Das Kinderheim Mistoditey – „Heim der glücklichen Kinder“ – in Kiew ist ein Ort, an dem Tag für Tag Kindheit wiederhergestellt wird; Kindheit, die durch Trauma, Verlust und Missbrauch unterbrochen wurde. Es ist ein Ort, an dem Kinder wieder neu lernen zu vertrauen, sich zu öffnen, zu lachen und zu träumen.
Zum Beispiel Emma*: Ihre Geschichte begann mit einem schrecklichen Trauma – ihre Mutter beging vor ihren Augen Selbstmord. Sie kam ins Heim in tiefer Trauer, aber doch mit einem Fünkchen Hoffnung. „Mistoditey wurde alles für sie: ein warmes Zuhause; Menschen, die ihr zuhörten und sie verstanden; ein Ort, an dem es ihr keine Angst machte, sie selbst zu sein. Sie begann sich zu öffnen, lernte wieder zu lächeln und neue Freunde zu finden, Vertrauen zu fassen und zu träumen: denn hier wurde sie geliebt – bedingungslos, ohne Forderungen, einfach als Kind, das es verdient, glücklich zu sein.“
Bis zu 15 Kinder – vornehmlich Mädchen – fanden 2025 in „Mistoditey“ ein Zuhause. Das Heim kümmert sich umfassend um ihre grundlegenden Bedürfnisse und darum, dass sie sich kognitiv und psychisch gesund entwickeln können. Ein Team von insgesamt 19 Spezialisten und anderen Mitarbeitern sorgt dafür, dass jedes Kind individuell gefördert wird und sich geborgen und als Teil der Familie fühlt.
Zum Beispiel Milana*: Aufgrund ihres familiären Hintergrunds war sie noch nie zur Schule gegangen. Sie brauchte besondere Förderung, vor allem aber jemand, der an sie glaubt und sich direkt um sie kümmert. „Diese Person hat sie in Valentyna gefunden: die ihr einerseits hilft, ihre Wissenslücken zu schließen, aber auch, die Freude am Lernen zu entdecken, an sich selbst zu glauben und eine innere Stärke zu entwickeln.“
Zum Programm in Mistoditey gehörte 2025 unter anderem:
Schulbildung: Alle Kinder im Schulalter besuchen verschiedene Schulen im Umfeld des Zentrums. Für die jüngsten Kinder bieten die Betreuer im Heim entwicklungsfördernde und kreative Aktivitäten an, sodass jeder Tag voller neuer Eindrücke und Entdeckungen ist. Natürlich erhalten die Kinder auch die nötige Kleidung, Schuhe und Schulmaterial.
körperliche und psychische Gesundheit: Darunter fallen ärztliche Vorsorgeuntersuchungen, Zahnarztbesuche, Behandlungen bei ernsteren Krankheiten, aber auch regelmäßige Treffen mit Psychologen und Kunsttherapeuten.
soziale Entwicklung: Zu regelmäßigen Aktivitäten zählen Spiele und Wettbewerbe, Workshops in Museen, Besuche und Wanderungen im Park, Basteln u.ä. – „Diese Erlebnisse brachten Lachen, neue Entdeckungen und positive Gefühle in den Alltag der Kinder.“
emotionale Bedürfnisse: Der Geburtstag jedes Kindes wird besonders gefeiert – „Diese Momente sind unglaublich wichtig – sie vermitteln Kindern, dass sie geliebt, geschätzt und gefeiert werden.“ Außerdem kommen alle mehrmals wöchentlich zusammen, um gemeinsam „als Familie“ zu kochen und zu backen – „Diese Kochstunden sind für die Kinder zu einem geliebten Ritual geworden – voller Freude, Lachen und einem echten Familiengefühl.“ Darüber hinaus kümmert sich das Team von Mistoditey ganz individuell um die emotionalen Bedürfnisse der Kinder.
Zum Beispiel bei Victoria*: Seit Jahren hoffte sie Tag für Tag, dass der Krieg endlich aufhören möge und ihr Vater von der Front zurückkehren und das Sorgerecht für sie übernehmen würde. Doch der Krieg machte diesen Traum zunichte: Eines Tages kam die Nachricht, dass der Vater gefallen war. Die Mitarbeiter von Mistoditey tun alles, was in ihrer Macht steht, um Victoria zu helfen, das Leben wieder lieben zu lernen. Besonders ihr persönlicher Fürsorger Valeriy kümmert sich um sie. Er wusste, dass Victorias Vater ihr ein paar Dinge von der Front mit den Abzeichen seiner Einheit geschickt hatte – ihr wertvollster Besitz. Doch diese waren ihr auch noch gestohlen worden! Valeriy nahm Kontakt zu den Kameraden des Vaters auf und erhielt vom Brigadekommandeur eine Tasche mit dem Emblem der Einheit, von den Soldaten signiert und mit Worten der Ermutigung versehen, die er Victoria bei einem festlichen Mahl überreichte. „Für das junge Mädchen war es, als ob ein Teil ihres Vaters zurückgekehrt war!“
Mistoditey ist für die Kinder eine Heimat, aber natürlich bemüht sich das Team intensiv darum, dass jedes Kind zum richtigen Zeitpunkt in seine oder ihre eigene Familie zurückkehren kann, entweder zu Verwandten oder in eine Adoptivfamilie. „Jedes Kind braucht eine Familie – einen Ort, an dem es geliebt, erwartet und umsorgt wird, wo es einfach nur Kind sein kann.“ Das ganze Heim feiert gemeinsam, wenn dieser Traum für ein Kind wahr wird.
