Weihnachtsfreude 2017

661 Weihnachtspäckchen machten sich Anfang Dezember in zwei LKWs von Gelnhausen in Mittelhessen auf den langen Weg ins rumänische Siebenbürgen und in die bulgarischen Berge. Nur wenige Tage später trafen sie dort ein, und die Weihnachtspäckchen wurden mit derselben Begeisterung von fleißigen Helfern entladen wie in den Vorjahren.

Ein Kollege in Rumänien berichtet über die Verteilung in einer Roma-Siedlung:

“Wir hatten eine wirklich gesegnete Zeit dabei, die Päckchen zu verteilen – in jedem einzelnen Haus, das wir betreten haben. Manche weinten Tränen der Freude und Dankbarkeit. Viele Menschen, denen wir ein Päckchen gaben, sind sehr einsam. Ich glaube, dass für einige von ihnen dieses Päckchen das einzige ist, was sie diesen Weihnachten erhalten werden. Im Namen dieser Menschen möchte ich mich ganz herzlich bei euch bedanken!”

Und unsere Kollegin in Bulgarien erzählt:

Penka (Name geändert) ist neun Jahre alt und lebt in Vidrare, einem Dorf in den bulgarischen Bergen. Als Baby wurde sie tief im Wald ausgesetzt; niemand weiß, wer ihre biologischen Eltern sind. Eine Familie, die dort im Wald wohnte, fand das kleine Mädchen und nahm sie mit nach Hause, obwohl sie selbst sehr arm sind. Die Behörden halfen ihnen, alles Gesetzliche zu regeln, und Penka wurde ein Teil der Familie.
Als das Mädchen älter wurde, merkte ihre Adoptivfamilie, dass sie einige Schwierigkeiten hatte und sich geistig und körperlich nicht so gut entwickelte. Aber weil sie Penka liebten, kümmerten sie sich weiter um das Kind, anstatt sie in ein Heim zu geben. Mit 5 Jahren, als Penka begann, den Kindergarten in Vidrare zu besuchen, war sie hyperaktiv und konnte noch überhaupt nicht sprechen. Aber ab diesem Moment wurde alles anders für sie! Denn im Kindergarten wurde sie von einer sonderpädagogischen Lehrerin individuell betreut und erhielt auch andere fachkundige Hilfe. Jetzt ist Penka in der zweiten Klasse; das Sprechen hat sie längst gelernt.
Der Bürgermeister von Vidrare setzte sich dafür ein, dass Penkas Familie aus den Bergen in ein Haus im Dorf ziehen konnte, für das sie keine Miete zahlen müssen. Andere Dorfbewohner halfen der Familie, genügend Holz für den Winter zu sammeln. Das ist eine große Hilfe – und dank der Unterstützung des Bürgermeisters konnte die Mutter sogar eine Arbeitsstelle finden. Trotzdem ist die Familie weiterhin sehr arm und hat kaum etwas übrig; für Geschenke und auch manche notwendige Dinge reicht es nicht. Deshalb freute die Familie sich ganz besonders über das Weihnachtspäckchen! Penkas Mutter sagte:
“Alles in diesem Päckchen war so dringend notwendig! Ich würde nie Vitamine kaufen, auch wenn ich weiß, dass sie nötig sind. Und ich würde nicht mal im Traum dran denken, Gummibärchen zu kaufen, weil sie so sehr teuer sind. Durch dieses Päckchen war unser Weihnachtsfest ganz außergewöhnlich! Es macht mich so glücklich zu wissen, dass es in einem weit entfernten Land Menschen gibt, die an uns denken. Vielen, vielen herzlichen Dank!!!”

Seit etlichen Jahren entsendet Helping Hands allweihnachtlich Hilfstransporte nach Rumänien und Bulgarien. Die Weihnachtspäckchen, gefüllt mit allerlei Lebensmitteln und Hygieneartikeln, werden an bedürftige Kinder, Familien und ältere Menschen verteilt und sind oft das einzige Geschenk, das diese Menschen erhalten. Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche Einzelpersonen und Familien im Main-Kinzig-Kreis und ganz Deutschland an der Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Im Namen aller Beschenkten bedanken wir uns für diesen Einsatz!

