Der entscheidende Schritt

STEP-Bildungsprogramm im Libanon verändert Kinderleben nachhaltig

„Diese Kinder, sie kommen alle aus zerrütteten Familien. Sie haben kein Geld, sie haben nichts. Einige sind Waisenkinder; fast alle Familien sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Die Hälfte kam erst kürzlich aus Syrien. Diese Kinder sind enorm traumatisiert; die meisten mussten mit ansehen, wie Menschen vor ihren Augen getötet wurden.

Und wenn sie dann hier angekommen sind … keiner weiß so recht, wie sie überleben. Das Familieneinkommen reicht meist kaum für die Miete; deshalb wohnen oft zwei oder drei Familien gemeinsam in einer Wohnung. Kleidung können sie sich nicht wirklich leisten; viele Kinder haben keine Winterjacke, nicht einmal Socken!“

Vor über zehn Jahren wurde das „STEP“ Bildungsprogramm für syrische Kinder im Libanon gegründet, die aus verschiedenen Gründen – meist fehlenden Papieren – keine staatliche Schule besuchen können. Seit 2019 wird es als Nachmittagsprogramm an der NES-Schule in Beirut angeboten; acht zertifizierte Lehrer unterrichten Kinder vom Kindergarten bis zur 6. Klasse in den Fächern Arabisch, Englisch, Mathematik, Naturwissenschaften, Sport und Religion nach offiziellem Lehrplan. Derzeit besuchen 168 Kinder das Programm – und zahlreiche weitere stehen auf der Warteliste.

„Für mich ist das STEP Programm wie eine Mission“, erklärt Jerome, STEP-Koordinator. „Ich sehe diese Kinder, die nichts haben, die keine Perspektive haben – aber wir sehen auch die Veränderung in ihrem Leben, sozial, emotional, akademisch. Das Umfeld der Kinder außerhalb der Schule ist hart. Manche sind Waisen, viele müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Wir haben gelernt, sie ganzheitlich zu fördern – und ihre zweite Familie zu sein!“

Das ist die Realität vieler Kinder im STEP-Programm: den ganzen Vormittag arbeiten, um Geld zu verdienen, beim Frisör, im Straßencafé, in Gemüseläden … und dann am Nachmittag von 15 Uhr bis 18.30 Uhr Schulunterricht, danach noch Hausaufgaben oder mehr Arbeit. Ein Fünftklässler schuftet von 6 Uhr morgens bis 14.30 Uhr in einem Gemüseladen und verrichtet dort die ganze harte Arbeit: für einen Dollar pro Tag. Seine gesamte Familie – mindestens fünf Personen – ist von seinem Gehalt abhängig. Von der Arbeit aus kommt er direkt in die Schule.

„Dieser Junge ist ein Mathegenie, der Klassenbeste“, berichtet Sophia, Educational Coordinator für STEP. „Und es ist meine Entscheidung, wie ich reagiere: Ich kann mit ihm schimpfen, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, oder ich kann anerkennen, dass er den ganzen Tag hart gearbeitet hat und ihm zehn Minuten Zeit geben, um seine Aufgaben zu machen. Auf diese Art hat er sich in allen Fächern enorm verbessert!“

Jedem einzelnen Kind eine gerechte Chance zu ermöglichen und einen sicheren Zufluchtsort zu schenken – das ist die Mission des STEP-Teams. Dazu gehört auch die Förderung individueller Talente: wie der Junge, der seinem Vater den ganzen Tag in einem Straßencafé hilft und nebenher Zeichnungen macht, die er dann in der Schule verkauft; im vergangenen Dezember arrangierte die Schule eine Ausstellung für ihn, um sein kleines „Gewerbe“ zu unterstützen.

Aber dazu gehört ebenso, den Kindern ein wenig Licht in ihrem Alltag zu schenken. „Diese Kinder haben nichts – sie wissen nicht mal, was es bedeutet, Spaß zu haben. STEP ist alles, was sie haben! Deshalb versuchen wir auch ein paar besondere Aktivitäten für sie anzubieten – zum Beispiel kreative Projekte im Unterricht, ein Fußballturnier, etwas Besonderes an Feiertagen, kleine Geschenke zu Weihnachten. Einmal hatten wir eine Hüpfburg, die Kinder konnten es kaum fassen, sie spielten und spielten … das wird ihnen für immer in Erinnerung bleiben. Ihr Alltag ist ansonsten so traurig!“

Seit Frühjahr 2025 kann im Rahmen des neuen NES-Therapieprogramms auch für STEP-Schüler psychologische Beratung und personalisierte Traumatherapie angeboten werden. Denn bei diesen Kindern ist der Bedarf besonders groß. Sarah, die Schultherapeutin, kümmert sich intensiv um die Kinder und freut sich über jeden großen oder kleinen Erfolg. Auch mit dem Jungen, der im Gemüseladen arbeitet, hat sie viel Zeit verbracht. „Anfangs konnte er niemandem so wirklich in die Augen schauen, er saß immer mit hängendem Kopf da … aber jetzt hat sich seine Perspektive völlig verändert, er lässt sich nicht mehr zum Opfer machen, es geht ihm wirklich viel besser!“

Aber das STEP-Team möchte nicht nur für die Gegenwart der Kinder ein Hoffnungslicht sein, sondern auch für ihre Zukunft eine echte Perspektive schenken. Dafür kann, nach jahrelanger Vorarbeit, in diesem Jahr ein entscheidender Schritt gemacht werden. Zum ersten Mal wird eine 6. Klasse angeboten – und zum ersten Mal können diese Sechstklässler am Ende des Schuljahrs auf eine Berufsschule wechseln. Dort können sie aus verschiedenen Ausbildungszweigen wählen und einen Beruf erlernen, mit dem sie dann ein adäquates Einkommen verdienen.

„Ich finde es einfach großartig, was jetzt möglich ist“, betont Sophia. „Bisher hatten diese Kinder keine Zukunft, viele endeten auf der Straße, haben unter den Brücken Taschentücher verkauft … und diese Kinder haben so viel Potential! Doch jetzt können sie lernen, was sie möchten: Ingenieur, Modedesigner, Buchhalter, egal was! Sie erhalten ein Zertifikat und können einen guten Job finden. Hier bei STEP bekommen sie die Grundlagen, die sie benötigen, und später haben sie einen richtigen Beruf – das verändert ihr Leben nachhaltig, es ist einfach toll!“

Auch Marlene, Schulleiterin der NES, ist begeistert über diese neue Entwicklung: „Das ist das Wichtigste: dass sie ihre Ausbildung weiterführen können. Vor allem für die Mädchen – viele Eltern wollen sie einfach nur verheiraten. Wir arbeiten intensiv durch Schulungen und Einzelberatung daran, dass Eltern verstehen, wie wichtig Bildung für ihre Töchter ist.“

Der erste entscheidende Schritt in eine Zukunft, die den Teufelskreis von Armut und Perspektivlosigkeit durchbricht: Das ist das „STEP“-Programm der NES im Libanon. Und dafür setzt sich das STEP-Team mit viel Energie und Hingabe ein, denn „wenn wir ihr Potential sehen, dann können wir richtig in sie investieren, dann kann sich ihr Leben um 100% verändern!“, bekräftigt Bildungskoordinatorin Sophia. „Es ist ja meine Entscheidung, wie ich die Kinder behandle – und ich bin so froh, dass ich mich entscheiden darf, einen wirklichen Unterschied in ihrem Leben zu machen!“

 

Helping Hands e.V. hat das STEP-Programm seit seiner Gründung 2014 umfassend gefördert; momentan vor allem durch Patenschaften und Schulpäckchen. Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass noch mehr Kinder aus Flüchtlingsfamilien im Libanon den entscheidenden Schritt in eine bessere Zukunft machen können, dann spenden Sie bitte mit dem Vermerk „STEP Libanon“ (zur Online-Spende).

