„Happy Juni!“ Kindergarten in Albanien ist wieder geöffnet

„Happy 1st June, liebe Kinder! In jedem Lächeln von euch wird die Welt noch schöner!“

Als der Kindergarten „AM-EL“ unseres Partners in Kombinat, Albanien, am 1. Juni nach zwölf Wochen wieder öffnen durfte, war die Freude groß. Welch ein Fest! Zwar konnten noch nicht alle Kinder wieder mit dabei sein, weil einige Eltern ihre Arbeitsstelle verloren haben oder ihnen die Lage noch zu unsicher ist, aber die, die kommen können, sind überglücklich.

Die letzten Monate waren nicht einfach für die Menschen in diesem ärmsten Land Europas. Es fehlte an vielen notwendigen Hilfsmitteln, gerade auch in den Krankenhäusern. Ausgangssperren machten es vielen unmöglich, ihr mageres Einkommen weiter zu verdienen, sodass ihre Familien hungerten. „Vor ein paar Tagen riefen einige Eltern vom Kinderzentrum an und sagten, dass sie nichts mehr zu essen haben“, berichtete der Leiter unseres Partners, Gesti Biti, bereits im März. Und dann war da natürlich die Angst und Unsicherheit, die Albaner mit dem Rest der Welt teilen, die aber in einem Land, das eben erst von starken Erdbeben heimgesucht worden ist, die Zweifel und Perspektivlosigkeit noch vertiefen.

Aber unser Partner fand auch viele kreative Ansätze, um den Herausforderungen zu begegnen. Gesti Biti war unermüdlich aktiv, um Lösungen zu finden und den Menschen unter die Arme zu greifen. Mit Unterstützung unseres Partners NCM International konnten mehrmals Lebensmittel und Hygieneartikel an bedürftige Familien verteilt werden – vor allem die, deren Kinder unser Kinderzentrums in Kombinat besuchen. Auch das Krankenhaus, dass sich in Albanien hauptsächlich um Corona-Patienten kümmert, konnte unser Partner mit Hygieneartikeln unterstützen und am Ostersonntag die Ärzte zu einem Ermutigungs-Festmahl einladen.

Und der Kindergarten, an dem im Endeffekt auch die Zukunft des Kinderzentrums hängt? „Wir haben ein großes Problem!“, schrieb Gesti im März. „Wir bekommen keine Gebühren von den Eltern, aber müssen die Gehälter und Miete weiterbezahlen. Wenn das so weitergeht, wird es uns ruinieren. Ich habe mit den Lehrern gesprochen, aber die müssen ja auch ihre Miete bezahlen und etwas essen; es wäre schon hart, sie nicht zu bezahlen.“

Aber auch für dieses Problem gab es eine Lösung. Im Mai konnte Gesti mit einigen Eltern des Kindergartens vermitteln, dass die Lehrer sich dort durch Babysitten ein wenig Geld verdienen konnten und außerdem weiterhin Kontakt zu den Kindern hatten. Zusätzlich war es Helping Hands möglich, die Lehrergehälter für drei Monate zu übernehmen. Die Lehrer waren für diese Unterstützung enorm dankbar.

„Wir sind jetzt in der vierten Quarantäne-Woche durch COVID-19, und diese Zeit ist sehr herausfordernd für mich“, schrieb die Lehrerin Wilsona. „Ich muss alle Rechnungen bezahlen, die täglichen Ausgaben für meine zwei Kinder und meinen Mann und mich. Mein Mann arbeitet auch im Moment nicht, weil seine Arbeitsstelle wegen Corona geschlossen wurde. Das hat uns in starke finanzielle Probleme gebracht. Ich möchte mich sehr herzlich für diese Unterstützung bedanken! Es war wie die Hand Gottes für uns. Vielen Dank!“

Eine andere Lehrerin, Adela, freute sich unter anderem, dass sie nun die Medizin für ihre Eltern bezahlen konnte. „Da alle Straßen gesperrt waren, konnten wir nicht in unsere Heimatstadt fahren, wo wir die Medikamente kostenlos erhalten, und mussten sie daher selbst kaufen. Wir sind sehr dankbar für diese Hilfe in schwerer Zeit!“

