Drei Lehrer drücken die Schulbank

In der Arche Schule in Nairobi, Kenia, werden auch Lehrern Träume erfüllt

„Der Lehrer Stephen machte 1999 sein Abitur. Er hatte gute Noten und hätte im Teacher Training  College Lehramt studieren können. Aber das geschah nicht, denn sein Vater war alkoholabhängig und kümmerte sich um nichts. Stephen beschloss, sich mit handwerklichen Arbeiten Geld zu verdienen. Zur Arche kam er zuerst als Reinigungskraft. Aber dann haben wir sein großes Talent entdeckt!
Jetzt lernt er im Teacher Training College, sein Lehrtalent zu perfektionieren. Er setzt alles um, was er im College lernt. Er ist auch sehr kinderbezogen: Wie ein Vater ist er für die Schüler und die Kinder mögen ihn sehr. Die Fertigkeiten und das Wissen, die er im College erhält, tragen auch dazu bei, dass unsere Schüler zu reifen Persönlichkeiten heranwachsen.“

„Die Lehrerin Martha kam vor sechs Jahren zu uns. Sie kommt aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihre Mutter starb, als sie klein war. Eine Stiefmutter zog sie auf, war aber sehr brutal zu ihr. Die Lage verschlimmerte sich noch, als sie einmal spät abends geschickt wurde, um Feuerholz zu holen, und von einer sehr giftigen Schlange gebissen wurde, sodass ihr rechter Fuß amputiert werden musste.
In der Schule war sie sehr gut und mit ihren Noten hätte sie problemlos zur Universität gehen können. Aber ihr Traum wurde zerschlagen, weil die Stiefmutter es verbot. Also rannte Martha davon und kam nach Nairobi, um nach Arbeit zu suchen, und so erhielt sie eine Chance in der Arche Schule. Sie ist eine sehr gute und strukturierte Lehrerin und diese Weiterbildung ist perfekt für ihre Talente und Interessen. Nach Aussagen ihrer Dozenten ist sie sehr intelligent und fleißig. Wir sind sicher, dass sie viel dazu beitragen wird, die akademische Qualität unserer Schule zu verbessern.“

„Der Lehrer George ist sehr innovativ. Er unterrichtet Mathematik und Naturwissenschaft. Er schloss sich letztes Jahr unserem Lehrerteam an, nach einem sehr traurigen Lebensweg. Schon als kleines Kind wurde er Vollwaise. Auf Zuckerrohrfarmen verdiente er sich einen Lebensunterhalt. Er arbeitete noch zusätzlich am Wochenende, und mit seinem geringen Gehalt bezahlte er die weiterführende Schule. Als er vor einem Jahr zu uns kam, machte er den Eindruck eines engagierten Lehrers. Nach der Probezeit waren wir uns einig: Obwohl er nur das Abitur besaß, war er ein sehr guter Lehrer, und es war für ihn nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung. Deshalb haben wir ihn auch für diese Weiterbildung empfohlen.
Auch George wird von seinen Schülern sehr gemocht. Er begleitet sie wie ein Bruder. Er hat wirklich eine gute Beziehung mit ihnen, vor allem wenn sie Fußball spielen. Wir als Schule sind so dankbar für diese Lehrer und ihre Hingabe, und dass wir alle gemeinsam als Team zusammenarbeiten, um unsere Schule auf ein höheres Niveau zu bringen.“

 

So schreibt Bentina, die Direktorin der Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, über die drei Lehrer, die – unterstützt durch Helping Hands e.V. – seit letztem Jahr eine Weiterbildung besuchen. Im Frühjahr 2019 berichtete die Arche Schule, dass aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen einige Lehrer der Arche nicht weiter unterrichten dürfen. Manche konnten die benötigten Papiere erhalten, andere benötigten eine Weiterbildung. Helping Hands beschloss, in diese Lehrer und damit in die Zukunft der Schule zu investieren.

Daher besuchen Stephen, Martha und George seit letztem Jahr ein Teacher Training College. Die berufsbegleitende Weiterbildung dauert zwei Jahre und umfasst sechs Module; Schulpraktika und Praxisexamen werden direkt in der Arche Schule absolviert und von Dozenten und Vertretern des Bildungsministeriums monatlich geprüft. Die Lehrer zahlen Reisekosten zum College in Machakos, Verpflegung und 10% der Unigebühren und Unterkunft selbst; der Rest wird aus den fördernden Spenden beglichen.

