Es ist keine Schande!

Aktion zum Mitmachen für Schulkinder in der Ukraine

„Es ist keine Schande, nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen“, betonte Platon in der Antike.

Heute gibt es hunderttausende Kinder weltweit, die lernen wollen – aber sie schämen sich, zur Schule zu gehen, weil ihnen das nötigste fehlt: Schulmaterial, geeignete Kleidung, das Geld für Gebühren. Dass Kinder aus solchen Gründen die Chance auf eine Zukunft verpassen – das ist eine Schande! Denn schon ein kleines Päckchen mit Schulbedarf trägt dazu bei, dass Kinder lernen können.

Tausende Kinder inmitten von Krieg (Ukraine), verheerender Wirtschaftskrise (Libanon) oder chronischer Armut (Albanien) wünschen sich vor allem eins: einen normalen Schulalltag, der ihnen ermöglicht, trotz verzweifelter Lage mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken. Damit dieser Wunsch möglichst vielen Kindern erfüllt werden kann, haben wir beschlossen, uns dieses Jahr im Rahmen der traditionellen Weihnachtsaktion auf Schulpäckchen zu konzentrieren.

Machen Sie mit? Zum Inhalt eines Schulpäckchens gehört: 2 Bleistifte, 1 Radiergummi, 1 Spitzer, 1 Geodreieck, 1 Kugelschreiber o.ä., 1 DIN A4 Heft, 1 DIN A5 Heft (gerne in Klarsichthülle oder Gefriertüte verpacken). Gerne können auch separat noch andere Schulartikel gespendet werden. Bitte helfen Sie mit einer Transportspende von 1 Euro.

Schulpäckchen können ab sofort bis Anfang November direkt bei uns abgegeben werden (im Bürotrakt der Kirche des Nazareners Gelnhausen, Frankfurter Straße 16–18, 63571 Gelnhausen; Bürozeiten: MO–FR, 8:30–12:30) oder an einer dieser Sammelstellen. Vom 28.8. bis 9.9. beteiligt sich außerdem die Globus-Markthalle Wächtersbach an dieser Aktion; dort können bereits gepackte Päckchen gekauft und abgegeben werden.

Mit einer Spende ermöglichen Sie, dass zusätzliche Päckchen gekauft und vor Ort weitere Projekte zur „Weihnachtsfreude“ gefördert werden können. Eine Spende mit Vermerk „Schulpäckchen“ oder „Weihnachtsfreude“ bitte an unser Konto überweisen (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394) oder online spenden.

Weitere Infos auf der Schulpäckchen-Seite

Wenn „Zuhause“ ein Ort der Bedrohung ist

Ein Rückblick auf unser Jahresprojekt 2022: Das „Heim der Zuflucht“ für OSAEC-Opfer in den Philippinen

„Daheim“, bei Mutter und Vater, im Kreis der Verwandten – das sollte für ein Kind der sicherste Ort sein. Ein Ort der Geborgenheit, der Wertschätzung, der Fürsorge.

Die Kinder, denen unser Partner auf den Philippinen dient, haben es anders erfahren.

Auf den Philippinen ist „OSAEC“ (online sexual abuse and exploitation of children – sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet) eine besonders große Gefahr, denn fast alle Erwachsenen haben Internetzugang und sprechen zumindest etwas Englisch. Die Versuchung ist groß; bei manchen sicherlich aufgrund von Armut, bei anderen durch mangelndes Verständnis, den Wunsch auf „einfaches Geld“, und zerbrochene Familienstrukturen.

Denn OSAEC geschieht fast immer daheim. In den meisten Fällen sind die Eltern – vornehmlich die Mütter oder auch Großmütter – die Täter. Und Kinder jeglichen Alters müssen erfahren, dass ihr Zuhause ein Ort der Bedrohung wird. Oft kommt zur OSAEC-Tat auch noch körperlicher Missbrauch dazu.

Seit einiger Zeit ist OSAEC in den Philippinen als kriminelle Handlung eingestuft. Gemeinsam mit der NPO International Justice Mission identifizieren die lokalen Behörden Opfer von OSAEC und befreien sie mithilfe von Sicherheitskräften. Die befreiten Kinder werden dann – mit Umweg über die Polizeistation, um den Fall aufzunehmen – zum „Heim der Zuflucht“ gebracht, das unser örtlicher Partner vor knapp fünf Jahren auf Anfrage der International Justice Mission als erstes dieser Art auf den Philippinen gründete.

Das „Heim der Zuflucht“ ist ein „Assessment Center“, an dem Kinder, die aus OSAEC-Situationen befreit wurden, über mehrere Monate hinweg intensiv psychotherapeutisch und medizinisch betreut werden. Ziel ist, dass die Kinder Fertigkeiten erlernen, mit ihrem Trauma und den Erfahrungen umzugehen, sodass langfristig Heilung stattfinden kann. Gleichzeitig prüfen die Sozialarbeiter, wann und ob die Kinder bei anderen Familienmitgliedern reintegriert werden können oder erst einmal in eine längerfristige Einrichtung wechseln sollten. Das ist keine einfache Entscheidung, denn da meist die Eltern die Täter sind, kann die Sicherheit der Kinder selten gewährleistet werden. Doch oft gibt es an der Tat unbeteiligte Verwandte, die den Kindern ein neues Zuhause bieten können und von den Sozialarbeitern intensiv begleitet und unterstützt werden.