Während der Zeit, in der der Kindergarten geschlossen bleiben musste, waren Kinder und Lehrer trotzdem gut beschäftigt. Die Lehrerin jeder Gruppe blieb in Kontakt mit den Eltern, plante die jeweilige Woche vor, kommunizierte den Eltern montags und mittwochs die „Hausaufgaben“ für die Kinder, die dann mittwochs und freitags „abgegeben“ werden mussten: per Foto oder Sprachnachricht in eine WhatsApp-Gruppe. So bastelten, malten und rechneten die Kinder zuhause, lernten Verse auswendig und freuten sich, wenn sie die Arbeiten ihrer Freunde und Freundinnen digital bewundern durften.

Dabei hatten sie eine Menge Spaß! Trotzdem warteten sowohl Kinder als auch Eltern sehnlichst auf den Neustart des Kindergartens, wie Xhuli, eine Mutter, in Worte fasste: „Wir sind so dankbar für den AM-EL Kindergarten. Die Kinder lieben es und wir sind sehr froh zu wissen, dass sie dort sicher sind. Wir können es kaum erwarten, bis der Kindergarten wieder anfängt und wir die Kinder dorthin bringen können!“

Auch Krisela war sehr froh, als sie ihren Sohn am 1. Juni wieder zum Kindergarten bringen konnte. „Es ist so ein schöner, wunderbarer Ort. Unser Sohn ist so gerne dort und spielt mit seinen Freunden. Wir sind sehr glücklich, wenn wir sehen, wie glücklich er ist!“

Corona-Krise anderswo

Dasselbe Virus, aber dramatischere Folgen: Unsere Partner berichten aus aller Welt

„Heute hatten wir die ersten Corona-Fälle. Es ist furchtbar. Alles ist dicht. Man darf sich nicht mehr öffentlich treffen“, so schreibt Gesti aus dem ärmsten Land Europas. „Unser Kindergarten wurde für drei Wochen geschlossen. Dadurch fallen alle Einnahmen weg, und wir wissen nicht, wie wir die Mitarbeiter bezahlen sollen.“

Niemand war auf diese Katastrophe vorbereitet. Doch wie immer trifft es die besonders Benachteiligten am härtesten. Unsere Projektpartner in Südasien und Afrika, Osteuropa und dem Nahen Osten stehen vor ähnlichen Herausforderungen:

Im Libanon ist die Schule unseres Partners nun schon die vierte Woche geschlossen. Das ist besonders schlimm für die Schüler, weil ja schon im Herbst aufgrund der politischen Lage mehrere Wochen Unterricht ausfielen und viele Eltern ihre Jobs verloren haben. „Die Situation hier ist sehr kritisch“, schreibt die Schulleiterin. Besonders gefährdet sind die zahlreichen Schüler aus Flüchtlingsfamilien, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen.

In Nepal wurden bisher zwar erst zwei Menschen positiv getestet, trotzdem sind alle Schulen und auch die Kinderzentren unseres Partners für einen Monat geschlossen. Die örtlichen Mitarbeiter überprüfen aber weiterhin regelmäßig, ob die Kinder und Eltern gesund sind, um im Zweifelsfall umgehend helfen zu können. Größere Sorge bereitet unserem Partner die finanzielle Lage: Händler begannen sofort, durch künstliche Verknappung die Preise für alltägliche Produkte und Grundnahrungsmittel in die Höhe zu treiben. Viele haben Angst, dass ihnen bald das Nötigste zum Überleben fehlt.