Drei Module haben die Lehrer bereits absolviert und sind enorm dankbar für die Möglichkeit, so ihr offizielles Lehrerzertifikat zu erhalten. „Sie sind alle unglaublich angetan … so viel hätten sie sich nie erarbeiten können, um das selbst zu bezahlen“, schreibt unser örtlicher Partner. „Diese Ausbildungsmöglichkeit ist wirklich die Erfüllung ihrer Träume!“

Rückblick: Jahresprojekt 2019

„Straße oder Schulbank?“ Oder vielleicht eher:
„Bücher oder Drogen?“

Gut, so ganz direkt wird wohl kaum einer unserer Kinder in Kombinat, Albanien, diese Entscheidung treffen müssen. Aber irgendwie doch: denn die richtigen Schulbücher sind erforderlich, um die Schule besuchen zu dürfen. Und die sind teuer! Für ältere Kinder kann das schon mal über 100 Euro kosten. Das kann sich doch keine Familie dort leisten! Eben nicht – und das bedeutet, dass viele Kinder einfach gar nicht zur Schule gehen. So wäre es auch für Gjergj gewesen, der älteste von sieben Jungs. „Wenn er nicht zur Schule gehen würde, dann wäre er sicherlich auf der Straße und im Drogenhandel verstrickt“, erklärt Gesti, Leiter unseres örtlichen Partners.

Aber Gjergj geht zur Schule – und er hat Schulbücher. Die hat er in unserem Kinderzentrum in Kombinat erhalten. Im Herbst sammelte eine Kinderkirche in Hessen, um die Kinder in Kombinat mit Schulmaterial zu unterstützen: Ihre ganz eigenen Füller, Buntstifte, Hefte, gleich zu Schulanfang – das war toll! Aus Spenden für unser Jahresprojekt 2019 konnten zusätzlich die Schulbücher für die älteren Kinder bezahlt werden. Eine Handvoll Bücher, die die Entscheidung trifft zwischen Straße und Schulbank; die dafür sorgt, dass Jungs und Mädchen eine Zukunft haben.
Denn dafür setzen die Mitarbeiter des Kinderzentrums sich ein: dass Kindern aus Randgruppen, die sonst kaum Chancen hätten, durch Schulbildung und sonstige Förderung echte Möglichkeiten für die Zukunft geboten werden. Und an Motivation fehlt es diesen Kindern nicht! Die Lehrerin berichtet:

„Eine meiner besten Schülerinnen ist Aurora. Ich bin so dankbar dass solche Kinder hier im Kinderzentrum sind, die ansonsten keinen Ort zum Lernen hätten und so viel verpassen würden. Viele Tage bleibe ich länger mit ihr im Zentrum, über die Arbeitszeit hinaus, weil sie immer darum bittet, noch mehr zu lernen. Am Ende des Schuljahres hatte sie sehr gute Noten und war eine der besten Schülerinnen ihrer Klasse.

Und Gyselda: Jedes Mal, wenn sie eine gute Note schreibt, kommt sie und umarmt mich und dankt mir. Sie ist auch eins der Kinder, die immer länger bleiben, um noch mehr zu lernen. Keinen einzigen Tag hat sie dieses Jahr im Kinderzentrum verpasst. Ich bin so stolz auf sie!“

Die Hingabe ihrer Lehrer und die Förderung, die sie im Kinderzentrum erhalten, machen einen riesigen Unterschied für die Kinder. Die Unterstützung hilft ihnen besonders darin, ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und zu entwickeln. Straße oder Schulbank? Was hier die richtige Antwort ist, ist diesen Kindern völlig klar.

Ein ganzes Jahr lang beteiligten sich hunderte von Einzelpersonen, Gruppen und Kirchengemeinden – zum Beispiel durch einen Spendenlauf und ein Jazzkonzert – an unserem Jahresprojekt 2019: Kinderzentrum und Kindergarten in Kombinat, Albanien. Mehr als 15.000 Euro kamen so bis Ende Dezember zusammen! Über den genauen Einsatz der Mittel beraten wir mit dem örtlichen Partner in den kommenden Wochen. Unter anderem konnte dadurch aber bereits eine neue Lehrerin für den Kindergarten eingestellt werden; das trägt dazu bei, dass der Kindergarten zeitnah finanziell selbsttragend wird und auch das Kinderzentrum mit unterstützt.

