Der entscheidende Schritt

STEP-Bildungsprogramm im Libanon verändert Kinderleben nachhaltig

„Diese Kinder, sie kommen alle aus zerrütteten Familien. Sie haben kein Geld, sie haben nichts. Einige sind Waisenkinder; fast alle Familien sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Die Hälfte kam erst kürzlich aus Syrien. Diese Kinder sind enorm traumatisiert; die meisten mussten mit ansehen, wie Menschen vor ihren Augen getötet wurden.

Und wenn sie dann hier angekommen sind … keiner weiß so recht, wie sie überleben. Das Familieneinkommen reicht meist kaum für die Miete; deshalb wohnen oft zwei oder drei Familien gemeinsam in einer Wohnung. Kleidung können sie sich nicht wirklich leisten; viele Kinder haben keine Winterjacke, nicht einmal Socken!“

Vor über zehn Jahren wurde das „STEP“ Bildungsprogramm für syrische Kinder im Libanon gegründet, die aus verschiedenen Gründen – meist fehlenden Papieren – keine staatliche Schule besuchen können. Seit 2019 wird es als Nachmittagsprogramm an der NES-Schule in Beirut angeboten; acht zertifizierte Lehrer unterrichten Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse in den Fächern Arabisch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Sport und Religion nach offiziellem Lehrplan. Derzeit besuchen 168 Kinder das Programm – und zahlreiche weitere stehen auf der Warteliste.

„Für mich ist das STEP Programm wie eine Mission“, erklärt Jerome, STEP-Koordinator. „Ich sehe diese Kinder, die nichts haben, die keine Perspektive haben – aber wir sehen auch die Veränderung in ihrem Leben, sozial, emotional, akademisch. Das Umfeld der Kinder außerhalb der Schule ist hart. Manche sind Waisen, viele müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Wir haben gelernt, sie ganzheitlich zu fördern – und ihre zweite Familie zu sein!“

Das ist die Realität vieler Kinder im STEP-Programm: den ganzen Vormittag arbeiten, um Geld zu verdienen, beim Frisör, im Straßencafé, in Gemüseläden … und dann am Nachmittag von 15 Uhr bis 18.30 Uhr Schulunterricht, danach noch Hausaufgaben oder mehr Arbeit. Ein Fünftklässler schuftet von 6 Uhr morgens bis 14.30 Uhr in einem Gemüseladen und verrichtet dort die ganze harte Arbeit: für einen Dollar pro Tag. Seine gesamte Familie – mindestens fünf Personen – ist von seinem Gehalt abhängig. Von der Arbeit aus kommt er direkt in die Schule.

„Dieser Junge ist ein Mathegenie, der Klassenbeste“, berichtet Sophia, Educational Coordinator für STEP. „Und es ist meine Entscheidung, wie ich reagiere: Ich kann mit ihm schimpfen, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, oder ich kann anerkennen, dass er den ganzen Tag hart gearbeitet hat und ihm zehn Minuten Zeit geben, um seine Aufgaben zu machen. Auf diese Art hat er sich in allen Fächern enorm verbessert!“

Jedem einzelnen Kind eine gerechte Chance zu ermöglichen und einen sicheren Zufluchtsort zu schenken – das ist die Mission des STEP-Teams. Dazu gehört auch die Förderung individueller Talente: wie der Junge, der seinem Vater den ganzen Tag in einem Straßencafé hilft und nebenher Zeichnungen macht, die er dann in der Schule verkauft; im vergangenen Dezember arrangierte die Schule eine Ausstellung für ihn, um sein kleines „Gewerbe“ zu unterstützen.

Aber dazu gehört ebenso, den Kindern ein wenig Licht in ihrem Alltag zu schenken. „Diese Kinder haben nichts – sie wissen nicht mal, was es bedeutet, Spaß zu haben. STEP ist alles, was sie haben! Deshalb versuchen wir auch ein paar besondere Aktivitäten für sie anzubieten – zum Beispiel kreative Projekte im Unterricht, ein Fußballturnier, etwas Besonderes an Feiertagen, kleine Geschenke zu Weihnachten. Einmal hatten wir eine Hüpfburg, die Kinder konnten es kaum fassen, sie spielten und spielten … das wird ihnen für immer in Erinnerung bleiben. Ihr Alltag ist ansonsten so traurig!“