In Sri Lanka mussten die Kinderzentren ebenfalls vorübergehend geschlossen werden. Nachts herrscht eine Ausgangssperre und die Regierung zieht in Betracht, diese auf tagsüber auszuweiten, da sich das Virus besonders durch Menschen verbreitet hat, die sich der Quarantäne entzogen haben – wodurch auch viel Panik entstanden ist. „Es ist besonders schwierig für die Bedürftigsten, die auf ein tägliches Einkommen angewiesen sind“, berichtet unser Partner. Denn sie besitzen immer nur gerade so viel Geld, um für einen Tag einzukaufen – was sehr schwierig ist, wenn Reichere die Läden leergekauft haben. „Es ist erschreckend und herzergreifend, die Menschen so leiden zu sehen.“

In Bangladesch besuchen normalerweise knapp 5000 Kinder die ca. 50 Kinderzentren unseres Partners. Ein paar dieser Kinderzentren werden zum größten Teil örtlich finanziert – zum Beispiel ein Zentrum in Naogaon: „Die meisten Kinder hier kommen aus sehr benachteiligten Randgruppen“, erklärt unser Partner. „Aber alle möchten ihre Kinder zum Zentrum schicken, weil sie hier so gut versorgt werden. Die meisten Kosten werden örtlich getragen.“ Doch das ist jetzt sehr schwierig geworden, denn auch in Bangladesch haben sich die Preise für alltägliche Dinge teilweise um 50% erhöht. „Es wird eine große Herausforderung, all unsere Mitarbeiter zu bezahlen.“

(Unsere örtlichen Partner in Südasien überlegen derzeit gemeinsam mit unserem internationalen Förderpartner NCM, Lebensmittel und andere nötige Produkte an die bedürftigsten Familien zu verteilen. Dabei sollen sich natürlich alle Helfer an strenge Sicherheitsvorkehrungen halten, um das Virus nicht weiterzuverbreiten.)

In Albanien herrscht zwar weiterhin Ausgangssperre, zur Arbeit dürfen die Einwohner nur von 6 bis 9 Uhr morgens und 16 bis 18 Uhr nachmittags und es fehlt an vielen notwendigen Hilfsmitteln, vor allem auch in Krankenhäusern. Trotzdem konnte unser Partner bereits dringend benötigte Hilfe leisten: An viele der Familien unseres Kinderzentrums verteilten freiwillige Helfer unter Beachtung der Sicherheitsvorkehrungen Tüten mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln. Die Familien waren dafür enorm dankbar, denn die meisten können sich keine Lebensmittel mehr leisten. Der Kindergarten ist weiterhin geschlossen, doch die Kinder sind zuhause aktiv und senden regelmäßig Bilder von den Bastelarbeiten, die sie unter Anleitung herstellen konnten.

In Rumänien musste unser Partner Veritas alle Programme am 12. März schließen; derzeit bis 22. April. Die Mitarbeiter können in dieser Zeit Arbeitslosengeld erhalten. Die Leiter der verschiedenen Programme (u.a. für Kinder aus benachteiligten Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung) bleiben mit ihren Klienten in Kontakt und helfen, wo möglich.

In Kenia befindet sich die Schule unseres Partners in einem der gefährdetsten Gebiete des Landes: dem Kariobangi-Slum in Nairobi. Hygiene beachten, Kontakt meiden – das ist in einem Slum viel schwieriger oder gar unmöglich. Die Familien stehen vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen, denn die meisten sind darauf angewiesen, täglich ihr Geld zum Überleben zu verdienen. Und auch hier mussten alle Schulen geschlossen werden. Das bedeutet für die Kinder der „Arche“ Schule, dass sie in den nächsten Wochen sehr hungrig sein werden, denn für viele ist sonst das Schulessen die einzige richtige Mahlzeit am Tag. Lernen per Internet oder Videokonferenz ist im Slum keine Option; dafür hat die Regierung aber angekündigt, jeden Tag bis nachmittags nur Bildungsprogramme in Radio und Fernsehen auszustrahlen. Trotzdem – den Kindern fehlt vor allem das „Zuhause“, das sie in der „Arche“ gefunden haben!

 

So dramatisch die Lage ist – es besteht auch viel Hoffnung. Denn unsere Partner geben nicht so schnell auf und bemühen sich heute genauso wie gestern und morgen, denen zur Seite zu stehen, die am meisten gefährdet sind.

