Ukrainehilfe: Lindenhof erhält Integrations-Sonderpreis

Das Telefon klingelte. “Könnt ihr uns helfen?“ kam die Frage an Helping Hands e.V. „Wir haben seit kurzem hier 30 Ukrainer, davon 20 Sozial- und Vollwaisen. Wir haben eine Menge Ehrenamtliche aus Alzenau, Kahl und Umgebung, die sich toll einsetzen. Aber es gibt natürlich manches andere, das erledigt werden muss.“

Das war vor etwa 18 Monaten: Über ein Jahr von Heimweh, Tränen, viel Freude und Lachen, Kopfzerbrechen und vieles andere mehr liegen hinter dem Team. Für die zehn Mitarbeiter, die die Kinder betreuen, war es besonders hart. Zwar wohnen sie an einem wunderschönen Flecken bei den Kahler Seen, aber sie vermissen natürlich die Angehörigen und Freunde in der Ukraine. Und irgendwo schwingt die Angst um sie immer mit.

Doch da ist ja der Helferkreis Integration aus Kahl, die Christliche Initiative in Alzenau und viele Einzelpersonen wie Ulrike Waitz von Eschen, die sich intensiv um die Flüchtlinge kümmern. Daneben haben sich verschiedene Firmen und Clubs engagiert und vor allem Leitung und Mitarbeiter der Evonik Industries AG, die unter anderem täglich kostenlos Essen in den Lindenhof liefern. Denn in einer kleinen Familienküche wäre es etwas problematisch geworden, für 30 Leute zu kochen.

Überwältigend war von Anfang an das Engagement von Bürgern und Behörden. So wurden schnell Wege gefunden, um eine neues „Zuhause“ zu schaffen. Innerhalb kürzester Zeit fand sich Agnes, eine ausgebildete Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, und bald konnten die Schulkinder die private Kahler Paul-Gerhardt-Schule besuchen. Das alles wurde auch möglich, weil eine Frankfurter Stiftung und viele Einzelpersonen dem Team regelmäßig finanziell unter die Arme griffen.

Kein Wunder, dass die Regierung von Unterfranken dieses tolle Engagement am 16. Oktober in Würzburg mit dem Sonderpreis „Integration schafft Zukunft auszeichnete.

Doch es sind die vielen kleinen Dinge, die den Einsatz der Helfer besonders kennzeichnen: Besuche bei Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, spezielle Darbietungen der ukrainischen Kinder (ermöglicht durch eine international bekannte Regisseurin), gemeinsames Singen und Feiern auf Schloss Emmerichshofen und immer wieder eine helfende Hand in unvorhergesehenen Situationen.

Natürlich gab es auch manche Herausforderungen zu bewältigen. Keiner wusste oder weiß, wie es weitergehen wird. Inzwischen haben einige der Kinder eine neue Familie in der Ukraine gefunden oder sind bei Verwandten in Nachbarländern untergekommen. Aber niemand kann die Entwicklung des Krieges in der Ukraine sicher vorhersagen. Und einige der Kinder haben inzwischen gute Freunde hier gefunden oder können sogar beim Übersetzen helfen.

„Wirkungsvoll helfen und nachhaltig verändern“ ist das Ziel von Helping Hands e.V. In diesem Fall ist dies eine besondere Herausforderung. Aber alle können gemeinsam Zukunft schaffen, hier und in der Ukraine. Wenn Sie dabei helfen wollen, können Sie dies tun unter  https://helpinghandsev.org/lindenhof/ oder direkt über Helping Hands e.V., Kreissparkasse Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (Stichwort „Ukrainehilfe Lindenhof“).

Im Bild von links nach rechts:

Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann, Projektverantwortlicher Klaus Scherer, Ulrike Waitz von Eschen, Julia Fischer, 1. Bürgermeisterin der Gemeinde Kahl am Main, Noël Kachouh, Pastor der Christlichen Initiative Alzenau und Vertreter der Paul-Gerhardt-Schule, Matthias Moll, Vertreter der Evonik Industries AG und des Vereins Helping Hands e.V., Gudrun Brendel-Fischer, Integrationsbeauftragte der Bayer. Staatsregierung, und Dr. Alexander Legler, Landrat des Landkreises Aschaffenburg.

Foto: Regierung von Unterfranken

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