Ein ganz normaler Schultag

NES-Schule in Beirut, Libanon, hat mehr Schüler als je zuvor

Ein ganz normaler Schultag! Am Vormittag Französisch und Mathe, nach der großen Pause die erste Klassenarbeit in Arabisch. Dann ein bisschen Sportunterricht, und nach der zweiten Pause dürfen die Klassen 4 bis 9 noch im Hof bleiben: Denn jetzt wird der Schulsprecher gewählt. Die Kandidaten halten eine kurze Rede, ihre Mitschüler applaudieren, klar zeichnet sich der Klassensprecher der 9. Klasse als Spitzenkandidat hervor. Dann stellen die Kinder sich klassenweise an zwei bunten Stellwänden an, hinter denen sie ganz anonym ihre Stimme abgeben dürfen. Die Fünftklässler jubeln, als die Glocke ertönt: Eine gesamte Schulstunde hat die Wahl gedauert!

Ein ganz normaler Schultag? Zugegeben: Es wird nicht jeden Tag ein Schulsprecher gewählt. Aber regelmäßiger Unterricht, der einem mal mehr, mal weniger Spaß macht, ab und zu eine Klassenarbeit, Spiel und Spaß in den Pausen, Freunde zum Lachen, sich Streiten und Wieder-Vertragen, Lehrer, die am Fortschritt ihrer Schützlinge interessiert sind – all das gehört zum Schulalltag dazu. Und genau das ist, was sich viele Kinder im Libanon Morgen für Morgen wünschen: einfach einen ganz normalen Schultag!

Aber wie so vieles im Libanon ist auch das nicht selbstverständlich. Dort müssen die Kinder nicht nur das Trauma von monatelangen Lockdowns, Gewalt auf der Straße und der verheerenden Explosion im vergangenen Jahr verarbeiten. Jeder Tag bringt eine neue Krise, keiner weiß, was Morgen droht, das Land versinkt im Chaos und die Erwachsenen haben schon längst aufgegeben, sich über den wirtschaftlichen Untergang aufzuregen – es hilft ja doch nichts.

Und wie immer ist die NES-Schule in Beirut eine Oase des Friedens im Chaos: oder noch viel mehr denn je. 327 Schüler hat die Schule dieses Schuljahr aufgenommen, mehr als irgendein anderes Jahr seit dem Bürgerkrieg – die Klassenräume platzen aus allen Nähten. Und jeden Tag kommen weitere Eltern und flehen die Schulleiterin an, ihren Kindern einen Schulplatz zu gewähren. Die öffentlichen Schulen sind im Streik und haben den Schulbetrieb noch immer nicht aufgenommen. Und überhaupt könnten viele der NES-Schüler gar keine staatliche Schule besuchen oder wären dort extremer Ausgrenzung ausgesetzt – zum Beispiel die 133 syrischen Kinder, aber auch die 62 Kinder von Gastarbeitern aus Äthiopien und Ägypten, Nigeria, dem Sudan und der Elfenbeinküste, aus Sri Lanka, Indien und Bangladesch, aus China und Korea, Palästina und Irak.

Ein ganz normaler Schultag: Für die Kinder im Libanon ist die NES ein Anker im Sturm, ein Ort der Zuflucht, der Geborgenheit. Wenn man mit ihnen auf dem Schulhof steht, ihr unbekümmertes Lachen hört, im Getöse der großen Pause dem Fußball ausweicht, beim Klassenfoto-Schießen zusammen Spaß hat und ihnen nach der 7. Stunde nachwinkt, wenn sie am Schultor von Eltern oder Schulbus abgeholt werden, dann kann man beinahe vergessen, dass ihre Welt am Auseinanderbrechen ist.

Und selbst wenn die Wirtschaftskrise früher oder später überwunden sein sollte, wird die Bevölkerung, von der inzwischen 75% unter der Armutsgrenze lebt, noch lange brauchen, bis sich ihre Lage stabilisiert hat. Deshalb möchten wir mit unserem NES-Studienfond auch vorsorgen: damit jedes neue Schuljahr für so viele Kinder wie möglich mit einem ganz normalen Schulalltag beginnen kann. Wenn Sie für den NES Studienfond spenden möchten, dann wählen Sie bitte „NES Studienfond (Libanon)“ auf unserem Online-Spendenformular.

(Weitere Infos zur derzeitigen Lage im Libanon finden Sie im Blog-Artikel von Anfang Oktober.)

Gemeinsam können wir so viel!

Die NES-Schule in Beirut, Libanon, beginnt mit dem neuen Schuljahr

„Es ist einfach unglaublich – und wir sind machtlos dagegen.“ Marlene, die Schulleiterin der NES in Beirut, Libanon, findet kaum Worte, um die unfassbare Situation in ihrem Land zu beschreiben. „Der Wechselkurs unserer Währung hat sich verzehn- oder fünfzehnfacht. Ein Gehalt, das mal 1000 Dollar wert war, ist jetzt nur noch 80 Dollar wert. Die ärmeren Familien können sich nicht mal das Essen im Supermarkt leisten. Käse – unerschwinglich. Und Fleisch erst recht! Also bringen unsere Schüler trockenes Brot als Mittagessen mit. Benzin, Bücher, Kleidung … alles zehnmal so teuer wie noch vor ein paar Monaten. Und wir reden gar nicht erst über Medikamente! Wir können nur zuschauen, wie alles von Tag zu Tag schlimmer wird – und sind machtlos.“

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat die NES-Schule diese Woche mit dem neuen Schuljahr begonnen. Am Mittwoch wurden die Kindergartenklassen und die Klasse 9 mit einem bunten „Back to School“-Programm willkommen geheißen, am Freitag folgen Klassen 1-3, am Montag Klassen 6-8, und am kommenden Mittwoch schließlich Klassen 4-5. Warum nur jeden zweiten Tag?