Die ersten Tage

Zu der Förderung, die ein Kind im „Heim der Zuflucht“ erfährt, gehört u.a. folgendes:

Direkt nach Ankunft erhält das Kind ein „Willkommenspaket“ mit Hygieneartikeln, einem Handtuch, einem Tagebuch, einem Stofftier u.a. Am ersten Tag kümmert eine der fünf „Hausmütter“ sich um das Kind, und sie/er hat Zeit, erst mal alleine das Erlebte zu verarbeiten und sich zu beruhigen – viele Kinder malen oder schreiben gerne in dieser Zeit ins Tagebuch. Zeitgleich treffen sich Sozialarbeiter, Polizei und Heimpersonal, um die grundlegendsten Informationen zu diesem „Fall“ auszutauschen.

Die nächsten drei Tage sind eine „Eingewöhnungsphase“, in denen einerseits die Hausmütter prüfen, welche Dinge die Kinder brauchen (wie Kleidung usw.), und andererseits die Kinder dabei unterstützen, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, und sie an ihr neues „Zuhause“ gewöhnen.

Danach beginnt eine 14-tätige Phase, in der die Kinder psychologisch und medizinisch untersucht werden und auch viele Gespräche mit der Sozialarbeiterin des Heims haben. Das Team des Heims trifft sich dann, um zu besprechen, was das Kind an Förderung benötigt. Gleichzeitig beginnt auch der Familien-Sozialarbeiter, Informationen über die Familie einzuholen. Somit kann nach ca. einem Monat schon festgestellt werden, ob die Chance besteht, dass das Kind bei Familienmitgliedern reintegriert werden kann oder später zu einer Pflegefamilie oder in ein anderes Heim wechseln sollte.

Umfassende Förderung

Ein Kind bleibt in der Regel mindestens drei Monate im „Heim der Zuflucht“, da so viel Zeit benötigt wird, um alle Aspekte der Situation umfassend zu beurteilen. Manchmal bleiben Kinder auch länger, bis zu sechs Monate, wenn es schwierig ist, ein neues Zuhause für sie zu finden – das ist vor allem bei Jungen der Fall, da nur sehr wenige Einrichtungen Jungen annehmen, sowie bei Geschwistergruppen (viele der betroffenen Kinder kommen in Geschwistergruppen, da OSAEC in der Regel zuhause stattfindet und meist alle Kinder einer Familie betroffen sind), damit diese nicht getrennt werden.

In dieser Zeit gehört zum Tagesplan der Kinder:

-> Psychotherapiesitzungen, alleine und in der Gruppe – Die Kinder sind sehr dankbar für diese Treffen, vor allem wenn sie merken, dass der Heilungsprozess beginnt. Die erste Einschätzung findet mit einem externen Psychologen statt; die Therapie dann mit der Psychologin des Heims bzw. der Sozialarbeiterin. Dazu gehört auch „Psychoedukation“, sowie ein Verständnis für die Gefahren und Auswirkungen von OSAEC zu vermitteln.

-> grundlegende Hygiene wie Händewaschen, duschen usw. – Da viele Kinder aus den Elendsvierteln kommen, fehlen ihnen oft diese Kenntnisse. Zusätzlich werden den Kindern auch positive Verhaltensweisen beigebracht.

-> medizinische Fürsorge

-> Schulbildung – Die Kinder lernen per Fernunterricht an ihren eigenen Schulen (dieses „Modular Learning“ Modell hat sich während der Pandemie erfolgreich herausgebildet) und werden an vier Tagen pro Woche durch eine Hauslehrerin unterstützt. Der Fernunterricht nimmt nur wenige Stunden des Tagesablaufs ein, da die Kinder stark traumatisiert sind und zu viel Lerndruck im Rahmen des Heilungsprozesses überwältigend sein kann. Manche Kinder sind auf einem normalen Lernniveau, andere sind einige Jahre hinter ihren Altersgenossen zurückgeblieben und brauchen gesonderte Förderung.

-> Fertigkeiten für den Haushalt wie z.B. Kochen und Wäsche waschen – Das Heim lehrt den Kindern auch solche Fähigkeiten, damit sie sich später um ihren eigenen Haushalt bzw. ihre Familie adäquat kümmern können.

-> körperliche Aktivitäten, z.B. Jiu-Jitsu und Zumba – Die meisten Kinder lieben es zu tanzen und haben hier im Heim das Gefühl, dass sie unbeschwert tanzen können, ohne verurteilt zu werden.

-> Nach dem Mittagessen ist Zeit für einen Mittagsschlaf, dann folgen meist Kunst- bzw. Bastelaktivitäten, zwei Stunden Zeit zum Spielen auf dem Spielplatz des Heims, Abendessen und eine Abschlussrunde, wo sich über den Tag ausgetauscht wird. Zu jeder Zeit sind mindestens zwei Hausmütter sowie die Wächterin vor Ort und kümmern sich um alle Bedürfnisse der Kinder.

-> Jeden Dienstag dürfen die Kinder per Videogespräch ihre Familien treffen; gelegentlich findet auch ein Treffen in Person (außerhalb des Heims) mit bis zu drei an der Tat unbeteiligten Familienmitgliedern statt.