Seit Frühjahr 2025 kann im Rahmen des neuen NES-Therapieprogramms auch für STEP-Schüler psychologische Beratung und personalisierte Traumatherapie angeboten werden. Denn bei diesen Kindern ist der Bedarf besonders groß. Sarah, die Schultherapeutin, kümmert sich intensiv um die Kinder und freut sich über jeden großen oder kleinen Erfolg. Auch mit dem Jungen, der im Gemüseladen arbeitet, hat sie viel Zeit verbracht. „Anfangs konnte er niemandem so wirklich in die Augen schauen, er saß immer mit hängendem Kopf da … aber jetzt hat sich seine Perspektive völlig verändert, er lässt sich nicht mehr zum Opfer machen, es geht ihm wirklich viel besser!“

Aber das STEP-Team möchte nicht nur für die Gegenwart der Kinder ein Hoffnungslicht sein, sondern auch für ihre Zukunft eine echte Perspektive schenken. Dafür kann, nach jahrelanger Vorarbeit, in diesem Jahr ein entscheidender Schritt gemacht werden. Zum ersten Mal wird eine 6. Klasse angeboten – und zum ersten Mal können diese Sechstklässler am Ende des Schuljahrs auf eine Berufsschule wechseln. Dort können sie aus verschiedenen Ausbildungszweigen wählen und einen Beruf erlernen, mit dem sie dann ein adäquates Einkommen verdienen.

„Ich finde es einfach großartig, was jetzt möglich ist“, betont Sophia. „Bisher hatten diese Kinder keine Zukunft, viele endeten auf der Straße, haben unter den Brücken Taschentücher verkauft … und diese Kinder haben so viel Potential! Doch jetzt können sie lernen, was sie möchten: Ingenieur, Modedesigner, Buchhalter, egal was! Sie erhalten ein Zertifikat und können einen guten Job finden. Hier bei STEP bekommen sie die Grundlagen, die sie benötigen, und später haben sie einen richtigen Beruf – das verändert ihr Leben nachhaltig, es ist einfach toll!“

Auch Marlene, Schulleiterin der NES, ist begeistert über diese neue Entwicklung: „Das ist das Wichtigste: dass sie ihre Ausbildung weiterführen können. Vor allem für die Mädchen – viele Eltern wollen sie einfach nur verheiraten. Wir arbeiten intensiv durch Schulungen und Einzelberatung daran, dass Eltern verstehen, wie wichtig Bildung für ihre Töchter ist.“

Der erste entscheidende Schritt in eine Zukunft, die den Teufelskreis von Armut und Perspektivlosigkeit durchbricht: Das ist das „STEP“-Programm der NES im Libanon. Und dafür setzt sich das STEP-Team mit viel Energie und Hingabe ein, denn „wenn wir ihr Potential sehen, dann können wir richtig in sie investieren, dann kann sich ihr Leben um 100% verändern!“, bekräftigt Bildungskoordinatorin Sophia. „Es ist ja meine Entscheidung, wie ich die Kinder behandle – und ich bin so froh, dass ich mich entscheiden darf, einen wirklichen Unterschied in ihrem Leben zu machen!“

 

Helping Hands e.V. hat das STEP-Programm seit seiner Gründung 2014 umfassend gefördert; momentan vor allem durch Patenschaften und Schulpäckchen. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass noch mehr Kinder aus Flüchtlingsfamilien im Libanon den entscheidenden Schritt in eine bessere Zukunft machen können, dann spenden Sie bitte mit dem Vermerk „STEP Libanon“ (zur Online-Spende).

Eine Geschichte mit Happy End?

Lunathi, Leiter des Bonani-Kinderzentrums in Südafrika, erzählt

„Als meine Oma starb, da dachte ich: Mein Leben ist zu Ende. Sonst hatte ich ja niemand! Ich war mir sicher: Jetzt hab ich keine Zukunft mehr.“

Elf Jahre alt war Lunathi damals – elf Jahre Kummer, Scham, und Einsamkeit. Die Mutter war kurz nach seiner Geburt verschwunden, der Vater schon immer stark alkoholabhängig – und das ganze Dorf wusste von ihrer Schande. In dem kleinen Kalinyanga nahe Engcobo im Ostkap Südafrikas waren die Chancen für Kinder aus ärmeren Haushalten ohnehin sehr gering. Für einen Jungen ohne Familie war von vornherein klar: Ich kann ja doch nichts aus meinem Leben machen.

Zwar kümmerte die Großmutter sich um den verlassenen Enkel, aber da waren auch noch die zahlreichen Cousins und Cousinen, Onkels und Tanten, die ihre Aufmerksamkeit forderten und dem kleinen Neffen nicht gerade ein Gefühl der Geborgenheit vermittelten.

