„Warum ist denn hier alles so grün?“

„Warum ist denn hier auf einmal alles so grün?“ Diese Frage wurde unserem Partner in Madagaskar von Leitern der katholischen Kirche gestellt, die grade ein kleines Kloster in Andranovory besuchten. Bisher kannten sie das Dorf im Süden Madagaskars nur als trockenes Land mit roter Erde. Aber jetzt blühen dort auf einmal überall Gemüsefelder. Was im vergangenen Jahr noch ein vorsichtiger Anfang war, ist nun sichtbar gewachsen: auf den Feldern, in den Köpfen und in der Hoffnung der Menschen.

Die Einwohner Andranovorys haben immer wieder mit langen Dürreperioden zu kämpfen, die nicht nur den landwirtschaftlichen Anbau, sondern auch die meiste Zeit im Jahr die tägliche Trinkwasserversorgung zur großen Herausforderung machen. Aus diesem Grund haben wir mit unserem Partner vor Ort, der „Association Precious“, ein Projekt zur nachhaltigen Ernährungssicherheit gestartet. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen – bzw. werden von Außenstehenden ja bereits gesehen.

Zu Beginn der neuen Projektphase in 2024 konnten wir schöne Synergieeffekte mit einer anderen lokalen Organisation nutzen und haben unter Einbindung der lokalen Bevölkerung begonnen einen kleinen Kanal von dem nächsten Fluss bis ins Dorf zu graben. Ein großer Tank am Ende des Kanals versorgt nun die Bewohner Andranovorys das ganze Jahr mit Wasser und das an zwei verschiedenen Stellen im Dorf.

Mit Wasser lässt sich auch Land neu denken. Die Zahl der bepflanzten Felder ist deutlich gestiegen. Auch Gemüse, das zuvor als „unmöglich“ galt, wächst nun regelmäßig – darunter Tomaten, Auberginen und Papaya. In kleinen Baumschulen werden Obstsetzlinge und Moringa herangezogen. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Landwirtschaft: Kompost, Permakultur, biologische Schädlingsbekämpfung mit lokalen Pflanzen.

Neben den landwirtschaftlichen Schulungen für die Gruppen hat das vergangene Jahr auch gezeigt, wie wichtig begleitende Betreuung ist. Die fünf lokalen Gruppenleiter und die zwei Techniker aus Antananarivo führen weiterhin regelmäßige Hausbesuche durch, beraten bei Schädlingsbefall oder Missernten, erinnern an Gießzyklen oder organisieren Nachschulungen.

Denn auch Rückschläge gehören dazu. Nicht alle 150 teilnehmenden Haushalte konnten durchgehend gute Ernten einfahren. Vor allem die ersten Reisaussaaten waren vom extremen Wetter betroffen. Doch was 2023 noch fast undenkbar schien, wurde Wirklichkeit: Die erste Reisernte im trockenen Süden Madagaskars. Durchschnittlich 1,8 Tonnen Reis konnten pro 200 m² Feld geerntet werden – für viele Familien ein historischer Moment. Nicht nur für den Eigenverbrauch, sondern auch als Einnahmequelle.

Das Projekt wirkt – nicht nur im Boden, sondern auch in den Köpfen. Immer mehr Menschen aus Nachbardörfern fragen nach Schulungen, nach Saatgut, nach Hilfe für eigene Felder. Die Nachfrage wächst schneller, als das Team sie im Moment bedienen kann.

Die Projektleiter Therese und Richard sind realistisch, aber motiviert. Sie wissen: Veränderung braucht Zeit, vor allem dort, wo Generationen in Mangel gelebt haben. Und sie braucht Geschichten, die Hoffnung machen. Geschichten wie die von Jeanne, die dieses Jahr zum ersten Mal genug geerntet hat, um auf dem Markt in der nächstgrößeren Stadt verkaufen zu können. Oder von Fidèle, der seinen Reisvorrat in einem gemauerten Vorratslager trocken einlagern konnte – auch das war früher undenkbar.

Was als kleiner Impuls begann, wird in Andranovory zunehmend zu einem kollektiven Prozess. Die Herausforderungen bleiben groß, doch der Zusammenhalt, die neu gewonnene Eigenständigkeit und das Wissen, dass Veränderung möglich ist, tragen erste Früchte – im wahrsten Sinne.

Video zum paXan Einsatz in Südafrika 2025

Als paXan-Team haben wir für das Bonani Kinderzentrum im Ostkap Südafrikas einen Zaun gebaut: ein Zaun, der den Kindern Schutz bieten soll, der dem Kinderzentrum ein klar abgegrenztes Gelände gibt und die Eigentumsverhältnisse klärt und der die ständig durchstapfenden Schaf-, Ziegen- und Rinderherden zum Umweg ums Grundstück zwingen wird.

Hier erfährst du noch ein bisschen mehr über den Einsatz.

Und hier noch mehr über das Bonani Kinderzentrum.

Du wärst nächstes Jahr gerne dabei? Dann bleib hier auf dem Laufenden.