Der Heilungsprozess

Natürlich kann in drei Monaten keine völlige Heilung stattfinden. Deshalb konzentriert sich das „Heim der Zuflucht“ darauf, den Kindern die nötigen Fertigkeiten mitzugeben, sodass der Heilungsprozess, der im Heim begonnen hat, langfristig weitergeführt werden kann. Eine sehr detaillierte „Fallbearbeitung“ hilft dabei, alle nötigen Eingriffe zu bestimmen, damit der Heilungsprozess in Gang gebracht wird und vor allem nach Reintegration kein ähnliches Trauma geschehen kann. Dafür sind alle Mitarbeiter des Heims in traumainformierter Pflege geschult und die Kinder sind an allen Prozessen voll beteiligt. Das Kind ist zwar am Ende nicht völlig „verwandelt“, aber die Veränderung hat begonnen und sie/er besitzt Fertigkeiten zur sogenannten „Selbstregulierung“ und weiß, wie er/sie mit herausfordernden Situationen umgehen kann. Selbstverständlich werden die Kinder auch nach Verlassen des Heims von den Sozialarbeitern regelmäßig begleitet und besucht; in anderen Heimen stehen ihnen weitere Sozialarbeiter zur Verfügung.

Dass der Heilungsprozess in drei Monaten bereits ein gutes Stück voranschreiten kann, liegt u.a. daran, dass das „Heim der Zuflucht“ nur Kinder aus OSAEC-Situationen aufnimmt und somit jedes Kind andere Kinder kennenlernen kann, die sehr ähnliches durchgemacht haben und einander verstehen und sich gegenseitig helfen, Trauma zu verarbeiten. Vor allem aber ist das Heim nicht nur ein „Assessment Center“, sondern ein intaktes Zuhause, wie eine große Familie, in der sich alle um einander kümmern. Jayson, der Familiensozialarbeiter, zum Beispiel fühlt sich wie ein „großer Bruder“, spielt und lacht mit den Kindern, hört ihnen zu, gibt Wissen und Fertigkeiten weiter. Dieser Effekt wird auch bestärkt durch die Tatsache, dass das Heim seit Gründung dieselben Mitarbeiter hat, und so eine gut funktionierende Zusammenarbeit entwickelt werden konnte.

Reintegration und Begleitung

Leider können nur wenige Kinder tatsächlich in ihre Familien reintegriert werden. Um das möglich zu machen, prüft Jayson über mehrere Monate hinweg die Situation sehr genau, um sicherzustellen, dass das Kind in ein geschütztes Umfeld kommt und dort auch die nötige Unterstützung hat, dass der Heilungsprozess fortlaufen kann. Dafür muss Jayson erst einmal herausfinden, welche Familienmitglieder an der Tat beteiligt waren. Mit den in Frage kommenden unbeteiligten Personen geht er dann ein umfassendes Schulungsprogramm durch, in dem auch Bewusstsein für OSAEC vermittelt wird und die Familien lernen, wie sie die Kinder bestmöglich in ihrer Entwicklung fördern können. Nach Reintegration begleitet Jayson die Kinder noch über längere Zeit hinweg.

Wenn kein Familienmitglied die Kinder aufnehmen kann, wird nach einer Pflegefamilie gesucht. Leider gibt es derzeit nur sehr wenige Pflegefamilien auf den Philippinen; hier leistet das Heim auch Aufklärungsarbeit. Daher müssen viele Kinder letztendlich in eine andere Einrichtung wechseln, damit dort ihre Therapie weitergeführt werden kann. Allerdings wird auch dort weiterhin daran gearbeitet, dass die Kinder früher oder später in eine Familiensituation wechseln können; zahlreiche Kinder konnten so schlussendlich zu ihren Familien zurückkehren. Mit allen Kindern finden auch Monate oder Jahre später noch Treffen oder Videokonferenz statt, um Updates über ihre Situation zu erhalten.

Nachhaltige Veränderung

Das „Heim der Zuflucht“ ist ein wichtiges Bindeglied in den einzelnen Entwicklungsschritten, die ein Kind durchlaufen muss, um aus einer OSAEC-Situation zurück zu einem gesunden, sicheren und erfüllten Leben zu gelangen. Stephen, Gründer des Heims, fasst es so zusammen:

„Wir bieten den Kindern einen Ort, an dem sie ihr Leben neu beginnen und einen Prozess der Veränderung starten können. Diese Kinder haben Träume in ihrem Leben, und einige Kinder sagen später: Ich möchte mich gegen OSAEC engagieren, ich möchte eines Tages Hausmutter oder Hausvater werden! Wir schaffen Hoffnung für diese Kinder.“

 

Derzeitiger Bedarf im „Heim der Zuflucht“

Das Heim finanziert sich ausschließlich durch Spenden; für 2023 wird noch viel Unterstützung benötigt, u.a. weil sich auch auf den Philippinen die Lebenshaltungskosten stark erhöht haben. Zum derzeitigen Bedarf gehört:

-> Die Räumlichkeiten müssten erweitert werden, sowohl um mehr Aktivitäten durchzuführen, als auch, um mehr Kinder aufzunehmen. Derzeit bietet das Heim Platz für ca. 15 Kinder, aber der Bedarf ist riesig – wenn das Heim voll ist, müssen neu befreite Kinder abgewiesen werden, bis ein Kind aus dem Heim weitervermittelt werden kann.

-> Das Gebäude ist sehr alt und müsste dringend renoviert werden, vor allem die Küche, aber auch die Kinderzimmer. Dafür ist bereits ein Plan erstellt. Ggf. könnte auf den Bürobereich noch ein weiteres Stockwerk gebaut werden.

-> Als dringend benötigtes Element der Therapie möchte das Heim möglichst zeitnah einen „sensory room“ (Sinnesraum/Wahrnehmungsraum) einrichten, wo die Kinder sich aufhalten können, um ihre negativen Emotionen zu verarbeiten. Der Raum soll als kinderfreundlicher Raum mit Wandmalerei, geeinigtem Mobiliar und Spielzeug ausgestattet werden sowie verschiedenes Material enthalten, das die Sinne fördert – zum Beispiel Musikinstrumente, Hüpfbälle, elastische Bänder, Hoola Hoop Reifen, Lego, Glöckchen, Miniaturen u.ä. Dafür wird daran gearbeitet, dass das Büro in ein angrenzendes Gebäude umzieht, sodass der derzeitige Büroraum als sensory room umgestaltet werden kann.