„Ich wuchs in einem sehr gefährdeten Umfeld auf“, erinnert sich Lunathi. „Ich fühlte mich nie sicher – denn ich hatte ja keine Eltern, die einen Ort der Sicherheit für mich schaffen, die mir das Gefühl geben, geliebt zu sein.

Als meine Oma dann auch noch starb, da wusste ich nicht mehr weiter. Wozu sollte ich überhaupt weiterleben? Ich wurde stark depressiv; ich hatte keine Perspektive mehr.“

Für ein paar Jahre nahmen verschiedene Dorffamilien den heimatlosen Jungen bei sich auf, doch nirgendwo fühlte er sich so recht daheim. Bis Mama Ayanda, eine leitende Person im Dorf, dem inzwischen Vierzehnjährigen ein Obdach bot.

Das war für Lunathi die entscheidende Wendung. Denn Mama Ayanda – mit ihrer liebevollen, fürsorglichen Art, mit ihrem unerschütterlichen Glauben an das Potential vor allem auch in den Personen, die die Gesellschaft schon abgeschrieben hat – Mama Ayanda gab dem einsamen Teenager nicht nur eine Bleibe, sondern war ihm eine Mutter und schenkte ihm eine echte Heimat.

„Ich bin so dankbar für alle, die mir eine Zuflucht gaben, die mir einen sicheren Ort schenkten. Ich habe wieder gelernt zu träumen, ich konnte wieder eine Zukunft sehn.“

Allen ursprünglichen Erwartungen zum Trotz schaffte Lunathi den Absprung. Er beendete seine Ausbildung, fand Freunde, die ihm in Kapstadt einen Neustart ermöglichten, engagierte sich dort viele Jahre in einem karitativen Werk, besuchte Weiterbildungen für den Umgang mit Kindern aus gefährdetem Umfeld, baute sich ein neues Leben in der Großstadt auf.

Eine Geschichte mit Happy End?

Ja – aber ein Happy End, das nicht nur der Hauptfigur eine glückliche Zukunft verspricht!

Denn nach einigen erfolgreichen Jahren in Kapstadt entschloss Lunathi sich, in sein Heimatdorf zurückzukehren.

„Ich wusste: Da sind so viele Kinder in meinem Dorf, denen es genauso geht wie mir damals, die aufwachsen ohne Sicherheit, ohne Menschen, die sie liebhaben, und denen oft das Nötigste fehlt. Ich wollte, dass sie die gleiche Chance bekommen, die ich erhalten habe. Ich wollte, dass wir für diese Kinder einen Ort schaffen, wo sie sicher sind.“

Für die Kinder in Kalinyanga hat sich seit Lunathis Kindheit nichts gebessert. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, viele der ärmeren Familien leben größtenteils von der mageren staatlichen Rente der Großeltern – oft mehr als zehn oder fünfzehn Personen pro Haushalt. Zahlreiche junge Mädchen sehen ihre Zukunftschance darin, schnell ein paar Kinder in die Welt zu setzen, um dann vom ebenfalls nicht üppigen staatlichen Kindergeld ihre eigenen Wünsche nach Konsumgütern und Entertainment zu befriedigen – für die Grundbedürfnisse der Kinder bleibt kaum etwas übrig. Hunderte von Kindern wachsen auf mit der Überzeugung, dass sie nicht gewollt und nicht geliebt sind. Bei ungenügender Ernährung, mangelhafter Hygiene und fehlenden Ressourcen für den Schulbesuch ist ihre Chance auf eine gesunde Entwicklung gleich Null.

Um das zu ändern, dafür kehrte Lunathi nach Kalinyanga zurück. Gemeinsam mit Mama Ayanda gründete er das „Bonani“ Kinderzentrum. Was als Suppenküche für mangelernährte Kinder begann, wurde bald auf ein Bildungsprogramm ausgeweitet.

„Die Kinder kommen nach der Schule zu uns und bekommen erst mal eine nahrhafte warme Mahlzeit. Dann machen sie ihre Hausaufgaben und wir helfen ihnen dabei. Wir haben auch andere Programme, die ihre Gaben und Fertigkeiten fördern – zum Beispiel Tanz und Musik. Und vor allem ist Bonani einfach ein Ort, wo die Kinder hinkommen können und spielen und sich sicher und geborgen fühlen dürfen.

Unsere Vision ist dieser sichere Ort für die Kinder, wo wir sie auch in ihrer Bildung und gesundem Wachstum fördern können; ein Ort, an dem sie geliebt sind und wo sie selbstbewusst auf ihre Zukunft blicken können, auf ihre Träume – darin möchten wir sie unterstützen.