Deshalb möchten wir auch in dieser Krise unseren Partnern unter die Arme greifen, damit ihre wertvolle Arbeit weitergehen kann und Kindern und Familien in Not geholfen wird!

Ihre Spende ermöglicht einen Neuanfang und Hilfe, wo es am Nötigsten ist. Herzlichen Dank dafür!

Rückblick: Jahresprojekt 2019

„Straße oder Schulbank?“ Oder vielleicht eher:
„Bücher oder Drogen?“

Gut, so ganz direkt wird wohl kaum einer unserer Kinder in Kombinat, Albanien, diese Entscheidung treffen müssen. Aber irgendwie doch: denn die richtigen Schulbücher sind erforderlich, um die Schule besuchen zu dürfen. Und die sind teuer! Für ältere Kinder kann das schon mal über 100 Euro kosten. Das kann sich doch keine Familie dort leisten! Eben nicht – und das bedeutet, dass viele Kinder einfach gar nicht zur Schule gehen. So wäre es auch für Gjergj gewesen, der älteste von sieben Jungs. „Wenn er nicht zur Schule gehen würde, dann wäre er sicherlich auf der Straße und im Drogenhandel verstrickt“, erklärt Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners.

Aber Gjergj geht zur Schule – und er hat Schulbücher. Die hat er in unserem Kinderzentrum in Kombinat erhalten. Im Herbst sammelte eine Kinderkirche in Hessen, um die Kinder in Kombinat mit Schulmaterial zu unterstützen: Ihre ganz eigenen Füller, Buntstifte, Hefte, gleich zu Schulanfang – das war toll! Aus Spenden für unser Jahresprojekt 2019 konnten zusätzlich die Schulbücher für die älteren Kinder bezahlt werden. Eine Handvoll Bücher, die die Entscheidung trifft zwischen Straße und Schulbank; die dafür sorgt, dass Jungs und Mädchen eine Zukunft haben.
Denn dafür setzen die Mitarbeiter des Kinderzentrums sich ein: dass Kindern aus Randgruppen, die sonst kaum Chancen hätten, durch Schulbildung und sonstige Förderung echte Möglichkeiten für die Zukunft geboten werden. Und an Motivation fehlt es diesen Kindern nicht! Die Lehrerin berichtet:

„Eine meiner besten Schülerinnen ist Aurora. Ich bin so dankbar dass solche Kinder hier im Kinderzentrum sind, die ansonsten keinen Ort zum Lernen hätten und so viel verpassen würden. Viele Tage bleibe ich länger mit ihr im Zentrum, über die Arbeitszeit hinaus, weil sie immer darum bittet, noch mehr zu lernen. Am Ende des Schuljahres hatte sie sehr gute Noten und war eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse.

Und Gyselda: Jedes Mal, wenn sie eine gute Note schreibt, kommt sie und umarmt mich und dankt mir. Sie ist auch eins der Kinder, die immer länger bleiben, um noch mehr zu lernen. Keinen einzigen Tag hat sie dieses Jahr im Kinderzentrum verpasst. Ich bin so stolz auf sie!“

Die Hingabe ihrer Lehrer und die Förderung, die sie im Kinderzentrum erhalten, machen einen riesigen Unterschied für die Kinder. Die Unterstützung hilft ihnen besonders darin, ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Straße oder Schulbank? Was hier die richtige Antwort ist, ist diesen Kindern völlig klar.

Ein ganzes Jahr lang beteiligten sich hunderte von Einzelpersonen, Gruppen und Kirchengemeinden – zum Beispiel durch einen Spendenlauf und ein Jazzkonzert – an unserem Jahresprojekt 2019: Kinderzentrum und Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mehr als 15.000 Euro kamen so bis Ende Dezember zusammen! Über den genauen Einsatz der Mittel beraten wir mit dem örtlichen Partner in den kommenden Wochen. Unter anderem konnte dadurch aber bereits eine neue Lehrerin für den Kindergarten eingestellt werden; das trägt dazu bei, dass der Kindergarten zeitnah finanziell selbsttragend wird und auch das Kinderzentrum mit unterstützt.