-> Da das Fahrzeug des Heims sehr alt ist und sehr häufig repariert werden muss, sollte es möglichst ersetzt werden. Das Fahrzeug wird u.a. benötigt, um Kinder zur Klinik und zu Gerichtsverhandlungen zu fahren.

In Zahlen

Sensory room – 20.000 EUR

Fahrzeug – 16.500 EUR

Gesamtkosten pro Kind pro Monat – ca. 350 EUR

Das „Heim der Zuflucht“ hat begonnen, lokale Partnerschaften mit Kirchen und Unternehmen (als Teil ihres „Social Responsibility Programme“) auf den Philippinen aufzubauen, um langfristig die Kosten vor Ort decken zu können; das trägt auch dazu bei, das Bewusstsein für die Gefahren von OSAEC zu verstärken. Etwas Einkommen wird auch generiert durch Schmuck, den die Mitarbeiter herstellen und verkaufen, sowie Bastelarbeiten der Kinder. Derzeit ist das Heim allerdings noch stark auf Unterstützung von außerhalb angewiesen.

Für das „Jahresprojekt 2022“ standen bis Ende April knapp 9000 EUR zur Verfügung; derzeit wird geprüft, wie Helping Hands sich am sinnvollsten im „Heim der Zuflucht“ engagieren kann.

Wenn Sie das „Heim der Zuflucht“ darin unterstützen möchten, noch mehr Kindern eine Zuflucht zu bieten, dann wählen Sie bitte bei der Online-Spende das Projekt „Heim der Zuflucht (Philippinen)“.

 

Hinweis: Bisher hatten wir über dieses Projekt als „Schechem-Home“ berichtet; „Heim der Zuflucht“ gibt die Bedeutung des Namens in etwa in Deutsch wieder.

Ein Jahr in der neuen Heimat

Mitten aus dem Kriegsgeschehen in der Ukraine ins stille Unterfranken: Der Lindenhof an den Kahler Seen hieß im Mai 2022 zwanzig Waisenkinder und zehn Betreuer aus Kiew willkommen. Viele Ehrenamtliche standen bereit – eine Gruppe von Kahler Bürgern, die sich schon seit 2015 um Migranten und Flüchtlinge kümmern, Mitglieder der Christlichen Initiative in Alzenau und verschiedene andere Helfer.

Anfangs wirkte alles auch wegen dem guten Wetter eher wie ein längerer Urlaub. Doch Nachrichten und Internet ließ vor allem die Mitarbeiter nicht vergessen, dass zu Hause der Krieg tobte, und Verwandte und Freunde mit dem schlimmsten rechnen mussten. In den ersten Wochen war die Hoffnung groß, dass „wir bald wieder nach Kiew zurückkehren können“. Doch die Wochen dehnten sich in Monate und immer mehr wurde klar: Wir brauchen eine zweite Heimat!

Viele neue Freunde, Geschäftsleute, Firmen und Organisationen halfen bei den ersten Schritten – u.a. die Evonik Industries AG, die seit Juni 2022 die 30 Bewohner des Lindenhofs werktags durch die Kantine des Evonik-Standortes Hanau mit einem reichhaltigen Mittagessen versorgt. Kleidung, Spielzeug, Transport, Zoobesuche und viele andere Aktivitäten sorgen für ein „normales“ Leben, und die meisten Kinder besuchen inzwischen die nahegelegene Paul-Gerhardt-Schule.

Dort wurden die Mädchen und Jungen mit offenen Armen willkommen geheißen. „Die Schule ist prima, der Unterricht interessant und die Lehrer sind gut. Es gibt sogar einen Fußballplatz“, meint einer der neuen Schüler. Und alle sind dankbar für Agnes, die sich seit vielen Monaten intensiv bemüht, allen Deutsch beizubringen.

„Alles bestens“, könnte man sagen. Und doch bleiben Fragen: Viele der Spezialisten, die die Sozial- und Vollwaisen normalerweise betreuen, mussten in der Ukraine bleiben. Die Reintegration der Kinder in Familien und bei Adoptiveltern musste unterbrochen werden. Und wie lange können die Firmen und Stiftungen, die bisher großartig geholfen haben, ihre Unterstützung fortführen? Wie geht es nach der Rückkehr weiter und ist eine Rückkehr überhaupt möglich?

Das sind Fragen, die nicht nur das Lindenhof-Team und all die Helfer beschäftigen. Auch viele andere Freunde aus der Ukraine in unserem Land stehen vor denselben Fragen. Ein „damit können wir uns später beschäftigen“ genügt nicht. Wirkungsvoll und nachhaltig wird die Arbeit nur, wenn wir rechtzeitig für die Zukunft planen. Anders gesagt, wenn wir wirklich an einer neuen Heimat arbeiten und eine hoffnungsvolle Zukunft ermöglichen.

Helping Hands beim SPRING Festival

Schau doch mal vorbei: Stand Nr. 51 in der „Hall of Conference“ beim SPRING Festival in Willingen (Upland) vom 10. bis 15. April 2023!

Wir sind jeden Tag von 8.45 Uhr bis 21.45 Uhr für dich/euch da.