Unser Ziel ist aber auch, die ganze Dorfgemeinschaft positiv zu entwickeln, sodass die Eltern selbst gut für ihre Kinder sorgen können. Wir möchten die Familien stärken, ihr Bewusstsein für Themen wie angemessene Ernährung öffnen, wir möchten für Eltern Einkommensmöglichkeiten schaffen. Im Endeffekt sollen die Kinder sich überall sicher fühlen können – bei uns im Bonani-Zentrum, aber auch daheim bei ihren Familien.“

Eine Geschichte mit „Happy End“ für die Kinder in Kalinyanga?

Ja, denn an diesen vielen kleinen Erfolgsgeschichten von jungen Menschen, die geliebt und wertgeschätzt aufwachsen und eine greifbare Chance für die Zukunft haben – daran arbeiten Lunathi und Mama Ayanda mit ihrem kleinen Team von Mitarbeitern und mit einer Liebe und Hingabe, die zum Mitmachen begeistert.

Seit letztem Jahr dürfen wir sie als Helping Hands Team darin unterstützen. Beim paXan-Einsatz 2025 konnten zwei unserer Mitarbeiter sich vor Ort vom Bonani-Projekt überzeugen und die Kinder in Kalinyanga persönlich kennenlernen. Und jedes einzelne dieser Kinder hat eine Zukunft!

Damit diese Zukunft wirklich greifbar wird, suchen wir noch dringend Patenschaften für Kinder im Bonani-Kinderzentrum. Wenn Sie ein Teil dieser „Geschichte mit Happy End“ sein möchten, dann wählen Sie im Online-Patenschaftsformular bitte die Option „Südafrika: Bonani Kinderzentrum“ oder überweisen mit dem Verwendungszweck „Bonani Kinderzentrum“. Weitere Infos (auch Online-Spende) zum Projekt finden Sie auf dieser Seite.

Ein Leuchtturm im Ozean des Elends

Wie die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia Kinderleben nachhaltig verändert

Wir stehen in einem winzigen, dunklen Raum, in der hintersten Ecke eines kleinen Compounds, zu dem von der staubigen Nebenstraße des Slums eine klapprige Blechtür führt. Die Kammer ist fast völlig ausgefüllt von einem Bett; auch ein kleiner Gaskocher hat noch Platz. Übers Bett und den schmutzigen Boden quer verteilt liegen Kleidungsstücke, leere Tüten, mal hier ein Heft und da ein Schuh.

Auf dem Bett sitzt Kiah*, blickt uns verwirrt an, als wir das Zimmer betreten. Ihr Jüngster hockt neben ihr und isst aus einer Plastiktüte; alle anderen sind in der Schule.

Geduldig stellt Bentina, die Schulleiterin, ein paar Fragen an die junge Mutter, erkundigt sich nach ihrem Ergehen, gibt einige Ratschläge. Sie weiß: Noch bis vor kurzem ging es Kiah und ihren Kindern viel schlechter. Da lebten sie noch auf der Straße, bis sich das Schulpersonal ihrer annahm und ihnen einen Wohnraum verschaffte.

Kiah leidet seit ihrer Kindheit an einer geistigen Behinderung. Deshalb landete sie auf der Straße, nahm Drogen. Es kam, wie es kommen musste: Sie wurde schwanger. Inzwischen hat sie vier Kinder; wer die Väter sind, weiß keiner.

Aber wer kümmert sich denn um die Kinder, nachdem die Mutter es offensichtlich selbst nicht kann?

„Wir kümmern uns“, antwortet Bentina schlicht. „In der Arche-Schule bekommen sie all ihre Mahlzeiten; wir schauen regelmäßig nach der Familie und sorgen für alles, was sie brauchen. Durch die Patenschaften ist auch ihr Schulgeld gedeckt.“

Und noch mehr bekommen Kiahs Kinder hier: Liebe und Fürsorge. Zeit und ein offenes Ohr. Wertschätzung und Respekt. Für sie ist die Arche-Schule ihr Zuhause.

Seit 25 Jahren ein „Leuchtturm“

Und sie sind nicht die einzigen, auf die das zutrifft! Im letzten Vierteljahrhundert hat die Arche-Schule im Kariobangi-Slum in Kenia hunderte von Kinderleben nachhaltig verändert. Das liegt nicht zuletzt an der Vision von Bentina und Bernard, dem leitenden Ehepaar, und dem großartigen Kollegium an der Schule. Auch die Community selbst hat ihren Teil dazu beigetragen, dass die Arche-Schule zu einem Leuchtturm im Ozean des Elends geworden ist.