Etwas Stabilität schenken, einen Ort bieten, an dem die Kinder sich sicher und geliebt fühlen – das ist für sie enorm wichtig, denn jedes dieser Kinder lebt in schwierigen familiären Verhältnissen. Das ist aber auch besonders dann relevant, wenn sonstige Stabilität zusammenbricht. Das Erdbeben in Albanien Ende November zerstörte auch in Kombinat viele Häuser – sämtliche Familien des Kinderzentrums waren betroffen (der Kindergarten blieb unbeschädigt). Aber unser örtlicher Partner stand ihnen zur Seite, half mit Lebensmitteln, Decken und Schlafsäcken durch die ersten Tage hindurch, ermutigte und beriet, schenkte Hoffnung in einer Weihnachtsfeier – ebenfalls durch Spenden aus dem Jahresprojekt – und fand schließlich ein neues Gebäude fürs Kinderzentrum, sodass im Januar der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte. Die Kinder sind begeistert von den neuen Räumen, die erheblich mehr Platz bieten; sogar ein Hof und Garten zum Spielen stehen nun zur Verfügung.

Straße oder Schulbank? Bücher oder Drogen? Ein herzliches Dankeschön, dass Sie sich mit den Kindern in Kombinat für die bessere Wahl eingesetzt haben!

Hoffnung, wenn die Erde bebt

Noch vor wenigen Wochen wurden auf diesen Tischen nagelneue Buntstifte, Bücher und Rucksäcke von strahlenden Kinderaugen bestaunt – jetzt belegen hier fleißige Hände viele, viele Brötchen mit Käse und Wurst, um zumindest ein wenig Hunger zu lindern auf den Straßen, auf denen Menschen verängstigt warten, was kommt. Und unser Kinderzentrum in Kombinat am Rande Tiranas ist nur einer von unzähligen Orten, an dem das Leben seit dem Erdbeben am Dienstagmorgen nicht mehr so weitergeht wie zuvor.

Das schlimmste Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten hat mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet, Hunderte verletzt und weitreichende Zerstörung angerichtet. „Viele Leute sind auf der Straße, weil ihre Häuser zu stark beschädigt sind“, berichtet Gesti, der Leiter unseres Partners vor Ort. „Viele andere haben Angst, in ihre Wohnungen zurückzukehren.“

Inzwischen hat er ein Komitee von Leitern verschiedener Kirchen und Gruppen zusammengestellt, um Hilfe zu organisieren. „Wir haben Zugang zu den Zentren bekommen, die die Regierung eingerichtet hat – das war nicht einfach, aber ein wichtiger Schritt. Wir haben Brote und Wasser verteilt und eine warme Mahlzeit zubereitet für die Familien, die in Kombinat in Zelten untergebracht sind. Die Not ist groß – benötigt werden vor allem erst einmal Nahrung, Kleidung und Decken.“ Doch angesichts der großen Zerstörung ist auf alle Fälle langfristige Hilfe nötig. Zudem hat Helping Hands bereits Kontakte mit Spezialisten für Katastrophenhilfe vermittelt.

Das Epizentrum des Erdbebens lag nur etwa 30 km nordwestlich des Kinderzentrums und Kindergartens, die wir als das Helping Hands Jahresprojekt 2019 unterstützen. Wie wird es dort jetzt weitergehen?

