paXan 2017 Portugal:
Café paXan in Porto

paXan 2017 Portugal

Damit hatte Pastor Timóteo nicht gerechnet: dass die Deutschen seine ganze Kirche auf den Kopf stellen würden. Wie ein kleiner Orkan brachen sie über ihn herein, und nach ein paar Tagen zuckte Timóteo nur noch lachend mit den Schultern: “Ich dachte vorher, ihr wärt ein älteres, ernstes Team. Aber ihr seid ja ein junges verrücktes!”

Ein kleines Café wollte Timóteo einrichten im Vorraum seiner Gemeinde in Porto. Denn gemeinsam einen Kaffee trinken, reden und lachen – in Portugal ist das die Art und Weise, wie sich „Gemeinschaft“ bildet. Und auch den Obdachlosen und bedürftigen Familien, denen die Gemeinde seit vielen Jahren dient, sollte im Café ein Ort geboten werden, wo sie nicht nur Almosen bekommen, sondern sich wohlfühlen können und Respekt und Wertschätzung erfahren.

Aber so ein Café muss ja schließlich auch einladend und gemütlich sein! Also machte sich das paXan-Team nach drei Tagen Kinderprogramm und Tischlerwerkstatt in Braga (aber das ist eine andere Geschichte …) am Donnerstag in Porto mit fröhlichem Schwung und viel Hingabe ans Werk. Zuerst einmal wurde eine Bedarfsanalyse durchgeführt, der Vorraum entleert, alles abgeklebt und Ikea-Expedition Eins und Zwei gestartet. Am Freitag folgte gleich Ikea-Expedition Drei, während im Café schon mal eifrig die Schränke der Theke zusammengebaut wurden, die Wände gestrichen und teils mit Schieferplatten gekachelt und diverse Deko-Elemente vorbereitet wurden. Samstagfrüh konnte man schon einen gewissen Zeitdruck spüren, der, in produktive Energie umgewandelt, für einen zweiten Anstrich, Verlegung der Rohre, diverse andere Arbeiten und die vierte Ikea-Expedition ausreichte. Pünktlich zur Abendessenszeit stand dann auch die *fast* fertige Theke und wurde schon mal gründlich bestaunt: Denn am Samstagabend hatte die Gemeinde einige Obdachlose zu einem Dinner eingeladen, das vom paXan-Team serviert wurde.

Nach einem nicht ganz erholsamen Sonntag und fünf Stunden Schlaf warf sich das Team dann trotzdem am Montagmorgen mit unverändertem Elan in den letzten Marathonarbeitstag. Fünfzehn Stunden später (der letzte Zug nach Braga fährt um 1.15 Uhr :)) war es dann geschafft: alle Bauarbeiten abgeschlossen, die fünfte und letzte Ikea-Expedition glücklich beendet, das Café geputzt, gemütlich eingerichtet und einladend dekoriert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen! Bei einem letzten Besuch am Mittwochvormittag durfte dann auch jeder noch einen ersten Kaffee, Latte Macchiato, Espresso oder Tee genießen und das paXan-Café wurde gebührend eingeweiht – sogar schon mit dem ersten „externen“ Gast.

Und damit war auch dieser paXan-Einsatz ein voller Erfolg. Nicht nur, weil das Projekt rechtzeitig fertiggestellt wurde und alle zufrieden auf die erledigte Arbeit schauen können. Sondern auch, weil wir als Team zusammengewachsen sind – ein Team, in dem jeder sein (oder ihr) Äußerstes gegeben und dabei alle sich gegenseitig unterstützt und ermutigt haben, sodass gemeinsam das Ziel erreicht wurde; ein Team, in dem jeder sich angenommen und wertgeschätzt fühlen durfte und jeder auf jeden geachtet hat; ein Team, in dem alle Gaben und Talente zur Geltung gekommen sind und daher alle auf Augenhöhe miteinander umgehen konnten; und schließlich auch ein Team, das viel zusammen gelacht, genossen, gelitten und gelernt hat: kurz gesagt, ein Team, mit dem man die Welt auf den Kopf stellen kann!