Zum Beispiel für die Brüder Dmytro* und Mark*: Im Sommer 2025 konnten sie zum ersten Mal ihre zukünftigen Adoptiveltern treffen. Auf diesen Moment hatten sie schon sehr lange gewartet! Das erste Treffen war warm, herzlich, voller Lachen und Fröhlichkeit. Die Brüder freuen sich auf jeden weiteren Besuch, und alle warten mit großer Spannung auf die Entscheidung des Gerichts über die Adoption. „Aber in ihren Herzen sind diese Kinder bereits zuhause.“
Und auch für Emma ging im Sommer 2025 ihr innigster Wunsch in Erfüllung: „Ihre Großeltern wurden offiziell zu ihren Erziehungsberechtigten. Das Gericht entzog dem Vater das Sorgerecht, und nun lebt Emma bei einer Familie, die sie liebt und schon lange auf sie gewartet hat.“
Das Team von Mistoditey setzt sich mit viel Hingabe für die Zukunft der Kinder ein – aber natürlich ist die Lage in Kiew weiterhin alles andere als einfach. Vor Kriegsbeginn finanzierte sich Mistoditey vollständig aus lokalen Spenden; manche dieser lokalen Förderer unterstützen nun finanziell aus dem Ausland. Doch auch vor Ort setzen sich viele weiterhin ein, was unter den widrigen Umständen wirklich beeindruckend und ermutigend ist: Zwar können die wenigstens finanzielle Beiträge leisten, aber investieren stattdessen hunderte Stunden ehrenamtlicher Mitarbeit sowie Sachleistungen. 2025 boten zahlreiche Ehrenamtliche – darunter auch die Miss Ukraine 2021 und ein junger Erfinder – Aktivitäten wie Kunsttherapie, Photographie, Körpersprache, gemeinsames Kochen, Erforschung der Natur, wissenschaftliche Experimente u.v.m. an; andere Ehrenamtliche kümmerten sich um die elektrischen Leitungen, den Austausch der Feuerlöscher und Säubern bzw. Erneuern der Teppiche, Vorhänge und Rollläden. Nachbarn brachten frisches Obst und Gemüse, Zutaten für die Kochaktivitäten, Kleidung und Spielzeug vorbei. Lokale Apotheken spendeten Vitamine und medizinische Artikel. Das Ukrainische Rote Kreuz investierte in regelmäßige didaktische Aktivitäten für die Kinder.
Trotzdem ist Mistoditey weiterhin von Spenden aus dem Ausland abhängig – und sind sehr dankbar für die vielen Zeichen der Solidarität, die ihnen ermöglichen, trotz Krieg ihren wichtigen Dienst weiterzuführen:
„Vielen Dank, dass ihr uns zur Seite steht! Dank euch lernen Kinder wieder zu vertrauen, finden Heilung, entdecken die Welt und träumen – nicht voller Angst, sondern voller Hoffnung. Jeden Tag erleben wir, wie kleine Gesten der Fürsorge zu tiefgreifenden Veränderungen führen. Und das ist nur möglich dank Menschen, die sich dafür entscheiden, nicht wegzuschauen. Vielen herzlichen Dank, dass ihr uns helft, eine Welt zu gestalten, in der jedes Kind eine Chance hat – dass ihr diesen Kindern nicht nur ein sicheres Heute schenkt, sondern auch Hoffnung für Morgen!“
Das Kinderheim Mistoditey fand nach Kriegsbeginn zwei Jahre lang Zuflucht auf dem Lindenhof bei Aschaffenburg, wo zahlreiche ehrenamtliche Helfer aus Kahl, Alzenau und ganz Deutschland sich dafür einsetzten, den Kindern und Betreuern eine Heimat fern der Heimat zu schenken. Seitdem besteht auch die Zusammenarbeit mit Helping Hands. Mistoditey nahm im Sommer 2024 die Arbeit in Kiew wieder auf und wir konnten sie bis Ende 2025 aus Spenden fürs Lindenhof-Projekt in ihren monatlichen Ausgaben unterstützen.
Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass traumatisierte und heimatlose Kinder in der Ukraine weiterhin einen Zufluchtsort bei Mistoditey finden können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Mistoditey“ oder „Lindenhof“ (zur Online-Spende).
* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