Etwas Stabilität schenken, einen Ort bieten, an dem die Kinder sich sicher und geliebt fühlen – das ist für sie enorm wichtig, denn jedes dieser Kinder lebt in schwierigen familiären Verhältnissen. Das ist aber auch besonders dann relevant, wenn sonstige Stabilität zusammenbricht. Das Erdbeben in Albanien Ende November zerstörte auch in Kombinat viele Häuser – sämtliche Familien des Kinderzentrums waren betroffen (der Kindergarten blieb unbeschädigt). Aber unser örtlicher Partner stand ihnen zur Seite, half mit Lebensmitteln, Decken und Schlafsäcken durch die ersten Tage hindurch, ermutigte und beriet, schenkte Hoffnung in einer Weihnachtsfeier – ebenfalls durch Spenden aus dem Jahresprojekt – und fand schließlich ein neues Gebäude fürs Kinderzentrum, sodass im Januar der Unterricht wieder aufgenommen werden konnte. Die Kinder sind begeistert von den neuen Räumen, die erheblich mehr Platz bieten; sogar ein Hof und Garten zum Spielen stehen nun zur Verfügung.

Straße oder Schulbank? Bücher oder Drogen? Ein herzliches Dankeschön, dass Sie sich mit den Kindern in Kombinat für die bessere Wahl eingesetzt haben!

„Das teile ich mit meinen Freunden!“

Weihnachtspäckchen spenden Weihnachtsfreude in Bulgarien und Rumänien

 

„Er wuchs auf mit der festen Überzeugung, dass er aus seinem Leben mehr machen kann, als was man ihm zutraute.“

Als Plamen* drei Jahre alt war, gaben seine Eltern ihn im Waisenhaus ab. Plamen hat Behinderungen, und seine Eltern fühlten sich überfordert. Meist ist der Lebensweg für Menschen wie Plamen schon vorgegeben: Vom Waisenhaus werden sie in ein Wohnheim für Erwachsene mit Behinderungen verlegt, und dort sterben sie. Aber der Direktor des Waisenhauses sah Plamens Potential und sorgte dafür, dass der Junge operiert wurde, sodass er laufen kann. Dann sandte er ihn zur Dorfschule, und danach zur weiterführenden Schule; schließlich besuchte Plamen noch einen Kochkurs.

Heute lebt Plamen in einem „Schutzhaus“ (eine WG für Menschen mit Behinderung) und arbeitet als Sozialhelfer für eine andere Person mit Behinderung; mit seinem kleinen Einkommen unterstützt er seine Herkunftsfamilie. „Plamen ist ein besonderer junger Mann mit einem großen Herz!“, betonen unsere örtlichen Mitarbeiter. Er bringt sich auch in der Dorfgemeinschaft ein, kauft Lebensmittel für bedürftige ältere Menschen und hilft ihnen bei der Hausarbeit.

Im Dezember erhielt er ein Weihnachtspäckchen von Helping Hands. Seine erfreute Reaktion: „Vielen Dank! Das werde ich mit meinen Freunden und meiner Familie teilen.“

 

Insgesamt 681 Weihnachtspäckchen, 100 „Schulpäckchen“ und weitere 10 Kisten mit Schulartikeln konnte Helping Hands e.V. Anfang Dezember ins rumänische Siebenbürgen und die bulgarischen Berge entsenden. Dort spendeten die Päckchen nicht nur große Weihnachtsfreude, sondern tragen auch dazu bei, die harten Wintermonate zu überstehen, denn die meisten Familien können sich die Lebensmittel und Hygieneartikel in den Päckchen kaum selbst leisten. Zum Beispiel Radka* in Vidrare, Bulgarien; Mutter von acht Kindern. Unsere einheimischen Mitarbeiter erzählen über sie:

„Radka wuchs in einer bedürftigen Roma-Familie auf. Sie brach die Schule ab und war verheiratet, bevor sie 18 wurde. Ihr Mann starb vor drei Jahren und ließ sie mit vier Kleinkindern und großen Schulden zurück. Früher arbeitete Radka im Waisenhaus für Kinder mit Behinderung, aber vor vier Jahren wurde es durch die Regierung geschlossen und Radka musste nach anderen Einkommensmöglichkeiten suchen, um ihre Familie zu versorgen. In einem kleinen Dorf ist es nicht so einfach, eine Arbeitsstelle zu finden – aber für Radka nicht unmöglich. Sie hat einen sehr guten Ruf im Dorf und kann hart arbeiten. Viele begannen, sie als Haushaltshilfe oder für Gartenarbeit anzustellen. Und Radka ist eine Mutter, die die Schule unterstützt und der eine gute Ausbildung wichtig ist. Ihre älteren Kinder haben alle die Schule abgeschlossen, Jobs gefunden und eigene Familien gegründet; ihre jüngeren Kinder sind noch im Kindergarten. Radka hilft auch befreundeten Roma-Familien und lehrt sie, nicht aufzugeben, auch wenn das Leben viele Herausforderungen bringt. Sie ist ein großartiges Beispiel für andere. Herzlichen Dank, dass ihr Radkas Familie viel Freude beschert habt!“

Plamen und Radka sind nur zwei von vielen hunderten Einzelpersonen und Familien, deren Weihnachten durch die Weihnachtspäckchen zu einem richtigen Fest wurden. Ein herzliches Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben!

 

*Namen aus Datenschutzgründen geändert

Weihnachtsfreude trotz Erdbeben

„Alle Familien der Kinder in unserem Kinderzentrum haben ihr Zuhause verloren. Am Tag nach dem Erdbeben wurden sie erst mal in Zelten untergebracht, für etwa eine Woche. Danach konnten einige in Notunterkünfte hier in der Gegend umziehen – kleine Holzhütten, eigentlich gar keine richtigen Häuser. Manche leben noch in Turnhallen mit vielen anderen. Wir haben alle Familien besucht und ihnen Lebensmittelpakete gebracht, auch Schlafsäcke, Decken und Matratzen. Sie haben sich so gefreut – viele haben geweint, sie waren so dankbar.“

Gesti Biti, der Leiter unseres örtlichen Partners und Generalsekretär aller evangelischen Gemeinden in Albanien, ist seit dem Erdbeben Ende November unermüdlich unterwegs gewesen – er hat Nothilfe organisiert, Familien besucht, Menschen zugehört und Mut zugesprochen. Und sich nebenher noch um einige logistische Angelegenheiten gekümmert: Denn zum Beispiel ist das Gebäude, in dem die Kinder des Kinderzentrums täglich zum Mittagessen kommen, so stark beschädigt, dass es nicht mehr betreten werden darf. Inzwischen hat Gesti einen neuen Ort gefunden, der zum 1. Januar gemietet wird, sodass auch das Kinderzentrum wieder eröffnen kann, wenn die Schule nach den Ferien weitergeht.

Aber vorher ist ja noch Weihnachten! Auch dafür hat Gesti einige Ideen:

„Wir werden den Familien Coupons geben, mit denen sie sich ein Weihnachtsessen kaufen können. Auch das hilft sehr! Und dann möchten wir, wie in den letzten zwei Jahren, eine Weihnachtsfeier mit den Kindern des Kinderzentrums und ihren Familien veranstalten. Dafür laden wir sie zu einem besonderen Mittagessen ein – um Weihnachten zu feiern, aber auch als eine Art Traumatherapie für sie alle, denn sie haben viel durchgemacht. Sie haben auch immer noch Angst, denn ständig gibt es weitere Nachbeben. Diese Weihnachtsfeier ist etwas ganz Besonderes für sie.“

Dieses Jahr unterstütze Helping Hands e.V. das Kinderzentrum in Kombinat sowie einen Kindergarten im gleichen Ort als „Jahresprojekt“. Der Kindergarten wurde glücklicherweise nicht beschädigt und konnte kurz nach dem Erdbeben wieder eröffnet werden und läuft normal weiter. Und die Familien des Kinderzentrums dürfen erneut erfahren, dass Hoffnung sich nicht nur in besseren Schulnoten wiederspiegelt, sondern einen echten Unterschied im Alltag schenkt.