„Wir können es uns nicht leisten, jeden Tag Unterricht zu machen. Es ist fast nie Strom da, sodass unser Generator ständig laufen muss. Aber der Kraftstoff dafür ist einfach zu teuer! Und außerdem können wir von unseren Lehrern nicht erwarten, jeden Tag herzukommen. Eine Tankfüllung kostet so viel wie ein Monatsgehalt – und der Preis wird ständig noch erhöht. Man steht auch einen ganzen Tag dafür an. Deshalb haben wir entschieden, jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag Unterricht in der Schule zu machen, und für Dienstag und Donnerstag geben wir Aufgaben mit nach Hause. Online-Unterricht ist auch keine Option mehr – es hat ja fast niemand Internet oder einigermaßen regelmäßig Strom.“

Aber der Unterricht soll weitergehen, schon, um den Kindern wenigstens ein bisschen Stabilität zu geben, während die Welt um sie herum auseinanderbricht. 260 Kinder sind für dieses Schuljahr an der NES angemeldet – mehr als im Vorjahr – und fast alle brauchen finanzielle Unterstützung. Da ist der Studienfond, den wir als das Helping Hands Jahresprojekt 2020 ins Leben gerufen haben, eine riesige Hilfe! Zu den Kosten pro Kind zählen unter anderem die regulären Schulgebühren, aber auch Transport im Schulbus, Bücher, Uniformen. Schulbücher können im Zweifelsfall durch Kopien ersetzt werden, aber die Uniformen wurden auf Bitte der Eltern beibehalten, da ein T-Shirt im Laden noch viel teurer ist: „Bitte lasst unsere Kinder in Uniformen kommen, wir können uns keine andere Kleidung für sie leisten!“

Und auch andere Lösungen werden erforscht: Auf dem Dach der NES soll jetzt ein kleines Solarsystem installiert werden, das wenigstens für sechs Stunden Strom liefert und so der Generator nicht den ganzen Tag laufen muss. Dafür wurden bereits genügend Spenden versprochen. Und überall sind viel Kreativität, Geduld und Durchhaltevermögen nötig. Aber das sind die Lehrer und Mitarbeiter der NES ja gewöhnt!

„Alone we can do so little. Together we can do so much.“* – diese Worte an der Wand des Schulhofs scheinen der Aussage der Schulleiterin fast ein bisschen zu widersprechen. Natürlich: Gegen den wirtschaftlichen Zusammenbruch können die Schüler und Lehrer der NES wohl wenig tun. Aber gemeinsam können sie das sein, was sie schon seit über 50 Jahren sind: Eine Familie, die zusammenhält. Ein Zuhause für die, die sich heimatlos fühlen. Und eine Oase des Friedens im Chaos ihrer zerbrechenden Welt.

 

Wenn Sie für den NES Studienfond spenden möchten, um Kindern im Libanon den weiteren Schulbesuch zu ermöglichen, dann wählen Sie bitte „NES Studienfond (Libanon)“ auf unserem Online-Spendenformular.

* Alleine können wir so wenig tun. Gemeinsam können wir so viel tun!

Hoffnung wird greifbar

Zentrum für Berufsausbildung in Kombinat, Albanien

Für die Kinder ist das Kinderzentrum wie ein Zuhause. Ein Zuhause, in dem sie geliebt und wertgeschätzt werden. In dem sie in ihren individuellen Stärken gefördert werden und dort Unterstützung finden, wo sie Hilfe brauchen. Ein Zuhause sogar im Lockdown, wenn die Schulen geschlossen sind! Denn für die Kinder in Kombinat, einem der sozialschwächsten Stadtteile der Hauptstadt Albaniens, dem ärmsten Land in Europa, ist Schule per Internet keine Option. Oder doch? Eda und Gesti, Leiter des Kinderzentrums, nahmen die Sache letztes Jahr selbst in die Hand, kauften ein paar Computer fürs Kinderzentrum und kontaktierten die Schulen: Sie mögen doch bitte den Kindern ordentliche Aufgaben und „Homeschooling“ zur Verfügung stellen; um den Rest kümmert sich das Kinderzentrum. So saßen die Kinder jeden Tag während des Lockdowns im Kinderzentrum und machten eben dort Schule, und bekamen außerdem noch eine warme Mahlzeit. Viel besser, als in ihren dürftigen Unterkünften eingesperrt zu sein und ein halbes Jahr Unterricht zu verpassen!

Aber leider kann auch das Kinderzentrum nicht alle Lücken füllen – dafür ist die Not zu überwältigend. „Unsere große Herausforderung ist, dass wir manche Kinder verlieren, wenn sie Teenager werden“, erklärt Gesti. „Manche Mädchen heiraten sehr früh, einige der Jungs fangen an mit Diebstahl, Drogen – das ist halt, was sie von ihrer ‚Gesellschaft‘ kennen.“ Besonders in Kombinat ist das ein Problem, bedingt durch Armut und Perspektivlosigkeit; Prostitution, Drogenhandel, Missbrauch und Gewalt gehören hier zum Alltag.

„Was wir brauchen, sind Möglichkeiten für eine Berufsausbildung oder ähnliches – etwas, dass den jungen Leuten eine Hoffnung für die Zukunft gibt. Ein ‚Haus der Hoffnung‘ – das ist mein Traum. Ein Ort, der als Anlaufstelle dienen kann, wo die Jugendlichen jemand haben, zu dem oder der sie mit ihren Sorgen und Nöten, ihren Fragen und Träumen kommen können. Aber eben auch ein Ort, wo sie einen Beruf erlernen können. Ich würde gerne mit einem Medienprojekt beginnen, später vielleicht eine Nähschule oder anderes.“

Und so entstand der Plan fürs „Haus der Hoffnung“ in Kombinat. In kürzester Zeit wurde eine geeignete Wohnung gefunden, die Ende August von einem paXan-Team ins „House of Hope“ umgebaut wurde, mit Aufenthaltsraum und Bad, Schulungsraum und einem fertig eingerichteten Studio für Ton-, Bild- und Videoaufnahmen. Sevin, ein lokaler Experte, wird die ersten Jugendlichen ehrenamtlich ausbilden. „Wenn man Menschen einen Beruf gibt, dann gibt man ihnen eine Möglichkeit zu leben“, betont er.