Vor 25 Jahren waren Bentina und Bernard in Kibera, dem gigantischen Elendsviertel am Rande Nairobis, tätig, als sie gebeten wurden, in Kariobangi Kurse für Erwachsenenbildung anzubieten. Schon nach kurzer Zeit sagten die Männer und Frauen in den Kursen: „Wir kommen hierher um zu lernen, aber unsere Kinder sitzen zuhause und lernen nichts. Könnt ihr nicht vormittags unsere Kinder unterrichten, und uns nur abends?“

So begann 1999 auf Bitte der Familien die Arche-Schule – und bis heute sieht es die Community als „ihre Schule“ an, sorgt für Sicherheit trotz des gefährlichen Umfelds, löst religiöse Konflikte, engagiert sich in Gremien, hilft ehrenamtlich bei Renovierungsarbeiten, kümmert sich „um jedes Kind auf der Straße, das einen roten Arche-Pulli trägt“. Vom Kindergarten mit einer Handvoll Kindern wuchs die Arche über die Jahre zu einer vollen Schule mit mehreren Gebäuden und 450 Schülern bis zur 8. Klasse. Durch eine  kürzliche landesweite Umstellung des Schulsystems kann das bald bis zur 9. Klasse und einem Schulabschluss auf Niveau einer mittleren Reife ausgeweitet werden; derzeit wartet die Schule noch auf die endgültige Genehmigung für diesen Schritt.

Eine ganz besondere Atmosphäre

Die Eltern aus Kariobangi sind unglaublich dankbar, dass sie ihre Kinder an die Arche-Schule schicken können. Denn die zeichnet sich nicht nur durch eine gute Schulbildung aus, sondern eine so herzliche, respektvolle Atmosphäre, dass sie wahrlich wie ein Leuchtturm aus dem rauen Umfeld des Slums hervorsticht.

„In den öffentlichen Schulen werden die Kinder heute noch geschlagen und angeschrien“, erklärt Bentina. „Und wenn nicht, dann gibt es keinerlei Disziplin. An der Arche machen wir das anders – das lernt jeder neue Lehrer gleich als erstes. Und es funktioniert! Die Eltern sagen, dass die Arche Kinder viel besseres Benehmen haben als andere. Manchmal schicken die Behörden schwierige Kinder von anderen Schulen zu uns, weil sie sich hier am ehesten Erfolg versprechen.“

Wenn man in der Arche den Unterricht besucht, merkt man diese Atmosphäre sofort. Kein Lehrer muss die Stimme erheben, alle gehen geduldig und liebevoll auf die Schüler ein, trotz teils völlig überfüllten Klassenräumen. Aber die Kinder nutzen das nicht aus, sondern halten sich an – teilweise selbst aufgestellte – Regeln und danken den Lehrern durch Gehorsam und einer Disziplin, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Auch untereinander achten die Kinder aufeinander, kümmern sich um solche, die im Unterricht nicht so gut mitkommen. Und wenn nachmittags die Schule aus ist, merkt man, dass die meisten Kinder lieber dableiben würden.

Investition in die Zukunft

„Die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin“ – immer wieder höre ich diesen Satz von Absolventen, von denen fast jeden Tag welche an der Schule vorbeikommen um Hallo zu sagen, oder auch, um ehrenamtlich in den Kindergartenklassen und der Bibliothek mitzuhelfen. Einer davon ist Shakur*.

Shakur ist heute 20 Jahre alt und hat vor einigen Jahren von der Arche absolviert und dann, dank eines Stipendiums, das die Arche für Highschooler organisiert, den offiziellen High School Schulabschluss geschafft. Jetzt wartet er auf die notwendigen Dokumente, um im September eine Berufsausbildung zu beginnen. Als er vorbeikommt und mal wieder im Büro seiner Schulleiterin sitzen darf, strahlt er übers ganze Gesicht – genau so, als ob er nach Hause gekommen ist und endlich seine Familie wiedersieht. Und Bentina heißt ihn wie einen lieben Sohn willkommen, hört ihm zu, ermutigt ihn.

