimiert und so nach und nach ihr Einkommen so sehr verbessert, dass sie greifbare Hoffnung für die Zukunft gefasst haben.

In einer einzigen Nacht wurden Träume zerstört und Hoffnung zunichte gemacht.

Es war der 4. Oktober, und das Dorf Ghalegaun feierte Dashain, ein zweiwöchiges Fest, das wichtigste im nepalesischen Jahr. Viele Felder waren reif für die Ernte; nach dem Fest sollte die Arbeit losgehen. Doch mitten in der Nacht kam das Unwetter.

„Um Mitternacht waren die Regenfälle so schrecklich, ich konnte mein Land nicht retten“, berichtet Pavitras Vater. „Wir hatten auch Angst, dass unser Zuhause mit weggerissen wird. Im Dunkeln, im Regen sind wir aus dem Haus gerannt, um uns zu retten. Wenn es weiter so regnet, dann wird noch alles den Hügel hinabgerissen.

Ich hatte einen Kredit von der Bank aufgenommen, um diese Kardamom-Farm anzupflanzen. Sie war reif für die Ernte, nach Dashain wollten wir beginnen; mit dem Erlös wollte ich auch den Kredit abbezahlen. Aber der Regen hat die ganze Farm in den Fluss gespült. Hunderttausend Rupien sind jetzt verloren. Ich hatte noch so viele Pläne – ich wollte mehr anpflanzen, Ställe für eine Kuh und Ziegen bauen, ich wollte meiner Familie ein Zuhause bauen, weil wir noch bei Verwandten wohnen. Jetzt habe ich Angst, dass die Bank kommt und ihr Geld fordert, und mir mein Land nimmt, und ich mit meiner Familie meine Heimat verlassen muss.“

Glücklicherweise gab es in den Dörfern Ghalegaun und Ithung keine Todesfälle. Aber Pavitras Familie ist nicht die einzige in unserem integrativen Kinderzentrum, die große Verluste erlitten hat. Das Haus einer Familie ist komplett zerstört, sie sind bei Verwandten untergekommen. Drei weitere Häuser sind stark beschädigt, aber die Familien wohnen trotz der Gefahr weiter darin, weil sie keine andere Option haben. Mehrere Familien haben ihre Ställe verloren, und fast alle Familien haben ihre Ernte und Teile ihrer Grundstücke verloren. In Ithung ist außerdem das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet, potentiell einsturzgefährdet, falls die starken Regenfälle andauern. Darüber hinaus ist sicheres Trinkwasser ein großes Problem, weil alle Leitungen beschädigt sind – ein enormes Gesundheitsrisiko, vor allem für die Kinder.

Nun stehen die Familien vor großen Herausforderungen. Ranjana, deren Haus zerstört wurde, fasst ihre Sorge in Worte:

„Ich habe kein Haus, keine Betten und keine Decken. Der Winter steht vor der Tür, wie soll ich meine Kinder vor der Kälte schützen? Meine Kinder haben ihre Schuluniformen, Bücher und anderes Material verloren, wie sollen sie nun zur Schule gehen? Ich habe meine Lebensmittelvorräte verloren, wie sollen wir überleben? Bis jetzt hat uns noch keiner von der Regierung besucht, wer wird uns helfen? Ich habe wegen der medizinischen Behandlung meines Kindes vor einigen Monaten einen Kredit aufgenommen. Ich hatte vor, die Raten nach Dashain zu bezahlen, aber nun kommen noch mehr Probleme hinzu.“

Die Familien in Ghalegaun leiden unter enormer emotionaler und finanzieller Belastung. Die positiven Entwicklungen der letzten Jahre durch das integrative Kinderzentrum hatten ihnen viel Hoffnung gegeben, dass sie ihren Kindern tatsächlich eine gute Zukunft ermöglichen können. Aber jetzt wagen viele nicht mehr, an diesen Traum zu glauben.

Wir möchten unsere Familien in Ghalegaun in dieser Lage nicht allein lassen!

Vier Jahre haben wir mit den Kindern und Familien in Ithung und Ghalegaun Seite an Seite an ihrer Zukunft mitgewirkt. Und diese Zukunft ist weiterhin greifbar! Wir möchten vor allem die Haushalte, die ihre Ernte, Felder oder Ställe verloren haben, beim Neuanfang unterstützen. Dafür brauchen wir Ihre helfenden Hände!

Wenn Sie gemeinsam mit uns weiter in eine hoffnungsvolle Zukunft für die Kinder und Familien in Ithung und Ghalegaun investieren möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Nepal Katastrophenhilfe“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende). Alternativ können Sie auch eine Patenschaft für ein Kind in diesem Kinderzentrum übernehmen (im Online-Patenschaftsformular „Nepal Kinderzentren“ wählen).

Ein Schritt in Richtung Heilung

Therapieprogramm an der NES-Schule in Beirut durchläuft erfolgreich erste Phase

„Ich weiß gar nicht genau, wie ich mich fühle – nur traurig und verwirrt bin ich die ganze Zeit.“ Charbel*, ein Siebtklässler an der NES-Schule in Beirut, Libanon, wohnt direkt neben einer Gegend, die von häufigen Bombenangriffen betroffen ist. Er hat eine schreckliche Zeit hinter sich. Aber das Schlimmste dabei: Er fühlte sich mit seiner Angst und seinen Fragen völlig allein. „Meine Eltern zeigen ihre Gefühle nicht, es ist, als ob sie weit entfernt von mir sind.“

Charbel machte einen wichtigen Schritt: In einer Pause suchte er den Raum der Schul-Therapeutin auf und kam mit seinen Fragen zu ihr. Sara, ausgebildete Psychologin, arbeitet seit 2022 als Therapeutin an der NES-Schule und hat schon einige traumatische Ereignisse mit den Kindern durchgearbeitet. Der Beginn der Bombenangriffe im Herbst 2024 hat die Traumata noch verschärft. Deshalb hat die NES-Schule ein umfassendes Therapieprogramm entworfen, das nach Ostern in eine zweimonatige Testphase startete. Seitdem arbeitet Sara noch konzentrierter mit den Schulklassen und mit einzelnen Kindern zusammen. Charbel konnte sie helfen, seine Emotionen zu erkennen, zu akzeptieren und auszusprechen und gesunde Wege zu finden, mit negativen Gefühlen und Trauma umzugehen.