Neue Zusammenarbeit mit dem Bonani Hope Center in Südafrika

Seit knapp 10 Jahren hat Lunathi eine Vision. Er möchte, dass Kinder in seinem Heimatdorf Khalinyanga – einem kleinen, ärmlichen Dorf im ländlichen Ostkap Südafrikas – besser aufwachsen können als er. Besser heißt in seinem Fall ohne Hunger, Missbrauchserfahrungen und frühen Kontakt zu Drogen. Aber dafür mit richtiger Schulbildung, ausgewogener Ernährung und einem Ort, an dem man einfach Kind sein kann.

Nach einem langen Prozess der Ausbildung und des Planens, Netzwerkens und Träumens ist er heute Mitgründer des Bonani Drop in Center. Einem integrativen Kinderzentrum, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, solch ein sicherer Hafen für die Kinder aus der Gegend zu sein. Momentan bekommen dort knapp 100 Kinder eine Mahlzeit, werden beim Lernen unterstütz und mit den nötigen Schulmaterialen ausgestattet. Medizinische Versorgung und Tanz- und Sportangebote tragen zu einer ganzheitlichen Förderung der Kinder bei. In all dem legt das Team von Bonani großen Wert auf die Stärkung der Familien, sodass die Eltern dazu bevollmächtigt werden, sich selbst um ihre Kinder kümmern zu können. Der tägliche Zulauf an neuen Kindern, die von immer weiter weg zu Bonani kommen, zeigt den großen Bedarf für nachhaltige Veränderung in der Region.

Wir sind dankbar ab sofort an Lunathis Vision mitwirken zu dürfen. Gemeinsam arbeiten wir daran, die Lebensrealität der Kinder wirkungsvoll zum Besseren zu verändern. Dafür soll in Zukunft vor allem noch die Arbeit mit den Familien weiter gestärkt werden. Ganz praktisch spiegelt sich dass in Seelsorge, Beratung und Erziehungsprogrammen sowie Schulungen zu Finanzmanagement und dem Aufbau kleiner Geschäfte wider.

Wir freuen uns über die gemeinsame Zusammenarbeit mit Lunathi und seinem Team und sind gespannt, was die Zukunft für Khalinyanga bereithält.

Warum wir keine Weihnachtspäckchen mehr verschicken?!

Sie wollen wissen, warum wir mit unserer langjährigen Tradition aufhören und zu Weihnachten keine gesammelten Päckchen mehr verschicken? In diesem kurzen Video nennen wir unseren Grund. Vielleicht überrascht er Sie ja?!

Sie möchten darüberhinaus wissen, wie Sie trotzdem noch aktiv mitmachen können? Auch darauf gibt es im Video eine Antwort.

Ein paar Impressionen aus dem Straßenkinderzentrum in Antananarivo, Madagaskar

Im AKANYAMI-4, dem Straßenkinderzentrum in Antananarivo, Madagaskar, können sich die Kinder über neues Spiel- und Sportmaterial freuen. Das neue Spielzeug macht aber auch nicht einfach nur Spaß, sondern es fördert die Kinder auch in ihrer ganzheitlich Entwicklung. Hierfür hatte die Gelnhäuser Gemeinde der Kirche des Nazareners die Erlöse ihres alljährigen Weihnachtsbasars gespendet.

Zeit für Neue Wege

Ein paar Wochen nach Projektstart sprießt bereits das erste Grün. Und damit die Hoffnung.

Es sind 38 Grad. Die Luft schmeckt nach roter Erde, verbranntem Müll und einer guten Portion Ruß und CO2 – ausgestoßen von dem 60 Jahre alten LKW, der auf der Hauptstraße gerade mit einem Schlagloch kämpft, das ihn zu verschlucken versucht. Am Straßenrand sieht man ein ehrliches Kinderlachen. Der Blick der Mutter ist trüb, ihre Augen sind gekennzeichnet von der Härte des Lebens hier in Andranovory, von Mangelernährung und von Hoffnungslosigkeit.

Noch ist die Gegend grün und täuscht etwas über die eigentliche Situation hinweg. Ca. ein bis zwei Monate im Jahr gibt es hier Regen, doch der hat nun vor ein paar Wochen aufgehört. Noch einmal ein paar Wochen und es ist alles trocken. Und das dann für die restliche Zeit des Jahres. Die Wassernot begegnet einem schon viele Kilometer vor Andranovory. Die Menschen am Straßenrand der RN7, die sich von der Hauptstadt oben im Hochland runter in den Süden des Landes schlängelt, bitten hier nicht mehr nach Geld oder versuchen jedem vorbeifahrenden Auto etwas zu verkaufen, sondern sie bitten mit bestimmten Handzeichen nach Wasser.

Der Weg, den viele Menschen hier gehen müssen, um Wasser zu finden, ist weit. Oft auch teuer, wenn sie dafür sogar eine Fahrt mit dem Taxibus nehmen müssen. Die meisten haben am Tag nicht mehr als 10-15.000 Ariary zur Verfügung, um davon die Familie zu versorgen. Das sind ungefähr 3 Euro. Und zu einer Familie gehören oft bis zu 10 Personen.

