Zielerreichung und Wirkungen unseres Projekts zur Ernährungssicherung in Andranovory, Madagaskar
„Mit der Art, wie wir jetzt arbeiten, können wir besser leben als früher. Alle zwei Monate können wir grünes Gemüse ernten, es wächst so leicht. Die Landwirtschaft ist es, was uns am Leben erhält. Wir sind glücklich, dass wir etwas haben, womit wir arbeiten können und wovon wir uns ernähren können.“ (Mahia Berthe und Nama Elisabeth)
Der Südwesten Madagaskars leidet zunehmend unter den Folgen des Klimawandels. Die Regenzeiten werden kürzer und unberechenbarer, Schädlinge machen sich über Ernten her und die traditionellen Anbaumethoden reichen für die ganzjährige Ernährung nicht aus. Seit 2023 unterstützen wir deshalb dort gemeinsam mit unserer madagassischen Partnerorganisation „Association Precious“ Familien in klimaangepasster und nachhaltiger Landwirtschaft. 150 Familien in Andranovory nahmen an dem mehrphasigen Projekt teil, das wir in 2025 erfolgreich abschließen konnten.
Situation vor Projektbeginn
Vor Projektbeginn bauten die Familien in Andranovory meist nur eine begrenzte Auswahl an Feldfrüchten an. Viele Familien pflanzten zudem nur einmal im Jahr Mais an, den Rest des Jahres lagen ihre Felder brach. Die Ernährung war nur für kleine Teile des Jahres gesichert. Der Zugang zu (sauberem) Wasser war stark eingeschränkt. Ein nahegelegener See lieferte nach der Regenzeit zwar noch Wasser, allerdings über immer kürzere Zeiträume, sodass er als verlässliche Quelle zunehmend ausfiel. Ohne dauerhaftes Einkommen und ohne ausreichenden Zugang zu Wasser sahen viele Familien kaum eine Perspektive, ihre Situation zu verbessern. Bildung und Aufklärung zu landwirtschaftlichen Themen gab es keine. Die Menschen bewirtschafteten ihr Land nach den Traditionen ihrer Vorfahren, ohne zu wissen, welche anderen Möglichkeiten es gibt.
Maßnahmen
Im Rahmen des Projekts erhielten die 150 teilnehmenden Familien Schulungen in vier zentralen landwirtschaftlichen Techniken: dem Anlegen von Pflanzschulen, einer schnellen Kompostierungsmethode (7-Tage-Kompost), dem Anbau auf erhöhten Beeten (Mound-Kultur/Permakultur) sowie der Herstellung biologischer Pestizide nach traditioneller madagassischer Methode („Ady Gasy“). Die Schulungen wurden durch regelmäßige Besuche vor Ort begleitet, bei denen der Fortschritt der Familien dokumentiert und individuelles, auf die jeweilige Situation angepasstes Feedback gegeben wurde.
Ein zentraler Baustein war zudem die Verbesserung der Wasserversorgung. Hier wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und einer anderen NPO eine rund 12 km lange Wasserleitung von einem kleinen Fluss bis nach Andranovory verlegt. Die Gemeinde selbst grub in Gemeinschaftsarbeit die notwendigen Kanäle und zwei Wassertürme wurden installiert.
Situation danach
Von den 150 Familien, die das Programm begannen, führen 112 die Landwirtschaft bis heute erfolgreich fort – eine Erfolgsquote von rund 75 %. Die Familien können nun teilweise alle zwei Monate ernten. Gemüsesorten wie Karotten, grüne Bohnen und Tomaten benötigen dabei drei bis vier Monate pro Anbauzyklus. Ein Teil der Ernte dient der eigenen Ernährung, weiterer Ertrag kann sogar verkauft werden, wodurch die Familien zusätzliches Einkommen für Grundbedürfnisse wie Wasser und weitere Lebensmittel erwirtschaften können. Erstmals konnte in der Region auch Reis auf trockenem Boden angebaut werden, mit einer überraschend guten Ernte.
Besonders bewährt hat sich eine einfache Abdecktechnik für den Boden, mit der die Feuchtigkeit nach dem Gießen zwei bis drei Tage länger erhalten bleibt. Dadurch konnten viele Familien in diesem Jahr die meisten ihrer Kulturen sogar mehrfach – teils bis zu dreimal – neu bepflanzen, obwohl nur wenig Wasser zur Verfügung stand. Die Familien lernten außerdem, dass Anbau auch mit kleinen Wassermengen möglich ist, was viele zuvor nicht für machbar gehalten hatten.