„Seit mehr als drei Jahren arbeite ich als Psychologin an der NES, und ich sehe die direkten und indirekten Auswirkungen des Krieges auf unsere Schüler und ihre Familien: ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit, Hilflosigkeit und emotionalen Betäubung,“ berichtet Sara. „Viele Eltern und Kinder fühlen sich überfordert, weil sie keine Kontrolle über ihre Lebensumstände haben, oder sie ertrinken in toxischer Positivität – dem Druck, hoffnungsvoll zu bleiben, während sie echte Ängste und Trauer unterdrücken.“

Besonders stark betroffen sind die etwa hundertfünfzig Kinder aus geflüchteten Familien, die an der NES in einem Nachmittagsprogramm unterrichtet werden. Für sie wurde ein spezielles Programm entwickelt, das u.a. in wöchentlicher Einzel- und Gruppentherapie grundlegende Aspekte der psychischen Gesundheit fördert. „Viele dieser Kinder – manche sind erst 12 Jahre alt – sind mit Erwachsenen-Pflichten belastet; viele müssen arbeiten, um Eltern und jüngere Geschwister zu unterstützen. Überhaupt ihre Gefühle zuzulassen oder einzugestehen fühlt sich für sie ‚verboten‘ an.“ Das Programm bietet den Kindern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken – oft zum ersten Mal – und Vertrauen aufzubauen.

Doch es sind nicht nur die Kinder, die Hilfe brauchen. Deshalb bezieht das Therapieprogramm auch Lehrer und vor allem Eltern mit ein. „Viele Betreuungspersonen sind sich ihrer eigenen emotionalen Wunden und unverarbeiteten Traumata nicht bewusst“, erläutert Sara. „Dieser Mangel an Bewusstsein beeinträchtigt oft ihre Fähigkeit, ihre Kinder emotional zu unterstützen, und kann unbeabsichtigt Ängste, Furcht oder Distanziertheit auf die Kinder übertragen.“

In verschiedenen Schulungen und Selbsthilfegruppen lernen Eltern und Lehrer, mit ihren eigenen Ängsten umzugehen und auf die Gefühle der Kinder richtig zu reagieren: „Mir war nicht klar, wie sehr meine eigenen Gefühle mein Kind beeinflussen“, gaben Teilnehmer zu. Dabei kamen bei vielen Eltern tiefere emotionale Wunden zu Tage, die oft noch aus früheren Kriegen und Konflikten stammten. Nach einer Weile begannen die Eltern, ihre Ängste, Herausforderungen und Verwundbarkeit offen anzusprechen – und merkten dadurch, dass sie nicht allein sind: „Mir war nicht bewusst, dass andere Eltern auch sowas durchmachen“, betonten mehrere Teilnehmer. Sara ist über die bisherigen Ergebnisse zuversichtlich: „Die Eltern verstehen langsam aber sicher, dass ehrliche Anerkennung von Gefühlen eine Form der Stärke ist und nicht der Schwäche, und sie bauen eine kleine, aber bedeutsame Gemeinschaft der gegenseitigen Unterstützung auf.“

Den Eltern und Lehrern die Mittel an die Hand geben, auf Traumata richtig einzugehen, und den Kindern helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu steuern, gesunde Beziehungen aufzubauen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen – das sind die Ziele dieser Testphase des Therapieprogramms an der NES-Schule. Damit wird Resilienz gestärkt und das soziale Gefüge der ganzen Schulgemeinschaft positiv beeinflusst. Ein sicheres Lernumfeld, gesundes emotionales Bewusstsein, Stabilität, Hoffnung … all das befähigt Kinder und Erwachsene, persönliche und externe Krisen erfolgreich zu bewältigen.

Für manche ist das noch ein langer Weg – zum Beispiel für Layla*. Layla ist 12 und hat keine Eltern. Sie lebt in einer mildtätigen Einrichtung und besucht an der NES das Nachmittagsprogramm. Während der Gruppentherapie sollte sie im Rahmen eines Spiels ein Beispiel erwähnen, in welchen Situationen sie sich geliebt fühlt. Ihre Antwort: „Ich kann mich an keinen Moment erinnern, wo ich Liebe gefühlt habe.“ Sara lud sie ein, später in ihr Büro zu kommen, und so begann ein heilender Prozess: „Diese Aussage fasst alles zusammen, was Layla in sich vergraben hatte. Sie erzählte mir von schrecklichen Erfahrungen, dass sie mehrmals versucht hatte davonzulaufen, sich selbst verletzen wollte, wie schwer es ihr fällt, ihre Gefühle auszudrücken, wie allein sie sich die meiste Zeit fühlt.