Kein Alltag voller Angst

Therapieprogramm an NES-Schule in Beirut bewirkt bemerkenswerte Veränderungen

Es ist bereits bitterer Alltag geworden in Beirut: das stetige Summen der Überwachungsdrohnen des Nachbarstaates, Explosionen in West-Beirut, Nachrichten über Angriffe und Gegenangriffe im Süden. Auch in dem Stadtteil, in dem sich die NES-Schule befindet, sind diese Geräusche des Krieges deutlich zu hören – für viele der Kinder und Familien eine tagtägliche Erinnerung an das Trauma, das sie durchlebt haben.

Da sind zum Beispiel die Kinder, die mit ihren Familien in West-Beirut lebten, als es regelmäßig bombardiert wurde. Ihre Häuser sind zerstört und die Familien haben sich eine Bleibe in der Nähe der Schule gesucht. Trotzdem können die Kinder nachts oft nicht schlafen; die Erinnerung an das Erlebte sitzt zu tief.

Und dann sind da Kinder wie die Zwillingsbrüder Damien* und Eric*, die, wie viele andere, mit ihren Familien aus dem Süden fliehen mussten und früh im letzten Schuljahr plötzlich vor der Tür der NES-Schule standen. Die Zweitklässler – voller Angst und Trauma der Bombenangriffe und erlebten Konflikte – waren sichtlich erleichtert, dass sie endlich in einer sicheren Umgebung waren.

Auch die Eltern leiden – und mit ihnen wiederum ihre Kinder. Etwa die Hälfte der Schüler in der NES und im STEP-Nachmittagsprogramm stammt aus syrischen Flüchtlingsfamilien. Zwar wurden viele der Kinder erst in Beirut geboren. Doch ihre Eltern haben das Trauma aus Syrien mitgebracht, und durch die aktuellen Ereignisse wird es immer wieder neu aufgewühlt. Eine Mutter brach in einer Gruppentherapie in Tränen aus und beschrieb ihre Reaktion beim größten Angriff vor einem Jahr, der in Beirut zu spüren war wie ein Erdbeben: „Ich saß auf dem Boden und weinte, denn plötzlich war ich wieder das junge Mädchen in Syrien, voller Angst vor den Bombenangriffen … mein kleines Kind kam zu mir und musste mich trösten, so eine schlechte Mutter bin ich!“

Um diesen Kindern und ihren Familien emotionale Heilung und eine angstfreie Zukunft zu ermöglichen – ihnen, und den vielen anderen, die extreme Wirtschaftskrise, Pandemie, Hafenexplosion und Erdbeben durchlebt haben – hat die NES-Schule im Frühjahr das Therapieprogramm begonnen, das wir als unser Jahresprojekt 2025 fördern. Schulungen und Gruppenangebote für Kinder, Eltern und Lehrer werden ergänzt durch Einzelgespräche mit Sarah, der Schulpsychologin; auch die syrische Mutter kam zwei Monate lang jeden Tag zu ihr und sie sprachen intensiv darüber, wir ihr Trauma ihren Alltag bestimmte.

Und schon nach kurzer Zeit hat das Programm einen großen Unterschied gemacht. Kinder und Eltern haben gelernt, ihre Gefühle bewusst einzugestehen und in Worte zu fassen, ihre Bedürfnisse klar zu benennen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und aktiv ihre emotionale Gesundheit zu fördern. Lehrer und Eltern haben zusätzlich gelernt, mit ihren Gefühlen und Erfahrungen so umzugehen, dass die Kinder davon ermutigt, nicht verängstigt werden. Die junge Mutter aus Syrien weiß nun, dass es völlig in Ordnung ist, solche Emotionen zu haben, dass sie darüber auch mit ihren Kindern sprechen darf, und deshalb keine schlechte Mutter ist!

Auch die Zwillingsbrüder Damien und Eric haben von der heilenden Atmosphäre und dem Therapieprogramm profitiert: „Von dem Moment an, als sie die Schule betraten, begann der Heilungsprozess. Sie gewöhnten sich schnell an die neue Umgebung, konnten wieder strukturiert lernen, wurden emotional, sozial und geistlich gefördert … Die Veränderung war bemerkenswert. Die Zwillinge holten nicht nur ihren Rückstand auf, sondern übertrafen sogar ihre Mitschüler. Die NES-Schule brachte ihnen den nötigen Frieden und die Heilung, um ihre Liebe zum Lernen – und zum Leben selbst – wieder zu entfachen.“

Nach einer erfolgreichen Pilotphase im Frühjahr hat die NES das Therapieprogramm fürs neue Schuljahr Ende September in geringerem Umfang gestartet. Noch fehlen die Mittel, das Programm fürs ganze Schuljahr bzw. in vollem Umfang umzusetzen. Die Kinder, Familien und Personal der NES-Schule in Beirut sind für jede Unterstützung dankbar! Bitte überweisen Sie mit Vermerk „NES Therapie“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

* Namen geändert. Das Foto zeigt eine gestellte Situation mit der Therapeutin.

„Warum ist denn hier alles so grün?“

„Warum ist denn hier auf einmal alles so grün?“ Diese Frage wurde unserem Partner in Madagaskar von Leitern der katholischen Kirche gestellt, die grade ein kleines Kloster in Andranovory besuchten. Bisher kannten sie das Dorf im Süden Madagaskars nur als trockenes Land mit roter Erde. Aber jetzt blühen dort auf einmal überall Gemüsefelder. Was im vergangenen Jahr noch ein vorsichtiger Anfang war, ist nun sichtbar gewachsen: auf den Feldern, in den Köpfen und in der Hoffnung der Menschen.

Die Einwohner Andranovorys haben immer wieder mit langen Dürreperioden zu kämpfen, die nicht nur den landwirtschaftlichen Anbau, sondern auch die meiste Zeit im Jahr die tägliche Trinkwasserversorgung zur großen Herausforderung machen. Aus diesem Grund haben wir mit unserem Partner vor Ort, der „Association Precious“, ein Projekt zur nachhaltigen Ernährungssicherheit gestartet. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen – bzw. werden von Außenstehenden ja bereits gesehen.

Zu Beginn der neuen Projektphase in 2024 konnten wir schöne Synergieeffekte mit einer anderen lokalen Organisation nutzen und haben unter Einbindung der lokalen Bevölkerung begonnen einen kleinen Kanal von dem nächsten Fluss bis ins Dorf zu graben. Ein großer Tank am Ende des Kanals versorgt nun die Bewohner Andranovorys das ganze Jahr mit Wasser und das an zwei verschiedenen Stellen im Dorf.

Mit Wasser lässt sich auch Land neu denken. Die Zahl der bepflanzten Felder ist deutlich gestiegen. Auch Gemüse, das zuvor als „unmöglich“ galt, wächst nun regelmäßig – darunter Tomaten, Auberginen und Papaya. In kleinen Baumschulen werden Obstsetzlinge und Moringa herangezogen. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Landwirtschaft: Kompost, Permakultur, biologische Schädlingsbekämpfung mit lokalen Pflanzen.

Neben den landwirtschaftlichen Schulungen für die Gruppen hat das vergangene Jahr auch gezeigt, wie wichtig begleitende Betreuung ist. Die fünf lokalen Gruppenleiter und die zwei Techniker aus Antananarivo führen weiterhin regelmäßige Hausbesuche durch, beraten bei Schädlingsbefall oder Missernten, erinnern an Gießzyklen oder organisieren Nachschulungen.

Denn auch Rückschläge gehören dazu. Nicht alle 150 teilnehmenden Haushalte konnten durchgehend gute Ernten einfahren. Vor allem die ersten Reisaussaaten waren vom extremen Wetter betroffen. Doch was 2023 noch fast undenkbar schien, wurde Wirklichkeit: Die erste Reisernte im trockenen Süden Madagaskars. Durchschnittlich 1,8 Tonnen Reis konnten pro 200 m² Feld geerntet werden – für viele Familien ein historischer Moment. Nicht nur für den Eigenverbrauch, sondern auch als Einnahmequelle.