„Das Leben da draußen ist nicht einfach“, gibt Shakur zu. „Alle Jungs in meinem Alter sind drogenabhängig, haben die Schule abgebrochen, die Mädels sind schwanger. Ich bin der einzige, der anders ist, der einzige, der einen Schulabschluss hat. Und ich bin so froh darüber!“

Voll Zuversicht strahlt er seine Schulleiterin an, dann blickt er kurz aus dem Fenster. „Ich vermisse die Arche. Einige meiner Geschwister sind noch hier. Ich möchte ein Vorbild für sie sein. Ich bin so dankbar für die Arche – die Arche hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin!“

Dorothea Gschwandtner

 

Dieser Bericht basiert auf einem Projektbesuch unserer Geschäftsführung im Februar 2024. Als Helping Hands e.V. unterstützen wir die Arche Schule seit mind. 15 Jahren; u.a. durch Einzelprojekte wie die Fertigstellung des derzeitigen Schulgebäudes mit Inventar, Lehrerausbildung, Hygienestationen u.v.m. Seit 2022 vermitteln wir Patenschaften für Kinder an der Arche-Schule, denn vor allem seit Corona können sich viele Familien nicht das gesamte Schulgeld leisten. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

Derzeit sind wir in Gesprächen mit der Schulleitung, um ein umfassenderes Angebot für Familien zu erarbeiten und durch Schulungen und Investition in Kleinstunternehmen die wirtschaftliche Lage der Familien nachhaltig zu verbessern. Dazu folgen in den nächsten Wochen noch weitere Informationen.

* Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

Eine Vision wird Wirklichkeit

Wie das Straßenkinderzentrum „A-MI-4“ in Madagaskar Familien verändert

„Mauvais quatre mi“ – auf vier Arten schlecht – dieses französische Sprichwort wird in Madagaskar genutzt, um Straßenkinder zu beschreiben: ihr Zuhause, ihr Benehmen, ihre Sprache, ihren Auftritt.

„A-MI-4“ heißt dagegen das Straßenkinderzentrum, das unser örtlicher Partner 1997 mit 100 Kindern in Antananarivo begann: Ankizy (Kinder) – MIno (glauben) – MIanatra (lernen) – MItombo (wachsen) – MIkajy ny zony (ihre Rechte respektieren). Denn hier werden diese Kinder als wertvoll erachtet und erfahren nachhaltige Veränderung: „Dass die Leben dieser Kinder völlig verändert werden, das erhoffe ich mir – und nicht nur ihre eigenen Leben, sondern auch später die ihrer Kinder!“, so beschreibt Therese R., die das Zentrum von 1999 bis 2018 leitete, ihre Vision.

Eine Vision, die fast Unmögliches für möglich hält! Denn die Kinder kommen aus nicht sehr vielversprechenden Verhältnissen. Über 80% der Kinder kennen ihre Väter – wenn überhaupt – nur als Männer, die, grundsätzlich betrunken, immer mal vorbeikommen, um ein weiteres Kind in die bereits kinderreichen Familien zu setzen – und dann bleiben die Mütter alleine zurück und müssen sehen, wie sie den Nachwuchs am Leben erhalten. Chronische Unterernährung ist die Norm, sodass die Kinder ihr Leben lang unter Lernschwierigkeiten leiden.

„Straßenfamilien“ finden ein Zuhause

„Straßenfamilien“ wäre vielleicht der bessere Begriff, um das Umfeld dieser Kinder zu beschreiben. Nur ca. 10% sind Vollwaisen, aber die meisten Familien leben oder lebten ursprünglich auf der Straße. „Diese Familien haben keine Unterkunft“, berichtet Therese, „sie schlafen unter Brücken oder wo auch immer sie Zuflucht finden können, unter Plastik, in Kartons … Wir haben das Projekt mit diesen Kindern und ihren Familien begonnen. Und zuallererst haben wir ihnen beigebracht, nicht im Müll nach ihrer Nahrung zu suchen. Wir haben ihnen geholfen, Arbeit zu finden, zum Beispiel Wäsche waschen oder Wasser tragen. Und wir haben sie mit Grundstücksbesitzern vermittelt, die ihnen erlaubt haben, eine kleine Hütte aus Holz zu bauen und dem Besitzer für den Boden ein wenig Miete zu bezahlen. Innerhalb weniger Monate schliefen sie nicht mehr auf der Straße, sondern hatten ihr eigenes Dach überm Kopf, und haben das dann genutzt, um jeden Tag etwas Geld zu verdienen. Wir sehen so viel Unterschied in ihrem Leben! Wir haben uns auch weiterhin jeden Monat mit ihnen getroffen und sie gelehrt, ihre Probleme dort anzupacken, wo sie sind.“

Heute sind diese Familien keine „Straßenfamilien“ mehr. Aber sie sind immer noch sehr arm und schaffen es so gerade, mit ihrem mageren Einkommen die Familie über Wasser zu halten. Und dann sind da natürlich immer neue „Straßenfamilien“, um die das Zentrum sich kümmert, um ihnen zuerst eine Bleibe und dann eine Hoffnung für die Zukunft zu geben.