Zu diesen Menschen gehört zum Beispiel Gjergj*, der älteste von sieben Brüdern, alle von anderen Vätern. Zwei der Jungs besuchen das Kinderzentrum, die drei jüngsten sind noch zu klein. Und Afrim*, der zweitälteste, hat bereits den „Weg der Gesellschaft“ eingeschlagen; fünfmal wurde er bisher festgenommen. Aber Gjergj gibt nicht auf. Zwar muss er sich oft um seine kleinen Brüder kümmern, aber er geht weiterhin zur Schule und kommt zum Kinderzentrum, wo er und seine Brüder ihre oft einzige warme Mahlzeit am Tag bekommen. Das „Haus der Hoffnung“ schenkt ihm ungeahnte Möglichkeiten – und bei der Renovierung im August war er mit Begeisterung dabei.

Oder Mädchen wie Aisha* und Elira*. Vom Stiefvater missbraucht – leider kein Einzelfall in Kombinat – nahm Elira letztes Jahr den einzigen Fluchtweg aus der verzweifelten Familiensituation, den sie kannte, und „heiratete“, mit nur 14 Jahren. Wenn sie zu der Zeit schon eine Alternative gehabt hätte, wäre ihre Entscheidung vielleicht anders ausgefallen. Auch Aisha droht dieses Schicksal: Ihre Familie will sie aus religiösen Gründen verheiraten, aber Aisha möchte studieren und einen Beruf erlernen. Ihr Zuhause wurde im Erdbeben zerstört und die Familie zog weiter weg, trotzdem kommt sie weiterhin ins Kinderzentrum. Sie ist sehr begabt im musikalischen und journalistischen Bereich – eine Ausbildung im „Haus der Hoffnung“ würde ihr die Chance bieten, nach der sie sich sehnt.

Oder auch Skender*. Gesti lernte ihn kennen durch einen Fußballclub, den er mit Freunden einige Jahre für die Jungs in Kombinat angeboten hatte. Seitdem haben sie engen Kontakt und Skender ist treu bei allen Aktivitäten dabei. Auch seine Familiensituation ist nicht einfach: Die Mutter arbeitet tagaus tagein von morgens bis abends als Näherin, um ihre Familie zu ernähren, aber das meiste Einkommen zerfließt im Alkohol für den Vater. Skenders Chancen für einen guten Beruf waren gering – bis das „Haus der Hoffnung“ ins Leben gerufen wurde, woran auch Skender tatkräftig beteiligt war. Vor allem auf die Ton- und Videotechnik freut er sich schon enorm!

Hoffnung – so ein einfaches Wort, und für viele Menschen weltweit so unerreichbar. Dank des unermüdlichen Einsatzes unseres Partners in Albanien, aber auch den treuen Spenden für unser Jahresprojekt 2019 und das Kinderzentrum in Kombinat, ist Hoffnung für Jugendliche wie Gjergj und Skender, Aisha und Elira greifbar geworden.

 

* Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert

Joggathon 2021: Rückblick

Joggathons in Gelnhausen, Berlin, Hanau und Beirut

Es findet wieder ein Joggathon für die NES-Schule statt? „Da wollen wir definitiv dabei sein – unsere Schüler, und auch das Personal! Wann geht es los?“

Das war die begeisterte Reaktion aus Beirut, als bekannt wurde, dass die Hanauer Kirche des Nazareners auch in diesem Jahr mit ihrem Joggathon den Studienfond der NES-Schule in Beirut fördern wollte – eine Unterstützung, die von Woche zu Woche nötiger wird, während der Libanon immer tiefer in eine Wirtschaftskrise abstürzt, die zu den weltweit schlimmsten der letzten 150 Jahre gezählt wird.

In kürzester Zeit wurde der „Parallel-„Joggathon organisiert, und insgesamt 75 Schüler (davon 6, die bereits absolviert haben), 8 Lehrer/Personal und 3 Freunde der Schule liefen am 21. Juni in ihrem bisher zweiten Joggathon durch die Straßen von Beirut – für ihre Schule, für Hoffnung in einer aussichtslosen Lage, aber auch einfach in Dankbarkeit und Gemeinschaft mit den 20 Läufern und einer Rollstuhlfahrerin des Hanauer Joggathons, der vom 21. bis 27. Juni dezentral stattfand (insgesamt 388 Kilometer; 42 Sponsoren; 4.320 EUR). Vor allem in dieser Zeit des Abstandhaltens ein schönes Zeichen der Solidarität über Landesgrenzen hinweg!

Bereits im Mai waren zwei weitere Joggathons gestartet, organisiert von den Kirchen des Nazareners in Berlin und Gelnhausen:

Vom 29. Mai bis zum 5. Juni liefen ca. 40 Joggathon-Athleten in Gelnhausen über 250 Kilometer für unser Jahresprojekt 2021: Integrative Kinderzentren in Nepal; dabei kamen bisher mindestens 7.500 EUR zusammen.

Vom 30. Mai bis zum 6. Juni liefen 77 Läufer im Berliner Joggathon insgesamt 694,35 Kilometer und erliefen stolze 18.068 EUR für den guten Zweck; davon unterstützen je 25% die beiden paXan-Projekte in Uganda (Wassertank für Schule) und Albanien (landwirtschaftliches Projekt) und 50% ein Projekt im Rotlichtmilieu in Frankfurt (kein Helping Hands Projekt).

Wir freuen uns über diese tollen Ergebnisse und bedanken uns sehr herzlich bei allen, die sich mit viel Engagement für die Projekte unserer Partner eingesetzt haben!

Für die Läufer in Beirut suchen wir noch Sponsoren! Bei Interesse bitte eine Mail an: joggathon@kdn-hanau.de – oder direkt für den „Studienfond NES“ spenden (hier geht’s zur Online-Spende).

Händewaschen oder Essen?

Die Geschichte einer glücklichen Familie

„Händewaschen vor dem Essen“ – eine sinnvolle Hygienemaßnahme, die jedes Kind kennen sollte: aber zu Corona-Zeiten oft bitter doppeldeutig. Denn an vielen Orten stehen die Familien, die im Lockdown ans Äußerste ihrer Existenz gebracht werden, tatsächlich vor dieser Entscheidung: Investiere ich mein letztes Geld, um Hygiene-Kits zu kaufen, wie empfohlen wird, oder besorge ich lieber Essen für meine Kinder?

In Nepal müssen sich viele der Familien in unseren Kinderzentren diese Gedanken machen. Seit Mai ist das Land extrem von der zweiten Corona-Welle betroffen; Ende Mai hatte die Pandemie dann auch die entlegenen Dörfer erreicht, die in der ersten Welle verschont geblieben waren. Seitdem befindet sich so ziemlich das ganze Land im Lockdown.