Weihnachtsfreude 2015: Hoffnungsschimmer

Dumpf liegt der Nebel auf den Hügeln, als wir von Pravets in Richtung Nordosten fahren, umhüllt Häuser und Bäume mit einem trüben Schleier. Die Welt, die sich in den letzten Tagen von ihrer schönsten Sonnenseite gezeigt hat, wirkt plötzlich ganz anders, schweigsam, bedrückend, fast ein wenig bedrohlich. Am Sonntag sind wir angereist, vier Helping Hands Mitarbeiter und Ehrenamtliche aus Deutschland, um das Verteilen der Weihnachtspäckchen in Bulgarien mitzuerleben und einige der Menschen kennenzulernen, denen die Päckchen eine Weihnachtsfreude bereiten. Dabei durften wir am Montag und Dienstag schon viel Freude und vor allem auch Hoffnung erfahren – in Vidrare, wo nach Jahren intensiver Entwicklungs- und Aufklärungsarbeit eine deutliche Änderung im Denken der Menschen spürbar ist; in Tarnava, einem Vorzeigedorf für Roma-Familien, die durch Selbsthilfe ihre Situation verbessern, die sich aber trotzdem herzlich über ein Weihnachtspäckchen freuen, gerade auch deshalb, weil dadurch ihre Eigeninitiative gewürdigt wird.

Heute früh geht es nach Osikovska Lakavitsa – und dort ist nicht nur der Ortsname eine Herausforderung. Denn nicht alle bedürftigen Familien sind, wie in Tarnava, bereit, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, sondern verlassen sich auch gerne mal auf das, was die Regierung ihnen verspricht. Der Unterschied ist nicht zu übersehen: Einige Teile des Ortes erinnern eher an ein Ghetto. Zhana, unsere einheimische Kollegin, begann erst kürzlich in diesem Dorf mit ihrem Dienst und weiß, dass noch eine Menge Aufklärungsarbeit auf sie zukommt, um Eltern nahezulegen, dass Leben nicht nur Überleben ist – und dass ihre Kinder eine bessere Zukunft verdient haben.

Das Schulhaus in Osikovska Lakavitsa ist kalt und deutlich ärmlicher als die Gebäude, die wir in den letzten Tagen besucht haben. Dafür ist der Empfang ebenso herzlich und die Kinder strahlen uns ihr Willkommen entgegen. Ein kleiner Chor, in bunte Tracht gekleidet, singt bulgarische Weihnachtslieder für uns – gar nicht so selbstverständlich, denn keines dieser 47 Roma-Kinder konnte bei der Einschulung Bulgarisch. Hinter den Kindern hängt ein großes Schild, auf dem in Deutsch fein säuberlich aufgeschrieben ist: „Willkommen! Wir freuen uns, dass Sie sich in unserer Schule! Vielen Dank!“ Genau was wir „in unserer Schule“ dürfen, entscheiden wir ganz spontan selbst: Nach der Päckchenverteilung begleiten wir die Kinder in eins der Klassenräume und verbringen ein bisschen echte Zeit mit ihnen: Neben einem Lied und den Zahlen von 1 bis 10 ist da auch Zeit für gemeinsames Lachen, für viele Umarmungen, für die Möglichkeit, den Kindern etwas Liebe und Wertschätzung weiterzugeben.

Leider müssen wir uns allzu früh verabschieden, um zum nächsten Ort weiterzufahren. In Osikovitsa herrscht eine andere Atmosphäre. Zwar gibt es auch hier viel Armut, doch einige der Roma-Familien fügen sich nicht in ihr Schicksal und möchten selbst dazu beitragen, ihren Lebensstandard zu verbessern – „Kämpfer“ nennt eine der Lehrerinnen diese Familien. Trotzdem ist auch dieser Ort nicht ohne Herausforderungen. Wie in vielen anderen Orten leben hier Roma und bulgarische Familien Seite an Seite, und das alles andere als friedlich. Aber in Osikovitsa hat eine gesunde Integration begonnen – dank eines Theatervereins. Die Idee dazu entstand vor zwei Jahren, als Zhana und eine der Lehrerinnen zusammensaßen und überlegten, wie sie dem ethnischen Konflikt in der Siedlung begegnen könnten. Kurz darauf wurde der Theaterverein gegründet, in dem Roma und Bulgaren gemeinsam schauspielern – und das sehr erfolgreich; sogar für einen internationalen Wettbewerb konnte die Theatergruppe sich qualifizieren. Vor allem aber trägt das gemeinsame Projekt enorm zur Konfliktbewältigung bei und unterstützt die Entwicklung der Kinder. “Wir können beobachten, wie das Selbstwertgefühl dieser Kinder jeden Tag wächst – weil jemand sich dafür interessiert, was sie tun”, berichtet uns die Lehrerin, die die Leitung des Theatervereins übernommen hat.