Der Erfolg der teilnehmenden Familien wirkt inzwischen deutlich über das Projekt hinaus. Weil die Ergebnisse in der Nachbarschaft sichtbar wurden, begannen zahlreiche Nachbarn von sich aus, sich die Techniken abzuschauen und ebenfalls mit eigenem Gemüseanbau zu beginnen. Einzelne Familien gaben ihr Wissen gezielt weiter und unterstützten Nachbarn direkt beim Einstieg. Auch die allgemeine Erwerbstätigkeit im Dorf ist gestiegen, da mehr Menschen aktiv in der Landwirtschaft arbeiten als zuvor.
In einer der Projekt-Gruppen organisierten sich die Familien inzwischen sogar selbstständig zu einer Art Kooperative: Sie vereinbarten, gemeinsam Land vorzubereiten, und legten eine Mindestfläche pro Familie fest. Wer über mehr Land verfügte, als selbst bewirtschaftet werden konnte, stellte es anderen Familien zur Nutzung zur Verfügung. Diese Gruppe diente schnell als Vorbild für andere Gruppen des Projekts.
Durch die neue Leitung und die Wassertürme haben die Familien in Andranovory heute zwei Möglichkeiten, an sauberes Wasser zu kommen. Wer es sich leisten kann, zahlt eine kleine monatliche Gebühr und kann sich eine zusätzliche Leitung nach Hause legen. Wer sich das nicht leisten kann, holt sich das Wasser stattdessen an einer von mittlerweile sieben öffentlichen Zapfstellen – das kostet deutlich weniger. Im Vergleich zu früher ist beides ein großer Fortschritt: Der Weg zu den Zapfstellen ist heute viel kürzer, und die Leitung funktioniert nach wie vor zuverlässig.
Starke Zyklone in den vergangenen Jahren sorgten zeitweise durch zerstörte Ernten für große Entmutigung. Doch dank der erlernten Saatgutaufbewahrung aus den Schulungen und mit zusätzlicher Unterstützung konnten die betroffenen Familien nach den Stürmen jedoch rasch wieder neu aussäen und die Felder erneut bestellen.
Herausforderungen und Anpassungen während der Umsetzung
Analphabetismus erwies sich als große Hürde. Einige konnten sich Mengenangaben, etwa für die Düngung, nicht notieren und trauten sich aus Scham nicht, die Schulungsleiter oder die lokalen Gruppenleiter um Hilfe zu bitten. Als Lösung wurden die Leiter noch enger eingebunden, um dabei zu unterstützen. Außerdem wurde das Lernen durch Beobachtung und Imitation der Nachbarn gefördert, sodass die Betroffenen nicht alleine blieben.
Bei rund 30 Familien stellte sich zudem heraus, dass sie über kein ausreichendes
Ackerland verfügen, teils nur über einen kleinen Hof und teils schwer bewirtschaftbares Gelände. Diese Familien erhielten deshalb zusätzlich Hühner, um trotz begrenzter Anbaufläche ein Einkommen erwirtschaften zu können.
Einige Familien erwarteten zu schnelle Ergebnisse und wurden ungeduldig, wenn Ernten auf sich warten ließen. Die Begleitzeiträume wurden daraufhin etwas verlängert und die Erwartungen in den Schulungen von Anfang an klarer kommuniziert.
Erkenntnisse für künftige Projekte
Am wichtigsten für den Erfolg des Projekts war die regelmäßige Betreuung und enge Begleitung der Familien über die gesamte Projektlaufzeit hinweg. Das Modell der selbstorganisierten Gruppe, die sich gegenseitig unterstützt und Land gemeinsam bewirtschaftet, hat sich als besonders wirkungsvoll erwiesen und soll künftig aktiv gefördert werden. Auch die Gruppengröße von etwa 30 Personen hat sich als praktikabel erwiesen und wird beibehalten. Positive Erfahrungen gibt es zudem mit dem Prinzip, dass Gruppenleiter ergänzend von den Schulungsleitern geschult werden und ihr Wissen anschließend an ihre eigenen Gruppen weitergeben. Ebenso wichtig war die enge Einbindung der lokalen Gruppenleiter zur Unterstützung von Menschen, die nicht lesen und schreiben können – ein Erfolgsfaktor, der in künftigen Projekten fest verankert werden soll.
Viele der in Andranovory gewonnenen Erkenntnisse fließen bereits direkt in die Planung und Umsetzung eines ähnlichen Projekts in Betaola und Ankilimaro ganz in der Nähe von Andranovory mit ein.