Die Familien in Piluwa, Ithung und Ghalegaun sind besonders stark betroffen. „Selbst in den Bergdörfern sind viele Menschen gestorben“, schreibt unser Partner. „Verkehrsmittel, Geschäfte, Arbeitsstellen, Fabriken sind bereits seit etwa zwei Monaten geschlossen. Die Menschen hocken in ihren Häusern in ständiger Angst, nicht nur vor der Pandemie, sondern in Angst vor dem Hunger.“ Sie haben kein Erspartes, mit dem sie sich durch diese Wochen versorgen können, und keine Möglichkeit, etwas zu verdienen; „also leihen sie sich Geld und nehmen minderwertigere Nahrung zu sich, um irgendwie durchzukommen“. Die nett gemeinten Anweisungen des Gesundheitsministeriums, man solle möglichst nahrhaftes, ausgewogenes Essen zu sich nehmen, um das Immunsystem zu stärken, klingt für sie wie Hohn. Die empfohlenen „Safety Kits“ sind für die meisten unerschwinglich.

Unser Partner NCM Nepal würde in dieser Situation gerne mit Lebensmittelpaketen helfen, damit die Familien genügend und bessere Nahrung zu sich nehmen können. Aber in Rücksprache mit den Verantwortlichen vor Ort stellte sich heraus, dass in diesen Dörfern bisher überhaupt keine Hilfe geleistet wird, und somit nicht nur die Familien unserer Kinderzentren, sondern quasi die gesamte Dorfbevölkerung auch im Umkreis versorgt werden müssten. Das aber übersteigt unsere Kapazitäten.

Daher konzentriert sich NCM Nepal in einem ersten Schritt auf die „Safety Kits“, die sich die Familien auch nicht leisten können. Vorerst sollen Masken und Seifen an alle Familien der Kinderzentren verteilt werden – Seife ist in diesem Kontext angebrachter als Händedesinfektionsmittel.

Und natürlich kümmern die Lehrer unserer Kinderzentren sich trotz des Lockdowns weiter um die Kinder, vor allem durch Video- oder Telefonanrufe. Damit möchten sie auch Hoffnung weitergeben; Hoffnung, die zur Zeit dringend benötigt wird, wie ein Vater aus Ghalegaun beschreibt:

Ich bin Bhupesh aus Ghalegaun. Ich komme aus einer armen Familie. Viele Menschen wünschen sich in ihre Kindheit zurück, aber meine Kindheit war es nicht wert, dass man sich an sie erinnert. Dafür war sie viel zu elend. Es tat mir immer sehr weh, wenn meine Freunde bei Festen neue Kleider hatten. Meine Eltern verdienten sehr wenig, aber vor allem waren sie auch abhängig von lokalem Alkohol. Häusliche Gewalt und Armut prägten meine Kindheit. Ich wuchs auf, ohne überhaupt ein Schulgelände zu betreten. Als ich älter wurde, begann ich auf Baustellen und manchmal auf Bauernhöfen zu arbeiten.

Später erlernte ich das Maurerhandwerk und fing an, Geld zu verdienen. Ich habe geheiratet und habe jetzt drei Kinder. Ich bin glücklich, dass ich und meine Frau unsere Kinder zur Schule schicken können. Und jetzt sind wir besonders dankbar, dass unsere Kinder durch das integrative Kinderzentrum in ihrer Bildung unterstützt werden, mit Schulmaterial und Nachhilfeunterricht. Wir haben unsere eigene kleine Hütte und ein kleines Stück Land, auf dem meine Frau Gemüse anbaut. Inmitten von Mangel und Entbehrung ist meine Familie zu einer glücklichen Familie geworden.

Aber seit dem letzten Jahr zerstört die Pandemie unseren Frieden. Mit viel Mühe haben wir das letzte Jahr verbracht und versucht, ein normales Leben zu führen, aber seit Mai 2021 bedroht die zweite Welle unser Leben. Viele Menschen aus unserem Dorf sind mit Covid-19 infiziert und einige von ihnen haben ihr Leben verloren. Meine Familie ist noch sicher, aber der Lockdown wirkt sich sehr negativ auf uns aus. Da die Baustellen seit mehr als zwei Monaten geschlossen sind, ist auch meine einzige Einkommensquelle versiegt. Wenn man auf Baustellen arbeitet, kann man kaum das Allernötigste bezahlen und somit auch kein Geld für die Zukunft sparen. Daher sind wir jetzt in einer finanziellen Krise. Wir kaufen Essen, indem wir uns von Nachbarn etwas leihen, in der Hoffnung, dass der Lockdown bald aufgehoben wird und ich Arbeit bekomme, damit ich das Geld zurückzahlen kann. Die Regierung bittet uns, alle möglichen Gesundheitsmaßnahmen zu befolgen, aber sie sind sich nicht bewusst, dass die armen Leute sich all das überhaupt nicht leisten können.

Wir möchten Menschen wie Bhupesh und den Familien in den Dörfern unseres Jahresprojekts helfende Hände reichen!

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, dann überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Nepal Corona“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

 

Fotohinweis: Das Bild zeigt eine Szene aus Ithung/Ghalegaun vor dem Lockdown (Ende 2020).

Dörfer unseres Jahresprojektes 2021 stark von Corona betroffen

Familien aus unseren integrativen Kinderzentren in Nepal hoffen auf Hilfe

Seit Januar besteht das integrative Kinderzentrum in Ithung/Ghalegaun in Nepal, das wir, gemeinsam mit dem neueröffneten Kinderzentrum in Piluwa, als unser Jahresprojekt 2021 unterstützen. Einige Monate konnte dort regelmäßig der Unterricht stattfinden; die Kinder freuten sich über warme Winterjacken, Schulmaterial und nahrhafte Mahlzeiten, die Eltern wurden in Hausbesuchen ermutigt und blicken mit Hoffnung in die Zukunft.

