Zielerreichung und Wirkungen unseres Großprojekts in Mongla, Bangladesch
„Wir dachten immer: Landwirtschaft hat hier keinen Sinn, hier wächst ja doch nichts wegen der Versalzung – aber durch die Schulungen haben wir gelernt, wie wir den Salzgehalt verringern und eben doch etwas anpflanzen können. Jetzt haben wir genug Gemüse und können unsere Familien nahrhaft ernähren!“ (Frauen-Selbsthilfegruppe, Chila Ward #1)
„Früher, wenn ein Sturm kam, gingen wir in den Schutzraum, und wenn wir zurückkamen, hatten wir alles verloren. Aber jetzt haben wir gelernt, uns auf Katastrophen richtig vorzubereiten, und wenn jetzt ein Sturm kommt, können wir den Großteil unseres Hab und Guts retten.“ (Frauen-Selbsthilfegruppe, Chandpai Ward #4)
„Durch die Schulungen wurde uns unsere soziale Verantwortung so richtig bewusst … wir haben gelernt, vor allem im Katastrophenfall erstmal an andere zu denken, die gefährdeter sind als wir, und uns nicht nur um uns selbst zu kümmern. Diese Region wird immer ein Risikogebiet bleiben – aber durch das Projekt hat sich das Risiko stark reduziert.“ (Katastrophenkomitee Chila Ward #1)
„Früher dachten wir, dass es nur darum geht, unsere Pflichten gegenüber unseren Männern zu erfüllen und den Haushalt zu führen. Doch jetzt wissen wir, dass wir auch von zuhause aus selbst Geld verdienen und unsere Familien unterstützen können, und sogar etwas für die Zukunft sparen. Jetzt trauen wir uns, unsere Meinung zu sagen, und unsere Ehemänner respektieren uns mehr.
Wir haben auch gelernt, dass wir unsere Töchter nicht als junge Mädchen verheiraten, sondern ihnen eine gute Schulbildung ermöglichen. Viele unserer Kinder sind jetzt in der weiterführenden Schule in der Kreisstadt und werden einen richtigen Schulabschluss machen!“ (Frauen-Selbsthilfegruppe, Chandpai Ward #4)
„Wir haben viel gelernt – verbesserten Anbau, Gemüsezucht, wie wir den Salzgehalt im Boden verringern und uns an den Klimawandel anpassen … Und jetzt, jedes Mal, wenn einer von uns eine weitere Schulung besuchen kann, dann kommt er zurück in die Gruppe und bringt den anderen bei, was er oder sie gelernt hat. Wir haben auch schon erfolgreich von der Kreisverwaltung Saatgut für salzresistenten Reis und Senfpflanzen angefordert und erhalten. Wenn wir auf eine Herausforderung im Ackerbau stoßen – zum Beispiel hatten wir kürzlich ein Problem mit Ratten – dann finden wir gemeinsam Lösungen. Wir treffen uns als Gruppe, um Gedanken und Ideen auszutauschen, und lernen von denen, die Erfolg haben.“ (Bauerngruppe, Chandpai Ward #8)
„Früher dachten wir: Der Klimawandel passiert halt und wir können nichts dagegen tun. Aber jetzt ist uns klar geworden, dass wir ihn auch mit verursachen. Wenn wir uns richtig verhalten und unsere Natur schützen, dann können wir einen Unterschied machen!“ (Frauen-Selbsthilfegruppe, Chila Ward #1)
Von Herbst 2021 bis Sommer 2025 unterstützte das Projekt zur „Klimawandel-Adaption und Katastrophenrisikominderung“ im Südwesten Bangladeschs tausende Frauen, Männer und Kinder darin, ihre Lebensgrundlagen zu verbessern, ihre Katastrophenresilienz zu stärken und ihr Umfeld zu einem gesünderen, sichereren Ort zu machen. 910 Haushalte – insgesamt etwa 5.500 Personen – in zwei „Unions“ (Gemeinden) mit 18 Dörfern waren im Projekt involviert. Das Gebiet Mongla, am Rande des Mangrovenwaldes Sundarban und damit auch nahe am Golf von Bengalen, ist eine der Gegenden, die besonders stark vom Klimawandel und häufigen Katastrophen betroffen ist. Ziel des Projektes war unter anderem, dass die Haushalte im Zielgebiet nicht nach jedem Wirbelsturm wieder bei Null anfangen müssen, sondern die Resilienz entwickeln, auch heftigeren Stürmen und Überflutungen nicht hilflos ausgesetzt zu sein. Implementiert wurde das Projekt durch unseren Partner vor Ort, Bangladesh Nazarene Mission, and wurde zu 75% vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert.