Hoffnung, wenn die Erde bebt

Noch vor wenigen Wochen wurden auf diesen Tischen nagelneue Buntstifte, Bücher und Rucksäcke von strahlenden Kinderaugen bestaunt – jetzt belegen hier fleißige Hände viele, viele Brötchen mit Käse und Wurst, um zumindest ein wenig Hunger zu lindern auf den Straßen, auf denen Menschen verängstigt warten, was kommt. Und unser Kinderzentrum in Kombinat am Rande Tiranas ist nur einer von unzähligen Orten, an dem das Leben seit dem Erdbeben am Dienstagmorgen nicht mehr so weitergeht wie zuvor.

Das schlimmste Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten hat mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet, Hunderte verletzt und weitreichende Zerstörung angerichtet. „Viele Leute sind auf der Straße, weil ihre Häuser zu stark beschädigt sind“, berichtet Gesti, der Leiter unseres Partners vor Ort. „Viele andere haben Angst, in ihre Wohnungen zurückzukehren.“

Inzwischen hat er ein Komitee von Leitern verschiedener Kirchen und Gruppen zusammengestellt, um Hilfe zu organisieren. „Wir haben Zugang zu den Zentren bekommen, die die Regierung eingerichtet hat – das war nicht einfach, aber ein wichtiger Schritt. Wir haben Brote und Wasser verteilt und eine warme Mahlzeit zubereitet für die Familien, die in Kombinat in Zelten untergebracht sind. Die Not ist groß – benötigt werden vor allem erst einmal Nahrung, Kleidung und Decken.“ Doch angesichts der großen Zerstörung ist auf alle Fälle langfristige Hilfe nötig. Zudem hat Helping Hands bereits Kontakte mit Spezialisten für Katastrophenhilfe vermittelt.

Das Epizentrum des Erdbebens lag nur etwa 30 km nordwestlich des Kinderzentrums und Kindergartens, die wir als das Helping Hands Jahresprojekt 2019 unterstützen. Wie wird es dort jetzt weitergehen?

„Wir mussten den Kindergarten und das Kinderzentrum für diese Woche schließen, weil die Regierung das verlangt hat“, erklärt Gesti. „Die Kinder haben alle große Angst. Die Erde bebt immer noch alle 10 bis 15 Minuten – so etwas haben wir noch nie erlebt. Zudem wurde das Gebäude beschädigt, in dem die Kinder ihre Mittagsmahlzeit bekommen, und die Behörden haben es als unsicher eingestuft: Wir dürfen dort nicht mehr rein.“

Natürlich hofft unser Partner, dass die Lage sich bald entspannt und Kindergarten und Kinderzentrum zeitnah wiedereröffnet werden können. Und bis dahin tun unsere örtlichen Mitarbeiter in der derzeitigen Situation von Angst und Verzweiflung für viele Familien und Kinder genau das, was sie in Kindergarten und Kinderzentrum schon seit einigen Jahren in die Tat umsetzen und auch im Namen des Kindergartens, „AM-EL“, verankert haben: sich fleißig und ehrlich einsetzen, um Hoffnung zu bringen.

Langeweile gibt’s hier nicht

Langweilig – das wird es an der Arche Schule im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, eigentlich nie.

Für die „Kleinen“ war es vor ein paar Wochen sehr aufregend: Sie gingen auf große Müll-Expedition. Der neue kenianische Lehrplan beinhaltet viele praktische Dinge – zum Beispiel, dass Kinder lernen, für ihre Umwelt Verantwortung zu übernehmen. Also zogen die Drittklässler los – mit selbstgebastelter Schutzkleidung im Heinzelmännchen-Look – und sammelten in der Umgebung der Schule den Müll ein. Was für ein Ereignis!

Bei den „Großen“ geht es schon ein wenig ernster zu: In dieser Woche finden die Abschlussprüfungen der 8. Klasse statt. Und Anfang Dezember schreiben die Oberstufenschüler, die über die Arche durch eine Patenschaft unterstützt werden, ihre Examen. Das ist sehr aufregend für sie, denn das Ergebnis entscheidet, ob sie ein Stipendium erhalten und auf der Uni studieren können. Vorher dürfen die Highschooler noch eine Woche auf ein Feriencamp – das Highlight des Jahres!

Aber auch für die Schulleitung der Arche wird es nicht langweilig. Durch die Umwälzungen des letzten Jahres – im November 2018 berichteten wir darüber – sind einige Familien weggezogen, die die Arche sehr unterstützt hatten. Andere zahlen das Schulgeld nicht mehr, sodass finanzielle Lücken entstanden sind und einige Kinder zuhause bleiben mussten. Aber da zeigten sich wiederum einige Eltern solidarisch und bezahlten die Gebühren füreinander. Neue Eltern haben Leitung übernommen und setzen sich positiv für die Schule ein.