„Als wir Andranovory zum ersten Mal sahen, spürten wir die Armut und wollten einfach mit Lebensmitteln helfen. Aber wir merkten, dass es nicht hilft, wenn wir jedes Jahr nur ein wenig geben“, berichtet Therese. Und ihr Mann Richard ergänzt: „Als ich das Land sah, das flach ist und auf dem es nichts gibt, fragte ich mich: Warum gibt es dort nichts? Warum denken die Leute nicht daran, zu pflanzen? Sie brauchen eine neue Art zu denken, das alte System loszuwerden. Wie können wir mit dem, was da ist, einen neuen Weg finden?“

Ein Gespräch mit einem befreundeten Landwirt öffnete ihnen den Blick dafür, was mit dem neuen Wissen der städtischen Universitäten möglich ist. Und so wollen sie nun auch den Menschen in Andranovory nicht nur den Blick für neue Wege öffnen, sondern auch das nötige Startkapital in Form von Werkzeugen und Saatgut bereitstellen.

Mittlerweile sind fünf Gruppen mit jeweils 30 Personen in das Projekt eingebunden. In diesen teilen sie sich das Werkzeug und verteilen das Saatgut, unterstützen sich gegenseitig und legen gemeinsame Beete an. Zwei landwirtschaftliche Schulungsleiter, die an der Universität in der Hauptstadt Antananarivo ausgebildet wurden, geben die Schulungen und besuchen die Gruppen alle 1,5 – 2 Monate, um nach dem Fortschritt zu schauen, zu helfen, an das Gelernte zu erinnern und abzuschätzen, welche Methoden und welches Saatgut unter den jeweiligen Umständen angebracht sind.

Dila, einer der Teilnehmer, der bereits vor zwei Jahren in einer ersten Testphase offen für diesen neuen Weg gewesen ist, erzählt begeistert: „Früher musste ich ständig neuen Dünger kaufen und die Preise dafür sind Jahr für Jahr gestiegen. Außerdem hat er den Boden von meinem Land kaputt gemacht. Heute habe ich gelernt, dass ich natürlichen Kompost das ganze Jahr über produzieren kann, der die Erde schont und das Gemüse besser wachsen lässt. Und ich weiß jetzt, dass es hier Bäume gibt, die ich zur Schädlingsbekämpfung nutzen kann.“

Neben den Schulungsleitern kümmern sich 5 lokale Leiter um die Projekt-Gruppen, sie koordinieren die Verteilungen, organisieren Treffen und sind in ständigem Austausch mit Therese und Richard. Sie vertreten obendrein die Interessen der Gruppe bei der lokalen Regierung. Durch diese Netzwerkarbeit konnte kürzlich in Zusammenarbeit mit einer anderen NGO die Arbeit an einem Kanal gestartet werden, der sauberes Wasser eines 12km entfernten Flusses nach Andranovory bringen und das Dorf das ganze Jahr über mit Wasser versorgen soll.

Der Projektstart ist zwar erst ein paar Wochen her, aber so sind die ersten Früchte bereits sichtbar. Auch auf den neugepflanzten Beeten drückt sich schon das erste Grün aus der Erde und lässt so die Hoffnung wachsen. Die Grundlagen für eine nachhaltige Ernährungssicherung in Andranovory sind gelegt und Therese und Richard planen bereits, wie sie das in weiteren umliegenden Dörfern umsetzen können. Dabei ist ihnen bewusst, dass sich auch in Andranovory erst noch zeigen muss, wie dieser neue Weg angenommen wird. „Die Leute hier sind skeptisch. Über Generationen haben sie die Dinge immer auf die gleiche Art und Weise gemacht. Außerdem gibt es viele Traditionen und Bräuche, die sie darin hindern, von den alten Wegen abzuweichen“, erklärt Richard und fährt fort, „Dafür braucht es neben einer neuen Art und Weise der Landwirtschaft auch eine Erneuerung des Geistes. Eine neue Hoffnung. Aufklärung. Und viele kleine Erfolgsgeschichten, damit die Leute sehen: Oh, das funktioniert ja.“

Daran arbeitet er mit Therese unermüdlich. Neben den eigentlichen Schulungseinheiten laufen sie gemeinsam bei jedem Besuch von Haus zu Haus, suchen das Gespräch, informieren und ermutigen. Ihre Vision ist, dass die Menschen in Andranovory und Umgebung eines Tages so viel produzieren können, dass sie nicht nur sich selbst und ihre Familien damit das ganze Jahr über versorgen können, sondern, dass sie sogar die ganze nächste große Stadt mit Gemüse versorgen können, um so ihr Einkommen verbessern zu können.

Gemeinsam mit Therese und Richard arbeiten wir daran, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn auch Sie mithelfen möchten, dass Menschen in Andranovory neue Wege gehen können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Ernährungssicherung Madagaskar“.