In der Schule wird uns ein kleiner Auszug des diesjährigen Weihnachtsstücks vorgespielt. Dann geht es an die Weihnachtspäckchenverteilung. Dafür sind einige der Eltern in die Schule gekommen, denn für die kleinsten Kinder sind die Päckchen viel zu schwer. Im Schulkorridor, wo wir die Pakete übergeben, ist es ziemlich düster – dafür strahlen die Augen der Kinder umso mehr, als sie ihr Päckchen in Empfang nehmen. Und nicht nur Weihnachtsfreude spiegelt sich in ihren Gesichtern wider – da ist auch eine gewisse Selbstsicherheit, die die stolzen Blicke der Lehrer unterstreicht.

Später besuchen wir noch eine Familie in Osikovitsa. Die Mutter ist vor kurzem mit ihren drei Söhnen hierher zurückgezogen, nachdem der Vater des dritten Sohnes sie verlassen hat. Jetzt leben sie in einer kleinen Hütte auf dem Grundstück ihrer Verwandten, eigentlich nur eine halbe Garage, aber freundlich und warm. Niki, der Jüngste, nimmt das Weihnachtspäckchen in Empfang. Erst schaut er noch etwas skeptisch, schleppt das Päckchen zum Bett, beäugt es kritisch, während der große Bruder es öffnet. Doch mit jedem kleinen Schatz, den er aus dem Päckchen ausgräbt, steigt die Begeisterung. Den Kaffee und Reis reicht er gleich seiner Mutter: “Die sind für dich!” Die erste Tafel Schokolade, die zum Vorschein kommt, erhält noch eine beglückte Umarmung; Tafel zwei und drei werden dann vorsichtig auf dem Bett zurechtgelegt: “Das ist für meine Brüder, denn ohne die kann ich nicht leben!” Auch die Gummibärchen werden brav geteilt: Schon bald zieren drei kleine Häufchen Gummibärchen, fein säuberlich auf Taschentüchern serviert, die Kommode beim Ofen. Fröhlich schaut die Mutter ihrem Vierjährigen zu; man sieht genau, dass sie stolz ist auf ihre Jungs und dankbar für die guten Dinge aus Deutschland, die ihnen das Weihnachtsfest versüßen. Der mittlere Sohn spielt dieses Jahr beim Weihnachtstheaterstück mit: ein kleiner Friedensbote, der gemeinsam mit seinen Mitschülern dazu beiträgt, dass gelungene Integration nicht nur ein Begriff bleibt.

Als wir Osikovitsa verlassen, ist die Landschaft noch immer in Nebel gehüllt. Doch plötzlich schimmert kurz die Sonne hinter dem Wolkenschleier hervor – so wie auch das Dorf erhellt ist von Hoffnungsschimmern in der Gewissheit, dass Armut, Abhängigkeit und Konflikte keine Macht haben müssen. Und auch unsere Weihnachtspäckchen sind so ein Hoffnungsschimmer: ein Zeichen der Liebe, das Kindern und Familien vermittelt, wie wertvoll sie sind.

 

Seit etlichen Jahren entsendet Helping Hands allweihnachtlich Hilfstransporte nach Rumänien und Bulgarien. Die Weihnachtspäckchen, gefüllt mit allerlei Lebensmitteln und Hygieneartikeln, werden an bedürftige Kinder, Familien und ältere Menschen verteilt und sind oft das einzige Geschenk, das diese Menschen erhalten. Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche Einzelpersonen und Familien im Main-Kinzig-Kreis und ganz Deutschland an der Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Im Namen aller Beschenkten bedanken wir uns für diesen Einsatz!

Weihnachtsfreude 2014: Beschenkt

Viscri: ein kleines, malerisches Dorf im rumänischen Siebenbürgen. Schulter an Schulter drängen sich Höfe mit farbenfroh getünchten Mauern aneinander, neben jeder Tür eine kleine Bank fürs nachbarliche Schwätzchen. Auf der Grünfläche dazwischen grasen Pferde, erfrischen sich an den Tränken, Hühner und Gänse ziehen gackernd und zeternd in Grüppchen einher. Ländliche Idylle pur—aber hinter den bunten Fassaden verbirgt sich auch viel Armut und Not.

350 Menschen leben in diesem Dorf; dazu kommen ca. 6000 Besucher pro Jahr. Aber am Tourismus verdient nur eine Handvoll Familien. Die anderen sind kleine Landwirte, können gerade so überleben mit dem, was sie sich hart erarbeiten. „Luxusgüter“ wie Kaffee, Schokolade, Handcreme sind für sie eine besondere Überraschung: Das ist nicht zu übersehen an den strahlenden Gesichtern, als sie unsere Weihnachtspäckchen in Empfang nehmen, dem ständig wiederholten, freudigen “Bine, bine, mulţumin! Mulţumin frumos! Crăciun fericit! Möge es Gott euch vergelten!”