„Wir mussten den Kindergarten und das Kinderzentrum für diese Woche schließen, weil die Regierung das verlangt hat“, erklärt Gesti. „Die Kinder haben alle große Angst. Die Erde bebt immer noch alle 10 bis 15 Minuten – so etwas haben wir noch nie erlebt. Zudem wurde das Gebäude beschädigt, in dem die Kinder ihre Mittagsmahlzeit bekommen, und die Behörden haben es als unsicher eingestuft: Wir dürfen dort nicht mehr rein.“

Natürlich hofft unser Partner, dass die Lage sich bald entspannt und Kindergarten und Kinderzentrum zeitnah wiedereröffnet werden können. Und bis dahin tun unsere örtlichen Mitarbeiter in der derzeitigen Situation von Angst und Verzweiflung für viele Familien und Kinder genau das, was sie in Kindergarten und Kinderzentrum schon seit einigen Jahren in die Tat umsetzen und auch im Namen des Kindergartens, „AM-EL“, verankert haben: sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen.

Unser Jahresprojekt 2019: Erfolge und Visionen

Unser Jahresprojekt 2019 fördert ein Kinderzentrum und einen Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mitte Juni war Ergest Biti, unser Leiter vor Ort, bei uns zu Gast. Im Interview berichtet er von Erfolgen und Visionen.

Helping Hands e.V. (HH): Das Kinderzentrum läuft jetzt einige Jahre. Konntet ihr schon einen Unterschied bei den Kindern sehen?

Gesti (G): Auf jeden Fall. Bevor sie zu uns kamen, konnten einige Kinder nicht mal schreiben. Aber jetzt haben sie richtig gute Noten. Sie brauchten einfach nur ein bisschen Unterstützung, jemand, der sich um sie kümmert und ihnen die Hausaufgaben erklärt. Und wir möchten den Kindern gute Werte beibringen. Nur ein Beispiel: In Albanien werfen die meisten Kinder ihren Müll einfach auf die Straße. Aber unsere Kids machen das nicht mehr – sie heben eher mal den Müll von anderen auf.

HH: Habt ihr auch Kontakte zu den Eltern?

G: Das ist uns ganz wichtig. Im Kinderzentrum haben wir ein monatliches Treffen mit allen Eltern. Wir reden auch mit ihnen über ihre Probleme, geben Rat und helfen, wo wir können, und sie vertrauen uns. Im Kindergarten trifft die Leiterin sich einmal pro Woche mit den Eltern.

HH: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wie werdet ihr die finanziellen Mittel aus unserem Jahresprojekt einsetzen?

G: Zuerst einmal werden wir noch einen weiteren Erzieher für den Kindergarten einstellen. Der Kindergarten ist erst ein Jahr alt, aber läuft schon sehr gut. Einige der Kinder sind aus wohlhabenden Familien, wo der Vater Geschäftsmann ist o.ä. Aber von Anfang an haben wir uns zum Ziel gesetzt, auch Kindern aus sozialschwachen Familien den Kindergartenbesuch kostenlos zu ermöglichen. Pro 10 Kindern geben wir ein volles Stipendium, pro 5 Kindern ein halbes. Derzeit haben wir bei 25 Kindern 3 Kinder mit vollem und 5 mit halbem Stipendium. Damit möchten wir die Familien vor Ort unterstützen. Weil immer mehr Kinder dazukommen, brauchen wir noch einen Erzieher, der eine weitere Gruppe übernehmen kann. Um das möglich zu machen, hilft es uns sehr, wenn fürs erste Jahr das Gehalt aus Spenden bezahlt wird, sodass wir weiter ein paar Kindern einen kostenlos Platz anbieten können und trotzdem der Kindergarten dann so schnell wie möglich finanziell selbsttragend wird. Durch die Einnahmen im Kindergarten kann dann zeitnah auch das Kinderzentrum finanziell unabhängig werden.

HH: Das ist ein tolles Ziel! Was plant ihr sonst noch an neuen Aktivitäten?