Das Projekt wirkt – nicht nur im Boden, sondern auch in den Köpfen. Immer mehr Menschen aus Nachbardörfern fragen nach Schulungen, nach Saatgut, nach Hilfe für eigene Felder. Die Nachfrage wächst schneller, als das Team sie im Moment bedienen kann.

Die Projektleiter Therese und Richard sind realistisch, aber motiviert. Sie wissen: Veränderung braucht Zeit, vor allem dort, wo Generationen in Mangel gelebt haben. Und sie braucht Geschichten, die Hoffnung machen. Geschichten wie die von Jeanne, die dieses Jahr zum ersten Mal genug geerntet hat, um auf dem Markt in der nächstgrößeren Stadt verkaufen zu können. Oder von Fidèle, der seinen Reisvorrat in einem gemauerten Vorratslager trocken einlagern konnte – auch das war früher undenkbar.

Was als kleiner Impuls begann, wird in Andranovory zunehmend zu einem kollektiven Prozess. Die Herausforderungen bleiben groß, doch der Zusammenhalt, die neu gewonnene Eigenständigkeit und das Wissen, dass Veränderung möglich ist, tragen erste Früchte – im wahrsten Sinne.

„Wer wird uns helfen?“

Verheerende Monsun-Regenfälle in Nepal bedrohen die Existenz unserer Kinderzentren-Familien

„Ich hatte einen Traum, dass diese Kardamom-Farm das Leben meiner Familie verändern würde. Dass ich meinen Kindern eine bessere Ausbildung ermöglichen kann. Aber mein Traum ist mit dem Monsunregen und Erdrutsch hinweggefegt worden. Jetzt habe ich große Sorge, dass wir sogar unsere Heimat verlassen müssen.“ (Vater von Pavitra*, Schülerin im Ghalegaun Kinderzentrum)

Während die deutschen Medien größtenteils von gestrandeten Touristen auf dem Mt. Everest berichteten, ereilte Tausende von Familien im Osten Nepals ein viel dramatischeres Schicksal. Unglaublich heftige Regenfälle – mehr als doppelt so viel Wasser wie bei „extrem stark“ eingestuften Regenfällen – lösten verheerende Erdrutsche aus. Im Bezirk Ilam kamen dabei Dutzende von Menschen ums Leben, auch im angrenzenden Bezirk Pachthar gab es zahlreiche Todesfälle. Viele verloren fast alles, was sie besitzen. Die Infrastruktur ist weitestgehend zerstört und die Bezirke dadurch vom Rest des Landes abgeschnitten; viele Ernten sind vollständig vernichtet, inmitten der Haupt-Erntesaison ein herber Verlust.

Unser integratives Kinderzentrum in Ithung und Ghalegaun liegt mitten im am stärksten betroffenen Gebiet.

Und dabei hatte sich dort schon so viel positiv verändert in den letzten Jahren! Kinder haben durch das Kinderzentrum eine echte Chance auf gute Bildung. Familien haben sich kleine Gewerbe aufgebaut, Gärten und Felder angelegt, ihre Viehzucht optimiert und so nach und nach ihr Einkommen so sehr verbessert, dass sie greifbare Hoffnung für die Zukunft gefasst haben.

In einer einzigen Nacht wurden Träume zerstört und Hoffnung zunichte gemacht.

Es war der 4. Oktober, und das Dorf Ghalegaun feierte Dashain, ein zweiwöchiges Fest, das wichtigste im nepalesischen Jahr. Viele Felder waren reif für die Ernte; nach dem Fest sollte die Arbeit losgehen. Doch mitten in der Nacht kam das Unwetter.

„Um Mitternacht waren die Regenfälle so schrecklich, ich konnte mein Land nicht retten“, berichtet Pavitras Vater. „Wir hatten auch Angst, dass unser Zuhause mit weggerissen wird. Im Dunkeln, im Regen sind wir aus dem Haus gerannt, um uns zu retten. Wenn es weiter so regnet, dann wird noch alles den Hügel hinabgerissen.

Ich hatte einen Kredit von der Bank aufgenommen, um diese Kardamom-Farm anzupflanzen. Sie war reif für die Ernte, nach Dashain wollten wir beginnen; mit dem Erlös wollte ich auch den Kredit abbezahlen. Aber der Regen hat die ganze Farm in den Fluss gespült. Hunderttausend Rupien sind jetzt verloren. Ich hatte noch so viele Pläne – ich wollte mehr anpflanzen, Ställe für eine Kuh und Ziegen bauen, ich wollte meiner Familie ein Zuhause bauen, weil wir noch bei Verwandten wohnen. Jetzt habe ich Angst, dass die Bank kommt und ihr Geld fordert, und mir mein Land nimmt, und ich mit meiner Familie meine Heimat verlassen muss.“

Glücklicherweise gab es in den Dörfern Ghalegaun und Ithung keine Todesfälle. Aber Pavitras Familie ist nicht die einzige in unserem integrativen Kinderzentrum, die große Verluste erlitten hat. Das Haus einer Familie ist komplett zerstört, sie sind bei Verwandten untergekommen. Drei weitere Häuser sind stark beschädigt, aber die Familien wohnen trotz der Gefahr weiter darin, weil sie keine andere Option haben. Mehrere Familien haben ihre Ställe verloren, und fast alle Familien haben ihre Ernte und Teile ihrer Grundstücke verloren. In Ithung ist außerdem das Gebäude, in dem das Kinderzentrum stattfindet, potentiell einsturzgefährdet, falls die starken Regenfälle andauern. Darüber hinaus ist sicheres Trinkwasser ein großes Problem, weil alle Leitungen beschädigt sind – ein enormes Gesundheitsrisiko, vor allem für die Kinder.

Nun stehen die Familien vor großen Herausforderungen. Ranjana, deren Haus zerstört wurde, fasst ihre Sorge in Worte:

„Ich habe kein Haus, keine Betten und keine Decken. Der Winter steht vor der Tür, wie soll ich meine Kinder vor der Kälte schützen? Meine Kinder haben ihre Schuluniformen, Bücher und anderes Material verloren, wie sollen sie nun zur Schule gehen? Ich habe meine Lebensmittelvorräte verloren, wie sollen wir überleben? Bis jetzt hat uns noch keiner von der Regierung besucht, wer wird uns helfen? Ich habe wegen der medizinischen Behandlung meines Kindes vor einigen Monaten einen Kredit aufgenommen. Ich hatte vor, die Raten nach Dashain zu bezahlen, aber nun kommen noch mehr Probleme hinzu.“

Die Familien in Ghalegaun leiden unter enormer emotionaler und finanzieller Belastung. Die positiven Entwicklungen der letzten Jahre durch das integrative Kinderzentrum hatten ihnen viel Hoffnung gegeben, dass sie ihren Kindern tatsächlich eine gute Zukunft ermöglichen können. Aber jetzt wagen viele nicht mehr, an diesen Traum zu glauben.

Wir möchten unsere Familien in Ghalegaun in dieser Lage nicht allein lassen!

Vier Jahre haben wir mit den Kindern und Familien in Ithung und Ghalegaun Seite an Seite an ihrer Zukunft mitgewirkt. Und diese Zukunft ist weiterhin greifbar! Wir möchten vor allem die Haushalte, die ihre Ernte, Felder oder Ställe verloren haben, beim Neuanfang unterstützen. Dafür brauchen wir Ihre helfenden Hände!

Wenn Sie gemeinsam mit uns weiter in eine hoffnungsvolle Zukunft für die Kinder und Familien in Ithung und Ghalegaun investieren möchten, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „Nepal Katastrophenhilfe“ auf unser Konto bei der KSK Gelnhausen, IBAN: DE56 5075 0094 0000 022394 (zur Online-Spende). Alternativ können Sie auch eine Patenschaft für ein Kind in diesem Kinderzentrum übernehmen (im Online-Patenschaftsformular „Nepal Kinderzentren“ wählen).

