paXan 2025 Südafrika: Komm und sieh!

paXan-Team engagiert sich im Bonani-Kinderzentrum in Südafrika

Vor uns liegt ein steiniger Hang, bedeckt mit braunem Lehm und stachligen Grasbüscheln. Große und kleinere Felsbrocken türmen sich an den Seiten, eine staubige Straße führt den Hügel hinauf. Im Hintergrund kleine Hütten und feurig-rot-blühende Bäume; die schroffen Felsen dahinter hat der morgendliche Nebel völlig verschluckt. Links und rechts und hinter uns gelbgraue Anhöhen, gesprenkelt mit losen Siedlungen und hier und da ein Busch oder Baum, bis zum Horizont – die endlose afrikanische Weite. Und mittendrin, fast ein bisschen schüchtern, eine kleine, strahlend weiße Hütte mit blauem Dach: der erste Klassenraum des Bonani Kinderzentrums in Südafrika.

Es ist der erste Morgen unseres paXan-Einsatzes in Kalinyanga, einem kleinen Dorf im ländlichen Ostkap Südafrikas. Etwas fröstelnd stehen wir auf dem scheinbar fast leeren Hang und blicken uns um an diesem Ort, für den wir fast den ganzen Globus von Nord nach Süd umflogen haben. Aber für uns ist dieser Ort nicht leer, und auch der wabernde Nebel kann unseren Tatendrang nicht drosseln: Voll Potential ist dieser Ort, voll Zukunft und Zuversicht, angefüllt mit Kinderlachen und Träumen, die der Alltag nicht erdrücken kann.

Und wieder einmal dürfen wir als paXan-Team ein Teil davon sein, diesen Träumen noch mehr Form zu geben. Zugegeben: Unser Beitrag ist, verglichen mit der unendlichen Hingabe unserer Freunde vor Ort, eher klein. Nüchtern betrachtet bauen wir „nur“ einen Zaun: ein Zaun, der den Kindern Schutz bieten soll, der dem Kinderzentrum ein klar abgegrenztes Gelände gibt und die Eigentumsverhältnisse klärt, der die ständig durchstapfenden Schaf-, Ziegen- und Rinderherden zum Umweg ums Grundstück zwingen wird. Aber wie beim sprichwörtlichen Steinmetz, der nicht nur Steine behaut oder Säulen formt, sondern eine Kathedrale baut, ist es eben nicht nur ein Zaun, den wir errichten. Es ist Zukunft, an der wir mitbauen; Zukunft, die greifbar wird, Zuflucht, die einen Namen hat, ein Zuhause für Kinder, deren Daheim kaum diesen Namen verdient.

Jeden Tag sind sie hier, diese Kinder, die Zuhause suchen, die Zuneigung brauchen, die Zeit schenken und fordern, weil sie ihnen zusteht. Denn Bonani ist natürlich nicht nur ein Ort; Bonani, das sind Menschen, große und kleine, die Liebe brauchen und Liebe großzügig verschenken. Bonani, das sind Lunathi und Mama Ayanda, die ihr Leben in die Kinder ihres Heimatdorfes investieren. Bonani, das sind Milisa und Nelisa und Imo und die vielen anderen Kinder, die seit 2022 in diesem Kinderzentrum eine Heimat finden.

Immer wieder sind sie da, die Kinder von Bonani, während unter den fleißigen Händen unseres 11er-Teams – zehn Teilnehmer aus ganz Deutschland plus Lunathi, Gründer und Leiter des Kinderzentrums – der Zaun wächst: Erst werden einen Tag lang Steine geschleppt und ein Weg begonnen, dann mit viel Ausdauer, Schweiß (der Winter im Ostkap ist dann doch eher sommerlich) und unerschütterlicher Motivation dreiundvierzig einen-Spaten-breite-und-fünfundvierzig-Zentimeter-tiefe Löcher in den lehmigen, felsigen Boden gegraben und gehämmert. Danach geht es ans Beton anrühren – den Sand dafür holt man sich am Fluss – und kurz nach Sonnenuntergang am vierten Abend stehen 43 Pfeiler fest betoniert in der Erde. Am Freitag, während der Beton trocknet, entspannt man sich bei Gartenarbeit im Gewächshaus und beim Wegebau, und dann wird der Zaun zur Realität: 300 Meter oben und unten gespannter Strang und 150 Meter Maschendraht, meisterlich gestrafft von der gesammelten Muskelkraft des paXan-Teams und in unermüdlicher Kleinarbeit flächendeckend befestigt. Die einzigen, die beim großen Finale am Dienstagmittag nicht jubeln, sind die Schafherden, die verwirrt blökend vor der plötzlich aufgetauchten Schranke stehn.