G: In Kürze sind Sommerferien, und wir möchten sehr gerne ein Camp für die Kinder vom Kinderzentrum veranstalten. Das kostet so etwa 500 Euro. Im September möchten wir auch wieder Bücher und Schulmaterial verteilen, da die meisten Familien sich das nicht leisten können. Und wir planen auch, in der Zukunft sehr viel mehr in die Schulung von Lehrern zu investieren. Dieses Jahr hatten wir das zum ersten Mal, es ging um Kinderschutz. Das möchten wir jetzt einmal pro Jahr anbieten – eine dreitägige Schulung zu verschiedenen Themen, Zeit für Austausch und auch ein bisschen Entspannung.
Und schließlich – das ist ein großer Bedarf – brauchen wir dringend neue Räumlichkeiten für das Kinderzentrum. Im Moment können wir keine weiteren Anmeldungen annehmen, weil unsere Räume zu klein sind. Aber viele Familien aus dem Ort bitten uns, ihre Kinder aufzunehmen. Wenn wir größere Räumlichkeiten mieten könnten, wäre das sehr hilfreich. Es gibt auch ein Gebäude, das wir im Blick haben, das müsste dann allerdings noch renoviert werden, um es fürs Kinderzentrum zu nutzen.

Weitere Infos zum Jahresprojekt finden Sie auf unserer Website.

Jahresprojekt 2019: Kindergarten Kombinat

Ali ist fünf – also das Alter, in dem man mit Modellautos spielt, sich für Teddybären noch nicht zu alt ist, und vielleicht schon vom Fahrradfahren träumt. Aber Ali hatte ganz andere Sorgen. Den ganzen Tag kümmerte er sich um seinen kleinen Bruder. Gar nicht so einfach, denn der kleine Bruder hat Down-Syndrom und ist erst ein Jahr alt. Die Mutter wollte ihn eigentlich gar nicht zur Welt bringen. Vier Jungs hatte sie ja schon, und alle von unterschiedlichen Männern. Das ist nicht ungewöhnlich, wenn man als Prostituierte arbeitet. Fünf Jungs, kein Vater – da muss ein Fünfjähriger schon mal an etwas anderes denken als Modellautos und Fahrradfahren.

Als Mitarbeiter unseres örtlichen Partners die Familie kennenlernten, war die Mutter gerade im Krankenhaus, um ihr jüngstes Kind abtreiben zu lassen. Glücklicherweise konnte sie umgestimmt werden. Die älteren Jungs sind jetzt im Kinderzentrum, für den Kleinsten konnte ein kostenloser Platz bei der albanischen Stiftung für Kinder mit Down-Syndrom organisiert werden, und Ali, der Vierte, besucht den Kindergarten. Dort kann er endlich mit Modellautos spielen, und auch mit den Teddybären hat er sich angefreundet. Noch besser: Im Kindergarten gibt es Jungs in seinem Alter, mit denen er unbekümmert spielen kann. Mittags bekommt er auch eine nahrhafte Mahlzeit. Als die Leiterin des Kindergartens ihn fragte, warum er immer so viel isst, sagte er nur: “Zuhause gibt es nichts zu essen.”

„AM-EL“ heißt der Kindergarten in Kombinat, am Rande Tiranas: das heißt so viel wie „sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen“. Hoffnung für Kinder wie Ali – oder Delin und Anila, Bruder und Schwester aus einer Roma-Familie. Der Vater ist arbeitslos, die Mutter arbeitet auf der Haupt-Müllkippe Tiranas und sortiert den ganzen Tag stinkendes Plastik. Die beiden älteren Geschwister gingen nicht zur Schule, als unsere einheimischen Mitarbeiter sie trafen. Jetzt besuchen sie das Kinderzentrum, und Delin und Anila kommen zum Kindergarten. Das ist doch besser als Müllkippe!

Im April 2018 wurde der Kindergarten in Kombinat gegründet – trotz einiger Herausforderungen, “aber es hat sich gelohnt”, betont der Leiter unseres Partners in Kombinat. “Es hat sich gelohnt, weil wir sehen können, wie so viele Kinder und Familien durch diesen Kindergarten positiv beeinflusst werden. Unser Kindergarten soll Familien gute Werte vermitteln und den Kindern beibringen, wie sie ein Leben voll Freude und Hoffnung leben können. In unserem Teil der Welt wirkt es manchmal, als ob es keine Hoffnung mehr gibt. Aber wir können beobachten, wie die Familien, die ihre Kinder hierher bringen, viel fröhlicher und dankbarer sind.” Und der Kindergarten ist ja auch nicht nur ein Betrieb – von den 22 Kindern, die derzeit angemeldet sind, kommen drei aus schwierigen sozialen Verhältnissen und besuchen den Kindergarten kostenlos: Ali, Delin und Anila.