Eine Geschichte mit Happy End?

Lunathi, Leiter des Bonani-Kinderzentrums in Südafrika, erzählt

„Als meine Oma starb, da dachte ich: Mein Leben ist zu Ende. Sonst hatte ich ja niemand! Ich war mir sicher: Jetzt hab ich keine Zukunft mehr.“

Elf Jahre alt war Lunathi damals – elf Jahre Kummer, Scham, und Einsamkeit. Die Mutter war kurz nach seiner Geburt verschwunden, der Vater schon immer stark alkoholabhängig – und das ganze Dorf wusste von ihrer Schande. In dem kleinen Kalinyanga nahe Engcobo im Ostkap Südafrikas waren die Chancen für Kinder aus ärmeren Haushalten ohnehin sehr gering. Für einen Jungen ohne Familie war von vornherein klar: Ich kann ja doch nichts aus meinem Leben machen.

Zwar kümmerte die Großmutter sich um den verlassenen Enkel, aber da waren auch noch die zahlreichen Cousins und Cousinen, Onkels und Tanten, die ihre Aufmerksamkeit forderten und dem kleinen Neffen nicht gerade ein Gefühl der Geborgenheit vermittelten.

„Ich wuchs in einem sehr gefährdeten Umfeld auf“, erinnert sich Lunathi. „Ich fühlte mich nie sicher – denn ich hatte ja keine Eltern, die einen Ort der Sicherheit für mich schaffen, die mir das Gefühl geben, geliebt zu sein.

Als meine Oma dann auch noch starb, da wusste ich nicht mehr weiter. Wozu sollte ich überhaupt weiterleben? Ich wurde stark depressiv; ich hatte keine Perspektive mehr.“

Für ein paar Jahre nahmen verschiedene Dorffamilien den heimatlosen Jungen bei sich auf, doch nirgendwo fühlte er sich so recht daheim. Bis Mama Ayanda, eine leitende Person im Dorf, dem inzwischen Vierzehnjährigen ein Obdach bot.

Das war für Lunathi die entscheidende Wendung. Denn Mama Ayanda – mit ihrer liebevollen, fürsorglichen Art, mit ihrem unerschütterlichen Glauben an das Potential vor allem auch in den Personen, die die Gesellschaft schon abgeschrieben hat – Mama Ayanda gab dem einsamen Teenager nicht nur eine Bleibe, sondern war ihm eine Mutter und schenkte ihm eine echte Heimat.

„Ich bin so dankbar für alle, die mir eine Zuflucht gaben, die mir einen sicheren Ort schenkten. Ich habe wieder gelernt zu träumen, ich konnte wieder eine Zukunft sehn.“

Allen ursprünglichen Erwartungen zum Trotz schaffte Lunathi den Absprung. Er beendete seine Ausbildung, fand Freunde, die ihm in Kapstadt einen Neustart ermöglichten, engagierte sich dort viele Jahre in einem karitativen Werk, besuchte Weiterbildungen für den Umgang mit Kindern aus gefährdetem Umfeld, baute sich ein neues Leben in der Großstadt auf.

Eine Geschichte mit Happy End?

Ja – aber ein Happy End, das nicht nur der Hauptfigur eine glückliche Zukunft verspricht!

Denn nach einigen erfolgreichen Jahren in Kapstadt entschloss Lunathi sich, in sein Heimatdorf zurückzukehren.

„Ich wusste: Da sind so viele Kinder in meinem Dorf, denen es genauso geht wie mir damals, die aufwachsen ohne Sicherheit, ohne Menschen, die sie liebhaben, und denen oft das Nötigste fehlt. Ich wollte, dass sie die gleiche Chance bekommen, die ich erhalten habe. Ich wollte, dass wir für diese Kinder einen Ort schaffen, wo sie sicher sind.“

Für die Kinder in Kalinyanga hat sich seit Lunathis Kindheit nichts gebessert. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch, viele der ärmeren Familien leben größtenteils von der mageren staatlichen Rente der Großeltern – oft mehr als zehn oder fünfzehn Personen pro Haushalt. Zahlreiche junge Mädchen sehen ihre Zukunftschance darin, schnell ein paar Kinder in die Welt zu setzen, um dann vom ebenfalls nicht üppigen staatlichen Kindergeld ihre eigenen Wünsche nach Konsumgütern und Entertainment zu befriedigen – für die Grundbedürfnisse der Kinder bleibt kaum etwas übrig. Hunderte von Kindern wachsen auf mit der Überzeugung, dass sie nicht gewollt und nicht geliebt sind. Bei ungenügender Ernährung, mangelhafter Hygiene und fehlenden Ressourcen für den Schulbesuch ist ihre Chance auf eine gesunde Entwicklung gleich Null.

Um das zu ändern, dafür kehrte Lunathi nach Kalinyanga zurück. Gemeinsam mit Mama Ayanda gründete er das „Bonani“ Kinderzentrum. Was als Suppenküche für mangelernährte Kinder begann, wurde bald auf ein Bildungsprogramm ausgeweitet.

„Die Kinder kommen nach der Schule zu uns und bekommen erst mal eine nahrhafte warme Mahlzeit. Dann machen sie ihre Hausaufgaben und wir helfen ihnen dabei. Wir haben auch andere Programme, die ihre Gaben und Fertigkeiten fördern – zum Beispiel Tanz und Musik. Und vor allem ist Bonani einfach ein Ort, wo die Kinder hinkommen können und spielen und sich sicher und geborgen fühlen dürfen.

Unsere Vision ist dieser sichere Ort für die Kinder, wo wir sie auch in ihrer Bildung und gesundem Wachstum fördern können; ein Ort, an dem sie geliebt sind und wo sie selbstbewusst auf ihre Zukunft blicken können, auf ihre Träume – darin möchten wir sie unterstützen.

Unser Ziel ist aber auch, die ganze Dorfgemeinschaft positiv zu entwickeln, sodass die Eltern selbst gut für ihre Kinder sorgen können. Wir möchten die Familien stärken, ihr Bewusstsein für Themen wie angemessene Ernährung öffnen, wir möchten für Eltern Einkommensmöglichkeiten schaffen. Im Endeffekt sollen die Kinder sich überall sicher fühlen können – bei uns im Bonani-Zentrum, aber auch daheim bei ihren Familien.“

Eine Geschichte mit „Happy End“ für die Kinder in Kalinyanga?

Ja, denn an diesen vielen kleinen Erfolgsgeschichten von jungen Menschen, die geliebt und wertgeschätzt aufwachsen und eine greifbare Chance für die Zukunft haben – daran arbeiten Lunathi und Mama Ayanda mit ihrem kleinen Team von Mitarbeitern und mit einer Liebe und Hingabe, die zum Mitmachen begeistert.

Seit letztem Jahr dürfen wir sie als Helping Hands Team darin unterstützen. Beim paXan-Einsatz 2025 konnten zwei unserer Mitarbeiter sich vor Ort vom Bonani-Projekt überzeugen und die Kinder in Kalinyanga persönlich kennenlernen. Und jedes einzelne dieser Kinder hat eine Zukunft!

Damit diese Zukunft wirklich greifbar wird, suchen wir noch dringend Patenschaften für Kinder im Bonani-Kinderzentrum. Wenn Sie ein Teil dieser „Geschichte mit Happy End“ sein möchten, dann wählen Sie im Online-Patenschaftsformular bitte die Option „Südafrika: Bonani Kinderzentrum“ oder überweisen mit dem Verwendungszweck „Bonani Kinderzentrum“. Weitere Infos (auch Online-Spende) zum Projekt finden Sie auf dieser Seite.