Und dann kamen noch Herausforderungen von „ganz oben“: Seit einigen Wochen werden die privaten Grundschulen in Kenia streng kontrolliert, da in einer Schule sieben Kinder aufgrund von Baumängeln umkamen. Im Gebiet der Arche Schule wurden alle privaten Schulen nach Kontrolle umgehend geschlossen – außer der Arche. Ein stabiles Schulgebäude mit ordentlich gepflastertem Hof, adäquat ausgestattete Klassenzimmer, saubere Sanitäranlagen, eine modernisierte Küche und ein Personal, das von Herzen am Wohlergehen der Schule und der Schüler interessiert ist: Da war von Schließung nicht die Rede, ganz im Gegenteil!

Für die Leitung der Arche Schule ist das eine schöne Bestätigung – und ermutigt dazu, sich weiter unermüdlich einzusetzen für die Kinder des Kariobangi-Slums, die ohne die Arche Schule sehr wahrscheinlich gar keine Schulbildung erhalten würden. Langweilig? Dieses Wort kennen die Kinder kaum. Das Leben ist doch so aufregend!

paXan 2019 Georgien: YES!!!

„YES!!!“ – Das war schon nach kürzester Zeit das Motto unseres paXan-Einsatzes in Georgien.

„YES!“, wenn wir morgens in der Martkopi Pension für Menschen mit Behinderung, unserem Einsatzort, ankamen und schon im Hof von zahlreichen Heimbewohnern stürmisch begrüßt wurden.

„YES!“, wenn wir durch die Gänge zu unserem Baustellen-Raum marschierten und mutig auf Georgisch „Gamardschoba“ in alle Richtungen riefen.

„YES!“, wenn unsere Freunde erwartungsvoll hereinlugten, um den Fortschritt an ihrem Music & Entertainment Center zu bestaunen („YES!“ auch an den Tagen, an denen es noch so gar nicht nach Music & Entertainment Center aussah …) oder auch mal ein bisschen mitzuhelfen.

„YES!“ mit unerschütterlicher Herzlichkeit und Freude, ob wir zur Mittagspause liefen, in den Hof um Material auszuladen, oder uns abends müde aber zufrieden auf den Heimweg machten.

Und „Yes!“ – YES!“ – „YESSSS!!!“ am letzten Nachmittag beim großen Einweihungsfest, wo einfach nur begeistert gemeinsam gefeiert wurde.

Nach acht Tagen auf der Baustelle gab es auch wirklich guten Grund zum Feiern: Ein öder, leerer Aufenthaltsraum hatte sich tatsächlich in ein erstklassiges Music & Entertainment Center verwandelt. Zu acht hatten wir es gemeinsam angepackt (und einen riesen Spaß dabei!): die Wände gespachtelt und gestrichen; den alten, maroden Fußboden entfernt und wunderschönes neues Laminat verlegt sowie Leisten gebeizt und angebracht; eine stabile, breite Bühne mit Rollstuhlrampe gezimmert, mit Teppich versehen und die Ecken verletzungssicher abgerundet; zwei gigantische Schalldämpfer gefertigt, die vor Ort noch künstlerisch gestaltet werden; fünf Regenmacher gebastelt und in liebevoller Detailarbeit fünf Cajons gebaut (Marke: paXan!); Tontechnik installiert und schließlich noch Vorhänge aufgehängt und Stühle gekauft, sodass ein richtiger kleiner Theatersaal entstanden ist.

Und konnte das Ergebnis sich sehen lassen? YES – zweifellos!