Aber der massive Corona-Ausbruch im Nachbarland ist schon längst nach Nepal übergeschwappt und hat diesmal leider auch vor den entlegenen Dörfern nicht Halt gemacht. Anfangs befanden sich nur die Städte im Lockdown, aber schon nach wenigen Wochen wurde die Ausgangssperre landesweit ausgeweitet. Das läuft inzwischen anderthalb Monate, und die Menschen wissen nicht mehr, woher sie die nächste Mahlzeit bekommen sollen. Und dazu kommt die Angst vor der Krankheit – in Gegenden, wo das nächste Krankenhaus mehrere Stunden Busfahrt entfernt ist, kann ein schlimmer Verlauf schnell fatal sein. Unser Partner schreibt:

„In dieser zweiten Welle haben sich Menschen selbst in den entlegenen Gebieten mit Covid-19 infiziert. Und der Lockdown dauert weiter an. Piluwa ist bereits ein Hochrisikogebiet für Covid-19, aber wir dachten nicht, dass das Bergdorf Ithung davon betroffen sein würde. Doch leider wurden viele Menschen aus Ithung positiv getestet. Und jetzt ist der Pastor des Dorfes an Corona gestorben! Er lässt seine Frau, drei Söhne und eine Tochter zurück.“

Wenn das Immunsystem durch Hunger geschwächt ist, haben auch gesunde Menschen weniger Chance, einer Infektion standzuhalten. Und die Familien in Ithung, Ghalegaun und Piluwa leiden sehr unter dem strengen Lockdown. Ihre Hoffnung ist, dass der lokale Partner ihnen in dieser Not unter die Arme greifen kann.

Auch wir möchten den Familien in den Dörfern unseres Jahresprojekts helfende Hände reichen!

Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, dann überweisen Sie Ihre Spende bitte mit Vermerk „Nepal Corona“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL (zur Online-Spende). Bitte geben Sie immer die vollständige Adresse an, damit Sie am Jahresende eine Spendenquittung erhalten können. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Neuer Mut inmitten katastrophaler Wirtschaftskrise

Schüler und Personal der NES in Beirut nehmen an Hanauer Joggathon teil

„Die Situation wird immer schlimmer – in allem. Es ist zum verzweifeln!“

Während man sich andernorts freut, dass ein wenig Normalität in den Alltag zurückkehrt, rutscht der Libanon immer weiter ab in die katastrophalste Wirtschaftskrise, die der moderne Staat je erlebt hat.

Innerhalb weniger Monate hat die lokale Währung 90% ihres Wertes verloren. Das Geld, das noch 2019 einen Einkaufskorb voller Gemüse, Obst, Fleisch, Reis und Milch gefüllt hätte, reicht heute gerade noch für eine Flasche Milch. Ein T-Shirt kostet neunmal so viel wie vor zwei Jahren, der Preis für Öl zum Kochen hat sich versechzehnfacht (Infografiken von AlJazeera). Der Prozentsatz an Menschen, die in Armut leben, hat sich innerhalb eines Jahres auf 55% verdoppelt – inzwischen können sich über die Hälfte der libanesischen Bevölkerung kaum mehr das Nötigste zum Überleben leisten. Auch die Stromversorgung ist am Zusammenbrechen; Generatoren und Kraftstoff für die meisten unerschwinglich.

Doch es gibt auch Grund zur Hoffnung. Die NES-Schule in Beirut ist weiterhin eine Oase des Friedens im Chaos – und seit Ende Mai kann tatsächlich wieder Unterricht im Schulgebäude stattfinden. „Wir sind begeistert, weil wir jetzt schon fast drei Wochen Präsenzunterricht haben konnten!“, schreibt die Schulleiterin. Normalerweise würden jetzt bereits die Absolvierungen stattfinden, stattdessen gibt es bis Ende Juni Unterricht.

Und nicht nur die Gesichter der Schüler und Lehrer strahlen, dass sie endlich wieder beisammen sein können, auch die Schule erstrahlt in neuem Glanz: Nach der Explosion im August konnten als Teil der Reparaturen auch nötige Renovierungsarbeiten durchgeführt und die Schule in der neuen Schulfarbe gestrichen werden. Die neuen Schuluniformen konnten sich bisher leider die wenigsten Eltern leisten, daher dürfen die Kinder derzeit in den alten Farben kommen oder einfach in neutraler Kleidung.

„Wir hoffen sehr, dass im kommenden Schuljahr alle Kinder ihre eigene Schuluniform haben können und auch Schulbücher in Farbe; dieses Jahr mussten wir viele Kopien machen, damit die Schüler überhaupt Unterrichtsmaterial hatten.“

Auch andere Herausforderungen müssen überwunden werden: zum Beispiel ist es für Personal, Eltern und Schulbusse derzeit nicht einfach, die Schule zu erreichen, weil es fast kein Benzin mehr zu kaufen gibt – „oder man muss zwei drei Stunden anstehen, nur um 10 Liter Benzin einzufüllen“.

Aber wie immer geben Lehrer und Personal der NES-Schule nicht auf. „Es geht uns noch gut, wir sind in Sicherheit, und wir hoffen, dass die Dinge sich ändern werden“, betont die Schulleiterin.

Und Ermutigung kommt auch von anderer Seite!

Vom 21. bis 27. Juni findet in Hanau ein dezentraler Joggathon statt, der auch in diesem Jahr den NES-Studienfond unterstützt. Und jetzt wird die Hilfe noch dringender benötigt!

Und auch dieses Jahr nehmen Schüler und Lehrer der NES-Schule am Joggathon teil und rennen in Beirut „gemeinsam“ mit den Läufern in Deutschland für ihr Projekt (voraussichtlich am 21. Juni).

 

Wer sich am Joggathon beteiligen möchte oder für das Projekt spenden, findet hier alle nötigen Informationen (im Detail: Sponsoren-Info).

Für die Schüler der NES suchen wir Sponsoren! Bei Interesse bitte eine Mail an: joggathon@kdn-hanau.de

Joggathon 2021

Auch im zweiten Corona-Mai finden die traditionellen Joggathons statt!

Wie schon in 2020 gibt es den „Joggathon to go“: Wir laufen gemeinsam für den guten Zweck, und zwar allein, zu zweit oder als Familie – jeder, wo er oder sie will, aber trotzdem zusammen … gerne in ganz Deutschland oder außerhalb!