Die folgenden Ergebnisse bzw. Wirkungen konnten erzielt werden:
1) Ernährungssicherung und geregeltes Einkommen
Situation zu Projektbeginn: Die meisten Familien in Mongla lebten ohnehin am Existenzminimum; diese Situation hatte sich über die letzten Jahre bzw. Jahrzehnte kontinuierlich verschärft, u.a. durch den Klimawandel und die daraus resultierenden häufigen Katastrophen: Nicht nur verloren die Haushalte oft ihre Ernten, Vieh und fast sämtlichen Besitz bei Katastrophen, auch die allgemeine Landwirtschaft und Viehzucht wurde zunehmends schwieriger, u.a. durch fortschreitende Versalzung des Bodens und des Grundwassers. Immer mehr Menschen mussten das Gebiet verlassen und in den Großstädten Arbeit suchen. Die Haushalte in Mongla hatten nicht die Möglichkeit, das ganze Jahre über ein Einkommen zu generieren; das durchschnittliche Jahreseinkommen zu Projektbeginn lag bei etwa EUR 440.
Maßnahmen: In umfassenden Schulungen lernten die Haushalte, bereits bestehende Einkommensaktivitäten an die Klimawandelsituation anzupassen – z.B. indem sie salzresistente Sorten anpflanzen, Krabben statt Fische züchten u.ä.; teilweise wurden sie darin auch durch Input gefördert (z.B. Krabbenkäfige). Außerdem wurden sie in Aktivitäten geschult, die nicht direkt von Katastrophen beeinträchtigt werden, sodass sie im Katastrophenfall weiter ein Einkommen generieren können, z.B. Teestuben, kleine Läden, Schneiderei. Zahlreiche Haushalte haben kleine Gewerbe dieser Art begonnen.
Situation zu Projektende: Die Haushalte der Zielgruppe können nun das ganze Jahr hindurch ein Einkommen generieren. Das durchschnittliche Jahreseinkommen hat sich um 78% auf etwa EUR 1200 erhöht. Damit ist auch die Ernährung der Familien gesichert (siehe auch #3).
2) Katastrophenvorsorge
Situation zu Projektbeginn: Das Gebiet um Mongla wird jedes Jahr von Katastrophen heimgesucht (u.a. Wirbelstürme, Überschwemmungen), die in Häufigkeit und Intensität zugenommen haben. Obwohl der Verlust an Menschenleben durch bessere Einrichtungen (z.B. Zyklonschutzräume) in den letzten 10 Jahren deutlich abgenommen hatte, gab es weiterhin sehr große Verluste in Hab und Gut (auch Vieh) sowie gesundheitliche Auswirkungen, weil die Haushalte nicht wussten, wie sie sich, ihre Familien und ihr Hab und Gut adäquat auf Katastrophen vorbereiten können.
Maßnahmen: Über tausend Erwachsene und mehrere tausend Schüler lernten in umfassenden Schulungen, wie man sich, sein Haus und sein Hab und Gut am besten auf Katastrophen vorbereitet (z.B.: Hütten bzw. Dächer festbinden; Äste abschneiden, die aufs Haus fallen könnten; Trockennahrung lagern; wichtige Dokumente in Plastiktüten aufbewahren und zum Schutzraum mitnehmen u.v.m.); Wissen und Praxis wurden in regelmäßigen Hausbesuchen über die gesamte Projektlaufzeit gefestigt. Außerdem besuchten die Haushalte Schulungen zu Klimawandel und Umweltthemen.
Um die Gegend gegen Überflutungen zu sichern und die Evakuierung zu erleichtern, wurden zwei Deiche an strategischen Orten repariert bzw. neugebaut und 24 Drainagerohre an gefährdeten Stellen installiert. Besonders wichtig war auch die Aktivierung, Schulung und Ausstattung der offiziellen Strukturen für Katastrophenschutz, die sogenannten Union und Ward Disaster Management Committees (insgesamt 20), die sich u.a. für die adäquate Vorbereitung der Kommunen, ein funktionierendes Frühwarnsystem, die Reaktion im Ernstfall sowie diverse Dienstleistungen während Katastrophen einsetzen.