Aber der Raum war ja nicht nur zum Anschauen da, und deshalb wurde am Freitagnachmittag gründlich Einweihung gefeiert. Denn wie bei allen paXan-Einsätzen standen auch bei diesem Einsatz die Menschen im Mittelpunkt: Menschen, die schon lange nicht mehr „die Heimbewohner“ für uns waren, oder gar „Menschen mit Behinderung“, sondern Freunde mit Namen und individuellem Charakter, mit denen wir acht Tage das Leben geteilt und Erinnerungen geschaffen hatten. Die Einweihungsfeier war dann auch keine langweilige Zeremonie, sondern ein überschwengliches, ohrenbetäubendes, leidenschaftliches Fest: Da wurde gemeinsam gesungen und getanzt, Cajon getrommelt und gejubelt und gelacht. Und da waren auch plötzlich alle Barrieren verschwunden: Sprache, Mobilität, geistige Fähigkeiten – denn wer tanzen möchte, kann das auch im Rollstuhl, und wer singt und feiert, der ist mit dem Herzen dabei.

Und das ist es schließlich, was uns als paXan-Team besonders deutlich geworden ist: dass es manchmal reicht, einfach „YES!“ zu sagen – „JA“ zu kulturellen und persönlichen Unterschieden; „JA“ zu einer offenen Tür, die Freunde nicht als „Arbeitsunterbrechung“ sieht; „JA“ zu verschiedenen Begabungen und auch zu den Eigenarten, die etwas gewöhnungsbedürftig sind … einfach ein „Ja, du bist wertvoll, genau so wie du bist!“

Dorli Gschwandtner für das paXan-Team Georgien

paXan 2019 Armenien

Tolles Team, tolles Projekt, tolle Menschen, tolles Land (ich hoffe ich habe nichts Tolles vergessen) – so in etwa lässt sich paXan Armenien 2019 zusammenfassen.

Zu siebt machten wir uns auf den Weg nach Jerewan, der Hauptstadt von Armenien, und wurden herzlich von den Menschen der dortigen Gemeinde begrüßt, mit denen wir eine Woche lang zusammenarbeiten durften. Unsere zwei großen Aufgaben bestanden darin, bei einer Ferienkinderwoche auszuhelfen und den Hof in einen Platz zum Verweilen und Spielen für die Kinder umzugestalten.

Gleich nach unserer Ankunft am späten Nachmittag stellten wir überrascht fest, dass alles Baumaterial schon da war, und legten direkt los, dieses von der Straße zur Baustelle zu tragen. Insgesamt waren es sechs gefüllte Paletten mit roten und grauen Pflastersteinen. Auch Nachbarskinder halfen spontan mit und die Sprachbarriere war vergessen. So lernten wir von Tag Eins die Nachbarn kennen, die die Woche über interessiert unsere Fortschritte beobachteten.

Um den Spielebereich pflastern zu können, wurde zunächst ein Bett aus einem Kies-, Sand- und Zement-Gemisch (so macht man das in Armenien scheinbar) hergestellt. Während die einen die Grundlage für die Pflastersteine vorbereiteten, räumten die anderen das Grundstück auf, entfernten Gestrüpp und fällten einen verdorrten Baum. Außerdem kamen die Damen im Team auf die Idee, den Spielebereich durch ein kindergerechtes Wandbild farbenfroher zu gestalten.

Vormittags fand während der Woche die Kinderwoche mit bis zu 80 Kindern statt, die von den Teens und jungen Erwachsenen federführend vorbereitet und durchgeführt wurde. Es war begeisternd zu sehen, mit wie viel Freude und Energie die Mitarbeiter durchs Programm leiteten. Uns als paXan-Team fiel hier eine vergleichsweise kleine Aufgabe zu. Wir betreuten die Kinder bei Bastelarbeiten und spielten Spiele mit ihnen – die Löwenmasken als auch das Plumpsackspiel waren dabei die Highlights.

Nachmittags arbeiteten wir bei sehr hohen Temperaturen weiter an unseren Pflastersteinen oder Gemälde und wurden richtig kreativ, uns Schattenvorrichtungen zu bauen, um uns zumindest etwas vor der kräftigen Sonne zu schützen. Trotz Hitze und gesundheitlicher Herausforderungen war die Stimmung im Team durchweg positiv und sorgte für ein wirklich schönes Miteinander.

Neben der Arbeit sind es Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die uns ins Erinnerung bleiben. Seien es die zwei bis drei Frauen, die uns kulinarisch verwöhnten und zeigten, was armenische Gastfreundschaft heißt, die Kinder, die eifrig ihre Englischkenntnisse auspackten, oder die Männer, die uns geduldig die Kunst des armenischen Pflasterns beibrachten.