Und auch die Kinder jubeln. Dabei haben sie eigentlich gar nicht viel zu lachen in ihrem jungen Leben – die meisten sind mangelernährt, viele unerwünscht, ungeliebt von denen, die ihnen eigentlich Familie sind. Doch das hält sie nicht davon ab, ihrer Dankbarkeit und Lebensfreude Ausdruck zu verleihen: beim leckeren Mittagessen, das Mama Ayandas Hände für sie zubereitet hat, beim ausgelassenen Spielen mit den Teammitgliedern, die gerade keine Löcher bohren, beim fleißigen Helfen auf der Baustelle, bei fröhlicher Kommunikation über Sprachbarrieren hinweg, bei jeder festen Umarmung und jedem Liebesbeweis, nach denen die Kinder sich sehnen wie nach Sonnenlicht und sie selbst so großzügig weitergeben.

„Komm und sieh“, das ist die Bedeutung des Xhosa-Wortes „Bonani“. Ein Ort, an den die Kinder von Kalinyanga kommen dürfen und dort wirklich gesehen werden. Ein Fleckchen Erde, an den wir von weither gekommen sind, um dort zu sehen, was nur mit dem Herzen sichtbar ist: nicht einen leeren Hang, jetzt fachgerecht umzäunt, sondern Zukunft, die viele Namen hat.

Das paXan-Team 2025 Südafrika

paXan Unlimited 2025 Ruanda

paXan Unlimited 2025 – Einsatz in Nyagatare, Ruanda

Christoph Nick berichtet:

Nach den durchweg positiven Erfahrungen im vergangenen Jahr ging paXan Unlimited (für Erwachsene aller Altersgruppen) 2025 in die zweite Runde. Das diesjährige paXan-Unlimited-Team bestand aus acht Teilnehmenden und reiste nach Nyagatare im Norden Ruandas. Ruanda – ein Binnenstaat in Ost- bzw. Zentralafrika – ist vielen vor allem wegen seiner tragischen Geschichte bekannt: dem Genozid von 1994. Auch wenn die Menschen heute nicht mehr als Hutu oder Tutsi, sondern als Ruander zusammenleben wollen, sind die Nachwirkungen bis heute spürbar. Viele Waisen, Verletzte und Rückkehrer kämpfen weiterhin mit den Folgen dieser dunklen Vergangenheit.

Unser konkreter Auftrag vor Ort war der Bau eines Toilettenhauses für eine lokale Schule. Bisher gab es dort lediglich je eine Toilette für Mädchen und Jungen – angesichts der gestiegenen Schülerzahlen war das völlig unzureichend. Die Regierung Ruandas achtet sehr streng auf Hygiene- und Baustandards an Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden, sodass sogar die Schließung der Schule drohte.

Finanziell ermöglicht wurde das Projekt durch zwei Joggathons – Spendenläufe in Berlin und Gelnhausen –, deren Erlöse es erlaubten, das benötigte Baumaterial zu kaufen und die lokalen Bauarbeiter zu bezahlen.

Am 18. August traf sich unser Team schließlich in Nyagatare. Nach einer kurzen Einführung durch unseren lokalen Kontakt fuhren wir direkt zur Schule. Dort waren bereits erste Vorarbeiten erfolgt – unter anderem das Ausheben der Sickergrube und das Gießen des Fundaments. In den folgenden Tagen arbeiteten wir unter Anleitung unseres Bauleiters Luke und seines Teams – stets freundlich, geduldig und mit viel Humor. Niemand von uns hatte je zuvor mit Matsch und Lehmziegeln gebaut, doch Stück für Stück wuchsen die Mauern. Wir errichteten den Dachstuhl, befestigten Wellblech, verputzten, pflasterten und strichen. Als unsere Einsatzzeit nach gut einer Woche endete, waren die wesentlichen Arbeiten abgeschlossen. Unsere lokalen Partner übernahmen den letzten Feinschliff – pünktlich zum Schulstart Anfang September konnte das neue Toilettenhaus in Betrieb genommen werden.

Wo eine Schule ist, sind natürlich Kinder auch nicht weit – und so wurde eine weitere schöne Aufgabe für unser Team ein tägliches zweistündiges Kinderprogramm. Was zunächst mit etwa 60 Kindern begann, wuchs schnell an: Am letzten Tag hatten wir gefühlt das ganze Dorf bei uns – rund 140 Kinder kamen, um zu singen, zu spielen, Geschichten zu hören und zu basteln.

Die Zeit in Nyagatare verging wie im Flug. Der Abschied fiel schwer, und doch waren unsere Köpfe und Herzen voller Eindrücke, die erst einmal verarbeitet werden mussten.

Eine Frage, die uns alle bewegte: Wie kann Entwicklungszusammenarbeit nachhaltig gelingen, wenn die Not scheinbar überall ist und die Ressourcen begrenzt sind? Diese Reise hat uns gezeigt, dass echter Reichtum nicht nur in Geld oder Besitz liegt. Wir haben eine Dorfgemeinschaft erlebt, die geprägt ist von Zusammenhalt, gegenseitiger Fürsorge und echter Offenheit. Kinder kümmern sich liebevoll umeinander, Haustüren stehen offen für Besucher, und es ist selbstverständlich, dass sich das Dorf um Witwen und Bedürftige kümmert.

Auch wenn hier nur ein kleiner Einblick möglich ist – paXan Unlimited 2025 war für alle Beteiligten eine prägende, erfüllende und bewegende Erfahrung.

Christoph Nick für das paXan Unlimited Team 2025