Eine Aula für die Ashrafieh-Schule in Amman

Schule in Jordanien ist dankbar für neuen Raum zur Charakterförderung

„Wir möchten eine Schule sein, die eine verantwortungsbewusste Generation ausbildet – Kinder bzw. Erwachsene, die Verantwortung übernehmen für sich selbst, aber auch für ihr Umfeld. Eine Generation, die das Gelernte weitergibt an andere, und die den Herausforderungen des Lebens gewachsen ist. Wir möchten ein gutes Lernumfeld schaffen für die Kinder, wir möchten Charakter stärken, wir möchten wie eine Familie sein, deren Mitglieder sich gegenseitig unterstützen und das Leben miteinander teilen.“ (Rektorin)

Die Schule in Amman, Jordanien, befindet sich in Ashrafieh, einem der sozialschwächsten Gebiete der Stadt. Vor 70 Jahren wurde die Schule für armenische Flüchtlinge gegründet; heute lernen dort syrische, irakische, ägyptische und jemenitische Kinder gemeinsam mit jordanischen Schülern. Das ist in Jordanien nicht selbstverständlich, da in staatlichen Schulen Flüchtlings- bzw. Migrantenkinder stark abgegrenzt werden und nicht mit einheimischen Kindern lernen dürfen. Doch in der Schule in Ashrafieh lernen diese Kinder gemeinsam wie in einer Familie.

„Rashidi* war früher an einer öffentlichen Schule. Dort hat er sehr gelitten und ist ständig gemobbt worden. Als er zu uns kam, war ihm zuerst gar nicht bewusst, dass er jetzt an einem sicheren Ort ist. Unsere Lehrer kümmerten sich sehr um ihn und ermutigten ihn, sodass er im Unterricht gut aufholte und auch erkennen konnte: Hier bin ich zuhause, hier bin ich angenommen. Das hat sein Verhalten sehr positiv verändert.“

Selbst muslimische Familien senden ihre Kinder am liebsten hierher, weil sie in dieser Schule ein sicheres und respektvolles Umfeld erfahren. Für die meisten ist das Schulgeld eine große Herausforderung, denn als Tagelöhner oder Bauarbeiter reicht ihr Einkommen nur gerade für Miete, Nebenkosten und Lebensmittel; deshalb werden die Schulgebühren möglichst niedrig gehalten. Davon lassen sich gerade so die Lehrergehälter bezahlen; für dringende Renovierungen oder notwendige Umbauten müssen andere Gelder generiert werden.

Dank der großzügigen Unterstützung des Berliner Joggathons konnte im vergangenen Sommer ein wichtiger Umbau an der Schule vorgenommen werden. Bisher stand in den alten Schulgebäuden kein Raum zur Verfügung, in dem sich mehr als 20 oder 30 Personen auf einmal versammeln oder größere Treffen stattfinden konnten. Um diesen Raum zu schaffen, wurde eine Dachterrasse gefestigt, ummauert, renoviert und so als Versammlungsraum bzw. Aula ausgebaut. Dort können nun 80 bis 100 Personen zusammenkommen.

Die Aula wurde im vergangenen Schuljahr schon eifrig genutzt: für wöchentliche Lehrertreffen, Workshops, Feierlichkeiten, Elternabende,  Wahlfächer und Schülerversammlungen.

„Die Aula spielt eine entscheidende Rolle dabei, die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler durch verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen zu fördern“, drückt die Rektorin ihre Dankbarkeit aus. „Ihre multifunktionale Nutzung hat die Beziehungen innerhalb der Schulgemeinschaft gestärkt und die Kommunikation zwischen Schülern, Eltern und Mitarbeitern verbessert.“

 

Helping Hands e.V. fördert die Ashrafieh-Schule in Amman seit vielen Jahren, vornehmlich durch Kinderpatenschaften. Das Aula-Projekt wurde ermöglicht durch Spenden aus dem Berliner Joggathon 2023 – ein herzliches Dankeschön an alle, die sich daran beteiligt haben!

Wirkungsbeobachtung: Small Business Schulungsprogramm der Arche in Kenia

„Ich komme aus einem Umfeld, wo Männer viele Frauen heiraten dürfen. Ich war die zweite Frau meines Mannes. Dann heiratete er eine andere und ließ mich allein – mit sechs Kindern. Ich musste einen Weg finden, für sie zu sorgen. Die Arche-Schule half mir mit der Bildung meiner Kinder, während ich auf der Straße um Essen bettelte und um Geld für die Miete.

Das „Small Business Programm“ der Arche ermöglichte mir dann, ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Noch ist mein kleines Unternehmen nicht völlig selbsttragend, und die Sprachbarriere macht es nicht einfacher, denn ich bin Somali und verstehe kein Swahili. Aber durch Hilfe mit der Übersetzung und wöchentliche Besuche von Janet, der Koordinatorin, hat sich mein Geschäft schon so weit entwickelt, dass ich etwa die Hälfte der Schulkosten meiner Kinder tragen kann, die Miete für ein kleines Zimmer bezahlen und Essen kaufen. Und mein Geschäft entwickelt sich kontinuierlich weiter, dank Janets Mentoring!“ (R.W.)

Von Mai 2024 bis April 2025 führte die Arche-Schule mit unserer Förderung ein Kleinstunternehmen-Programm für die erste Gruppe von Frauen im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, durch. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier.

Das Programm wurde vor Ort kontinuierlich evaluiert und von uns eng begleitet. Aus den Wirkungsbeobachtungen ergaben sich einige Anpassungen bereits während der Projektlaufzeit sowie Erkenntnisse für die nächste Gruppe, die im Juni 2025 mit dem Programm begann.

Zu den Beobachtungen bzw. Erkenntnissen und Anpassungen gehörte unter anderem:

  • Nach der ersten Schulung schlug die Leiterin vor, eine weitere Schulung ins Programm mit aufzunehmen. Sie erkannte, dass die Teilnehmerinnen sehr schwierige Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben (Missbrauch, Naturkatastrophen, Opfer politischer Gewalt u.v.m.) und von den Traumata noch stark betroffen sind, wodurch auch ihre Geschäfte beeinträchtigt werden. Damit die Frauen besser im Alltag zurechtkommen, ihre Geschäfte gut weiterführen und adäquat mit Kunden umgehen können, empfahl die Schulungsleiterin ein „Mental Wellness Training“.

-> Die zusätzliche Schulung wurde im Herbst für die erste Gruppe sehr erfolgreich durchgeführt und in die Planung für die nächste Gruppe aufgenommen.

  • Nach einiger Zeit wurde offensichtlich, dass die Frauen noch mehr Grundkenntnisse in der Buchführung brauchen. Dies wurde durch regelmäßige „Refresher“-Schulungen und in wöchentlichen Besuchen gefördert.

-> Auch für die neue Gruppe wurde sichergestellt, dass wöchentliche Monitoring-Besuche bei allen Geschäftsfrauen stattfinden, da diese Praxis maßgeblich zum Erfolg des Projektes beigetragen hat.

  • Alle Frauen erhielten ein Startkapital und begannen zeitnah, dies aus ihrem Profit zurückzuzahlen. Dies funktionierte in der ersten Gruppe gut, trotzdem betonte die Koordinatorin, dass mehr Variation beim Startkapital sinnvoll ist, da die Frauen sehr unterschiedliche Fähigkeiten und die Geschäfte sehr verschiedenen Umfang haben. Es wird zur Herausforderung, wenn die Teilnehmer ihre Fähigkeit über- oder unterschätzen.

-> Auf diese Tatsache soll in der nächsten Gruppe noch stärker geachtet werden. Alle Frauen müssen einen Businessplan abgeben (wurde bereits in der ersten Gruppe so gehandhabt), der noch stärker geprüft und detailliertes Feedback gegeben werden sollte.

  • Im Umfeld der Arche-Schule bzw. im Kariobangi-Slum sind sowohl Analphabetismus als auch die Sprachbarriere tägliche Herausforderungen; einige Frauen kommen aus geflüchteten oder eingewanderten Familien und sprechen kein Swahili. Das war sowohl in den Schulungen als auch im Followup ein Problem.