Der Kindergarten ist von Montag bis Samstag von 7.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Die Kinder (2–5 Jahre alt) beginnen mit Frühstück, dann machen sie in drei Altersgruppen ein paar Aufgaben und Aktivitäten, die bestimmte Fertigkeiten fördern, und spielen gemeinsam. Um 12 gibt es Mittagessen; danach gehen ein paar Kinder nach Hause, die anderen machen bis 15 Uhr Mittagsschlaf und spielen dann bis 17 Uhr. Jeden Tag gibt es auch für alle Gruppen eine besondere Unterrichtsstunde, die von Ehrenamtlichen angeboten wird: zweimal Musik, einmal Tanz und dreimal Englisch.

Ein normales Kindergartenprogramm? Für Ali, Delin und Anila ist es ein Tagesablauf, von dem sie vorher nur träumen konnten. Und der ihnen jetzt das schenkt, was sie so dringend benötigen: Freude für Heute, und Hoffnung, dass Morgen ebenso schön wird.

Unser Jahresprojekt 2019

Wozu Schule, wenn man ohnehin im Unterricht nicht mitkommt? Wenn man dort nur Ablehnung erfährt? Wo man doch auf der Straße wenigstens ab und zu etwas zu essen finden kann? Und die Eltern sich gar nicht darum scheren, wo man den ganzen Tag verbringt … wenn man überhaupt Eltern hat? – Straße oder Schulbank? Das entscheiden Kinder aus Randgruppen in Tirana, der Hauptstadt Albaniens, täglich neu.

Für Samuel aus Kombinat, einem Stadtteil am Rande Tiranas, ist die Antwort klar: Natürlich Schulbank! Im Kinderzentrum erhalten er und andere Kinder das, was ihnen sonst gefehlt hat: Hilfe bei den Hausaufgaben, individuelle Aufmerksamkeit, das Wissen, geliebt und wertvoll zu sein. Auch eine nahrhafte Mahlzeit bekommen die Kinder – für viele die einzige am Tag.

Seit Frühjahr 2018 gibt es auch einen Kindergarten, damit schon die Kleinsten einen Ort haben, an dem sie geborgen sind und gute Werte lernen. Damit die Projekte möglichst bald finanziell unabhängig werden, ist noch Unterstützung nötig. Straße oder Schulbank? Helfen Sie mit, dass Kinder wie Samuel weiterhin die richtige Antwort wissen!

Für das Jahresprojekt strebt Helping Hands Gesamtspendeneinnahmen von 17.500 Euro an. Alle Spenden kommen zu 100% Kinderzentrum und Kindergarten in Albanien zugute. Bitte überweisen Sie Ihre Spende mit Vermerk „Jahresprojekt 2019“ auf das Konto von Helping Hands e.V. bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394, BIC: HELADEF1GEL. Das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) bestätigt, dass Helping Hands e.V. mit den anvertrauten Mitteln sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht.

Die PROJEKTE

Unser Hauptanliegen ist, dass die Kinderprojekte in Kombinat möglichst bald finanziell unabhängig werden; daran arbeiten wir gemeinsam mit Ergest, dem örtlichen Leiter. Unter anderem wird in diesem Zusammenhang noch anfängliche Unterstützung für ein zusätzliches Lehrergehalt benötigt.

Weitere einmalige Investitionen, die für Kindergarten und Kinderzentrum notwendig bzw. hilfreich sind, können je nach Spendenlage getätigt werden: Küchenutensilien, Überwachungskameras (das ist nach neuem albanischem Gesetz Pflicht), Computer für Informatik-Unterricht im Kinderzentrum, Waschmaschine für den Kindergarten.

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