Drei dezentrale Joggathons sind geplant:

Der Gelnhäuser Joggathon läuft offiziell vom 29. Mai bis zum 5. Juni. Dieser Joggathon unterstützt zu 100% unser Jahresprojekt 2021: Integrative Kinderzentren in Nepal.

Der Berliner Joggathon läuft offiziell vom 30. Mai bis zum 6. Juni und beginnt mit einem OpenAir Gottesdienst. Dieser Joggathon unterstützt zu jeweils 25% die beiden paXan-Projekte in Uganda (Wassertank für Schule) und Albanien (landwirtschaftliches Projekt).

Der Hanauer Joggathon läuft offiziell vom 21. bis zum 27. Juni und unterstützt die NES-Schule in Beirut, Libanon (unser Jahresprojekt 2020).

 

Bist du dabei?

Dann melde dich an (Infos zu GelnhausenInfos zu Berlin – Infos zu Hanau), suche dir Sponsoren, finde Mitläufer (wenn du magst) und wähle deine Laufstrecke, installiere eine Tracking-App auf deinem Handy (wenn du magst), hoffe auf gutes Wetter und laufe im genannten Zeitfenster eine Stunde lang so weit oder schnell wie du kannst oder möchtest. Wenn du hinterher Bescheid geben kannst, wie viele Kilometer und Euro du „erlaufen“ hast, freut das die Statistik – und natürlich die Kinder und Erwachsenen in Nepal, Libanon, Uganda und Albanien, die durch deine Unterstützung in eine hoffnungsvollere Zukunft blicken können!

Die Joggathons sind Veranstaltungen der Ortsgemeinden der Kirche des Nazareners in Gelnhausen, Berlin und Hanau. Weitere Infos zu Joggathons und anderen Spendenaktionen gibt es hier.

Eine neue Jacke für alle!

Update aus unseren Kinderzentren in Nepal

Wie sollen wir bloß für alle Familienmitglieder genug zu essen besorgen? Wie das Schulmaterial für unsere Kinder bezahlen? Und wo finden wir das Geld für die nötigste Kleidung?

Diese Fragen stellen sich immer mehr Menschen rund um den Globus – die Coronakrise hat den weltweiten Kampf gegen Armut und Hunger um Jahrzehnte zurückgeworfen. Um einige Familien in Nepal bei den Antworten zu unterstützen, dafür engagieren wir und unser Partner vor Ort uns in mehreren integrativen Kinderzentren als unser Jahresprojekt 2021.

Als erstes dieser Zentren wurde bereits im Oktober 2020 das Kinderzentrum in Piluwa neueröffnet. Zwei Mädchen berichten von ihren Erfahrungen:

„Ich heiße Kalita* und gehe in die 6. Klasse. Zuhause sind wir 10 Personen. Mein Vater ist Schreiner und meine Mutter hat keinen Job, weil sie krank ist. Wir haben nur ein Lehmhaus und ein kleines Stück Land. Wenn mein Vater keine Arbeit hat, dann müssen wir ohne Essen ins Bett. Von neuer Kleidung können wir nur träumen!

Aber zum Glück habe ich die Chance bekommen, in Piluwa ins Kinderzentrum zu gehen. Dort helfen mir die Lehrer bei den Schulaufgaben und ich kann mit meinen Freunden spielen. Wir bekommen auch das nötige Schulmaterial und etwas zu essen. Im Winter habe ich diese tolle Jacke bekommen, sie ist so wundervoll vor allem in der Kälte, ich hab mich so gefreut! Und nicht nur ich bin im Kinderzentrum, auch drei meiner Geschwister. Wir waren so begeistert, als wir alle eine neue Jacke bekommen haben – alle vier von uns gleichzeitig!“

„Und ich bin Raika* und gehe in die 3. Klasse. Wir sind 12 in meiner Familie – acht Mädchen und ein Junge! Wir wohnen alle zusammen in einer Holzhütte. Meine Eltern arbeiten bei anderen Leuten auf dem Feld, weil wir nur ein ganz klein wenig Land haben; nur so können sie genug für uns alle zu essen kaufen. Aber sie haben kein Geld, um Schulgebühren zu bezahlen oder Schulmaterial, Kleidung oder gar Spielzeug zu kaufen.

Seit mein Bruder und ich ins Kinderzentrum in Piluwa gehen, bekommen wir diese Dinge dort. Letzten Weihnachten haben wir sogar beide eine neue Winterjacke bekommen, schön warm und weich, die habe ich getragen, bis es nicht mehr kalt war.“

 

Insgesamt 75 Kinder im Alter von 4 bis 12 Jahren aus über 40 bedürftigen Haushalten besuchen derzeit das Kinderzentrum in Piluwa. Wie auch in anderen Kinderzentren erhalten die Kinder dort fünfmal pro Woche Nachhilfe bzw. Unterstützung bei den Schulaufgaben, basteln und spielen Spiele, lernen verschiedene wichtige Dinge, zum Beispiel wie sie am besten gesund bleiben, und bekommen zusätzlich eine kleine Mahlzeit und das benötigte Schulmaterial. Die Winterjacken waren eine Sonderaktion zu Weihnachten und wurden in allen nepalesischen Kinderzentren verteilt.

Zwei Lehrer kümmern sich in Piluwa um die Kinder und treffen sich regelmäßig mit den Eltern. Bereits im Herbst wurde eine Selbsthilfegruppe unter den Müttern gegründet und die Frauen haben verschiedene Schulungen besucht. Jetzt treffen sie sich einmal pro Monat, um wichtige Angelegenheiten durchzusprechen und ihr Sparprogramm weiterzuführen – das wird ihnen die nötige Grundlage geben, um 2021 mit verschiedenen einkommensschaffenden Aktivitäten zu beginnen und so das Familieneinkommen zu verbessern und langfristige Veränderungen einzuleiten.

Auch die Aktivitäten im Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun (ein Zentrum mit zwei Standorten) laufen wie geplant weiter; bisher sind die Zentren vom erneuten Lockdown in einigen Teilen Nepals nicht betroffen.

Weitere Informationen zu unserem Jahresprojekt finden Sie hier.