Und der Einsatz war nicht zuletzt deshalb ein Erfolg, weil an jedem Tag, in jedem Arbeitsschritt und jedem Schweißtropfen das mitgeklungen ist, was paXan ausmacht: echte Wertschätzung zu vermitteln: den anderen im Team gegenüber, den Mitarbeitern in Braga und Porto, und den ausgegrenzten und oft vergessenen Menschen, denen das Café und unsere Arbeit dienen wird.

 

© 2017 Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.

paXan 2017 Tansania

paXan 2017 Tansania

Das paXan-Team Tansania reiste vom 29. Juli bis 12. August 2017 nach Daressalam. Nelli Bangert berichtet:

Harry. Dieser kleine afrikanische Junge, der mich immer wieder so breit angestrahlt hat, wenn ich ihm begegnet bin. Dieser Junge, der mir geholfen hat, den vielen Müll im Außenbereich der Kirche aufzuräumen. Der manchmal einfach so neben mir saß und sich an mich gekuschelt hat. Der so herzlich gelacht hat. Der mich begleitet hat, wenn ich dann zu unserem Hotel gegangen bin. Harry.

Er war eine Person neben den vielen anderen, die ich auf meinem zweiwöchigen paXan-Einsatz mit 13 weiteren Jungerwachsenen in Tansania kennenlernen durfte – und wohl nie vergessen werde. Er behält einen Platz in meinem Herzen. Neben ihm haben wir natürlich noch so viel mehr Kinder kennengelernt. Jeden Tag brauchte es nur ein kleines Lied und schon versammelte sich ganz rasch eine große Gruppe von Kindern um uns herum und sangen lauthals mit, tanzten mit uns und genossen die Zeit. Immer wieder starteten wir dann auch Sessions speziell für die Kids und bastelten mit ihnen, sangen, tanzten und erzählten ihnen biblische Geschichten. Die Kinder dankten unseren Einsatz mit lautem Lachen und strahlenden Augen – einfach nur schön.

Aber sie liebten uns auch einfach und waren quasi auf der Suche nach uns „Weißen“. Allein schon die blonde Haarfarbe einiger Mädels und eben auch die weiße Hautfarbe zogen die Kinder förmlich an. Irgendwie war ihnen klar, dass wir mit ihnen Zeit verbringen wollten. Auch wenn es auf der einen Seite irgendwie schade ist, dass die Hautfarbe zunächst so vordergründig steht, so ist es auf der anderen Seite doch auch eine Chance: Es brauchte nicht groß eine Aktion, um Kinder auf das Programm aufmerksam zu machen. Die Aufmerksamkeit war allein schon vom „fremden Aussehen“ gegeben. Manchmal allerdings ist es auch ein Nachteil. Nämlich dann, wenn sich innerhalb weniger Minuten im ganzen Dorf herumspricht, dass die Weißen beim Fußballturnier verloren haben. 😀

Neben der Zeit mit den Kindern waren viele aus dem Team auch bei den Leiterschaftsschulungen involviert, die an zwei Orten angeboten wurden. Dafür kamen viele Jugendleiter und Jugendliche zusammen, um miteinander zu lernen und Zeit zu verbringen. Durch Vorträge, Gruppenarbeiten und weitere kreative Elemente wurden sie herausgefordert, ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten in Leiterschaft aber auch im persönlichen Leben wahrzunehmen und sich mit vollem Einsatz zu investieren. Natürlich wurden diese langen Workshop-Tage immer wieder durch Musik und Tanz unterbrochen. Denn was wäre ein Tag ohne Musik? Für unsere afrikanischen Freunde vermutlich kein schöner und gelungener Tag. 🙂 Diese Workshop-Tage waren auch Tage der Begegnung und Ermutigung. Denn es tut doch so gut zu wissen, dass wir als Kirche eine große Familie sind und an einem Strang ziehen.