Situation zu Projektende: Gemäß Umfragen und Beobachtungen bereiten sich nun knapp 75% der Haushalte adäquat auf Katastrophen vor; alle Haushalte setzen aber wenigstens ein paar der Maßnahmen um. Die Verluste beim letzten Zyklon waren deutlich geringer. Außerdem sind sich alle bewusst, welchen Einfluss Umweltschutz auf die ökologische Gesundheit ihrer Region hat und setzen entsprechende Maßnahmen um. Die Drainagerohre und Dämme sorgen dafür, dass die Haushalte deutlich weniger von stehendem Wasser betroffen sind. Die Katastrophen-Komitees funktionieren gut und sind sehr motiviert, ihre Aktivitäten langfristig weiterzuführen und ihre Verantwortung gegenüber der lokalen Gemeinschaft wahrzunehmen.
3) Ernährung und Hygiene
Situation zu Projektbeginn: „Genug zu essen“ zu haben ist nur die halbe Miete – die Ernährung muss auch nahrhaft und ausgewogen sein, um eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen; gefördert durch adäquate Hygienepraxis und sanitäre Einrichtungen. Zu Projektbeginn ernährten sich nur etwa 20% der Zielgruppe ausgewogen (dies lag an mangelnden Kenntnissen und an fehlendem Zugang zu den richtigen Lebensmitteln) und nur etwas über ein Drittel hatten adäquate Hygienepraxis. Dies führte vor allem nach Katastrophen zu sehr viel Durchfallerkrankungen, die in einem solchen Umfeld auch tödlich ausgehen können.
Maßnahmen: Alle Haushalte erhielten Schulungen und den nötigen Input (z.B. Saatgut), um eigene Gemüsegärten anzulegen; dabei lernten sie auch, wie sie das Gemüse in Bioqualität und auf den Klimawandel angepasst anbauen können. Ebenfalls erhielten alle Haushalte Schulungen in Kompostherstellung; einige Gruppen wurden in der Herstellung von Wurmkompost angeleitet (mit Modell-Anlagen). Tausende Haushalte und Schüler in lokalen Schulen besuchten Schulungen zu WASH-Themen (= Water, Sanitation, Hygiene) und erhielten Hilfsmittel, um das Gelernte umzusetzen (z.B. Seife); die Praxis wurde in Hausbesuchen über die gesamte Projektlaufzeit gefestigt. Zusätzlich verbesserte der Bau von zwei Wasseraufbereitungsanlagen und 18 schwimmenden Latrinen den Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen besonders im Katastrophenfall.
Situation zu Projektende: Gemäß Umfragen und Beobachtungen ernährt sich nun fast die gesamte Zielgruppe ausgewogen. 98% aller Haushalte betreiben eigene Gemüsegärten in Bioqualität, die sie auch nach Überschwemmungen eigenverantwortlich neu anlegen (der Bau von mehreren Modellen für „schwimmende Gärten“ kurz vor Projektende soll diese Herausforderung auch minimieren), und bewahren ihr eigenes Saatgut auf. Die Kompostanlagen mit Kompostwürmern haben sich als besonders erfolgreich erwiesen und verbessern nicht nur die Bodenqualität, sondern sind auch eine zusätzliche Einkommensquelle für die Gruppen. Die schwimmenden Latrinen und die Wasseraufbereitungsanlagen werden genutzt und Latrinen wurden teilweise schon nachgebaut. 96% der Zielgruppe haben Kenntnisse zu adäquater Hygiene; nach der letzten Katastrophe gab es fast 90% weniger Durchfallerkrankungen als vorher.
4) Selbsthilfestrukturen
Situation zu Projektbeginn: Zu Projektbeginn gab es kaum Selbsthilfestrukturen vor Ort (also nicht-gewinnorientierte Gruppierungen oder Zusammenschlüsse von Mitgliedern der lokalen Dorfgemeinschaften), dadurch wurden auf Dorf-, Gemeinde- und Kreisebene die Interessen der Zielgruppe nicht gehört – die Bedürfnisse, Wünsche, Ideen und Belange der untersten Gesellschaftsschichten fanden keine Beachtung. Die Haushalte hatten keine Struktur, in der sie sich gegenseitig fördern und gemeinsam die Herausforderungen ihres Alltags und ihrer Dorfgemeinschaft bewältigen konnten.