-> Für die Übersetzung wurden die Kinder zur Hilfe geholt (vor allem an Wochenenden). Es wurde stärkerer Fokus auf korrekte Beschilderung der Ware gelegt; darin wurden die Frauen unterstützt von Freunden und Nachbarn, die lesen und schreiben können. In der nächsten Gruppe muss ebenfalls darauf geachtet werden, dass alle Teilnehmerinnen schon früh gute Bepreisung und Beschilderung lernen.

  • Während der Laufzeit fanden starke politisch-motivierte Unruhen im Kariobangi-Slum und anderen Teilen Kenias statt. Dadurch waren die Geschäfte der Frauen beeinträchtigt; einerseits bestand die Gefahr der Plünderung oder Zerstörung, andererseits konnten verderbliche Waren nicht verkauft werden. Das Leitungsteam half den Frauen, ihre Waren zu diversifizieren, sodass dieses Risiko minimiert wurde, und empfahl ihnen, während der Unruhen die Läden geschlossen zu halten. Die meisten Geschäfte überstanden die Zeit ohne größere Schäden; einer Frau wurde das Haus zerstört, und die anderen Frauen legten zusammen und gaben ihr einen Kredit aus der Gruppe, um ihr den Neustart zu ermöglichen.

-> Ratschläge für das richtige Verhalten in ähnlichen Situationen wird als Schulungsinhalt auch für spätere Gruppen aufgenommen.

  • Zu Projektende wurde deutlich, dass einige Frauen noch immer Unterstützung bei der Kalkulation der Kosten und Bepreisung der Ware benötigen. Wenn die Ware falsch beschriftet ist, können außerdem Verluste entstehen. Zusätzlich brauchen die Frauen mehr Unterstützung dabei, ihre Angebote an die Marktnachfrage anzupassen.

-> Für die Frauen wird weiter regelmäßiges Mentoring angeboten. Dies erfolgt im Rahmen der Monitoring-Besuche für die nächste Gruppe.

  • Insgesamt wurde im Verlauf des Projektes klar, dass die regelmäßigen Besuche mit Mentoring und Monitoring grundlegend für den Erfolg sind und zwischen Koordinatorin und Teilnehmerinnen eine gute Beziehung aufgebaut werden sollte.

-> Aus diesem Grund traf die Koordinatorin sich bereits einige Zeit vor Schulungsbeginn wöchentlich mit der neuen Gruppe für 2025, um Beziehungen aufzubauen, die geschäftlichen Kapazitäten der Teilnehmer zu bewerten und die Frauen zum Sparen zu animieren.

„Für mich ist die Arche-Schule ein Licht“

Eine Mutter berichtet, wie die Arche-Schule in Kenia das Leben ihrer Familie verändert hat

„Ich heiße Kamila* und bin kenianische Staatsbürgerin, aber ursprünglich komme ich aus Äthiopien. Als ich die Arche-Schule kennenlernte, hatten meine Kinder bereits zwei Jahre keine Schule besucht. Wir hatten eine sehr schmerzhafte Trennung hinter uns. Ich war immer Hausfrau und hatte mich voll und ganz auf meinen Mann verlassen. Nach der Trennung waren wir obdachlos. Viele Tage lang flehte ich völlig unbekannte Menschen an, uns für nur eine Nacht aufzunehmen.

In die Arche-Schule hat mich Gott geführt. Eine Freundin erzählte mir davon. Sie sagte dass es eine gute Schule ist, und so hatte ich den Mut, dort hinzugehen. Ich flehte die Lehrer an und gab zu, dass ich kein Schulgeld bezahlen konnte, aber mich so sehr nach Hilfe sehnte. Die Lehrer prüften meine Situation und erkannten, wie schlimm es uns ging. Sie waren so einfühlsam! Sie haben mir ein kleines Zimmer gemietet, in dem ich und meine Kinder unterkamen. Zu der Zeit hatte ich nicht einmal eine Decke, um meine Kinder zuzudecken. Aber ich war so ermutigt, endlich einen sicheren Zufluchtsort zu haben!

Meine drei Kinder sind jetzt seit fünf Jahren in der Arche-Schule. Und letztes Jahr hat die Schule mir geholfen, mit ein wenig Startkapital ein kleines Geschäft zu gründen. Da habe ich gemerkt, dass dieser Gott ein Gott ist, der Wunder tut!

Ich habe einen kleinen Laden eröffnet und der Erlös hilft mir, genug Nahrung für meine Kinder zu kaufen. Jetzt fangen auch meine Kinder an, wirklich eine Zukunft zu sehen. Die Arche-Lehrer sind für mich und meine Kinder wie Familie. Sie unterstützen uns auf so viele Weise – sozial, emotional, geistlich … und natürlich auch meine Kinder auf ihrem Bildungsweg.

Für mich als Mutter, aber auch als Mitglied der örtlichen Gemeinschaft, ist die Arche-Schule ein Licht: das Licht unseres Stadtteils, der Menschen hier, und das Licht meiner Familie. Und das sehe nicht nur ich so: Über viele Jahre haben viele Menschen betont, wie wichtig die Arbeit der Arche-Schule ist und welch großen Einfluss und positive Veränderung sie in unserem Umfeld bewirkt.“

 

Kamila ist eine von zwölf Frauen, die 2024 an unserem neuen Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für Mütter teilnahm – einen ausführlichen Bericht lesen Sie hier. (Das Foto zeigt eine andere Frau aus diesem Schulungsprogramm.)

Die Arche-Schule unterstützten wir als Helping Hands e.V. seit über 15 Jahren – u.a. durch Patenschaften für Kinder, deren Eltern sich das Schulgeld nicht vollständig leisten können. Falls Sie eine Patenschaft für ein Arche-Kind übernehmen möchten, wählen Sie bitte auf dem Patenschafts-Formular „Afrika“.

 

*Name zum Schutz der Privatsphäre geändert

„Die beste Idee überhaupt“

Neues Schulungsprogramm im Kariobangi-Slum in Kenia schafft nachhaltige Veränderung

„Unser Fazit: Dieses Kleinstunternehmen-Schulungsprogramm für die Mütter war die beste Idee überhaupt. Es hat ein selbstständiges, selbstbewusstes und sehr motiviertes Team von Frauen hervorgebracht. Ihre Zukunft, die bisher nur düster war, ändert sich jetzt drastisch. Auch das Leben ihrer Kinder hat sich verändert. Sie besuchen die Schule und Colleges, manche sogar die Universität.“

Der Alltag im Kariobangi-Slum in Nairobi, Kenia, ist alles andere als einfach – vor allem für Mütter. Polygamie ist hier normal, und meist werden die Frauen dann mit ihren Kindern sitzengelassen. Aus Verzweiflung nehmen sie unwürdige „Arbeit“ an – sie betteln auf der Straße, verkaufen illegalen Alkohol, bieten Sex gegen Bezahlung. Das reicht in der Regel nur fürs nackte Überleben, und die Kinder haben keine Chance, sich gesund zu entwickeln oder zur Schule zu gehen.

„Ich bin eine alleinerziehende Mutter, mein Mann verließ mich für eine andere Frau“, beschreibt Caroline ihre Erfahrung. „Zu der Zeit habe ich gerade unser jüngstes Kind gestillt und hatte keinen Job. Unser Vermieter war gnadenlos und hat uns ausgesperrt. Meine Kinder mussten alle mit der Schule aufhören, weil ich kein Geld hatte.“

Die Frauen zu bevollmächtigen und somit eine ganze Familie und die Zukunft der Kinder zu „retten“, das ist das Ziel des Schulungsprogramms, das die Arche-Schule im Kariobangi-Slum startete. Die Arche-Schule dient den Familien hier seit einem Vierteljahrhundert und hat schon Hunderten von Kindern eine ausgezeichnete Bildung und einen hoffnungsvollen Start ins Erwachsenenleben ermöglicht.