Gegen Ende unserer Zeit lies es das Projektgeld zu, dass wir einen Basketballkorb und Bälle anschafften. Die Freude war groß und der Korb im Nu von den Kindern eingeweiht. Auch das Wandbild fand regen Anklang. So waren wir amüsiert zu erfahren, dass Familien aus der Nachbarschaft bereits Fototermine vor dem Gemälde vereinbarten.

Neben der eigentlichen Arbeit und dem Projekt hat ein paXan-Team aber auch immer weitere Dimensionen. Eine davon ist der Bildungsaspekt, und so beschäftigten wir uns während unserer Zeit dort auch mit der Geschichte des Landes, der Kultur, dem Essen, den Herausforderungen der Menschen dort und vielem mehr. Jeden Abend sprachen wir als Team über die Erfahrungen des Tages und konnten so das Erlebte reflektieren.

Im Nachhinein wünschen wir uns, dass der Spielebereich wirklich in der Gegend zu einem Ort wird, wo Kinder und Jugendliche einen sicheren Platz vorfinden, an dem sie toben und spielen können, wo sie aber auch jemanden vorfinden, der ihnen zuhört und einfach für sie da ist.

Anne Magin und Christoph Nick für das paXan-Team Armenien

Vorsicht Baustelle!

Achtung: Der Umzug unserer Website ist zwar vollständig vollzogen, aber es stehen noch einige Kartons unausgepackt herum. Also falls die eine oder andere Zimmerecke noch nicht ganz fertig eingeräumt wirkt: Sehen Sie bitte in ein paar Tagen nochmal nach!

„Hurra, ich bin jetzt ein Schulkind!“

„Hurra, ich bin jetzt ein Schulkind!“ So werden in den nächsten Wochen viele tausende Kinder in Deutschland jubeln. Und so – in diversen anderen Sprachen – jubeln tausende Kinder in den Kinderzentren unserer Partner weltweit. Für viele von ihnen ist es gar nicht so selbstverständlich, dass sie in die Schule gehen können.
Aber ob selbstverständlich oder nicht – so ein erster Schultag ist doch in jedem Kinderleben ein Abenteuer, und nicht das kleinste! Das erste Mal mit dem Schulranzen – und am Einschulungstag natürlich auch mit Schultüte – unterwegs sein, das ist schon was ganz Besonderes. Das wird gefeiert!
Aber alleine feiern ist blöd, und deshalb haben sich die Schulanfänger im Kindergarten Friedrichstal in Bad Orb (Hessen) etwas ganz Besonderes ausgedacht. Eine Zeitlang haben sie Geld gesammelt, sind dann zusammen einkaufen gegangen, und haben schließlich alles ordentlich verpackt: Eine ganze Menge „School Packs“ sind so zusammengekommen.
Denn das ist einer der Gründe, weshalb viele Kinder aus bedürftigen Familien in unseren Partnerländern eben nicht zur Schule gehen: weil sie sich das Schulmaterial nicht leisten können. Aber daran soll es nicht liegen!
Daher verschicken wir gerne in unserem jährlichen Transport so viele School Packs wie möglich. Gut, sie sind nicht in Schultüten-Form: Aber die Freude darüber ist ebenso groß! Und nicht nur Freude, auch Erleichterung, bei den Eltern, die ihr geringes Gehalt nun für anderes Wichtiges ausgeben können, und bei den Kindern, die im Unterricht richtig mitmachen können: Denn ohne Schreibmaterial lernt sich auch das Schreiben so schlecht. Und manchmal ist so ein School Pack auch einfach „nur“ ein richtig schönes Geschenk.
Wenn die Kinder des Kindergartens Friedrichstal in knapp zwei Wochen eingeschult werden, dann ist nicht nur in Bad Orb die Freude groß: weil die Schulanfänger schon jetzt gelernt haben, ihre Freude mit anderen zu teilen.
Denn auch darum geht es bei dem, was wir „Entwicklungshilfe“ nennen könnten, oder auch: „Wirkungsvoll helfen, nachhaltig verändern“ … ob durch School Packs, Patenschaft oder Spende für ein Kinderzentrum: Freude zu teilen, weil ein Kind das erleben darf, was wir als „ganz normales Leben“ kennen: mit gefüllter Schultasche in die Schule gehen und lernen, dieser Welt mit Zuversicht und Selbstbewusstsein zu begegnen.
Weitere Infos auf unserer Website.