Seitdem treffen wir uns regelmäßig. Wir finden Wege, wie sie ihren Schmerz ausdrücken kann; sie lernt, dass sie um Hilfe bitten darf, dass ihre Gefühle zählen, dass sie und ihre Geschichte wertvoll sind. Der Weg vor ihr ist noch holprig … aber jedes Mal, wenn sie kommt und ein wenig mehr von sich selbst mitteilt, ist es ein Schritt zur Heilung.“

Ein Schritt in Richtung Heilung – das soll auch diese Testphase des Therapieprogramms sein. Die Testphase endet mit dem laufenden Schuljahr Mitte Juni. „Die ersten Wochen haben ein klares Ergebnis gezeigt“, schlussfolgert Sara, „nämlich den dringenden Bedarf an strukturierter Unterstützung für die psychische Gesundheit der Kinder, und dass Heilung mit sicheren Räumen, offenem Dialog und den richtigen ‚Werkzeugen‘ beginnt.

Die Veränderungen, die wir schon nach kurzer Zeit beobachten können, zeigen deutlich, dass Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind – vor allem in Krisenzeiten. Natürlich sind wir nicht perfekt – aber wir sind fest entschlossen, jeden Tag unser Bestes zu geben, um unsere Mission als ganzheitliche Schule zu erfüllen, die Herz, Verstand und Zukunft jedes einzelnen Schülers und jeder Familie fördert.“

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Kinder und Familien im Libanon sich psychisch gesund entwickeln und mit neuer Hoffnung in die Zukunft blicken können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „NES Therapieprogramm“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

*Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Jeden Tag aufs Neue Wunder“ oder „Andriy und die Gitarre“

Kinderheim Mistoditey schenkt seit letztem Sommer wieder in Kiew Kindern einen Zufluchtsort und eine Zukunft

Als Anastasiya* vom Sozialamt in einem Krankenhaus gefunden wurde, war sie schon über einen Monat allein – keiner hatte je nach ihr gefragt. In „Mistoditey“ fand die Sechsjährige ein neues Zuhause und die Zuneigung, nach der sie sich sehnt.

Die Brüder Viktor* (11) und Borys* (7) lebten auf einer Müllkippe, in verheerenden Umständen, ohne Wärme, Zuflucht, grundlegendste Fürsorge. All das erhalten sie nun in Mistoditey.

Der zwölfjährige Andriy* kannte nur instabile Verhältnisse, daher hatte er jegliches Vertrauen in andere und sich selbst verloren und konnte kaum kommunizieren. In Mistoditey durfte er einen neuen Anfang machen.

Vier Schicksale unter Tausenden, denen derzeit in der Ukraine das Nötigste für eine sichere Kindheit fehlt. Vier wertvolle Kinder, die seit Juli 2024 im Heim „Mistoditey“ in Kiew einen Zufluchtsort und eine neue Heimat gefunden haben. Erst seit letztem Sommer ist das wieder möglich – denn nach Kriegsbeginn musste das Heim selbst Zuflucht suchen, die die damals zwanzig Kinder mit zehn Mitarbeitern im Lindenhof bei Aschaffenburg fanden. Über zwei Jahre engagierten sich dutzende ehrenamtliche Helfer in Kahl, Alzenau und aus ganz Deutschland, um den Kindern und Erwachsenen eine Heimat fern der Heimat zu schenken.

Nachdem im vergangenen Sommer dann alle Kinder entweder in ihre Familien zurückgekehrt oder neue Familien gefunden hatten, entschied die Leitung von Mistoditey sich, der Bitte der ukrainischen Behörden zu folgen und die Arbeit direkt in Kiew wieder aufzunehmen – denn aufgrund des Krieges ist die Not größer als je zuvor! Durch die treue Unterstützung zahlreicher Spender für das „Lindenhof-Projekt“ wurde der Neubeginn in Kiew zur Realität. Liliya, die Leiterin, betont:

„Dank eurer Unterstützung konnten wir nicht nur trotz des Krieges die Arbeit im Heim wieder beginnen und neue Kinder aufnehmen, sondern ihnen auch ein echtes Zuhause bieten. Ihr leistet nicht nur materielle Hilfe: Dank eurer Unterstützung wissen ukrainische Kinder, dass sie nicht allein auf der Welt sind. Jeder Euro gibt ihnen den Glauben an das Gute zurück, schenkt ihnen eine Kindheit, von der sie geträumt haben, und schafft Stabilität in den unsichersten Zeiten.“

Anastasiya und Andriy, Viktor und Borys sind vier der jeweils bis zu 15 Kinder, die in Mistoditey die Chance für einen Neubeginn erhalten. Das Heim kümmert sich umfassend um ihre grundlegenden Bedürfnisse – ausgewogene Mahlzeiten mit Milch- und Fleischprodukten, frischem Obst und Gemüse, ausreichende Wärme auch in der Winterzeit, grundlegende Gesundheitsfürsorge wie Zahnarztbesuche sowie spezielle Behandlung bei chronischen Erkrankungen. Dadurch haben sich Gewicht und Essgewohnheiten aller Kinder stabilisiert.

„Jeder Aspekt ihres Wohlbefindens ist ein Zeugnis eures Engagements“, berichtet Liliya. „Dank eurer Hilfe können wir Lebensmittel, Nebenkosten, Pflege und alle anderen grundlegenden Bedürfnisse bezahlen. Eure Spende ist nicht einfach Geld – es ist tägliche Wärme, Nahrung, Licht, Trost, Fürsorge. Es ist Leben – erfüllt von Sinn und Hoffnung.“

Mistoditey kümmert sich aber nicht nur um die Grundbedürfnisse, auch die kognitive und psychische Entwicklung der Kinder wird maßgeblich gefördert. Jedes Kind nimmt an einem auf ihn oder sie zugeschnittenen Therapieprogramm teil. Das Heim kooperiert mit inklusiven Einrichtungen, sodass alle Kinder eine qualitativ hochwertige Schulbildung erhalten. Mithilfe von Ehrenamtlichen bietet das Heim eine Vielzahl von Kreativ-Workshops an – zum Beispiel Kunst und Musik, Gedichte und Geschichten, Tanz und Töpferei. Außerdem wird gemeinsam gespielt, gekocht und saubergemacht, Geburtstage besonders gestaltet und Erfolge gefeiert.