Und das erwartet dich:

  • spannende Berichte und Bilder aus unseren Projekten
  • Infos zu den paXan-Missionseinsätzen für junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren
  • eine Menge interessantes Infomaterial
  • ein tolles neues Angebot für Gesprächskreise!
  • ein offenes Ohr und spannende Gespräche mit unseren Mitarbeitern

 

Jeder Tag ist ein Geschenk – was das konkret bedeutet, das findest du heraus, wenn du unseren Stand besuchst!

Die Standbetreuer heißen Andreas Hesse und Dorothea Gschwandtner. Sprich uns einfach an!

Zehnmal zwölf Stunden und ein Gemälde

Bürger im Main-Kinzig-Kreis engagieren sich für eine bessere Zukunft

Gemeinsam für eine bessere Zukunft einsetzen – das ist vielen Menschen heutzutage ein großes Anliegen. Und das kann ganz unterschiedlich aussehen!

Vor einigen Wochen entschied der Bad Orber Journalist, Coach und Veranstalter Ralf Baumgarten, zugunsten der NES-Schule in Beirut, Libanon, eine Benefiz-Aktion zu veranstalten: den 12-Stunden-Lauf. Natürlich ist er auch selbst dabei, und auch Dorothea Gschwandtner, unsere internationale Geschäftsführerin, wird sich am Karfreitag auf den Weg machen – zwölf Stunden für die NES.

Zwölf Stunden sind eine Menge, entschied der Orber Künstler Wolfgang Rieger – und spendet stattdessen eins seiner Bilder für die Aktion, das bis Sonntag, 23. April, im Schaufenster des Juweliers Plagemann in der Orber Hauptstraße ausgestellt ist und versteigert wird (bitte ein schriftliches Angebot im verschlossenen Kuvert abgeben bei Michael Plagemann oder bei Ralf Baumgarten im Printhouse, Birkenallee 2a, in Bad Orb; der Startpreis liegt bei EUR 250,-).

Zwölf Stunden schaffen wir, aber am besten alle gemeinsam, entschied die NES-Schule in Beirut, und lief selbst bei der Benefiz-Aktion mit. Und zwar bereits vor zwei Wochen: 161 Kinder aus den Jahrgangsstufen 3 bis 9 liefen insgesamt 864 Kilometer in 127 Stunden. Eine beachtliche Leistung! Vielleicht ein Motivationsgrund, diese 161 Schülerinnen und Schüler in ihrem Lauf zu „sponsern“? Oder am besten selber mitlaufen und spenden?

Wir suchen noch mehr Bürger im Main-Kinzig-Kreis – und gerne in ganz Deutschland – die „zwölf Stunden für die NES“ spenden!

Und warum das ganze? Um dazu beizutragen, dass die NES-Schule im Libanon weiterhin eine „Oase des Friedens“ bleiben kann. Denn der kleine Staat im Nahen Osten versinkt immer weiter im Chaos, eine der vergessenen Krisen der Welt. Unsere internationale Geschäftsführerin, Dorothea Gschwandtner, ist eben von dort zurückgekehrt. Sie berichtet von einem Land, in dem immer mehr zerfällt. Von Tunneln und Straßen, an denen nicht mal mehr die Lampen brennen. Von Gehältern, die fast nichts mehr wert sind, und Lebensmittelcoupons, die Lehrern und Familien helfen, durch den Monat zu kommen. Von Tanksäulen, an denen Null-Ziffern aufgeklebt werden, weil der Wert der Währung immer rascher sinkt und die Computer die hohen Zahlen nicht mehr wiedergeben können. Von Gesundheitsversicherungen, die schon lange nicht mehr greifen und Menschen vor allem mit chronischen Erkrankungen in ihrem Leid alleine lassen.

Doch inmitten dieser zerfallenden Welt gibt die NES-Schule den 338 Schülerinnen und Schülern einen sicheren Halt. Einen Ort, an dem der Alltag weitergehen kann. Einen Ort sogar, an dem der Alltag mit Freude erfüllt ist: besondere Feiern zum Muttertag, Fußball- und Basketballturniere, kreativer Unterricht, und zur Abwechslung auch mal ein „12-Stunden-Lauf“! Ein Ort vor allem, an dem jedes einzelne Kind wichtig ist, an dem jede Schülerin und jeder Schüler ernst genommen und wertgeschätzt wird. „You are the joy in our lives“ – „Ihr seid die Freude in unserem Leben“ – betonte eine Mutter nach der Muttertagsfeier.

Wie auch Sie von dieser Freude verschenken können, erfahren Sie auf der Seite „12 Stunden für die NES„.

Und wenn Sie sehen möchten, wie viel Spaß die NES-Schüler bei ihrem Lauf hatten, dann schauen Sie die 153. Folge des Podcasts Walkmän (mit Interview aus Beirut sowie Interview mit dem Künstler):

Zum Podcast auf YouTube

Zum Podcast auf Spotify

Zum Podcast auf Apple Podcasts

Weitere Infos zur Gemälde-Versteigerung auf „Mein Blättche“ online

DIESE WOCHE: Der 12-Stunden-Lauf

Gestern gestartet: der 12-Stunden-Lauf für die NES! Bis Ostern machen sich Menschen in (hoffentlich) ganz Deutschland auf den Weg, um zwölf Stunden mit sich selbst unterwegs zu sein und gleichzeitig die NES-Schule im Libanon zu unterstützen. Weitere Infos dazu gibt es auf der Seite „12 Stunden für die NES„.

Und seit dem Wochenende ist auch ein zweiter Podcast zum Thema online! In der 153. Episode des Podcasts „Walkmän“ berichtet Dorothea Gschwandtner, internationale Geschäftsführerin von Helping Hands e.V., aus Beirut.