Maßnahmen: Im Rahmen des Projektes wurden gegründet und intensiv geschult und begleitet: 25 Selbsthilfegruppen (über 500 Frauen), 6 Bauerngruppen (90 Mitglieder, Frauen und Männer), 2 Union Disaster Management Committees und 18 Ward Disaster Management Committees (300 Mitglieder, Frauen und Männer). Die Gruppen und Komitees wurden mit der lokalen Regierung vernetzt und haben gelernt, ihre Interessen zu vertreten und Ressourcen zu mobilisieren.
Situation zu Projektende: Alle gegründeten Gruppen funktionieren ordnungsgemäß und haben die Kapazität entwickelt, die Gruppen selbstständig weiterzuführen und weiterzuentwickeln. Vor allem die Bauerngruppen, aber auch andere Gruppen bzw. Haushalte, haben schon einige Dienstleistungen von der Regierung in Anspruch genommen (z.B. Saatgut für salzresistentes Getreide). Die Gruppen, besonders die Katastrophenkomitees, sind sehr gut mit der lokalen Regierung vernetzt, die sich darum kümmern wird, dass diese Komitees weiter bestehen und ihre wichtige Aufgabe im Katastrophenschutz wahrnehmen können.
Das abgeschlossene Projekt in Mongla hat nicht nur Lebensgrundlagen verbessert und Katastrophenresilienz gestärkt, sondern ganze Familien nachhaltig verändert und Verzweiflung in Hoffnung verwandelt – wie das Beispiel von Gracy Kh. beschreibt:
Gracys Welt brach zusammen, als ihr Mann vor einigen Jahren unerwartet starb und sie mit ihren beiden Töchtern allein zurückließ. Die Rückkehr ins Haus des alternden Vaters brachte keine Erleichterung – sein mageres Einkommen als Tagelöhner reichte nicht aus, um den gewachsenen Haushalt zu ernähren. Konfrontiert mit der sozialen Stigmatisierung als Witwe und finanzieller Not, erreichte Gracy ihren Tiefpunkt, als sie merkte, dass sie nicht einmal die Schulgebühren für ihre älteste Tochter bezahlen konnte. Aber dann begann die Wende: Eine Mitarbeiterin im Projekt ermutigte sie, der örtlichen Selbsthilfegruppe beizutreten. Dort fand sie nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern andere Frauen, die mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten und für Gracy zu Schwestern wurden.
Das umfassende Schulungsprogramm war Gracys Rettungsanker. Sie verfolgte konzentriert jede Lektion über klimafreundliche Landwirtschaft und lernte, Gemüse in Säcken und an schattigen Stellen anzubauen – geniale Lösungen für den kleinen, salzbelasteten Hof ihrer Familie. Ihre erste Ernte von Auberginen und Blattgemüse brachte mehr als nur Nahrung; sie gab ihr ihre Würde zurück, als sie einen Beitrag zu den Familienmahlzeiten leisten konnte. Nach und nach wuchs Gracys Gewerbe: Die Enten, die sie im Rahmen des Programms erhalten hatte, vermehrten sich rasch, und ihre Eier waren sowohl Eiweißquelle für die Familie als auch zusätzliches Einkommen. In Gracys Hinterhof herrscht nun reges Treiben – üppige Gemüsebeete zwischen den Entengehegen und Hühnerställen; jedes Element sorgfältig nach den Anleitungen der Schulung angelegt.
Dieser wirtschaftliche Aufschwung hat ein tiefgreifendes persönliches Wachstum ausgelöst. Wo Gracy früher zögerte, in der Öffentlichkeit zu sprechen, verhandelt sie heute selbstbewusst Preise auf dem lokalen Markt und berät Nachbarn bei der Schädlingsbekämpfung. Ihre Töchter erleben die Verwandlung ihrer Mutter mit – die Frau, die sich einst Sorgen um die nächste Mahlzeit machte, bespricht nun ihre Optionen fürs College. „Die Selbsthilfegruppe hat mir nicht nur Fähigkeiten vermittelt“, reflektiert Gracy, während sie ihre Gemüsesäcke jätet, „sie hat mir gezeigt, dass ich mein Leben neu aufbauen kann.“ Ihre Geschichte inspiriert auch andere verwitwete Frauen im Kreis Mongla und beweist, dass selbst die Schwächsten mit der richtigen Förderung aus Widrigkeiten Widerstandsfähigkeit entwickeln können.