Alles Dinge, die in funktionierenden Familien eigentlich selbstverständlich sind … für die Kinder in Mistoditey ist es das, wovon sie schon immer geträumt haben: eine normale Kindheit, ein stabiles Zuhause, Liebe, Fürsorge und Aufmerksamkeit. Und den Unterschied kann man sehen!

Anastasiya hat herausgefunden, dass sie Geschichten liebt – und nicht nur die, die sie in den Büchern lesen kann! Jetzt setzt sich das vorher schüchterne, zurückgezogene Mädchen gerne zu ihren „Geschwistern“, liest den jüngeren vor und schafft mit viel Phantasie ihre eigenen Geschichten, die sie mit Begeisterung erzählt. Ihre Stimme, voller Wärme und Freude, ist ein Symbol ihrer Heilung geworden.

Viktor hat sich unglaublich entwickelt, seit er nicht  mehr auf der Müllkippe ums Überleben kämpft. Er ist ruhig und höflich, der Beste in seiner Klasse, gewinnt Preise und zeigt ein außerordentliches Talent im Zeichnen und Töpfern. Auch darin macht Mistoditey einen riesigen Unterschied: Es stellt das Selbstwertgefühl der Kinder wieder her und hilft ihnen, die Gaben zu entdecken, die schon immer in ihnen steckten.

Das gilt auch für Andriy. Verschlossen, verunsichert – so kam er ins Heim. Doch von Anfang an hörte er ganz genau hin, wenn jemand Gitarre spielte. Der Musiklehrer ermutigte ihn, es mal selbst auszuprobieren. Welch eine Veränderung! Jetzt musiziert Andriy ständig, komponiert eigene Melodien, leitet das Musikteam und hilft den anderen Kindern im Musikunterricht. „Wenn ich spiele“, sagt er, „dann fühle ich mich stark. Die Gitarre ist wie meine Stimme; durch die Musik kann ich Dinge ausdrücken, die ich mit Worten nicht sagen kann.“ Jetzt träumt Andriy davon, Musiker zu werden. Sein Selbstvertrauen ist gewachsen, und seine Erfolge inspirieren andere Kinder, ihre Ängste zu überwinden.

Als Andriy im März in eine andere Einrichtung wechselte, wo auch seine berufliche Bildung gefördert wird, schrieb er an jeden einzelnen Mitarbeiter einen ausführlichen Brief, in dem er sein Herz öffnete und erzählte, wie er sich durch Mistoditey verändert hatte – wie ein einst verschlossener, trauriger Junge zu einem offenen, liebenswürdigen, mit Dankbarkeit erfüllten Menschen wurde.

Das sind Geschichten, die „nachhaltiger Veränderung“ ein Gesicht geben – aber es sind eben nicht nur Geschichten, sondern wertvolle Kinder, die nun eine Heimat und eine Zukunft haben:

„Wir sind so dankbar für eure Unterstützung! Dank euch ist unser Zentrum zu einem Ort geworden, an dem Kinder ihr Leben wieder aufbauen, neue Möglichkeiten entdecken und wieder zu träumen beginnen. Gemeinsam mit euch bewirken wir jeden Tag aufs Neue Wunder!“

 

Vor Kriegsbeginn finanzierte sich Mistoditey vollständig aus lokalen Spenden. Seit Herbst 2024 konnten wir das Heim aus Spenden fürs Lindenhof-Projekt in ihren monatlichen Ausgaben unterstützen. Da lokale Unterstützer aufgrund der derzeitigen Situation inzwischen fast alle die Förderung einstellen mussten, ist der weitere Betrieb des Zentrums über die Jahresmitte hinaus sehr fraglich. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass traumatisierte und heimatlose Kinder in der Ukraine weiterhin einen Zufluchtsort bei Mistoditey finden können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Mistoditey“ oder „Lindenhof“ (zur Online-Spende).

* Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

Jeder Stift ein Baum für die Zukunft

Klimawandel-Projekt in Bangladesch schafft weitreichende nachhaltige Veränderung

Wer Shawpna einmal begegnet ist, vergisst sie nicht so schnell wieder. Die junge Frau aus Mongla im südwestlichen Bangladesch ist nicht nur selbstbewusst, intelligent und attraktiv – sie besitzt auch eine Ausstrahlung, in der ihre bunte Umwelt noch klarer aufleuchtet, eine Präsenz, die einen innehalten lässt. Wenn sie lächelt, fühlt man sich wie sehnlichst vermisste, geliebte Geschwister, und in ihrer ärmlichen Hütte heißt sie Besucher willkommen wie in einem Palast.

Dabei ist Shawpnas Heimat alles andere als ein prächtiges Reich. Immer heftigere Wirbelstürme bedrohen Leben und Besitz der verarmten Bewohner; der Fluss schwemmt aus der bengalischen Bucht nicht nur den Müll des Planeten an, sondern auch immer mehr Salzwasser, das Acker unfruchtbar macht. Auf dem Rückweg reißen die Fluten meterweise Flussufer mit; auch die Sundarban, der größte Mangrovenwald der Welt, kann diesem Angriff nicht ewig trotzen.

