NES-Schüler im Libanon stark von Nahost-Konflikt betroffen
„Die Lage ist unglaublich schwierig und beängstigend geworden. Heute morgen schlug eine Bombe ganz in der Nähe der Schule ein! Bisher sind wir in Sicherheit, aber es ist für alle eine extrem angespannte und emotionale Zeit und keiner weiß, wo das noch hinführt. Wir leben von einem Tag zum nächsten. Jeden Morgen ganz früh entscheiden wir, ob wir online unterrichten oder in der Schule – doch nie alle Klassen vor Ort, damit wir schneller evakuieren können, wenn es nötig wird. Wir vertrauen auf den Herrn, dass er uns beschützt und durch diese unsichere Zeit führt.“ (Marlene, Schulleiterin der NES)
Anfang März brach im Rahmen des Nahost-Konflikts auch im Libanon der Krieg mit neuer Heftigkeit aus, der die libanesische Zivilbevölkerung schon seit mehreren Jahren bedroht. Doch wo sich vorher die Angriffe sehr präzise auf bestimmte Gebiete beschränkten und Menschen in anderen Teilen des Landes und der Hauptstadt sich relativ sicher fühlten, sind die Einschläge nun viel weiter verteilt, wirken willkürlich und verbreiten Panik und große Unsicherheit. Die neue Angriffswelle hat schon fast tausend Todesopfer gekostet; eine weitere Million Menschen sind auf der Flucht in einem Land, in dem bereits jeder Dritte Flüchtling ist. Viele dieser Geflüchteten finden keine Unterkunft, da die Angst zu groß ist, Familien mit unbekanntem Hintergrund ein Obdach zu geben. Daher leben viele in ihren Autos oder auf der Straße und sind Starkregen und Stürmen ausgesetzt.
Auch die NES-Schule am Rande von Beirut ist betroffen. Eine Woche waren alle Schulen geschlossen; nun bemüht sich das Leitungsteam der Schule, so viel Unterricht anzubieten wie eben möglich, und trotzdem die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Aber das ist nicht nur eine logistische Herausforderung.
„Die Kinder leiden wirklich sehr unter dieser Situation. Sie sind misstrauisch gegenüber unbekannten Personen, die eine Gefahr für ihre Gebäude darstellen könnten. Viele können aufgrund des Lärms der Luftangriffe nicht schlafen – selbst Donner klingt nun wie Bombeneinschläge – und das alles macht es sehr schwer, sich sicher zu fühlen oder sich auf den Alltag zu konzentrieren.“
Die derzeitige Eskalation ist nur die neueste unter zahlreichen Krisen, die seit fast sieben Jahren das kleine Land am Mittelmeer heimsucht. Revolution, Zusammenbruch der Wirtschaft, Pandemie, verheerende Hafenexplosion, Erdbeben … und nun noch der Krieg, der kein Ende zu finden scheint. „Der Libanon und seine Menschen haben schon so viel durchgemacht … Wir gehen von Krise zu Krise und es nimmt kein Ende. Wir hoffen und beten, dass dies die letzte Krise ist – aber diesmal ist die Situation noch viel gefährlicher als vorher.“
Vor einem Jahr begann die NES-Schule mit unserer Förderung ein speziell entwickeltes Therapieangebot mit Trauma-Beratung und Prävention für Schüler, Eltern und Lehrer, um zu ermöglichen, dass Kinder und ihre Familien Heilung erleben und die Resilienz entwickeln, künftigen Krisen mit Zuversicht zu begegnen und gestärkt daraus hervorzugehen. Das Programm hat in den letzten zwölf Monaten schon einen deutlich merkbaren Unterschied in der mentalen Gesundheit der Kinder und Eltern gemacht.
Die jüngste Eskalation des Nahost-Konflikts hat den Bedarf für dieses Angebot dramatisch verschärft.
Sara, die Psychotherapeutin der Schule, arbeitet seit Anfang März unermüdlich daran, Schülern, Eltern und Personal in dieser Krise zur Seite zu stehen und ihnen Rat und Material an die Hand zu geben, um die neuen Herausforderungen zu bewältigen – u.a. veränderte Familienstrukturen durch geflüchtete Verwandte, unterbrochene Alltagsroutine, Konfrontation mit Ängsten, Schlafstörungen, finanzieller und emotionaler Stress der Eltern. „Auch viele Aktivitäten, die für die Entwicklung der Kinder unerlässlich sind, sind lebensgefährlich geworden, wodurch die Kinder sich noch unsicherer fühlen“, erläutert Sara. „Die Schule kann Routine und Struktur wiederherstellen – eine der wirksamsten Methoden, um die psychische Gesundheit von Kindern in Krisenzeiten zu fördern.“
Wichtige erste Schritte – doch die Kinder werden noch über Jahre hinweg therapeutisch begleitet werden müssen, um langfristige Heilung und Resilienz zur ermöglichen. Bisher stehen jedoch nur sehr geringe Mittel zur Verfügung, um das Programm auch fürs nächste Schuljahr anzubieten und langfristig weiterzuführen. Die Familien und Mitarbeiter der NES-Schule wären enorm dankbar, wenn Sie durch Ihre Unterstützung die Ausweitung des Therapieangebots ermöglichen! Selbstverständlich sind auch Spenden für den „NES Studienfond“ eine sehr große Hilfe, da sich in dieser Lage noch weniger Familien die Schulbildung ihrer Kinder leisten können.
Haben Sie herzlichen Dank, wenn Sie mit uns ein Zeichen der Solidarität setzen und die Kinder und Familien der NES-Schule in dieser verheerenden Situation ermutigen und unterstützen!