Zum Podcast auf YouTube

Zum Podcast auf Spotify

Zum Podcast auf Apple Podcasts

Wie ihr mitmachen könnt:

⇒ Podcast bzw. YouTube Video anhören/anschauen
⇒ Anderen weitererzählen
⇒ Selbst mitlaufen und spenden
⇒ Nicht mitlaufen und für andere Läufer spenden

Weitere Infos und regelmäßige Updates gibt es auf der Seite „12 Stunden für die NES“!

Helping Hands wählt neuen Vorstand

Am 28. März traf sich unsere Mitgliederversammlung in Gelnhausen und per Zoom. Dabei fanden, neben diversen Berichten und einer Vorschau aufs kommende Jahr, auch Vorstandswahlen statt; alle Vorstandsmitglieder wurden einstimmig gewählt. Der neue Vorstand von Helping Hands setzt sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Dennis Lieske
2. Vorsitzender: Torsten Schwafert
Schriftführer: Dr. Frank Schulze
Beisitzer: Jörg Eich

Dennis Lieske hat bereits drei Jahre als 2. Vorsitzender gedient; er ist u.a. durch paXan schon seit vielen Jahren mit Helping Hands verbunden und bringt seine reichen Erfahrungen aus dem Pastorendienst und European Nazarene College in die Vorstandsarbeit ein.

Torsten Schwafert schreibt:

„Bedürftige in einer Welt voller Ungerechtigkeit und zunehmender Not nachhaltig zu unterstützen ist nicht nur eine offensichtliche Notwendigkeit. In meiner Tätigkeit als Geschäftsführer einer mittelständigen Unternehmensgruppe mit Sitz in den Niederlanden stehen häufig wirtschaftliche Ziele und Effizienz im Mittelpunkt. Den Blick regelmäßig auch auf die Bedürfnisse anderer zu richten ist keine reine Selbstlosigkeit oder lediglich christliche Pflicht, sondern ein Weg zu großer Erfüllung und Dankbarkeit. Neben der Leitung einer Stiftung mit Fokus auf Zahngesundheit in Madagaskar, wo bereits einige tausend Patienten behandelt werden konnten, habe ich seit vielen Jahren eine enge Bindung zu Helping Hands. Als Familie aber auch die Kinder alleine haben durch praktische Einsätze  wunderbare und prägende Erfahrungen machen können und einen Blick und Herz für die Menschen in Not in dieser Welt entwickelt. Gerne bringe ich meine Erfahrungen im Rahmen einer non-Executive Funktion bei Helping Hands ein.“

Dr. Frank Schulze schreibt:

„Seit ich Helping Hands kenne, bin ich begeistert von dem Ansatz der Hilfe zur Selbsthilfe und den Basic Needs: Nahrung, Wasser, Housing, Gesundheitsvorsorge und grundlegende Bildung. Aus meiner Ausbildung (Pharmazie) her bin ich an der Gesundheitsvorsorge (Sauberes Trinkwasser und funktionierenden Abwassersystemen/ Hygiene) besonders interessiert und vorbereitet.“

Jörg Eich bringt umfassende Kenntnisse in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe ein; u.a. hat er mehrere Jahre als Regionalleiter für unsere Partnerorganisation Nazarene Compassionate Ministries in Afrika und Eurasien sowie für unseren deutschen Partner humedica gedient und auch schon auf ganz praktischer Ebene Projekte z.B. in Kamerun selbst umgesetzt.

Wir heißen den neuen Vorstand herzlich willkommen und bedanken uns in diesem Rahmen auch sehr herzlich bei den Vorstandsmitgliedern, die den Verein die letzten drei Jahre geführt haben, für ihren treuen Einsatz, insbesondere bei Simon Bangert und Fabian Fuss, die ihre Ämter als 1. Vorsitzender und Schriftführer mit dieser Mitgliederversammlung niedergelegt haben.

„Was sollen wir jetzt tun?“

Update zur Erdbeben-Hilfe in Nordsyrien

„Es ist unfassbar. Hier im Libanon sehen wir viel Leid, aber wenigstens leben die Leute noch irgendwie.“ So berichtet Andrew H. aus Beirut, der das verheerende Erdbeben vom 6. Februar in Aleppo nur knapp überlebte. „Dort, in Aleppo und anderen Gegenden Nordsyriens, läuft gar nichts mehr. Die Straßen sind leer, kein Verkehr, der Sprit ist verrückt teuer, niemand in den wenigen Restaurants, die noch offen sind. Alles wirkt verlassen, die Gegenden sind völlig verarmt, keiner kümmert sich darum, die vom Krieg beschädigten Gebäude zu reparieren, überall liegt Schutt herum. Die Menschen leben im Elend, sind völlig depressiv. Sie mussten mit ansehen, wie ihre Verwandten vor ihren Augen starben, sie haben ihre Häuser verloren, ihre Jobs, ihr Erspartes. Sie brauchten wirklich nicht noch eine weitere Katastrophe! Trauma – das ist einfach Teil ihres täglichen Lebens.“

Die Erdbeben, die Anfang Februar im Nahen Osten ganze Städte dem Erdboden gleichgemacht haben, brachten vor allem in Nordsyrien weiteres Elend über Familien, die in den letzten Jahren schon unglaublich viel erlitten haben. Nach zwölf Jahren Bürgerkrieg ist die ökonomische Situation in vielen Teilen des Landes auf dem Tiefstpunkt; Jobs sind sehr schwer zu finden, die Währung ist stark gefallen, Gehälter kaum mehr 10 bis 20 Dollar pro Monat wert, aber ohnehin gibt es viele Dinge nicht mal mehr auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Gas zum Kochen ist beinahe Luxusgut; Strom gibt es maximal eine Stunde pro Tag. Viele Krankenhäuser sind geschlossen, Medikamente müssen aus dem Ausland hereingeschmuggelt werden, Brot ist rationiert und man steht teilweise stundenlang dafür an, Verkehrsmittel können sich viele nicht mehr leisten, was auch die Schulbildung der Kinder beeinträchtigt. Auf dem Weg nach Aleppo – einst ein industrielles Zentrum, heute funktioniert kaum mehr etwas – fährt man stundenlang an Geisterstädten vorbei.