Doch Shawpna und ihre Nachbarn haben im Projekt gelernt*, wie sie den Herausforderungen begegnen können. Die Hütte errichten sie höher und binden sie mit Seilen an Bäumen fest, damit der Sturm sie nicht wegreißt. Gegen die Versalzung des Bodens hilft natürlicher Kompost; durch Umstellung auf salzresistentere Pflanzen und Meeresfrüchte oder alternative Erwerbsmöglichkeiten kann das Einkommen gesichert werden.

Auch Shawpna und ihr Bruder setzen diese Maßnahmen bedachtsam um. Doch vor einigen Monaten hatte der Bruder einen Unfall. Dadurch ist Shawpna nun die einzige, die ein Einkommen verdient, um für die betagten Eltern zu sorgen. Ein Projektmitarbeiter vermittelte ihr einen Job, in dem sie für eine andere NRO Studien durchführt. Das ging so lange gut, bis aufgrund der politischen Veränderungen in den USA die Gelder gestoppt wurden und Shawpna ihren Job verlor.

Aber davon ließ die junge Frau sich nicht unterkriegen! Im Dezember hatte sie an einem Bürgerprogramm teilgenommen und wurde auf jemand aufmerksam, der einen Papierstift benutzte. Das brachte sie auf eine neue Geschäftsidee, die gleich mehrere Lösungsansätze bietet: ein Einkommen für sie und andere, eine sauberere Umwelt, nachhaltige Veränderung durch gemeinsames Engagement.

Diese Idee verfolgte sie, schaute sich auf YouTube an, wie man Papierstifte herstellt, kontaktierte NROs, Schulen und Unternehmen, um sich gleich einen kleinen Markt zu schaffen, und begann ihre „Paper-Pen Business“. Das Design erstellt sie in einem Internet-Café in der Stadt und druckt es in einem Copyshop, kauft die Kuli-Minen und rollt zuhause das Papier zu Stiften; 100 Stück schafft sie in etwa fünf Stunden.

Das ist nicht nur eine clevere Geschäftsidee, weil NROs diese Papierstifte toll finden. Shawpna möchte auch tatsächlich einen Unterschied für ihre Umwelt machen. Dafür verkauft sie nicht nur an NROs oder Unternehmen, sondern auch auf dem lokalen Markt. 6 Taka kostet dort ein Plastikkuli, daher verkauft Shawpna ihren Papierkuli ebenfalls für 6 Taka, auch wenn sie dann nur 2 Taka Profit macht. Auf den Stift druckt sie Slogans wie „Schützt die Umwelt“ oder „Vermeidet Plastik – rettet die Sundarban“.

„Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Müll in unseren Flüssen und Teichen abnimmt“, betont sie. „Um die Fische zu schützen – Fische sind unser Lebensunterhalt – und auch die Sundarban.“

Dafür hat sie noch andere Ideen: Zum Beispiel plant sie, preiswerte aber robuste Stofftaschen herzustellen und für den gleichen Preis anzubieten wie die Kunststofftaschen, die man derzeit noch auf dem Markt erhält. Da die Stofftaschen länger halten, ist Shawpna überzeugt, dass sie auch so einen nachhaltigen Unterschied für die Umwelt machen kann, auch wenn ihr Profit dann etwas geringer ausfällt.

Doch nicht nur die Umwelt liegt Shawpna am Herzen. Auch für ihre Nachbarn, für ihre ganze Dorfgemeinschaft möchte sie sich einsetzen.

„Ich hoffe, dass mein Papierstifte-Unternehmen gut läuft, damit ich noch ein paar Frauen dafür einstellen kann“, erklärt sie. „Auch die Stofftaschen machen wir dann gemeinsam. Es ist viel besser, wenn wir ein Team sind und uns die Arbeit teilen.“

In ihrer Selbsthilfegruppe ist Shawpna die Erste Vorsitzende. Auch dort hat sie schon viel bewegt; u.a. haben sich unter ihrer Initiative drei Gruppen zusammengeschlossen – „um uns gegenseitig zu motivieren, nachhaltiger zu sein, voneinander zu lernen, und weil wir uns einfach mögen“, erklären die Frauen. Zusätzlich zu ihren diversen individuellen Kleinstgewerben – zum Beispiel Ziegenzucht, Teestuben oder traditioneller Schmuck – haben die Frauen der drei Gruppen ein gemeinsames Unternehmen für Handarbeiten gegründet und sich einen Markt aufgebaut, „damit wir unabhängig sein können!“

Shawpna ist hier eine treibende Kraft, die ihre Nachbarinnen immer wieder zusammenbringt und motiviert und auch Chancen und Erfolge nicht für sich behält, sondern mit den anderen Frauen teilt. Ihre Zuversicht und Innovation gibt der Gruppe auch eine Zukunft, denn nur mit festem Zusammenhalt können die Frauen sich in ihrem männlich-dominanten Umfeld durchsetzen.

„Im Projekt habe ich eine Menge Schulungen besucht und viel gelernt, sodass ich jetzt in der Lage bin, uns als Gruppe zu vertreten – unsere Rechte einzufordern, unsere Stimme zu erheben, neue Ressourcen zu finden. Nach Abschluss des Projekts werde ich mich darum bemühen, von verschiedenen Regierungsministerien und gleichgesinnten NROs Unterstützung zu erhalten, damit wir so unsere Gruppe langfristig weiterführen können.“

Vor kurzem hat Shawpna ihr Studium in Sozialwissenschaft erfolgreich abgeschlossen. Aber das, was sie braucht, um die positiven Veränderungen in ihrer Dorfgemeinschaft langfristig aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln, hat sie im Projekt gelernt: „Wir haben so viel Wissen und Kenntnisse von euch erhalten – und wir sind jetzt alle sehr selbstbewusst und zuversichtlich!“, betont sie. Vor allem für die Schulungen zum Klimawandel bzw. Klimaschutz ist sie dankbar, „denn jetzt habe ich selbst die Initiative ergriffen, und ohne die Schulungen hätte ich das nicht gewusst.“

Auf die Bemerkung, dass ihr Einsatz für den lokalen Umweltschutz ja auch Auswirkungen für den Rest des Planeten hat, lacht die junge Frau fröhlich: denn in ihren Papierstiften ist ein Geheimnis versteckt.