Ganzheitliche Förderung von Kindern und Familien

Diese Hoffnung sieht, mehr als 25 Jahre nach der Gründung, konkret so aus: Die Kinder (ab 6 Jahren) schlafen zwar bei ihren Familien, erhalten aber Frühstück und Mittagessen im Zentrum. Die Grundschüler (Klasse 1 bis 4) besuchen auch im Zentrum den Unterricht; von der 5. bis zur 9. Klasse besuchen sie eine öffentliche Schule, wenn möglich werden sie auch noch in der Oberstufe und Universität gefördert. Neben dem akademischen Unterricht lernen die Kinder auch Hygiene und Körperpflege (inkl. Wäsche waschen) und erhalten medizinische Fürsorge.  Ihre sozialen Fertigkeiten werden gefördert, auf dem großen Schulhof können sie Sport und Spiele machen, und sie erhalten moralische und geistliche Unterweisung. Mit den Eltern finden wöchentliche Treffen statt; die Lehrer und anderen Mitarbeiter werden durch regelmäßige Teamtreffen und Weiterbildungen gefördert.

Die Mitarbeiter des A-MI-4-Zentrums in Antananarivo sehen es als ihre Mission, „die ganzheitliche Entwicklung von Kindern zu fördern, die Grundrechte der Kinder zu schützen und zu verbessern“ und ihnen einen sicheren Ort zu geben, an dem sie sich geliebt fühlen – „damit sie in Zukunft ein besseres Leben führen können“. Dass sie dieses Ziel erreichen, und auch die Vision von Therese R. Wirklichkeit wird, dass zeigen die Erfolge: Inzwischen haben schon einige der Kinder eine Universitätsausbildung absolviert, sogar ein paar Masterabschlüsse waren dabei.

Zum Beispiel Mathieu*, den ein Mitarbeiter des Zentrums entdeckte, als er im Müll nach Essen suchte. Er konnte die Mutter überzeugen, den Zehnjährigen in die Schule zu schicken. Inzwischen hat er die Universität abgeschlossen, völlig verändert durch das A-MI-4-Zentrum.

Oder Raphael*, der erzählt: „Ich begann hier in der 1. Klasse; damals war ich 6. Meine Eltern sind verstorben. Gott hat mir durch das Street Kids Center eine Tür geöffnet, damit ich eine gute Ausbildung bekommen kann. Vor zwei Jahren habe ich meinen Abschluss gemacht und studiere jetzt an der Universität. Mein Leben hat sich durch das Zentrum wirklich verändert!“

Die meisten Kinder schaffen es zwar nicht so weit – durch die Mangelernährung im Kleinkindalter reichen ihre geistigen Fähigkeiten meist nur für den Abschluss in der 8. oder 9. Klasse, manchmal sogar weniger. „Aber selbst diejenigen, die die Schule nicht mit guten Noten abschließen, haben ein viel besseres Leben“, betont Therese. „Sie sind als Erwachsene viel bessere Eltern, sie verhalten sich besser, behandeln ihre Familien besser, finden Schulen für ihre Kinder und angemessene Arbeit für sich selbst.“

Nachhaltige Veränderung

Denn auch das gehört zur Vision von Therese und ihrem Mann Richard: „In diesem Zentrum möchten wir nicht einfach nur den Kindern etwas zu essen geben – wir wollen Eltern beibringen, wie sie selbst ihre Lebensmittel anbauen können.“ Im übertragenen Sinne heißt das, was auch wir als Helping Hands uns vorgenommen haben: wirkungsvoll helfen und nachhaltig verändern. Dann wird nicht nur ein negatives Sprichwort ins Positive umgewandelt, sondern Chancenlosigkeit spürbar in Hoffnung verwandelt.

 

Das Straßenkinderzentrum „A-MI-4“ finanziert sich vornehmlich durch Patenschaften. Zwischenzeitlich besuchten 380 Kinder das Zentrum; derzeit sind es aufgrund von fehlenden Paten nur 250. Helping Hands hat das Zentrum seit 2007 mit Patenschaften unterstützt (insgesamt ca. 35; derzeit werden 17 Patenkinder gefördert).

Gerne vermitteln wir weitere Patenschaften für Kinder aus „Straßenfamilien“ in Antananarivo, damit sie wie Mathieu und Raphael eine echte Chance für die Zukunft haben können! Kontaktieren Sie uns bitte für Details: kinder@helpinghandsev.org.