Für mich waren es ganz bedeutende Momente, wenn im Gespräch die Grenzen der Kulturen gefallen sind und man nicht mehr die scheinbaren Unterschiede sah, sondern vielmehr das Herz des Gesprächspartners. Da sind jetzt nicht mehr länger die afrikanischen Frauen Jenny, Lucia, Mary und Pauline, die arm sind und eine andere Hautfarbe haben und keine Zalando-Pakete bekommen. Nein, da sind meine Freundinnen Jenny, Lucia, Mary und Pauline, die sich gerne schön kleiden, gerne mit Freundinnen lachen und plaudern, Träume haben, Sehnsüchte, mal einen guten und mal einen schlechten Tag haben, Ermutigung brauchen und Ermutigung weitergeben, mit mir ins Nagelstudio gehen und tolle Frisuren machen. Für mich waren es die schönsten Momente, wenn man Herzensbegegnungen hatte und einfach am Leben der anderen teilhaben konnte. Ungeschminkt, unfrisiert – echt.

Und dann gab es die Tage, an denen wir als Team auch mal handwerklich waren und gemeinsam mit unseren afrikanischen Freunden die Kirche innen und außen gestrichen haben. Und im Krankenhaus vor Ort geputzt und aufgeräumt haben. Da war der Spaß vorprogrammiert und es macht auch viel mit der Gruppe: Alle arbeiten gemeinsam für dieselbe Sache. Ganz egal ob Deutscher oder Tansanier – alle packen zusammen an und machen gemeinsam einen Unterschied. Irgendwo wird gesungen, irgendwo wird herzlich gelacht, geschrubbt, gestrichen, aufgeräumt, geputzt, gemalt. Und so dauerte es auch nicht lange, bis das Krankenhaus sauber und die Kirche gestrichen und geputzt war. Natürlich war es auch immer wieder spannend zu sehen, dass alles, was wir als Team gemacht haben, eine Außenwirkung auf das Dorf hatte. Es war halt viel los in der Kirche und das haben auch alle Nachbarn der Gemeinde mitbekommen. Und wer weiß – vielleicht kommt demnächst jemand auch dadurch in die Gemeinde?

Gerade der Abschied am Ende zeigte, wie sehr man einander ins Herz geschlossen hat – man wollte gar nicht mehr weg und irgendwie ist Tansania für unser Team auch Heimat geworden. Die Dankbarkeit und die Freude unserer lieben afrikanischen Freunde lag spürbar in der Luft. Sie haben offensichtlich stark von diesen beiden Wochen profitiert und da hat vermutlich jeder von ihnen ganz eigene Gedanken und Erlebnisse, die seine ganz persönlichen Highlights sind. Aber auch jeder aus dem Team ist persönlich durch diesen paXan-Einsatz gewachsen. Vielleicht durch die Tatsache, dass man seine europäische Komfort-Zone verlassen hat, in einer ganz neuen Kultur und auch Temperatur zurechtkommen musste, mit Krankheiten und Magenproblemen zu kämpfen hatte, in ganz neue Aufgaben reingegangen ist und getrennt war von der Familie und lieben Freunden. Oder auch einfach durch neue Erkenntnisse, persönliche unvergessliche Momente und neuen Freunden in Tansania.

Auch wenn die Reise zu Ende ist – die Eindrücke werden wohl noch lange in mir nachhallen. Sie haben mein Denken stückweise auf den Kopf gestellt und mich geprägt. Bin sehr dankbar für die Zeit. Bin sehr dankbar für Tansania.

 

© 2017 Nelli Bangert/Helping Hands e.V. Bitte diesen Bericht (auch nicht auszugsweise) nicht ohne schriftliche Genehmigung weiterverwenden.