„In jeden Papierstift rolle ich ein kleines Samenkorn mit ein. Wenn der Stift dann leer ist und weggeworfen wird, wächst ein großer Baum daraus.“

Jeder Stift ein Baum für die Zukunft – Shawpnas Zukunft und die ihrer Familie, ihres Dorfes, ihres weiteren Umfelds … aber auch unsere Zukunft und die unseres Planeten.

Denn Zukunft gestalten, das geht nur gemeinsam.

 

* Das Projekt zur „Klimawandel-Adaption und Katastrophenrisikominderung“ in Mongla, Bangladesch begann im Herbst 2021 und läuft noch bis Ende April 2025. Ein kurzes Erklär-Video zu diesem Projekt finden Sie hier.

Unser Jahresprojekt 2025

In der „Oase des Friedens“ – gemeinsam wachsen und Heilung erleben (Libanon)

Seit fünf Jahren jagt im Libanon eine Krise die andere – Revolution, Zusammenbruch der Wirtschaft, Pandemie, verheerende Hafenexplosion, Erdbeben … und nun noch der Krieg. Durch all diese Krisen hindurch ist die NES-Schule in Beirut eine „Oase des Friedens“ geblieben und bietet Hunderten von Kindern einen Zufluchtsort, die sonst gar keine Schulbildung bekämen. Doch die Krisen hinterlassen auch tiefe Wunden und verzögern oder verhindern die gesunde Entwicklung der Kinder.

Deshalb hat das NES-Team ein umfassendes Therapie-Programm erarbeitet, das für die Kinder Sprachförderung, Trauma-Beratung und Prävention anbietet und zusätzlich Eltern und Lehrer in umfassenden Schulungen dazu ausrüstet, die Kinder auf dem Weg der Erneuerung zu begleiten. Ziel ist, dass die Kinder und ihre Familien durch die Krisen gemeinsam wachsen und Heilung erleben und so die Resilienz entwickeln, künftigen Herausforderungen mit Zuversicht zu begegnen und gestärkt daraus hervorzugehen.

Für das Jahresprojekt 2025 streben wir einen Betrag von mindestens 50.000 Euro an.

Weitere Informationen und regelmäßige Updates gibt es auf der Seite zum Jahresprojekt.

Hoffnungslichter für Syrien

Jüngste Ereignisse schaffen neue Herausforderungen

Zaghafte Hoffnung auf eine bessere Zukunft, Trauer um die Verluste der letzten Jahre, bange Unsicherheit, was kommen wird … die jüngsten Ereignisse in Syrien lösen eine Vielzahl an Emotionen aus. Das Ende des fast vierzehnjährigen Bürgerkrieges mit seinen Hunderttausenden von Toten sollte ein Grund zur Freude sein, doch die tatsächliche Lage ist ernüchternd: ein Land, das in Trümmern liegt, die Wirtschaft auf dem Nullpunkt, Menschen, deren Leben über anderthalb Jahrzehnte von Hoffnungslosigkeit und Isolation geprägt war. Die meisten, die zurückkehren – nach vielen heimatlosen Jahren – finden kaum mehr die Scherben des alten Lebens. Und andere Fragen drücken sich auf: wie die neue Regierung mit Minderheiten umgehen wird, ob Menschenrechte respektiert werden, wie Wiederaufbau aus dem Nichts ohne Ausbeutung gelingen kann.

„Die Menschen in Syrien haben eine gute Zukunft verdient“, betont Antony*, unser Partner vor Ort. „Sie haben so viel Leid und Verlust erfahren … .“

Aber wie kann diese „gute Zukunft“ zur Realität werden? Der Wiederaufbau wird viel Zeit und Weisheit brauchen … und Ressourcen, von denen Syrien keine mehr übrig hat. Aber nicht nur Investition in Infrastruktur ist notwendig – vor allem brauchen die Menschen eine neue Perspektive und die notwendigen Fertigkeiten, ihre Zukunft selbstständig und erfolgreich in die Hand zu nehmen.

Darauf konzentrierte sich das Schulungsprogramm, das Antony dieses Jahr in Nordsyrien mit unserer Unterstützung durchgeführt hat. Fünfzehn junge Leiter konnten in umfassenden Schulungen mit persönlichem Follow-Up eine neue Perspektive entwickeln und entsprechende Fertigkeiten erlernen, um als Führungspersönlichkeiten ihr Umfeld positiv und nachhaltig zu beeinflussen. Das Programm gipfelte in einem von den Teilnehmern selbst entwickelten Workshop-Wochenende für lokale Schüler, das Mitte November stattfand – nur wenige Stunden bevor sich in Syrien das Schicksal wendete.

Antony berichtet begeistert von der Veränderung, die er in den letzten Monaten bei den jungen Erwachsenen beobachten konnte und ist optimistisch, dass sie auch in ihrer Community ein Hoffnungslicht sein können. Und genau solche Hoffnungslichter hat das ganze Land dringend nötig! Daher möchte der Partner vor Ort das Programm an anderen Orten wiederholen, um noch weiteren jungen Menschen diesen Perspektivwechsel zu ermöglichen.