Die Erdbeben im Februar, die über 50.000 Todesopfer forderten, zerstörten auch in Nordsyrien zahlreiche Gebäude und Infrastruktur; darüber hinaus sind viele Gebäude so stark beschädigt, dass sie derzeit nicht bewohnbar sind. Auch jetzt, knapp 50 Tage nach der Katastrophe, leben tausende Familien noch in Zelten oder in Turnhallen, wo immer sie ein Plätzchen finden konnten.

„Wir haben mit einer Familie Kontakt, deren Zuhause bereits im Bürgerkrieg zerstört wurde“, berichtet Fadi F., der für eine Partnerorganisation unseres Partners im Nahen Osten arbeitet. „Deshalb lebten sie in einer Garage. Aber die stürzte dann im Erdbeben ein. ‚Was sollen wir jetzt tun, wo sollen wir hin?‘, haben sie sich gefragt. Wir haben ihnen geholfen, ein paar Monate Miete in einer sicheren Unterkunft zu bezahlen. Andere Gebäude sind zwar nicht völlig zerstört aber haben starke Risse, und wenn man mit der Hand gegen die Wand drückt, bewegt sie sich. Diese Familien sagen: ‚Wir wollen lieber auf der Straße leben, sodass das Haus nicht einstürzt und unsere Kinder tötet.‘ Manche davon haben nur ein Brett zwischen zwei Bäume geklemmt und eine Decke darüber gehängt – so wohnen sie jetzt. Und es ist immer noch ziemlich kalt dort! Wir helfen mehreren Familien, für drei oder sechs Monate die Miete für eine sichere Unterkunft zu bezahlen.“

Das ist – neben Milchpulver und Windeln für Babys sowie Hygieneartikeln und Medizin – momentan eines der größten Bedürfnisse in Nordsyrien: Unterstützung beim Mieten einer sicheren Unterkunft und beim Renovieren der beschädigten Gebäude. „Diese Familien konnten sich schon kaum genug zu essen leisten; sie haben definitiv nicht die Mittel, ihre Unterkünfte zu renovieren oder neu aufzubauen!“

Langfristig sind noch größere Herausforderungen zu bewältigen. Zum Beispiel haben viele Kinder im Erdbeben ihre Eltern verloren. „Wir wollen nicht, dass diese Kinder auf der Straße landen. Deshalb hoffen wir, ihnen mit Bildungsprogrammen zu helfen und ihnen vielleicht ein Zuhause zu geben.“ Auch Traumaseelsorge ist ein großes Thema, denn die meisten Syrer sind nach über einem Jahrzehnt Bürgerkrieg ohnehin schon traumatisiert. Vor allem aber ist nachhaltige, zukunftsorientierte Arbeit besonders mit den Jugendlichen und Jungerwachsenen notwendig. Dazu gehören örtlich relevante Ausbildungsprogramme, sodass die jungen Menschen eine Arbeit finden können; auch Englischunterricht gibt ihnen gute Möglichkeiten, durch internetbasierte Jobs ein Gehalt zu verdienen. Doch auch bewusstseinsbildende Programme sind notwendig, um eine Mentalität der Ohnmacht zu bekämpfen und mit einer besseren Lebenseinstellung zu ersetzen.

„Die jungen Menschen müssen lernen, die Kontrolle für ihr Leben zu übernehmen“, erklärt Andrew H., der ein Leiterschulungszentrum in Beirut betreibt und bereits vor den Erdbeben begonnen hatte, mit einer Partnerorganisation in Syrien die Grundlagen für Schulungsprogramme zu erarbeiten. „Die Jugendlichen müssen lernen, unternehmerisch zu denken, ihre Chancen zu nutzen, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.“ Das wird langfristig nicht nur für diese jungen Menschen einen großen Unterschied machen, sondern auch dazu beitragen, die Gesellschaft zu heilen und in dem von Krieg und Katastrophen zerrütteten Land neue Hoffnung für die Zukunft zu schaffen.

Gemeinsam mit unseren Partnern möchten wir in Nordsyrien wirkungsvoll helfen und nachhaltig verändern. Unsere Freunde im Libanon haben schon einen eindrucksvollen Anfang gemacht und trotz des eigenen Elends großzügig gegeben und den Nachbarn geholfen. Wenn auch Sie den Menschen in Nordsyrien eine helfende Hand reichen möchten, dann spenden Sie mit Vermerk „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).

12 Stunden für die NES

Genau einen Monat ist das erste verheerende Erdbeben im Nahen Osten heute her. Neben der unbeschreiblichen Zerstörung hat es auch einen Schleier der Angst um die gehüllt, die das Erdbeben miterlebt haben. Dazu gehören die 338 Kinder der NES-Schule in Beirut. Um diesen Kindern inmitten all des Schreckens neuen Mut zu schenken, dafür machen sich in wiederum einem Monat Menschen auf den Weg: Zwölf Stunden für die NES.