 

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

 

Die Kinder in Piluwa freuen sich über ihre neuen Winterjacken:

Rückblick: Jahresprojekt 2020

Oase des Friedens im Chaos – so hatten wir unser Jahresprojekt 2020 überschrieben. Denn genau das ist die NES-Schule in Beirut heute und schon immer gewesen: eine Oase des Friedens inmitten des Bürgerkriegs (1975–1990), religiöser und gesellschaftlicher Konflikte, der syrischen Flüchtlingskrise und zuletzt der Wirtschaftskrise mit Straßenprotesten, die das Land Ende 2019 im Griff hatten.

Im Jahre 2020 bekam dann „Chaos“ eine ganz neue Bedeutung. Erst die Coronakrise, die Menschenleben gefährdet und die bereits extrem geschwächte Wirtschaft aufs Äußerste strapaziert. Und dann im August die verheerende Explosion in Beirut: dutzende Tote, tausende Verletzte, ein Drittel der Stadt beschädigt oder zerstört. Das wirtschaftliche und politische Chaos nahm weiter zu. Inzwischen ist etwa die Hälfte der libanesischen Bevölkerung in die Armut abgerutscht, die Währung hat im Vergleich zu Ende 2019 bis zu 90% an Wert verloren (Stand Mitte März, AlJazeera). Die Preise der vornehmlich importierten Produkte haben sich vervielfacht und steigen noch kontinuierlich; alltägliche Dinge wie Shampoo oder Waschmittel sind zum Luxusgut geworden.

„Unser Land bricht zusammen“, berichtete die Schulleiterin im Januar. „Die wirtschaftliche Lage ist unvorstellbar! Und das ist innerhalb von wenigen Monaten passiert – alles ist jetzt anders! Alle, die können, verlassen das Land – vor allem die gut Ausgebildeten, die Ärzte; niemand investiert irgendetwas. Wir wissen wirklich nicht, wie es weitergehen wird. Es bricht einem das Herz!

Nun ist jeder arm hier. Mit unseren Gehältern können wir so geradeeben Lebensmittel und Strom bezahlen. Die Preise sind wie verrückt angestiegen – Joghurt, zum Beispiel, kostet das 6- oder 8-fache … wenn man welchen finden kann. Vor allem Medikamente oder medizinische Behandlung sind ein Problem, aber viele Familien können sich nicht mal genug Brot leisten.“

Auch die NES-Schule ist von diesen Geschehnissen hart getroffen. Bei der Explosion wurde viel zerstört; die Lockdowns machten regulären Unterricht unmöglich; durch die angestiegenen Preise sind Strom und Reparaturen, Benzin für den Schulbus, selbst normale Reinigungsmittel fast unerschwinglich. Im vergangenen April hatte die Schulleiterin angesichts der Krise in einem Zoom-Meeting ihrem Personal mitgeteilt: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir weitermachen können!“

Und doch: Auch in diesem Katastrophenjahr konnte die NES-Schule weiterhin eine Oase des Friedens im Chaos sein. Während der Lockdowns kümmerten Lehrer und Schulleitung sich hingebungsvoll um die Kinder. Und dank großzügiger internationaler Hilfe konnte im Herbst tatsächlich das neue Schuljahr begonnen werden – und kein Kind wurde zurückgewiesen, obwohl die meisten Eltern sich das Schulgeld nicht mehr leisten können.

„Wir haben im Herbst alle Kinder kontaktiert. Wenn Kinder sagten, wir können aus finanziellen Problemen nicht kommen, dann haben wir ihnen gesagt, dass sie trotzdem kommen können! Dadurch haben wir dieses Jahr sogar mehr Schüler als im letzten, insgesamt 252 Kinder.“ Vielen libanesischen Familien konnte geholfen werden, die durch Explosion und Wirtschaftskrise ihr Einkommen verloren hatten. Und auch alle syrischen Kinder, deren anderweitige Unterstützung weggebrochen war, besuchen weiterhin die Schule oder das STEP-Programm.

Dafür war einige Kreativität nötig, denn die Familien konnten sich insgesamt nicht einmal 20% der Schulgebühren leisten. „Wir haben alle Schulbücher kostenlos verteilt – denn die sind inzwischen sehr teuer. Für die Schuluniformen haben die Familien sich untereinander ausgetauscht, oder die Kinder kommen einfach in normaler Kleidung. Und auch ‚eschool‘, das Online-Schulprogramm, das wir benutzen, konnte bezahlt werden. Dank einer Spende haben wir allen Kindern, vor allem Klasse 4 bis 9, Tablet-Computer ausgeliehen, sodass der Online-Unterricht jetzt viel besser klappt.“

All das wäre ohne die finanzielle Unterstützung von Helping Hands e.V. und anderen internationalen Spendern nicht möglich gewesen. Während die Spenden über Helping Hands vornehmlich den „Studienfond“ unterstützen, der Kindern aus finanzschwachen Familien ermöglicht, weiter die Schule zu besuchen, halfen Spenden anderer Organisationen, die Explosions-Schäden an der Schule zu beseitigen, die erheblich umfassender waren als ursprünglich gedacht – dabei wurden auch gleich ein paar andere wichtige Reparaturen bzw. Umbauarbeiten vorgenommen – sowie ca. 15 NES-Familien bei der notwendigsten Renovierung ihrer Wohnungen zu unterstützen und 25 Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten durch die schwerste Zeit zu helfen.

Aber all das wäre auch ohne die unermüdliche Arbeit der Lehrer und Administration der NES-Schule nicht möglich gewesen.

Im Herbst konnte tatsächlich etwa vier Wochen Präsenzunterricht in der Schule stattfinden; die Klassen wurden jeweils in zwei Gruppen unterteilt, die an unterschiedlichen Tagen kamen, und Pausen und Sport mussten gestrichen werden. Trotzdem konnten auch – unter strengen Hygienemaßnahmen und klassenweise anstatt schulübergreifend – einige „traditionelle“ Feierlichkeiten stattfinden. Bei den „Back to School“ Aktivitäten freuten die Kindergartenkinder sich über den Besuch eines Clowns und eine Luftblasenmaschine; die 1. bis 3. Klasse machte Spiele und Tänze – natürlich mit Abstand; Klasse 4 und 5 lachten gemeinsam bei Wettbewerben und in einer Fotobox; die Mittelstufenschüler wurden durch eine Art „Geländespiel“ herausgefordert.  Im November fand das übliche Kostümfest zum St. Barbara’s Day statt, und im Dezember wurden die Weihnachtsfeiern über drei Tage hinweg in kleineren Gruppen durchgeführt; auch zahlreiche ehemalige NES-Schüler halfen dabei.