Während der Corona-Pandemie wurde klar, dass auch die Familien noch intensiver unterstützt werden müssen, um ein gesundes Umfeld für die Kinder zu ermöglichen. Damals wurde schon ein kleines Schulungsprogramm für 15 Frauen durchgeführt, von denen 12 noch aktiv ihre Geschäfte betreiben. Im Frühjahr 2024 entwickelte das Leitungsteam der Arche dann ein strukturiertes Programm, das jedes Jahr eine weitere Gruppe von Frauen darin schult und begleitet, neue Kleinstgewerbe zu gründen bzw. bestehende auf eine erfolgreiche Basis zu stellen. So sollen die Frauen langfristig genügend Einkommen generieren, um die Kosten für Nahrungsmittel, Miete, Ausbildung und andere grundlegende Bedürfnisse ihrer Familien selbst tragen zu können, anstatt auf Hilfsgüter angewiesen zu sein. Das Programm umfasst Schulungen, Unterstützung bei der Marktanalyse und beim Verfassen eines Business-Plans, Startkapital und wöchentliches Followup durch Janet, die Koordinatorin des Programms. Alle 12 Arche-Mütter der 2024er Gruppe sind noch aktiv in ihren Kleinstunternehmen engagiert.

„Ich bin so dankbar für dieses Programm der Arche-Schule, durch das ich gelernt habe, mein eigenes Geschäft erfolgreich zu starten – ich verkaufe jetzt Bananen, Orangen, Mangos, Zwiebeln und Avocados –, und die nötigen finanziellen Mittel dafür habe ich auch erhalten“, berichtet Caroline. „Jetzt hab ich einen kleinen Raum für uns als Familie gemietet, meine Kinder gehen wieder zur Schule, und wir haben wenigstens zwei Mahlzeiten am Tag. Dank der Betreuung durch Janet weiß ich, wie ich Preise festsetze und wie ich meinen Gewinn kalkulieren kann. Ich bin zuversichtlich, dass das Geschäft mir bald helfen wird, unsere gesamten täglichen Bedürfnisse zu decken und unseren Lebensstandard zu verbessern.“

Auch Hellen, ebenfalls eine alleinerziehende Mutter, ist begeistert: „Ich war eine von den glücklichen Personen, die am Schulungsprogramm teilnehmen durfte. Ich habe gelernt, wie man Buchhaltung macht und mit Kunden umgeht, und mein Geschäft auf eine sichere Basis gestellt. Meine Kinder gehen jetzt regelmäßig zur Schule, und wenn sie nach Hause kommen, dann finden sie Mahlzeiten auf dem Tisch – alles dank eurer Hilfe!“

Das Kleinstunternehmen-Programm ist ein einfaches Konzept – aber es funktioniert. Zentral ist die viertägige „Business“-Schulung, in denen die Frauen Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen, um ein kleines Unternehmen zu starten und erfolgreich zu verwalten und weiterzuentwickeln. Später folgt eine weitere Schulung zum „Auffrischen“; auch eine Einheit für psychische Gesundheit wird den Frauen angeboten, da viele unter traumatischen Erfahrungen leiden. Janet besucht jede Geschäftsfrau mindestens zweimal pro Woche, um ihre Bücher und Kosten zu prüfen, Hinweise zur Preisgestaltung und Vermarktung der Produkte zu geben und ihnen zu helfen, tatsächlich Gewinn zu erzielen.

Gemeinsam mit Janet haben die Frauen schon einige Herausforderungen bewältigt – unter anderem die Sprachbarriere, da viele eingewandert sind und sich in der Landessprache kaum verständigen können; hier sind die Schulkinder oft eine große Hilfe. Aber trotz dieser kleinen Hürden ist Janet sehr zuversichtlich über den Erfolg des Programms:

„Aufgrund der Schulungen und den wöchentlichen Besuchen haben wir jetzt 24 aktive Unternehmen, 20 davon führen ihre Buchhaltung schon gut durch, und 19 sind ausgezeichnet in der Vermarktung ihrer Produkte oder Dienste und ziehen neue Kunden an, sodass ihr Gewinn steigt und das Unternehmen wächst. Die Teilnehmer der früheren Gruppe können 60% der Bedürfnisse ihrer Familien selbst begleichen – zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Schulkosten und Miete – und werden bis Ende dieses Jahres wohl unabhängig sein. Die 2024er-Gruppe hat bereits 45% erreicht, d.h. sie können zu einem Teil das Schulmaterial und Lebensmittel für ihre Familie kaufen und die Miete bezahlen. Sie werden wohl noch bis Mitte nächsten Jahres wöchentliche Besuche benötigen, um vollständig selbstständig zu werden. Da sie alle gute Aufzeichnungen über ihre Ver- und Einkäufe und den Fortschritt ihres Geschäfts machen, können sie in Zukunft auch Darlehen von Banken beantragen.

Insgesamt ist das Betteln stark zurückgegangen; die Familien sind nicht mehr auf Almosen von Freunden oder Nachbarn angewiesen. Auch die häusliche Gewalt hat sich verringert, und die Kinder besuchen zu 100% die Schule. Die Schulung zur psychischen Gesundheit hat außerdem den Frauen geholfen, mit ihrem Umfeld gesunde Beziehungen zu fördern.“

Auch Torsten S., erfolgreicher Geschäftsmann und Mitglied von Helping Hands, der im Frühjahr 2025 einige der Geschäftsfrauen im Rahmen einer privaten Reise persönlich besuchen konnte, ist beeindruckt von den beobachteten Ergebnissen: „Eine Frau mit einem kleinen Gemüsestand hat mir bestätigt, dass sie aus ihrem Einkommen drei Kinder und ein Enkelkind ernährt und Schule und Unterkunft bezahlt. Eine andere Frau hat einen Friseursalon gestartet und viel Potential, Geld zu verdienen, denn ihre Kundinnen scheinen sehr zufrieden zu sein und durch Mundpropaganda bekommt sie neue Kunden.

Insgesamt hat diese Initiative nachhaltig die Lebenssituationen der Familien verändert. Die Frauen sind selbstständig und strahlen ein großes Selbstbewusstsein aus, dass sie ihr Leben selbst managen können. Es ist schön zu sehen, dass das wirklich Hilfe zur Selbsthilfe ist!“

Vierundzwanzig erfolgreiche Geschäftsfrauen … vierundzwanzig Familien, die einen gesunden Alltag erleben dürfen und mit Hoffnung auf Morgen blicken … somit auch fünfzig bis hundert Kinder, die die Schule besuchen und eine echte Chance für die Zukunft haben – das zieht auch Kreise weit über die ursprüngliche Gruppe hinaus. Janet reflektiert: „Wir glauben, dass der Erfolg dieses Projekts diesen Teil des Kariobangi-Slums auf eine neue Ebene bringt und viele Menschen zum Nachahmen animiert. Wir sind sehr dankbar für diese Vision und freuen uns auf die Fortsetzung des Programms.“

Derzeit steht eine neue Gruppe von Frauen in den Startlöchern, um die Schulungen zu beginnen, ihre Geschäftspläne auszuarbeiten und umzusetzen. Aber dieses Mal sind es nicht nur Mütter von Arche-Schülern. Denn schon nach kurzer Zeit hat das Programm über die Schule hinaus Wirkung gezeigt – einige Frauen aus der Community kamen zur Arche und haben gebeten, ins Projekt aufgenommen zu werden. Janet hat bereits mehrere Monate mit ihnen zusammengearbeitet, um Kontakte zu knüpfen und die Frauen auf das Schulungsprogramm vorzubereiten.

Und plötzlich hat das Ziel des Schulungsprogramms sich geöffnet in eine viel breitere Vision: nicht nur einzelne Familien zu bevollmächtigen, sondern einen ganzen Stadtteil nachhaltig zu verändern und einen Ort der Hoffnung zu erschaffen, wo bisher die Hoffnungslosigkeit herrschte.