 

* Namen geändert

Mit dem Fahrrad von Tür zu Tür

Kein ganz ungewöhnliches Bild in Bangladesch: Radler, die auf ihrem zu bedrohlichen Höhen beladenen Drahtesel auf schmalen Fußpfaden durch die Reisfelder flitzen. Heute könnte einer dieser Balancekünstler ein Lehrer unserer Kinderzentren sein! Seine oder ihre Mission: Hoffnung in der Not. Oder auch: Den Kindern und ihren Eltern die Mahlzeiten ermöglichen, die sie sich aufgrund des Lockdowns nicht mehr selbst verdienen können bzw. im geschlossenen Kinderzentrum nicht erhalten. Ein sehr willkommener Besuch! Die Lehrerin lädt die Pakete ab, lacht ein wenig mit den Kindern, tauscht sich aus mit den Eltern – natürlich alles maskiert und „auf Abstand“ – dann schwingt sie sich wieder aufs Rad und flitzt weiter. Bis zum nächsten Mal!

Bangladesch ist eines der Länder, in denen die Zahlen von Infektionen und Todesfällen aufgrund von Corona derzeit noch rapide ansteigen – ein Land, das ohnehin schon unter extremer Armut leidet und das mitten in der Coronakrise vom heftigen Wirbelsturm „Amphan“ heimgesucht wurde. Aber unsere Kollegen vor Ort sind Katastrophen „gewöhnt“ und so konnten sie schon in kürzester Zeit den mit ihren Projekten verbundenen Familien unter die Arme greifen, vor allem in den zahlreichen Kinderzentren.

Sie berichten, dass, nachdem die Regierung im März sämtliche Bildungseinrichtungen schließen ließ und später die Bewegungsfreiheit im Land stark einschränkte, unser Partner BNM in Absprache mit den Leitern der Kinderzentren für die Familien erste Hilfsmaßnahmen plante: „Die meisten Eltern der Kinder sind Tagelöhner, die auf Feldern arbeiten oder auf dem Bau, oder ein Kleinstunternehmen haben. Als der Lockdown begann, verloren diese Menschen ihre Arbeitsmöglichkeiten. Kleinstunternehmen sind geschlossen, und landwirtschaftliche Produkte werden nicht mehr in die Städte transportiert. Die Familien konnten sich kaum mehr eine ordentliche Mahlzeit pro Tag leisten.“

Um den Familien über die schlimmste Zeit zu helfen, verteilt unser Partner Lebensmittelpakete mit Reis, Linsen, Öl, Salz und Hygieneartikel wie Seife, Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken. Das findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Anstatt, wie sonst nach Katastrophen, Hilfsgüter an einer zentralen Stelle auszugeben, mieten sich die Mitarbeiter der Kinderzentren Fahrräder oder Fahrradtransporter und bringen die Hilfsgüter zu jeder Familie nach Hause. Dadurch können sie auch ein wenig Zeit (auf Distanz) mit den Kindern verbringen und sich erkundigen, wie es den Familien geht. Die Eltern sind sehr dankbar für diese Unterstützung!

In manchen Kinderzentren kommen ältere Kinder und holen die Pakete ab – natürlich unter Einhaltung des „social distancing“. Außerdem tragen alle Mitarbeiter Masken und Handschuhe.

Diese Verteilungen für Kinderzentren fanden inzwischen schon dreimal statt. Zusätzlich konnte BNM in Dhaka und Srimongol an insgesamt 2100 Menschen Lebensmittel- und Hygienepakete mit ähnlichem Inhalt ausgeben; nach dem Wirbelsturm Amphan im Südwesten des Landes fanden außerdem in Satkhira, Bagerhat und Khulna vier Verteilungen statt, in denen 6.200 betroffene Haushalte Pakete mit Reis, Linsen, Öl, Kartoffeln, Keksen, Seife, Waschmittel, Masken und Tabletten für die Wasserreinigung und gegen Durchfallerkrankungen erhielten; dies wurde teilweise von unserem deutschen Partner humedica e.V. unterstützt.

Da die Corona-Pandemie in Bangladesch noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, konzentriert sich BNM derzeit noch auf die akuten Bedürfnisse der Familien. Aber natürlich möchte unser Partner den Menschen langfristig neue Perspektiven eröffnen. Wenn sich die Lage stabilisiert hat, plant BNM ein Gesundheitsprojekt in Srimongol, im Norden des Landes ein Projekt, das Landwirtschaft und alternative Einkommensmöglichkeiten fördert, sowie ein weiteres Rehabilitationsprojekt im Süden des Landes.

Wenn Sie diese geplanten Maßnahmen unterstützen und benachteiligten Familien in Bangladesch nach dieser Krise neue Hoffnung geben möchten, überweisen Sie bitte mit Vermerk „Corona Bangladesch“ oder spenden Sie online.