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass die zaghafte Hoffnung in Syrien zur greifbaren Realität wird, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Syrien“ oder „Naher Osten Katastrophenhilfe“ auf unser Konto (IBAN DE56 5075 0094 0000 022394) oder online.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

Das Foto zeigt syrische Kinder in einem Flüchtlingslager im Libanon.

Wir schaffen das!

Ermutigende Erfolgsgeschichten aus dem Großprojekt in Mongla, Bangladesch

Ein weiteres Jahr ist vergangen in Mongla im südwestlichen Küstengebiet von Bangladesch, und wir stehen wieder am Flussufer. Dasselbe Flussufer wie vor ein, vor zwei Jahren – und eben doch nicht dasselbe. Wieder hat der Fluss mehrere Meter Land gefressen. Die Familien, die mal ein ordentliches Stück Land viele Gehminuten vom Fluss entfernt hatten, wohnen jetzt am Ufer und schauen zu, wie das Wasser Monat für Monat ihr Land verschlingt, bis nichts mehr übrig ist.

Und trotzdem – die Menschen geben nicht auf. Sichern beim Sturm ihre Hütten, züchten Hühner und Ziegen, lernen neue Fertigkeiten, sodass sie auch noch ein Einkommen verdienen können, wenn Fischteiche und Gemüsegärten im Fluss verschwunden sind.

Um ausreichende Vorsorgemaßnahmen für den Katastrophenfall und eine funktionierende Anpassung an die geänderten klimatischen Bedingungen – darum geht es in diesem Großprojekt, das wir seit Herbst 2021 mit finanzieller Förderung der Bundesregierung hier in Mongla unterstützen, und das jetzt in die Endphase läuft. Dabei wurden die Maßnahmen im Frühjahr ordentlich auf die Probe gestellt: Wirbelsturm „Remal“ hat gezeigt, was bei der Katastrophenvorsorge funktioniert und was noch verbesserungswürdig ist.

Die Berichte, die wir hören, als wir im Rahmen einer Projektreise in Mongla von Haus zu Haus ziehen, machen Mut. Da ist zum Beispiel Minoti, deren Hühner- und Entenzucht wir letztes Jahr bestaunen durften. Diese Geflügelzucht hat sie ausgebaut, dann mit ihrem Einkommen und einem Darlehen aus der Selbsthilfegruppe eine Kuh gekauft, inzwischen hat sie schon vier Kühe, die in einem ordentlichen Stall untergebracht sind. Minoti ist Witwe, aber mit ihrem Einkommen kann sie nun ihre zwei Kinder gut versorgen. Im Wirbelsturm hat sie fast nichts verloren – ihr Vieh hatte sie in Sicherheit gebracht, das Haus ordentlich gesichert; nur ein kleines Stück Dach musste sie erneuern und den Garten neu aussäen. Sogar das in dieser Gegend ewig-präsente Trinkwasserproblem hat sie gelöst, indem sie sich hinter die Hütte einen großen, betonierten Wasserspeicher gebaut hat. Minoti – fleißig, innovativ, motiviert, freundlich und selbstständig – ist eine große Ermutigung für ihre Nachbarn und Freunde, denn nichts motiviert so sehr wie ein gutes Beispiel!

Leider gibt es auch viele, die im Sturm sehr viel verloren haben, teils weil sie nicht genügend Vorsorgemaßnahmen umgesetzt hatten, manchmal auch einfach, weil sie an der falschen Stelle wohnen. Aber auch hier werden in Gesprächen zwei Dinge deutlich: einerseits, dass den Menschen bewusst ist, welche Nachbarn besser vorbereitet waren, und sie das nachahmen möchten, und andererseits, dass zwar viel Hab und Gut verloren ging, das erlernte Wissen aber weiterhin besteht – die Mehrzahl der Personen, die Viehzucht oder kleine Unternehmen im Zyklon verloren haben, haben bereits neu begonnen oder planen es noch vor Ende des Jahres.

Und immer wieder treffen wir auf beeindruckende Beispiele von Innovation, Kreativität und ersten großen Erfolgen.

Labuni aus Chandpai hat im Rahmen des Projektes ein „Market Development Training“ besucht; jetzt verkauft sie mit ihrer Häkelgruppe inzwischen über Facebook bis nach Dhaka; ein Händler exportiert ihre Ware sogar. Ihre kreativen Ideen sorgen dafür, dass die Nachfrage nicht abnimmt. 25 Frauen verdienen so durch Häkeln ein Einkommen, und Labuni sucht ständig nach weiteren, weil sie so viele Aufträge bekommt; u.a. bietet sie auch Kurse an, sodass weitere Frauen die Fertigkeiten erlernen können.

Protap in Chila hat seine Krabbenzucht so erfolgreich ausgebaut, dass er jetzt monatlich 30.000 Taka (ca. 250 EUR) netto verdient; letztes Jahr waren es noch 20.000 Taka; ohne den Zyklon hätte er vermutlich schon 35.000 Taka erreicht. Auch seine Ware wird ins Ausland exportiert. Früher konnte er durch Fischzucht seine sechsköpfige Familie so gerade eben ernähren. Seit er im Projekt die Schulungen zur Krabbenzucht mitgemacht hat und umgestiegen ist, geht es ihnen richtig gut; ein ordentliches Haus konnte er bauen, und hat sogar etwas Erspartes auf der Bank.