An einem sonnigen, milden Tag im Dezember sind wir hier zu Besuch, die Freunde aus Deutschland, die „ihren Päckchen“ aus der Helping Hands Weihnachtspäckchenaktion hinterhergeflogen sind und nun vor Ort miterleben dürfen, wie diese Päckchen echte Freude und Wertschätzung vermitteln. 864 Päckchen aus ganz Deutschland konnten dieses Jahr im Weihnachtstransport versandt werden; 500 Päckchen spenden in bulgarischen Bergdörfern Weihnachtsfreude, der Rest wird in Rumänien an bedürftige Familien und ältere Menschen verschenkt, vornehmlich in Sighişoara, Ţigmandru, Viscri und Buneşti. Nach Besuchen in Sighişoara und Ţigmandru stehen heute Viscri und Buneşti auf dem Programm; Ehepaar Ludu nimmt uns dort herzlich in Empfang. Seit einigen Jahren bieten sie in Viscri Programme für Kinder und jetzt auch für Erwachsene an und kümmern sich auf eindrucksvolle Weise um die Familien des Dorfes und deren Bedürfnisse. Den ganzen Tag über können wir beobachten, wie sehr die Ludus von den Dorfbewohnern geschätzt werden.

Nachdem die Päckchen in Herr Ludus altem Dacia verstaut sind, ziehen wir los: wandern von Hof zu Hof, übergeben Päckchen, dürfen beobachten, wie auf den Gesichtern der Menschen die Alltagssorge der Überraschung und die Überraschung der Freude weicht. Manche der Beschenkten sind ältere Frauen und Männer, die mit gutmütiger Gelassenheit den unerwarteten Besuch willkommen heißen, andere sind junge Familien mit schüchtern lächelnden oder auch mal verschmitzt grinsenden Kindern.

In einer Straße, in der überwiegend Roma-Familien wohnen, werden wir in eine Wohnung gebeten, bescheiden eingerichtet, aber makellos sauber; eine junge Frau bietet uns Fanta an. Ihr kleiner Sohn ist vom Päckchen absolut fasziniert, muss es erst einmal umarmen, springt dann um seine Eltern, kehrt zum Päckchen zurück und wirft die kurzen Arme darüber, lacht vergnügt. “Das ist aber auch für deine Mama und deinen Papa!”, ermahnt Frau Ludu. Der kleine Junge grinst und hält das Päckchen noch ein bisschen fester.

Ein paar Türen weiter treffen wir die kleine Teresa mit ihrer Schwester und ihrer Mutter. Als das Päckchen übergeben wird, schnappt sie es sich sofort und rennt damit, fröhlich lachend, zu ihrer Haustür: So ein Schatz muss sofort in Sicherheit gebracht werden!

Im letzten Haus der Straße wohnt eine junge Frau, die für ihre kranke Tante sorgt. Im vergangenen Jahr hat das Mädchen einige Monate in Deutschland gearbeitet; die Sprache beherrscht sie schon gut. Wir bleiben ein Weilchen bei ihr und unterhalten uns, staunen über die Dankbarkeit und den Frieden, den diese junge Frau ausstrahlt, trotz der widrigen Umstände, in denen sie lebt. Und auch eine bemerkenswerte Zuversicht zeichnet sie aus: Im Januar möchte sie zurück nach Deutschland, um Geld zu verdienen, damit sie im Herbst ein Studium beginnen kann. So viel Hoffnung im letzten Haus des Ortes!

Während wir durchs Dorf zurück zum Haus der Ludus spazieren, sind wir selbst ermutigt, von dieser Hoffnung, von der Freude und Zufriedenheit, der ehrlichen Dankbarkeit, die uns an diesem Tag so großzügig entgegengestrahlt sind. Ein unscheinbares Päckchen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln—aber es enthält so viel Weihnachtsfreude, dass es Nehmer und Geber gleichermaßen zu Beschenkten macht.

 

Seit etlichen Jahren entsendet Helping Hands allweihnachtlich Hilfstransporte nach Rumänien und Bulgarien. Die Weihnachtspäckchen, gefüllt mit allerlei Lebensmitteln und Hygieneartikeln, werden an bedürftige Kinder, Familien und ältere Menschen verteilt und sind oft das einzige Geschenk, das diese Menschen erhalten. Auch in diesem Jahr haben sich zahlreiche Einzelpersonen und Familien im Main-Kinzig-Kreis und ganz Deutschland an der Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Im Namen aller Beschenkten bedanken wir uns für diesen Einsatz!