Ein Schritt in Richtung Heilung

Therapieprogramm an der NES-Schule in Beirut durchläuft erfolgreich erste Phase

„Ich weiß gar nicht genau, wie ich mich fühle – nur traurig und verwirrt bin ich die ganze Zeit.“ Charbel*, ein Siebtklässler an der NES-Schule in Beirut, Libanon, wohnt direkt neben einer Gegend, die von häufigen Bombenangriffen betroffen ist. Er hat eine schreckliche Zeit hinter sich. Aber das Schlimmste dabei: Er fühlte sich mit seiner Angst und seinen Fragen völlig allein. „Meine Eltern zeigen ihre Gefühle nicht, es ist, als ob sie weit entfernt von mir sind.“

Charbel machte einen wichtigen Schritt: In einer Pause suchte er den Raum der Schul-Therapeutin auf und kam mit seinen Fragen zu ihr. Sara, ausgebildete Psychologin, arbeitet seit 2022 als Therapeutin an der NES-Schule und hat schon einige traumatische Ereignisse mit den Kindern durchgearbeitet. Der Beginn der Bombenangriffe im Herbst 2024 hat die Traumata noch verschärft. Deshalb hat die NES-Schule ein umfassendes Therapieprogramm entworfen, das nach Ostern in eine zweimonatige Testphase startete. Seitdem arbeitet Sara noch konzentrierter mit den Schulklassen und mit einzelnen Kindern zusammen. Charbel konnte sie helfen, seine Emotionen zu erkennen, zu akzeptieren und auszusprechen und gesunde Wege zu finden, mit negativen Gefühlen und Trauma umzugehen.

„Seit mehr als drei Jahren arbeite ich als Psychologin an der NES, und ich sehe die direkten und indirekten Auswirkungen des Krieges auf unsere Schüler und ihre Familien: ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit, Hilflosigkeit und emotionalen Betäubung,“ berichtet Sara. „Viele Eltern und Kinder fühlen sich überfordert, weil sie keine Kontrolle über ihre Lebensumstände haben, oder sie ertrinken in toxischer Positivität – dem Druck, hoffnungsvoll zu bleiben, während sie echte Ängste und Trauer unterdrücken.“

Besonders stark betroffen sind die etwa hundertfünfzig Kinder aus geflüchteten Familien, die an der NES in einem Nachmittagsprogramm unterrichtet werden. Für sie wurde ein spezielles Programm entwickelt, das u.a. in wöchentlicher Einzel- und Gruppentherapie grundlegende Aspekte der psychischen Gesundheit fördert. „Viele dieser Kinder – manche sind erst 12 Jahre alt – sind mit Erwachsenen-Pflichten belastet; viele müssen arbeiten, um Eltern und jüngere Geschwister zu unterstützen. Überhaupt ihre Gefühle zuzulassen oder einzugestehen fühlt sich für sie ‚verboten‘ an.“ Das Programm bietet den Kindern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle auszudrücken – oft zum ersten Mal – und Vertrauen aufzubauen.

Doch es sind nicht nur die Kinder, die Hilfe brauchen. Deshalb bezieht das Therapieprogramm auch Lehrer und vor allem Eltern mit ein. „Viele Betreuungspersonen sind sich ihrer eigenen emotionalen Wunden und unverarbeiteten Traumata nicht bewusst“, erläutert Sara. „Dieser Mangel an Bewusstsein beeinträchtigt oft ihre Fähigkeit, ihre Kinder emotional zu unterstützen, und kann unbeabsichtigt Ängste, Furcht oder Distanziertheit auf die Kinder übertragen.“

In verschiedenen Schulungen und Selbsthilfegruppen lernen Eltern und Lehrer, mit ihren eigenen Ängsten umzugehen und auf die Gefühle der Kinder richtig zu reagieren: „Mir war nicht klar, wie sehr meine eigenen Gefühle mein Kind beeinflussen“, gaben Teilnehmer zu. Dabei kamen bei vielen Eltern tiefere emotionale Wunden zu Tage, die oft noch aus früheren Kriegen und Konflikten stammten. Nach einer Weile begannen die Eltern, ihre Ängste, Herausforderungen und Verwundbarkeit offen anzusprechen – und merkten dadurch, dass sie nicht allein sind: „Mir war nicht bewusst, dass andere Eltern auch sowas durchmachen“, betonten mehrere Teilnehmer. Sara ist über die bisherigen Ergebnisse zuversichtlich: „Die Eltern verstehen langsam aber sicher, dass ehrliche Anerkennung von Gefühlen eine Form der Stärke ist und nicht der Schwäche, und sie bauen eine kleine, aber bedeutsame Gemeinschaft der gegenseitigen Unterstützung auf.“

Den Eltern und Lehrern die Mittel an die Hand geben, auf Traumata richtig einzugehen, und den Kindern helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu steuern, gesunde Beziehungen aufzubauen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen – das sind die Ziele dieser Testphase des Therapieprogramms an der NES-Schule. Damit wird Resilienz gestärkt und das soziale Gefüge der ganzen Schulgemeinschaft positiv beeinflusst. Ein sicheres Lernumfeld, gesundes emotionales Bewusstsein, Stabilität, Hoffnung … all das befähigt Kinder und Erwachsene, persönliche und externe Krisen erfolgreich zu bewältigen.

Für manche ist das noch ein langer Weg – zum Beispiel für Layla*. Layla ist 12 und hat keine Eltern. Sie lebt in einer mildtätigen Einrichtung und besucht an der NES das Nachmittagsprogramm. Während der Gruppentherapie sollte sie im Rahmen eines Spiels ein Beispiel erwähnen, in welchen Situationen sie sich geliebt fühlt. Ihre Antwort: „Ich kann mich an keinen Moment erinnern, wo ich Liebe gefühlt habe.“ Sara lud sie ein, später in ihr Büro zu kommen, und so begann ein heilender Prozess: „Diese Aussage fasst alles zusammen, was Layla in sich vergraben hatte. Sie erzählte mir von schrecklichen Erfahrungen, dass sie mehrmals versucht hatte davonzulaufen, sich selbst verletzen wollte, wie schwer es ihr fällt, ihre Gefühle auszudrücken, wie allein sie sich die meiste Zeit fühlt.

Seitdem treffen wir uns regelmäßig. Wir finden Wege, wie sie ihren Schmerz ausdrücken kann; sie lernt, dass sie um Hilfe bitten darf, dass ihre Gefühle zählen, dass sie und ihre Geschichte wertvoll sind. Der Weg vor ihr ist noch holprig … aber jedes Mal, wenn sie kommt und ein wenig mehr von sich selbst mitteilt, ist es ein Schritt zur Heilung.“

Ein Schritt in Richtung Heilung – das soll auch diese Testphase des Therapieprogramms sein. Die Testphase endet mit dem laufenden Schuljahr Mitte Juni. „Die ersten Wochen haben ein klares Ergebnis gezeigt“, schlussfolgert Sara, „nämlich den dringenden Bedarf an strukturierter Unterstützung für die psychische Gesundheit der Kinder, und dass Heilung mit sicheren Räumen, offenem Dialog und den richtigen ‚Werkzeugen‘ beginnt.

Die Veränderungen, die wir schon nach kurzer Zeit beobachten können, zeigen deutlich, dass Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit sind – vor allem in Krisenzeiten. Natürlich sind wir nicht perfekt – aber wir sind fest entschlossen, jeden Tag unser Bestes zu geben, um unsere Mission als ganzheitliche Schule zu erfüllen, die Herz, Verstand und Zukunft jedes einzelnen Schülers und jeder Familie fördert.“

Wenn Sie dazu beitragen möchten, dass Kinder und Familien im Libanon sich psychisch gesund entwickeln und mit neuer Hoffnung in die Zukunft blicken können, dann spenden Sie bitte mit Vermerk „NES Therapieprogramm“ oder „Jahresprojekt 2025“ (zur Online-Spende).

 

*Namen zum Schutz der Privatsphäre geändert