Tohomina, eine der Ärmsten in der Zielgruppe, strahlt übers ganze Gesicht, als wir zu Besuch kommen. Letztes Jahr ging es ihr noch richtig schlecht, die Hütte war am Zerfallen, das magere Einkommen reichte für nichts. Aber dank der stetigen Bemühungen des Projektteams wohnt Tohomina mit Mann und zwei kleinen Kindern jetzt in einer ordentlichen Hütte – die Nachbarn halfen ihr beim Bau – die auch beim Zyklon stehenblieb. Gemüse und Geflügelzucht liefen gut bis zum Sturm, aber trotz der Verluste ist Tohomina jetzt voller Zuversicht; man kann ja schließlich immer wieder neu anfangen, wenn man die nötigen Kenntnisse hat.

Am letzten Nachmittag lernen wir noch Rituparna kennen, die hervorragend Englisch kann und deren künstlerische Fähigkeiten uns sprachlos machen: u.a. selbst entworfener Schmuck und individuell bemalte Taschen von einer Qualität, die auch auf dem deutschen Markt problemlos verkauft werden könnten. Bisher hat sich Rituparna ihren eigenen Markt noch nicht so richtig erschlossen; sie verkauft zwar über Facebook, aber die Einnahmen sind im Vergleich zur Qualität gering. Doch ein enormes Potential schlummert hier – und wieder sind wir beeindruckt, dass Rituparna dabei nicht sich selbst im Blick hat, sondern sich vor allem bessere Chancen für die Mädchen wünscht, denen sie ihre Künste weitervermittelt.

Schlussendlich ist eine der Erkenntnisse unseres Besuches: Mit der richtigen Kenntnisvermittlung und langfristiger Begleitung  und Ermutigung können vor allem die Grundlagen verändert werden, sodass Menschen auch bei Rückschlägen oder in schwierigen Situationen nicht aufgeben, sondern mit Zuversicht weitermachen oder Neues beginnen, denn sie wissen: Wir können das schaffen, denn wir haben es schon einmal geschafft!

 

Dieser Reisebericht konzentrierte sich auf den Aspekt des Projektes, der zum Ziel hat, den Familien alternative Einkommensmöglichkeiten zu vermitteln, sodass sie trotz Katastrophen und Klimawandel ihre Familien ernähren können. Ein weiterer Bericht wird sich spezifisch auf die verschiedenen Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge auf Haushalt- und Dorfebene beziehen.

Hier finden Sie ein kurzes Erklär-Video zu diesem Projekt.

Dieses Projekt wird zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert; Helping Hands e.V. muss einen Eigenanteil von 12,5% aufbringen (ca. 32.000 EUR). Wenn Sie die Familien in Chila und Chandpai (Mongla) im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels unterstützen möchten, spenden Sie bitte mit Vermerk „Mongla“.

„Es ist eine riesige Verantwortung“

Team der NES-Schule in Beirut reflektiert über erste Schulwoche

„Ich bin so glücklich, dass ich wieder in der Schule sein kann!“ Der Fünftklässlerin Jenny* kann man die Begeisterung anhören, als am 8. Oktober an der NES-Schule in Beirut wieder der Unterricht beginnt. „Ich hab die Schule ja schon früher gemocht, aber jetzt – jetzt liebe ich sie! Das Internet ist im Libanon so schlecht, da lernt man online einfach nichts. Und hier kann ich alle meine Freunde sehn, und neue kennenlernen! Ich bin ja so froh, dass die Schule wieder offen ist!“

Tägliche Angriffe, Bombeneinschläge die gesamte Nacht hindurch … da ist jeder neue Schultag ein kleines Wunder. Inzwischen konnten alle Klassen mit dem neuen Schuljahr beginnen. Dabei gehörte zum Programm der ersten Tage nicht nur die fröhlichen „Back-to-School“ Aktivitäten, sondern auch ernstere Themen. Zum Beispiel besuchte die Psychotherapeutin der Schule jede Klasse einzeln und sprach darüber, wie man mit schwierigen Zeiten und Stress umgehen kann, ohne dass es in Trauma umschlägt, lehrte gesunde Bewältigungsstrategien und bot den Schülern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken. „Ziel ist es, dass die Kinder den richtigen Fokus behalten können und die nötigen Widerstandskräfte aufbauen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen“, erklärt Schulleiterin Marlene M.

Eine ganze Woche schon hat das NES-Team durchgehalten, die „alten“ Schüler willkommen geheißen, neue Schüler integriert und Kind-um-Kind Lösungen in ihren individuellen familiären Herausforderungen gesucht. Aber das NES-Team ist sich auch des Risikos bewusst:

„Es ist eine riesige Verantwortung, die Kinder hier zu haben“, betont Josette M., die an der NES-Schule für das soziale und emotionale Wohlbefinden der Kinder verantwortlich ist. „Ich bin froh um jeden Tag, an dem die Kinder nach Hause gehen, ohne dass wir von Bomben und Luftangriffen unterbrochen wurden.

Natürlich mache ich mir Sorgen um die Kinder! Die meisten haben in den Angriffen geliebte Menschen verloren, oder haben zumindest Verwandte, die verletzt wurden. Ich kann den Schmerz in ihren Augen sehen, die Trauer, die Angst … Alles ist voller Traurigkeit, überall.

Aber trotzdem – ich bin so dankbar, dass wir die Schule öffnen konnten! Es ist wie eine Oase für die Kinder. Hier können sie lernen und spielen und Freude im Alltag finden und die schrecklichen Kriegsnachrichten eine Weile vergessen.“

Deshalb arbeitet das NES-Team weiterhin unermüdlich daran, so viele Kinder wie möglich in dieser „Oase“ willkommen zu heißen. Wenn Sie dabei mithelfen möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Libanon“ oder „NES Studienfond“ (zur Online-Spende).

Weitere Infos zur NES-Schule bzw. dem Studienfond finden Sie auf dieser Seite.

 

* Name geändert