Den 12-Hour-Walk gibt es seit 2020. Ende April führt Ralf Baumgarten – Journalist, Coach und Veranstalter aus Bad Orb – diese Aktion als Benefiz-Lauf zugunsten der NES-Schule durch. Er beschreibt:

„Zwölf Stunden unterwegs sein auf Schusters Rappen, ohne Ablenkung, alleine mit sich und dem inneren Schweinehund. Mental und körperlich eine Herausforderung, aber auch ein Geschenk an sich selbst. Die innere Festplatte formatieren, sich mit sich selbst beschäftigen – und als Ausgleich für diese Idee und den Workshop mit dem Ich eine Spende leisten für die gefährdete NES-Schule im Libanon.“

Der Lauf findet zwischen dem 2. und 9. April statt.
Die Kinder und Lehrer der NES-Schule laufen mit.
Ihr auch?

Wie das funktioniert, das erfahrt ihr in der 150. Episode des Podcasts „Walkmän“ – inklusive Interview mit Dorothea Gschwandtner, internationale Geschäftsführerin von Helping Hands e.V.!

Zum Podcast auf YouTube

Zum Podcast auf Spotify

Zum Podcast auf Apple Podcasts

Wie ihr mitmachen könnt:

⇒ Podcast bzw. YouTube Video anhören/anschauen
⇒ Anderen weitererzählen
⇒ Selbst mitlaufen und spenden
⇒ Nicht mitlaufen und für andere Läufer spenden

Weitere Infos und regelmäßige Updates gibt es auf der Seite „12 Stunden für die NES“!

Was tun, wenn es bebt?

Die NES-Schule im Libanon reagiert auf die anhaltenden Nachbeben

Fast 10.000 Nachbeben hat es seit dem 6. Februar im Nahen Osten gegeben – manche Experten meinen, das könnte noch zwei Jahre so weitergehen. Auch im Libanon sind einige dieser Nachbeben zu spüren und versetzen die Menschen in Panik. Und immer wieder erzählt man sich in Beirut, dass bald das eine große Beben kommt, das alles auslöschen wird. Auch jetzt noch, fast einen Monat nach dem ersten Erdbeben, schlafen viele Familien nachts in ihren Autos auf großen Parkplätzen, weil sie ihren baufälligen Häusern nicht trauen, oder sind bei Verwandten untergekommen.

„Jeden Tag kommen deshalb eine Menge Kinder zu spät zur Schule“, berichtet Marlene, die Schulleiterin der NES in Beirut. „Es ist wirklich eine schwierige Zeit für die Kinder.

Aber natürlich haben wir schon damit angefangen, ihnen durch dieses neue Trauma zu helfen. Diese ganze Woche hindurch ist Sara, unsere Psychotherapeutin, in der Schule, und sie hat auch noch Unterstützung von einer zweiten Fachkraft. Die beiden treffen sich mit allen Kindern, die Hilfe brauchen, und mit deren Eltern. Zudem wird Sara für alle Altersgruppen Trauma-Schulungen durchführen und ihnen auch darin helfen, geistig gesund zu bleiben und mit dem Alltag weiterzumachen trotz der Unsicherheit, die überall herrscht.“

Und auch ganz praktische Maßnahmen wurden schon ergriffen. In Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz – einer der NES-Lehrer hilft dort ehrenamtlich – wurde ein Notfallplan für die Schule erstellt und das Personal dementsprechend geschult. Und auch für die Kinder fanden vor einer Woche Schulungen in drei Altersgruppen statt – altersgerecht für die Kindergartenkinder, die jüngeren Grundschüler und die Mittelstufe. Dabei lernten sie, wie sie sich im Fall eines Erdbebens verhalten sollten, je nachdem ob es sie zuhause trifft, allein oder mit Eltern, in der Schule beim Unterricht oder im Schulhof. Auch eine eventuelle Evakuierung bei einem starken Erdbeben wurde einstudiert und gleich ausprobiert, und das Personal hat eine klare Strategie, wer für was verantwortlich ist und wie sichergestellt werden kann, dass alle Kinder in Sicherheit sind.

Die Angst ist in den letzten Wochen ein ständiger Begleiter im Nahen Osten. Und wieder einmal ist die NES-Schule in Beirut eine Oase des Friedens im Chaos. Denn der Schulbetrieb geht weiter und gibt den Kindern Halt in all der Unsicherheit.

Klasse 4 lernt im Sachkundeunterricht, wie man am gesündesten eine Last aufhebt. Die Mathe-Genies der Grundschule erhalten eine Urkunde. In der 7. Klasse bildet man „zukünftige Wissenschaftler“ aus. Die Kindergartenkinder legen Buchstaben aus Knete (das geht übrigens beim arabischen Alphabet besonders gut). Die Drittklässler lernen ganz kreativ, was der Unterschied zwischen Singular und Plural ist. Und die Allerjüngsten haben viel Spaß dabei, das von zuhause mitgebrachte Gemüse zu betrachten, benennen und schließlich auch aufzuessen! – Nur ein paar „Szenen des Alltags“ an der NES-Schule aus den letzten sieben Tagen … aber es ist dieser „Alltag“, der den Kindern und Lehrern den Mut gibt, weiterzumachen.

Wenn auch Sie „Mut zum Weitermachen“ schenken möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „NES Libanon“ oder „Katastrophenhilfe Naher Osten“ über unsere Online-Spende oder per Überweisung auf unser Konto (IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394).