Im Frühjahr 2020 sowie seit Januar 2021 fand bzw. findet auch in der NES der Unterricht online statt. Das ist eine große Herausforderung, vor allem auch aufgrund der wirtschaftlichen Lage – inzwischen fällt zeitweise bis zu 12 Stunden am Tag der Strom aus, und die Internetverbindung ist oft schwach. Den ganzen Tag über ist das Team der NES auf den Beinen, um technische Probleme allgemein und die Computerprobleme jeder Familie einzeln zu beheben, denn viele Eltern kennen sich mit Computern überhaupt nicht aus.

„Unsere Lehrer arbeiten von 7.45 Uhr früh bis 6 Uhr abends. Es ist sehr anstrengend. Wir haben live Unterricht ab der 4. Klasse. Die Lehrer senden ihre Unterrichtsinhalte als Videos und beantworten dann live Fragen. Auch nachmittags stehen sie zur Verfügung, um Fragen zu beantworten. In den unteren Klassen finden ebenfalls live sessions statt. Hier sind teilweise die Kinder in zwei Gruppen geteilt, damit die Lehrer sich individuell auf jedes einzelne Kind konzentrieren können.“

Das libanesische Programm „eschool“ leistet hier gute Dienste und ermöglicht auch Online-Examen und Benotung bzw. Bewertungen, aber das muss auch erst gelernt sein: Besonders ein Lehrer investierte hunderte Stunden, die anderen Lehrer und Eltern in das System einzuweisen und bei Schwierigkeiten zu helfen.

Auch das STEP-Programm findet weiterhin statt. „Einige unserer NES-Lehrer helfen jetzt auch bei STEP mit, weil sie mehr Erfahrung haben; das ist wirklich gut für die Kinder.“ Ab der 3. Klasse wird eschool benutzt. Mit Schülern, die besondere Lernschwierigkeiten haben, treffen die Lehrer sich einzeln per Videokonferenz und erklären den Unterrichtsstoff.

„Unsere Lehrer geben wirklich alle ihre Zeit für die Kinder – Schüler um Schüler, denn jedes Kind zählt!“, betont die Schulleiterin. „Ich treffe mich regelmäßig mit den Lehrern, um sie zu ermutigen und zu beraten. Und wir versuchen als NES, weiterhin die vollen Gehälter zu bezahlen – manche großen Schulen im Libanon zahlen nur noch die Hälfte, obwohl das Geld ja auch nur noch einen Bruchteil wert ist.“

Ermutigung und therapeutische Begleitung ist nach diesem Jahr und besonders nach der Explosion im Sommer dringend nötig. „Viele Kinder sind immer noch traumatisiert und zittern jedes Mal, wenn sie ein Flugzeug hören.“ Kurz nach der Katastrophe bot die NES-Schule für alle Kinder ein besonders Programm in Traumaseelsorge an und identifizierte Kinder, die besondere Hilfe brauchten; die Beratung wird durch den Schultherapeuten und eine Ärztin weitergeführt. Hier besteht auch aufgrund der scharfen Lockdowns weiterhin ein großer Bedarf: Viele Familien leben gemeinsam in einem kleinen Raum und häusliche Gewalt ist ein enormes Problem, das teilweise kulturell „akzeptiert“ ist.

Für die Lehrer wurde ebenfalls vom Schultherapeuten ein Traumaseelsorgeseminar angeboten, das sich sowohl auf die Explosion bezog, aber auch Depression aufgrund der wirtschaftlichen Lage vorbeugen sollte.

Eine Oase des Friedens im Chaos – das Personal der NES-Schule ist sich seiner zentralen Aufgabe weiterhin bewusst.

„Als eine unterstützende Organisation bekanntgab, dass sie die Schulgelder der syrischen Kinder nicht mehr weiter fördern könnten, haben mich fünf dieser Kinder jeden Tag kontaktiert und mich angefleht, dass sie bleiben dürfen“, erinnert sich die Schulleiterin. „Sie hatten große Angst – dass sie nach Syrien zurückmüssen, dass ihre Eltern sie verheiraten, wenn sie nicht zur Schule gehen.“

Und dank der Spenden für unseren Studienfond, weiterer Spenden und großer Opfer des Personals finden diese Schüler und ihre Freunde weiterhin eine „Oase“ in der NES-Schule.

„Wir möchten nicht, dass auch nur ein einziges Kind zuhause bleiben muss ohne zu lernen“, betont die Schulleiterin. „Wir möchten weiterhin allen Kindern helfen. Viele Kinder könnten ohne Unterstützung ihre Schulbildung nicht weiterführen, aufgrund der wirtschaftlichen Lage, und die wird sich nicht bessern! Aber wir sehen das als einen echten ‚Dienst‘ an – obwohl wir alle unter der Situation leiden und es für uns alle schwierig ist, möchten wir ein Licht sein für diese Familien. Wir möchten einen Unterschied machen im Leben dieser kleinen Kinder und auch ihrer Eltern!“

Der „Studienfond“ ist dabei eine sehr große Hilfe. Und auch wir bei Helping Hands möchten uns ganz herzlich bedanken für alle Unterstützung für unser „Jahresprojekt 2020“ – für die vielen großzügigen Einzelspenden, die drei Joggathons in Berlin, Gelnhausen und Hanau im Frühjahr und Sommer, bei denen auch die NES in Beirut mitgemacht hatte, für andere Spendenaktionen und auch für das große Interesse an diesem Projekt. Über 40.000 EUR sind so im vergangenen Jahr für den Studienfond zusammengekommen – fast das Doppelte unseres ursprünglichen Ziels!

Für die Verteilung der „Stipendien“ wurde bei der NES ein Komitee eingerichtet, zu dem auch eine Helping Hands-Mitarbeiterin gehört. Darin soll auch geplant werden, wie die Schule selber den Fond weiter auffüllen kann. Aber natürlich ist – gerade auch in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage – weitere Unterstützung dafür sehr willkommen und notwendig. Daher sind wir jederzeit dankbar für weitere Spenden mit Vermerk „Studienfond NES“ oder über dieses Online-Spendenformular.